Veröffentlicht am
1.028 Klicks

Podcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts

Sola Veritas – Die Wahre Chronik der Reformation

500 Jahre ist die Reformation alt: wird sie fortgeführt oder begraben? Wie verhalten sich Luthers Erben und was wird aus seinen (Wieder)entdeckungen? All das sind wichtige Fragen. Doch beantworten kann sie nur, wer das Reformationsgeschehen selbst gründlich kennt. „Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation“ bietet weitaus mehr als die üblichen bekannten Zusammenfassungen und Anekdoten. Ausgehend vom Jahre 1482 wird alles chronologisch erzählt, was weltgeschichlich und biographisch (sowohl bezüglich Luther als auch vieler anderer, zum Teil sehr unbekannter Reformatoren) wichtig war. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Spätmittelalters, erleben sie das zaghafte Aufblühen von Wissenschaft und Kultur, verfolgen sie die Debatten um philosophische und theologische Streitfragen und entdecken sie Schritt für Schritt mit Luther und seinen Mitkämpfern befreiende biblische Wahrheiten. So wird Kirchengeschichte lebensnah und endlich gut verständlich…. Neue Folgen wöchentlich, bzw. wenn es die Zeit erlaubt. Ein Programm von www.joelmediatv.de

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


Das Jahr 1505 markiert einen entscheidenden Wendepunkt im Leben Martin Luthers und in der Geschichte der Reformation. Nach seinem erfolgreichen Abschluss zum Magister der freien Künste beginnt Luther, sich intensiv mit existenziellen Fragen auseinanderzusetzen. Eine zufällige Begegnung mit einer Bibel in der Universitätsbibliothek weckt in ihm eine tiefe Sehnsucht nach dem Wort Gottes. Gleichzeitig führen ihn die Unsicherheiten des Jurastudiums und die Konfrontation mit dem Tod zu einer tiefen inneren Krise, die schließlich in einem dramatischen Gelübde während eines Gewitters mündet und ihn zu einem radikalen Lebenswandel bewegt.


Weitere Aufnahmen

Serie: Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation

  • 0:0
  • 0:0
  • 0:0

Transkript

[0:36] Herzlich willkommen zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation. Heute mit der zehnten Folge, in der es um nur ein einziges Jahr gehen soll: das Jahr 1505. Ein Wendepunkt im Leben von Martin Luther und ein entscheidendes Jahr in der Geschichte der Reformation. Wir wollen gespannt sein, was sich dort ereignet hat. Und wir wollen nach guter Gewohnheit mit einem Gebet in dieses Thema hineinsteigen. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von ganzem Herzen danke sagen, dass du ein Gott bist, der jeden einzelnen Menschen führt und leitet und an ihm wirkt. Und dann möchte ich dich bitten, dass, wenn wir jetzt heute etwas lernen über die dramatischen Ereignisse im Leben von Martin Luther, dass wir sehen, wie du Schritt für Schritt uns in deiner Hand nehmen möchtest, damit wir aus den Gefängnissen des Irrtums immer mehr in das Licht deiner Wahrheit geführt werden. Bitte sei mit deinem Heiligen Geist gegenwärtig und schenke uns die Erkenntnis, dass du ganz persönlich für uns da bist. Im Namen Jesu. Amen.

[1:57] 1505 – Die Krise. Das Jahr 1505 begann mit einer Prüfung, und zwar der Prüfung zum Magister der freien Künste für Martin Luther. Er hatte intensiv studiert und im Laufe des Studiums immer mehr gezeigt, dass er ein ausgezeichneter Student war, der wirklich exzellente Ergebnisse vorweisen konnte. Immer mehr wurde deutlich, dass er ein ausgesprochen gutes Gedächtnis hatte und seine wirklich intensive Beschäftigung auch mit der Philosophie, mit den Klassikern, hatte ihn zu einem sehr scharfsinnig denkenden Menschen gemacht. Er gilt mittlerweile als einer der besten Studenten überhaupt. Als er im Januar 1505 zur Prüfung trat, 17 Kandidaten legten die Magisterprüfung ab, und Luther war jetzt der Zweitbeste. Jetzt als Magister der Philosophie der freien Künste hatte er die Verpflichtung für die nächsten zwei Jahre philosophische Vorlesungen zu halten, also das, was er jetzt in den Jahren zuvor gelernt hatte, an die neuen Studienanfänger weiterzugeben. Gleichzeitig durfte er jetzt an einer höheren Fakultät weiterstudieren. Das heißt, ab dem nächsten Semester würde er sich dann, so war der Plan, dem Jurastudium widmen, wie wir das schon in der letzten Folge dargestellt haben, weil im philosophischen Streit seinerzeit auf der Seite der Optimisten, die den Nominalismus vertreten haben, und das hat er natürlich jetzt auch unterrichtet. Diese bestandene Prüfung war verbunden mit größeren Ehren. Ein Fackelumzug zu Ehren Martin Luthers mit großem Aufzug fand in Erfurt statt, und das zeigte ihm, dass er, obwohl er ja noch relativ jung, relativ jung, 21, 22 Jahre alt, dass er wirklich etwas erreicht hatte im Leben. Der Vater war natürlich äußerst stolz. Er hatte mit viel Mühe und viel Sparsamkeit sich das Geld zusammengespart, um dem jungen Mann dieses Studium zu ermöglichen, und der hatte fleißig, zielstrebig studiert und zum schnellstmöglichen Zeitpunkt einen außergewöhnlich guten Abschluss erlangt.

