Bernd Sengewald beleuchtet die biblische Prophetie der „Flucht in die Wüste“ aus Offenbarung 12, die eine 1260-jährige Verfolgungszeit der Gemeinde Gottes beschreibt. Er zeigt auf, wie die römisch-katholische Kirche unter dem Einfluss von Kaisern wie Konstantin und Justinian ein System etablierte, das biblische Lehren verfälschte und Andersgläubige verfolgte. Der Sprecher kontrastiert die Lehre der Rechtfertigung durch Werke mit der biblischen Wahrheit der Erlösung allein durch den Glauben an Jesus Christus und betont die Bedeutung der Bibel als einzige Grundlage des Glaubens.
J.O.S.U.A. BW Camp Meeting 2024: 4. Flucht in die Wüste
Bernd Sengewald · J.O.S.U.A. BW Camp Meeting 2024 ·Themen: Bibelstudium, Gemeinde, Großer KampfWeitere Aufnahmen
Serie: J.O.S.U.A. BW Camp Meeting 2024
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Transkript
[0:07] Ja, einen schönen guten Abend auch von meiner Seite. Ich freue mich, dass ich heute mit euch zusammen sein kann. Kam für mich ganz überraschend, mal der Anruf, und wurde gefragt: „Könntest du nicht was über die Gemeinde in der Wüste machen?“ Und ich habe natürlich im Kopf, ich habe sowieso wieder die Studienreise nach Südfrankreich, und das ist genau mein Thema. Aber wisst ihr, ich habe gemerkt, als ich versucht habe, das in eine Präsentation reinzupressen, das sind zehn Tage mit langen Referaten, und ich habe gemerkt, es brauchte doch ein bisschen mehr, als ich gedacht hatte. Aber ich habe so zwei Stunden Zeit oder zweieinhalb, wie viel war das?
[0:37] Okay, ich fange, ich kriege jetzt schon den Timer hinein. Ich fange jetzt mal an. Ich hoffe, ich habe es halbwegs hinbekommen, und ich hoffe, ihr kriegt einen kleinen Eindruck von dem, wo ich euch am liebsten alle mit hinnehmen würde, nämlich ja mal in die Cevennen, mal in die Pyrenäen und auch mal in die Waldenser Täler. Das ist einfach nur schön, das zu erleben.
[0:57] Aber gehen wir mal los. Der Text, der mir gegeben wurde, wenn es dann funktioniert und die will er gar nicht. Jetzt hakt die Präsentation. Wie war das mit der Technik, die plötzlich nicht funktioniert? Aha, jetzt.
[1:14] Genau, mir wurde gegeben die Texte Offenbarung 12, Vers 6 und die Verse 13 und 14, weil die beiden eigentlich parallel sind. Da heißt es: „Und die Frau entfloh in die Wüste, wo sie einen Ort hatte, bereitet von Gott, dass sie dort ernährt werde 1260 Tage.“
[1:32] Frau, ihr wisst, in der Bibel ist eindeutig die Gemeinde Gottes. Ihr könnt es im gleichen Kapitel auch wiederum sehen, weil in Kapitel 12, Vers 17 heißt es: „Die übrigen von ihrem Geschlecht“, also die Kinder, die sie hat, „die die Gebote Gottes halten und das Zeugnis Jesu haben.“ Es geht um gläubige Menschen, die an Gott festhalten, sich zu ihm halten. Das Kapitel selbst gibt also die Auflösung an dieser Stelle. 1260 Jahre, kommen wir gleich noch mal dazu, aber ist euch bestimmt auch bekannt.
[2:00] Verse 13 und 14, praktisch eine Wiederholung mit etwas Zusatz: „Und als der Drache sah“ – Satan wird ja im Kapitel aufgelöst – „dass er auf die Erde geworfen war, verfolgte er die Frau, die den Knaben geboren hatte. Und es wurden der Frau gegeben zwei Flügel des großen Adlers, dass sie in die Wüste flöge an ihren Ort, wo sie ernährt werden sollte eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit, fern von dem Angesicht der Schlange.“
[2:28] Ganz kurz auch dazu: Die Flügel des Adlers, das ist ein Bild aus den fünf Büchern Mose, nämlich als das Volk Israel durch die Wüste geführt wurde von Gott, wo er sie bewahrt hat. Da wird auch das Bild verwendet, wo er sagt: „Ich habe dich auf meinen Flügeln getragen, auf Adlerflügeln getragen.“ Und genauso wird die Frau, die Gemeinde, hier in der Wüste in dieser schweren Zeit von Gott getragen auf Adlerflügeln, dass sie überhaupt überleben kann.
[2:55] Und eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit ist genau das Gleiche wie 1260 Tage, wenn man die 30 Tage pro Monat nimmt aus dem jüdischen System.
[3:08] Gucken wir uns mal ein wenig den Gegenspieler an. Nein, ich weiß nicht, ob es KI-generiert ist, wurde ich kurz mal schon gefragt. Keine Ahnung. Ist einfach nur von Gustave Doré das Bild. Weiß auch nicht, wie wirklich der Drache aussieht in der Offenbarung, was Johannes gesehen hat.
[3:21] Ein paar Stichpunkte: Der Gegenspieler hat ein System aufgebaut, um die Gemeinde zu verfolgen und klein zu bekommen. Es wird beschrieben in Offenbarung 13, Verse 1 bis 8. Es gibt ein paar ganz klare, eindeutige Merkmale. Tier bedeutet Organisation oder Macht. Lästern bedeutet entweder Sünden zu vergeben oder sich Gott gleichzustellen. Verfolgung: Die Gläubigen werden verfolgt und getötet, passend auch zu dem, was man in Daniel 7 lesen kann. Und auch wieder 1260 Jahre, genau parallel zur Offenbarung 12.
[3:57] Wasser findet man z.B. Jesaja 17,12: „Ein Getöse mächtiger Nationen, wie große Wasser tosen sie.“ Das heißt, Menschen gehen aus, um die Gemeinde kaputt zu machen. Es gibt auch die Deutung: Es kommt aus dem Mund, mit Lüge versucht er sie zu überwinden. Sucht euch aus, was ihr möchtet, ich denke, beides passt ein Stück weit.
[4:17] Und die Wüste? Nun, die Wüste ist der Ort, wo die Frau sich zurückziehen kann. Es heißt auch, die Erde half der Frau. Und als ganz große Gemeinheit: Die nächste Macht in Offenbarung 13 kommt dann aus der Erde heraus, wo die Frau Zuflucht gefunden hatte.
[4:32] Schauen wir uns jetzt aber mal diesen Gegenspieler in Realität an. Und ich fange hier an bei Kaiser Konstantin, denn schon bei Kaiser Konstantin wurden plötzlich Sachen ins Leben gerufen, die später von der römisch-katholischen Kirche aufgefangen wurden. Er hatte eine Vision gehabt, so zumindest berichtet er das, dass er im Zeichen des Kreuzes gegen seinen Gegner Maxentius siegen würde. Also haben sämtliche seiner Soldaten ein Kreuz haben müssen auf dem Schild oder als Wappen mit dabei. Und so sind sie dann losmarschiert Richtung Rom.
[5:05] Und als sie dann dort sind an der Milvischen Brücke, kommt es zum Kampf mit Maxentius. Maxentius unterliegt, er ertrinkt im Tiber, und Kaiser Konstantin übernimmt das römische Reich. Er lässt gleich mal als erstes die ganzen, na, Kasernen schleifen von den Equites, den berittenen Truppen von Maxentius, und baut gleich mal den Lateranpalast drauf, die Lateranbasilika.
[5:34] Konstantin hat eine Menge Einfluss auf die Kirche genommen. Er hat den christlichen Glauben, der die Staatsreligion ja wurde, ganz stark geprägt. Und an manchen Stellen frage ich mich, wie kann die römisch-katholische Kirche sagen, wir haben es gemacht, dabei war doch viel mehr durch Kaiser Konstantin geschehen?
[5:49] Ein paar Dinge nur, ich fliege darüber: Besondere heilige Plätze. Die Christenheit hatte keine besonderen heiligen Plätze mehr. Das irdische Heiligtum gab es nicht mehr, es war vorbei, als Jesus gestorben war. Es gibt ein himmlisches Heiligtum, aber keinen besonderen heiligen Platz auf dieser Erde. Als Jesus mit der Samariterin spricht, fragt sie: „Wo sollen wir denn anbeten? Im Heiligtum in Jerusalem oder auf unserem Berg da oben?“ Was sagt Jesus? „In Geist und Wahrheit soll Gott angebetet werden.“ Wir können überall Gott anbeten.
