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Sola Veritas – Die Wahre Chronik der Reformation

500 Jahre ist die Reformation alt: wird sie fortgeführt oder begraben? Wie verhalten sich Luthers Erben und was wird aus seinen (Wieder)entdeckungen? All das sind wichtige Fragen. Doch beantworten kann sie nur, wer das Reformationsgeschehen selbst gründlich kennt. „Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation“ bietet weitaus mehr als die üblichen bekannten Zusammenfassungen und Anekdoten. Ausgehend vom Jahre 1482 wird alles chronologisch erzählt, was weltgeschichlich und biographisch (sowohl bezüglich Luther als auch vieler anderer, zum Teil sehr unbekannter Reformatoren) wichtig war. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Spätmittelalters, erleben sie das zaghafte Aufblühen von Wissenschaft und Kultur, verfolgen sie die Debatten um philosophische und theologische Streitfragen und entdecken sie Schritt für Schritt mit Luther und seinen Mitkämpfern befreiende biblische Wahrheiten. So wird Kirchengeschichte lebensnah und endlich gut verständlich…. Neue Folgen wöchentlich, bzw. wenn es die Zeit erlaubt. Ein Programm von www.joelmediatv.de

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Folge von „Sola Veritas“ tauchen wir in das Jahr 1512 ein, ein entscheidendes Jahr für Martin Luther. Wir beleuchten Luthers intensive Beschäftigung mit der Mystik und seine Suche nach einer tieferen Verbindung zu Gott, die ihn an seine Grenzen bringt. Gleichzeitig werfen wir einen Blick auf die politischen und kirchlichen Umwälzungen dieser Zeit, von den italienischen Kriegen über die Einberufung des Laterankonzils bis hin zu Machtwechseln im Osmanischen Reich. Ein zentraler Punkt ist Luthers Entscheidung, sich zum Doktor der Theologie promovieren zu lassen, ein Schritt, der seine weitere Laufbahn maßgeblich prägen wird.


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Serie: Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation

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Transkript

[0:37] Herzlich willkommen zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation. Schön, dass Sie wieder eingeschaltet haben hier auf www.joelmedia.de. Eine weitere Folge steht an. Wir wollen ein weiteres Jahr im Leben von Martin Luther und in der Erfahrung all der verschiedenen Reformatoren betrachten. Und bevor wir damit beginnen, möchte ich Sie herzlich einladen zu einem Anfangsgebet. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen für die Gelegenheit, zurückzuschauen in die Geschichte und für das Vorrecht, daraus lernen zu können. Bitte hilf uns, die wichtigen Lektionen für uns persönlich in unserer Zeit zu erkennen, und dass wir sehen können, wie du Geschichte lenkst und leitest und wie du Menschen führst zur Erkenntnis deines Charakters und seines Evangeliums. So schenke uns auch heute eine echte Reformation in unserem persönlichen Denken. Im Namen Jesu. Amen.

[1:46] Teil 16: 1512 – Doktor der Theologie. Es geht um das Jahr 1512. Martin Luther war jetzt in Wittenberg und er befand sich in einer äußerst offenen Situation. Geistlich gesehen hatte er wirklich alles versucht, um als Mönch im klösterlichen Frömmigkeitsempfinden heilig zu werden. Er war aber im Grunde genommen gescheitert. Sein Besuch in Rom hatte ihm gezeigt, wie seltsam eigentlich das römische Denken ist und wie wenig man sich auf die eigenen Werke verlassen kann. Er war äußerst krank, immer wieder schwach. Die vielen Kasten der vergangenen Jahre, vor allem der frühen Jahre, hatten ihren Tribut gefordert. Und Luther suchte, er hat in der Bibel entdeckt, dass es mehr geben muss als nur den trockenen, akademischen Vernunftglauben der Scola, sogar der, der zudem so sehr mit nicht-theologischer Philosophie durchsetzt wird. Das Einzige, was ihm aber als Alternative anbot im spätmittelalterlichen theologischen Fundus, das war die Mystik, die eben nicht nur den Verstand kam, sondern über die Erfahrung.

[3:08] Und Luther hat jetzt zu dieser Zeit, Ende 1511, Anfang 1512, sich vermehrt für die Mystik interessiert, um dort irgendwie diese Erfahrungen mit Gott zu finden, die er im Klosterleben alleine vergeblich gesucht hatte. Da war er jetzt etwa 28, 29 und wie wir schon in der letzten Folge gesehen hatten, hatte er sich mit der Mystik beschäftigt, zum Beispiel mit der Heiligen Gertrud von Helfta und ein Mystiker, den er besonders viel jetzt studierte, war Bonaventura. Bonaventura war einer der bedeutendsten Theologen des 13. Jahrhunderts gewesen, er galt dann später auch als der Fürst unter allen Mystikern. Und Luther hat in Schriften und Inschriften von Bonaventura besonders eifrig gelesen. Das lag auch deswegen oder daran, dass Staupitz, mit dem er eigentlich jetzt viel Zeit in Wittenberg verbringen konnte, im Winter – das heißt, in den ersten Wochen 1512 – sich nicht in Wittenberg aufgehalten hatte, sondern in Salzburg und Nürnberg. Und Luther jetzt ohne Mentor sich ganz besonders dieser Mystik hingegeben hat, unter fast verrückt geworden ist an den Schriften des Bonaventura. Denn Luther suchte nach dieser mystischen Vereinigung mit Gott.

