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Manuskript zur Sendung   >>>   CSH_Manuskript_2024 3rd Nr 4   <<<

In dieser Folge der CSH Spezialserie zum Markusevangelium vertieft Christopher Kramp die Gleichnisse Jesu aus Markus 4, insbesondere das Gleichnis vom Licht und das vom selbstwachsenden Samen. Er betont die Wichtigkeit des Zuhörens und der Aufnahme des Wortes Gottes, das den Charakter des Gläubigen schrittweise zur Reife führt. Die Sendung beleuchtet zudem die Endzeitbedeutung der Ernte und die Rolle des persönlichen Glaubenslebens im Kontext der Wiederkunft Jesu.


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Serie: CSH 2024 Q3 Spezial – Das Markusevangelium

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Transkript

[0:35] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.julmedia.de. Ein herzliches Willkommen gilt wie immer auch allen Zuschauern auf dem Sender Das Wort.

[0:43] Wir sind mittendrin in unserer CSH Spezialserie über das Markusevangelium, wo wir Abschnitt für Abschnitt, Geschichte für Geschichte, Gleichnis für Gleichnis durch das gesamte Buch, das gesamte Markusevangelium, hindurcharbeiten.

[1:04] Parallel und unterstützend zu der Lektion bereiten wir uns vor auf das Bibelgespräch am 27. Juli.

[1:10] Wie schon an anderer Stelle zuvor betont, sind die Texte, die wir hier studieren, nicht immer deckungsgleich mit denen, die in der Lektion gerade dran sind, weil wir uns hier vorgenommen haben, in diesen 13 Wochen das gesamte Markusevangelium in ungefähr gleich großen Stücken zu studieren, sodass wir auch für das Bibelgespräch dann über zusätzliche Information, vor allem aber über Perspektiven verfügen, dann die jeweils studierten Texte auch besser einordnen zu können, weil wir das große Ganze vor Augen haben.

[1:39] Ich freue mich, dass ihr dabei seid und dass wir gemeinsam dieses vertiefende Studium dieses so interessanten und spannenden und auch sehr praktischen Evangeliums hier fortsetzen können.

[1:52] Bevor wir beginnen, möchten wir Gott einladen, dass er unser Studium segnen wird und dass er uns mit seinem Heiligen Geist erfüllt. Und dazu möchte ich dich, lieber Freund, liebe Freundin, einladen, dass wir gemeinsam beten: Lieber Vater im Himmel, danke, dass du uns das Markusevangelium gegeben hast.

[2:10] Danke, dass wir aus verschiedenen Perspektiven das Leben und Wirken und die Lehre von Jesus betrachten können, seinen Charakter, sein Wesen, und dass wir immer tiefere Einblicke bekommen dadurch, wie du, lieber Vater, bist, denn Jesus ist gekommen, um uns zu zeigen, wie dein Charakter ist. Wir möchten dich bitten, dass du uns in den kommenden Minuten besonders segnest, dass wir dein Wort so verstehen, wie Jesus es gemeint hat, als er es auf dieser Erde uns gegeben hat, und dass wir dadurch in unserer Beziehung zu dir wachsen und gestärkt werden. Das bitten wir im Namen Jesu, um den es jetzt gehen soll. Amen.

[2:53] Wir sind in Markus Kapitel 4 und haben das letzte Mal in Vers 20 aufgehört, als es um die Deutung des Gleichnisses vom Sämann ging.

[3:10] Wir werden heute weitermachen in Markus 4, Vers 21 und auch dann weit in Markus 5 hineinkommen. Wir lesen zunächst einmal Vers 21 bis 25.

[3:26] Wir haben hier ein weiteres Gleichnis. Wir sind ja in der sogenannten Seepredigt, die bei Matthäus sehr ausführlich dargestellt ist in Matthäus 13 und die in Markus nur mit wenigen Gleichnissen vertreten ist. Aber da sind Gleichnisse darunter, die Matthäus nicht berichtet hat, und dieses ist hier ein Beispiel.

[3:48] Allerdings werden wir gleich sehen, gibt es einen Gedanken hier in diesen Versen, den wir auch schon aus der Bergpredigt – also nicht aus der Seepredigt, sondern aus der Bergpredigt in Matthäus 5 – kennen, der also von Jesus in verschiedenen Predigten ausgesagt worden ist.

[4:09] Ab Vers 21 lesen wir: „Und er sprach zu ihnen: Kommt etwa das Licht, damit es unter den Scheffel oder unter das Bett gestellt wird und nicht vielmehr, damit man es auf den Leuchter setzt? Denn nichts ist verborgen, das nicht offenbar gemacht wird, und nichts geschieht so heimlich, dass es nicht an den Tag kommt. Wer Ohren hat zu hören, der höre! Und er sprach zu ihnen: Achtet auf das, was ihr hört! Mit demselben Maß, mit dem ihr anderen zumesst, wird auch euch zugemessen werden, und es wird euch, die ihr hört, noch hinzugelegt werden. Denn wer hat, dem wird gegeben werden; wer aber nicht hat, von dem wird auch das genommen werden, was er hat.“

[4:56] In Vers 21 wird deutlich: Der Zweck eines Lichtes ist das Leuchten. Wenn es verborgen wird, kann es seine Bestimmung nicht ausführen. Wir alle – und das hat ja die Bergpredigt schon in Matthäus 5, Vers 14 bis 16 deutlich gemacht – sollen das Licht der Welt sein. Wenn wir nicht leuchten, dann haben wir unsere Bestimmung nicht erfasst.

[5:16] Ein Scheffel, lateinisch ein Modius, ist ein 8,7-Liter-Gefäß. Wer dort das Licht hineinstellt, der muss sich nicht wundern, wenn es dann kein Licht mehr gibt, wenn es schlussendlich ausgeht.

[5:33] Es ist das gleiche Wort, der gleiche Scheffel, der auch in Matthäus 5, Vers 15 verwendet wird. Das ist dieser Gedanke, den wir also auch in der Bergpredigt schon in Matthäus 5, Vers 15 gesehen haben und den Jesus also offensichtlich mehrmals gepredigt hat.

[5:53] Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie bestimmte Ideen – und jeder, der selbst predigt, weiß das – wie ganz logisch das ist, dass man bestimmte wichtige Ideen, die Gott einem auf das Herz gelegt hat, auch in unterschiedlichen Kontexten immer wieder zum Teil fast wörtlich so ausdrückt.

[6:11] In Vers 22 sehen wir aber, dass hier die Nuance und der Blickwinkel noch ein bisschen ein anderer ist als in Matthäus 5. In Matthäus 5 geht es ja darum, dass Gottes Werk in uns nicht verborgen bleiben kann. Hier geht es nun darum, dass Gott keinesfalls die Intention hat, dass irgendetwas im Verborgenen bleibt. Wenn Gott Licht gibt, dann mit dem expliziten Ziel, dass alles auch in unserem Leben durchleuchtet wird.

[6:44] Jesus hat genau diesen Satz später auch noch einmal bei seinen Anweisungen an die zwölf Apostel vor deren erster Missionsreise in Matthäus 10, Vers 26 wiederholt. Und dort geht es ganz eindeutig darum, dass keine Ungerechtigkeit, die die Boten des Evangeliums erfahren, unbemerkt bleiben wird. Prediger 12, Vers 14 sagt, dass jedes Werk in Gottes Gericht kommen wird.

[7:12] Vers 23 ist deswegen interessant, weil wir genau diese Aussage schon in Vers 9 hatten, nach dem ersten Gleichnis. Markus betont insbesondere noch mehr als Matthäus diese Aussagen, die immer wieder darauf hindeuten, hinweisen, dass die Zuhörer wirklich richtig zuhören sollen. Und wir erinnern uns da an die entsprechenden Stellen in 5. Mose 4, Vers 1, 5, Vers 1, 6, Vers 3 und 4, wo immer wieder das Volk Israel aufgefordert wird, hinzuhören. „Höre, Israel!“ ist dort immer wieder die Aufforderung. In den sieben Sendschreiben der Offenbarung finden wir denselben Gedanken: „Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“

[7:52] Jesu ausdrücklicher Wunsch ist – den er immer wieder betont, wenn etwas wiederholt wird in der Bibel, dann ist das ja eine besondere Betonung – ist, dass wir auf seine Worte hören. Lieber Freund, liebe Freundin, hörst du zu, wenn Jesus hier zu mir, uns, zu dir spricht?

