[3:47] Da sind nur wenige Beispiele, und die meisten Dokumente von ihnen oder über sie vernichtet worden sind. Und das ist ja auch ein Teil der Kriegsführung. Nicht nur den Feind besiegen, sondern zu jeder guten Kriegsführung gehört auch der Informationskrieg. Es ist wichtig zu wissen, was der Andere, oder es ist wichtig, darauf acht zu geben, was der Andere nicht wissen darf. Und das ist ja auch ein Teil der Kriegsführung. Nicht nur den Feind besiegen, sondern zu jeder guten Kriegsführung gehört auch der Informationskrieg. Und das ist ja auch ein Teil der Kriegsführung. Und so wissen wir das Allermeiste, wenn überhaupt, von diesen Verfechtern der Wahrheit aus den Inquisitionsprotokollen, wo sie kurz erwähnt werden. Und ich weiß nicht, ob Sie sich eine Vorstellung machen können, was ein Inquisitionsprotokoll ist. Ein Inquisitionsprotokoll heißt, da wurden Leute auf die Streckbank gelegt und wurden ihnen Dinge vorgeworfen und dann sollten sie dazu Stellung nehmen. Das wären nicht die besten Methoden, um wirklich ein akkurates Bild zu bekommen, was da wirklich vor sich gegangen ist. Inquisitionsprotokolle, das sind die, die geschrieben worden sind von denen, die gewonnen haben. Und der Sieger schreibt immer was anderes als das, was wirklich gewesen ist. Deswegen kann man auch diese wenigen Dokumente, die es gibt, nicht immer so vorurteilsfrei betrachten.
[5:08] Wir wollen uns heute die Mühe machen, heute Abend schon beginnend, einige dieser Personen und Gruppen zu betrachten und ein bisschen in einem objektiven Licht zu sehen, was sie wirklich getan haben. Dazu wollen wir zuerst einmal gehen an diesen Ort. Kann mir jemand sagen, wo das sich hier befindet? Italien? Das ist nicht Italien. Ist ein bisschen verwirrend, weil die Namen Latein sind, nicht wahr? Das habe ich nicht gemacht. Nicht, dass Sie denken, in diesem Vortrag ist alles Latein. Sondern tatsächlich, ob Sie es glauben oder nicht, Großbritannien war mal Latein. War mal römisch. War mal römische Provinz. Da hieß London Londinium. Und so weiter und so fort. Und schon in jener Zeit, also im ersten, zweiten, dritten Jahrhundert, als die Römer dort noch in Großbritannien regierten, sind damals schon Christen im Laufe der christlichen Mission bis in jene Winkel vorgedrungen. Nicht nur im Festland Europa und in Afrika Asien hat sich das Christentum verbreitet, sondern bis in diese Gegenden hier in Britannien. Und wie in allen anderen Gegenden war es auch hier so, dass die römischen Kaiser die Christen, die es gab, verfolgen ließen. Und was dann passiert ist, ist, dass die römischen Christen, die hier in Britannien gelebt haben, geflohen sind. Jetzt, wenn man hier im Süden Britanniens, so im heutigen England, lebt, wohin flieht man wohl am besten? Kann man nach Süden fliehen? Nee, das ist Märchen, nicht wahr? Osten? Westen? Wohin kann man fliehen? Nach Norden. Und zwar nach Schottland. Da gab es irgendwo hier oben den Hadrianswall. Vielleicht haben Sie davon gehört. Das war die Grenze Roms. Dahinter gab es nur noch die wilden Pikten und Skoten, diese barbarischen Stämme. Dorthin sind die Christen geflohen. Hier haben wir eines der ältesten Zeugnisse der frühen christlichen Missionierung in Schottland zum Beispiel. Und hier eines der ganz alten christlichen Kreuze in Irland. Schon in römischer Zeit sind Christen bis an die Grenzen Europas vorgedrungen und haben in jenen Gegenden Zentren aufgebaut.
[7:30] Aber dann ist etwas passiert zur Zeit der Völkerwanderung. Und das war das hier. Weiß jemand, wer das sind? Das waren die Sachsen. Die Sachsen kamen. Mit ihnen die Angeln. Und deswegen nennt man sie auch die Angelsachsen. Die Angelsachsen sind eigentlich andere als die Briten. Die Briten waren die Ureinwohner, dann waren die Römer da und dann kamen die Angelsachsen. Und mit den Angelsachsen, das waren Germanen, brach sozusagen, wie es die Geschichtsschreiber sagen, das dunkle Zeitalter. Für 400 Jahre weiß man fast nichts aus dieser Zeit. Und die Angelsachsen waren Heiden, waren buchstäbliche finstere Heiden, die vom Christentum nichts wissen wollten. Und die auch keine Freude daran hatten, dass ihre Sklaven, die sie jetzt erobert hatten, sie missionierten. Und so gab es ziemliche Probleme mit den Angelsachsen. Dort gerade in jener Gegend. Und die Christen, die noch übrig geblieben waren in jener Gegend, mussten ebenfalls nach Norden und hier nach Irland fliehen. Und haben dort dann, von dort aus den äußersten Ecken Europas, Zentren gegründet, von denen sie aus versucht haben, dann die Angelsachsen und die Sachsen zu missionieren. Eines der berühmtesten ist, hier vielleicht noch eine Gebirgsgegend, viele von ihnen sind in die Gebirge geflohen und haben dort sich verstecken müssen. Einer der berühmtesten Zentren ist diese Insel hier. Die Gebäude sind alle viel später, aus dem Mittelalter, haben nichts damit zu tun. Aber auf dieser Insel, vielleicht an diesem Ort, stand ein Trainingszentrum. Weiß jemand, wie diese Insel heißt? Das ist die Insel Iona. Iona war eines der frühchristlichen Missionszentren, nicht nur für ganz Britannien, sondern von dort aus gingen christliche Missionare, die nicht mit der römischen Abspaltung zu tun haben wollten, hinaus bis nach Deutschland, die Schweiz, Italien und nach anderen Orten. Da liegt Iona, dieser kleine Fleck hier. Ich hatte das Vorrecht, 2010 dort zu sein. Man fährt also ewig viele Stunden hier durch Schottland hindurch, dann kommt man hier nach Auburn, dann nimmt man eine Fähre, fährt auf diese Insel, fährt nochmal eine ganze Zeit hier rüber, dann nimmt man noch eine Fähre. Und man fühlt sich, als ob es das Ende der Welt ist. Es ist nicht das Ende der Welt, aber abgelegen wie sonst was. Sicher vor der Verfolgung war dort ein Missionszentrum. An diesem Ort haben Missionare 18 Jahre lang studiert, bevor sie hinausgegangen sind. Die Zeiten waren damals finster und man musste eine gründliche Ausbildung haben. Einer von ihnen, der Gründer oder der führende Leute dort, war Columban. Ich weiß nicht, ob ihr den Namen gehört habt. Einer der bedeutendsten Missionare jener Zeit, der viel dafür getan hat, etliche Angeln und etliche Sachsen zu gewinnen. Wie gesagt, ich bin da 2010 gewesen, ein sehr schöner Ort. Ich habe mir die Mühe gemacht, dort auf diesen Hügel drauf zu klettern. Ich habe dort gesessen und wenn man da so sitzt, auf diesem grünen Hügel, um sich herum so ein paar Schafe blöken und der Wind von der irischen See einem um die Ohren bläst, dann hat man so ein bisschen den Eindruck, was es gewesen ist damals, als diese treuen Christen dort mit ihrer Bibel in der Hand versucht haben, das Licht in der Finsternis scheinen zu lassen. Es war sehr bewegend. Wir haben sogar ein paar Delfine gesehen auf dem Weg. Aber das nur nebenbei.
[10:56] Und dann ist folgendes passiert. Rom, wo mittlerweile diese römische Abspaltung viel Macht gewonnen hat, 6. Jahrhundert, da ist schon ungefähr seit 2 Jahrhunderten der römische Gemeindeleiter Papst genannt, hat davon gehört, dass es dort in Großbritannien einen großen Bedarf gibt, Missionare hinzusenden. Denn da sind die Angeln und Sachsen und die sind bisher noch nicht christianisiert. Und so hat man diesen guten Menschen hier, sein Name ist Augustinus von Canterbury, so heißt er dann später, dorthin gesandt, um die Angeln und Sachsen jetzt zum römischen Glauben zu missionieren. Er ist dort angekommen, hier in Canterbury. Deswegen ist diese Stadt so bekannt in der Kirchengeschichte, weil es der erste Ort war, wo er gewesen ist. Und als er da sein Werk begonnen hat, indem er die römische Kirche vorgestellt hat und entsprechend die Angeln und Sachsen eingeladen hat, ein bisschen was von ihrem Heilentum aufzugeben, um gemeinsame Sache zu machen, da ist er auch auf diese anderen Christen gestoßen, die immer noch ein ziemlich unverfälschtes biblisches Christentum gepredigt haben, kommend von Iona, von Schottland, von Irland. Und da ist etwas Interessantes passiert. Er hat sie getroffen und gesagt, es ist ja wunderbar, dass es euch gibt, schön, dass ihr da seid, helft mir. Wir wollen die Angeln und Sachsen für die christliche Kirche in Rom gewinnen. Macht ihr mit? Und die Christen dort aus Schottland und Irland, man nennt sie auch die eroschottische Kirche, haben gesagt, also wir respektieren den Gemeindeleiter von Rom, genauso wie wir den Gemeindeleiter von Ephesus und von Londinium und von sonst wo respektieren, aber ihn jetzt als eine Oberherrscher über die ganze Welt zu sehen, das können wir nicht. Das steht ja auch in der Bibel nicht, wie sollten wir das tun? Und was passiert ist, dass dieser Augustinus von Canterbury ihnen folgendes gesagt hat, wenn ihr die Brüder nicht aufnehmt, die euch Frieden bringen, so sollt ihr Feinde bekommen, die euch den Krieg bringen. Wenn ihr euch nicht mit uns vereint, um den Angelsachsen den Weg des Lebens zu bringen, so sollt ihr von ihrer Hand den Todesstreich empfangen. Das waren keine leeren Worte. Die Eroschotten haben gesagt, wir können nicht unsere biblischen Grundsätze aufgeben, wir sind so gelehrt worden, die Bibel sagt das. Dieser katholische Messina hat sein Wort ernst gemacht, die Angelsachsen wurden gegen die eroschottischen Christen aufgestachelt und es hat noch ein paar Jahrhunderte gedauert und irgendwann war die eroschottische Kirche ganz ausgelöscht. Es gibt heute eigentlich keine Reste mehr. Sie ist dann im Laufe des späten Früh- und Hochmittelalters ausgelöscht worden. Das war eines der vielleicht größten missionarischen Zentren der Urchristenheit, die lange noch überlebt haben, während auf Kontinentaleuropa die Finternis sich ausgebreitet hat.