[4:23] Doch Erfolg ist nicht alles im Leben, und das Jahr 1505 markiert unter anderem deswegen einen radikalen Wendepunkt, weil der junge Martin, der junge Magister, in diesem Jahr begann, mehr und mehr über den Sinn des Lebens nachzudenken. Obwohl er eigentlich alles hatte, was man sich wünschen konnte, zu einem so frühen Zeitpunkt im Leben, voll Grundwissen, Anerkennung, war er doch ganz oft tief betrübt. Er ging oft traurig daher. Er stellte sich die großen Sinnfragen des Lebens. Er war religiös genug, um zu wissen, dass Gott eigentlich ein heiliges Leben von ihm erwartete, und je mehr er sich so betrachtete, desto mehr schien ihm der Fall deutlich zu sein, dass er versagt. In diese ziemlich ernste und gedrückte Stimmung fällt ein Ereignis, das manche der frühen Biografen schon einige Jahre zuvor ansetzen, das wohl allerdings nach Auswertung der Quellen vermutlich erst jetzt, nachdem er die Magisterprüfung abgeschlossen hatte, stattfand. Er war gerade wieder in der Universitätsbibliothek und hat dort nach Büchern gesucht, als er plötzlich irgendwo ein altes Buch zu fassen bekam, das offensichtlich nicht oft vom Regal genommen worden war. Zu seinem Erstaunen stand auf diesem Buch der Name Bibel, und schnell erkannte er, dass das ein Exemplar sein muss von dem berühmten Wort Gottes, von dem er schon so viel gehört hatte, dass er aber in seinem ganzen Leben noch nie selbst gesehen hatte. Zu seinem großen Erstaunen war die Bibel viel dicker, hatte viel mehr Seiten, als er sich das gedacht hatte. Bisher kannte er nur einzelne Schriftabschnitte, die oft in den Predigten oder manchmal auch in den Vespern, die zur Andacht gelesen wurden, abgedruckt waren, und er dachte, das wäre die gesamte Bibel. Und plötzlich sah er Bücher, Geschichten, von denen er noch nie etwas gehört hatte, allesamt das Wort Gottes. Und voller Begeisterung begann er in diesem Wort zu blättern. Die erste Geschichte, die ebenso in den Sinn, die ihm so vor Augen standen, Anlass war, die Geschichte von einem kleinen Jungen namens Samuel, dessen Mutter für ihn gebetet hatte und der eine Gebetserhöhung gewesen ist. Mit jungen Jahren zum Tempel gebracht worden war, um dort dem Herrn geweiht zu sein, in einer Zeit, in der übrigens damals die Priester sehr viele Missbräuche am Tempel trieben, gerade die Söhne Eli's hatten zum Teil skandalöses Verhalten an den Tag gelegt. Und der junge Martin wird wohl kaum realisiert haben, wie sehr die Geschichte in manchen Details Parallelen zu seinem eigenen Leben aufwies. Er las dort dieses berühmte Gebet der Hanna, dass er vorher noch nie gelesen hatte, und Hanna betete und sprach: "So heißt es in der Bibel, mein Herz freut sich in dem Herrn, meine Hörner sind erhöht durch den Herrn. Mein Mund hat sich weit aufgetan über meine Feinde, denn ich freue mich in deinem Heil. Niemand ist heilig, wieder Herr, es ist keiner außer dir, und es ist kein Fels wie unser Gott." War wie der allererste Lichtstrahl, der so in die Seele des Martin Luther hinein drang. Redet nicht viel von hohen Dingen, vermessenes Gehen nicht aus eurem Mund, denn der Herr ist ein Gott, der alles weiß, und von ihm werden die Taten gewogen. Er erhebt den Geringen aus dem Staub, heißt es etwas später im selben Kapitel, aus dem Kot erhöhte den Armen, damit er sie sitzen lassen oder den Fürsten und sie den Thron der Herrlichkeit erben lasse, denn die Grundfesten der Erde gehören dem Herrn, und er hat den Erdkreis aufgestellt. Martin Luther wird nicht geahnt haben, wie sehr sich insbesondere dieser Vers in seinem Leben noch erfüllen würde. Er, der wirklich aus Armut kam, der wirklich nicht viel besessen hatte, der von Tür zu Tür sein täglich Brot erbettelt hatte. Er hatte keine Ahnung, dass Gott ihn einmal unter Fürsten sitzen lassen würde, ja, ihn erheben würde, weit über weltliche Ehren hinaus.

[9:07] Die erste Begegnung mit dem Wort Gottes war eine schicksalhafte. Ja, Gott sprach in seiner Seele, und Martin Luther rief dann aus, so für sich, so dass Gott mir ein solches Buch geben würde. Man konnte nicht einfach schnell das irgendwo mal kaufen oder sich besorgen, aber von der ersten Begegnung mit der tatsächlichen Bibel war da ein inneres Verlangen nach diesem Buch, eine Sehnsucht nach dem lebendigen Wort Gottes, das so eine ganz andere Wirkung auch hatte als die trockene Philosophie der alten Klassiker.

[9:49] In jener Zeit bekam Luther einen Brief. Es war im Februar 1505. Sein ehemaliger Mentor aus Eisenach, Johannes Braun, hatte von seinem großen Erfolg in der Wissenschaft gehört, von seinem Magisterabschluss und schrieb ihm einen wirklich eindringlichen Brief. Luther solle sich überlegen, worauf es ankommt im Leben. Ob der Erfolg, der weltliche Erfolg, wirklich die tiefsten Sehnsüchte befriedigt. Er warnte ihn, dass Luther vor lauter Beschäftigung mit der weltlichen Wissenschaft nicht das ewige Leben aus den Augen verlieren. Und das wird, insbesondere diese Gesamtstimmung, in der Luther sich ohnehin befand, fährt deutlich eingeschlagen haben. Auch andere, so wird er realisiert haben, bemerkten, haben bemerkt, dass er sich zwar sehr intensiv mit der Weisheit der Welt beschäftigt hatte, aber sich noch keine ernsthaften Gedanken gemacht hatte, wie sein Stand vor Gott ist. So oft kann auch uns das passieren, dass wir alles Mögliche wissen, Erfolg haben im Leben, aber irgendwann kommt der Moment, wo wir realisieren: Was ist eigentlich der Sinn des Lebens? Wie stehe ich vor Gott?

[11:11] Und so hat Luther sehr viel Zeit verbracht, nachzudenken. Er hatte vielleicht keine klinische Depression, aber es war ein trübsinniger Gedanke, immer stärker wurde die Last der Schuld, derer er sich bewusst wurde. Er schreibt später im Rückblick: "Als ich in Erfurt ein junger Magister war, wo ich durch die Anfechtungen immer traurig einherging, widmete ich mich darum sehr der Lektüre der Bibel." Und es war fast so, dass hier mehr in der Bibel last, das so deutlicher wurde ihm klar, dass er vor Gott eigentlich so, wie er war, nicht bestehen konnte. Und trotzdem so etwas immer wieder zu diesem Buch, denn dieses Buch, verdammt ich einfach, das hat es so eine ganz außergewöhnliche Anziehungskraft. Er begann zu lesen, immer und immer wieder, und immer sich mehr hinein zu vertiefen in dieses Buch.