[6:24] Die Form der Kirchenbauten. Ich habe schon gesagt, er hat die Lateranbasilika zum Beispiel gebaut. Die wurde genau in der Form der Kasernen aufgebaut, diese Mehrschiffigkeit, wie die Truppen von Maxentius hatten. Das heißt, die meisten Kirchenbauten, die wir heute kennen, die diese Mehrschiffigkeit haben, spiegeln das römische Militärwesen wider. Kommt erst durch Kaiser Konstantin.
[6:47] Heilige Objekte, die Grundlage für Sündenablässe. Seine Mutter, die sogenannte heilige Helena, hat ganz viele mitgebracht aus dem Heiligen Land, weil ihr wurde gezeigt, wo das Kreuz Jesu ist, wo er geboren wurde, wo er gestorben ist und so weiter. Heute alles heilige Plätze. Und den Sonntag anstelle des Sabbats. Ganz viel hat er hineingebracht.
[7:12] Kommen wir jetzt einmal zu dem eigentlichen Wirklichen, das, was in der Offenbarung direkt beschrieben wird: die römisch-katholische Kirche, die erste Organisation aus Offenbarung 13 in voller Ausformung.
[7:24] Der eigene Anspruch, das ist aus dem Konzilskompendium von Heinrich Denzinger. Das ist ein ziemlich fetter Band auf Latein plus einer Landessprache, und es sind sämtliche Konzilsbeschlüsse drin, die auch nicht mehr veränderbar sind. Mir sind Primärquellen sehr wichtig, und hier ist es ihre eigene Aussage über sich selbst. Da steht von 1302 in der Bulle „Unam Sanctam“: „Eine heilige, katholische und ebenso apostolische Kirche zu glauben und festzuhalten, werden wir auf Drängen des Glaubens gezwungen. Und diese glauben wir fest und bekennen wir aufrichtig: Außerhalb derer weder Heil noch Vergebung der Sünden ist.“
[8:06] Ich muss euch leider eine schlechte Botschaft geben: Ihr seid alle verloren, ich auch. Also zumindest nach Ansicht, die hier wiedergegeben wird. Keiner, der nicht römisch-katholisch ist und teilnimmt an den entsprechenden Dingen, die zu tun sind, wie Transsubstantiation zum Beispiel und Beichte und so, den Sakramenten halt, der ist verloren laut ihrer Ansicht.
[8:28] Sie bringen, ich auch, ein paar andere Dinge rein, und ich kratze nur ganz kurz da. Haben wir hier von 993: „Denn so beten wir zu den Reliquien der Märtyrer und Bekenner und so verehren wir sie, dass sie zu dem, dessen Blutzeuge und Bekenner sie sind, beten, durch ihre Fürbitten und Verdienste beim gütigsten Gott immerdar Beistand hätten.“ Was tun sie? Sie beten die Reliquien an. Wird heute oftmals negiert, ist aber unveränderbar, steht immer noch im Konzilskompendium.
[8:56] Und jetzt tue ich kurz mal den Brückenschlag zu Kaiser Konstantin nehmen. Hier ist Santa Croce in Gerusalemme, auch in Rom. Wenn ihr hier mal reinschaut, da seht ihr so eine Dame mit einem Kreuz, das ist die sogenannte heilige Helena, die Mutter von Konstantin. Die wird immer mit so einem großen Kreuz dargestellt. Das ist, weil sie das Kreuz gefunden hat. Warum wussten sie, dass es das Kreuz ist, wo Jesus gekreuzigt wurde? Na, man hielt es an einen Toten dran, und der wurde lebendig. Sieht man in der Apsis in der Kirche auch dargestellt. Gut.
[9:27] Nebenbei, was findet man dort? Reliquien. Angeblich ein Stück Teile des Kreuzes Jesu, Hälfte der Tafel, die Pilatus anbrachte, einer der Nägel, von denen Jesus eben ans Kreuz genagelt wurde, zwei Dornen der Dornenkrone. Der große Kreuzesbalken wurde woanders hingebracht, der befindet sich nicht mehr da. Anbetungswürdig und man bekommt Ablass.
[9:51] Scala Santa. Ich weiß nicht, wer von euch das schon mal gesehen hat. Die Leute robben auf Knien die Treppe hinauf, und es wird ihnen versprochen, wenn sie auf jeder Stufe ein Vaterunser beteten, würden sie Ablässe bekommen. Kann ich durch das Hochrobben auf einer angeblichen Treppe, die Jesus hochgegangen ist zu Pilatus, Sündenablässe bekommen? Auch die Helena hat die nach Rom gebracht, 326 nach Christus.
[10:16] Ein anderes Spiel, und ich sagte, ich mach's kurz, ich bin auch gleich damit fertig: Die heiligen Pforten. Bonifatius der VIII. rief 1300 erstmals ein Jubeljahr aus. Wenn man durch so eine Pforte hindurchgeht, eigentlich durch sämtliche Pforten dieser Basiliken, die da unten angegeben sind, bekomme ich einen Generalsündenablass. Wir waren 2000 in Rom gewesen, und überall standen sie rum mit so großen Papieren. Damit hätte man dann von Kirche zu Kirche gehen können, hatte seine Aufgaben dort drauf, und dann hätte man seine Stempel bekommen und seinen Sündenablass. Haben wir nicht gemacht, aber war interessant. Die Menschen sind gerannt, und sie haben es immer noch gemacht, und das ist immer noch alles aktiv, es ist immer noch aktuell. Die römisch-katholische Kirche führt es durch, es gehört zu ihren Glaubensgrundlagen.
[11:04] Unsere Glaubensgrundlage sieht etwas anders aus, ganz in Kurzform: „Denn mit einem einzigen Opfer hat er für immer die vollendet, die geheiligt werden.“ Pur, nur Jesus Christus, mit einem Mal als Opfer gegeben für uns. Jetzt im himmlischen Heiligtum setzt er das für uns ein. Durch ihn werden wir gerettet, nicht über die Vermittlung von Menschen, durch Jesus Christus selber. Ein Opfer. Da kann man wirklich Amen sagen.
[11:35] Noch eine Kirche, die ihr vielleicht kennen solltet, wenn ihr mal nach Rom geht: Guckt euch Il Gesù an. Das ist die Jesuitenkirche, die erste, die gebaut worden ist. Das ist die Stammkirche. Gleich daneben ist das Jesuitenkolleg, wo die Leute ausgebildet werden, plus noch ein Museum. Will nicht zu viel dazu sagen.
[11:54] Interessant ist nur eine Sache da drin jetzt. Das ist der Grabaltar von Ignatius de Loyola. Wird auch als Altar der Gegenreformation beschrieben. Warum? Erstmal ganz oben seht ihr den weltgrößten Lapis Lazuli. Soll die Erdkugel darstellen und ist gleichzeitig Programm gegen Reformation: Die ganze Welt soll unser sein.
[12:13] Und dann sieht man zum Beispiel rechts unten die folgende Darstellung. Könnt ihr das ein bisschen erkennen? Da ist so eine Frau. Die Frau ist die Kirche, die Symbolik stimmt ja. Und die trampelt Leute in den Boden. Dazu seht ihr dann noch so ein Engelchen hier, das zerreißt hier ein Buch, so einige Seiten. Was passiert denn da? Wer sind die Leute? Was zerreißt das Engelchen?
[12:37] Gucken wir uns das ein bisschen näher an. Da sieht man das unter den Leuten, bei den Büchern, was draufsteht. Könnt ihr das hier lesen? Johannes Calvin, Genfer Reformator, so die Leitfigur der Theologe der französischen Reformation. Könnt ihr das hier lesen? Martin Luther, ja, Reformator Deutschland. Hat den einen Hauptkernpunkt wiedergefunden: Erlösung durch Jesus Christus, Jesus Christus allein. Und was passiert? Auf den Leuten wird rumgetrampelt, die werden kaputt gemacht. Und ich habe keine Ahnung, was das Engelchen jetzt da wirklich zerreißt. Habe ich nichts geschrieben bekommen. Ich habe schon mal gedacht, ob das vielleicht die Bibel von Luther ist oder so. Das wollten die Katholiken ja auch nicht haben damals. Der Laie durfte ja nicht drin lesen und durfte es nicht auslegen.
[13:27] Auf der anderen Seite ist noch mal die Kirche, hat so einen goldenen Becher da in der Hand, sitzt nicht auf einem Drachen, aber den Fuß da drauf. Ich hatte auch meine eigenen Gedanken dazu. Il Gesù, seid ihr mal in Rom, nehmt die Kirche mit, guckt es euch selber an. Sehr interessant.