[8:11] Das bedeutet praktisch: Wir können nur ein Licht sein, wenn wir auch wirklich zuhören, was Jesus mir und dir sagt. Ich bin so dankbar dafür, bin wirklich von Herzen dankbar, dass Gott schon so unfassbar viel zu mir persönlich gesagt hat durch sein Wort. Habe ich so viel über ihn gelernt, und er sagt mir das, damit ich ein Licht sein kann. Und genauso ist es mit dir.

[8:34] In Vers 24 haben wir dann einen weiteren Aufruf zum aufmerksamen Zuhören. Er sagt: „Achtet auf das, was ihr hört!“ Wir müssen also auch darauf achten, was unsere Aufmerksamkeit einnimmt. Hier wird ein Gedanke aufgegriffen mit dem Maß, den wir auch in der Bergpredigt schon finden in Matthäus 7, Vers 2. Mit anderen Worten, wenn man das jetzt zusammennimmt: Wer Gottes Wort hört, der hat auch eine große Verantwortung. Wer das Evangelium gehört hat, von dem wird entsprechend auch mehr verlangt als von jemandem, der es nicht gehört hat.

[9:16] Und in Vers 25 haben wir dann den Satz, den es so auch in Matthäus 13, Vers 12 gibt. Dort geht es darum, dass diejenigen, die bei Jesus nachfragen und von ihm eine Erklärung seiner Worte haben möchten, immer mehr vom Reich Gottes verstehen können. Wir haben das letzte Mal gesehen, dass nach der Seepredigt die Jünger geblieben sind und ihn gefragt haben nach der Deutung einiger dieser Gleichnisse, und dadurch konnten sie wirklich verstehen, was gemeint ist.

[9:48] Jesus hat in Gleichnissen gesprochen, um ihre Aufmerksamkeit zu wecken, um ihr Interesse zu wecken, damit sie dann selbst nachfragen. Jesus präsentiert uns nicht einfach alles nur so nach dem Motto „Friss oder stirb“, sondern Jesus möchte, weil er der beste Lehrer ist, den es gibt, er möchte unser Interesse wecken, sodass wir aus eigenem Antrieb wissen wollen, was es damit auf sich hat, damit er uns dann mit der Wahrheit segnen kann. Und wir können hier viel lernen von der Methode Jesu, die er angewandt hat.

[10:32] Wir sehen also, dass derjenige, der, wie wir in Vers 24 gesehen haben, richtig zuhört, zwar eine größere moralische Verantwortung hat. Und manchmal gibt es ja Leute, die dann sagen: „Oh, dann möchte ich gar nicht so viel wissen, weil dann werde ich für mehr zur Verantwortung gezogen.“ Aber das macht dieser Vers jetzt deutlich, Vers 25: Er hat auch das Privileg, immer tiefer die Wahrheit verstehen zu können. Er wird immer mehr beschenkt, denn wer hat, dem wird gegeben werden. Wer zuhört, wird immer mehr verstehen und immer besser begreifen können.

[11:07] Schauen wir zum nächsten Gleichnis, das ebenfalls nur von Johannes Markus berichtet wird, ein besonders wertvolles und kostbares Gleichnis, wie ich finde.

[11:20] Es heißt ab Vers 26: „Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch den Samen auf die Erde wirft und schläft und aufsteht Nacht und Tag, und der Same keimt und geht auf, ohne dass er es weiß. Denn die Erde trägt von selbst Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, dann den vollen Weizen in der Ähre. Wenn aber die Frucht es zulässt, schickt er sogleich die Sichel hin, denn die Ernte ist da.“

[11:47] Es gibt hier ein ähnliches Bild wie in dem ersten Gleichnis vom Sämann, aber die Nuance in der Botschaft ist ein wenig anders. Das heißt, wir können in der Natur anhand derselben Dinge, wie hier dem Ackerbau, verschiedene Aspekte sehen und lernen, sodass wir über verschiedene Gedanken und Aspekte des Evangeliums nachdenken können.

[12:12] Hier ist der Sämann der gläubige Mensch, denn er weiß ja nicht, dass es aufgeht. In Sprüche 11, Vers 18 heißt es: „Wer Gerechtigkeit sät, wird wahrhaftig belohnt.“

[12:26] Der Same, das macht Lukas 8, Vers 11 ja deutlich, und das haben wir auch in der Deutung des Gleichnisses vom Sämann gesehen, ist das Wort Gottes. 1. Petrus 1, Vers 23 sagt uns, dass wir durch den Samen des unvergänglichen Wortes wiedergeboren worden sind. Es ist nicht irgendein Same, es ist der Same, ist nicht irgendein Wort, es ist Gottes Wort.

[12:56] Die Erde ist ein Symbol für das menschliche Herz. Das haben wir schon im ersten Gleichnis gesehen, als wir die verschiedenen Böden betrachtet haben und gesehen haben, welche Grundbedingung im menschlichen Herzen vorherrschen muss, damit das Wort Gottes auch seine Kraft entfalten kann und Frucht bringen kann.

[13:15] Was ist die Aufgabe des Menschen? Er wirft sozusagen Gottes Wort in sein Herz, in sein Denken, indem er sich damit beschäftigt, indem er die Bibel liest, indem er Fragen stellt, indem er darüber redet, indem er das Wort Gottes in sein Herz hineinlässt. Wirft er es hinein, er beschäftigt sich mit der Bibel und mit dem Jesus der Bibel.

[13:37] Vers 27 zeigt dann, dass das Wort Gottes dann von alleine wirkt. Es geschieht nicht durch den Menschen. Es ist die Kraft im Samen, das heißt, die Kraft im Wort Gottes, die eine Veränderung bewirkt. Der Mensch hat die Aufgabe, das Wort Gottes aufzunehmen und dafür zu sorgen, dass der Boden locker ist, ja, wie wir im ersten Gleichnis gesehen haben, dass eine Offenheit da ist, dass die Steine des Egoismus Gott übergeben worden sind und dass auch die Sorgen des Lebens und die Betrügereien des Reichtums und die Begierden nicht wieder alles kaputt machen. Aber das Verändern des Charakters, das kann der Mensch nicht tun, das geschieht durch das Wort Gottes selbst.

[14:35] Für den Menschen ist das Werk der Bekehrung nicht ergründbar. Das macht Jesus im Gespräch mit Nikodemus sehr deutlich, wenn er in Johannes 3, Vers 7 und 8 sagt, dass man nicht genau weiß, woher der Wind weht und wie er weht, aber dass das ein Bild ist für das Wirken des Heiligen Geistes. Das Werk des Heiligen Geistes an unserem Herzen und im Herzen ist tiefer als das, was Menschen erklären könnten. Deswegen ist es auch nicht sinnvoll, wenn wir das Thema Gerechtigkeit aus dem Glauben versuchen, so zu sezieren und so technisch-wissenschaftlich zu erläutern und uns dabei in endlose Debatten verstricken, wenn wir doch die letzten Details nicht begreifen können.

[15:18] Gott hat uns nicht gebeten, das Werk der Erlösung bis in seine letzten Verästelungen definieren zu können. Er hat uns gebeten, das Werk der Erlösung zu erfahren.

[15:35] Wir sehen nicht die volle Ähre, wir sehen nur ein kleines Korn, aber Gott gibt der Frucht die volle Gestalt. Das kann man nachlesen in 1. Korinther 15, Vers 37 und 38.

[15:49] Vers 28: „Denn die Erde trägt von selbst Frucht.“ Im Griechischen steht *automate*. Selbstheilend, nicht nur die Keimung, sondern der gesamte Prozess bis zur Frucht ist die Kraft im Samen, ist die Kraft des Wortes Gottes. Die Kraft, die im Wort ist, ist fähig, vom ersten Moment der Bekehrung bis zur Vollendung des Charakters alles zu tun, was Gott in meinem Leben sehen möchte. Nicht nur die Rechtfertigung und die Heiligung, sondern auch die Heiligung bis zur Vollendung sind Gottes Werk. Wir können es nicht wirklich ergründen.

