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Diese Folge der Serie „Konstantin – Kaiser der Sonne“ beleuchtet die Jahre 321 bis 326 und konzentriert sich auf die Entwicklungen im Osten des Römischen Reiches. Es wird das Gesetz zur Ehre des Sonntages aus dem Jahr 321 thematisiert, das eine Brücke zwischen heidnischen und christlichen Traditionen schlug. Darüber hinaus wird Konstantins Kehrtwende in der Politik gegenüber den Donatisten in Nordafrika und seine berühmte Rede an die Versammlung der Heiligen analysiert, die sein persönliches Bekenntnis zum Christentum und dessen politische Dimension offenbart.


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Serie: Konstantin - Kaiser der Sonne

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Transkript

[0:42] Er verehrte den Sonnengott Sol Invictus, gleichzeitig förderte er die Christen, wo er nur konnte. Für welche der beiden weltanschaulichen Richtungen würde er sich entscheiden, oder könnte man beides möglicherweise miteinander verbinden?

[0:58] Herzlich willkommen zu Konstantin, Kaiser der Sonne, zur nächsten Folge, in der wir heute die Jahre 321 bis 326 gemeinsam etwas genauer betrachten wollen, unter dem Titel: Der Osten.

[1:18] Letzten Mal haben wir uns Gedanken gemacht, sehr ausführlich, über jenes Gesetz, das im Zentrum unserer kleinen Themen-Serie steht: das Gesetz zur Ehre des Sonntages, das im März 321 von Konstantin verkündet worden ist. Dieses Gesetz, das ihn bis zum heutigen Tag berühmt gemacht hat, war eine Möglichkeit, seine eigene Überzeugung, nämlich die Verehrung des heidnischen Sonnengottes, mit Gewohnheiten und Traditionen der Christen zu verbinden, die schon seit einiger Zeit neben dem biblischen Ruhetag, dem Samstag, dem Sabbat, den Sonntag hielten.

[2:11] Und wir haben letztes Mal ausführlich uns angeschaut, wie es im zweiten Jahrhundert dazu kam, dass Christen, vor allem zunächst in Rom und dann in anderen Gebieten, sich von dem Judentum distanzieren wollten und wie gerade in Rom die Feier des Sonntags sehr wichtig wurde und dann im Westen sich weit verbreitete und auch zögerlich im Osten Anklang fand, während dort immer noch der Sabbat neben dem Sonntag beachtet worden ist, auch noch viele Jahrzehnte nach Konstantin.

[2:40] Wir haben gesehen, dass der biblische Befund eindeutig ist. In den Zehn Geboten selbst, heißt es in 2. Mose 20, Verse 8 bis 11: "Gedenke des Sabbattages, und heilige ihn. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun; aber am siebten Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes; da sollst du kein Werk tun, weder du noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der innerhalb deiner Tore lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht, und das Meer und alles, was darin ist, und er ruhte am siebten Tag. Darum hat der Herr den Sabbat abgesegnet und geheiligt."

[3:22] Wir haben gesehen, dass von den ersten Seiten der Heiligen Schrift, von 1. Mose, von dem Bericht der Schöpfung an, bis ans Ende, der siebte Tag, der Sabbat, der Tag Gottes, ein Zeichen der Schöpfung, ein Zeichen der Erlösung, ein Zeichen der Heiligung und ein Zeichen, dass Gott für alle Menschen, egal welchen Geschlechts und welcher ethnischen Zugehörigkeit, gedacht hat.

[3:54] Und wir haben gesehen, dass die Christenheit nach und nach im zweiten und dann auch im dritten Jahrhundert sich von diesem Plan Gottes Stück für Stück aus sehr unterschiedlichen, aber zum Teil sehr niederen Motiven verabschiedet hat und davon distanziert hat. Und wir haben gesehen, dass das Gesetz von Konstantin, das wir hier noch einmal abgebildet sehen, vom März 321, diesen Sonntag nicht erfand, sondern die Feier des Sol Invictus, des Generalis Solis, des Sonnengottes, und damit gleichzeitig eine Brücke schlug für die Sonntagsverehrung, die bereit in weiten Teilen der Christenheit als Tradition zum biblischen Befund hinzu gekommen war.

[4:47] Und jetzt durch dieses Gesetz hier, das vom biblischen Standard etwas abweicht oder ziemlich abweichende Christentum mit dem monopolistisch angehauchten Heidentum des Sonnengottes, des Sonnenkultes, eine Verbindung eingehen konnte, die jetzt für die weitere Geschichte auch von Bedeutung sein wird.

[5:12] Im Jahr 321 passierte natürlich noch mehr. Wir haben ja im März des Jahres letztes Mal geändert und haben uns die Zeit genommen, die Entwicklung von Sabbat und Sonntag etwas genauer anzuschauen.

[5:25] In Afrika gab es noch immer Auseinandersetzungen um die Donatisten, die uns ja schon die letzten Male beschäftigt haben. Oder erstaunlicherweise hat Konstantin in diesem Jahr eine Kehrtwende seiner Politik in Nordafrika durchgeführt. Er hat jetzt seinen Vikar in Afrika, den Vins, instruiert, dass man die Donatisten rehabilitieren sollte, dass man sie zurückrufen sollte, sie sollten nicht mehr verbannt sein.

[5:54] Es kam also zu einer völligen Kehrtwende. Die Donatisten wurden rehabilitiert. Und die Begründung, die dann Konstantin gibt, ist sehr interessant. Er sagt: Selbst wenn es so sein, dass die Donatisten – wir erinnern uns, das waren die Christen, die in der oder nach der Verfolgung für einen strengen, rigiden Kurs eingestanden waren, dass man Menschen, die abgefallen waren vom Glauben während der Verfolgung, nicht ohne weiteres wieder an die Gemeinde aufnehmen würde, sondern nur nach Neutaufe, nach echter Buße, Bekehrung und Hoffen, dass diese Donatisten, die sich mit der Mehrheit in der nordafrikanischen Kirche gestritten hatten über diese Frage, dass wenn diese Donatisten kämpferisch sein würden, wenn sie Angriffe durchführen würden, dann sollte man diese Angriffe lieber erleiden, als die Donatisten zu verfolgen.

[6:47] Wir haben gesehen, dass in den Jahren zuvor die Donatisten verfolgt worden waren, und das sollte jetzt aufhören. Und die Begründung ist interessant: Konstantin sagte, die Rache sei allein Gott vorbehalten. Stattdessen solle man lieber, wenn es dazu käme, Angriffe der Donatisten erdulden. Die Idee basiert natürlich auf einem wichtigen Bibelvers in Römer 12, Verse 17 bis 19: "Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: »Mein ist die Rache, ich will vergelten, spricht der Herr.«"

[7:35] Daher, insofern hatte Konstantin auch von einem biblischen Standpunkt aus gesehen vollkommen recht.

[7:42] Die Frage stellt sich natürlich, ob Konstantin jetzt durch Bibelstudium zu dieser Neubewertung der Situation gekommen ist, oder ob es nicht vielleicht möglicherweise politische Erwägungen gewesen sind. Wie wir gesehen haben, war das Verhältnis zwischen ihm und Licinius äußerst angespannt und ein neuer Krieg war am Horizont schon zu sehen, zum Greifen nahe.

[8:08] Nun, Konstantin hatte – und das haben wir auch schon gesehen – den propagandistischen Schachzug unternommen, sich als Befreier der Christen zu positionieren, weil Licinius vielleicht auch um sich von Konstantin etwas abzusetzen, wieder mit restriktiven Maßnahmen gegen Christen vorgegangen ist. Nun hat also Konstantin möglicherweise folgendes überlegt: Wenn er als der Befreier der Christen auftritt, unter dem Christen keine Verfolgung und keine Nachteile zu befürchten haben, dann ist es nicht besonders förderlich, wenn in seinem eigenen Herrschaftsbereich, nämlich im Westen des Römischen Reiches, bestimmte Christen, in dem Fall die Donatisten, verfolgt werden.

[8:52] Insofern ist es also nicht unwahrscheinlich, dass seine Kehrtwende und seine Toleranzpolitik jetzt in diesem Jahr gegenüber den Donatisten auch von der allgemeinen militärstrategischen, geopolitischen der gesamten Situation beeinflusst gewesen ist.

[9:08] Wir haben gesehen, dass Konstantin öfter mal seine Meinung änderte, die öffentliche Meinung dahingehend beeinflusst, wenn es seinen politischen Zielen nützte.

