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Sola Veritas – Die Wahre Chronik der Reformation

500 Jahre ist die Reformation alt: wird sie fortgeführt oder begraben? Wie verhalten sich Luthers Erben und was wird aus seinen (Wieder)entdeckungen? All das sind wichtige Fragen. Doch beantworten kann sie nur, wer das Reformationsgeschehen selbst gründlich kennt. „Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation“ bietet weitaus mehr als die üblichen bekannten Zusammenfassungen und Anekdoten. Ausgehend vom Jahre 1482 wird alles chronologisch erzählt, was weltgeschichlich und biographisch (sowohl bezüglich Luther als auch vieler anderer, zum Teil sehr unbekannter Reformatoren) wichtig war. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Spätmittelalters, erleben sie das zaghafte Aufblühen von Wissenschaft und Kultur, verfolgen sie die Debatten um philosophische und theologische Streitfragen und entdecken sie Schritt für Schritt mit Luther und seinen Mitkämpfern befreiende biblische Wahrheiten. So wird Kirchengeschichte lebensnah und endlich gut verständlich…. Neue Folgen wöchentlich, bzw. wenn es die Zeit erlaubt. Ein Programm von www.joelmediatv.de

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Folge von Sola Veritas tauchen wir in das Jahr 1510 ein und beleuchten die politischen und religiösen Umwälzungen jener Zeit. Wir verfolgen Martin Luthers Rückkehr nach Erfurt und seine fortgesetzten theologischen Studien. Gleichzeitig werfen wir einen Blick auf die Entwicklungen in England mit Thomas Cranmer, die diplomatischen Verwicklungen um Venedig und die Bemühungen um Reformen innerhalb des Augustinerordens. Außerdem thematisieren wir die tragische Judenverfolgung in Berlin und die kontroversen Debatten um die jüdische Literatur, die Johannes Reuchlin und Johannes Pfefferkorn involvierten. Abschließend betrachten wir die Anfänge von Huldrych Zwingli und seine Verbindung zum Papsttum sowie Luthers erste Reise nach Rom.


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Serie: Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation

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Transkript

[0:37] Herzlich willkommen zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation. Schön, dass wir eingeschaltet haben zu einer weiteren Folge, in der wir die Geschichte der Reformation, das Leben der Reformatoren und all die Ereignisse drumherum genauer unter die Lupe nehmen wollen. Und wie wir das schon gewohnt sind, möchten wir mit einem Gebet beginnen, bevor wir dann das Jahr 1510 uns genauer anschauen.

[1:01] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, erneut für die Gelegenheit, zurückzuschauen in die Geschichte. Und wir möchten dich bitten, dass du uns hilfst, Lektionen zu lernen aus dem, wie Männer und Frauen mit dir gelebt haben und von dir geführt worden sind. Haltet jetzt alles Störende fern und gib, dass wir Dinge erkennen, die auch uns persönlich zu einer Erweckungs-Reformation führen werden. All das bieten wir im Namen Jesu. Amen.

[1:50] 1510 im Bann der Politik. 1510 war Martin Luther wieder in Erfurt, nach dem kurzen Intermezzo in Wittenberg an der Universität. War er jetzt wieder in seinem Augustinerkloster in Erfurt angekommen, sollte dort auch Unterricht geben und hat weiter Theologie studiert. Und Johann von Staupitz hatte allerdings keinen großen Einfluss mehr auf ihn, hatte zu tief hatte sich der junge Martin bereits in die Bibel hineingegraben. Ist er sich für den wahren Kern der biblischen Theologie und das klassische Denken es einfach aufgrund von irgendwelchen prämissen-basierten Schlussfolgerungen zog. Das war ihm immer weniger angenehm, auch wenn er nach wie vor darin unterrichtet hatte.

[2:50] Martin Luther Jahr für Jahr, Monat für Monat, sich tiefer vorgearbeitet, manchmal sogar mit wirklicher Anstrengung in die biblische Leere hinein. Am zweiten Februar 1510 ist Heath Ledger, dessen Geburtsdaten überhaupt gar nicht klar feststehen, oder später der Reformationsgeschichte in England eine große Rolle gespielt hat, zum Fellow am College in Cambridge geworden. Hatte dort in Cambridge bereits studiert, war in der Zwischenzeit zum Priester geweiht worden und hatte auch diese Aufgabe sehr ernst genommen. Jetzt war er dort in Cambridge also auch in der Forschung und Lehre tätig.

[3:37] Am 24. Februar 1510 hob der Papst Julius der Zweite den Kirchenbann über Venedig auf. Man hatte ja zuvor Krieg geführt innerhalb der großen Liga von Cambrai. Beendete jetzt ganz formal, die Venezianer hatten es geschafft, mit diplomatischem Geschick diese große Allianz europäischen Großmächte gegeneinander auszuspielen und in einzelnen Parteien aufzuspalten. Das Heilige Römische Reich deutscher Nation und auch Spanien hat Sonderverträge mit den Venezianern geschlossen und so blieb dann im Prinzip nur noch Frankreich isoliert übrig.

