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In dieser Folge von „Konstantin – Kaiser der Sonne“ wird die turbulente Zeit zwischen 306 und 311 n. Chr. beleuchtet, die von Machtkämpfen, politischen Intrigen und der Verfolgung der Christen geprägt war. Der Aufstieg Konstantins zum Kaiser, die komplexen Beziehungen zu anderen Herrschern wie Galerius und Maxentius sowie die brutale Christenverfolgung im Osten des Römischen Reiches werden detailliert dargestellt. Die Episode beleuchtet auch die Widerstandskraft und den Glauben der frühen Christen angesichts extremer Verfolgung.


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Serie: Konstantin - Kaiser der Sonne

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Transkript

[0:39] Plötzlich war er Kaiser. Die Truppen hatten ihn dazu ausgerufen. Doch was würden die Kollegen seines gerade verstorbenen Vaters dazu sagen? Herzlich willkommen zu Konstantin – Kaiser der Sonne. Heute mit der zweiten Folge: Die Märtyrer. Wir wollen uns eine besonders intensive Zeit in der Weltgeschichte, in der Geschichte des Christentums und auch im Leben von Konstantin gemeinsam anschauen.

[1:11] Wir haben das letzte Mal aufgehört im Juli 306 in York in Britannien. Dort ist Konstantin zum Kaiser ausgerufen worden, nachdem sein Vater Constantius Chlorus plötzlich verstorben war. Damit war die alte Tetrarchie, die zweite, die gerade erst ein Jahr zuvor entstanden war, schon wieder aufgesprengt. Damals waren ja Constantius als Augustus, als Hauptkaiser, aufgerückt. Jetzt war Constantius' Tod und die Frage stand im Raum: Würde Konstantin jetzt einfach sofort an dessen Stelle treten? Würde er als Augustus gelten? Das hat sich Konstantin so gedacht und entsprechend sich auch so genannt.

[2:02] Allerdings waren wohl auch die Truppen nicht völlig dieser Meinung. Denn interessanterweise sagt uns die anonym verfasste Origo Constantini: Sein Vater Constantius starb in Eboracum nach einem Sieg über die Franken. Und Konstantin wurde von allen Soldaten einstimmig zum Caesar ausgerufen. Es war also durchaus nicht so klar, ob er nun Caesar oder Augustus sein sollte. Für Konstantin war das erst mal ganz sonnenklar: Er wollte Augustus sein. Und so hat er sich auch bei Galerius, dem anderen noch verbliebenen Hauptkaiser, dem Augustus, vorgestellt.

[2:44] Der war natürlich, um es mal etwas salopp zu sagen, not amused. Der hat das nicht besonders gut gefunden, hat aber Konstantin als Herrscher, als Mit-Herrscher akzeptiert. Hat ihm auch entsprechenden Purpur gesandt. Der das purpurne Gewand war das Zeichen eigentlich aus alter grauer Vorzeit der Könige und jetzt in diesen Jahrhunderten das Zeichen der Kaiser. Es war nicht ohne Bedeutung, dass Galerius ihm den Purpur sandte. Er wollte ihm damit deutlich machen: Nicht die Truppen in York, sondern ich mache dich zum Kaiser. Du bist jetzt Teil der Diokletian- und Galerius-Herrschaft. Es hat ihn als Caesar berufen, nicht als Augustus.

[3:32] Entsprechend musste einer der anderen beiden Cäsaren jetzt aufrücken, und das war Severus, den wir letztes Mal schon kurz kennengelernt haben, diesen Trinker, der jetzt neben Galerius aufrückte auf das Amt des Augustus. Konstantin war jetzt also Caesar und hatte seinen Herrschaftsbereich in Britannien und in Gallien. Er war noch relativ unerfahren, war ganz frisch erst jetzt an der Herrschaft.

[4:08] Und jeder Herrscher hatte damals Lobredner, die am Hof sehr schwülstige Reden hielten. Bei Konstantin war am Anfang so ein bisschen das Problem: Er hatte noch gar nicht wirklich etwas geleistet. Was sollte man jetzt an ihm loben? Man merkt so ein bisschen an dieser Lobrede, dass der Redner etwas verzweifelt auf der Suche nach Dingen war, die man dem Konstantin lobend anhängen konnte. Das heißt hier: Die Tapferkeit jedes Herrschers deines Vaters hast du schon in deiner Jugend erreicht. Viele tausend Franken, die in die Länder diesseits des Rheins eingedrungen waren, hast du getötet, gefangen und vertrieben. Du aber hast allein durch die Furcht dem wankelmütigen Volk feste Bande angelegt.

[4:50] Sein Vater hat die dritte Mission: Länder von Tyrannen befreien. Du hast sie in den Adelsstand erhoben, indem du dort eine Herrschaft angetreten hast. Jene hat zahllose barbarische Banden durch Siege bezwungen und danach durch Milde zum Frieden gebracht. Die aber fehlt es sogar da, alle Feinde schon aus Furcht vor einer Tatkraft niedergehalten werden. Am bloßen Gegenstand für einen Sieg, ein reifes, schließlich ist so groß, dass du, obwohl dir dein Vater Ceterion vererbt hat, bescheiden mit dem Titel eines Caesar zufrieden warst, weil du darauf warten wolltest, dass jener Mann, also der Maximinian, der einst seinen Vater zum Augustus hob, auch dich mit diesem Rang bekleiden würde.

[5:31] Das war natürlich alles etwas gelobt und nicht so ganz war insbesondere, dass Konstantin so ganz bescheiden allein mit dem Caesar-Titel zufrieden gewesen ist. Aber Lobredner hat nämlich die Aufgabe, die Dinge wahrhaftig darzustellen. Eine Sache hat aber Konstantin gleich sofort umgesetzt, und das ist wichtig für unser Thema: Er hat nämlich das Christentum sehr gut behandelt. Sobald er Kaiser gewesen ist, in seinem Herrschaftsbereich hat er dort, wo er die Verantwortung trug, in Gallien und in Britannien, das Christentum toleriert und damit die Verfolgung der Christen auf seinem Gebiet beendet.

[6:16] Und schon Constantius Chlorus hatte ja, wie wir letztes Mal gesehen haben, nur das erste der vier Edikte durchgesetzt, also die Zerstörung von Kirchen und die Einsammlung von Gütern. Die späteren, schwereren Verordnungen wurden dort im äußersten Westen nicht durchgesetzt. Aber Konstantin hat auch diese Verordnung, diese diese erste Edikte zurückgenommen und auch allen Christen ihre konfiszierten Güter wieder zurückgegeben. Damit waren Christen unter seinem Herrschaftsbereich jetzt wieder ganz freie Menschen.

[6:50] Währenddessen hat sich Galerius Feinde gemacht, indem er die fiskalische Schraube noch mehr angezogen hat. Er hat große Städte, die bisher steuerfrei gewesen waren, das gröbste Steuersystem war nämlich durchaus auch ein bisschen willkürlich, es gab viele Privilegien und große Städte hatten oft solche Privilegien. Galerius wollte damit ein Ende machen. Er wollte von überall so viel Steuern wie möglich abschöpfen und hat die großen Städte des Ostens auf die Steuerlisten gesetzt. Das hat natürlich zu großen Protesten geführt, massive Proteste, die er dann mit brutaler Gewalt niederschlagen ließ, was zu Exekutionen geführt hat.

[7:32] Er hat es sogar dazu verstiegen, die Stadt Rom selbst besteuern zu wollen. Das war ein absoluter Schock für die Römer. Die waren es gewohnt, dass überall sonst Steuern aufgetrieben worden sind, damit es in Rom genügend Getreide gibt, denn Rom war ja die Herren der Welt und keine Dienerin. Seit Jahrhunderten war das eine völlig unvorstellbare Idee, dass in Rom selbst Steuern gezahlt werden sollten.

[7:57] Als jetzt die Steuereintreiber vor den Toren Roms erschienen waren, die Römer außer sich. Sie wussten gar nicht, was in diesem Galerius gefahren war. Und es war kein Wunder, dass jemand diese Gelegenheit nutzte zum Putsch. Sein Name war Maxentius. Es war der Sohn von Maximian, der gerade erst vor kurzem als Augustus zurückgetreten war. Maxentius hielt sich ohnehin in der Nähe von Rom auf und nutzt jetzt die Gelegenheit der römischen Unzufriedenheit zum Putsch.

