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Funde & Fakten

Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


Entdecken Sie die geheimnisvolle Welt des assyrischen Duftes! In dieser Folge von „Funde & Fakten“ lüften wir das Rätsel, wie Parfüm im alten Assyrien roch. Begleiten Sie uns auf eine faszinierende Reise zu einer mittelassyrischen Tontafel, die ein antikes Rezept für duftende Kreationen birgt.


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Serie: Funde & Fakten

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Transkript

[0:18] Die Assyrer sind der Nachwelt vor allem wegen ihrer Grausamkeiten in Erinnerung geblieben, aber sie hatten auch ein wirklich gutes Gespür für guten Geruch.

[0:29] Heute wollen wir in diesem Video mehr darüber erfahren und damit herzlich willkommen zu Funde und Fakten. Heute mit der vielleicht ungewöhnlichen Frage, wie roch assyrisches Parfüm? Es geht heute um diese Tontafel mit dem etwas prosaischen Namen K220.

[0:51] Sie lagert heute in der Sammlung des Vorderasiatischen Museums in Berlin. Gefunden wurde sie in Assur, der Hauptstadt des gleichnamigen Reiches Assyrien, äh dem religiösen Zentrum auch. Und wir wissen, von wann diese Tontafel datiert, nämlich vom 20. Tag des Monats Muchur Ilani. Es ist nicht ganz hundertprozentig klar unter den Experten für die mittelassyrische Kalenderrechnung, wann das exakt gewesen ist, möglicherweise im Spätfrühling, Frühsommer. Jedenfalls das Ganze befindet sich oder war im Eponymat des Limu Shunu Kardu.

[1:36] Damit hat es folgendes auf sich: Die Assyrer hatten noch nicht diese Zeitrechnung wie wir, wo man sozusagen einen bestimmten Fixpunkt hat und sagt, so und so viel Jahre vor oder nach einem bestimmten Punkt, sondern jedes Jahr hat den Namen eines Beamten bekommen. Man nannte diesen Beamten dann Limu, weil das gesamte Jahr nach ihm benannt worden ist und hat man so Listen geführt, wo man sehen konnte, also im ersten Jahr des Königs so und so war das Jahr des Limu so und so und im zweiten Jahr war das Jahr des Limu so und so. Und so kann man anhand der Listen dann nachrechnen, in welchem Jahr z.B. der oberste Mundschenk Shunukadu der Lim war. Das war das fünfte Jahr des Tokulti Ninurta und damit sind wir mit dieser Tontafel in der Mitte des 13. Jahrhunderts vor Christus in der sogenannten mittelassyrischen Zeit. Biblisch gesehen ist das in etwa die Zeit der Richter.

[2:36] Was aber für unsere Zwecke hier viel interessanter ist, ist der Inhalt dieser Tontafel. Es findet sich dort nämlich ein Parfümrezept. Die Tontafel, der Schreiber der Tontafel und die Schreiberin macht ganz deutlich, dass sie nur die Person, die das geschrieben hat, nur kopiert hat, nämlich von einem Original. Und es wird sogar genannt, wer dieses Rezept im Original erfunden hat, nämlich die Murakitu, die Parfümmacherin Taputi Belat Eke. Der Name ist ganz interessant. Taputi ist eine Assistentin, eine Partnerin, eine, die sozusagen in einem Geschäftsverhältnis eigentlich auch mit jener steht. Bel Ekale ist die Herrin des Tempels. Also möglicherweise hatte diese Frau eine ganz gute familiäre Ausgangssituation. Ansonsten wissen wir natürlich über Taputi nicht allzu viel.

[3:33] Und in diesem Rezept wird ein Prozess beschrieben mit zahlreichen Schritten, der über mehrere Tage und Nächte anhält, wo man also die verschiedenen Stoffe dann immer wieder zusammenrührt und stehen lässt und Dinge abseigt und so weiter, damit am Ende ein besonders auserlesenes Parfüm entsteht. Das und so kann man hier auf diesem kleinen Ausschnitt in den rot umkreisten Keilschriftzeichen lesen, dass es gut für den König, Verzeihung, für den Kopf des Königs ist, also ein königliches Parfüm.

[4:11] Was war dort drin? Erwähnt werden einige Inhaltsstoffe, nicht alle sind immer leicht zu identifizieren, weil wir natürlich nicht eine umfassende Kenntnis der mittelassyrischen Botanik haben, aber wir können z.B. Zypergras, Myrrhe, Kalmus, Myrte und einige andere äh Inhaltsstoffe deutlich übersetzen und entsprechend identifizieren.

[4:35] Vor kurzem haben Wissenschaftler und Experten für antike Düfte einen Reproduktionsversuch unternommen, um tatsächlich dieses Parfüm von Taputi noch einmal herzustellen. Das Ganze wurde geleitet von der Duftspezialistin Berükan Ergül in der Türkei. Sie hat mit verschiedenen Wissenschaftlern in der Türkei zusammengearbeitet und man konnte tatsächlich dieses Parfüm wiederherstellen und sie hat dann auch in einer eigenen Marke einen eigenen Duft kreiert, der sozusagen Anleihen dieses Rezeptes hat, sozusagen zu Ehren von Taputi. Man kann tatsächlich heute in der Türkei auch als Parfüm kaufen.

[5:23] Interessant ist, dass viele dieser Inhaltsstoffe, die die Assyrer hier für ihre Parfüms verwendet haben, auch in der Bibel vorkommen. Z.B. in Hohelied Kapitel 4 Vers 14: "Deine Schösslinge sind ein Lustgarten von Granatbäumen mit herrlicher Frucht, Zyperblumen, das Zypergras mit Narden, Narden und Zafferan, Kalmus und Zimt samt allerlei Weihrauch, Weihrauch, Myrrhe und Aloe und den edelsten Gewürzen." Auch in Psalm 45 Vers 9 wird uns dieses Konzept eines Parfüms deutlich vor Augen geführt: "Nach Myrrhe, Aloe und Zimt duften deine Kleider."

[6:03] Besonders interessant ist, dass in der Bibel im Zuge des Heiligtums auch auserlesene Spezerei verwendet worden ist, um ein wohlriechendes heiliges Salböl zu kreieren. Also das Salböl, mit dem dann z.B. die Gegenstände des Heiligtums, aber auch der Priester selbst gesalbt worden sind. Das hatte auch einen sehr stark aromatischen Aspekt, z.B. wohlriechender Kalmus sollte dabei sein.

[6:34] Und das zeigt uns, dass diese Frage vom Duft in der Antike im Altertum sehr wichtig gewesen ist, bis hinein in das biblische Heiligtum. Ein guter Geruch war auch dort von großem Interesse. Gott hat sich gewünscht, dass das Heiligtum und auch die Priester gut riechen.

[6:54] Was nehmen wir heute mit? Ein mehr als 3200 Jahre altes assyrisches Parfümrezept konnte weitestgehend äh schlüssig nachgemacht werden durch türkische Wissenschaftler und viele der speziellen Zutaten, die in diesem königlichen Parfüm verwendet worden sind, sind auch aus der Bibel als aromatische Stoffe bekannt. Schön, dass ihr heute dabei gewesen seid und wir freuen uns schon auf die nächste Sendung. Schaltet dann wieder ein, wenn es hier heißt Funde und Fakten.


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