In dieser Folge der Serie „Gott auf (m)einer Seite“ analysiert Christopher Kramp Hiob Kapitel 4, Vers 5 bis Kapitel 5, Vers 21. Er beleuchtet Elifas‘ erste Rede an Hiob, die dessen Leid als direkte Folge von Sünde darstellt und eine zynische Logik offenbart. Kramp warnt davor, Gottes Charakter falsch zu interpretieren und zeigt auf, wie Elifas wahre biblische Prinzipien auf Hiobs unschuldige Situation falsch anwendet. Das Video unterstreicht die literarische Tiefe des Hiobbuches und regt zur Reflexion über Gottes liebevolles Wesen an.
Gott auf (m)einer Seite: Hiob 4:5-5:21
Christopher Kramp · Gott auf (m)einer Seite ·Themen: Bibel, HiobPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Tägliche Andachten
Täglich kurze 2-minütige Andachten aus der Bibel für einen guten Start in den Tag. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/mit-gott-leben/ entnommen.
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Weitere Aufnahmen
Serie: Gott auf (m)einer Seite
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Transkript
[0:30] Hallo, liebe Freunde, willkommen zu Gott auf meiner Seite. Heute mit Hiob Kapitel 4, Vers 5 bis Kapitel 5, Vers 21. Lasst uns gemeinsam beten.
[0:38] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dich von ganzem Herzen bitten, dass du uns echtes Mitgefühl für andere Menschen schenkst und Sensibilität.
[0:55] Wir neigen dazu, mit falschen Worten und mit Rechthaberei Menschen noch weiter wegzustoßen. Aber du hast eine Liebe und ein Taktgefühl und ein Mitgefühl, das allen Verstand übersteigt. Und Herr, wenn wir heute uns in diesem Tag neu hinein wollen, dich bitten, dass du durch deinen Heiligen Geist zu uns sprichst und zeig uns, wie wir mit anderen Menschen umgehen können, so wie du es dir wünschst. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.
[1:28] Wir sind in Hiob Kapitel 4. Hiobs Freund Elifas der Temaniter kann nicht mehr an sich halten und erwidert auf Hiobs Klage, der nicht versteht, warum er überhaupt leben musste, und erinnert ihn zunächst daran, dass er früher der Hiob gewesen sei, der andere ermutigt, gestärkt und unterwiesen hat.
[1:53] Wir lesen ab Vers 5: „Nun aber, da es an dich kommt, bist du verzagt. Weil es dich trifft, bist du bestürzt. Ist nicht deine Gottesfurcht eine Zuversicht und die Tadellosigkeit deines Weges der Hoffnung?“
[2:07] Hier verbirgt sich eine ziemlich zynische Idee. Mit anderen Worten: Wenn du so tadellos wirklich gewesen bist, wie es immer heißt, dann würdest du doch jetzt nicht so verzagt sein, oder?
[2:19] „Bedenke doch, ist je ein Unschuldiger umgekommen, oder wurden Rechtschaffende vertilgt?“ Mit anderen Worten: Wenn es Unheil gibt, dann musst du, wenn dich Unheil trifft, musst du doch auch schuld sein.
[2:32] Dieses Denken ist falsch. Obwohl es stimmt, dass sehr viele Menschen Unheil erleben, weil sie selbst gesündigt haben, und diese Verbindung in der Bibel sehr deutlich: Wenn ich Böses tue, wird Unheil die Folge sein.
[2:48] Ist es doch nicht so im Umkehrschluss, dass immer wenn ein Mensch Unheil erlebt, er selbst dafür verantwortlich ist. Und das liegt an dem Wesen der Sünde, die nicht nur dem Sünder schadet, sondern auch Unschuldigen.
[3:03] „So viel ich gesehen habe, die Unrecht pflügen und die Unheil säen, die ernten es auch.“
[3:09] Dieser Satz ist teilweise richtig, denn die, die Unheil säen, werden es auch ernten. Die Bibel macht das sehr deutlich. Aber das bedeutet nicht, dass die, die ernten, es immer auch gesät haben.
[3:21] „Durch Gottes Odem kommen sie um, durch den Hauch seines Zornes werden sie verzehrt. Das Brüllen des Löwen und die Stimme des jungen Löwen verstummt, und die Zähne der jungen Löwen werden ausgebrochen. Der Löwe kommt um aus Mangel an Beute, und die Jungen der Löwen zerstreuen sich.“
[3:37] Übrigens kann man hier auch sehr schön sehen, wie in den sämtlichen Kapiteln jetzt ab Kapitel 4, mit welchem poetischen Formenreichtum und welcher Sprache diese Gedanken ausgedrückt werden.
[3:52] Das Buch Hiob ist eines der ganz großen Meisterwerke, schon allein aus menschlich-literarischer Sicht.
[3:59] Wie viel mehr dann, wenn wir sehen, welche gigantischen Themen hier auf einer überaus fundierten Art und Weise behandelt werden. So groß, dass es auch für einen gläubigen Bibelleser manchmal gar nicht einfach ist, wirklich ganz zu durchdringen, was alles hier an Wahrheiten und an Themen und an Gedanken verarbeitet wird.
