In dieser Folge der Serie „Konstantin – Kaiser der Sonne“ taucht Christopher Kramp in die turbulenten Anfänge des Römischen Reiches im späten 3. Jahrhundert ein. Er beleuchtet die komplexen politischen Verhältnisse, die von Soldatenkaisern und Bürgerkriegen geprägt waren, und stellt die Ursprünge von Konstantin und seinem Vater Constantius Chlorus vor. Ein besonderer Fokus liegt auf der Einführung der Tetrarchie, einem System, das das Reich stabilisieren sollte, und den damit verbundenen Machtkämpfen und Entscheidungen, die die Zukunft maßgeblich beeinflussen sollten.
Konstantin – Kaiser der Sonne: 1. Die Tetrarchen (282-306)
Christopher Kramp · Konstantin - Kaiser der SonneWeitere Aufnahmen
Serie: Konstantin - Kaiser der Sonne
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Transkript
[0:39] 1700 Jahre alt und immer noch topaktuell. Die staatliche Sonntagsgesetzgebung hat Epochen der Menschheitsgeschichte geprägt und wird heutzutage immer noch kontrovers diskutiert. Ein Thema, das in der Zukunft noch wichtig werden wird. Grund genug, sich einmal genauer die historischen Hintergründe anzuschauen. Mein Name ist Christopher Kramp und ich möchte Sie recht herzlich begrüßen zu unserer kleinen Themen-Serie: Konstantin – Kaiser der Sonne.
[1:11] Heutzutage wird vielerorts gesprochen von dem Gesetz des Kaisers Konstantin. Es ist nicht hundertprozentig klar, ob dieses Gesetz tatsächlich am 3. März 321 oder am 7. März 321 veröffentlicht worden ist. Das liegt daran, dass wir keine Originalabschrift davon haben, sondern nur zwei kleine Fragmente in zwei Gesetzessammlungen: einmal im Codex Justinianus und dann im Codex Theodosianus. Also Rechtssammlungen aus dem Ende des 5. und Anfang des 6. Jahrhunderts. Und dort sind zwei Patente enthalten. Diese beiden unterschiedlichen Daten geben aber soviel ist sicher, es muss wohl Anfang März 321 gewesen sein, dass...
[1:54] ...bekannt ist das Argument, dass wir hier sehen und zwar aus dem Codex Justinianus. Dort sagt Konstantin: "Alle Richter, alle städtischen Beamten und das Volk der Stadt sollen am ehrwürdigen Tag der Sonne ruhen." Er hat dann noch eine großzügige Ausnahme gestattet für alle, die in der Landwirtschaft tätig sind, weil, wie er selbst dann sagt, manchmal der Sonntag der schönste Tag und der beste, geeignetste Tag der Woche ist, um Ackerbau, Landwirtschaft zu betreiben und man diese Gelegenheit der himmlischen Vorsehung ja dann nicht vernachlässigen sollte.
[2:46] Das ist also dieses eine Segment, wie wir es kennen. Und das andere, das weniger bekannte, aber sehr interessante Detail, stammt wie gesagt aus dem Codex Theodosianus. Und da heißt es ebenfalls: "Hiervon Konstantin, also Konstantin, wiederum an den Stadtpräfekten von Rom: Wenn es also äußerst unwürdig erscheint, dem Solares, dem Tag der Sonne, Verehrung zu erweisen, also ihr sagt, dass er selbst diesen Tag ehrt und spricht davon, dass es sehr unwürdig wäre, diesen Tag mit Streitigkeiten, mit Rechtsgeschäften vor Gericht zu verbringen." Aber dann sagt er hier weiter: "Am Ende der dritten Zeile..."
[3:38] ...es geht darum, dass es doch etwas gibt, was erlaubt sein soll, nämlich eben man kann die etwa nur mit mit Andy, das sind zwei Rechtsgeschäfte, mit denen es möglich war, Sklaven freizulassen oder aus der väterlichen Gewalt jemanden zu emanzipieren. Und das sollte möglich sein.
[4:11] Gesehen also, dass diese Sonntagsgesetzgebung des Konstantin durchaus eine gewisse Flexibilität gehabt hat. Wir werden uns im Laufe dieser Serie in einer weiteren Folge sehr viel genauer mit diesen Bestimmungen und vor allem auch mit den Hintergründen dieser Gesetzgebung beschäftigen. Fürs Erste mal festhalten: Was auffällt, dass eigentlich in beiden Fragmenten es keine direkten Hinweis auf das Christentum oder die christliche Religion gibt. Und das gibt uns schon einen ersten Hinweis, dass dieses Sonntagsgesetz ein gutes Symbol für die gesamte Herrschaft, die gesamte Regierung des Konstantin, der so unglaublich ambivalent gewesen ist in seiner Regierung, trifft buchstäbliche Welten aufeinander: die Antike, das Heidentum mit seinen vielen Göttern und dann das Christentum, das auch das spätere Mittelalter geprägt hat. Es ist eine Geschichte voller dramatischer Wendung und eine jedoch einfach, schlicht und ergreifend unglaublich spannende.
[5:12] Um also dieses Sonntagsgesetz richtig in seinem historischen Kontext würdigen zu können, müssen wir uns diese Geschichte von Anfang an genauer ansehen. Wir werden so ein bisschen Jahr für Jahr das Leben von Konstantin verfolgen und sehen, welche dramatischen Ereignisse die Christenheit oder auch die ganze Welt erschüttert haben. Wer war dieser Mann Konstantin? Noch heute glauben viele Menschen, dass er einer der bedeutendsten Menschen der Weltgeschichte gewesen ist. Fakt ist: Seine Regierungszeit ist ein Scharnier zwischen Antike und Mittelalter. Viele von den Entscheidungen, die er gefällt hat und den Werten, die er durchgesetzt hat, tragen seit ihr auch hunderte, mindestens unsere westliche, abendländische Gesellschaft.
[5:58] Es ist gar nicht so leicht, eine Geschichte von Konstantin zu erzählen. Das liegt daran, dass schon in der Antike die Geschichtsschreiber sehr gespalten gewesen sind und glühende Verehrer und Verächter sich dort die Waage halten. Das ändert sich auch nicht wirklich in der modernen Geschichtsschreibung. Bis heute ist Konstantin einer der umstrittensten Kaiser überhaupt und man findet noch heute alle möglichen Forschungspositionen. Und es gibt auch viele Dinge, die wir bis heute nicht wissen. Zum Beispiel: Wir wissen nicht einmal genau, wann Konstantin geboren worden ist. Wir wissen, wo er geboren worden ist, nämlich in Naissus, das ist das heutige Niš in Serbien, im Balkan. Und wir wissen nicht ganz genau, ist im Jahr 272 oder 273 nach Christus gewesen. Das könnte auch 276 gewesen sein. Einige Forscher gehen sogar erst von 288 aus. Wir werden uns hier auf das Bekannte beschränken, nämlich auf 272, 273. Wir halten es ein bisschen im Hinterkopf, dass wir sein Alter nicht genau bestimmen. Aber das wird für den Fortgang der Zählung jetzt auch nicht so wahnsinnig entscheidend sein.
[7:19] Konstantin war der erstgeborene Sohn seines Vaters Constantius Chlorus, von dem er auch den Namen erhalten hat. Dieser Constantius Chlorus muss eine etwas kränklich gestalt gehabt haben, etwas bleiches Gesicht. Er hat nämlich den wenig schmeichelhaften Beinamen "Chlorus" der Grüne bekommen. Er war ein recht mächtiger, starker, kräftiger Mann. Er war nämlich der Protektor, das war so eine Art Leibwache, heute würde man vielleicht sagen, ein Bodyguard von Kaiser Aurelian. Er kam ursprünglich aus einem Gebiet, das heute in Rumänien liegt. Und seine und die Mutter von Konstantin war eine ganz einfache Frau. Einige sagen, dass sie eine Stallmagd gewesen sei, die Helena aus Pindus. Und sie war wohl nicht einmal verheiratet mit Constantius Chlorus, und sie haben nur zusammen gelebt und so den Konstantin gezeugt.
[8:14] Auf der Karte sehen wir noch mal, wo die Linie liegt. Das ist nämlich hier in Kleinasien, da kam die Mutter von Konstantin her. Er war also auf dem Balkan groß geworden. Das war damals eine zentrale Region in der Geschichte des dritten Jahrhunderts, aus einer Region, die sehr stark militarisiert war. Da gab es sehr viele Soldaten, und von dort kamen die meisten, kamen schon lange nicht mehr aus Italien, geschweige denn aus Rom, sondern gerade dort, aus dem Balkan.
[8:48] Es war die Zeit der sogenannten Soldatenkaiser, weil sie von den Truppen immer wieder benannt worden waren. Und bei diesen Soldatenkaisern gab es sehr viele, und sie kamen fast alle aus dem Balkan. Und einer folgte auf den anderen, weil immer wenn irgendwo eine Katastrophe war, eine andere Region, ein anderer Teil des Reiches wieder so einen Soldaten zum Kaiser erhob, so gab es auch gleichzeitig viele Gegenkaiser. Das führte wieder zu sehr viel Krieg und Bürgerkrieg und natürlich zu einer großen politischen Instabilität.
