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Sola Veritas – Die Wahre Chronik der Reformation

500 Jahre ist die Reformation alt: wird sie fortgeführt oder begraben? Wie verhalten sich Luthers Erben und was wird aus seinen (Wieder)entdeckungen? All das sind wichtige Fragen. Doch beantworten kann sie nur, wer das Reformationsgeschehen selbst gründlich kennt. „Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation“ bietet weitaus mehr als die üblichen bekannten Zusammenfassungen und Anekdoten. Ausgehend vom Jahre 1482 wird alles chronologisch erzählt, was weltgeschichlich und biographisch (sowohl bezüglich Luther als auch vieler anderer, zum Teil sehr unbekannter Reformatoren) wichtig war. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Spätmittelalters, erleben sie das zaghafte Aufblühen von Wissenschaft und Kultur, verfolgen sie die Debatten um philosophische und theologische Streitfragen und entdecken sie Schritt für Schritt mit Luther und seinen Mitkämpfern befreiende biblische Wahrheiten. So wird Kirchengeschichte lebensnah und endlich gut verständlich…. Neue Folgen wöchentlich, bzw. wenn es die Zeit erlaubt. Ein Programm von www.joelmediatv.de

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Folge von Sola Veritas, Teil 24, beginnt der Kampf um die Reformation im Zeitraum von Januar bis März 1518. Martin Luther, nun 34-35 Jahre alt, sieht, wie seine 95 Thesen eine Welle der Verbreitung auslösen, die er nie erwartet hätte. Die Folge beleuchtet die Reaktionen auf die Thesen, von der Begeisterung Christoph Schels bis hin zur kritischen Auseinandersetzung mit Johannes Eck. Zudem wird Luthers Auseinandersetzung mit Augustinus und die Bedeutung der humanistischen Gelehrten wie Erasmus von Rotterdam für die Verbreitung seiner Ideen thematisiert.


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Serie: Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation

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Transkript

[0:38] Herzlich willkommen zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation. Herzlich willkommen hier auf www.joelmedia.de zu einer weiteren Folge über die Geschichte Martin Luthers und die Geschichte der Reformation. Bevor wir jetzt mit der 24. Folge fortsetzen, möchten wir einen Irrtum aus der letzten Folge kurz korrigieren. Wir haben in Folge 23 über die Begeisterung von Christoph Schel gesprochen. Kurz nachdem Luther die 95 Thesen am 31. Oktober 1517 veröffentlicht hat, und in der letzten Folge habe ich gesagt, dass Schel sich über diese 95 Thesen so sehr gefreut hat. Der Brief ist tatsächlich nach dem 31. Oktober 1517 datiert, aber die Thesen, auf die sich Schel bezieht, sind natürlich nicht die 95 Thesen vom 31. Oktober, sondern die 97 Thesen, die, wie wir in der Folge davor gesehen haben, oder in den zwei Folgen davor, die Luther im September 1517 verfasst hatte, gegen die Scholastik und gegen Aristoteles. Die 95 Thesen waren gegen Ende 1517 noch nicht in Nürnberg bekannt. Das kommt heute in dieser Folge. Und bevor wir dort ganz hineintauchen, wollen wir mit einem Gebet starten. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen für die Gelegenheit, die Reformation so gründlich kennenlernen zu dürfen und Schritt für Schritt sehen zu können, wie du Martin Luther und die anderen Reformatoren geführt hast, wie sie Wahrheiten erkannt haben und wie sie aus Fehlern auch gelernt haben. Wir möchten dich bitten, dass du mit deinem Heiligen Geist uns führst und dass wir die Lektionen daraus lernen, die für unsere Zeit und für unseren Glauben ganz besonders wichtig sind. Wir danken dir, dass du bei uns sein wirst. Im Namen Jesu. Amen.

