[0:30] Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der Cannstatt Study Hour. Heute ist es die Nummer 11 in diesem Quartal unter dem Thema: Hintergrund und Berufung des Paulus. Das Thema ist zweiteilig. In dieser ersten Stunde werden wir uns mehr auf die Person des Paulus konzentrieren. In der nächsten Stunde geht es dann mehr um die Inhalte, um die Verkündigung des Paulus. Ich freue mich auf dieses Studium, denn ich denke, von Paulus und vom Wirken Gottes mit Paulus dürfen wir sehr viel lernen, und jeder von uns kann etwas mitnehmen. Bevor wir ins Studium einsteigen, möchte ich aber, dass wir noch um den Segen Gottes bitten und gemeinsam beten.
[1:22] Vater im Himmel, danke, dass du uns das Beispiel des Paulus in der Bibel aufgeschrieben hast, sodass wir davon lernen können. Danke, Herr, dass du Menschen gebrauchst und wir wollen auch in deinem Werk nützlich für dich sein. So hilf uns, Herr, dass wir aus diesem Studium so viel wie möglich mitnehmen, dass wir lernen, noch effektivere Werkzeuge in deiner Hand zu sein. So segne uns jetzt in diesem Studium, und wir danken dir dafür, dass du es tun wirst, denn wir bitten es und danken es im Namen Jesu. Amen.
[2:05] Der Merkvers des dieswöchigen Studiums befindet sich in Apostelgeschichte 9, dort die Verse 15 und 16. Der Hintergrund dieser Geschichte ist, dass Paulus, Saulus von Tarsus, bereits Jesus begegnet ist und dass Ananias zu ihm geschickt wurde. Dieser Ananias hatte aber Angst, Paulus zu begegnen, weil er schon viel von ihm gehört hatte, wie er die Gemeinde verfolgte. Und jetzt spricht Gott zu diesem Ananias die folgenden Verse: Apostelgeschichte 9, die Verse 15 und 16. Aber der Herr sprach zu ihm: Geh hin, denn dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, um meinen Namen vor Heiden und Könige und vor die Kinder Israels zu tragen. Denn ich werde ihm zeigen, wie viel er leiden muss um meines Namens willen.
[2:58] Das ist, denke ich, der erste Punkt in Vers 15, was wir festhalten wollen: dass Gott mit jedem Menschen einen Plan hat. Egal, in welchen Bahnen unser Leben verläuft, egal, ob wir gegen Gott sind, egal, ob wir für Gott sind, Gott hat mit dir und mir und mit jedem Menschen genauso wie damals mit Saulus von Tarsus einen Plan. Aber er sagt auch Folgendes, dass Saulus keine leichte Zukunft haben würde, dass er viel leiden musste für den Namen des Herrn.
[3:37] An verschiedenen Stellen in der Bibel sind diese Begebenheiten aufgezählt. Wir wollen uns ein bestimmtes Beispiel anschauen im 2. Korinther, dort das Kapitel 11, wo einiges aufgeführt wird, was im Leben des Saulus wirklich aufgetreten ist. Zweite Korinther 11, dort die Verse 23 bis 26: „Ich habe viel mehr Mühen, sagt Saulus, über die Maßen viele Schläge ausgestanden, war weit mehr in Gefängnissen, öfters in Todesgefahren. Vor den Juden habe ich fünfmal 40 Schläge weniger einen empfangen, dreimal bin ich mit Ruten geschlagen, einmal gesteinigt worden, dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht habe ich in der Tiefe zugebracht. Ich bin oftmals auf Reisen gewesen, in Gefahren auf Flüssen, in Gefahren durch Räuber, in Gefahren vom eigenen Volk, in Gefahren von Heiden, in Gefahren in der Stadt, in Gefahren in der Wüste, in Gefahren auf dem Meer, in Gefahren unter falschen Brüdern.“
[4:48] Ich denke, man liest das so leicht herunter, aber wenn man sich jeden dieser einzelnen Punkte anschauen würde, dann wäre das durchaus etwas, wo sicherlich ein jeder von uns nicht wirklich darauf freuen würde. Gott hat es aber für richtig empfunden, Paulus durch diese Dinge hindurchzuführen. Und es ist ja auch Paulus, der später sagt: „Denn wir wissen ja, dass alle, die Gott lieben, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“
[5:25] Und so hat Paulus es auch gesehen. Denn wenn wir 2. Timotheus 4, die Verse 7 und 8 aufschlagen, lesen wir Folgendes, was Paulus zum Ende seines Lebens sagt. 2. Timotheus 4 und dort die Verse 7 und 8 sagen: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt. Von nun an liegt für mich die Krone der Gerechtigkeit bereit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tage zuerkennen wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb gewonnen haben.“
[5:51] Paulus nennt Gott gerecht. Paulus sagt: Mein Leben ist gut verlaufen. Mein Leben war zwar ein Kampf, aber ich habe den guten Kampf gekämpft. Und rückbetrachtet bin ich Gott so dankbar für das Leben, das ich führen durfte. Und das ist etwas, was wir öfters in der Bibel finden, dass Menschen, die mit Gott verbunden sind, die für Gott wirken, zwar vielleicht viel durchmachen müssen, aber am Ende des Lebens sagen: Gott hat alles wunderbar geführt. Sie machen ihm keine Vorwürfe, was alles über sie gekommen ist, sondern sind Gott dankbar für all das, was er, na ja, zugelassen hat, aber immerhin so, wie er es dann auch hinausgeführt hat.
