In dieser Folge von „Sola Veritas“ taucht Christopher Kramp tief in die historischen Ereignisse rund um den Thesenanschlag Martin Luthers am 31. Oktober 1517 ein. Er beleuchtet die Hintergründe, die Motivation Luthers und die Umstände, die zur Veröffentlichung der 95 Thesen führten. Die Sendung analysiert die ersten Thesen und erklärt, wie sie die damalige Praxis des Ablasshandels in Frage stellten und den Grundstein für die Reformation legten.
Sola Veritas: 22. Die 95 Thesen (31. Oktober 1517)
Christopher Kramp · Sola Veritas - Die wahre Chronik der ReformationPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Sola Veritas – Die Wahre Chronik der Reformation
500 Jahre ist die Reformation alt: wird sie fortgeführt oder begraben? Wie verhalten sich Luthers Erben und was wird aus seinen (Wieder)entdeckungen? All das sind wichtige Fragen. Doch beantworten kann sie nur, wer das Reformationsgeschehen selbst gründlich kennt. „Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation“ bietet weitaus mehr als die üblichen bekannten Zusammenfassungen und Anekdoten. Ausgehend vom Jahre 1482 wird alles chronologisch erzählt, was weltgeschichlich und biographisch (sowohl bezüglich Luther als auch vieler anderer, zum Teil sehr unbekannter Reformatoren) wichtig war. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Spätmittelalters, erleben sie das zaghafte Aufblühen von Wissenschaft und Kultur, verfolgen sie die Debatten um philosophische und theologische Streitfragen und entdecken sie Schritt für Schritt mit Luther und seinen Mitkämpfern befreiende biblische Wahrheiten. So wird Kirchengeschichte lebensnah und endlich gut verständlich…. Neue Folgen wöchentlich, bzw. wenn es die Zeit erlaubt. Ein Programm von www.joelmediatv.de
Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:
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Serie: Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation
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Transkript
[0:37] Herzlich willkommen zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation. Heute mit einer ganz besonderen Folge. Es soll um den Thesenanschlag von Martin Luther gehen, die 95 Thesen vom 31. Oktober 1517. Anlässlich des Jubiläums eine eigene Folge nur für diesen so bedeutsamen Tag, der die Weltgeschichte verändert hat. Bevor wir dort aber hineinsteigen und dann alle 95 Thesen auch anschauen und kurz kommentieren werden, möchten wir mit einem Gebet starten und dazu lade ich Sie ganz herzlich ein.
[1:15] Lieber Vater im Himmel, vor 500 Jahren ist die Welt erschüttert worden durch einen Mann, der sein Wort studiert hat und sich entschieden hat, dir zu folgen. Wir möchten dich bitten, dass wenn wir heute uns diese 95 Thesen anschauen, wir vor allem inspiriert werden, dir zu folgen, was immer die Konsequenzen sein mögen, dass wir für die Wahrheit einstehen, von einem Heiligen Geist geleitet werden. Wir möchten dich bitten, dass du uns verstehen lässt, worum es damals wirklich ging und welche Bedeutung auch diese Thesen in unserer Zeit, in unserem persönlichen Leben haben. Und so danken wir dir, dass du zu uns sprechen wirst. Im Namen Jesu. Amen.
[2:02] Teil 22: 31. Oktober 1517 – Die 95 Thesen. Es rumorte in Martin Luthers Kopf. Er hatte seit der Osterzeit über die Frage der Ablöse gepredigt. Er hatte sich Gedanken gemacht, er hatte vor allem auch das Kirchenrecht konsultiert oder die Bibel studiert. Er hatte sich mit Experten ausgetauscht. Lag das ganz quer im Magen, dass immer wieder Leute aus seiner Kirche, die bei ihm die Beichte abgeben wollten, einfach mit Zertifikaten ankamen und ohne jede Reue Sündenvergebung in Anspruch nehmen wollten, weil sie bereits dafür bezahlt hatten.
[2:59] Er hatte, wie gesagt, monatelang sich in diese Thematik hineingelesen und hineinstudiert, mit der er sich vorher in den Jahren zuvor als Professor in Wittenberg nicht sehr ausführlich beschäftigt hatte. Aber das Wirken von Johann Tetzel hatte das notwendig gemacht. Luther hat den Tetzel wohl gar nicht selbst als Prediger gehört in diesem Zeitraum, sondern lediglich das mitbekommen, was seine Gemeindeglieder, seine Kirchenmitglieder sozusagen erzielt haben, als sie in einigen dieser Predigten von Tetzel gewesen waren, als sie dort ihre Briefe, ihre Ablassbriefe gekauft haben.
[3:37] Tetzel selbst war untersagt gewesen in Kur-Sachsen, das heißt in den Herrschaftsbereich von Friedrich dem Dritten zu wirken. Aber er war in Orten gewesen, die ganz nahe von Wittenberg gelegen waren, wie wir in der letzten Folge gesehen haben. Und sein Auftreten war derart gewesen, dass das nicht nur Luther skandalisiert hatte. Man hatte ausgerufen: „Wenn Tetzel vor den Toren der Stadt war, dass die Gnade Gottes und die Gnade des Papstes zu den Toren der Stadt eingekehrt ist.“ Die Predigt des Wortes Gottes wurde aufgehalten, damit Tetzel lang und breit seine Ablassbriefe darlegen konnte.
[4:16] Und es wurde berichtet, dass Tetzel in großsprecherischer Art und Weise erstaunliche Dinge sagte, wie zum Beispiel auch, dass man sogar der Gottesmutters Gewalt hätte antun können und trotzdem davon absolut befreit werden konnte durch den Kauf eines Ablassbriefes. Solche Dinge waren dem Martin Luther zu Ohren gekommen.
[4:36] Er hatte sich reiflich überlegt, war zum Schluss gekommen, irgendetwas muss geschehen. Er wollte öffentlich dieses Thema diskutieren. Es war ein Samstag, der 31. Oktober 1517. Eigentlich kein besonderer Tag. Alles wartete auf den nächsten Tag. Am Ersten November war damals wie auch heute Allerheiligen, eines der wichtigsten Feste der römischen Kirche. Dort sollte zu dieser Gelegenheit auch wieder einmal die Reliquien ausgestellt werden, die Kurfürst Friedrich der Dritte ja schon seit Ewigkeiten sammelte, seit gefühlten Ewigkeiten. Und wo man Ablass auch bekommen konnte.
[5:24] Und Luther dachte sich, dass dies eine gute Gelegenheit sei, auf die Problematik hinzuweisen. Er wollte allerdings keine öffentliche Diskussion, ohne sich nicht auch gleichzeitig an diejenigen zu wenden, die in seinen Augen mit Verantwortung trugen. So entschloss er sich, einen Brief zu schreiben an den Erzbischof von Mainz, der gleichzeitig auch der Erzbischof von Magdeburg war und damit gesamtverantwortung auch hatte für diesen Bereich, in dem Tetzel unterwegs war. Er war ja Tetzel war angestellt sozusagen bei Albrecht von Brandenburg.
[6:06] Der war zu dem Zeitpunkt 27 Jahre alt und dementsprechend etwas jünger als Luther. Luther hat am 31. Oktober einen Brief verfasst an jenen Erzbischof und damit auch Kurfürst Albrecht von Brandenburg, in dem er sehr freundlich, sehr unterwürfig auf die Missstände hinweist. Dabei nimmt er an, dass Albrecht von Brandenburg von alldem eigentlich gar nichts weiß, dass seine Ablassprediger in einer solchen Auswüchse Art und Weise den eigentlich guten kirchlichen Ablass völlig missbrauchen. Und er warnt den Albrecht sozusagen, dass wenn nichts geschehe, dann große Schwierigkeiten zu befürchten seien.
[6:56] Dieser Brief enthielt dann im Anhang auch die berühmten 95 Thesen, die also auf jeden Fall schriftlich am 31. Oktober verschickt worden sind oder geschrieben worden sind. Dieser Brief ging nicht oder solch einen Brief ging nicht nur an Albrecht von Brandenburg, sondern auch an den direkten Bischof von Brandenburg und Havelberg, der also in der Hierarchie etwas weiter unten, er direkt zuständig war für dieses Gebiet, in dem Tetzel auch wirkte und der auch zuständig war für Wittenberg und damit auch für Luther.