[9:20] Man spricht auch von der sogenannten Reichskrise des dritten Jahrhunderts. Und wenige Quellen aus dieser Zeit malen ein unglaublich düsteres Bild. So ist wohl in dieser Zeit die Währung völlig kollabiert. Und es wird berichtet davon, dass die Silberwährung zusammengebrochen ist, was also große wirtschaftliche Konsequenzen für Teile des römischen Reiches zur Folge gehabt hat. Wir hören von einer Pest, die man heute die sogenannte "Antonische Pest" nennt und die über Jahre hinweg die Bevölkerung, vor allem im Osten des Reiches, in Atem gehalten hatte. Wir hören von Invasionen. Die germanischen Stämme hatten sich zu großen Konföderationen zusammengeschlossen im dritten Jahrhundert und nannten sich jetzt die Franken, das heißt die Freien, oder die Alamannen, also alle Männer. Und die sind immer wieder in das Reich eingedrungen.
[10:13] Zudem im Osten gab es eine neue Dynastie der Perser. Die Parther wurden abgelöst von den Sassaniden, die jetzt sehr viel römerfeindlicher waren. Also das Reich, was ständig bedroht von Kriegern an allen Fronten, vor allem im Norden und im Osten. Und dazu kam, dass gerade an der Peripherie man nicht mehr glaubte, dass römische Kaiser das ganze Reich unter Kontrolle haben konnten. Und deswegen sich Sonderreiche etablierten, zum Beispiel und vor allem hier im Westen das sogenannte Gallische Sonderreich mit Britannien und im Osten das Sonderreich von Palmyra. Reiche, die im Prinzip sehr autonom gewesen sind.
[10:51] Allerdings, als Konstantin geboren worden ist, war diese Krise bereits am Ausklingen. Der bereits erwähnte Kaiser Aurelian, den Constantius Chlorus beschützte, hat diese Reiche wieder zum römischen Reich zurückgebracht. Also Konstantin ist geboren worden, eine schwierige Zeit, die allerdings gerade wieder sich etwas erholt. Das römische Reich begann wieder etwas Fuß zu fassen.
[11:13] Das Lager bei den Kaisern auch an Kaiser Probus. Mit ihm wollen wir unsere eigentliche Geschichte beginnen. Wir können den Namen auch gleich wieder vergessen, denn das Jahr 282 sieht die Absetzung dieses Kaisers. Er residierte in Sirmium und wurde dann in diesem Jahr Opfer eines Putsches. Sirmium ist auch eine Stadt, eine wichtige Kaiserresidenz im Balkan-Gebiet gewesen. Hier sehen wir auf der Karte hier in der Nähe der Donau, der Save, Sirmium. Und dort hat er residiert.
[11:52] Was war geschehen? Genau das, was seit Jahrzehnten immer wieder passiert war. Diesmal war es in den Alpen gewesen, dass eine Legion einen anderen Militär, den Prätorianerpräfekten Carus, zum neuen Kaiser ausgerufen hatte. Der Name des Franken, gerne an und putschte den Probus weg, machte sich selbst zum Kaiser. Aber führte dann etwas durch, das auch für die weitere Geschichte noch von Bedeutung sein würde: Er nahm seine beiden Söhne, Carinus und Numerian, und machte sie zu so einer Art Unterkaiser, zu Cäsaren.
[12:27] Die Idee war, er selbst war der Augustus, der eigentliche Hauptkaiser. Augustus geht natürlich zurück auf den Titel des ersten Kaisers Octavian, der sich Augustus genannt hatte. Und Caesar natürlich eigentlich der Name von Julius Caesar gewesen. Und die ersten Kaiser natürlich auch Caesar. Mit der Zeit hatte man so eine Unterscheidung vorgenommen, dass der Augustus der Hauptkaiser ist und Caesar so eine mögliche Titel ist für so Unterkaiser, die so quasi vielleicht auch als Nachfolger entsprechend vorbereitet werden sollten.
[12:54] Und seine beiden Söhne Carinus und Numerian bekamen jetzt dieses Amt. Im nächsten Jahr bot sich die Gelegenheit für einen außenpolitischen Coup, denn im Osten bei den Persern gab es Bürgerkrieg und Chaos. Nahm einen seiner beiden Söhne, nämlich Numerian, mit und zog dort in das Nebenreich. Es gab eine ziemliche Erfolgsgeschichte bis in die Hauptstadt. Hier nach wie vor sehen wir die Ruinen des Palastes. Aber er stand dort. Die Berichte sagen, er sei angeblich von einem Blitz erschlagen worden.
[13:25] Und so wurde dann seinen Sohn, der bisher nur Numerian Kaiser, und mit ihm auch sein Sohn, der Carinus in Rom, und der wartete jetzt, dass sein Bruder aus dem Osten zurückkommen würde. Aber der trudelte, der ließ sich Zeit und wartete noch nach vielen Monaten nicht gesehen, sondern hielt sich immer noch in Kleinasien, in der heutigen Türkei auf. Und der Grund ist nicht ganz klar, was mit der Zeit wurde dann deutlich, dass er krank gewesen ist. Er muss nun ein Augenleiden gehabt haben und irgendwann war er plötzlich tot.
[14:04] Was passiert ist natürlich das, was zu erwarten war. Die Truppen riefen einen neuen Militär zum Kaiser aus. Sein Name war Diokles und der nannte sich dann um, etwas mehr nach Kaiser zu klingen: Diokletian. Niemand ahnte am 20. November 284, dass damit buchstäblich eine neue Epoche eingeleitet worden ist. Es sah so aus, als ob schon wieder irgend so ein Soldatenkaiser geworden wäre.
[14:35] Er hat auch gleich noch um seine Ansprüche zu untermauern, den Schwiegervater von Numerian, den Aper, vor aller Augen umgebracht und deutlich zu machen, der Aper sei der eigentliche Schuldige am Tod von Numerian gewesen. Natürlich sehr zweifelhaft. Und er hat sofort versucht, sich mit dem römischen Senat gut zu stellen. Hat einen Senator auch zum Konsul gemacht. Warum? Weil nämlich der Carinus, der Sohn vom jetzt toten Numerian, der immer noch in Rom gewesen ist und immer noch auch eigentlich Kaiser war. Es kam also jetzt schon wieder zum Bürgerkrieg.
[15:10] Eusebius Viktor erzählt uns: "Aufgrund einer Entscheidung der militärischen Offiziere und Tribunen wurde Valerius Diokletian aus der Illyricum-Garnison zum Kaiser ausgerufen." Wegen seiner Intelligenz, man höre, zum Kaiser ausrufen. Er ließ sich als erster, wie vor ihm nur Caligula und Domitian, öffentlich als "Dominus et Deus" (Herr und Gott) verehren und anrufen. Doch diese Fehler wurden mehr als aufgewogen durch seine Vorzüge. Wir sehen ja schon eine besondere religiöse Komponente, die uns gleich noch mehr beschäftigen wird.
[15:40] Für den Vater von Konstantin war das eine sehr gute Sache, denn jetzt gab es einen Karriereschritt. Er muss wohl gut zusammengearbeitet haben mit jenem Diokletian. Er wurde unter ihm Statthalter von Dalmatien. Das ist diese Gegend hier im heutigen Kroatien, heutigen Bosnien. Dort wurde jetzt die Familie von Konstantin hin versetzt.
[16:09] Im Frühjahr 286 kam es dann zum Krieg. Diokletian hat gegen Carinus gekämpft und das ist eine ganz interessante Sache, denn Carinus hat die Schlacht gewonnen. Aber seine eigenen Leute wollten lieber den Diokletian als Kaiser haben und haben ihn dann gefangen genommen und umgebracht. Und so wurde Diokletian trotz einer Niederlage in der Entscheidungsschlacht zum alleinigen Herrscher. Er ist bis nach Italien marschiert und hat dort auch viele Amtsträger der Vorgängerregierung übernommen.
[16:38] Er wusste allerdings und so viel hat er jetzt gelernt, dass er alleine dieses immer noch kriselnde Reich nicht regieren konnte. Unser Name sich einen Freund, einen Bekannten, den Maximian, ein Jahr später und machte ihn zum Caesar. Genau wie diese Idee, die wir gerade erklärt haben: Er als Hauptkaiser, als Augustus, und Maximian als Caesar. Und den schickte er nach Gallien, weil dort haben die Bauern rebelliert und es gab Angriffe von der Nordseeküste, nämlich von den Friesen und den Sachsen, die dort als Piraten aufgetreten sind. Es gab auch einige Bauernaufstände, sogenannten Bagauden, und die wurden dann schnell besiegt. Allerdings diese Piraten, denen konnte er nicht so direkt Herr werden.