[8:34] Er wollte ganz bewusst an die alten römischen, an die Stadt römischen Tradition anknüpfen. Rom war in der Vergangenheit, in der jüngsten Vergangenheit, etwas in Vergessenheit geraten, politisch, kulturell, was immer. Noch das Zentrum, aber die Kaiser residierten schon seit langem nicht mehr in Rom, geschweige denn, dass irgendjemand von den Kaisern aus Rom gekommen wäre. Maxentius wollte das ein bisschen umkrempeln, nannte sich bewusst Maxentius, in Anlehnung an den ersten großen Kaiser, an Octavian Augustus. Und er verfolgt eine ganz betont stadtrömische Politik.

[9:09] Auch Maxentius hat das Christentum, sobald er an der Macht war, toleriert und die Verfolgung gestoppt. Damit war jetzt der ganze Westen des römischen Reiches frei von Christenverfolgung. Allerdings hat Maxentius nicht die konfiszierten Güter wieder zurückgegeben, wie Konstantin in seinem Bereich, sondern die Kirchen in Italien zum Beispiel, wo er sein Gebiet gewesen ist, hatten dadurch doch einen relativ hohen materiellen Schaden, der aus der Verfolgung entstanden ist.

[9:41] Diese Verfolgung war im Osten natürlich weiterhin ganz intensiv präsent. Sie war ja ohnehin schon seit den Tagen von Galerius und den Diokletianern im Osten sehr viel schärfer und stärker gewesen. Und Galerius, der immer dort herrschte, war ein großer Fanatiker und Feind der Christen gewesen. Und Maximinus Daia, der Caesar, lag ganz im Osten, regierte hat diese Verfolgung dann sogar noch forciert.

[10:08] Er hat die Steuerlisten benutzt, die Galerius gerade aufgestellt hatte, um die Städte zu besteuern, um so mit systematisch die Christen überall an allen Orten aufspüren zu können. Also eine ziemlich systematisch versucht, das Christentum auszurotten. Maximinus Daia hat auch Überlegungen angestellt, warum das Christentum bis dahin so erfolgreich gewesen ist. Und er hat festgestellt, dass das unter anderem auch an der Struktur der Kirche lag.

[10:38] Es gab nämlich eine ganz feste, durchaus hierarchische Organisation. Und Maximinus Daia hat versucht, das Ganze zu kopieren und eine solche hierarchische, quasi Kirchenstruktur für das Heidentum aufzubauen, um diesem gut organisierten Christentum etwas entgegenzusetzen.

[10:59] Die Idee, dass das Christentum organisiert war und eine Einheit bildete, kommt ja aus der Bibel selbst. In der Epheser 4 steht: Ein Leib und ein Geist, wie auch berufen sei zu einer Hoffnung eurer Berufung. Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und ein Vater aller, über allen und durch alle und in euch allen. Ein Leib. Das ist ein lieblicher christlicher Sprache, die Idee für eine Gemeinde, eine organisierte Gemeinde. Und Christus und diese organisierte Gemeinde, verschiedene Gaben, verschiedene Ämter, verschiedene Aufgaben, wie hier weiter im Epheser 4 zu finden ist.

[11:38] Und er hat Postel gegeben, etliche als Propheten, etliche als Evangelisten, etliche als Hirten und Lehrer zur Zurüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes des Christus. Das ist, wie gesagt, die Gemeinde, die Kirche, bis wir alle zur Einheit des Glaubens und Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zur vollkommenen Mannesreife, zum Maß der vollen Größe des Christus.

[12:04] Die Christen jeder Tage hatten sich sehr daran gehalten, Einheit zu bewahren. Das war nicht immer in jedem einzelnen Fall gelungen. Wir werden später in dieser Serie auch noch auf manches einigen, aber im Großen und Ganzen war die Christenheit gut organisiert und daher in der Lage, auch den schwersten Verfolgungen zu trotzen.

[12:25] Organisation und hierarchische Struktur waren für die frühen Christen kein Widerspruch zum erfüllt sein mit dem Heiligen Geist und zum persönlichen Glauben an den Erlöser Jesus Christus.

[12:35] Diese Verfolgung, die jetzt auch unter Maximinus Daia und Galerius sich ergoss, war furchtbar. Es gab eine Vielzahl an Todesopfern. Wir werden im Laufe dieses Themas noch einige Geschichten kurz hervorheben, die insbesondere Eusebius in Cäsarea in Palästina erlebt hat und aufgeschrieben hat.

[13:02] Die Christen konnten erst fassen aus den Worten der Bergpredigt. Jesus hatte ihnen gesagt: "Glückselig sind die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihrer ist das Reich der Himmel. Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und lügnerisch jegliches böse Wort wegen euch reden um meinetwillen. Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß im Himmel. Denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch gewesen sind."

[13:26] Diese Christen waren nicht die ersten Gläubigen, die aufgrund ihrer Überzeugung, dass Gott sie liebt und sie erlöst und sie deswegen ihm allein treu sein wollen, aufgrund der Überzeugung verfolgt worden sind. Sie waren auch leider nicht die letzten. Das Thema Christenverfolgung ist ein Thema, das in unsere heutige Zeit aktuell ist.

[13:50] Die Christen damals hatten in den Schriften des Alten und des Neuen Testaments viel Trost und die Gelegenheit, sich dort zu stärken. Sie lasen vor allem von Jesus Christus selbst, der ebenfalls verfolgt worden ist, der durch römische Soldaten an ein Kreuz genagelt worden ist. Und von dem es heißt hier in 1. Petrus 2, Vers 23: "Als er geschmäht wurde, schmähte er nicht wieder. Als er litt, drohte er nicht, sondern übergab es dem, der gerecht richtet."

[14:26] Jesus hat sich an seine eigenen Worte, die andere Wange hinzuhalten, gehalten, auch dann, als es sehr übel um ihn stand, als er angeklagt wurde, als er ausgepeitscht wurde, als er angestoppt worden ist, ja, als Jesus zum Tod verurteilt worden ist und einen grausamen und schmerzhaften Tod gestorben ist.

[14:52] Wenn wir Lukas 23 lesen, wie er seine Worte: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Am Kreuz von Golgatha offenbarte sich eine Liebe selbst für die Feinde, die ganz außergewöhnlich ist und in dieser Form absolut einzigartig. Eine Liebe, die auch 300 Jahre knapp später die Menschen davon lassen, daran glaubten, in ihren Bann zog. Eine Liebe, die sie erfüllte und die sie dazu befähigte, ähnliche Worte und eine ähnliche Geisteshaltung an den Tag zu legen.

[15:40] In Offenbarung 12, Vers 11 heißt es: "Und sie haben ihn, das ist der Satan, der Teufel, überwunden um des Blutes des Lammes, also um das, was Jesus am Kreuz für den Menschen getan hat, und des Wortes ihres Zeugnisses willen. Und sie haben ihr Leben nicht geliebt bis in den Tod."

[16:01] Jene Gläubigen dieser Zeit, die mehr Türen und Märtyrer kommt vom griechischen Wort für Zeugnis geben. Sie waren ein Zeugnis für alle um sie herum, dass die Liebe Gottes für sie so wichtig war, solch eine Freude und Kraft ihnen gehabt, dass sie nicht einmal bereit waren, wenn es, wenn sie dem Tod ins andere Gesicht schauten, nicht einmal dann bereit waren, sich von Gott zu trennen.

[16:30] In demselben Buch der Offenbarung war prophetisch vorhergesagt worden, dass es eine solche schwere Verfolgung geben würde. Wir haben schon letzte Folge kurz das notiert, und Offenbarung 2, Vers 10 heißt es: "Fürchte nichts von dem, was du erleiden wirst. Siehe, der Teufel wird etliche von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr geprüft werdet, und ihr werdet Drangsal haben zehn Tage lang. Sei treu bis in den Tod, werde ich dir die Krone des Lebens geben."

