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In dieser Folge von „Magna Conflictio“ beleuchtet Christopher Kramp die Entwicklungen der Reformation nach Luthers Auftritt in Worms. Er thematisiert die Herausforderungen durch fanatische Strömungen, den Bauernkrieg und die entscheidende Rolle der Fürsten, die sich für die Freiheit des Glaubens einsetzten. Der Vortrag erklärt die Entstehung des Begriffs „Protestant“ und die Bedeutung des Augsburger Bekenntnisses als Grundstein des Protestantismus.

In dieser Folge von „Magna Conflictio“ taucht Christopher Kramp tief in die Geschichte der Reformation ein und beleuchtet die entscheidenden Ereignisse und Personen, die den Protestantismus prägten. Von Luthers Rückkehr von der Wartburg über den Aufstieg fanatischer Bewegungen bis hin zum historischen Protest von Speyer wird die Entwicklung des Glaubens und die Bedeutung der Bibel als alleinige Richtschnur dargestellt. Die Folge hebt hervor, wie sich die Reformation trotz aller Widerstände ausbreitete und welche Rolle die Fürsten und jungen Menschen dabei spielten.


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Serie: Magna Conflictio (Vortragsreihe über die Kirchengeschichte und die Endzeit)

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Transkript

[1:21] Einen wunderschönen guten Abend. Schön, Sie heute Abend hier zu sehen zum Magna Conflictio. Zu unserem, ich glaube, jetzt fünften Abend und sechsten und siebten Thema. Herzlich willkommen auch allen, die jetzt live zugeschaltet sind auf www.magnaconflictio.de oder auf denen, die auch bei joelmedia.de uns zuschauen. Schön, dass Sie dabei sind und schön, dass wir gemeinsam diesen Abend verbringen können, um einige äußerst spannende Geschichten aus der Geschichte miteinander zu betrachten.

[1:53] Wir haben in den vorigen Folgen schon einiges gesehen. Weiß jemand noch, wie unsere erste Folge hieß? Ich bin gespannt. Ich kann mich noch erinnern. Da haben wir gesprochen über eine Chance: die Flucht aus Jerusalem. Wir haben begonnen damit, uns Gedanken zu machen über jene große Weltgeschichte, die sich in einer kleinen Geschichte quasi wie in einer Nussschale abgespielt hat: die Zerstörung aus Jerusalem. Wir haben gesehen, dass jeder, der Jesus vertraut hat, gerettet worden ist. Dann haben wir gesprochen über sieben Hügel. Wir haben über die Verfolgung gesprochen, die von Rom ausging in ihren verschiedenen Formen: ganz offensiv und dann mehr subtil durch eine Veränderung zu einer Art Christentum hin. Dann haben wir gesprochen über drei Täler. Wir haben gesehen, dass das gesamte Mittelalter hindurch, z.B. in den Waldenser Tälern und an vielen anderen Orten, das Licht der Wahrheit hochgehalten worden ist.

[2:54] Am letzten Dienstag ging es um wie viele Thesen? 95 Thesen. Da haben wir darüber gesprochen, wie nachdem bereits Leute wie Wycliffe und Jan Hus den Staffelstab der Reformation weitergegeben haben, Martin Luther begonnen hat, dieses Werk sehr breit gefächert und offensiv zu betreiben. Und gestern Abend haben wir gesprochen über 11 Worte. Weißt du noch, wie diese 11 Worte waren? „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.“

[3:28] Und wie jedes Mal haben wir auch heute wieder fünf Fragen, die sich beziehen auf den letzten Vortrag. Und wieder bin ich gespannt, wer von uns war eigentlich gestern Abend da? Die allermeisten, wunderbar. Und alle, die nicht da waren, können die Fragen sicherlich auch beantworten. Wo fand der Reichstag 1521 statt? Das war Worms, das ist uns gut bekannt. Wo liegt die Wartburg? Auch das mit ein bisschen Geografiekenntnis: Eisenach. Schlägt bei manchen das ostdeutsche Herz höher. Zu Recht.

[4:02] In wie vielen Kategorien teilte Luther seine Schriften vor dem Reichstag ein? Vor dem Vortrag konnte mir das keiner beantworten gestern. Drei. Was waren das für drei Kategorien? Über das christliche Wesen, über christliche Werte und dann über die Missstände in der Papstkirche und dann persönliche Angriffe auf andere, wo er dann zugegeben hat, an der Kategorie ist er vielleicht ein bisschen übers Ziel hinaus geschossen. Ganz genau. Und dann hatten wir folgende Frage: In welcher Stadt begann die Schweizer Reformation? Genau, da haben wir es gestern ja schon vernommen. Und die letzte Frage, da bin ich gespannt, wer das aufgeschnappt hat: Wer vertrat Zwingli in der Badener Disputation 1529? Es gab ja mehrere, die ihn dort vertreten haben, und wer hat dort das Wort geführt? Wer war das gewesen? Ganz genau. Jemand weiß die Antwort, der nicht mal da gewesen ist. Freue mich ganz besonders: Johannes Ökolombard. Wer war sein Gefährte gewesen? Genau. Aber wir haben eine Aufzeichnung verfordert. Genau.

[5:06] Heute geht es um fünf Fürsten. Und wie immer haben wir fünf Fragen auch diesmal. Und ich bin gespannt, wer die jetzt schon beantworten kann. Und bitte, noch einmal, die Spielregel ist: nicht laut hinausrufen. Wenn man es jetzt schon weiß, dann kann man sich freuen und sich auf die Schulter klopfen und sagen: „Ich habe viel aufgepasst in Geschichte.“ Und dann auch gut aufpassen im Vortrag, ob es auch stimmt, was man meint, die richtige Antwort zu sein.

[5:35] Wie hieß der religiöse Anführer im Bauernkrieg? Einige nicken schon. Ich weiß es. Die nächste Frage: Wo fand die Protestaktion der lutherischen Fürsten statt? Nur mit Händen. Wer wüsste es? Da freue ich mich wieder, dass Sie heute etwas lernen werden. Und dann heißt es: Welche Stadt wurde zum Zentrum des europäischen Protestantismus? Ich kann Ihnen schon sagen, es war nicht Stuttgart. Aber einige nicken mir im Kopf. Und dann: Welche biblische Lehre entdeckte Menno Simons? Habt ihr den Namen Menno Simons gehört? Dann sind Sie heute hier am richtigen Platz. Und vielleicht die schwerste Frage heute: Welcher Missionar ging 1735 nach Amerika, um die Indianer zu bekehren? Ich bin mir sicher, Sie alle kennen den Namen, aber Sie haben keine Ahnung, dass es sich auf den hier bezieht. Und das werden wir heute und vieles andere besprechen.

[6:43] Heute wollen wir dort aufhören, wo die meisten beim Thema Reformation, wir wollen heute dort weitermachen, wo die meisten aufhören, wenn es um die Reformation geht. Meistens spricht man über die 95 Thesen. Man spricht über Luthers Auftritt in Worms. Und das ist dann so alles. Und heute wollen wir sehen, wie ging die Reformation weiter? Wie hat sich dieser Magna Conflictio ausgespielt? Nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa.

[7:09] Und wie jeden Abend wollen wir das beginnen mit einem Gebet. Ich lasse Sie herzlich ein, mit mir gemeinsam ein Anfangsgebet zu sprechen. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir jetzt zu dir kommen können. Wir möchten dich bitten, dass du uns Aufmerksamkeit schenkst und Konzentration, damit wir verstehen können, wie dieser gewaltige Konflikt zwischen Irrtum und Wahrheit, zwischen Licht und Finsternis durch die Jahrhunderte sich entfaltet hat und dass wir die kostbaren Lektionen auch lernen können aus dem Leben von Männern und Frauen, die für die Wahrheit eingestanden sind. Bitte rühre dir unsere Herzen an. Bitte, dass wir nicht nur unseren Kopf füllen mit Fakten, sondern mit einer Überzeugung, dir nachzufolgen. Und das alles bitten wir im kostbaren und teuren Namen Jesu. Amen.

[7:49] Wir haben gestern natürlich aufgehört mit Zwingli, aber wir haben über Zwingli gesprochen, deswegen, weil die Gefangennahme, die scheinbare Gefangennahme von Luther so ein bisschen den Weg freigemacht hat für Zwingli, den Blick freigemacht hat auf sein Wirken. Und wir wollen heute den Faden wieder aufgreifen in der Luther-Geschichte. Wir hatten ihn dort zurückgelassen auf der Wartburg in Eisenach. Und ich weiß nicht, ob Sie sich vorstellen können, wie wohl die Menschen reagiert haben, als sie festgestellt haben: Luther ist gefangen genommen worden, ist verschwunden von der Bildfläche. Was haben die Leute wohl gedacht? Irgendjemand hat ihn vielleicht getötet, nicht wahr, hat ihn umgebracht, und es gab fast einen Volksaufstand. Das Gerücht ging um, er ist tot. Und sein Verschwinden hat noch mehr Unruhen ausgelöst als sein Dasein, sodass die Romanhänger so verzweifelt waren, dass einer sogar ausgerufen hat: „Es bleibt uns nur das Rettungsmittel übrig, dass wir Fackeln anzünden und Luther in der Welt aufsuchen, um ihn dem Volke, das nach ihm verlangt, wiederzugeben.“ Also jetzt war man sich sicher, man muss eigentlich den Luther wiederfinden.

[9:02] Naja, nach einiger Zeit ist dann die Nachricht durchs Lande gegangen: Er ist in Sicherheit. Und was die Romanhänger besonders geärgert hat, war, dass dieses Edikt von Worms, mit dem man Martin Luther unter die Reichsacht gestellt hat, dass dieses Edikt überhaupt nicht wirklich umgesetzt worden ist. Dass hier auf dem Reichstag beschlossen worden ist, dass Martin Luther vogelfrei zu wandeln sei, ist einfach nicht so wirklich durchgesetzt worden. Das hat viele sehr geärgert.

