In dieser Predigt werden die letzten Verse des Buches Klagelieder, Kapitel 4 und 5, behandelt. Rabea Kramp beleuchtet die tiefe Verzweiflung und die Folgen der Sünde, die das Volk Israel erlebt hat. Gleichzeitig wird aber auch die Hoffnung auf Gottes Treue und Wiederherstellung betont, die trotz aller Umstände im Buch Klagelieder präsent ist.
Gott auf (m)einer Seite: Klagelieder 4:21-5:22
Rabea Kramp · Gott auf (m)einer SeitePodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
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Transkript
[0:32] Hallo, liebe Freunde, willkommen zu Gott auf meiner Seite. Wir lesen heute die Seite 850 und werden das kleine Buch der Klagelieder heute beenden. Wir haben noch zwei Verse übrig von Kapitel 4, bevor wir dann Kapitel 5 lesen. Und bevor wir das tun, lass uns gemeinsam beten.
Lieber Vater im Himmel, ich möchte dir danken für dieses kleine Buch der Klagelieder, was ja sehr unscheinbar in der Bibel steht und selten gelesen wird. Herr, lass uns dieses Buch noch mehr ans Herz wachsen und bewusster werden, damit wir auch verstehen, warum solche Bücher in der Bibel sind, die ja uns traurig machen, die uns auch die Betrübtheit vermitteln, die besteht, wenn die Sünde und die Folgen der Sünde ein Menschenleben zerstören. Und ich möchte dich bitten, dass wir heute durch dieses letzte Kapitel begleitet werden von dir und dass du uns hilfst, es zu verstehen. Amen.
[1:28] Amen. Wir beginnen in Kapitel 4, Vers 21. "Juble nur und sei schadenfroh, du Tochter Edom, die du im Land Us wohnst. Der Kelch wird auch an dich kommen, auch du wirst trunken und entblößt werden." Wir wissen und haben schon gelesen im Buch Jeremia in den Gerichtsbotschaften über die Heidenvölker, dass Edom auch das Gericht erfährt. Und interessanterweise steht dort, dass Edom nicht wiederhergestellt wird, im Gegensatz zu einigen anderen Völkern drumherum und auch natürlich das Volk Gottes.
Ein anderer interessanter kleiner Aspekt, den wir hier finden, ist, dass Edom im Land Us wohnt. Wir haben noch ein anderes Bibelbuch, in dem dieses Land Us vorkommt, und das ist das Buch Hiob, wo es nämlich heißt: "Es war ein Mann im Lande Us." Und somit können wir hier verorten, jedenfalls lokal, wenn auch nicht zeitlich so sehr, dann können wir doch sagen, Hiob hat östlich von Israel, von Juda gelebt und gewohnt. Und ja, das hilft uns auch ein bisschen, ihn zu verstehen.
[2:52] "Du Tochter Zion, deine Schuld ist getilgt. Er wird dich nicht mehr gefangen wegführen lassen. Deine Schuld, aber du Tochter Edom, sucht er heim. Deine Sünden deckte auf." Hier haben wir noch mal diesen Kontrast, dass Gott sagt, die Sünden meines Volkes Juda werde ich vergeben, obwohl die Sünde größer ist als die von Sodom. Also gibt es einen positiven Ausblick. Aber die Sünden der Tochter Edom werde ich nicht vergeben, und es gibt auch keine Wiederherstellung.
[3:21] Wir beginnen das letzte Kapitel im Buch Klagelieder, Kapitel 5, Vers 1: "Gedenke, Herr, an das, was uns widerfahren ist. Schau her und sieh unsere Schmach." Hier fordert das Volk auf, Gott, erinnere dich, gedenke. Und genauso tut Gott es in den Zehn Geboten, wo es heißt: "Gedenke des Sabbats, dass du ihn heiligst." Und hier sagt es: "Gedenke, Gott, an unsere Schmach. Unser Erbe ist den Fremden zugefallen, unsere Häuser den Ausländern. Wir sind Waisen geworden ohne Vater, unsere Mütter sind wie Witwen. Unser Wasser trinken wir um Geld, unser eigenes Holz bekommen wir nur gegen Bezahlung. Unsere Verfolger sitzen uns im Nacken, auch wenn sie müde sind, gönnt man uns keine Ruhe. Wir haben Ägypten die Hand gereicht und Assyrien, um genug Brot zu erhalten. Unsere Väter, die gesündigt haben, sind nicht mehr. Wir müssen ihre Schuld tragen."
[4:23] Also hier beklagen sie noch mal ihren Zustand und machen noch mal deutlich, wie schlecht es ihnen auch wirtschaftlich geht. Und sie sagen, ja, es liegt daran, wir haben einen Fehler begangen. Wir haben uns an Ägypten und Assyrien geklammert, wir haben sie zu Verbündeten gemacht, und das war nicht richtig. Und nun müssen wir die Folgen dafür tragen.
[4:45] Es heißt weiter: "Knechte herrschen über uns. Da ist keiner, der uns aus ihrer Hand befreit. Wir schaffen unsere Nahrung unter Lebensgefahr herbei, weil uns in der Wüste das Schwert bedroht. Unser Haus ist schwarz wie ein Ofen, so versenkt uns der Hunger." Also sie sind hier in einer Lebenssituation, die wirklich alles andere als erfreulich ist. Sie sind ja unter Bedrängnis, sie sind unter Hunger, sie sind unter wirtschaftlicher Not.