[16:58] Die Offenbarung ist eines der prophetischen Bücher der Bibel, wo also Weissagungen, Vorhersagen für die Zukunft getroffen werden. Und ein Schlüssel, um solche Zeitprophezeiungen zu verstehen, findet sich im Alten Testament in Ezechiel 46, wo es heißt: "Je einen Tag will ich dir für ein Jahr auferlegen." Also zehn Tage würden dann also zehn Jahren entsprechen.

[17:28] Weil das Christentum im Westen zumindestens jetzt wieder toleriert war, konnte auch die Kirche in Rom einen neuen Bischof wählen. Und dabei zeigte sich, dass es unter den Christen zwei Gruppen gab. Diejenigen der Meinung waren, dass man all diejenigen, die in der Verfolgungszeit schwach geworden waren, Schriften übergeben hatten, vielleicht den Glauben aufgegeben hatten, dass man die nie wieder in die Gemeinschaft der Christen aufnehmen sollte. Andere waren der Meinung, man sollte das durchaus tun, man sollte ihnen vergeben.

[18:06] Der neue Bischof von Rom, der neue Gemeindeleiter, war Makellos. Von der Sorte und hat alle Zeugnisse von seinem Vorgänger, von dem wir letztes Mal gesehen haben, dass er sogar Bibeln ausgeliefert hatte, verband das hatte zur Empörung in der Kirche geführt. Und es gab jetzt, obwohl die Verfolgung vorbei war, einen Streit in der römischen Kirche, der sogar blutig auf den Straßen Roms ausgetragen worden ist. So schlimm, es hat Tote gefordert, dass dann Maxentius, der heidnische Kaiser, den neuen römischen Gemeindeleiter aus Rom verbannen musste.

[18:44] Januar 307 hat Maxentius neue Konsul ernannt. Und zwar interessanterweise hat er den Maximian bestätigt und auch den Galerius an Land. Allerdings anstelle des vorgesehenen Severus war, wie wir gesehen haben, der eigentliche Augustus für den Westen. Und mit dem war natürlich Maxentius als derjenige, der sich an die Macht geputscht hatte in Rom, im Widerstreit.

[19:18] In dem allerdings Galerius als Konsul ernannt hat, hat er offensichtlich versucht, doch irgendwie Teil dieser Therapie zu werden. Währenddessen war Konstantin in Gallien und hat als Caesar dort die Grenzen gesichert, hat einige Militäraktionen gegen die Franken durchgeführt. Wie wichtig die gewesen sind, ist zum Teil umstritten. Wir wissen allerdings, dass er zwei Anführer, Carrick und Miraculus, gefangen genommen hat und in Trier den Tieren hat vorwerfen lassen.

[19:51] In dieser Zeit hat er sich auf seinen Münzen immer wieder mit dem Kriegsgott Mars abbilden lassen, wollte also irgendwie einen besonders kämpferischen und militärischen Eindruck hinterlassen.

[20:05] Währenddessen hat Severus jetzt genug gehabt von dem Putsch in Rom und wollte gegen Rom ziehen, um jetzt in seinem Herrschaftsbereich wieder für Ordnung zu sorgen. Er hat allerdings wenig Rückhalt in der Armee. Das lag daran, dass viele seiner Soldaten unter Maximian gedient hatten, dort im Westen und jetzt wenig Lust gegen dessen Sohn Max Krieg zu führen.

[20:27] Derweil ging die Verfolgung der Christen im Osten unvermindert weiter. Am 20. November 306 war der Geburtstag von Maximian Daia gewesen und hatte eine große Veranstaltung in der Arena geplant. Ein Christ namens Agius wurde gemeinsam mit einem Mörder in die Arena gebracht.

[20:53] Maximian hat dann als wilder Kaiser den Mörder begnügt und auch dem Christen Agius die Gelegenheit gegeben, frei zu kommen, wenn er bereit sei, sich von Gott loszusagen. Dann gab es das abgelehnt, und so wurde er einem Bären vorgeworfen, der ihn übel zerfleischt. Allerdings ist Agius nicht gestorben. Er hat diesen schweren Kampf mit dem Bären überlebt. So hat man ihn am nächsten Tag in das Meer geworfen mit Steinen an den Füßen.

[21:35] Es war im Anfang des Jahres 307, dass Maxentius auf eine interessante Idee kam, nämlich seinen Vater Maximian, der abgedankt hatte, oder vielleicht könnte man auch sagen, abgedankt wurde, wieder einzuladen, ebenfalls Kaiser zu werden, und zwar Augustus. Der Vater Maximians war hellauf begeistert und nahm das Angebot sofort an.

[21:55] Und dadurch wurde es jetzt noch unübersichtlicher, denn jetzt gab es zwei reguläre Augusti, nämlich Galerius und Severus, und zwei, die eigentlich jetzt sich selbst an die Macht geputscht hatten, nämlich Maximian und Maxentius, plus die beiden Cäsaren Maximian Daia und Konstantin.

[22:16] Severus wollte dem ganz natürlich jetzt ein Ende machen und war mit seiner Armee nach Rom gezogen. Aber wie schon erwähnt, waren viele Soldaten eher bereit für Max zu kämpfen als für Severus und haben entsprechend Severus desertiert, sind übergelaufen.

[22:34] Zumal Severus, der Augustus, musste am Ende sogar fliehen. Ist nach Ravenna gegangen, eine Stadt, die eigentlich uneinnehmbar war, weil nämlich im Osten das Meer war und im Westen Sümpfe, die man schwer nur hat durchqueren konnte.

[22:50] Maximinus Daia, der gerade jetzt wieder neu Kaiser geworden war, hat sich nach Ravenna aufgemacht und hat Severus aus der Stadt gelockt, möglicherweise mit ein paar Versprechungen, die er dann prompt nicht gehalten hat und ihn gefangen gesetzt hat. Und sehr bewusst amtierende Kaiser wurde jetzt eingekerkert.

[23:09] Trifft aber eine weitere Geschichte aus Cäsarea: Die Geschichte von der Jungfrau Theodosia. Sie wurde gefangen genommen, weil sie sich während eines Gerichtsverfahrens mit angeklagten Christen unterhalten hatte. Da waren also Christen, die wurden ihres Glaubens wegen angeklagt, waren vielleicht kurz davor, Märtyrer zu werden. Und diese Theodosia war keine Gläubige und hat mit den Christen gesprochen.

[23:35] Und man hat Verdacht geschöpft, man hat sie aufgefordert, das war immer die Testfrage, dann hat sie aufgefordert zu opfern, und da hat sie sich geweigert, die Wahl so. Christin. Und dann hat sie dann gefoltert, und zwar schlimm gefoltert. Dabei hat sie, so die Berichte, eine solche Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit gezeigt, dass der Stadtpräfekt Banus außer sich geraten ist und nicht verstehen konnte, wie eine junge Frau unter Qualen solch einen Frieden im Herzen haben konnte.

[24:12] Man hat sie dann kurzerhand ins Meer geworfen, wo sie gestorben ist. In ihrer Geschichte kann man die Erfüllung dieses Bibelvers sehen, wo es heißt: "Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen, eure Gedanken bewahren in Christus Jesus."

[24:37] hat dann verärgert durch den Angriff von Severus und die Tatsache, dass natürlich diese Angriffe Severus von Galerius auch unterstützt gewesen ist, das Konsulat von Galerius und Maximinus da ja annulliert. Und das bedeutet natürlich einen offenen Bruch. Auch Konstantin hat zu diesem Zeitpunkt eigene Konsuln in Gallien ernannt, was zumindest mal diplomatisch ausdrücken sollte, dass er durchaus mit Maximinus sympathisierte. Regulär war das ganze natürlich unannehmbar. Er hatte zuerst noch zu tun an der Donaufront, wo er selbst seinen Herrschaftsbereich hatte. Nachdem er dann über die Salaten gesiegt hatte, war er endlich frei, um die Sache mit Maximinus selbst in die Hand zu nehmen. Es war jetzt eine regelrechte Bürgerkrieg sozusagen, in dem wir uns gefunden haben. Er wollte jetzt Rom angreifen, um Maximinus zu vertreiben.

