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Funde & Fakten

Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


Warum schütten Archäologen ein monumentales Bauwerk wieder zu, noch bevor sie dessen Bedeutung vollständig entschlüsselt haben? In dieser Folge von „Funde & Fakten“ tauchen wir tief in die faszinierenden Ausgrabungen von Tel Schimron ein, einem Ort, der sowohl in der Bibel als auch in ägyptischen Quellen Erwähnung findet. Erlebe die Rätsel um ein gigantisches Monument, das mehrfach zugeschüttet wurde – einst im Altertum und nun erneut von den Forschern.


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Serie: Funde & Fakten

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Transkript

[0:18] Warum schütten Archäologen einen Fund, den sie gerade erst gemacht haben, wieder zu? Noch bevor sie wirklich verstanden haben, um was es eigentlich sich dabei handelt? Heute wollen wir in diesem Video über eine solch merkwürdige Entdeckung mehr erfahren. Und damit herzlich willkommen zu Funde und Fakten mit der Frage heute: Warum wurde dieses Monument zugeschüttet? Und zwar zweimal im Altertum und jetzt von Archäologen erneut. Es geht um Ausgrabungen in Tel Schimron.

[0:55] Dieser Ort ist vielleicht auch einem guten Bibelkenner nicht direkt vertraut. Er kommt allerdings ein paar Mal im Alten Testament vor. Im Zuge der Eroberung von Kanaan im Buch Josua lesen wir von einem König von Simron oder Schimron, je nachdem, wie man das dann ins Deutsche überträgt. Ein kananitisches Stadtkönigtum, wie es ja eine ganze Reihe von solchen Stadtstaaten dort gegeben hat, als die Israeliten dann Kanaan erobert haben. Tel Schimron hat seine größte Blütezeit allerdings schon in den Jahrhunderten davor gehabt in der sogenannten Mittelbronzezeit. Das ist biblisch gesehen die Zeit der Patriarchen. Damals war es über 19 Hektar groß und wird nicht nur in der Bibel erwähnt, sondern auch in ägyptischen Quellen. Das Besondere an diesem Ort ist auch, dass er bis in die heutige Zeit immer bewohnt gewesen ist. Das ist ja auch nicht selbstverständlich.

[1:58] Hier ist einer der Hauptausgräber dieses Ortes, Professor Dr. Daniel Master vom Wheaton College. Die Ausgrabungen an diesem Ort sind erst relativ rezent, haben vor wenigen Jahren wirklich so richtig begonnen. Seit 2017 gräbt man wirklich wissenschaftlich gründlich hier in Tell Schimron und man sieht auf dem Bild, dass da dieser Tell sich etwas abhebt, natürlich etwa 70 Meter über dem Talboden ist. Und was die Ausgräber erstaunlicherweise gefunden haben, war, dass ganz oben noch mal ein riesiges Monument war. Fünf Meter hoch und 1200 Quadratmeter in der Fläche. Ungefähr so viel wie eine olympische Schwimmanlage. Was macht das da oben auf diesem Tell? Dieses Monument hatte ein Gewölbe mit großen Bögen, war allerdings schon in der Antike wieder mit Schotter verfüllt worden und deswegen so gut wie nie benutzt worden. Das hat dazu natürlich geführt, dass es außergewöhnlich gut erhalten gewesen ist und man eine ganze Menge über dieses Monument jetzt archäologisch erfahren konnte, vor allem auch die Art und Weise, wie es gebaut worden ist.

[3:16] Man spricht dort von einem sogenannten Kragstein-Gewölbe. Das ist eine Bautechnik, die zu der Zeit eigentlich vor allem in Mesopotamien angewendet worden ist und das ein Indiz dafür auch, wie sehr die mesopotamische Kultur auch auf den Westen, auf Kanaan ausgestrahlt hat. Es ist sicherlich kein Zufall, dass in dieser Zeit auch z.B. Abraham aus Mesopotamien nach Palästina kommt. Das war damals die modernste Technik, die es so gab. Es geht dabei darum, die Ziegel immer ein bisschen, je weiter höher man baut, immer ein bisschen enger aneinander zu bauen, sodass sich das dann so nach oben hin verengt. In dem vorliegenden Fall hier in Tell Schimron ist das Ganze noch besonders verziert worden, indem man ab und zu so Kalksteinschichten dazwischen getan hat. Das muss dann im Original recht beeindruckend ausgesehen haben.

[4:08] Wenn man jetzt also denkt, wow, so ein großes Monument auf so einem großen Tell, auch sehr, sehr gut erhalten, das ist sicherlich dann ein großer Publikumsmagnet, da werden sicherlich jetzt viele Touristen hingehen, dann muss man enttäuscht feststellen, die Öffentlichkeit hat es nicht gesehen und wird es auch nicht mehr zu sehen bekommen, weil man nach der Ausgrabung tatsächlich alles wieder erneut mit Schotter verfüllt hat. Und zwar aus einem ganz simplen Grund. Man hat sich überlegt, man hat, nachdem man alles untersucht hat, Fotos gemacht hat, aufgenommen hat. Das Ding ist so gut erhalten, dass Touristen, die jetzt kommen würden, es auf jeden Fall nur den Erhaltungszustand verschlechtern würden. Um das Monument zu schützen, hat man es sozusagen wieder vergraben. Da liegt es jetzt wieder unter der Erde und wird somit zumindestens nicht zerstört.

[5:03] Bleibt noch die Frage, was sollte dieses Monument? Was sollte dieses merkwürdige Gebäude für eine Funktion erfüllen? Und tatsächlich sind die Archäologen total ratlos. Sie gehen wohl davon aus, dass es keine Verteidigungsanlage gewesen ist und einige mutmaßen, es könnte vielleicht einen religiösen Zweck dahinter gestanden haben. Das liegt vor allem daran, dass man so ein Gefäß hier gefunden hat. Man hat ein ähnliches Gefäß auch in Naharia gefunden, deswegen man es auch das Naharia-Gefäß nennt. Und dort in Naharia hatte es offenbar aufgrund des Kontextes einen religiösen Zweck. Wäre also durchaus vorstellbar, es wäre vorstellbar, dass dort auch in dieser kananitischen Stadt dort auf dem Tell oben ganz in der Höhe vielleicht eine Art Tempel oder eine religiöse Gedenkstätte, irgendetwas gestanden haben könnte. Auf jeden Fall sehr monumental, aber nicht lange benutzt, weil schon kurze Zeit später wieder verfüllt worden mit Schotter.

[6:12] Was nehmen wir also heute mit? Ausgrabungen in Schimron haben überraschenderweise eine große, sehr gut erhaltene Struktur offenbart, von der die Archäologen nicht wissen, was das eigentlich sollte. Klar ist nur, ein wirtschaftlich und ja, politisch stabiles, ja, fast mächtiges kleines Königreich kann sich so etwas leisten. Das ist ein Indiz für die Macht auch dieser kananitischen Stadtstaaten gehabt haben, bevor dann die Israeliten dort bei der Landnahme auf sie gestoßen sind. Wie gesagt, dieser Stadtstaat Schimron wird dann auch im Alten Testament erwähnt als einer der Städte, die sich den Israeliten entgegengestellt haben, aber ohne Erfolg, weil die Israeliten mit Gottes Hilfe dann das Land erobert haben.

[7:06] So viel für heute. Schön, dass ihr dabei gewesen seid. Bis zum nächsten Mal, wenn es hier wieder heißt Funde und Fakten.


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