In dieser Predigt taucht Christopher Kramp tief in das Buch Habakuk ein und beleuchtet die ersten 17 Verse des ersten Kapitels. Er erklärt, warum Habakuk als „kleiner Prophet“ bezeichnet wird, obwohl seine Botschaft von immenser Bedeutung ist. Die Predigt thematisiert die Fragen des Propheten an Gott angesichts von Ungerechtigkeit und Leid und wie Gott darauf antwortet, indem er die aufkommende Macht der Chaldäer ankündigt.
Gott auf (m)einer Seite: Habakuk 1:1-1:17
Christopher Kramp · Gott auf (m)einer Seite ·Themen: HabakukPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Tägliche Andachten
Täglich kurze 2-minütige Andachten aus der Bibel für einen guten Start in den Tag. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/mit-gott-leben/ entnommen.
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Serie: Gott auf (m)einer Seite
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Transkript
[0:32] Hallo, liebe Freunde, willkommen zu "Gott auf meiner Seite". Heute beschäftigen wir uns mit Habakuk 1, Vers 1 bis 17. Lasst uns gemeinsam beten. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danken, dass du ein Gott der zweiten Chance bist, ein Gott der Wiederherstellung, und dass du jeden Tag durch dein Wort zu uns reden möchtest. Dass du Kraft in dein Wort gelegt hast. Vielleicht nicht bitten, dass du auch heute unser Bibelstudium segnest, dass du das Nachdenken über die Worte des Propheten Habakuk dazu benutzt, dass wir dich besser verstehen und uns ganz eng mit dir verbinden. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.
[1:21] Wir beginnen heute mit dem Propheten Habakuk, einem sogenannten kleinen Propheten, weil das Buch, das er geschrieben hat, recht kurz ist. Die Botschaft des Habakuk dagegen ist sehr tiefgründig, sehr wertvoll und enorm wichtig, um die Gesamtbotschaft der Bibel zu verstehen. Wir werden sehen, dass Habakuk einer der wichtigsten Verse der gesamten biblischen Botschaft ist. Habakuk lebte im 7. Jahrhundert vor Christus, seiner Zeit, als die Assyrer noch die Vorherrschaft dort im Alten Orient gehabt haben und als es dem Volk Israel, dem Volk Gottes, geistlich gesehen sehr schlecht ging.
[2:10] Wir beginnen in Habakuk, Kapitel 1, Vers 1. "Die Last, die der Prophet Habakuk geschaut hat." Für die Propheten waren ihre Botschaften oft keine schönen Angelegenheiten, sondern echte Bürden, die sie zu tragen hatten. Und gerade auch beim Propheten Habakuk, zum Beispiel auch wie bei Jeremia, spürt man diese Last auch in der Sprache, die er wählt. "Wie lange, o Herr, rufe ich schon, ohne dass du hörst? Ich schreie zu dir wegen des Unrechts, und du hilfst nicht." Hast du manchmal den Eindruck, dass Gott dein Gebet nicht erhört? Wir wissen aus der Bibel und werden es auch hier im Buch Habakuk sehen, dass Gott jedes aufrichtige Gebet erhört. Aber Gott erhört Gebete nicht immer dann und auch nicht immer so, wie wir uns das vorgestellt haben, sondern immer so, dass es zu unserem Besten ist. Aber so kann subjektiv mitunter der Eindruck manchmal entstehen, dass Gott gerade nicht auf das Gebet gehört hat. Wir müssen ausharren und warten, bis Gottes gute Antwort kommt.
[3:25] "Warum lässt du mich Bosheit sehen und schaust im Unheil zu? Bedrückung und Gewalttat werden vor meinen Augen begangen. Es entsteht Streit und Zank." Erhebt sich aber Habakuk sah das Unheil. Er sah die Ungerechtigkeit in der Gesellschaft und da fragte er sich, warum Gott all dem scheinbar tatenlos zusah. An dieser Stelle wird schon deutlich, wie hochaktuell das Buch Habakuk ist. Auch wenn wir in die Welt hineinschauen, wenn wir uns das Treiben der Gesellschaft betrachten, wenn wir sehen, wie Zank und Streit und Ungerechtigkeit vorherrschen, dann könnte leicht die Frage entstehen: Warum lässt Gott das alles scheinbar so laufen?