[4:18] Im Frühjahr 1510 reiste Johann von Staupitz erneut nach Rom. Sein Anliegen war es, dort erneut die Belange der reformierten Klöster innerhalb des Augustiner-Eremiten-Ordens anzusprechen. Die Kölner Augustiner-Eremiten wollten sich ebenfalls dieser Reform-Kongregation, diesen Auxerre, anschließen. Doch das scheiterte in Rom. Wurde diesem Ansinnen ein Nein entgegengebracht. Auch die schwäbischen Klöster, die umstritten waren, wurden stattdessen direkt dem Ordensgeneral der Augustiner-Eremiten unterstellt. Die Reise war also kein wirklicher Erfolg und nach wie vor, weil dieses politische Ringen innerhalb des Ordens um Reform oder Tradition sehr stark weiterhin.

[5:18] Reiste Tetzel durch die deutschen Lande und predigte den Ablass. Zirkel 50 Jahre alt ist er zu dieser Zeit gewesen. Und im Pfingsten 1510 kam es zu einer interessanten Begegnung. Er traf den jungen, mittellosen Studenten Friedrich Mykonos, von dem wir heute noch gleich mehr hören werden. Der war 19 Jahre alt, hatte kein Geld, aber hatte großes Interesse und großes Verlangen nach einem Ablass. Und so bat er, setzte einen kostenlosen Ablass zu bekommen, was damals theoretisch möglich war. Aber Tetzel hatte mehr Interesse an dem Geld als an dem Seelenheil der Menschen. Auch wenn natürlich durch den Ablass dieses Ziel erst recht gar nicht erworben werden konnte, so dass er den Friedrich einfach leer ausgehen ließ und ihm diesen Ablass nicht gab.

[6:21] Hier zeigt sich schon ein bisschen die Mentalität und die Geisteshaltung, die dieser Tetzel so an den Tag legte. Er war ja bereits in den vorigen Jahren nicht gerade durch einen besonders christlichen Lebenswandel aufgefallen. Das wurde jetzt immer schlimmer. In der Folgezeit ist er vor allem in Süddeutschland und in Österreich unterwegs gewesen und zu einem unbekannten Zeitpunkt des Jahres lässt sich nicht mehr genau einordnen, ob das in diesem Monat, einige Jahre später gewesen ist. Ist er tatsächlich des Ehebruchs überführt worden und Tetzel hat dann wirklich Probleme bekommen. Als Ablassprediger durfte man sich solch einer Todsünde nicht schuldig machen und er ist verurteilt worden von keinem geringeren als dem Kaiser höchstpersönlich, Maximilian dem Ersten.

[7:20] Verurteilte Tetzel zum Tod durch Ersäufen und eine durchaus fast ironische Wendung der Reformationsgeschichte ist es, dass ausgerechnet der Kurfürst von Sachsen, Friedrich der Dritte, nichtsahnend über die Geschichte, die einige Jahre später sich abspielen würde, sich bei einem Kaiser Maximilian verwendet hat für Tetzel und so seine Strafe in lebenslange Haft in der Heimat umgewandelt worden ist. Also halten wir fest, aufgrund des Gnadengesuchs des Kurfürsten von Sachsen ist Tetzel überhaupt am Leben geblieben.

[8:05] Kann man sich natürlich jetzt überlegen, was wäre passiert, wenn aber das ist eine müßige Frage. Gehen wir also weiter in dem, was in diesem Jahr passiert. Am 19. Juli kam es zu einer wirklich schändlichen Begebenheit in Berlin. In den vergangenen Monaten hatte es enorme Judenverfolgung dort im Havelland in der Gegend gegeben. Es waren Hostien gestohlen worden und der Dieb hatte dann unter Folter behauptet, diese Hostien an Juden weitergegeben zu haben. Man glaubte ja gemeinhin, dass Juden Hostien fänden würden und so war in Berlin eine Judenverfolgung ausgebrochen.

[8:49] In diesem 19. Juli wurden 38 Juden auf einem mehrstöckigen Scheiterhaufen verbrannt. Zwei weitere, die in der Zwischenzeit zum Christentum übergetreten waren, wurden aufgrund dieser Tatsache, dass sie jetzt Christen waren, nicht verbrannt, sondern enthauptet. Und in der ganzen Mark Brandenburg wurden Juden jetzt großflächig vertrieben. Das hat den Bewohnern, den restlichen Bewohnern sehr gut gefallen, weil die Juden als Finanziers und als Bankiers, ist natürlich die Schulden der Leute, oder die Menschen haben Schulden bei den Juden und diese Schulden entfielen jetzt alle. Und so gab es kaum Menschen, die sich für diese armen Juden eingesetzt haben.

[9:37] Am 7. Juni wurde Wenzeslaus Link, der Jugendfreund von Martin Luther, ungefähr gleich als 27 Jahre alt, in Wittenberg zum Sentenz-Jahres-Format, das war ein weiterer theologischer Grad, den er erwarb. Der Zwischenzeit hatten ja Luther und Link kurze Zeit zusammen in Wittenberg studiert. Jetzt war Link wieder alleine dort und hat seine Studien hier erfolgreich weitergeführt.