[13:58] Es gab auch andere Orte, an denen das Christentum von Rom, von den sieben Hügeln rein, einigermaßen unbefleckt geblieben ist. Das hier zum Beispiel ist eine Kirche in Armenien. Armenien lag außerhalb des römischen Einzugsbereiches und es gab dort im Osten, in Syrien, sogar bis man nach Afghanistan geht, einige sagen sogar bis nach China. Es gibt in China Dokumente, die deutlich machen, dass um 881 in Schangan, in der Kaiserstadt, Christen existiert haben, die dort ein biblisches Evangelium gepredigt haben. Genauso auch in Afrika, hier zum Beispiel ein Beispiel für eine äthiopische Kirche. Diese Kirchen und diese Gemeinden, die dort außerhalb Roms existierten, haben in wesentlichen Punkten den biblischen Glauben aufrechterhalten. Es gibt an manchen Stellen schon Vermischungen auch mit heidnischen Ideen, die sie drumherum gehabt haben. Wir würden nicht sagen, dass in allen Punkten sie immer vollkommen der Bibel einstimmen, aber sie waren weitaus näher an der Wahrheit, als das, was in Kontinentaleuropa gepredigt worden ist. So gab es also zu allen Jahrhunderten auf allen Kontinenten Zeugen für die Wahrheit, aber die stärksten und die eindrucksvollsten, die waren nicht in der Peripherie von Rom, nicht irgendwo am Rande des Ozeans oder außerhalb der römischen Grenzen. Die stärksten Zeugen für die Wahrheit, die waren mitten in Italien. Lux Luget in Tepras, mitten in Europa, mitten in Italien, nicht viele Kilometer entfernt vom Sitz Rom, hier in einer Gegend, die man Piedmont nennt. Das ist Rom und das ist Piedmont. Da ist die Schweiz, da ist Österreich, da ist Deutschland, Frankreich. Mitten im Zentrum, wo also die Handelswege gehen von Rom zu den großen Nationen Europas. Da gab es diese Gegend Piedmont. Weiß jemand, was Piedmont übersetzt heißt? Nicht an die Piedmontkirsche denken? Piedmont heißt übersetzt am Fuße der Berge. Das liegt daran, dass diese Provinz eben tatsächlich am Fuße der Berge liegt. Weiß jemand, was das für Berge sind? Das ist nicht so schwer. Das sind die Alpen, das ist der Westalpenbogen, der hier entlang geht. Und diese gesamte Gegend hier nennt man Piedmont. Und da gibt es dann auch Städte wie Turin. Das war damals auch eine größere Provinz. Das ist jetzt natürlich der moderne Bundesstaat. Aber es ging damals bis Mailand hier. Und interessanterweise, zu dem Zeitpunkt, als die römische Gemeinde, diese neue Sekte sozusagen begann, wenn ich es mal so nennen darf, diese neue Abspaltung, und viele andere Gemeinden in ganz Europa sich dem angeschossen haben, waren es die Gemeinden hier in Piedmont, die sich aktiv widersetzt hatten. Weiß jemand, dass sie das gewusst haben? Norditalien war für Jahrhunderte ein Aktivposten gegen Rom. Der Bischof von Mailand, der Gemeindeleiter von Mailand, galt jahrhundertelang als einer der größten Gegner des Papsttums. Aber mit der Zeit, als rund um sich herum einer nach dem anderen einknickte, wurde es auch schwer für sie, dort in Norditalien das Licht aufrechtzuerhalten. Und nachdem sie lange gekämpft hatten, kamen die Führer jener Gemeinde zu dem Schluss, dass, naja, vielleicht ist es besser, um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden, dass wir einfach jetzt klug sind, dass wir weise sind, dass wir das Beste suchen für uns, und dass wir auch vielleicht einen Schritt zugehen auf den Bischof von Rom und vielleicht uns mit ihm vereinigen, schweren Herzens, aber vielleicht ist es das Beste. Was meint ihr, was ist wohl passiert? Diese Kirche hat sich wiederum gespalten. Wiederum gab es einige von denen, die gesagt haben, ja, das ist wohl das Beste, wenn die ganze Welt ihm nachfolgt, vielleicht gelten wir einfach nur als Rebellen, wir wollen ja nicht rebellisch sein, vielleicht sind wir ein bisschen zu extrem. Wir gehen den Weg mit dem Papst um gemeinsam. Aber es gab einige, die gesagt haben, das können wir nicht. Es gab einige wenige, die gesagt haben, wir haben doch unsere Bibeln, wir haben doch die Wahrheit, warum sollen wir etwas folgen, was nicht der Bibel entspricht? Es waren auch nur wenige. Wissen Sie, ganz nebenbei gesagt, zu allen Zeitaltern in allen Kulturen waren es meistens nur wenige. Und diese wenigen, als sie dort in der Ebene, das ist übrigens die Po-Ebene, das ist ja am Fuße der Berge, als sie sich Ausschau gehalten haben, wo sollen wir denn hin? Also da ist genauso gefährlich wie da und da ist auch gefährlich, wo? Da gab es nur einen Ausweg. Der Blick richtete sich nach Westen. Das ist der Mon Viso, der höchste Berg, 3800 Meter hoch. Und das sind hier die sogenannten Kottischen Alpen. Das ist ungefähr hier genau diese Gegend. Die Kottischen Alpen. Und da sind sie hin. Das war jetzt ihr Zuhause. Man nannte sie, bevor ich Ihnen das erzähle, wissen Sie, wie man diese Tela auf Italienisch nennt? Man nennt sie Val. Man spricht vom Val Chisone oder vom Val Germanasca oder vom Val Pellice. Es gibt Italiener unter uns, ich muss mich korrigieren. Und diese Bewohner der Val wurden schon bald Valdenser genannt. Da kommt der Name, Valdenser. Im Französischen war es die Vaudoire. Die Valdenser. Hier haben wir so eine Vogelperspektive und es sind im Wesentlichen drei Tela, die zum Zentrum ihrer Kirche wohnen. Zu ihren besten Zeiten waren sie weitaus verstreut. Es gab mehr Tela. Aber in größter Not haben sie sich auf diese drei Tela konzentriert. Das eine ist hier das Val Pellice. Das ist das berühmteste. Sehr lang, sehr weit gezogen. Hier ist der Weg zur heutigen Grenze nach Frankreich. Hier sind einige der berühmtesten Seitentela. Zum Beispiel das Val Angronia mit der großen Festung Pradeltorno. Eine natürliche Festung von Bergketten, die man gar nicht so richtig einnehmen kann. Oder hier auch das Tal Rora oder das Tal der Unbesiegbaren. Ganz, ganz spannende Gegend. Und dann gab es das Val Chisone, das hier entlang ging. Und dann das Val Germanasca mit all den Seitentela. Sehr verzweigt und sehr interessant. Das waren die drei Tela. Und für circa 1000 Jahre war Gottes Wort in einer organisierten Form im Wesentlichen nur hier zu finden.
[21:05] Stellen Sie sich das mal vor. Es gab überall, wie gesagt, einzelne Menschen hier und dort. Aber in einer organisierten Form als Gemeinde waren es vor allem diese drei Tela. Val Pellice, Val Germanasca und Val Chisone. Sie waren es, die diesen Glauben, der ein für alle Mal den Heiligen überliefert worden war, noch aufrechterhalten haben. Sie waren es, die, wie die Bibel sagt, für diese lange Zeitperiode in die Wüste geflohen sind. Einige von ihnen haben an fast allen Grundsätzen festgehalten, die auch die Bibel lehrt. Einige von ihnen haben sogar den Sabbat gehalten. Das heißt hier zum Beispiel, es wird die Beachtung des Sabbats, indem man von weltlichen Geschäften ablässt, vorgeschrieben. Es gibt viele andere Zitate, die man anführen könnte. Und das war eines der Hauptgründe, warum jene Abspaltung in Rom, die man die römische Kirche nannte, so einen Hass entwickelte auf diese kleine Gruppe von Christen, die mit aller Gewalt und mit aller Politik sich nicht davon abbringen ließ, die Bibel zu lesen und das Gesetz Gottes hochzuhalten. Und deswegen mussten sie fliehen in die Wildnis. Eine sehr schöne Wildnis, aber trotzdem eine, die einem wirklich das Äußerste abverlangt. Also dort eine Woche Urlaub zu machen ist ein Traum, aber dort zu leben ist, glaube ich, eine andere Sache. Über Jahrtausende hatten sie die Bibel in ihrer eigenen Sprache. Kein anderes Volk zu jener Zeit hatte die Bibel in dieser Form, in eigener Sprache. Und ihre Sprache ist eine sehr interessante Sprache. Die meisten von ihnen, die dort ausgebildet wurden, kannten Hebräisch und Griechisch und konnten die Bibel in den Ursprachen lesen und deswegen immer wieder neu übersetzen. Ich weiß nicht, wer von uns Hebräisch und Griechisch gelernt hat. Wir denken immer beim Mittelalter nur an diese ganzen intellektuellen Abfälle, nicht wahr? Aber da gab es Leute, die waren brillanter als wir alle zusammen. Das muss man sagen. Sie hatten natürlich Feinde. Das muss ich wahrscheinlich jetzt zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr erwähnen. Denn unsere Serie heißt ja Magna Conviction. Konkret bedeutet das, dass das Haus Savoyens, das hier in Turin angesiedelt war, große Teile dieser Gegend beherrschte und natürlich das Instrument der römischen Kirche war, um sie zu verfolgen. Tausend Jahre lang waren sie in dieser Gegend. Und wenn man sich allein dort in diese Gegend begebt und dort einfach mal die Natur auf sich wirken lässt, dann ist man beeindruckt. Es scheint fast so zu sein, als hätte Gott eine Gegend geschaffen für seine Gemeinde. Wenn sie dort mal hinfahren und diese ewigen Berge um sich herum sehen, die wie eine Schutzmauer, diese Hochtäler, hier das ist Contra del Prado, das ist die Grenze zu Frankreich. Wenn man da hoch geht, kommt man auf den Seil in Frankreich runter. Ganz am Ende der Täler gelegen. Es gibt einige Historiker, die sagen, dass dieser Weg hier der Weg gewesen ist, den die ersten Apostel und Missionare gegangen sind, um nach Frankreich zu kommen. Es ist der einfachste Weg nach Frankreich, wenn man von Italien ausgeht. Es könnte sein, dass dieser Weg hier der Weg ist, den die ersten Christen gegangen sind. Wirklich ganz, ganz erstaunliche Gegend. Und man kann sich vorstellen, dass diese Menschen, die