[16:38] Bevor wir zu Vers 29 gehen, möchte ich noch auf eine Sache hinweisen: Die Erlösung geht Schritt für Schritt. Erst keimt der Same, dann geht er auf, erst der Halm, dann die Ähre, dann der volle Weizen in der Ähre. Prediger 3, Vers 1 sagt: „Alles hat seine Zeit.“ Wir müssen nicht schneller sein als Gott, denn er, der ein gutes Werk in uns angefangen hat, wird es auch vollenden können bis zu jenem großen Tag. Das macht Philipper 1 ganz deutlich, und dort in Vers 6: „Weil ich davon überzeugt bin, dass der, welcher in euch ein gutes Werk angefangen hat, es auch vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi.“

[17:22] Wenn wir dieses Gleichnis ansehen, sehen wir, dass, wenn wir das Wort Gottes in unser Herz lassen, dass Gott in der Lage ist, die Reifung des Charakters bis zur vollen Frucht zu erreichen.

[17:42] Wenn die Frucht es zulässt, schickt er sogleich die Sichel hin, denn die Ernte ist da. Als Paulus am Ende seines Lebens an den Timotheus seine letzten Worte schreibt, in 2. Timotheus Kapitel 4 und dort Vers 7 und 8, sagt er: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt.“

[18:08] Manchmal wird der Eindruck erweckt, als ob das christliche Leben nur ein Hamsterrad sei. Man müsste sich halt anstrengen, man würde aber eh nie am Ziel ankommen, weil das viel zu weit weg sei, viel zu hoch, viel zu kompliziert, und Gott das gar nicht verlange, dass man wirklich das Ziel erreiche, sondern dass man nur bemüht sei, einfach überhaupt sich ein bisschen in Bewegung zu halten. Paulus sagt: „Ich habe den Lauf vollendet.“

[18:30] Zwischendurch, im Laufe seines Lebens, sagt er noch an die Philipper, dass er es noch nicht erlangt hat. Er wusste, dass es noch Dinge zu tun gab in seinem Charakter. In Philipper 3, Vers 12 und 13, sagt er: „Nicht, dass ich es schon erlangt hätte oder schon vollendet wäre; ich jage aber danach, dass ich das auch ergreife, wofür ich von Christus Jesus ergriffen worden bin. Brüder, ich halte mich selbst nicht dafür, dass ich es ergriffen habe. Eines aber tue ich: Ich vergesse, was da hinten ist, und strecke mich aus nach dem, was vor mir liegt, und jage auf das Ziel zu, den Kampfpreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.“

[19:09] Lieber Freund, liebe Freundin, möchtest du das auch tun? Ich möchte das heute neu entscheiden: vergessen, was da hinten ist, und mich ausstrecken nach dem, was vor mir liegt. Und Paulus gibt uns das Zeugnis, dass er am Ende seines Lebens sagen konnte: „Ich habe den Lauf vollendet, den guten Kampf gekämpft, den Glauben bewahrt.“

[19:27] Es geht nicht darum, dass wir erst Glauben haben und dann noch andere Dinge, die über den Glauben hinausgehen, sondern wir müssen den Glauben bewahren. Am Ende wird der die Frucht in Fülle haben, der den Glauben bewahrt hat, weil Gott ihn in alle möglichen Lebenssituationen gebracht hat, und indem er den Glauben bewahrt hat, konnte das Wort Gottes, an das er geglaubt hat, in allen möglichen Situationen des Lebens an seinem Charakter Veränderungen vornehmen, ihn umwandeln, sodass die Vollendung erreicht worden ist.

[20:09] Wenn die Frucht es zulässt, dann kommt die Ernte. Jeder Bauer erntet dann, wenn die Frucht reif ist, nicht einfach willkürlich. In Offenbarung 14, Vers 14 und 15, sehen wir die Endzeitbedeutung dieses Gleichnisses ganz deutlich.

[20:29] Es heißt hier in Vers 14 und 15 von Offenbarung 14, direkt nach der dreifachen Engelsbotschaft: „Und ich sah, und siehe, eine weiße Wolke, und auf der Wolke saß einer, der glich einem Sohn des Menschen. Er hatte auf seinem Haupt eine goldene Krone und in seiner Hand eine scharfe Sichel. Und ein weiterer Engel kam aus dem Tempel hervor, der rief mit lauter Stimme dem, der auf der Wolke saß: Sende deine Sichel und ernte! Denn jetzt kommt die Begründung: Denn die Stunde des Erntens ist für dich gekommen, weil die Ernte der Erde überreif geworden ist.“

[21:06] Wann kommt die Ernte? Wenn die Ernte reif ist. Der Zeitpunkt der Wiederkunft Jesu hier in Offenbarung 14, auch wenn er nicht berechenbar vorhergesagt ist, hängt er doch an der Reife der Frucht.

[21:27] Drei Dinge sind es, die die Wiederkunft einleiten: Es ist die Vollendung des Charakters der Gläubigen, es ist die weltweite Mission nach Matthäus 24, Vers 24 – „Denn wenn dieses Evangelium in der ganzen Welt verkündigt worden ist zum Zeugnis für alle Heidenvölker, dann wird das Ende kommen.“ – und in Joel 4, Vers 13 wird deutlich, dass die Bosheit ein Limit erreicht hat, das nicht weiter überschritten werden darf. In Joel Kapitel 4 und dort Vers 13, da heißt es: „Legt die Sichel an, denn die Ernte ist reif! Kommt und tretet, denn die Kelter ist voll, die Kufen fließen über, denn ihre Bosheit ist groß.“

[22:15] Diese drei Dinge, die bedingen einander: die Entwicklung unseres Charakters, die Mission in der ganzen Welt und das Überhandnehmen der Bosheit hängen miteinander zusammen. Wir können die Wiederkunft nicht durch eigene Anstrengung erzwingen, aber unsere eigenen persönlichen Entscheidungen in unserem Glaubensleben sind ein Faktor in der Gesamtrechnung.

[22:45] 2. Petrus Kapitel 3 und dort ab Vers 11: „Da nun dies alles aufgelöst wird, wie sehr solltet ihr euch auszeichnen durch heiligen Wandel und Gottesfurcht, indem ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und ihm entgegeneilt!“ Dieses Entgegeneilen ist nicht einfach physische, körperliche Anstrengung, sondern ein Sich-Auszeichnen durch heiligen Wandel und Gottesfurcht, „an welchem die Himmel sich in Glut auflösen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden. Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt. Darum, Geliebte, weil ihr dies erwartet, so seid eifrig darum bemüht, dass ihr als unbefleckt und tadellos vor ihm erfunden werdet in Frieden.“

[23:32] Das Ziel ist, dass unser Charakter zur Reife, zur vollen Frucht in der Ähre kommt, indem wir das Wort Gottes in unser Herz lassen und es wirken lassen bis ans Ende. Und zwischendurch sind wir noch nicht am Ziel. Wir sind zwar immer so, wie wir sein sollen zu dem Zeitpunkt, wir sind noch nicht am Ziel. Sind am Ziel, wenn die Frucht reif ist, und dafür sorgt Gott, wenn wir mit ihm zusammenarbeiten, wenn wir sein Wort in unserem Herzen lassen, wenn das Wort wirken darf, wird er es vollenden.

[24:08] wirken darf, wird er es vollenden. Dieses Aufwachsen der Pflanzen als Bild für Gottes Evangelium findet sich schon im Alten Testament in Jesaja 61, und dort Vers 11 haben wir diese schöne Idee. Jesaja 61, Vers 11: "Denn gleich wie das Erdreich sein Gewächs hervorbringt und ein Garten seinen Samen sprossen lässt, das sind also die Bilder, das Wachsen der Pflanze aus der Erde, so wird Gott der Herr Gerechtigkeit und Ruhm hervorsprossen lassen vor allen Heidenvölkern." Gottes Gerechtigkeit wächst sozusagen bildlich gesprochen aus der Erde Schritt für Schritt: erst der Keim, dann der Halm, dann die Ähre, dann der volle Weizen in der Ähre. Und die Erde ist ein Bild, wie wir gesehen haben, für unser Herz. Gottes Gerechtigkeit in unser Herz hineingesät, wächst aus unserem Herzen und bringt Frucht.

