In dieser Predigt zur Serie „Gott auf (m)einer Seite“ beleuchtet Roman Wiens Prediger 3:16-4:12. Er analysiert Salomos Beobachtungen von Ungerechtigkeit und der Vergänglichkeit menschlichen Strebens „unter der Sonne“. Der Sprecher betont, dass Gott der gerechte Richter und Tröster ist, der inmitten irdischer Leiden Hoffnung schenkt. Die Botschaft ermutigt dazu, sich an guten Werken zu freuen, Gemeinschaft zu suchen und Gott als den unverzichtbaren Dritten im Bund zu erkennen, der Halt und Bestand gibt.
Gott auf (m)einer Seite: Prediger 3:16-4:12
Roman Wiens · Gott auf (m)einer Seite ·Themen: Bibel, PredigerPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
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Serie: Gott auf (m)einer Seite
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Transkript
[0:30] Hallo, liebe Freunde, willkommen zu „Mit Gott auf meiner Seite“. Wir sind auf Seite 704 im Buch Prediger inzwischen, und dort möchten wir heute in Kapitel 3, Vers 16 weiterlesen. Bevor wir da weiterlesen, möchte ich aber noch ein kurzes Gebet sprechen.
[0:49] Herr und Gott, du bist derjenige, der alles gibt. Alles, was aus deiner Hand kommt, ist gut, und das, was du tust, hat Bestand. Das ist das, was wir bis jetzt von Salomo mitnehmen konnten. Ich möchte dich bitten, wenn wir jetzt weiterlesen, dass du uns mit deinem Geist führst, dass du uns die Augen öffnest für die Dinge, wie sie wirklich sind. Ich möchte das in deiner Hand liegen und danke dafür. Amen.
[1:19] Wir haben in den letzten Versen mit einer so positiven Note enden können. Da haben wir in Kapitel 3 so die ersten Hinweise darauf, wo Salomo tatsächlich Bestand, Sinnhaftigkeit, Erfüllung sieht: in dem, was Gott tut. Das, was aus seiner Hand kommt, wenn es eine Gabe aus der Hand Gottes ist, und das, was er tut, hat Bestand. Wir wollen jetzt weiterlesen, wie er den Gedanken weiterführen möchte in Kapitel 3, Vers 16.
[1:53] „Und ferner sah ich unter der Sonne: An dem Ort des Rechts, dort war die Ungerechtigkeit, und an dem Ort der Gerechtigkeit, dort war die Ungerechtigkeit. Ich sprach in meinem Herzen: Gott wird den Gerechten und den Ungerechten richten, denn es gibt eine Zeit dort für jedes Vorhaben und für jedes Werk.“
[2:15] Wow, was für ein Wechsel! Gerade eben hat er noch so eine positive Note gehabt. Man hat das Gefühl, da kommt er jetzt endlich zu dem: Wie komme ich zur Erfüllung? Ich habe den Eindruck, Salomo ist Realist. Salomo ist sich sehr wohl bewusst, dass es hier unter der Sonne – und deshalb macht er diese Unterscheidung – weil die Aussage, die wir in Vers 16 lesen, die würde nicht passen, wenn er das auf das ganze Universum, auf den Herrschaftsbereich Gottes ausdehnen würde, denn bei Gott ist Gerechtigkeit. Aber er sagt hier: Unter der Sonne sieht er, da wo Recht sein sollte, ist Ungerechtigkeit. Und dort, wo eigentlich Gerechtigkeit geschaffen werden sollte, sieht man Ungerechtigkeit.
[3:09] Er möchte hier darauf aufmerksam machen, dass, auch wenn ich dann erkannt habe, okay, ich möchte die Dinge aus Gottes Hand nehmen: Auf dieser Erde sind wir mit einer Realität konfrontiert, mit der Realität, dass manche Dinge keinen Sinn ergeben. Auf dieser Erde sind wir mit der Realität konfrontiert, dass Sünde nicht einer Logik folgt. Und das bedeutet leider, dass dort, wo wir vielleicht Recht und Gerechtigkeit vermuten würden oder erwarten, vielleicht auch mit gutem Recht, dass es die dort nicht gibt.