[4:11] "Darum wird das Gesetz kraftlos und das Recht bricht nicht mehr durch, denn der Gottlose bedrängt den Gerechten von allen Seiten, darum kommt das Urteil verkehrt heraus." Aber Habakuk wusste, es gibt ja gute Gesetze. Das Wort Gottes war im Volk ja bekannt. Aber er sagt, das Gesetz ist kraftlos, nicht weil keine Kraft im Wort Gottes wäre, sondern weil diejenigen, die es anwenden sollten, es nicht taten, es ignoriert und es verfälscht. Sie wenden es nicht so an, wie es eigentlich gedacht war. Das Gesetz, die Gebote waren dazu gedacht, um den Gerechten zu beschützen. Aber die Menschen, die eigentlich mit das Gesetz kennen sollten, die Richter zum Beispiel, bedrängen den Gerechten. Das Urteil kam verkehrt daraus. Das Urteil, das gesprochen wurde in den Gerichten, entsprach nicht dem, was Gottes Wort gesagt hätte.
[5:04] Übrigens sagt die Bibel im Römerbrief, dass Gottes Gesetz, machtvoll und kraftvoll, wie es ist, von der Natur der Regierung Gottes, kraftlos ist durch das sündige Fleisch. Mit anderen Worten, ein sündiger Mensch kann ohne Gottes Hilfe Gottes Gesetz nicht tun. Die Gebote stehen zwar da, sie sind richtig, aber sie werden nicht Realität im Leben eines Menschen, es sei denn durch den Glauben an Jesus Christus, der die Sünde im Fleisch verurteilt hat, wie es Römer 8,3 sagt, und durch seinen Geist das Gesetz Gottes unserem Herzen zu Entfaltung bringen kann, damit die Gerechtigkeit, die dort beschrieben wird, auch Realität wird in unserem Leben, zur Ehre Gottes.
[6:03] Habakuk stellt die Frage: "Warum tust du nichts, Gott?" Und Gott antwortet ab Vers 7: "Seht euch um unter den Heidenvölkern und schaut umher, verwundert und entsetzt euch, denn ich tue ein Werk in euren Tagen, ihr würdet es nicht glauben, wenn man es erzählt." Mit anderen Worten, die Antwort, die Gott gibt, ist überraschend, sie ist unerwartet. Man hätte nicht damit gerechnet. "Denn siehe, ich erwecke die Chaldäer." Die Chaldäer waren ein Volk in Süd-Babylonien, die zu dieser Zeit die ganze Gegend in Babylon so dominierten, dass Chaldäa ein Synonym für Babylonien wurde. Ein bitterböses und ungestümes Volk, das die Weiten der Erde durchzieht, um Wohnsitze zu erobern, die ihm nicht gehören. Und das war in der Tat außergewöhnlich. Für uns sind heute die Babylonier vielleicht ein Begriff wegen ihrer Größe, die dann Nebukadnezar gehabt hat. Aber zur Zeit von Habakuk war Babylon ein besetzter Landstrich. Die Assyrer herrschten dort im Norden und das schon seit geraumer Zeit.
[7:13] Ja, es war noch gar nicht so lange her, noch im selben Jahrhundert, dass der syrische König Babylon völlig zerstört hatte und auch der letzte große assyrische König Assurbanipal, der vielleicht hier zur Zeit Habakuks ein Zeitgenosse war, hatte die Stadt erobern lassen. Das letzte Mal, dass die Babylonier selbst eine Vormachtstellung im Alten Orient hatten, lag zu dem Zeitpunkt schon ungefähr 1000 Jahre zurück, zur Zeit von König Hammurabi. Es war absolut unvorstellbar, dass diese Babylonier plötzlich sich gegen die absolut erdrückende Übermacht der Assyrer überhaupt nur wehren könnten, überhaupt nur sich selbst befreien könnten in ihrem eigenen kleinen Landstrich, geschweige denn andere Nationen. Es war absolut unvorstellbar. Aber Gott sagt genau das vorher, und die Bibel zeigt dann, dass genau das passiert ist.
[8:14] "Ein bitterböses, ungestümes Volk, das die Weiten der Erde durchzieht, um Wohnsitze zu erobern, die ihm nicht gehören." Es ist schrecklich und furchterregend. Sein Recht und sein Ansehen gehen von ihm selbst aus. Schneller als Leoparden sind seine Rosse und rascher als Wölfe am Abend. Seine Reiter kommen im Galopp daher, von fernher kommen seine Reiter, sie fliegen daher wie ein Adler, der sich auf den Fraß stürzt. In Daniel 7 werden die Babylonier als Löwen beschrieben mit Adlerflügeln. Und während Löwe an sich ein Symbol ist, das auch für die Assyrer verwendet wird, weisen diese Adlerflügel mit Wissen von Habakuk 1, Vers 8, in Daniel 7 ganz deutlich auf die Babylonier.
