In dieser Folge von „Sola Veritas“ tauchen wir in das Jahr 1517 ein und beleuchten die Ereignisse rund um den Ablasshandel, der die Reformation maßgeblich beeinflusste. Von einem Briefwechsel Luthers über seine Kritik an den Ablasspredigern bis hin zu den politischen und militärischen Umwälzungen der Zeit wird die komplexe Gemengelage vor dem Ausbruch der Reformation detailliert geschildert. Erfahren Sie mehr über die theologischen Entwicklungen und die persönlichen Reflexionen Martin Luthers in dieser entscheidenden Phase.
Sola Veritas: 21. Der Ablass (Januar – Oktober 1517)
Christopher Kramp · Sola Veritas - Die wahre Chronik der ReformationPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Sola Veritas – Die Wahre Chronik der Reformation
500 Jahre ist die Reformation alt: wird sie fortgeführt oder begraben? Wie verhalten sich Luthers Erben und was wird aus seinen (Wieder)entdeckungen? All das sind wichtige Fragen. Doch beantworten kann sie nur, wer das Reformationsgeschehen selbst gründlich kennt. „Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation“ bietet weitaus mehr als die üblichen bekannten Zusammenfassungen und Anekdoten. Ausgehend vom Jahre 1482 wird alles chronologisch erzählt, was weltgeschichlich und biographisch (sowohl bezüglich Luther als auch vieler anderer, zum Teil sehr unbekannter Reformatoren) wichtig war. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Spätmittelalters, erleben sie das zaghafte Aufblühen von Wissenschaft und Kultur, verfolgen sie die Debatten um philosophische und theologische Streitfragen und entdecken sie Schritt für Schritt mit Luther und seinen Mitkämpfern befreiende biblische Wahrheiten. So wird Kirchengeschichte lebensnah und endlich gut verständlich…. Neue Folgen wöchentlich, bzw. wenn es die Zeit erlaubt. Ein Programm von www.joelmediatv.de
Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:
Weitere Aufnahmen
Serie: Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation
-
0:0
-
0:0
-
0:0
Transkript
[0:37] Herzlich willkommen zu Sola Veritas, der wahren Chronik der Reformation hier auf joelmedia.de. Schön, dass Sie wieder eingeschaltet haben. Heute eine besondere Folge. Wir wollen uns anschauen, was genau vor 500 Jahren passiert ist. Das Jahr 2017 zeigt ja das Reformationsjubiläum und so haben wir in der heutigen Folge die Gelegenheit, anzuschauen, was 1517 passiert ist. Bevor wir beginnen, wollen wir, wie wir es gewohnt sind, mit einem Gebet starten, wozu ich Sie ganz herzlich einlade.
[1:17] Lieber Vater im Himmel, danke, dass wir heute zurückblicken können auf das Jahr, das insbesondere die Reformation ins Rollen gebracht hat. Danke, dass wir heute auch eine ganze Menge von Dingen lernen werden, die uns vielleicht neu sein werden oder nicht so bekannt sind. Vor allem, dass wir vieles über dein Evangelium sehen werden. Bitte schenke uns den Heiligen Geist und hilf uns, dass wir verstehen, was damals passiert ist, wie das auch in unserem Leben heute eine große Bedeutung hat und eine große Wirkung entfalten möchte. Halt alle Störenden fern und hilf uns, dass wir die Lektionen wirklich in unser Leben übertragen können. Im Namen Jesu. Amen.
[2:19] Teil 21: Der Ablass. Das Jahr 1517 begann, indem Luther einen Brief erhielt von Christoph Scheurl aus Nürnberg. Der einige Jahre zuvor, ja, für kurze Zeit auch in Wittenberg unterrichtet hatte, gerade zu der Zeit dann allerdings gegangen war nach Nürnberg. Als Luther nach Wittenberg gekommen war und der jetzt in Nürnberg in einem Freundeskreis um Staupitz von Luther gehört hatte, denn Staupitz rühmte Luther als einen ganz großartigen Theologen und einen echten Bibellehrten. Dieser Christoph Scheurl, dieser Rechtsgelehrte, bat Luther um Brieffreundschaft, schrieb ihm einen Brief und lobte ihn in allen Tönen und natürlich auch den Staupitz und wollte diese Freundschaft damit initiieren.
[3:13] Luther hat darauf recht zurückhaltend geantwortet, hat in das gleiche Horn gestoßen, wenn es um Staupitz geht. Hat auch ihn groß gelobt, aber wollte unter keinen Umständen von dem Christoph Scheurl gelobt werden. Ja, es ging so weit, dass er fast ein bisschen Angst hatte vor einer Freundschaft mit ihm, denn zu viel Lob, so schien es ihm, würde seinen Charakter verderben. Er sei überhaupt gar nichts an sich, was so lobenswert gewesen wäre. Selbst auf den Einwand, dass der Scheurl ja vielleicht Christus in ihm gesehen hätte, antwortete er sehr, fast schon deprimierend: Er könne sich kaum vorstellen, dass Christus in ihm Sünder wirklich ohne Makel war. Also sehr sensibel mit diesen Dingen und wollte unter keinen Umständen durch äußere Bedingungen zum Stolz verführt werden.
[4:11] In Nürnberg, wo der Christoph Scheurl von Luther gehört hatte, galt Luther als ein echter Staupitz-Anhänger und war entsprechend unter den Insidern, den die zum Kreis gehörten, schon recht bekannt. Am vierten Januar erhielt Luther eine Predigt, in der er die Pfarrer kritisierte, weil diese ständig nur Fabeln, Legenden und Ablass predigen würden, aber nicht das Evangelium. Und so rief er tatsächlich ein Wehe über die Kirche aus und forderte eine Reformation, in dem Fall eine Reformation der Predigt. Die Prediger sollten wieder die Bibel predigen und nicht einfach irgendwelche Legenden, um Geld für den Ablass zu bekommen.
[5:03] Am 13. Januar Karlstadt in Leipzig. Er hat es immer noch nicht verwunden, dass Luther so sehr gegen die scholastische Theologie gewettert hatte in den Monaten zuvor, Ende 1516, und sich einzig und allein auf diesen Augustinus, Brief samt der Bibel und so nutzte die Gelegenheit, sich in Leipzig einige Werke von Augustinus zu kaufen. In dem Bemühen, durch das Lesen von Augustinus zu beweisen, dass Luther jedenfalls verstanden hatte, unsere begannen jetzt die Werke dieses alten Kirchenvaters, dieses frühen Kirchenvaters zu studieren. Und je mehr er Augustinus las und bei Augustinus in großen Teilen das biblische Evangelium fand, desto mehr stürzte sein gesamtes akademisches, scholastisches Denken Gebäude in sich zusammen.
[6:03] Es wurde Licht auch im Denken von Andreas Bodenstein, Doktor Karlstadt. Das Thema Ablass wurde an vielen Stellen hier und dort diskutiert, vor allem auch durch diese neuen Peters Ablass, der ganz unverfroren ja damit warb, Geld für den Bau der Kirche zu generieren. Staupitz sprach sich Anfang 1517 selbst gegen die Ablöse aus, auf eine recht moderne, recht fortschrittliche Ansicht in jenen Tagen.
[6:42] Ebenfalls im Jahr 1517 erwartet der Augustiner Mönch Kaspar Gürtel, 46 Jahre alt, der in Eisleben im Augustinerkloster, für das ja auch Luther als Vorsteher der erste Vikar zuständig war, als Prediger angestellt war. Seinen Doktortitel an der Universität in Leipzig. Und dann kam der 22. Januar, und der sollte die Welt verändern, denn an diesem Tag wurde Johann Tetzel nach verschiedener Tätigkeit zuvor schon im Ablassgeschäft, jetzt für die Magdeburger Kirchenprovinz zum General-Subkommissar für den Ablassvertrieb vereidigt. Sein Auftraggeber war Albrecht von Brandenburg, der ja nicht nur Erzbischof von Mainz war, sondern immer noch auch Erzbischof von Magdeburg. Und wir hatten ja in Folgen gesehen, wie schwer verschuldet er selbst war, wie schwer auch das Erzbistum Mainz unter der Schuldenlast zu leiden hatte und wie dieser Plan eingefädelt war worden war durch die Fugger, dass der Ablassverkauf, das Geld durch den Ablassvertrieb auch Mainz zugute kommen sollte.