[6:43] Ein weiteres Beispiel dafür ist für mich sehr begeisternd: die Geschichte des Josef. Josef findet ähnliche Worte. Wir wissen alle, wie die Geschichte des Josef verlaufen ist, dass er auch viel durchmachen musste, dass seine Brüder ihn verkauft haben, dass er in ein fremdes Land kam und all diese Dinge mitmachen musste. Und am Ende des Lebens, in 1. Mose 50, kann er Folgendes sagen. 1. Mose 50 und dort der Vers 20: „Und er spricht seine Brüder an und sagt: Ihr gedachtet mir zwar Böses zu tun, aber Gott gedachte es gut zu machen, um es so hinauszuführen, wie es jetzt zu Tage liegt, um ein zahlloses Volk am Leben zu erhalten.“
[7:34] Auch Josef, genau wie Paulus, am Ende des Lebens konnte sagen: Ich mag vielleicht viel durchgemacht haben, aber ich bin dankbar für die Führung Gottes. Gott hat es gut mit mir gemeint, er ist gerecht, er steht da, und ich preise ihn. Es ist wunderbar, für diesen Gott zu leben und wirken zu dürfen.
[7:46] Wer ist nun eigentlich dieser Paulus, mit dem wir uns heute beschäftigen wollen? Ich denke mal, jeder kennt so ein bisschen den Hintergrund, aber lasst uns trotzdem einmal ein paar Verse dazu lesen in Philipper 3. Wieder zurück ins Neue Testament, der Brief an die Philipper, dort Kapitel 3 und dort die Verse 4b bis 6.
[8:15] Philipper, Kapitel 3, Verse 4 bis 6. Dort heißt es: „Wenn ein anderer meinte, er könnte auf Fleisch vertrauen, ich vielmehr: beschnitten am achten Tag, aus dem Geschlecht Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, im Hinblick auf das Gesetz ein Pharisäer, im Hinblick auf den Eifer ein Verfolger der Gemeinde, im Hinblick auf die Gerechtigkeit im Gesetz untadelig gewesen.“
[9:02] Der Hintergrund des Paulus ist einer, wo man nach weltlichen Maßstäben, nach menschlichen Maßstäben sagen würde: Jemand, der es wirklich geschafft hat. Eine gute Ausbildung, eine gute Herkunft, er wusste, wer er war, von sich selbst überzeugt. Und dann sagt er etwas, was man sich einfach mal auf der Zunge zergehen lassen muss, wo er sagt: „im Gesetz untadelig gewesen.“ Stellen wir uns das mal vor. Natürlich wissen wir, dass er viele Dinge falsch gemacht hat, dass er in die verkehrte Richtung gelaufen ist, aber nichtsdestotrotz hat er nach seiner eigenen Überzeugung untadelig gehandelt.
[9:44] Wie oft sind wir vielleicht in der Gefahr, gegen unsere eigene Überzeugung zu handeln? Und da ist es erstaunlich, dass Paulus von sich sagen konnte: Ich war meinem Gewissen immer treu, ich war untadelig gegenüber dem, wovon ich überzeugt war. Und es ist ein Aufruf an uns, dass auch wir überdenken, wo wir vielleicht den Hauch von Heuchelei oder das Hinken auf zwei Seiten entgegenwirken, dass auch wir mit ungeteiltem Herzen unserer Überzeugung leben, unser Leben gestalten. Denn ich denke, wenn das der Fall ist, dann kann Gott unser Leben viel leichter in eine andere Bahn und in eine andere Richtung lenken.
[10:40] Es ist, wie gesagt, so, dass Paulus von sich sagen konnte, ich bin meinen Überzeugungen treu gewesen. Aber natürlich sah er im späteren Leben, dass er völlig in die falsche Richtung lief. Und er verwendet keine schönen Worte, wie er selbst später über sich redet. Er sagt zum Beispiel in 1. Korinther 15, Vers 8, dass er eine „unzeitige Geburt“ sei. Ein schönes Bild? Natürlich nicht. Aber er hat sich so geschämt für das, was er vorher getan hat. Ihm war es nicht egal, wie seine Vergangenheit gewesen ist, sondern am liebsten hätte er es umgekehrt. Am liebsten hätte er es noch mal neu durchlebt. Aber es war nicht möglich.
[11:20] Und so kommt er dazu, dass er sagt: „Ich bin eine unzeitige Geburt.“ Oder ein Vers später in 1. Korinther 15, Vers 9: „Ich bin der geringste unter den Aposteln. Ich bin es nicht wert, wirklich ein Apostel zu heißen.“ Aber aufgrund von Gottes Ruf darf ich mich trotzdem so nennen und für den Herrn wirken. Und das ist etwas wirklich Erstaunliches, dass aus diesem Paulus oder Saulus von Tarsus, der so gegen Gott geeifert hat, später jemand wurde, der sein bisheriges Leben für Dreck achtete, für nichts, und völlig in die andere Richtung lief und für Gott wirkte.