[25:39] In der Zeit hat Konstantin sich jetzt ganz offen auf die Seite von Licinius und Maximinus gestellt. Ein Bündnis mit den beiden war natürlich durchaus riskant, weil er dadurch gegenüber Galerius seinen Anspruch verlieren würde. Und die Bedingung war ganz interessant, denn er wollte, dass auch Maximinus ihn zum Augustus erhebt. Er war nicht zufrieden damit, nur Caesar zu sein. Und so hat Augustus Maximinus das auch tatsächlich entgegenkommend getan. Maximinus selbst sollte allerdings der höhergestellte Augustus von den beiden sein. Das ganze dieses Bündnis wurde dann noch besiegelt, wie das damals häufig so war, durch eine Hochzeit. Maximinus kam nach Trier, wo Konstantin gerade residierte und überhaupt residierte und brachte seine Tochter Fausta mit. Fausta war die Tochter von Maximinus und die Schwester des Maximinus und sie wurde jetzt die neue Frau von Konstantin. Ja, die neue Frau.

[26:47] Fausta war zuvor bereits einmal verheiratet gewesen mit Minervina. Und Minervina hat ihm bereits einen Sohn geboren, den Crispus. Nicht ganz genau, wie alt der zu dem Zeitpunkt war. Minervina war wohl nachweislich einiger Quellen gestorben. Und so hatte Konstantin jetzt diese Gelegenheit, eine neue Frau zu heiraten. Und mit dieser Hochzeit sollte das Bündnis zwischen ihm und Maximinus und Maximinus bekräftigt werden. Die Hochzeit fand in Trier statt und so sah die Situation jetzt aus. Immer noch komplizierter. Wir hatten also jetzt mittlerweile fünf Augusti, einer ganz regulär, den Galerius. Der zweite reguläre Severus war eingekerkert, zwar offiziell über Kaiser im Reich, aber war ein ein gesperrter Gefangener. Und dann drei, die eigentlich irregulär jetzt Augustus waren: Maximinus, Maximilian und Konstantin. Der hätte ja regulär Caesar sein können, hat sich jetzt mit den anderen beiden verbündet. Und als einziger, der nicht Augustus war, hatten wir Maximinus, der im Osten immer noch Caesar, aber durchaus auch diese Ambition schon hegte.

[28:07] Galerius hat das natürlich jetzt nicht mehr hingenommen und hat Konstantin nicht mehr als rechtmäßigen Kaiser angesehen. Es gab jetzt also zwei Fronten. Auf der einen Seite Galerius und Maximinus. Der Severus war ja jetzt eigentlich außer Gefecht gesetzt. Auf der anderen Seite Maximinus und Maxentius in Rom und Konstantin und Galerius. Galerius hat dafür gesorgt, dass im Osten der Konstantin auf den offiziellen Münzen nicht mehr abgebildet gewesen ist. Und so jetzt selbst nach Rom, was Severus nicht geschafft hatte, wollte Galerius tun. Er wollte Rom zurückgewinnen für das Reich und dort für Recht und Ordnung sorgen. Und als er in Rom ankam, war er völlig geschockt. Die Stadt war viel größer, als es sich in seinen kühnsten Träumen ausgemalt hätte. Denn Galerius war, obwohl er Kaiser des römischen Reiches war, noch niemals in oder um Rom gewesen. Das allein zeigt, wie sehr die Kaiser sich eigentlich von Rom entfernt hatten. Die waren ja oft an der Peripherie, an der Grenze, an den Grenzgebieten, dort, wo die Soldaten stationiert waren. Die meisten ja und dann am Rhein und an der Donau. Hätten gesehen, die meisten Kaiser kamen aus dem Balkan. Viele von ihnen hatten niemals Italien betreten, geschweige denn Rom gesehen. Und als Galerius vor dieser ewigen Stadt stand, war er völlig außer sich und wusste gar nicht, wie er diese Stadt erobern sollte. Er drohte zwar martialisch, dass er die ganze Bevölkerung von Rom auslöschen würde, aber das hat nicht viel gebracht.

[29:44] Stattdessen war es so, wie auch schon bei Maxentius, dass etliche Soldaten zu Maxentius übergingen. Und hätte er, also Galerius, nicht einen wirklich klugen Mann an seiner Seite gehabt, den Licinius, dann wären wahrscheinlich die meisten seiner Truppen verloren gegangen. Aber dieser Licinius hat doch ein, die Mehrheit der Soldaten überzeugt, bei Galerius zu bleiben. Galerius musste abziehen und fürchtete der Dinge, hat dann aus lauter Wut in ganz Norditalien verwüstet oder in Schutt und Asche gelegt. Auch das interessant für einen Kaiser, dass er sein eigenes Reich so in Mitleidenschaft gezogen. Und im Zuge dieser Belagerung entschied man sich in Rom auch, den bisher eingekerkerten Severus, den anderen regulären Augustus, einfach kurzerhand umzubringen. Dass Rom selbst im Zuge dieses Bürgerkrieges plötzlich in Gefahr geraten war, auch eine völlig neuartige Erfahrung. Etwas derartiges hatte man vielleicht das letzte Mal zur Zeit Hannibals vor Jahrhunderten erlebt.

[30:49] Am 5. November ergingen weitere Urteile, die wir hier einfach beispielhaft herausgreifen wollen. Man könnte Stunden wahrscheinlich erzählen, wüsste man alles, was geschehen ist damals im Osten des Reiches. An jenem 5. November 307 ergingen folgende Urteile: Ein Christ wurde lebendig verbrannt. Drei Jugendliche wurden dazu verurteilt, als Gladiatorenkämpfer zu kämpfen. Sie müssten ein Priester wurde den Tieren vorgeworfen. Viele andere wurden in die Minen geschickt. Einige junge Männer wurden kastriert und drei Mädchen in einem Bordell abgeschoben. Man sieht daran, dass die Verfolgung der Christen sehr viele Facetten kannte und viele verschiedene Grausamkeiten angewandt wurden, um die Christen einzuschüchtern und zu terrorisieren. Wie gesagt, im Westen war all das schon vorbei, aber gerade in Afrika, das ja auch zum Westen gehörte, war die Verfolgung zuvor sehr intensiv gewesen. Und auch hier gab es dasselbe Problem wie in Rom. Es hatte einige Christen gegeben, die schwach geworden waren, die gefallen waren, die ihren Glauben aufgegeben hatten, nur das verleugnet hatten und die jetzt wieder Christen sein wollten. Und auch hier gab es jetzt zwei Gruppierungen. Die einen, die bereit waren, diese gefallenen Christen wieder aufzunehmen, die Gemeinde. Und andere, die das überhaupt nicht gut fanden.

[32:26] Um 307/308 gab es ein erstes Konzil, eine Zusammenkunft von verschiedenen Delegierten in Karthago, wo Delegierte der afrikanischen Kirchen um diese Frage zu diskutieren. Eine Frage, die uns auch noch beschäftigen wird in dieser Serie. Die Bibel war bei diesem Thema eigentlich sehr klar. In Jakobus 5 heißt es und dort Vers 19 und 20: "Bruder, wenn jemand unter euch von der Wahrheit abirrt und es führt einer zur Umkehr, so soll er wissen, wer einen Sünder von seinem Weg zur Umkehr führt, der wird eine Seele vom Tod erretten und eine Menge Sünden zudecken." Die Bibel macht deutlich, dass selbst wenn sie gefallen sind und wir Buße tun, es uns leid tut, wir Gott um Vergebung bitten, wir wieder zu ihm zurückkommen können. Denn die Bibel sagt: "Der Gerechte fällt siebenmal und steht wieder auf, aber die Gottlosen stürzen nieder im Unglück." Auf der anderen Seite macht die Bibel aber auch deutlich, dass das Ganze mit echter Reue einhergehen muss. Wer seine Schuld verheimlicht, den wird es nicht gelingen. Wer sie aber bekennt, lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen.

[33:32] Vermutlich haben viele der Rigorosen Angst davor gehabt, dass jetzt Sünder in die Gemeinde der Kirche zurückkommen, ohne es wirklich bereut zu haben. Und so gab es dort verschiedene Sichtweisen, die jetzt eine echte Spannung heraufbeschworen.