[2:33] Teil 24: Januar bis März 1518. Der Kampf beginnt. Martin Luther war Anfang 1518 etwa 34, 35 Jahre alt. Die 95 Thesen hatten gerade begonnen, sich überall hin zu verbreiten. Er hatte sie ja, wie bereits besprochen, am 31. Oktober des vergangenen Jahres veröffentlicht und hatte eigentlich nichts weiter als eine Diskussion, eine Disputation erwartet, zu der es allerdings nicht wirklich kam. Stattdessen entstand ein förmlicher Weltenbrand, ein theologisches Erdbeben, das aber nur nach und nach Luther so wirklich bewusst wurde. Am 5. Januar 1518 finden wir in Nürnberg die 95 Thesen, wie sie weiter verbreitet werden. Verantwortlich ist dort vor allem Christoph Schel, den wir gerade erwähnt haben, der schon so begeistert war von den 97 Thesen, der jetzt von den 95 Thesen ebenfalls einen großen Eindruck bekommen hat und diese 95 Thesen gerne überall weitergibt, unter anderem auch an den sehr bekannten Stadtschreiber Konrad Peutinger, einer der bekanntesten Politiker des Reiches und auch ein bedeutender Berater des Kaisers. Er war Stadtschreiber in Nürnberg und erhielt von Schel diese 95 Thesen. Schel versandte sie auch an viele andere, die nicht in Nürnberg lebten. In Nürnberg wurden sie dann auch bald gedruckt, ohne das Wissen von Martin Luther. Einer der Adressaten von Christoph Schel, der so begeistert die 95 Thesen weitergab, war ein anderer Freund von Martin Luther, nämlich Johannes Eck. Auch der hatte ja seit einigen Monaten Briefkontakt mit Luther. Und als er die 95 Thesen erhielt, merkte er, dass es offensichtlich eine Einladung zu einer Disputation ist. Und obwohl er ein Freund Luthers war, liebte er das Disputieren mehr, als er loyal gegenüber seinem Freund war. Und er wollte unbedingt was wollte an einer solchen Diskussion, an einer solchen Disputation teilnehmen. Und damit beginnt bereits das Drama in der Beziehung zwischen Luther und Eck, das wir in den kommenden Folgen weiter entfaltet sehen werden.

[5:19] Luther hat sich zu Beginn des Jahres intensiv noch einmal mit Augustinus beschäftigt, vor allem das Buch von Augustinus vom Geist und vom Buchstaben. Zudem es ja mit mittlerweile ein Kommentar von Karlstadt gab und Luther las Augustinus direkt mit dem Kommentar von seinem Kollegen Andreas Bodenstein, Andreas Karlstadt, und vertiefte sich weiter in das Denken des Augustinus, das für ihn so entscheidend war, weil er dort die Grundprinzipien des Evangeliums ja wieder entdeckt hatte. Luther hatte eine ganze Reihe von Schülern, die stark unter dem Eindruck der 95 Thesen standen. Einer von ihnen, z.B., war Johannes Agricola. Der war erst 23 Jahre alt und war begeistert von Luther und dessen neuer Lehre. Er wurde Anfang des Jahres 1518 Magister der freien Künste und er war live dabei gewesen, als Luther die 95 Thesen in Wittenberg veröffentlichte.

[6:26] Derweil rührte sich auch Tetzel, der ja im Grunde genommen am meisten angegriffen worden war in den 95 Thesen. Er hatte sich zum Wintersemester in Frankfurt oder eingeschrieben an der Universität und hat am 20. Januar 1518 eine Diskussion, eine Disputation durchgeführt. Er hat über Thesen disputiert, die den Ablass rechtfertigen. Er versuchte damit also dem Luther erst einmal auf dem akademischen Weg entgegenzutreten. Diese Thesen, über die Tetzel dort disputierte gegen Luther, waren nicht von ihm selbst verfasst worden, sondern von dem führenden Theologen in Frankfurt oder von Konrad Koch, genannt Wimpina. Seine Thesen waren direkte Antithesen zu Luther, den man unterstellte, dass er im Irrtum ist. Und da Koch außerdem ein Gegner der Wittenberg Universität war und auch politisch zu Brandenburg hielt und nicht zu Kur-Sachsen, hatte das also von Anfang an nicht nur eine akademische, sondern auch eine gewisse politische Dimension.