dort über Jahrhunderte gelebt haben, allein schon in der Natur Nachweise gesehen haben, dass Gottes Gesetz ewig ist. Wenn man das sieht, ist man irgendwie beeindruckt von der Macht, die Gott hat, von der Festigkeit und von der Standhaftigkeit. Und diese Berge waren ein Symbol für das Gesetz Gottes, das unveränderlich ist. Und es war eine Gegend, wo man Gott begegnen konnte, bin ich mir ganz sicher. Wo man schon in der Natur gesehen hat, dass Gott bei ihnen ist. Sie haben dort meistens im freien Gottesdienst gefeiert, so wird uns berichtet. Es gab immer einen, der geschaut hat, ob nicht wieder eine Armee kommt. Dort oben auf den Talmulden, weit über den Tälern, da waren sie meistens in Sicherheit. Hier haben wir ein völlig verlassenes Waldensertal-Dorf im Kizone-Tal. Das ist das Dorf Pui. Ist heute völlig verlassen, wohnt kein Mensch mehr drin. Man muss aufpassen, wenn man hindurch geht, wegen der Dachziegeln, da ist ein Weg markiert, dass man auf dem sicheren Weg bleibt, ansonsten wird man erschlagen von herabfallenden Dachziegeln. Und sehr interessant, auf 1700 Meter Höhe haben da gelebt, haben da ein bisschen ihr Gemüse angebaut. Und die Böden da oben sind nicht besonders fruchtbar. Das ist ein raues Leben gewesen. Und im Hochsommer ist das ganz schön. Ich bin da noch nicht im November oder im Januar gewesen, aber schon im Hochsommer war der Weg dort hoch ein kleines Abenteuer. Ich war an manchen Gegenden, an manchen Stellen. Da sind wir durchgewandert. Es ist wirklich beeindruckend zu sehen, wie einfach und doch abgeschieden diese Menschen gelebt haben. Und wenn man da durchgeht, dann hat man schon das Gefühl, naja, wäre ich auch hier gewesen, hätte ich auch alles aufgegeben. Die schöne Universität in Turin, meinen guten Job in Mailand, meine wohlgehende Kirschenfarm dort irgendwo. Um dort in den Bergen zu leben? Es gab Zeiten, da durften diese Valdenser nicht unterhalb von 600 Metern leben. Wie Bergziegen mussten sie dort ihr Dasein fristen. Hätten sie das gemacht? Nur wegen der Bibel? Sehr interessant, dort zu sein. Das hier ist die sogenannte Barbenschule. Barben, das waren keine Friseure, sondern Barben ist das Wort auf Valdensisch für Onkel. Und Onkel, das waren die Prediger. Denn wenn ein Prediger kam, haben alle ihn als Onkel bezeichnet. Onkel so und so, könnte es so eine Predigt halten. Das waren die Barben. Und da gab es diese Barbenschule. Und an dieser Schule, in diesem Gebäude, sind ungefähr 1000 Jahre lang Barben, Onkel ausgebildet worden. Im Studium der Schrift, im Übersetzen der Bibel, im Predigen. Und da sind wir natürlich auch gewesen. Sehr, sehr beeindruckend. Und wisst ihr, was das hier ist? Ratet mir, was das ist. Was sehen Sie? Sie sehen hier eine Kirche. Das ist eine Kirche, das ist Gesalatana. Das ist eine Kirche. Das ist der Eingang. Stellen Sie sich vor, Sie gehen zur Kirche. Sie kommen nicht zu einem großen Gebäude. Sie gehen zur Kirche und müssen sich bücken. Der Eingang ist ungefähr so hoch. Eine Person, die dort steht, steht ungefähr bis hier. Ich muss ehrlich gestehen, als wir da waren, ich habe mich gar nicht reingetraut. Es ist kein Licht drin, es ist nur dunkel und es geht bergab. Und ich habe zu meiner Frau gesagt, lassen wir uns Fotos machen von hier draußen. Sieht ja schön aus. Und sie war hinter mir. Nein, geh da rein. Ich stoße mir den Kopf. Ich sehe gar nicht, wo ich hingehe. Na ja, wer hat wohl gewonnen? Genau, wir sind reingegangen. Und es hat sich gelohnt, denn obwohl da kein Licht zu sehen war, als man um die Ecke geht, als man hineintaucht in das Dunkel und ein paar Schritte geht, sieht man plötzlich von oben so als hätte Gott, es ist eine richtig große Halle, so als hätte Gott dort das extra so bereitet, dass man dort sich versammeln kann. Mitten im Wald, mitten im Tal, kaum eine Straße führt da lang. Man sieht es von außen, hat man keine Ahnung, dass sich irgendwas befinden könnte. Man sitzt plötzlich da drinnen und da ist so eine richtige Halle. Und ich habe es mir nicht nehmen lassen, eine kleine Andacht zu halten. Für meine Frau und mich. Wir haben es sogar aufgenommen. Es war sehr bewegend. Denn die Geschichtshistoriker sagen uns, dass oftmals in dunklen Höhlen beim Kerzenschein die Bibel Zeile für Zeile abgeschrieben worden ist. Heute gibt es viele Menschen, die fragen, ja, ist die Bibel nicht vielleicht gefälscht worden und Konzil da und der Konstantin das, jenes? Aber die Bibel ist nicht über Konzilien und Päpste und Kaiser weiterverfolgt worden. Die Bibel ist nicht über Konzilien und Päpste und Kaiser weitervermittelt worden. Die Bibel ist weitergetragen worden durch Menschen, die ihr Leben damit verbracht haben, in solchen dunklen Höhlen zu sitzen und beim Kerzenschein Wort für Wort abzuschreiben. Es gab Zeiten, da gab es nur sehr wenig Manuskripte von der Bibel. Und die wenigen, die es gab, wurden dargeschrieben. Und an anderen Höhlenorten. Sehr, sehr beeindruckend. Kann ich wirklich nur empfehlen, dass man sich das mal anschauen kann. Die Bibel war das Zentrum des valdensischen Glaubens. Die wurde schon immer bekämpft. Aber die Valdenser haben fest an sie geglaubt. Aber die Valdenser waren nicht einfach ein Volk, das sich nur zurückgezogen hat und quasi als Eremiten ihr Dasein gefristet haben. Die Valdenser hatten eine Bürde für die dort draußen. Denn wann immer man das Licht erkennt und wenn es nur so ein wenig ist, und man sieht, dass man etwas mehr Licht hat, als der da draußen in der Finsternis, was ist die natürliche Reaktion? Weitergeben. Und so haben sich die Valdenser entschlossen, obwohl sie gerade mal so dort in Sicherheit waren, hinauszugehen in das gefährliche Dunkel Europas. Sie haben Jugendliche ausgebildet, die an die Universitäten gingen, nach Frankreich, nach Italien, an andere Orte, um dort Medizin oder Jura oder sonst etwas zu studieren. Aber nicht, weil die Valdenser unbedingt tolle Juristen werden wollten, sondern nur, weil das die Gelegenheit bot, in ihren Gewändern, die doppelt der Natur waren, wo innen drin die Bibel drin war, vielleicht dem einen oder anderen Kommilitonen unter Lebensgefahr bei Vertrauen eine kleine Portion der Bibel weiterzugeben. Ich weiß nicht, wer von Ihnen schon mal ein christliches Buch weitergegeben hat oder ein Traktat. Die haben ja sowieso schon Angst, aber die Valdenser haben sich ausbilden lassen, um genau das zu tun. Jeder Valdenser Prediger, der ein Barbe werden wollte, ein Onkel, angenommen, ein junger Mann kommt daher und sagt, ich möchte auch Barbe werden. Ich möchte hier eine Gemeinde haben in den Valdenser Tälern, möchte vielleicht im Dorf Puy der Gemeindepastor sein. Dann war es eine Pflicht, dass man zuvor drei Jahre lang in Europa als Wanderprediger unterwegs war. Jeder, der in Europa das Evangelium gepredigt hat, der durfte zuhause Pastor sein. Interessante Regelung, oder? Was sagen Sie, was passieren würde, wenn alle Pastoren aller christlichen Kirchen dieser Regelung folgen würden und erst mal drei Jahre lang nach China gehen würden? Oder Saudi-Arabien? Naja, nur so ein Kommentar. Und sie sind weit gedrungen. Hier sehen wir das Verbreitungsgebiet. Wir dokumentliche Nachweise finden, dass Valdenser dort gewesen sind. Das sind nicht die Gegenden, wo wahrscheinlich auch welche gewesen sind, aber wo alle Dokumente vernichtet sind. Das ist nur das, was wir noch haben. Und da sehen Sie in ganz Europa, in Spanien, hier in den Pyrenäen, in verschiedenen Gegenden Italiens, in der Schweiz, Niederlande, Deutschland. Und wenn Sie ganz genau hinschauen, dann sehen Sie hier einige interessante Gegenden. Wissen Sie, was das für eine Gegend hier ist? Sachsen. Sachsen-Böhm. Geht bei Ihnen schon Licht auf? Das sind die Orte, an denen später die sogenannte Reformation losgebrochen ist. Eisenach, Prag, Lutherhus usw. Jahrhunderte vorher waren Valdenser dort und haben den Samen ausgestreut. Heute denken wir oft Reformation. Am Dienstag war es so, dass Martin Luther irgendwann auf die Idee gekommen ist, irgendwas muss anders sein. Nein, nein, nein, die Reformation ging lange, lange vorher los. Unsichtbar, unhörbar. Durch Onkels, die durch die Gegend gingen und ab und zu hier und dort ein Stück Bibel verbreitet haben. Es hat lange gedauert, aber der Same ist aufgegangen. Wenn sie gingen, sind sie meistens zu zweit gegangen. Meistens ein erfahrener Missionar und ein junger Auszubildender. Und der Weg, den sie gegangen sind, war ein gefährlicher Weg. Manchmal mussten sie sich teilen. Manchmal ist einer gefangen genommen worden. Es war für wahr ein steiniger Weg. Aber sie sind gegangen. Wissen Sie warum? Wenn man die Bibel kennt und das Licht selbst erfahren hat, dann möchte man hinausgehen. Dann möchte man das anderes auch erfahren. Und das zeigt wiederum, was für eine gewaltige Kraft im Wort Gottes ist. Zu einer Zeit, wo der Rest der Menschheit von diesem Wort keine Ahnung hatte, waren diese Menschen bereit, alles zu riskieren. Und mit ihnen brachten sie eben nicht nur religiöses Wissen. Man sagt, wo immer diese Waldenser oder auch ihre Verwandten, die Albigenser auf der anderen Seite der Alpen, hingekommen sind, überall dort florierte plötzlich die Kunst. Plötzlich war der Ackerbau wieder auf einem höheren Level. Der ganze Lebensstandard wurde gehoben. Dort, wo das Evangelium gepredigt wurde. Und