[12:10] Vielleicht, lieber Zuschauer, vielleicht haben auch Sie schon viel von der Bibel gehört, aber erst, wenn man die Bibel selbst in die Hand nimmt, selbst beginnt, darin zu lesen, entfaltet sich diese Kraft, die Martin Luther auf ganz neue Wege, ganz neue Gedanken und schließlich zur Reformation gebracht hat. Luther machte diese Erfahrung. Den Psalmen steht: "Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg." Und alte, so scharfsinnig wie er war, ging ihm bereits damals im Frühjahr 1505, als junger Magister mit 21, 22 Jahren, auf, dass vieles von dem, was er dort las in dieser lateinischen Bibel, nicht dem entsprach, was er schon immer gelehrt bekommen hatte in der Kirche. Er entdeckte viele Dinge, die nicht übereinzustimmen schienen. Aber als junger Magister schreckt er vor der Schlussfolgerung zurück, diese Gedanken, die ihm kamen, und dass vielleicht hier die Bibel gar nicht richtig umgesetzt wird. Die drängt er wieder zurück mit Worten wie: "Solltest du allein klug sein? Du möchtest irren." Hatte er nicht gerade erst angefangen, sich mit der Bibel zu beschäftigen? Bestimmt hat er vieles falsch verstanden, aber eins war gelegt, der fast unsichtbar in ihm begann zu wachsen und zu keimen.

[13:52] Im März des Jahres 1505 sandten die Portugiesen Francisco de Almeida, der damals 25 Jahre alt war, nach Portugal. Er sollte jetzt portugiesischer Vizekönig in den neuen Porto, in den neuen indischen Kolonien werden. Dort in Indien und mit großer Mannschaft und Expedition machte er sich auf den Weg nach Indien, hat dann dort an der Ostküste Afrikas noch etliche neue Stützpunkte angelegt, so dass diese vor einigen Jahren ja neu gefundene Route nach Indien jetzt wirklich immer stärker und immer klarer in portugiesischer Hand war.

[14:37] Am dritten April ereignet sich ein weiteres Ereignis, das für Luther von Bedeutung war. Der Dekan der juristischen Fakultät, an der er vor der Universität, wo er jetzt in Kürze weiter studieren wollte, starb. Im selben Jahr starb noch ein weiterer Jurist. War bereits vier Jahre zuvor gestorben. An der Universität, höchstwahrscheinlich ist Luther auch bei diesen Trauerfeier, ein bisschen Trauergottesdiensten dabei gewesen. Er selbst wollte Jura studieren, und die Beschäftigung mit dem Tod intensivierte natürlich seine Frage nach dem eigentlichen Sinn des Lebens.

[15:23] Im Sommersemester kam auch ein junger Mann nach Erfurt, den wir auch schon hin und wieder hier erwähnt haben, nämlich Ulrich von Hutten, der Ritter. Er begann jetzt in Erfurt zu studieren und schloss sich schnell dem Humanistenkreis an, der sich ja in der Nähe von Erfurt gebildet hatte, um Mutius Rufus. Und dann begann am 19. das weiterführende Studium. Jetzt konnte Luther endlich mit dem Jurastudium beginnen. Sein Vater hatte ihn auf diese Bahn gebracht, und Luther hat sich von diesem Studium einiges erhofft. Er war ja ohnehin jetzt umgetrieben von Anfechtung, und er suchte nach Sicherheiten, nach Dingen, die sein Leben in eine klare, geordnete Bahn bringen.

[16:13] Es gab zwei Möglichkeiten, oder es gab zwei Bereiche, muss man eher sagen, im Jurastudium: Das war das kanonische Recht, das Kirchenrecht, und dann das Zivilrecht, das sozusagen für den weltlichen Gebrauch, hat man gedacht, war. Und nach allen Informationen, die wir haben, ist es sehr wahrscheinlich, dass Luther zunächst mit dem Zivilrecht begonnen hat. Das bedeutet zunächst einmal, dass man sich die Gesetzessammlung kaufen musste, die auch Luther dann besessen hat, und zunächst einmal fing man an, die Titel der Gesetze auswendig zu lernen.

[16:48] Schon schnell ist, wird er aufgefallen, dass das Jurastudium ihm offensichtlich nicht das bieten konnte, was er wohl eigentlich gesucht hatte. Schon in den Statuten der Erfurter Rechtsfakultät konnte man lesen: "Das Gesetz selbst lehrt, dass es mehr Vorfälle als Wörter gibt. Von daher kommen ist das rechtliche Beschlüsse, so viel sie auch mit weisem Rat entfaltet worden sind, nicht allen begegnenden Fällen auf alle beliebigen, vor allem neu aufkommenden Verfügungen hin genügen und diese auch nicht aus ihnen völlig geheilt werden können." Luther, der gerade in einer inneren Krise war und nach Sicherheiten, nach Verlässlichkeit suchte, stellte schnell fest, dass das Jurastudium, dass die Juristerei ihm genau diese Sicherheit nicht bieten konnte. Denn im Jurastudium, in der Juristerei, geht es immer auch um Interpretation. Es gibt nie die eindeutige Festlegung.

[17:51] Als Student der Gesetze musste natürlich die Kommentare lesen, darunter die berühmte Glosse des Accursius. Eine Glosse war eine Art Kommentar, die großen Touren hatten das Zivilrecht mit Erläuterungen versehen, und der Accursius hatte neben 1300 all das zusammengeführt und den "Ius Commune", also eine allgemeingültige Glosse verfasst. Dies so sehr als Autorität angesehen worden war, dass seine Erläuterung oft mehr Gewicht hatten im Gericht als der eigentliche Gesetzestext. Aber selbst Accursius hat in seiner Erläuterung immer wieder deutlich gemacht, dass in bestimmten Fällen er auch nicht wisse, wie ein Gesetz ausgelegt werden soll. Es bleibt zu oft auch Zweifel, Unklarheit, Ermessensspielraum. Und für den jungen Luther, der gerade auf der Suche nach dem unteilbaren Punkt sozusagen war, der auf der Suche war nach einem festen Fundament für sein Leben, war das zu schwammig.