[8:07] Tetzel sollte jetzt diesen schleppend begonnenen Ablassverkauf neues Leben einhauchen. Er hat er große Erfahrung damit und wurde jetzt ganz fürstlich auch für diese Aufgabe entlohnt. Er bekam einen Monatslohn von 80 Gulden plus Kost, plus einen Wagen und einen Knecht, der ihm zur Seite stehen sollte. Vermutlich hat Tetzel auch Instruktionen verfasst für andere Ablassprediger, die jetzt in der Magdeburger Kirchenprovinz unterwegs sein sollten. Diese Kirchenprovinz umfasst ein ganzes, ganzen Teil Mitteldeutschlands oder des damaligen Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Und Tetzel begab sich jetzt auf diese Reise von Ort zu Ort, um den Ablass für die Peterskirche zu verkaufen.
[9:07] Der Ablass nahm jetzt tatsächlich Fahrt auf, nachdem das in den ersten Jahren etwas gestoppt hatte, weil die Franziskaner kein Interesse hatten. Wurde jetzt dieser Ablass für den Petersdom immer häufiger verkauft, immer offener beworben und das hat eine ganze Reihe von zeitgenössischen zur Kritik angeregt. Also diese Sache war jetzt im Rollen.
[9:34] Am selben Tag, als Tetzel vereidigt wurde, um in der Magdeburger Kirchenprovinz als Ablassverkäufer unterwegs zu sein, fand im Nahen Osten eine richtungsweisende Schlacht statt. Die Osmanen, die im Jahr zuvor in Syrien bereits das ägyptische Mameluckenreich besiegt hatten, waren jetzt nach Süden vorgestoßen in das Zentrum des Mameluckenreichs. Die Mamelucken, kaukasisch-islamisch, es sollte eigentlich gewesen, die dort das ganze Gebiet um Ägypten und Libyen bis nach Mekka und Medina unter Kontrolle hatten und auch Syrien. Und ihre Tage waren jetzt gezielt in der Schlacht von Raydaniyya. Hier wurden sie von den Osmanen vernichtend besiegt.
[10:30] Am 22., 23. Januar kam Tetzel Ende Januar in Eisleben an. Das war ja die Geburtsstadt von Martin Luther. Im Gegensatz zu den meisten anderen seiner Stationen hat hier der Ablassverkauf etwas stagniert.
[10:49] Am 31. Januar kam Martin Bucer nach Heidelberg, immatrikulierte sich dort an der Universität. Er hatte ja schon einige Jahre zuvor als Dominikanermönch Theologie studiert, war zuletzt in Mainz gewesen und wollte jetzt an der Universität in Heidelberg seine theologischen Studien fortsetzen. 25 Jahre war er alt.
[11:13] Am dritten Februar nahmen dann die Osmanen auch die Hauptstadt des Mameluckenreichs, Kairo, ein und damit endete die Herrschaft der Mamelucken. Und das Osmanische Reich gewann gewaltiges Territorium in nur wenigen Monaten. Dazu nicht nur ganz Syrien, Nordostafrika und Ägypten und die Sinai-Halbinsel, nein, im Laufe des Jahres wurde dann auch Medina und Mekka, das heißt, die Osmanen übernahmen jetzt ganz offiziell die führende Rolle, die Schutzräume für die heiligen Stätten des Islam bis nach Jemen. Drehten sie den Krieg ausgeweitet und dort auch dann die Kontrolle übernommen.
[11:58] In den ersten beiden Februarwochen ist Tetzel dann in Leipzig gewesen. Auch hier der Versuch, den Ablass zu verkaufen. Das ist allerdings auch auf Widerstand gestoßen in Form des Herzogs von Sachsen, Herzog Georg der Bärtige, der, wie man sieht, seinem Namen alle Ehre gemacht hat. War dagegen nicht aus theologischen Gründen, sondern aus rein finanzpolitischem Interesse. Er wollte nämlich seinen eigenen Ablasshandel mit Rom organisieren für die Bergstadt Annaberg.
[12:30] Aus dem gleichen Grund war es dem Titel sogar untersagt, in Kursachsen, also dort, wo der Kurfürst Friedrich der III. regierte, überhaupt zu wirken, weil der mit seinen Reliquien ein eigenes, einträgliches Geschäft hatte. Herr Georg der Bärtige konnte allerdings im Herzogtum Sachsen, im anderen Teil Sachsens, was ja geteilt hatte vor vielen Jahren, wie wir gesehen haben, Tetzel nicht völlig aufhalten und hindern. Allerdings ist für einige Zeit hier der Peters Ablass nur unter der Hand verkauft worden durch die Dominikaner.
[13:06] Im Februar schrieb Luther einen Brief an seinen ehemaligen Philosophielehrer, Dithmar Vetter, der in Erfurt im Studium sein Professor gewesen war. Und in diesem Brief greift Luther jetzt zum Generalangriff auf Aristoteles über. Mittlerweile war ihm vollkommen klar, dass das Grundproblem in der akademischen Theologie war, dass man alles auf Aristoteles zurückführte. Er war das Grundübel und er beschwerte sich über seinem Lehrer, dass man den Schülern, den Studenten schlechte Bücher diktierte und wollte diesen Brief nachweisen, dass man den Aristoteles viel zu sehr überschätzt. Aber sein alter Lehrer Vetter reagierte auf diesen Brief nicht.
[14:00] Eben in der zweiten Hälfte des Februar war setzte dann in Merseburg aktiv, dort im Gebiet des Bischofs von Merseburg. Und wiederum gab es Konflikt mit dem Herzog von Sachsen, aber auch hier konnte der Herzog das nicht komplett unterbinden. Viele Leute waren begeistert von den doch sehr marktschreierischen Predigten des Tages der Vergebung der Sünden, fast aller Sünden gegen Zahlung von Geld versprach.
[14:41] Am 24. Februar hatte Luther dann seine Reihe über die zehn Gebote beendet und hielt eine Predigt über Matthäus 11, Vers 28 und folgende. In dieser Predigt ging er auch wieder auf das Ablassproblem ein. Er sagte dort, dass die Ablöse eigentlich Angst vor der Strafe lehren, aber nicht Angst vor der Sünde. Und in gewisser Weise können Ablöse als Entschuldigung genommen werden, um zu sündigen und würden dann zu einer Änderung des Kreuzes. Also Luther musste seine Stimme hier in diesem Chor, in diesen wachsenden Chor der Kritiker dieser doch recht fragwürdigen Ablasspraxis.
[15:32] Die Predigt selbst geht, wie gesagt, über Jesus, der alle Menschen zu sich ruft. Matthäus 11 heißt: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“
[15:55] Luther hat danach angefangen und predigte das Vaterunser auszulegen. Die berühmte Stelle aus der Bergpredigt, wo es heißt: „Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern, und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“
[16:23] Also Luther hat ganz bewusst über wichtige Texte der Bibel Predigtreihen angefertigt, die zehn Gebote oder jetzt hier das Vaterunser, Dinge, die auch den gemeinen Gläubigen relativ gut bekannt waren oder bekannt sein sollten. Und er hat versucht, das dann so einfach wie möglich zu erklären.