eine kurze Zeit später kam dann meistens die Inquisition. Und es ging alles wieder bergab. Auf und ab, auf und ab. Diese Männer und Frauen haben nicht einfach nur bei der Bibelübersetzung gekämpft. Sie haben letztendlich für die abendländische Kultur, für menschliche Rechte gekämpft. Und hier finde ich etwas sehr interessantes. Ich möchte Ihnen das zeigen. Aus einem Klassiker der Reformationsgeschichte wird uns berichtet, wie die Waldenser vorgegangen sind. Die sind nämlich nicht, wie gesagt, durch die Gegend gezogen und haben gesagt, hier sind wir und predigen euch das Evangelium. Es heißt, sie boden Seide, Schmucksachen und andere Gegenstände an, die zu jener Zeit nur von weit entfernten Märkten zu beziehen waren. Und wurden dort als Händler willkommen geheißen, wo sie als Missionare zurückgewiesen worden wären. In anderen Worten, sie sind also zu den Burgfräulern gegangen und haben gesagt, schauen Sie mal hier, arabische Seide. Kostbares Gold. Die Leute haben gekauft und dann haben sie so gesprochen, über Gott und die Welt. Und bei Gelegenheit haben sie dann das richtige Gold ausgepackt. Und hier ist was interessant. Das muss man verstehen. Denn wenn sie heute, ok, lassen Sie mich es anders erklären. Wenn sie heute als Händler unterwegs sind, was haben wohl die Leute gedacht, wer das sind? Händler, ganz genau. Das ist besonders schwer. Das heißt, die anderen haben sie als Händler wahrgenommen, richtig? Wenn die jetzt verfolgt worden sind, was würde wohl in den Inquisitionsprotokollen stehen? Da gibt es einige Geschäftsmänner und Händler, die komische Dinge verbreiten. Und stellen Sie sich vor, dann gibt es noch einen, der so ähnlich heißt wie der Valdenser, nämlich Petrus Waldus. Dann ist die ganze Sache perfekt. Die Valdenser sind die Anhänger eines Geschäftsmannes Petrus Waldus, der einfach einige neue Lehren verbreitet. Und es sind alles Geschäftsmänner, die von der Kirche abtrünnig geworden sind und zur Raison gebracht werden müssen. Kann man so nachlesen bei Google, Wikipedia. Das ist die offizielle Variante, wie sie heute gelehrt wird, was die Valdenser waren. Geschäftsmänner, die auf diesen Mann, auf Petrus Waldus, zurückgehen. Das passiert, wenn man halt einfach den Inquisitionsprotokollen folgt. Die Wahrscheinlichkeit ist viel höher, dass Petrus Waldus jemand war, der so begeistert war von den Valdensern, dass er sich selbst Petrus Waldus genannt hat. Und wir wissen von alten valdensischen Dokumenten, dass sie sehr viel älter waren und in Wirklichkeit Missionare waren und keine Händler. Aber nur so viel, dass auch die Informationen, die man heute bekommt, über dieses Thema, durchaus unterschiedlich zu bewerten sind. Sie kamen zu Menschen, die allen Ernstes glaubten, wie wir vorhin schon gesagt haben, dass ich mich nur oft genug schlagen muss oder geißeln muss oder Geld bezahlen muss, um irgendwie diesen zornigen Gott im Himmel zufriedenzustellen. Was hätten sie wohl diesen Menschen gepredigt? Stellen Sie sich vor, Sie kommen zu einer Gruppe von Menschen, die gerade mit blutendem Rücken vor Ihnen stehen und sagen, aber ich hoffe, ich hoffe, dass Maria vielleicht doch noch irgendwie durchkommt mit ihren Gebeten und Gott mir verzeiht. Was würden Sie sagen? Die Valdenser hatten ein Thema. Das war ihr Thema. Jesus. Jesus Christus. In einer Zeit, in der auch heute die allermeisten Menschen glauben, sie müssten irgendetwas tun, um irgendwie ihre Erlösung zu bekommen, sollten auch wir ein Thema haben. Jesus Christus. Und man kann sich das vorstellen, wie Sie, wenn Sie einmal vertraut gewesen sind mit einer Person, angefangen haben, diesen Glauben zu erklären. Wie Sie vielleicht Vers wie diesen vorgelesen haben. Wenn wir am Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander und wir haben eine Gemeinschaft miteinander. Und wir haben eine Gemeinschaft miteinander. Jesus Christi, Seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde. Vielleicht haben Sie diesen Vers schon hundertmal gelesen. Aber stellen Sie sich vor, Sie haben in Ihrem Leben noch niemals die Bibel gelesen. Zum allerersten Mal. Und vielleicht gibt es jemanden, der gerade zuschaut, für den das das erste oder zweite Mal ist. Und alles, was Sie bisher gedacht haben, ist, dass Gott ein zorniger Gott ist, den man irgendwie milde zu tun hat. Stellen Sie sich mal vor, was das ausgemacht hat. Was das ausgelöst hat in diesen Menschen. Mir? Jesus hat mir vergeben? Vielleicht haben Sie Stellen wie diese vorgelesen. In Johannes 3, Vers 14, wo Sie die Geschichte berichten und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöhte. So muss der Sohn des Menschen erhöht werden. Und Sie haben erklärt, dass Jesus am Kreuz von Golgatha ist. Damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Keine Geißelung, keine Kasteiung, keine Maria, keine Heiligen. Nicht mal mein Geld ist notwendig. Ich muss glauben. Keine guten Taten. Keine christlichen Eltern. Nichts davon ist notwendig, damit Gott mich liebt. Er liebt mich sowieso. Vielleicht geht es Ihnen heute, wie jenen Menschen, die realisieren, ich war auch in der Finsternis. Als das Licht des Evangeliums hier und dort, im Geheimen, in kleinen Räumen, Universitätsbibliotheken, auf kleinen Marktplätzen verteilt worden ist, da hat es sich ausgebreitet. Die Valdenser haben gelehrt, dass man glauben muss, um Gott zu gefallen. Ohne Glauben ist es unmöglich, ihm wohl zu gefallen. Denn wer zu Gott kommt, muss glauben, dass er die Belohnung wird, welche ihn suchen. Und wenn sie ihr ganzes Leben damit verbracht haben, Geld anzuhäufen, um ihre Verwandten aus dem Fegefeuer rauszuholen, dann ist das fast zu viel, als man es ertragen kann. Glaube allein? Es stimmt, die Valdenser haben nicht alles so gesehen, wie wir heute vielleicht die Bibel verstehen würden. Aber für die Menschen damals in der Finsternis war diese Wahrheit so gewaltig, dass es wie ein helles Flutlicht in der Linie geschehen hat. Vielmehr konnten sie fast gar nicht ertragen. Jesus hat mir vergeben. Vielleicht gibt es auch jemand unter uns. Oder jemand, der zuschaut. Der vielleicht sich nicht selbst kasteit. Der nicht keine Dornenkrone sich aufsetzt. Der nicht vielleicht irgendwie Geld bezahlt. Aber der trotzdem irgendwie versucht, durch eigene Kraft, durch eigene Werke, Gott gnädig zu stimmen. Das Gefühl hat, irgendwas muss doch funktionieren, damit er endlich mir gnädig ist. Jesus vergibt mir, wenn ich es möchte. Ohne doppelten Boden. Ohne Kleingedrucktes im Vertrag. Ohne Fußnote. Wenn ich ihm glaube. Wenn ich meine Sünden bekenne und zu ihm direkt komme. Nicht zu einem Priester, der manchmal schlimmer war, als die Sünden, die gebeichtet worden sind. Die meisten Menschen haben damals gar nicht gewusst, dass man zu Jesus selbst beten kann. Ich weiß nicht, ob Sie, die heute hier sind oder live zuschauen, wissen, dass man zu Jesus selbst beten kann. Vielleicht glauben Sie wirklich, Religion besteht darin, dass Sie zu Ihrem Pastor gehen, zu Ihrem Priester, zu Ihrem Guru, der Ihnen sagt, tu das, tu jenes, meditier so oft, mach jenes, bete den Rosenkranz so oft, mach das. Wissen Sie, dass Sie zu Jesus kommen können? Dass Sie direkt zu Jesus beten können? Das ist ein ganz anderes Künstlernis. In der Postgeschichte 4 Vers 12 haben diese Valdenser ihren Bibelstundenkontakt weitergegeben. Und es ist in keinem anderen das Heil. Keine Notwendigkeit, die Heiligen anzubeten. Denn es ist kein anderer Name unter dem Himmel, den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden sollen. Und wenn die Menschen das gehört haben, kann ich mir vorstellen, dass die ganz oft gesagt haben, kannst du das noch mal lesen, das glaube ich nicht. Hast du dich verlesen? Lies es noch mal. Steht das wirklich da? Die Valdenser haben es noch mal vorgelesen. Ja, das steht wirklich da. Bist du dir ganz sicher? Lies es noch mal vor. Ja, es steht da wirklich. Kann ich selbst lesen? Ja, komm, schau, da steht es. Jesus vergibt dir, wenn du an ihn glaubst. Ist das wirklich wahr? Er meint auch mich damit? Jesus kann über mich lächeln? Er kann mein Heiland sein? Nicht der zornige Gott? Das ist möglich? Ja. Jesus sagt, kommt her zu mir. Alle, die ihr mühselig und beladen seid. Und ich werde euch Ruhe geben. Denn all diese Selbstkasteiung, dieses Geldbezahlen, all diese Dinge, die der Mensch erfindet, sind ja alles nur Dinge, um etwas ruhigzustellen. Was soll ruhiggestellt werden? Das Gewissen, das immer wieder anklagt. Man versucht, das Gewissen zu dämpfen, zu besänftigen, es auf die rechte Spur zu bringen, aber es funktioniert nicht. Jesus ist der Einzige, der sagt, kommt her. Ich will euch Ruhe geben. Gibt es heute etwas in deinem Gewissen, was dir keine Ruhe lässt? Einen finsteren Fleck in deinem Herzen? Eine Sache, wo du versuchst hast, es aus eigener Kraft wegzubekommen, und es klappt irgendwie nicht? Jesus sagt, kommt her. Alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch Ruhe geben. Über tausend Jahre haben die Valdenser diese Wahrheit gepredigt. Über tausend Jahre hinweg haben sie sich damit dem Zorn der offiziellen Kirche zugesetzt. Denn diese Valdenser haben sich nicht nur zurückgezogen und die Wahrheit hochgehalten, sie haben eine Invasion gemacht in das Reich der Finsternis. Das Licht schien in die Finsternis hinein. Und damit haben sie sich wem ausgesetzt? Dem