[9:32] Martin Luther war derweil, wie besprochen, auf der Wartburg und hat sich mit der Bibelübersetzung beschäftigt. Und wir haben gestern schon darüber gesprochen, dass sein Fernbleiben für einige Zeit ein großer Segen war. Wenn Sie gestern da gewesen sind, haben Sie gemerkt, dass es einer der Hauptgründe war für das Ausbreiten der Reformation, dass Martin Luther für eine gewisse Zeit nicht da war. Denn als er weg war, mussten andere in die Bresche springen. Unter ihnen, zum Beispiel der hier, weiß jemand noch, wer das war? Das war Philipp Melanchthon, ein paar Jahre jünger, ein hoher griechisch Gelehrter und ein treuer Freund Luthers. Und das war ein anderer Mitarbeiter, das war Karlstadt. Den Namen vielleicht gehört. Und die beiden vor allem haben jetzt in Wittenberg, nicht wissend, dass Luther noch lebt, die Reformation weitergetrieben. Und es hat sich ausgebreitet.

[10:34] Und zu diesem Zeitpunkt, als klar war, dass weder der Papst noch der Kaiser noch das Deutsche Reich, noch nicht einmal das Verschwinden von Luther die Reformation aufhalten kann, da musste der Satan ganz tief in die Trickkiste greifen. Er hatte alles versucht: Exkommunikation, Reichsacht, das, jenes. Die Reformation ging weiter. Und in jenem Moment hat er ein Mittel aus der Zauberkiste gegriffen, das wirklich ziemlich erfolgreich war. Und das hatte mit dieser Stadt zu tun.

[11:19] Im selben Jahr, in dem Luther auf der Wartburg gefangen genommen wird, stehen einige Männer auf. Unter anderem Nikolaus Storch und Thomas Drechsel. Mal von denen gehört? Besser bekannt sind sie unter dem Namen die Zwickauer Propheten. In Zwickau stehen im selben Jahr Leute auf, die sagen: „Wir haben von Gott Visionen bekommen. Wir sind von Gott berufen, die Reformation zu Ende zu bringen. Gott hat direkt zu uns gesprochen.“ In Zwickau haben sie so viel Unruhe angestiftet mit ihren seltsamen Lehren, dass sie am 17. April bereits aus Zwickau ausgewiesen worden waren. Aber sie hatten ja gehört, dass dort in Wittenberg bereits eine große Reformation vonstatten geht. Und als dann im Juni auch der Karlstadt selbst schon anfängt, die Reformation ein bisschen zuzuspitzen und jetzt Dinge auch zu predigen, die Luther gar nicht gepredigt hat und durchaus auch richtige Dinge gepredigt hat, also das voranzutreiben, da ergreifen diese Zwickauer Propheten ihre Chance und kommen nach Wittenberg und sagen: „Hier sind wir. Wir sind gekommen, um die Reformation abzuschließen. Gott hat zu uns gesprochen.“

[12:27] Es waren große Fanatiker, aber das hat man nicht sofort erkannt. Sie hatten nicht so viel mit der Bibel am Hut. Sie waren der Meinung, Gott spricht direkt zu ihnen, zu ihren Gedanken. Und sie haben besondere Offenbarungen und auf die muss jetzt jeder hören. Die Bibel ist zweitrangig. Einer von ihnen behauptete, dass der Engel Gabriel ihm erschienen sei und jetzt eine besondere Botschaft für das Volk hätte. Sie sagten: „Wir sind von Gott gesandt, das Volk zu unterweisen. Wir haben vertrauliche Gespräche mit Gott und sehen in die Zukunft. Wir sind Apostel und Propheten und berufen uns auf den Doktor Luther.“

[13:07] Als alle Unterdrückung, alle Gewalt nichts genutzt hat, hat der Satan Menschen gebracht, die gesagt haben: „Wir sind Lutheraner. Wir finden das gut, was ihr macht. Ihr müsst es nur noch ein bisschen anders machen. Und wir wissen genau, wie Gott hat zu uns gesprochen.“ Charismatische Leute, denen die Leute nachgelaufen sind, die mit flammenden Reden, mit geistlichen Appellen die Leute hinter sich gebracht haben. Und selbst Melanchthon und Karlstadt waren sich unsicher. Die haben das gesehen, die haben schon gemerkt, also irgendwie ist das nicht ganz normal. Aber sie wussten noch nicht genau, wie man das handeln soll. Melanchthon sagt: „Diese Leute sind ungewöhnliche Geister.“ Aber was für Geister? „Wir wollen den Geist nicht dämpfen, aber uns auch vom Teufel nicht verführen lassen.“ Und so lassen sie sich erst einmal gewähren. Und es gibt Hinweise, dass für einen gewissen Zeitraum beide, sowohl Melanchthon als auch Karlstadt, sich haben mitreißen lassen von diesen fanatischen Propheten, die alles Mögliche jetzt verkündigt haben. Und darunter auch viele Wahrheiten, übrigens.

[14:05] Viele biblische Wahrheiten, die Luther noch nicht erkannt hatte, wurden von diesen Fanatikern jetzt gepredigt und gleichzeitig der Volksaufstand gefördert. Nach einiger Zeit wird ziemlich deutlich, was sie wirklich meinen. Sie haben, wie gesagt, keine große Achtung vor der Bibel. Sie sagen den Leuten: „Es ist vollkommen unwichtig, in der Bibel zu lesen. Hauptsache, du hast eine direkte Verbindung zu Gott und Gott spricht durch deine Gedanken. Da brauchst du die Bibel nicht mehr.“ Einer hat sogar gesagt: „Luther hat im Prinzip nur eine Art zweites Papsttum geschaffen. Im Mittelalter mussten wir dem Papst gehorchen, bei Luther müssen wir der Bibel gehorchen. Aber was wir wirklich brauchen, ist ein direkter Kontakt zu Gott. Bibel brauchen wir nicht.“

[14:47] Und das hat dazu geführt, dass plötzlich die meisten Studenten in Wittenberg die Universität verlassen haben. Weil: Warum noch studieren, wenn ich direkte Offenbarung von Gott habe? Warum noch alte Schriften lesen oder irgendwie etwas lernen, wenn Gott mir sowieso alles gleich in dem Moment beibringt, oder? Sehr interessanter Schachzug gewesen.

[15:03] Und einer hat das sofort erkannt, worum es wirklich ging. Und das war Junker Jörg, alias Martin Luther. Als der im selben Jahr noch die Nachricht erhält, dass in Wittenberg der Fanatismus ausbricht, sagt er Folgendes: „Ich habe immer gewartet, dass Satan uns eine solche Wunde versetzen würde.“

[15:26] Martin Luther wollte nie Reformator werden. Das haben wir deutlich gesehen. Er wollte einfach nur die Wahrheit sagen. In seinem kleinen Kreis. Er hatte keine Ahnung, dass seine 95 Thesen durch den Buchdruck als Flugblätter durch die ganze Welt gehen würden. Gott hat ihn geschubst in dieses Werk. Aber da gab es andere, die haben nicht darauf gewartet, dass Gott sie schubst. Die sind vorne weggelaufen. Die wollten auch unbedingt Reformatoren sein. Die wollten auch gerne predigen. Die wollten auch gerne die Massen aufwiegeln. Das war der große Unterschied.

[15:59] Ja, wir sollten nach der Wahrheit suchen. Aber wir sollten uns vor Leuten hüten, die einfach selbstgesandte Propheten sind. Das ist ein Mittel, das der Satan auch heute noch gerne anwendet. Luther hatte gesagt: „Wüsste ich, dass meine Lehre einem einfältigen Menschen schadete, das kann sie nicht, denn sie ist das Evangelium selbst. So möchte ich eher 10 Tode leiden, als nicht widerrufen.“

[16:21] Luther hatte ein echtes Verlangen, dass Menschen gerettet werden. Er wollte sich nicht selbst darstellen. Er wollte, dass Menschen zu Jesus kommen. Aber diese Fanatiker hatten etwas anderes im Sinn. Und Luther hat gesehen, wenn er nicht persönlich eingreift, geht die ganze Reformation vor die Hunde. Das, was der Kaiser nicht geschafft hat, was der Papst nicht geschafft hat, was der Reichstag nicht geschafft hat, das wäre möglich gewesen durch ein paar Fanatiker, die das ganze Volk hinter sich gebracht haben.

[16:49] Und so entscheidet er sich heimlich, obwohl er vogelfrei ist, von der Wartburg zu gehen und nach Wittenberg zurück zu gehen. Er schreibt einen Brief an den Kurfürsten und sagt: „Ich verzichte jetzt auf deinen Schutz und gehe jetzt nach Wittenberg.“ Am 6. März kommt er heimlich an. Er hatte geschrieben an den Kurfürsten: „Eure kurfürstliche Gnade, wisse, ich komme gen Wittenberg, in gar viel einem höheren Schutz, denn des Kurfürsten. Ich habe es auch nicht im Sinne, von eurer kurfürstlichen Gnaden Schutz zu begehren. Ja, ich halte, ich wolle eure kurfürstlichen Gnaden mehr schützen, denn sie mich schützen könnte.“

[17:29] Da spricht jemand, der für vogelfrei erklärt ist und sagt seinem großen Beschützer: „Also, ich könnte dich besser beschützen als du mich.“ Warum? Dazu, wenn ich wüsste, dass mich eure kurfürstlichen Gnaden könnte und wollte schützen, so wollte ich nicht kommen. Diese Sache kann noch kein Schwert raten oder helfen, Gott muss sie helfen allein schaffen, ohne alles menschliche Sorgen und Zutun. Darum, wer am meisten glaubt, der wird sich am meisten schützen.“ Interessant ist das Prinzip, nicht wahr? Je mehr ich glaube, desto mehr kann ich andere beschützen. Interessant.

[18:03] Naja, drei Tage später hält er seine erste Predigt. Und ich weiß nicht, stellen Sie sich vor, Sie hätten jetzt diese Aufgabe, die falschen Propheten in die irre geleitete Volksmenge wieder auf den rechten Weg zu bringen. Was hätten Sie gemacht? Wovon muss man wohl sprechen? Und hier ist, was Luther sich vorgenommen hatte. Er hat gesagt: „Mit den Worten müssen wir streiten, mit den Worten stürzen, was die Gewalt eingeführt hat. Ich will keinen Zwang gegen Aber- und Ungläubige. Keiner soll zum Glauben und zu dem, was des Glaubens ist, gezwungen werden.“ Sehr interessantes Prinzip.

