In dieser Folge der Serie „Gott auf meiner Seite“ beleuchtet Christopher Kramp Hiob Kapitel 5 und 6. Er analysiert die trügerischen Argumente von Elifas, der Hiobs Leid als Strafe für Sünde interpretiert. Kramp betont, wie wichtig es ist, Gottes Charakter richtig zu verstehen und nicht wie Hiobs Freunde vorschnell zu urteilen. Die Episode ermutigt zu echtem Mitgefühl und warnt davor, Leidende durch oberflächliche Kritik von Gott wegzutreiben.
Gott auf (m)einer Seite: Hiob 5:22-6:29
Christopher Kramp · Gott auf (m)einer Seite ·Themen: Bibel, HiobPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Tägliche Andachten
Täglich kurze 2-minütige Andachten aus der Bibel für einen guten Start in den Tag. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/mit-gott-leben/ entnommen.
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Serie: Gott auf (m)einer Seite
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Transkript
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[0:30] Hallo, liebe Freunde, willkommen zu "Gott auf meiner Seite". Heute mit Hiob Kapitel 5, Vers 22 bis Kapitel 6, Vers 29. Lasst uns gemeinsam beten.
[0:38] Lieber Vater im Himmel, danke, dass wir nicht auf die Meinung Dritter angewiesen sind, um zu verstehen, wie du bist. Danke, dass wir aus deinem Wort direkt erfahren können und im Gebet mit dir in Kontakt treten können, erfahren können, wie du bist und was du wirklich denkst. Wir möchten von ganzem Herzen auch heute an diesem Tag einfach echtes Zeugnis über dich und deinen Charakter geben. Indem wir im Buch Hiob weiterlesen, möchten wir dich bitten, dass du uns selbst immer besser die Aspekte deines Wesens zu verstehen gibst und auch wie der Satan versucht, deinen Charakter falsch darzustellen. Bitte sprich du ganz deutlich durch den Heiligen Geist zu unserem Herzen und gib, dass wir die Wahrheit erkennen, wie sie in dir ist. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.
[1:37] Wir sind in Kapitel 5. Elifas, der Temaniter, behauptet, dass Hiob offensichtlich gesündigt haben muss, weil ansonsten würde Gott ihn ja nicht so strafen. Er ermutigt ihn, sich zu Gott quasi zu bekehren und die Errettung Gottes in Anspruch zu nehmen. Wir lesen ab Vers 22: "Über Verwüstung und Dürre wirst du lachen und vor den wilden Tieren der Erde nicht erschrecken. Denn mit den Steinen des Feldes stehst du im Bund, und das Wild des Feldes hält Frieden mit dir. Du wirst erfahren, dass dein Zelt sicher ist, und betrachtest du deine Wohnung, so fehlt dir nichts. Du wirst erfahren, dass dein Same zahlreich wird, und deine Sprösslinge wie das Gras auf Erden."
[2:22] Mit anderen Worten, was er sagt: Wenn du wieder mit Gott verbunden bist, wenn du dich bekehrst, dann wird es auch wieder gut gehen. Impliziert ist: Da es dir momentan nicht gut geht und du alles verloren hast, deswegen, so schlussfolgert Elifas, musst du also von Gott getrennt sein.
[2:41] Dieses Denken ist fatal. Es stimmt zwar, dass jeder Sünder von Gott getrennt ist, aber es stimmt nicht, dass jeder, der Unheil erlebt und die Folgen der Sünde in seinem Leben spürt, auch selbst von Gott getrennt ist.
[3:01] Hätten die Juden zur Zeit von Jesus die Botschaft von Hiob, die Gesamtbotschaft des Buches, besser verstanden, dann wäre nie das passiert, was in Jesaja 53 geschrieben ist, dass nämlich der Messias als von Gott geschlagen bezeichnet und bestraft gesehen worden ist.
[3:24] "Du wirst in gutem Alter begraben werden, wie man Garben einbringt zu ihrer Zeit. Siehe, das haben wir erforscht, so ist es. Höre du darauf und merke es dir wohl."