[13:44] Und hier noch mal einen Kern, den ich mit rausnehme: Konzilskompendium 1547, Konzil von Trient, ist genau gegen die Reformation gerichtet. „Wer sagt, der Gottlose werde allein durch den Glauben gerechtfertigt, der sei mit dem Anathema belegt.“ Meine Anmerkung: Anathema stammt aus dem Griechischen, „Anathema esto“, der sei verflucht. Neuner-Roos, das ist ein Auslegungsbuch, sagt: „der sei ausgeschlossen.“ Das bedeutet automatisch ausgeschlossen aus der Kirche und damit auch vom Heil.
[14:28] Noch mal ein etwas längerer Passus: „Wer sagt, die empfangene Gerechtigkeit werde durch gute Werke vor Gott nicht bewahrt und auch nicht vermehrt, sondern diese Werke seien lediglich Früchte und Zeichen der erlangten Rechtfertigung, nicht auch die Ursache der Vermehrung, der sei mit dem Anathema belegt.“ Ich habe noch mal eine schlechte Nachricht an euch: Ich vermute zumindest, dass es so ist: Ihr seid verflucht, sorry, ich auch. Denn ich glaube an gute Werke.
[15:01] Ja, wir bekehren uns, wenn wir uns zu Jesus Christus bekehren. Zur Taufe gehört Bekehrung. Durch den Heiligen Geist sind Früchte zu sehen. Es ist wichtig, diesen Charakter auch wirklich zu haben. Aber wir können uns nicht die Gnade erarbeiten. Und das genau sagt dieser Passus, und daran glaube ich nicht.
[15:20] Interessant wird's, wenn man schaut, woher dieses „verflucht“, dieses Anathema, kommt. Das kommt nämlich aus einem Brief von Paulus, dem Galaterbrief. Dort steht: „Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht.“ „So sage ich abermals: Wenn jemand euch ein Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei verflucht.“
[15:48] Was schreibt er denn unter anderem im Galaterbrief? Was ist das Hauptthema? Ich nehme einen Vers raus, der wirklich symbolisiert, was das Hauptthema des Galaterbriefes ist: „Weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes. Denn durch des Gesetzes Werke wird kein Mensch gerecht.“ Macht das noch mal dick: Durch den Glauben an Jesus Christus, durch das eine Opfer, was er gegeben hat, haben wir. Wir halten an ihm fest. Es ist ein Geschenk. Und natürlich sind wir in dauerndem Kontakt, damit er uns durch seinen Geist führt und wir die Früchte des Geistes zeigen. Aber wir können uns dadurch nicht erretten. Erlösung ist ein Geschenk.
[16:45] Jetzt haben wir folgendes interessantes Schema: Die römisch-katholische Kirche, die Institution, sagt: „Verflucht ist, wer sagt, dass die eigenen Werke nicht zur Rechtfertigung beitragen.“ Und dann kommt derjenige, von dem sie sagen, sie haben den Kopf von ihm in der Lateranbasilika und sein Leib in San Pietro fuori le Mura, also St. Paul vor den Mauern. Also sie haben ihn, sein Leib als Reliquie. Aber derjenige, den sie als Reliquie haben, sagt: „Verflucht ist, wer sagt, er könne mit eigenen Werken zur eigenen Rechtfertigung beitragen.“
[17:17] So, jetzt habt ihr die Entscheidung, wem ihr eher vertraut, auf wen wollt ihr bauen? Diese Institution oder auf Paulus? Ich sag euch, die Bibel ist die Grundlage überhaupt. Alles, was wir uns jetzt auch angucken, sämtliche Reformationswerke waren nur möglich, weil Menschen das Wort Gottes entdeckt haben, weil sie ganz auf diese Grundlage wieder gegangen sind, weil sie im Herzen brannten und dieses Wort Gottes weitergegeben haben. Wenn wir von dieser Grundlage weggehen, haben wir nichts. Was wollt ihr lesen? Bildzeitung? Pardon, es bringt nichts. Bibel ist die Grundlage für alles.
[17:57] Ein paar Worte noch kurz zum Codex Justinianus. Und zwar hatte Justinian, Kaiser Justinian, eine rechtliche Handhabe gegeben, weil er ja in Ostrom residierte, und er brauchte auch ein Regularium für Westrom. So hatte er dem religiösen System ziemlich viel Macht gegeben. Der Codex Justinianus wurde 538 nach Christus rechtskräftig verkündet und vor Ort in Kraft gesetzt. Warum? Weil die Belagerung Roms durch die Ostgoten aufgehoben wurde, konnte er umgesetzt werden.
[18:30] 1798 nach Christus kam die Gefangennahme des Papstes durch General Berthier und die Einsetzung des weltlichen Code Civil oder Code Napoléon, der den religiös ausgerichteten Codex Justinianus ablöste. Sind genau 1260 Jahre, wo wirklich auch vom rechtlichen Sinne her gesehen das Papsttum volle Gewalt hatte.
[18:51] Was steht drin im Codex Justinianus? Jetzt lesen wir kurz etwas, nur ein paar Passus aus dem ersten Buch: „Alle unter unserer milden Herrschaft stehenden Völker sollen nach unserem Willen demjenigen Glauben angehören, den der heilige Apostel Petrus den Römern mitgeteilt hat.“ „Diejenigen, die diesen Gesetzen folgen, sollen den Namen katholische Christen führen. Diejenigen aber, die wir als töricht und wahnwitzig erklären, sollen als Abtrünnige vom Glauben mit Ehrlosigkeit bestraft und mit dem Zorne Gottes und einer anderen Strafe belegt werden.“ „Den Ketzern soll kein geistliches Amt und keine Möglichkeit offenstehen, den Wahnwitz ihres hartnäckigen Gemütes auszusprechen.“ „Alle Ketzer sollen von verbotenen Zusammenkünften abgehalten werden. Die Ketzer dürfen keine Versammlungen und unerlaubten Zusammenkünfte oder sogenannte Synoden durchführen und keine Ordination oder Taufe vornehmen.“ „Zu allen Zeiten soll es einem jeden freistehen, diejenigen zu verfolgen, die in schändlicher Weise von der christlichen Kirche abtrünnig geworden sind.“
[20:02] Die römisch-katholische Kirche baut wirklich auf Gesetzesgrundlage. Sie hatte laut dem Codex Justinianus das Recht, Häretiker, also Leute, die von ihrem Glauben abwichen, zu verfolgen, zu enterben, zu foltern und zu töten. Sie hatte das volle Recht, Versammlungen zu verbieten und auch die militärische Macht dafür einzusetzen. Das war das Gesetz zur Zeit oder in der Zeit der 1260 Jahre.
[20:29] Könnt ihr vielleicht ein bisschen wertschätzen, wie es uns heute geht, wie gut wir es eigentlich haben im Moment?
[20:36] Schauen wir uns mal die Gemeinde in der Wüste an, die andere Seite, die mir wesentlich wichtiger ist, die aber manches Grausige auch zutage fördert. Zwei Aussagen von Ellen White. Sie sagt: „Zu jeder Zeit gab es Zeugen für Gott, Menschen, die den Glauben an Christus als den einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen bewahrten, die an der Bibel als einzige Richtschnur des Lebens festhielten und die auch den wahren Sabbat beachteten.“ „Die Gemeinde in der Wüste und nicht die stolze Hierarchie auf dem Thron der römischen Weltmetropole war die wahre Gemeinde Christi, die Hüterin der Schätze der Wahrheit, die Gott seinem Volk anvertraut hat.“
[21:19] der Schätze der Wahrheit, die Gott seinem Volk anvertraut hatte, um sie der Welt mitzuteilen, nicht in Pracht und Herrlichkeit, oftmals in Einsamkeit und in Verfolgung.
[21:31] Es gibt unheimlich viele Bewegungen, unheimlich viele Namen, die man bringen könnte. Ich habe mir bloß zu Anfang mal kurz eine Liste reingehauen von Leuten und Orten, über die ich nicht sprechen werde. Ihr könnt es euch kurz angucken, aber auch das war Wüste.
[21:46] Wo hat denn zum Beispiel Martin Luther seine Bibelübersetzung hergestellt, als er im Verborgenen war, auf der Wartburg? Warum konnte die Reformation überhaupt groß werden? Weil der Kurfürst von Sachsen seine Hände über ihn gehalten hatte. Nur deswegen konnte die Reformation wachsen. Sie hatte eine Wüste in dem Sinne, dass sie geschützt war, die Reformation. Und so ging es eigentlich auch den meisten anderen.