[18:58] Just in dieser Zeit kassierte in Erfurt die Pest. Einige Bekannte Luthers fielen zum Opfer, und ein guter Freund von ihm, Alexius, wurde sogar umgebracht. In jener Zeit ein Antrag, Hieronymus Bunds, mit dem er gemeinsam das Magisterexamen abgeschlossen hatte, starb ebenfalls an der Pest. Die Frage des Todes drängte sich förmlich in diesen Wochen und Monaten dem jungen Martin Luther auf. Die Bilder von Leichnamen, durch die Straßen getragen wurden, von Trauerfeiern, brachten erneut diese quälende Frage ganz ins Bewusstsein: Wozu das Leben? Was ist der Sinn? Schon in den Psalmen steht: "Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden." Vorbei war die Zeit, wo er einfach nur mit viel Spaß und Freude das Studentenleben genossen hat. Er war eigentlich ein Musikant, jemand, der auch durchaus Sinn für Humor hatte. Er ging immer traurig einher, und nur die Bibel allein war wie ein Hoffnungsschimmer in seiner doch sehr trübsinnigen Stimmung.

[20:19] Das Semester eigentlich erst seit wenigen Wochen wieder begonnen, und trotzdem ist Luther am Ende Juni, ohne dass der Grund genau bekannt ist, nach Hause gegangen nach Mansfeld, um dort seine Eltern zu besuchen. Was er dort mit ihnen besprochen hat, ist unklar und wird seit Jahrhunderten diskutiert. Hatte er vielleicht eine Heirat vor Augen, die der Vater arrangiert hatte? Hat er vielleicht seine Bedenken bezüglich des Jurastudiums dort versucht zu erläutern, dass er doch im Jurastudium das nicht findet, was er eigentlich sucht, dass es ihm nicht so wirklich anspricht? Wie auch immer die Ergebnisse dieses Besuches sind uns unbekannt, aber wir wissen, was auf dem Rückweg passiert ist.

[21:10] Nachdem er einige Tage unterwegs war, kam er am 2. Juli, es war ein Mittwoch, fast schon wieder vor Erfurt, nur wenige Kilometer von Erfurt entfernt, bei dem kleinen Ort Stotternheim an einem Feld vorbei. Und dort geriet er in ein schreckliches Gewitter. Nicht nur, dass es regnete in Strömen, nein, die Blitze schlugen in seiner direkten Nähe ein und brachten ihn zu Fall. Luther war plötzlich dem möglichen Tod ins Auge, und in diese Gesamtstimmung hinein passte sozusagen diese Situation, die ihn jetzt in eine existenzielle Krise brachte. Was sollte er tun?

[22:00] In seiner äußersten Verzweiflung rief er zu der Heiligen Anna, Gott gewesen, dass wir selbst, sagte diese Mode-Heilige, die er kennengelernt hatte, die Heilige Anna, er rief: "Hilf du, Heilige Anna! Ich will ein Mönch werden!" Er hatte nicht lange überlegt, er hat es einfach ausgesprochen in Todesangst. Aber vermutlich war das mehr als nur ein etwas, aus dem gerade die Lippen kam. Die Idee, mit Gott ins Reine zu kommen, hat ihn ja schon seit Monaten beschäftigt. Er suchte Frieden mit Gott. Und obwohl er selbst erstaunt war über sein Gelübde und dass er dann die Tage später auch bereut hatte, ließ er sich nicht mehr davon abbringen.

[22:50] Der Ort, an dem das passiert ist, ist heute noch zu besichtigen mit einem Gedenkstein. Luther hat, wie gesagt, diese Skripte zwar bereut. Er hatte fast den Eindruck, als hätte ihn Gott, so hatte er zu dem Zeitpunkt den Eindruck, als hätte ihn Gott fast gewaltsam aus der Welt herausgerissen in das Klosterleben. Aber weil er es versprochen hatte, gedachte er unter keinen Umständen an den Widerruf. Er beschloss, alle Bücher für das Jurastudium wieder zu verkaufen, das Studium abzubrechen und jetzt in das Kloster zu gehen. Er wollte Frieden mit Gott. Er wollte, er hat gemerkt, dass er diesen Frieden nicht bei Aristoteles und nicht beim Jurastudium finden kann. Und er sah nur eine Möglichkeit. Man immer von Heiligkeit, von heiligem Leben die Rede war in seiner Umgebung, hat man immer auf die Klöster, auf die Mönche verwiesen, die den ganzen Tag nichts anderes tun, als sich mit Gott und der Bibel zu beschäftigen. Und das wollte er. Wollte so heilig werden, wie es nur irgendwie möglich geht.

[23:52] Sein Konto, er wollte auf der sicheren Seite sein mit Gott, so sagt er später, wegen meinem Heil gelobt. Durch er wollte sich sicher sein, dass er erlöst. Er wollte nicht einfach nur hoffen, dass es vielleicht so sein könnte. Er wollte ganz sicher sein. Diese Sicherheit, ja, im Jurastudium nicht gefunden hatte, die suchte er jetzt im Kloster. An anderer Stelle sagt er: "Und wenn ich in ein Kloster gehe", dachte ich, "und in der Kappe und Platten Gott dienen, sowie der Mönche und mich willkommen heißen." Seine Idee war ganz simpel: Das heiligste tun, was nur möglich ist, dann wird Gott mich doch sicherlich in den Himmel lassen.

[24:36] Oder am 16. Juli feiert er noch einmal, nachdem er seine Angelegenheiten geordnet hatte, ein Lebewohl mit seinen Mitstudenten. Noch einmal gab es Musik, Essen, Spaß und Freude. Doch als Luther dann deutlich machte, was er vorhatte, da war es mit der Freude vorbei. Seine Freunde wollten ihn noch abhalten, aber das konnte nicht mehr sein. Fast schon pathetisch sagte Martin seinen Mitstudenten oder seinen ehemaligen Mitstudenten, muss man jetzt sagen: "Heute seht ihr mich und nimmermehr." Er war sich bewusst, dass ein Eintritt ins Kloster ihn abschneiden würde von aller weltlicher Karriere, von all den Freuden des Lebens, die vor ihm standen.