[17:25] Und er hat dann einen Gefolgsmann, den Carisius, dort zurückgelassen, der gegen die beiden sich schon ausgezeichnet hatte, und ist dann hat sich wieder etwas zurückgezogen. Diokletian hat sich derweil an der Obergrenze, also diese ganze Grenze hier an der Oder entlang, fortbewegt und hat auch dort gegen Völker, gegen feindliche Angriffe gekämpft. Diokletian hat sich dann eine Residenz gebaut in Nicomedia, oder sich niedergelassen und zwar in Nicomedia. Das ist da dieser Ort hier in der Nähe von Byzanz, wird, dass wir dann auch noch dieser Serie öfter sprechen werden.
[18:11] Während sich der Maximian in Mailand wieder gewissen hat. Also einer im Osten und einer in Italien im Westen. Aber und das ist jetzt seine eine Neuerung: Diokletian ging einen Schritt weiter als die vor ihm. Er machte nämlich seinen Caesar Maximian zum tatsächlichen Mitkaiser. Am 1. April 286, ein Jahr später, jetzt gab es tatsächlich zwei gleichberechtigte Augusti, zwei Kaiser: Diokletian und Maximian. Dieser Maximian hat nicht nur Mailand, sondern auch Trier und York. Auch das wird noch später wichtig werden. Und immer noch war das Problem in Gallien nicht ganz gelöst.
[18:54] Dieser Carisius hatte sich mittlerweile ziemlich verselbstständigt und sein eigenes kleines Reich dort gegründet, mit zu einem Brückenkopf in Gallien und dann vor allem in Britannien, wo man ihn schwer kriegen konnte. Und der Maximian hatte seine liebe Not und Mühe mit dem Carus und konnte ihn nicht so richtig besiegen.
[19:16] Der weitere feierte Diokletian einen ziemlich großen Erfolg im nächsten Jahr und zwar hat er über die Perser gesiegt. Die akzeptierten jetzt nämlich seine Herrschaft. Alle Gebiete, die westlich des Tigris lagen, das war eine ziemliche große Sache für das römische Reich. Und auch Armenien kam unter die Kontrolle von Rom.
[19:45] Entsprechend berichtet uns auch Eusebius über die Zeit damals: "Um den Geltungsbereich der römischen Gesetze zu schützen und zu erweitern, nahm er also es ja mehrere Männer als Teilhaber an seiner Herrschaft auf." Als er erfuhr, dass in Gallien Elias und Amandus mit einer Schar von Bauern, als diese beiden und Räubern von den Einheimischen genannt, weit und breit die Äcker verwüsteten und viele Gemeinden bedrohten, nannte er zunächst seinen alten Kameraden Maximian, einen zwar bayerischen, aber sehr kriegstüchtigen Mann mit gutem Charakter, zum zweiten Augustus.
[20:20] Dieser erhielt wegen seiner Verehrung des Herkules den Beinamen Herculius. Derweil Valerius Diokletian los, also der erste Kaiser, den Beinamen Iulius. Und wir werden gleich noch drüber sprechen.
[20:28] Im Frühjahr hat man dann versucht, diesem Chaos im Frühjahr des nächsten Jahres hat man sich versucht, diesem Carisius jetzt zu nähern. Es wurden Flotten gebaut auf allen gallischen Flüssen und auch Diokletian ist anmarschiert zur Unterstützung. Hat ein Gebiet in Süd-Germanien erobert. Man hat auch gemeinsam mit Maximian und die Opposition gegen die Germanen gekämpft. Und weil man einen guten Mann dort gebrauchen konnte, wurde Constantius Chlorus aus Dalmatien gerufen und wurde zum Prätorianerpräfekt, wir schon gesehen haben, ein sehr hohes militärisches Amt in Gallien berufen.
[21:03] Nun für die Familiengeschichte von Konstantin ist interessant, dass der Constantius Chlorus im Sinne seiner eigenen Karriere eine ziemlich weit reichende Entscheidung getroffen hat. Er hatte nämlich seine seine geliebte, die Helena, verstoßen und eine andere Frau geheiratet, nämlich die Tochter von Diokletian. Und da sieht man ganz deutlich den Karriereaspekt dabei. Die Theodora. Das muss für den jungen Konstantin natürlich eine Katastrophe gewesen sein, dass sein Vater seine geliebte Mutter verstößt. Man hört dann von der Helena erstmal über Jahrzehnte eigentlich nicht wirklich überhaupt etwas.
[21:40] Aber militärisch war Constantius Chlorus sehr erfolgreich. Er hat die Franken an der Nordsee zum Frieden gezwungen und ihren König bestätigt und einige dann in der Nähe von Trier angesiedelt. Am 21. April hält der Rhetoriker Martinus dem Maximian eine Lobrede und sagt ihm voraus, dass der Carus jetzt endlich bald besiegt werden wird. Allerdings geht die gesamte kaiserliche Flotte in einem Sturm unter, und das Ganze ist dann doch wieder ein großer Fehlschlag gewesen. Lediglich der Constantius kämpft weiter mit großer Hartnäckigkeit am Rhein.
[22:25] Also kommt es 291 zum Treffen von Diokletian und Maximian, wo sie in großer Eintracht in Mailand sich treffen. Eine große Inszenierung, Veranstaltungen. Auch der Senat aus Rom sendet eine Gesandtschaft. Diese Münzen, geprägt werden, es sind ganz deutlich, zeigen nämlich, dass die beiden hier auf Augenhöhe miteinander regiert haben. Aber zwei Jahre später wurde das System noch einmal erweitert und das war jetzt...
[22:51] einmal erweitert und das war jetzt wirklich innovativ und spektakulär. Am ersten März 293 wurden noch zwei weitere Kaiser hinzugenommen, diesmal als Cäsaren.
[23:00] Neben den beiden Hauptkaisern Diokletian und Maximian gab es jetzt zwei Cäsaren, und zwar Constantius Chlorus, der jetzt also noch einen weiteren Schritt auf der Karriereleiter gemacht hatte, und ein gewisser Galerius.
[23:15] Das bedeutet natürlich für Konstantin schon in jungen Jahren, dass er plötzlich einen Kaiser zum Vater hatte. Und das war natürlich mit dieser Zeit auch durchaus immer noch ein Ticket, vielleicht selbst Kaiser zu werden.
[23:34] Nun, wer war dieser Galerius? Er muss wohl ein ziemlich grobschlächtiger Mensch gewesen sein. Beschrieben, dass er eine gewaltige Statur hatte und wohl ziemlich brutal und arrogant gewesen sein muss. Zugegebenermaßen kommt das von Laktanz, der ihm sehr feindlich gesinnt war, aber wahrscheinlich ist da schon ein Kern Wahrheit.
[23:51] Er wirkte wohl ungebildet und brachial. Dagegen soll wohl angeblich Constantius Chlorus gebildet gewesen sein, mit umgänglichen, moralisch tugendhaften Werten ausgezeichnet. Aber das ist natürlich bei so Beschreibungen antiker Geschichtsschreiber immer so ein bisschen auch mit Vorsicht zu genießen.
[24:13] Diese vier bildeten jetzt ein Vierer-Kollegium von Kaisern, die sogenannte Tetrarchie, bei der man bis heute nicht genau weiß, ob, wie genau man sie, wie sie selbst eigentlich genau gedacht haben.
[24:26] Und zwar war das sozusagen ein Mehrkaisertum. Das war so quasi institutionalisiert und die Idee sozusagen, dass die Kaiser sich die Aufgaben teilen. Der Einheit im Westen ein Mann, der Mitte, der nächste dort, weil das Reich so groß geworden war und die Krise der letzten Jahrzehnte gezeigt hatte, dass nicht einer das gesamte Reich regieren könnte.
[24:49] Behalten diese Frage mal im Hinterkopf, denn die wird für die Geschichte von Konstantin noch von großer Bedeutung werden. Kann ein Einzelner das gesamte Reich regieren? Und man wollte vermeiden, dass ständig das Heer irgendwo einen neuen Kaiser oder Gegenkaiser ausruft, indem man gleich vier Kandidaten gleichzeitig zu Kaisern macht, die dann miteinander reagieren.
[25:08] Man sieht hier auf dem Bild auch sehr schön, wie das künstlerisch ausgedrückt worden ist, wie diese vier gemeinsam das Reich beschützen.
[25:16] Das Ganze war auch sehr, sehr ideologisch aufgeladen. Zum einen war die sogenannte Meritokratie entscheidend. Man wurde also Kaiser nicht aufgrund einer Abstammung, sondern weil man etwas geleistet hat.
[25:35] Das sieht man bei Constantius Chlorus ganz deutlich. Er hatte große Siege errungen, hatte militärisch sich durchgesetzt, deswegen wurde er aufgrund seiner Verdienste zum Kaiser. Und normalerweise war es ja so, dass schon tendenziell eher auch die Verwandtschaft, also Abstammung von einem ehemaligen Kaiser, ein ausschlaggebendes Argument gewesen ist.
[25:53] Und auch diese Schaffung der Tetrarchie hat es nicht ganz völlig ausgeschaltet. Zumindest haben wohl die beiden Söhne, die es schon gab, nämlich Konstantin und ein gewisser Maxentius, von dem wir noch hören werden, wohl durchaus sich Chancen ausgerechnet.
[26:09] Aber wohl eigentlich war die Idee, dass man durch Leistung Kaiser wurde und nicht, weil man von einem Kaiser abstammt.