[3:34] Interessant ist, dass Elifas hier nicht nur seine eigene Meinung sagt, sondern zumindest nach dem, was sich hier kundtut, wohl auch mehr oder weniger die Haltung seiner beiden Freunde mit referiert.
[3:50] Hiob antwortete und sprach: "O, dass man meinen Unmut wiegen könnte und mein Unglück auf die andere Waagschale legt! Dem Hiob geht es wirklich schlecht, denn nun ist es schwerer als der Sand der Meere. Darum sind meine Worte so ungestüm."
[4:10] Er weiß ja, dass das, was er sagt, sehr emotional ist, aber das hat auch damit zu tun, dass er emotional so tief getroffen ist. "Denn die Pfeile des Allmächtigen stecken in mir, mein Geist trinkt ihr Gift. Die Schrecken Gottes bestürmen mich."
[4:25] Wir kennen die Rahmenhandlung, wir wissen, dass der Satan für all dieses Unheil verantwortlich war. Und das ist auch genau der Punkt, den der Schreiber Mose hier erreichen möchte, dass wir diese Worte lesen, uns mit ihnen identifizieren können und doch lernen können: Okay, es gab einen Grund, den Hiob hier noch nicht wirklich verstand. Wir können mitfühlen mit der Emotion und können gleichzeitig lernen, dass in der größten, tiefsten Verzweiflung es Dinge gibt, die wir in unserer Verzweiflung vielleicht nicht sehen, aber die doch entscheidend sind.
[5:04] "Schreit auch ein Wildesel auf der Grasweide, oder brüllt ein Stier, wenn er Futter hat? Lässt sich etwas Fades ohne Salz essen? Und da findet man am Eiweiß irgendwelchen Geschmack? Was meine Seele zu berühren verschmähte, das ist jetzt mein tägliches Brot, mir zum Ekel. O, dass doch meine Bitte in Erfüllung ginge und Gott mein Verlangen gewährte, dass doch Gott sich entschlösse, mich zu zermalmen, seine Hand ausstreckte, um mich abzuschneiden!"
[5:31] Hier kommt wieder dieser Wunsch zum Ausdruck, den wir schon aus Kapitel 4 kennen: Hiob möchte sterben.
[5:43] "So bliebe mir doch der Trost, und ich frohlockte darüber in schonungslosem Schmerz, dass ich die Worte des Heiligen nicht verleugnet habe."
[5:53] Hiob kann bis jetzt sagen, dass er zu Gottes Wort treu gestanden ist. Bis jetzt. Er sieht keinen Sinn mehr im Leben, hat keine Freude mehr daran. Er hat das Gefühl, letztlich, so scheint es, von Gott verraten zu sein, aber er möchte treu bleiben und am liebsten jetzt sterben, damit er ja nicht von Gott abfällt.
[6:14] Ich glaube, es wird in der Endzeit, in der allerletzten Zeit, Situationen geben, in denen wir vielleicht emotional, was unsere Sinneswahrnehmung trifft, den Eindruck haben werden, dass Gott uns verlassen hat oder Gott gegen uns ist. Dann müssen wir uns an diesen Geschichten, diese Begebenheit hier, erinnern und diese Lektion aus dem Buch Hiob parat haben, dass es eben nicht Gott ist, der uns Unheil wünscht.
[6:43] "Wie groß ist denn meine Kraft, dass ich noch ausharren, und wann kommt mein Ende, dass meine Seele sich gedulden soll?"
[6:51] Hiob hat keine Kraft mehr, keine Geduld. "Ist mir denn die Kraft der Steine gegeben? Ist denn mein Fleisch Erz? Bin ich da nicht hilflos und jeder Stütze beraubt?"
[7:01] Hiob fühlt sich ganz elend und ganz am Ende. Und vielleicht kennen auch wir dieses Gefühl, wenn man nicht mehr weiter weiß, wenn man sich so elend und so schwach fühlt, dass man keinerlei Stützen hat.
[7:15] "Den Verzagten gebührt Mitleid von seinem Freund, sonst wird er die Furcht des Allmächtigen verlassen."