[4:39] Hat auch Schriften gelesen, zum Beispiel von Jean Gerson. Der war einer der großen Theologen auch beim Konstanzer Konzil gewesen, mitverantwortlich auch dafür, dass Jan Hus verbrannt worden ist. Er war ein besonders einflussreiches Theologe seiner Zeit gewesen und 400 Jahre vor Luther und hatte sich ebenfalls mit der Mystik beschäftigt, hat mystische Werke verfasst. Sein Ziel als Akademiker war es gewesen, die Mystik und die akademische Scola Stick irgendwie zu vereinen. Gerson glaubt zum Beispiel, dass man im Gebet eine tatsächliche mystische Vereinigung von Gott und Mensch erreichen könnte. Und natürlich hat Luther sich auch mit den Schriften des vermeintlichen Dionysius Areopagita beschäftigt. Man glaubte damals im Mittelalter, dass bestimmte Schriften, die man in den Manuskripten überliefert hatte, von dem ersten bekehrten Christen aus Athen stammen würden. Wir lesen ja in der Apostelgeschichte 17, dass nach dem Paulus in Athen gepredigt hat, ein Mann namens Dionysius unter den ersten bekehrten gewesen sei. Das heißt, dass einige Männer beschlossen sich, jemand und wurden gläubig, unter ihnen auch Dionysius, sie ein Mitglied des Areopag und eine Frau namens Damaris und andere mit ihnen.

[6:12] Im Mittelalter hatte man dann diese Schriften zur Hand, die vorgaben von diesen Dionysius zu stammen. In Wirklichkeit handelte es sich um eine Fälschung. Ein namentlich nicht bekannter Autor des sechsten Jahrhunderts, also des Frühmittelalters, hatte mystische Ideen verbreitet und sich hinter diesem Namen Dionysius vom Areopag verborgen. Heute spricht man deswegen auch von dem Pseudo-Dionysius Areopagita. Aber diese und das unter falscher Flagge veröffentlichten Schriften waren sozusagen der Klassiker der christlichen Mystik und das Fundament, auf dem spätere Mystiker immer wieder aufgebaut haben. Als Luther sich mit der Mystik beschäftigt hat, hat er sich auch mit diesem seltsamen mystischen Werken beschäftigt. Und Luther hat in dieser Zeit wirklich versucht, zu Gott aufzusteigen. Das war das große Ziel der Mystik. Er hat sogar, so schreibt es später, einige wenige doch merkwürdige Erfahrungen gemacht, in denen er tatsächlich glaubt, in dem Moment, dass er in den Himmel entrückt worden sei, mit Hilfe von Meditation und verschiedenen Übungen. Später hat er es allerdings sehr scharf verworfen und war davon überzeugt, dass wir hier eigentlich einer dämonischen, einer satanischen Sache aufgesessen waren und hat dann scharf abgeraten, sich mit solchen Dingen zu beschäftigen.

[7:46] Er war also wirklich auf der Suche und recht verzweifelt. Er wollte jetzt wissen, wie er mit Gott im Reinen sein kann, aber auch diese Erfahrungen der Mystik zeigten ihm, dass er am Ende doch immer wieder leer zurückblieb und es nicht dieses Ergebnis hatte, was er sich eigentlich erhofft hatte. Ziemlich zu Beginn des Jahres begannen die Spanier in Kuba dann auch mit ganz rigorosen Maßnahmen die Eroberung dieser Insel. Am zweiten Februar wurde der Häuptling der Taíno durch Verbrennung auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Er ist dann wohl auch noch vorher gefragt worden, ob er in den Himmel kommen möchte. Man könnte ihn deswegen noch kurz vorher zwangskonvertieren und zwangstaufen. Der Säugling hat dann kurz gefragt, ob im Himmel auch Christen sind, was natürlich dann die Missionare, die anwesend waren, die Franziskaner zum Beispiel, bejaht haben. Daraufhin hat dann der Häuptling gesagt, dann wolle er unter keinen Umständen in den Himmel, wenn dort Menschen sind, die so grausam sind wie die Christen. Also diese vermeintliche Missionierung der neuen Welt war von Anfang an auf einem völlig falschen Gleis unterwegs und hat dem Namen Gottes und seinem Charakter, dem Wissen um seinen Charakter, mehr geschadet als genutzt.

[9:11] Ebenfalls Anfang des Jahres gab es wieder kriegerische Handlungen in Europa. Im Jahr zuvor hatten sich fast alle großen europäischen Mächte nun gegen Frankreich verbündet, ähnlich wie die Liga von Cambrai drei einige Jahre zuvor sich gegen Venedig gerichtet hat. War diese jetzige Heilige Liga gegen Frankreich gerichtet. Der Kirchenstaat, das Heilige Römische Reich, England, Spanien und Venedig selbst waren unter anderem Teil dieses Bundes und Frankreich sah sich umzingelt von mächtigen Staaten und ging in die Initiative und fiel in Nordostitalien ein. Es ging tatsächlich um die Vormachtstellung, die Hegemonie in Europa. Als dann die Franzosen die italienische Stadt Brescia im heftigen Regen erstürmten und die Landsknechte – das waren so deutsche Söldner in französischen Diensten – ein regelrechtes Massaker an Zivilisten anrichteten, haben andere italienische Städte versucht, sich mit den Franzosen zu arrangieren. Bergamo zum Beispiel zahlt 60.000 Dukaten an die französische Armee, um ein solches Schicksal zu vermeiden. Es war also eine wirkliche Katastrophe dort in Norditalien dieser Zeit. Die sogenannten italienischen Kriege wogten hin und her mit wechselnden Koalitionen. Gerade dort, wo viele dieser kleinen italienischen Staaten waren, konnten die großen Mächte ihre Allianzen entsprechend positionieren.