[25:23] freuden des lebens, die vor ihm standen. Aber jetzt wollte er wissen.

[25:27] Aber jetzt wollte er wissen. Und so klopfte er am 17. Juli am nächsten Tag an die Pforten des Erfurter Augustinerklosters. Dort lebten etwas mehr als 50 Mönche. Er brachte zwei Bücher mit – die Bibel hatte er nicht dabei – zwei Bücher: "Bergen", das Epos von Vergil und Komödien von Plautus. Also ganz interessant. Hat sich also nicht, was ich nicht bewusst, dass diese Dinge vielleicht gar nicht so manches Leben dazu gehörten. Und das war damals durchaus üblich, dass auch diese Klassiker in den Klöstern gelesen wurden.

[26:10] Warum die Augustiner-Eremiten? Manchmal stellt man das da, dass die Luthers sich möglichst stark gastlich wollte. Aber dann wäre die Kartäuser vielleicht die noch härtere Variante gewesen, die auch zur Verfügung gestanden hätten.

[26:23] Die Augustiner-Eremiten hatten einen relativ guten Ruf auch in Erfurt, nachdem sie lange Zeit sich dort erst etablieren mussten. Gegründet worden waren sie im 13. Jahrhundert sozusagen am grünen Tisch durch Alexander den IV. Die Franziskaner und Dominikaner jeweils von ihrem Ordensnamensgeber gegründet worden waren, hat der eigentliche Augustinus mit dem Augustinerorden nicht viel zu tun. Er lebte viele, viele Jahrhunderte zuvor als ein früher Kirchenvater, aber hat eine Mönchsregel verfasst, die dann im Mittelalter von einigen Einsiedlern angenommen worden ist. Und Papst Alexander IV. hat dann diese Einsiedler, diese Eremiten zusammengefasst und quasi per Papstdekret diesen Orden gegründet.

[27:10] Und dann war auch sehr bald schon im 13. Jahrhundert, dass Eremiten da sein nicht mehr gängig und man hat diesen Orden auch in die Städte gerufen, um dort Seelsorge zu betreiben. Es war ein Bettelorden. Das heißt, Luther war jetzt wieder darauf angewiesen, sich das tägliche Brot auch zu erbetteln. Insbesondere war natürlich der Theologie des Augustinus verpflichtet bei den Augustiner-Eremiten, und das wird später noch eine Rolle spielen.

[27:38] Hier ein Bild von Alexander dem IV., der den Orden gegründet hat. Es gab von diesen Augustiner-Eremiten in deutschen Landen vier Ordensprovinzen, in denen die Klöster organisiert waren. Das war Schwaben, Bayern, Köln und Thüringen, Sachsen. Und natürlich jetzt der Luther dazu gehörte.

[28:00] Und es gab, wie wir das schon in anderen Folgen angedeutet hatten, unter den Augustiner-Eremiten eine Reformbewegung. Man nannte sie die "Observanten Augustiner-Eremiten". Hintergrund war, dass in dem Jahrhundert zuvor, wie bei allen anderen Bettelorden auch, die Moral etwas laxer gehandhabt worden ist, dass es immer mehr Ausnahmen, Kompromisse gab bei den Orden und dass auch zum Teil Besitz erlaubt war, dass man die vorgeschriebenen Gebete nicht mehr so streng einhielt. Und manche Mönche hat das sehr stark gestört, und sie wollten wieder zurück zu den originalen Regeln. Sie wollten wieder es sich genau an die Ordensregel des Augustinus halten. Und diese Gruppe nannte man Observanten. Ganze Klöster schlossen sich dieser Bewegung an und wurden dann ja schon halb autonom verwaltet.

[28:52] In Thüringen, Sachsen war ja Johann Staupitz der Oberste. Überall diese Observanten Augustiner-Eremiten. Das heißt, Luther hat sich von Anfang an für ein reformiertes Kloster sozusagen entschieden, wobei die Reform hier noch nichts mit der Reformation zu tun hat, sondern einfach nur zurückgingen auf die striktere und genauere Einhaltung des Mönchskripts.

[29:22] Und so kam er also an dieses Kloster. Am 17. Juli hat er an der Südseite angeklopft und ist dort vom Pförtner ganz freundlich begrüßt worden. Er ist dann gemeldet worden dem Prior, das heißt dem Vorsteher dieses Klosters. Das war in seinem Fall Wienand von Dietenhofen aus dem Elsass. Der hat ihn dann erst einmal begrüßt, hat mit ihm erst einmal ein Gebet gesprochen und dann musste man eine Generalbeichte ablegen über das gesamte Leben, was bisher so alles an Sünden angefallen war.

[29:58] Und dann wurde man erst einmal als Gast willkommen geheißen. Luther ist nicht gleich sofort Mönch geworden, sondern erst einmal ist er, Luther wahrscheinlich für etliche Monate Gast gewesen, um erstmal das Leben auch im Kloster kennenzulernen.

[30:13] Als die Eltern von diesem Schritt erfuhren, waren sie hellauf entsetzt. Insbesondere Hans Luther, so sagt man, später wollte förmlich toll und töricht werden. Er hatte so viel investiert in seinen Sohn, und der war's, das jetzt alles innerhalb von Wochen im Handstreich weg. Wir erinnern uns daran, dass Hans Luther ohnehin eine Aversion gegen Bettelmönche hatte, die eigentlich nur die Gesellschaft marodierend, schmarotzend ausbeuteten und der Wirtschaft schadeten. Er hatte gehofft, dass sein Sohn eine ehrbare Stellung einnehmen würde, etwas dem Staat zugute tun würde. Und jetzt sollte sein Sohn, der gerade Magister geworden war mit 22 Jahren, 21 Jahren, der sollte jetzt Bettelmönch werden. Er kündigte ihm die väterliche Treue auf, drohte ihm, ihn zu enterben und wollte den völligen Bruch.

[31:07] Im Laufe des Jahres hat sich das etwas dann gemildert, nicht zuletzt deswegen, weil zwei Brüder von Martin Luther auch gestorben sind und das Gerücht sogar umging, dass Martin selbst tot sei. Und das hat das Herz des tief verwundeten Vaters dann doch etwas bewegt, und er hat, wenn auch widerwillig und zähneknirschend, sich in die Situation eingefunden. Ein äußerst dramatisches Jahr für Luther, ohne Frage.