[7:33] Der Name war Hieronymus Schulz. Der war schon deutlich älter. Und nach Aussage von Luther ist so ein Brief wahrscheinlich auch an mehrere andere Kirchenleiter gegangen, von denen wir nicht genau den Namen wissen. Aber es ist anzunehmen, dass Luther eine ganze Reihe von Bischöfen und anderen Würdenträgern angeschrieben hatten. Diese 31 in diesem eindeutigen Oktober.
[7:56] Diese 95 Thesen weitergegeben hat er. Er schrieb allerdings nicht nur Briefe an Kirchenleiter, sondern wollte ja auch in der Öffentlichkeit darüber diskutieren. Eine Disputation, das heißt eine Diskussion im akademischen Rahmen der Universität, erschien ihm die beste Möglichkeit dazu. Hat ja schon in diesem Jahr, noch vor allem im letzten Jahr, durch akademische Disputation neue Ideen vorstellen können, auch vor allem gegen die Scholastik und gegen Aristoteles.
[8:30] Und ähnlich hatte er sich das auch jetzt für diese 95 Thesen gedacht. Er hat ja nur wenige Wochen zuvor 97 Thesen diskutieren lassen gegen Aristoteles und gegen die klassische Theologie. Es gibt seit Jahrzehnten einen Streit darüber, ob am 31. Oktober 1517 überhaupt die 95 Thesen an die Kirchentür in Wittenberg genagelt worden sind. Der eigentliche Bericht dazu stammt von Philipp Melanchthon, der 1546 schrieb, veranlasst durch Tetzels Ablassvertrieb gab Luther Thesen über die Ablöse heraus und heftete diese öffentlich an der Allerheiligenkirche am 31. Oktober 1517 an.
[9:19] Die Allerheiligenkirche ist die, die Schlosskirche dort in Wittenberg, die berühmte. Man hat dann Mitte des 20. Jahrhunderts Anstoß daran genommen, dass Melanchthon der erste war, der davon berichtet. In allen zeitgenössischen Quellen, die man zur Verfügung hatte aus der Zeit, fordert er selbst gab es niemand, diesen Thesenanschlag berichtete. Und als mir lange stand, das schrieb, war Luther schon tot.
[9:41] Und so hat sich eine große wissenschaftliche Debatte darüber entsponnen, ob das überhaupt stattgefunden hat, dass die 95 Thesen verschickt worden sind, stand und steht außer Frage. Aber ob es diesen Thesenanschlag wirklich gegeben hat, das hat man angezweifelt, vor allem auch deswegen, weil Luther später in den Auseinandersetzungen mit dem Papst immer mal wieder auch gesagt hat, er hätte erst an die Kirchenführer geschrieben und als die keine Antwort gegeben haben, sich dann an die Öffentlichkeit gewandt.
[10:16] Woraus man dann geschlossen hat, da die Briefe an Albrecht zum Beispiel vom 31. Oktober datierten, kann der Luther wohl kaum am selben Tag dann noch die Thesen angelagert haben. Aber es ist nicht auszuschließen, dass Luther auch dem Papst gegenüber vielleicht nicht immer hundertprozentig die Wahrheit gesagt hat oder auch hier vielleicht einige Dinge etwas durcheinander gebracht hat.
[10:41] Fakt ist, dass zehn Jahre nach dem 31. Oktober 1517 Luther an seinen Freund Amsdorf einen Brief schrieb und ihnen darauf hinwies, dass genau vor zehn Jahren zu Allerheiligen der Ablass zum ersten Mal unter die Füße getreten worden ist. Und da damals auch der 31. Oktober mit einer Vigil schon zum Allerheiligenfest gehörte, würde das also ganz gut ins Bild passen.
[11:10] Zudem ist vor wenigen Jahren, dem Jahre 2006, zum ersten Mal eine Notiz von Georg Rörer entdeckt worden, einem der späteren Mitreformer, der noch zu Lebzeiten Luthers Folgendes schrieb: „Am Vorabend des Allerheiligenfestes des Herrn im Jahre 1517 sind von Doktor Martin Luther Thesen über den Ablass an die Türen der Wittenberger Kirche angeschlagen worden.“
[11:36] Man sieht hier also, dass tatsächlich für diesen Thesenanschlag am 31. Oktober die Quellen einen guten Beweis liefern. Es sei darauf hingewiesen, dass Rörer allerdings hier von Kirchen spricht. Es wäre auch tatsächlich eher dem Gebrauch und der Gewohnheit entsprechend gewesen, dass Luther nicht nur an einer Kirche, sondern an allen Kirchen in Wittenberg diese 95 Thesen veröffentlicht hat, um sozusagen allen die Gelegenheit zu geben, sich auf die bevorstehende Debatte vorzubereiten.
[12:10] Es ist also sehr gut möglich, sogar sehr wahrscheinlich, so 95 Thesen nicht nur an der berühmten Schlosskirchentür Wittenbergs, sondern auch an anderen Kirchen, zum Beispiel auch an der Stadtkirche in Wittenberg am 31. Oktober angeschlagen worden sind. Nun, was stand in diesen 95 Thesen? Zunächst einmal die Einleitung: „Aus Liebe und Eifer für die Wahrheit werden die folgenden Sätze in Wittenberg unter dem Vorsitz des verehrten Vaters Doktor Martin Luther diskutiert werden.“
[12:51] Also hier sieht man schon den Ansatz, es sollte eine Diskussion werden. Luther wollte an der Universität diese Sätze zur Sprache bringen. Außerdem hat er auch alle nicht in Wittenberg anwesenden Theologen oder Gelehrten eingeladen, sich beruflich diesem Thema zu äußern. Er wollte also, dass diese Angelegenheit ins Rampenlicht kommt.
[13:23] Hier nun die 95 Thesen. 1. Als unser Herr und Meister Jesus Christus sagte: „Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“, wollte er, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sei. Dies ist vielleicht die berühmteste aller Thesen, wie ein Fanal wirkt sie hier, denn sie zeigt, dass Luther sich auf die Bibel berief. Ihm ging es um die wahre Buße. Das passt sehr gut zu seinen theologischen Entdeckungen, die er gemacht hatte, dass der Mensch demütig sein sollte.
[13:56] Und er wollte, dass das Thema Buße nicht einfach nur aus dem Kirchenrecht und welchen Verordnungen, sondern aus dem Thema aus der Bibel selbst beleuchtet wird. Das, was Jesus sagte, war nicht ein einmaliger Akt der Buße, die man schnell abwickeln konnte, sondern das ganze Leben des Gläubigen sollte echte biblische Buße sein. Mit dieser einen These, und er gräbt und er kriegt und hat er eigentlich schon das gesamte Fundament der Ablass zu untergraben, ohne dass vielleicht selbst schon ganz geahnt zu haben.
[14:28] 2. Dieses Wort darf nicht auf die sakramentale Buße gedeutet werden, das heißt auf jene Buße mit Beichte und Genugtuung, die unter Amt und Dienst der Priester vollzogen wird. Mit anderen Worten, er sagt, es gibt neben diesem notwendigen Akt, dass man so weitergeht und dass man dann noch mal eine entsprechende Genugtuung, eine Strafe auferlegt bekommt, neben dem gibt es eine viel weitergehende Buße. Und man kann diesen kirchlichen Bußakt der Beichte nicht gleichsetzen mit dem, was sie Jesus eigentlich meint. Das geht noch viel weiter.
[15:01] Mit anderen Worten, das biblische Wort der Buße, die biblische Buße lässt sich nicht auf einzelne Handlungen beim Priester begrenzen. Jesus sprach Matthäus 4, Vers 17: „Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen.“ Und Luther lebte Jesus, er liebte die Bibel, und das war das Fundament für seine Kritik jetzt an der übertriebenen Ablasspredigt des Tetzel.
[15:32] 3. Es bezieht sich nicht nur auf eine innere Buße. Ja, eine solche wäre gar keine, wenn sie nicht nach außen manchmal Werke zur Abtötung des Fleisches bewirkte. Luther sagt gleichzeitig, dass echte Buße immer auch sichtbar sich nicht einfach nur eine theoretische Sache, die so innerlich sich abspielt, sondern echte Buße zeigt sich in einem veränderten Leben. Es bewirkt, dass fleischliche Lüste abgetötet werden und zeigt sich in Werken.