[18:39] Und dann hält er folgende Predigt. Er sagt: „Die Messe ist ein böses Ding, weil diese Fanatiker hatten alles kurz und klein geschlagen. Die haben die Bilder kaputt gemacht, haben die Priester, die noch an der Messe festgehalten haben, zum Teil gewaltsam dran gehindert.“ Und Luther predigt und sagt: „Die Messe ist ein böses Ding und Gott ist ihr Feind. Sie muss abgetan werden und ich wollte, dass in der ganzen Welt allein die gemeine evangelische Messe gehalten wird. Doch soll man niemand mit dem Haar davon reißen. Denn Gott soll man hier in die Ehre geben und sein Wort allein sagen lassen, nicht unser Zutun und Werk.“ Warum? Ich habe nicht in meiner Hand die Herzen der Menschen. Da wird etwas Wichtiges verstanden. Man kann keinen Menschen zwingen, die Wahrheit anzunehmen.

[19:21] Das ist ein großes Prinzip im Magna Conflictio. Er sagt: „Wir haben wohl das Recht der Rede, aber nicht das Recht der Vollziehung. Das Wort sollen wir predigen, aber die Folge soll allein in seinem Gefallen sein. So ich nun da reinfalle, so wird dann aus dem Gezwang oder dem Gebot ein Spiegel fechten, ein Äußerlich-Wesen, ein Affenspiel. Aber das ist kein gut Herz, kein Glaube, keine Liebe.“ Er wusste genau: Zwang kann keinen Glauben hervorbringen. Wo diese drei fehlen, ist ein Werk nichts. „Ich wollte nicht einen, was? Einen Birnstiel drauf geben. Also wirkt Gott mit seinem Wort mehr, denn wenn du und ich alle Gewalt auf einen Haufen schmelzen. Also, wenn du das Herz hast, so hast du ihn nun gewonnen.“ Wie meine Mutter wusste, um einen Menschen zu gewinnen, muss man sein Herz erreichen.

[20:11] „Predigen will ich es, sagen will ich es, schreiben will ich es, aber zwingen, dringen mit der Gewalt, will ich niemand. Denn der Glaube will willig und ohne Zwang angezogen werden. Nimm dein Exempel an mir, ich bin dem Ablass und allen Papisten entgegen gewesen, aber mit keiner Gewalt. Ich habe allein Gottes Wort getrieben, gepredigt und geschrieben, sonst habe ich nichts getan.“ Das hat, wenn ich geschlafen habe, also viel getan, dass das Papsttum also schwach geworden ist, dass ihm noch nie kein Fürst noch Kaiser so viel abgebrochen hat. Ich habe nichts getan, das Wort Gottes hat es alles gehandelt und ausgerichtet.

[20:47] Und dann sagt er was sehr Wichtiges. Er sagt: „Wenn ich hätte wollen mit Ungemach fahren, ich wollte Deutschland in ein Großblutvergießen gebracht haben.“ Der Luther hätte sich hinstellen können und sagen: „Mir nach, Bauern!“ Das hätte er machen können. Und wir hätten einen Bürgerkrieg gehabt, der bis heute wahrscheinlich die Geschichtsbücher rot getränkt hätte. Aber was wäre es? Ein Verderbnis an Leib und Seele. Ich habe nichts gemacht, ich habe das Wort Gottes lassen handeln.

[21:13] Das ist ein wichtiges Prinzip, weil manchmal sind wir so begeistert von der Wahrheit, dass wir denken, wir müssen das irgendwie dem anderen auch aufdrücken, nicht wahr? Luther sagt: „Lasst uns das Wort tun. Predige das Wort, lese das Wort, schreibe das Wort, handel das Wort und lass das Wort Gottes wirken.“

[21:33] Und Mitte März ist dann bereits der Fanatismus in Wittenberg weitestgehend gebrochen. Die Propheten kommen zu ihm und sagen: „Wir möchten gern mit dir reden.“ Und er hört sich das alles an, was sie ihm so zu erzählen haben, und dann zeigt ihm aus der Bibel, was alles falsch ist an dem, was sie sagen. Dann verlassen sie angsterfüllt Wittenberg und kommen nie wieder zurück. Aber sie haben in anderen Teilen Deutschlands doch einiges angerichtet.

[22:03] Weiß nicht, ob jemand was von dem Täuferreich in Münster gehört hat. Ungefähr zehn Jahre später hat in Münster eine Gruppe von Fanatikern, die sich Täufer nannte. Interessanterweise hatten sie geglaubt, dass die Kindertaufe falsch ist und dass man als Erwachsener getauft werden muss. Das haben sie verknüpft mit der Idee: Wer nicht als Erwachsener getauft werden muss, muss umgebracht werden. Das Reich errichtet dort und haben so viel Schaden angerichtet, dass sogar Luther und Zwingli und viele andere sich ganz gegen die Erwachsenentaufe ausgesprochen haben. Sehr interessant.

[22:37] Und da sieht man eine Methode in diesem großen Konflikt, die wir gut kennen sollten. Der Satan schafft es immer wieder, biblische Wahrheit mit Fanatikern zu verknüpfen. Sodass, wenn man dann die Leute anschaut, die das predigen, sagt: „Das kann ja nicht die Wahrheit sein, schau dir ihre Früchte an.“ Und man tut dann das Kind mit dem Bade aus schütten.

[23:01] Ein wichtiges Prinzip, das wir lernen sollten daraus ist: Wenn es um die Lehre geht, prüfe jede Lehre an dem Wort Gottes und nicht an dem Charakter derjenigen, die diese Lehre halten. Es gibt viele Leute, die sind super freundlich und glauben trotzdem, was falsch ist. Und viele Leute, die sind super unfreundlich und sagen trotzdem das Wahre. Und das ist passiert in jener Zeit.

[23:23] Luther sagt später über diese Leute: „Die Heilige Schrift war für sie nichts als ein toter Buchstabe und alle schrien: Geist, Geist! Ich weiß nicht, haben wir sowas auch schon mal gehört in unseren Tagen? Dass Leute über den Geist sprechen, der Heilige Geist. Und die Bibel, der eher unwichtig ist? Aber wahrlich, ich gehe nicht mit ihnen, wohin ihr Geist sie führt. Der barmherzige Gott behüte mich ja vor der christlichen Kirche, darin lauter Heilige sind.“ Wow, das ist ein interessantes Zitat. „Ich will da bleiben, wo es schwache, niedrige, kranke gibt, welche ihre Sünde kennen und empfinden, welche unablässig nach Gott seufzen und schreien aus Herz und Grund, um seinen Trost und Beistand zu erlangen.“

[24:01] Luther wusste, ein wahrer Christ wird niemals zu dem Punkt kommen, wo er über den anderen steht. Gewalt ausübt, ob verbal oder physisch. Ein wahrer Christ wird immer, je näher er Jesus kommt, seine Unwürdigkeit spüren. Seine Abhängigkeit, so wie Luther selbst in Worms, einen Tag vor seiner großen Rede.

[24:23] Weiß jemand, wer das ist? Das war einer von jenen, einer der Schüler der Zwickauer Propheten, das war Thomas Münzer. Und Thomas Münzer hat diese Idee von den Zwickauer Propheten aufgenommen und ist durch Deutschland gereist und hat gepredigt. Er wollte ein Reformator sein, er wollte noch berühmter werden als Martin Luther. Es gibt ja manchmal diese Trittbrettfahrer, die sehen, wenn etwas losgeht, dann wollen sie auch im Ruhm der anderen mitfahren. Thomas Münzer wollte ein großer Reformator werden.

[24:51] Ein Historiker schreibt über ihn: „Der war von dem Wunsch besessen, die Welt zu reformieren.“ Hat jemand mal diesen Wunsch gehabt, die Welt zu ändern? Aber hier ist was Interessantes. Und vergisst dabei, wie alle schwärmen, dass die Reform wo beginnen muss? Beim Selbst. Ist ja nichts verkehrt daran, wenn man die Welt verändern möchte. Aber Luther hatte bei sich selbst angefangen. Zwingli hat bei sich selbst angefangen. Thomas Münzer hat den Balken bei den anderen gesehen. Und wollte sie verändern.

[25:23] Es ging so weit, dass Leute in seinem Kreis aufgrund der Eingebung, die sie bekommen haben, Bibeln verbrannt haben. Mit der Begründung, dass der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig. Buchstabe ist verkehrt. Wir müssen die Bibel umbringen. Wir müssen sie verbrennen. Interessant, nicht wahr? Im 3. Jahrhundert haben Heiden die Bibel verbrannt. Im 13. Jahrhundert hat die römische Kirche die Bibel verbrannt. Und im 16. Jahrhundert haben sogenannte Protestanten die Bibel verbrannt.

[26:01] Der Magna-Konflikt, dieser große Konflikt, geht halt in jede Schicht hinein. Und immer wieder erkennt man das an einem sehr simplen Symptom: Wie geht man mit der Bibel um? Naja.

[26:17] Was ist passiert? Es kam dann zu gewaltigen Bauernaufständen. Und Thomas Münzer hat die Bauern um sich gescharrt. Es wurden etliche Haufen gebildet, hier in Thüringen und vor allem hier in Süddeutschland. Und so um 1525 gingen dann die Flugblätter durch die Gegend und tausende von Bauern haben sich zusammengerottet, um gegen Missstände zu kämpfen. Und es kam zu einem Blutbad.

[26:43] Es ging schon 1524 los hier im Südschwarzwald, im Wutachtal, und dann kamen die großen Schlachten 1525. Die Weinsberger Blutschlacht besonders bekannt, weil dort Bauern einen Fürsten genommen hatten und ihn dann Spießruten haben lassen, so lange, bis er tot war. Und es gab natürlich einen Aufschrei unter den ganzen Fürsten. Und darf ich mal fragen, was haben wohl die Rom-Anhänger gesagt? Wer ist wohl dafür zuständig? Luther, nicht wahr? Hätte es Luther nicht gegeben, dann hätte es das alles nicht gegeben. Da sehen wir es.

