In diesem Video der Serie „Sola Veritas“ beleuchtet Christopher Kramp das Jahr 1516 der Reformation. Im Fokus stehen die theologischen Erkenntnisse Martin Luthers, der sich intensiv mit dem Römerbrief auseinandersetzt und die Bedeutung der Gnade Gottes entdeckt. Gleichzeitig wird die Veröffentlichung von Erasmus von Rotterdams „Novum instrumentum“ thematisiert, die eine neue Ära der Bibelforschung einläutet und auch Zwingli und Luther maßgeblich beeinflusst. Weitere Themen sind die politische Landschaft Europas mit dem Aufstieg der Habsburger und die Entwicklungen in Wittenberg, wo sich die Universität zu einem Zentrum der reformatorischen Lehre entwickelt.
Sola Veritas: 20. Griechisches Licht (1516)
Christopher Kramp · Sola Veritas - Die wahre Chronik der ReformationPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Sola Veritas – Die Wahre Chronik der Reformation
500 Jahre ist die Reformation alt: wird sie fortgeführt oder begraben? Wie verhalten sich Luthers Erben und was wird aus seinen (Wieder)entdeckungen? All das sind wichtige Fragen. Doch beantworten kann sie nur, wer das Reformationsgeschehen selbst gründlich kennt. „Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation“ bietet weitaus mehr als die üblichen bekannten Zusammenfassungen und Anekdoten. Ausgehend vom Jahre 1482 wird alles chronologisch erzählt, was weltgeschichlich und biographisch (sowohl bezüglich Luther als auch vieler anderer, zum Teil sehr unbekannter Reformatoren) wichtig war. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Spätmittelalters, erleben sie das zaghafte Aufblühen von Wissenschaft und Kultur, verfolgen sie die Debatten um philosophische und theologische Streitfragen und entdecken sie Schritt für Schritt mit Luther und seinen Mitkämpfern befreiende biblische Wahrheiten. So wird Kirchengeschichte lebensnah und endlich gut verständlich…. Neue Folgen wöchentlich, bzw. wenn es die Zeit erlaubt. Ein Programm von www.joelmediatv.de
Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:
Weitere Aufnahmen
Serie: Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation
-
0:0
-
0:0
-
0:0
Transkript
[0:38] Herzlich willkommen zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation, hier auf www.joelmedia.de. Schön, dass Sie wieder eingeschaltet haben zu einer weiteren Folge, in der wir die Geschichte der Reformation chronologisch betrachten wollen und lernen, wie die Reformatoren Schritt für Schritt zur Erkenntnis der Wahrheit und des Evangeliums gekommen sind.
[1:00] Heute wollen wir uns ein ganz besonders interessantes Jahr anschauen und bevor wir beginnen, möchten wir wie immer mit einem Gebet starten, zu dem ich Sie auch ganz herzlich einlade. Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, dass wir erneut heute etwas lernen können aus der Geschichte, was der Reformationsgeschichte, in der du Menschen Schritt für Schritt geführt hast, dein Evangelium zu erkennen. Wir möchten dich bitten, dass wir sehen können, welche praktischen Lektionen wir daraus für unser persönliches Leben, für unsere Zeit gewinnen können und dass wir lernen, wie du die Geschichte und Kunstgeschichte in deiner Hand hältst. Sei bei uns und segne uns durch den Heiligen Geist. Im Namen Jesu. Amen.
[1:54] 20, 1516. Griechisches Licht. Es geht um das Jahr 1516. Martin Luther war als Doktor der Theologie immer noch damit beschäftigt, die Vorlesungen über den Römerbrief zu halten, die ja im Jahr zuvor begonnen hatte. Dieser Römerbrief hatte es ihm wirklich angetan. Immer wieder hatte er sehr viel Zeit damit zugebracht, diese tiefen Aussagen des Paulus möglichst genau zu verstehen. Und dort im Römerbrief fand er immer wieder eindeutige Hinweise darauf, dass die akademische Lehrmeinung der Scholastiker, bezug des Evangeliums, nicht wirklich wahr sein kann. Denn Paulus sagte zum Teil ganz andere Sachen. Berühmte Stellen des Römerbriefs, wie sie zum Beispiel in Römer 3, Vers 23 und 24, wo es heißt: "Denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten, so dass sie ohne Verdienst gerechtfertigt werden durch seine Gnade aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus ist." Das ist das Thema gewesen, um das sich die Gedanken von Martin Luther immer mehr kreisten: die Vergebung durch Jesus Christus umsonst, ohne Verdienst, ohne Werke. Je tiefer in den Römerbrief ihn eintauchte, umso stärker wurde seine Überzeugung diesbezüglich. Er hat, wie wir schon an anderer Stelle gesehen haben, seine theologischen Überzeugungen nicht von einem Tag auf den anderen gelernt, sondern durch das tiefe Studium, durch das Nachdenken, durch das Unterrichten, darüber predigen, haben sich diese Ideen immer klarer verfestigt. Er war jetzt auch nicht mehr der Einzige, der in diese Richtung predigte und voran dachte. Auch sein guter Freund Johann Lang hielt jetzt in Wittenberg, zu diesem Zeitpunkt, Vorlesung ebenfalls über den Römerbrief. Und in dieser Vorlesung gab er im Wesentlichen auch die Gedanken von Martin Luther weiter. Der war ein Pionier in dieser Hinsicht, aber hatte schon in dieser Zeit die ersten Mitstreiter an seiner Seite.
[4:27] In Wittenberg, währenddessen, befand sich Anfang 1516 Andreas Bodenstein, Dr. Karlstadt, immer noch in Rom. Er hatte ja eine Italienreise begonnen als Einlösung eines Versprechens, das er gegeben hat, also damals ausgeraubt worden war. Und er verbrachte eine ganze Zeit auch direkt in Rom bei der Kurie, am römischen, am päpstlichen Hof, um dort als Schreiber zu wirken. Und das führte dazu, dass auch Karlstadt in direkten Kontakt kam mit den abartigen Bräuchen und Verbrechen, die dort in Rom an der Tagesordnung waren.
[5:09] Am 23. Januar 1516 starb Ferdinand der Zweite, der langjährige König von Aragón und damit König Spaniens. Sein Enkel Karl, damals erst 15 Jahre alt, folgte nun formal auf den Thron. Der war ja bereits zum Fürst von Flandern ausgerufen worden, war jetzt als Karl der Erste König von Spanien, zu gleichzeitig der König von Sardinien und Sizilien als Karl der Zweite und als Karl der Vierte auch noch der König von Neapel. Daher, weil er recht jung war, wurden die Regierungsgeschäfte vom Erzbischof von Toledo, dem Cisneros, ausgeführt und in den Händen behalten. Diese Konstellation, dass jetzt ein Habsburger der rechtmäßige Thronfolger auf dem spanischen Thron war, führte dazu, dass das Haus Habsburg jetzt eine enorme europäische Machtfülle hatte. Jetzt gehörten den Habsburgern nicht nur die österreichischen Kernlande, sondern auch Flandern, das ehemalige Burgund, das man ja schon seit einigen Jahren in Besitz hatte. Jetzt war auch Spanien unter Linien und zu Zielen und ganz Süditalien in habsburgische Hand, was dazu führte, dass Frankreich sich umzingelt sah von der habsburgischen Macht. Damit begann eine lange Zeit der europäischen Politik, in der das Haus Habsburg und das französische Königshaus gegeneinander standen. Das sollte dann die nächsten Jahrhunderte förmlich prägen.