[16:03] Auch das ein interessanter Punkt. 4. Daher bleibt die Strafe ist solange der Hass gegen sich selbst, das ist die wahre Herzensbuße, bestehen bleibt, also bis zum Eingang ins Himmelreich. Bei dem Ablass ging es eher darum, dass man eine auferlegte Strafe, die man aufgrund einer Sünde und der Entstehung der darauf folgenden Vergebung auferlegt bekommen hat, zum Beispiel eine Pilgerreise zu tun oder so, und so oft ein Gebet zu sprechen, den Rosenkranz zu beten, was auch immer, dass man diese Strafe abkürzen konnte durch die Zahlung von entsprechendem Geld, dass die Strafe abgelassen wird.
[16:42] Aber Luther zeigt, wie bei der echten Herzensbuße geht es darum, dass man sich selbst hasst. Und das ist eine reine, eine echte Strafe, eine Konsequenz der Sünde. Und diese Konsequenz der Sünde lässt sich nicht mit Geld abgleichen, sie lässt sich nicht abkürzen. Diese Konsequenz der Sünde bleibt, solange wir auf Erden sind.
[17:01] 5. Der Papst will und kann keine Strafen erlassen, außer solchen, die aufgrund seiner eigenen Entscheidung oder der der kirchlichen Satzung auferlegt. Also der Papst kann nicht von allen Sünden und schon auch gar nicht von allen auferlegten Strafen ablassen, sondern nur die Strafen, die er selbst auferlegt hat oder die in kirchlichen Satzungen festgelegt sind. Also damit sollte die Ablassmacht des Papstes schon mal sehr beschränkt werden.
[17:29] 6. Der Papst kann eine Schuld nur dadurch erlassen, dass wir sie als von Gott erlassen erklärt und bezeugt. Natürlich kann er sie in den ihm vorbehaltenen Fällen erlassen. Wollte man das gering achten, lieber die Schuld ganz und gar bestehen. Auch hier wird wiederum die von den Ablasspredigern so hoch gerühmte Vollmacht des Papstes eingegrenzt und qualifiziert. Wenn der Papst eine Schuld erlässt, nur deswegen, weil Gott sie vorher schon erlassen hat, und der Papst kann das nur erklären und bezeugen.
[17:58] Sozusagen sagen: „Weil Gott dir vergeben hat, spreche ich dir die Vergebung zu.“ Aber und das ist hier sehr wichtig zu betonen, zeigte man sollte diese ihm zustehende Macht und Aufgabe nicht gering achten, ansonsten würde die Schuld ganz bestehen. Weil man so Luther ist in diesen 95 Thesen immer noch ein ganzes Kind des Papsttums, wie wir noch sehen werden.
[18:26] 7. Gott erlässt überhaupt keine Schuld, ohne ihn zugleich demütig in allem den Priester, seinem Stellvertreter zu unterwerfen. Das wird hier ganz deutlich. Hier sagt Luther noch in seinem kirchlichen Denken verhaftet, wenn Gott jemandem vergibt, wird der, der die Vergebung annimmt, sich immer unter den Papst auch unterwerfen, unter den Priestern.
[18:45] 8. Die kirchlichen Bestimmungen über die Buße sind nur für die Lebenden verbindlich, den Sterbenden darf demgemäß nicht auferlegt werden. Tetzel und andere haben sehr stark mit der Angst vor dem Fegefeuer gespielt und deswegen war die Frage, was ist mit den Menschen, die jetzt im Sterben sind, die vermutlich einzige Hoffnung, wie man dachte, kann den jetzt noch Strafen auferlegt werden, die entsprechenden abgegolten werden können mit Geld?
[19:09] Und wird er sagt: „Nein, alles was die Kirche an Strafen auferlegt im Zuge dieser sakramentalen Buße, bezieht sich nicht auf die Sterbenden.“ Und bezieht sich dabei auch auf den Papst.
[19:20] 9. Daher handelt der Heilige Geist, der durch den Papst wirkt, uns gegenüber gut, wenn er in seinen Erlassen immer den Fall des Todes unter höchsten Not ausnimmt. Mit anderen Worten, der Sterbende, einer solch besonderen Situation, dass das, was der Papst vom Heiligen Geist geleitet sagt, auf den Sterbenden, der in den letzten Stunden seines Lebens liegt, nicht zutrifft.
[19:43] 10. Unwissend und schlecht handeln diejenigen Priester, die den sterbenden kirchlichen Buß-Bussen für das Fegefeuer aufsparen. Also Priester, diese kirchlichen Bußen auf das Fegefeuer noch übertragen, dann ist das eine schlechte Sache. Das war ja die Grundlage des Ablasshandels, wie Tetzel, dass man gesagt hat, da sind kirchliche Strafen noch nicht abgegolten worden, deswegen müssen die Gestorbenen dem Fegefeuer leiden. Und wenn ihr bezahlt, ihr Gläubigen, könnt ihr eure Lieben aus dem Fegefeuer erlösen.
[20:17] Und deswegen hat Luther sich auch mit diesem Fegefeuer hier beschäftigt. Die Meinung, dass eine kirchliche Bußstrafe in eine Fegefeuerstrafe umgewandelt werden können, ist ein Unkraut, das offenbar gesät worden ist, während die Bischöfe schliefen. Dass einer der Sätze, die man ihm später ganz besonders übel genommen hat, dass er hier andeutet, dass die Bischöfe nicht aufgepasst haben, als eine ihrer Lehren in die Kirche gekommen ist. Das hat also enorme Sprengkraft.
[20:42] 11. Früher wurden die kirchlichen Bußstrafen nicht nach, sondern vor der Absolution auferlegt, gleichsam als Prüfstein für die Aufrichtigkeit der Reue. Während zurzeit von Luther die Praxis ja die war, dass der zerknirschte Sünder die Absolution erhielt und dann nach ihm eine Genugtuung als dritter Teil der Buße auferlegt worden ist, sagt Luther, dass er früher nicht so, man hat erst die Bußstrafe auferlegt, um zu sehen, ob der Sünder wirklich bereut.
[21:13] Man sieht also daran, dass es dem Luther daran geht, wirklich die echte Herzensbuße mehr zu prüfen. 13. Die Sterbenden werden durch den Tod von allem gelöst und für die kirchlichen Satzungen sind sie schon tot, weil sie von Rechtswegen davon befreit sind. Also wiederum diese Frage, was ist mit denen, die kurz vor dem Sterben sind? Alle kirchlichen Satzungen gelten dann für sie nicht mehr und man muss auch kein Geld bezahlen, um sich von kirchlichen Strafen zu lösen.
[21:39] 14. Ist die Haltung eines Sterbenden und die Liebe Gott gegenüber unvollkommen, so bringt ihnen das notwendig große Furcht. Und dies ist umso größer, je geringer jene ist, was ich hier sagt, ist jemand, der im Sterben liegt und Gott nicht besonders geliebt hat, hat jetzt angesichts des Todes große Angst. Und je weniger Gott geliebt, desto größer ist seine Angst.
[22:02] Das führt jetzt zur These 15 und 16. Diese Furcht und dieser Schrecken genügen für sich alleine, um von anderen zu zeigen, die Pein des Fegefeuers auszumachen, denn sie kommen dem Grauen der Verzweiflung ganz nah. Luther macht sie etwas ganz Interessantes, fast Spektakuläres. Da der Ablasshandel ganz besonders mit dieser enormen emotionalen Angst gespielt hat, dass die Lieben da im Fegefeuer schmoren, beschäftigt sich Luther mit der Lehre vom Fegefeuer nicht ganz direkt, aber er streift das so, indem er darüber spricht, dass die Angst des Sterbenden vor dem Tod sozusagen eine Art Fegefeuer ist.
[22:46] Er versucht also quasi das Fegefeuer nicht üblich auszulegen, sondern eher auf die Erfahrung des Sterbenden zu münzen und damit zu zeigen, dass das Fegefeuer womöglich gar keine echte Realität ist und man auch kein Geld bezahlen muss, unter den Menschen herauszuholen. Auch wenn er diesen Schritt so deutlich jetzt hier noch nicht formulierte.