[25:09] Möchtest du heute, lieber Freund, liebe Freundin, dich entscheiden, dass Jesus auch in deinem Herzen mit seinem Wort diese Charakterpflanze weiter wachsen lassen darf, bis sie zur Vollendung gelangt. Und ganz gleich, ob wir mit Paulus am Ende unseres Lebens bei unserem Tod sagen können: "Wir haben den guten Kampf gekämpft", oder ob wir zu Lebzeiten Jesus wiederkommen sehen und vor Abschluss der Gnadenzeit genau dieselbe Charakterreife und Vollendung erfahren, die Paulus am Ende seines Lebens erfahren hat – es wird in jedem Fall immer Gottes Wirken gewesen sein, das wir in unser Herz gelassen haben.

[25:58] Wir gehen zurück zu Markus 4 und schauen uns ein weiteres Gleichnis an in Vers 30 bis 34. Es findet sich auch in Matthäus 13 in der Seepredigt und ist auch hier in etwa genauso lang, nämlich relativ kurz, aber Johannes Markus berichtet noch ein paar zusätzliche Details, die allgemeiner Natur sind, über die Gleichnisse, die Jesus in der Seepredigt gehalten hat, gepredigt hat.

[26:26] Vers 30: "Und er sprach: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, oder durch was für ein Gleichnis sollen wir es euch darlegen?" Das finden wir nur bei Johannes Markus. Jesus hat sozusagen sich wie ein guter Lehrer, sich extra überlegt, was für eine Illustration besonders angemessen. Er wollte das Evangelium so verständlich wie möglich machen. Er ist kreativ, er ist ein echter, ein guter Lehrer.

[26:57] Jesus hatte in dieser sündigen Welt, der sündigen Gesellschaft, Probleme, überhaupt Gleichnisse zu finden, die die Reinheit und Schönheit, die vielfachen Aspekte des Evangeliums richtig darstellen.

[27:11] Vers 31 und 32: Hier kommt das eigentliche Gleichnis vom Senfkorn. "Es ist einem Senfkorn gleich, dass, wenn es in die Erde gesät wird, das kleinste ist unter allen Samenkörnern auf Erden. Und wenn es gesät ist, geht es auf und wird größer als alle Gartengewächse und treibt große Zweige, sodass die Vögel des Himmels unter seinem Schatten nisten können."

[27:34] Man vermutet, dass es hier um den Samen des schwarzen Senfs geht. Er ist sehr viel kleiner als alle anderen Samen, die in Palästina tatsächlich bekannt sind. Und der Strauch dieses schwarzen Senfs wächst sehr hoch in Palästina, sehr viel höher, bis über 3 Meter, angesichts der klimatischen Bedingungen dort. In der jüdischen Literatur war das Senfkorn sprichwörtlich für die besondere Kleinheit. Andersrum wird im Talmud die aufgewachsene Pflanze auch als ein Baum bezeichnet. Ähm, und man kann auf ihn klettern wie auf einen Feigenbaum. Der Baum ist ein Symbol für die Königsherrschaft. Daniel 4 macht das ganz deutlich, und zwar die Königsherrschaft, wie Christus sie wünscht. Er wird in alle Ewigkeit die Königsherrschaft übernehmen.

[28:27] Das Reich Gottes wächst. Es scheint am Anfang unscheinbar zu sein. Jesus kam als ein unscheinbares Baby auf die Welt in Bethlehem, unbemerkt von dem allergrößten Teil der Weltbevölkerung, in einem Stall, in einer Krippe. Und doch ist aus diesem kleinen Senfkorn wird das Reich Gottes erwachsen, das von Daniel 7, in Daniel 7 wird es gesagt, in alle Ewigkeit über die ganze Welt herrschen wird. "Die Mehrung seiner Herrschaft nimmt kein Ende", sagt Jesaja Kapitel 9. In Jesaja 54 sehen wir, wie das Evangelium nach allen Seiten ausbricht in Vers 1 bis 3. Sprüche 4, Vers 18: "Der Pfad des Gerechten leuchtet immer heller." Auch hier ist die Idee des Wachstums ganz prominent in diesem Gleichnis. Und Sacharja 4, Vers 10 sagt uns: "Wir sollen den Tag geringer Anfänge nicht verachten."

[29:23] Auch wenn es klein beginnt, ist es kein Grund, nicht davon auszugehen, dass, wenn Gott in diesem kleinen Anfang ist, dann wird es auch tatsächlich ein, ja, dann wird es wachsen und wachsen. Und für Gott gibt es kein Ende des Wachstums. Und vielleicht lohnt es sich hier eine praktische Anwendung zu machen. Manchmal, wenn das Werk Gottes vorangebracht werden soll in unserer Zeit, dann werden große Projekte aufgesetzt mit viel großer Vorbereitung und großen Pauken und Trompeten. Aber meine persönliche Erfahrung ist, dass Gottes Werk dadurch gekennzeichnet ist, dass es klein beginnt und dann natürlich organisch wächst, immer größer und größer, so wie Gott das Gedeihen gibt. Und daran erkennt man eigentlich das Wirken Gottes auch in der heutigen Zeit.

[30:13] Vers 33: "Und in vielen solchen Gleichnissen sagte er ihnen das Wort, wie sie es zu hören vermochten." Johannes Markus berichtet viele Gleichnisse, die Matthäus erwähnt hat, nicht. Weder das Weizen, also weder Weizen und Unkraut, noch der Sauerteig, Schatz im Acker, die Perle, das Fischnetz – all das in der Seepredigt erwähnte Gleichnisse, die bei Markus hier gestrichen sind, nicht erwähnt werden, die jetzt hier mit diesem Satz in Vers 33 zusammenfasst. Dafür hat er, wie gesagt, Gleichnisse gehabt, die so bei Matthäus nicht vorgekommen sind. Die Methode mit Gleichnissen zu lernen war damals sehr populär und hat, ja, hat sich an dem begrenzten Aufnahmevermögen seiner Zuhörer orientiert, so wie sie es zu hören vermochten.

[31:07] Vers 34: "Ohne Gleichnis aber redete er nicht zu ihnen. Wenn sie aber alleine waren, legte er seinen Jüngern alles aus." Das haben wir schon das letzte Mal gesehen in Vers 10 und 12. Das ist hier noch mal ein Rückverweis darauf, dass nach der Seepredigt und auch allgemein, nachdem er Gleichnisse gepredigt hat, alle, die dann bei ihm blieben, seine Jünger nämlich, und ihn speziell fragten, auch in die Wahrheit dieser Gleichnisse eingeführt worden sind. Und das zeigt uns: Wenn wir die Bibel lesen, soll uns die Bibel dazu anregen, zu Jesus zu gehen und ihn zu fragen, was das bedeutet.

[31:49] Schauen wir weiter in Vers 35 bis 41, die berühmte Geschichte von der Stillung des Sturmes. Die findet sich auch in Matthäus 8, Vers 18 bis 27. Dort gibt es auch einige Dialoge, die Johannes Markus weggekürzt hat, also Dialoge direkt vor der Abfahrt, nämlich Matthäus 8, Vers 19 bis 22. Dafür bringt Johannes Markus eine chronologisch sehr wichtige Information, nämlich, dass diese Geschichte sich direkt chronologisch an die Seepredigt anschließt. Das hätte man aus Matthäus alleine gar nicht rekonstruieren können, weil die Seepredigt in Kapitel 13 berichtet wird und diese Geschichte in Matthäus 8, weil ja, Matthäus an vielen Stellen die Ereignisse und die Predigten nach Themen strukturiert und nicht in chronologischer Reihenfolge. Also hier ist Markus für die Chronologie des Lebens Jesu sehr wertvoll.