[9:20] Das Sonntagsgesetz war nicht das einzige Gesetz, das Konstantin 321 erlassen hat. Einige andere besagten zum Beispiel, dass ein Pater Familias, also ein Familienvater, durch unangemessenes Verhalten sein Anrecht auf den Besitz der Söhne verlieren könnte. Außerdem hat er geregelt, dass nicht berücksichtigte Mütter Testamente ihrer Söhne anfechten können. Also, wenn ein Sohn stirbt und seinem Testament die noch lebende Mutter nicht berücksichtigt hat, dann konnte das vor Gericht angefochten werden.

[9:56] Und das war sehr interessant. Auch testamentarische Schenkungen an die Kirche wurden nun juristisch bindend. Und das war eine Praxis, die man vorher von heidnischen Tempeln kannte. Dort war es auch so gewesen, wenn man einem heidnischen Tempel per Testament etwas vermachte, dann konnte das hinterher nicht mehr rückgängig gemacht werden. Und diese Praxis hat Konstantin jetzt auch auf die christliche Kirche übertragen.

[10:28] Im nächsten Jahr, im Jahre 322, hören wir, dass Konstantin einen großen Feldzug gegen die Sarmaten geführt hat, die im Donau-Bogen heimgesucht hatten. Diese Sarmaten, die waren nordöstlich der Donau am Schwarzen Meer beheimatet. Und Konstantin besiegte sie sehr erfolgreich. Wir haben ja schon gelernt, dass Konstantin ein sehr erfolgreicher General und Heerführer gewesen ist.

[10:59] Und Licinius, der Kaiser im Osten, hat sich geweigert, Münzen herauszugeben, auf denen Konstantins Sarmaten-Sieg dargestellt wurde, was eigentlich normalerweise ganz üblich gewesen wäre. Die Zeichen standen eindeutig auf Krieg.

[11:16] Konstantins Sohn Crispus, der als Caesar als Kaiser in Gallien agierte, hat in diesem Jahr 322 mit seiner Frau Helena, die genauso hieß wie Konstantins Mutter, einen Sohn bekommen.

[11:31] Und dann schon im nächsten Jahr, fern, können wir die sogenannte Rede an die Versammlung der Heiligen betrachten. Nun, diese Rede ist sehr interessant. Leider lässt sich nicht genau datieren. Einige Forscher nehmen an, dass irgendwann zwischen 321 oder 324, in diesen vier Jahren, diese Rede von Konstantin formuliert und gehalten worden ist. Wir wissen nur, dass es an einem Karfreitag gewesen ist. Es ist also in jedem Fall nach dem Sonntagsgesetz gewesen.

[12:14] Es gibt gute Gründe, die mich unter anderem dazu veranlassen, diese Rede zwei Jahre nach dem Sonntagsgesetz anzusetzen, also vermutlich in das Jahr 323. Wie gesagt, mit der kleinen Unsicherheit, dass es vielleicht auch ein oder zwei Jahre vorher oder auch ein Jahr danach gewesen sein könnte.

[12:32] Und diese Rede an die Versammlung der Heiligen ist von größter Bedeutung, denn sie ist das erste sichere Dokument, das wir haben, dass Konstantin sich nun tatsächlich selbst auch als Christ sieht und so bezeichnet. Es ist ein erstes direktes öffentliches Bekenntnis zum Christentum und ein ganz interessantes Dokument, weil hier Predigt, Philosophie, Apologetik, also die Verteidigung des Glaubens, und auch Literatur-Exegese, eine ganz seltsame Art und Weise gemischt sind. Aber natürlich ist wäre ja sonst nicht Konstantin.

[13:15] Enthält diese Rede auch einiges an politischer Propaganda gegen Licinius. Wir haben ja gesehen, seine Förderung des Christentums hatte durchaus auch politische Gründe. Und Konstantin war offensichtlich zu der Meinung gelangt, dass das Christentum einen solchen Machtfaktor darstellt, dass es sich für ihn auch lohnt, tatsächlich sich ganz zum Christentum zu bekennen.

[13:43] Wenn man diese Rede an die Versammlung der Heiligen ein wenig anschaut, stellt man fest, es gibt drei Hauptteile. Der erste Teil, der auch an Gott den Vater gerichtet ist oder mit Gott dem Vater sich vor allem beschäftigt, ist der Versuch, die platonischen Ideen eines ersten und zweiten Gottes mit dem Christentum zu verbinden. Und hier sehen wir schon, dass Konstantins Bekenntnis zum Christentum nicht ein radikaler Bruch mit seiner heidnischen Vergangenheit darstellt, sondern eher der Versuch ist, die beiden miteinander zu verbinden.

[14:24] Platon hatte ja darüber sinniert, auch über die Natur und das Wesen der Gottheit. Und es ist kein Zufall, dass es schon in der frühen Christenheit, ab dem zweiten Jahrhundert, immer wieder auch Gelehrte und Intellektuelle gab, die versucht haben, irgendwie das platonische Denken mit dem Christentum zu verbinden. Das hat zu vielen Dogmen und Lehrmeinungen geführt, die bis heute noch in weiten Teilen der Christenheit gegenwärtig sind, unter anderem auch die Lehre von der unsterblichen Seele zum Beispiel. Ohne dass wir hier im Detail weiter drauf eingehen können, aber das war natürlich auch etwas, was das Christentum etwas von seinen biblischen Grundlagen entfernt hat, weil die platonischen Ideen natürlich nicht aus der Bibel kommen und einer ganz anderen Gedankenwelt angehören und in gewisser Weise damit auch das Christentum verfälscht haben.

[15:18] Im zweiten Teil dieser Rede geht es dann gedanklich in derselben Richtung weiter. Konstantin zitiert jetzt die Sibyllinischen Bücher, das waren Orakelsprüche, die in Rom aufbewahrt worden sind, und auch den heidnischen Schriftsteller Vergil, und zitiert sie als Beweise für den christlichen Glauben, als ob ihnen diesen Orakelschriften bereits das Evangelium angedeutet und vorhergesagt worden war.

[15:48] Wir sehen also, Konstantin versucht seinen Übertritt zum Christentum eng anzubinden an seine ehemaligen heidnischen Überzeugungen und es nicht als klaren Bruch erscheinen zu lassen, sondern eher als eine Transformation.

[16:05] Im dritten Teil geht es dann um die jüngste Geschichte, das heißt um die Zeit von Konstantin selbst. Er möchte dort zeigen, dass in der Zeit der Christenverfolgung und insbesondere dann durch die Anerkennung des Christentums durch seine eigenen militärischen Siege, Gott mächtig in der Geschichte gewirkt hat.

[16:31] Die Botschaft ist natürlich klar. Natürlich klar, er möchte zeigen, dass Gott ihn auserwählt hat und berufen hat, das Christentum zum Sieg zu führen. Seine eigene Regierung wird damit sozusagen religiös überhöht. Wer jetzt gegen Konstantin ist, so der Unterton, wer gegen ihn politisch ist, der ist gegen Gottes auserwähltes Instrument. Und daran sieht man, wie sehr dieses Bekenntnis zum Christentum auch gleichzeitig politische Propaganda gewesen ist.

[17:04] Und dass natürlich die Christen, die jetzt dankbar seine Befreiung annehmen würden, im Osten, sollte er denn Licinius besiegen, auch gleichzeitig seine Herrschaft und damit auch seine Dynastie unterstützen würden.

[17:23] Schauen wir uns einfach mal ein Zitat an, ein etwas längeres Zitat aus dieser Rede an die Versammlung der Heiligen. Das heißt es hier: "Wenn es demnach jemanden gibt, der eines glücklichen Lebens unwürdig ist und der sich dessen bewusst ist, dass er sein Leben sündig und regellos gelebt hat, wenn dies auch umgekehrt und zum Göttlichen aufschaut mit dem Auge der Seele geläutert ist und sich der einstigen höchst schlechten Lebensweise entfremdet hat und der von Gott kommenden Heilungen der Therapie teilhaftig geworden ist, der wird in alle Ewigkeit leben."

[17:56] "Wir wollen uns nun nach unseren Möglichkeiten mit allem Eifer bemühen, diejenigen, die nicht eingeweiht sind in solche Lehren, mit guter Hoffnung zu erfüllen, nachdem wir Gott für uns als Helfer bei unserem Bemühen angerufen haben. Das ist keine leichte Aufgabe, die Gedanken, die uns unterstehen, wenn sie auch schon gut sein mögen, es zur christlichen, freilich gehört zum christlichen Glauben hin zu lenken. Wenn sie hingegen schlecht und ohne Sinn sein sollten, zum Gegenteil zu führen, aus schlechten Gedanken also gute und richtige zu machen."