[7:45] Streit über den Ablass. Am 2. Februar finden wir Luther in Wittenberg in einer Predigt erneut auf das Thema der Ablässe eingehen. Er hat ungefähr zu diesem Zeitraum einige Wochen in das Jahr 1518 realisiert, was er in Wirklichkeit ausgelöst hatte. Er wollte ja nur eine Disputation, und dazu war es nicht gekommen. Und er hört jetzt immer mehr, wie sehr sich seine Thesen verbreiten, und das hat ihn durchaus irritiert. Schon sehr bald wird auch das Gerücht laut, er handle in Wirklichkeit im Auftrag des Kurfürsten von Sachsen, um finanzpolitisch gegen Albrecht von Brandenburg, der ja in Kur-Mainz regierte, zu agieren. Und Luther ist ziemlich erstaunt, so plötzlich in die politische Arena hineingeworfen zu sein. Zudem ist er auch in Wittenberg ziemlich isoliert. Selbst Karlstadt, der ihm ja in Bezug auf das Evangelium voll zustimmt und in Bezug auf Augustinus sein Mitstreiter ist, ist gegen die Kritik an den Ablässen. Er hält das nicht für richtig, die Ablässe zu kritisieren. Und so steht Luther ziemlich alleine da. Er erfährt jetzt immer mehr von den Anfeindungen des Tetzels. Und da die eigentlich geplante Disputation nicht zustande kommt, niemand sich rührt, überlegt sich Luther, was er jetzt tun sollte.

[9:20] Und er entscheidet sich, die 95 Thesen zu erklären, eine Erklärung der 95 Thesen zu erarbeiten und diese 95 Thesen Erklärung soll dann manches genauer auf den Punkt bringen, was in den Thesen noch etwas geblieben war. Das war so die Idee. Ein Tag später, am 3. Februar, wendet sich Papst Leo X. an den Leiter des Augustiner-Eremitenordens, an den Leiter, der für alle Augustiner-Eremiten in der Christenheit zuständig war, an Gabriel Venetus. Und der Auftrag war, diesen Mönch in Deutschland, oder dieser Priester in Deutschland, der solle keine neuen Lehren im Volk verbreiten. Also sehr früh war das Papsttum, wie wir gesehen haben, schon auch informiert. Hat das Ganze allerdings erstmal für eine kleinere Sache gehalten und entsprechend auf dem Dienstweg versucht, das Problem zu lösen.

[10:23] Am 15. Februar antwortet Luther auf eine Anfrage Spalatin's. Spalatin hatte sowohl Luther als auch Karlstadt in einem Brief um eine Stellungnahme gebeten bezüglich der Ablassfrage. Und Luther antwortet dann auch brieflich. Er zweifelt mittlerweile grundsätzlich am Ablass und er führt aus, dass seine Thesen Aufsehen erregt haben. Und er hat sich innerhalb von wenigen Monaten noch weiter vom Ablass distanziert, als es noch am 31. Oktober der Fall ist. Er rät dem Spalatin jetzt ganz offen, gar keine Ablässe mehr zu kaufen. Und er hat gemerkt, wie gefährlich die Diskussion ist, die er aus lauter Liebe zur Wahrheit begonnen hat.

[11:14] Spalatin hat zu einem Zeitpunkt, den wir nicht genau kennen, der irgendwo in diesen Monaten liegen muss, die 95 Thesen auch dem Kurfürsten Friedrich dem III. vorgelesen. Und als der gehört hat, was sein Professor und Mönch Martin Luther dort formuliert hat, hat er ganz kurz und knapp formuliert: "Das wird der Papst nicht mögen." Friedrich war Politiker genug, um zu erkennen, dass, obwohl Luther so glühend vom Papsttum geschrieben hatte in vielen Thesen, der noch, dass der Inhalt der 95 Thesen sich eigentlich gegen die Interessen des Papsttums richtete. Das hatten einige Freunde und wie auch hier, wir sehen Friedrich II. besser erkannt als Luther selbst.