[27:13] Und Luther hat sich natürlich beeilt, gegen diese Leute zu schreiben. Aber diese Leute hatten jetzt das Volk hinter sich. Was hat das Volk jetzt über Luther gesagt? „Der Luther ist ein Verräter. Der ist nur mit den Fürsten. Der ist so ein Bückling. Der traut sich nicht zur Sache zu stehen, das Volk ist.“ Und plötzlich war Luther zu schnallen Fronten.

[27:33] Münzer hat große Dinge verkündet. Vor der Schlacht von Frankenhausen hat er tatsächlich seinen Anhängern gesagt: „Habt keine Angst, weil die Armeen kamen mit Kanonen.“ Und er hat gesagt: „Keine Angst. Ich werde mit meiner Hand die Kanonenkugeln auffangen.“ Ich weiß nicht, ob er es versucht hat. Ich glaube nicht. Er hat wohl die Schlacht selbst überlebt, ist kurze Zeit später dann gefoltert und enthauptet worden. Das war wirklich eine krasse Zeit.

[28:01] Und nach einigen Monaten war Deutschland wirklich in einem Blutbad gewesen. Nicht wegen Luther, aber wegen Leuten, die Luthers Namen genommen haben und ihre eigene Idee fanatisch durchgedrückt haben. Da ist eine große Gefahr in Fanatismus. In diesem Magna Confliction. Da sehen wir die Bauernheere, die alle irregeleitet das getan haben. Und wie schon angesprochen, ich glaube, es ist etwas, was wir bis heute auch sehen. Wo Leute nicht mehr wirklich der Bibel folgen wollen, aber vorgeben, sehr erweckt zu sein, vorgeben, Jesus zu lieben, vorgeben, der Wahrheit folgen zu wollen und immer davon reden: „Der Geist, der Geist, der Geist.“ Wenn wir die Geschichte kennen, wissen wir, woher das kommt.

[28:49] Luther war ein Mann der Bibel. Und es ist interessant, dass Luther in seinem ganzen Lebenswerk eigentlich immer nur mit einem Problem gekämpft hat. Wenn er mit den rationalen Philosophen diskutiert hat, dann haben die gesagt: „Ja, die Bibel ist gut und schön, aber der menschliche Verstand im Humanismus muss über der Bibel stehen.“ Wenn er mit den Romanhängern gesprochen hat, dann haben die gesagt: „Ja, die Bibel ist gut und schön, aber der Papst steht über der Bibel.“ Und wenn er mit diesen Fanatikern gesprochen hat, dann haben die gesagt: „Ja, die Bibel ist gut und schön, aber unsere eigenen Empfindungen vom Heiligen Geist geleitet, stehen über der Bibel.“

[29:21] Im Grunde genommen hat der Satan eigentlich nur eine Religion. Die Religion des Satan ist: Er steht etwas über der Bibel. Das kann entweder mein Verstand sein, meine Gefühle, eine Person, ein Konzil, wer oder was auch immer. Luther mit all seinen Fehlern, mit all den Dingen, die er vielleicht falsch gesehen hat, hatte ein Prinzip: Die Bibel steht über mir. Und ich lasse mich von der Bibel korrigieren. Und ich glaube, das ist ein Prinzip, das wir auch haben sollten, dass wir uns korrigieren lassen können von diesem Wort.

[29:51] Dieses Wort hatte er übersetzt gehabt auf der Wartburg und im September 1522 kommt das Neue Testament heraus. Das sogenannte September Testament ist innerhalb von wenigen Wochen sofort vergriffen. Die Leute reißen es ihm förmlich aus den Händen, sodass nach drei Monaten im Dezember ein weiteres Testament herauskommt. Hier haben wir die Daten dazu. Später hat er auch dann Stück für Stück die alttestamentlichen Bücher übersetzt und dann 1534 kam dann die gesamte Bibel in Deutsch heraus. Wir haben nicht die Zeit, über alles zu sprechen, was da eine Rolle gespielt hat, aber das einfach nur als Information. Hier ein Bild von der Biblia. Das ist die ganze Heilige Schrift Deutsch. 1534.

[30:37] Und dann, interessanterweise, gab es viele Leute, die Luther geliebt haben, die auch gern die Reformation fördern wollten, die aber nicht wirklich predigen konnten, obwohl sie religiös erzogen worden waren. Als Mönche kannten sie die Bibel nicht und da hatten sie jetzt eine andere Aufgabe bekommen. Es heißt hier: „Was Luther und seine Freunde schrieben, wurde von anderen verbreitet. Mönche, welche sich von der Ungesetzlichkeit der Klostergelübde überzeugt hatten und nach ihrer langen Untätigkeit ein arbeitsames Leben führen wollten, aber für die Predigt des göttlichen Wortes zu geringe Kenntnisse besaßen, durchstreifen die Provinzen, um Luthers Bücher zu verkaufen. Es gab bald sehr viele dieser mutigen Hausierer.“ Mit anderen Worten, da gab es Mönche, die gesagt haben: „Wir haben bisher immer nur quasi gar nichts getan. Jetzt erkennen wir, wir wollen etwas tun. Wir sind zwar Mönche, kennen aber die Bibel nicht, wir können nicht predigen, aber wir können vielleicht etwas tun. Wir können vielleicht von Haus zu Haus gehen und die Bücher von Luther verbreiten.“

[31:33] Finde ich ganz interessant, dass die Reformation nicht einfach nur verbreitet wurde durch einen Mann, sondern durch viele, die entsprechend ihren Gaben sich eingesetzt haben. Ich glaube, auch so kann heute Reformation sich verbreiten.

[31:53] Die Bibel sagt im Psalm 119, Vers 130: „Wem deine Worte sich erschließen, für den verbreiten sie was? Licht.“ Als die Bibel ins Deutsche übersetzt wird, hatten die Menschen endlich die Möglichkeit, nicht nur zu sagen: „Hey, der Luther ist unser Held, der sagt was Gutes“, sondern sie hatten jetzt die Möglichkeit, selbst das Wort Gottes zu studieren. Und für die meisten von ihnen war das das allererste Mal in ihrem Leben. Ich weiß nicht so genau, wie sehr du, lieber Freund, liebe Freundin, die Bibel schätzt. Was du bereit wärst für die Bibel zu geben. Aber diese Menschen haben dadurch Licht in ihr Leben bekommen.

[32:33] Es heißt hier: „Gerade Unerfahrene gewinnen durch sie Einsicht.“ Vielleicht sagst du heute auch: „Ich bin kein Martin Luther, der auf Latein antworten kann, wenn der Reichstag spricht. Ich bin kein Zwingli, der in Disputationen die Leute in Grund und Boden redet.“ Aber vielleicht bist du jemand, der unerfahren ist. Aber durch das Wort Gottes, wenn du es liest, wirst du viel Licht bekommen und kannst viel Licht weitergeben.

[33:05] Es heißt dann später, hier in einem anderen Geschichtswerk: „Die alten Stützen der Hierarchie hatten die Kenntnis der Sprachen und das Studium der Wissenschaft vernachlässigt. Ihnen trat eine studierende, in der Schrift forschende, mit Meisterwerken des Altertums sich befreundende Jugend entgegen.“ Die Reformation war vor allem eine Jugendbewegung. Ausgehend von der Universität in Wittenberg waren es Jugendliche, die plötzlich entdeckt haben: „Es gibt dort Bücher, die uns keiner vorher erklärt hat.“ Und die studiert haben, die fleißig waren und etwas lernen wollten und ganz schnell die alten Doktoren meilenweit überflügelt haben.

[33:41] Das heißt hier: „Diese aufgeweckten Köpfe und unerschrockene Männer erwarben sich bald solche Kenntnisse, dass sich lange Zeit keiner mit ihnen messen konnte.“ Für einen langen Zeitraum gab es niemanden, der so klug war wie die jungen lutherischen Jugendlichen. Sie kannten die Bibel. Und wann immer jemand sich mit ihnen messen wollte, heißt es hier: „Wo die jungen Verteidiger der Reformation mit den römischen Doktoren zusammentrafen, griffen sie diese mit solcher Ruhe und Zuversicht an, dass diese unwissenden Menschen zögerten, verlegen wurden und sich allgemein gerechte Verachtung zuzogen.“ Die Kraft der Reformation, das waren vor allem junge Leute, die die Bibel in die Hand genommen haben und selbst wissen wollen, was da steht. Und gegen die war kein Kraut gewachsen, für Jahrzehnte.

[34:29] Und die Reformation breitet sich aus wie ein Steppenbrand in Deutschland. Natürlich wurden sie verfolgt und Jesus hatte gesagt: „Wenn sie euch aber in der einen Stadt verfolgen, so flieht an eine andere.“ Und genau das ist passiert. Wo immer die Reformation aufgehalten wurde, sind junge Leute und auch ältere Leute in andere Städte gegangen und haben so die Reformation von Ort zu Ort gebracht. Einige mussten mit ihrem Leben dafür bezahlen. Aber in kürzester Zeit ist das Licht der Reformation in viele Teile Europas gedrungen.

[35:03] Und das sind einige Länder, die später protestantisch wurden. Wo wir da schon sind. Warum heißen die Protestanten eigentlich Protestanten? Heißen sie Protestanten, weil Martin Luther mit den 95 Thesen protestiert hat? Heißen sie Protestanten, weil sie durch ihr Leben irgendwie protestiert haben? Heißen sie Protestanten, weil Martin Luther damals 1521 in Worms stand und gesagt hat: „Hier stehe ich, ich kann nichts anders?“ Heißen sie deswegen Protestanten?

[35:37] Warum heißen die Protestanten Protestanten? Da gab es einen Protest. Und diesen Protest sollten wir kennen, wenn wir von uns in Anspruch nehmen, dass wir Protestanten sind. Denn wir werden ja gar nicht wissen, wann da protestiert worden ist und wer da protestiert hat und vor allem wogegen man protestiert hat. Wie kann ich mich denn Protestant nennen? Wie viele Menschen nennen sich heute Protestanten und haben keine Ahnung, warum sie eigentlich Protestanten sind, wogegen sie protestieren und wie das alles kam?