[16:46] Am ersten März finden wir einen Brief von Luther an seinen Freund Johann Lang, der ja in Erfurt das Augustinerkloster leitete. Und in diesem Brief schreibt Luther über Erasmus, vor dem er natürlich viel gelernt hat und vor allem immer viel zu verdanken wegen dem neuen Testament auf Griechisch, das es ja seit letztem Jahr zuvor auf dem Markt gab. Aber trotzdem hatte Luther Grund, sich über Erasmus auch zu beschweren. Er schreibt an Lang, dass Erasmus immer weniger schätze, weil der zwar zurecht die Unwissenheit der Mönche kritisiere, aber Christus zu wenig fördere. Bei Erasmus, dem Humanisten, überwiege halt doch das Menschliche und nicht das Göttliche.
[17:32] Und Luther ist dabei sehr vorsichtig, weil sein Freund Johann Lang ein überzeugter Humanist und ganz begeistert ist von den Schriften. Aber Luther sieht die Gefahr, dass, wenn man zu sehr Menschen preist und zusätzlich allein mit der Antike beschäftigt, das am Ende dann man auch nicht wirklich etwas gewinnt. Und so möchte er seinen Freund Lang sensibilisieren dafür, dass Erasmus nicht das Maß aller Dinge ist. Auch wenn man Hebräisch und Griechisch kennt, ist man noch lange kein weiser, guter Christ, sagt Luther. Und er vergleicht dann den besonders sprachgebildeten Kirchenvater Hieronymus, der für Erasmus so das Maß aller Dinge ist, mit dem doch viel tieferen, grünen Augustinus, der das Evangelium mehr in den Mittelpunkt gerückt hat.
[18:23] Am 4. März erreicht der spanische Konquistador Francisco Hernández de Córdoba eine Küste. Man war von den bereits besetzten Karibikinseln wieder aufgebrochen auf eine Expedition und kam dort am Ufer an. Traf dort einige Eingeborene, die in der Maya-Sprache antworteten: „Yucatan“, was so viel bedeutet wie: „Ich verstehe deine Sprache nicht.“ Córdoba hielt das allerdings für den Namen des Landes und deswegen heißt bis heute die Gegend, wo er landete, die Yucatan-Halbinsel, die heute zu Mexiko gehört. Und womit die Eroberung dessen, was sie heute Mexiko nennen, begonnen hatte. Mehrmals war man an Land gegangen dort in diesem Jahr, aber es war sehr schwierig dort Fuß zu fassen. Zunächst und die Expedition wurde zunächst einmal dann wegen hoher Verluste wieder abgebrochen.
[19:30] Staupitz veröffentlicht ungefähr in dieser Zeit dann auch sein Büchlein über die zeitliche Vollendung der ewigen Vorsehung. Das ist vor allem deswegen wichtig gewesen, weil Karlstadt dieses Büchlein las und dort genau dasselbe fand, was er auch schon bei Augustinus gefunden hatte und ihn in seiner theologischen Wende bestätigt. In diesem Büchlein schreibt Staupitz Dinge, die man sonst vor allem eigentlich dann von der reformatorischen Theologie des Luther her kennt. Also Luther war nicht der erste, nicht der einzige, der in dieser Zeit diese Ideen formulierte. Und dieses Büchlein war für Luther und vor allem auch, wie gesagt, für Karlstadt eine echte Bestätigung dieser reformierten Ideen über das Evangelium.
[20:18] Es war dann auch Staupitz, der dafür sorgte, dass Wenzeslaus Link, auch ein Freund von Luther, der lange Zeit in Wittenberg gewesen war und auch dort an der theologischen Fakultät unterrichtet hatte, aus München, wo er als Prediger am Kloster gewesen war, auch nach Nürnberg geholt worden ist. Wenzeslaus Link ist dort in Nürnberg zu einem sehr beliebten Prediger herangereift und gehört natürlich selbstredend dort auch zum Kreis um Staupitz.
[20:52] Im März schlossen der Deutsche Orden im Baltikum und das Großfürstentum Moskau einen militärischen Beistandsvertrag, nicht zuletzt deswegen, weil ja kurz zuvor, zwei Jahre zuvor, Polen, Litauen, Polen, Ungarn und auch das Heilige Römische Reich, also Habsburg in Form des Kaisers, ihrerseits hier eine Allianz geschlossen hatten und um dem entgegenzutreten, um die Machtverhältnisse in Osteuropa wieder zu stabilisieren, haben der Deutsche Orden und Moskau sich hier militärisch angenähert.
[21:31] Eine weitere Predigt von Luther datiert etwa aus dem März. Dort hat er an der Kirche gepredigt, erneut über den Ablass, weil seine Zuhörer unbedingt mehr darüber erfahren wollten. Es ist ein Thema, das die Leute stark bewegte. Hier führte Luther aus, dass die Fabelprediger das Volk verführen zum Laster und um allerdings keinen Konflikt zu erzeugen, fügte hinzu, dass das, was der Papst über den Ablass sagte, richtig sei. Also zu diesem Zeitpunkt versucht Luther, einen Unterschied zu machen zwischen der eigentlichen kirchlichen Lehre über den Ablass, die zustimmt, die auch vom Papst bestätigt wird, und dann von diesem marktschreierischen Legendenpredigten, die übertrieben versuchen, die Leute über den Tisch zu ziehen und den Ablass ja, in halsbrecherischer Art und Weise verkaufen.
[22:30] Und man sieht anhand dieser Differenzierung schon, dass dem Luther ziemlich früh deutlich war, dass dieses Thema heikel, dass dort angeschnitten wurde. Als Predigt führt Luther jetzt auch sein Verständnis der Buße noch einmal sehr deutlich aus, so wie das über die Jahre jetzt entwickelt hat, durch Bibelstudium, auch durch seine eigene Erfahrung in der Anwendung der biblischen Lehre, auch das, was im Staupitz erklärte und was er auch bei Erasmus im griechischen Neuen Testament gefunden hatte, floss damit ein.
[23:07] Die Kirche hatte ja eine dreifache Buße gelehrt. In der kirchlichen Lehre musste man zuerst sich selbst zu knirschen über die Sünde, konnte dann zum Priester gehen, ein absolut irre absolvierte die Absolution erteilt und dann die Vergebung dadurch zugesprochen von Gott. Daraufhin hat der Priester immer noch eine Genugtuung auferlegt, also irgendwelche guten Werke, die man quasi als Wiedergutmachung tun sollte. Und der Ablass nach eigentlicher kirchlicher Praxis war nur dazu da, dass die absolvierten Sünder, denen schon vergeben worden war, jetzt eben nicht eine Pilgerreise tun mussten oder irgendwelche guten Werke vollführen sollten, sondern einfach durch Geldzahlung diese Abkürzung nehmen konnten, die Genugtuung nicht im vollen Umfang leisten zu müssen.
[23:58] Aber Luther hatte mittlerweile verstanden, dass diese dreifache Buße eigentlich nicht wirklich den Kern der biblischen Lehre trifft. Er hatte nicht zuletzt durch das Studium der Bibel und auch von Augustinus erkannt, dass die wahre Buße eine innere Buße ist, eine Herzensbuße. Und die äußerlichen Handlungen der Buße, wie das Beichten und das absolviert bekommen, lediglich ein Zeichen sind für das, was innerlich im Herzen geschehen muss. Und dass die Genugtuung dann nicht durch ein paar gute Werke abgetan ist und schon gar nicht durch Geld, eigentlich, sondern die Genugtuung muss darin bestehen, dass man ein Leben lang in der Demut lebt. Man kann also nicht mit ein paar Werken einfach so das abwischen, sondern wer Buße tut, der muss verstehen, dass er in Zukunft immer abhängig ist von der Gnade Gottes.