[22:12] Schauen wir aber mal drei Gruppen an, zum Beispiel die Waldenser, die den meisten euch wahrscheinlich auch im Ohr sind. Das Symbol von ihnen, das Wappen: „Lux lucet in tenebris“ – das Licht leuchtet in der Finsternis. Und das war wirklich ihre Funktion gewesen.
[22:29] Sie haben Bibelteile verteilt, sie haben vielen Menschen Hoffnung gegeben, unter der Hand, unter Lebensgefahr. Ich gebe jetzt die offizielle Variante wieder ihrer Entstehung: Sie leiten selber von ihren heutigen Theologen ab, dass sie von Petrus Waldes stammen. Man kann das andere auch nicht wirklich nachweisen, da gibt's keine Beweise, kann man geteilter Meinung sein. Sie sagen, sie stammen von ihm ab. Er hat damals eine Bibelübersetzung in Landessprache in Auftrag gegeben. Er organisierte öffentliche Armenspeisungen. Seine Anhänger folgten der Aufforderung, das Evangelium zu predigen, und sie fingen an, überall hinauszugehen. Durch diese freie Verkündigung kam dann die Armut von Lyon in Konflikt mit der römisch-katholischen Kirche. Evangelium verkündigen darf ein Ketzer nicht, ihr habt's vorher gehört, weder Synoden abhalten noch seinen Glauben mitteilen. Man darf auch nicht in der Bibel lesen, man darf keine Bibelteile haben und erst recht nicht weitergeben. Ist praktisch ein Todesurteil.
[23:34] Bei den Waldensern war Wüste übrigens auch nicht unbedingt, was man im Kopf hat, erst die Alpentäler, die man vor sich sieht, Torre Pellice oder das Angrogna-Tal, sondern sie waren vor allem in der Ebene Italiens, in den Städten vorhanden, zum Beispiel auch in Florenz, was ich hier als Bildchen einfach mit dabei habe. Wüste konnte auch bedeuten, im eigenen Wohnzimmer, in den vier Wänden, und nur unter der Hand mit Freunden mal gesprochen und dann heimlich miteinander zu treffen. Es gab viele Gemeinden auch in der Ebene. Originalton eines waldensischen Autors: „Über Jahre hinweg waren die Städte des lombardischen Raumes der Schwerpunkt des Waldensertums.“ Sie ging aber bis nach Süditalien runter und sie war noch in andere Richtung verbreitet, natürlich auch in Frankreich.
[24:23] Etwas ganz Besonderes ist das Barbenkolleg. Zum Beispiel im Angrogna-Tal kann man eines noch sehen, hübscher hergerichtet als Besuch, als Tourist kann man sich das ansehen. Die Barben, übersetzt Onkel, sind die Verbindung aller Gruppen gewesen. Sie haben die verschiedenen Gruppen besucht, sie waren die Führungsschicht und auch die Theologen und gleichzeitig die Missionare. Sie hatten oft genug in späteren Zeiten auch ein Studium absolviert, zum Beispiel in Genf über Calvins theologische Fakultät. Aber sie haben auch vor Ort Bibelteile abgeschrieben, gelernt und weitergegeben. Ausbildung war ganz wichtig, die Leute waren wirklich gelehrt. Sie waren in der Regel auch immer zu zweit unterwegs, ich sag mal der Meister und sein Schüler, das heißt der Jüngere hat vom Erfahrenen gelernt.
[25:09] Sie hatten auch verschiedene Dinge, die sie gelernt haben in ihrem Studium. Sie konnten Latein lesen und auch übersetzen, sie hatten Arithmetik, sie hatten etwas Botanik und auch etwas Medizin, wird jedenfalls so berichtet. Das heißt, sie konnten Leuten auch im gesundheitlichen Bereich möglicherweise etwas helfen und haben dadurch offene Türen bekommen.
[25:28] Ein Waldenser sagte gegenüber dem Inquisitor: „Alle, große und kleine Männer und Frauen, unterrichten und lernen unaufhörlich bei Tag und Nacht. Der Arbeiter schafft bei Tage und des Nachts lernt er oder unterrichtet. Bei uns unterrichten die Frauen ebenso wie die Männer. Wer eine Woche lang Schüler ist, unterrichtet schon einen anderen.“
[25:57] Glaube möchte weitergegeben werden. Evangelium ist nicht dafür da, es bei sich zu begraben. Es ist dafür da, dass es hinausgeht. Licht leuchtet in der Finsternis. Das Licht soll die Welt erleuchten und die Menschen erleuchten. Und sie haben vieles dafür auf sich genommen.
[26:15] Nochmal Originalton eines waldensischen Autors: „Sie sind nicht so sehr auf der Flucht in die Wüste wie so viele Einsiedler, sondern sie suchen die Kirchen, die öffentlichen Plätze und Häuser auf, um ihre Botschaft weiterzutragen.“ Licht leuchtet in der Finsternis. Und ja, sie haben, je nachdem wie die Schaukelpolitik gerade der Landesfürsten lief, ganz vieles erlebt: Offenheit, sie durften dann wieder Verfolgung und Soldaten, die sie getötet haben, Dörfer verbrannt haben, sie gefoltert haben, in Gefängnisse geschmissen haben. Ganz schlimm. Und die letzte Gruppe, die wirklich so übrig blieb, hauptsächlich war hauptsächlich die in den Alpentälern, die man heute kennt als die Waldensertäler.
[27:00] Ja, sie mussten ganz hoch in die oberen Gegenden. Ja, sie haben sich dort entschieden, sich auch zu verteidigen. Hätten sie sich nicht dazu entschieden, hätten sie überlebt? Wissen wir nicht. Aber sie haben gekämpft, mit Erfolg teilweise und auch nicht mit Erfolg. Vielfach mussten sie dort das Gebiet verlassen, sie mussten halt woanders eine Bleibe suchen, um zu überleben. Dann kamen sie wieder zurück, dann mussten sie wieder fliehen. Wenn man die Geschichte liest, es ist schlimm.
[27:32] 1532 nahm Farel an der Synode von Chanforan im Val d'Angrogna bei Torre Pellice im Piemont-Tal teil. Und der Farel war ja ganz wichtig in der französischen Reformation. Er hatte in Genf dazu geführt, dass die Stadt auch wirklich dann die Reformation angenommen hat. Die Waldenser haben sich bei dieser Synode dem evangelischen protestantischen angeschlossen, der Reformation, und sie haben eine eigene Bibelübersetzung im Französischen bekommen von Pierre Robert Olivétan.
[28:05] Sie dachten zu dieser Zeit: „Jetzt kommen wir richtig vorwärts mit der Macht der ganzen Reformation im Rücken, jetzt können wir Italien wieder richtig in Angriff nehmen.“ Aber kurz danach ging das Ganze genauer nach hinten los. Es gab die größten Gemetzel, es gab furchtbare Dinge, ganze Kolonien wurden ausgerottet.
[28:22] Ich gebe euch eine Beschreibung dessen, was teilweise geschah. Wenn ihr es nicht hören wollt oder so, müsst ihr euch kurz die Finger an die Ohren halten oder auch die Augen zumachen, wenn ihr es nicht mitlesen wollt.
[28:33] Montalto, der Hinrichtungsort vor der Kirche San Francesco di Paola, das ist in Kalabrien unten, eben ganz im Süden. Dort heißt es: „Die Gefangenen werden als lebende Fackeln verbrannt, als Sklaven an die Mauren verkauft, zum Hungertod in den Höhlen von Cosenza verurteilt, in echten Tigerkäfigen, wo die Stricke, mit denen sie gefesselt waren, so eng angezogen waren, dass ihr Fleisch in Verwesung überging.“ Die Unterdrückung erreichte am 11. Juni 1561 ihren Höhepunkt im Massaker von Montalto Uffugo, das ein Augenzeuge mit schauerlichen Ausdrücken beschreibt: „Auf der Freitreppe der Pfarrkirche wurden ihnen wie Schlachtvieh die Kehlen durchgeschnitten. 88 Waldenser kamen in einem Meer von Blut um.“
[29:20] Und es gab von da an kaum noch Waldenser in diesem Bereich, sie waren regelrecht ausgerottet. Viele, wie gesagt, nahmen Zuflucht in protestantischen Gebieten. Das letzte hier über die Waldenser, nur mal kurz: Wir sind hier in Baden-Württemberg. Ich weiß nicht, ob euch bewusst ist, wie viele Orte entweder von Waldensern gegründet wurden oder zur Zufluchtsstätte wurden, teilweise mit Hugenotten zusammen. Cannstatt: Hugenotten und Waldenser. Mühlacker: 421 Waldenser aus dem Pellice- und dem Chisone-Tal. Nordhausen, das ist bei Heilbronn oben. Pforzheim brauche ich euch nicht zu erklären: Hugenotten und Waldenser. Und noch eine ganze Menge andere Namen. Ist nur eine Mini-Liste, die ich in einem Buch habe, gibt bestimmt noch viel mehr.