[26:13] Das Ganze war, wie gesagt, ideologisch aufgeladen, denn jeder von den vier hatte so seinen Spezialgott. Das war nicht ganz strikt festgelegt, aber man sieht, dass Diokletian sich vor allem auf den Jupiter berufen hat und Maximian auf den Herkules. Das sind ganz bekannte Gestalten der römischen Religion und Mythologie.
[26:35] Und Galerius passt vielleicht auch zu seinem Charakter. Der hat sich auf den Kriegsgott Mars berufen. Aber Constantius Chlorus hat, und das ist interessant, den Sol Invictus. Und von dem wir noch einiges hören, der unsterbliche, unbesiegbare, was haben die, der unbesiegbare Sonnengott.
[26:54] Wer war dieser Sol Invictus? Er war eigentlich eine relativ zum bisschen dergestalt neue Erscheinung, seit vier Jahren, also seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts war Sol Invictus gleichzeitig die römische Staatsmacht, neben den traditionellen Kulten von Mars und Jupiter.
[27:08] Natürlich hat es immer schon auch Sonnegottheiten in Rom gegeben. Deswegen ist die exakte Identifizierung, wer genau dieser Sol Invictus gewesen ist, in der Forschung noch umstritten. Ein Sonnengott soll, der wurde schon lange verehrt.
[27:24] Allerdings hat dieser Sol Invictus, wir seit Jahren jetzt auch Staatsreligion, war sehr viel auch Züge vom östlichen Mithraskult gehabt. In dieser Zeit im dritten Jahrhundert gab es eine Tendenz dazu, neben den traditionellen Kulten, vor allem dazu, dass die Götter einem irgendwie im Leben mit bestimmten Dingen helfen.
[27:41] Diese östlichen Kulte mehr zu fördern, die südöstlichen Kulte anzunehmen, die mehr auf das Jenseits geschaut haben und eine Erlösung versprochen haben. Da gab es eine große Faszination bei den Römern mit diesem Sol Invictus.
[27:57] Und wie sehr das die Gesellschaft durchdrang, das sieht man an diesem äußerst faszinierenden Bild, was wir hier sehen. Das ist ein Bodenmosaik einer Synagoge. Das sieht man sehr deutlich an der hebräischen Schrift.
[28:08] Und zwar hier gibt es eine hebräische Inschrift, eine Synagoge. Aber man sieht auch hier einen Einrad, einen Sommer mit einer Sonnengottheit und Tierkreiszeichen. Diese Synagoge ist aus Hammat Tiberias in Palästina, genau in dieser Zeit.
[28:27] Und da sieht man, wie stark diese Sonnenideologie, diese Sonnenreligion, sogar hier im Judentum auch präsent gewesen ist. Eine Zeit der Vermischung von Glaubensinhalten und Religion. Ein Thema, das für unsere Geschichte noch sehr wichtig werden wird.
[28:49] Constantius Chlorus hat jetzt in Trier residiert. Er ist einer der vier Drachen, der vier Kaiser. Und er war es dann, anders als Maximian, dem es nie gelungen war, das gallische Gebiet zunächst einmal von Charisius auch wirklich zurückerobert hat.
[29:03] Und dann auch feststellen durfte, dass dieser Chaos in Britannien ermordet worden ist von den unzufriedenen Anhängern. Diese Rebellion und da als einen Nachfolger namens Alex gegeben hat.
[29:15] Es war auch der Constantius Chlorus, der den ersten großen Sieg dieser neuen Tetrarchie errungen hat und zwar hier an der im Mündungsgebiet des Rheins. Und er stellt gegen die Germanen, die Franken, Alamannen und Friesen.
[29:32] Und deswegen haben sie dann alle vier Kaiser dann Germanicus Maximus genannt, aufgrund dieses großen Sieges.
[29:38] Hier vielleicht noch eine Zusammenfassung von Laktanz, der diese Zeit folgendermaßen beschreibt: Diokletian teilte die Herrschaft durch vier und nahm drei Mitregenten auf. Die Heere wurden vervielfältigt, denn jeder trachtete danach, selbst eine größere Zahl an Soldaten zu besitzen, als die früheren Kaiser zur Zeit der Alleinherrschaft getan hatten.
[29:55] Sowas stieg die Zahl der Heere bald die der Gebenden, denn so sehr, dass es angesichts der Maßlosigkeit der Forderung die Kräfte der Bauern erschöpft, die Höfe verlassen und die Äcker in Wald verwandelt wurden. Um alles mit Schrecken zu erfüllen, wurden auch die Provinzen zerteilt und Scharen von Stadthaltern mit Unmengen an Unterbeamten übten den Zwang ihrer Herrschaft aus über jedes Land und jede Stadt.
[30:21] Die Menge der Steuereintreiber ergoss sich überall hin und brachte alles in Aufruhr. Es bot sich ein Anblick wie beim Einfall von Feinden und dem Wegführen von Beute und Gefangenen. Alle Äcker wurden vermessen, die Obstbäume und Weinstöcke gezählt, die Nutztiere verzeichnet, die Kopfzahl der Bewohner vermerkt.
[30:36] Von da an musste man also eine Steuer für den Kopf entrichten und einen Preis für das Leben bezahlen. Nach einer Weile aber verminderte sich die Zahl der Tiere und Menschen starben. Trotzdem mussten auch die Abgaben für die Toten weiter entrichtet werden.
[30:49] Kurzum, man konnte nicht leben und nicht sterben. Das ist vielleicht ein wenig überzeichnet, aber es zeigt auch, dass diese Tetrarchie jetzt ganz neuen Druck ausübte, mit mehr Bürokratie versuchte, das Steuereinkommen zu maximieren, zu Lasten der vielen Menschen im Reich.
[31:07] Im Osten tat sich einiges. Ein neuer persischer Großkönig kam an die Macht, Narseh, und der dann auf Rache und er hatte eine, es gab eine Zeitreihe schwacher Könige zuvor, aber nun war wieder ein sehr starker Mann im Osten da.
[31:28] Dabei gab es eine eine Revolte 293, 294 in Oberägypten, ziemlich weit im Süden, die von Galerius unterdrückt worden ist. Und Diokletian siegte 294, 295 über die Isaurer, baute Festungen nördlich der Donau und hat sich auch sehr um die Moral in seinem Reich gekümmert.
[31:45] Es gab ein Edikt gegen Inzucht. Gerade im griechisch geprägten Ostteil waren so inzestuöse Verbindungen durchaus nicht völlig verpönt. Und er hat sich darum gesorgt, die doch sehr konservativen römischen Ehegesetze, die ja schon auf die Zeit von Augustus um die Zeitenwende zurück, überall durchzusetzen.
[32:06] Und interessanterweise wurden diese Gesetze mit der altrömischen Religion begründet, wie man schon an seiner Verbindung zu Jupiter erkennen konnte. Was und Diokletian ganz besonders darum getan, die alte Religion der Römer wieder zur Geltung zu bringen und überall im Reich noch stärker zu verankern.
[32:32] Und das sollte noch zu großen Konflikten führen. 296 ist es dann Constantius Chlorus gelungen, die Rebellen aus Britannien völlig zu vertreiben und dort Britannien wieder für das römische Reich zurückzuerobern.
[32:50] Sein Feldherr Asclepius hatte den entscheidenden Erfolg errungen. Derweil greift im selben Jahr dieser besagte Narseh mit einer großen Armee an, und das bringt Diokletian in Schwierigkeiten.
[33:06] Er erobert die Gebiete in Mesopotamien wieder zurück und bringt sogar nach Syrien ein. Der Galerius, der dort momentan die Oberherrschaft hat, der ist ein bisschen verzweifelt, bittet den Diokletian um Hilfe. Aber er wird dann besiegt.
[33:25] Und das ist eine sehr unklare Sache, aber allerdings ist es so, dass die Diokletian dann den Eindruck erweckt, als hätte Galerius versagt. Und als die beiden dann in einer Residenzstadt einmarschieren, muss Galerius zu Fuß neben dem reitenden Diokletian laufen. Also ein bisschen gedemütigt und zu sagen: "Du hast deinen eigenen Herrschaftsbereich nicht wirklich unter Kontrolle. Ich musste kommen, ich musste helfen."
[33:53] Ja, und das wird gleich noch von Interesse sein. Derweil hat Maximian im Westen im Frühjahr 299 eine Offensive begonnen, um gegen die afrikanischen Stämme in Nordafrika, die ihn ein bisschen beschäftigt hat.
[34:09] Und 299 gab es auch eine Rebellion, nämlich in Ägypten, die zweite größere Rebellion. Immer noch, warum es nicht gelungen ist, so richtig dort Fuß zu fassen wieder nach den Schwierigkeiten der Krise. Und es gab einen Gegenkaiser Domitian, der dort ja an die Spitze sich stellte, man noch unzufrieden mit den römischen Steuern.
[34:35] Und auch hier muss Diokletian nach Ägypten eilen und alles wieder in Ordnung bringen. Derweil ereignete sich im Osten etwas völlig Unvorhergesehenes, nämlich eben dieser Galerius, der scheinbar gerade noch gegen Narseh versagt hatte, erringt einem so spektakulären und so großartigen Erfolg.