[12:06] Am 19. Februar finden wir einen weiteren Brief von Luther, der an Johann Lang, seinen Freund in Erfurt, der dort im Kloster Prior und Vorsteher ist, schreibt. Und er schreibt hier eine Liste von Büchern, die er gerne haben würde von der Frankfurter Buchmesse. Und das gibt einen interessanten Einblick in so die Bücherwelt des Martin Luther. Lesen wir mal, gemin hier Heil es, schreibt Wolfgang Fabrizius, das ist Wolfgang Capito, von dem wir auch schon einiges gehört haben und mehr hören werden. "Ehrenwürdiger Vater, dass die Sprichwörter, die Adagia des Erasmus von Rotterdam, neu vermehrt gedruckt werden. Die Klage des Vertriebenen Friedens, auch das ja ein berühmtes Werk von Erasmus von 1517. Lukians Gespräche, das Utopien des Thomas Morus, einer der bekanntesten und besten Humanisten Englands, ein großer Politiker dort. Auch desselben Morus Epigramme, desgleichen die zwei Bücher des Unterrichts im Hebräischen von Wolfgang selbst und die ganz entschiedene Verteidigung des Erasmus gegen Faber Stapulensis, das ist Lefèvre, der berühmte Humanist Frankreichs, der auch später Reformator wurde." Das sind die Bücher, für die Luther sich interessiert. Also viel Erasmus, Humanisten und Hebräisch-Lehrbücher, um auch das Alte Testament noch besser verstehen zu können.

[13:30] Ebenso im Februar hat der Spalatin sich bei Luther und bei Karlstadt erkundigt, welche Nutzen eigentlich die Dialektiker, die Dialektik war das Unterrichtsfach, das in den freien Künsten, in den sieben freien Künsten als das wichtigste überhaupt angesehen war bei den Scholastikern und großen Stellenwert hatte. Aber im Zuge des Humanismus und im Zuge der neuen wissenschaftlichen Impulse hat man die Dialektik immer kritischer gesehen. Und so haben sich auch Luther und Karlstadt geäußert. Sie waren der Meinung, dass man auf die Dialektik im Wesentlichen verzichten kann. Luther hielt überhaupt gar nichts mehr für sie. Er hielt sie eigentlich sogar für schädlich. Das war so ein bisschen auch die Frucht der Beschäftigung mit Aristoteles und dieser 97 Thesen gegen Aristoteles. Sein Argument war: Mit der Scholastik, wie sie normalerweise gelehrt wird an den Universitäten, kann man weder die Bibel noch den Aristoteles richtig verstehen.

[14:39] Ebenfalls im Februar wurde Olaus Petri Magister der Theologie in Wittenberg. Er war ein anderer Schüler von Luther. Es gab eine ganze Reihe von Schülern, die in dieser Zeit zum Kreis von Luther gehörten und den Thesenanschlag und die 95 Thesen, diese ganze spannende Anfangsphase der Reformation vor Ort live miterlebt haben. Olaus Petri ist später einer der großen Reformatoren von Schweden geworden, und wir werden von ihm dann auch später noch mehr hören. Aber halten wir hier fest, dass er zu der Zeit gerade seine Prüfung machte, als die Reformation sich Bahn brach.

[15:20] Die 95 Thesen verbreiteten sich nicht nur im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, sondern international. Etwas, was Luther nie für möglich gehalten hätte. Einen Grund dafür war natürlich die Tatsache, dass sie in Latein verfasst waren und deswegen überall in Europa sofort verstanden werden konnten. Am 5. März verschickte z.B. der große Erasmus von Rotterdam, genannt der Fürst der Humanisten, das große Vorbild aller Gelehrten, die sich so auf die neue humanistische Studienmethode eingeschossen hatten, dieser große Erasmus verschickte die 95 Thesen selbst höchst persönlich an den bereits erwähnten Thomas Morus, der ebenfalls sehr bekannt, sehr berühmt war. Luther hat sich ja, wie gesagt, für ihre Bücher interessiert und hat kaum geahnt, dass diese großen humanistischen Schriftsteller jetzt sich gegenseitig austauschen über seine 95 Thesen.

[16:20] In der Zwischenzeit hatte Luther zu diesen 95 Thesen eine ausführliche Erklärung verfasst, wie er sich das ja vorgenommen hatte, in denen die 95 Thesen besser ausgelegt werden sollten. Er hat sie dann dem Bischof von Brandenburg vorgelegt, der sie beurteilen sollte, bevor das dann veröffentlicht werden sollte.