Konflikt. Magna Conflictio. Im Grunde genommen, und das sehen wir schon im dritten Vortrag, ist die gesamte Geschichte dieser Welt immer nur ein Konflikt von Wahrheit und Irrtum. Mal in den Bergen Italiens, mal auf den Inseln Schottlands, mal in Rom, mal dort. Wir werden auch viele andere Orte ansehen. Unter verschiedenen Umständen, verschiedenen Kulturen spielt sich immer derselbe Konflikt ab. Und am allermeisten in meinem und in deinem Herzen. Die Valdenser wurden für freiwillig erklärt. Und wie oft mussten sie in diesem Jahrtausend aus ihren Dörfern fliehen. Hoch in die Berge. Bevor wir hingefahren sind, habe ich ein Buch gelesen. Und ich wünschte, ich hätte mehr Zeit, ich würde Ihnen all die Geschichten erzählen. Aber wir müssten dann die Jugendschutzbegrenzung für das Video hochsetzen. Was man mit den Valdensern alles gemacht hat, geht auf keine Kuhhaut. Es geht um das, wenn dann so eine römische Armee hier so durch das Tal marschiert ist, wie Männer und Frauen ihre Ältesten, ihre Kinder auf ihre Schultern genommen haben und ohne Sessellift diese Berge hochgelaufen sind. Und das Bild hört hier auf, aber der Berg noch nicht. Auf der anderen Seite wieder runter. Oder über noch einen Berg. Nicht nur im Sommer, auch im Februar. Aber die Valdenser sind nicht gestorben durch feindliche Armeen, sondern durch Lawinen, die abgegangen sind. Das war ein furchtbarer Kampf. Einer von ihnen, der es besonders arg mit ihnen meinte, war dieser Mann hier. Sein Name ist Innozent. Innozent der 8., 1487, hat er sich mal wieder zum Ziel gesetzt, einen Kreuzzug anzuzetteln gegen jene Valdenser. Und er hat ein besonders interessantes Argument gehabt. Valdenser müssen satanisch sein, aus einem Grund. Erstens, sie predigen Irrlehre, weil es weicht ja ab von der römischen Interpretation. Zweitens, sie haben so einen heiligen Charakter. Sie machen keine Aufruhre, sie sind immer freundlich, nett, höflich, liebevoll, sind die besten Bürger im Staat, haben Nächstenliebe. Aber dass sie die Irrlehre predigen, müssten sie ja eigentlich einen falschen Charakter haben. Dass sie den aber nicht haben, ist das Beweis, das war so die Argumentation. Weil ein normaler Mensch kann ja keinen Irrtum predigen und gleichzeitig einen göttlichen Charakter haben. Das war die Argumentation. Und so hat man den Kreuzzug ins Leben gerufen. Und man hat ihnen viel angetan, weil Jesus sagt, was sie einem meiner geringsten Brüder getan haben, habt ihr mir getan. Ich möchte persönlich nicht in der Haut von ihm oder anderen stecken am jüngsten Tag. Sie haben jemanden zum Kreuzzug aufgerufen, sie entband alle, die an dem Kreuzzug teilnahmen, von sämtlichen geleisteten Eigen. Stellen Sie sich mal vor, Sie haben jemanden versprochen, ich bezahle dir 10.000 Euro zurück oder was auch immer. Und jetzt hören Sie, wenn du mitkämmst gegen die Valdenser, bist du frei davon. Sie legitimierte deren Anspruch auf jedes Eigentum, das sie unrechtmäßig erworben hatten. Also wenn ich gerade ein Haus gestohlen habe oder ein Haus getötet habe, das ist doch super, oder? Jetzt raten Sie mal, welche Menschen werden wohl vor allem an diesem Kreuzzug teilgenommen haben? Verbrecher und Kriminelle. Das ist auch der Grund, warum diese Kreuzzüge so brutal waren. Weil allein schon die Art und Weise, wie dafür Soldaten geworben waren, dafür gesorgt hat, dass die Schlimmsten aller Verbrecher daran teilgenommen haben. Das war quasi im System drin. Und das sind die Gründe, warum das oftmals so abging. An vielen Stellen sieht man heute nur noch Fundamente. Überreste. Viele Dörfer sind niedergebrannt worden. Und wenn diese Täler, diese Talmulden, diese Höhlen reden könnten, ich glaube, es würde uns das Herz brechen, was die uns alles erzählen würden. Was sich dort auf jenen Feldern alles abgespielt hat. Wie gesagt, wir lassen es lieber. Wir lassen es lieber.
[51:52] Tausend Jahre lang haben diese Menschen im Zentrum Europas das Licht leuchten lassen. Und nach ungefähr tausend Jahren haben sie gehört, es gibt dort Menschen in Zentraleuropa. Böhmen, Deutschland, Schweiz, Frankreich. Die haben angefangen, das Gleiche zu glauben wie wir. Nach tausend Jahren haben sie gehört, es gibt größere organisierte Gruppen. Die nennen sich Reformation. An diesem Ort hier, auf dieser Wiese, ist Anfang des 16. Jahrhunderts ein Vertrag geschlossen worden zwischen den französischen Reformatoren und den Schweizer Reformatoren und den Valdensern. Der Ort heißt Charferin. Es steht heute an einer Säule. Hier an diesem Ort haben die Valdenser, die aus dem tausendjährigen, finsteren Mittelalter kamen, den Stapelstab übergeben. Sie haben als Geschenk an die Reformation die Bibelübersetzung ins Französische bewerkstelligt. Es hat tausend Jahre gedauert, bis sie Frucht gesehen haben. Wie oft sagen wir zu Gott, Gott, ich habe so lange gebetet. Schon zehnmal habe ich gebetet, du hast mein Gebet nicht gehört. Seit fünf Jahren wünsche ich mir das. Ich glaube, wir haben etwas zu lernen von den Valdensern. Tausend Jahre Arbeit. Ohne scheinbaren Erfolg. Es gab Zeiten, da ist ihnen der Glaube fast verloren gegangen. Die Knie waren zu weich. Immer dann hat Gott eingegriffen und hat sie neu ermutigt, sodass sie den Stapelstab weitergeben konnten. Tausend Jahre. Dann kam die Frucht. Die Reformation hat diesen Samen aufgegriffen. Sie haben das erlebt, was auch Johannes erlebt hat auf der Insel Padmos. Als er sagt, ich Johannes, euer Bruder und Mitteilhaber an der Bedrängnis und am Königtum und am Ausfahren in Jesus, war auf der Insel, die Padmos genannt wird, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen. Auch sie waren Mitteilhaber der Bedrängnis. Wegen des Wortes Gottes und wegen des Zeugnisses Jesu. Bevor wir heute schließen, möchte ich Ihnen noch einen Mann vorstellen. Denn nachdem wir jetzt gesehen haben, was im Untergrund passiert ist, wollen wir heute noch einen Mann kennenlernen, der der Erste war, der nicht im Untergrund gearbeitet hat, sondern sich hingestellt hat, öffentlich in Scheinwerferlicht der Geschichte und plötzlich Licht geworden ist. Weil er der Erste war, ohne Vorläufer, ohne jemand, der vor ihm gewesen ist, nennt man ihn den Morgenstern. Und vielleicht wissen Sie schon, von wem die Rede ist. Zu jener Zeit, wie wir schon gerade angedeutet haben, mit Ausnahme der Waldenser gab es die Bibel nur in Latein und fast niemand konnte die Bibel lesen. Und es war Zeit für eine Reform. Gerade dann, als diese Abspaltung auf den sieben Hügeln in Rom, diese römische Kirche, ihre größte Machtfülle bekommen hat, im 13. Jahrhundert, als die Inquisition errichtet worden ist, dann war es im nächsten Jahrhundert, im 14. Jahrhundert, als Gott begann, Gegenmaßnahmen einzuleiten. Es war im 14. Jahrhundert, dass ein Mann mit Namen John Wycliffe geboren worden ist. Hier in diesem Ort, er war in Hibswell. Ganz genau, in Yorkshire. Und John Wycliffe war ein besonderer Mann. Ich weiß nicht, ob Sie jemals was von ihm gehört haben. Ein Mann, der mich ungemein fasziniert, weil er nicht einfach nur ein treuer Christ war, sondern ein brillanter Mann. Er war ausgebildet in Philosophie, in Kirchenrecht, in Zivilrecht. Er war einer der größten Gelehrten seiner Zeit. Er galt als ein intellektueller Führer. Er war der Philosoph Englands. Einer der Juristen der Nation. John Wycliffe hatte gründlich studiert. Er war brillant. Und während des Studiums, weil er so ein Gelehrter war, hatte er als Gelehrter auch Zugang zu den lateinischen Bibelübersetzungen. Er war in Oxford, das damals schon eine berühmte Universität war, hat dort einen Abschluss nach dem anderen gemacht und hat sich dann auch für Theologie interessiert. So etwas in der Richtung wird er gelesen haben. Und er hat angefangen zu lesen. Und genauso gründlich, wie er in Scholastischer Philosophie war, und genauso gründlich, wie er in Kirchenrecht war, und genauso gründlich, wie er in Zivilrecht war, genauso gründlich war er in seinem Studium der Bibel. Ich glaube, das ist auch eine Lektion für uns. Dass wenn wir in den kleinen Dingen des Lebens treu sind und gründlich sind und sorgfältig sind, dann werden wir auch im Lesen der Bibel gründlich und sorgfältig sein. Das wollten wir heute sagen. Die Reformation fußte auf Menschen, die gründlich waren in ihrem Studium. Er ging mit einer Gründlichkeit heran und als er die Bibel gründlich studierte, im Lateinischen, entdeckte er den Erlösungsplan. Etwas, was er in Oxford auf der Universität nicht gelernt hatte. Er entdeckte das, was auch die Valdenser schon wussten, von denen er aber keine Ahnung hatte. Er entdeckte ganz alleine, dass Gott seinen Sohn gesandt hat und der Staatskirche gelehrt wird. Hier haben wir Wycliffe. Und Wycliffe hat nicht nur das Evangelium wiederentdeckt. Er hat einige sehr starke Positionen eingenommen gegen die Staatskirche. Als erstes hat er dagegen protestiert, dass England Tribut zahlen sollte nach Rom. Zu der damaligen Zeit war es gang und gäbe, dass die Könige und Kaiser nach Rom Tribut gezahlt haben. Sie haben aber nie etwas dafür bekommen. Das haben sie nur gegeben. Und als bekehrter Mann hat sich Wycliffe gesagt, Moment mal, warum sollen wir immer nur geben, ohne dass wir etwas dafür bekommen? Macht doch keinen Sinn. Und er hat das öffentlich gepredigt. Raten Sie mal, wer da besonders begeistert