[36:11] Und das hat mit diesem Ort zu tun hier. Das ist ein altes Bild der alten Stadt Speyer. Das wollen wir uns ein bisschen genauer anschauen. Warum war dieses Wormser Edikt nicht so wirklich umgesetzt worden? Eine der Gründe war: Nur wenige Monate, nachdem Karl V. sein Edikt gegen Luther ausgesprochen hatte, ging der Krieg los. Die Türken machten mobil. Wenige Monate später machten die Türken mobil und haben Stück für Stück in Osteuropa für Unruhe gesorgt. Sie haben Belgrad eingenommen und wenige Monate später ging dann der Krieg los gegen Frankreich. Also gerade in dem Moment, wo der Kaiser gesagt hat: „Ich will, wie wir gestern gesehen haben, all meine Reiche und all mein Leben und meine Ressourcen dazu einsetzen, Luther zu vernichten“, plötzlich waren da die Türken und die Franzosen. Und Karl V. musste erstmal seine Armeen schnappen und vor allem gegen die Franzosen kämpfen.

[37:07] Dann im Februar 1525 hat er den französischen König Franz I. gefangen genommen in der Schlacht von Pavia. Er war ein sehr geschickter Feldherr, übrigens. Und das Problem aber mit den Türken war noch nicht gelöst. Und so hat man 1526 einen Reichstag in Speyer einberufen und gesagt: „Wir brauchen Hilfe, wir müssen die Türken zurückdrängen. Die Türken sind ja der Christenfeind.“ Ja, das war so die Idee damals. Und die Fürsten, die mittlerweile mit Luther sympathisiert haben, haben gesagt: „Okay, wir würden euch ja gerne helfen. Aber damit unsere Armeen auch gegen die Türken kämpfen, hätten wir da so eine kleine Bitte. Wie wäre es, wenn wir einfach ein bisschen Freiheit haben in der Luther-Sache?“ Und dem Kaiser wurde natürlich unwohl, aber naja, er war halt politisch genug, um zu sagen: „Okay, dann warten wir bis zum nächsten Konzil und solange dürft ihr erstmal mit dem Luther machen, was ihr wollt und das erstmal so weitermachen und das ist in Ordnung. Hauptsache, ihr kämpft gegen die Türken.“ Das wurde dann am 27. August beschlossen und nur wenige Tage später haben die Türken dann schon Ungarn erobert. Und ja, die Gefahr wurde ziemlich groß.

[38:13] Währenddessen konnten jetzt in einigen Fürstentümern Luther tatsächlich kleine, sozusagen Landeskirchen aufbauen, die lutherisch waren, weil sozusagen der Kaiser das ein bisschen erlaubt hat. Und das hat natürlich Rom sehr geärgert, aber der Kaiser konnte sich nicht um Luther kümmern, weil er im Krieg war. Und dann hat er sogar Krieg angefangen, raten Sie mal, gegen wen? Gegen den Papst selbst. Kaiser Karl V. kämpft gegen den Papst und am Mai 1527 plündern die Kaisertruppen Rom. Also, das ist wirklich schwer zu verstehen. Gegen Luther haben sie sich verbündet und der Kaiser sagt: „Ich würde mein ganzes Leben opfern, um diesen einen Mönch, der es gewagt hat, gegen den Papst zu sprechen, um den umzubringen.“ Aber selbst aus politischen Gründen hat er Rom eingenommen und Rom dermaßen verwüstet, dass es Jahrzehnte gebraucht hat, bis Rom sich wieder erholt hat davon. Der Papst war dann Gefangener vom Kaiser, es gab ein paar politische Verhandlungen und dann hat der Papst dem zugestimmt, was der Kaiser wollte und dann war wieder alles in Ordnung.

[39:17] Und dann schließlich standen die Türken sogar 1529 vor Wien. Das war eine bewegte Zeit und in dieser Zeit hatte Gott wieder ein Zeitfenster geschaffen, wo Luther die Reformation vorantreiben konnte mit Melanchthon und anderen. Aber dann kam es zum Jahre 1529 und Karl V., nachdem er jetzt Frieden geschlossen hatte mit Frankreich, auch den Papst besiegt hatte, hat er jetzt Zeit, sich wieder um seinen Hauptfeind zu kümmern: Luther.

[39:43] Und er wollte diese komische Regelung von 1526 wieder rückgängig machen und hat sogar einen neuen Reichstag einberufen, wiederum nach Speyer. 1529. Und am 15. März ist er einberufen worden und Kaiser Karl konnte selbst nicht dabei sein, hat seinen Bruder Ferdinand den Ersten beauftragt, das Ganze zu leiten und der hatte Anweisungen bekommen aus Rom: Diese ganzen lutherischen Fürstentümer, die angefangen haben, jetzt ihr eigenes Ding zu machen, müssen alle samt und sonders zurück zu Rom, sich Rom unterstellen.

[40:17] Was haben wohl die lutherischen Fürsten gesagt? „Moment mal. Wir haben Versprechen bekommen vor drei Jahren, dass wir Freiheit haben und da bleiben wir jetzt mal.“ Und der Konflikt, der Magna Conflictio, war vorprogrammiert.

[40:31] Was macht man wohl auf einem Reichstag, wenn zwei Positionen aufeinander prallen, die nicht vereinbar sind? Was macht man wohl auf einem Reichstag, wo die ganzen verschiedenen Politiker der Nation zusammenkommen? Man sucht einen Kompromiss.

[40:53] Melanchthon hatte gesagt: „Wir sind der Abschaum und der Kehricht der Welt, aber Christus wird auf sein armes Volk herabsehen und es bewahren.“ Luther selbst konnte ja nicht kommen, er war immer noch unter der Reichsacht und so hatten Melanchthon und andere seine Sache vertreten dort mit den Fürsten, aber sie wurden verachtet. Ein Anhänger Roms hat sogar gesagt während des Reichstags: „Die Türken sind besser als die Lutheraner. Warum? Denn die Türken beobachten das Fasten und diese Verletzten.“ Und jetzt Achtung, festhalten und anschnallen: „Man darf eher die Schrift als die alten Irrtümer der Kirche verwerfen.“ Er hat gesagt, also wenn ich die Wahl habe, zwischen der Bibel und den Irrtümern der alten Kirche, dann muss ich mich für die Irrtümer entscheiden. Ganz klar, oder? Das war so ungefähr die Haltung.

[41:43] Luther selbst, wie gesagt, nur im Geiste anwesend. Friedrich der Weise war bereits gestorben und es gab einen neuen Kurfürsten und dieser Kurfürst, weiß jemand, wie der hieß? Das war Johann der Beständige, der Kurfürst von Sachsen. Und während Friedrich ja mehr so im Hintergrund gewesen war, hat Johann der Beständige sich voll auf die Seite Luthers geschlagen. Er war ein voll bekehrter Lutheraner. Naja.

[42:13] Und jetzt kam der Kompromiss. Die Romanhänger wollten ja, dass alle Staaten Deutschlands wieder sich Rom unterstellen. Und die lutherischen Fürsten haben gesagt: „Nein, nein, nein, wir wollen unsere Freiheit.“ Und hier kam der Kompromiss, der vorgeschlagen wurde. Achtung. Man hatte gesagt: „Das Wormser Edikt, das Luther verwirft, soll überall durchgesetzt werden, es sei denn, wo man aber davon, vom Wormser Edikt abgewichen ist, auf Deutsch, die lutherischen Staaten und wo dessen Einführung ohne Volksaufruhr nicht möglich sei, weil wenn man jetzt sagt, Luther ist verboten, dann springen im Sachsen einen die Leute auf den Hals, solle man wenigstens nicht weiter reformieren. Keine Streitfragen verhandeln, die Messe nicht verbieten, keinen Katholiken zum Luthertum übertreten lassen.“ Auf Deutsch: Luther ist verboten, aber ihr, die ja jetzt schon Luther angenommen habt, ihr dürft ihn behalten. Wir erlauben es euch, ihr habt Frieden, nur sorgt dafür, dass die Reformation sich nicht ausbreitet, okay? Sie bleibt bei euch und keine weitere Reformation, keine weiteren Schritte und dann lassen wir euch in Ruhe.“

[43:19] So ein guter Vorschlag, oder? Hättest du das angenommen, lieber Freund, liebe Freundin? Dagegen zu sein, wäre doch vielleicht die ganze Sache aufs Spiel zu setzen, oder? Es wäre doch klug und weise und politisch zu sagen: „Okay, dann haben wir die Reformation in unserem Kreis, nicht wahr? Und uns geht es gut und dann geht das schon. Vielleicht wird Gott in der Zukunft mal an ihren Herzen wirken.“

[43:53] Protestanten haben nicht gegen Rom protestiert. Protestanten haben gegen einen Kompromiss protestiert. Das gilt es zu wissen. Wir heißen nicht Protestanten, wenn wir Protestanten sind, weil wir irgendwie gegen den Papst protestiert haben. Der Protest richtete sich gegen einen Kompromiss, von dem wir wahrscheinlich sagen würden, wenn wir ganz ehrlich sind: „Das klingt doch eigentlich relativ vernünftig.“ Warum?

[44:27] Die Fürsten hatten sich dann zusammengenommen, diese wenigen notariellen Fürsten, und haben überlegt: „Was sollen wir machen? Menschlich gesehen ist das das Beste, was man erreichen kann. Viel weiter kann es der Reichstag nicht aus dem Fenster lehnen.“ Aber wenn wir das annehmen, dann sagen wir ja im Prinzip: „Eigentlich hat Rom Recht. Rom hat Recht, wir bekommen nur eine Ausnahmeregel.“ Dann ist Freiheit nur eine Ausnahmeregel. Religiöse Freiheit ist keine Ausnahmeregel. Religiöse Freiheit ist keine Ausnahme. Die Reformation muss zu allen Menschen gehen. Die Wahrheit ist für alle Menschen da. Und jeder Mensch soll die Freiheit haben.