[23:11] 16. These: Erscheinen sich demnach Hölle, Fegefeuer und Himmel in der gleichen Weise zu unterscheiden, wie Verzweiflung an Lehre, Verzweiflung und ist Sicherheit. Also das ist ein Schritt dahin, diese Begriffe Hölle, Fegefeuer so ein bisschen auf die menschliche Existenz zu münzen, obwohl natürlich man davon ausgehen muss, dass Luther zu dem Zeitpunkt zumindest an Hölle und Himmel als buchstäblich Orte natürlich festgehalten hat.
[23:43] 17. Der These: Offenbar haben die Seelen im Fegefeuer die Mehrung der Liebe genauso nötig, die eine Minderung des Grauens. Also Luther beschäftigt sich weiter mit diesem Fegefeuer, dass er schon auch durchaus hier noch im Grunde genommen real sieht.
[24:01] weder durch Vernunft noch Schriftgründe erwiesen, dass sie sich außerhalb des Zustandes befinden, in dem die Verdienste erworben werden können, oder in dem die Liebe zu nehmen kann. Es sind jetzt einige Thesen, die sich sozusagen mit dem theologischen Verständnis der Debatte um das Fegefeuer der damaligen Zeit ranken, weil er bevor dann zu der eigentlichen Ablasspraxis kommt, so ein bisschen die theologische Grundlage auch in dieser Disposition diskutieren wollte.
[24:26] 19. These: Offenbar ist es auch dieses nicht erwiesen, dass sie wenigstens nicht alle ihrer Seligkeit sicher und gewiss, wenngleich wir ihrer völlig sicher sind.
[24:38] Und dann kommt These 20. Daher meint der Papst mit dem vollkommenen Erlass aller Strafen nicht einfach den Erlass sämtlicher Strafen, sondern nur derjenigen, die er selbst auferlegt hat. Also die Schlussfolgerung aus dieser theologischen Überlegung ist für Luther die, dass wenn der Papst einen Ablass gibt, dann will er gar nicht sämtliche Strafen erlassen, sondern nur die Strafen, die er selbst durch bestimmte Dekrete, durch bestimmte Anordnungen auferlegt hat. Auch das wiederum eine Minimierung der Ablassgewalt des Papstes, die an sich nicht in Frage gestellt wird, sondern eigentlich in den 95 Thesen nur wieder auf das so empfundene Normalmaß reduziert werden soll.
[25:22] 21. Jetzt beginnt Luther ganz konkret über die Ablasspraxis hier zu sprechen. Deshalb in jener Ablassprediger, die sagen, dass durch die Ablösung des Papstes der Mensch von jeder Strafe frei und los wird, ist also die direkte Folge aus These 20. Die Ablassprediger sagen trotzdem, dass der Papst alle Strafen ablassen kann, und das ist ein offensichtlicher Irrtum.
[25:45] 22. Vielmehr lässt er den Seelen im Fegefeuer keine einzige Strafe, die sie nach den kirchlichen Satzungen in diesem Leben hätte ablösen müssen. Dass die Schlussfolgerung aus fast allem, was bisher gesagt worden ist, da der Papst nur kirchliche Satzungen aufgrund seines Kirchenamtes auferlegen kann und diese kirchlichen Satzungen aber im Leben abgebüßt werden müssen und nicht auf den Tod übertragen werden können, kann es keine Strafe geben, die der Papst den im Fegefeuer sich befindenden auferlegt. Und wenn der Papst ihnen keine Strafe auferlegen kann, kann er sie auch von irgendwelchen Strafen, die sie dort haben mögen, nicht befreien. Also mit anderen Worten, der Punkt bisher ist der: Es gibt keine theologische oder kirchenrechtliche Grundlage für einen Ablass, der Menschen aus dem Fegefeuer befreit.
[26:39] 23. Wenn überhaupt irgendwem irgendein Erlass aller Strafen gewährt werden kann, dann gewiss allein den Vollkommensten. Das heißt aber ganz wenige. Luther sagt, das, wenn es eine Ausnahme gibt, dann gilt sie nur für die wirklich Vollkommenen. Und wer ist das schon?
[26:50] 24. Deswegen wird zwangsläufig ein Großteil des Volkes durch jenes in Bausch und Bogen und großsprecherisch gegebene Versprechen des Strafmaßes getäuscht. Da also die Ablassprediger, wie Tetzel, trotzdem allgemeine Strafen erlassen predigen und auch eine Minderung der Strafen im Fegefeuer, ist das eine Täuschung des Volkes, eines Großteils zumindestens. Die allermeisten sind nicht so heilig, dass für sie vielleicht eine Ausnahme möglich wäre, wie 23 andeutet.
[27:21] 25. Die gleiche Macht, die der Papst bezüglich des Fegefeuers im Allgemeinen hat, besitzt jeder Bischof und jeder Seelsorger in seinem Bistum beziehungsweise dem Pfarrbezirk im Besonderen. Was für eine interessante These! Er sagt, das, was der Papst bezüglich des Ablasses tun kann, kann auch jeder Bischof oder jeder Pfarrer für die Gläubigen in seinem Bezirk.
[27:43] 26. Der Papst handelt sehr richtig, den Seelen im Fegefeuer die Vergebung nicht aufgrund seiner ihm dafür nicht zur Verfügung stehenden Schlüsselgewalt, sondern auf dem Wege der Fürbitte zu gewähren. Auch hier greift Luther zumindest ganz freundlich die oft behauptete Autorität des Papstes an. Da ist er, der Papst, auf Grund seiner Schlüsselgewalt, die ihm angeblich Jesus gegeben hätte, nämlich zu lösen und zu binden, hier Menschen aus dem Fegefeuer erlösen könnte. Sondern das Einzige, was der Papst nach Luther hier tun kann, ist für die Seelen im Fegefeuer zu beten.
[28:22] 27. Menschenleere verkündigen, die sagen, dass die Seele aus dem Fegefeuer empor fliege, sobald das Geld im Kasten klingt. Das natürlich jetzt eine eindeutige Bezugnahme auf Tetzel und seine Predigten und seinen berühmten Spruch, gegen den sich Leute hier wären und sagt, dass eine reine menschliche Lehre.
[28:37] 28. Gewiss, sobald das Geld im Kasten klingt, können Gewinn und Habgier wachsen, aber die Fürbitte der Kirche steht allein auf dem Willen Gottes. Hier deutet sich zum ersten Mal etwas an, was sich in späteren Thesen gleich noch zeigen wird, nämlich, dass Luther sehr wohl den wirtschaftlichen Aspekt dieses Ablasstreibens durchschaut hat und es ist hier in Wirklichkeit um Geldmacherei geht.
[29:03] 29. Wer weiß denn, ob alle Seelen im Fegefeuer losgekauft werden wollen, wie es beispielsweise beim Heiligen Severin und Pauschales nicht der Fall gewesen sein soll. Luther machte eine etwas kuriose Argumente, sagte, die Leute bezahlen für den Loskauf der Seele aus dem Fegefeuer, aber die kirchliche Tradition, die heiligen Agenten berichten von mindestens zwei Leuten, die gar nicht aus dem Fegefeuer losgekauft werden wollten, sondern die so heilig waren, dass sie unbedingt die Strafe oder Leiden wollten. Also, wer weiß schon, ob dann diejenigen, die man bezahlen, überhaupt losgekauft werden wollen.
[29:40] 30. Keiner ist der Echtheit seiner Reue gewiss, viel weniger, ob er völligen Erlass seiner Strafe erlangt hat. Das ist immer noch ganz sehr basierend auf diese Demutstheologie von Luther, dass man eigentlich nicht genau wissen kann, ob man wirklich vollständig richtig bereut hat. Und deswegen sollte man auch niemals zu sicher sein, dass man auch den Ablass bekommen hat.
[30:06] 31. So selten einer in rechter Weise Buße tut, zu selten kommt einer in der rechten Weise ablassen, nämlich außerordentlich selten. Luther war nicht gegen den Ablass per se, wie wir gesehen haben. Er glaubte, dass es durchaus richtige Ablöse geben könne, wenn sie mit echter, wirklicher Herzensbuße verbunden sind. Aber die, so wie sie mittlerweile aus Matthäus 4 und anderen Texten verstand, war so selten, dass auch die allermeisten gekauften Ablöste eigentlich in Wirklichkeit keine echten Ablöste waren.