[7:03] Seit dem Jahr 1516, also diese neue Konstellation. Erasmus von Rotterdam war es, der ja in Löwen, das heißt in Flandern, der Erzieher von Karl war, der jetzt einmal in Zukunft spanischer König werden sollte. Und im Zuge seiner Tätigkeit dort als Prinzenerzieher verfasste Erasmus auch ein Werk mit dem Titel "Die Erziehung des christlichen Fürsten". Er widmete es dem späteren Karl dem Fünften, also dem Enkel von dem verstorbenen Ferdinand dem Zweiten. Und in diesem Fürstenspiegel hat er versucht darzustellen, was aus christlicher Sicht einen guten Fürsten, einen guten König, ein gutes Staatsoberhaupt ausmacht. Einige Jahre zuvor hatte ja Machiavelli sein Werk geschrieben, "Der Fürst", indem er gezeigt hatte, wie mit realpolitischer Überlegung, mit Strategie, mit auch Gewalt ein Fürst regieren kann. Und Erasmus setzt dem sozusagen die christliche Variante entgegen. Dieses Werk war bei den Fürsten oder derzeit recht beliebt. Einige sollen das später sogar auswendig gelernt haben. Erasmus hat damit versucht, deutlich zu machen, wie Staatsoberhäupter eine friedliche, eine segensreiche Politik im christlichen Sinne durchführen können und ausüben können.
[8:27] Das war allerdings nicht das bedeutendste Werk von Erasmus. Im Jahre 1516 viel berühmter wurde ein kleiner Druck, den er in Basel dann auf den Weg brachte: "Novum instrumentum". Und hinter diesem lateinischen Titel mit dem interessanten Design, Original hier von 1516, verbarg sich eine kleine Revolution. Erasmus hatte sich seit einiger Zeit vorgenommen, eine neue Ausgabe der lateinischen Bibel vorzulegen, in der einige Fehler der Vulgata korrigiert werden. Eine neue Übersetzung, sozusagen eine Überarbeitung der Vulgata. Und damit die gelehrten Leser seiner neuen Übersetzung prüfen könnten, warum seine neue Fassung des Lateinischen besser sei als die herkömmliche Vulgata, hat er sich entschlossen, gehabt, den Original-Griechischen Text dann daneben zu drucken. Daneben Original so aus. Da hatte man auf der linken Spalte das altgriechische und auf der rechten Seite dann das Lateinische. Das war ursprünglich also nicht einmal dazu gedacht, einfach das Altgriechische zu produzieren, sondern lediglich als Korrekturmöglichkeit, als Möglichkeit für den Leser, zu vergleichen, was dann im Original eigentlich stand.
[9:55] In den letzten Jahrzehnten waren etliche griechische Manuskripte aus Konstantinopel im westlichen Abendland angekommen. Seit Konstantinopels 1453 gefallen war, waren etliche Flüchtlinge im Westen aufgetaucht und hatten Bibel-Manuskripte mitgebracht. Und Erasmus kannte einige von ihnen. Als er dann nach Basel reiste, hat er nicht mal einige von seinen eigenen mitgenommen, sondern war sich sicher, auch in Basel einige zu finden. Hat dann eine Handvoll von Manuskripten genommen, die alle etwas älteren Datums dann auch schon waren, das jüngeren Datums muss man sagen, und hat anhand dieser Manuskripte dann diese erste gedruckte Fassung des Neuen Testaments im Altgriechischen vorgenommen. In einigen Fällen hat er sich sogar erlaubt, dann das Altgriechische etwas zu korrigieren, weil er an wenigen Stellen der Meinung war, dass das Lateinische besser sei. Am Ende der Offenbarung fehlten ihm sogar einige wenige Verse. Die hatte er dann einfach kurzerhand zurückübersetzt. Trotz dieser kleinen Defekte und Defizite und vor allem auch einige Druckfehler war dieses Werk eine förmliche Revolution. Die Theologen konnten jetzt erstmals selbst den Originaltext des Griechischen sicher, systematisch vor Augen führen und damit den biblischen Gehalt noch besser verstehen.
[11:23] Einer, der sofort dieses Werk auch in seinen Händen hielt, war Zwingli. Der dort in seiner Zeit im Klaus, natürlich sich, wie wir gesehen haben, sehr theologisch beschäftigt hat, viele Bücher gelesen hat und auch die Kirchenväter studiert hat. Gleichzeitig als Humanist großes Interesse an der Antike gehabt hat. Und jetzt, als die Möglichkeit war, die Bibel im Altgriechischen zu lesen, sofort davon Gebrauch gemacht hat. Er hat sich die Erasmus-Ausgabe kommen lassen. Das hat angefangen, die Bibel jetzt mit dem Altgriechischen zu lesen. Er hatte intensiven Kontakt doch zu den verschiedensten Gelehrten seiner Zeit. Und diese Beschäftigung mit dem Alten, mit dem Neuen Testament im Altgriechischen bewirkte bei Zwingli einen Durchbruch. Hatte zwar schon im Studium damals durch Thomas Wittenbach ein paar Ideen über das Evangelium mitbekommen, aber das Studium des Neuen Testamentes im Altgriechischen war für ihn die eigentliche Wegmarke, die die Wasserscheide, die plötzlich sein Leben nachhaltig verändert. Er entdeckte, dass das Evangelium, so wie es in den Original-Manuskripten enthalten ist, doch sehr viel klarer und in vielen Stellen anders ist, als das, was er so aus der akademischen Theologie, aus dem Land, aus den lateinischen Schriften kannte. Für ihn galt, wie auch für Martin Luther einige Zeit zuvor: "Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg."
[13:03] Das Jahr 1516, die Begegnung mit Erasmus' Ausgabe des griechischen Alten Testamentes bedeutete für Zwingli den ersten großen Schritt auf dem Weg zur Reformation. Für Zwingli war allerdings die Zeit in Glarus Land auch abgelaufen. In der Eidgenossenschaft hatte sich ja jetzt die Stimmung stark Richtung Frankreich verändert. Aber Zwingli hielt noch immer zum Papst. Und auch in Glarus nahmen die Parteien der Franzosenfreunde immer stärker zu. Und jemand wie Zwingli, der nach wie vor gegen Frankreich war, konnte dort nicht mit seiner Stellung bleiben. Er wurde in der Folge für die nächsten drei Jahre beurlaubt.
[13:53] Nicht nur Zwingli hat von der Ausgabe von Erasmus Gebrauch gemacht, sondern auch Martin Luther. Von Anfang an, sobald er in Besitz dieser neuen Ausgabe war, hat er sie sofort in seinen Vorlesungen über den Römerbrief im Neuen Testament auch benutzt. Etwas ist besonders aufgefallen, nämlich die Erklärung des Erasmus für das griechische Wort für Buße. Und da hat er ja viele Jahre mit diesem Konzept der Buße gerungen und gekämpft, ob er wirklich echte Buße getan hat. Jetzt entdeckte er durch das Studium des Altgriechischen, dass das Wort im Original, "metanoeia", eigentlich nur Umkehr bedeutet. Erasmus erklärte es so: "Buße ist die nachträgliche Einsicht in das begangene Böse, nachdem man den Schaden empfangen hat und den Irrtum erkannt hat. Buße ist im Wesentlichen Leid über eine begangene Sünde, weil man Gott liebt." Und das hat bei Luther natürlich starken Widerhall gefunden. Hatte ja im Jahr zuvor diese langen Gespräche mit Staupitz gab, dem erklärt hat, wie wichtig die Liebe Gottes war. Erst kommt die Liebe, und dann die Buße. Das war in der mittelalterlichen Theologie immer anders gepredigt worden, hatte immer gesagt, man muss Buße tun, damit Gott einen lieben kann. Aber Staupitz hatte dieses Fundament gelegt, dass Liebe, die Liebe Gottes, das Allerwichtigste, allererstes ist. Und jetzt sah Luther, dass tatsächlich auch in der Bibel, im Original, in den Schriften des Paulus deutlich wird, dass die Buße die Folge ist, wenn man die Liebe Gottes in sein Herz lässt. So wie es auch in Römer 2,4 heißt: "Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut und erkennst nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?" Wiederum erkennt Martin Luther, dass diese Erkenntnis mit den Schriften des Paulus übereinstimmt. Und das verfestigt sich jetzt immer mehr in seiner theologischen Überzeugung. Die Liebe Gottes ist das Fundament für unsere Antwort auf das Evangelium. Die Buße ist ein Geschenk Gottes.