[10:47] Die Franzosen sind dann weiter marschiert Richtung Kirchenstaat, haben gemeinsam mit dem Herzogtum Ferrara dann Ravenna angegriffen, umzingelt und belagert. Ravenna wurde von päpstlichen Truppen noch gehalten und der Papst hat dann eine Armee aus dem Süden Italiens, aus dem Königreich Neapel, das ja von Spanien abhängig war, angefordert. Das war Ende März. Am 5. April ist dann Christoph Scheuen, daher etliche Jahre in Wittenberg dort an einer Universität gewirkt hatte und sich sehr verdient gemacht hat um deren Fortentwicklung, vereidigt in Nürnberg als Konsulent und jetzt hat eine wichtige Position dort im Nürnberger Rat. Sechs Tage später, am 11. April, kam es dann zur großen Entscheidungsschlacht in diesem Feldzug, die Schlacht von Ravenna. Es kam hier zu dem ersten historisch fassbaren, medizinisch bedeutsamen Artilleriegefecht zwischen dem Franzosen und der Armee Neapels, die auch für den Papst hier aktiv war. Es kam zu einem Sieg der Franzosen, die allerdings ihren Kommandeur verloren. Und ja, diese Schlacht stellte einen echten Wendepunkt dar.

[12:15] 19. April hat dann Papst Julius der Zweite einen ganz besonderen Schritt getan. Er berief ein Konzil ein. Im Jahr zuvor hatte der französische König ohne Zustimmung der Italiener, der römischen Kurie und des Papstes, sondern hat ein Gegenkonzil einberufen, das allerdings von der Kirche nie anerkannt worden ist. Und um dem jetzt entgegenzuwirken und selbst sich der Reform der Kirche zu stellen, hat der Papst dieses Konzil einberufen. Es war zu deutlich, dass die Missstände ausuferten und so war es der Versuch der Kirche, selbst sich jetzt irgendwie zu reformieren.

[13:01] Eingeladen wurde zum Lateran, dort sollte dann auch das Konzil stattfinden. Am 24. April, also fünf Tage später, kam es zum Machtwechsel im Osmanischen Reich. Sultan Bayezid der Zweite wurde von seinem Sohn Selim einfach abgesetzt. Der Grund ist relativ unbekannt. Der alte, abgesetzte Sultan ist dann auch kurze Zeit später auf einer Reise unter bis heute ungeklärten Umständen umgekommen. Wie es damals im Osmanischen Reich Sitte war, hat dann Selim sämtliche Brüder und Neffen töten lassen, damit gar niemand erst auf die Idee käme, ihm den Posten als Sultan streitig zu machen. Eine ziemlich brutale Praxis. Und so hat er die Konsequenzen daraus gezogen und sich entschieden, mit keiner Frau mehr umzugehen. Hatte bisher nur einen Sohn, Süleyman, und der dem sollte es erspart bleiben, wenn er dann Sultan werden würde, alles eine Bruder umbringen zu müssen. Ganze interessante Geschichte hier im Zuge dieses Machtwechsels im Osmanischen Reich.

[14:17] Am 10. Mai wurde dann das Laterankonzil feierlich eröffnet. Das war das fünfte Konzil dort in der Machtzentrale des römischen Papstes im Lateran, wo auch die Lateranbasilika steht, die höchste Papstkirche der Welt. 15 Kardinäle und 79 Bischöfe nahmen zunächst einmal teil. Den größten Teil stammten sie alle aus Italien. Es gab verschiedene Agendapunkte, aber ganz besonders wichtig erschien eine Strukturreform, auch eine moralische Reform, besonders der Kirche.

[15:03] Irgendwann im Jahre 1512, vermutlich eher gegen Anfang oder in der ersten Jahreshälfte, kam es im Klosterhof in Wittenberg und an einem Birnbaum zu einem wirklich entscheidenden Moment der Reformationsgeschichte. Luther, der, wie gesagt, gerade sich mit der Mystik beschäftigte und in verschiedene Richtungen offen war und wirklich jetzt nach einer Identität suchte, hatte wieder einmal ein Gespräch mit seinem großen Mentor, Johann von Staupitz, der mittlerweile wieder in Wittenberg weilte. Und Staupitz fragte ihn dort unter diesem Birnbaum, ob Luther bereit wäre, sich zum Doktor der Theologie promovieren zu lassen. Staupitz verfolgte dahinter damit ein bestimmtes Ziel. Er wollte sich anderen Aufgaben widmen. Er sah, dass er keine Zeit mehr hatte als Bibelprofessor dort an der Universität in Wittenberg und er wünschte sich, dass der begabte und vor allem in der Bibel so feste Luther seine Nachfolge antreten würde. Dazu bräuchte er allerdings einen Doktortitel. Akademisch war Luther bestens unterwegs, es gab keinen Zweifel an seiner Eignung. Und so hat Staupitz jetzt ihn gefragt, ob er das nicht in Erwägung ziehen würde.

[16:26] Luther hat sich heftig gewehrt. Er hat überhaupt keine Notwendigkeit darin gesehen, solch einen Titel anzustreben. Er wollte einfach Mensch bleiben und sich für die Bibel interessieren. Und Staupitz hat allerdings nicht locker gelassen, hat immer wieder nachgehakt. Und als dann Luther ein Gewand hat, das aufgrund seiner schlechten Gesundheit, seiner – sind oftmals vorkommenden Anfälle – zu befürchten sei, dass er dem Betrieb der Universität nicht gewachsen sei, den Aufgaben, die ein Professor so hat, und dass er dann vielleicht früh sterben könnte, da Staupitz dann geantwortet: Na ja, und wenn du früh stirbst, dann kann auch noch der Herr Gott im Himmel einen guten Ratgeber wie dich gebrauchen. Und Staupitz hat ihn letztendlich überredet. Das war vor allem deswegen auch eine große Weichenstellung, weil Luther damit jetzt buchstäblich von der Mystik weggezogen worden ist. Er hat jetzt doch eine Karriere in der akademischen Welt eingeschlagen. Er hat sich doch für die wissenschaftliche Betrachtung der Bibel entschieden und als Bibelprofessor dann sich allein auf die Bibel konzentriert. Er hat später auch diesen Eindruck gehabt, dass es Staupitz' Verdienst war, ihn von der Mystik wegzuziehen, die ihm ja doch nichts gebracht hatte.