[10:05] Der eben gerade erwähnte Friedrich Mykonos trat dann kurze Zeit später, einige Monate später nach dieser Begegnung mit Tetzel, auf Anraten seines Lehrers in ein Franziskanerkloster. Interessanterweise hatte er bereits in der folgenden Nacht einen hochinteressanten Traum. Er träumte, dass er sich in einer öden Wildnis befände und dass ihm dann der Apostel Paulus erschien und dieser Paulus führte ihn aus der Wüste direkt zu Christus. Dieser Traum war natürlich äußerst eindrücklich. Mykonos konnte sich nicht genau vorstellen, was damit jetzt im Einzelnen gemeint war, aber es war ihm klar, dass er nach der Wahrheit suchen sollte.

[11:04] Und so hat er angefangen, dort im Franziskanerkloster zunächst einmal die verfügbare Literatur des klassischen Literaturbestandes zu wälzen und die Lehre gründlich zu studieren.

[11:24] 26. Juli 1510. Ganz offiziell wurde Staupitz jetzt zum Vikar und zum Weg der Reform-Kongregation, das heißt, den reformierten Augustiner-Eremiten benannt. Und gleichzeitig zum Potenzial, das zum Oberhaupt der gesamten sächsischen Ordensprovinz. Das hat ja seit einiger Zeit für Verwirrung gesorgt, wie er jetzt beides sein konnte, sowohl der Leiter aller Augustiner-Eremiten als auch der besondere Vorsteher einer reformierten. Und er hat dann direkt nach seiner Ankunft aus Italien eine Versammlung einberufen und in dieser Versammlung sollte dann diese Personalunion gutgeheißen werden, was dann zunächst einmal auch gelang.

[12:10] Es sah so aus, als ob hier eine gute Kompromisslösung, ein politischer Weg gefunden werden könnte, wie Staupitz jetzt beide Positionen ausführen konnte. Hat das dann am 30. September diese Ergebnisse veröffentlicht und seine entsprechende Anerkennung eingefordert. Aber es gab dann doch mehr Widerstand als erhofft. Etliche Klöster, darunter das Erfurter Augustiner-Eremiten-Kloster, aber auch Klöster wie zum Beispiel in Nordhausen, Kulmbach und vor allem auch in Nürnberg, weigerten sich, diesen Kompromiss anzuerkennen. Sie nannten sie auch die "Renitenten", die gegen diese Ordens-politischen Kompromiss Einspruch erhoben.

[13:00] Unter ihnen war vor allem der theologische Lehrer von Martin Luther, Johann von Staupitz. Und vielleicht auch unter seinem Einfluss hat sich Luther auf die Seite dieser Renitenten geschlagen, gegen Staupitz, seinen Förderer und gegen den, der ihm eigentlich schon die ersten Schritte auf dem Weg zum Evangelium gewiesen hatte. Auch Luther fand, das ist keine gute Idee sei, dass der Leiter der reformierten Augustiner-Eremiten gleichzeitig sämtliche auch traditionellen Klöster in Sachsen betreuen wollte. Und man versuchte jetzt auf politischem Wege diesen Kompromiss doch noch zu untergraben.

[13:43] Und bis hier in dieser Zeit hat der Erzbischof von Mainz, Uriel von Gemmingen, den humanistischen Gelehrten Johannes Reuchlin beauftragt, ein Gutachten zu verfassen. Hintergrund war die seit einigen Jahren anhaltende Propaganda von Pfefferkorn, von dem wir hier auch schon gesprochen hatten, einen Juden, der zum Christentum übergetreten war und der sich jetzt vehement für die notfalls zwangsweise Konvertierung der Juden zum Christentum einsetzte und der dann sogar die Verbrennung der jüdischen Schriften beschloss.

[14:26] Uriel von Gemmingen beauftragte jetzt den bekannten Reuchlin, der als ein Experte des jüdischen, der jüdischen Literatur galt. Er hatte vor wenigen Jahren zuvor erst das erste hebräische Lehrbuch herausgebracht, das von einem christlichen Wissenschaftler verfasst worden war. Und er sollte prüfen, ob es wirklich angemessen sei, jüdische Literatur per se zu verbrennen.

[14:53] Zwischen Reuchlin und Pfefferkorn entspann sich ein echter Schriftenstreit. Die beiden hatten sich bereits 1509 kurz getroffen und damals hatte Pfefferkorn versucht, Reuchlin auf seine Seite zu ziehen, aber das war nicht geglückt. Und jetzt waren sie Antagonisten und dieser Streit erfasste das ganze Reich. Die Frage war, wie soll man mit dem intellektuellen Erbe der Juden umgehen?

[15:22] Auf Drängen des Kaisers war eine Kommission ernannt worden, zu der dann also auch Reuchlin gehörte. Und der gab dann am 6. Oktober seine Antwort an den Kaiser. Er teilte die jüdischen Bücher, die es gab, in sechs Kategorien auf. Die hebräische Bibel stand sowieso nicht zur Debatte, weil sie auch von den Christen als das Wort Gottes angenommen wurde.

