Begib dich mit Christopher Kramp auf eine spannende archäologische Reise, um das Rätsel um den biblischen Ort Betsaida zu lösen. Entdecke neue Funde, die die traditionelle Annahme über seinen Standort in Frage stellen und eine faszinierende Alternative am Ufer des Sees Genezareth ins Spiel bringen.
Funde & Fakten : „Wo lag Bethsaida wirklich?“
Christopher Kramp · Funde & Fakten ·Themen: Archäologie, BibelPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Funde & Fakten
Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.
Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:
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Serie: Funde & Fakten
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Transkript
[0:18] an einem geschichtsträchtigen Ort selber stehen. Jeder Tourist kennt dieses wunderbare Gefühl, wenn man den Eindruck hat, man kann so ein bisschen noch in den Fußstapfen der Geschichte sich bewegen. Wenn man archäologische Orte besucht, z.B. Städten, die aus der Bibel bekannt sind, stellt sich manchmal die Frage, ob überhaupt genau sicher ist, wo sie sich befunden haben. Einen solchen Fall wollen wir heute uns anschauen mit Betsaida, dem berühmten Heimatort einiger Jünger Jesu und einem Ort, an dem Jesus selbst gewirkt hat. Und damit herzlich willkommen zu Funde und Fakten heute mit der Frage, wo lag Betsaida wirklich?
[1:08] Es geht heute um eine Inschrift auf einem Kirchenboden, die man vor kurzem gefunden hat. Die Kirche kennt man schon archäologisch seit ein paar Jahren. Man hat dort vor kurzem ein Mosaik auf dem Kirchenboden gereinigt und dabei auch diese Inschrift freilegen können. Diese Kirche samt Mosaik kommt aus dem kleinen Örtchen El-Araj.
[1:36] Hier im Norden des Sees Genezareth gelegen. Etwas weiter nördlich wird auf den Karten der Ort Betsaida verzeichnet. Ganz in der Nähe ja auch Kapernaum und Korazin, die Orte, die einem aus der Lektüre des Neuen Testamentes gut bekannt sind.
[1:57] Betsaida, wir haben es gerade auf der Karte gesehen, wird traditionell als mit dem Ort Tel el-Oreme identifiziert. Das Problem ist nur, dass dieser klassische Kandidat für den Ort Betsaida etwas weiter weg vom See Genezareth liegt und wir aus der Bibel allerdings wissen, dass dort ja Fischer gelebt haben. Man würde ja eine ziemliche Nähe zum Wasser erwarten.
[2:22] Deswegen wird immer mal wieder auch die Alternative El-Araj, wo diese Ausgrabung jetzt stattgefunden haben, ins Spiel gebracht, denn das liegt tatsächlich ziemlich direkt am See Genezareth. Vorgeschlagen wurde das schon im 19. Jahrhundert von einem Gottlieb Schumacher, der auf genau aufgrund dieses Argumentes gesagt hat, wir sollten nicht nach Tel el-Oreme gehen, um Betsaida zu suchen, sondern nach El-Araj. Allerdings haben Untersuchungen im Jahre 1987 das vorläufige Ergebnis gebracht, dass es keine menschliche Besiedlung gegeben habe vor der byzantinischen Ära an dem Ort, also vor der Zeit von Konstantin und danach hätte es dort keine menschlichen Überreste gegeben.
[3:09] Das ist dann aber widerlegt worden 1990 bei einem neuen Survey, den die israelische Antikenbehörde durchgeführt hat, wo man tatsächlich Keramik aus der spät-hellenistischen und römischen Zeit gefunden hat, also aus der Zeit, die auch im Neuen Testament uns vor Augen geführt wird.
[3:27] Seit 2016 werden jetzt an diesem Ort systematische Ausgrabungen durchgeführt, geleitet von Professor Mordechai Aviam vom Kinneret College in Israel, also dort aus der Region aus Galiläa auch. Und die Funde belegen tatsächlich, es hat im ersten Jahrhundert nach Christus auch in El-Araj eine Siedlung gegeben. Man findet dort Reste von jüdischen Gebäuden und entsprechende Funde auch.
[3:51] Außerdem und das ist jetzt unser Thema auch interessant, hat man, wie gesagt, dieses Mosaik dieser Kirche gefunden, eine größere Kirche aus byzantinischer Zeit, das heißt aus dem 5. Jahrhundert nach Christus und diese Kirche ist also aus der Spätantike und enthält diese Inschrift. Da hat jemand eine Weihinschrift hinterlassen und zwar kommt die von einem gewissen Konstantin. Damit ist übrigens nicht der Kaiser gemeint, sondern jemand anders, der dort Konstantin hieß, der sich als Diener Christi und diese Kirche jetzt jemandem weiht und zwar dem Zitat obersten und Befehlshaber der himmlischen Apostel.
[4:37] Wenn man sich ein bisschen dem byzantinischen Sprachgebrauch umschaut, dann merkt man, dass in der Spätantike im Osten des Reiches Petrus so genannt worden ist. Man hat also diese Kirche dort in der Spätantike in El-Araj dem Petrus geweiht.
[4:55] Und das ist interessant, weil Petrus ja aus Betsaida kam. Johannes 1, Vers 44 sagt uns, dass sowohl Philippus als auch Andreas und Petrus, die beiden Brüder, aus dieser Stadt ursprünglich kamen. Und die Ausgräber haben jetzt die Theorie aufgestellt. Der Grund, warum jetzt hier in El-Araj eine Kirche explizit dem Petrus geweiht worden sei, habe eben daran gelegen, dass das auch tatsächlich der Ort gewesen ist, von dem Petrus gekommen ist, dass also El-Araj tatsächlich das biblische Betsaida sei.
[5:29] Es gibt allerdings ein kleines Fragezeichen. Das Problem ist, dass dieser Ort nicht durchgängig besiedelt worden ist. Es gab also eine Besiedlung in römischer Zeit und dann ungefähr 200 Jahre einen sogenannten Hatus, also eine Zeit, wo niemand dort gelebt hat. Das lag wohl daran, dass der See Genezareth sich gehoben hat, was nicht untypisch für ihn ist, dass also sich die Uferlinie verschiebt und dann eine Zeit lang dieser Ort unter Wasser gewesen ist und dann erst später wieder in der Spätantike in der byzantinischen Periode bewohnt worden ist.
[6:00] Und das kann natürlich nicht ausgeschlossen werden, dass dann etwas später, Jahrhunderte später die Menschen bei der Suche nach dem tatsächlichen Betsaida sich geirrt haben und diesen Ort für Betsaida gehalten haben. Das kann man tatsächlich mit den bisherigen Ergebnissen nicht ausschließen.
[6:18] Halten wir also fest, die Ausgrabungen in El-Araj bringen ganz interessante Argumente dafür, dass man tatsächlich diesen Ort als das biblische Betsaida ansehen könnte. Er liegt ja auch ganz angemessen am Ufer des Genezareth, aber ganz definitiv kann man das noch nicht sagen. Und weitere archäologische Ausgrabungen werden vielleicht hoffentlich in der Zukunft dann noch mehr Licht in dieses Thema hineinbringen können. So viel für heute. Wir freuen uns, wenn ihr das nächste Mal wieder dabei seid, wenn es hier heißt Funde und Fakten.
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