[17:47] Luther war wieder einmal an einer Wegmarke angekommen und sein Entschluss, dann doch auf Staupitz zu hören und sich promovieren zu lassen als Doktor der Theologie, sollte eine entscheidende Weichenstellung darstellen für den weiteren Vorgang der Reformation. Er war so ein Liebhaber der Bibel, dies kaum einen anderen gab. Niemand wäre besser geeignet gewesen als Nachfolger von Staupitz auf diese Bibelprofessur. Für Luther galt wirklich, was auch Jeremia schon ausdrückte in ihrem Jahr, 15 Vers 16: „Als ich deine Worte fand, da verschlang ich sie. Seine Worte sind mir zur Freude und Wonne meines Herzens geworden, denn ich bin dir nach deinem Namen genannt, o Herr, Gott, der Herr.“ Schon wenn Luther die vergangenen Jahre Revue passieren ließ, dann wusste er, was ihm wirklich geistliche Freude bereitet hatte. Waren nicht die Bußübungen, nicht die Beichten im Kloster, nicht die Kasteiungen, nicht die Pilgerfahrten, auch nicht das Lesen mystischer Literatur und das Hineinversetzen in mystische, meditative Gedanken. Nein, das, was ihm dauerhaft, ständig Freude bereitete, war das Lesen und Studium der Bibel. Dieses Buch, das man damals für fast schon nebensächlich erachtet hatte. Aber genau hier fand Luther die Quelle echter geistlicher Stärkung und es sollte für ihn eine echte Lebensveränderung bringen, sich jetzt auch beruflich fast nur noch mit der Bibel zu beschäftigen.

[19:26] Die ganze Sache musste dann natürlich auch noch bestätigt werden. Im Mai gab es eine Zusammenkunft von verschiedenen reformierten Augustiner-Eremiten-Klöstern der Reformationsbewegung. Man traf sich in Köln. Dort wurde jetzt auch formal der ganze Streit um die Ordenspolitik der vergangenen Monate und Jahre beendet. Staupitz hat die Pläne einfach fallengelassen, die er hatte, als er gehofft hatte, dass ihm durch seine Personalunion die nicht-reformierten und die reformierten in Sachsen sich vielleicht verbinden lassen würden. Aber er hat dann aufgegeben, um das Anliegen der Reformklöster nicht zu gefährden. Und Nürnberg, das Kloster Nürnberg war sehr dankbar dafür, hat dann auch Staupitz finanziell geholfen. Aber in Erfurt war man ihm immer noch gramm. Das Verhältnis zu Erfurt blieb belastet.

[20:27] Dort in Köln ist Luther auch selbst dabei gewesen bei dieser Zusammenkunft der verschiedenen Klöster. Erinnert sich später, dass er den Kölner Dom gesehen hat und noch einige andere Dinge juristischer Natur. Dort wurde auch der Beschluss gefasst, dass Luther promovieren sollte und sein Freund Wenzeslaus Link wurde als Prior, das heißt als Vorsteher des Wittenberger Klosters, bestätigt. Luther sollte, nachdem er promoviert worden ist, sein Stellvertreter, der Subprior, werden und dann als Studienleiter im Wittenberger Kloster auch das Studium dort leisten. Also etwa noch keine 30 Jahre alt, ganz und war jetzt bereits ziemlich aufgestiegen in dem Augustiner-Eremiten-Kloster. Wie gesagt, wenn es noch Link war als Prior dort tätig und mit ihm fällt wird er ja gut befreundet.

[21:27] Noch ein Anliegen hatte Staupitz dieser Zeit, das den Luther ebenfalls schwer zu schaffen machte. Staupitz bat Luther jetzt auch mit dem Predigen zu beginnen. Das wollte dem Luther ebenfalls gar nicht gefallen. Er hat demütig gesagt, er wisse gar nicht, was er besser wissen sollte als die anderen Mönche und niemand, er sehe sich keinesfalls in der Lage, seine Mitmönche belehren zu können. Aber auch hier hat Staupitz nicht locker gelassen. Er muss das enorme Talent von Martin Luther erkannt haben, dieses Potenzial gesehen haben und hofft, dies zu entfalten zu können. Und Luther hat dann tatsächlich im Jahre 1512 begonnen mit Predigten im Kloster und damit letztlich einen Bibeltext auch erfüllt, zum Beispiel den Herrn Römer 10 Vers 14: „Wie sollen sie aber anrufen, an denen sie nicht geglaubt haben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne einen Verkündiger?“ Echtes, gewinnbringendes, reformierendes Bibelstudium wird auf Dauer nur möglich sein, wenn man auch weitergibt, was man gehört hat, was man gelesen hat, was man studiert hat in der Bibel. Und für die weitere Entwicklung von Luther war das sicherlich ein bedeutsamer Schritt, nicht nur zu lesen und versuchen zu verstehen, sondern auch anderen zu erklären und weiterzugeben. Die hatte Luther besonders große Begabung und die werden ihm dann später auch sehr geholfen haben im weiteren Studium der Bibel.

[23:06] Gepredigt hat Luther vor allem erst einmal im Refektorium, das heißt im Speisesaal des Klosters, also relativ bescheiden, während die anderen Mönche, erst, das war ja in der Regel sind das man schweigend das Essen zu sich genommen hat, während eine Predigt gehalten worden ist. Während also seine Mitmenschen hat er ab und zu eine Predigt während des Essens gehalten.

[23:34] Um diese Zeit herum ist auch Georg Burckhardt, Staupitz, 29 Jahre alt, zu dem Zeitpunkt in Wittenberg zum Leiter der fürstlichen Bibliothek ernannt worden. Kurfürst Friedrich der Dritte hielt große Stücke auf diesen jungen, begabten Gelehrten und Staupitz begann sofort mit einem systematischen Ausbau dieser Bibliothek und wollte damit natürlich auch seinen Beitrag leisten, um Wittenberg zu einem echten ja, Standpunkt, Standort der humanistischen Wissenschaft zu machen.