[24:55] Diese Demut war dem Luther in dieser Zeit sehr, sehr wichtig. Diese sogenannte Demut-Theologie. Der Mensch, der sich seine eigenen Unwürdigkeit bewusst, nicht nur vor der Vergebung der Sünden, sondern auch nach der Vergebung der Sünden. Und so formuliert er sogar, was zusammenfassend die wahre Buße und die falsche Größe. Die wahre Buße hasst die Sünde und liebt Gerechtigkeit und sogar die Strafe, während die falsche Buße die Gerechtigkeit hasst und die Strafe hasst und dagegen die Liebe eigentlich und die die Sünde eigentlich liebt.
[25:36] Luther erkannte zu dem Zeitpunkt, dass der Ablass, zumindest so wie er gepredigt wurde von den Ablasspredigern, er dazu tendierte, solch eine falsche Buße zu erzeugen, wo man aus Angst vor der Strafe, aus Angst vor dem Fegefeuer Geld bezahlt, aber die Sünde, das Problem, dass Sünde eigentlich gar nicht wirklich angegangen wird. Und Luther hat das Anliegen, dass die Menschen, statt einfach durch ein Papier, in Wirklichkeit zur echten Herzensbuße kommen, echte Bekehrung erleben und dann die Sünde hassen und gern auch gute Werke tun. Aber eigentlich, so ist seine Idee, braucht dann der Bekehrte diese Ablässe eigentlich gar nicht mehr.
[26:20] Wirklich interessant ist auch, dass Luther dieser Predigt anführt, dass er...
[26:23] Nutzer dieser Predigt anführt, dass er sich nicht sicher ist, ob die private Beichte überhaupt biblisch sei. Und er würde diese Frage den Juristen überlassen.
[26:30] Am 16. März endet das Fünfte Laterankonzil in Rom. Fünf Jahre hat man um die Kirchenreform gerungen, ein paar mäßige Ergebnisse erzielt, und selbst die können umgangen werden, wenn man nur genügend Geld hat oder den Papst gut genug kennt. Die Kirche hatte die Chance, sich selbst zu reformieren. Diese Chance ist kläglich vertan worden.
[27:02] Am 22. März war Tetzel in Halle, immer weiter, Ort zu Ort ging er, um den Ablass zu predigen.
[27:12] Am 28. März deutete an, dass Karlstadt, der mittlerweile vollkommen überzeugt ist von der Theologie des Nutzers, von der Theologie des Augustinus, oder wie man eigentlich sagen müsste, von der Theologie des Paulus, dass er sich vorgenommen habe, mit Karlstadt, mit den Juristen und den Sophisten, das heißt den Scholastikern, den Akademikern, eine Auseinandersetzung zu beginnen.
[27:33] Und Luther freut das. Er selbst hatte noch natürlich in Disputation schon einiges vom Stapel gelassen, aber jetzt sagt er, dass auch Karlstadt bereit ist, hier an die Front zu treten.
[27:46] Am 1. April schreibt schon wieder an Luther. Die Freundschaft ist doch einigermaßen entstanden durch den Briefkontakt und fragt Luther, ob er ihn in Kontakt bringen kann mit einem Freund, den er hat, einem Professor aus Ingolstadt, der recht bekannt ist, nämlich Johannes Eck.
[28:10] Auch der, ungefähr ein paar Jahre jünger als Stefan und Luther, logisch hat nämlich Interesse daran, auch der Freund von Luther zu werden. Und Scheu versucht, das sozusagen einzufädeln. Luther ist damit auch einverstanden und es entwickelt sich auch eine Freundschaft, eine Brieffreundschaft. Und ist einmal zwischen Johannes Eck, dem summe doch begnadeten Debattierer, der in den Jahren zuvor ziemlich in Ruhm erlangt hat, aufgrund seiner starken Disputation, über die wir gesprochen haben, und Martin Luther.
[28:46] Im Frühjahr veröffentlichte Luther auch seine Auslegung der sieben Bußpsalmen. Das sind die sieben Psalmen, die ganz besonders das Thema der Buße in den Vordergrund rücken. Luther hat sich also mit diesem Thema sehr intensiv beschäftigt. Er hat sie drucken lassen in Wittenberg, seine Auslegung und sie dann nach Erfurt gesandt zu seinem Frau Johann Lang.
[29:07] Der war allerdings nicht wirklich hundertprozentig zufrieden damit. Auch Luther später zugegeben, dass er sich hier noch ein bisschen umständlich formuliert hat. Er weiß eigentlich schon, was er sagen will, aber er findet doch nicht immer die richtige Sprache. Er verliert sich manchmal in Details und es fällt ihm schwer, diesen neuen, revolutionären Gedanken des Evangeliums richtig konkret zu kommunizieren.
[29:30] Interessant ist diese Schrift auch deswegen, weil er hier ganz bewusst nur noch den buchstäblichen Schrift Sinn verfolgt und den traditionellen vierfachen Schriftsinn, wie die römische Kirche ihn lehrt und wie er auch in den ersten Vorlesungen noch verwendet hat, den er jetzt einfach ignoriert und sich davon abwendet.
[29:53] Am 10. April 1517 ist Karfreitag. Die Osterzeit ist natürlich eine besondere Zeit im kirchlichen Leben gewesen und die Menschen besonders auch geeicht auf geistliche Dinge. Und an diesem Tag ist Tetzel in Jüterbog, das ist nur 35 Kilometer entfernt gewesen von Wittenberg. Und so reisen auch viele Wittenberger nach Jüterbog, obwohl Tetzel ja gar nichts erlaubt oder nicht erlaubt gewesen ist nach Wittenberg selbst zu kommen.
[30:28] Tetzel war zuvor in Zerbst gewesen, auch dort sind viele Wittenberger hingegangen und haben also einfach das, was ihnen zu Hause verwehrt war, weil der Kurfürst eigene Plätze verkaufen wollte, jetzt dort in Jüterbog und in Zerbst erworben. Und als die zurückkommen mit ihren Ablassbriefen und dem Martin Luther bei der Beichte, diese Briefe verhalten und sagen: "Wir brauchen nicht einmal mehr zerknirscht sein, wir brauchen keine Reue zeigen, wir haben schon bezahlt, du musst uns jetzt absolvieren."
[31:04] Da ist der Luther tief getroffen. Nicht nur, weil er in diese Geldmacherei etwas komisch vorkommt, sondern weil er ja mehr als die meisten anderen in das biblische Thema der echten, wahren Buße eingedrungen ist. Und deswegen stoßen da jetzt zwei kontinentalplatten, zwei theologische Kontinentalplatten aufeinander.
[31:27] Er wird dann auch besonders nachdenklich, als ihm einige Wittenberger erzählen, wie der Tetzel diese Plätze verkauft, wie marktschreierisch er die Erlösung und das Volk bringt und wohl angeblich sogar schwerste Verbrechen verharmlost, wenn man einfach nur Geld bezahlt. Und Luther ist wirklich aufgebracht.
[31:49] Er hält zunächst einmal in der Osterzeit einige Predigten, um den Menschen deutlich zu machen, was wahre Buße ist. Denn Luther sieht sich außerstande, einfach den Menschen die Vergebung zu sprechen, weil sie einfach Geld bezahlt haben. Und entsprechend sind dann natürlich die Käufer der Tetzelschen Ablassbriefe sehr verärgert, weil sie Geld bezahlt haben und trotzdem nicht von ihrem Beichtvater absolviert werden.
[32:15] Und Luther sieht, dass hier das Problem größer ist, als er das vielleicht geahnt hat. So hört er auf, über dieses Thema zu predigen und will sich Zeit nehmen, richtig mit der Thematik zu befassen. Er hat zwar hier und da über Ablass gepredigt, aber nie wirklich das Thema studiert. Bisher hat er sich mehr mit den grundsätzlichen Fragen des Evangeliums, der Erlösung, der Rechtfertigung, der Buße beschäftigt.