[16:06] Ebenfalls im Frühjahr hat Friedrich der Dritte, Kurfürst von Sachsen, sich um den akademischen Standard in Wittenberg gekümmert. Ihm lag sehr viel an der Universität. Und in der Universitäts-Visitation hat er deutlich gemacht, dass er den höchsten akademischen Standard in Wittenberg gerne haben möchte. Ebenfalls im Frühjahr kam Johann Agricola, der 21 Jahre alt war, nach Wittenberg. Immatrikulierte sich dort, um bei Luther zu studieren. Hatte vorher in Leipzig studiert, dort war er Baccalaureus Laureatus geworden und hatte dann in Braunschweig als Lehrer gearbeitet. Der Ruf von Luther ging schon über Wittenberg hinaus. Agricola wurde zu einem begeisterten Schüler von Martin Luther und einer seiner ersten Nachfolger, sozusagen. Johann Lang war ein Anhänger, wie schon gesehen haben. Und Johann Lang hat sich in dieser Zeit auch sehr eingesetzt und interessiert für den Fall von Reuchlin, der ja immer noch in diesen Inquisitionsprozess verwickelt war, der mittlerweile bis auf die Ebene des Papsttums selbst gelangt war.
[17:33] Auch beim Konzil in im Lateran, das wir immer noch vorsicht gegen war, das ja ein Thema gewesen war. Lang berichtet im März 1516 auch davon, dass in Wittenberg das Studium der Theologie richtig aufblüht. Er sagt, die Studenten lechzen nach der Bibel und den alten antiken Schriftstellern. Sie haben genug von den herkömmlichen scholastischen Vorlesungen, die sind kaum noch besucht. Und das führt natürlich zu einem Konflikt zwischen den alteingesessenen scholastischen Professoren in Wittenberg und den neuen, die sich, wie Luther, für die Bibel interessieren, oder wie einige andere, für die humanistischen Studien, für die antiken Schriftsteller. Das Studium der Bibel ist ein Zentrum jetzt in Wittenberg schon und das zieht mehr und mehr Studenten an.
[18:33] Am 13. März starb König Vladislav der Zweite, der König von Böhmen, Kroatien und Ungarn war. Und sein zehnjähriger Sohn Ludwig, im Jahr zuvor ja noch auch bei der Doppelhochzeit in Wien Gegenstand des Interesses gewesen, wurde jetzt neuer König. Wir natürlich auch erst noch mit einem Vormund.
[18:58] Ebenfalls im Frühjahr 1516 ist Luther aufmerksam gemacht worden durch Johann Lang auf einen gewissen Johannes Tauler, der aus dem Spätmittelalter stammte und deutsche Predigten gehalten hat, was für die damalige Zeit natürlich, Anfang des 14. Jahrhunderts, eher ungewöhnlich war. Und diese Predigten sind sehr stark auch emotional. Stand im Grunde genommen eigentlich auch der mittelalterlichen Mystik, rechten. Na, aber Luther beginnt sich jetzt für diese Predigten zu interessieren, nicht so sehr wegen den vereinzelt vorkommenden mystischen Ideen, sondern einfach, weil ich hier ein Prediger sehr, sehr klar und direkt das Evangelium kommunizieren möchte, ohne akademische, scholastische Verwirrung. Und das hat Luther an diesem Tag sehr gut gefallen.
[19:57] Fabian wurde in Wien zum Dekan ernannt und begann sich jetzt nach seinen vielfältigen Studien, die schon abgeschlossen hatte, sich auch für die Naturwissenschaften, vor allem die Geografie, zu interessieren und auch für Geschichte. Bartholomäus Bernhardi kam in diesem Jahr nach Wittenberg wieder zurück. Er hatte ja dort zunächst in der Naturwissenschaft studiert, dann dort unterrichtet, dann auch angefangen, Theologie zu studieren, und war dann für drei Jahre auf Reisen gewesen, war in Brandenburg gewesen und Halberstadt in Chur, hatte als Diakon, Diakone und auch als Priester gewirkt. Und nun wollte er sein Theologiestudium fortsetzen, das er 1513 ja abgebrochen hatte. Er wird ebenfalls Schüler von Luther und ist total begeistert, als er feststellt, wie sehr sich der Luther jetzt auch theologisch in diesen drei Jahren weiterentwickelt hatte. Bernhardi ist, dass er ist ein ganz offensichtlicher Schnitt. Der Luther von 1516 hat jetzt schon sehr viel mehr theologische Tiefe und Bibelkenntnis als der Luther von 1513, obwohl der da schon sehr fundiert war. Und Bernhardi, der aus dem Vorarlberg kommt und ein echter Anhänger Luthers ist, beginnt ebenfalls jetzt Schriften zu verfassen gegen die althergebrachte politische Theologie.
[21:23] Immer wieder geht es vor allem damals dem Luther und auch den Bernhardi und anderen darum zu zeigen, dass der Mensch wirklich abgrundtief sündig ist und nicht eigentlich etwas Gutes in sich hat, das man nur fördern muss durch gute Werke, wie es die mittelalterliche Theologie durch Aristoteles hier immer behauptet hat.
[21:46] Martin Luther hat da als Vikar für seine gesamten Distrikt natürlich eine ganze Reihe von Aufgaben. Am 8. April finden wir einen Brief von ihm, wo er mit einem Mönch abgerechnet hat, der von Wittenberg nach Memmingen gezogen ist und dessen Besitz dann veräußert werden sollte. Und in diesem Brief gibt Luther einen Einblick auch in sein Denken, sein geistliches Denken jener Zeit. Dort heißt es: "Hier übrigens wünsche ich zu wissen, was deine Seele mache, ob sie denn nicht endlich ihre eigenen Gerechtigkeit überdrüssig lerne, in der Gerechtigkeit Christi aufzuatmen und darauf zu vertrauen. Denn zu unserer Zeit geht die Anfechtung der Vermessenheit bei vielen stark im Schwange, und besonders bei denen, welche sich aus allen Kräften bemühen, gerecht und gut zu sein, indem sie die Gerechtigkeit Gottes nicht kennen, welche uns Christo aufs Reichste und umsonst geschenkt ist. Suchen sie durch sich selbst so lange gute Werke zu tun, bis sie die Zuversicht haben, vor Gott bestehen zu können, gleichsam mit ihren Tugenden und Verdiensten geschmückt, was doch unmöglich geschehen kann."
[22:49] Du bist bei uns in dieser Meinung viel mehr in diesem Irrtum gewesen und jetzt Achtung, aber auch noch jetzt kämpfe ich gegen diesen Irrtum, habe ihn aber noch nicht überwunden. Untersagt also, ich bin hier selbst am Ringen. Dann geht es weiter: "Daher, mein teurer Bruder, lerne Christum und zwar den Gekreuzigten. Lerne ihn zu ihm zu singen und an dir selbst zu verzweifeln und zu ihm zu sprechen: Du, Herr Jesu, bist meine Gerechtigkeit. Ich aber bin deine Sünde."
