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Funde & Fakten

Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


Eine Rettungsgrabung im russischen Viertel von Jerusalem hat Teile der Dritten Mauer und einen ihrer 90 Türme freigelegt. Die große Konzentration von Ballisterschleudersteinen und römischen Waffen deutet darauf hin, dass hier die Römer 70 n. Chr. erstmals in die Stadt eindrangen. Die Funde bestätigen die detaillierten Berichte des Historikers Josephus und die Prophezeiung Jesu in Matthäus 24.


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Serie: Funde & Fakten

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Transkript

[0:21] 70 nach Christus wurde Jerusalem von den Römern massiv zerstört. Aber wo genau sind die Legionäre eigentlich in die Stadt eingedrungen? Das wollen wir heute in diesem Video herausfinden. Und damit herzlich willkommen zu Funde und Fakten – heute mit der Frage: Wo drangen die Römer 70 nach Christus in Jerusalem ein?

[0:48] Die Zerstörung der Stadt Jerusalem im Jahre 70 nach Christus ist eines der ganz berühmten und einschneidenden Ereignisse in der Antike. Die Zerstörung ist gut bekannt, beschrieben worden von antiken Historikern, vor allem von Josephus. Es gibt sehr viel Forschung dazu, und doch gibt es immer wieder neue Entdeckungen, die noch mehr Licht auf dieses Ereignis werfen.

[1:16] Dazu gehört eine Ausgrabung, die vor Kurzem erst veröffentlicht worden ist. Sie fand bereits 2015 statt, im russischen Viertel von Jerusalem, als eine sogenannte Rettungsgrabung. Das gibt es immer dann, wenn man eigentlich etwas anderes bauen möchte und beim Ausheben für die Fundamente plötzlich auf antike Gegenstände stößt – das passiert vor allem in Jerusalem ständig. Bei dieser Rettungsgrabung 2015 hat man Teile der sogenannten Dritten Mauer entdeckt, und zwar in einem Abschnitt, den man vorher nicht genau kannte. Auf der Karte ist dort rot eingezeichnet, wo die Ausgrabungen gewesen sind. Die gestrichelte Linie zeigt, wo man die Mauer vermutet hatte, und jetzt kann man das durch diese Ausgrabung bestätigen.

[2:12] Diese dritte äußere Mauer wird schon von Josephus erwähnt, in seinem Werk „Der Jüdische Krieg" im fünften Buch. Herodes Agrippa hatte diese Mauer um den neugegründeten Stadtteil herum bauen lassen. Die Stadt war gewachsen, es gab eine ganze Reihe von Siedlungen außerhalb der alten Mauern, und so hat man diese Dritte Mauer gebaut. Sie ist wohl nie ganz so zu Ende geführt worden, wie Agrippa das eigentlich vorgehabt hatte. Trotzdem war sie ziemlich imposant. Josephus berichtet von Steinen, die 20 Ellen lang waren – also ungefähr 10 Meter – und 10 Ellen, also ungefähr 5 Meter, breit, die „schwerlich mit eisernen Mauerbrechern untergraben noch mit Widdermaschinen erschüttert werden konnten". Die Mauer ist wie gesagt nie ganz bis zur vollen geplanten Höhe gebaut worden, sondern nur zu einer Höhe von etwa 20 Ellen – also etwa 10 Meter – und besaß nach seinen Aussagen 90 Türme.

[3:26] Die Ausgrabungen wurden durchgeführt durch die Israelische Antikenbehörde, geleitet von dem Archäologen Kfir Arbiv, der auch die entsprechende Publikation vor Kurzem veröffentlicht hat unter dem Titel „Evidence of the Roman Attack on the Third Wall of Jerusalem at the End of the Second Temple Period".

[3:49] Was man gefunden hat, kann man auf dieser Skizze nachvollziehen. Man hat die Reste eines dieser 90 Türme gefunden, Mauerwerk identifiziert und das Ganze mithilfe von Keramik, die dort im Schutt gefunden wurde, in das erste Jahrhundert nach Christus – also genau in diese Zeitperiode – datiert. Was besonders interessant war, war die große Konzentration von sogenannten Ballisterschleudersteinen. Die sind hier rot markiert in dieser Skizze – alle auf einem Haufen in situ, das heißt an dem Ort, wo sie in der Antike niedergegangen sind, aufgefunden worden. Man sieht einige von den kleineren dieser Schleudersteine, die man dort gefunden hat, die offensichtlich nahelegen, dass an dieser Stelle ganz besonders intensiv gekämpft worden ist.

[4:44] Man findet auch andere Waffen dort, wie zum Beispiel diese Speerspitze aus sehr gut bearbeitetem Eisen, was darauf hindeutet, dass es sich um einen römischen Speer gehandelt hat. Und dann diese ganzen Steine, die als Schleudersteine gegen die Mauer, aber vor allem auch gegen die Menschen, die die Mauer bewacht haben bzw. manchmal auch Ausfälle gemacht haben, geschleudert worden sind. Der größte, den man hier gefunden hat, wog ungefähr 24 Kilogramm. Entsprechend berichtet auch Josephus, dass die Soldaten der Römer durch treffliche Geschütze, Katapulte und überaus große Steinschleudern geschützt worden sind.

[5:42] Die Ausgräber haben sich dann noch einmal ganz genau den Bericht von Josephus angeschaut, der tatsächlich sagt, dass die Römer an der Dritten Mauer zuerst die jüdischen Befestigungen überwunden haben und dann in die Stadt eindringen konnten. Sie haben auch die Topografie um diese Stelle herum analysiert und festgestellt, dass es geradezu eine ideale Stelle an der Nordwestecke Jerusalems gewesen ist, um dort eine massive Attacke durchzuführen. Und so liegt die Schlussfolgerung relativ nahe, dass tatsächlich hier in der Gegend dieser neuen Ausgrabung die Stelle zu vermuten ist, an der die Römer zuallererst in die Stadt Jerusalem eindringen konnten und sie dann dem Erdboden gleichgemacht haben.

[6:29] Diese Zerstörung ist von Jesus Christus Jahrzehnte zuvor vorhergesagt worden, in Matthäus 24, Vers 1–2: „Und Jesus trat hinaus und ging vom Tempel hinweg, und seine Jünger kamen herzu, um ihm die Gebäude des Tempels zu zeigen. Jesus aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht dies alles? Wahrlich, ich sage euch, hier wird kein Stein auf dem anderen bleiben, der nicht abgebrochen wird." Genauso ist es gekommen.

[7:06] Das berühmte Relief auf dem Titusbogen, den der General Titus später als Kaiser in Rom hat aufstellen lassen, zeigt die Plünderung der Stadt Jerusalem und den vollständigen Sieg der Römer – ein ganz einschneidendes Erlebnis in der Geschichte des jüdischen Volkes.

[7:28] Was nehmen wir heute mit? Archäologen von der Israelischen Antikenbehörde haben vermutlich den Mauerabschnitt identifizieren können, an dem die Römer 70 nach Christus zuerst in die Stadt Jerusalem eingedrungen sind. Die Funde – insbesondere die Schleudersteine und was man dort entdecken konnte – bestätigen die Aussagen von Josephus über die Details der Kämpfe.


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