[45:07] Die einzelnen Reichstädte mussten abstimmen, und das sind die Städte, die gegen diesen Vorschlag gestimmt haben. Welches ist Ihre Stadt dabei? Heilbronn, Isenik, Kempten, Konstanz, Lindau, Memmingen, Nördlingen, Nürnberg, Reutlingen, St. Gallen, Straßburg, Ulm, Weißenburg und Winzern. Das war eine ganze Menge. Es gab ja einige freie Reichsstädte wie diese, die keinem Fürsten unterstellt waren. Und fast die Hälfte der freien Reichsstädte hat gesagt: „Wir stimmen dagegen.“ Und da merkte man schon im Reichstag: Oh, jetzt wird es kritisch. Aber die meisten Fürsten waren gegen Luther, aber es gab einige wenige, die wirklich einflussreich waren, und die wollte man auch mal auf die Seite Roms kriegen. Und es alles hing jetzt davon ab, wie würden sich die Fürsten stellen.

[45:47] Dann wurden die Fürsten bekniet, und die Fürsten haben dann geantwortet: „Wir gehorchen dem Kaiser in allem, was zur Erhaltung des Friedens und zur Ehre Gottes dienen kann.“ Und dann am 19. April hat die Mehrheit des Reichstags dafür gestimmt, diese gewährten Freiheiten wieder aufzuheben. Mit der Zusatzklausel für die wenigen Gebiete.

[46:09] Und am nächsten Tag haben sich dann fünf Fürsten zusammengetan. Das sind die fünf Fürsten. Es lohnt sich, ihre Namen zu kennen. Johann der Beständige, Kurfürst von Sachsen. Georg der Fromme, Markgraf von Brandenburg. Ernst I., Herzog von Braunschweig-Lüneburg. Vielleicht sagen Sie: „Den habe ich ja noch niemals von denen gehört.“ Das sind die Protestanten. Wir heißen Protestanten nicht wegen Martin Luther, sondern wegen diesen fünf Menschen. Philipp I., Landgraf von Hessen. Wolfgang, Fürst zu Anhalt-Köthen.

[46:57] Diese fünf Fürsten haben sich gesagt: „Wir können das mit unserem Gewissen nicht vereinbaren.“ Und es ist umso beeindruckender, weil das eigentlich Politiker waren. Wenn das ein Theologe sagt, der jahrzehntelang in seinem stillen Kämmerlein nur die Bibel gelesen hat, dann kann man das vielleicht erwarten. Aber ein Politiker, der Jahr ein, Jahr aus damit beschäftigt ist, Kompromisse zu finden, wenn ein Politiker einen Kompromiss ablehnt, aus Gewissensgründen, dann muss das Evangelium wirklich tief gedrungen sein, oder?

[47:33] Der Protest von Speyer wurde von fünf Politikern vorgetragen. Es waren auch andere Adlige, die dann dazu getan haben, oder die aus denselben Fürstentümern kamen, aber es waren diese fünf Fürstentümer, die gesagt haben: „Wir machen da nicht mit. Nicht, weil es uns politisch nicht passt, sondern weil es unser Gewissen nicht zulässt.“

[47:51] 20. April, die sogenannte Protestation zu Speyer wird vorgelesen, und was passiert war? Man hatte so mal alle zusammengerufen, das war schon am 20. gewesen, und Ferdinand I. hat gesagt: „Also, ich möchte euch sagen, ihr werdet jetzt keine weitere Diskussion hier führen, ihr werdet es annehmen, und damit basta.“ Das hat er den Raum verlassen. Hat er nicht mal eine Chance gegeben, irgendwas zu sagen. Und die standen dann da und haben gesagt: „Was sollen wir jetzt machen?“ Haben versucht, ihn zurückzuholen, wir wollen doch was sagen. Keine Chance. Und gesagt: „Okay, wenn der König nicht hören will, der Reichstag ist noch da.“ Und dann haben sie zum Reichstag gesprochen und haben ihre Protestation dem Reichstag verlesen. Und seit diesem Tag nennt man die Anhänger Luthers Protestanten.

[48:39] Sie sagen: „Wir protestieren durch diese Erklärung vor Gott, unserem einzigen Schöpfer, Erhalter, Erlöser und Seligmacher, der einst uns richten wird, und erklären vor allen Menschen und Kreaturen, dass wir für uns und die Unserigen in keiner Weise dem vorgelegten Dekret beipflichten oder beitreten und allen den Punkten, welche Gott seinem heiligen Worte und zum guten Gewissen unserer Seligkeit zu widerlaufen.“

[49:05] Das waren doch Politiker, oder? Wie sollten wir das Edikt billigen können und dadurch erklären, dass, wenn der allmächtige Gott einen Menschen zu seiner Erkenntnis beruft, dieser Mensch nicht die Freiheit hat, dieses Erkenntnis anzunehmen, da nur die Lehre, welche Gottes Wort gemäß ist, gewiss genannt werden kann, da der Herr eine andere zu lehren verbietet. Und jetzt Achtung! Da jeder Text der Heiligen Schrift durch einige Stellen derselben ausgelegt werden soll. Diese Politiker haben im Reichstag im Prinzip in der Bibelauslegung verkündigt, die selbst heute vielen Theologen nicht mehr bekannt sind, dass eine Bibelstelle die andere auslegt. Das haben die im Reichstag gesagt. Die Bibel legt sich selbst aus, deswegen müssen wir hier protestieren. Dann haben sie gesagt: „Da dieses heilige Buch in allem, was dem Christen not tut, leicht verständlich ist.“ Haben Sie mal das Gefühl gehabt, die Bibel ist schwer zu verstehen? Es sei denn, man hat Theologie studiert.

[50:01] 1529 standen fünf Fürsten auf und haben gesagt: „Wir haben das Gefühl, die Bibel ist einfach zu verstehen und deswegen stehen wir hier.“ Nehmen Sie sich ein Beispiel an diesen fünf Fürsten. Es lohnt sich wirklich.

[50:17] Es heißt hier: „Und das Dunkel zu zerstreuen vermag, so sind wir mit Gottes Gnade entschlossen, allein die Predigt des göttlichen Wortes, wie es in den biblischen Büchern des Alten, Neuen und Neuen Testaments enthalten ist, lauter und rein und nichts, was da wieder ist, aufrecht zu halten. Dieses Wort ist die einzige Wahrheit, die alleinige Richtschnur aller Lehre und alles Lebens und kann nicht fehlen noch trügen. Wer auf diesen Grund baut, besteht gegen alle Mächte der Hölle. Alle Menschentuchheit, die sich da widerlegt, verfällt vor Gottes Angesicht.“ Und jetzt sagt er: „Deshalb verwerfen wir das Joch, das man uns auflegt. Wir hoffen, Ihre kaiserliche Majestät werde als ein christlicher Fürst, der Gott vor allen Dingen liebt, in unserer Sache verfahren und erklären uns bereit, ihm wie euch, gnädige Herren, alle Liebe und allen Gehorsam zu zeigen, welches unsere gerechte und gesetzliche Pflicht ist.“ Sie sagen: „Wir sind von keiner Revolution, keiner Rebellion, wir sind nett und freundlich und gehorsam, aber dieses Buch geben wir nicht auf. Wir können nicht.“ Jetzt seid ihr da am Zug.

[51:17] Das waren Protestanten. Liebe Freunde, liebe Freundinnen, ein Protestant ist nicht jemand, der gegen offensichtliche Missstände angeht. Das kann jeder. Ein Protestant ist jemand, der für die Wahrheit einsteht, auch wenn ihm ein wunderbarer Kompromiss angeboten wird. Ein großer Unterschied, oder? Ein gewaltiger Unterschied. Wie ist es in deinem Leben, wenn dir die guten Kompromisse angeboten werden, die so logisch klingen, die so vernünftig sind, wo man dachte: „Okay, das ist jetzt vielleicht das Weiseste“, aber das Gewissen sagt: „Eigentlich ist das nicht richtig.“ Bist du dann auch Protestant?

[52:05] Es war die Bibel. Und dann hat einer der nicht-lutherischen Fürsten gesagt: „Der allmächtige Gott, der euch die Gnade verliehen, ihn kräftig, frei und furchtlos zu bekennen, bewahre euch in dieser christlichen Standhaftigkeit bis zum Tage des Gerichts.“ Die anderen Fürsten waren baff. Wow. Das war, wie gesagt, nicht Luther. Das war nicht Melanchthon. Das war nicht Zwingli. Das waren nicht die großen Helden. Das waren Politiker. Ich weiß nicht, was du persönlich für eine Meinung von Politikern hast. Aber diese Politiker waren goldwert.

[52:41] Übrigens, was ist aus der Protestaktion geworden? Die selben Protestanten, die sich heute noch Protestanten nennen, haben vor nicht allzu langer Zeit ein Dokument veröffentlicht, wo man gesagt hat, man hat im Wesentlichen dieselbe Ansicht, was die Rechtfertigungslehre betrifft, wie Rom. Rechtfertigungslehre, ist ein großer Begriff, auf Deutsch runtergebrochen, bedeutet es: Wie bekommt man Vergebung? Wo ging hatte Luther noch mal protestiert? Gegen die Ablässe. Vielleicht hat sich ja die katholische Kirche geändert. Wissen Sie, was ein Jahr später verkündet worden ist von der katholischen Kirche? Ein gewaltiger Generalablass. Eins dürfen wir wissen: In puncto Rechtfertigungslehre hat sich die katholische Kirche nicht geändert. Wenn 1529 lutherische Fürsten aufstehen und sagen: „Wir können nicht, wir protestieren“, und 1999 der lutherische Weltbund sagt: „Eigentlich sehen wir das genauso wie ihr.“ Was ist da aus dem Protest geworden?

[53:53] Übrigens, hat jemand gesehen, wann das stattfand? Am 31. Oktober. Das ist schon interessant, oder? Und weiß jemand, wo das gewesen ist? Es war in Augsburg, an dem Ort, wo Luther 1518 schon die erste Disputation von dem Reichstag gehabt hat und an einem anderen Ort, der jetzt gleich noch ganz wichtig werden wird. Also, das ist wirklich interessant.

[54:15] Die Frage, die wir heute stellen wollen, ist: Wo sind heute die Protestanten?