[9:07] "Sie gehen alle auf Gewalttaten aus. Ihre angesichts der Streben unerfolgsam, unaufhaltsam vorwärts, und sie fegen Gefangene zusammen wie Sand. Assur bottet über die Könige und für Fürsten hat es nur Gelächter übrig. Es lacht über alle Festungen, schüttet Erde auf und erobert sie dann. Fährt das daher wie ein Sturmwind, geht weiter und lädt Schuld auf sich, denn diese seine Kraft macht es zu seinem Gott." In der Tat haben die Babylonier in kürzester Zeit den Nahen Osten erobert, nachdem sie in den 620ern anfingen, gegen die assyrische Macht zu revoltieren, und die Assyrer sind dann in den 610er Jahren innerhalb kürzester Zeit alle großen assyrischen Städte erobert. Erst Assur 614 durch die Meder, dann mit den Medern zusammen Babylon 612, Ninive 612, Haran schon im Westen und 605, also innerhalb von nicht mal 10 Jahren, dann Karkemisch, wo die Ägypter, die das versucht haben noch zu verhindern, vollständig vernichtet worden sind, besiegt worden sind, so dass dann die Babylonier bis runter nach Jerusalem kommen konnten, wie es im ersten Kapitel von Daniel berichtet wird, wo dann Daniel und seine Freunde mit Nebukadnezar verschleppt werden.
[10:28] Vor 10 Jahren wurde Syrien ähm niedergewungen, völlig ausgelöscht, und Babylon war plötzlich die vorherrschende Macht im Nahen Osten. Gott hat es vorher gesagt, und es ist buchstäblich eingetroffen.
[10:45] "Hat eine Frage, hatte das hört bist du, o Herr, nicht von Urzeiten her, mein Gott, mein Heiliger? Wir werden nicht sterben. Herz zum Gericht hast du ihn eingesetzt, und zur Züchtigung hast du Fesseln ihm bestimmt." Habakuk versteht: Gott möchte nicht durch die Babylonier die Israeliten vernichten. Das ist nicht seine Intention. Er möchte ein Gericht halten, um sie zu züchtigen. Aber jeder, der an Gott glaubt, muss nicht sterben.
[11:09] "Deine Augen sind so rein, dass sie das Böse nicht ansehen können. Du kannst dem Unheimlichen zuschauen. Warum siehst du denn den Friedlosen schweigen zu, während der Gottlose den verschlingt, der gerechter ist als er?" Mit anderen Worten, Habakuk stellt die Frage: Wie kann das sein, dass du die gottlosen Israeliten im Volk Gottes bestrafst durch noch gottlosere Babylonier? Wir werden sehen, dass das eines der wesentlichen Themen ist, die im Buch Habakuk beschrieben werden.
[11:42] "Du lässt die Menschen so behandeln wie die Fische im Meer, wie das Getier, das keinen Herrscher hat. Er fischt sie alle mit der Angel heraus, fängt mit seinem Netz und sammelt sie in seinen Garn. Darüber freut er sich und frohlockt." Es gibt nicht nur die guten Menschenfischer, die Jesus nachfolgen und Menschen für das Reich Gottes gewinnen zu ihrem Besten. Es gibt hier auch babylonische Menschenfischer, die mit Gewalt zum eigenen Profit Menschen in das babylonische Reich und System hineinpressen. Ganz interessant, wenn man das auch einmal typologisch sich durchdenken möchte.
[12:27] "Darum opfert er auch seinem Netz und bringt seinem Garn Räucherwerk dar, denn ihnen verdankt er seine fetten Bissen und seine kräftige Nahrung. Darf er aber darum sein Netz beständig ausleeren und ohne Erbarmen Völker hinmorden?" Aber Habakuk hat noch mehr Fragen. Auch wir dürfen Gott Fragen stellen, denn wer Fragen stellt, erhält Antworten. Lasst uns gemeinsam beten.
[12:52] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von ganzem Herzen Dank sagen, dass wir dir Fragen stellen dürfen, denn wir Dinge nicht verstehen. Du bist dir nicht zu schade, uns ausführlich und liebevoll zu antworten. Herr, wir möchten dich bitten, dass wir uns jeden Tag mit deinem Wort beschäftigen und konkret wissen wollen, was du tust und warum du es tust. Wir danken dir, dass wir heute wiederum sehen konnten, dass dein prophetisches Wort absolut vertrauenswürdig ist, dass wenn du Dinge vorhersagst, die selbst zur Zeit des Propheten als scheinbar unrealistisch erschienen, dass sie doch genauso eingetroffen sind. Danke, dass wir uns darauf verlassen können, auch mit Blick auf die Endzeit-Prophezeiung. Weil wir nicht immer überall in jedem Detail die Erfüllung heute vorhersehen können, können wir doch vertrauen, dass es genauso kommen wird, wie du es gesagt hast. Und dafür danken wir dir alle.
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