[33:53] Galerius hat im Jahre 308 dann durchgesetzt, dass der schon längst abgedankte Diokletian wieder Konsul wurde. Und das hat damit zu tun, dass Galerius merkte, er sitzt der ganzen Lage nicht Herr. Er hat sich an die Opposition gewandt, um Rat, wen er denn als neuen Kaiser benennen sollte. Severus war ja tot. Übrigens starb in dieser Zeit am 16. Januar 308 auch der Bischof von Rom, der von Maximinus ins Exil geschickt worden war, Marcellus. Und damit war die Gemeinde in Rom wieder ohne Führung. Noch eine Geschichte aus der Verfolgung der Christen im Osten. Im Frühjahr 308 wurden 97 Christen dazu verurteilt, in die Minen geschickt zu werden. Und das an sich ist schon eine schlimme Sache, wenn man vielleicht auch gar nicht die Konstitution der Zusatzschwere Bergbau arbeitsreichsten. Aber dann hat es diesen Christen noch so viel schwerer gemacht. Bevor sie dorthin geschickt wurden, wurden die Sehnen ihrer linken Knöchel mit heißen Eisen zerstört, dass sie nicht richtig laufen konnten. Und dann wurde ihr rechtes Auge ausgestochen und die Augenhöhlen mit Feuer versenkt. Und so wurden sie dann in die Minen gesandt.

[35:23] Kurze Zeit später wurden wiederum drei Jugendliche dort ins Cäsarea. Das ist der Ort, wo wir die Geschichten her kennen aus den Beschreibungen von Babys. Drei Jugendliche zu Gladiatorenkämpfen verurteilt. Und viele andere Christen, die sich getroffen hatten, um die Bibel gemeinsam zu lesen und dabei ertappt worden waren, die verloren jetzt ihre Augen und ihre Füße. Und das sind, wie gesagt, nur Geschichten aus Syrien. Hätten wir mehr Berichte aus anderen Städten, wir würden immer und immer wieder dasselbe Bild finden.

[36:02] Im April 308, da ist eigentlich so aus, als ob die Koalition von Maximinus, Maxentius und Konstantin durchaus sich behaupten könnte. Aber dann gab es interne Probleme und das lag an der Vater-Sohn-Beziehung zwischen Maximinus und Maxentius. Maxentius hat er den Vater zurückgeholt und fühlte sich dem Vater überlegen. Und das hat Maximinus gar nicht gut aufgenommen. Er war neidisch auf seinen Sohn und wollte ihn öffentlich absetzen. Er dazu eine große Versammlung in Rom einberufen, hat erst einmal allgemein darüber gesprochen, wie schlimm alles steht und welche Missstände alles zu beseitigen sind, um dann zur Überraschung aller den Finger auf seinen eigenen Sohn zu richten und zu sagen: "Dieser Sohn, Maxentius, ist an allem schuld. Er muss abgesetzt werden." Wenn sie hat geahnt, dass das nicht gut ausgehen könnte, ist mit einem Sprung vom Podium in die Soldatenmenge dem Zorn des Maximinus entflohen und konnte dann feststellen, dass die Soldaten viel mehr zählen als zu Maximinus. Das hat natürlich Maximinus gar nicht erwartet. Er musste jetzt wider Erwarten fliehen und Max saß noch fest im Sattel.

[37:18] In der Zeit am 18. April, gerade zu der Zeit, als Maximinus dann geflohen ist, hat Maxentius einen neuen Bischof, einen neuen Leiter der römischen Kirche wählen lassen. Immer noch waren die Christen gespalten. Diese Frage, wie man mit den sogenannten Lapsi, denen, die gefallen waren, den Sündern in der Gemeinde, umgehen sollte, spaltete die römische Kirche tief. Es gab zwei Vertreter: Einmal einen neuen Ebus, der war für die Moderaten, für diejenigen, wo man die Sünder zurückgewähren lassen wollte. Und es gab den Herakles, der stand für die Rigorosen. Gewählt wurde Ebus, aber das haben die Rigorosen nicht anerkannt, denn sie fürchteten um die Reinheit der Gemeinde. Und so gab es erneut, gab es erneut Aufstände in Rom und Max hat ziemlich entnervt beide.

[38:13] Maxentius und Heraklius verband der geflohene Max kam nach Trier, wo er sich jetzt bei Konstantin aufhielt, der ja sein Schwiegersohn gewesen ist. Der Streit zwischen Vater und Sohn hatte aber noch andere unangenehme Folgen in Nordafrika, wo die Kornkammer des römischen Reiches war und das afrikanische Getreide war lebensnotwendig für Rom. Dort war Maximinus sehr beliebt und als der sich mit Max gestritten hatte, war man über den in Nordafrika sehr verärgert und rief einen Gegenkaiser aus, einen gewissen Domitius Alexander. Und somit hatten wir plötzlich wieder eine neue Konstellation. Jetzt gab es schon vier Augusti, die irregulär waren, neben dem regulären Galerius, wobei Maxentius, Maximilian und Verzeihung, Maximinus, Konstantin und Alexander so mehr oder weniger zusammenhielten gegen Maxentius. Und diese vier wieder gemeinsam oder weniger gemeinsam gegen Galerius. Zumindestens wissen wir aus der Propaganda von Alexander, dass Konstantin wohl anerkannt hatte.

[39:39] Noch eine Geschichte aus dem Osten. Am 25. Juli 308 wurden zwei junge Frauen, die in Atta und die Valentina, öffentlich zerfleischt und lebendig verbrannt. Am selben Tag gab es einen Paulus, der geköpft wurde. Kurze Zeit später kamen noch 130 Christen aus Ägypten in Cäsarea an. Sie waren gekommen, um den Christen in Cäsarea Mut zuzusprechen. Als sie ergriffen wurden, wurden sie allesamt verstümmelt und in die Verbannung geschickt. Danach nahmen die Verfolgungen für eine kurze Zeit, ungefähr ein Jahr, an Intensität etwas ab. Die Gefahr war allerdings allgegenwärtig. Im Sommer 308 war Galerius an der unteren Donau beschäftigt, über die Kathi zu siegen, von denen dann auch die Kathi ihren Namen erhalten haben. Und der römische Bischof Ebus, der ja gerade auch wieder ins Exil gesteckt worden war, starb im Oktober, am 21. Oktober. Und damit war wiederum die Leitung der römischen Kirche unklar.

[41:04] Am 11. November kam es dann zu einer sehr wichtigen Zusammenkunft, der sogenannten Kaiser-Konferenz in Carnuntum, im heutigen Ostösterreich, östlich von Wien, an der heutigen österreichischen und slowakischen Grenze. Man hat dort dem Diokletian, der anwesend war, angetragen, doch bitte wieder Kaiser zu werden, um dieses Chaos im Reich zu beenden. Und die Antwort von Diokletian ist legendär. Als man ihn wirklich bettelte und bat, doch wieder Augustus zu werden, sagt er: "Kommt doch zu mir zu meinem Alter, sitzt nach seiner und schaut euch mal den Kohl an, den ich dort anbaue. Ist so ein wunderbarer, schöner Kohl. Wenn ihr diesen Kohl sehen würdet, würdet ihr niemals von mir verlangen, nochmal Kaiser werden zu wollen." Also Diokletian wollte lieber Gemüsebauer sein als Kaiser im römischen Reich.

[42:05] Und so musste man nach einer anderen Lösung Ausschau halten. Es war allerdings die Offiziellen, die jetzt noch einmal durchgehen. Unter anderem entschied er, dass Maximinus, der ja 305 gemeinsam mit ihm abgedankt hatte, wohl auf Zwang von Diokletian, wieder gezwungen wurde, dass dieser Maximinus jetzt wieder abdanken sollte. So gab es also einen schon mal weniger. Und da Maxentius überhaupt gar nicht anerkannt war, war die Frage, wer jetzt als zweiter Augustus eingesetzt werden würde. Konstantin machte sich Hoffnung, aber wurde enttäuscht. Auch Maximinus machte sich Hoffnung. Er war ja bisher immer loyal zu Galerius gewesen und hatte gehofft, jetzt aufsteigen zu können. Aber auch er wurde enttäuscht. Stattdessen zauberte man einen anderen aus dem Hut, nämlich Licinius.