[34:56] 297, 1998, nicht ganz genau, knapp, dass man sich wirklich gewundert hat. Die gesamte Armee des Königs wurde gefangengenommen. Die Hauptstadt, sie wurden schließlich auch noch erreicht. Und es war ein so triumphaler Sieg, eine große Sache für alte Niederlagen, die man Jahrzehnte zuvor errungen hatte.
[35:14] Und Galerius marschiert weiter in den Osten, spezial hat derweil den Nil befahren und die ganze Südgrenze in Ägypten reorganisiert und entsprechend dort auch für viel...
[35:30] ...gesagt. Aber dann eilte er in den Osten, denn er wollte nichts dazu sehen, dass Galerius alleine dort die Früchte des Sieges erringt. Derweil ist auch Maximian im Triumph in Karthago eingezogen, hat rebellische Stämme besiegt.
[35:45] Und Galerius erobert auch Nisibis, eine wichtige Handelsstadt und zieht dann den Tigris weiter. Gesagt, er hat dann zieht sie vorn erobert. Es war der wahrscheinlich größte Sieg über die Perser seit den Zeiten von Trajan, also seit fast 200 Jahren.
[36:01] Und Konstantin, der junge Konstantin war mit dabei. Er war als sozusagen die um diplomatische Geisel bei Diokletian und bei Galerius untergebracht, um sozusagen ein bisschen die Treue des Constantius Chlorus zu sichern.
[36:19] Und Konstantin sagt später, dass er bei diesem Zug in Mesopotamien unter Galerius sogar die alten Ruinen von Babylon gesehen haben will.
[36:28] Es kam also zum Frieden zwischen den Römern und den Persern. Und das waren die Bestimmungen. Kilian hatte sich kann noch rechtzeitig dazu geschaltet, um das noch mit diktieren zu können.
[36:42] Es gab eine neue Grenze mit dem Tigris und ganz Armenien wieder unter dem Schutz der Handel war nur noch über dieses erlaubt, dass also der Vertrag von 299.
[36:51] Laktanz beschreibt das Ganze wie folgt: Galerius, aus denen sich die Opposition zum Caesar und Schwiegersohn der Kuren hatte, übertraf an Schlechtigkeit alle Bösen, die je gelebt haben. Auch sein Schwiegervater Diokletian fürchtete ihn über die Maßen.
[37:04] Und diese Furcht, dieser folgt folgendes zugrunde: Der persische König Bahram, den das Beispiel seines Großvaters, Schapur I., nicht...
[37:08] ...runterstartete mit großer Heeresmacht nach dem Besitz des Orients. Diokletian, den jede Kriegs- und Ruhestörung furchtsam und verzagt machte, und er zugleich das Schicksal Kaiser Valerians tötete, der Jahrzehnte zuvor von den Persern getötet worden war, wagte es nicht, ihm entgegenzuziehen, sondern schickte den Galerius über Armenien wieder den Feind.
[37:29] Galerius legte sich in einen Hinterhalt und es gelang ihm, die Barbaren, die dicht zusammengedrängt und durch den Post gehindert waren, ohne große Schwierigkeit zu vernichten. Narseh ergriff die Flucht.
[37:39] Galerius aber kehrte siegreich mit ungeheurer Beute zurück und brachte so für sich den Stolz nach Hause und für die Diokletianer die Furcht. Denn von jenem Sieg an erhob er sich zu solchen Ehren, dass der Anschlag den Titel Caesar zu verstehen, wenn er diese Bezeichnung in einem an ihn gerichteten Schreiben hörte, so schrie er mit grimmiger Miene und schrecklicher Stimme: "Auch wie lange noch?"
[38:06] Aber dann geschah während einer Opferzeremonie, Kaiser Diokletian, die verantwortlichen Priester suchten nach Schuldigen und bald wurde es gesagt, schuld daran, dass dieses Opfer nicht gelang, sind die Christen, die immer noch im kaiserlichen Haushalt anwesend sind.
[38:32] Sofort werden alle kaiserlichen Hofbeamten gezwungen zu opfern und alle Christen müssen die Armee verlassen, wenn sie nicht opfern wollen. Das bringt uns zu der Frage: Wer sind diese Christen in der Zeit, in der Konstantin groß wird?
[38:50] Das Christentum bereits eine weithin bekannte Kraft in der Gesellschaft. Wir sind diese Menschen, die so anders sind, die der einzigen immer noch verbotenen Religion im römischen Reich anhängen?
[39:08] Wenn man sie gefragt hätte, was sie glauben, dann wäre wohl dieser eine Vers die beste Zusammenfassung ihres Denkens gewesen: "Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat."
[39:24] Einen Gott, den man nicht besänftigen muss, sondern einen Gott, der selbst die Initiative ergreift, einen Gott, der die Liebe ist, der die ganze Welt liebt und der seinen Sohn Jesus Christus gesandt hat, damit jeder, der glaubt, nicht durch eigene Werke, durch eigene Anstrengung, sondern durch den Glauben an Jesus Christus ewiges Leben erhält.
[39:47] Aber diese Religion, dieses Christentum war nicht nur eine theoretische Religion, sondern war sehr praktisch. Die Christen waren seit Jahrzehnten mittlerweile, seit fast drei Jahrhunderten bekannt für ihren sozialen Dienst.
[40:00] Sie waren es, die für die Armen sorgten. Sie waren es, die in Zeiten der Pest nicht weglaufen, sondern die Kranken behandelten. Sie waren allseits geachtet für ihren sozialen Dienst.
[40:12] Jesus hatte ihnen gesagt in der berühmten Bergpredigt: "Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berg liegt, nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, so leuchtet er es allen im Haus. Sind so soll euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen."
[40:32] Obwohl diese Religion verboten war und immer mal wieder unter einzelnen Kaisern schwer verfolgt worden ist, wir denken an Nero schon Mitte des ersten Jahrhunderts oder Ende des ersten Jahrhunderts, Domitian zum Beispiel, oder später unter Trajan und zuletzt in der Mitte des dritten Jahrhunderts, zum Beispiel und der Decius und dann auch Valerian.
[40:52] Obwohl diese Christen immer wieder verfolgt worden ist, war etwas sehr Anziehendes an ihnen. Ihr Glaube, ihre Einfachheit, ihre Liebe zu anderen Menschen bewirkte, dass immer mehr Menschen Christen wurden.
[41:05] Ihre Botschaft war die Botschaft von Jesus, Jesus von Nazareth, von dem sie sagten, dass er Mensch geworden sei, dass er Gott sei und gleichzeitig Mensch, um sie von allen Sünden zu erlösen.
[41:17] Diese Botschaft von Jesus, die stand in den Evangelien, den vier von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Es gab die Apostelgeschichte, die davon berichtete, wie es angefangen hat, um sich dann auszubreiten in die verschiedenen Provinzen des römischen Reiches.
[41:28] Es gab die Briefe von Paulus, die sehr detailliert beschrieben, was Glaube ist und wie Erlösung funktioniert und das Leben der Gemeinden regelt. Das gab die prophetische Offenbarung, wo Jesus dem Johannes auf Patmos Dinge gezeigt hatte, die für die Zukunft wichtig waren.
[41:47] Und sie glaubten und glauben ja noch bis heute, dass wer an Jesus glaubt, alle seine Sünden vergeben konnte. Erst hören, dass 1. Johannes heißt es: "Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit."
[42:02] Man weiß nicht ganz genau, wie viele Christen es damals im römischen Reich zur Zeit von Konstantins Jugend gegeben hat. Die Schätzungen gehen von mindestens zehn Prozent der Bevölkerung aus für das Jahr 300, tendenziell mehr im Osten als im Westen und tendenziell mehr in den großen Städten, also schon in Ephesos, in Antiochia, in Alexandria, in Rom, in Korinth, als in der ländlichen Gegend.
[42:33] Aber diese Christen hatten nicht nur die Schriften dessen, was sie heute das Neue Testament nennen. Sie hatten natürlich auch das sogenannte Alte Testament, dass sie mit dem Judentum teilten und weswegen sie auch die Zehn Gebote äußerst ernst nahmen.
[42:47] Denn 2. Mose, Kapitel 20, Vers 1: "Und Gott redete alle diese Worte und sprach: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten, aus dem Haus der Knechtschaft, herausgeführt habe. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was in den Wassern unter der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht, denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied derer, die mich hassen, der Gnade erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten."
[43:21] Christen waren bestrebt, Gott treu zu sein und nicht anderen Göttern zu opfern oder aus Kompromiss Dinge zu tun, die Gottes Wort deutlich verboten hatte. Und wenn sie dann gezwungen worden waren, wie jetzt eher zu opfern, dann taten sie es in der Regel nicht und wurden dafür schlimm gefoltert und gestraft.
[43:42] Gerade Galerius war ein extrem fanatischer Anhänger der alten römischen Religion und jetzt, nachdem er den Narseh so spektakulär besiegt hatte, war er auch politisch enorm gestärkt. Und das ist eine ganz entscheidende Wendung in dieser Geschichte.