[31:37] Hans Luther hat auch dann nie glauben wollen, dass Gott hier einen seinen Finger im Spiel hatte, sondern er hatte die Vermutung, dass es zwar eine übernatürliche Sache war, dieses Gewitter in Stotternheim, sondern aber, dass es eigentlich eine Verblendung war, vielleicht Hexenwerk, vielleicht hatte der Satan den Martin verführt. So glaubte Hans.

[32:02] Am 30. Juli wurde auf dem Kölner Landtag der bis dahin tobende Landshuter Erbfolgekrieg entschieden. Ein neues Herzogtum Pfalz-Neuburg entstand und auch der Kaiser, König Maximilian bekam seinen Lohn für seinen Schiedsspruch in dieser Sache.

[32:24] Ein traumatisches Erlebnis hatte Philipp Schwarz mit acht Jahren. Er, der in Bretten lebte, musste erleben, wie eben aus jenem Krieg, dem Landshuter Erbfolgekrieg, sein Vater zurückkam und zwar als kranker Mann. Er hatte von einem Brunnen getrunken, der vergiftet worden war, und sein Vater begann jetzt sehr krank dahin zu siechen.

[32:52] Am 28. August war eine Versammlung der Augustiner-Eremiten in Mühlheim bei Ehrenbreitstein. Höchstwahrscheinlich hat Johann von Staupitz, der damals 40 Jahre alt war, bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal von dem spektakulären Eintritt des jungen Magisters in das Erfurter Augustiner-Eremiten-Kloster gehört. Das war selbst für damalige Zeit nicht selbstverständlich, dass ein so brillanter Gelehrter so früh, so schnell seine Karriere wegwirft und sich dem so dachte man, heiligen Leben eines Mönchs widmet.

[33:25] Staupitz hatte auch politische Pläne. Er wollte die reformierten Klöster Sachsens mit den reformierten Klöstern in Norditalien, in der Lombardei zusammenschließen. Und in der Lombardei hatten die reformierten Augustiner-Eremiten bereits weitreichende Privilegien vom Papst bekommen, und das wollte er jetzt auch arrangieren. Deswegen sandte er sogar einen Vertreter nach Rom.

[33:51] Das Ganze traf allerdings auf den Missmut des eigentlichen Ordensgenerals, der für sämtliche Augustiner-Eremiten zuständig war, Augustinus von Interamna. Und der war jetzt den deutschen Observanten nicht wohlgesonnen, regelrecht wütend, dass Staupitz ohne ihn vorzufragen, direkt Kontakt mit Rom aufgenommen hat.

[34:13] Hier zeigen sich die Ordenspolitik-Fragen schon bereits in ihrer Schärfe. Ulrich Roten, der ein Semester in Erfurt studiert hatte, war ein äußerst quirliger Mensch und hat es nicht lange ausgehalten. Schon zum nächsten Semester, zum Wintersemester, wechselte er an die Universität Köln, um dort weiter zu studieren.

[34:38] Am 27. Oktober starb ein Mann, der für die weiterführende europäische Geschichte von größter Bedeutung ist: Iwan der III., der Großfürst von Moskau. Er hatte über 40 Jahre lang das Großfürstentum Moskau geleitet und hatte aus diesem Fürstentum einen mächtigen Staat gemacht. In seiner Zeit war Moskau zur Schutzmacht der orthodoxen Christenheit aufgewachsen. Man glaubte, dass Moskau das dritte Rom sein würde, nachdem das erste Rom gefallen sei und auch Konstantinopel gefallen sei. Und so nannte sich ihm eine dritte, als erster "Was von Cäsar kommt". Und seine Bedeutung für die weitere russische Geschichte kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sein Sohn, Fjodor III., hier ein Bild von ihm, wurde mit 26 Jahren dann Nachfolger, unterstützt von der orthodoxen Kirche.

[35:43] Aber noch mehr passiert in diesem schicksalhaften Jahr 1405. Zwingli studierte nach wie vor in Basel, ebenfalls in weiterführenden Studien, und in diesem Jahr kam ein neuer Lehrer nach Basel. Es war im November, sein Name war Thomas Wittenbach, 33 Jahre ungefähr alt. Er hatte zuvor in Tübingen studiert und war dort ein Kollege von Reuchlin gewesen. Und er brachte ganz neuen Wind in den Unterricht. Die Studenten liebten ihn. Er war ein sehr aufgeschlossener, geradezu moderner Lehrer, der ganz interessante Dinge vertrat.

[36:26] Zum Beispiel wird er hier zitiert mit folgenden Worten: "Die Stunde ist nicht fern, wo die scholastische Theologie beiseite gelegt werden wird und die alten Lehren der Kirche wieder erweckt werden." Und dann macht er deutlich, was er damit meinte: "Der Tod Christi ist das einzige Lösemittel für unsere Seelen." Thomas Wittenbach war der erste, der dem jungen Zwingli diese Idee nahebrachte, dass der Tod Jesu allein ausreicht zur Vergebung aller Schuld und aller Sünde.

[36:51] Wie ein erster Lichtstrahl in die Finsternis. Bibeltexte gab es dazu natürlich mehr als genug, die das belegen. Es ist eine der Grundwahrheiten der Bibel, die aber im Mittelalter so sehr verloren gegangen war. Zum Beispiel hier Matthäus 20, 28: "Gleich als des Menschen Sohn nicht gekommen ist, um sich die ihnen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele." Und für den jungen Zwingli war das etwas völlig Neues. So etwas hat er noch nie gehört.

[37:30] Es waren wie die allerersten Morgenstrahlen, sie fingen an, sein Herz zu erwärmen. Ebenfalls im Jahre 1504 begann also ganz zaghaft, aber entscheidend eine Wende auch im geistlichen Denken von Ulrich Zwingli.