[43:05] Licinius, der dafür gesorgt hatte, dass Galerius vor Rom nicht seine gesamte Armee verloren hatte. Und Konstantin wurde auf dieser Konferenz zwar akzeptiert, aber wieder degradiert vom Augustus zum Caesar. Damit war er allerdings wieder ein regulärer Kaiser. Und nur Maxentius in Rom und der Alexander in Nordafrika, die beide miteinander auch noch im Streit lagen, weil Alexander das Getreide von Rom fernhielt. Nur die beiden waren jetzt noch ihre regulären Kaiser in diesem System. Wer war eigentlich dieser Licinius? War wohl von bäuerlicher Abstammung aus Dacia, das heißt aus dem heutigen Rumänien. Er war ein Freund des Galerius, hat ihn ja, wie gesagt, in Rom begleitet. War vorher auch Botschafter in Rom gewesen. Er war also gut geeignet, dort im Westen Fuß zu fassen. Er kannte die Verhältnisse, kannte auch Rom und war genau der geeignete Kandidat, um möglicherweise doch das Problem mit Maxentius in Rom lösen zu können.

[44:13] Was auch noch interessant ist an dieser Kaiser-Konferenz in Carnuntum ist eine Inschrift, die man dort gefunden hat. In der wir hier folgendes lesen können: Ganz oben finden wir dieses D und dann dieses S, dieses M. Und das heißt: "Deo Soli Invictus". Mit drei, also dem Gott Sol Invictus, Sol Invictus dem Mithras. Und hier sehen wir, wie sehr diese nationale Sonnenreligion, dieser Sol Invictus, von dem er letztes Mal schon gehört haben, mit dem persischen Mithras-Kult auch verbunden. Interessanterweise haben hier alle Anwesenden Kaiser, auch die Opposition und Galerius, diesem Sonnengott gehuldigt. Wir haben ja gesehen, dass diese Sonnengott römische Staatsreligion neben den anderen traditionellen Kulten gewesen ist.

[45:14] Maxentius hat sich jetzt zunächst einmal gegen diesen anderen Gegenkaiser Alexander in Rom gewarnt, bei der ihn sozusagen an der Gurgel hatte, weil er das Getreide zurückhielt. Max hat aber wenig Probleme. Er sandte eine gut ausgebildete kleine Armee, feuerte einen Triumph über diesen Alexander, der getötet wurde. Und entsprechend gelang Nordafrika wieder in den Herrschaftsbereich von Maxentius. Und damit war Alexander jetzt aus dem Spiel. Werden jetzt also vier reguläre Kaiser und nur noch Max, der in Rom sich allen widersetzte und dort saß und irgendwie nicht dort vertrieben werden konnte.

[46:02] Übrigens hatte Galerius für die beiden etwas grimmigen Maximinus und Konstantin ja beide gerne Augusti, noch den extra Titel "Söhne der Augusti" erfunden, damit sie sich etwas mehr gehoben fühlten. In Rom gab es dann einen Aufruhr gegen Max. Er hatte nicht nur Freunde dort. Infolgedessen wurde der Tempel der Fortuna angezündet und Max war außer sich. Er hetzte die Prätorianer auf das Volk und 6000 römische Einwohner kamen bei diesen Unruhen um. Entsprechend berichtet auch Eusebius über die Herrschaft des Maxentius in Rom.

[46:45] Maxentius hat sich in Rom die Herrschaft angeeignet, gab sich anfänglich, um dem römischen Volk zu gefallen und ihm zu schmeicheln, ganz so, als bekäme er unseren Glauben, also in dem wir ja die Christenverfolgung aufgegeben hatte. Und er befahl darum seinen Untergebenen, die Christenverfolgung einzustellen. So also heuchelt er Gottesfurcht und wollte entgegen den früheren Herrschern als gütig und sogar milde erscheinen. Doch seine Taten entsprachen nicht den Hoffnungen, die man in den setzte. Er verfiel in jede Art von Sünd, ist keine einzige gottlose und freche Tat und vergibt und beging Ehebruch und Sendungen aller Art. In solcher Weise fehlen nicht etwa kleine und unbekannte Leute an seine freche Begierde zielte vielmehr vorzüglich auf die berühmtesten Mitglieder des römischen Senats. Alle Bürger und Amtsträger, hoch und niedrig, fürchteten ihn sehr und leben schwer unter seiner grausamen Gewaltherrschaft. Auch wenn sie sich ruhig verhielten und das spätere Sklavenlos geduldig trugen, gab es für sie doch kein Entrinnen vor der blutgierigen Rohheit des Tyrannen. Man wird sicherlich einiges davon abziehen müssen. Antike Geschichtsschreiber kannten immer nur schwarz und weiß, aber eins ist ganz sicher, der Maxentius hat sich zunehmend auch innerhalb von Rom Feinde gemacht.

[48:06] Trotzdem war er in der Lage, noch einmal große Bauten dort anzustrengen, etwas, was schon seit Jahrzehnten nicht mehr geschehen ist. Und er war auch letztlich der letzte Kaiser, müssen Geschichte, der noch großes dort hat bauen lassen. Wir kennen heute noch die Überreste der Maxentius-Basilika auf dem Forum Romanum in Rom.

[48:29] In jener Zeit hat Konstantin eine Währungsreform durchgeführt, die sich als erstaunlich stabil erweisen sollte. Er hat die Goldmünzen in ihrem Wert etwas reduziert, von 6 Gramm Gold auf 4,5 Gramm Gold und nannte die neue Münze, oder welche ein Beispiel sehen, Solidus. Diese Münze erwies sich als so stabil, dass noch Jahrhunderte später, im 10. Jahrhundert in Pisa, mit solchen mit solchen Solidus bezahlt worden ist. Diese Währungsreform hat einiges dazu

[49:01] Diese Währungsreform hat einiges dazu beigetragen, die Wirtschaft im Römischen Reich mit zu stabilisieren.

[49:08] Maximinianus hat dann im Osten noch einmal die Verfolgung intensiviert. Er hat noch einmal darauf gedrungen, dass wirklich in allen Städten alle Einwohner, egal ob Männer, Frauen oder Kinder, zu Opfern gezwungen werden. Notfalls sollten kaputte Tempel wieder neu aufgebaut werden, damit solche Opferzwänge möglich sind. Er hat außerdem beschlossen, dass alle Güter, die auf dem Markt verkauft werden sollten, mit Opferblut besprengt würden. So, dass treue Christen, die so etwas nicht kaufen würden, was mit Blut von Opfern für die Götter gesprengt worden ist, dass sie gar nichts mehr kaufen konnten. Auf dem Markt, wer in ein öffentliches Bad gehen wollte, die Römer waren bekannt und berühmt für ihre Thermen, der musste am Eingang erst einmal sich mit so einem Opferblut besprengen lassen, um auch die Christen von solchen Dingen fernzuhalten.

[50:09] Am 13. November 309 wurden an einem Tag drei Christen in Caesarea geköpft. Und Eutychius, das war eine junge Frau aus Quitus, wurde halb nackt ausgezogen und auf dem ganzen Markt von Caesarea geprügelt.

[50:33] Es folgte jetzt noch einmal eine enorm intensive, vielleicht die schlimmste Phase der Verfolgung überhaupt. 310 war Konstantin wieder am Rhein beschäftigt und hat erneut dort gegen die Franken gekämpft. Er hat ja sein kriegerisches Image weiter gefördert.

[51:02] Am 10. Januar 310, und da sind wir wieder in Caesarea, wurden sowohl ein gewisser Petrus als auch eine gewisse Asklepios verbrannt. Einen Monat später gab es einen Prozess gegen einen Prophylos, der seit über zwei Jahren mit zwei Gefährten im Gefängnis gesessen hatte. Nicht alle wurden immer gleich sofort umgebracht, manche saßen lange Zeit im Gefängnis, wurden immer und immer wieder gefoltert, immer und immer wieder dazu aufgefordert, doch endlich einmal den römischen Göttern zu opfern.