[44:03] Wir erinnern uns, dass die Diokletianer ja noch wenige Jahre zuvor ihn gedemütigt hatten und jetzt einsehen musste, dass es gerade dieser Galerius war, der diesen großen Sieg errungen hatte.
[44:13] Forderungen von Galerius konnte man nicht so leicht abwenden.
[44:17] man nicht so leicht abwenden. Spezial hatte bis dahin Christen in seiner Residenz in Nicomedia toleriert. Möglicherweise war sogar seine eigene Frau, seine Tochter, am christlichen Glauben interessiert. Aber Galerius, der wollte jetzt seine Position nutzen, um dem Christentum, das er hasste, einen Schlag zu versetzen. Und diese Angelegenheit mit der misslungenen Opfer-Schau bot eine willkommene Gelegenheit.
[44:45] In dieser Zeit haben die vier Tetrarchen ihr Aufgabengebiet nochmal genau festgelegt. Und das wurde, es gab einen Tausch. Konstantin Chloros blieb weiter hier in Gallien und in Britannien. Maximian weiter in Italien und Afrika. Aber Diokletian und Galerius tauschten. Diokletian war bis Gallien, war im Osten gewesen. Aber vielleicht war ihm die Nähe zu Galerius zu groß. Oder er hatte den Eindruck, dass Galerius zu mächtig geworden war. Und sein Team, jetzt in den Balkan und die östlichen Gebiete, ging jetzt in den Osten. Und Konstantin Chloros griff weiter an von Trier aus. Und zwar die Franken. Drei Jahre hintereinander hat er verschiedene Armeen zurückgeschlagen, die Gallien heimgesucht hatten.
[45:40] Das Münzsystem, das neu eingeführt worden war in den 90er Jahren, musst du nachjustiert werden. Es gab immer noch große Probleme. Die Münzen wurden in ihrem Wert abrupt verdoppelt, und das führte dann zu einer völligen Ruin. Die Kreditgeber wurden ruiniert, und das gab eine erneute Inflation. Man hatte damals noch nicht viel Ahnung von Wirtschaftsprinzipien. Und Diokletian dachte sich einfach: Naja, dann deckel ich die Preise und bestimme einfach, wie teuer das sein darf. In seinem berühmten Preisdiktat der Höchstpreise definiert, und das führte zu einer katastrophalen Wirkung auf die Märkte. Denn so kann man natürlich ein komplexes Wirtschaftssystem nicht regulieren. Da wusste man damals nichts. Und das führte dazu, dass es alles nur noch viel schlimmer wurde. Deswegen, das im Osten auch überhaupt nur veröffentlicht wurde und dann mit der Zeit wieder abgeschafft wurde.
[46:26] Wiederum Laktanz sagt: Durch seine vielfältige Ungerechtigkeit hatte Diokletian eine gewaltige Inflation hervorgerufen. Und er nannte es, den Preis aller Waren durch ein Gesetz zu bestimmen. In der Folge kam es wegen geringfügiger und unbedeutender Dinge zu viel Blutvergießen. Und das lautete: Furcht. Man brachte gar nichts Unvernünftiges mehr auf den Markt, und die Teuerung nahm daher ihnen weit schlimmerem geradezu. Bis die schiere Notwendigkeit das Gesetz nach dem Untergang vieler Menschen außer Kraft setzte.
[46:58] Was passierte in der Zeit in Rom? Maximian hat sich dort keine Freunde gemacht. Er hat dort den ehemaligen Stadtpräfekten hinrichten lassen, hat den Senat terrorisiert und einige Senatoren auch umbringen lassen.
[47:12] Auf dem Gebiet der Religion gab es auch in diesem Jahr, am 31. März, eine sehr interessante Entscheidung. Diokletian wandte sich gegen die sogenannten Manichäer. Die Manichäer kamen aus dem Osten. Mani hat so eine Mischreligion aus Christentum und östlichen, gnostischen Ideen erschaffen, die zeitweise sehr weiter verbreitet war, fast so eine Art Weltreligion geworden war. Die Römer glaubten, dass die Manichäer natürlich mit dem Perserreich in Verbindung stehen. Und so wurden sie verboten. Die Schriften sollten gemeinsam mit den Anführern lebendig verbrannt werden. Die Anhänger mit dem Schwert getötet werden. Höher Gestellte in die Minen gesandt werden. Und sein Argument war sehr richtungsweisend und hatte schon dunkle Wolken aufziehen lassen, auch für die Christen. Sein Argument war: Neue Religion dürfen die alten nicht verdrängen. Solange also neue Religionen so friedlich koexistieren neben den alten Kulten, waren die Römer für jeden Kult und für Religion offen. Wenn aber eine Religion mit absolutem Wahrheitsanspruch daherkam, dann wurden die Römer extrem nervös. Und das war dann später beim Christentum ja genau auch der Fall. Denn Jesus hatte gesagt: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." Jetzt ging es erst einmal denen man nicht ran, an den Kult. Und dann aber schon bald auch den Christen.
[48:37] Und das kam so. Im Jahre 302 war die offizielle wieder mit einer Opferhandlung beschäftigt. Und wieder gab es einen Eklat. Diesmal allerdings durch einen sehr unvernünftigen Menschen, einen Christen namens Romanus, der extra angereist war, um diese Opferhandlung zu unterbrechen. Und er meinte, hat dem Herrn einen Dienst zu tun, indem er so laut wie wirklich krakeelte und den Diokletian und sein Heidentum beschimpfte. Und nicht unverständlicherweise war die Opposition jetzt sehr erbost. Und das, was ich schon gibt es zeichnet hatte, wurde jetzt zur Gewissheit. Es sollte eine generelle Verfolgung geben, eine Ausrottung des Christentums. Der Romanus wurde selbst gleich zum Verbrennen verurteilt. Die Strafe wurde dann aber umgewandelt. Ihm wurde lediglich die Zunge ausgeschnitten und er wurde in das Gefängnis gebracht.
[49:36] Die Opposition war zu diesem Zeitpunkt ähneln, die Nicomedia dort in Kleinasien. Und Galerius kam zu ihm und tat noch einmal richtig Druck gemacht. Diese Christen, so glaubte man, sind eine Gefahr für das römische Reich. Sie verdrängen die alte Religion, die hier gerade wieder so hergestellt worden war durch die Zeit. Und die Opposition hat immer noch ein bisschen gezögert, ob er wirklich jetzt diese ganze Religion noch einmal versuchen sollte auszurotten. Das waren ja schon mehrere Kaiser teilweise versucht, aber nie ganz ist es gelungen. Im Gegenteil, mit jeder Verfolgung wurden es mehr Christen.
[50:07] So hatte er nochmal ein Orakel befragen lassen, das Apollo-Orakel in Delphi. Und das soll wohl gesagt haben: "Die Gerechten auf Erden würden die Opfer das Orakel verhindern." Was auch immer das bedeutet. Sollte die Exegeten am Hof haben gesagt: "Ja, das bestätigt Galerius." Und so sollte das Christentum dann ausgerottet werden. Es wurde ein Tag bestimmt, nämlich das Fest der Terminaria, der 23. Februar 303. Und damit begann die schlimmste, schrecklichste, aber auch letzte Verfolgung der Christen.
[50:51] Die zuvor letzte Verfolgung war schon etwa 40 Jahre her gewesen. Viele Christen zur Zeit von Diokletian, von Konstantin, hatten von der Verfolgung nur aus Geschichten gehört und hatten aus alten Zeiten davon gehört. Man spricht diesem Zeitraum von den 60ern bis zu 303 von der kleinen Zeit des Friedens für die Kirche. Man hatte Gemeindehäuser gebaut und hatte geglaubt, dass man in der Gesellschaft angekommen war. Man war akzeptiert. Wie gesagt, 10 Prozent der Bevölkerung waren wahrscheinlich ungefähr. Plus minus, das kann man nicht genau bestimmen, Christen. Und viele andere waren durchaus Sympathisanten. Dass jetzt noch einmal die Kaiser versuchen wollten, diese ganze Religion mit Stumpf und Stiel auszurotten, hat viele überrascht.
[51:36] Am 23. Februar wurde die Kirche in Nicomedia gestürmt. Alle Bibeln wurden verbrannt. Die Güter geplündert. Dann die Kirche dem Erdboden gleichgemacht. Am nächsten Tag erst wurde dann das Edikt öffentlich gemacht in Nicomedia. Und es gab dort einen sehr hochgestellten Christen namens Bios. Und der hat sich ein bisschen lustig gemacht. Er hat nicht geahnt, dass es so schlimm werden würde. Und hat das Edikt genommen, hat es in Stücke gerissen, hat sich noch lustig darüber gemacht, mit welchen Titeln sich die Kaiser dort rühmen. Und er wurde am selben Tag verurteilt, gefoltert und lebendig verbrannt. Diokletian und Galerius kannten keinen Spaß mehr.