[23:20] Zwingli war, wie gerade schon erwähnt, beurlaubt worden. Und am 14. April begann er eine neue Aufgabe: Der Administrator des Klosters Maria Einsiedeln, das ein berühmter Wallfahrtsort in der Zentralschweiz. Berief ihn, sein Name war Diebold von Geroldseck, dort an diesem Kloster als Lloyd-Priester, also und Prediger zu wirken. Also ein Priester und Prediger, der direkt für die Leute dort, für die Menschen ja zuständig war, der dort die Predigten halten sollte. Und Zwingli nahm diese Aufgabe sehr gerne wahr und hat sich jetzt hier entschlossen, die Zeit sich zu nehmen, um noch besser die Bibel zu studieren und sich in die aber Kirchenarbeit hineinzuwerfen. Er hatte in den langen Jahren in Glarus zwar schon seinen Dienst einigermaßen gut vollzogen, aber war noch nicht besonders aufgefallen in irgendeiner Weise als überdurchschnittlich, als über die ständige Speerspitze der Reformation oder so. Er hatte mittlerweile ja auch sich aus der Politik desillusioniert verabschiedet, nachdem er gesehen hatte, dass sein Eintreten für den Papst gescheitert war, hatte durch seine Erfahrung im Krieg im Jahr zuvor sicher pazifistischen Ideen zugewandt. Und so wollte er mit der europäischen Politik nichts mehr zu tun haben und sich jetzt ganz und gar dem Evangelium widmen, das er auch durch Erasmus jetzt sehr besser kennenlernte.
[24:59] Und gerade in Einsiedeln, diesem Wallfahrtsort, wo Menschen von überall her hin pilgerten, um dort von dem Gnadenbild der Maria irgendwelche Wunder zu erahnen, fiel ihm recht schnell auf, deutlicher als in Glarus, was für einen Unterschied es gab zwischen dem klaren Evangelium, wie es jetzt bei Erasmus auch lesen konnte, und der Praxis der Menschen, die dort nach Einsiedeln kamen. Er bekam jetzt hier zunächst vorsichtig, dann immer deutlicher, gegen diese Missbräuche in der Volksfrömmigkeit anzupredigen.
[25:38] Irgendwie war zu diesem Zeitpunkt 32 Jahre alt, ungefähr so alt wie Luther natürlich. Und jetzt begann auch in
[25:43] Natürlich, und jetzt begann auch in seinem Leben die Reformation so wirklich, schrittweise sich zu entfalten.
[25:53] Luther schrieb am 16. April einen Trostbrief an einen Ordensbruder in Erfurt. Dort lesen wir: "Das Kreuz Christi ist ausgeteilt über die ganze Welt. Wird es daher nicht von dir, sondern ist vielmehr auf als hochheilige Reliquien nicht in ein goldenes oder silbernes Geschirr, sondern in ein goldenes Herz, das heißt, welches mit milder Liebe angetan ist."
[26:13] Er war zu dem Zeitpunkt nicht gegen Reliquien. Er schreibt doch im Brief auch, dass es ja durchaus angemessen ist, auch Holzstücke noch in Ehren zu halten, an dem das Blut Jesu gewesen ist. Aber hier deutet sich schon an, dass er sagt, die eigentliche Reliquie, das eigentlich, worum es geht, ist auch das Kreuz Jesu in unserem Herzen. Und empfiehlt dann seinen ehemaligen Lehrer, Johann von Staupitz, als Seelsorger für diese Namen.
[26:38] Bruder Luther hat sich dann Ende April auf eine Visitationsreise begeben. Als Vikar über die verschiedenen Klöster seines Bezirkes hat er sich jetzt auf die Reise begeben, um all diese Orte einmal zu besuchen. Er war in Dresden, in Erfurt, dort hat er seinen Freund Johann Lang, der bis dahin in Wittenberg war, als Prior, also als Klostervorsteher, eingesetzt. Er war in Neustadt an der Orla. Dort gab es auch Spannungen mit dem Vorsteher des Klosters.
[27:09] Langensalza, Eisleben, Nordhausen und Magdeburg. Auf seiner Reise aus schrieb er aus Dresden einen Brief an den Prior in Mainz. Einer seiner eigenen Mönche war weggelaufen und sollte jetzt zurückgefordert werden. Und so schreibt er: "Jenes verlorene Schaf ist meines. Gehört mir. Mir kommt es zu, es zu suchen und aus der Erde zurückzubringen, wenn es dem Herrn Jesu so gefällt."
[27:40] Als er auf dieser Reise in Gotha war, hat er interessanterweise nicht den berühmten Humanisten Mutianus Rufus, der dort lebte und wirkte, aufgesucht. Sogar extra einen Brief dann geschrieben, der sich entschuldigt. Aber scheinbar hat er schon zu diesem Zeitpunkt nicht mehr das aller stärkste Interesse an dem klassischen Humanismus, wie wir noch sehen werden.
[28:02] Bei ihm hatte sich das von der generellen Kritik an der Scholastik, die er mit den Humanisten teilte, schon mehr verschoben auf ein wirkliches Interesse allein an der Bibel.
[28:15] Am 14. Mai wurde Matthäus Albert 20 Jahre alt. Bakker, Luthers Freund in Tübingen, und dort lernte er auch den jungen Melanchthon kennen.
[28:28] Philipp Melanchthon, das war derjenige, der Jahre zuvor einmal den Teslam ein kostenloses Applaus gebeten hatte. Wurde als Franziskaner nach Weimar versetzt und hat dort seine erste Predigt in Gegenwart von Herzog Johann dem Beständigen gehalten, dem Bruder vom Kurfürsten Friedrich dem Dritten.
[28:56] Melanchthon war zu dem Zeitpunkt 25 Jahre alt, hatte enorme innere Kämpfe und rang mit der Theologie. Er erlebte schon, dass das, was weitläufig gepredigt wird, mit dem, was in der Bibel steht, nicht wirklich übereinstimmt. Und er war auf der Suche nach der Wahrheit.
[29:14] Und hatte vielleicht nicht so intensiv vergleichbare Anfechtungen auch wie Martin Luther.
[29:21] Der war immer noch auf seiner Reise von Kloster zu Kloster. Als in reformierten Verwandten, Augustinerkloster, und er war schon in Erfurt gewesen. Und als er dann an einem anderen Ort war, fiel ihm etwas ein, hatte etwas vergessen und schrieb dann an Johann Lang folgende interessante Notiz.
[29:38] Er solle doch ein genaues Register führen, was alles im Kloster, im Hospiz – das war der Ort, wo man auch Gäste bewirtet hat – was da alles getrunken wird an Bier und an Wein und an Fleisch verzehrt wird. "Damit", sagt er, "wenn mich nicht aller Menschenverstand täuscht, wirst du sehen, ob der Konvent mehr ein Kloster als eine Schenke oder Wirtshaus sei." Also da gab es auch ganz profane Dinge, mit denen man sich herumschlagen musste.
[30:12] Anfang Juni kam Luther dann gesund in Wittenberg an und schrieb dann auch an Staupitz, mit dem wir ja in gutem Kontakt jetzt standen seit 1514. Er hatte gehört, dass der Kurfürst den Plan gefasst hatte, Staupitz, seinen alten Beichtvater, zum Bischof zu machen. Und Luther schreibt vehement dagegen.
[30:33] Hatte sogar gehört, dass die Pfalz diesbezüglich schon seine Fühler ausgestreckt haben könnte. Und Luther warnt Staupitz: "Macht den Staupitz nicht zum Bischof!" Nicht, weil er den Staupitz nicht für geeignet hielt, sondern weil Bischöfe zu jener Zeit solch ein lasterhaftes Leben geführt haben an ihren geschäftlichen Höfen, dass Luther pure Angst hatte, dass sein geliebter Staupitz, wenn er erst einmal Bischof ist, vielleicht auch von diesen Verführungen mitgerissen wird.
