In dieser Folge der Serie „Gott auf (m)einer Seite“ beleuchtet Christopher Kramp Hiob Kapitel 22 bis 24. Er analysiert Elifas‘ dritte Rede, in der Hiob als Sünder angeklagt wird, und Hiobs tiefgründige Antwort, die seinen unerschütterlichen Glauben trotz Leid offenbart. Der Sprecher betont, wie Hiob Gottes Prüfung als Läuterung versteht und sich nach Gottes Gerechtigkeit sehnt, die auch die Ungerechtigkeit in der Gesellschaft richten soll.
Gott auf (m)einer Seite: Hiob 22:17-24:5
Christopher Kramp · Gott auf (m)einer Seite ·Themen: Bibel, HiobPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Tägliche Andachten
Täglich kurze 2-minütige Andachten aus der Bibel für einen guten Start in den Tag. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/mit-gott-leben/ entnommen.
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Serie: Gott auf (m)einer Seite
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Transkript
[0:31] Hallo, liebe Freunde, willkommen zu "Gott auf meiner Seite", heute mit Hiob Kapitel 22, Vers 17 bis Kapitel 24, Vers 5. Lasst uns gemeinsam beten. Lieber Vater im Himmel, ich möchte dir danke sagen, dass dein Wort offenbart, wie du wirklich bist. Wir möchten dich immer besser kennenlernen, dass unser Glaube nicht auf Spekulationen beruht oder falschen Vermutungen, sondern auf unseren Erfahrungen mit dir, die uns niemand nehmen kann, dass wir deinen Charakter aus eigener Anschauung anderen weitergeben können. Herr, sprich auch heute durch dein Wort zu uns, das wissen wir, und erfüll uns mit deinem Heiligen Geist. Im Namen Jesu. Amen.
[1:13] Wir sind in Hiob Kapitel 22, in der dritten Rede von Elifas, der Hiob ganz offen jetzt anklagt, ein schwerer Sünder zu sein, gottlos gehandelt zu haben, sich auf unrechte Art und Weise bereichert zu haben und gewalttätigen Einfluss im Land bekommen zu haben. Und er geht so weit, ihn in die Nähe zu rücken der Gottlosen, die in der Sintflut umgekommen sind.
[1:51] Genau an der Stelle wollen wir weiterlesen, in Vers 17, über die Gottlosen vor der Sintflut. Vers 17: „Die zu Gott sprachen: Weiche von uns! Und was kann der Allmächtige einem schon tun? Oder hatte doch ihre Häuser mit Gütern gefüllt. Doch der Rat der Gottlosen sei fern von mir.“ Interessanterweise reagiert hier Elifas mit diesem Satz wohl auch auf das, was Hiob zuvor in Kapitel 21 gesagt hat, als er gar dasselbe gesagt hat: „Der Rat der Gottlosen sei fern von mir.“
[2:25] „Als die Gerechten des Seins freuten sich und der Unschuldige spottete über sie. Fürwahr, unsere Widersacher sind verzückt und das Feuer hat ihren Überrest verzehrt. Versöhne dich doch mit ihm und mache es Frieden, dadurch wird Gutes über dich kommen.“ Elifas ist ja in sich durchaus konsequent. Er glaubt, dass Hiob ein schwerer Sünder ist, ein Gottloser, und deswegen bittet er ihn, Buße zu tun. Er ruft ihn auf zur Umkehr. Das ist auf einen echten Gottlosen auch sehr zutreffend. Aber Elifas hat sich nicht Zeit genommen, wirklich sich hineinzudenken in den Fall von Hiob.
[3:10] „Nimm doch Belehrungen aus seinem Mund und lege seine Worte in dein Herz.“ Das ist eine sehr schöne Idee, Gottes Wort in unser Herz zu legen und Belehrung von dem anzunehmen. Wir wollen das tun, deswegen ist es manchmal interessant, über diese Reden der Freunde Hiobs nachzudenken, weil sie ja Dinge enthalten, die oft sehr richtig sind und nur im Kontext falsch angewendet werden.