von war? Der König, ganz genau. Wycliffe hat sein Leben lang gute Beziehungen zum Königshaus gehabt. Und zu Recht, ich meine, das ist ja auch eine ganz berechtigte Sache. Eine zweite Position, die er stark eingenommen hat, sind die sogenannten Bettelmönchorden entstanden. Die Dominikaner, die Franziskaner, die Karmeliten und einige andere. Und während in den Jahrhunderten vorher Mönche einfach irgendwo abgeschieden gelebt haben, haben diese Mönchsorden nun folgendes System gehabt. Die sind durch die Straße gegangen und haben gebettelt. Haben den ganzen Tag nichts Sinnvolles gemacht, haben einfach vom Leben der anderen gelebt. Das wäre schon schlimm genug gewesen. Aber sie brauchten mehr Mönche. Und so haben sie die Jugendlichen gelockt und gesagt, werdet doch auch Bettelmönche. Ihr braucht keinen Beruf lernen, ihr lebt vom Geld der anderen. Wir leben im Kloster, lassen uns gut gehen, beten ein bisschen. Und immer mehr Jugendliche sind Bettelmönche geworden. Die Bettelmönche hatten sogar ihre Männer in den Universitäten und haben Leute aus den Universitäten abgezogen, damit die kein Studium abschließen, sondern einfach Bettelmönch werden. Und dieses System ist natürlich nicht einfach nur für das Leben der betreffenden Personen eine Katastrophe, sondern auch für die ganze Wirtschaft. Denn wenn die Menschen arbeiten und ständig noch eine ganze Reihe von Bettelmönchen unterhalten müssen, die aber nichts arbeiten, dann muss man nicht Wirtschaft studiert haben, dass das irgendwann sich schlecht ausgeht. Das ging so weit, dass die Menschen zu jener Zeit ihre Kinder nicht mehr auf die Universitäten geschickt haben, weil sie Angst hatten, dass auf den Universitäten die Kinder nicht mehr auf die Universitäten gegangen sind. Dann ist die ganze Bildung des Landes bergab gegangen. Und Wycliffe war ein brillanter Mann, er hat das gesehen. Und er hatte nicht einfach nur eine Reform vorgeschlagen. Es gab vorher einige Leute, die gesagt haben, wir müssen die Bettelmönch-Orden reformieren, wir müssen da was an ihrer Satzung ändern, an ihren Mönchsregeln. Wycliffe hat gesagt, weg mit den Orden, weg mit den Mönchen. Wir brauchen sie nicht. Und das hat ihn natürlich hineingebracht in einen Magna-Konflikt. Was ist passiert? Die Mönchs-Orden haben natürlich gegengesteuert. Sie haben gesagt, Moment mal, was wir machen, ist genau das, was Jesus gemacht hat. Jesus hat auch nichts gearbeitet. Jesus hat auch nur vom Geld der anderen gelebt. Was jetzt passiert ist, war interessant. Die Leute haben gesagt, wirklich? Das haben wir noch gar nicht gehört. Und Menschen haben angefangen, die Bibel zu lesen, ob das auch stimmt. Und das war natürlich gar nicht geplant. Als die Menschen plötzlich die Bibel gelesen haben, dass Jesus kein Mönch war, der einfach sich's gut hat gehen lassen und vom Geld der anderen gelebt hat, sondern dass Jesus jemand war, der das Evangelium gepredigt hat und was er alles getan hat. Und dass das ein gewaltiger Unterschied war zu dem, was die Bettelmönche gemacht haben. Diese Strategie ist schon mal nicht aufgegangen. Und, naja, 1373 wurde dann Wycliffe als königlicher Gesandter nach Brücke, was damals zu den Niederlanden gehörte, gesandt, um dort vor den Abgesandten des Papstes die Anliegen der britischen Krone zu verteidigen. Das war kein kleiner Mann. Er war Abgesandter des Königs und hat die britische Krone verteidigt in den Niederlanden vor französischen, spanischen, italienischen und anderen Gesandten des Papstes. Und als er dort zwei Jahre war und die Verhandlungen miterlebt hat, die Diplomatie, hat er erst richtig Einblick bekommen in die ganze Kirchenstruktur. Das ist ja oft so, wenn man erst mal vor Ort gewesen ist und ein bisschen hinter die Kulissen schaut, dann weiß man erst richtig, womit man zu tun hat. Als er nach zwei Jahren zurückkehrt, weiß er jetzt ganz genau, wie das System dort in der römischen Kirche funktioniert. Es wird noch klarer, noch deutlicher, nicht nur das Evangelium zu predigen, sondern auch die Menschen zu warnen vor Rom. Das ist interessant. Wir werden das bei allen Reformatoren sehen. Alle Reformatoren haben nicht einfach nur die Wahrheit gepredigt, sie haben ganz deutlich, liebevoll, aber manchmal sehr, sehr deutlich den Menschen gesagt, hütet euch vor dem römischen System. Es ist eine Veränderung der Wahrheit, wie wir heute im ersten Vortrag gesehen haben. Als er zurückkam, ah, hier, noch ein Zitat von ihm, dass er dann im Lager war. Er hat dann im Laufe dieser Verhandlung entdeckt, wie sehr die englische Nation Schaden nimmt von diesem Tributsystem. Sie entziehen unserem Land den Lebensunterhalt der Armen und viele Tausend Mark pro Jahr von das Königsgeld für Sakramente und geistliche Dinge, was die verfluchte Ketzerei der Simonie ist. Das war dieser Simon Margos, der für Geld geistliche Dinge kaufen wollte. Und sie bewegen das Christentum dazu, diese Heere sie gut zu heißen und zu unterstützen, sagt er. Er macht einen tollen Vergleich. Er sagt, und gewiss, auch wenn unser Reich einen ungeheuren Berg von Gold hätte und keiner davon nehme, als nur dieser hochmütige, weltliche Priesterkassierer, würde im Laufe der Zeit dieser Berg verzerrt werden, denn er zieht alles Geld aus unserem Land und gibt nichts dafür zurück als Gottesfluch für seine Simonie. Ich finde es interessant, dass dieser Reformator nicht einfach nur sich um Religion gekümmert hat, um Theologie, sondern auch um die Wirtschaft des Landes. Und wir leben in einer Zeit, in der wir mit ähnlichen Problemen einfach nur noch Schulden bedienen müssen. Und Zahlen und Zahlen und Zahlen und irgendwie weiß keiner so richtig, warum eigentlich nicht. Alle Staaten haben Schulden. Jetzt will ich nicht einen Vortrag halten über moderne Schuldentheorie, aber so ein bisschen erinnert mich das daran. Und das zeigt, dass jemand, der die Bibel verteidigt und für den Glauben einsteht, auch ein gesundes Maß an Kenntnis haben sollte, was so die gewöhnlichen Dinge des Lebens sind. Vor allem, wenn alles so gründlich daneben läuft, wie es auch bei uns zur Zeit der Fall ist. Und wenn er zurückkam aus den Niederlanden, hat ihm der König von England eine Gemeinde geschenkt, die er jetzt betreuen sollte. Und diese Gemeinde stand in Lutterworth. Hatte das Vorrecht auch dort zu sein, 2010. Das ist die Kirche, in der er jetzt bis zum Ende seines Lebens gewirkt hat. Ganz beeindruckende Kirche und sehr interessanter Ort. Ist gar nicht so weit, eine halbe Autostunde westlich von Birmingham, in Westmittelengland. Und dort sitze ich tatsächlich auf dem Stuhl des Wyclef. Das ist der Originalstuhl von Wyclef. Also etliche Jahrhunderte alt und habe gerade was gelesen über ihn. War ein sehr erhebendes Gefühl. Wie auch immer. Dann ist folgendes passiert. Einige Jahre später, 1377, ist der König Edward III. gestorben. Der Nachfolger, Richard II. war erst 10 Jahre alt. Und ein 10-Jähriger kann schlecht über ein Königreich regieren. Also hat man den Onkel des 10-jährigen Königs, John of Gaunt, zum Interimsregenten bestellt. Er war nicht mal offiziell bestellt. Er hat quasi im Hintergrund die Fäden gezogen. Das war deswegen vorteilhaft, weil John of Gaunt der Beschützer von Wyclef bis dahin gewesen war. Das heißt, gerade in diesem Zeitpunkt, wo Wyclef zurückkommt und das Werk der Reform beginnen möchte mit aller Vollmacht, wirkt Gott so, dass sein Beschützer quasi die königliche Herrschaft in England übernimmt. Sehr interessant. Da haben wir Richard III., Edward III. und da John of Gaunt. Und oftmals ist es so gewesen, wir werden es auch später sehen, dass Gott nicht nur Reformatoren brauchte, er brauchte auch treue Politiker und Staatsmänner, die ihre schützende Hand über die Reformatoren gehalten haben. Sehr, sehr interessant. Und der Magno Conflictio kam auch in sein Leben. Da haben wir einen anderen Papst. Sein Name ist Gregor XI. Und er hat sich das angehört, was Wycliffe da aus Lutterworth gepredigt hat und in Traktaten in England verbreitet hat. Und hat gesagt, bis hierhin und nicht weiter. Er hat eine Bulle gesandt. Wenn man das Wort Bulle hört, dann weiß man schon, Verbot, Heresie. Und naja, die Chancen standen schlecht für Wycliffe. Am 22. Mai 1377 erlässt Papst Gregor XI. diese Bullen gegen Wycliffe und sagt, das ist heretisch, das ist heretisch, das darfst du nicht predigen, das ist verkehrt. Wenn du nicht widerrufst, dann haben wir einen Scheiterhaufen für dich. Was soll er machen? Das Interessante ist, dass Gott, der gesagt hat, schon zu Abraham fürchte dich nicht, ich bin dein Schild, auch zu diesem Zeitpunkt ein Schild war. Wisst ihr, was passiert ist? Jemand ist tatsächlich gestorben, aber nicht Wycliffe. Nicht mal ein Jahr später ist derselbe Papst gestorben. Papst Gregor stirbt am 26. März und das Problem war erstmal wieder aus der Welt. Und noch interessanter war, dass als der stirbt, etwas passiert, was nicht besser hätte passieren können für die Reformation. Bei der Wahl können sich die gekommenen Kurienkardinäle nicht einigen. Das ist noch hier der alte Papst. Und sie wählen zwei Päpste. Einmal Urban den 6. und Clemens den 7. Und diese beiden Päpste, die beide jetzt unfehlbar waren, und beide ihre Anhänger hatten, und beide ihre Armeen, hatten jetzt keine Zeit mehr, sich um einen Prediger in England zu kümmern. Die mussten jetzt