[30:36] 32. Wer glaubt, durch einen Ablassbrief seines Heims gewiss sein zu können, wird auf ewig mit seinen Lehrmeistern verdammt werden. Das ist ein bisschen die Schlussfolgerung aus den vorhergehenden Thesen. Zu viele Leute glaubten, dass sie einfach einen Brief kaufen und deswegen sicher ihres Heims sein können. Und er sagt, wer das glaubt, der ist mit Sicherheit verdammt, der auf einem völlig falschen Fundament baut. Und die Lehrmeister, das heißt die Ablassprediger, sie werden gleich mit verdammt.
[31:01] 33. Nicht genug kann man sich vor denen hüten, die den Ablass des Papstes, jene unschätzbare Gabe Gottes nennen, durch die der Mensch mit Gott versöhnt werde. Das war für Luther sehr wichtig, denn er hatte ja schon einiges viel über das biblische Evangelium verstanden, dass die Versöhnung durch Christus allein möglich ist. Und wenn jetzt Ablassprediger dieses kirchliche Instrument des Ablasses, das ursprünglich mal nur dafür da war, dass man nach der Sündenvergebung auferlegte Genugtuung abkürzen kann, das jetzt als die Versöhnung mit Gott anpreisen, dann muss man sich davon weit distanzieren.
[31:46] 34. Jene Ablassgnaden beziehen sich nämlich nur auf die von Menschen festgesetzten Strafen der sakramentalen Genugtuung. Wie gerade gesagt, der Ablass, das hatte Luther jetzt noch mal dem Kirchenrecht genau studiert, hat nur eine Funktion. Wenn ich schon als Sünder meine Sünde bereut habe, wirklich zerknirscht, echte Vergebung erhalten habe durch Jesus zugesprochen, durch den Priester in der Beichte, und der dann als Wiedergutmachung, als Konsequenz der Sünde, mir eine Pilgerreise auflegt oder ein paar Rosenkranz gebetet, und ich kann jetzt Zeit dafür habe, dann kann das durchaus mit einem Ablass abgegolten werden, aber nicht in diesem übertriebenen Maße als Sündenvergebung, wie Tetzel das behauptet hat.
[32:26] 35. Nicht christlich predigen die, die lehren, dass für die die Seele aus dem Fegefeuer loskaufen oder Briefe erwerben nötig seien. Offensichtlich haben Tetzel und Co. tatsächlich gepredigt, dass man durch die reine monetäre Aktion, die Transaktion, das Kaufen eines Briefes ohne Reue, Vergebung bekommen können. Und das ist bei Luther natürlich überhaupt gar nicht gut angekommen. Da prallten jetzt theologische Welten aufeinander.
[32:56] 36. Jeder Christ, der wirklich bereut hat, hat Anspruch auf völligen Erlass von Strafe, unschuld auch ohne Ablassbrief. Also hier zeigte erneut, dass für die Erlösung ein Ablassbrief nicht notwendig ist. Der kann zwar theoretisch helfen, wenn man diese Pilgerreise nicht machen möchte, aber niemand braucht ein Ablassbrief, wenn er wirklich bereut hat. Also Ablass ohne Reue ist nichts wert, aber ohne Ablass ist eigentlich schon genug. Was also in Wirklichkeit die Notwendigkeit des Ablasses ziemlich unterminiert.
[33:29] 37. Jeder wahre Christ, lebendig oder tot, hat Anteil an allen Gütern Christi und der Kirche von Gott ihm auch ohne Ablassbrief gegeben. Jeder echte Gläubige hat einen Anspruch auf das, was Gott Gnade vorrätig hat, sozusagen, ganz egal, ob er einen Ablassbrief hat oder nicht.
[33:50] 38. Doch dürfen der Erlass und der Anteil an den genannten Gütern, die der Papst ermittelt, keineswegs gering geachtet werden, weil sie, wie schon gesagt, die Erklärung der göttlichen Vergebung darstellen. Also Luther stellt sich durchaus hinter den Papst und sagt, das, was der Papst rechtmäßig tun kann, das sollte man nicht gering achten und das sollte man respektieren.
[34:12] 39. Auch den gelehrten Theologen dürfte es sehr schwer fallen, vor dem Volk zugleich die Fülle des Ablasses und die Aufrichtigkeit der Reue zu rühmen. Es ist schwierig, sagt Luther, echte Buße zu predigen, wenn gleichzeitig durch diese Ablöse die Buße immer wieder verwässert wird. Und obwohl er die Ablöse nicht völlig in Abrede stellt, sagt, es ist schwierig, diese beiden, das biblische Konzept der echten Buße und dieser kirchlichen Satzung, der Ablässe, das in Harmonie zu bringen.
[34:41] 40. Warum ist das so? Der theologische Begründung: Aufrichtige Reue begehrt und liebt die Strafe. Also, wer wirklich aufrichtig Buße tut, der weiß, ich bin ein Sünder und ich habe es nicht verdient. Der will nicht schnell losgekauft werden von der Strafe, sondern echte Buße, sagt Luther, das war ja auch sein seine Entdeckung der letzten Jahre, die liebt die Strafe. Die Fülle der Ablöse, aber macht gleichgültig und leert sich hassen, wenigstens dann legt sie das nahe. Also Luther formuliert immer wieder vorsichtig, um nicht so weit vorzupreschen, zeigt aber, dass diese Ablässe grundsätzlich die Tendenz haben, eigentlich gegen echte Buße zu sein.
[35:19] 41. Nur mit Vorsicht darf der apostolische, das ist also der päpstliche Ablass, gepredigt werden, damit das Volk nicht fälschlicherweise meint, er sei anderen guten Werke der Liebe vorzuziehen. Also Leute, sagt man, darf den Ablass predigen nur vorsichtig und immer so, dass die Menschen nicht glauben, dass der Ablass des Papstes wichtiger sei als allgemeine gute Werke der Liebe.
[35:40] 42. Man soll die Christenlehre nichts mehr geht eine Reihe von Thesen, die so beginnt: Die Meinung des Papstes ist es nicht, dass der Erwerb von Ablass in irgendeiner Weise mit Bergwerken der Barmherzigkeit zu vergleichen sei. Luther geht hier geschickt vor, auch rhetorisch. Er stellt sich quasi auf die Seite des Papstes und sagt, das, was ich sage, ist natürlich selbstverständlich auch die Meinung der aller obersten in unserer Kirche. Und man muss davon ausgehen, dass Luther am 31. Oktober 1517 das wirklich auch geglaubt hat, dass er hier für den Papst spricht und wohl auch versucht, dementsprechend auch den Erzbischof und die anderen Kirchenfürsten daran zu erinnern, was doch eigentlich kirchliche Lehre bisher gewesen ist.
[36:19] 43. Man soll den Christen lehren, den Armen zu geben oder den Bedürftigen zu leihen ist besser als Ablass kaufen. Also der Ablass hat seine Berechtigung am Rande, aber es gibt viel wichtigere Dinge, durch die Barmherzigkeit, das Wirken für die Armen.
[36:34] 44. Denn durch ein Werk der Liebe wächst die Liebe und wird der Mensch besser. Doch das ein interessantes Konzept über Luther, dass der Mensch moralisch gebessert werden kann, aber durch Ablass wird er nicht besser, sondern nur teilweise von der Strafe befreit. Also der Ablass hat vielleicht eine juristische Funktion, kann von bestimmten auferlegten kirchlichen Strafen befreien, aber kann den Menschen nicht moralisch, charakterlich verändern.
[37:05] 45. Man soll die Christenlehre also sich, diese Reihenfolge der Thesen jetzt hier: Wer einen Bedürftigen sieht, ihn übergeht und stattdessen für den Ablass gibt, kauft nicht den Ablass des Papstes, sondern handelt sich den Zorn Gottes ein. Also, wenn du die Wahl hast, einen Ablass zu kaufen oder für das Geld einem Bedürftigen zu helfen, dann kommt der Zorn Gottes über dich, wenn du dem Armen nicht hilfst, um einen so ein Ablassbrief zu kaufen.