[12:06] Lesen wir gemeinsam Römer Kapitel 10 und dort die ersten zwei Verse, die uns ein bisschen über die Einstellung des Paulus noch mehr verraten. Dort spricht er zwar über seine Brüder, die Pharisäer, mit denen er vorher zusammen gelebt und gewirkt hatte. Und er spricht über sie. Aber man kann aus diesen Worten auch rauslesen, dass er im Grunde genommen auch sich selbst beschreiben könnte, vor einigen Jahren noch. Und dort heißt es in Römer Kapitel 10, Vers 1: „Brüder, der Wunsch meines Herzens und mein Flehen zu Gott für Israel ist, dass sie gerettet werden. Denn ich gebe ihnen das Zeugnis, dass sie Eifer für Gott haben, aber nicht nach der richtigen Erkenntnis.“
[12:56] Paulus hat es dann richtig eingesehen, dass er, wie die anderen auch, völligen Eifers für Gott war, dass sie sich so eingesetzt haben, dass alles, was gegen die richtige Lehre war, bitter verfolgt haben. Wie ist es nun möglich, dass Menschen überhaupt dazu kommen, dass sie solche Art von Werkzeugen in den Händen Satans sind? Weil, lesen wir einfach mal am Anfang der Bekehrungsgeschichte in Apostelgeschichte 9, den ersten Vers. Dort heißt es nämlich:
[13:35] „Saulus aber, der nach Drohung und Mord schnaubte gegen die Jünger des Herrn, ging zum Hohen Priester und er bat sich von ihm Briefe nach Damaskus an die Synagogen, in der Absicht, wenn er irgendwelche Anhänger des Weges, also der Christen, fände, ob Männer oder Frauen, sie gebunden nach Jerusalem zu führen.“
[14:01] Er schnaubte, er war zornig, er war so wütend auf sie, dass er sie am liebsten alle kurz und klein gehauen hätte. Er mordet. Alle, die ihm im Weg waren, seinen Glauben reinzubewahren, wollte er gnadenlos verfolgen. Wie wird so ein Mensch zu einem Werkzeug Satans? Ist es so, dass Saulus als Werkzeug Satans geboren wurde? Ist es so, dass die Erziehung eine wichtige Rolle gespielt hat? Ich denke, alles spielt irgendwo zusammen, aber wir dürfen nie vergessen, dass Gott an jedem Menschen wirkt, dass Gott an jedem Menschenherzen anklopft und sagt: Willst du nicht vielleicht doch meiner sanftmütigen und demütigen Stimme Gehör schenken und mir folgen?
[14:49] Und so wird auch Paulus öfters die Stimme seines Heilandes vernommen haben in seinem Herzen. Und trotzdem, wie muss er damit umgegangen sein? Ich denke, eine der größten Möglichkeiten, die Gott hatte, an dem Herzen von Paulus zu wirken, war die Steinigung des Stephanus, wo Paulus gesehen hat: Da ist ein Mann Gottes, der von sich sagte: „Ich sehe den Himmel geöffnet“, und sein Angesicht leuchtete. Und diese Demut und Reinheit, die er in seinem Charakter gesehen hat, und die Predigt, die er gehalten hat, das hat sicherlich tief sein Herz durchdrungen. Aber wie schon so viele Male vorher hat Paulus sein Herz verhärtet und nicht der Stimme des Heiligen Geistes Gehör geschenkt.
[15:49] Und so kommt er aber später zu dem Schluss, dass er beispielsweise im Hebräerbrief dann sagen kann: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, dann antwortet darauf. Dann lasst es nicht einfach vorbeigehen, sondern egal, wie lebensverändernd die Botschaft ist, die an dein Herz herangetragen wird, wenn sie von Gott kommt, nimm sie an und lass es auf dich wirken.“ Und genau das hat Paulus aber lange, lange Zeit verpasst. Er hat es bewusst zurückgeschoben, aufgrund von kulturellen, religiösen oder sonst irgendwelchen Vorwänden. Er war ein angesehener Pharisäer. Er war in seiner Gruppe der Pharisäer hoch angesehen, ein junger, aufstrebender Mann mit sehr vielen Zukunftshoffnungen. Und er wollte es wahrscheinlich auch seinen Lehrern recht machen, die natürlich genauso wie er gegen das Christentum waren.
[16:57] Und wie schafft es Gott dann aber letzten Endes sein Herz zu erreichen? Gott hat sich in diesem Fall etwas aus meiner Perspektive relativ Drastisches überlegt. Wenn wir weiter in Apostelgeschichte 9 lesen würden, dort wird in den Versen 3 bis 19 die Geschichte der Bekehrung des Paulus beschrieben. Wir kennen wahrscheinlich alle die Geschichte, dass ein Licht vom Himmel kam, dass seine Augen geblendet waren. Die anderen um ihn herum konnten zwar die Erscheinung nicht sehen, haben aber die Stimme vernommen, konnten es demzufolge aber nicht zuordnen. Aber Paulus, geblendet von diesem übernatürlichen Licht, von diesem göttlichen Licht, er blindet und Jesus spricht zu ihm. Jesus Christus, der auferstandene Heiland, begegnet ihm und fragt ihn: „Paulus, Paulus, was verfolgst du mich?“
[17:42] Und Paulus antwortet darauf: „Herr, wer bist du?“ Ihm war schon bewusst, dass es eine göttliche Macht sein musste, aber er stellt die Frage: „Wer bist du?“ Und Jesus antwortet: „Ich bin es, den du verfolgst.“ Ich finde es beeindruckend, dass der Charakter Gottes nicht so mit Menschen umgeht, wie wir mit Menschen manchmal umgehen. Wenn uns jemand verfolgt, wie gehen wir mit den Leuten um? Wir ziehen uns zurück, wollen mit ihnen nichts zu tun haben. Sie sind ja eh uns nicht wohlgesonnen. Warum sollen wir uns dann noch mit ihnen abgeben? Aber Jesus ist anders. Jesus geht diesem Saulus von Tarsus nach, um immer und immer wieder Möglichkeiten zu ergreifen, ihn doch auf den richtigen Weg zu bringen, ihn doch von dem zu überzeugen, was sein Leben froh und sinnerfüllt machen könnte.