[24:12] Ebenfalls im Jahre 1512 hatte wohl im Sommer Kaiser Maximilian auf einem Reichstag eine weitreichende Entscheidung gefällt. Drei weitere Reichs-Kreise wurden geschaffen. Somit war es dann insgesamt zehn. Es kamen neu hinzu: Burgund, Österreich und Chur. Außerdem wurde Sachsen in Obersachsen und Niedersachsen geteilt. So sieht man das auf der Karte. Das gesamte Heilige Römische Reich deutscher Nation war jetzt diese zehn Kreise geteilt. Nur die Schweiz, Norditalien und die böhmische Krone blieben davon unberührt. Das Ganze hat natürlich das Ziel, dieses sehr zersplitterte, mit vielen Fürstentümern und geistlichen Territorien durchsetzte Heilige Römische Reich etwas systematischer regieren zu können, etwas einheitlicher zu verwalten.

[25:13] Im Zuge seines Aufenthaltes in Trier hat dann Maximilian, der Kaiser, auch den sogenannten Heiligen Rock zu Gesicht bekommen. Als das bekannt wurde, hat die Öffentlichkeit so sehr danach verlangt, dass dann auch der Öffentlichkeit diese besonders vermeintlich heilige Reliquie gezeigt worden ist. Ein Kleid, das angeblich Jesus selbst getragen haben soll, das bis heute zum Teil als Reliquie ausgestellt wird.

[25:42] Im Juli machten sich dann die Spanier daran, dieses kleine Königreich in Navarra, das ist ja zwischen Spanien und Frankreich im Nordwesten der Pyrenäen, bestand seit einiger Zeit, zu erobern und es sich dem gesamtspanischen Staat einzuverleiben.

[26:02] Zehnten August kam es dann zu einer großen Seeschlacht im Zuge dieser ganzen Bündnisse gegen Frankreich. Die Engländer kämpfen hier, der Seeschlacht von Mathieu gegen die Franzosen. Es gab ein Unentschieden.

[26:18] Die Franzosen. Es gab ein Unentschieden. Die beiden großen Flaggschiffe gingen im gemeinsamen Kampf unter ungeklärten Umständen in Brand auf und fast vollständig unter.

[26:32] Im August war dann klar, dass die Franzosen trotz ihres Sieges in Ravenna sich aus Nordostitalien zurückziehen mussten. Die verschiedensten politischen Gegebenheiten sorgten dafür. Und so konnten jetzt am 31. August die Medici, die ehemaligen Herrscher von Florenz, nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder in Florenz einziehen.

[26:57] Die zwischenzeitlich errichtete Republik Florenz wurde aufgelöst und die alte Herrschaft der Medici wiederhergestellt.

[27:07] Am 22. September finden wir dann einen der ersten Briefe Luthers, in dem er seine Ordensbrüder aus Erfurt einlädt, nach Wittenberg zu kommen, um dort an seiner Promotion, an seiner Doktorpromotion teilzunehmen.

[27:23] Er drückt in diesem Brief auch aus, wie unwürdig er sich eigentlich fühlte. Wir können hier lesen, dort schreibt er: "Heil in dem Herrn, ehrwürdige, hoch zu verehrende und geliebte Väter, siehe, es naht der Tag, an welchem ihr den Lehrstuhl in der Theologie es ehrlich übergeben werden wird. Ich lasse meine Selbstanklage anstehen und sage nichts von meiner Unzulänglichkeit, damit ich nicht auch durch meine Demut Stolz oder Lob zu suchen scheine."

[27:50] Also, der Luther, der war so gewissenhaft, dass er sagte: "Ich werde nicht einmal darüber schreiben, wie unzulänglich ich bin, weil das könnte ja dann den Anschein erwecken, als wollte ich nur das Gegenteil hören." Und so hat er wirklich seine Demut zum Ausdruck gebracht und hoffte, dass seine Brüder aus Erfurt dann zum angegebenen Termin in Wittenberg erscheinen würden.

[28:13] Am 4. Oktober erhielt er dann die Lizenz zur Doktorpromotion. Das heißt, der Universitätskanzler hat es ihm erlaubt, diese Promotion durchzuführen oder haben zu dürfen.

[28:32] Zuvor musste seine Würdigkeit für diesen Doktortitel untersucht werden, mit einem Eid bekräftigt werden. Luther musste der römischen Kirche die Treue schwören und auch das war natürlich von Bedeutung.

[28:49] Tage später ist Luther gemeinsam mit Staupitz nach Leipzig gefahren. Dafür gab es folgenden Grund: Schon damals kostete eine Doktorpromotion einen ganzen Haufen Geld, wie Luther schon gar nicht. Und auch Staupitz hatten nicht die notwendigen Mittel zur Verfügung.

[29:06] Und Staupitz hat dann etwas Interessantes eingefädelt. Er hat mit dem Kurfürsten gesprochen, dass Friedrich der III., von dem er bekannt war, dass er wirklich ein großes Interesse an namhaften, an guten, an qualifizierten Lehrpersonen hatte.

[29:22] Und Staupitz hat dann den Kurfürsten beigebracht, dass Luther sein Nachfolger werden würde und dass Luther dann lebenslang in Wittenberg eine hervorragende Bibelprofessur versehen könnte und hat damit den Kurfürsten bewogen, die kompletten Promotionsgründe zu übernehmen. Das waren damit nicht wenig, das waren 50 Gulden. Und der Kurfürst hat eingewilligt.

[29:46] Er hatte also, das ist vielleicht auch eine interessante Randnotiz, durch auch sogar eine finanzielle, ein finanzielles Interesse an dem Wohlergehen Martin Luthers, schließlich hatte er sich dafür investiert in diese Doktorpromotion. Und in Leipzig hat dann Luther gemeinsam mit Staupitz das Geld, die 50 Gulden, in Anspruch oder entgegengenommen.

[30:13] Eine entsprechende Quittung ist uns heute sogar noch überliefert, die er dort in Leipzig ausgestellt hat.