[32:50] Wir sehen also, dass diese gesamten Dinge, die wir die letzten Male studiert haben, also seit Markus Kapitel 3, Vers 20, das letzte Mal, das heißt, das ganze Gespräch über die Frage mit dem Beelzebul und mit der Lästerung des Heiligen Geistes und dann der Besuch der Verwandten von Jesu und die Seepredigt und dann die Geschichte von der Stillung des Sturmes, dass das alles quasi an einem Tag stattfand und wir einen besonderen Einblick bekommen in das Leben von Jesu mit verschiedenen Dingen, die innerhalb von wenigen Stunden letztlich passiert sind, innerhalb eines Tages.

[33:32] Wir lesen die Geschichte ab Vers 35: "Und an jenem Tag, als es Abend geworden war, sprach er zu ihnen: 'Lasst uns hinüberfahren an das jenseitige Ufer.' Und nachdem sie die Volksmenge entlassen hatten, nahmen sie ihn mit, wie er da in dem Schiff war. Es waren aber auch andere kleine Schiffe bei ihm. Und es erhob sich ein großer Sturm, und die Wellen schlugen in das Schiff, sodass es sich schon zu füllen begann. Und er war hinten auf dem Schiff und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: 'Meister, kümmert es dich nicht, dass wir umkommen?' Und er stand auf, befahl dem Wind und sprach zum See: 'Schweig, werde still!' Da legte sich der Wind, und es entstand eine große Stille. Und er sprach zu ihnen: 'Was seid ihr so furchtsam? Wie habt ihr keinen Glauben?' Und sie gerieten in große Furcht und sprachen zueinander: 'Wer ist denn dieser, dass auch der Wind und der See ihm gehorsam sind?'"

[34:28] In Matthäus wird noch der Grund angedeutet: Jesus wollte Ruhe haben von der Volksmenge. Markus überliefert den Ausspruch von Jesus im Vergleich zu Matthäus sogar wörtlich: "Lasst uns hinüberfahren an das jenseitige Ufer." In Vers 36 werden, wie gesagt, die Gespräche nicht erwähnt, die Matthäus noch dabei gehabt hat. Und es heißt interessanterweise hier, dass es nicht nur ein Schiff gab, sondern dass mehrere Schiffe dabei waren, die das Ganze dann auch beobachtet haben.

[35:12] Wir haben in Markus 3, Vers 9 gesehen, dass es dort ein besonderes Schiff gab, wohl das für den Dienst von Jesus bereitlag. Und das dürfte das Schiff sein, das hier gemeint ist, wenn es heißt: "Wie er da in dem Schiff war." Vers 37 entspricht Matthäus 8, Vers 24. Der Sturmwind, der "Lailaps" ist ein wilder Sturm, ein Hurrikan sozusagen. In Hiob 38, Vers 1, in der griechischen Übersetzung auch ein Gewittersturm. In Lukas 8, Vers 23, wird dann zusätzlich gesagt, dass es sich um einen Fallwind handelte, denn es heißt dort: "Es fiel ein Sturmwind", weil nämlich die Winde von dem umgebenden Hügelland auf den See Genezareth hinunterfallen, der mit 212 Metern unter dem Normalnull eben auch extrem tief liegt.

[36:03] Es gab einen Psalm, an den sich die Jünger hätten erinnern können, nämlich Psalm 107, Vers 23 bis 30, wo davon gesprochen wird, wie Menschen in Seenot Gott angerufen haben und er sie errettet hat. Jesaja 54, Vers 11 macht deutlich, dass das Sturm bewegt sein, durch den Sturm hin und her geworfen zu sein, eine Metapher auch ist für Elende und Ungetröstete. Wir können also diese Geschichte auch geistlich auf uns übertragen: Wenn die Stürme des Lebens wie ein Hurrikan auf uns niederprasseln, unser Leben durcheinanderwirbeln und wir nicht mehr wissen, ob wir an der anderen Seite des Ufers ankommen werden.

[36:50] Markus ist der einzige, der dieses interessante Detail von einem Kissen in Vers 38 erwähnt. Gemeint ist hier natürlich kein ganz weiches Plüschkissen, sondern ein raues, ledernes Sitzkissen des Steuermannes. Jesus schläft. Und es gibt noch eine Person, die im Sturm geschlafen hat, das war Jona. Der war so tief in seiner Sünde und so weit weg von Gott, dass selbst der Sturm ihn nicht aufgeweckt hat. Bei Jesus war es genau das Gegenteil. Er war nicht dabei, vor Gott wegzulaufen, sondern er tat genau das, was Gott von ihm wollte. Er war eins mit Gott und hatte festeste Zuversicht, dass sie auf der anderen Seite ankommen werden.

[37:40] Interessanterweise hatte Jesus Stunden vorher – das wird aber nur deutlich, wenn man dann Matthäus hinzunimmt – in Matthäus 12, Vers 38 und 40 von dem Zeichen des Propheten Jona gesprochen, das sich natürlich dort auf den Tod Jesu bezieht. Aber es ist schon interessant, dass nur wenige Stunden später, wenn man dann die chronologischen Berichte und Informationen von Markus dazunimmt und wissen, dass diese Geschichte nur wenige Stunden später stattfindet, dann tatsächlich eine Situation eintritt, die die Jünger an Jona hätte erinnern sollen.

[38:11] Markus bringt auch noch mehr Details im Vergleich zu Matthäus über die Verzweiflung der Jünger. Es ist ein bisschen detailreicher geschrieben, sozusagen, wenn es hier zum Beispiel heißt, dass sie fragen: "Meister, kümmert es dich nicht, dass wir umkommen?" Es offenbart, wie schlecht sie die Liebe Gottes, die Liebe Jesu und seine Fürsorge bisher verstanden haben. Wie oft sagen wir dasselbe: "Herr, kümmert es dich nicht, dass der Sturm über mich hereinfällt?" Ich habe in meinem Leben schon zu oft so etwas gedacht oder gesagt. Ich glaube, diese Geschichten sind hier in der Bibel, um uns zu zeigen, um uns den Spiegel vorzuhalten, uns daran zu erinnern, dass, wenn der Sturm kommt, Jesus immer noch im Boot ist.

[39:01] Interessant ist, dass er dann aufsteht und den Wind befiehlt und der See zur Ruhe kommt. Matthäus 8, Vers 26 zeigt, dass einige dieser Worte bereits vor dem Aufstehen gesprochen worden sind, denn es heißt, dass er das sagt und dann aufstand. Es entstand eine plötzliche Stille, eine große Stille. Es hat sich nicht so langsam ausgeschlichen, das war plötzlich da. Das Wort Gottes hat Kraft. Er hatte gesagt: "Es werde Licht", und es wurde Licht. Er sagte: "Wind, schweig, sei still!" Und der Wind schweigt.

[39:42] Und so wie am Ende von Matthäus 8, in Vers 27, auch hier in Vers 41 gerieten alle in große Furcht. Lieber Freund, liebe Freundin, was immer in deinem Herzen tobt und in meinem Herzen: Jesus hat die Kraft, den Willen und die Autorität, jeden Sturm zum Schweigen zu bringen. Wollen wir ihm vertrauen? Wollen wir mehr Glauben haben als bisher, dass, wenn er sagt, dass mit ihm wir an der anderen Seite ankommen werden, auf dem anderen Ufer, dass kein Sturm, egal wie dramatisch, uns daran hindern kann, dass Gott sein Werk in uns vollendet, wenn wir ihm glauben. Ich möchte Jesus mehr glauben. Du auch?

[40:34] Nun kommt in Markus 5 eine sehr ausführlich berichtete Geschichte, 20 Verse, über die Geschichte von der Dämonenaustreibung auf der anderen Seite des Sees Genezareth, sehr viel ausführlicher als der gleiche Bericht in Matthäus, der in Vers 28 bis 34 nur sieben Verse für dieselbe Geschichte verwendet. Lukas 8 ist dann auch noch mal etwas ausführlicher, aber nicht so ausführlich wie Markus.