[18:52] Und so durch diese Begebenheit ändert sich dramatisch von einem Tag auf den anderen sehr vieles im Leben des Paulus. Er, der vorher sehr gut unterrichtet war über all die Lehren des Judentums, er wusste ganz genau, was die Schriften des Alten Testamentes über den Messias gesagt haben. Aber wie wir vorhin gelesen hatten, er sagte, er hatte Eifer für Gott, aber nicht nach der rechten Erkenntnis. Er wusste nicht, wofür er wirklich streitet oder wogegen. Und so muss Jesus ihm die richtige Erkenntnis in den Weg legen. So muss er ihm selbst begegnen.
[19:24] Und ich denke, jeder von uns braucht diese ganz persönliche Begegnung mit Jesus. Jeder muss auf dem Felsen Jesus Christus zerschellen und ein neues Leben anfangen. Jeder muss in den Tod hineingehen und zu neuem Leben auferstehen. Und diese Bekehrung hat Paulus in sehr kurzer Zeit durchgemacht. Und wir haben vorhin schon dann über die Geschichte mit Ananias gehört. Deswegen wollen wir diesen restlichen Abschnitt in Kapitel 9 nicht weiter lesen, sondern wir wollen uns einer anderen Sache zuwenden, nämlich dem, wie Paulus dann weiter gelebt hat.
[20:03] Nachdem er diese Bekehrungsgeschichte hatte, wo er drei Tage blind war, wo er viel zum Nachdenken gekommen ist, wo er die Möglichkeit hatte, all die Verbindungen, die er damals zwar in der Theorie kannte, aber jetzt wirklich mit Jesus Christus, dem Messias, zu verknüpfen. Es war für ihn eine dramatische Zeit. Stellt euch einfach mal vor, ihr seid blind, auf einmal, durch ein Licht geblendet. Ihr wisst nicht genau, woher es kommt, wie lange es dauern wird. Und ihr wisst, dass ihr falsch gelegen habt. Paulus hat in dieser Zeit schon erkannt: Ich habe Stephanus steinigen lassen. Ein Mann Gottes, ein gerechter Mann. Ich dachte, ich tue was Gutes für Gott, aber ich habe genau das Falsche gemacht. Ich habe die Heiligen Gottes und damit Gott selber angegriffen. Ich habe die Heiligen Gottes umbringen lassen. Und das lastete schwer auf ihm.
[21:08] Aber jetzt, nach seiner Bekehrung, wendet sich das Blatt für ihn. Er dreht sich halt wirklich in die andere Richtung. Und wie wir jetzt in den folgenden Versen lesen, mit dem gleichen Eifer, den er vorher hatte, geht er in die andere Richtung. Und so lesen wir beispielsweise in Apostelgeschichte 9, in Vers 20: „Und sogleich verkündigt er in den Synagogen Christus, dass dieser der Sohn Gottes sei.“ Oder dann in den Versen 22 und 23: „Saulus aber wurde noch mehr gestärkt und beunruhigte die Juden, die in Damaskus wohnten, indem er bewies, dass dieser der Christus ist.“ Oder weiter auch noch in Vers 29: „Er redete und stritt auch mit den Hellenisten. Sie aber machten sich daran, ihn umzubringen.“
[22:02] Und wir sehen, dass Paulus, nachdem er ein neues Denken bekommen hatte, nachdem für ihn die Theologie des Messias mit Fleisch gefüllt wurde, mit Sinn erfüllt wurde, dass er mit dem gleichen Eifer für diesen Weg, den er vorher verfolgt hat, dass er für diesen Weg geeifert hat. Aber was wir auch aus diesen wenigen Versen mitnehmen können, ist, dass Paulus wahrscheinlich noch nicht wirklich in der Schule Jesu gewesen ist. Dass er noch nicht wirklich die Sanftmut und die Demut des Heilandes gelernt hat. Und so sofort eilt er mit voller Kraft voraus und will alle davon überzeugen, dass seine neue Erkenntnis die richtige ist. Und dass das natürlich bei vielen auf starke Ablehnung stößt, ist natürlich sehr leicht vorzustellen.
[22:58] Aber seine größte Last, die auf seinem Herzen lag, ist die folgende gewesen: dass er am liebsten wollte, dass alle seine Brüder, alle, mit denen er vorher zusammengearbeitet hatten, die gleiche Erkenntnis bekommen würden wie er. Denn er dachte ja, ich bin ein aufrichtiger Mensch und alle meine Mitstreiter, meine Pharisäer müssten ja genauso aufrichtig sein. Und wenn ich ihnen doch jetzt nur das schnell, so schnell wie möglich erklären kann, dann werden auch sie es annehmen und wir können gemeinsam unseren Herrn verherrlichen. Aber überall, wo er hinkam, wo er verkündigte, stieß er sehr, sehr schnell auf Ablehnung, sodass alle ihn eigentlich umbringen wollten.
[23:51] Und so war es eine schwierige Zeit für Paulus, und Gott führte ihn erst mal von dort hinweg. Denn Gott, der sich Paulus als sein Werkzeug auserwählt hat, wollte nicht, dass er leichtfertig so schnell das Leben verliert. Und so führte ihn erst mal für einige Jahre ins Abseits, dort, wo er noch weiter studieren konnte, dort, wo er noch mehr darüber nachdenken konnte, wie sein bisheriges Leben war und was sich jetzt durch seine neue Erkenntnis alles geändert hat.