[37:48] Ein Bibeltext, der diese Erfahrung beschreibt, ist 2. Korinther 4, 6: "Denn Gott, der dem Licht gebot, aus der Finsternis hervor zu leuchten, er hat es auch in unseren Herzen Licht werden lassen, damit wir erleuchtet werden mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi." Der Gott, der gesagt hatte: "Es werde Licht und es wurde Licht", der dies jetzt durch sein Wort, durch die Predigt und das Unterrichten seines Wortes, Licht hinein strahlen in die dunkle Seele von Martin Luther, in das dunkle Denken von Zwingli, das bisher nur von Tradition und menschlicher Weisheit erfüllt gewesen ist. Und dieses Licht würde sich ausbreiten und nach und nach die Finsternis durchdringen, weit über Luther und Zwingli hinaus.

[38:40] Ein Mitstudent war ebenfalls ganz begeistert von diesem neuen Lehrer Wittenbach, der diese interessante Wahrheit dort verkündigte. Leonhard, 23 Jahre alt, wurde ein enger Freund von Ulrich dort in Basel.

[39:04] Konrad Mut, oder auch genannt "Rufus", der Humanist, der, wie gesagt, wenn man anderen folgt, schon gesehen bei Gotha, ihr so einen Humanistenkreis in der Nähe von Erfurt aufbaute. Der bemühte sich jetzt um frische Kräfte, um die klügsten Köpfe unter ihnen. Sparen, er hatte ein Kloster. Es gab ein Kloster dort in der Nähe bei Gotha, das Kloster Georgenthal. Und er sorgte dafür, dass der junge Spalatin ihn dort als Lehrer angestellt wurde.

[39:31] Georg Burkhardt, der sich Spalatin nannte, war 21 Jahre zu dem Zeitpunkt und hatte jetzt auch ganz engen Kontakt mit Lucian und den anderen Humanisten dort. Hier hat der Staat ihn dann ja seine Liebe zum Humanismus noch vertiefen können.

[39:49] Werden schon in einer anderen Folge von Johannes Bugenhagen berichtet. Er, sein Studium in Greifswald abgebrochen hatte und dann in Treptow begonnen hatte, einfach zu unterrichten an der Lateinschule. Dort hielt er den Lateinunterricht, aber begann sich auch ganz von alleine mit der Bibel zu beschäftigen, obwohl er kein Theologe war. Ganz interessant, wie hier also fast zum gleichen Zeitpunkt verschiedene spätere Motoren mit der Bibel in Kontakt traten.

[40:13] Und als er anfängt, wird die Bibel zu sprechen, fand er sehr viele interessierte Zuhörer. Mönche kamen aus nahegelegenen Klöstern, um ihm zuzuhören. Und der Ruf seiner Schule trug dann relativ weit bis nach Lieferant, bis in den weiten Osten, bis nach Westfalen, in den Westen. Und von überall aus den verschiedenen deutschen Gebieten kamen Schüler nach Treptow, um dort bei diesem interessanten jungen Lehrer Johannes Bugenhagen, der so mit Begeisterung aus seinem eigenen Bibelstudium berichtete, unterrichtet zu werden.

[40:47] Weitere zukünftige Reformatoren: Paul Lindenau begann in diesem Jahr mit 16 seinem Studium in Leipzig und Georg Held wurde mit 20 ebenfalls in diesem Jahr Magister in derselben Universität.

[41:01] Ganz Russland, auch die Geschichte von Menno Simons, der in Friesland geboren worden war und mit neun Jahren die innere Entscheidung fällte, einmal Pfarrer zu werden. Er hat wohl mit neun Jahren nicht erahnt, dass er mal Reformator werden würde und die Weltgeschichte mit beeinflussen würde. Mit neun Jahren entschied er sich dort in Friesland, dass er Pfarrer werden wollte.

[41:28] Ambrosius Blarer aus Konstanz begann mit 13 Jahren in Tübingen zu studieren, relativ früh alte Sprachen, das war sein Schwerpunkt. Er war ja Herr war Sohn eines Ratsherrn in Konstanz gewesen.

[41:43] Kaspar Schwenckfeld begann mit 15 ebenfalls sein Studium in Köln.

[41:49] Schon öfter haben wir von Lefèvre d'Étaples berichtet, der jetzt schon um die 50 Jahre alt war und in Paris einen kleinen Kreis um sich hatte von verschiedenen humanistischen Gelehrten. Viele, das ja noch nicht in Frankreich und da waren einige Theologen, Juristen, Philosophen darunter und immer mehr beschäftigte auch mit der Bibel. Und immer deutlicher wurde auch ihm in jener Zeit, dass die Lehren der Bibel und die Dogmen der Kirche nicht immer eins zu eins identisch sind. Eine ganz ähnliche Beobachtung, wie der junge Magister Martin Luther in Erfurt in der Universitätsbibliothek gemacht hatte.

[42:28] Die begann auch so langsam diesem geschätzten und weisen Aristoteles-Kommentatoren zu dämmern.

[42:35] Ebenfalls aus diesem Jahr stammen die ersten Schmähschriften von Johannes Pfefferkorn, ein ehemaliger Jude und Metzger in Köln, der zum Christentum konvertiert war, nicht aus Zwang, sondern aus innerer Überzeugung, und der jetzt die Juden bekehren wollte, aber zum Teil zu recht rabiaten Mitteln griff. Er wurde von den Dominikanern in Köln dabei stark unterstützt. Wir werden auf ihn an späterer Stelle zurückkommen.

[43:14] Cosmas Indicopleustes war ein französischer Entdecker, der sich zum Ziel gesetzt hatte, Terra Australis zu finden, oder Terra Australis. Man verstand einen vermuteten Süd-Kontinent, nicht so wechsel mit dem heutigen Australien. Man glaubte aufgrund der Kontinente, die man kannte, dass es wohl wahrscheinlich noch einen großen Kontinent im Süden geben würde, und den wollte er suchen. Er glaubt, ihn auch gefunden zu haben, als er in Südbrasilien an Land ging und das Land dann Papageienland nannte. Und Südindien. Man hat erst im 19. Jahrhundert identifizieren können, dass er in Brasilien gewesen ist. Ganz interessante Geschichte.

[43:55] Ebenfalls in diesem Jahr hat Leonardo da Vinci seine berühmte Mona Lisa vollendet. Also ein Jahr, das in mehrerer Hinsicht Weltgeschichte geschrieben hat, sagt Ben Julia Pavane, von dem wir schon öfter berichtet haben.