[30:02] Das protestantische Land hat ihnen Schutz geboten, Hessen hat ihnen Schutz geboten. Aber sie waren entwurzelt und sie haben ihre Heimat halt wirklich vermisst.
[30:14] Machen wir einen Sprung nach Südfrankreich, Thema Albigenser und Katharer. Ich weiß nicht, wer schon mal in Südfrankreich war, es ist sowas von schön. Ich freue mich darauf, ist zwar für mich heftig anstrengend, aber ich freue mich auf die zehn Tage, wenn wir dort unten wieder sind.
[30:31] Das hier zum Beispiel ist Carcassonne. Es war so einer der Hauptstützpunkte der Katharer gewesen, gehört übrigens jetzt zum Kulturerbe, Weltkulturerbe der UNESCO. Eine wunderschöne Stadt, wirklich. Hier einmal noch das Château Comtal in der Cité von Carcassonne. Wenn ihr durch die Stadt hindurchgeht, ihr findet überall schöne Möglichkeiten, wo ihr euch hinsetzen könnt, richtig romantische Plätze, wunderschöne Gässchen, nette Einkaufslädchen. Auch wenn ihr dahingeht, nehmt euch richtig Zeit, nehmt einen ganzen Tag. Bei der letzten Tour haben wir den Leuten vier Stunden gegeben, die haben hinterher ganz kräftig gemeckert mit uns. Also das nächste Mal, jetzt im September, kriegen die Leute so sechs Stunden oder sowas. Das braucht man wirklich, wenn man sich da genüsslich alles anschauen möchte.
[31:20] Die Katharer selber sind ein Teilstück, ein Problemfall der Geschichte, weil wir nicht sehr viele Quellen haben. Aber ein paar Dinge trotzdem über sie, war auch Ellen White erwähnt.
[31:30] Es heißt, die Ableitung des Namens Katharer kommt vom griechischen „katharos“, von „rein“. Und sie selber sollten sich „Boni Homines“ genannt haben, „gute Menschen“ oder „Boni Christiani“, „gute Christen“.
[31:44] Steffe schreibt zu der Lage von Quellen: „Das meiste erfährt man über die Katharer aus Protokollen der Tribunale und Verhöre der offiziellen Kirche, sodass man sich, um die Katharer zu verstehen, erst einmal durch die orthodoxe Brille hindurcharbeiten muss.“ Was glaubt ihr, kommt dabei raus, wenn ein Mensch gefoltert wird und dann das, was er sagt, was die Folterer hören wollen, in die Protokolle kommt? Wie objektiv wird das Bild wohl sein? Gute Frage. Das meint er mit erstmal Filtern.
[32:15] Leider gibt es so gut wie keine zusammenhängenden schriftlichen Zeugnisse mehr über sie, denn ebenso gründlich wie die Menschen wurden auch ihre Bücher vernichtet. Grundlage römisch-katholische Kirche: Was passiert? Menschen kaputt machen, sämtliche Schriftquellen kaputt machen, Bibelteile verschwinden lassen. Es darf nichts mehr davon übrig bleiben, nur römisch-katholische Kirche. Alles andere ist Häretiker, Ketzer und muss weg.
[32:44] Erstaunlich sind zwei Zitate von Ellen White. Sie sagt: „Rom beschloss, das Licht des Wortes auszulöschen und das Volk in Finsternis zu halten. Aber der Himmel hatte andere Vorkehrungen getroffen, um die Gemeinde am Leben zu erhalten. Viele Waldenser und Albigenser – Albigenser ist ein anderer Name für Katharer, die Stadt Albi hat Pate gestanden für den Namen –, die aus ihrer Heimat in Frankreich und Italien vertrieben worden waren, siedelten sich in Böhmen an, Richtung Hussiten. Auch wenn sie es nicht wagten, öffentlich zu lehren, arbeiteten sie doch eifrig im Verborgenen. Auf diese Weise blieb der wahre Glaube über Jahrhunderte erhalten.“ Eine sehr positive Aussage hier auch über die Katharer.
[33:34] Noch ein Zitat, und der ist etwas schwierig für mich einzuordnen, im „Großen Kampf“. Sie schreibt: „Während die Waldenser ihr Leben auf den piemontesischen Bergen verloren um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus, legten ihre Brüder, die Albigenser in Frankreich, ein ähnliches Zeugnis für die Wahrheit ab.“ Nur ganz kurz ein paar Schlagworte: In der Zeit der Reformation, da waren die Katharer oder Albigenser eigentlich ausgerottet. Die tapferen Hugenotten kamen erst viel später, irgendwo die Bartholomäusnacht als Auslöser. Sehr interessant, sie wird das anders gemeint haben. Ich möchte während der 1000 Jahre mal fragen, was sie sich dabei ganz genau gedacht hat. Aber wieder kommen die Albigenser sehr positiv weg in ihrer Beurteilung.
[34:17] Hier seht ihr eine der sogenannten Katharerfestungen, das ist Peyrepertuse. Sie hat eine Gesamtfläche von 7000 Quadratmetern und ist die größte Festungsanlage der Katharer und befindet sich in 800 Meter Höhe auf einem Felsen. Ihr habt eine fantastische Aussicht Richtung Mittelmeer, macht wirklich totale Freude.
[34:38] Und die Herren dieser Festungen waren nun nicht wirklich Christen gewesen. Sie waren dafür bekannt, dass sie Raubzüge durchführen, dass sie Leuten geschadet haben, dass sie viel zu hohe Zölle genommen haben. Aber da gibt's ein Zeugnis von einer Predigt, die äußerst interessant ist. Da heißt es: „Die ersten Katharer übten mit Erfolg ihren Einfluss auf die zügellosen Adligen auf ihren Bergfestungen aus, die an der Route zur Küste lagen und von denen aus sie es gewohnt waren, die Reisenden zu berauben und erdrückende Wegegelder von den Kaufleuten einzutreiben. Der Einfluss der Perfecti – das sind die Katharer, die das Consolamentum empfangen haben – auf diese rohen Kriegsgesellen wirkte sich so aus, dass sie ihre Plünderungen in beträchtlichem Maße einschränkten.“
[35:26] Nur, wenn das nichts ist, sie scheinen einen positiven Einfluss gehabt zu haben. Kleines Wort noch zu den Katharerfestungen: Diese Festungen gehörten nicht den Katharern, sondern sie konnten dort...
[35:39] ...immer wieder ein- und ausgehen. Und die Leute, die diese Festungen als ihr Eigen betrachteten, haben mit ihnen sympathisiert. Als es dann zu den Verfolgungen kam, haben die kaum Schutz geboten. Nach ein paar Tagen wurden die Katharer meistens dem Kreuzfahrerheer übergeben, die dort eben ihren Kreuzzug nach Südfrankreich durchgeführt haben.
[35:59] Kurz mal die Katharer durch die Brille dessen, was ihr als Literatur finden könnt über sie.
[36:05] Die Waldenser selber in der neuen Literatur grenzen sich davon ab. Sie sagen, sie haben mit ihnen Dispute gehabt und waren nicht einer Meinung. Es heißt, sie würden Materie gegen Geist ausspielen. Materie ist böse, Geist ist gut. Es heißt, sie brauchten das Consolamentum, um ein Perfecti zu werden, durch Handauflegung und Übertragung des Geistes. Und es gab nur einen kleinen Kreis davon. Es gab auch noch viele Gläubige, die konnten kurz vor ihrem Tod die sogenannte Endura durchführen lassen. Das heißt, ohne dass sie ihr ganzes Leben mit extremer Einfachheit, vielen Fasten und Vegetarismus und Enthaltsamkeit und so leben mussten, reichte es, wenn sie kurz vorm Tod die Endura bekamen und sie konnten gerettet werden. Das sind so jetzt mal die offiziellen Quellen, wie es dargestellt wird.
