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Tägliche Andachten

Täglich kurze 2-minütige Andachten aus der Bibel für einen guten Start in den Tag. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/mit-gott-leben/ entnommen.

Dieser Podcast beinhaltet die folgenden Serien:


In dieser Predigt beginnt Roman Wiens eine neue Serie über das Buch Prediger. Er beleuchtet die Autorschaft Salomos und dessen späte Lebensreflexionen über den Sinn des Lebens. Der Sprecher erklärt die tiefere Bedeutung des hebräischen Begriffs „Hevel“ als Vergänglichkeit und Rätselhaftigkeit, die menschliche Bemühungen „unter der Sonne“ kennzeichnet. Salomo stellt fest, dass weder menschliche Werke noch die bloße Anhäufung von Weisheit dauerhaften Gewinn oder wahre Erfüllung bringen.


Weitere Aufnahmen

Serie: Gott auf (m)einer Seite

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Transkript

[0:30] Hallo, liebe Freunde, herzlich willkommen zu „Gott auf meiner Seite“. Heute beginnen wir einen neuen Abschnitt. Wir werden gemeinsam das Buch Prediger lesen.

[0:41] Bevor wir da einsteigen, möchte ich zwei wichtige Dinge mitgeben. Wenn man über das Buch Prediger nachdenkt, wenn man es liest, dann kann es an manchen Stellen schwer sein, tatsächlich zuzuordnen, was damit gemeint ist. Und ich glaube, damit wir wirklich einordnen können, in welche Richtung das gehen soll, was die zugrundeliegende Botschaft sein soll, ist es wichtig, dass wir verstehen, wer es geschrieben hat und was sein Anliegen war.

[1:14] Im ersten Vers werden wir sehen, dass er sich zwar vorstellt, aber sich keinen Namen gibt, was manche dazu veranlasst, davon auszugehen, dass es nicht Salomo ist, sondern jemand, der vielleicht seine Person übernehmen möchte, um mehr Autorität zu haben. Aber ich glaube, wir haben im Text genug Hinweise, um zu sehen, dass es um Salomo geht. Gleich vorweg, dass er sagt: „Das sind die Worte des Predigers.“ Im Hebräischen steht da der Begriff des Kohelet, derjenige, der die Versammlung einberuft. Und das ist ein Ausdruck, der sehr stark erinnert an 1. Könige Kapitel 8, wo Salomo die Versammlung einberuft, um sie zu belehren, um sie auf Gott hinzuweisen. Hier wird der gleiche Anklang genommen, um darauf hinzuweisen, wie über Gott nachgedacht werden soll. Zudem war er der einzige Sohn Davids, auch in der gesamten Linie Davids, der aus Jerusalem über ganz Israel herrschte.

[2:15] Und als Letztes haben wir die ganzen Motive im Buch selber, die sehr gut zum Leben von Salomo passen. Und wenn man so anschaut, Salomo, der das ganz am Ende seines Lebens, wahrscheinlich in den letzten Jahren vor seinem Tod, geschrieben hat. Er reflektiert jetzt noch einmal auch die ganzen Fehler, die er gemacht hat, nicht nur all die großen Dinge, die er erreicht hat, überall da, wo Gott verherrlichen kann, sondern auch da, wo er Gott verlassen hat, wo er sich abgewandt hat und wo er massive Fehler begangen hat. Und er reflektiert das alles, um die Versammlung zu warnen und sie darauf hinzuweisen, wie kann ich wirklich – und das ist der zweite Teil, der Kerngedanke ist – wie kann ich wirklich in meinem Leben Sinn finden? Was wird mir mein Leben wirklich Sinn geben?

[3:09] Und mit diesen beiden Gedanken im Hintergrund wollen wir gemeinsam lesen. Ich möchte euch einladen, wir sind auf Seite 701, und wir werden im Buch Prediger im ersten Kapitel beginnen. Aber bevor wir das Wort Gottes gemeinsam lesen wollen, möchte ich noch ein kurzes Gebet sprechen.