[5:16] "Frauen wurden geschändet in Zion, Jungfrauen in den Städten Judas. Fürsten wurden durch ihre Hand gehängt. Die Person der Alten hat man nicht geachtet. Junge Männer müssen die Handmühe tragen und knabeln, straucheln unter Holzlasten." Diese drei Verse zeigen, dass die Gesellschaft systematisch zermürbt wurde, und das ist die hässliche Fratze des Krieges, den ja auch Juda erlebt hat durch die Belagerung. Dabei belohne das Vergewaltigung, Mord und ja, Frondienst, Zwangsarbeit an der Tagesordnung sind.
[5:54] "Die Ältesten bleiben fern vom Tor und die jungen Männer lassen ihr Seitenspiel." Also es gibt keine Musik, keine Freude. Die Freude unseres Herzens ist dahin. Unser Reigen hat sich in Klage verwandelt. "Gefallen ist die Krone unseres Hauptes. Wehe uns, dass wir gesündigt haben!"
[6:13] "Darum ist unser Herz krank geworden, darum sind unsere Augen trübe, weil der Berg Zion verwüstet ist und Füchse sich dort tummeln. Du, oh Herr, thronst in Ewigkeit. Dein Thron besteht von Geschlecht zu Geschlecht." Hier tritt ein ganz deutlicher Kontrast ein, denn sie beschreiben ihren eigenen Niedergang, ihre Klage, wie sie krank sind, wie ihre Augen trübe sind, wie der Berg Zion verwüstet ist. Und im großen Gegensatz dazu thront Gott ewiglich von Geschlecht zu Geschlecht. Also beschreiben ihre Vergänglichkeit, ihre Sündhaftigkeit und stellen dem Gott gegenüber, der mächtig, herrlich und gut ist.
[7:01] "Warum willst du uns für immer vergessen, uns verlassen? Alle Tage bring uns zurück zu dir, oh Herr, so werden wir umkehren. Lass unsere Tage wieder werden wie früher, oder hast du uns gänzlich verworfen? Bist du allzu sehr über uns erzürnt?" Und mit dieser Frage endet das Buch der Klagelieder. Mit diesem Gebet, muss man eigentlich sagen, mit diesem Flehen an Gott, dass er sie wieder herstellt wie früher.
[7:34] Und das große Wunder, dass wir ja durch die Bibel haben und das in vielen Büchern berichtet ist, ist, dass Gott sein Volk tatsächlich genauso herrlich und vielleicht auch noch herrlicher wiederherstellen wollte. Er wollte, dass das Volk aus dem Exil zurückkehrt, gestärkt, dass sie den Tempel aufbauen, die Stadt aufbauen, die Mauern aufbauen, das Land wieder bewirtschaften und ja, eine mächtige Nation werden. Gott hat sie nicht gänzlich verworfen und für immer. Er war nicht für immer erzürnt, sondern er hat gewusst: "Ich muss euch für diese 70 Jahre im Exil belassen, damit ihr geheilt werdet von dem Götzendienst und von dieser geistlichen Untreue." Und dann hat er sie wieder zurückgebracht.
[8:22] Und die große Tragik bestand darin, dass nur ein kleiner Überrest sich aufgemacht hat und zurückgekehrt ist nach Juda und Jerusalem. Und dadurch Gottes Plan, den er eigentlich so herrlich gemacht hatte, nur ja, in Teilen so erfüllt werden konnte und das Land und die Stadt nur so in Teilen wieder und im Ansatz wiederhergestellt werden konnte, wie es eigentlich Gottes Plan war.
[8:53] Wir könnten dafür darüber noch viel reden und viele Dinge erzählen, aber dabei möchten wir es belassen heute. Und ich lege euch ans Herz, das Buch der Klagelieder noch mal für euch selber zu lesen, zu studieren und auch immer wieder ein paar Verse davon zu ja, zur Andacht hinzuzunehmen, um auch ja, diese Bestürzung zu sehen, die Menschen haben über ihre Sünde. Denn das macht uns auch ganz persönlich bewusst, wo wir stehen und wie Gott uns sieht. Und gleichzeitig verknüpft dieses Buch, das so traurig ist, die Hoffnung, diese ganz starke Hoffnung, mit dieser großen Traurigkeit über einen selbst.
[9:35] Lasst uns Gott danken für das Buch der Klagelieder. Lieber Vater im Himmel, ich möchte danken, dass du dieses sehr traurige, aber sehr emotionale, sehr gefühlvolle Buch in der Bibel hast ja finden lassen, das ist sein Weg, darin gefunden hat. Und ich möchte dich bitten, dass diese Verse und diese Kapitel aus dem Buch Klagelieder uns noch mehr zu eigen werden und dass wir sie immer mal wieder zur Hand nehmen. Lass uns auch die ja, das was das Volk erlebt hat, eine Lehre sein und wie es darüber gedacht hat im Nachhinein, dass es so so sündig war und Gott nicht die Treue gehalten hat.
[10:18] Herr, wir möchten dich bitten, dass du unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus erneuerst, bis zu dem Tag, an dem du wiederkommst. In deinem Namen bitte ich das. Amen.
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