[7:21] Und hier haben wir eine sehr ernste Botschaft: Wenn wir den Schwachen nicht mit Mitgefühl begegnen, dann treiben wir sie weg von Gott.
[7:32] "Meine Brüder haben sich trügerisch erwiesen wie ein Wildbach, wie das Bett der Bäche, welche vergehen, die trübe werden vom Eis, wenn der Schnee sich darin birgt. Lieber versiegen sie zur Zeit der Sommerhitze und von ihrem Ort verschwinden, wenn es heiß wird."
[7:45] Hier verwendet Hiob das Bild dieser Wadis, die nur zeitweise Wasser führen, um deutlich zu machen, wie er über den Trost seiner Freunde denkt. "Es finden sich die Pfade ihres Laufs, sie ziehen hinauf in die Öde und verlieren sich. Die Karawanen Temas halten Ausschau, die Reisegesellschaften von Saba hoffen auch sie, also die Araber, die aus der Wüste kommen, aber sie werden in ihrer Hoffnung betrogen. Sie kommen dorthin und werden enttäuscht."
[8:14] Das ist das Bild, das er jetzt verwendet. Er hatte gehofft, von seinen Freunden Mitgefühl und Mitleid zu erfahren, aber er wird in seiner Hoffnung getäuscht, wie eine Reisegesellschaft, die zu einem Flussbett kommt und feststellt, dass dort kein Wasser ist.
[8:30] "So seid ihr jetzt zu nichts geworden. Ihr seht Schreckliches und fürchtet euch davor."
[8:35] "Habe ich etwa gesagt: Gebt mir etwas, oder macht mir ein Geschenk von eurem Vermögen, oder rettet mich aus der Hand des Bedrängers und erlöst mich aus der Hand des Tyrannen?"
[8:43] Dessen rhetorische Frage sagt: Ich verlange ja nicht, dass ihr mich finanziell unterstützt. Ich verlange nicht, dass ihr meine Probleme löst. Ich habe doch nur gehofft, dass ihr etwas Mitleid habt mit mir.
[8:54] O, wenn doch Menschen mehr Mitleid hätten, wenn wir als Menschen noch mehr Mitgefühl mit denen hätten, denen es schlecht geht.
[9:06] "Belehrt mich doch, und ich will schweigen! Weist mir nach, worin ich geirrt habe! Wie eindringlich sind Worte der Wahrheit! Aber was bringen eure Zurechtweisungen schon zurecht?"
[9:14] Hiob macht deutlich, dass er echte Worte der Wahrheit, auch wenn sie wehtun, annehmen würde, aber nicht oberflächliche Kritik.
[9:26] "Gedenkt ihr, Worte zu bekritteln und haltet die Rede eines Verzweifelten für Wind?"
[9:33] "Ihr würdet selbst über eine Waise das Los werfen und euren Freund verschachern."
[9:38] Mit anderen Worten: Euch fehlt alles Mitgefühl mit der Situation dessen, dem es schlecht geht.
[9:45] "Und nun tut mir den Gefallen und schaut mich an! Ich werde euch doch wahrhaftig nicht ins Angesicht lügen. Doch kehrt um, tut nicht Unrecht! Erklärt, denn noch bin ich im Recht."
[9:55] Hiob fordert sie auf, er bittet sie eben doch nicht des Unrechts zu bezichtigen, nur damit sie bei ihrer harten Meinung bleiben können.
[10:04] Lasst uns davon lernen, dass wir anderen Menschen nicht noch mehr wehtun, indem wir, ohne uns in sie hineinzuversetzen, Kritik üben.
[10:16] Lasst uns gemeinsam beten: Lieber Vater im Himmel, Herr, vergib uns, wo wir unter Menschen kritisiert haben, ohne uns in sie hineinzuversetzen, und wir schnell dabei waren, Urteile auszusprechen, ohne überhaupt zu verstehen, wie es dem anderen geht. Gib auch, dass wir von Hiob lernen, von dieser Geschichte, und schenke uns echtes Mitgefühl, das so beständig ist, dass wir tatsächlich ein echter Wasserstrom sind, auf den man sich verlassen kann, der nicht enttäuscht. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.
[10:51] [Musik]
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