[24:20] Und ich denke, auch eine weitere Sache ist in dieser Zeit im Leben des Paulus noch geschehen. Denn auch dieser Paulus hat das hohe Lied der Liebe geschrieben. Auch dieser Paulus hat Erste Korinther 13 aufschreiben lassen, wo wir einfach mal den Vers 2 lesen wollen.
[24:38] Dieser Paulus, der zwar den riesigen Eifer für Gott hatte, aber was sagt er in Erste Korinther 13, Vers 2? „Und wenn ich Weissagung hätte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis und wenn ich allen Glauben besäße, so dass ich Berge versetzte, oder so dass ich Berge versetzen könnte, aber keine Liebe hätte, so wäre ich nichts.“ Nichts ist nicht wirklich viel. Und genau so hat Paulus sich später dann auch eingeschätzt. Wenn er nicht die Liebe zu allen Mitmenschen hat, und die Liebe ist nicht schroff und versucht, die Erkenntnis reinzudrücken, sondern die Liebe versucht sanftmütig, aber trotzdem mit einem Ziel und mit einer Zielstrebigkeit Menschen von der Wahrheit zu überzeugen, aus der Überzeugung heraus, dass auch ihr Leben dadurch gesegnet und bereichert wird.
[25:37] Paulus musste wahrscheinlich auch in dieser Zeit umdenken lernen, wie er mit Menschen umgeht. Wir sehen das beispielsweise auch im Leben von Mose. Mose hatte eine sehr, sehr gute Ausbildung genossen. Mose war im Hof des Pharaos darauf vorbereitet worden, die ganze Nation zu führen. Ein militärischer Führer, der mit Stärke und Macht vorangeht und all diese Charaktereigenschaften dann aber auch mitbekommt. Mose musste die Sanftmut und die Demut des Heilandes auch lernen. Wie lange hat es bei Mose gedauert? Wie lange hatte ihn Gott in die Wüste geschickt, um Schafe zu hüten? Es waren 40 Jahre. 40 Jahre, wo Mose umlernen musste, das verlernen musste, was er vorher in der Schule Ägyptens gelernt hatte, um zu lernen, wie man mit den Schafen des Herrn umgeht, wie man mit den kranken Tieren, mit den schwachen Tieren, mit den jungen Tieren, mit den alten Tieren, mit den verschiedensten Typen an Lebewesen umgeht. Und natürlich ließ sich das dann auch auf das Volk Israel übertragen. Und Mose hat 40 Jahre diese Umschulung mitgemacht. Aber über ihn wurde auch hinterher gesagt, dass er der sanftmütigste und demütigste Mensch auf Erden war.
[27:05] Paulus brauchte höchstwahrscheinlich auch einige Zeit, um das zu verlernen, was er vorher in den Schulen der Pharisäer gelernt hatte, und wirklich ganz tief zu verstehen, wie das Herz und das Wesen seines Heilandes, seines Gottes, wirklich ist. Und so kam er dann nach einiger Zeit wieder quasi aus dem Abseits heraus, aus Arabien, und begegnete dann der Gemeinde, die nach dem Verschwinden damals nicht ganz wusste, was jetzt mit diesem Paulus wirklich geschehen ist. Sie hatten gehört, ja, da sei eine Bekehrung geschehen, aber niemand sieht ihn jetzt. Was ist denn jetzt wirklich los? Und dann taucht dieser Paulus auf einmal in Jerusalem auf, und sie wissen nicht so richtig, was sie mit ihm anfangen sollen. Und Barnabas führt sie dann aber hin und bezeugt, dass es eine wahrhaftige Bekehrung war, dass Paulus nun wirklich einer der Brüder ist und ein auserwähltes Werkzeug in den Händen Gottes.
[28:24] Paulus hat in dieser Zeit einen zentralen Inhalt in seinem Leben gefunden. Paulus beschreibt in verschiedenen Versen, man kann es wirklich durch die ganze Bandbreite seiner Schriften lesen, dass Jesus Christus zum absoluten Zentrum seines Lebens geworden ist. Wir wollen einfach nur exemplarisch ein, zwei Verse dazu lesen, die uns das näher bringen. Und dort lesen wir einfach mal Philipper Kapitel 3 und dort der Vers 8.
[28:53] Philipper 3 Vers 8 sagt: „Ja, wahrlich, ich achte alles für Schaden gegenüber der alles übertreffenden Erkenntnis Jesu Christi, meines Herrn, um dessen Willen ich eingebüßt habe, und ich achte es für Dreck, damit ich Christus gewinne.“ Für ihn ist es so zentral, dass er Jesus hatte, dass er ihn erkannt hat, dass er mit ihm zusammen jetzt lebt und wirkt, dass alles dagegen für nichts geachtet wird. Ja, sogar für Dreck, für Kot, für wirklich sehr niedere Dinge, aber im Vergleich zu der übermäßigen Herrlichkeit des Herrn.
[29:33] Ein weiterer Vers, der uns dazu noch Aufschluss gibt, ist 1. Korinther 2 und dort der Vers 2, und dort heißt es: „Denn ich hatte mir vorgenommen unter euch nichts anderes zu wissen als nur Jesus Christus und zwar als Gekreuzigten.“ Für Paulus ist Jesus der absolute Mittelpunkt geworden. In seinem Leben gab es nichts mehr anderes, wessen er sich rühmen würde, was er verkündigen wollte, was er überhaupt wissen und verkörpern wollte. Jesus Christus ist das einzige Thema geworden.