[4:18] „Zu mir aber kam heimlich ein Wort, mein Ohr vernahm ein leises Flüstern. Den Schreck erregen Gedanken durch Nachtgesichter, wenn tiefer Schlaf die Menschen befällt. Da kam Furcht und Zittern für mich, und durchschauerte all meine Gebeine. Denn ein Geist zog an mir vorüber, die Haare meines Leibes standen jetzt.“
[4:38] Elifas berichtet hier von einer sehr merkwürdigen Episode: „Er trat vor mich hin, und ich konnte sein Ansehen, Aussehen nicht erkennen. Eine Gestalt war vor meinen Augen. Ich hörte eine flüsternde Stimme: ‚Kann wohl ein Sterblicher gerecht sein vor Gott, oder ein Mann rein vor seinem Schöpfer? Siehe, seinen Dienern traut er nicht, seinen Engeln wirft er Irrtum vor.‘“
[4:58] Nach allem, was ich bisher gelesen und studiert habe, habe ich den Eindruck, dass Elifas hier eigentlich eine dämonische Begegnung gehabt hat, von einem gefallenen Engel. Denn das, was hier gesagt und über Gott und den Gottescharakter dargestellt wird, ist das genaue Gegenteil von dem, wie Gott eigentlich wirklich ist.
[5:16] „Wie viel mehr denen, die in Lehmhütten wohnen, die auf Staub gegründet sind, die wie Motten zerstört werden. Zwischen Morgen und Abend gehen die zugrunde. Ehe man sich's versieht, sind sie für immer dahin. Werden die Zeltstricke abgerissen, sie sterben ohne Weisheit erlangt zu haben.“
[5:30] Zwischendurch erkennt man auch etwas über die Lebenswelt derer, die hier leben. Mit den Zeltstricken, den Lehmhütten, ist eine Zeit, von der wir noch sehen werden, dass sie nach der Sintflut, aber noch vor der Zeit Moses gewesen ist, der dieses Buch verfasst hat. Also eine Zeit der frühen Patriarchen.
[5:49] „Rufe doch, ist einer da, der antwortet, und an welchen von den Heiligen willst du dich wenden? Denn den Narren bringt der Unmut um, und Unverständlichen tötet der Eifer. Ich selbst habe einen Narren gesehen, der Wurzel schlug, und sogleich verfluchte ich seine Wohnung. Seine Kinder fanden keine Hilfe, und sie wurden am Tor zertreten, ohne dass es einen Retter gab.“
[6:08] Mit anderen Worten: Sein Argument ist, es sind die Narren, die alles verlieren. „Seine Ernte verzehrte der Hungrige und holte sie ihm selbst aus dem Dornhag heraus, und sein Vermögen schnappten die Habgierigen weg.“
[6:20] Ist ja genau das, was dem Hiob passiert ist.
[6:25] „Denn Unglück wächst nicht aus dem Staub hervor, und Unheil sprießt nicht aus der Erde, sondern der Mensch ist zum Unglück geboren, wie die Funken nach oben fliegen.“
[6:32] „Ich jedoch würde Gott suchen und Gott meine Sache darlegen, der große, unerforschliche Dinge tut, Wunder, denn nicht zu zählen sind. Er gießt Regen auf die Erde und sendet Wasser über die Fluren. Erhöht die Niedrigen und die Leidtragenden erlangen das Heil.“
[6:45] Interessant, wie sich in den Worten von Elifas falsche Aussagen über Gott auch mit durchaus wahren Aussagen mischen. Denn tatsächlich ist Gott der Regen bringt und der die Niedrigen erhöht und den Leidtragenden das Heil anbietet.
[7:00] „Er vereitelt Anschläge der Listigen, sodass ihre Hand sie nicht ausführen kann. Er fängt die Weisen in ihrer List, und der Rat der Verschlagenen wird zunichte gemacht.“
[7:09] Diese Idee, die auch im Neuen Testament dann bestätigt, auch an anderen Stellen des Alten Testamentes.
[7:13] „Bei Tag stoßen sie auf Finsternis, und am Mittag tappen sie umher wie in der Nacht. Aber er rettet den Elenden vom Schwert aus ihrem Rachen und aus der Hand Starken, sodass der Geringe Hoffnung fasst und die Frechheit ihr Maul verschließt.“
[7:29] „Siehe, wohl dem Menschen, den Gott zurechtweist. Darum verwirf die Züchtigung des Allmächtigen nicht.“
[7:34] Für Elifas scheint der Fall klar zu sein: Hiob hat gesündigt, und Gott straft ihn. Und er soll daraus lernen und umkehren.
[7:44] „Denn er verwundet und verbindet, er zerschlägt und seine Hand heilt. In sechs Bedrängnissen wird er dich retten, und in sieben wird dir nichts Böses antasten.“
[7:52] Im Prinzip hat Elifas recht, nur dass er offensichtlich hier eine falsche Anwendung auf Hiob macht.
[7:57] „In Hungersnot würde er dich vom Tod erlösen, und im Krieg von der Gewalt des Schwertes. Vor der Geißel der Zunge wirst du geborgen sein, und wirst die Verwüstung nicht fürchten, wenn sie kommt.“
[8:09] Lasst uns gemeinsam beten.
[8:12] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dich bitten von ganzem Herzen, dass du uns davor bewahrst, dass wir eine falsche Vorstellung von dir und deinem Charakter bekommen. Bitte gib, dass wir nicht glauben, wie es Elifas geglaubt hat, dass du nur Fehler suchst und dir wünschst, Menschen bestrafen zu können, sondern dass du liebevoll bist und dass es dein größter Wunsch ist, dass es uns gut geht, und dass du das Gute hoffst und davon ausgehst, und dass du für uns da bist. Dafür danken wir dir von ganzem Herzen.
[8:48] [Musik]
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