[32:40] Er kaufte sich Literatur über den Ablass und nimmt sich auch Zeit mit den Kirchenrechtlern, mit den Juristen, über diese Frage zu debattieren und zu sprechen. Und den ganzen Sommer lang wird er sich jetzt diesem Thema widmen, ohne darüber öffentlich zu reden. Er will wirklich wissen, was er dazu glauben soll.
[33:12] In Wittenberg derweil beginnt Karlstadt seine Schrift. Beginnt Karlstadt in seinen Vorlesungen als Professor im Sommersemester, die Schrift vom Geist und vom Buchstaben von Augustinus jetzt zu behandeln. Also, der Karlstadt ist wirklich hundertprozentig geschwenkt und hat sich von der althergebrachten akademischen Scholastik total entfernt.
[33:42] Anton Stolpen, Anton Lauterbach aus Stolzen beginnt 15-jährig in dieser Zeit auch sein Studium in Leipzig.
[33:53] Dann kommt der 26. April 1517. Karlstadt, wie von Luther angedeutet, sucht die Auseinandersetzung. Er schlägt an die Kirchentür an der Schlosskirche in Wittenberg 151 Thesen an. Obwohl werden an diesem Tag in Wittenberg die Reliquien gezeigt, was die ganze Sache noch einmal interessanterweise brisanter macht.
[34:17] Er fordert eine Disputation mit verschiedenen sächsischen Theologen oder mit einem sächsischen Psychologen, denen der Kurfürst bestimmen soll. Und seine 151 Schlussfolgerungen über Naturgesetz, Gnade und Gnade gegen die Scholastiker und die allgemeine Auffassung sind es wert, genauer unter die Lupe genommen zu werden. Übrigens gibt es in einem einzigen Manuskript sogar eine These mehr, weswegen manchmal in der Literatur auch von 142 Thesen die Rede ist.
[34:42] Werfen wir einen kurzen Blick auf einige ausgewählte von ihnen, die der Karlstadt hier der Öffentlichkeit preisgibt. Da heißt es zum Beispiel in der These Nummer sieben: "Die Meinung des heiligen Augustinus weicht den Fragen der Moral keine anderen." Also im Augustinus ist der wichtigste aller Kirchenväter. 21. Der Wille erlangt nicht Vermögen seiner Freiheit die Gnade, sondern eben gegenteil. Also der Wille ist nicht frei, einfach zu tun, was er möchte.
[35:09] Die Gnade gehen keine guten Verdienste voraus. Ganz entscheidend hier die reformatorische Erlösungstory. 25. Vielmehr lädt die Schrift, dass nicht einmal große Verdienste, sondern sogar Verbrechen der Rechtfertigung voraus. Genehmer der schlimme Verbrechen begangen hat, kann gerechtfertigt werden.
[35:29] 27. Grad ist es das freie Entscheidung Vermögen wert an das als später Luther glaubt an eine freie Entscheidungsmöglichkeit des Menschen. 34c. These: "Der Mensch kann vor der Gnade eine nicht erlaubte Handlung beginnen." Ähnlich wie auch vorher schon.
[35:46] 35. Er kann nicht erneuert werden ohne Fürsprache eines Mittlers, ohne Christus. Gibt es keine Erneuerung.
[35:53] 39. In keinem Gutenberg machen wir den Anfang. Immer ist es Gottes Initiative. 43. Die Hilfe der Gnade zu begehren ist der Anfang der Gnade. Also, wer seine Hilflosigkeit spürt, der erlebt echte Gnade.
[36:08] 44. Der Gerechtfertigte kann nicht recht schaffen Leben, es sei denn, ihm wird von Gott her geholfen. Also hier sieht man diese Flut des Evangeliums auch bei Paulus, findet in diesen Thesen jetzt der sich eher breit machen.
[36:22] 45. Niemand kann frei sein gutes zu tun, es sei denn, er wurde durch Christus befreit. 54. Zur These zu bekräftigen, dass ein Sünder, der todbringende Sünde begangen hat, gute Werke im Allgemeinen tun muss, um leichter zu genießen, heißt die Schrift zu kartieren.
[36:35] 65. Gottes Gebote werden den Menschen vergeblich gegeben, wenn sie keine freie Willensentscheidung haben. Da sieht man wieder die Notwendigkeit eines freien Willens.
[36:48] 66. Durch die göttlichen Gebote wird das freie Entscheidung Vermögen ermahnt, die Gnade zu suchen. Also Karlstadt versteht und lehrt jetzt, wo sind eigentlich der Sinn der Gebote Gottes? Besteht das Gesetz fügt uns Schmerz zu, den es nicht heilt, aber es ermahnt, dass wir einen Arzt suchen.
[37:08] 68. Das Gesetz macht die Laster offenbar. Das ist ein direktes Echo dessen, was Paulus auch im Römerbrief schreibt. 84. Gesetz ohne Gnade ist tötender Buchstabe, Gesetz in der Gnade leben, spendender Geist.
[37:23] Hochinteressant. 85. Die Gnade macht uns zu Liebhabern und Tätern des Gesetzes. Also in diesem reformatorischen Verständnis von Karlstadt wird das Gesetz keinesfalls abgeschafft.
[37:33] 91. Der Mensch kann ohne Gnade keine Gebote des Gesetzes erfüllen, nicht einmal unvollkommen. Und dann ganz hochinteressant.
[37:40] These 101: "Die zehn Gebote sind ausgenommen, die Einhaltung des Sabbats vom Christenmenschen einzuhalten." Also, man wusste schon von dem vierten Gebot war damals der Meinung, das ist einfach nicht mehr gültig. Ist jedoch buchstäbliche Einhaltung vermehrt Begierde und Unrechtmäßigkeit und erzeugt über das Maß Sünde.
[38:02] Dann das Gesetz ist glaubensgeschrieben auf den fleischlichen Tafeln des Herzens, ist die Liebe selbst ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist. Hast du eine wundervolle These, die Liebe Gottes, die durch den Heiligen Geist unsere Herzen kommt. Das ist das Gesetz des Glaubens.
[38:20] 106. Werke der Liebe auf Papier geschrieben ist das Gesetz der Werke und tötender Buchstabe. Karlstadt versteht jetzt ganz genau, was eigentlich mit diesem Gesetzeswerke gemeint ist, nämlich, dass die Theorie, die man ohne den Geist nicht halten kann.
[38:33] 107. Dieselbe Gnade lag im Alten Testament verborgen, die im Evangelium Christi gespendet worden ist. Karlstadt versteht, Altes und Neues Testament ist letztendlich das selbe Evangelium.
[38:44] 120. Beständigkeit in der Liebe ist der Ausdruck der Gnade Gottes. Wirklich tiefgründige Sätze, über die man mehr noch sagen müsste, wenn die Zeit da wäre. Dem Gerechten, der mit der Gnade Werke tut, steht das ewige Leben gemäß Würdigkeit nicht zu. Mit anderen Worten, selbst wer aus Gnade das Richtige tut, kann sich damit das ewige Leben nicht verdienen.
[39:04] Ein Gerechter ist somit gut und böse zugleich, ein Kind Gottes und ein Kind der Welt. Karlstadt wehrt sich dagegen, dass man angeblich durch die Bekehrung sofort vollkommen sinnlos ist, sondern er weiß, da gibt es immer noch Begierde und Versuchungen.
[39:21] Auch der Christ. Feld 144. Die Lehre des Aristoteles führt in den Schulen der Theologen zu einer schlechten Mischung. Da sieht man also auch jetzt diese Anti-Haltung gegenüber Aristoteles, die ja von Luther übernommen hat.
[39:35] Sünde im Körper zu haben ist nicht mit Sündigen gleichzusetzen. Das vielleicht interessant. Er glaubt, wie auch Luther, aufgrund von Augustinus an die Erbsünde, aber nicht, dass das man Sünde im Körper hat, das gleiche ist wie wenn man das war tatsächlich so nicht.