[3:36] „Wenn du zu dem Allmächtigen umkehrst, so wirst du aufgerichtet werden. Wenn du die Ungerechtigkeit aus deinem Zelt entfernst, wirf das Gold in den Staub und das Ophirgold zu den Steinen der Bäche, so wird der Allmächtige dein Gold und ein erlesenes Silber sein.“ Also, er sagt mit anderen Worten: „Trenn dich von einem ungerechten Mammon, den du als quasi Götzen über Gott gestellt hast, und dann wird Gott dein Gold und dein Silber sein und dein größter Wert.“ Und das ist zwar in sich absolut wahr, aber es muss auf Hiob trotzdem wie ein Hohn gewirkt haben, weil das war ja schon Hiobs Erfahrung gewesen, und er wird – seine Erfahrung, die er mit Gott gemacht hat, wird sozusagen dadurch negiert.
[4:21] „Dann wirst du dich an dem Allmächtigen erfreuen und dein Angesicht zu Gott erheben. Du wirst zu ihm flehen und er wird dich erhören, und du wirst deine Gelübde erfüllen. Was du dir vornimmst, das wird gelingen, und ein Licht wird auf deinen Wegen leuchten. Wenn sie abwärts führen, so wirst du sagen: Es geht ihm voran. Und wer die Augen niederschlägt, den wird er retten. Er wird selbst den freilassen, der nicht unschuldig ist. Durch die Reinheit deiner Hände wird er befreit werden.“
[4:49] Das ist ein interessanter Vers. Elifas scheint tatsächlich zu glauben, dass wenn Hiob umkehrt, nicht nur er selbst dadurch gerettet wird, sondern dass er durch seine eigene Reinheit auch noch unschuldige Menschen mit retten könnte. Das ist eine Idee, die man eigentlich dann so im Mittelalter in der katholischen Kirche gelehrt hat, dass Menschen aufgrund ihrer besonderen Heiligkeit noch andere mit retten können und ihre Heiligkeit noch für andere mitzählt. Auch wenn man sich das anschaut, wie Elifas über Gott denkt und wie fern der Gott ist, den Elifas sich so vorstellt, dann sind gewisse Parallelen auch zu mittelalterlichen Vorstellungen sehr auffallend.
[5:41] Da antwortete Hiob und sprach: „Auch heute noch ist meine Klage bitter. Die Hand, die mich trifft, ist mir schwer. Ach, dass ich wüsste, wo ich ihn finde, dass ich bis zu seinem Thron gelangen könnte! Ich würde ihm eine Rechtssache vorlegen, meinen Mund mit Beweisen füllen. Ich möchte wissen, was er mir antworten und erfahren, was er zu mir sagen würde. Würde er in seiner Machtfülle mit mir streiten? Nein, er würde mich gewiss anhören.“ Und es ist auch eine versteckte Kritik an den Freunden. Die Freunde, die einfach nur hören sollten, die kritisieren ihn und streiten mit ihm. Gott, der alle Macht hat, Hiob sagt: „Ich weiß, ich kenne ihn, er würde nicht mit mir streiten, er würde mich gewiss anhören. Da würde ein Redlicher bei ihm vorsprechen, und ich würde auf ewig frei ausgehen von meinem Richter.“ Hiob sagt: „Wenn ich ihn finden würde, wenn ich wüsste, wo ich auftreten muss, ich weiß, im Gericht vor Gott würde ich freigesprochen werden.“
[6:47] Das ist eine interessante Idee, denn wir finden auch in Daniel 7 – wir können den Vers dort finden – dass das Gericht für die Heiligen stattfindet. „Wenn ich aber nach Osten gehe, so ist er nicht da. Wenn ich mich nach Westen wende, so bemerke ich ihn nicht. Wirkt er im Norden, so erblicke ich ihn nicht. Das Bild, das ich mir mache, so kann ich ihn nicht sehen.“ Hiob sagt: „Ich weiß nicht, wo ich genau ihn finden kann.“
[7:12] „Ja, er kennt meinen Weg. Wenn er mich prüft, so werde ich wie Gold hervorgehen.“ Das ist einer der Schlüsselverse auch im Buch Hiob, neben dem berühmten „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ in Vers 19. Hiob weiß: Auch wenn ich Gott nicht finde, er findet mich. Auch wenn ich nicht weiß, wie er wirkt, Gott weiß, wie er für mich wirkt. Wenn ich nicht zu ihm finde, findet doch Gott zu mir. Wenn ich nicht seinen Weg verstehe, kennt Gott doch meinen Weg. Und wenn er mich prüft, dann nicht, um mich zu verderben. Hier erhebt sich erneut Hiobs Glaube zu ganz großer Höhe. Das alles ist nur eine Prüfung, wie wenn man Gold läutert. Die Schlacke muss weg, aber das Edelmetall bleibt bestehen. Der Glaube wird nicht zugrunde gehen, sondern gereinigt. Auch wenn es eine tragische Erfahrung ist, das wird doch am Ende zum Guten führen.