[3:28] Herr, du hast uns dieses Wort gegeben. In diesen Zeilen sagt Salomo selber, dass er aufgrund von dir diese Dinge mitgeben möchte. Und er möchte ein Licht auf das werfen, worum es wirklich geht. Gerade in all den Dingen, die uns vielleicht rätselhaft erscheinen oder die sinnlos erscheinen: Wie kann ich da Sinn finden? Und Salomo möchte uns helfen, gute Entscheidungen zu treffen. Und so bitte ich dich jetzt, bei uns zu sein, weil wir dein Wort gemeinsam lesen. In deinem guten Namen. Amen.

[4:08] Ich beginne im Buch Prediger in Kapitel 1, Vers 1. „Das sind die Worte des Predigers, des Sohnes Davids, des Königs in Jerusalem. Nichtigkeit der Nichtigkeiten, spricht der Prediger, Nichtigkeit der Nichtigkeiten! Alles ist Nichtigkeit!“

[4:28] Eine Aussage, die wir wahrscheinlich kennen, die gerne Salomo an der Stelle zugeschrieben wird und für viele so die Zusammenfassung von allem, worum es im Buch Prediger geht. Und das kann im ersten Moment ein wenig depressiv wirken. Ich glaube, es hilft uns, wenn wir besser verstehen, was mit dem Begriff gemeint ist, den Salomo hier verwendet. Und es stimmt, das ist so der Kerngedanke, der sich durch das Buch zieht. Aber allein, wenn man in anderen Übersetzungen schaut, wird deutlich, dass man sich nicht ganz einig ist, wie man das am besten übersetzt. In manchen Übersetzungen heißt es Sinnlosigkeit, Eitelkeit, Nichtigkeit.

[5:08] Der hebräische Ausdruck „Hevel“, von dem auch der Name Abel, der Bruder von Kain, kommt, soll eigentlich mehr ausdrücken als nur Sinnlosigkeit. Wörtlich bedeutet das so viel wie der Hauch, der Wind, Rauch. Das heißt, das, was schnell verfliegt, was gerade da war, aber dann wieder weg ist. Und insofern passt der Gedanke der Nichtigkeit, der Sinnlosigkeit. Aber würde man es dabei belassen, würde man die tiefe Bedeutung von dem, was Salomo mitgeben will, nicht verstehen. Denn es bedeutet auch so viel wie die Rätselhaftigkeit. Du kannst es dir so vorstellen wie bei Rauch: Er wirkt fest, er wirkt, als könnte man danach greifen, aber sobald man nach dem Rauch greift, hat man nichts in der Hand, und es bleiben Fragen zurück. Und das ist der zweite Aspekt, den Salomo so ein wenig verfolgt, und das werden wir in den nächsten Versen gleich merken: dass es nicht nur um Sinnlosigkeit geht. Es geht vor allem darum, dass es häufig Fragezeichen gibt und dass es Dinge gibt, die wir nicht endgültig erklären können. Und deshalb, überall da, wo bei dir auch steht Nichtigkeit, Eitelkeit, Sinnlosigkeit, sollten wir im Hinterkopf behalten: Salomo meint damit mehr. Da geht es wirklich um die Sinnlosigkeit, aber auch gerade um die offenen Fragen, um Dinge, die paradox erscheinen, die wir nicht ganz erklären können. Und das macht das Leben aus. Deshalb beginnt er so.

[6:46] „Nichtigkeit der Nichtigkeiten! Welchen Gewinn hat der Mensch von all seiner Mühe, mit der er sich abmüht unter der Sonne? Eine Generation kommt und eine Generation geht, aber die Erde besteht in Ewigkeit. Und die Sonne geht auf und die Sonne geht unter, und sie strebt ihrem Ort zu, wo sie wieder aufgeht. Der Wind geht nach Süden, und er wendet sich nach Norden; immer wieder sich wendend geht er dahin, und zu seinem Ausgangspunkt kehrt der Wind zurück. Alle Flüsse sollen ins Meer fließen, und das Meer wird nicht voll. An dem Ort, wo die Flüsse gehen, dorthin gehen sie immer wieder. Alle Worte mühen sich ab; nichts vermag ein Mensch zu sagen. Das Auge wird nicht satt vom Sehen, und das Ohr nicht voll vom Hören. Das, was war, ist das, was wieder sein wird; und das, was getan wurde, ist das, was wieder getan wird.“