[39:50] Was ist das anderes als ein Echo folgender Worte von Paulus? "Dadurch, dass Gesetzeswerke wird kein Mensch vor ihm gerecht sein." Der durch das Gesetz kommt, erkennt die Sünde. Oder so kommen wir nun zu dem Schluss, dass der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird, ohne Werke des Gesetzes.
[40:05] Das Evangelium bricht sich Bahn in diesen 151 Thesen von Karlstadt. Luther war begeistert, wirklich begeistert, dass der Culture das auf den Punkt gebracht hatte. Und er freute sich so sehr, dass er diese Thesen direkt weiter gesandt hat, zum Beispiel zu seinem neuen Freund Christoph Stoll nach Nürnberg.
[40:30] Der soll dann diese Thesen auch zu Wenzeslaus Link, der dort ja Prediger ist, weiterleiten. Und hier haben wir den einen Teil des Briefes: "Diese Sätze, welche man Thesen nennt, schicke ich an dich und durch dich an den Vater Magister Wenzeslaus. Es sind aber wunderliche Sätze für die Beschränkten im Lateinischen, das paradoxe, aber gute Sätze und schöne Sätze für die, welche es wissen. Für mich aber die allerbesten Sätze. Gelobt sei Gott, der dem Lichte wieder befiehlt, aus der Finsternis zu ergänzen."
[41:04] Luther war richtig enthusiastisch, dass sein ehemaliger Gegenspieler Karlstadt, der ihn noch Ende 1516 in Rom verklagen wollte, jetzt plötzlich seine Sache fast noch brillanter vorträgt, als Luther das bisher in der Öffentlichkeit getan hatte.
[41:21] Am Ende dieses Satzes hat sich ja Leute auf 2.446 berufen, wo es heißt: "Denn Gott, der das sprach: 'Es werde Licht aus der Finsternis', der hat einen hellen Schein in unseren Herzen gegeben, dass die Erleuchtung entstünde zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi."
[41:39] Auch wenn es laut von links ins Linke hält, diese Thesen von Karlstadt und Luther schreibt in dem Brief übrigens auch in einem kleinen Seitenhieb, dass diese Thesen besser sind als die Werke von Cicero, weil nämlich Augustinus oder vielmehr Christus selbst besser ist als Cicero.
[42:01] "Das Licht brach sich Bahn." Die Sacharja 60, Vers 1 und 2 sagt: "Mache dich auf, werde Licht, denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über die Erde." Und es bedeckt das Erdreich und dunkel die Völker, aber über dir geht auf der Herr und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Es war ganz offensichtlich Gott, hatte seine Hand hier im Spiel und drängte jetzt Luther, Karlstadt und andere an die Öffentlichkeit zu gehen.
[42:22] Dieses Evangelium, dass sie gefunden hatten, klar und deutlich zu kommunizieren. Während Tetzel umherging und den Ablass verkaufte. Erneut hatte Luther brieflich den Tauler empfohlen, den da ja im Jahr zuvor kennengelernt hatte, der aus dem Spätmittelalter stammte und dort im Umfeld des Neuplatonismus gewirkt hatte.
[42:45] Luther hat zu dem Zeitpunkt kein Interesse mehr an der Mystik, hat auch die mystischen Elemente beider völlig ignoriert und weggelassen. Was interessant beim Tauler faszinierte, war der praktische Frömmigkeitsaspekt, dass weil das der Tauler darüber schrieb und das noch auf Deutsch, dass man praktisch Christsein konnte, ohne in den abstrakten philosophischen Termini der Scholastiker. Und entsprechend hat er den Teil sehr stark empfohlen für ihn, weil solche Art von Literatur, wo es um das praktische Christian geht, noch wichtiger als der neue Humanismus.
[43:21] Am 17. Mai schreibt Luther an einen Propst in Leitzkau, das Kloster dort, und gibt ihm Ratschläge, wie man mit einem Mönch verfahren soll, der in schwere Sünde gefallen ist, und empfiehlt die volle Wucht der Statuten anzuwenden. Obwohl möglicherweise sogar der Propst selbst ein größerer Sünder ist.
[43:48] Und Luther begründete es damit, dass wir im Werk Gottes nicht gerufen sind, uns selbst zum Maßstab zu machen. Es mag sein, dass die Leiter der Gemeinde größere Sünder sind als die, als die einfachen Glieder. Das darf aber nicht dazu führen, dass es den einfachen Gliedern dann nicht die Konsequenzen aufgezeigt werden.
[44:12] Luther berichtet an Lang am 18. Mai: "Die neue Theologie und auch das Studium von Augustinus verbreitet sich an der Wittenberger Universität wie ein Lauffeuer." Aristoteles wird immer mehr verachtet und die Professoren, die noch Vorlesungen im alten Stil halten, mit scholastischen Lehrbüchern, die werden kaum noch Zuhörer finden.
[44:36] Stattdessen gehen alle Studenten dorthin, wo die Bibel und die Kirchenväter pur, ohne scholastische Philosophie gelesen werden und vorgestellt werden. Auch Nikolaus von Amsdorf, der andere Kollege Luthers aus der theologischen Fakultät, ist jetzt ein absolut treuer Anhänger der lutherischen Theologie.
[44:59] Er hat sich auch eine Ausgabe von Augustinus gekauft, hat es auch studiert. Auch er erkannte Augustinus eigentlich vorher gar nicht, hat den ganzen Kirchenväter endlich so für Grammatik gehalten. Und Luther hat ihn gebeten: "Den Amsdorf, hör doch auf, die Philosophen und die Logik hier zu studieren, studiere lieber Paulus." Und das hat er Amsdorf gemacht und hat dann selbst eingesehen, dass er verführt gewesen ist und durch als Professor an der Universität dadurch auch viele junge Studenten verführt hat.
[45:29] Also Luther, Karlstadt, Amsdorf, das waren jetzt mehrere, die dort an der theologischen Fakultät in Wittenberg ein Leuchtturm plötzlich herausragten in der theologischen Finsternis der damaligen Zeit. Und im Juni war Tetzel in Magdeburg.
[45:50] Luther hat jetzt seine Studenten, die ihr auf das Magisterexamen vorbereitet hat, zu regelrechten Gegnern des Aristoteles ausgebildet. Er hat das nicht nur ab und zu erwähnt, er hat sie in seinen Vorlesungen so sehr präpariert, dass sie genau wussten, warum Aristoteles falsch ist, warum er das Grundproblem im Studium ist und warum man Theologie ohne ihn halten sollte.
[46:14] Da hat Luther ganz bewusst natürlich auch den Konflikt mit der alt-einigen Scholastik provoziert und seine Hoffnung war natürlich, dass eine neue Generation diesen Aristoteles völlig aus dem Psychologiestudium verbannen.
[46:35] Kam es zu einer interessanten Handlung. Ulrich von Hutten war aus Italien wieder zurückgekehrt, wo er ja eigentlich noch studieren sollte, auf Bitten von Albrecht von Brandenburg, der ihm ja einen Arbeitsplatz angedeihen lassen wollte. Er hatte allerdings dort keinen akademischen Abschluss gemacht und kam jetzt zurück.
[46:56] Das hat allerdings den Kaiser Maximilian nicht gestört, denn der wollte diesen begabten Poeten Ulrich von Hutten für seine eigene Propaganda nutzen und hat ihm dementsprechend die Dichterkrone aufgesetzt. Ulrich von Hutten wurde jetzt wie einige andere zuvor vor ihm auch schon Peter Laureus, gekrönte Dichter.
[47:25] Starb hat am 6. August Luther getroffen und wir wissen nicht genau, was dort gesprochen worden ist. Aber möglicherweise hat er hier noch einmal einen Input bekommen bezüglich der Ablassfrage.
[47:38] Am 15. August waren es die Portugiesen, die zum ersten Mal als erste europäische Nation offiziellen diplomatischen Kontakt mit dem Kaiserreich in China aufnahmen, der Ming-Dynastie.