[15:54] Und Reuchlin argumentiert jetzt, dass wirklich gefährlich für den christlichen Glauben nur die allerwenigsten Bücher seien. Die meisten seien in Wirklichkeit sehr interessant und von diesen ganz wenigen gefährlichen Büchern halten in der Regel auch die Juden selbst nichts und verachten diese. So argumentierte er, viele dieser anderen jüdischen Bücher sind notwendig für den jüdischen Gottesdienst, der ja sowohl durch päpstliches als auch durch kaiserliches Recht garantiert war. Und ohne diese Bücher konnte kein Gottesdienst stattfinden. Außerdem waren viele andere Bücher von hohem wissenschaftlichem Wert und sollten stattdessen an den Universitäten gelesen, studiert und unterrichtet werden.

[16:39] So schlug er vor, dass in den nächsten zehn Jahren an jeder Universität in Deutschland zwei Lehrstühle für Hebräisch eingerichtet werden sollten und man sollte insbesondere dieses umstrittene Buch "Material der Juden" verwenden, um dort an den Universitäten zu studieren. Eine interessante und sehr tolerante, fortschrittliche Idee, die Reuchlin hier vorschlug.

[17:07] Die mit der allerdings in der Kommission, sie einberufen worden war, beides geht alleine dastand. Die anderen Kommissionsmitglieder kamen zu einem anderen Schluss. Sie befürworteten eine Vernichtung der jüdischen Literatur. Und so hat sich Maximilian der Erste nicht wirklich entscheiden können, hat das ganze etwas hinausgezögert. Er schätzte zwar den Humanismus und damit natürlich Reuchlin, der vielleicht bekannteste Vertreter überhaupt war, aber er wollte sich natürlich auch mit der Kirche, die gegen das Judentum agierte, sich nicht verscherzen.

[17:46] Im Herbst wurde dann der Protest gegen die ordensinterne Kompromisslösung in Erfurt immer heftiger. Martin entschied sich nach Halle zu reisen und Luther begleitete ihn. Beide haben sich auf den Weg gemacht, um dort beim Dompropst in Halle eine Unterstützung zu bekommen, um dann beim Magdeburger Erzbischof eine entsprechende Rückhalt zu bekommen, damit man in Rom selbst beim Papst gegen diesen Kompromiss appellieren könnte.

[18:20] Leider war diese Reise nach Halle kein Erfolg beschieden und die Frage war, was man jetzt weiter tun sollte. In dieser Zeit ist übrigens der Vater von Martin Luther, Hans Luther, der zuvor wirtschaftlich sehr gut aufgestellt war, wieder in leichte finanzielle Nöte gekommen. Er musste sich erneut verschulden. Schwierige Jahre brachen jetzt auch wieder für die Familie Luther in Mansfeld an.

[18:54] Ging es eigentlich Huldrych Zwingli, der ja immer noch Pastor in Glarus war. Die Quellen sagen uns, dass er sehr volksverbunden war, kannte so gut wie alle Familien in seinem Fachbereich sehr gut und hat auch für verschiedene Kinder die Patenschaften übernommen. Er war ein äußerst treuer Sohn der Kirche. Er hat sich dafür eingesetzt, dass eine besondere Reliquie nach Glarus kam, ein vermeintlicher Splitter des Kreuzes Jesu. Und für diesen Kreuzessplitter sollte sogar eine eigene Kapelle gebaut werden, die Kreuzkapelle in Glarus, die allerdings lange Zeit nur als die Zwingli-Kapelle bekannt war.

[19:54] Jemandem fiel dieser junge Pastor auf und das war Kardinal Matthäus Schiner, einer der einflussreichsten Kardinäle überhaupt, ein Schweizer, der mit einem Auge auch auf den Papstthron spielte, sehr begabt und jemand, der die Fäden in der europäischen Politik auch mitzog. Die Schweizer galten ja so etwas wie die Elitesoldaten und waren von den umliegenden Großmächten als Söldner sehr beliebt. Sowohl die Franzosen als auch die Truppen des Heiligen Römischen Reiches als auch die Papsttruppen, sie alle zählten immer wieder auf die Schweizer, die sich immer wieder als Söldner in verschiedenen Konflikten in Italien und anderswo zur Verfügung stellten.

[20:45] Und Schiner hatte die Idee, eine Kooperation, eine eine eine Jahresan ein Bündnis auch mit dem Papst zu verstärken, die Schweizer immer mehr mit dem Papst politisch zu verbinden. In der Schweiz gab es nämlich die verschiedensten Parteien. Einige hielten es mit den Franzosen, andere mit dem Papst und so weiter und so fort. Und Zwingli war ein großer persönlicher Anhänger des Papstes. Politisch stand er ganz auf der Seite des Kirchenstaates, wenn es um territoriale Politik oder diese andere Dinge ging.