[30:07] Und wir müssen uns das so vorstellen, dass, was weiß ich, natürlich alles andere für ihn noch lebensnotwendig war und er nicht als Eremit irgendwo sich zurückgezogen hat und nur noch zusammen mit Jesus leben wollte, sondern gegenüber einem brillanten, riesigen, hellen Licht wird jede kleine Taschenlampe oder so nichts mehr auswirken können. Sie geht unter in der überschwänglichen Herrlichkeit. Und so ist für Paulus Christus das Zentrum gewesen und alles andere verblasst dadurch. Für ihn ist das einzige Thema gewesen: Christus als Gekreuzigten. Später sagt er dann auch noch in Philipper 1, Vers 21, dass Christus für ihn das Leben ist und Sterben ist ein Gewinn, weil er dann endlich bei Jesus sein kann. Aber er hat seine Aufgaben treu erfüllt, all das, was ihm der Herr wirklich aufgetragen hat.
[31:16] Die Richtschnur des Paulus wollen wir uns jetzt auch noch anschauen, wo er ein quasi ein Motto, ein Thema übergeordnet hat über seinem ganzen Leben. Aber lasst uns dazu erst mal einen anderen Vers aufschlagen in Matthäus Kapitel 7. Matthäus Kapitel 7 und dort der Vers 12.
[31:35] Das, was hier steht, kann man auch als die goldene Regel bezeichnen. Dort sagt Jesus: „Alles, was ihr wollt, dass die Leute euch tun sollen, das tut auch ihr ihnen ebenso, denn dies ist das Gesetz und die Propheten.“ Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut ihnen auch.
[32:02] In bisschen mehr Umgangssprache heißt das: Wenn du möchtest, dass jemand freundlich zu dir ist, dann sei du freundlich zu ihm. Wenn du möchtest, dass jemand sein Brot mit dir teilt, dann gib du vielleicht auch mal ab. All diese Dinge im Alltag spielen da eine Rolle. Es gibt aber einen Text, der mich herausgefordert hat, und zwar steht er in dem Buch „Thoughts from the Mount of Blessings“ im Englischen auf der Seite 135, Absatz 3. Das ist auf Deutsch „Gedanken vom Berg der Seligpreisungen“. Da heißt es:
[32:35] „Aber es gibt noch eine tiefere Bedeutung der goldenen Regel. Jeder, der zum Verwalter der vielfachen Gnade Gottes gemacht wurde, ist berufen, Seelen in Unwissenheit und Dunkelheit etwas weiterzugeben, genauso wie er es sich wünschen würde, dass sie ihm etwas weitergeben, wäre er an ihrer Stelle.“
[32:57] Was heißt das? Wenn du möchtest, also sagen wir es mal so, du hast vielleicht schon die Güte und Freundlichkeit des Herrn geschmeckt, du hast schon Jesus Christus kennengelernt, seinen wunderbaren Charakter, und du bist erfüllt von seiner Liebe, du freust dich, mit ihm zu leben und zu wirken. Und jetzt stell dir vor, jemand hätte genau dieses Leben, und du wüsstest nichts von deinem Heiland. Du hättest keine Ahnung, wie gütig Gott ist, wie freundlich und wie gut er es mit dir meint. Und jetzt, wie sehr würdest du dir wünschen, dass jemand kommen würde und dir von Jesus Christus erzählt, von einem Heiland, der dein Leben zum Positiven lenken will, der dir ewiges Leben schenken möchte und dir ewiges Glück bereiten möchte? Wie sehr würdest du dir wünschen, dass jemand auf dich zukommen würde und dir davon erzählt?
[33:59] Und der Text sagt: Genau so, wie du dir das wünschen würdest, nachdem du dir vorstellen kannst, wie gut es ist, wie groß der Unterschied ist zwischen Gott zu kennen und ihn nicht zu kennen. So sehr, wie du dir das wünschen würdest, dass dir jemand das sagt, solltest du hingehen und es anderen Menschen sagen. Das ist die tiefere Bedeutung der goldenen Regel. Und Paulus hat das in vollem Maße in seinem Leben umgesetzt.
[34:28] In seinen Worten können wir es lesen in Römer Kapitel 1, Vers 14. Römer Kapitel 1, Vers 14. Dort heißt es, und das ist gewissermaßen wirklich das Lebensmotto des Paulus: „Ich bin ein Schuldner sowohl der Griechen als auch der Barbaren, sowohl der Weisen als auch der Unverständigen.“ Oder denn in 1. Korinther 9, Vers 16 sagt er Folgendes:
[35:03] „Denn wenn ich das Evangelium verkündige, so ist das kein Ruhm für mich, denn ich bin dazu verpflichtet, und wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigen würde.“ Für ihn war es eine heilige Pflicht, dass er es weitergibt. Er hat die goldene Regel in seinem Leben bis aufs äußerste praktiziert. Sein ganzes Leben war ein Einsatz dafür, dass Menschen von seinem neu gewonnenen Heiland erfahren und auch ein Leben mit ihm leben.