[31:05] Und er sagt an Staupitz im Brief ganz offen, dass der Kurfürst sicherlich ein guter Politiker sei, aber in geistlichen Dingen siebenfach blind, genauso wie dessen Rat.
[31:15] Finger. Das schrieb er am 8. Juni. Am selben Tag starb Hanno, der Elefant des Papstes.
[31:24] Und kurioserweise kursierte kurz darauf ein vermeintliches Testament des verstorbenen Elefanten, in dem der – natürlich anonym von Menschen geschrieben – aber in dem angeblich der Elefant über die Missstände am päpstlichen Hof sich aufgeregt haben soll. Auch das ein Kuriosum jener Zeit.
[31:49] Am 22. Juni finden wir Luther erneut mit einem Brief, diesmal an den Prior in Neustadt. Seine Adresse war sein Name, und der hatte Schwierigkeiten mit seinem Kloster. Und dann schreibt Luther ihm Folgendes:
[32:04] "Der interessanteste Such- und Tracht ist zwar nach Frieden, aber in verkehrter Weise. Denn du suchst ihn, wie die Welt, nicht wie Christus."
[32:12] Luther war also zu dieser Zeit nicht mehr nur der Bibelschüler, er war nicht nur der Theologieprofessor, er war auch ganz intensiv ein Seelsorger, ein Administrator, der sich um die tatsächlichen Probleme der Gläubigen kümmern musste und ihnen oftmals seelsorgerlich mit dem Evangelium helfen sollte.
[32:32] In jeder Zeit hat Luther im Römerbrief zum Teil sehr offen schon Dinge kritisiert, die ihm ja mit dem Evangelium nicht mehr vereinbar schienen. Zum Beispiel die vielen Predigten über die Heiligen. Er hatte noch nicht grundsätzlich etwas gegen die Heiligen, aber er hielt diese vielen Heiligenpredigten für überflüssig. Er predigte auch schon oder sprach in dieser Römerbrief-Vorlesung auch schon gegen die Ablässe, weil die, das war schon ziemlich deutlich, fast vor allem nur der finanziellen Unterstützung von Kirchenbauten dienten. Und Luther hatte schon jetzt eine Ahnung, dass dieses System eigentlich recht korrupt sei und verwerflich. Da gärte etwas in ihm, was ich schon an dieser Römerbrief-Vorlesung zeigt.
[33:20] Am 2. Juli begann Martin Luther dann interessanterweise mit einer Predigtreihe über die Zehn Gebote. Das ist interessant, weil natürlich heutzutage Luther immer mit der Gnade und der Gnade allein in Verbindung gebracht wird. Aber Luther schätzte die Zehn Gebote und begann sie jetzt in Predigten auszulegen.
[33:37] Jene interessanten Abstand. Er beginnt mit den Worten: "Ich bin der Herr, dein Gott, mächtig aus dem Land Ägypten, aus dem Haus der Knechtschaft herausgeführt. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben." Auch hier zu Beginn der Zehn Gebote steht das Evangelium, die Kraft Gottes, der Befreiung am Anfang. Und darauf folgen dann die Werke, die der Heilige Geist in uns tun möchte.
[34:00] Der schon angesprochene Gegensatz zwischen Habsburg und Frankreich, den haben auch die Könige, die Hersteller, Franz der Erste, der König von Frankreich, und auch Karl der Erste für Habsburg, haben im Vertrag von Noyon am 30. August erstmals versucht, so ein bisschen einen Ausgleich zu schaffen und möglichst einen Frieden zu stabilisieren. Und Maximilian, der herrschende Kaiser, war nicht allzu zufrieden damit, dass sein Enkel Karl jetzt hier diesen Vertrag abgeschlossen hatte, aber er konnte dann auch nichts mehr daran ändern.
[34:37] Am 24. August war Bartholomäustag, und Martin Luther wollte über Bartholomäus predigen. Da war ja einer der Apostel gewesen und in der Kirche damals als ein Heiliger verehrt, denn man hatte zu dem spärlichen biblischen Bericht noch eine ausführliche Legendenbildung hinzugefügt. Und Luther hat sich dann bei Staupitz aus der Bibliothek diese Legende besorgt, aber sie auch kritisiert. Berief sich dabei auch auf Hieronymus, den alten Kirchenvater, und wollte zeigen, dass manches an diesen Heiligenlegenden purer Unsinn ist.
[35:18] Hier zeigt sich schon ein Fortschritt im Denken von Luther. Er hat zwar an den Heiligen an sich noch festgehalten, sie waren quasi so Vorbilder, Modellcharaktere. Aber er wandte sich jetzt schon sehr deutlich gegen den Aberglauben, der sich damit verbunden hatte, und gegen ihre abergläubische Verehrung.
[35:38] Rasante dann am 4. September seine Predigtreihe, nach er vor zu seinem Freund Johann Lang und nannte sie ein Musterbeispiel für Predigten, wie er sagte, wortwörtlich: "Nach evangelischer Weise." Also mit anderen Worten, Predigten, die wirklich aus dem Evangelium leben, das Evangelium im Zentrum haben.
[36:05] Interessanterweise ausgerechnet eine Predigtreihe über die Zehn Gebote. Palatin wurde im September direkt an den Hof von Friedrich dem Dritten versetzt. Er sollte jetzt dort in der Kanzlei arbeiten und er wurde immer mehr zu einem Sekretär, vor allem zu einem engen Berater des Kurfürsten. Staupitz war vor allem für die Fragen der Kirche und auch der Universität zuständig und damit naturgemäß dann die Brücke zwischen Luther später und dem Kurfürsten, weil er sich für diese Dinge besonders interessierte. War natürlich Luther mit ihm oft im Kontakt.
[36:41] Und Staupitz hatte deswegen auch die gesamte Angelegenheit der Reliquien unter sich. Der Kurfürst war ja ein großer Sammler von Reliquien, hatte ich auch jedes Jahr immer ausgestellt und dort Applaus geben zu können. Und entsprechend war auch das Applauswesen unter Staupitz jetzt organisiert.
[37:07] Palatin hat auch Luther dann den Wunsch übermittelt, dass dessen Psalmen-Vorlesung aus den folgenden Jahren veröffentlicht werden sollte. Aber der hat sich immer noch geziert, wie wir schon vorher gesehen haben.
[37:24] Luther hat dann am 25. September feststellen müssen, dass seine seelsorgerlichen Bemühungen, den Frieden im Kloster in Neustadt an der Orla wiederherzustellen, nicht gefruchtet haben. Und dann kam der Teil, den man halt auch manchmal als Administrator tun muss. Hat sich selbst auch ein wenig die Schuld mitgegeben, dass er vielleicht nicht genug gebetet hat für die Situation. Aber er musste jetzt den Vorsitzenden in Neustadt an der Orla, den Bruder Dressel, absetzen und das Konvent anweisen, einen neuen Kandidaten vorzuschlagen.
[38:02] Luther musste also ganz, ganz direkt in die Angelegenheiten der Klöster eingreifen, doch manche unangenehme Entscheidung treffen.
[38:12] Am 25. September, am selben Tag, hatte jetzt sein Schüler Bartholomäus Bernhardi, der selbst nur wenige Jahre jünger war, seine Promotion. Er sollte Sententiae Magistri werden, also jemand, der dann als Theologe auch über die Sentenzen des Petrus Lombardis Vorlesungen halten durfte, was wir quasi das Standardwerk der Theologie damals war. Und zu dieser Promotion sollte es eine Diskussion geben.
[38:45] Luther hatte im Vorfeld von Bernhardi erfahren, dass einige seiner württembergischen Kollegen sich abschätzig über Luthers neue theologische Einsichten ausgesprochen hatten. Und Bernhardi war umso eifriger, seinen geliebten Lehrer zur Verteidigung. Hat einige Thesen formuliert, die jetzt als Grundlage der Disputation gelten sollten.