[30:23] Am 18. Oktober war es dann soweit. Luthers Promotion war eine zweitägige Angelegenheit. Am 18. Oktober gab es zunächst mal eine Vorfeier. Drei Stunden lang gab es Disputationen. Verschiedene Studenten der verschiedenen Jahrgänge traten in Wettkämpfen gegeneinander, diskutierten dann über irgendwelche theologischen Haarspaltereien. Und Andreas Bodenstein Karlstadt, den gerade gesehen haben, der sollte als Dekan dann eine witzige Rede halten. Das hat er auch getan mit Bravour.

[31:04] Ganz interessante Bedingungen für seine Doktorpromotion. Am nächsten Tag ging es dann etwas feierlicher zu. In der Schlosskirche ist Luther vom Dekan, von Dr. Karlstadt, der selbst einige Jahre jünger war als Luther, zum Doktor der Theologie promoviert worden.

[31:20] Und Luther hat einen Eid schwören müssen, dass er fremde Lehrer, Irrlehren von der Kirche fern halten würde. Luther hat das nie vergessen. Er wusste, dass er vor Gott geschworen hatte, keine falschen Lehren in die Kirche zu bringen. Und das, was später für ihn immer wieder auch ein ganz entscheidender Punkt, an dem er selbst gerungen hat, weil er wusste, er hat hier Gott etwas versprochen.

[31:45] Luther hat dann die Zeichen des Doktors bekommen: eine geschlossene und eine offene Bibel sind ihm überreicht worden. Dann natürlich das Barett, an dem man dann den Doktor erkannt hat. Das Bild Luthers mit dem Barett ist er relativ bekannt auch geworden.

[32:02] Außerdem einen goldenen Doktorring, der ein symbolisches Zeichen der Dreieinigkeit trug.

[32:06] Luther musste dann als neu promovierter Doktor eine Rede halten und die Theologie preisen und loben. Und zu guter Letzt gab es dann das, was die akademische Welt am meisten liebte: noch eine Disputation, quasi sozusagen als finales Schmankerl.

[32:30] Diesmal traten zwei Größen gegeneinander an: Wenn es laut Link, der Freund von Luther, gegen den Stadtpfarrer Nikolaus Grüneberg. Und Luther selbst musste dann als Schiedsrichter fungieren und am Ende entscheiden, wer von den beiden besser diskutiert hatte.

[32:45] Und dann ging es auch schon zum Festmahl. Eine ganz gelungene Sache, die allerdings eine traurige Note enthielt. Aus Luthers eigentlichem Mutterkloster in Erfurt war nicht ein Einziger erschienen, obwohl er sie eingeladen hatte. Man war dort sehr verärgert, dass Luther nicht in Erfurt promoviert hat, sondern in Wittenberg. Und nun begann man von Erfurt aus gegen Luther zu intrigieren.

[33:17] Vor allem sein ehemaliger Theologielehrer, Johannes von Staupitz, hat ihm jetzt richtig zugesetzt und Lästerung und üble Nachrede gegen Luther begann jetzt vor allem aus Erfurt, aus seinem ehemaligen Kloster heraus gegen ihn einzusetzen.

[33:33] Luther ist dann am 21. Oktober auch in den theologischen Senat aufgenommen worden.

[33:39] Staupitz hat er dann seine Bibelprofessor abgegeben und Luther wurde sein Nachfolger. Seine Kollegen waren allesamt keine wissenschaftlichen Überflieger. Da war zum Beispiel Petrus Loos, der ist alt und uns nicht genau bekannt. Er war ein ganz klassischer Student.

[33:58] Sein Studium belief sich auf Thomas von Aquin und war von Aristoteles stark geprägt. Dann war Nikolaus von Amsdorf da, ungefähr so alt wie Luther, ein Neffe von Staupitz und einer, der sich zu Duns Scotus, zu Duns Scotus, also dann natürlich bereits öfter gesehen. Andreas Bodenstein Karlstadt, der ebenfalls Student war, aber sich auch für den Humanismus interessierte und der auch schon sich mit dem Griechischen und Hebräischen ein bisschen auskannte und dafür gerühmt wurde.

[34:34] In diesem Jahr hat Karlstadt übrigens auch begonnen, auch noch Jura zu studieren.

[34:41] Es gab also all die theologischen Professoren waren eher von begrenztem Format. Es gab gar keinen Dominus, wie Luther einer war. Und Dekan der Fakultät wurde ja jetzt, wie in Köln beschlossen, Wenzeslaus Link am 1. November.

[35:02] Am 1. November wurde ganz feierlich in der Sixtinischen Kapelle das berühmte Deckengemälde von Michelangelo enthüllt. Papst Julius II. war anwesend, als die Szenenfolge aus der Genesis, aus dem ersten Buch Mose, zutage trat. Besonders das Bild, das die vermeintliche Erschaffung von Adam zeigen soll, ist weltberühmt geworden.

[35:31] Könnte man viel dazu sagen, ist aber jetzt nicht unser Thema. Das also im November.

[35:37] Am 25. Dezember ist Stefan Reich in Karl in der Landgrafschaft Thüringen geboren worden. Auch er ein späterer Reformator.

[35:49] Die Portugiesen haben derweil ihr Weltreich ausgedehnt und Kontakt mit den Gewürzinseln im heutigen Ostindonesien aufgenommen. Auch die Insel Timor ist entdeckt worden. Auch Indien ist weiter durch die Portugiesen erobert worden.

[36:08] Der portugiesische Kaiser oder König Manuel I. hat dann auch befohlen, den Kongo, mit dem man ja freundschaftliche Beziehungen unterhielt, aufzubauen, dem Sinn eines Staates nach portugiesischem Vorbild.

[36:20] Die entsprechende portugiesische Unterstützung wurde bezahlt von Seiten des Kongo aus mit Sklaven und Rohstoffen.