[37:30] 46. Man soll die Christen lehren, die nicht im Überfluss leben sollen, das Lebensnotwendige für ihr Haus behalten und keinesfalls für den Ablass verschwenden. Also Luther bringt hier ein bisschen gesunden Menschenverstand in die Sache und sagt, es wäre wichtiger, dass die Leute ihr Geld für ihr Auskommen zusammenhalten, statt es für diese zweifelhaften, in biblischen und selbst der kirchlichen Lehre widersprechenden Ablassbriefe, das Tetzel zu verschwenden.
[37:56] 47. Man soll die Christen lehren, also hier zeigt sich ein ganz starker Aufruf, dass die Lehre zu kurz gekommen ist in der Christenheit. Der Kauf von Ablass ist eine freiwillige Angelegenheit, nicht borniert. Das heißt, der moralische Druck, der von Tetzel und Co. aufgebaut worden ist, ist im Grunde genommen eine Verführung, ist eine Manipulation, was Luther die ganze Zeit eigentlich ausdrücken möchte. Dieser Ablasshandel von Tetzel und den anderen ist ein Etikettenschwindel. Die geben etwas vor zu verkaufen, was sie gar nicht haben.
[38:31] 48. Man soll die Christenlehre, der Papst hat bei der Abteilung von Ablass einziehen, da gebracht ist, gebeten nötiger und wünscht ist, deshalb auch mehr als zur Verfügung gestelltes Geld. Also der Papst freut sich mehr über Gebet als über Geld. Das war Luthers aufrichtige Meinung. Er ahnt natürlich zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass der Papst das so nicht unterschreiben würde.
[38:51] 49. Synthese: Man soll die Christen lehren, der Ablass des Papstes ist nützlich, wenn man nicht sein Vertrauen darauf setzt, aber sehr schädlich, falls man darüber die Furcht Gottes fahren lässt. Also der Ablass des Papstes ist okay, aber man darf sich nicht darauf allein verlassen.
[39:06] 50. Zur These: Man soll die Christen lehren, wenn der Papst die Erpressungsmethoden der Ablassprediger wüsste, wer lieber die Peterskirche in Asche sinken, als dass sie mit Haut, Haar, Fleisch und Knochen seiner Schafe erbaut würden. Also die Thesen nehmen jetzt auch ein bisschen an Fahrt auf, die Wende ein bisschen deutlicher und dann spürt sie müssen auch schon den späteren Luther hier raus, wenn er sagt, wenn der Papst nur wüsste, was Tetzel und die anderen predigen, dann würde er natürlich lieber den Petersdom vergehen sehen, als zusehen, wie seine armen Kirchenmitglieder so betrogen werden.
[39:41] 51. Man soll die Christen lehren, der Papst wäre, wie es seine Pflicht ist, bereit, wenn nötig, die Peterskirche zu verkaufen, um von seinem Geld einen großen Teil jener zu geben, denen gewisse Ablassprediger das Geld aus der Tasche holen. Also mit anderen Worten, sagt den Gläubigen, wenn der Papst wüsste, wie sie ja betrogen worden sei, dann würde er die Peterskirche selbst verkaufen, um euch das Geld wieder zurückzuerstatten. Und Luther sagt, sie, das wäre seine Pflicht. Also da sind so wirklich enorm viele Sprengstoffe in diesen Thesen.
[40:13] 52. Aufgrund eines Ablassbriefes, da ist es, erwarten ist, Idol, das meint in dem Fall, also nicht ich, ohne Begründung, auch wenn der Ablasskommissar, der Papst selbst, ihre Seelen dafür verpfändete, Konjunktiv. Also er sagte, ich, dass der Praxis macht, aber wenn der das sagen würde, wäre es trotzdem falsch. Hier zeigt sich, dass für Luther die biblische Wahrheit schon wichtiger ist als das, was letztendlich vom Papst kommen wird.
[40:39] 53. Die anordnen, dass unter Ablasspredigt willen, das Wort Gottes in den umliegenden Kirchen völlig zum Schweigen kommen, sind Feinde Christi und des Papstes. Das hat Luther natürlich besonders getroffen. Er, der die beliebte, der die Predigt des Wortes liebte, der Anfang des Jahres zu einer Reformation der Predigt aufgerufen hatte, der hatte sich natürlich daran gestört, dass Tetzel und andere die Predigt verbieten ließen, solange sie selbst predigen wollten.
[41:03] 54. Untersagt das Wort Gottes, viel wichtiger als der Ablass. Dem Wort Gottes geschieht Unrecht, wird in ein und derselben Predigt auf den Ablass die gleiche oder längere Zeit verwendet wird, als für jenes. Also in Predigten, bei der es mehr um das Geld geht und den Ablass als um das Wort Gottes, da geschieht dem Wort Gottes Unrecht. Als würde Luther vielleicht so vielen Predigten heute sagen, wo alles möglich gepredigt wird, aber nicht das Wort Gottes.
[41:25] 55. Die Meinung des Papstes ist unbedingt die. Er widerspricht er quasi für den Papst, rhetorisch ganz geschickt, wenn der Ablass als das Geringste mit einer Glocke, einer Prozession und einem Gottesdienst gefeiert wird, so dass das Evangelium, also das Höchste, mit 100 Glocken, 100 Prozessionen und 100 Gottesdiensten gepredigt werden. Also, wie gesagt, der Tenor ist: Ablass ist okay, aber das Evangelium ist hundertfach wichtiger als der Ablass.
[41:51] 56. Der Schatz der Kirche, aus dem der Papst den Ablass austeilt, ist bei dem Folge Christi weder genügend genannt noch bekannt. Die Ablassprediger kommen und sie sagen, dass sie vom Schatz der Kirche jetzt austeilen. Und Luther sagt, die Leute, die das kaufen, haben keine theologische Vorbildung, die wissen gar nicht, was eigentlich die Kirche oder im Stau der Kirche versteht.
[42:14] 57. Kommt eine sehr bissige These. Offenbar besteht er nicht in zeitlichen Gütern, also nicht in wirklicher, immateriell wertvollem, denn die würden viele von den Predigern nicht so leicht mit vollen Händen austeilen, sondern bloß Samen sammeln. Also, wenn es bei den Kirchenschatz um irgendwas ginge, Schatz der Kirche, das auf diese Welt ein Wert hätte, würde man nicht so leicht weggeben.
[42:38] 58. Er besteht aber nicht auch nicht auf den Verdiensten Christi und der Heiligen, weil diese dauernd ohne den Papst Gnade für den innen, wer die Menschen sowie Kreuztor und hatte für den äußeren bewirken. Also der Kirchenschatz, der bei den Ablässen zur angezapft wird, ist nicht die Verdienste Christi und auch nicht der Heiligen, sagt Luther, interessanterweise, weil die Verdienste Christi und der Heiligen für alle Menschen zur Verfügung stehen, auch ohne des Papstes Vermittlung.
[43:06] 59. So These: Der heilige Laurentius hat gesagt, dass der Schatz der Kirche ihre Armen seien. Aber die Verwendung dieses Begriffs entsprach der Auffassung seiner Zeit, also derzeit so ein bisschen jetzt hier sein kirchengeschichtliches Wissen geht, aber da nicht weiter darauf ein.
[43:19] 60. Interessant. Wohlbegründet sagen wir, dass die Schlüssel der Kirche, die ihr durch das Verdienst Christi geschenkt sind, jenen Schatz darstellen. Das scheint eigentlich ein bisschen noch die Position des Papstes hier zu stärken, aber dann kommt.
[43:34] 61. Selbstverständlich genügt die Gewalt des Papstes allein zum Erlass von Strafen und zur Vergebung in besonderen, ihm vorbehaltenen Fällen. Der Papst hat tatsächlich eine gewisse Macht, auch was Strafen, die ihm vorbehalten sind, aufgrund des Kirchenrechts.
[43:53] 62. Jetzt kommt der entscheidende Punkt. Der wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes. Dass das, was Luther ja.
[44:01] Gnade Gottes, dass das, was den Luther ja so die letzten Jahre bewegt hatte, das Evangelium, ist zu recht allgemein verhasst, also dieser wahre Kirchenschatz, das Evangelium, weil er aus ersten letzten Macht, der Schatz des Ablasses, ist jedoch so recht außerordentlich beliebt, weil er aus letzten ersten Macht. Was hier nicht explizit steht, aber angedeutet ist, ist, dass der Ablass eigentlich dem Evangelium diametral entgegengesetzt steht.