[18:26] "Voll Freude über ebensolche Bestrebungen und in der Meinung, das ist Aufgabe eines rechtschaffenen Mannes ist, den Retter zu lobpreisen, wende ich mich ab von allem, was die schlechte Bestimmung des Schicksals auf unvernünftige Weise durch Zufall an Unkenntnis verhängt hat."

[18:42] "Ständig hielt die Sinnesänderungen, die mit am ehesten für den besten Weg zur Rettung, für die beste Erlösung registrieren. Ich hätte gewünscht, mir wäre diese Erkenntnis schon früher geschenkt worden. Wenn irgend glückselig ist, wer schon als Kind belehrt sich sowohl der Bekanntschaft mit den göttlichen Dingen, als auch des Glanzes der Tugend, der freuen konnte. Und dieses sei von uns mit Bescheidenheit gesagt, denn wenn auch nicht von Kindesbeinen an und nicht von der Wiege her, wie man sagt, die Rechtschaffenen unter den Menschen zu weisen werden, so ist es doch willkommen, wenn sie in der Blütezeit ihres Lebensalters glücklich in den Besitz der Weisheit gelangen."

[19:19] "Und jedoch hat keinerlei Belehrung von Seiten der Menschen jemals dabei geholfen, eine Anspielung auf den Apostel Paulus, der sagt in Galater 1, dass er das Evangelium nicht durch Menschen, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi selbst erfahren habe. Alles viel mehr ist Geschenk Gottes, was an meinem Charakter und an meiner Gesinnung gutgeheißen wird von denen, die Einsicht besitzen. Ich habe aber einen nicht zu unterschätzenden Schild, eine Anspielung auf die Waffenrüstung Gottes, den ich gleichsam vor mich halte gegen jegliches Verderben, das der Böse hinterlistig einfädelt. Die Kenntnis dessen, was Gott wohlgefällig ist, daraus werde ich das heraussuchen, was für diese meine Rede passend ist, und ich werde damit den Vater von allem verherrlichen."

[20:08] "Du selbst aber komm herbei und sei mir behilflich in meinem Bemühen um Reinheit. Christus, Retter aller, und lenke mein Reden über dein Verdienst, indem du mich anleitest zu der dir vollkommen artfeierlichen Bilder."

[20:21] Das also ein Ausschnitt aus diesem Bekenntnis Konstantins zum Christentum. Er sagt, er wünschte sich schon immer Christ gewesen zu sein.

[20:34] Und das ist auch interessant. Er wünscht sich alle seine Untertanen zum Christentum führen zu können, obwohl er sich bewusst ist, dass es eine äußerst schwierige Aufgabe ist. Es zeigt sich, dass er durchaus vertraut ist mit verschiedenen Bibelstellen.

[20:53] Und es ist nicht unsere Aufgabe, persönlich seine Motive zu definieren. Es ist durchaus möglich, dass er zu diesem Zeitpunkt, in den ersten Jahren der 320er Jahre, durchaus ganz aufrichtig, möglicherweise auch diese Form des Christentums, wie sie ihm entgegen getreten ist, in Form einiger Gelehrter und Bischöfe, die auch mit ihm über den christlichen Glauben offensichtlich gesprochen haben, dass er das angenommen hat und auch als eine noch bessere Variante gesehen hat, als das, was er vorher als heidnischen Sonnenkult verehrt. Und dass er durchaus hier, wie wir gesehen haben, eine Verbindung gesehen hat, eine neue Stufe der Weisheit sozusagen.

[21:34] Interessant ist ebenfalls zu beobachten, dass die Idee des einen Gottes für ihn auch in dieser Rede an die Versammlung der Heiligen eine politische Konnotation hat. Denn der Monotheismus ist eine – wird gespiegelt, besser gesagt, in der Idee des einen Herrschers.

[21:54] Und der Diokletian-Jahren hatten wir die – die wir damals gegen – die Aufteilung des Reiches unter mehrere Kaiser. Konstantin strebt die er seit einiger Zeit an, die Alleinherrschaft.

[22:06] An dem gesehen, dass die Kriege, die er geführt hat, immer wieder auf sein eigenes Anstiften zurückgingen. Er wollte alleine regieren. Und so eine Alleinherrschaft muss auch weltanschaulich begründet sein. Und möglicherweise, und das wird von vielen Forschern heute angenommen, war der Monotheismus des Christentums dazu ein willkommenes Handwerkszeug. Denn im Heidentum gibt es viele Götter, und man wendet sich mal an den, mal an den anderen. Und das entspricht eher der Idee von vielen Kaisern, mehreren Herrschern. Aber wenn es nur der Kaiser gibt und der religiös begründet werden soll, dieses Kaisertum, dann ist natürlich jetzt sehr attraktiv, wenn es nur einen Gott gibt.

[22:48] Das heißt, auch hier ist also die – das Bekenntnis zum biblischen Glauben immer wieder auch mit einer politischen Unterströmung verbunden.

[22:57] Die wir gesehen haben, hat er also sein Ziel erklärt, das ganze Christ – und das ganze Reich zu christianisieren. Aber, und das ist sehr interessant und sehr wichtig in diesem Zusammenhang, nicht mit Gewalt, sondern mit Überzeugung.

[23:11] Dass das im Laufe der Jahrzehnte dann nicht immer so gegangen ist und durchaus auch Gewalt dann angewendet worden ist, das werden wir dann in der übernächsten Folge noch sehen.

[23:27] Zu dieser Zeit, im Frühjahr 323, befand sich Konstantin in Thessaloniki und hat sich dort eine – eine Stützpunkt, ein militärisches Basis-Lager sozusagen aufgebaut.

[23:45] Es kam dann zu einem Raubüberfall der Goten, die nördlich der Donau lebten. Das sind dann die späteren Westgoten, die Jahrzehnte später dann beim Fall des Weströmischen Reiches noch eine ganz entscheidende Rolle spielen würden, die jetzt zum ersten Mal als dieser Teil der Terwingen auftauchen. Konstantin hat sich auf den Weg gemacht, hat sie besiegt und hat dabei allerdings die Grenze zum Territorium von Licinius, dem ja ganz Thrakien noch in Europa gehörte, überschritten. Und das war dann sozusagen der Anlass zum Krieg. Licinius hat das als Vertragsbruch ausgelegt und so war die beiden Kaiser jetzt auch offiziell miteinander im Krieg.

[24:34] Zunächst einmal hat Konstantin dann den Winter von 323 zu 324 in Sirmium verbracht, hier an der Donau, weiter im Westen, kann auf der Karte sehen.

[24:51] Und in diesem Jahr 323 haben wir noch ein weiteres interessantes Gesetz.

[24:53] weiteres interessantes Gesetz kurioserweise vom 25. Dezember, das zu dieser Zeit noch nicht als Weihnachtsfeiertag in der Christenheit verbreitet gewesen ist. Konstantin sagt hier, dass jeder, der einen christlichen Kleriker zwingt, heidnische Opfer durchzuführen, mit einer Prügelstrafe oder einer hohen Geldstrafe bestraft wird. Wenn es sich um hochrangige Personen handelt, wird er bestraft. Ein Gesetz, das natürlich auch mit einem Blick auf den Osten gerichtet gegeben ist, um den Christen, die dort ja weder unter Repressalien von den Liciniern leiden, zu sagen: Wenn ihr mich unterstützt, dann wird es euch besser gehen.

[25:38] Im nächsten Jahr kam es dann zu diesem neuerlichen Krieg zwischen Konstantin und Licinius. Hier in Thessaloniki hatte er seine Basis, dort hatte er eine große Flotte bauen lassen und im Sommer zieht er dann mit seiner Armee hier nach Adrianopel, dort, wo Licinius ihn erwartete, an dem Fluss Hebrus, der heutige Fluss Mariza. Und dort standen tagelang die Armeen von Konstantin und die Armeen von Licinius sich gegenüber. Vielleicht haben sie geahnt, dass dieser Feldzug der entscheidende sein wird.