[41:06] Das heißt, Markus ist für diese Geschichte mit Abstand oder jeden Fall deutlich die detaillierteste Grundlage. Offensichtlich hat Markus in dieser Geschichte ein besonderes Potenzial gesehen, das auch auf gerade seine nichtjüdischen Leser stark wirken kann. Nicht von ungefähr spielt diese Geschichte ja in der Dekapolis, wo gerade eine griechisch geprägte Bevölkerung, so wie sie auch Markus bei seinem Evangelium vor Augen hat, eine besondere Rolle gespielt hat.

[41:39] "Und sie kamen an das andere Ufer des Sees in das Gebiet der Gadarener." Gadara ist die Hauptstadt der Dekapolis. In Matthäus 5, Vers 28 heißt es: "Gergesener." Gergesa ist der nächste kleinere Ort. Es handelt sich also um keinen Widerspruch. Matthäus benennt die Leute nach dem nächsten Dorf, das am Ufer des Sees liegt. Markus [nennt] die Menschen, sozusagen, die in dieser ganzen größeren Gegend wohnen, wovon Gadara die Hauptstadt ist."

[42:08] "Und als er aus dem Schiff gestiegen war, lief ihm sogleich aus den Gräbern ein Mensch mit einem unreinen Geist entgegen." Matthäus sagt, dass es zwei Besessene gewesen sind. Markus konzentriert sich auf einen, auch Lukas. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass wir die Bibel additiv lesen. Das heißt, wir spielen nicht Matthäus gegen Markus aus und fragen, wer jetzt recht hat, sondern wir wissen durch Matthäus: Es sind zwei Personen gewesen, auch wenn Markus und Lukas jeweils nur eine Person erwähnt haben. Ganz nebenbei gesagt – das ist nicht unser Thema, aber das ist auch ein guter Gedanke im Hinterkopf zu behalten, wenn es um die Frage geht, warum so selten der Heilige Geist erwähnt wird. Er wird in der Bibel immer wieder erwähnt zusammen mit dem Vater und dem Sohn. Aber an vielen Stellen wird nur der Vater und der Sohn erwähnt. Und genauso wenig wie jemand sagen: "Es gab nur einen Besessenen, weil zwei von drei Berichten von einem sprechen", genauso wenig kann man sagen: "Es gibt nur zwei Personen der Gottheit, weil es an vielen Stellen nur zwei erwähnt werden und nur an wenigen Stellen drei." Das als kurzer Exkurs dazu.

[43:15] Aber kommen wir zurück zu diesem Besessenen oder den beiden Besessenen, wenn wir Matthäus dazunehmen, der seine Wohnung in den Gräbern hatte und selbst mit Ketten konnte niemand ihn binden. Es geht hier um Felsengräber. Die waren unrein wegen der Totengebeine, denn 4. Mose 19, Vers 16 sagt uns, dass man keinen Kontakt mit, also der Kontakt mit Totengebeinen unrein macht. "Denn schon oft war er mit Fußfesseln und Ketten gebunden worden, aber die Ketten wurden von ihm zerrissen und die Fußfesseln zerrieben, und niemand konnte ihn bändigen." Auch das eine zusätzliche Information, die wichtig ist, wenn man dann Offenbarung 20, Vers 1 studiert, um zu zeigen, dass dort der Satan nicht mit einer buchstäblichen Fessel 1000 Jahre gebunden werden kann, sondern dass eine symbolische Fessel dort ist. "Und er war alle Zeit Tag und Nacht auf den Bergen und in den Gräbern, schrie und schlug sich selbst mit Steinen." Das sind unartikulierte Laute, die hier mit dem Schreien gemeint sind. Andere griechische Autoren verwenden das Wort auch für Tierlaute. Eine Selbstzerstümmelung, wie man sie bei den Balspriestern aus der Elia-Geschichte kennt. Satan, so macht es Johannes 8, Vers 44 deutlich, ist auf unsere Zerstörung aus. Matthäus 8, Vers 28 ergänzt sehr sinnvoll, dass diese Menschen sehr gefährlich waren. Lukas 8, 27 erwähnt noch, dass sie nackt waren.

[44:53] "Als aber Jesus von Ferne sah, lief er und warf sich vor ihm nieder, schrie mit lauter Stimme und sprach: 'Jesus, du Sohn Gottes des Höchsten, was habe ich mit dir zu tun? Ich beschwöre dich bei Gott, dass du mich nicht quälst!'" Der Dämon identifiziert Jesus wiederum als Sohn Gottes und schwört sogar bei Gott. "Denn er sprach zu ihm, Vers 8: 'Fahre aus dem Menschen, du unreiner Geist!'"

[45:23] Wörtlich steht hier: "Denn er redete" nicht, er hatte geredet, sondern er redete, also sozusagen, während er redet, bittet der Dämon ihn nicht zu quälen.

[45:31] Vers 9: "Und er fragte ihn: 'Was ist dein Name?'" Und er antwortete und sprach: "Legion ist mein Name, denn wir sind viele.'"

[45:47] Jesus hatte schon einmal die Frage gestellt: "Was ist dein Name?" in 1. Mose 32. Auch damals war es am frühen Morgen. Damals ging gerade die Sonne auf. Damals ging es auch um eine echte Identitätsveränderung. Israel wurde zum Stammvater eines ganzen Volkes. Dieser Mann wird später zum ersten Missionar in der Dekapolis überhaupt. "Israel ist Jesu Name", das haben wir an anderer Stelle schon hier und dort studiert. Als der Dämon sagt in Vers 9, er sei Legion, dann sei daran erinnert, dass eine Legion mehrere tausend Mann als Sollstärke hatte. Wenn man noch die obligatorischen Hilfstruppen dazu rechnet, kommt man sogar noch auf deutlich mehr Menschen.

[46:41] Vers 10: "Und er bat ihn sehr, sie nicht aus dem Land zu verweisen." Das ist interessant, weil in Lukas 8, Vers 31 heißt: "Nicht in den Abgrund zu schicken." Aber das ist eine wichtige Erklärung: "Den Abgrund" bedeutet hier außer Landes.

[46:56] "Es war aber dort an den Bergen eine große Herde Schweine zur Weide. Und die Dämonen baten ihn alle und sprachen: 'Schick uns in die Schweine, damit wir in sie fahren!'" Das Schwein ist unrein nach 3. Mose 11, Vers 7 und 8, noch Jesaja 65 und Jesaja 66, Vers 4 und Vers 17 jeweils. Also Jesaja 65, Vers 4 und 66, Vers 17 zeigen, dass Gott Schweinefleischverzehr in keinster Weise gutheißt, sondern als Gräuel bezeichnet. "Und sogleich erlaubt es ihnen Jesus." Also, wir erinnern uns an das "sogleich". "Und die unreinen Geister fuhren aus und fuhren in die Schweine, und die Herde stürzte sich den Abhang hinunter in den See. Es waren aber etwa 2000, und sie ertranken im See." Nur Markus berichtet, dass es 2000 Schweine ungefähr gewesen.

[47:48] dass es 2000 Schweine ungefähr gewesen sind, und das erinnert uns an die Größe der Legion. Vers 14 und 15: Die Schweinehirten aber flohen und verkündeten in der Stadt und auf dem Land. Und sie gingen hinaus, um zu sehen, was da geschehen war. Und sie kamen zu Jesus und sahen den Besessenen, der die Legion gehabt hatte, dasitzen, bekleidet und vernünftig. Und sie fürchteten sich. Gemeint ist hier im Griechischen ein genaues Hinsehen, ein Hinschauen mit Intention. Sie sahen vor ihren eigenen Augen eines der größten Wunder, die Jesus jemals getan hat. Sie hatten selbst oft vergeblich versucht, ihn zu bändigen, aber Jesus hatte geschafft, was sie selbst mit allen Mitteln der Kunst nicht konnten. Wie oft versuchen wir die böse Natur in uns zu bändigen und uns Fesseln anzulegen, aber wir können es nicht. Aber Jesus kann das, was wir niemals mit eigener Kraft mögen. Er kann den Satan in unserem Leben besiegen. Er kann die Sünde überwinden. Er kann uns befreien von schlechten Gewohnheiten. Die Kraft Jesu ist offensichtlich.