[39:07] Und in diesen Thesen hat er die Gedanken aus der Römerbrief-Vorlesung von Luther deutlich ausformuliert, fast sogar etwas stärker auf Augustinus als auf die Bibel gerichtet. Und diese Thesen haben für einen Eklat gesorgt. Die anderen theologischen Professoren waren verärgert.
[39:32] Amsdorf hat sie nach Erfurt geschickt, um zu erfahren, was die da denken. Und in Erfurt, weil man ohnehin nicht gut auf Luther zu sprechen hat, hat sich dort noch mal über ihn geärgert. Karlstadt und Melanchthon haben diese Thesen völlig abgelehnt.
[39:51] Und in der Disputation selbst hat Luther an sich zu der These vorgewagt, dass eine recht bekannte Schrift, nämlich von der wahren und falschen Buße, die man immer dem Augustinus zugeschrieben hatte, dass die nicht von Augustinus sein kann, weil in dieser Schrift das Evangelium sehr verdreht wird, unter Augustinus ansonsten das Evangelium sehr gut versteht. Und das ist natürlich ein Eklat, weil diese Schrift von vielen klassischen Theologen und vielen Standardwerken als Autorität zitiert wird. Und das als Fälschung zu bezeichnen, würde an der Autorität der quasi unangreifbaren scholastischen Lehrwerke rütteln.
[40:35] Karlstadt hat deswegen den Luther scharf angegriffen. Schließlich sei diese Schrift sogar im kirchlichen Gesetzbuch zitiert. Und bei Petrus Lombardus, das hat den Luther herzlich wenig gestört.
[40:50] Und Karlstadt hat daraufhin dann wohl gesagt, er werde jetzt zur Überprüfung von Luther sich selbst mal mit Augustinus beschäftigen. Das war natürlich eine weitreichende Entscheidung, wie wir dann der nächsten Folge sehen werden.
[41:02] Kaiser Maximilian hat dann übrigens auch, wie von Ulrich von Hutten gefordert, die Reichsacht gegen den württembergischen Herzog Ulrich verhängt. Wir haben es letztes Mal gesehen, was dort im schwäbischen Land passiert ist. Und damit hatte man also zumindest ein bisschen Gerechtigkeit erreicht.
[41:28] Im Wintersemester des Jahres 1516 wurde Johann von Staupitz zum Rektor sogar der Wiener Universität. Er war einer der führenden Wissenschaftler seinerzeit. Er veröffentlichte eine ganze Reihe von Kommentaren zu antiken Wissenschaftlern, unter anderem ging es dabei auch um die Kugelgestalt der Erde, die damals sich noch längst nicht durchgesetzt hatte in der Wissenschaft.
[41:54] Am 16. Oktober finden wir einen Brief von Luther an Lang. Und dort bezieht er sich nicht nur auf den schon erwähnten Staupitz, der ihm immer besser gefällt, sondern auch auf den Streit an der Wittenberger Universität bezüglich Luthers Theologie. Lesen wir selbst einmal, was er zu sagen hat:
[42:10] "Es ist nichts, dass sich deine Galisten über meine, vielmehr, dass Bartholomäus Feldkirchen, diese verwundern die Listen. Sind die Anhänger von Gabriel Biel, dem bekanntesten Scholastiker der Generation von Luther, war einige Jahre zuvor verstorben. Und baten um ihr es natürlich bei Trainer Sven H. die aus Feldkirchen in Vorarlberg, da sich auch die meinigen bisher gewaltig darüber wundern. Und es ist freilich die These selbst nicht von mir gemacht, sondern Magister Bartholomäus hat sie so gestellt, nämlich bewogen durch das Geschwätz der Clever wieder meine Vorlesung. Ich habe freilich alle überaus schwer verärgert, weil ich geleugnet habe, dass das Buch von der wahren und der falschen Buße des Augustinus sein kann, der das ist ganz abgeschmackt und überaus ungereimt und in allen weit entfernt von des Augustinus Sinne und Gelehrsamkeit. Aber es hat jene Leute so geärgert, dass man sie nicht versöhnen kann, vornehmlich den Doktor Karlstadt, dass ich es frage, dies wissentlich zu leugnen."
[43:10] Magister Amsdorf gesteht, dass er diese These an euch gesandt hat. Und auch er wunderte sich. Aber jetzt deutet sich schon an, dass wenige Wochen später Nikolas von Amsdorf, der erste Professor in Wittenberg, sich jetzt doch langsam auf die Seite von Luther gestellt hat. Auch Melanchthon sehr schnell auf Luthers Seite dann übergeschwenkt, während Karlstadt weiterhin noch längere Zeit sehr scharf ein Gegner Luthers in dieser Sache gewesen war.
[43:42] Amsdorf hatte schon seit längerem auch die Römerbrief-Vorlesung verfolgen, so Stück für Stück sich auf die Position von Luther hinbewegt.
[43:56] Am 19. Oktober, drei Tage später, finden wir einen Brief von Luther an Karlstadt. Und dort beschwert sich Luther über Erasmus. Obwohl er ja auch so viel von Erasmus gelernt hat, hat Luther mit ziemlich scharfer Einsicht erkannt, dass Erasmus vor allem humanistisch argumentiert, menschlich als Geistlicher. Wohl das muss natürlich auch über viele theologische Dinge spricht und auch über viele hier geistliche Dinge, Briefe und Schriften verfasst hat.
[44:33] Luther beschwert sich vor allem über verschiedene Punkte. Er sagt, Erasmus verstehe die Gesetzesbrecher nicht. Da er sich nur mit dem zeremoniellen Gesetz der Juden diesbezüglich beschäftigt, nicht mit den Zehn Geboten. Und er habe auch die Lehre der Erbsünde nicht begriffen aus Römer 5.
[44:54] Und hier deutet sich eine ganz entscheidende theologische Wegmarke an. Luther hatte aufgrund seiner enormen Beschäftigung mit Augustinus die Idee, zu recht verworfen, dass der Mensch an sich gut sei oder einen Teil Gutes in sich habe, wie die Scholastiker lehrten seinerzeit. Aber während andere extrem überpendelten, hatte die Idee der Erbsünde, die Augustinus so stark vertreten hatte, vollständig aufgezogen, dass nämlich der Mensch ein Sünder sei, weil Adam gewürdigt habe. Das widerspricht natürlich dem biblischen Konzept, dass der Sohn nicht für die Sünden des Vaters sterben muss.
[45:34] Und dabei Erasmus nicht zu sehr Augustinus folgte, hat sich hier ein erster Konflikt angebahnt. Luther hat entsprechend Staupitz empfohlen, doch mal an Erasmus zu schreiben und ihm nahe zu legen, sich mehr mit Augustinus zu beschäftigen und nicht so sehr mit Hieronymus. Augustinus und Hieronymus waren zwei enorm wichtige Kirchenväter der Spätantike. Hieronymus war mehr der Wissenschaftler, der sich mit den Sprachen auskannte, der auch dann die Vulgata übersetzt hat. Augustinus war mehr sozusagen der, der sich mit den geistlichen Evangelium beschäftigt hat.
[46:14] Und ist vielleicht nicht ohne Grund, dass Erasmus sich mehr für Hieronymus und für das sprachliche, das philologische interessiert hat, während Luther mehr zum Kern der Sache vordringen wollte und sich für Augustinus mehr begeistern konnte.
[46:28] Martin hat wohl auch Erasmus tatsächlich kontaktiert, aber keine Antwort bekommen.