sehen, dass sie ihre eigenen Freunde verteidigen. Und während jetzt ganz Europa in einen Krieg geriet, zwischen diesen beiden gegen Päpste, die sich gegenseitig ausgeschlossen haben, das, was hier begann, war die große abendländische Kirchenspaltung. Just in diesem Moment. Wycliffe beginnt mit der Reformation. Nicht Wycliffe hat die Kirche gespalten, die Kirche hat sich selbst gespalten. Und Wycliffe hat das kommentiert. Er war in aller Ruhe jetzt und konnte ungestört dort arbeiten und seine Reformation voranbringen. Dort in Lutterworth, ganz öffentlich. Und er sagt dann folgendes, wie er das kommentiert, finde ich einfach grandios. Er sagt, Gott wollte nicht mehr, dass der Feind nur in einem einzigen Priester herrschte. Sondern machte eine Spaltung zwischen zweien, sodass Menschen in Christi-Namen leichter beide sollten überwinden können. Hat das schon der alte Cäsar gesagt, Teile und Herrscher. Gott teilt die Macht des Papsts, damit es dem Wycliffe leichter fiel, um den Reformatoren in diesem Anfangsstadium der Reformation Fuß zu fassen. Sehr, sehr interessant, wie Gott das geführt hat. Und Wycliffe hat schnell erkannt, dass er alleine nicht ausreicht. England ist ein großes Land, so hat er Menschen ausgebildet, junge Prediger, die er ausgesandt hat in alle Himmelsrichtungen. Weiß jemand, wie man sie genannt hat? Das waren die sogenannten Loladen. Manche nennen sie auch die Wycliffiten. In jedem Fall ein schweres Wort. Die Loladen. Und sie sind ausgesandt worden und haben sein Werk, oder seine Thesen verbreitet. Er hat auch weiterhin in Oxford unterrichtet. Er war Professor dort und Doktor. Und er hat in seinen Vorlesungen so viel über die Bibel gepredigt, dass die Studenten ihn The Gospel Doctor genannt haben. Evangeliumsdoktor. Ich weiß nicht, wer von uns in seinem Beruf so viel von der Bibel erredet, dass man uns den Evangeliumsdoktor nennen könnte. Den Evangeliumshandwerker, den Evangeliumsfriseur, die Evangeliumskrankenschwester. Er war Dozent dort und hat das geschafft, weil er einfach nicht lassen konnte von diesem Buch, das ihn so sehr begeistert hat. Und ihm war bewusst, dass wenn er wirklich diese Reformation, die er anstrebte, zurück zur Wahrheit der Bibel, in England fußfassen lassen wollte, dann reichte es nicht, wenn er alleine das predigt, sondern die Menschen bräuchten die Bibel in ihrer eigenen Sprache. Und so kündigt er in einem Werk mit dem Titel The Truth and Meaning of Scripture an. Er würde die Bibel gern übersetzen wollen. Er druckt das und sagt, ich werde es jetzt bald anfangen. Und just in jenem Moment passiert es. Er wird schwer krank. Ihn trifft eine so schwere Krankheit, dass er nicht mehr aufhört. Und es ist, glaube ich, oft der Fall, dass gerade dann, wenn wir gewaltige Reformationsschritte vorangehen wollen, in unserem Leben vielleicht auch, dass Satan besonders aktiv wird. Vielleicht gibt es auch in deinem Leben einen Punkt, liebe Freunde, liebe Zuschauer, wo du sagst, ich muss jetzt etwas angehen, ich muss den nächsten Schritt gehen auf Gott zu, was auch immer es sei.
[1:10:17] Und just in dem Moment schlägt der Satan zu. Und die Mönche haben ihre Chance gesehen und sind zu ihm hin und haben gesagt: „Dr. Wycliffe, du liegst im Sterben, jetzt ist deine Gelegenheit. Widerrufe all das, was du gesagt hast.“ Und haben ihn eingeredet und ihn bearbeitet und gemacht und getan. Wycliffe, der schon ziemlich alt geworden war durch die viele Arbeit, hat sich alles ruhig angehört, kein Wort gesagt. Nachdem sie dann fertig waren mit ihren Anliegen, hat er gesagt: „Könnt ihr mich bitte gerade aufrichten?“ Die Mönche haben ihn genommen, haben ihn gerade aufgerichtet. Und dann hat er mit einer Donnerstimme gesagt: „Ich werde nicht sterben, sondern leben und weiterhin die bösen Taten der Mönche verkünden.“ Die Mönche sind geflohen. Und er hat recht gehabt. Gott hat ihn geheilt und er hat gelebt und hat in Lutterworth sich an die Arbeit gemacht und hat die Bibel angefangen zu übersetzen, Zeile für Zeile, Kapitel für Kapitel, Buch für Buch.
[1:11:20] Das ist der Beginn von Johannes. „In the beginning.“ Das ist Englisch, ein bisschen älter als heute. Hier habe ich einen selbst fotografiert, in seiner Kirche, eine moderne Abschrift. Ich weiß nicht, ob man das ein bisschen lesen kann hier. Hier ist Johannes 3, Vers 16. Moment, ich muss das hier schauen. Genau. Klingt fast so wie das normale Englisch, was wir kennen. Es ist interessant, das damalige Englisch war viel näher am Deutschen. Das Wort für Fleisch ist im Englischen „flesh“. Dort hieß es Fleisch. Amerikaner glauben ja immer nicht, dass die englische Sprache eigentlich germanischen Ursprungs ist. Und die denken, es ist romanisch, ich weiß gar nicht warum. Und dann sage ich ihnen: „Lest mal die Bibel von Wycliffe.“ Die Tatsache war, als ich dort in England war, mit englischen Freunden, die Engländer haben weniger davon verstanden als ich. An manchen Stellen. Weil es mehr deutsch war als englisch.
[1:12:29] Und als das Werk dann zu Ende war, und die ganze Bibel in 14. Jahrhundert-Englisch vorlag, hat er sie verbreitet. Damals gab es noch kein Buchdruck. Das heißt, jede Bibel musste abgeschrieben werden. Und ich weiß nicht, wenn Sie die Bibel in der Hand gehabt haben, werden Sie wissen, das sind nicht nur drei Bücher, das sind 66 Bücher. Manche von denen haben 66 Kapitel und mehr. Das ist eine Heidenarbeit. Aber nur sprichwörtlich, nicht buchstäblich. Um das abzuschreiben. Und das war der Grund, warum Bibeln damals sehr, sehr teuer waren. Oftmals haben sich Familien zusammengeschlossen und gesagt: „Okay, wir kaufen 1. bis 5. Mose. Und ihr kauft dann Psalm und Hiob und das. Und ihr kauft die Offenbarung und die Paulusbriefe. Und dann treffen wir uns gemeinsam und lesen und studieren gemeinsam.“ Das war noch Zeit, nicht wahr? Heute haben wir unsere Bibel im Schrank, auf dem iPhone, Computer, da, hier, überall. Aber lesen wir sie? Diese Menschen haben damals so viel investiert, um eine Bibel, oder wenigstens eine Portion der Bibel, in ihrer Hand zu halten.
[1:13:48] Für die Menschen war das damals der größte Schatz auf Erden. Die haben Gehälter hingelegt, für die könnte man sich sonst was kaufen. Nur, um vielleicht den 1. Johannesbrief oder den Judasbrief oder vielleicht nur ein paar Psalmen zu haben. Um selbst zu lesen, was Gott geschrieben hat. So sehr haben sie das wertgeschätzt. Und wiederum sind Menschen ausgegangen und haben die Botschaft verbreitet. Und haben Bibeln verbreitet, so weit es eben möglich war.
[1:14:20] Das Kuriose an der Situation war, bis dahin gab es in England kein Bibelverbot. Weil es ja noch niemals eine englische Bibel gegeben hatte. Und es gab ein kleines Zeitfenster. Nämlich, die römische Kirche musste erst mal realisieren: „Moment mal, da gibt es eine englische Bibelübersetzung.“ Und bevor das in Rom ankam, und man beschlossen hatte, das zu verbieten, und das wieder nach England zurückging, wo man die englischen Bibeln verteilen konnte. Kurze Zeit später gab es ein Bibelverbot, dann war es schwierig, man musste es im Untergrund machen. Aber auf einen kurzen Zeitpunkt gab es die Möglichkeit, das Wort Gottes wie ein Waldbrand zu verbreiten. Und natürlich hat das den Konflikt angeschürt.
[1:15:02] Dreimal ist Wycliffe vorgeladen worden. Zuerst für eine Synode von Bischöfen. Diese Bischöfe hatten es bereits geschafft, den jungen König, der jetzt selbst regiert hat, seine Schriften sind heretisch. „Widerrufe, oder du wirst verbrannt.“ Und Wycliffe hat gesagt: „Moment mal, ich appelliere an das Parlament, ich möchte vom Parlament sprechen.“ Dann ist er vor das Parlament vorgeladen worden, hat vor dem Parlament eine Rede gehalten, das den Bischöfen schlecht geworden ist. Und das Parlament hat gesagt: „Selbst wenn der König sagt, dass Wycliffe falsch liegt, wir sprechen ihn frei.“ Und dann wurde er vor das höchste kirchliche Tribunal, in England, vorgeladen. Und hier gab es keine Chance.
[1:15:50] Als das bekannt war, dass er vor dieses Tribunal, vor das höchste kirchliche Tribunal ganz Englands, vorgeladen wird, haben viele seiner Freunde gesagt: „Man muss wissen, wann der Kampf zu Ende ist. Jetzt gib einfach auf, du bist weit gekommen.“ Die meisten seiner Freunde hatten bereits aufgegeben und hatten sich ergeben. Und so war man sich sicher, dass Wycliffe als alter Mann, was soll er noch machen. Und er ist dort hingekommen und hat eine Rede gehalten. Wie sie wahrscheinlich vorher und hinterher an diesem Ort nicht mehr gehalten worden ist. Er hat in seiner Rede die Menschen darauf aufgefordert, zu bedenken, dass sie vor dem himmlischen Gericht stehen. Hat sich nicht mal darum gesorgt, wer der König, Kaiser, Gesandter des Papstes ist. Hat sie in seiner Rede vor den König des Universums gerufen. Und ihre Taten, die sie in ihrer Rede verglichen mit der Bibel. Völlig kompromisslos. Freundlich, aber super direkt. Am Ende ruft er aus: „Mit wem glaubt ihr, dass ihr streitet? Mit einem alten Mann am Rande des Grabes? Nein, mit der Wahrheit, die stärker ist als ihr. Und die euch überwinden wird.“
[1:17:08] Und die Geschichtshistoriker sagen uns, als er es gesagt hat, ist einfach gegangen. Und niemand hat es gewagt, ihn aufzuhalten. Ist einfach gegangen. Einfach gegangen. Und alle standen da. Das Wort Gottes hat gewaltige Kraft.