[3:50] Und dennoch ist auch hier wieder so ein Funken Hoffnung, weil die Realität, die wir hier auf der Erde sehen, ist ein Teil vom großen Bild. Und er sagt: (Ich) sprach in meinem Herzen (Vers 17): „Gott wird den Gerechten und den Ungerechten richten.“
[4:13] Dieser Realität, die wir hier auf der Erde sehen und wahrnehmen, stellt er gegenüber: Gott hält noch Gericht. Gott übersieht das nicht. Gott ignoriert nicht, was hier passiert, und Gott wird richten jeden.
[4:31] Vers 18: „Ich sprach in meinem Herzen: Der Menschenkinder wegen ist es so, dass Gott sie prüft, damit sie sehen, dass sie nichts anderes sind als Vieh. Denn das Geschick der Menschenkinder und das Geschick des Viehs haben ja ein und dasselbe Geschick. Es ist nämlich dies: Wie dieses stirbt, so sterben jene. Und einen Odem haben sie alle. Und einen Vorzug der Menschen vor dem Vieh gibt es nicht, denn alles ist Nichtigkeit. Alles geht an einen Ort. Alles ist aus dem Staub geworden, und alles kehrt zum Staub zurück. Wer kennt den Odem der Menschenkinder, ob er nach oben steigt, und den Odem des Viehs, ob er nach unten unter die Erde hinabfährt? Und ich sah, dass es nichts Besseres gibt, als dass der Mensch sich freut an seinen Werken, denn das ist sein Teil. Denn wer wird ihn dahin bringen, hineinzusehen in das, was nach ihm sein wird?“
[5:31] Es ist nicht ganz leicht, ihm zu folgen, was Salomo hier ausdrücken möchte. Ich habe den Eindruck, Salomo möchte deutlich machen: Wir können jetzt die Realität hier auf der Erde wahrnehmen, die Realität, die durch Sünde geprägt ist, und uns aufregen. Wir können daran verzweifeln, dass Ungerechtigkeit überhandnimmt.
[5:57] Er möchte nicht etwas Negatives ausdrücken, wenn er sagt: Ob gerecht oder ungerecht, sie haben alle das gleiche Ende. Eigentlich möchte er damit etwas Positives ausdrücken. Er sagt eigentlich: Bei all der Übermacht, die das Ungerechte zu haben scheint, wie lange haben sie denn Macht? Am Ende haben sie das gleiche Ende, nicht nur wie die Gerechten, sondern selbst wie das Vieh. Dem Vieh, den Tieren, denen wir nicht diese hohe ethische Ebene zugestehen würden, dass wir zwischen gerecht und ungerecht unterscheiden. Wir gehen nicht davon aus, dass Tiere Versammlungen haben und über Ethik debattieren. Und wir Menschen haben das gleiche Ende wie sie.