[36:54] Nun, was passiert in ganz Südfrankreich, Okzitanien vor allem? Das Languedoc. Die offiziellen Mönche und Prediger kommen nicht gegen die Katharer an. Ihre Einfachheit, ihr guter Lebenswandel ist im krassen Gegensatz zu ihrem Wandel von den Leuten der römisch-katholischen Kirche, den Offiziellen. Und so werden die Katharer immer stärker und die römisch-katholische Kirche auf dem Rückzug. Dadurch kommt es zu dem Albigenserkreuzzug 1209 bis 1229. Teilnehmenden Kreuzfahrern wird er in Aussicht gestellt. Und 1209 sammelten sich circa 10.000 Kreuzritter in Lyon.
[37:34] Alle möglichen Verbrecher, die jetzt da mitmachen wollten, Beute machen wollten und dadurch auch noch einen Ablass bekamen. Die darauffolgende Inquisition und weitere militärische Feldzüge, so heißt es, vernichteten schließlich die Katharer bis zum Ende des 13. Jahrhunderts. Sie blieben nur noch in kleinen Splittern übrig.
[37:53] Wenn ihr mal die Zitate von Ellen White seht, sie haben sich geflüchtet in andere Gegenden. Kleiner Blick noch auf Béziers zu den Katharern.
[38:05] Als erste Stadt am 22. Juli wurde sie eingenommen. Es waren circa 20.000 Menschen in dieser Stadt. Und dem Legaten, der den Kreuzzug anführte, wurde die Frage gestellt: „Wie unterscheiden wir Katharer von Nicht-Katharern, von Katholiken?“ Denn sie haben die Katharer nicht herausgeben wollen, sie haben zu ihren Landsleuten gestanden. Die Konfession war ihnen nicht so wichtig. Antwort war gewesen: „Tötet sie alle, Gott kennt die Seinen.“
[38:35] Hier ist zum Beispiel die Église Sainte-Madeleine in Béziers. Sie steht symbolisch. Dort wurde wieder aufgebaut. Hier haben sich sowohl Katharer als auch Katholiken hineingeflüchtet. Die Kirche wurde angezündet und alle verbrannten, sowohl Katholiken als auch Katharer. Es gibt diese Gedenktafel dabei. Ganz oben könnt ihr das Ganze nochmal in Englisch lesen, es gab es auch nochmal darüber auf Französisch, aber nicht in Deutsch: „Kill them all, the Lord will recognize his own.“
[39:12] Soweit zum Geist des Kreuzfahrerheeres. Eine letzte Gruppe, auch Südfrankreich, Mittelfrankreich: die Hugenotten. Sie nennen sich selber die „Gemeinde in der Wüste“, deswegen heißt es auch „Musée du Désert“.
[39:28] Sie schreiben: „In der Geschichte des französischen Protestantismus bezeichnet der Ausdruck Wüste einen Zeitraum, der von der Aufhebung des Edikts von Nantes bis zur Französischen Revolution reichte. Die Protestanten Frankreichs sind der Freiheit der Religionsausübung beraubt, fernab von Städten, versteckt in isolierten, verlassenen Orten, in Wäldern, Buschland, Höhlen oder Schluchten, wurden gezwungen, ihren Glauben heimlich zu leben.“
[39:58] Das Wort Wüste hatte für sie auch eine biblische Bedeutung, entsprechend den 40 Jahren, in denen die Hebräer beim Auszug aus Ägypten durch die Wüste gewandert waren. Ein Ort der Drangsal, der Versuchungen und der Verzweiflungen, aber auch ein Ort, an dem das Wort des Herrn gehört wurde.
[40:17] Wenn ihr da mal hingehen könnt, macht das unbedingt, es lohnt sich.
[40:25] Ganz kurzer Abriss, man müsste viel mehr über die Personen sagen. Ich mache das mal ganz kurz. Wichtige Personen in der französischen Reformation, nicht Revolution.
[40:36] Jakobus Faber Stapulensis, Zitat: „Gott allein gibt uns die Gerechtigkeit durch den Glauben, rechtfertigt uns allein durch seine Gnade zum ewigen Leben.“ Er brachte die erste französische Übersetzung der Bibel heraus und er führte Guillaume Farel zum Bibelglauben.
[40:56] Louis de Berquin, Humanist, Jurist, Staatsbeamter, Sprachwissenschaftler und Reformator. Théodore de Bèze, der zweite Mann in Genf, sagte, Berquin wäre ein zweiter Luther geworden, hätte er in Franz dem Ersten einen zweiten Kurfürsten gefunden. Aber der König hat ihn nicht beschützt und er wurde verbrannt.
[41:15] Pierre Robert Olivétan, Vetter Calvins, bringt Calvin zum Nachdenken über das Evangelium und er schafft eine Übersetzung der Bibel in der Landessprache für die Waldenser. Beschluss der Synode von Chanforan hatten wir schon.
[41:29] Guillaume Farel, unermüdlicher Prediger des Evangeliums, macht als erster Fortschritte in Genf und brachte Calvin dazu, in Genf zu bleiben.
[41:42] Johannes Calvin reformte und festigte die Theologie und Ausbildung der französischen Reformation. Und er sagt selber: „Oh Vater, sein Tod, Jesu Tod, hat für mich Genugtuung geleistet. Du hast mir dein Wort gleich einer Fackel gegeben und du hast mein Herz berührt, damit ich jedes andere Verdienst, ausgenommen das des Erlösers, verabscheue.“
[42:09] Leider, wie gesagt, im Gegensatz zu Martin Luther und der Reformation in Deutschland, hatten die Protestanten in Frankreich keinen Beschützer. Es war ein Einheitsstaat, das extrem halt hier bei Ludwig dem XIV.
[42:25] Ich kann kein Französisch, ihr könnt besser bestimmt. Ein König, ein Satz, ein Glaube: „Ich bin der Mann, ich bin der Staat.“ Ihr habt das Gleiche zu glauben wie ich. Es gab genau drei Schichten im Staat.
[42:34] Ganz oben, gottgleich, der König als absoluter Herrscher. Danach theoretisch als seine ausführenden und verwaltenden Organe: Klerus und Adel. Und das Dritte waren die Bürger und Bauern, praktisch rechtlos, die große Masse. Das Bild ist so richtig gut, das zeigt genau, wie die ganze Last auf dem Bauern lag und dem unteren Stand. Und sie hatten nichts zu melden, sondern sie wurden unterdrückt.
[43:01] Jetzt mache ich eine kurze Geschichte der Unterdrückung. Ich hoffe, ihr haltet das aus, ich gehe relativ schnell durch.
[43:08] Der Absolutismus nahm mit Franz dem Ersten seinen Anfang und erreichte unter Ludwig dem XIV. seinen Höhepunkt. Warum fing es an? Franz der Erste befand sich in der Zwickmühle. Die Verwaltung des Staates lag zu einem großen Teil in der Hand der katholischen Kirche. Er befand sich mit Karl V., der Luther den Bann getan hatte, in Konflikt. Deshalb brauchte er die Unterstützung des Papstes.
[43:35] Und er konnte nicht anders, zumindest aus seiner...
[43:38] konnte nicht anders, zumindest aus seiner Sicht, als anzufangen, die Häretiker zu verfolgen. Erste Hinrichtung 1523. 1535 wird eine Art Inquisitionstribunal eingerichtet. 1559 Edikt von Écouen: Die Gerichte durften für Häresie nur noch die Todesstrafe verhängen.
[43:57] 1562 Überfall katholischer Soldaten während eines Gottesdienstes. August 1572 Bartholomäusnacht: Die Zahl der Todesopfer betrug in Paris etwa 3.000, auf dem Lande zwischen 10 und 30.000. Das Morden an Kindern, Frauen, Alten und Jungen ging aber noch zwei lange Monate weiter. 1598 Edikt von Nantes, das gab eine zeitweilige Beruhigung der Lage.
[44:26] 1628 Ludwig XIII. ging gegen die militärische Macht der Protestanten vor und eroberte unter anderem auch die Stadt La Rochelle. Dann groß angelegte Bekehrungs- und Missionierungsaktionen und Immigrationsverbot 1669, weil die Menschen in Massen aus dem Land fliehen wollten.
[44:47] 1681 gab's Dragonaden. Dragonaden, was ist das? Nun, geh mal aus einem Buchtext hinein von einem Hugenotten: Die Truppen bemächtigten sich der Zugänge und der Tore, stellten Wachen an Wegen und Plätzen auf, drangen in die Häuser der Protestanten ein. Die Hugenotten durften weder ihre Häuser verlassen noch Geld, Schmuck, Geräte oder anderes wertvolles Gut in Sicherheit bringen. Zuerst fraßen die Dragoner die Vorratskammern leer, soffen die Keller aus, dann brachten sie die Wertgegenstände an sich und schleppten die Möbel zum Verkauf auf die Märkte. Und schließlich vergriffen sie sich an den Bewohnern selbst. Sie hingen die Leute, sowohl Männer als auch Weiber, bei den Haaren oder bei den Beinen an die Decken der Zimmer oder in die Kamine und räucherten sie so lange mit nassem Heu, bis sie es nicht mehr aushalten konnten.