[46:34] Wie gesagt, in diesen Wochen hat sich Petrus Melanchthon als auch Nikolaus von Amsdorf, beide Kollegen von Luther, jetzt auf seine Seite gestellt. Und damit begann jetzt sozusagen diese Wittenberger Bewegung erste Gestalt zu gewinnen. Das war nicht nur noch eine Person, das waren jetzt zwei, drei Professoren, die mit Luther waren und eine Reihe von Schülern, die immer natürlich eine Anzahl, die immer stärker wurde. Und das sollte sich natürlich weiter entwickeln.
[47:10] Interessant ist auch, dass im selben Jahr ein gewisser Thielemann Conradi, ein Humanist in Wittenberg, öffentlich Kritik an den Reliquien übte. Und das in Wittenberg, wo der Kurfürst eine Reliquie ausstellte. Keiner der Wittenberger Theologen hätte sowas zu dem Zeitpunkt gewagt. Aber dieser Humanist wagte sich schon zu dieser Aussage. Er sagte: "Die verehrungswürdigste Reliquie ist das Evangelium von Jesus Christus." Und damit haben wir schon eine Speerspitze, die für die nächsten Jahre sehr wichtig werden wird.
[47:50] Im Herbst drohte eine Pestepidemie. Auch Luther hatte Angst, wollte aber nicht fliehen. Hatte aber dann Vorkehrungen dafür gesorgt, dass möglicherweise die Mönche an andere Orte verteilt werden. Sein langjähriger Freund, Welcher Linke, ist in dieser Zeit im Oktober Prediger geworden, hat Wittenberg verlassen und ist in München am Augustinerkloster zum Prediger ernannt worden.
[48:18] Am 24. Oktober kam es zur Schlacht in Marj Dabiq. Die Osmanen griffen das Mamlukenreich an, das auch über Ägypten und Arabien und auch Palästina, Syrien herrschte, und besiegten diese Mamluken, die damit in die Defensive gerieten.
[48:37] Am 26. Oktober schrieb Luther einen weiteren Brief und beschrieb die Arbeitslast, die auf ihm lag. Er sagte: "Ich bin Klosterprediger, Tischprediger, täglich werde ich auch als Prediger verlangt. Ich bin Studiendirektor, ich bin Vikar, das ist elfmal Prior, also für elf Klöster der Vorsteher. Ich bin der Fisch-Empfänger in Leitzkau. Gab es einen Fischteich, der mir zuständig war."
[49:00] Rechtsanwalt der Herzberger in Torgau. Leser über den Paulus, also dass meine Vorlesung Sammler des Psalms, das bedeutet, er hat versucht, diesen Psalm-Vorlesung noch für den Druck vorzubereiten. Und das, was ich schon gesagt habe, dass die Arbeit des Briefeschreibens den größten Teil meiner Zeit in Anspruch nimmt. Er sagte weiter: "Selten habe ich ununterbrochene Zeit, die Ohren, also die Stundengebete zu vollenden und zu halten."
[49:25] Dazu kommen die eigenen Anfechtungen von
[49:27] dazu kommen die eigenen Anfechtungen von Fleisch, Welt und Teufel. Sie, welch unnützer Mensch ich bin, Mutter war 1516. Er beschäftigt und hätte nach heutigem Dafürhalten schon beinahe einen Burnout haben können. Er begann dann im Oktober, am 27. Oktober, mit einer neuen Vorlesung über ein neues Buch, den Römerbrief zu Ende. Und jetzt widmete er sich dem Galaterbrief, jenem kurzen Brief des Paulus, der im Wesentlichen fast ähnliche theologische Gedanken enthält wie der Römerbrief und der ganz praktisch davon spricht, wie die Christen zur Zeit des Paulus vom wahren Evangelium abgekommen waren. Wie es hier heißt: "Mich wundert, dass ihr euch so schnell abwenden lasst von dem, durch die Gnade des Christus, der euch berufen hat zu einem anderen Evangelium." Und er begann sich jetzt in diesem Galaterbrief hineinzudenken, der ebenfalls ähnlich wie der Römerbrief zu einem Eckstein seines reformatorischen Denkens werden sollte.
[50:24] Zwei Tage später haben dann die Franzosen und auch die Eidgenossen einen Friedensvertrag unterzeichnet. Und der wurde genannt die "Ewige Richtung". Die Eidgenossenschaft wurde jetzt ganz stark auf Frankreich ausgerichtet, dass jetzt dort ein bisschen auch die Kontrolle haben sollte, und ist für die nächsten Jahre und Jahrzehnte zu einem wesentlichen Bestandteil des Selbstverständnisses der Eidgenossen geworden.
[51:04] Anfang November kommt es erneut zu einem Eklat. Andreas Bodenstein Karlstadt behauptete in einer Disputation, dass man einen Ablass nur dann bekommen oder den Ablass des Wittenberger Allerheiligenstiftes, dort wo die Ablässe ausgesprochen wurden, nur dann bekommen kann, wenn man auch an dieser Kirche, also am Wittenberger Allerheiligenstift, kauft. Luther hat dem ganz entschieden widersprochen. Er war der Meinung, dass Gläubige überall beichten sollten, auch an ihren eigenen Pfarrkirchen. Und das schaukelte sich jetzt hoch, so sehr, dass Karlstadt dem Luther drohte, er werde ihn in Rom beim Papst verklagen. Wohlgemerkt, wir werden das Jahr 1516. Es geht noch, es gibt zwar schon um den Ablass, aber noch immer eine ganz andere Sache, mit der Frage, wo man beichten darf. Karlstadt droht den Luther zu verklagen. Der war ja gerade einige Monate vor Rom gewesen, hatte gute Kontakte zum Papsttum und Karlstadt war immer noch trotzdem, was er dort in Rom gesehen hatte, ein ganz eindeutiger Verfechter des Papsttums. Also diese Beziehung Karlstadt-Luther war äußerst schwierig.
[52:23] In Wittenberg im November begann Hans Tausend, mit 22 Jahren, sein Studium in Rostock. Er, der spätere Reformator, war Däne, kam aus guten Verhältnissen und war zuvor Johannitermönch gewesen.
[52:42] Luther veröffentlichte dann am 4. Dezember seine erste theologische Schrift. Und zwar war das nicht etwas, was er selbst geschrieben hatte, sondern er gab quasi nur eine alte Schrift heraus, die um 1400 geschrieben worden war, mit dem Titel: "Ein geistlich edles Büchlein". Es war eine anonyme Schrift, eine deutsche Schrift. Auch das zeigt wieder um sein Interesse für die praktische Theologie. Ein Büchlein, das wohl auch im Umkreis der spätmittelalterlichen Mystik entstanden ist. Luther hat geglaubt, dass es sich bei diesem Büchlein um eine Zusammenfassung der Lehre Luthers handelt. Das wird heute meistens nicht mehr so gesehen. Luther hat sich sogar dafür entschuldigt, dass seine erste Veröffentlichung keine theologische Fachliteratur war, sondern er quasi seiner Erbauungsschrift, Erweckungsschrift. Und im Grunde genommen handelt es sich um die Kapitel 7 bis 26 aus einer Abhandlung aus Frankfurt am Main aus dem Deutschen Orden. Tatsächlich aber es zeigt so bis das Interesse von Luther nicht so sehr für die theologischen Spitzfindigkeiten, sondern mehr für die praktische Verbreitung dessen, was er, das Evangelium, immer mehr kannte.
[53:54] Er kannte. Er hat dann auch dem Spaten am 14. Dezember die Theologie des Tauler sehr empfohlen. Er glaubte dem Zeitpunkt, dass Tauler einzigartig sei, sowohl in der lateinischen als auch in der deutschen Literatur.
[54:10] Der Papst schloss am 19. Dezember ein Konkordat mit Frankreich, das folgenschwer sein sollte. Und die Zwistigkeiten, die in den Jahren zuvor geherrscht hatten, vor allem wegen dem politischen Einfluss in Italien, die wurden jetzt beigelegt und Frankreich und das Papsttum haben ihre Bande erneut stark erneuert.