[1:17:26] Er hat am Ende seines Lebens eine Einladung bekommen, nach Rom zu gehen. Sich in Rom zu verantworten. Aber er war zu alt. Er konnte die Reise nicht mehr machen. So hat er einen Brief geschrieben an den Papst. Und sich verteidigt im Brief. Wenn Sie einen Brief an den Papst schreiben würden, hier ist, was Wycliffe geschrieben hat: „Ich halte dafür, dass der Bischof von Rom, da er der Stellvertreter Christi auf Erden ist, vor allen anderen Menschen am meisten an das Gesetz des Evangeliums gebunden ist. Denn die Größe der Jünger bestand nicht in weltlicher Würde oder Ehre, sondern in der engen und genauen Nachfolge des Lebens und Wandels Christi. Kein aufrichtiger Mensch sollte dem Papst die Wahrheit der Welt und der Weltlichen, in denen dieser Jesus Christus nachgefolgt ist. Denn Petrus, auf den man sich oft beruft, und die Söhne des Zebedeus sündigten, als sie weltliche Ehre verlangten. Der Papst sollte allen irdischen Besitz und alle Herrschaft der weltlichen Macht überlassen. Und dazu seine ganze Geistlichkeit nachdrücklich bewegen und ermahnen. Denn so tat es Christus, besonders durch seinen Apostel.“ Er rief Christus nicht ein: „Bitte gib deinen ganzen weltlichen Besitz auf.“ Der Papst sollte allen irdischen Besitz und alle Herrschaft der weltlichen Macht übergeben. Übergib deine ganze kaiserliche Macht den weltlichen Mächten.“ Ich kann mir vorstellen, wie der Papst geschämt hat, als er es gelesen hat.
[1:19:05] Aber eine Sache, die besonders interessant ist im Leben von Wycliffe, ist, dass obwohl fast alle Reformatoren in der Kirche von Wycliffe gebeten haben, dass er in seiner Kirche beim Abendmahl gestorben ist. Als alter Mann hat er beim Abendmahl einen Schlaganfall bekommen und ist in seiner Kirche im Säulengang gestorben. So als würde Gott es nicht erlauben, einem der Feinde sein Leben zu nehmen.
[1:19:38] Was können wir von Wycliffe lernen? Wycliffe war ein besonderer Ort, ein besonderer Mann. Er war, wie gesagt, jemand, der keinen Vorläufer hatte. Da war keiner, auf den er bauen konnte. Alles, was er entdeckt hatte, hatte er direkt aus der Bibel. Da war keine Schrift, die er vorher studiert hatte. Er kam direkt aus der Finsternis des Mittelalters und war plötzlich da. Aber das Erstaunliche ist, dass kaum ein Reformator nach ihm, weder Hus, noch Luther, noch Wesley, noch wie sie alle heißen, ihn wirklich übertroffen hat, den Wachstum getroffen hat. Ja, stimmt, die Reformation war eine Abfolge, ein Wachstum. Aber Wycliffe war eigentlich schon fast am Ziel angelangt. Kaum ein anderer war in seiner Konsequenz, in seiner Gradlinigkeit, in seinem Bibelverständnis so tief verwurzelt wie Wycliffe. Wie ist das möglich ohne Lehrer, ohne Vorläufer, ohne jemanden, der einen darauf vorbereitet hat? Es kann nicht sein, es kann nur die Bibel gewesen sein. Er hatte keinen Lehrer gehabt, keinen Vorreformator.
[1:20:50] Das Leben von Wycliffe, die Geschichtsdaten, die wir von ihm wissen, ist ein frappierendes Zeugnis für die Kraft der Bibel, jemanden so umzuwandeln, der aus der Finsternis kommt und zu einem hellen, glänzenden Licht wird. Egal, woher du kommst, lieber Freund, liebe Freundin, und wenn niemand vor dir dich gelehrt hat, vielleicht schaut jemand zu und sagt: „Ich habe keine christlichen Eltern, keinen Pastor, der mich in der Christenlehre unterwiesen hat, nichts, das quasi nur Finsternis.“ Lass dir gesagt sein, dieses Buch alleine, das aus diesem Wycliffe ein helles Licht den Morgenstern der Reformation gemacht hat, dieses Buch vermag dich völlig umzugestalten. Denn wer die Bibel liest, wird umgestaltet. Wer die Bibel liest, bekommt Standhaftigkeit, Festigkeit, so wie Wycliffe. Selbst wenn alle anderen sagen: „Jetzt ist es aus.“ Ich stehe hier. Egal, wie die Konsequenzen sind. Das ist die Kraft der Bibel. Das ist keine menschliche Kraft. Das hat er nicht in der Philosophie gelernt, nicht im Kirchenrecht, nicht in all den Andingen, die er studiert hat. Das hat er in der Bibel gelernt. Es ist gut, viele andere Dinge zu studieren, aber eine Sache sollten wir studieren.
[1:22:12] Wir haben eine lange Reise genommen. Wir haben gesehen, wie von der Urchristenheit es in die Finsternis hineinging und wie das Licht zu strahlen begann. Der erste entscheidende Schritt des Lichtes war, dass die Bibel wieder ins Tageslicht kam, in die Sprache der Menschen. Die Bibel hat eine umwandelnde Kraft. In Psalm 119, Vers 130 heißt es: „Wem deine Worte sich erschließen, für den verbreiten sie Licht.“ Gerade wer? Unerfahrene. Vielleicht sagst du: „Ich kenne mich in der Bibel nicht aus, habe sie noch nie gelesen, keiner hat mich unterwiesen.“ Macht nichts. Wycliffe hatte auch keinen Lehrer. Und Wycliffe hat mehr verstanden als die meisten Reformationen nach ihm. Die Lehrer hatten allein die Bibel. Ich möchte dich, liebe Freunde, liebe Freundinnen, liebe Zuschauer, ich möchte dich heute herausfordern: Nimm die Bibel zur Hand, sei gründlich. Und lies sie einfach, Tag für Tag. Was wir aus der Geschichte lernen können, ist die umwandelnde Kraft des Wortes Gottes.
[1:23:15] Als Wycliffe starb, sind seine Anhänger noch einige Zeit weiter gelaufen und haben die Botschaft verbreitet. Aber bald sind sie in die Gefängnisse geworfen worden. Hier ein typisches Lollardengefängnis. Wir sehen hier den Einfluss von Wycliffe. Ungefähr die Hälfte Englands, die damals bewohnt war, stand unter seinem Einfluss. Aber bald konnte Rom wieder seine Herrschaft erlangen und das selbe, was schon seit Jahrhunderten passiert ist, ist auch dieser Bewegung passiert.
[1:23:48] Das Interessanteste, und damit schließen wir, ist, Wycliffe ist friedlich gestorben, wurde friedlich beigesetzt. Aber das hat in Rom einfach nicht so wirklich gepasst. Und so hat man Jahrzehnte später auf einem Konzil, von dem wir morgen noch mehr hören werden, in dem Konzil von Konstanz beschlossen: „Wir müssen irgendetwas noch tun, um Wycliffe irgendwie zu demütigen.“ Und wenn es nur dazu bedeutet, dass wir seine Gebeine herausholen aus der Erde und aus dem Friedhof rauswerfen. Und so ist dort eine Delegation hin und hat dort den Friedhof aufgebuddelt. Das muss man sich mal vorstellen. Hat nach den Gebeinen von Wycliffe, wahrscheinlich fast nur noch Asche, und sie haben die Asche genommen und sie haben den Bach, der floss den Bach entlang. Und dieser Bach, der fließt in den Avon. Und der Avon, der fließt in die Severn. Und die Severn fließt in die Meerengen. Und die Meerengen fließen in die Irische See und in den Ozean. So als ob die Asche, die letzten Übrigbleibsel des Wycliffe, sich in der ganzen Welt verstreut haben.
[1:25:12] Das war der erste Schritt. Liebe Freunde, auch heute soll es dein erster Schritt sein, die Bibel kennenzulernen. Die Auswirkungen werden gewaltig sein. Morgen, wenn wir mehr erfahren über die Auswirkungen, die haben zu tun mit diesem Stein. Und wenn Sie nicht wissen, nicht morgen, beim nächsten Vortrag, was es mit diesem Stein auf sich hat, werden Sie herzlich eingeladen, Dienstag dabei zu sein. Ich habe von Leuten studiert, die aus der Finsternis kamen, die völlig verwandelt worden sind. Was bedeutet die Bibel heute für dich? Was wirst du tun, wenn du nach Hause gehst? Was wirst du tun, wenn du den Computer ausschaltest? Nächsten Kanal einsappen? Oder ist da Zeit in deinem Leben, sich mit diesem Buch zu beschäftigen? Dieses Buch, das Licht spricht in die Finsternis, sogar deines Herzens. Ich bitte dich, das Buch höher einzuschätzen, als jemals zuvor, und es zu lesen und zu studieren, dass Licht in unser Leben kommt. Amen.
[1:26:24] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen für diesen Abend. Wir haben viel angeschaut, und eines immer wieder gesehen. Ja, es gibt einen Konflikt, es gibt einen Kampf. Du hast niemals versprochen, dass nur Rosen unseren Weg betten werden. Du hast niemals versprochen, wie du die Grenze von Weigler von anderen geleitet hast. Wie du sie bewahrt hast und ihnen Kraft gegeben hast. Wie du die Waldenser über Jahrhunderte bewahrt hast. So kannst du auch unser Leben bewahren. So kannst du in unserem Leben Licht bringen. Durch dein Wort. Wir möchten nicht bitten, dass du uns Kraft schenkst. Dass du uns Weisheit schenkst, dein Wort zu verstehen. Vielleicht gibt es niemanden, der uns unterrichtet. Dein Wort gründlich studieren. Um in diesem Magna-Konflikt, in diesem großen Kampf, diesem großen Konflikt, dieser gewaltigen Auseinandersetzung, auf deiner Seite zu stehen und das Licht weiterzugeben. Bis du kommst. Im Namen Jesu. Amen.