[26:20] Wieder war es Konstantin, der die Initiative ergriffen hat, der den Fluss überquert und dann Licinius endgültig besiegt in der Schlacht. Licinius selbst wurde verwundet und floh Richtung Byzanz. Die griechische Stadt, die wir hier sehen, direkt am Bosporus, die damals noch nicht Konstantinopel, sondern Byzantion hieß. Und dort hat Konstantin ihn jetzt belagert. Währenddessen hat sein Sohn Crispus, der beteiligt gewesen an diesem Unternehmen, die Flotte von Thessaloniki geführt. Auch gegen wurde aufgehalten, der Kommandant Amandus hat ihm den Weg versperrt. Und so hat Crispus dann erneut die Initiative ergriffen, die gegnerische Flotte besiegt und Licinius musste dann angesichts dieser Belagerung von Konstantin und dem Flottenangriff des Crispus über den Bosporus auf den asiatischen Teil zurückziehen.

[27:25] Nach Kalchedon auf der anderen Seite angelangt, hat dann Licinius nochmal einen neuen Kaiser erhoben, einen mit Augustus und 200 Gewissen Martinianus, der jetzt Konstantin am Übergang nach Asien hindern sollte. Es gab also für einen kurzen Zeitpunkt wieder drei Augusti: Konstantin, Licinius und eben diesen Martinianus, der die Aufgabe hatte, sicherzustellen, dass Konstantin nicht Asien erreicht. Dazu kam es allerdings nicht, weil Konstantin den Maxentius ganz überrascht und nicht dort anlegt, wo man erwarten würde, sondern hier nördlich von Tripolis. Das ist also ungefähr hier, wo dieses Kreuz eingezeichnet ist. Dort hat Konstantin übergesetzt, hat die Armee von Licinius überrascht. Es kam erneut zur Schlacht zwischen der Armee von Konstantin und Licinius und Konstantin siegt erneut.

[28:27] Licinius entkommt knapp nach Nicomedia und weiß jetzt: Es ist vorbei. Konstantin hat den endgültigen Sieg errungen. Am 19. September 324 hat Licinius die Unterwerfung angeboten. Er hat jetzt durch Constantia, seiner Frau, mit Konstantin verhandelt, die ja seine Schwester gewesen ist und damit auch auf milde Behandlung gehofft. Und so wurde er tatsächlich verschont und nicht umgebracht. Er sollte unter Hausarrest gestellt werden und nach Thessaloniki gebracht werden. Der andere Kaiser, der nur wenige Tage eigentlich auf diese würde hatte, wurde abgesetzt und kurz darauf auch getötet. Ihr Andenken sollte ausgelöscht werden, die sogenannte Damnatio Memoriae. Niemand sollte man wissen, dass es sie gegeben hat.

[29:34] Und so gab es jetzt im September 324 tatsächlich nur noch einen Augustus, nämlich Konstantin, und zwei Caesaren, nämlich Crispus und Konstantin den Zweiten, seine Söhne. Den anderen Caesar, Licinius den Zweiten, der war natürlich selbstredend auch abgesetzt worden. Jetzt war Konstantin auf dem Höhepunkt seiner Macht. Er war Alleinherrscher des gesamten Römischen Reiches, der erste seit vier Jahrzehnten und seine Dynastie würde noch für kommende vier Jahrzehnte das Römische Reich prägen und damit die ganze Weltgeschichte auch in bestimmte Bahnen lenken.

[30:31] Vier Söhne hatte er jetzt zu diesem Zeitpunkt: Crispus, Konstantin den Zweiten, Constantius den Zweiten und Constantinus. Eine gewisse Ähnlichkeit der letzten drei lässt sich nicht leugnen. Zwei von denen, Crispus und Konstantin der Zweite, waren ja schon Cäsaren und entsprechend als Nachfolger positioniert. Hier sehen wir eine Münze, in der Konstantin sich auch als Alleinherrscher über das Reich feiern lässt. Interessant ist, dass in seiner Regierung jetzt zum ersten Mal seit gut 100 Jahren, seit dem Ende der Ära der Severer, auch Frauen wieder ganz große Achtungspositionen innehaben konnten. Seine Frau, Fausta, und seine geliebte Mutter, Helena, von der wir in der ersten Folge gelernt haben, dass sie eine äußerst einfache Frau gewesen ist, wurden jetzt sogar zu Augusta, quasi Kaiserinnen. Das war natürlich in diesem Fall mehr ein Ehrentitel, den sie gehabt haben. Es wurden Münzen mit ihren Bildern herausgegeben.

[31:48] Und auch Constantia, seine Schwester, die Frau von Licinius, war noch sehr einflussreich, insbesondere in der Religionspolitik. Konstantin ist dann auf seiner Reise weitergezogen gen Osten, mindestens noch bis Antiochia am Orontes, einem der großen Zentren des Christentums. Und dort hat er einen schriftlichen Tadel Richtung Alexandria verfasst und zwar in einem Streit, der schon seit einigen Jahren den Osten des Reiches, also die Christen im Osten, auf Trab hielt. Ein Streit, der eine solche Sprengkraft entfalten würde, dass er bis zum heutigen Tag Christen immer noch gegeneinander aufstachelt.

[32:47] Und zwar geht es um den Streit eines gewissen Arius gegen den Bischof von Alexandria, den Alexander. Es ging in diesem Streit um nichts weniger als das Wesen der Gottheit, der sogenannte arianische Streit um Fragen der Dreieinigkeit ist ein Streit, der wie kaum ein anderer die Kirchengeschichte geprägt hat und bis zum heutigen Tag für Uneinigkeit sorgt. Bevor wir uns den genau anschauen, ist es vielleicht hilfreich, sich ein bisschen genauer die Frage zu stellen, was die biblische Grundlage eigentlich in diesem Thema ist.

[33:30] In Johannes 1, und dort Vers 1 und 14, stehen diese bedeutenden, großartigen Worte: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Und das Wort wurde das Fleisch und wohnte unter uns, seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit." Hier wird beschrieben, dass der, den die Jünger als Jesus kennengelernt haben, etwas erst schon vor seiner Menschwerdung existierte, ja, dass er Gott war und zwar so sehr wie Gott der Vater selbst, dass er am Anfang schon da war.

[34:13] Die Tatsache, dass Jesus in der Bibel Gott genannt wird, kann nicht geleugnet werden. Selbst Gott der Vater, so sagt Paulus, nennt ihn selbst Gott. In Hebräer 1, Verse 8 bis 10 heißt es: "Aber von dem Sohn: Dein Thron, o Gott, währt von Ewigkeit zu Ewigkeit; das Zepter deines Reiches ist ein Zepter des Rechts. Du hast Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst; darum hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl mehr als deine Gefährten. Und am Anfang hast du, Herr, die Erde gegründet, und die Himmel sind das Werk deiner Hände." Natürlich ein Hinweis auf 1. Mose 1, Vers 1: "Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde."

[34:52] Immer wieder im Alten und im Neuen Testament wird deutlich, dass Jesus Gott ist. In Jesaja 9,5 heißt es: "Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter, und man nennt seinen Namen: Wunderbarer Ratgeber, starker Held, ewig Vater, Friedefürst." Nun die Debatte, an der Arius so großen Anteil hatte, entspannen sich unter anderem an diesem Text in Sprüche 8, Vers 32. Dort geht es um die Weisheit, die hier personifiziert. Folgendes sagt Sprüche 8, 32: "Der Herr besaß mich am Anfang seines Weges, er, etwas vor aller Zeit. Ich war eingesetzt von Ewigkeit her, vor dem Anfang, vor den Ursprüngen der Erde. Als noch keine Fluten waren, wurde ich geboren, als die wasserreichen Quellen noch nicht flossen, ihr die Berge eingesenkt wurden. Vor den Flügeln wurde ich geboren."

[35:54] Und dieses Wort "geboren" hat schon viele Generationen von Christen zum Nachdenken angeregt. Die Weisheit wird im Neuen Testament eindeutig mit Christus Jesus identifiziert, zum Beispiel hier in den Schriften von Paulus, 1. Korinther 1, 30: "Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht worden ist zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung." Sprüche 8 spricht also von Jesus, von Christus. Und Arius glaubt, dass er diesem Vers ableiten zu können, dass Christus einen Anfang habe, dass er also tatsächlich geboren sei, dass er geschaffen worden sei, sozusagen von dem Vater.