[7:44] Salomo versucht hier einen Gedankengang aufzubauen. Er beginnt damit, dass er deutlich macht: Es gibt Dinge, die Bestand haben, aber es sind in der Regel nicht die Dinge, an die wir als Erstes denken würden und aus denen wir Sinn holen würden. Manche schlagen vor, dass er das so ein bisschen an der Schöpfung modelliert, die Reihenfolge, die er bringt: dass er anfängt mit dem Formlosen, mit der Nichtigkeit, dann die Sonne, das Licht nennt, über die Erde und die Gewässer, dann hinzu dem Aufgang und dem Untergang der Sonne geht und schließlich beim Menschen um dem, was sie hören und sagen, ankommt. Das scheint so ein bisschen dem Ablauf der Schöpfungswoche zu folgen. Und wenn das tatsächlich sein Anliegen ist, dann geht es Salomo an der Stelle darum, deutlich zu machen: Es gibt Dinge, die Bestand haben. Das, was Gott geschaffen hat, das, was er in Bewegung gesetzt hat, das bleibt. Aber was für ein Gewinn habe ich, wenn ich versuche, meinen Sinn daraus zu ziehen, was ich einbringe, was ich machen kann? Dann bleibt: Eine Generation geht und die nächste kommt, und bald werde ich vergessen sein. Aber das, was Gott geschaffen hat, das hat Bestand. Im Umkehrschluss möchte er sagen: Es hat nicht viel Wert, darauf zu bauen und darin seinen Sinn zu suchen, was ich aufbaue, was wir als Menschen tun. Und das bestätigt er dann auch mit dem Gedanken

[9:21] in Vers 9: „Und es gibt gar nichts Neues unter der Sonne. Gibt es ein Ding, von dem einer sagt: ‚Siehe, das ist neu‘? Längst ist es gewesen für die Zeitalter, die vor uns gewesen sind. Da gibt es keine Erinnerung an die früheren, und an die künftigen, die sein werden, auch an sie wird man sich nicht mehr erinnern bei denen, die noch später sein werden.“

[9:50] Das, was wir versuchen einzubringen, was gibt es da groß Neues? Und ich glaube nicht, dass Salomo hier darüber sprechen möchte, dass Erfindungen nicht viel bringen, sondern er versucht deutlich zu machen: Wenn ich versuche, mich für etwas einzusetzen, das gab es doch schon. Und wenn ich Dinge sehe, die nicht gut laufen, auch das gab es schon. Das Einzige, was tatsächlich Bestand hat, das Einzige, was tatsächlich neu war, war das, was Gott gemacht hat. Und damit baut er hier einen Kontrast auf, der sich dann auch durch sein ganzes Buch ziehen soll, durch seine ganze Rede.

[10:27] „Ich, der Prediger, war König über Israel in Jerusalem. Und ich richtete mein Herz darauf, in Weisheit alles zu erforschen und zu erkunden, was unter dem Himmel getan wird. Ein übles Geschäft hat Gott da den Menschenkindern gegeben, sich darin abzumühen.“

[10:46] Ich möchte auch hier nochmal kurz innehalten. Es wäre, glaube ich, nicht ganz fair, Salomo vorzuwerfen, dass er Gott hier etwas Negatives zuschreibt, wenn er sagt: „Was für ein übles Geschäft hat Gott den Menschenkindern gegeben.“ Ich habe den Eindruck, dass sich Salomo damit auf den Moment nach dem Sündenfall bezieht. Gott hat den Menschen die Konsequenzen der Sünde aufgezeigt. Er hat ihnen aber auch weiterhin den freien Willen gelassen, die Dinge zu erforschen, zu suchen, sich darin abzumühen. Und für Salomo scheint das sowohl positiv als auch negativ zu sein. Das, was er hier sieht und wahrnimmt, ist etwas, das Gott uns gegeben hat. Und ja, es ist eine Last, die wir unter der Sünde tragen, aber gleichzeitig ist es ein Geschenk. Und das wird er später auch noch etwas ausführen. Aber hier möchte er deutlich machen, wohin führt der Weg, wenn man sich der Weisheit ganz zuwendet?