[54:31] Ebenfalls im Dezember veröffentlichte Thomas Morus einen Roman mit dem Titel "Utopia". In Löwen, Erasmus von Rotterdam hat er das sehr gefördert und darin beschreibt er den idealen Staat, wie sich das Mittelalter das so vorstellt.
[54:48] Kurzer Überblick über das, was andere Reformatoren in diesem Jahr erlebt haben. Gabriel Willing, 29 Jahre alt, wurde in Wittenberg, wacker, Laureus und Martin Luther hat ihn dann als Distriktsweg nach Erfurt gesandt. Dort sollte er Griechisch lernen. Da hat das aber nicht lange ausgehalten.
[55:11] Olaf Petri, 23 Jahre alt, kam aus Schweden ebenfalls nach Wittenberg. Das ist jetzt die Zeit, wo immer mehr Studenten in Wittenberg dann auch später zu Reformatoren geworden sind. Auch er studierte bei Luther. Hatte zuvor in Uppsala und in Leipzig Universitäten besucht. Ebenso Matthäus Ratzenberger, dabei erst 15 und begann seine ersten Studienfächer jetzt in Wittenberg. Er hatte vor, später mal Medizin zu studieren.
[55:40] Johannes Eck feierte weiterhin zu jung für alt Disput. Tatort diesmal in Wien. Immer ging es da um den Zins und auch die Präsentation, wie schon in Folgen gezeigt. Er wurde außerdem beauftragt, neue Kommentare zu verfassen über Aristoteles, über Petrus Lombardus. Man hoffte, dass Johannes Eck als einer der bekanntesten und besten Theologen seinerzeit, er galt als moderner Theologe, die Schulstreit-Richtungen, die Schule-Richtungsstreit zwischen den verschiedenen philosophischen Richtungen lösen könnte.
[56:16] Johann Kramer, mit 29, wurde Magister der Philosophie und Lehrer an der Thomaskirche in Leipzig. Lazarus Spengler wurde Ratsherr im größeren Rat von Nürnberg und Christoph Käppeler war ja Prediger in Memmingen, hat dort sehr beliebt war, dort sehr belebt, hat sehr deutlich auch sich auf die Seite der Armen gestellt, so sehr, dass der Senat der Stadt einmal sogar eingreifen musste. Da allerdings stabil ein so tadelloses Leben lebte und sich nicht so schon zuschulden hatte kommen lassen, persönlich konnte er auf seinem Posten bleiben.
[57:00] Kaspar Feller wurde Pfarrer in Jengen bei Augsburg, nachdem er zuvor einige Zeit als Feldprediger bei dem Reichsritter Franz von Sickingen gewirkt hatte.
[57:11] Und Thomas Müntzer richtete eine kleine Privatschule ein. Er war ja in Braunschweig und gleichzeitig in Frohse bei Affk, das Leben, wo diese Schule jetzt eingerichtet wurde.
[57:24] Martin Class wurde zum Priester geweiht. In diesem Jahr hielt seine erste Messe in Göttingen. Ebenso zum Priester geweiht, eben für uns, ebenso 24 Jahre alt und ebenso mit Namen war Martin Bucer. Der wurde ebenfalls zum Priester geweiht, ging nach Mainz, um dort Dogmatik zu studieren.
[57:45] Niclas von Amsdorf wurde Rektor in seiner Heimatstadt in Döbeln an der Lateinschule, wo er seit Jahren unterrichtet hatte. Und auch Justus Jonas wurde in Erfurt zum Priester geweiht, hielt auch seine erste Predigt auf dem Domberg in Erfurt und zudem etliche Vorlesungen mit seinen 23 Jahren über das Kirchenrecht in den Paulusbriefen.
[58:13] Jörg Jacob, 24, wurde Vikar in Graubünden in Prien. Und Angela von Stauff heiratete in diesem Jahr den fränkischen Reichsritter Friedrich von Grumbach. Sie ist jetzt ab sofort Angela von Grumbach. Sie hatte ja schon ihre Eltern verloren und in diesem Jahr verlor sie auch noch ihren Onkel, der am bayerischen Hof in einen politischen Skandal verwickelt war und daraufhin hingerichtet wurde. Eine ganz dramatische Geschichte.
[58:47] Justus Jonas, 16 Jahre alt, wurde in Erfurt Magister der freien Künste und kehrte dann in seine Heimat nach Fulda zurück. Durch den Einfluss der Humanisten war er zu einem Skeptiker geworden, der dem Evangelium zurückweisend gegenüberstand. Und während fast alle diese Diktatoren so großartige Laufbahn an der akademischen Welt gehabt haben, ist die Geschichte von Dietrich Schmidt vielleicht ein interessanter Gegenpart.
[59:20] 15 Jahre alt war er, als sein Vater, der Arbeiter Telemann, mit der Mutter verlassen hatte und Dietrich eine sehr schwere Kindheit durchmachte. Musste bettelnd, musste handwerklich arbeiten, musst du versuchen, seine Geschwister, seine Mutter bis zu einer neuen Heirat zu ernähren. Hat eine Schuhmacherlehre absolviert, die allerdings abbrechen musste wegen Gelenkrheuma. Und erst mit 15 Jahren, in diesem Jahr, hatte überhaupt lesen und schreiben gelernt. Das also durchaus eine nicht untypische Lebensentwurf in jenem späten Mittelalter.
[1:00:00] Der zwölfjährige Heinrich Bullinger ging aus der Schweiz nach Emmerich in den Niederlanden an eine ganz berühmte humanistische Schule. Sein Vater war ja Priester, der in wilder Ehe lebte und seinen Sohn jetzt eine gute Erziehung angedeihen lassen wollte.
[1:00:24] Oswald Myconius, 28, hat Basel wieder verlassen und wurde jetzt Schulmeister am Grossmünster in Zürich. Er hat trotzdem weiter engen Kontakt gehalten zu anderen Humanisten, so Fabian zu Klaren und auch zu Zwingli, der jetzt in Einsiedeln war.
[1:00:41] Hans Sachs hatte nach fünf Jahren genug vom Wandern und ließ sich in Nürnberg, seine Heimatstadt, wieder nieder.
[1:00:58] machte die durchaus dunkle Prophezeiung, dass er fürchtete, dass die Wiederentdeckung der antiken Schriftsteller zu einer Wiederbelebung des Heidentums führen konnte. Er liebte die Antike, erlebte auch die Schriftsteller, aber eigentlich wollte schon auch Christ bleiben. Und Erasmus selbst hat diesen Konflikt wahrgenommen, den vielleicht Luther noch deutlicher auch in seinem Leben gesehen hat. Und Erasmus hat das 1516 zum Ausdruck gebracht.
[1:01:28] Und Hetze, mittlerweile 56 Jahre alt, wurde in diesem Jahr vom Bistum Mainz zum Subkommissar ernannt für den Ablass des Genoms. Jetzt begann er sich im Auftrag des Bistums Mainz ganz offiziell. Da begann er damit, von Ort zu Ort zu ziehen, um für den Neubau des Petersdoms Geld einzutreiben.
[1:02:00] Damit endet das Jahr 1516 und die geschichtsträchtigen Ereignisse von 1517 lassen sich jetzt schon erahnen. Das soll aber dann Gegenstand der nächsten Folge sein, wenn es heißen wird: "Der Ablass" und wir uns die ersten zehn Monate des Jahres 1517 anschauen werden. Bis dahin wünschen wir in Gottes reichen Segen und freuen uns, wenn Sie dann nächstes Mal wieder einschalten. Hier auch www.joelmedia.de, Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation. [Musik]
Lizenz
Copyright ©2017 Joel Media Ministry e.V.Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.