[36:38] Interessant ist allerdings, dass dieser Vers hier in Vers 2 sagt: "Ich am Anfang, sagte: Der Herr besaß mich am Anfang seines Weges, er, etwas vor aller Zeit." Mit anderen Worten, was auch immer mit dieser äußerst schwer zu verstehenden Formulierung "der Anfang seines Weges", also was ist der Anfang des Weges des Vaters, mit anderen Worten, dort wurde er her begonnen hat, wo Gott der Vater begonnen hat, was man das bedeutet, weil wir glauben, dass Gott der Vater von Ewigkeit existiert. Als Gott der Vater seinen Weg begann, war die Weisheit schon da. Der Sohn Gottes, der war schon davor alle Tanks und wann immer man ein Erst dann dann das postuliert hat, man sagt dann, man sagt dann nämlich, dass jemand danach gekommen ist oder dann niemand davor gewesen ist.

[37:31] Und das ist sie aber vor aller Zeit war die Weisheit, das heißt Christus, Christus schon da. "Im Anfang war das Wort." Warum wird also Jesus, der Sohn Gottes, und der Eingeborene, der Erstgeborene genannt? Schon in Kolosser 1, Verse 15 und 18: "Dieser ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene, der über aller Schöpfung ist. Denn in ihm ist alles erschaffen worden, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, alles ist durch ihn und für ihn geschaffen. Und er ist vor allem, und alles hat seinen Bestand an ihm. Und er ist das Haupt des Leibes, der Gemeinde. Er, der Anfang ist der Erstgeborene aus den Toten, damit er in allem der Erste sei."

[38:14] Nun, wenn man die Bibel aufmerksam liest, stellt man fest, Jesus war nicht der erste, der von den Toten auferstanden ist. Die Bibel berichtet schon im Alten Testament von einigen wenigen Totenauferstehungen und auch im Neuen Testament, vor der Kreuzigung und Auferstehung Jesu, sind Menschen von den Toten auferweckt. Die Formulierung "Erstgeborener von den Toten" oder "Erstgeborener aus den Toten" bezieht sich nicht auf den Zeitpunkt. Jesus war nicht der zeitlich erste, der von den Toten auferstanden ist, sondern auf den Rang. Er ist von allen der höchste, der besonders, der wichtigste, erst der, der über allen anderen ist, weil seine Totenauferstehung natürlich nochmal anders war als alle anderen zuvor. Denn er hat selbst den Tod besiegt, Tod und Teufel am Kreuz und durch die Auferstehung besiegt und hat die Schlüssel des Totenreiches und hat das Leben der Menschen dadurch wieder gegeben und die Möglichkeit der Erlösung vollendet. Er ist vor allem.

[39:13] "Sackgasse" und das meint nicht, dass er zeitlich vor allem gemacht worden ist, sondern in den höchsten Rang. Hat der Begriff "Erstgeborener" im biblischen Denken nicht nur die Kombination, dass jemand zuerst geboren ist, also der erste in einer Reihe von verschiedenen Zeitpunkten, sondern er hat auch den höchsten Rang. Er hat das doppelte Erbe. Und es ist in dieser Bedeutung des Ranges und der Bedeutung, dass hier Jesus der Erstgeborene genannt wird.

[39:40] Das ist also die biblische Opposition. Aber Arius hatte eine andere. Er war ein Presbyter, das heißt ein Gemeindeältester aus Alexandria und hat dort auch viel gepredigt. Und er vertrat die Idee, dass sie, Jesus, dass der Sohn Gottes dem Vater untergeordnet sei, der sogenannte Subordinationsismus. Jesus sei nur geschaffen vom Vater, gezeugt und nicht so wie der Vater. Diese Ideen hatte er nicht alleine entwickelt. Sie gehen zurück auf Denker, also teilweise schon im zweiten Jahrhundert, ähnlich Ideen vertreten haben, unter ihnen z.B. Origenes, ein christlicher Gelehrter, der von 185 bis 253, 254 lebte, der erste wirklich sehr intellektuelle, erste große christliche Intellektuelle in der Kirche, der entsprechend auch einen großen Einfluss hatte, der allerdings sich teilweise sehr weit aus dem Fenster lehnte und zum Teil sehr weit auch vom biblischen Befund entfernte.

[40:51] Er war es vor allem, vor allen anderen, der versuchte, die griechische Philosophie mit dem christlichen Glauben zu kombinieren. Er vertrat die allegorische Auslegung, wo man überall allegorische, metaphorische, sogenannte geistliche, spirituelle Bedeutung in den Text hineinlegte. Und aufgrund seiner hohen Popularität haben seine Theorien in der einen oder anderen Form auch weiter gewirkt. Er hatte zum Teil sehr merkwürdige Ansichten. Er glaubte zum Beispiel auch an die Existenz menschlicher Seelen und einige andere ganz gravierende Positionen. Einige haben ihm auch unterstellt, er hätte auch Magie zum Beispiel gutgeheißen. Und vieles kann man nicht bis ins letzte genau nachprüfen. Aber eins ist sicher, auch jenes vertrat Positionen, die ich schon 100 Jahre später weitestgehend in der christlichen Kirche nicht mehr so akzeptiert worden, die aber immer noch in bestimmten Kreisen geglaubt wurden und weiter geführt wurden.

[41:52] Und aus dieser Tradition speiste sich auch der Arius. Die Bibel warnte ja schon zur Zeit von Paulus: "Habe acht, dass euch niemand beraube durch die Philosophie und leere Betrug gemäß der Überlieferung der Menschen, gemäß den Grundsätzen der Welt und nicht gemäß..." In dem Moment, als Christen versuchten, mit philosophischen Begriffen und Denkmodellen biblische Wahrheiten zu definieren und Gott zu kategorisieren, in diesem Moment begann der Streit und er hörte nicht mehr auf, denn er ließ sich durch philosophische Kategorien nicht lösen.

[42:26] Statt einfach dem Wort Gottes zu glauben, wie es dort steht, und all das beiseite zu lassen, was man nicht erklären kann, und stattdessen wie ein kleines Kind, das auch nicht immer alles versteht, Gott liebt, Gott zu lieben und zu ehren, ihm zu gehorchen, hatte man nun versucht, wie die Philosophen alles zu ergründen und genauso zu definieren. Und das führte natürlich bei schwachen Menschen zu unglaublich viel Streit.

[42:53] Der Gegenpart zu Arius war ein gewisser Alexander, der Bischof von Alexandria, der ihn auch tatsächlich aufgrund dieses Streites exkommunizierte und aus Alexandria verbannte. Damit war der Streit aber erst so richtig losgetreten. Die Christen in Ägypten waren ohnehin schon zerstritten, wohl auch schon in der Zeit der Verfolgung zum Teil zerstritten gewesen, dass einige Hinweise darauf. Und Alexandria war ein Zentrum der spekulativen Theologie. Das war eines der ganz großen Zentren der Gelehrsamkeit. Hier war alles zusammengeflossen, sowohl aus dem Westen als auch aus dem Osten, was an Religion, Philosophie, an Gedankengebäude gab. Die Theologen in Alexandria waren zum Teil sehr weit gegangen in ihren Ansichten, schon im zweiten Jahrhundert, wie gesagt, der Origenes z.B., doch der Clemens von Alexandria.

[43:44] Es war eines der Zentren, wo schon sehr früh der Sonntag eine wichtige Rolle gespielt hatte. Und wie gesagt, Arius wurde verbannt und exkommuniziert. Es gab aber auch Bischöfe, die sich auf seine Seite stellten, unter anderem ein gewisser Eusebius von Nikomedia, der nahm ihn auf, löste eine Synode ein und brachte ihn dadurch wieder in Gemeinschaft mit den anderen Kirchen oder mit den anderen Gläubigen, nahm ihn in die Kirche wieder auf. Ebenfalls beteiligt war ein Antrag aus Videus, der für das Leben von Konstantin noch sehr wichtig werden wird, nämlich Medius von Cäsarea in Palästina, der war 313 Bischof dort in Palästina und war auch ein Anhänger des Origenes, soweit wir das rekonstruieren können, aber auch ein großer Verehrer von Konstantin und einer, der sich in der Frage des Arianismus so ein bisschen bedeckt gehalten hat und durchaus seine Sympathien für Arius gehabt hat und uns zunächst einmal auch der deswegen angeklagt und auch exkommuniziert worden ist.

[44:48] Am 8. November 324 hat Konstantin dann einen weiteren Sohn von ihm, den Constantius den Zweiten, zum Kaiser, zum Caesar erhoben, um also allen, die jetzt einigermaßen schon ein bisschen laufen konnten, in Anführungsstrichen, von seinen Söhnen, dieses Vorrecht mitzugeben, ihm möglicherweise auf dem Kaiserstuhl folgen zu können, auf dem Kaiserthron.