[48:57] Dieser ehemals Besessene ist innerlich und äußerlich vollständig verändert. Er ist eine neue Schöpfung. Er hatte lange keine Kleidung getragen, jetzt trägt er Kleidung. Vers 16: Und die es gesehen hatten, erzählten ihnen, wie es mit dem Besessenen zugegangen war und von den Schweinen. Es gibt neben den Jüngern weitere Augenzeugen. Die Hirten haben diese Dämonenaustreibung offensichtlich gesehen. Da begannen sie ihn zu bitten, er möge aus ihrem Gebiet weggehen. Er hatte ihr größtes Problem gelöst, sie von ihrer größten Gefahr befreit, aber weil das gleichzeitig bedeutete, dass sie nicht mehr ihrem weltlichen Gewinn nachgehen konnten – sie wollten ja wahrscheinlich selbst das Schweinefleisch nicht essen, aber es für andere verkaufen –, weil sie dadurch einen materiellen Verlust hatten, schicken sie den weg, der sie erlöst hatte von der Gegenwart der Dämonen. Wie oft schicken wir Jesus weg, nachdem er uns gerettet hat, nur weil er unseren weltlichen Plänen ein Ende macht?

[50:10] Eines der bemerkenswertesten Dinge – eine der beeindruckendsten Dinge an Jesus, die ich in den Evangelien finde. Es gibt unglaublich viele beeindruckende Dinge, aber ich finde das besonders bewegend. Vers 18: „Und als er in das Schiff trat.“ Jesus ist gegangen. Er hatte noch nicht mal die Gelegenheit gehabt, eine Predigt zu halten. Er konnte nicht sagen: „Lass mich wenigstens eine Andacht halten, vielleicht überlegt ihr es euch anders.“ Aber als er merkt, er ist nicht willkommen, tut er nicht noch um mit anderen Mitteln noch mal sie manipulieren. Er geht ohne Widerrede. Er drängt sich niemandem auf. Er wollte sich eigentlich hier ja ausruhen, aber das will man ihm hier nicht gewähren. Er soll wieder gehen.

[50:58] Und während er jetzt hier in das Boot steigt, und als er das Schiff trat, bat ihn der besessen Gewesene, dass er bei ihm bleiben dürfe. Jesus steigt ins Boot. Währenddessen bittet ihn der Geheilte: „Lass mich sozusagen mit dir gehen.“ Er möchte aus Dank etwas zurückgeben. Und Vers 19 ist interessant: „Aber Jesus ließ es ihm nicht zu, sondern sprach zu ihm: ‚Geh in dein Haus zu den Deinen und verkündige ihnen, welch große Dinge der Herr an dir getan hat und wie sich über dich erbarmt hat.‘“ Die Dämonen hatten eine Bitte, und Jesus hat sie erlaubt. Die Bewohner der Dekapolis hatten die Bitte, dass er geht, und Jesus ist darauf eingegangen. Und hier ist ein Mann, der gerade geheilt worden ist, der sagt: „Lass mich dir folgen!“ Und Jesus erlaubt diese Bitte nicht.

[51:46] Wenn Gott einen Plan für seinen treuen Nachfolger hat, ist der nicht verhandelbar. Jesus wusste: Dieser Mann kann mit seiner Geschichte, auch wenn er noch nie eine ganze Predigt von Jesus gehört hat, niemals bei Jesus studiert hatte, nicht einen Kurs in Theologie belegt hat – dieser Mann kann mit seiner Geschichte genau das erreichen, was Jesus in der Dekapolis erreichen wollte.

[52:13] Jesus geht, aber er lässt einen Zeugen zurück. Und wir dürfen mit Psalm 66, Vers 16, sagen: „Ich will erzählen, was Gott für mich getan hat.“ Lebend gab er Zeugnis, nachdem Gott ihn errettet hat. Die Frau am Jakobsbrunnen konnte nicht an sich halten. Sie lief in die Stadt und sie erzählte allen, was Jesus für sie getan hat. Und wenn du nur ein Wunder mit Jesus erlebt hast, von einer Sache befreit worden bist, wenn du die Erlösung erlebt hast, ein neuer Mensch geworden bist, hast du etwas zu erzählen. Und du brauchst nicht erst noch einen längeren Ausbildungskurs, um ein Missionar für Jesus zu sein, dort wo er dich hinstellt.

[53:01] Und er ging hin. Vers 20: „Und er fing an im Gebiet der zehn Städte zu verkündigen, welch große Dinge Jesus an ihm getan hatte. Und jedermann verwunderte sich.“ Später wird Jesus noch mal in die Dekapolis zurückkehren, und das Feld wird dann bereitet sein.

[53:24] Wir kommen jetzt zu einer weiteren Geschichte, die wir heute nur bis 34 uns anschauen werden und dann in der nächsten Folge zu Ende betrachten werden. In Markus 5, Vers 21 bis 43 schiebt sich chronologisch eine weitere Geschichte zwischen die Rückkehr vom Ufer der Dekapolis, die wir gerade angeschaut haben (also, was in Vers 20, beziehungsweise 19, impliziert ist), und die jetzt folgenden Geschichte. Also, zwischen Vers 20 und 21, oder zwischen Vers 19 und 21, schieben sich chronologisch eigentlich einige Geschichten, nämlich das Festmahl des Levi Matthäus und die damit verbundene Frage nach dem Fasten, die aber aus thematischen Gründen, die wir schon letztens gesehen haben – oder das war beim vorletzten Mal – schon im Zusammenhang mit der Berufung von Levi Matthäus in Markus 2, Vers 15 bis 22 berichtet worden sind. Hier an dieser Stelle wäre sozusagen der chronologische Platz für das Fest des Levi Matthäus und die Frage nach dem Fasten.

[54:39] Woher man das erkennen kann? Vielleicht fragt sich das jemand. Das ist Matthäus Kapitel 9, Vers 18. Matthäus 9 und dort Vers 18. Dort wird nämlich im Zusammenhang mit diesem Gespräch über das Fasten gesagt in Vers 18: „Und als er dies mit ihnen redete, siehe, da kam ein Vorsteher.“ Wird also ganz deutlich, dass die jetzt folgende Geschichte chronologisch sich an diese Geschichte mit dem Fest von Levi Matthäus anschließt.

[55:12] Auch diese Geschichte hier über die Heilung der blutflüssigen Frau und die Aufweckung der Tochter des Jairus ist von Johannes Markus sehr viel ausführlicher erzählt worden als von Matthäus. Statt neun Versen sind es hier 23. Und auch hier ist Lukas zwar etwas ausführlicher als Matthäus, aber nicht so ausführlich wie Johannes Markus. Also, hier in Markus, in Markus 5, haben wir zwei Geschichten, wo Markus sich so richtig Zeit nimmt, sie ausführlich zu berichten. Er hat diesen Geschichten offensichtlich besonderen Wert zugemessen, eine besondere Wirkung auf seine Leser beabsichtigt.

[55:46] Wir beginnen. Vers 22: „Und siehe, da kam einer der Obersten der Synagoge, namens Jairus. Und als er ihn erblickte, warf er sich ihm zu Füßen.“ Jairus heißt „der Erleuchter“. Er warf sich nieder, so wie die Besessenen in Gadara. Und er bat ihn sehr und sprach: „Mein Töchterlein liegt in den letzten Zügen. Komm doch und lege ihr die Hand auf, damit sie gesund wird und am Leben bleibt.“

[56:16] Das heißt, er bat ihn sehr, eine Fürbitte mit ganz viel Emotionen. Wir können uns das natürlich gut vorstellen, wie ein liebender Vater um seine Tochter bangt. Petrus bittet für seine Schwiegermutter. Die Tochter konnte nicht selbst zu Jesus kommen.

[56:30] Fürbitte ist ein Thema in Markus Evangelium. Nur Markus hat diese Formulierung „Töchterlein“, was eine besondere emotionale Ausdrucksweise ist. Und wenn man sich das im Griechischen anschaut, dann merkt man, dass Markus sogar das Stockende wiedergibt. Das heißt, dort wörtlich: „Mein Töchterlein liegt im Sterben, dass du kommst.“ Und das ist keine ganze Sätze, das ist so Brocken, die ein innerlich aufgewühlter Vater in höchster Not vor Jesus stammelt.