[16:42] Am 5. März, ebenfalls am selben Tag, ein Brief von Martin Luther an Christoph Schel, an den Freund aus Nürnberg, der, wie vorhin gesehen, die 95 Thesen viel verbreitete, dort eigentlich ja die Hauptrolle spielte in der Verbreitung der Thesen in Nürnberg. Und dort lesen wir folgendes: "Heil! Ich habe zwei Briefe von dir empfangen, werter und hochgelehrter Christoph, zugleich auch das Geschenk des trefflichen Mannes Albrecht Dürer. Das vielleicht eine interessante Nebennotiz hier desgleichen. Meine lateinischen und deutschen Thesen." Also Luther sagt, ich habe jetzt mitbekommen, dass meine Thesen gedruckt worden sind auf Latein und sogar auf Deutsch übersetzt worden sind. "Erstlich auf das, dass du dich wunderst, dass ich sie nicht zu euch geschickt habe, antworte ich also: Hier wird deutlich, Luther hat die 95 Thesen gar nicht nach Nürnberg geschickt, sie sind dort auf anderen Wegen hingelangt. Antworte ich, dass es weder meine Absicht noch mein Wunsch war, dass sie veröffentlicht würden."

[17:48] Sehr interessanter Punkt. Jetzt achten wir, warum, sondern dass mit wenigen, die bei und um uns wohnen, also in der Umgebung von Wittenberg, zuerst über dieselben verhandelt werden sollte, damit sie durch vieler Urteil entweder verworfen oder abgetan oder gebilligt und herausgegeben würden. Also Luthers Plan war es gewesen, im kleineren Kreis akademisch die 95 Thesen prüfen zu lassen, um dann, wenn sie von einer größeren Menge an Gelehrten gut geheißen worden wären, dann zu veröffentlichen. Aber jetzt werden sie weit über meine Erwartung so oft gedruckt und umhergetragen, dass mich dieses Erzeugnis reut. Er sagt: "Ich bereue das, dass das gemacht habe, weil das habe ich nicht damit gerechnet." Nicht als ob ich nicht dafür wäre. Also er bereut nicht den Inhalt, sondern dass die weit allgemein bekannt werde. Ja, das suchte ich vor allen Dingen, sondern weil diese Weise nicht geeignet ist, das Volk zu unterrichten. Also halten wir fest, am 5. März 1518 sagt Luther: "Wenn ich gewusst hätte, wie das kommt, hätte ich eine andere Form gewählt. Disputationsthesen sind ja gar nicht geeignet, um dem Volk die Wahrheit deutlich zu machen. Das war ja nur für einen kleinen akademischen Kreis gedacht. Wenn ich gewollt hätte, dass die ganze Welt davon erfährt, hätte ich eine andere Form gesucht. Aber Gott hatte seine Wege und seine Mittel und hat genau diese 95 Thesen benutzt."

[19:04] Weiter heißt es hier: "Und das ist sehr interessant, denn es sind mir selbst etliche Dinge zweifelhaft, und ich hätte etliche Dinge weit anders und gewisser behauptet oder weggelassen, wenn ich erwartet hätte, dass dies geschehen würde." Also Luther sagt, wenn ich geahnt hätte, was das Resultat ist, hätte ich manche Dinge deutlicher gesagt, andere Sachen hätte ich weggelassen, weil manche Sachen nicht selbst nicht richtig verstehe. Die 95 Thesen waren also kein Manifest, sondern eher Diskussionsthesen. In manchen Punkten war er sich selbst noch nicht ganz sicher. In anderen Dingen war er sich sehr viel sicherer, hatte allerdings, weil es eine akademische Diskussion sein sollte, sie nicht so präzise formuliert.

[19:41] Und jetzt sagt er hier: "Doch ich kenne genugsam aus dieser Verbreitung, was durch bei allen überall für eine Meinung vom Ablass sei, wie wohl in geheim." Also mit anderen Worten, er sieht, weil sich das Thema so verbreitet, steht er nicht alleine da. Überall müssen es Leute geben, muss es Leute geben, die ähnlich wie er über den Ablass denken, aber sie sind bisher im Geheimen gewesen. Und jetzt heißt es hier weiter: "Nämlich aus Furcht vor den Juden." Das meint hier nicht die tatsächlichen Juden seiner Zeit, sondern ist eine Anspielung auf Bibeltexte im Neuen Testament, wo etliche Priester, etliche Pharisäer an Jesus glauben, aber aus Angst vor den anderen Juden, vor der Hierarchie, das nicht öffentlich bekannt geben. So also auch hier: Viele sind Luthers Meinung, aber haben sich bisher nicht mit dieser Meinung nach vorne gewagt. "So bin ich nötigt worden", heißt es weiter, "Beweisungen der Thesen zu richten." Also ist jetzt diese Erklärung, die er jetzt in der Zwischenzeit formuliert hat.