[45:40] Viele Leute, ganz viele Leute haben dann wieder zum Katholizismus gewechselt, einfach weil sie es nicht mehr ausgehalten haben und wieder frei leben wollten.
[45:52] 1685 das Edikt von Nantes widerrufen. Untergrundkirche beginnt. In den Cevennen gibt's einen Widerstand der Kamisarden, das heißt Hemd- oder Blusenträger. Es ist ein Partisanenkrieg. Sie haben insgesamt 2.000 Männer in fünf Divisionen, hatten aber die zehnfache Übermacht gegen sich und schier keine Chance. Es führte zur weitgehenden Entvölkerung der Cevennen. Insgesamt wurden über 400 Dörfer dem Erdboden gleich gemacht. Psalmensingen und Lesen wurde mit hohen Strafen belegt. Viele Menschen traten zwangsweise zum Katholizismus über, eben um den Dragonaden zu entgehen.
[46:39] Ein paar hübsche Bilder für euch. Wart ihr schon mal in den Cevennen? Es ist unheimlich schön. Man kann sich nicht vorstellen, dass so etwas dort abgelaufen ist. Aber die Berge waren eine Schutzmacht auch für die Hugenotten, dass sie ihre Gottesdienste im Wald dort durchführen konnten. Der Esel, vielfach dort genutzt, war damals auch Reit- und Packmittel gewesen. Es gibt ein tolles Buch von Robert Louis Stevenson: „Mit dem Esel durch die Pyrenäen“, falls ihr es mal irgendwo bekommen könnt, macht Freude.
[47:08] Mittendrin halt das Museum in der Wüste. Sieht aus wie in den Waldensertälern fast, wenn man sich die Umgebung anschaut. Vieles ist zu sehen, vieles aus ihrer Geschichte. Minibibeln, die in ein Dutt hineingebracht werden. Ein Wohnzimmer oder Küchenstube, wie sie früher aussah. Das hier ist ein Versteck für die Prediger, wenn sie eben flüchten mussten. Und das hier hat mich immer besonders fasziniert. Das ist jetzt mal bloß, weil ich davon ein besseres Bild hier hatte, von der Nachbildung. Ihr konntet dort einen Leiterwagen sehen, der in den Wald fuhr, mit lauter Fässern beladen, Wein oder Bier oder was auch immer. Dann sind sie irgendwo im Wald gewesen und haben eins der Fässer abgeladen und ausgeklappt. Und heraus kam dann so ein Pult, so eine Kanzel. Das heißt, ihre Prediger konnten dann im Wald, also in der Wüste, auf einer Kanzel stehen, predigen. Danach wurde es wieder zusammengeklappt, auf den Leiterwagen getan und der Weintransport ging weiter, hoffentlich unbemerkt.
[48:11] Leider, wie gesagt, hat es auch sehr viel schlimme Folgen gehabt. Viele, viele Todesopfer. Leute, die aufs Rad geflochten wurden. Leute, die auf den Galeeren zugrunde gerichtet worden sind. Aber sie haben durchgehalten. Es gibt immer noch Hugenotten und wenn ihr dorthingeht, ihr werdet tief gläubige Menschen finden.
[48:31] Calvin sagte in seiner Studienausgabe: „Denn wie uns Nebel, der noch so klaren Ausblick der Sonne verdunkelt, ohne uns doch ihren Glanz ganz und gar zu entziehen, so schickt uns Gott im Unglück durch alles Dunkel hindurch Strahlen seiner Gnade, damit uns keinerlei Anfechtung in Verzweiflung stürzen kann.“
[48:51] Kurzer Blick noch nach Aigues-Mortes, wunderschön. Ludwig IX. brauchte eine Hafenstadt, deswegen hat er hier diesen Ort gebaut, damit er seine Kreuzzüge durchführen konnte. Große Salinen mit Flamingos, eine ganze Menge, wunderschön anzusehen. Es macht Spaß auch hier durch die Altstadt zu gehen. Wer ein bisschen süße Versuchung möchte, gibt's auch. Aber gleich daneben gibt's auch was gar nicht so Schönes, nämlich der sogenannte Tour de Constance, den ihr da hinten sehen könnt, der Turm des Widerstandes. Nebst vielen anderen, die mal dort eingekerkert waren, wurden dort dann die Hugenotten eingekerkert. Die bekannteste Gefangene: Marie Durand. Als 19-jährige, frisch vermählte junge Frau wurde sie dort zusammen mit anderen Hugenotten inhaftiert. Kurz etwas zu ihrer Familie: Die Mutter wurde gefangen genommen, ist im Gefängnis gestorben. Der Vater wurde gefangen genommen, 14 Jahre Haft, dann begnadigt. Der ältere Bruder, ein Prediger der Kirche in der Wüste, wurde mit 32 Jahren gefasst und hingerichtet. Ihr Ehemann wurde gefangen genommen, nach 20 Jahren begnadigt, aber nur unter der Bedingung, dass er Frankreich verlässt. Sie war 38 Jahre dort im Kerker. Das ihr zur Last gelegte Verbrechen war, dass sie dem reformierten Glauben anhing, den der französische König sowie die katholische Kirche mit härtesten Maßnahmen zu ersticken versuchten. Unter den menschenunwürdigen Haftbedingungen in dem Gefängnisturm war Marie Durand Seelsorgerin ihrer Mitgefangenen. Sie bestärkte die bis auf Skelett abgemagerten Frauen, am reformierten Glauben festzuhalten und nicht den Weg in die St. Ludwigskapelle anzutreten, um diesem abzuschwören. Und das hier ist wohl der Stein, wo sie mit eigener Hand mit einem Stein das Wort RESISTER eingeritzt hat. Widersteht! Schwört nicht ab! Fallt nicht ab von dem wahren Glauben! Die Frau hat unheimlich Mut, Rückgrat und Kraft bewiesen.
[50:58] Zitat Ellen White im Bezug auf die Flucht nach den Verfolgungen: „Als 1534 überall in Paris Plakate gegen die Messe angeschlagen worden waren, inmitten der allgemeinen Aufregung zeigte es sich, wie tief die lutherische Lehre in den Herzen der Männer Wurzeln gefasst hatte, die sich durch ihre Bildung, ihren Einfluss und ihren vorzüglichen Charakter auszeichneten. Vertrauensstellungen und Ehrenposten fand man plötzlich unbesetzt. Handwerker, Drucker, Gelehrte, Professoren der Universitäten, Schriftsteller, ja sogar Höflinge verschwanden. Hunderte flohen aus Paris und verließen freiwillig ihre Heimat und gaben dadurch in vielen Fällen kund, dass sie den reformierten Glauben begünstigten.“ Sie kamen unter anderem auch nach Berlin und Brandenburg. Der Kurfürst nahm sie mit offenen Armen auf und das finde ich faszinierend. Ich ticke mal nur ein bisschen schnell durch. Na, das lesen wir doch ganz. Zuvor in Brandenburg fast ausschließlich Roggen, Gerste und Hafer angebaut worden, so führten die französischen Neuankömmlinge nun in breitem Umfang den Weizen ein. Galt die Kartoffel vor dem mehr als exotische Kuriosität, so lernten die angestammten Berliner und Märker diese Frucht seit dem 18. Jahrhundert als Massennahrung kennen und schätzen. Ich komme aus Berlin, ich frage mich, was haben wir da früher gegessen? Desgleichen merkten sie, dass Erbsen und Bohnen auch grün essbar waren. Anbau und Verzehr von Blumenkohl und Spargel, von Artischocken und Rosenkohl, Salat, Blattsalat. Was haben wir gegessen? Also äußerst interessant.
[53:33] Sie brachten unheimlich viel mit. Sie verstanden sich auf ganz viele Dinge von ihrem Handwerk her: Wollweber, Schrumpfwerker, Färber, Schneider, Buchbinder. Vieles von dem, was ich immer dick gedruckt gab, gab es gar nicht in Berlin und Brandenburg. Ganz viel Know-how, was rüber gespült wurde von den Leuten, die Gott nachgefolgt sind, die selber geistig sehr rege waren, fit waren und all das, was sie hatten und wie sie lebten, eben dort in diesen Landstrich brachten.