[6:43] Ich kann daran verzweifeln, dass scheinbar Ungerechtigkeit überhandnimmt. Aber Salomo sagt hier: Auch sie, so übermächtig wie sie scheinen, haben doch das gleiche Ende. Und deshalb ist die Schlussfolgerung in Vers 22: Das Beste, was wir tun können, ist nicht, daran zu verzweifeln und nur darauf zu schauen, wo überall Ungerechtigkeit und Sünde ist, sondern meinen Teil zu tun und mich an meinen Werken zu freuen. Die Werke, die hier genannt werden, stehen im Kontext von gerecht und ungerecht. Das heißt, er möchte Mut machen: Bleib dabei, das Gerechte zu tun, und freu dich daran. Denn am Ende – du weißt nicht, wo es nachher hinführen wird. Keiner von uns hat hinter den letzten Vorhang geblickt. Deshalb dürfen wir Mut fassen: Am Ende haben wir alle dasselbe Ende, was unsere Zeit hier auf der Erde betrifft, unter der Sonne. Aber da wartet noch etwas auf uns. Jetzt möchte Salomo aber noch ein paar Aspekten nachgehen, warum Ungerechtigkeit entsteht, und das macht er in Form von einigen Fallbeispielen in Kapitel 4. Das erste leitet er ein mit:
[8:11] „Und ich wandte mich um und ich sah.“ So wird er jetzt alle Fallbeispiele einleiten, dass er etwas sieht. „Ich wandte mich um und sah all die Unterdrückungen, die unter der Sonne geschehen. Und siehe da, waren Tränen der Unterdrückten, und sie hatten keinen Tröster. Und von der Hand ihrer Unterdrücker ging Gewalttat aus, und sie hatten keinen Tröster. Preis sich die Toten, die längst gestorben sind, mehr als die Lebenden, die jetzt noch leben. Und glücklicher als die beide preise sich den, der noch nicht gewesen ist, der das böse Tun nicht gesehen hat, das unter der Sonne geschieht.“
[8:49] Es wird immer deutlicher, dass für Salomo das, was unter der Sonne geschieht, all das ist, was wir seit dem Sündenfall erleben. Hier wird aber etwas ganz Wichtiges deutlich: Das große Leid, das die Unterdrückten erleben, und weshalb da so viele Tränen sind, ist, weil sie keinen Tröster haben. Der Grund, warum wir die Toten preisen mehr als die Lebenden, ist, weil sie das Leid, das gerade da ist, nicht weiter erleben müssen. Aber das Tragische an dieser Stelle ist nicht nur, dass sie Leid erleben, sondern dass sie keinen Tröster haben. Dass er so oft wiederholt und betont: Sie haben diesen Tröster nicht, weist darauf hin, was er vorher schon langsam aufbauen möchte, und zwar, dass Gott den Unterschied in unserem Leben macht. Wenn wir den Tröster nicht haben, dann haben wir es tatsächlich, dass wir sagen müssten: Den Toten geht es besser als uns. Sie müssen den Blödsinn nicht weiter erleben. Und die, die noch nicht geboren wurden, denen geht es am allerbesten, weil sie noch nicht mal erlebt haben, was Leid sein kann. Den Unterschied aber macht der Tröster.
[10:07] Salomo fährt aber fort in Vers 4: „Und ich sah all das Mühen und alle Tüchtigkeit bei der Arbeit, dass es Eifersucht ist einen gegen den anderen. Auch das ist Nichtigkeit und Haschen nach Wind. Der Tor legt seine Hände ineinander und verzehrt sein eigenes Fleisch. Besser eine Handvoll Ruhe als beide Fäuste voll Mühe und Haschen nach Wind.“
[10:34] Hier sieht er die Problematik, die bei vielem entsteht, was auch Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind ist, wenn man sich überarbeitet, und das vor allem aus Eifersucht, weil man sagt: Ich will das auch, was der andere hat. Und dann arbeite ich halt bis zum Umkippen. Das ist nicht das, was mir Erfüllung geben wird.
[10:58] „Und ich wandte mich um und sah Nichtigkeit unter der Sonne: Da ist einer allein und kein Zweiter bei ihm. Auch hat er weder Sohn noch Bruder, und für all seine Mühen gibt es kein Ende. Auch werden seine Augen am Reichtum nicht satt. Für wen mühe ich mich also und lasse meine Seele Gutes entbehren? Auch das ist Nichtigkeit und ein übles Geschäft. Zwei sind besser daran als ein Einzelner, weil sie einen guten Lohn für ihre Mühe haben. Denn wenn sie fallen, so richtet der eine seinen Gefährten wieder auf. Wehe dem Einzelnen, der fällt, ohne dass ein Zweiter da ist, der ihn aufzurichten. Auch wenn zwei beieinander liegen, so wird ihnen warm. Dem Einzelnen aber, wie soll ihm warm werden? Und wenn einer den Einzelnen überwältigt, so werden doch die zwei ihm widerstehen. Und eine dreifache Schnur wird nicht so schnell reißen.“
[11:54] Das letzte Fallbeispiel, das er hier aufbaut, das wir uns anschauen, beschreibt die Herausforderung der Einsamkeit. Wobei es nicht nur die Einsamkeit betrifft, sondern den Gedanken, dass ich mich alleine durchkämpfe, dass ich andere nicht nötig habe. Gott hat uns nicht für das Alleinsein geschaffen. Und in unserer Gesellschaft ist häufig der Gedanke vorherrschend: Ellenbogengesellschaft, ich muss mich durchkämpfen. Und wenn ich jemanden bei mir habe, dass das bremst mich doch nur aus. Aber Salomo versucht den Mehrwert aufzuzeigen. Es wäre eitel und naiv, unklug, töricht zu sagen, dass ich niemanden brauche. Wenn jemand an meiner Seite ist, dann kann ich mich auf sie verlassen. Ich kann das, was ich hier arbeite, mit ihm teilen. Er kann mir helfen. In dem Kontext klingt das nach einer freundschaftlichen Beziehung. Das klingt aber auch nach einer sehr innigen Beziehung, wie sie vielleicht in der Ehe zu finden ist. Deshalb wird der Text hier auch sehr gerne bei Hochzeiten verwendet.