[21:21] Und Schiner schaffte es, eine eine Verbindung herzustellen für den jungen Zwingli zum Papst. Und tatsächlich bekam der junge Pastor jetzt eine jährliche Rente und eine jährliche Zahlung von einigen Gulden, einigen Florentinern, um genau zu sein. Und mit diesem Geld, mit dieser päpstlichen Unterstützung, die gleichzeitig dann natürlich auch politische Unterstützung für den Papst innerhalb seines Bereiches verbunden war, konnte sich Schiner jetzt theologische Literatur kaufen. Er war ja hoch interessiert an den neuesten Entwicklungen in diesem Bereich und erwarb sich schon bald eine ganze Reihe von wichtigen wissenschaftlichen Büchern.

[22:20] Diese Verbindung mit dem Papst hat also dazu geführt, dass er sich jetzt wirklich intensiv weiterbilden konnte und sich in der Theologie ja dort weitergebildet hat. Er hat dann im Herbst 1510 auch sein erstes Gedicht veröffentlicht, ein Fabelgedicht vom Ochsen. Und man kann das hier auf der Folie den Ausschnitten am Anfang mal sehen. Wer das möchte, kann das mal stoppen beim Video und versuchen, dann zu lesen. Gar nicht so einfach, aber das war jetzt noch keine große theologische Meisterleistung, die jetzt gegen die mit diesem Fallgedicht hier angebracht hatte.

[23:03] Zwingli hat sich auch verdient gemacht um die Pädagogik, hat dort in Glarus eine Lateinschule gegründet, in der er auch unterrichtet hat. Und eine ganze Generation von jungen Eidgenossen ist dort von Huldrych Zwingli unterrichtet worden. Für ihn lief es also wirklich, er war befreundet mit einer mächtigen Kardinal, bekamen sogar finanzielle Unterstützung vom Papst, war beliebt im Volk. Wenn da nicht die Sünde gewesen wäre, eine Sünde, die so geheim war, dass er nach eigener späteren Aussage sagen konnte, dass so gut wie niemand es überhaupt mitbekommen hat.

[23:49] Aber Zwingli hat in Glarus des öfteren das Keuschheitsgelübde gebrochen und zwar nicht, indem er geheiratet hätte, sondern ganz versteckt durch und sucht. Er hatte sich zwar vorgenommen und das auch eingehalten, keine Jungfrauen zu verführen, keine Nonnen zu verführen, um noch keine verheirateten Frauen, aber trotzdem war das etwas, was ihn immer wieder, immer wieder persönlich angriff, eine Versuchung, mit der er nicht fertig wurde und ihn immer wieder auch diese Erfahrung machen ließ, von der David schreibt in den Psalmen, wo es heißt in Psalm 51: "Gott sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich rein von meiner Missetat und reinige mich von meiner Sünde, denn ich erkenne meine Missetat und meine Sünde ist immer vor mir. Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz und gib mir von neuem einen festen Geist in meinem Innern." Der junge Zwingli hat sehr diese Versuchung gekämpft, ist mal wieder hin und her geworfen worden und hat erlebt, was es bedeutet, immer wieder auch zu fallen.

[25:16] Luther ist dann beauftragt worden, ungefähr gegen Ende Herbst 15, wahrscheinlich im November, beauftragt worden in dieser Angelegenheit bezüglich der dieses Klosters, dieses Ordenskompromisses, tatsächlich nach Rom zu reisen. Man hatte in Erfurt sich überlegt, dass Luther, wortgewaltig wie er war und auch klug und schaffend denkend, ein guter Vertreter der Sache sein könnte. Und man gab ihm dann noch einen anderen, einen anderen Mönch als Reisebegleiter mit auf den Weg.

[25:59] Aber tatsächlich war es also eine politische Angelegenheit, die den Luther zu der größten Reise veranlasste, die er in seinem Leben getätigt hat. Gleich mehr zu dieser Reise, die der Luther natürlich nicht nur als einen politischen Schachzug verstand hat, sondern natürlich auch als eine Gelegenheit zur religiösen Wallfahrt, denn Rom war das Zentrum nicht nur der politischen Welt, es war das Zentrum der Christenheit.

[26:30] So verstand es jeder. Im November 1510 wurde Johannes Eck in Ingolstadt Theologieprofessor. Hatte vorher ja in Freiburg als Professor unterrichtet, aber sich dort mit den Kollegen total zerstritten. Er war ein äußerst kontrovers redender, wenn auch sehr intellektuell begabter Theologe und von ihm wird ja dann noch mehr zu hören sein. Er wurde jetzt auch Domherr in Eichstätt.

[27:05] Am 25. November 1510 nahmen die Portugiesen, die jetzt über die militärische Hoheit in Westindien verfügten, auch die bekannten Städte Chor und Pandara. Wurde dann zur Hauptstadt von Portugiesisch Indien und dann auch zum Zentrum der Mission und vor allem auch zum Zentrum der portugiesischen Inquisition von Goa.

[27:32] Was geschah sonst noch im Jahre 1510? Ohne Daten, allgemein zusammengefasst: In Erfurt ging die Auseinandersetzung um den Rat der Stadt unvermindert weiter. Es gab neue Aufstände und Luther hat übrigens in dieser Zeit in Erfurt zur Oberschicht gehalten, die sich Richtung Sachsen orientiert haben. Vielleicht hat es auch damit zu tun gehabt, dass er wird ja gerade auch erst in kursächsischen Diensten in Wittenberg unterwegs gewesen war.