[36:31] Manuel I. hat dann auch weiter versucht, sich für die zwangsgetauften Juden Portugals einzusetzen, aber deren Lage wurde jetzt auch in Portugal immer dramatischer.

[36:42] Was gibt es sonst zu berichten von den verschiedenen Reformatoren? Spätere Reformatoren. Melanchthon ist 15-jährig nach Thüringen gewechselt, an die Universität von Heidelberg, nach Tübingen. Und dort hat er sich vor allem mit den Humanisten beschäftigt, hat alte Sprachen studiert und sich auch ganz besonders für neue Lehrmethoden und Lernbetonung interessiert. Er war ein pädagogisches Genie, das sich dann später noch zeigen würde.

[37:07] Hat auch sich mit den verschiedenen Naturwissenschaften hier beschäftigt. In Heidelberg war ihm der Magistertitel nicht anerkannt worden, einfach nur, weil er zu jung war.

[37:16] Gabriel Zwilling, etwa 25 Jahre alt, schrieb sich als Mitglied der Augustinereremiten in Wittenberg an der Universität ein. Er kam aus Annaberg, hatte guten Kontakt zu Staupitz und war jetzt auch im Kloster, in dem Luther ebenfalls war.

[37:36] Link, wie wir schon erwähnt haben, ist Dekan der Wittenberger Universität geworden für die theologische Fakultät. Und Johann Lang, der Freund von Luther, ist jetzt in Wittenberg zum Magister geworden und hat die Lehrstelle für Philosophie eingenommen, die zuvor Luther 1508, 1509 innegehabt hatte.

[38:08] Er unterrichtete jetzt Moralphilosophie und hat sich auch angefangen für die Theologie zu interessieren und dort Studien abzuhalten.

[38:16] Bartholomäus Bernardi, ebenfalls 25, der zuvor Physik dort unterrichtet hatte in Wittenberg, begann ebenfalls er seine theologischen Studien und bekam im Jahre 1512 seinen ersten akademischen Grad, der weißbacher Laureus. Die Trikots auch erst Augustinereremit.

[38:33] So hier formierte sich langsam eine Gruppe von etwa Gleichaltrigen in Wittenberg im Augustinereremitenkloster, die alle dann zum engsten Bekanntenkreis von Luther zählen würden.

[38:48] Joachim von Watt, genannt Vadian, der sich eine Zeit lang in St. Gallen aufgehalten hatte, kehrte nach Wien zurück, wo er studiert hatte und wurde Lehrer, Professor für Poetik. War ein großer Humanist und hatte mit lateinischen Gedichten, wie er selbst verfasst hatte, Ansehen gewonnen.

[39:10] Johannes Bugenhagen war immer noch in Treptow, wo er als Autodidakt sich mit der Bibel beschäftigte und eine weit ausstrahlende Dienst dort versah und viele Leute an seiner Schule kam. Er ist dort in diesem Jahr mit dem Humanisten Johannes Mairus in Kontakt getreten und er hat ihn auf Erasmus von Rotterdam aufmerksam gemacht. Und Johannes Bugenhagen hat das dann mit Interesse gelesen.

[39:38] Ulrich von Hutten, dieser Reichsritter und Abenteurer, hielt sich jetzt in Venedig und Bologna auf. Er wollte dort Jura studieren im Land der Humanisten. Und sein Vater hoffte, dass dadurch von Hutten vielleicht doch noch eine gute fürstliche Anstellung bekommen würde. Doch die Kriegswirren in Italien, von dem wir schon eingangs gehört haben, schnitten ihm vom Geld ab, so dass er sein Studium nicht fortsetzen konnte. Er war in Padua sogar zwischen die Belagerer geraten und mehrfach geplündert worden und dann völlig krank und mittellos in Bologna aufgeschlagen.

[40:18] Also, sein Leben allein enthielt Abenteuer für viele Bücher.

[40:24] Louis de Bakker, der Reichsritter in Frankreich, schloss sein Rechtsstudium in Ordnung ab mit einem Doktortitel und jetzt ist er 1512 nach Paris an die Sorbonne gewechselt. Dort traf er etliche Humanisten, wohl angeblich auch Ignatius von Loyola. Er ist dort auch mit den Schriften von Erasmus vertraut gemacht worden, weil äußerst intelligent, er gerade als der klügste Ritter Frankreichs und ein ergebener Sohn der römischen Kirche.

[41:00] Dort in Paris war zu dem Zeitpunkt auch Johannes Eck, einer der führenden Humanisten derzeit, hat dort Griechisch unterrichtet, nachdem er ja an verschiedenen deutschen Universitäten immer wieder in Konflikt mit dem Lehrbetrieb gekommen war.

[41:15] Johannes Eck war Vizekanzler der Universität in oder wurde Vizekanzler in Ingolstadt. Und Jacques Lefèvre d'Étaples, der führende Humanist Frankreichs und ein Philosoph, der sich immer mehr mit der Bibel beschäftigt hatte. Die letzten Jahre gab jetzt nach den Psalmen auch die Paulusbriefe an einer textkritischen Edition heraus. Er befasst sich immer mehr mit der Bibel und Jahr für Jahr wuchs in ihm diese Überzeugung, dass zwischen dem biblischen Text und dem kirchlichen Dogma etliche Differenzen und Unterschiede bestanden. Und sein Werk über die Paulusbriefe, was er gründlich recherchiert und hatte, hat sich sehr losgelöst von kirchlichen Zwangsbestimmungen.

[42:04] Thomas Cranmer, mit 22 Jahren, begann sein Masterstudium in Cambridge. Er hatte acht Jahre lang für seinen Bachelor gebraucht und jetzt konzentriert er sich vor allem auf die Humanisten Erasmus von Rotterdam und auch Jacques Lefèvre d'Étaples. Das waren die Autoren, denen er sich besonders hingab.