[57:11] Und er ging hin. Verzeihung, und er ging mit ihm. Und es folgte ihm eine große Menge nach, und sie bedrängten ihn. Jesus macht sich auf den Weg, so wie auch beim Hauptmann von Kapernaum, der Geschichte, die in Markus nicht berichtet wird.

[57:30] Und da war eine gewisse Frau. Vers 25: „Die hatte seit zwölf Jahren den Blutfluss.“ Sie ist also – die das Töchterlein ist zwölf Jahre alt – diese Frau hat seit zwölf Jahren den Blutfluss. Nach 3. Mose – wir haben die Verse hier im Sendemanuskript – ist alles, was mit dieser Frau in Berührung kommt, wird dann unrein. Vers 26: „Und sie hatte viel erlitten von vielen Ärzten und all ihr Gut aufgewendet, ohne dass es ihr geholfen hätte. Es war vielmehr noch schlimmer mit ihr geworden.“

[57:59] Dieser Kommentar ist deutlich negativer über die Ärzte als derselbe Kommentar bei Lukas im Parallelbericht in Lukas 8:43. Lukas war ja auch Arzt. Und wenn man sich anschaut, wie die jüdische Medizin zu dieser Zeit gewesen ist, dann kann man auch nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Zum Beispiel wurde dort empfohlen bei Rabbi Jochanan, dass man persische Zwiebeln in Wein kocht und beim Trinken sagt: „Steh auf von deinem Blutfluss!“ Oder man solle eine Frau an eine Kreuzung setzen mit einem Becher Wein in der Hand, und jemand soll sie von hinten erschrecken und rufen: „Steh auf von deinem Blutfluss!“ Oder Kreuzkümmel, Krokos, Bockshornklee kochen und trinken, wieder mit dieser Aufforderung. Wir sehen schon, das kann nicht funktioniert haben, und entsprechend war diese Frau verzweifelt.

[59:01] Vers 27: „Als sie nun von Jesus hörte, kam sie unter dem Volk von hinten heran und rührte sein Gewand an.“ Sie wollte nicht gesehen werden, denn sie sagte sich. Vers 28: „Wenn ich nur sein Gewand anrühre, so werde ich geheilt werden.“

[59:14] Im Griechischen hat es den Eindruck, dass sie die ganze Zeit das sagt. Sie sagte sich quasi fortdauernd, während sie heranging. Sie sagt: „Wenn ich nur sein Gewand anrühre, wenn ich nur sein Gewand anrühre, wenn ich nur sein Gewand anrühre.“ Sie sagte es sich immer wieder.

[59:30] Und dann Vers 29: „Und sogleich vertrocknete der Quell ihres Blutes, und sie merkte es am Leib, dass sie von der Plage geheilt war.“ Sie merkte – im Griechischen heißt es, sie merkte, sie ist geheilt – ganz, ganz grafisch, ganz, ganz bildlich ausgedrückt: Sie merkt, sie ist geheilt.

[59:50] Jesus aber, der in sich selbst erkannt hatte – das Griechische sagt: „völlig erkannt hatte“ –, dass eine Kraft von ihm ausgegangen war, wandte sich sogleich inmitten der Menge um und sprach: „Wer hat mein Gewand angerührt?“ Da sprachen seine Jünger zu ihm: „Du siehst, wie das Volk dich drängt, und sprichst: ‚Wer hat mich angerührt?‘“

[1:00:07] Das sind viele in der unmittelbaren Nähe zu Jesus, ohne diese heilende Kraft zu spüren. Wie viele sind in der Nähe Jesu, weil sie einen Gottesdienst besuchen, weil sie die Bibel aufschlagen, weil sie ein geistliches Lied hören oder ein Gebet sprechen? Sie sind in der Nähe Jesu, aber sie nehmen die Kraft nicht wirklich in Anspruch. Sie hören nur zu, ohne Glauben. Sie berühren Jesus sozusagen beim Vorbeigehen, ohne von ihm Heilung sich zu wünschen.

[1:00:33] Lieber Freund, liebe Freundin, wenn Jesus in deiner Nähe ist, weil du sein Wort aufschlägst, weil du über ihn nachdenkst, weil ein geistliches Lied deine Gedanken auf ihn richtet, weil du in einem Gottesdienst bist, weil du mit Menschen zu tun hast, die von ihm reden: Wenn du dir bewusst bist, dass Jesus da ist, dann ist immer da, dann berühre ihn nicht im Vorbeigehen, sondern berühre ihn mit dem Wunsch, gerettet zu werden, geheilt zu werden, gesegnet zu werden.

[1:01:16] Und er sah sich um nach der, die das getan hatte. Er schaute sich nach ihr um, immer und immer wieder, offensichtlich. Er möchte, dass andere von ihrem Glaubensbeispiel lernen. Vers 33: „Aber die Frau kam mit Furcht und Zittern, weil sie wusste, was in ihr geschehen war, und warf sich vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit.“

[1:01:36] Gerade erst haben wir in Markus 4, Vers 41 von der Furcht gelesen, die entstanden war, als Jesus sofort den Sturm gestillt hat. Diese Frau ist auch völlig überwältigt, dass Jesus sofort ihr zwölf Jahre langes Problem gelöst hat. Gibt es ein Problem in deinem Leben, mit dem du seit langer, langer Zeit kämpfst?

[1:01:56] Berühre Jesus nicht im Vorbeigehen, sondern glaube, dass wenn du ihn wirklich in dein Herz lässt, er dir hilft, und zwar nicht irgendwann später, sondern jetzt sogleich.

[1:02:12] Sie wirft sich nieder, so wie Jairus sich niedergeworfen hat. Und dann gibt sie ihr Zeugnis, was Jesus an ihrem Leben getan hat. Lieber Freund, liebe Freundin, sind wir keine Theologen, keine Evangelisten, niemand, der die Bibel auswendig kennt. Aber wir alle können erzählen, was Jesus uns geschenkt hat, als wir im Glauben zu ihm gekommen sind.

[1:02:45] Vers 34: „Er aber sprach zu ihr: ‚Tochter, dein Glaube hat dich gerettet. Geh hin im Frieden und sei von deiner Plage gesund.‘“

[1:03:01] Und er nennt sie „Tochter“. Es gibt in dieser Geschichte geht es um zwei Töchter: die Tochter des Jairus und diese Frau, die Jesus seine Tochter nennt. Er hatte den Gelähmten, der durchs Dach hineinkam, in Matthäus 9, Vers 2 „mein Sohn“ genannt.

[1:03:15] Allein durch den Glauben werden wir gerettet. Wir werden Töchter und Söhne Gottes. Und nun ist sie gesund.

[1:03:27] „Dein Glaube hat dich gerettet. Geh hin in Frieden.“ Das sind Worte, die er jetzt noch einmal sagen wird zu der Frau, die Jesu Füße mit Öl salbt.

[1:03:40] Möchtest auch du die Kraft Jesu erleben? Möchtest du in deinem Glaubensleben wachsen? Möchtest du, dass die Kraft im Wort deine Glaubenspflanze, deine Charakterpflanze zur Vollendung bringt? Möchtest du, dass Jesus die Stürme deines Lebens stillt, dass er dich von aller satanischer Bedrückung befreit und dich von aller Unreinheit wiederherstellt? Jesus bietet es dir und mir heute an. Lass uns das im Glauben annehmen.

[1:04:17] Gemeinsam beten: Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir dein Wort haben und dass uns diese Geschichten zeigen, was Jesus in unserem Leben tun kann. Wir wollen seine Kraft in Anspruch nehmen. Wir wollen ihm glauben und dankbar sein, dass er uns sogleich helfen wird. Das bitten wir im Namen Jesu.

[1:04:42] Amen. Damit verabschieden wir uns für heute. Nächste Woche soll es weitergehen mit dem Ende der Geschichte, und dann werden wir ein ganzes Stück weit in das sechste Kapitel von Markus hineingehen. Bis dann wünsche ich euch Gottes reichen Segen und viel Freude im Studium seines Wortes. Gott mit euch! Amen.


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