[47:50] Ende August hat der Luther dann die Gelegenheit zum ersten Mal Christoph Schaub persönlich kennenzulernen. Er war es ein paar Tage in Wittenberg.
[48:03] Und beim gemeinsamen Essen hat man sich dann besser kennengelernt. Luther hat spätestens zu dem Zeitpunkt verstanden, dass der Tetzel nicht einfach aus eigenem Gutdünken unterwegs ist, sondern dass es da eine Papstbulle gibt zum Ablasshandel, deren Existenz hat er jetzt zur Kenntnis genommen.
[48:22] Und in dieser Zeit verfasst er jetzt ein kleines Traktat, sozusagen als erste Summe, als erste Schlussfolgerung seines monatelangen Studiums über den Ablass. Und in diesem Traktat über die Ablässe ist er noch sehr moderat und will die Ablässe eigentlich verteidigen. Er will nur solche Auswüchse, die bei Tetzel ausmerzen.
[48:46] Die Ideen, die sie dort finden, lassen sich so zusammenfassen: Ablässe sollen mit Ehrfurcht angenommen werden, weil Luther sie nach wie vor als den Schatz der Kirche betrachtet, Christi Verdienste und die Verdienste der Heiligen, dass der erworbene Schatz der Kirche und die Ablässe nehmen aus diesem Schatz etwas heraus. Deswegen sollte man eben nicht das ganze zwar Geldmacherei benutzen, das Volk missversteht die Ablässe. Das war sein Anliegen momentan zu dem Zeitpunkt.
[49:13] Und beim Ablass werden zwar Strafen erlassen, aber das eigentliche Problem, der Kern des Evangeliums, dass es geht, das Sündenproblem, die Lösung, das wird gar nicht angegangen von den Ablässen. Er gibt zu, zu diesem Zeitpunkt, dass der Papst von Strafen lösen kann, allerdings von den Strafen, die der Papst selbst auferlegt hat.
[49:31] Und interessanterweise, es sagt Luther im Spätsommer oder Frühherbst 1517, dass Gott vielleicht die
[49:36] Frühherbst 1517, dass Gott vielleicht die Ablösung deswegen zuletzt, weil möglicherweise die Toten davon profitieren. Es war ja eine Idee, die Tetzel ja auch ganz stark gepredigt hat, dass, wenn der Taler in den Kasten springt, die Seele aus dem Feuer springt. Und interessanterweise war Luther erstmal damit noch gar nicht so sehr auf Kriegsfuß. All diese Entwicklung hat auch Thomas Müntzer mitbekommen, der sich im Herbst 1517 für einige Zeit in Wittenberg aufgehalten hat. Auch Müntzer hat hier Luther persönlich getroffen und hat diese ganzen reformatorische Stimmung aufgesogen. Karlstadt und und Ammsdorf und Luther hatte Diskussionen, Disputation in einer Universität Erfolg, hat sogar einige Vorlesungen dort mitgemacht, hat Luthers Theologie studiert und auch die Ideen der Humanisten dort aufgenommen. Das war eine sehr prägende Zeit für Thomas Müntzer.
[50:35] Dann kam der vierte September. Erneut sollte jemand promoviert werden, in dem Fall Franz Günther aus Nordhausen. Zu dessen Promotion ließ Luther Thesen aufstellen und zwar unter dem Thema: Stellungnahmen gegen die scholastische Theologie. Es waren 790 Thesen. Im ganzen Ort hatte sich gründlich darauf vorbereitet, hatte den "Lombardus" Kommentar von Biel sich noch mal angenommen. Und jetzt ging er zum absoluten Frontalangriff auf Aristoteles über. Messen wir schauen kurz in diese 97 Thesen herein mit einigen wenigen ausgewählten Exempeln.
[51:19] These 6: So, es ist falsch zu behaupten, dass der Wille von Natur aus korrekte Satzung erfüllt. Das ist gesagt in Opposition zu Scotus, Duns Scotus war einer der großen Klassiker und Gabriel Biel, der Jahre zuvor verstorben war, einer der letzten großen Klassiker in Tübingen. Also, der Mensch hat von Natur aus keinen Willen, das Richtige zu tun. Diese These, Tatsache ist, ohne die Gnade Gottes produziert der Wille eine verkehrte und böse Tat. Man sieht also, wie einst hier Karlstadt und Luther in ihren Thesen argumentieren.
[51:55] These 18: Gott von Natur aus über alles zu lieben, ist eine fiktive Phrase, ein Hirngespinst, sozusagen. Dies ging die allgemeine Lehre, das heißt, also die allgemeine Lehre war, dass es durchaus möglich ist, vor allem Menschen aus sich selbst heraus Gott von ganzem Herzen zu lieben und Gottes Gnade wäre dann nur dazu da, das Ganze noch zu verbessern, noch ein bisschen zu helfen und zu unterstützen. Aber er sagt, das ist Unsinn, Quatsch.
[52:23] These 20: Ein Akt der Freundschaft wird nicht von Natur aus getan, sondern aufgrund vorhergehender Gnade. Die Scholastik hatten gelehrt, dass die Tatsache, dass ja auch Ungläubige freundlich sind, ein Beweis dafür ist, dass Menschen Gutes in sich haben. Aber Leute, sagt er, nein, selbst wenn jemand etwas Freundliches tut, dann nur, weil vorher Gott schon Gnade gegeben hat.
[52:43] These 30: Was die Menschen betrifft, geht der Gnade nichts voraus aus Abneigung unserer Rebellion gegen die Gnade. Der Mensch keine Schritte tun, um zur Gnade zu kommen. Er kann sich einfach nur an dem...
[52:55] These 34: Kurz gesagt, der Mensch hat von Natur aus weder korrekte Vorsätze noch guten Willen. Das ist eigentlich das, was Luther oft damit meint, wenn er sagt, dass der Mensch keinen freien Willen hat. Geht ihm darum, dass der Mensch nicht frei ist, aus sich heraus zu entscheiden, was gut oder was schlecht ist. Er wird immer ohne Gottes Gnade das Schlechte wählen.
[53:13] These 40: Jetzt ging es ans Eingemachte. Wir werden nicht gerecht, indem wir gerechte Taten tun, sondern nachdem wir gerecht gemacht worden sind, tun die gerechte Taten. Dies in Opposition zu den Philosophen. Das war genau das Gegenteil von dem, was Aristoteles lehrte und was überall unterrichtet wurde.
[53:32] These 41: Faktisch, die gesamte Ethik des Aristoteles ist die schlimmste, ist der schlimmste Feind der Gnade. Dies in Opposition zu den Scholastikern. Also, deutlicher konnte man es gar nicht formulieren.
[53:45] These 44: Niemand wird ein Theologe, es sei denn, er wird es ohne Aristoteles. Vorher wurde gesagt, in Erfurt mal von dem Johann, wo nämlich von Lars für: Niemand wird ein Theologe ohne Aristoteles. Jetzt sagte Luther, man kann Soziologe werden, wenn man hat Aristoteles ignoriert. Und dann hier deutet sich schon an, wie sehr Luther es versteht, auf den Punkt zu formulieren.
[54:08] These 50: Kurz gesagt, der gesamte Aristoteles verhält sich zur Theologie wie Finsternis zum Licht. Das war eine Bombe. Das kann sich heute niemand vorstellen, was das ausgelöst hat in der Wissenschaft, als der Luther das gesagt hat.
[54:22] These 56: Es ist nicht wahr, dass Gott den Menschen ohne seine rechtfertigende Gnade annimmt. Diese Position zu Ockham, den er ja früher selbst gelesen und studiert und gelehrt hatte. Die Scholastiker hatten geglaubt, dass Gott auch einen Menschen so annehmen kann, ohne Gnade geben zu müssen. Und er sagt jetzt: Nein, das geht nicht.