[45:19] Am 8. November, bei dieser Gelegenheit, hat Konstantin dann auch einen sehr weitreichenden Plan verkündet, nämlich, dass er die Stadt Byzanzion neu gründen möchte und jetzt zu einer Art neuen zweiten Hauptstadt machen wolle. Wir haben ja schon gesehen, dass die Kaiser eigentlich schon seit Jahrzehnten nicht mehr wirklich in Rom residierten. Byzantion sollte jetzt dieses neue Zentrum im Osten des Reiches sein, dort, wo der große Reichtum war, dort, wo die Gelehrsamkeit war und dort, wo auch die meisten Christen leben. Übrigens hat Konstantin wohl zunächst daran gedacht, Troja wieder aufzubauen und hat dann erst in einem weiteren Gedankenschritt davon Abstand genommen und hat sich Byzantion ausgewählt, weil diese Stadt quasi uneinnehmbar ist aufgrund einer äußerst brillanten strategischen Lage, die diese Stadt hat. Und wer diese Stadt besitzt und im Zentrum seiner Macht verankert, der hat Zugriff auf weite Teile des östlichen Mittelmeeres. Eine ganz strategisch günstige Lage.

[46:27] Diese Stadt sollte dann nach Constantins Willen "Neues Rom" genannt werden. Sie wurde allerdings schon zu seinen Lebzeiten von allen anderen dann nach ihm benannt, nämlich Konstantinopel. Konstantin war jetzt der Herrscher über das gesamte Römische Reich und alle Christen sahen in ihm den Befreier schlechthin und brachten natürlich auch ihre Probleme und auch ihre innerkirchlichen Probleme zu Konstantin.

[47:01] Wir haben schon gesehen, wie über Jahre hinweg er vergeblich versucht hatte, den Streit in Nordafrika zu schlichten. Auch im Jahre 324 hat er nochmal einen Versuch unternommen. Er hat die Schiffe aus dem Osten nach Afrika gesandt, um dort zwischen den Donatisten und der Mehrheitsgruppe der Hauptkirche zu vermitteln. Wir wissen nicht mehr genau, was daraus geworden ist, direkt Ergebnisse sind nicht bekannt. Das liegt zum Teil auch deswegen, weil die Aufmerksamkeit jetzt auf dem anderen Streit, dem arianischen Streit lag.

[47:36] Und Konstantin, der jetzt auch über den ganzen Osten reagierte, sofort mit diesem Problem konfrontiert war, er hatte in Antiochia bereits einen Brief gesandt nach Ägypten und dort sowohl Arius als auch Alexander aufgefordert, den Streit einfach beiseite zu lassen, weil er der Meinung war, dass diese ganze Diskussion albern und lächerlich und unnütz sei und gar nicht notwendig, einfach nur ein Geschenk von Theologen, das doch viel mehr die Einheit wichtig sei.

[48:06] Jetzt stellt sich heraus, dass natürlich die Frage, ob Jesus ganz Gott ist oder ein geschaffenes Wesen, auf einen Anfang hat oder nicht, eine ganz fundamentale Frage ist und keineswegs einfach so durch ein Machtwort des Kaisers beiseite geschoben werden kann. Konstantin musste also zu einem anderen Mittel greifen. Vielleicht hat er sich daran erinnert, dass er ja schon in der Donatistenfrage ein allgemeines Konzil einberufen hatte, 314 nach Er, damals mit allen Bischöfen des Westens. Genau das wollte er jetzt auch tun, allerdings mit allen Bischöfen überhaupt des ganzen Reiches.

[48:38] Dieses Konzil sollte als erstes großes allgemeines Konzil seit der Christenverfolgung in Ankara stattfinden, im heutigen Ankara. Und es wurde dann auch für 325 einberufen, allerdings ganz kurzfristig, im letzten Moment sozusagen, dann doch noch nach Nicäa verlegt. Da gab es verschiedene Gründe. Offiziell sagte Konstantin, dort wäre das Wetter besser, das Klima besser und auch die Anreise wäre wohl einfacher.

[49:12] Es gab wohl auch noch gewichtigere Gründe. Zum einen war in Ankara ein Bischof, der ganz offen gegen Arius war. Und Konstantin hatte ja schon in der Donatistenfrage Erfahrungen damit gemacht, dass wenn ein Hauptkleriker, der vor Ort ist, da besonders radikal ist, dann ist eine einvernehmliche Lösung nicht möglich. Das hatte man ja mit Milziades in Rom.

[49:34] Erfahren. Und es gab auch Bischöfe, die sich auf seine Seite stellten, unter anderem ein gewisser Eusebius von Nikomedia, der nahm ihn auf, löste eine Synode ein und brachte ihn dadurch wieder in Gemeinschaft mit den anderen Kirchen oder mit den anderen Gläubigen, nahm ihn in die Kirche wieder auf. Ebenfalls beteiligt war ein Antrag aus Videus, der für das Leben von Konstantin noch sehr wichtig werden wird, nämlich Medius von Cäsarea in Palästina, der war 313 Bischof dort in Palästina und war auch ein Anhänger des Origenes, soweit wir das rekonstruieren können, aber auch ein großer Verehrer von Konstantin und einer, der sich in der Frage des Arianismus so ein bisschen bedeckt gehalten hat und durchaus seine Sympathien für Arius gehabt hat und uns zunächst einmal auch der deswegen angeklagt und auch exkommuniziert worden ist.

[49:34] hatte man ja mit milderen Jahren in Rom damals gesehen. Die Kia dagegen war die Möglichkeit gegeben, dass hier vielleicht etwas ausgewogener die Frage behandelt worden werden könnte. Außerdem konnte er so gegenwärtig sein.

[49:48] Es gibt aber vielleicht auch noch einen Grund, der damit zusammenhängt, dass Konstantin noch einmal etwas Unangenehmes tat, etwas, was er vielleicht durch Propaganda etwas verdecken wollte. Und das hat er mit diesem Licinius zu tun, den er ja unter Hausarrest gestellt hatte. Der wurde schon im nächsten Jahr umgebracht.

[50:09] Offiziell hieß es, Licinius hätte Verrat geplant. Wir wissen mittlerweile schon, dass den offiziellen Verlautbarungen von Konstantin, nachdem einer seiner Gegner umgebracht worden ist, nicht wirklich zu trauen ist. Es gab möglicherweise aber da – es gibt einige Indizien dafür – eine echte politische Krise in Rom, Umsturzgedanken dort. Und vielleicht, weil Licinius dann so eine Art Fokus auf sich zog, auf den sich dann alles konzentriert hat. Jedenfalls das Versprechen, das er gegeben hat, Licinius zu verschonen, brach er also schon im nächsten Jahr.

[50:41] Just in dieser Zeit begann also jetzt das berühmte Konzil zu Nicäa. Über oder ungefähr 300 Bischöfe aus dem ganzen Reich kamen zusammen und Konstantin selbst war anwesend, nicht mit bewaffneten Soldaten und Leibgarde, sondern mit christlichen Freunden.

[51:05] Konstantin war persönlich sehr bewegt, denn viele Bischöfe, die dort kamen, kamen zum Teil ohne Augen oder mit einem Arm oder einem Bein. Die Verfolgung war ja erst noch wenige Jahre zurückgelegen und viele trugen noch die Zeichen dieser schlimmen Christenverfolgung an sich. Es waren gerade auch diese treuen, die in der Verfolgung aufrecht standen, hatten zum christlichen Glauben, deren Meinung in diesem Konzil sehr viel Gewicht hatte.

[51:40] Konstantin hat dann auch die Eröffnungsrede gehalten. Er hat dort betont, dass die Kirche eine Einheit darstellt. Das war ihm besonders wichtig. Ihm ging es weniger um theologisches Fragestellung, wie er es vielleicht auch gar nicht bis ins letzte völlig durchdrungen hat, vielleicht schon. Das können wir nicht genau beurteilen. Wichtiger als die genaue Definition einzelner Punkte war für ihn, dass die Christen zusammenhalten.

[52:09] Denn wir müssen uns daran erinnern, die Christen waren hierfür auch ein Machtfaktor und deren Zersplitterung konnte ihm nun wirklich nicht gelegen sein. Deswegen war der Kampf gegen solche Streitigkeiten für ihn sogar wichtig, wichtiger als jeder Krieg. Man könnte es auf diese Formel bringen: Priorität hat Einheit, nicht Reinheit.