[20:37] "Ja, wenn der Herr mir Mut geben sollte", kündigt er jetzt noch darüber hinaus an, "so wünsche ich in deutscher Sprache ein Büchlein herauszugeben von der Kraft des Ablasses, damit ich diese ganz unbestimmten Thesen unterdrücke." Also Luther sagt, ich habe bereits Erklärung zu den 95 Thesen verfasst und wenn ich noch Zeit habe, würde ich gerne ein deutsches Büchlein rausbringen, damit jeder sofort versteht, dass das Volk begreift, worum es wirklich beim Ablass geht. Und dann wird niemand mehr über die 95 Thesen reden, weil sie noch völlig unklar und unbestimmt sind. Das also Luthers Brief 1518 am 5. März.

[21:15] Und dann geschieht im März etwas sehr Bedeutsames. Luther bekommt etwas von seinem Freund Wenzeslaus Link zugesandt. Link ist in den Besitz eines Manuskripts gekommen, das ihn sehr verwundert hat. Ein Manuskript von Johann Eck. Und in diesem Dokument greift Eck Luther an, seinen Freund, aus lauter Diskussionslust. Diese Gegenschrift von Johann Eck war nicht für Luther bestimmt, sondern für den Bischof von St. Aber Wenzeslaus Link, der mitbekommt, dass Luthers Freund Eck hinter Luthers Rücken eine Gegenschrift verfasst hat, meint, es wäre seine Pflicht, Luther darüber zu informieren. Und so gerät die Gegenschrift von Johannes Eck in die Hände von Luther. Und der ist wirklich betrübt und betroffen, dass sein Freund, mit dem er seit ungefähr einem Jahr in Brieffreundschaft ist, Johannes Eck, sich so gegen ihn wendet, ohne zuerst mit ihm gesprochen zu haben.

[22:37] Luther ist zwar sehr traurig, aber ist bereit, das Ganze zu schlucken und nicht darauf einzugehen. Aber seine Freunde, die raten ihm zu antworten, wenigstens privat. Das Ganze ist noch dadurch ziemlich delikat gewesen, dass die Schrift von Eck "Obelisci" hieß. Das ist das lateinische Wort für Spießchen. Und das war eine Anspielung, die Spießchen, die Obelisci, waren ein textkritisches Zeichen in der Bibelwissenschaft, mit der man vermeintlich oder tatsächlich unechte Stellen in einem biblischen Manuskript kennzeichnet. Wenn man also Manuskripte abschrieb und an eine Stelle stieß beim Abschreiben, von der offensichtlich war, dass sie unecht war, dass sie eine Fälschung war, oder zumindest man das glaubte, dann hat man hinter diese Stelle so ein Spießchen gesetzt, so ein Zeichen, damit der Leser wusste, dass eine unechte Stelle. Im Mittelalter hat sich dann diese Bedeutung verallgemeinert, verselbstständigt, so dass man jetzt alle ketzerischen Aussagen darunter verstand. Und hat diese Thesen von Luther als Obeliski, als ketzerische Aussagen bezeichnet. Und das hat den Luther so besonders betroffen gemacht. Und das war auch der Grund vielleicht, warum seine Freunde so darauf drangen, dass Luther ihm doch antworten sollte, wenn auch nicht öffentlich, dann doch privat. Er solle das nicht auf sich sitzen lassen.

[24:18] Und damit beginnt diese Auseinandersetzung. Ebenfalls im März trafen sich die Theologen der Wittenberger Universität, Luther und viele andere, bei Karlstadt in seinem Haus. Es ging um die Reform nicht der Kirche, nicht der Theologie, sondern die Reform der Wittenberger Universität. Dort in Wittenberg war eine ganze Menge in Bewegung. Man wollte nicht einfach nur im Bezug des Evangeliums neue Wege gehen, man wollte grundsätzlich die Ausbildung der Studenten auf...