[44:10] Jeder Jude, der das Papstamt Antichristen bezeichnet hat, als Erfüllung von Daniel 7, dem kleinen Haus, wurde in diesem Jahr Leibarzt des Königs von Neapel.

[44:23] 68 Jahre alt. Gegen Ende 1505, nach einigen Monaten als Gaststatus, ist dann Luther wohl offiziell aufgenommen worden und zwar zunächst als Novize für ein Jahr lang. Galt das Noviziat, ein Jahr und einen Tag, um genau zu sein, währenddessen man immer noch wieder zurückgehen konnte. Dieses Noviziat sollte eigentlich erst einmal den neuen Mönch mit dem Klosterleben vertraut machen.

[44:47] Und so gegen Ende wohl des Jahres 1505 wurde er offiziell mit einem Ritual dort eingeführt. Dieses Ritual war sehr interessant. Er musste sich vor dem versammelten Konvent, vor allen Mönchen, niederwerfen, vor dem Prior, vor dem Vorsteher. Und er fragte ihn, was er begehren würde, und Luther musste dann die ritualisierte Antwort geben: "Gottes und eure Barmherzigkeit." Dann hat der Prior ihn gefragt, ob er verheiratet sei, ob er ledig sei, aber vielleicht geheime Krankheiten habe. Und wenn das alles abgehakt war, hat man ihm das Klosterleben vorgestellt: Aufgabe des eigenen Willens, Raul Kleidung, Schwäche durch Fasten, nächtliches Wachen, Arbeit am Tag, Kasteiung, die Schande des Bettelns, einfache Nahrung. "Bist du bereit?", hat man ihn gefragt, all das auf sich zu nehmen.

[45:38] Und nachdem Luther bejaht hat, kamen dann die Antwort: "Gott, der in euch angefangen hat, das gute Werk der Wolle, es auch vollbringen." Dann hat die ganze Mönchsversammlung ein Lied gesungen über Augustinus. Das war so eine Art Ordenshymne, die dort gesungen wurde.

[45:56] Und dann musste der Novize seine weltliche Kleidung ablegen, wir bis dahin noch gehabt hat, und er bekam jetzt die Ordenstracht, die allerdings noch nicht geweiht war. Währenddessen wurde ihm gesagt: "Es bekleidet dich daher mit dem neuen Menschen, der nach Gott geschaffen ist in Gerechtigkeit und Heiligkeit der Wahrheit." Also Bibelverse, die hier sozusagen eingeflochten wurden. Und Luther musste den antworten: "Herr, mache deine Knechte heilig." Dann wurde für den neuen Novizen, das heißt in dem Fall für Martin Luther, gebetet und der Chor sang: "Komm, Heiliger Geist."

[46:28] Dann gab es eine Prozession von dem Versammlungssaal in die Kirche und dort musste sich der Novize noch einmal niederwerfen und zwar in Kreuzform auf den Boden. Wieder wurde für ihn gebetet und dann erhielt er von dem Prior und von allen anderen Mönchen den Friedenskuss. Wie gesagt, er war noch nicht gebunden. Es war sozusagen ein Probejahr, wenn man so will.

[46:51] Und sein gesamtes Eigentum, das Luther mitgebracht hatte, wurde genau dokumentiert, so dass, wenn er gehen würde oder auch herausgeschmissen werden würde, was bei uns angemessen im Lebenswandel ja durchaus möglich war, dass im all dieses Eigentum auch wieder ausgehändigt werden würde.

[47:07] Er war jetzt unter einem Novizenmeister, der ihn einführen sollte in die Pflichten und den Tagesablauf eines Mönches. Und ihm wurde eine Bibel gegeben. Man glaubte, dass zumindest die Novizen etwas Gutes davon hätten, wenn sie mal die Liebe lesen würden. Später war das nicht mehr so relevant, aber für die Novizen gab es diese Verpflichtung, diese Bibel zu lesen. Es war das einzige Buch, das gelesen werden musste als Novize. Und das war für Luther natürlich quasi der Himmel auf Erden, ein Paradies, ein Wunsch in Erfüllung, in sich endlich intensiv mit der Bibel auseinandersetzen zu können.

[47:46] Er bekam eine rot eingebundene Bibel und für ihn war das keine Pflichtlektüre. Er begann sich förmlich in dieses Buch hinein zu vertiefen, hinein zu arbeiten und hat die Bibel gründlich, systematisch gelesen und damit ein Fundament gelegt, von dem er selbst nicht ahnt, wohin es ihn einmal bringen würde. Kaum jemand im Kloster interessiert sich so sehr für die Bibel.

[48:10] Ein Wort, das diese Erfahrung von Luther gut zusammenfasst, ist jenes aus Jeremia 15, 16: "Als ich deine Worte fand, da verschlang ich sie. Deine Worte sind mir zur Freude und Worte meines Herzens geworden, denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, o Herr, der Herrscher."

[48:30] Diese Erfahrung, die wir Zuschauer können auch sie machen, wenn sie das Wort Gottes nehmen und selbst darin lesen, sich nicht nur anhören, was andere dazu zu sagen haben, nicht nur Philosophie darüber zu hören, sondern sich selbst mit dem lebendigen Wort Gottes beschäftigen. Für Luther hat das

[48:46] Gottes beschäftigen. Für Luther hat das einen entscheidenden Unterschied gemacht. Einen entscheidenden Unterschied gemacht. In der nächsten Folge werden wir sehen, wie der neue Lebensweg jetzt für Luther aussah. Was war das Leben im Kloster und vor allem, was hat Zwingli auch gemacht mit der neuen Erkenntnis, so langsam in ihm dämmerte, dass wir das Thema sein, wenn es heißt: Neue Wege 1506. Bis dahin wünschen wir Ihnen Gottes reichen Segen. Beginnen Sie sich mit dem Wort Gottes, der Bibel auseinanderzusetzen. Sie werden sehen, was Gott alles für Sie bereit hält. Und so wünschen wir Ihnen genau dazu alles Gute. Gottes Segen und bis zum nächsten Mal hier, wenn es wieder heißt: Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation.

[49:28] [Musik]


Lizenz

Copyright ©2017 Joel Media Ministry e.V.
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.