[51:36] Und seine beiden Gefährten haben das immer und immer wieder abgelehnt. Wurden immer und immer wieder gefordert. Und als dann fünf ägyptische Christen dort in Caesarea eintrafen und dort vor Gericht gestellt worden sind, ergab sich auch die Gelegenheit für die Richter, Carus, Prophylos und diese beiden anderen Gefährten aus dem Gefängnis zu holen. Sie wurden zum Tode verurteilt. Und vier Mitglieder des Haushaltes von Capinus haben das ganze beobachtet und waren Zeuge desselben und haben angesichts des Todes von Prophylos ihr Mitleid bekundet. Vielleicht haben sie gemeint, vielleicht haben sie Gesten gemacht, wird deutlich gemacht, dass sie Sympathie und Mitgefühl hatten mit dem sterbenden Prophylos. Das allein reichte aus, um sie ebenfalls an jenem Tag spontan hinzurichten.

[52:31] Anfang März wurden wieder zwei Christen umgebracht, die einfach nur nach dieser Diözese gekommen waren, um dort antike Christen zu besuchen. Interessant ist, dass trotz all der Verfolgung die Christen nicht aufhörten, auch einander zu besuchen, auch insbesondere in die Städte zu reisen, wo es gerade besonders schlimm war, um den verfolgten Geschwistern im Glauben beizustehen.

[52:59] Das zeigt auch etwas von der Einstellung dieser Christen, von denen so viele, unzählige in jenen Tagen zu Märtyrern wurden. Im März 310 ist Galerius schwer erkrankt. Man vermutet heute, dass er wahrscheinlich Krebs gehabt hat und das führte zur Frage, wer jetzt die Herrschaft im Osten sichern sollte.

[53:28] Ab dem 1. Mai begann die Armee auch, Maximinianus, der bis dahin immer nur Caesar gewesen war, als Augustus zu bezeichnen. Das hat dem Galerius nicht so wirklich geschmeckt. Er hat es aber zögerlich akzeptiert. Maximinianus selbst war nicht so zögerlich, hat das sofort gleich für sich in Anspruch genommen. Und das bedeutet natürlich nichts Gutes für die Christen dort in der Osthälfte des Reiches, dass dieser grausame Verfolger jetzt möglicherweise bald der wichtigste und größte Mann dort im Osten sein sollte. Und was seine Grausamkeit betraf, den ohnehin schon fanatischen Galerius fast noch übertraf.

[54:08] Die Situation war jetzt also die: Am 1. Mai 310, dass Galerius und Maximinianus reguläre Augusti waren. Galerius im Balkan, jetzt aber geschwächt. Die Kinos eigentlich für den Westen, Maximinianus jetzt auch im Osten und nur Konstantin als Caesar ganz im Westen. Maxentius nach wie vor als Urvater in Rom, der dort immer noch aushielt.

[54:39] Die Kinos hatte am 27. Juni einen Sieg über die Sarmaten errungen und konnte sich jetzt eigentlich, so hat er gedacht, auf seiner Hauptaufgabe besinnen, nämlich gegen Rom zu ziehen. Aber das wurde ja nichts, weil der Galerius so schwer krank war. Er musste also jetzt erst einmal den Galerius dort auf dem Balkan, Portugal, er sein eigentliches Herrschaftsgebiet hatte, ersetzen und dort die Regierungsgeschäfte führen. Hatte keine Zeit für Maxentius oder seitdem die Gelegenheit gegeben, sich noch mehr vorzubereiten auf die Entscheidungsschlacht um Rom, die ja zu erwarten war.

[55:16] Und dann einer der vielleicht erstaunlichsten Details dieser ganzen, mitunter ziemlich komplexen Geschichte ist, dass Maximinianus, dieses Stehaufmännchen, noch einmal die Gelegenheit ergriff, sich zum Kaiser zu machen. Er war jetzt zweimal gezwungen worden, abzudanken, aber der Schwiegervater von Konstantin konnte es einfach nicht lassen. Er war von seinem Schwiegersohn Konstantin in den Süden Frankreichs, also in den Süden Galliens geschickt worden und als er dort in sicherer Entfernung von Konstantin angekommen war, in Arles, hat er sich dort kurzerhand zum Kaiser ausrufen lassen und behauptet, dass Konstantin tot sei.

[56:00] Das war also schon damals ein Problem. Er hat einige Soldaten bestochen, ihm beizustehen und sich dann mit diesen Soldaten im heutigen Marseille festgesetzt. Konstantin war natürlich keineswegs tot und auch nicht gewillt, dieses Verhalten seines Schwiegervaters zu akzeptieren und hat sich auf den Weg gemacht durch Gallien Richtung Süden, um gegen Maximinianus zu ziehen. Hat ihn dann auch sofort habhaft werden können. Die Bewohner von Marseille hatten keine große Lust, sich von Konstantin schlagen zu lassen, haben den Maximinianus ausgeliefert.

[56:40] Und Maximinianus wurde unter Hausarrest gestellt. Er durfte jetzt nicht mehr sein Haus verlassen und kurze Zeit später war er tot. Die offizielle Version, die von Konstantin verbreitet wurde, besagte, Maximinianus sei so unglücklich gewesen und habe sich der Gnade von Konstantin so unwürdig gefühlt, dass er freiwillig Selbstmord begangen habe. Das kann man zumindest in Zweifel ziehen. Wahrscheinlich werden wir die genaue Wahrheit nie erfahren, aber Maximinianus, der jetzt zum dritten Mal, wenn auch nur für kurze Zeit, Kaiser gewesen war, war jetzt tot.

[57:24] Konstantin war ein Meister der Propaganda. Das zeigte sich in jenen Wochen und Monaten ganz besonders. Er erfand nämlich eine Abstammung, die es wahrscheinlich so nie gegeben hatte. Am 25. Juli ließ seinen Lobredner am Hof verkünden, so wörtlich, weil es wahrscheinlich die meisten noch nicht wüssten, was für uns heute als übliche Hinweis darauf ist, dass man es auch nicht hätte wissen können, dass nämlich Konstantin in Wirklichkeit von dem berühmten Kaiser Claudius dem II. dem Goten abstammend, der hatte das war der Vorgänger von Aurelian, unter dem Konstantins Vater als Leibwache gedient hatte. Der hatte 268 bis 270 eines immer recht erfolgreichen Kaisers geschafft, die Westgermanen sowie alle Alemannen und die Goten entscheidend besiegt, weswegen er auch Gotikus genannt wurde und vertrieben hat er. Länger gelebt hätte, er vielleicht schon eher das Römische Reich wieder zusammengehalten und aus der Krise geführt, aber er war nur kurz an der Macht gewesen, aber durchaus berühmt aufgrund seiner Leistungen. Und Konstantin behauptete, dass er auf entfernten Wegen von jenem berühmten Claudius abstamme.

[58:38] Es ist auch in dieser Zeit, dass Konstantin die Assoziation mit der Gottheit wechselte. Er hatte sich vorher oft mit Mars abbilden lassen auf den Münzen. Jetzt wechselte er zu der Gottheit, die schon sein Vater Constantius Chlorus bevorzugt hatte, nämlich zu Sol Invictus. Sol Invictus war, wenn man ihn mit dem altrömischen Apollo identifizierte, was ja auch eine Sonnengott war, auch ein Schutzgott der Kultur und konnte durchaus auch mit dem alten Augustus, dem Octavian, dem ersten Kaiser, in Verbindung gebracht werden.

[59:19] Und das zeigt auch so ein bisschen den propagandistischen Hintergrund von Konstantin, jetzt sich immer mehr mit Sol Invictus abbilden zu lassen. Dem Ganzen lag aber eine möglicherweise sehr dramatische Erfahrung zugrunde, als er gerade damit beschäftigt war, dieses Problem mit Maxentius, seinem Schwiegervater, zu lösen.

[59:41] Auf dem Weg in Gallien eine seltsame Erscheinung. Man vermutet heute zumindest, es eine ganze Reihe von Wissenschaftlern vermuten, dass er am Himmel ein besonderes Phänomen wahrgenommen hatte, eine sogenannte Parhelia, einen Neben-Sonnen-Effekt, wo es so aussieht, als ob in der Sonne ein Kreuz des Unternehmens sein dann entstehen. Dieses Phänomen kennen wir, es tritt immer mal wieder auf, auch in unseren Breiten. Hier ein Bild aus Hessen, wo man es ist ein bisschen schlechter sieht. Das war natürlich etwas ganz Außergewöhnliches und die Hoflobredner interpretierten dies als ein besonderes göttliches Zeichen, dass der Sonnengott Sol Invictus mit ihm sei.