[13:09] Und an dem letzten Vers da macht er einen interessanten Sprung. Vorher spricht er immer nur von zwei, aber in Vers 12 heißt es dann am Ende: „Aber eine dreifache Schnur wird nicht so schnell reißen.“ Hier gibt es unterschiedliche Vorschläge, was damit gemeint ist. Salomo geht nicht weiter darauf ein, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, weil er seit dem Ende von Kapitel 2 langsam Gott mit reinbringt und deutlich machen möchte, dass Gott derjenige ist, der Erfüllung gibt, der Bestand und ein Fundament gibt, dass das hier mitschwingt. Ja, ich sollte nicht als Einzelkämpfer vorgehen. Ich sollte andere um mich herum haben, die mich unterstützen können. Aber das Geniale ist: Wenn ich diesen Weg gehe, wenn ich jemanden an meiner Seite habe, dann kommt ohne vorherige Erwähnung dieser Dritte mit dazu. Da möchte Gott der Dritte im Bunde sein. Er möchte derjenige sein, der dafür sorgt, dass die Schnur nicht so schnell reißen kann.
[14:20] Gott hält Gericht. Aber bei all der Realität, die wir sehen, gibt es auch Dinge, die wir beeinflussen können. Und das versucht er bei diesen Fallbeispielen deutlich zu machen: Ob wir die Perspektive des Trösters haben, ob wir aus Grund von Eifersucht arbeiten, ob wir aus Faulheit unsere Hände in den Schoß legen, oder ob wir andere an unserer Seite haben – all das kann einen Unterschied machen. Salomo ist auf dem Weg, deutlich zu machen, was kann mir wirklich Sinn und Bestand geben. Und es wird immer deutlicher, dass er hier etwas ganz Konkretes im Sinn hat. Ich möchte es in einem Gebet Gott vorlegen, dass uns dieser Gedanke über den Tag begleiten soll.
[15:15] Mein Vater im Himmel, du bist derjenige, der in diesen Bund mit eintritt. Da, wo wir nicht mehr alleine stehen, da, wo wir tatsächlich die Dinge korrekt angehen wollen, wo wir uns nicht mehr der Verzweiflung hingeben wollen, weil wir Ungerechtigkeit da sehen, wo Gerechtigkeit sein sollte. Da, wo wir unseren Teil tun, unsere Werke tun, das mit Freude. Da, wo wir mit Blick auf dich hin, auf den Tröster, arbeiten, da möchtest du einen Unterschied machen. Hab Dank für diese Worte, die Salomo mitgeben möchte. Und auch wenn wir noch nicht am Ende seiner Reise sind, so ist das etwas, das uns für den Tag begleiten kann. Du bist derjenige, der mit dazutritt, der Dritte im Bunde, der dafür sorgen kann, dass das Seil nicht so schnell reißt. In der Realität, die uns umgibt, auf der sündigen Welt, sind wir dem nicht ausgeliefert, weil du da bist. Hab Dank dafür.
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