[8:10] „Mein Fuß ist seinen Tritten gefolgt. Seinen Weg habe ich bewahrt und bin nicht davon abgewichen.“ Er war ein Nachfolger, er ist in den Fußstapfen Gottes gegangen. „Von Gebot seiner Lippen habe ich mich nicht entfernt. Die Worte seines Mundes bewahrte ich mehr als meine Grundsätze.“ Für Hiob war das Wort Gottes wichtiger als seine eigenen Prinzipien, nicht seine eigene Meinung, sondern das Wort Gottes war das Wichtigste.
[8:38] „Doch er bleibt sich gleich, und wer will ihm wehren? Was er will, das tut er. Ja, er wird vollenden, was mir bestimmt ist, und dergleichen hat er noch vieles im Sinn. Darum schrecke ich zurück vor seinem Angesicht, und wenn ich daran denke, so fürchte ich mich vor ihm.“ Hiob versteht noch nicht den großen Kampf, und deswegen kann er nicht verstehen, warum diese Dinge passiert sind. Er weiß aus Erfahrung: Gott will ihm nur das Beste, eigentlich. Er wird ihn wie Gold hervorbringen. Und doch hat Hiob diese Fragen, die an ihm nagen und die er nicht beantworten kann.
[9:14] „Ja, Gott hat mein Herz verzagt gemacht, der Allmächtige hat mich erschreckt, damit ich aber nicht vergehe vor dem Anblick der Finsternis, das hat er vor meinen Augen, vor meinem Angesicht das Dunkel verdeckt.“
[9:28] „Warum sind vom Allmächtigen nicht Zeiten des Gerichts aufbewahrt, und warum sehen die, welche ihn kennen, seine Tage nicht?“ Er wünscht sich sogar das Gericht, dass es schneller kommt.
[9:39] „Man verrückt die Grenzen, sie rauben die Herde und weiden sie. Den Esel der Waisen treibt man fort, und pfändet die Kuh der Witwe. Man jagt die Armen aus dem Weg, und die Elenden im Land müssen sich allesamt verbergen.“ Hiob zeichnet jetzt ein sehr düsteres, dramatisches Bild der Sitten der Gesellschaft, der sozialen Atmosphäre in seiner Zeit. Und wenn wir das genau lesen, dann haben sich zwar die äußeren Umstände geändert, aber letztlich bleibt es bis heute so in der Gesellschaft. Er sagt: „Er wünscht man sich doch, dass Gott richtet.“ Das ist der Sünder, der Angst hat vor Gottes Gericht. Der unschuldig Verfolgte sehnt sich danach.
[10:19] Das wird auch eine interessante Perspektive auf das Gericht, denn Sünde betrifft nicht nur den Sünder, sondern auch den, der unschuldig an dieser Sünde zu leiden hat.
[10:33] „Sie wie Wildesel in der Wüste ziehen sie zu ihrem Tagewerk auf der Suche nach Nahrung. Die Wildnis bietet ihnen Speisen für die Kinder.“
[10:42] Lasst uns gemeinsam beten. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, dass wir wissen dürfen, dass auch wenn schlimme Dinge passieren, dass du uns, wenn du uns prüfst, nur noch reiner machen möchtest, noch edler, noch wertvoller, dass wir wie Gold hervorgehen können. Herr, hilf uns, dass wir fest bei dir bleiben und dass wir dein Wort höher einschätzen als unsere eigenen Grundsätze. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.
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