[35:47] Und es sind viele durch das Wirken des Paulus berührt worden, schon damals, aber auch durch die letzten 2000 Jahre hindurch. Denn wir haben ja den Segen, dass alles aufgeschrieben ist, was Paulus damals bewirkt hat. Wie er über seinen Heiland schreibt, dass es für ihn der Schatz war, der Schatz im Acker, für das er alles aufgegeben hat. Für ihn war nichts mehr entscheidend, außer dem Schatz der Perle, Jesus Christus, die er gefunden hatte. Beziehungsweise natürlich, er ließ sich finden, aber im Umkehrschluss natürlich auch dadurch, dass er den Schatz in Jesus Christus gefunden hat.
[36:31] Paulus ist ein Mann, der mit vollem Eifer gegen die Gemeinde gewirkt hat und der später mit vollem Eifer für die Gemeinde gewirkt hat. Wir haben uns heute angeschaut, den Hintergrund des Paulus, ein bisschen seine Charaktereigenschaften, wie Gott mit ihm verfahren hat, wie er mit anderen Menschen umgegangen ist, wie sein Weg verlaufen ist in dieser Umbruchphase in seinem Leben. Was nehmen wir nun mit aus dieser Geschichte? Denn natürlich auf der einen Seite können wir unser Wissen über die Geschichte des Paulus wieder auffrischen. Wir können die Geschichte lesen und es interessant finden, aber was nehmen wir mit? Und ich persönlich will immer, dass die Bibel persönlich zu mir spricht. Ich möchte, dass Gott direkt zu mir spricht und mein Herz verändert.
[37:19] Was sagt also uns diese Geschichte des Paulus während dieser Betrachtung? Wo erkennen wir uns vielleicht in dieser Geschichte wieder? Sind wir vielleicht auch mal in die falsche Richtung gelaufen? Eifern wir vielleicht auch in manchen Bereichen für Gott mit großem Eifer, aber vielleicht doch nach der falschen Erkenntnis? Sind auch wir manchmal davon betroffen, dass wir versuchen, wahre Dinge, wie genau Paulus, nachdem er die Wahrheit erkannt hatte, wahre Dinge zu verkündigen, aber anderen Menschen davor vor den Kopf zu stoßen, nicht die Liebe und die Demut des Herrn Jesus Christus an den Tag zu legen?
[38:07] Kann es sein, dass wir vielleicht nicht so wie Paulus sind, der von sich sagen konnte, dass er immer seinem Gewissen richtig gefolgt ist, dass er immer von sich wusste: Ich handle komplett nach meiner Überzeugung? Ich denke, in dieser Hinsicht kann Paulus uns wirklich ein sehr, sehr großes Vorbild sein. Man sieht auch noch verschiedene andere Dinge im Leben des Paulus, auf die wir im Einzelnen gar nicht alle eingehen können, aber nur ein paar Ideen am Rande, was man sonst noch alles im Leben des Paulus studieren kann.
[38:41] Beispielsweise, dass er eine gute Bildung hatte. Ist Bildung in den Augen Gottes etwas Positives? Ich denke schon, natürlich. Gott hat es ja in unser Innerstes hineingelegt, dass wir nach mehr und mehr Erkenntnis und Wissen streben. Eine gute Ausbildung ist, denke ich mal, etwas sehr Wertvolles, aber natürlich darf die Ausbildung niemals uns in den Weg kommen, treu zu Gott zu stehen. Es kann sein, dass die Ausbildung uns in die Gefahr bringt, von Gott wegzukommen. Wenn junge Menschen zum Studieren gehen und mehr von Evolutionstheorie und sonstigen Dingen hören, die dem klaren Zeugnis des Heiligen Wortes Gottes widersprechen. Es mag sein, dass man auch vieles Positives darin findet. Und wie gesagt, Bildung ist grundsätzlich etwas Positives, aber wir müssen wirklich aufpassen, dass wir uns nie davon abbringen lassen, Gott treu zu sein.
[39:57] Dann eine andere Sache ist beispielsweise, dass Paulus auch einen Beruf erlernt hatte, bevor er dann quasi als Pharisäer mehr im theologischen Bereich untergebracht wurde oder da geeifert und gearbeitet hat. Es mag sein, dass der eine oder andere sich von uns berufen fühlt, für Gott zu wirken, sein Leben Gott zu weihen, für ihn zu arbeiten. Hier einfach nur ein kleiner Ratschlag am Rande. Ich denke, es ist immer positiv und wichtig, dass wir auch einen Beruf erlernen, aus zwei verschiedenen Gründen.
[40:22] Zum einen, dass wir ein bisschen Lebenserfahrung sammeln. Damals, als ich beispielsweise angefangen habe, Theologie zu studieren, habe ich schon ein abgeschlossenes Studium hinter mir gehabt. Es gab aber auch noch andere Jugendliche, man muss sagen Jugendliche, die vielleicht mit 18 oder 19 direkt aus der Schule dort zum theologischen Seminar gekommen sind. War es eine falsche Entscheidung von ihnen, direkt nach der Schule dorthin zum Studieren zu gehen? Nicht zwangsläufig. Gott mag jeden Einzelnen so führen, ganz individuell. Aber als Grundregel, als Grundprinzip mag ich es trotzdem als Empfehlung aussprechen, dass man trotzdem einen Beruf erlernt, damit man Erfahrungen im Leben sammelt. Damit man schon einmal weiß, wie es sich anfühlt, im Berufsleben zu stehen. Denn wenn man zum Beispiel später mit Menschen in Kontakt tritt und ihnen von der Frohen Botschaft erzählen will, man aber einfach nicht weiß, wie ein Alltag zu bestreiten ist, dann hören einem die Leute vielleicht nicht so wirklich zu. Weil sie denken vielleicht: Was für ein abgehobener Mensch, der nur in seinen theologischen Ideen schwelgt, aber nicht mit zwei Füßen auf dem Boden steht.