[53:05] Wusstet ihr übrigens, dass ihr Französisch könnt? Ich gebe euch kurz den Beweis. Ein paar Dinge mal herausgenommen: Filet und Kotelett, versteht ihr das? Ragout zum Beispiel, Bouillon, Pastete, Kompott und Dessert. Mögt ihr Dessert oder nicht? Vielleicht. Also Glacehandschuhe sind selten, aber vielleicht Parkett oder Balkon, Pavillon, Fontäne, Papa, Mama, Onkel, Tante, Cousine, Cousin. Kennt ihr das? Sag's euch, ihr könnt Französisch, zumindest eine ganze Menge Worte. Sie brachten ihre Prägung mit, sie brachten ihre Sprache mit. Wir sind so stark geprägt durch die französischen Protestanten, dass man es gar nicht glauben kann.
[53:43] Und jetzt kommt eine kleine Quizfrage, ein Blick auf die Schweiz, nur ein Detail. Ihr habt gesehen, was die so alles nach Brandenburg mitgebracht haben. Was meint ihr, haben die Hugenotten in die Schweiz mitgebracht? Käse? Nee, falsch. Noch mal neu. Was könnten sie mitgebracht haben? Das da? Uhr. Äh, lass wir mal den Text lesen: „Der bedeutendste Hugenotten-Import in die Schweiz ist und bleibt doch die Uhrmacherei. Sie war in Antwerpen zur Blüte gelangt, später an das mit den Niederlanden für lange Zeit verbundene Herzogtum Burgund verpflanzt worden und stellte, als die Hugenottenbewegung einsetzte, die wertvollste Morgengabe der neuen Bürger an die Aufnahmekantone dar.“ Schweizer Uhren? Pustekuchen! Hugenottische, protestantische Uhren aus Antwerpen. Ja, ist kein Schweizer, hoffe ich, heute da, oder so. Okay, wie doch, okay. Also gut, ist ein interessanter historischer Fakt. Ihr könnt das mal nachlesen für euch noch mal ganz in Ruhe.
[54:51] Noch eine böse Folge, wie Ellen White sie dann auch beschreibt. Jesus sagt ja auch in Johannes 3,19: „Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke sind böse.“ Und Ellen White schreibt dazu, dass es eine ganz böse Folge mit sich brachte: „Der Einhalt gebietende Einfluss des Geistes Gottes wurde einem Volk, das seine Gnadengabe verachtet hatte, entzogen. Der Ausbruch der Französischen Revolution war die unausbleibliche Folge der von Rom geübten Unterdrückung der Heiligen Schrift.“ Wer anderen eine Grube gräbt... Frage ist: Gegen was wehrten sich eigentlich die Menschen in der Französischen Revolution? Sie wehrten sich gegen eine Fälschung, sie wehrten sich gegen einen Glauben, der ihnen von einer Institution in Kooperation mit der Staatsmacht aufgezwungen wurde, der überhaupt nicht mit der Botschaft der Bibel übereinstimmt, überhaupt keine Grundlage hat. Das Problem nur, sie wussten es leider nicht.
[55:58] Blick auf unsere heutige Zeit, womit ich dann auch zum Ende kommen möchte. Es gibt einen Teil aus dem Großen Kampf, der mich besonders fasziniert und der immer wieder vorkommt. Hier gibt Ellen White ein unkommentiertes Zitat eines anderen Autors wieder. Das Zitat heißt: „Die Verfassung der Vereinigten Staaten garantiert Gewissensfreiheit. Nichts ist teurer oder wesentlicher.“ Aber später gibt sie Wertungen: „Wenn die Autorität der Kirche und Autorität des Gewissens des Menschen beherrscht, dann ist der Triumph Roms in diesem Land gewährleistet. Unter dem Einfluss dieser dreifachen Vereinigung: Protestanten, Spiritismus, römische Macht, wird jenes Land den Fußspuren Roms folgen und die Rechte des Gewissens mit Füßen treten. Gott zwingt nie das Gewissen oder den Willen. Satan benutzt dagegen immer Zwang und Grausamkeit. Die Gewissensfreiheit, die so große Opfer gekostet hat, wird nicht mehr beachtet werden.“
[57:05] Noch mal ganz kurz, wir haben viel gesehen, wie Menschen die Fackel des Evangeliums weitergegeben haben in ganz grausamen Zeiten. Wir leben im Moment in einer Zeit, die hat's praktisch nie gegeben in der ganzen Geschichte. Wir haben Chancen und Möglichkeiten, davon hätten Waldenser und Hugenotten einfach nur geträumt. Die Frage ist, wie nutzen wir diese Zeit? Ich sage euch mal, was aus meiner Sicht die Aufgabe der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ist, meine eigene Formulierung: Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ist eine oder die von Gott ins Leben gerufene Endzeitbewegung mit der Aufgabe, die Menschen auf die Wiederkunft Jesu vorzubereiten. Es gibt nichts anderes Wichtiges. Es wird nichts übrig bleiben von all dem, was wir haben. Es gibt eine neue Erde, eine neue Heimat und Gott möchte, dass so viele wie möglich mit dabei sind. Das bedeutet, wir haben die Aufgabe, die Menschen auf die Wiederkunft Jesu Christi vorzubereiten. Das ist, was Jesus Christus sich von uns wünscht. Dafür ist er gestorben, dafür tritt er im Himmel ein, dafür wirkt der Heilige Geist und es gibt nichts Schöneres, als mit dem Heiligen Geist zusammenzuarbeiten.
[58:18] Damit komme ich jetzt zum vollen Schluss. Noch zwei Zitate von Ellen White. Eins ein bisschen herausfordernd und das andere, hoffe ich, ein bisschen tröstlich. Zeit kommt, nämlich wieder Verfolgung wird es wieder geben. Offenbarung 13, letzter Teil: „Nur wer seinen Geist mit den Wahrheiten der Bibel gestärkt hat, wird in der letzten großen Auseinandersetzung standhaft bleiben. Jeder Mensch muss sich der Frage stellen: Soll ich Gott mehr gehorchen als den Menschen? Die Stunde der Entscheidung ist greifbar nah. Stehen wir mit beiden Beinen auf dem Felsen von Gottes unveränderlichem Wort? Sind wir darauf vorbereitet, für die Gebote Gottes und den Glauben Jesu eine klare Haltung einzunehmen?“ Ich wiederhole das noch einmal: Das Wort Gottes, die Bibel, war jedes Mal der Auslöser für die Reformation. Die Menschen, die auf dieser Grundlage standen und vom Heiligen Geist geführt wurden, mit Kraft Gottes ausgestattet, konnten gewaltige Dinge möglich machen und das Evangelium hat überlebt. Es lebt auch heute noch. Hätte Gott nicht dafür gesorgt, es gäbe kein Evangelium mehr, es gäbe auch keine Gemeinde mehr, es gäbe uns nicht mehr.
[59:30] Und jetzt der Trosttext: „Trotz objektiver Klarheit, die auch mitschwingt, Gottes Volk, damit sind wir dann gemeint, wird nicht ohne Leiden sein in dem letzten Akt hier auf der Erde. Während es aber verfolgt und entmutigt wird und Entbehrung und Hunger erleidet, wird es doch nicht umkommen. Während die Gottlosen an Hunger und Seuchen zugrunde gehen, beschützen Engel die Gerechten und sorgen für ihre Bedürfnisse. Für den Gerechten gilt die Verheißung: Sein Brot wird ihm gegeben, sein Wasser hat er gewiss.“ Amen.
[1:00:03] Ich lade euch ein, aufzustehen zu einem gemeinsamen Gebet. Vater im Himmel, du bist ein wunderbarer Gott. Du liebst uns so von ganzem Herzen. Schon bevor du uns geschaffen hast, gab es den Erlösungsplan, denn du möchtest eins: Du möchtest mit uns zusammen sein. Danke dafür, dass du die Fackel des Lichts, des Evangeliums, durch alle Zeiten hindurch bewahrt hast. Danke, dass du Menschen immer wieder geführt hast. Danke dafür, dass wir jetzt auch einfach in Freiheit in deinem Wort lesen können. Das ist so ein großes Vorrecht. Bitte hilf uns, dass wir das Bestmögliche tun mit all unseren Kräften, dem, was wir haben, dass dieses Evangelium weitergegeben wird und dass möglichst viele Menschen einmal auf der neuen Erde mit dabei sind. Wir danken dir für deine Gegenwart und dass du uns leitest, führst und schützt im Namen Jesu. Amen. Amen.
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