[54:27] Melanchthon hat übrigens eine interessante Geschichte erzählt, ganz genau, die wollte ich noch erzählen. An jedem Reichstag in Speyer gab es immer wieder auch Versuche, die Lutheraner handgreiflich beiseite zu räumen. Einer von ihnen war Grineus, ein besonders begabter Gelehrter. Und eines Tages, während des Reichstags, kommt Melanchthon zu Grineus und sagt: „Weißt du was? Ich habe gerade einen alten Mann vor meiner Tür gehabt, der gesagt hat: Grineus wird sofort verhaftet werden. Flieh.“ Und Grineus sagt: „Was? Verhaftet?“ Dann sind sie über den Fluss gegangen. Grineus ist geflohen. Als Melanchthon zurückkam, hat er sein Haus vorgefunden, völlig durchwühlt von päpstlichen Soldaten, die versucht haben, den Grineus zu fangen. Also, es sind einige interessante Geschichten passiert in jener Zeit.

[55:25] Ein Jahr später, 1530, kam dann Augsburg. Und das ist der Grund, warum man auch in Augsburg diese gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre unterzeichnet hat. Ein weiter Reichstag, diesmal angeführt durch Karl selbst. Nachdem Ferdinand das irgendwie nicht gebacken bekommen hat, sozusagen, musste jetzt Karl selbst an die Sache ran. Hat am 15. Juni den Reichstag eröffnet. Er war jetzt zum ersten Mal seit 1521 wieder im Deutschen Reich. Das muss ich mir mal vorstellen. Der war nur unterwegs. Krieg gegen die Türken, Krieg gegen Frankreich, Krieg in Italien und überhaupt. Jetzt ist er wieder da. Und nach neun Jahren hat sich immer noch nichts gebessert, es ist nur schlimmer geworden. Jetzt muss er mal wirklich hier ran. Und die Reformatoren haben wieder Angst und fragen sich: „Was wird aus unserer Sache werden?“

[56:17] Wie gesagt, Karl V. hat die ganze Sache in die Hand genommen und nach Augsburg eingeladen. Aber Luther hat, der immer noch unter Reichsacht stand, hat dann seinen Fürsten gesagt: „Wisst ihr was? Gott ist treu und wird uns nicht lassen.“ Und hat ein Lied ihm mitgegeben. Ich weiß nicht, wer das erkennen kann. Das sind alte mittelalterliche Noten. Es soll angeblich die Handschrift von Luther sein. Man ist sich unsicher, es gibt so verschiedene Thesen darüber, aber das Lied ist auf jeden Fall von ihm. Ich sing mal ein bisschen vor: „Ein feste Burg ist unser Gott. Ein gute Wehr und Waffen.“ Das haben die gesungen auf dem Weg nach Augsburg. „Ein feste Burg ist unser Gott.“ Diese Fürsten auf diesem Weg zum Reichstag.

[57:17] Und Luther und Melanchthon hatten etwas ausgearbeitet. Denn der Kaiser wollte jetzt noch einmal hören, was haben die Lutheraner wirklich auf dem Herzen? Und so haben Luther und vor allem Melanchthon ein Bekenntnis ausgearbeitet: Woran glauben wir? Und das sollten dann die Fürsten dort vorlesen. Ein lutherisches Glaubensbekenntnis. Das Augsburger Bekenntnis. So ist es später in die Geschichte eingegangen.

[57:43] Und Johann, der Beständige, Kurfürst von Sachsen, hat dort, obwohl es verboten war, in Augsburg dafür gesorgt, dass in seinen Räumlichkeiten jeden Tag gepredigt wurde. Tausende sind gekommen. Er war wirklich entflammt für das Evangelium. Und als dann dieses Dokument unterschrieben werden soll, Melanchthon hatte das dann vorbereitet und wollte das Dokument unterschreiben. Und dann kommt Johann von Sachsen und sagt: „Ich möchte auch dieses Dokument, diese Bekenntnisschrift unterschreiben.“ Und dann sagt Melanchthon: „Nein, nein, nein, das reicht schon, wenn du das verteidigst, aber theologische Dokumente werden besser unterschrieben von Theologen. Das ist nicht deine Sache als Fürst hier, theologische Bekenntnisse zu unterschreiben.“ Und dann hat dieser Fürst folgendes gesagt: „Gott gebe, dass ihr mich nicht ausschließet. Ich will tun, was recht ist. Unbekümmert um meine Krone. Ich will den Herrn bekennen. Das Kreuz Jesu Christi ist mehr wert als mein Kurhut und mein Hermelin.“ Wow.

[58:41] Da war ein Fürst, der gesagt hat: „Es ist mir wichtiger, meinen Namen unter dieses Bekenntnis zu setzen, als meine Würde als Kurfürst.“ Und ein Kurfürst war wie ein Ministerpräsident damals. Wie ein Staatsmann. Das waren die, die entscheiden konnten, wer Kaiser wird. Das war die höchste Ehre, die man haben konnte als Fürst. „Es ist mir nicht so viel wert, als dass ich zu Christus gehöre.“ Lieber Freund, liebe Freundin, was bist du bereit aufzugeben, dass Christus dein Erlöser ist? Ist dieses Hobby, ist diese Gewohnheit, sind diese Freunde es wirklich wert, dass wir unseren Namen nicht setzen oder das Bekenntnis, dass Jesus unser Erlöser ist?

[59:31] Johann von Sachsen hat eine deutliche Botschaft an uns. Ein anderer Fürst hatte folgendes gesagt: „Wo es die Ehre meines Herrn Jesu Christi gilt, bin ich bereit, was? Gut und Leben aufzugeben.“ Interessant. Ich war Karl V. Karl V. hatte gesagt: „Ich gebe mein Leben hin, um Luther auszulöschen.“ Die anderen Fürsten haben gesagt: „Wir geben unser Leben hin, um Luthers Evangelium zu bekennen.“

[59:51] Im Magna Conflictio gibt es am Ende nur zwei Entscheidungen: dafür oder dagegen. Und diese Entscheidungen gehen am Ende bis zum letzten Schritt. Er sagt: „Ehe ich eine andere Lehre als die, welche in der Konfession enthalten ist, annehme, will ich lieber Land und Leute aufgeben und mit dem Stabe in der Hand aus meiner Väterheimat auswandern.“ Das muss man sich mal vorstellen. Da waren Fürsten, die gesagt haben: „Wir sind bereit, unser Fürst um die Linie zu legen, unsere Krone, unsere Schätze, um mit dem Stab aus unserem Heimatland auszuwandern, nur damit wir hier dabei sein können und zu sagen können: Ich stehe zum Evangelium.“ Beeindruckend, oder?

[1:00:33] Der Tag kam und dort beim Reichstag in Augsburg sollte das Ganze verlesen werden. Und da waren sie jetzt. Man hat diesen Tag 1530 in Augsburg als den größten Triumph des Protestantismus bezeichnet. Warum? Neun Jahre zuvor stand ein armer Mönch auch auf dem Reichstag, umgeben von lauter Wölfen, die ihn beinahe zerdrücken wollten, und der gesagt hat: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Nur neun Jahre später wird diese Lehre, die in Worms als verdammt verurteilt wurde, die gebannt wurde, die nirgendwo gepredigt werden durfte, die sogar diesem Mönch das Leben kosten sollte, wird diese Lehre von den gewaltigsten Fürsten des Reiches, dem Kaiser, gepredigt. Sicher ein gewaltiges Zeugnis des Evangeliums. Diese Botschaft sollte verboten sein und plötzlich wird sie im ganzen Land gehört, sogar im Reichstag.

[1:01:47] Diese Protestanten haben die Predigt gehalten. Die Fürsten. Da standen Johann, der Beständige und die anderen mit ihren Dienern und haben das vorgelesen und haben vor dem Kaiser gepredigt, warum sie an die Bibel glauben, warum sie an Jesus glauben, warum sie an all diese Punkte. Und der Kaiser musste zuhören. Übrigens, das war die zweite Chance, die Kaiser Karl V. bekommen hat. Und Luther sagt: „Ich bin über alle Maßen froh, dass ich bis zu der Stunde gelebt habe, in welcher Christus durch solche Bekenner vor solcher Versammlung in einem herrlichen Bekenntnisse verkündigt worden ist.“ Psalm 119, Vers 46 sagt: „Ich rede von deinen Zeugnissen vor Königen und schäme mich nicht.“

[1:02:33] Es hat nur neun Jahre gedauert von einem einzigen Mönch dazu, dass die halbe Nation gesagt hat: „Das ist unsere Lehre.“ Nur neun Jahre. Erweckung und Reformation können sehr schnell passieren. Wenn Gott nur neun Jahre braucht, um eine halbe Nation auf den Kopf zu stellen, wie lange braucht er wohl in deinem Leben, dass sich da wirklich etwas Gewaltiges verändert?

[1:02:55] Da standen sie und haben gepredigt und ein katholischer Bischof sagt: „Was die Lutheraner vorgelesen haben, ist wahr. Es ist die reine Wahrheit. Wir können es nicht leugnen.“ Selbst Karl V. soll wohl gesagt haben, dass man im Wesentlichen das nicht widerlegen kann. Er hat es aber trotzdem widerlegt. Nicht, weil es ihm keinen Sinn gemacht hat, sondern weil es politisch für ihn eben nicht opportun war, der Wahrheit Folge zu leisten.

[1:03:25] Das Ganze ist dann gedruckt worden als die Confessio Fidei und ist dann in alle Lande verbreitet worden, übersetzt worden und ist bis heute so ein Grundstein des Protestantismus. Mehr als eine halbe Milliarde Menschen bekennen sich letztendlich zu diesem Protestantismus.

[1:03:43] Es gibt diese interessante Geschichte in der Bibel von Elisa, der gebetet hat: „Herr, öffne ihm die Augen, dass er sehe.“ Und wenn wir diese Geschichte anschauen, diese Geschichtsfakten von einem Reichstag in Worms und einem Reichstag in Speyer und einem Reichstag in Augsburg, dann können wir das sehen und sagen: „Da war das und da war das und da war das.“ Aber wir können auch beten: „Herr, öffne mir die Augen, dass ich sehe, was da wirklich passiert ist.“ Denn hinter all diesen Bewegungen stand ganz offensichtlich jemand, der die Wahrheit nach vorne gepusht hat. Mal den gebraucht hat, mal Luther, mal den, mal Melanchthon, mal den Kurfürsten, immer andere, um eine gewaltige Aktion herbeizuführen, dass die Wahrheit gefördert wird.