[41:44] Und so ist es gut aus diesem Grund. Es muss ja kein zehnjähriges Studium oder sonst irgendwas sein, aber trotzdem etwas, und da kommen wir zu dem zweiten Punkt, etwas sein, womit man auch seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Paulus ist Zeltmacher gewesen, und er hat das auch später dazu gebraucht, dass er, wie er sagt, es sich zum Ruhm gemacht hat, nicht von anderen abhängig zu sein, sondern selbst für seinen Lebensunterhalt zu sorgen. Es mag sein, dass Gott einen vollzeitlich ins Werk beruft, dass man keine andere Arbeit ausüben kann. Es kann aber auch sein, dass Gott einen ganz bewusst an einen Arbeitsplatz stellt. Und so sollten wir diese Möglichkeit offen lassen und in der Lage sein, für unseren Lebensunterhalt zu sorgen.
[42:35] Was lernen wir sonst noch aus dieser Geschichte des Paulus? Für mich, wie gesagt, wir haben es schon angesprochen, ist es noch etwas ganz, ganz Besonderes, wie Gott mit seinem verlorenen Schaf umgeht. Ich möchte auch so sein wie unser Herr Jesus. Ich möchte in jedem Menschen, egal wie negativ er ist, egal ob er von Gott nichts wissen will, egal ob er unfreundlich ist, egal ob er letzten Endes sogar ein Mörder, Verfolger, Verbrecher oder was auch immer sein mag, dass ich in jedem einzelnen Menschen ein Kandidat für den Himmel sehen möchte. Ich möchte in jedem Menschen das Potenzial entdecken, was Gott hineingelegt hat.
[43:21] Und aus der Geschichte des Paulus können wir erkennen, dass Gott in der Lage ist, den verbohrtesten Menschen um 180 Grad zu drehen, sein Leben so zu verändern, dass er ein tatkräftiges Werkzeug in den Händen des Herrn sein konnte. In jedem Menschen schlummert dieses Potenzial. Natürlich hängt es von der Entscheidung des einzelnen Menschen ab, aber das Potenzial ist da. Und so möchte ich genau wie unser Herr es auch sehen und keinen Menschen aufgeben, solange er noch nicht ins Grab gesunken ist.
[43:56] Und so beschließen wir dieses Studium heute. Ich denke, wir haben bei weitem nicht alles angesprochen, was man ansprechen konnte. Ich denke, aus der Geschichte des Paulus kann man noch sehr viel mehr herauslesen und lernen. Deswegen ermutige ich jeden Einzelnen, weiter zu studieren, die Geschichten nachzulesen. Es gibt auch sekundäre Literatur über das Leben des Paulus im Geist der Weissagung. Und so können wir durch das Leben des Paulus wirklich inspiriert werden, auch unser Leben für Gott einzusetzen.
[44:23] Es ist nun so, dass wir nächste Woche dann aber auch noch weiter studieren werden, mehr auf die Inhalte eingehen werden, die in der Bibel von Paulus verkündigt wurden. Und so dürfen wir gespannt sein auf das, was nächste Woche auf uns zukommt. Bleibt weiterhin in seinem Wort drin. Lasst uns die Bibel weiterhin studieren. Und wie gesagt, jetzt haben wir von Paulus, dem Menschen, etwas gelernt. Aber nächste Woche aus Paulus, seine Mission und seine Botschaft, können wir noch viel mehr hinausnehmen.
[45:02] Zum Schluss möchte ich uns alle einladen, dass wir noch zu Gott, unserem Vater im Himmel, beten, dass wir dieses Studium heute nicht mit dieser Minute abschließen, sondern dass er durch seinen Heiligen Geist diese Gedanken weiterhin auf unserem Herzen bewegt, sodass wir weiterhin gesegnet werden können. Lasst uns beten.
[45:21] Vater im Himmel, von Herzen danke ich dir für die Geschichte des Paulus. Sie ist so facettenreich, so eindrucksvoll, wie du jemanden berufen konntest, der dir wirklich komplett entgegengegangen ist, der deine Nachfolger verfolgt hat. Aber du, Herr, du siehst das Herz, und du wusstest, dass Paulus ein nützliches Werkzeug in deinen Händen sein kann. Herr, wir wollen genauso nützlich sein für dich. So lass uns die richtige Ausbildung, das richtige Studium dafür haben, dass wir vorbereitet sind, allen Fragen, die Menschen haben können, begegnen zu können, Antworten geben zu können, weil wir von dir gelernt haben.
[46:16] Aber Herr, wir wollen nicht nur die richtige Erkenntnis haben, sondern wir wollen auch das haben, worüber wir vorhin auch gelesen haben, dass Paulus sagen konnte: „Hätte ich all diese Erkenntnis, aber nicht die Liebe in meinem Herzen, ich wäre nichts, es wäre alles vergebens.“ So lass uns, Herr, die richtige Erkenntnis gepaart mit deiner Liebe im Herzen haben, sodass wir für dich wirken können, zu deiner Ehre. Und wir danken dir, Herr, dass du uns segnen möchtest durch das Studium von heute und alle Tage noch in Zukunft. Wir danken dir, dass du dieses Gebet erhört hast. Wir bitten es im Namen Jesu. Amen.