[28:07] Die Unterschicht hatte allerdings treu zu Kurmainz gestanden, dass er offiziell auch die Verantwortung für die Stadt Erfurt trug. Ebenfalls in diesem Jahr hat Philipp Melanchthon, 13-jährig, seine ersten lateinischen Gedichte veröffentlicht und es zeigte sich, dass er natürlich ein äußerst brillanter junger Kopf war.

[28:38] Johannes Oecolampadius von...

[28:38] Junger Kopf war Johannes Oekolampad, von dem wir auch schon das eine oder andere gehört haben. 28-jährig wurde er zum Priester geweiht. Er hatte eine Zeit lang als Priester hier in der Pfalz auch gedient und jetzt wurde er zum Pfarrer an der Johanneskirche in Weinsberg. Seine Eltern hatten großen Anteil auch dran und haben das gefördert.

[29:02] Was war aus Ulrich von Hutten geworden? Sein abenteuerliches junges Studentenleben ging in eine weitere spektakuläre Episode. Er war ja mittellos und an der Syphilis mittlerweile erkrankt. In Greifswald angekommen, war er dort von Professor Lotze angenommen worden, der ihn unterstützt und ihn beherbergte. Aber jung und dynamisch und voller humanistischer Ideen, konnte er mit dem doch gesetzten, scholastischen Professor nicht viel anfangen. Sein exzentrischer Lebensstil, der von Hutten hat sein Übriges dazu getan und dann war er wohl auch äußerst arrogant. Obwohl er mittellos war, hat er immer seinem Gönner zum Ausdruck gebracht, dass er heute näher als adliger Reichsritter einen höheren Stand hat als jener. Schließlich hat sich Hutten auch noch schwer verschuldet bei Lotze und das Ganze ging dann nicht gut aus. Hutten hat angeboten, Greifswald zu verlassen, um anderswo Geld zu verdienen. Aber Lotze ahnte schon, dass das vielleicht nur ein Trick sei, um aus den Schulden wegzulaufen. So hatte ihm das nicht erlaubt.

[30:18] Hutten ist dann trotzdem geflohen und zwar mitten im Winter. Und dann hat Lotze und auch dessen Vater, der ein Kaufmann in Greifswald war, alle Register gezogen. Haben einen Amtsdiener hinterher geschickt, der dann kraft seiner Autorität dem jungen Hutten mitten im Winter alle Habe und alle Kleidung abnahm als Pfand für die ja noch ausstehenden Schulden. Dabei hat man bewusst in Kauf genommen, dass Hutten wegen der enormen Kälte erfrieren könnte. Und es ging tatsächlich nicht gut, aber er hat es lebendig dann noch bis nach Rostock geschafft, wo er von Humanisten freundlich aufgenommen worden ist.

[31:09] Die ihn dann beherbergt haben und dort in Rostock hatte diese ganze Geschichte dann literarisch verarbeitet. Hat den Lotze als einen scholastischen Tyrannen dargestellt, der sich gegen den Humanismus verschworen hatte und so weiter und so fort. Also, Ulrich von Hutten lebte ein wirklich spektakuläres Studentenleben.

[31:30] Kaspar war wieder studierte, begann sein Studium 1510 in Leipzig. Und Martin Bucer, der ja, wie wir an der Stelle gesehen hatten, gegen seinen Willen zum Dominikaner gemacht worden war, wurde zum Diakon geweiht. In jenem Jahr Michael Celsius wurde Bucer Laureatus in Leipzig, hat also den ersten Studienabschnitt beendet. Und Justus Jonas, der früh mit einem Studium begonnen hatte, wurde 17-jährig bereits im Mai Magister der freien Künste. Er war so richtig in einem humanistischen Kreis hineingeraten und besonders stark von Erasmus von Rotterdam begeistert. Er war so eine Art Vorbild der jungen humanistischen Studenten.

[32:26] Der Humanismus hatte mittlerweile auch in Erfurt sehr viel stärker Einfluss an der Universität und es gab mittlerweile echte Auseinandersetzungen, nicht mehr wie einige Jahre zuvor, als Luther noch in Erfurt studiert hatte, als der Humanismus sich sehr versöhnlich und und und zögerlich gegeben hatte und immer noch versucht, Brücken zu schlagen zur herrschenden scholastischen Methode, die wir jetzt immer mehr deutlich angegriffen. Die Humanisten verstanden, dass das klassische Denken so oberflächlich war und dass viele Prämissen einfach nicht wahr waren. Auch wenn danach viel intellektuelle Spielerei getrieben wurde aufgrund dieser Prämissen. Und so gab es immer mehr auch zum offenen Bruch zwischen den Scholastikern und den Humanisten in Erfurt, nicht nur, sondern überall.