[54:37] These 68: Deswegen ist es unmöglich, das Gesetz in irgendeiner Weise zu erfüllen, außer durch die Gnade Gottes. Selbstgerechtigkeit der Werksgerechtigkeit wird hier von These für These der jegliches Fundament entzogen.
[54:57] These 72: Was das Gesetz will, möchte der Wille niemals, es sei denn, er gibt es aus Angst oder Liebe vor.
[55:04] These 76: Jede Tat des Gesetzes ohne Gnade Gottes erscheint äußerlich gut, aber innerlich ist die Sünde. Diese Positionen zu den Scholastikern. Scholastiker haben seine äußeren Gehorsam für gut befunden, im Grunde genommen, weil sie damals zu ähnlich für die Pharisäer wie der Paulus von seiner Bekehrung, des Saulus, wo man auch einfach den Buchstaben des Gesetzes folgen wollte. Und Luther hat das durchschaut, hat festgestellt, äußerlicher Gehorsam ist wirklich eigentlich sind...
[55:30] These 79: Verdammt sind alle, die die Werke des Gesetzes tun.
[55:35] These 80: Gesegnet sind alle, die die Werke der Gnade Gottes tun. Also, er war nicht gegen Werke, es ging um die Frage: Eigene Werke oder Gottes Werke? Das war die große Frage.
[55:45] These 84: Das gute Gesetz, dem man lebt, ist die Liebe Gottes, die durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen ist. Ja, vielleicht hat man da ein Thema. Das war fast identisch mit dem, was Karlstadt in seinen 151 Thesen gesagt hat.
[55:59] These 87: Da das Gesetz gut ist, kann der Wille, der diesem feindlich gegenübersteht, nicht gut sein. Was für eine brillante Logik.
[56:06] These 89: Gnade als Mittler ist notwendig, um das Gesetz mit dem Willen zu versöhnen. Und dann...
[56:12] These 96: Eine vielleicht besonders bewegende Aufruf: Wir müssen unseren Willen in jeder Hinsicht dem Willen Gottes anpassen. In Opposition zum Kardinal damals ist Thomas von Aquin gemeint.
[56:24] Am besten an der ganzen Sache war, dass Luther, nachdem er diese diese Bombe platzen lassen, danach sagt, dass er mit diesen Thesen weder die Kirche noch ihre Lehre angetastet hätte. Natürlich, vielleicht etwas überspitzt. Es war in Wirklichkeit ein Frontalangriff auf das, was überall an allen Universitäten gelehrt wurde. Und Luther hat jetzt die Öffentlichkeit gesucht. Er hat diese Thesen nach Erfurt gesandt, er wollte wissen, wie man dort darüber denkt. Er hat Johann Lang das wissen lassen, er hat auch angeboten, dass man eine Diskussion über diese Thesen auch in Erfurt halten könnte.
[57:05] Er hat sie dann auch nach Nürnberg gesandt, wiederum zu Christoph Stoll, der sie ebenfalls an Johann Eck weitergeleitet hat. Und dass Luther sie nach Nürnberg, dort, wo einige der fortschrittlichsten Theologen und Humanisten zusammen sind, schickt, diese größte Stadt Deutschlands, zeigt, dass er wirklich jetzt die Aufmerksamkeit für diese Lehre gesucht hat.
[57:36] Schauen wir kurz in seinem Brief an Scheurl: "Ich schicke dir außerdem unsere Thesen, die ganz wunderlich sind und wie es vielen scheint, sehr schlechte Sätze, welche uns zu unserem Eck vorlegen kannst, dem sehr gelehrten und scharfsinnigen Mann. Damit ich höre und sehe, was für einen Namen er ihnen gibt." Also, Luther hat sich gewünscht, dass diese 97 Thesen dem Johannes Eck verlegt, weil er wissen wollte, was lag über die 97 Thesen.
[58:09] Es gab zunächst keine unmittelbare Reaktion, aber das Studium in Wittenberg wurde erneut akademisch angehoben. Die Standards wurden angehoben. Auf Vermittlung von Palatin kam auch Johannes Ekolampadius. Erinnern uns, der viele Jahre zuvor zum gekrönten Dichter gemacht worden war vom Kaiser, der auch an vielen Universitäten unterrichtet hatte, überall Probleme hatte, immer wieder ausgewiesen wurde, weil er so kämpferisch war. Er wurde jetzt nach Wittenberg berufen, um dort Vorlesungen zu halten. Und die theologischen Professoren waren jetzt auf der Linie von Luther.
[58:51] Der Ekolampadius hatte über den alten Kirchenvater Ambrosius von Mailand gelesen. Karlstadt hat direkt über Augustinus gelesen. Ekolampadius hat über Hieronymus gelesen und Martin Luther selbst über den Hebräerbrief. Er war der Bibelprofessor und hat entsprechend biblische Bücher ausgelegt. Und da im Hebräerbrief gibt es genauso das Evangelium. Ebenfalls ist der Paulus hier beim Schreiben, weil wir dann einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat. So lasst uns festhalten an dem Bekenntnis, denn wir haben nicht einen Hohenpriester, wenn nicht könnte mitleiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde. Darum lasst uns frei mutig hintreten zu dem Thron der Gnade, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden und so Hilfe erfahren zur rechten Zeit.
[59:42] Innerhalb eines dreiviertel Jahres hat der eine Dozent, Professor Luther, die gesamte theologische und fast die gesamte theologische Fakultät Wittenberg auf seine Seite gezogen. Das Evangelium wird jetzt von ihnen allen gemeinsam deutlich gepredigt. Und damit wird Wittenberg wie zu einem Leuchtfeuer in jener Zeit.
[1:00:04] Karlstadt hat dann auch seinen Kommentar zu Augustinus herausgegeben. Man wollte jetzt also das unter das Volk bringen und diesen Kommentar, so Kommentar wurde dann gedruckt. Das Ganze unter den aufmerksamen Augen und Ohren der Jugend, die dort studierte, unter anderem Matthäus Ratzenberger, der 13. Oktober 1517, 16-jähriger seinen Bakkalaureus machte. Er hatte sich Luther angeschlossen. Diese Jugendlichen waren begeistert von dieser Klarheit des Evangeliums und auch von dem reformatorischen Elan, der sich auch in Wittenberg breitmachte. Ein Antrag war Johannes Agricola, der als 23-jähriger der Sekretär von Luther war und mit dem Matthäus Ratzenberger auch befreundet war.
[1:00:57] Martin Luther indes dachte weiter nach. Die Frage des Ablasses bewegte ihn, denn trotz eines Frontalangriffs auf Aristoteles, wo er mit all deinen Kollegen jetzt übereinstimmte und das Evangelium predigte, war es ihm ein Dorn im Auge, dass dieser Tetzel so gotteslästerliche Dinge predigte. Und er war noch nicht zufrieden mit dem, was an diesem Traktat bisher formuliert hatte. Es arbeitete in ihm in diesen Wochen im September und Oktober 1517. Und dann brach sich das Licht Bahn, nicht nur in Wittenberg, sondern in der ganzen Welt.
[1:01:39] Das werden wir das nächste Mal behandeln, dann mit einer Sonderfolge, die die 95 Thesen und die Geschehnisse des 31. Oktober 1517 allein zum Gegenstand. Damit wären die ganzen 95 Thesen uns anschauen, wenn nicht in allen Details, aber so, dass man einen guten Überblick bekommt. Und werden sehen, was war es, das diesen diesen Schalter umgelegt hat, die aus dieser begeisternden Wittenberger Bewegung die weltweite Reformation wurde.
[1:02:07] Wir wünschen Ihnen Gottes reichen Segen und freuen uns, wenn wir nächstes Mal uns wieder hier sehen, wenn es dann wieder heißt: Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation.
Lizenz
Copyright ©2017 Joel Media Ministry e.V.Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.