[52:20] Das Christentum sollte ausgerottet werden. Was besagte dieses Edikt von 24. Februar 303? Alle christlichen Versammlungen wurden explizit verboten. Man darf nicht mehr treffen. Wer zum Gottesdienst, noch zu irgendeiner Versammlung. Alle Kirchen sollten zerstört werden. Alle Schriften, das heißt alle Bibeln, alle Kommentatoren, Kommentare, alles, was es an christlicher Literatur gab, sollte alles verbrannt und vernichtet werden. Alle christlichen Würdenträgern sollten ihren Rang verlieren. Und alle, die mal Sklaven gewesen waren und dann freigelassen wurden, wurden durch dieses Edikt erneut versklavt. Und was besonders schlimm auch war: Jeder, der vor Gericht ziehen wollte, musste zwangsweise vor dem Prozess ein Opfer darbringen, ein Opfer für die römischen Götter. Was bedeutete, dass die Christen gar nicht mehr vor Gericht ziehen konnten. Wenn man sie also beraubte, wenn man ihnen etwas Unrechtes tat, konnten sie sich gegen Kriminalität gar nicht mehr wehren, weil man wusste, sie würden gar nicht erst dieses Opfer bringen.
[53:20] Und dieses Edikt galt reichsweit. Und es ist auch überall von allen vier Kaisern durchgesetzt worden. Auch von Konstantin Chloros, dem Vater des Konstantin. Auch er hat Kirchen zerstört. Er ist seinem Bereich, bei ihm gab es wohl allerdings, soweit man weiß, keine Exekutionen. Dagegen hat Maximian in vor allem in Nordafrika dieses Edikt sehr viel stärker umgesetzt. Wie hoch die Bestrafung war, waren im Edikt nicht immer genau spezifiziert. Das heißt, die lokalen Statthalter konnten oft nach Ermessen entscheiden, ob sie eher milde Strafen oder ganz krass ein Exempel statuieren.
[54:03] Vor allem in Afrika und in Mauretanien, also im nordafrikanischen Bereich, gab es teilweise brutale Verfolgung. Die Christen wurden gezwungen zu opfern, und wenn nicht, wurden sie umgebracht. Noch viele Generationen später hat sich das tief eingebrannt in die Seele der afrikanischen Kirche.
[54:21] Es gab allerdings auch Vorbehalte in der Bevölkerung. Ein halbes Jahrhundert zuvor, unter Decius, da hatte man noch applaudiert und die Christen loswerden. Die Christen haben sich so viel Respekt und so viel Sympathie erworben, dass die Bevölkerung nicht völlig mehr hinter diesem Edikt stand. Und selbst in der kaiserlichen Bürokratie gab es immer wieder auch Beobachtungen. Man konnte beobachten, dass dieses Edikt verhindert worden ist, dass es so ein bisschen unterminiert worden ist. Es gab allerdings auch sehr starke Befürworter, und das waren vor allem die Eliten. Das waren die Intellektuellen, allen voran zum Beispiel Porphyrios, ein bekannter und berühmter Philosoph, der schrieb das Buch "Gegen die Christen". Dort sagt er: "Die Christen sind beim Backen und man kann sie nicht zivilisieren."
[55:09] Und dann ging auch noch ein Teil des Palastes in Nicomedia des Kaisers Palastes in Flammen auf. Man erinnert sich fast unweigerlich an die berühmte Geschichte von Nero, 250 Jahre zuvor. Christen und Heiden haben sich gegenseitig beschuldigt. Und Galerius war überzeugt, dass die Christen eine Revolte, eine Verschwörung gegen ihn angezettelt haben. Und man beginnt mit Untersuchungen und vor beginnt man mit Exekutionen. Da gibt es viele schlimme Dinge. Viele dieser Anhörungen sind vom Kaiser persönlich überwacht worden. Einer von ihnen, einer von diesen Christen, der Petrus, ein Mitglied des römischen kaiserlichen Haushalts, und er wurde völlig entblößt und dann an seinem ganzen Körper ausgepeitscht. Und dann wurden seine Wunden mit Salz und mit Essig gefüllt. Und dann wurde er langsam lebendig gerüstet. Kein Mensch kann sich vorstellen, was die Christen in dieser Zeit durchgemacht haben.
[56:12] Einen Monat später, im März, trat dieses Edikt auch in Palästina in Kraft. Und auch dort gab es ja natürlich sehr, sehr viele Christen. 16 Tage nach dem ersten Feuer brach schon wieder ein Feuer in Nicomedia aus. Und jetzt hat Galerius und sogar aus Furcht die Stadt verlassen. Und auch die Offiziellen haben sich auf den Weg gemacht. Konstantin, der junge Konstantin, hat all diese Dinge mit eigenen Augen, am eigenen Leib sozusagen, erlebt. Er war dabei. Hat Christen gesehen, die so gefoltert worden sind. Er hat diese Brände mitverfolgt.
[56:44] In Rom, als dann auch das Edikt in Rom erschien, zu am 24. März 303, hat es die römische Kirche total geschockt. Und der Bischof in Rom, der Marcellinus, wurde zum Verräter und hat tatsächlich Bibeln ausgeliefert den Verfolgern. Was dann in Rom passiert mit der Kirche ist für nächstes Jahr etwas unklar. Möglicherweise gab es eine Zeit lang nicht mal einen römischen Bischof.
[57:12] Dann im Mai trat das Edikt auch, wie gesagt, in Afrika in Kraft. Muss besonders schwer und besonders heftig umgesetzt worden sein. Und im Frühsommer kam ein zweites Edikt dazu. Und zwar wurde jetzt gesagt, dass alle christlichen Leiter, alle, die die Gemeinde leiten und sonst irgendwelche Führungspositionen hatten, automatisch ins Gefängnis gesteckt worden sind. Priester, Bischöfe, Diakone. Und weil es so viele gab, waren die Gefängnisse bald überfüllt.
[57:42] Eusebius, der das ganze leibhaftig miterlebt hat, in Palästina schreibt in seiner Kirchengeschichte: "Es war das 19. Jahr der Regierung des Diokletian, im Monat des Tross, den die Römer März nennen, als überall ein kaiserlicher Erlass angeschlagen wurde, der befahl, die Kirchen bis auf den Grund niederzureißen und die heiligen Schriften zu verbrennen. Bald darauf erschien eine zweite Anweisung, nach der alle Amtsträger zunächst zu verhaften seien und dann zum öffentlichen Opfer gezwungen werden sollten. Die Gefängnisse, vorherbestimmt für Mörder und Leichenschänder, waren angefüllt mit..."
[58:15] Aber die Christen waren nicht ohne Hoffnung. Noch in 1. Petrus 4, Vers 10 war diese tröstliche Zusage: "Füllet nichts von dem, was du erleiden wirst. Siehe, der Teufel wird etliche von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr geprüft werdet, und ihr werdet Drangsal haben zehn Tage lang." Von diesen zehn Tagen werden wir in einer der nächsten Folgen noch mehr hören. "Sei treu bis in den Tod, so werde ich dir die Krone des Lebens geben." Dieser Vers sollte sich buchstäblich erfüllen. Nicht nur wurden sie ins Gefängnis geworfen, viele wurden tatsächlich getötet. Und das hing mit einem dritten Edikt zusammen, das im Herbst 303 promulgierte wurde.
[58:56] Jetzt hieß es, dass Christen wieder frei kommen dürfen, weil die Geständnisse so voll waren, dass man sie gar nicht mal alle inhaftieren konnte. Allerdings war die Bedingung: Man müsste den Göttern Ochsen opfern. Und das hat natürlich viele nicht getan. Und so wurden sie entsprechend getötet.
[59:14] Als Eusebius schreibt, als dann ein weiterer Erlass folgte, welcher den Gefangenen, wenn sie opferten, die Freiheit gewährte, die Übrigen aber mit Folter bedrohte. Wer hätte da die Menge jener zählen können, die in allen Provinzen, vor allem aber in Afrika, Karthago und Ägypten das Martyrium erlitten? Was hat diese Menschen bewegt? Diese Menschen haben geglaubt, dass Jesus Christus für sie gestorben ist, dass er für sie gelitten hat, dass alle ihre Schuld auf ihm lag und dass er sie erlöst hat von aller Verdammnis, damit er ihnen ewiges Leben. Diese Menschen glaubten, dass der Tod nicht das letzte Wort ist, sondern dass Jesus ihnen eine neue Erde und eine Existenz in alle Ewigkeit erworben hat und ihnen geben wird, dann, wenn er wiederkommen wird in den Wolken des Himmels. Das war die Hoffnung der Christen, eine Hoffnung, die sie stärkte zu fast übermenschlicher Geduld in schwerster Verfolgung. Und diese Einstellung hat enormen Eindruck gemacht auf viele Menschen, die das gesehen haben.