[42:34] In Oxford erhielt nach ebenfalls einer langen Zeit, nach sechs Jahren Studium, William Tyndale, 18-jährig, seinen Bachelor. Und er wurde in diesem Jahr auch Subdiakon.

[42:46] Und Thomas Müntzer, 23-jährig, wechselte von der Universität Leipzig, wo er sechs Jahre lang studiert hatte, nach Frankfurt. Oder sein Studium hat er sich auch deswegen so lange hingezogen, weil er gleichzeitig als Lehrer gewirkt hatte.

[42:59] Martin Bucer, der sich in Tübingen und Michael Stelios hatte, nachdem sein Studium beendet war, mit 19 Jahren eine Stelle als Lehrer in seiner Heimatstadt in Döbeln.

[43:19] Ambrosius Blarer, der ja auch mit erhielt einen Magistertitel in Tübingen und kehrte dann nach Alpirsbach zurück. Er hatte ja eine Zeit lang auch mit mit dem Landsteuern zu tun gehabt. Jetzt war er Lektor in der Pfarrei, das heißt, er hatte täglich die Aufgabe, die Schriftlesung im Gottesdienst zu lesen.

[43:42] Hier in dem Kloster im Schwarzwald. Benedikt Burgauer verließ die Universität Leipzig. Er kam auch auf St. Gallen und ging jetzt nach Krakau.

[43:58] 18 Jahre alt. Wolfgang Musculus, war oder mit 15 Jahren Benediktiner und trat dort in Lothringen in Losheim in ein entsprechendes Kloster ein. Er hatte zuvor die Humanistenschule besucht und nannte sich bereits mit jungen Jahren im Stile der Humanisten Musculus, was heißt "ein Häuschen" oder "Maus".

[44:24] Zwingli schrieb im Jahre 1512 Papst Julius direkt, von dem wir ja jährlich eine eine eine Sonderrente erhielt und bat diesen um einen besonderen Applaus für seinen Kirchenbezirk, für Glarus.

[44:44] Also, halten wir fest: Im Jahre 1512 schreibt der spätere Reformator Zwingli an den Papst, von dem er finanziell unterstützt wird, ob er nicht einen speziellen Applaus in Glarus verkünden kann.

[44:59] Er war, wie man daran sehen kann, ganz kirchentreu und sogar besonders eigentlich dem Papst anhänglich und hat alle Absolution erteilt, wie die Kirche es vorschrieb.

[45:11] Er wacht erfolgsverbunden. Der gute Zwingli hatte viele Kontakte zu den Kirchenmitgliedern, aber vor allem interessierte er sich für die Klassiker der Antike. Er hat aufgrund des des finanziellen Segens, der aus Rom kam, viele Bücher gekauft. Er las Cicero, erlernte Rhetorik, begeisterte sich für Aristoteles, für Geographie, für verschiedene Naturwissenschaften.

[45:41] Am meisten liebte er jedoch die Schriften von Pico della Mirandola, jenem Humanisten, der so viel gestorben war, von dem wir in den ersten Folgen der Serie auch schon berichtet hatten. Das fand er ganz begeistert, der junge Zwingli und hat sich da richtig tief hinein begeben.

[45:59] Er hat sich allerdings nie einer bestimmten Denkrichtung oder Philosophieschule ganz verschrieben. Er wollte von allen das Beste lernen und es dann entsprechend selbst verarbeiten.

[46:11] Ziemlich Freund Leo Jud ist mit 30 Jahren in Basel nach weiteren Studien dann wirklich Magister der Künste geworden und wurde dann laut Priester ins St. Hippolyt und hat dort dann seine Stellung gehabt.

[46:29] Wolfgang Capito wurde als Stiftprediger nach Bruchsal gerufen. Er hat dort auch Hebräisch gelernt und dort in der Nähe dann auch Ökolampard getroffen.

[46:41] Thomas Groß wurde im selben Jahr in Veringendorf geboren. Er war ein Neffe des gleichlaufenden Simon Greenos, der ebenfalls Reformator gewesen ist.

[46:53] Luther hat jetzt die letzten Wochen und Monate nicht mehr mit der Mystik verbracht, sondern mit der Vorbereitung auf seine erste Vorlesung. Das hat sich dann noch etliche Monate hingezogen, wer in der nächsten Folge sehen, warum. Aber jetzt war Luther daran, die Bibel zu studieren.

[47:11] Noch immer war er den klösterlichen Leben voll ergeben. In dieser Zeit ist sogar sein ehemaliger Professor Bartholomäus Arnoldi aus Erfurt unter anderem aufgrund seines Einflusses Augustinereremit geworden. Aber Luther war jetzt schon eigentlich über dieses Leistungsdenken, das Denken, die Frömmigkeit des Spätmittelalters hinüber.

[47:36] Er hatte sich jetzt intensiv mit der Bibel zu befassen und das tat er auch. Und studierte und studiert und vor allem hatten es die Psalmen ihm angetan, denn er sah dort einen Widerhall dessen, was er selbst geistlich erlebte.

[47:51] Was aus diesem Studium geworden ist und wie Luther jetzt begann in Wittenberg zu wirken als Professor und Doktor der Theologie, das werden wir in der nächsten Folge dann sehen.

[48:03] Auf jeden Fall wird deutlich werden, dass Luther für diesen Psalmvers eine hervorragende Illustration darstellt. Es heißt hier: "Siehe, ich liebe deine Befehle, woher beleben ich nach deiner Gnade?"

[48:20] Luther liebte die Bibel und er wurde belebt und er wurde reformiert und er wurde zum Instrument einer weltgeschichtlichen Wiederbelebung und Reformation.

[48:32] Mehr dazu in der nächsten Folge, wenn es dann heißen wird: "Wo sind die Psalmen und Päpste?" Und wenn wir das Jahr 1513 betrachten werden. Bis dahin wünschen wir Ihnen Gottes reichen Segen und freuen uns, wenn Sie das jetzt mal wieder einschalten hier. So, Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation.


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