[44:26] Also ist der Schatz des Evangeliums das Netz, mit dem man einst die Besitzer von Reichtum fing. Vielleicht hat der wird dann Nikodemus und andere gedacht: "Der Schatz des Platzes ist das Netz, mit dem man jetzt den Reichtum von den Besitzenden fängt." Luther beginnt jetzt hier mit Doppelthesen, immer so Kontraste aufzuzeigen.
[44:46] Der Ablass, den die Ablassprediger lautstark als außerordentliche Gnade anpreisen, kann tatsächlich dafür gelten, jetzt kommt wieder zu einem Seitenhieb, was das gute Geschäft anbelangt. Also dafür ist er wirklich gut, man kann damit richtig viel Reibach machen.
[45:00] Doch sind sie, verglichen mit der Gnade Gottes und der Verehrung des Kreuzes, in der Tat ganz geringfügig. Also weltlich betrachtet ist der Ablass eine große Sache, man kann reich werden, aber betrachtet aus der Perspektive des Evangeliums ist er eigentlich ganz zu vernachlässigen und nebensächlich.
[45:17] Die Bischöfe und Pfarrer sind gehalten, die Kommissare des apostolischen Ablasses mit aller Bildung zuzulassen. Also wiederum, man darf den Ablasspredigen, es ist vollkommen in Ordnung, solange es sich in den Regeln betrifft, soll man das zulassen.
[45:30] Aber noch mehr sind sie gehalten, Augen und Ohren anzustrengen, dass jene nicht anstelle des päpstlichen Auftrages ihre eigenen Fantastereien predigen. Also der Ablass an sich ist schon relativ unbedeutend, aber wenn er gepredigt werden soll, sollen wir das zulassen. Aber viel wichtiger ist es, als ihn zuzulassen, dass man darauf achtet, dass er richtig gepredigt wird, nämlich nur in seinem sehr begrenzten kirchenrechtlichen Umfang und nicht so, dass er das Evangelium ausfüllt, wie das Tetzel und Co. gemacht haben.
[46:00] Wer gegen die Wahl des apostolischen, das heißt des päpstlichen Ablasses spricht, der ist sogar verworfen und verflucht. Naja, also nach wie vor, Luther bestätigt die das Recht des päpstlichen Ablasses.
[46:11] Aber wer gegen die Zügellosigkeit und Frechheit der Worte der Ablassprediger auftritt, der sei gesegnet. Und da hat er sich natürlich hier wahrscheinlich auch mit selbst gemalt.
[46:22] Und wie der Papst zu recht seinen Bannstrahl gegen den geschleudert, die hinsichtlich des Ablassgeschäftes auf mannigfache Weise betrug er sind. Also der Papst hat das Recht, diejenigen, die den Ablass nicht richtig ausführen, zu können. So viel mehr.
[46:36] Den Bannstrahl gegen diejenigen schleudern, so will er vielmehr den Bannstrahl gegen diejenigen schleudern, die unter dem Vorwand des Ablasses auf Betrug hinsichtlich der heiligen Liebe und Wahrheit sind. Also, wenn jemand den Ablass auffällt, darf der Papst ihn dafür bestrafen. Wenn jemand den Ablass missbraucht, wird der Papst die noch viel mehr strafen. Und man sieht hier diese Kontraste, die eigentlich immer dazu tendieren, den Ablass gering zu machen.
[47:06] Es ist irrsinnig zu meinen, dass die Päpste durch Ablass mächtig genug seien, einen Menschen loszusprechen, auch wenn er, was ja unmöglich ist, dem Gott gegenüber Gewalt angetan hätte. Also hier bezieht er sich, was er gehört hat, was Sätze gesagt haben sollte.
[47:21] Wir behaupten dagegen, und das ist wieder eine sehr krasse Kontrastparallele, jetzt, dass der päpstliche Ablass auch nicht die geringste lässliche Sünde wegnehmen kann, was deren Schuld betrifft. Lässliche Sünden sind in der katholischen Lehre nicht die Toten, sondern die Sünden, die man so durchlassen kann.
[47:41] Und wird er sagt hier: "Allein für sich genommen kann der päpstliche Ablass, der ja eigentlich nur dazu da ist, die auffälligen Strafen abzugelten, der kann nicht die kleinste Sünde, auch sei sie noch so durchgebe, wegnehmen, was die Schuld des Sünders selbst betrifft."
[47:58] Wenn es heißt: "Auch der heilige Petrus könnte, wenn er jetzt Papst wäre, keine größeren Gnaden austeilen." Auch das muss eine Paraphrase der Ablassbilliger gewesen sein. So ist das eine Lästerung des heiligen Petrus und des Papstes.
[48:11] Wir behaupten dagegen, dass dieser, wie jeder beliebige Papst, größere hat, nämlich das Evangelium, Geisteskraft und Gaben gesund zu machen und so weiter, wie es in 1. Korinther 12 heißt. Das heißt, die größte Gabe des Papstes soll nicht der Ablass sein, sondern die Predigt der guten Nachricht des Evangeliums und die geistlichen Gaben, die Gott doch den Führern der Gemeinde geben möchte.
[48:34] Es ist Gotteslästerung zu sagen, dass das in den Kirchen an hervorragender Stelle errichtete Ablasskreuz, das mit dem päpstlichen Wappen versehen, das dem Kreuz Christi gleichkäme. Das heißt, diese Insignien des Ablasshandels wurden mit dem Kreuz Jesu gleichgestellt. Für Luther, der das Evangelium immer mehr durchdrang, eine Katastrophe.
[48:53] Bischöfe, Pfarrer und Theologen, die dulden, dass man dem Volk solche Predigt bietet, werden dafür Rechenschaft ablegen müssen. Dass man natürlich relativ unverhohlen jetzt seine Warnung auch an Albrecht von Brandenburg und die anderen Kirchenführer.
[49:09] Dieses freche Ablasspredigt macht es auch gelehrten Männern nicht leicht, das Ansehen des Papstes vor böswilliger Kritik oder sogar vor spitzfindigen Fragen der Laien zu schützen. Und jetzt macht wird er etwas sehr geschickt. Er bringt jetzt einige der stärksten Argumente gegen den Ablass vor und formuliert sie nicht so, dass sie seine eigenen sind, sondern nur so, dass das Dinge sind, die vom Volk gesagt werden und die man leider schlecht widerlegen kann, weil bisher das Papsttum noch nicht so richtig die Sachen aufgelöst hat und weil es leider so viele Missstände gibt.
[49:42] Also jetzt kommen eine ganze Reihe von Thesen, die diese enorme Kritik in den Mund des Volkes legen, was auch offensichtlich der Fall gewesen ist.
[49:52] Zum Beispiel: Warum räumt der Papst nicht das Fegefeuer aus, um der heiligsten Liebe und höchstnoten Seelen, wird als aus einem wirklich triftigen und daher doch unzählige Seelen loskauft, um das unheilvollen Geldes zum Bau einer Kirche beginnt, als einem sehr fadenscheinigen Grund. Also, das ist ein wirklich grandioses Argument. Wenn der Papst für Geld Seelen aus dem Fegefeuer kaufen kann, warum tut er es nicht auch einfach so, wenn er doch Gott, der die Liebe ist, repräsentiert?
[50:18] Warum bleiben die Totenmessen oder Jahrfeiern für die Verstorbenen bestehen? Also, wenn man die Leute jetzt loskauft aus dem Fegefeuer für Geld, werden trotzdem noch weiter Totenmessen gelesen, weil es auch wieder Geld einbringt. Und warum gibt er, der Papst, nicht die Stiftung, die dafür gemacht worden sind, zurück oder startet ihre Rückgabe, wenn es schon ein Unrecht ist, für die losgekauften zu beten?
[50:41] Also, der Hintergrund ist der: Wenn jemand starb, konnte man Stiftungen geben, dass sie dann ständig für diesen Verstorbenen gebetet wird, damit das schnell aus dem Fegefeuer befreit wird. Wenn man sich ein Ablassbrief, das schon längst getan hat, dann braucht man doch nicht weiter diese Stiftung auch weiter halten und könnte die entsprechenden materiellen Güter wieder zurückgeben. Das geschah aber nicht.