[1:04:33] Gott hat diese ganze Sache zum Abschluss gemacht. Martin Luther hat übrigens den ganzen Augsburger Reichstag über gebetet. Weiß jemand, wie lange? Wie lange würdest du, lieber Freund, lieber Freundin, beten, wenn solche wichtigen Dinge anstehen? 5 Minuten? 10 Minuten? 30 Minuten, okay? Luther hat 3 Stunden jeden Tag nur gebetet. 3 Stunden! Und er hat nicht die 3 Stunden genommen, wo man sowieso noch schläfrig ist oder schon wieder schlafen möchte. Er hat gesagt, ich habe die 3 Stunden genommen.

[1:05:11] die am besten gewesen wären zum Bibellesen, zum Studieren oder für andere Sachen. Seine besten Stunden. Auch ein interessanter Punkt. Manchmal beten wir und sagen, ich habe gebetet, als ich frühmorgens aufgestanden bin und später ins Bett gegangen bin. Aber wann nehmen wir uns die beste Zeit des Tages, die Primetime, wo wir alles andere machen könnten, zum Beten? Das hat Luther gemacht. Und ich glaube, es war unter anderem auch deswegen, dass Gott so gewaltig wirken konnte.

[1:05:35] Es heißt, darum steht auch in der Schrift: „Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein, und wer an ihn glaubt, soll nicht zu Schanden werden.“ Gott hatte diesen Eckstein gelegt und die Reformation ist nicht zustande gekommen. Aus wenigen Bemühungen am Anfang ist eine gewaltige Sache geworden. Lieber Freunde, es ist auch in unserem Leben so. Gott fängt klein an. Er lässt dich über Dinge stolpern, so wie Luther über Sachen gestolpert ist. Er lässt dich in deinem Gewissen die Fragen stellen und nach der Wahrheit suchen. Aber er hat viel Größeres im Ziel. Vielleicht kannst du dir nicht vorstellen, dass du mal vor einer großen Menge Zeugnis geben sollst für den wahren Glauben. Vielleicht bist du gerade noch im Erfurter Stadion bei Luther, suchst nach der Wahrheit. Aber Gott hat schon Großes vor, Großes vor in deinem Leben.

[1:06:35] Was ist aus der Reformation geworden? Gegen Luthers Rat haben die Fürsten dann doch ein Militärbündnis geschlossen. Sie haben nicht ganz geglaubt, dass Gott wirklich allein durch sein Wort sie beschützen kann. Sie haben dann am 27. Februar den Schmalkaldischen Bund geschlossen. Aber nur wenige Jahre später sind sie durch innere Zwistigkeiten gestritten und entzweit. Einer von ihnen, Philipp I., der Landgraf von Hessen, hat Folgendes gemacht: Er hatte ein Auge geworfen auf eine Kammerzofe für seine Frau. Und dann hat er sich überlegt, kann ich nicht vielleicht auch noch eine zweite Frau heiraten? Was hat er gemacht? Übrigens hat sich Luther da auch nicht so besonders geschickt verhalten. Und das kam raus. Und dann hat der Kaiser gesagt: „Pass auf, es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder du hörst jetzt mir zu, oder ich klage dich an wegen Bigamie.“ Und der Philipp hat gesagt: „Okay, was möchtest du?“ Und er hat gesagt: „Okay, du achtest jetzt darauf, dass dieser Bund nicht größer wird. Wenn da neue Fürsten kommen und sagen, sie wollen Mitglied werden, stimmst du dagegen.“ Das hat er gemacht. Es waren die kleinen, persönlichen Fehler, die Sünden des persönlichen Lebens, die dazu geführt haben, dass die Reformation wieder anfing zu schwächen. Übrigens auch eine wichtige Lektion für uns: Was nützt uns das beste Bekenntnis, wenn wir zu Hause in unserem eigenen Leben wieder Dinge tun, die das Ganze schwächen?

[1:08:05] Dann 1546 war endlich der Zeitpunkt gekommen für Karl V. Und er hat den Krieg erklärt an die Fürstentümer im Schmalkaldischen Sieg. Und er hat sie besiegt. Er hat Johann von Sachsen gefangen genommen. Er hat Philipp I., Landgraf von Hessen, gefangen genommen und hätte sie beinahe umgebracht. Und es sah so aus, 1546, als wäre die Reformation kurz vor ihrem Ruin. Aber es gibt jemanden, der braucht weder Luther noch Melanchthon, noch Johann den Beständigen, noch Philipp I., der immer wieder andere Mittel hat, um die Reformation am Leben zu halten. Und hier haben wir einige Bilder von dem Schmalkaldischen Krieg. Und dieser Jemand ist Gott.

[1:08:51] Und er hat 1551 dafür gesorgt, dass es einen Fürstenaufstand gab gegen Karl V., der sich schon gefreut hatte, endlich die Zustände vor Worms wiederherstellen zu können. Es ist wieder alles gescheitert. Und dann im August musste ein Vertrag unterzeichnet werden zugunsten der Evangelischen. Und am 25. September 1555 kam es zum Augsburger Religionsfrieden gegen die Bedenken des Kaisers. Das ist jetzt wie viele Jahre nach Worms? Worms war 1521, das ist wie viele Jahre danach? 34 Jahre. Das Land ist der Glaube. Ganz genau, das ist da entschieden worden. Dann hat man entschieden, dass jeder Fürst entscheiden kann, ob es lutherisch oder katholisch in seinem Land sein möchte.

[1:09:41] Karl V. hat 34 Jahre lang gekämpft, um Luther zu vernichten. Er hatte beim Reichstag in Worms entschieden, einen Tag nach der Rede, ich möchte diese Häresie ausrotten. Er hatte die Wahrheit gehört, er hat sich dagegen entschieden. Er hat ein Edikt erlassen. Er hat Krieg geführt. Er hat Politiker versucht zu bestechen. 34 Jahre später muss er zusehen, wie das halbe Land offiziell evangelisch wird und Frieden schließt mit den Katholiken. Und die Katholiken nichts mehr dagegen sagen. „Okay, ihr seid so, wie ihr seid. Wir lassen euch in Ruhe.“ 34 Jahre seines Lebens, all seine Armeen, seine Mittel hat er eingesetzt. Das ist vollkommen umsonst. Gott hatte gesiegt.

[1:10:31] Hier in Augsburg wurde beschlossen, dass es Religionsfrieden geben soll, sowohl für die Katholiken als auch für die Lutheraner. Und nur einen Monat später war Karl V. so gebrochen, so resigniert und so frustriert, dass er gesagt hat: „Ich will nicht mehr Kaiser sein.“ Er hat tatsächlich über diese Sache sein Kaisertum abgegeben, hat abgedankt, genau einen Monat später und ist hier ins Kloster nach Spanien gegangen und hat, wie uns die Historiker sagen, viel, viel Zeit mit seinem Beichtvater verbracht.

[1:11:15] Liebe Freunde, liebe Freundinnen, kämpfe niemals gegen die Wahrheit. Er hat mehrmals die Chance gehabt, sich zu entscheiden. 1521 in Worms, als Luther stand und gesagt hat: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ 1530 in Augsburg, als seine eigenen Fürsten ihm vorgelesen haben, was die Bibel sagt. Er hat sich immer dagegen entschieden, weil er die Tradition der Väter höher achtete als Christus. Und am Ende ist er gestorben als ein gebrochener Mann, enttäuscht, frustriert. Das Leben hat nicht das bereit gehalten, was er sich erhofft hat. Eine traurige Lehre aus dem Leben von Karl V. Gott hatte gesagt: „Es werde Licht.“ Und Karl V. hatte versucht, das Licht aufzuhalten. Er hatte versucht, die Finsternis noch ein bisschen länger zu behalten. Kann man Gott aufhalten, wenn Gott sagt: „Es werde Licht?“ Die Bibel sagt schon am ersten Schöpfungstag, als Gott gesagt hat: „Es werde Licht“, wurde es Licht. Ist vollkommen egal, ob du Kaiser bist oder nicht. Das Wort Gottes geht voran. Wenn einer der Reformationen fällt oder einen Fehler macht oder einer der Fürsten doch einen Kompromiss eingeht, dann findet Gott einen anderen. Das Werk geht voran. Die Reformation ging vorwärts.

[1:12:31] Und da liegt er, begraben. Einer der berühmtesten Kaiser des ganzen Mittelalters und einer der traurigsten Figuren der ganzen Weltgeschichte. Karl V.

[1:12:43] Was ist aus der Schweiz geworden? Auch da gab es traurige Nachrichten. 1531 kam es zu einem Krieg zwischen den reformierten Kantonen und den katholischen Kantonen. Zwei Tage später ist Zwingli gestorben auf dem Schlachtfeld. Er hatte geglaubt, mit dem Schwert in der Hand die Reformation verteidigen zu können. Und hier ist das Bild von der Kappeler Schlacht, wie sie ihn umgebracht haben. Ob es genau so gewesen ist, weiß ich nicht. Und sein Genosse Johannes Öko Lombard war so traurig, dass er überdies dann auch noch gleich gestorben ist, nur einen Monat später.

[1:13:23] Der Magna Conflictio hat nie aufgehört. Es ging auf und ab, auf und ab. Da haben wir das Bild von ihm. Er hat Großes erreicht, aber auch er, nicht ohne Fehler und Tadel. Und es sah so aus in jener Zeit, gerade so um 1530 herum, als würde Rom mächtig zurückkommen. Und was passiert ist? Und ob Rom wirklich zurückgekommen ist? Und was außerhalb von Deutschland und der Schweiz passiert ist, in vielen Gegenden, von denen wir so wenig wissen. Das sehen wir in wenigen Minuten nach einer kurzen Pause. Und dann heißt es: „3000 Exemplare Licht im Norden.“ Da werden wir eine ganze Menge von Leuten kennenlernen, die wir vielleicht noch nie vorher gehört haben. Ich hoffe, wir sehen uns dann gleich nochmal. Bis dahin haben wir jetzt 15 Minuten Pause. Wir sehen uns dann auf magna-conflictio.de gleich wieder. Genießen Sie die Pause, reden Sie ein bisschen, essen Sie etwas, stärken Sie sich und dann sehen wir uns gleich wieder. Gottes Segen. Amen.


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