[33:11] Ambrosius Blaurer, ebenfalls 18 Jahre alt, wurde im Schwarzwald Benediktiner. Die Benediktiner waren vielleicht der älteste Mönchsorden in Europa, haben ganz entscheidend zu der Christianisierung des Abendlandes auch beigetragen, oder zu aktualisieren vielleicht besser gesagt. Blaurer hatte sein Studium in Tübingen abgebrochen und war jetzt hier in das Kloster Alpirsbach im Schwarzwald gekommen. Als er dort dann gewesen ist, hat Abt Albert, der Prior, der Vorgesetzte dieses Klosters, sofort erkannt, dass dieser junge Blaurer nicht einfach nur Mönch bleiben sollte, sondern dass seine intellektuellen Fähigkeiten gefördert werden müssen. Und so wurde er postwendend wieder an die Universität geschickt, um dort zu studieren.

[34:04] Es ist also erstaunlich, wie viele der späteren Reformatoren zu diesem Spannungsfeld zwischen Kloster und Universität gestanden haben. Etwas, was wir durchaus damals recht üblich war.

[34:20] Peter Berthold Halle, 18 Jahre alt, ein junger Freund von Melanchthon, begann jetzt sein Studium in Köln. In der Familie vom jungen Jahren, was dem polnischen späteren Reformator gab es eine interessante Entwicklung. Sein Onkel, der ebenfalls Jahre hieß und der bereits engster Berater des Königs war, des polnischen Königs. Die Familie war ja polnischer Hochadel. Sein Onkel wurde jetzt zum Erzbischof von Gnesen, damit zum Primas, zum Oberhaupt der gesamten polnischen katholischen Kirche.

[34:59] Der kleine Johannes Mathesius, sechs Jahre alt, begann die Lateinschule zu besuchen in seinem Heimatort Rochlitz, wo sein Vater Ratsherr war. Er hatte ihm die ersten Grundlagen beigebracht. Seine Mutter war früh gestorben und seine Großmutter hatte sich um ihn gekümmert.

[35:18] Thomas Wittenbach, der ehemalige Lehrer von Zwingli, der ihm diese ersten Ideen vom wahren Evangelium vermittelt hatte, hat weiter studiert in Biel, trotz seiner Pfarrstelle, von der wir schon berichtet haben. Und er erhielt jetzt im Jahr 1510 einen theologischen Grad. Er wurde Pater Laureatus in der Theologie.

[35:41] Leonid, ebenfalls ein Freund von Zwingli, wie aus der Zeit in Basel, nahm neben seiner Stelle als Diakon in Basel jetzt auch sein Studium wieder auf. Und Andreas Bodenstein aus Karlstadt, genannt Karlstadt, wurde zum Priester geweiht und zum Doktor der Theologie promoviert. Das, obwohl er sich in der Bibel so gut wie noch gar nicht auskannte. Das war damals gut möglich. Man musste ja im Wesentlichen nur die Sentenzen des Lombardus studiert haben und alle Kommentare darüber und natürlich viel Aristoteles. Er hatte jetzt den Vorsitz an der theologischen Fakultät in Wittenberg und war, wie gesagt, auch Priester geworden.

[36:35] Ambrosius, 16 Jahre alt, begann sein Studium in Krakau, aus einer gutbürgerlichen Familie in Breslau. Sein Vater war Schumacher und auch bei ihm ist das Talent sehr früh entdeckt worden. Noch bevor er 16-jährig sein Studium begonnen hatte, hatte er nicht nur die Schule absolviert, die weiterführende Schule, sondern sogar schon als Lehrer in Breslau gewirkt.

[36:59] Oswald Geissler, begann sein Studium ebenfalls in Basel, 1510. Er war aus Luzern gebürtig und war, da sein Vater Müller war, nannte er sich jetzt humanistisch gesinnte Molitoris, was so viel wie Müller heißt.

[37:19] Michael Weiß, der aus Neisse stammte und in Krakau studiert hatte, trat 1510 in Breslau in ein Franziskanerkloster ein.

[37:36] Und Jan Bresan, der ein deutscher, später Reformator war, wurde 22-jährig ungefähr in diesem Jahr, genau ist es nicht mehr festzustellen, Franziskaner.

[37:48] 1500 wurde auch ein später Reformator noch geboren, nämlich Michael Lauer, der auch Mikael Olofsson genannt wird oder wurde, in Crosby, das damals zu Schweden gehörte, aber heute in Südfinnland liegt.

[38:08] Eine weitere Nachricht aus jener Zeit mit großer Bedeutung war die Tatsache, dass 1510 Jakob Fugger, der alleinige Geschäftsinhaber des bekannten und wichtigen Bankenhauses Fugger, wurde, die immer mehr die Fäden der europäischen Macht und Politik in den Händen hielten. Und auch die Fugger werden noch ihre entscheidende Rolle in der Reformationsgeschichte zu spielen haben.

[38:38] Ganz interessant ist auch die Tatsache, dass 1510 aus Amerika die ersten Sonnenblumen Europa erreichten.

[38:51] Zum Schluss noch einmal zu Martin Luther und dem, was er in den letzten Wochen des Jahres 1510 erlebte. Er hatte sich ja auf den Weg nach Rom gemacht. Was muss eine große Freude, eine große Ehre gewesen sein, auch wenn das Anliegen eher nüchterner politischer Natur war. Mit seinem, wie gesagt, bekannten Reisekollegen hat er sich auf den Weg gemacht. Der genaue Weg ist nicht in allen Details überliefert, aber doch genügend Stationen sind uns bekannt, dass wir es einigermaßen rekonstruieren können. Er ist über Nürnberg gereist und dann auch in Ulm gewesen, hat dort auch das Münster gesehen.