[50:45] Oder was ist das für eine neue Möglichkeit vor Gott und dem Papst, dass sie einem Gottlosen und Feind erlauben, für sein Geld eine fromme und von Gott geliebte Seele loszukaufen? Darum, der eigenen Not dieser frommen und geliebten Seele willen, erlösen sie diese nicht aus frei Geschenk der Liebe. Also, da ist ein gläubiger Mensch angeblich im Fegefeuer und hat sich bemüht, ein Christ zu sein, und kann nicht durch Liebe da rauskommen. Aber wenn ein Gottloser Geld bezahlt, ist das wirklich, was ist das für eine Religion, gefragt wird da hierdurch.
[51:36] Die Stimme des Volkes. Oder warum werden die kirchlichen Bußsatzungen, die tatsächlich und durch Nichtgebrauch an sich längst abgeschafft und tot sind, doch noch immer durch die Gewährung von Ablass mit Geld abgelöst, als wären sie höchst lebendig? Bezieht sich wieder auf diese Frage der kirchlichen Satzung, wie es in den ersten Thesen ja schon der Fall war.
[51:52] Warum baut der Papst, der heute reicher ist als der reichste Crassus, einer der reichsten Männer der griechischen, der römischen Antike, nicht wenigstens die eine Kirche Sankt Peter lieber von seinem eigenen Geld als dem der armen Gläubigen? Das ist natürlich ein schlagendes Argument. Der Papst war reich.
[52:06] Und Ende. Und warum kann er nicht mit seinem eigenen Geld die Kirche bauen? Oder was er lässt der Papst, oder woran gibt er den Anteil, die durch vollkommene Ruhe ein Anrecht haben auf feierlichen Erlass und völlige Teilhabe? Also, wenn ich echte Buße tun, dann habe ich doch auch ein Anrecht auf völlige Vergebung. Was kann ich dann noch vom Papst bekommen, was sie nicht durch echte, vollkommene Reue schon längst selbst bekommen kann?
[52:34] Oder was könnte der Kirche Besseres geschehen, als wenn der Papst, wie es jetzt einmal tut, 100 mal am Tag jedem Gläubigen diesen Erlass und diese Teilhabe zukommen lässt? Also, warum macht der Papst dann einfach nicht viel häufiger?
[52:47] Wie so sucht der Papst durch den Ablass das Heil der Seelen mehr als das Geld? Warum hebt er früher gewährte Briefe und Ablässe jetzt auf, die jedoch ebenso wirksam sind? Also, der Papst hat früher Ablässe ins Leben gerufen, die, wenn jetzt alle aufgehoben, nur weil diese Peterskirche gebaut werden soll, ein anderer Platz her muss. Das war verwirrend, dass doch inkonsequent.
[53:06] Diese äußerst peinlichen Einwände der Laien nur mit Gewalt zu unterdrücken und nicht durch vernünftige Gegenargumente zu beseitigen, heißt die Kirche und den Papst dem Gelächter der Feinde aus und die Christenheit unmöglich machen. Hier sind mehrere Dinge interessant. Luther stellt sich also durchaus auf die Seite des Papstes und sagt: "Na ja, das, was das Volk sagt, wir müssen darauf antworten." Und gleichzeitig warnt er, dass man das nicht mit bloßer Gewalt unterdrücken kann, weil dann macht man sich lächerlich.
[53:33] Luther fordert eine wirkliche theologische Diskussion und dieses Phänomen des Ablasses in Beziehung auf das Evangelium wirklich zu klären und dem Volk deutlich zu machen, worum es wirklich im Evangelium geht. Das scheint nämlich verloren gegangen zu sein.
[53:51] Wenn daher der Ablass dem Geiste und der Auffassung des Papstes gemäß gepredigt würde, lösten sich diese Einwände aller ohne weiteres auf. Ja, es gäbe es überhaupt nicht. Luther stellt also erneut die Behauptung auf, dass im Grunde genommen der Papst und all dem nichts weiß. Wenn er wüsste, was hat es nun Code treiben, dann wäre aufgebracht.
[54:12] Und Luthers Aufruf ist im Grunde genommen hier, dass man die Ablassprediger zurück pfeift und ihnen nochmal genau erklärt, wie begrenzt in ihrem Umfang und ihrem rechtmäßigen Rahmen die Ablässe sind, dass sie nur das predigen, was sie auch kirchenrechtlich und predigen dürfen und ansonsten Evangelium des Evangeliums sein lassen.
[54:32] Darum weg mit allen "Geh Propheten", die den Christen predigen: "Friede, Friede", und ist doch kein Friede. Mutter wendet sich gegen diese falsche, billige Gnade, die doch verführt.
[54:46] Wohl möglichst gehen all den Propheten, die den Christen predigen: "Kreuz, Kreuz", und ist doch kein Kreuz.
[54:50] Also Luther sagt, es ist besser, wenn man eine harte Botschaft, eine einheitliche, eine unpopuläre, eine unbequeme Wahrheit predigt, die allerdings dann zum ewigen Leben führt, als wenn man einfach "Friede, Freude, Eierkuchen" predigt oder das Ganze dann ins ewige Verderben. Und ich denke, das hat eine enorme Bedeutung und Relevanz und Aktualität für unsere Zeit.
[55:15] Man soll die Christen ermutigen, dass sie ihrem Haupt Christus durch Strafen, Tod und Hölle nachzufolgen trachten. Also, statt in Angst zu machen und dann mit bloßer Geldbezahlung von den Strafen zu befreien, sollte man sie ermutigen, einfach Jesus zu folgen und dann all das auf sich zu nehmen, was da an negativen Konsequenzen, an Schwierigkeiten auch auf sie kommen mag.
[55:38] Letzte These: Und dass die lieber darauf trauen, durch viele Trübsal ins Himmelreich einzugehen, als ich in falscher geistlicher Sicherheit zu beruhigen. Was für ein interessanter Schlusspunkt. Statt einer billigen Gnade, die man mit Geld kaufen kann, wo das Gewissen oberflächlich beruhigt wird, soll man stattdessen lieber Christus wirklich nach vorne, ein Leben der Buße tun, sich von erster These und dem Weg Jesu gehen, der immer auch Schwierigkeiten mit sich bringen wird. Der Weg ist eng, der Weg ist schmal, da wird es Trübsal ergeben. Die Bibel sagt, dass alle, die ins Reich Gottes gehen wollen, Verfolgung erleiden werden. Sie werden Schwierigkeiten haben, sie werden um der Gerechtigkeit willen verfolgt und geschmäht werden. Und/oder sagt: "Lasst uns diesen Weg gehen, lasst uns den geraden Weg gehen, lasst uns Christus folgen und diese vermeintlichen Gnadengabe der Ablässe vielleicht nicht ganz wegschmeißen, allerdings nur so als Nebensächlichkeit, als unbedeutendes Relikt des Kirchenrechts da dulden, aber die Menschen wirklich auf das Evangelium hin orientieren."
[56:43] So stand es in den 95 Thesen und das löste die eigentliche Reformation aus. Was aufgrund dessen passiert ist, werden wir in der nächsten Folge betrachten. Wir werden sehen, wie diese 95 Thesen in kurzer Zeit die damalige Welt erobert haben und es heute eine Anregung sind für uns, darüber nachzudenken, worauf wir unsere Hoffnungen gründen, auf das, was Menschen uns erzählen, auf Fabeln, auf kirchenrechtliche Satzung oder auf das Evangelium von Jesus Christus, das vielleicht uns manchmal auch in Schwierigkeiten bringt, dass uns vielleicht den langen Weg gehen lässt, aber dass die einzige Sicherheit ist. Deswegen wollen wir uns dann das Kreuz halten, auch wenn es unpopulär ist, unpopuläre Wahrheit annehmen, unter dem Weg bleiben und das wird auch in unserer Zeit seine Erweckung und Reformation führen.
[57:43] Nächstes Mal, wenn wir dann anschauen, wie es weitergegangen ist mit 95 Thesen und auch mit Martin Luther, dann wird es heißen: "Der Durchbruch". Wir werden das Ende von 1517 anschauen und bis dahin wünschen wir in Gottes reichen Segen und freuen uns, wenn wir uns das nächste Mal hier wiedersehen auf joelmedia.de zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation.
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