[1:00:31] Gott selbst sagt in Psalm 116, Vers 15: "Kostbar ist in den Augen des Herrn der Tod seiner Getreuen." 20 Jahre waren vergangen, dass Diokletian und Maximian jetzt gemeinsam regierten. Und es gab eine große Feier, die sogenannte Vicennalia in Rom. Und anlässlich dieser wurde dieses Edikt auch entsprechend ausgegeben. Und hat allerdings, wie wir gesehen haben, nicht viel im Sinne der beiden Kaiser gewirkt. Diokletian war auch ziemlich irritiert, weil die Römer ihn nicht als großen Herrscher begrüßten, sondern eher so als Magistraten und sehr auf eigene Autonomie bedacht waren. Übrigens ist am 17. November dann auch jener Romanus, der mit seinem unbedachten Handeln diese ganze Verfolgung ausgelöst hat, im Gefängnis gestorben.
[1:01:26] Im ersten Jahr noch 304 hat die offiziell sein neues Konsulat begonnen. Und was jetzt wichtig wird: Er hat sich auf der Reise eine kleine Krankheit eingefangen, auf die jetzt niemand so richtig erst einmal geachtet hatte. Derweil gab es Anfang 304 noch ein viertes Edikt, das allerdings nur im Osten galt, also in dem Gebiet von Galerius und von Diokletian. Und hier wurden jetzt alle Männer, egal wer, Männer, Frauen, Kinder, alle zum Opfern bezogen. Also ein Edikt wurde immer noch härter und noch schärfer. Die Schrauben wurden noch mehr angezogen.
[1:02:00] Es war enorm schwierig, treuer Christ zu bleiben und arbeiten nicht zu sterben. Christen waren bereit, der Regierung sich zu fügen. Das Neue Testament ist voll von Beispielen, dass wahre Christen den Obrigkeiten untertan sind. Zum Beispiel Titus 3, Vers 1: "Erinnere sie, dass sie sich den Regierenden und Obrigkeiten unterordnen und gehorsam sind zu jedem guten Werk." Bereits erklärte sich das eine reine, eine Religion, die fast 300 Jahre lang verboten war, nie wirklich konspirative Züge angenommen, nie gegen den Staat reguliert hat. Wann immer der Staat etwas gefordert hat, was gegen den Glauben war, galt das Prinzip, dass schon der Apostel Geschichte von Petrus formuliert worden war: "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen."
[1:02:44] Im Frühling 304 hatte Diokletian die Donau-Grenze erneut inspiziert, und seine Krankheit wurde immer schlimmer. Als er dann im August, Ende August Nicomedia erreichte, war schon so krank, dass er nur noch im Wagen reisen konnte. Im November hat er sich noch einmal öffentlich gezeigt, um den Zirkus neben dem Palast einzuweihen. Und dabei ist er zusammengebrochen. Katastrophe, ganz schlechte Presse für das Kaisertum. Und am 13. Dezember schien es schon so zu sein, als ob die Offiziellen gestorben sein. Die Nicomedia versank in Trauer. Und das Gerücht machte die Runde, der Kaiser könnte es vielleicht noch leben. Oder andere vermuteten, sein Tod werde einfach geheim gehalten, bis dann Galerius uns kommt.
[1:03:29] Allerdings hat die Opitz-Jahren diese schwere Krankheit überlebt. Am ersten März 305 hat er sich wieder öffentlich gezeigt, aber er war jetzt sichtlich geschwächt. Und die Frage war, wie es weitergehen sollte. Näheres war seit März 205 weder in Nicomedia. Und er begann jetzt sehr heftig auf den Diokletian einzureden. Was genau so besprochen haben, ist nicht ganz klar. Aber wir wissen, was folgte.
[1:03:55] Am ersten Mai 305 passiert etwas, was in der Antike Geschichte nicht so häufig passiert ist, nämlich Diokletian hat alle seine führenden Militärs zusammengenommen an den Ort, wo er 283, also 22 Jahre zuvor, zum Kaiser erhoben worden war. Und hat dort unter Tränen abgedankt. Heute glauben viele, dass das ganze sowieso von langer Hand geplant war, dass man sowieso schon vorher sich ab. Wir machen das so, 20 Jahre, dann kommen die nächsten dran. Ganz genau sicher kann man sich nicht sein. Vielleicht ist auch diese Konstruktion erst im Nachhinein erfunden worden, um diesen besonderen Moment irgendwie zu rechtfertigen. Aber das ganze Prinzip der Tetra, dieser vier Kaiser, musste neu geordnet werden.
[1:04:36] Und dazu hatte man sich folgendes überlegt: Die Offiziellen dankte nicht alleine ab, sondern mit ihm auch Maximian. Beide zusammen war jetzt sozusagen emeritierte Kaiser, wenn man so möchte. Das gab jetzt die Gelegenheit, dass Konstanz Chloros und Galerius zu den eigentlichen Hauptkaisern wurden. Und das war wahrscheinlich auch ganz besonders das, was Galerius post hatte und gewollt hatte. Konstanz Chloros und Galerius jetzt also Augustus II. Es brauchte also neue Caesares. Und wahrscheinlich hat sich Konstantin, der an diesem ersten Mai 305 dort anwesend war, die Nicomedia durchaus Chancen ausgerechnet. Er hatte sich in kleineren Missionen bewährt. Er war ja auch der Sohn von Konstanz Chloros. Aber er wurde nicht bedacht.
[1:05:23] Stattdessen wurden Maxentius und Valerius Severus zu neuen Caesaren. Wir waren die beiden Maximian. Daher war ein Neffe von Galerius und ein Mitglied der Leibwache. War noch sehr jung und sehr bewusst. War ein gewalttätiger Trinker, ein Soldat, der auch von Galerius gefördert worden war. Hier sieht man, wer wohl der Architekt der ganzen Sache war. Valerius hatte jetzt zwei von ihm abhängige Leute als Caesaren. Und war selbst Augustus. Also Konstanz Chloros war so ein bisschen isoliert.
[1:05:52] Wir lesen bei Eusebius, als Diokletian sein 20-jähriges Herrschaftsjubiläum vollendet hatte, legten beide Augustus die wie abgesprochen. Und hier hat man
[1:05:59] die wie abgesprochen und hier hat man diese Sicht ihr Amt nieder, wobei sie öffentlich erklärten, die Last der Geschäfte abstreifen zu wollen. Sie vereinbarten, das Kaisertum am selben Tag abzulegen. Der eine, Speziell in die Comedia, der andere, Maximian in Mailand, und wurden wieder einfache Bürger. Sie hoben ihre bisherigen Cäsaren, August die unteilte Herrschaft unter diesen, oft so bei dem Galeristen Osten mit dem Lyrikum dem Konstanz Jos, aber der Westen mit Afrika übertragen wurde.
[1:06:24] Und hier haben wir also noch einmal diese Karte. Konstanz hatte jetzt also nach wie vor Britannien und Gallien, wahrscheinlich auch Spanien, was hier noch in der alten Karte nicht eingezeichnet ist. Und der ist Severus, der neue Caesar. Dieser gewalttätige Trinker, der hat jetzt Italien und Afrika, vielleicht noch ein Teil hiervon Pannonien, dem heutigen, ja, in der heutigen Ungarn. Valerius war nach wie vor auf dem Balkan und in Griechenland und auch Kleinasien. Er hat also hier jetzt dieses ganze Gebiet gehabt und der Maximian, da ja, dieser junge, der war dann ganz im Osten.
[1:07:10] Konstantin ist geflohen. Er hat sich ganz schnell auf den Weg gemacht, denn er ahnte wahrscheinlich schon, dass das Ganze nicht so gut für ihn ausgehen könnte, bzw. zu seinem Vater. Man hat sich auf dem Weg nach Westen gemacht, hat dann mit seinem Vater Konstanz Chlor, den Kanal, den Ärmelkanal überquert und sie sind nach Britannien gegangen und zwar zum Hadrianswall. Dort gab es nördlich im heutigen Schottland die sogenannten Pikten, ein grimmiges Volk, sehr kämpferisch und die wurden dort besiegt.
[1:07:42] Und Konstantin war bei ihm und dann starb Konstanz Jos Chlor im Juli 306. Was haben die Truppen gemacht in York dort in Britannien? Die kümmerten sich gar nicht darum, ob es irgendwelche Pläne der Reichen gab, sondern sie taten das, was schon immer wieder in den Jahrzehnten zuvor geschehen ist, nämlich, dass die Truppen einen neuen Kaiser ausrufen und sie sahen keine bessere Wahl als eben jenen jungen Konstantin in York auszurufen.
[1:08:12] Hier so steht es in der Ricoh: "Constantin, sein Vater Konstanz Jos aber starb in Bochung nach einem Sieg über die Pikten und Konstantin wurde von allen Soldaten einstimmig zum Caesar erhoben." Plötzlich war er Kaiser und das trotzdem überhaupt gar nicht in dem eigentlich jetzt eingefahrenen System der Tetrarchen. Rief, wie würde das passen, würde er sich behaupten können, müsste er gegen die anderen kämpfen, würden sie akzeptieren? All das wollen wir das nächste Mal anschauen.
[1:08:40] In der zweiten Folge, wenn es heißt "Der Bürgerkrieg", werden wir sehen, wie die römische Geschichte weitergeht. Werden sehen, wie es mit der Verfolgung der Christenheit weitergeht und wir werden Konstantin besser kennenlernen. Bis dahin alles Gute und bis zum nächsten Mal.
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