[52:31] Konstantin selbst nahm an den Diskussionen teil und lobte auch die Redner, wenn sie seiner Meinung nach etwas Gutes gesagt haben. Und hat sich, wie gesagt, um Einheit und Frieden bemüht. Das konnte man sehr schön sehen an dem Beispiel von Eusebius von Caesarea. Der war ja als Exkommunizierter angetreten, weil man ihm vorgeworfen hatte, mit dem Arius zu sympathisieren auf einer Synode.

[53:01] Und als er jetzt dort ankam, hat er ein Bekenntnis seines Glaubens abgegeben und Konstantin war ganz seiner Meinung und meinte: Wenn du nur noch diesen Punkt hinzufügst, dann ist alles okay. Und Eusebius hat sich dem Konstantin gebeugt und auf dessen freundliches Nachdrängen bekannt, dass der Vater und der Sohn substanzgleich seien. Das war die Formel, wirklich noch sehen werden, auf die es ankam.

[53:27] Und so wurde er wieder in die Kirche aufgenommen, was seine Feinde, die ihn immer noch feindlich gesinnt waren, in eine Bedrängnis brachte. Der in den Konstantin jetzt vor lauter Freude an der Einheit der Bischöfe so in die Kirche aufnahm.

[53:42] Dann war die Frage, ob die theologischen Dispute wirklich bis an die Wurzel gelöst werden konnten. Das Konzil kam zu einer Entscheidung, dem berühmten Glaubensbekenntnis von Nicäa. Man entschied sich für den Begriff Homoousios, von gleicher Substanz Vater und Sohn seien, von gleicher Substanz.

[54:07] Der Begriff kommt so nicht in der Bibel vor und genau das ist nämlich das Problem, dass er dann wieder neue Debatten auslöste, die bis zum heutigen Tag nicht gelöst sind. Der Begriff ist übrigens keine Erfindung von Konstantin gewesen, die manchmal zu lesen oder zu hören ist, sondern bereits vor dem Konzil finden wir den Alexander von Alexandria und auch Konstantin Hof-Theologen, den Eusebius von Córdoba, wie sie in der Korrespondenz sich auf diesen Begriff einigen.

[54:39] Des Glaubensbekenntnisses ist vermutlich von dem katholischen Bischof Hosius von Cordoba formuliert worden. Konstantin hat sich allerdings beteiligt, als nachdem das Glaubensbekenntnis dann vorgelegt worden ist und etliche Bischöfe für genauere Erklärung haben wollten und genau verstehen wollen, welches Wort die gemeint sei, hat wohl Konstantin eine solche Erklärung gegeben, dass die allermeisten Bischöfe zufrieden gewesen sind.

[55:04] So auch Hosius von Cordoba. Interessanterweise sagt aber auch dieses Konzil von Nicäa, dass der Sohn gezeugt vom Vater, das heißt von der Essenz des Vaters sei. Die Idee bleibt bestehen oder wird hier auch vertreten, dass der Sohn irgendwie vom Vater kommt. Eine Idee, die bis heute sich noch im römisch-katholischen Katechismus gehalten hat, wo es heißt: Licht vom Licht.

[55:38] Man kann festhalten, dass der Versuch, etwas so Unvergleichliches wie die Gottheit mit den Hilfsmitteln der philosophischen, der griechischen Philosophie und Logik zu kategorisieren, dass der Versuch gründlich gescheitert ist und auch in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten krachend immer wieder scheiterte. Gott hat uns diese Aufgabe nicht gegeben, mit eigenen, selbst erfundenen Begriffen genau zu definieren, wie er ist. Das kann nur im Streit enden.

[56:06] Was wir tun sollten, ist, die inspirierten Aussagen, die es gibt, einfach wie ein Kind annehmen und glauben. Das wird zum Frieden und zur Glaubenseinheit führen.

[56:18] Es gab zwei Bischöfe nur, die gegen diesen Beschluss stimmten, und die wurden dann allerdings abgesetzt und sogar verbannt. Auch Arius, der nicht anwesend gewesen ist, wurde verbannt und entsprechend wurden seine Ansichten abgelehnt. Das bedeutet aber nicht, dass der Arianische Streit gelöst war, wie wir noch sehen werden.

[56:42] Das Konzil hat auch noch andere Fragen behandelt, zum Beispiel auch die Frage, dass der Osterttermin, der war immer noch nicht einheitlich. Es gab verschiedene Daten in verschiedenen Teilen des Reiches. Konstantin drängt auch hier auf Einheitlichkeit, dass er ihm besonders wichtig und er beschloss – oder er drang darauf, dass Rom und Alexandria, diese beiden Städte, schon seit frühester Zeit auch mit dem Sonntag so gespielt hatten, den Termin festlegen sollten.

[57:13] Nach dem Konzil hat Konstantin dann alle Bischöfe nach Nicomedia eingeladen zu einem besonderen Bankett. Seine 20-Jahr-Feier stand kurz bevor, die er dann im nächsten Jahr zum Fall gefeiert werden sollte. Und hier wollte er jetzt, nachdem er bei der Kirche gewesen war, der Kirche jetzt das Reich zeigen, sozusagen diese Feierlichkeit von Kaiser und Kirche wurde hier gefeiert.

[57:41] Die Bischöfe kamen und schmissen und feierten mit dem Kaiser. Die Welt hatte sich 180 Grad gedreht für die Christen. Noch wenige Jahre zuvor, 20 Jahre zuvor, waren sie verfolgt worden. Im Osten ja, dann sogar auch noch einige Jahre länger. Und dann vor kurzem wieder. Aber jetzt war alles ganz anders.

[58:08] Plötzlich hatten sie einen privilegierten Sitz an der Spitze des Reiches, im Zentrum des Reiches. Die verfolgte Kirche war plötzlich eine privilegierte Schicht, etwas, was der Kirche, wie wir noch sehen werden, nicht unbedingt gut getan hat.

[58:24] Interessanterweise finden wir allerdings bis in das Jahr 325 noch solche Münzen, auf denen Konstantin als Sol Invictus, als Sonnengott, dargestellt wird. Das mag vielleicht auch damit zusammenhängen, dass seine Entscheidung zum Christentum nicht gleich sofort überall gleich bekannt gewesen ist und das vielleicht mit 12 Jahren Verzögerung immer noch Münzen dieser Art ausgegeben worden sind.

[58:51] Es zeigt aber, dass in die erste Hälfte der 320er Jahre hinweg er immer noch im Reich als Verehrer des Sol Invictus angesehen wurde. Und jetzt erst, um diese Zeit zwischen 323, 24, 25, dass das Bewusstsein sich durchsetzte, dass Konstantin jetzt eigentlich Christ gewesen ist.

[59:14] Im Jahre 325, 326 hat Eusebius von Caesarea dann seine berühmte Kirchengeschichte veröffentlicht. Dieses Werk behandelt die ersten drei Jahrhunderte der Christenheit. Das ist die erste christliche Kirchengeschichte und der Beginn einer ganzen Reihe von Schriftstellern, die dann in den kommenden Jahrzehnten immer weiter dieses Werk weiterführen würden und mit neueren Ereignissen ergänzen würden.

[59:40] Als seriös ist damit auch so ein bisschen der Vater der christlichen Geschichtsschreibung und eine der wichtigsten Quellen für uns, wenn es darum geht, die ersten Jahrhunderte der Christenheit zu verstehen.

[59:52] Ebenfalls eine wichtige Entwicklung in jener Zeit war die Entstehung des Mönchtums um 325. Nach anderen, nach 320 war es der Pachomius, der als erster Mönchsgemeinschaften in Ägypten in der Wüste gründete.

[1:00:11] Diese Askese war eine Modeerscheinung gewesen schon einige Jahre zuvor, seit Beginn des dritten Jahrhunderts, des vierten Jahrhunderts hatte es so einzelne lebende Mönche gegeben, die alleine sich zurückgezogen haben. Aber jetzt, warum kam diese neue Idee auf, dass solche asketischen lebenden Menschen auch zusammenleben könnten? Was dann natürlich eine weitreichende Entwicklung war, bis ins Mittelalter.

[1:00:40] Diese Idee, durch Askese, besonders heilig zu werden, war natürlich in völligem Gegensatz zu dem, was die Bibel unter Heiligkeit versteht. Jesus hat ja niemals seine Jünger aufgefordert, sich von der Welt zurückzuziehen. Er hatte gebetet in Johannes 17, 25: "Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen."