[39:36] Ihm ist dann auch der schwäbische Dialekt sehr aufgefallen, der natürlich viel anders war als der gewohnte sächsische, den er kannte. Er ist dann wohl wahrscheinlich auch über Memmingen gereist, was damals eine Reichsstadt war und dann in die Alpen hinein, durch das Rheintal gen Süden, wohl über den Septimer. Und dann ist ihm aufgefallen in der Schweiz, dass dort die Landwirtschaft längst nicht so betrieben werden kann, wie in Deutschland. Er hat also sehr aufmerksam diese Reise dazu benutzt, sich weiterzubilden, wobei er sich weniger für die Kunst, sondern vor allem für das praktische Leben interessierte.

[40:25] Ging dann auch nach Chiavenna, vorbei am Comer See, und dann ging es nach Italien, in die Lombardei, in die Poebene. In Mailand hätte er gerne auch eine Messe gelesen als Priester. Das war aber nicht möglich, denn in Mailand galt ja schon seit Jahrhunderten der ambrosianische Ritus, der in seiner Liturgie anders war als der gewöhnliche, wie in der katholischen Kirche verwendet wurde.

[40:51] Und dort in der Sonne in Italien sind wir natürlich auch Früchte aufgefallen, war, dass später auch berichtet, die aus Deutschland nicht kannte, zum Beispiel die Zitronen. Und als er dort Zitronen auf einem Felsen sieht, dann assoziiert er Palmen und fromme Gleichnisse damit. Also, er war jemand, der beim Wandern und beim Reisen durchaus immer wieder auch nach geistlichen Lektionen gesucht hat, in dem, was er beobachtet und sah.

[41:25] Er ist dann auch in einem Benediktinerkloster in der Lombardei hier untergekommen, wo er ja dann genächtigt hat. Er ist erstaunt gewesen, wie gut die italienischen Mönche dort in diesem Klöstern in Italien sahen. Es sah anders aus als in den deutschen Klöstern. Es gab dort einen immensen Reichtum und einen Luxus, den er überhaupt gar nicht aus Deutschland kannte. Und als es dann nicht nur jeden Tag viel zu essen gab, sondern am Freitag sogar Fleisch auf dem Tisch zu sehen war, da hat es ihm völlig... er war entsetzt und hat gesagt: "Das tut man nicht! Die Kirche verbietet, dass man am Freitag Fleisch isst!" Und hat da versucht, dagegen zu wettern. Man hat ihm dann liebevoll bedeutet, dass er sich ein anderes Kloster suchen kann.

[42:20] Und so ging dann diese Begegnung etwas unglücklich aus. An einer Stelle hat er sich auch eine Krankheit eingefangen, als er dort in der Lombardei bei offenem Fenster schlief und sich wohl erkältet hat, schweres Fieber bekommen hat. Und dann berichtet davon, wie mit Granatäpfeln man dieser Krankheit man wieder her geworden ist.

[42:48] Insgesamt war allerdings das Wetter in Italien längst nicht schön und sonnig, sondern es war trübes, winterliches Wetter, das dort geherrscht hat und das die Reise auch nicht einfacher gemacht hat.

[43:03] In Florenz hat ihn die humanistische Kunst wenig tangiert. Er hat sich mehr interessiert für die Krankenhäuser und die Findelhäuser, die dort auch sehr gut organisiert zu finden waren. Das hat ihn beeindruckt. Und dann über weitere italienische Städte ging es dann immer weiter Richtung Süden, bis dann, und hier sieht man noch mal auf der Karte die ungefähre Reiseroute, die etliche Wochen in Anspruch genommen hat, zu Fuß.

[43:32] Dann näherte er sich endlich, wie man damals sagte, der Ewigen Stadt. Er näherte sich Rom. Oder müssen ihm ganz besondere Gefühle überkommen haben, als er jedenfalls Rom zu Gesicht bekam. Fiel er auf sein Angesicht und das sind die Worte, die er ausrief: "Sei gegrüßt, du heiliges Rom, wahrhaft heilig von den Heiligen, Märtyrer, deren Blut es trifft!" Er hatte große Erwartungen an seinen Besuch im Zentrum der Christenheit. Ein bisschen war er irritiert gewesen über das, was er auf dem Weg, vor allem in Italien, im ganzen Leben gesehen hatte. Aber jetzt wollte er die größten Segnungen, die überhaupt nur zu finden gab in der Christenheit, für sich in Anspruch nehmen.

[44:35] Er wollte erleben und entdecken. Was er dabei erlebt hat, das sehen wir in der nächsten Folge. Dann heißt es: Eindrücke aus Rom, wenn es ja 1511 betrachten. Bis dahin wünschen wir Ihnen von ganzem Herzen Gottes Segen und freuen uns, wenn Sie nächste nächstes Mal wieder einschalten, wenn es hier heißt: Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation.


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