[11:47] „Ich sah all die Taten, die unter der Sonne getan werden, und siehe, alles ist nichtig und ein Haschen nach Wind. Gekrümmtes kann nicht gerade werden, und Fehlendes kann nicht gezählt werden.“

[12:03] Hier bringt er das erste Mal den Begriff, der sich immer wieder durchziehen wird: Er sieht, was unter der Sonne geschieht. Vorher haben wir: „Es gibt nichts Neues unter der Sonne.“ Aber hier beobachtet er, was unter der Sonne geschieht. Interessant ist, dass er das abgrenzt zu dem, was auch im Himmel passiert, was bei Gott passiert. Es scheint hier Salomo vor allem darum zu gehen, was hier auf der sündigen Welt passiert. Und er betrachtet es, und alles, was hier passiert, das ist rätselhaft, das ist in vielen Bereichen sinnlos. Und

[12:39] „So sprach ich in meinem Herzen und ich sagte: ‚Siehe, ich habe die Weisheit vergrößert und vermehrt, mehr als jeder, der vor mir über Jerusalem war. Und mein Herz hat in Fülle Weisheit und Erkenntnis geschaut. Auch richtete ich mein Herz darauf, Weisheit zu erkennen und Erkenntnis von Torheit und Narrheit zu haben. Doch erkannte ich, dass auch das nur ein Haschen nach Wind ist. Denn so viel Weisheit ist, ist viel Verdruss, und wer Erkenntnis mehrt, mehrt Kummer.‘“

[13:13] Salomo sagt, nachdem er erkannt hat, dass da, wo wir für gewöhnlich unsere Dinge, wo wir versuchen, Sinn rauszuziehen, wo wir den Schwerpunkt darauf setzen, dass das keinen großen Gewinn hat, weil es nichts Neues unter der Sonne gibt und das Einzige, was Bestand hat, ist das, was Gott getan hat, wendet er sich der Weisheit zu. Er versucht, Weisheit in Weisheit zu studieren und zu erkennen, was ist Torheit, also was ist naiv, was ist dumm, was ist unklug? Aber bei all dem stellt er fest: Auch das ist alles nur ein Haschen nach Wind. Es führt ihn auch nicht zu einem erfüllten Leben.

[13:51] Dieses selbstzentrierte Studieren nach Weisheit, das Ringen nach Weisheit, das aus mir herauskommt, losgelöst von Gott, das nicht eine Gabe von Gott ist, am Ende führt es leider nicht zu dem, was ich mir wünschen würde. Im Gegenteil, er schließt damit, dass er sagt: Es mehrt sogar den Kummer. Ich kann mir vorstellen, dass mancher von uns das wahrscheinlich nachempfinden kann: Je mehr man lernt, desto mehr lernt man auch, wo es Schwierigkeiten gibt, wo Ungerechtigkeit ist, wo wir an unsere Grenzen stoßen, und so wird der Kummer größer. Also ist auch nicht das das, was uns den tieferen Sinn geben soll.

[14:40] Die Frage bleibt: Was ist es dann? Salomo beginnt hier erst seine Rede, aber wir wollen da einen Punkt setzen und auch das möchte ich mit einem Gebet abschließen.

[14:52] Unser herrlicher Gott, du bist derjenige, der die Dinge geschaffen hat, die tatsächlich Bestand haben. Du hast uns etwas überlassen, indem wir in Freiheit trotzdem weiter studieren können, obwohl wir unter der Last der Sünde unser Leben führen müssen. Und ich danke dir dafür, dass wir hier bereits ein paar Hinweise haben, was uns nicht die Erfüllung geben wird, auch wenn es im ersten Moment so reizvoll wirkt, wenn wir nur weise werden, wenn wir nur viel Neues schaffen würden. Aber am Ende sind auch das nicht die Dinge, die tiefen Sinn, die Halt und die Erfüllung geben. Ich möchte dich bitten, dass du uns begleitest, wenn wir darüber nachdenken, wie wir bei dir tatsächlich Erfüllung und Weisheit finden können. Und so lege ich das in deine Hand und bitte um deinen Segen. Amen.


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