[1:01:01] Und in Matthäus 5, Vers 13 und 14 hatte er gesagt: "Ihr seid das Salz der Erde. Werde aber das Salz fade, womit soll es wieder salzig gemacht werden? Es taugt zu nichts mehr, als dass es hinausgeworfen und von den Leuten zertreten wird. Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berg liegt, nicht verborgen sein."

[1:01:19] Weil Jesus wollte, dass Menschen von dem Charakter von Christen angezogen wären, dazu mussten die Christen aber in der Gesellschaft sein. Sie mussten gesehen werden und nicht irgendwo in der ägyptischen Wüste, fernab der Zivilisation.

[1:01:38] Für manche dieser Asketen war diese Form des Lebens auch eine Art Martyrium. Da es jetzt keine Christenverfolgung mehr gab, konnte man auch nicht mehr Märtyrer werden. Und es gab tatsächlich nicht wenige Christen, die eigentlich gewünscht hätten, Märtyrer zu werden, aber dieses Leid nicht mehr leiden konnten und jetzt diesen Weg der Askese gingen, um sozusagen in der Wüste zu leiden, als quasi Märtyrer zu leben und somit Heiligkeit zu bekommen.

[1:01:57] Ein ganz völlig falsches Verständnis von Heiligkeit. Die Heiligkeit entsteht nicht durch eigene Leistung und durch eigene Askese, sondern durch die Gemeinschaft mit Jesus Christus, der uns heilig macht durch seinen Heiligen Geist.

[1:02:13] Konstantin hat dann in dieser Zeit dann auch Gladiatorenkämpfe verboten, nachdem er Jahre zuvor diese noch gutgeheißen hatte. Jetzt merkt man, jetzt war christliche Lehre und christlicher Lebensstil für ihn auch wichtig. Es war ja eine Überzeugung der Christen schon immer gewesen, dass Gladiatorenkämpfe nicht gut und vom Satan seien.

[1:02:34] Er hat dann auch – und das zeigt wiederum, dass obwohl er nun offensichtlich sich als Christ sei, immer wieder Dinge tat, die eigentlich mit einem christlichen Charakter nicht vereinbar sind. Er hat auch den Sohn von Licinius umbringen lassen. Und der hat mit seinen neun Jahren wohl ganz sicher keine Rebellion anzetteln wollen. Auch das sei ein schwarzer Fleck auf dem Vermächtnis von Konstantin.

[1:03:02] Gesetze aus dem Jahre 326 sind uns ebenfalls überliefert. Dort hat Konstantin festgelegt, dass Ehebruch nur noch vom Ehemann und Ältesten angezeigt worden war. Ursprünglich war es so gewesen, dass Ehebruch als auch als öffentliches Verbrechen anzeigbar gewesen war.

[1:03:19] Er hat dann sein eigenes Gesetz von 319 auch revidiert, wonach ein Sklave oder ein Herr, der einen Sklaven tötet, jetzt überhaupt nicht mehr juristisch verfolgt werden konnte. Das zeigt uns übrigens auch, dass Konstantin in der Lage war und gewillt war, auch Gesetze zu ändern, wenn er der Meinung war, dass die geändert werden müssten.

[1:03:43] Interessanterweise hat er das Gesetz zur Sonntagsfeier, so wie wir es kennen, niemals geändert. Er war also auch als Christ der Meinung, dass dieses Sonntagsgesetz, so wie er es formuliert war für den Sonnengott, immer noch gut geeignet sei, um die Sonntagsfeier in der Kirche zu begründen. Das ist vielleicht auch eine ganz interessante Sache.

[1:04:07] Im Juli 326 war es dann soweit. Konstantin kam nach langer Zeit mal wieder nach Rom. Sein 20-jähriges Thronjubiläum, die Vikalia, sollten gefeiert werden. Dort traf er auch auf Helena, die dort residierte, und er hat erneut das traditionelle Jupiteropfer auf dem Kapitol verweigert. Er war jetzt nun auch wirklich Christ.

[1:04:35] Nach seiner eigenen Ansicht konnte er natürlich unter keinen Umständen jetzt ein solches heidnisches Opfer darbringen. Trotzdem waren die Römer, insbesondere der Senat, nicht allzu begeistert von Konstantin. Das lag natürlich daran, dass er jetzt in Byzanz, in eine neue Stadt, ein neues Rom aufbauen ließ. Und da waren die Römer, die sich ihrer Vormachtstellung oder ihrer höchsten Position immer sehr bewusst waren, natürlich nicht sehr begeistert.

[1:05:05] Das Jahr 326 brachte allerdings auch eine Tat, die wie kaum eine andere Konstantin in ein sehr zwielichtiges Licht stellt. Eine Tat, die so aufsehenerregend böse war, dass sogar Heiden sie als eine Sünde geißelten.

[1:05:28] Konstantin scheint geglaubt zu haben, dass sein Sohn Crispus ihm gefährlich werden könnte. Dieser Crispus, der ihm treu zur Seite gestanden hatte, der auch bei dem Sieg über Licinius eine große Rolle gespielt hatte, der als Kaiser im Westen gute Arbeit geleistet hatte, wurde von Konstantin getötet.

[1:05:54] Und das möglicherweise – so die stete Rekonstruktion – auf Betreiben seiner Frau Fausta. Crispus war ja noch der Sohn, den er mit seiner ersten Frau Minervina gehabt hat. Möglicherweise hat Fausta versucht, Crispus auszuschalten, um ihren eigenen jüngeren Söhnen eine bessere Position zu bringen.

[1:06:20] Die heidnische Geschichtsschreibung versucht die Geschichte zu spinnen, dass vielleicht auch Fausta sich in den Christen verliebt haben könnte. Im erwachsenen gemacht hat, der sie abgewiesen haben, sich so gerächt hat. Das ist natürlich alles ein bisschen melodramatisch und man kann das nicht genau auflösen, was die eigentlichen Intrigen gewesen sind.

[1:06:42] Aber das war natürlich aufsehenerregend. Konstantin tötet seinen eigenen Sohn und designierten Nachfolger Crispus. So wird berichtet, habe den Crispus der versuchten Vergewaltigung bezichtigt oder sogar der Vergewaltigung bezichtigt.

[1:07:02] Aber einige Zeit später hat wohl Konstantin erfahren, dass das alles ein falsches Gerücht gewesen sei, dass er seinen Sohn also aufgrund falscher Unterstellungen hat umbringen lassen. Das führte dazu, dass er jetzt seine Frau Fausta töten lässt. Und zwar wurde sie in ein Bad gebracht, das zu stark geheizt war, so dass sie dann im Dampf erstickt ist. Also möglicherweise auch eine Art erzwungener Selbstmord.

[1:07:35] Dieser Doppelmord an Sohn und Frau war natürlich etwas äußerst Spektakuläres, hat auch die Zeitgenossen äußerst irritiert. Das bedeutet jetzt natürlich, dass Crispus nicht länger mehr saß. Konstantin war jetzt Augustus mit nur den beiden kleinen Söhnen Konstantin und Constantius als nominellen Cäsaren.

[1:08:02] Das Jahr 326 brachte auch noch eine andere Neuerung. Die ersten Kirchenbauten wurden jetzt in Palästina errichtet. Konstantin war jetzt Herr auch über den Osten, war er auch des Landes, in dem Jesus und die Apostel gelebt und gewirkt hatten. Und er wollte jetzt diese Gegend besonders schmecken, besonders ehren durch Kirchen und Bauten.

[1:08:25] So schreibt auch einen Brief im Jahre 326 an Makarios, den Bischof von Jerusalem, und kündigt an, dass dort an dem Ort der Kreuzigung und des Grabes Jesu eine außerordentliche Kirche gebaut werden soll. Und solch eine Kirche steht ja bis heute noch in Jerusalem.

[1:08:49] Seine Mutter Helena, die jetzt schon fast 80 Jahre alt war, machte sich auf die Reise nach Palästina und sollte dort noch eine ganz große Rolle spielen, auch für die kommenden Jahrhunderte. Was es damit auf sich hat, was sie dort erlebt hat und wie das die weitere Regierung von Konstantin beeinflusst hat, das werden wir das nächste Mal sehen.

[1:09:10] In der nächsten Folge, wenn es heißt: "Das Ende". Bis dahin wünschen wir alles Gute, Gottes Segen und bis zum nächsten Mal.


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