[1:00:35] Hören wir die Worte, die direkt 310 in jenem Jahr an ihn gerichtet worden sind. Hier heißt es wörtlich: "Da brachen die Barbaren bei der unerwarteten Nachricht seiner Rückkehr, die vom Donner gerührt zusammen, damit ich nicht in deinem Gelöbnis und Wunsch für das Gemeinwesen mehr als die Sorge einer einzigen Nacht angehört hätte. Einen Tag, nachdem die oft grund jeder Nachricht die Strapazen einer doppelten Tagesstrecke auf sich genommen hat, hast du erfahren, dass sich alle Sturmfluten gebärdeten und die Ruhe, die du hinterlassen hast, ist gänzlich zurückgekehrt war. Und wieso sage ich überhaupt, ich glaube, du hast ihn gesehen und hast dich in der Gestalt dessen wiedererkannt, denn die Herrschaft über die ganze Welt geführt, wie es die göttliche inspirierte Lieder der Dichter sangen. Dies ist, wie ich meine, erst jetzt eingetreten, da du wie jener junge froh, heilbringend und strahlend schön bist."

[1:01:34] Imperator, halten wir fest, und das wird für die weitere Geschichte noch fundamental wichtig werden. Im Jahre 310 sieht Konstantin irgendetwas am Himmel, verbunden mit der Sonne. Und die Hofexegeten und die Hoflobredner interpretieren das als eine besondere Botschaft des Sonnengottes, des Apoll, des Sol Invictus, der ihm 30 Jahre Herrschaft zugesichert habe und ihn sozusagen zum besonderen Herrscher auserkoren hatte.

[1:02:13] Nichts an dieser Geschichte bis dahin im Jahre 310 hat irgendetwas mit dem Christentum zu tun. Es war eine heidnische Vision. Konstantin fühlte sich ab dem Zeitpunkt als der Kaiser der Sonne. Denn so dachte er, die Sonne, der Sol Invictus, der Sonnengott habe ihn persönlich auserwählt und ihn zu seinem Günstlingen gemacht.

[1:02:49] Maxentius, obwohl er einen solchen Streit mit seinem Vater Maximinianus gehabt hatte, war doch nicht gewillt zu akzeptieren, dass sein Vater jetzt tot war und konnte auch nicht wirklich glauben, dass sein Vater sich einfach freiwillig umgebracht habe. Er schwört Rache für seinen Vater und das bedeutet natürlich Feindschaft mit Konstantin. Er hat jetzt sogar angefangen, wieder Münzen zu prägen, wo der verstorbene Maximinianus abgebildet gewesen ist.

[1:03:24] Im Osten vermeldete Maximinianus einen Erfolg über die Perser, die Erweiterung der Ostgrenze und er verfolgte die Christen auf Schritt und Tritt immer noch. Ende 310 gegen Konstantin ein weiteres Mal nach Britannien und im nächsten Jahr 311.

[1:03:50] Valerius mittlerweile todkrank, also wirklich todkrank. Und eine der letzten Aktionen überhaupt als Kaiser war, dass er im April einen Brief schrieb, einen Brief, der oft als Edikt von Serdica bezeichnet wird, obwohl es sich überhaupt gar nicht um ein Edikt handelte, sondern um einen Brief an die Bewohner der Provinzen. Und in diesem Brief verkündete er die Tolerierung des Christentums, sozusagen das Ausführen der Verfolgung.

[1:04:27] Den Text finden wir bei Lactantius in den "Todesarten der Verfolger". Das heißt, es neben dem Übrigen, was wir zum Wohle und Nutzen des Staates angeordnet hatten, wollten wir bislang alles gemäß den alten Gesetzen und der öffentlichen Ordnung der Römer verbessern und dafür sorgen, dass auch die Christen, die die Lehre ihrer Vorfahren verlassen hatten, zur Vernunft zurückkehrten. Die Römer waren extrem konservativ und alles, was neu war und das Alte über Bord warf, war ihnen suspekt.

[1:04:58] Und so begründet jetzt auch Galerius, warum er die Christen so brutal hat verfolgen lassen. Lesen wir weiter, denn aus irgendeinem Grund hatten diese Christen ein solcher eigenwilliger und eine solche Dummheit ergriffen, dass sie den Einrichtungen der Alten nicht mehr folgten, die möglicherweise ihre eigenen Vorfahren eingeführt hatten, sondern sich nach ihrem eigenen Willen und nach Belieben Gesetze gaben, um sie zu befolgen und in verschiedenen Gegenden verschiedene Völker zu einer Gemeinschaft zusammenbrachten.

[1:05:24] Hier sehen wir, dass selbst der Galerius zugeben musste, dass das Christentum ein internationales Phänomen war, das sehr gut strukturiert werden. Als wir schließlich befohlen hatten, dass sie zu den Einrichtungen der Alten zurückkehren sollten, wurden viele von ihnen in Gerichtsprozesse verwickelt, viele wurden auch vertrieben, was eine sehr optimistische Darstellung ist, oder die meisten auf ihrem Vorsatz bestanden. Und wir sahen, dass sie weder den Göttern die angemessene Verehrung zukommen ließen, noch den Tod, noch den Gott der Christen verehrten.

[1:05:56] So haben wir es in unserer außerordentlichen Milde und beständigen Gewohnheit, sämtlichen Menschen zu verzeihen, für notwendig gehalten, auch diesen unsere freimütige Nachricht zu gewähren, damit sie wieder Christen sein und ihre Versammlungsstätten wieder aufbauen könnten. Allerdings so, dass sie nichts gegen die öffentliche Ordnung unternehmen. Durch ein anderes Schreiben aber werden wir den Gerichtsbeamten mitteilen, was ihr zu beachten habt. Daher wird es unserer Nachsicht entsprechen, die Pflicht der Christen seien zu ihrem Gott, für unser Wohl, für das Wohl des Staates und für eigenes zu bieten, damit der Staat in jeder Hinsicht vor Schaden bewahrt bleibt und sie sicher in ihren Wohnungen leben können.

[1:06:37] Dieser Brief des Carinus war im Namen aller Kaiser formuliert, allerdings war er natürlich eigentlich nur noch für den Osten de facto gültig, weil im Westen ja schon seit 306 die Verfolgung aufgehört hatte. Es war aber, es muss betont werden, kein eigentliches Edikt. Natürlich wurde es trotzdem, hat es Autorität und sollte umgesetzt werden.

[1:07:00] Das Christentum war jetzt toleriert. Die Christen wurden freigelassen, die Gefängnisse wurden geleert. Aber auch, wie damals schon bei Maxentius, gab es keine Rückgabe der konfiszierten Güter. Das hatte bisher nur Konstantin getan.

[1:07:16] War jetzt diese dramatische und schlimme Verfolgung zu Ende? Maximinianus sah das anders. Er begann sofort, diese Tolerierung wieder zu unterminieren und ließ, wo immer möglich, die Christen aus den Städten vertreiben.

[1:07:38] Eine Offenbarung hat es ja geheißen: "Fürchte nichts von dem, was du erleiden wirst. Siehe, der Teufel wird endlich von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr geprüft werden und ihr werdet langsam haben zehn Tage nahmen die Verfolgung hatte 300, 300 Jahre und Galerius begonnen. Mittlerweile waren erst acht Jahre vergangen."

[1:07:56] Würde die Bibel recht behalten, das ist zehn Jahre Verfolgung sein würden, zehn Jahre, in denen die Christen geprüft worden, bis sie befreit werden würden von dieser Versuchung. Die Antwort auf diese Frage sehen wir in der nächsten Folge, wenn es heißt: "Die Wende". Wir werden sehen, was aus der Verfolgung im Osten geworden ist. Wir werden sehen, wie Konstantin und Maxentius aufeinanderprallen und wir werden sehen, wie eine entscheidende Schritt die Weltgeschichte für die nächsten Jahrhunderte prägen wird. Bis dahin, alles Gute und wir sehen uns bis zum nächsten Mal.

[1:08:33] Nächsten Mal. [Musik]


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