[24:52] die Ausbildung der Studenten auf ein besseres, neues Niveau anheben. Und so gab es verschiedene Ideen, was man einführen sollte an Fächern, was wegfallen konnte. Die Anfrage Spalatin's hat sicherlich in die Richtung auch gewirkt. Und man hat dann sehr weitreichende Reformpläne besprochen und hat selbst nicht geglaubt, dass diese Reformpläne umgesetzt werden könnten, weil sie doch sehr viel Geld kosten würden. Deswegen war das mehr so ein Treffen, wo man vielleicht mal träumen konnte, was möglich, was geschehen könnte. Aber man hat selbst nicht wirklich geglaubt, dass das so eintreffen wird.

[25:32] Zur großen Überraschung der Theologen in Wittenberg hat dann aber Friedrich II. diese Reformpläne im Grunde genommen eins zu eins umsetzen lassen. Weil Friedrich II. an höchsten Standards interessiert war, hat er verfügt, dass mit sofortiger Wirkung, ganz kurzfristig, sowohl Griechisch als auch Hebräisch als Unterrichtsfächer eingeführt werden sollten. Außerdem Vorlesungen über Plinius und Quintilian, also humanistische Vorlesungen über die alten klassischen Quellen. Dagegen sollten alle scholastischen Vorlesungen, diese über aristotelische Logik und so weiter, all das sollte entfallen. Wenn Aristoteles dann nur noch am Original, nicht mehr mit Hilfe der Scholastiker, die alles so miteinander vermengten und vermischten und ja nicht wirklich den Quellen genügten.

[26:25] Und das hat natürlich der Wittenberger Universität einen enormen Aufschub gegeben. Und Wittenberg wurde immer mehr zu einem Zentrum der bildungstechnischen Avantgarde, sozusagen. Die besten Leute kamen hierher, weil sie wussten, hier wird unterrichtet auf höchstem Niveau. Und die beginnende Bekanntheit Luther's hat natürlich ihr Weiteres dazu beigetragen.

[26:52] Ungefähr Mitte März haben dann die Ablassthesen aus Frankfurt oder über Tetzel in Frankfurt oder disputiert. Hatte diese Thesen von Konrad Koch oder Konrad Wimpina, diese Thesen haben Wittenberg erreicht. Und jetzt wusste man sicher, wie in der Nachbaruniversität in Frankfurt oder man über Luther's Thesen dachte. Tetzel hat sich damit nicht begnügt, sondern er hat sogar Buchverkäufer und Buchführer aus Halle nach Wittenberg gesandt, die in Wittenberg selbst diese Ablassthesen aus Frankfurt oder verkaufen sollten, um somit den 95 Thesen von Luther ja das Wasser abzugraben.

[27:38] Dabei hat er nicht die Rechnung gemacht mit den Wittenberger Studenten, die bereits Feuer und Flamme waren für Luther und seine neuen Ideen. Sie verachteten die scholastische Theologie, die Tetzel vertrat in seinen Ablassthesen und überlegten sich etwas Radikales. Sie haben dann von diesen Buchführern, von diesem Buchführer aus Halle, größtenteils die Bücher aufgekauft, zum Teil sogar mit Gewalt an sich gerissen und dann mittags auf dem Marktplatz öffentlich verbrannt.

[28:14] Und das war natürlich ein großer Eklat. Die Wittenberger Studenten verbrennen die Antithesen zu Luther. Luther hat übrigens dieses Vorgehen kritisiert. Er war nicht dafür, für die Gegner so zu behandeln und er hat sich große Sorgen gemacht, dass die ganze Angelegenheit zu sehr aufgebauscht wird und jetzt ein Drama daraus entsteht, das er nie beabsichtigt hatte.

[28:46] Am 21. März schrieb Luther wieder an seinen Freund Johann Lang in Erfurt: "Diejenigen, die die Ablässe fabrizieren, die donnern gegen ihn", sagt er, "und sie vergleichen ihn mit Scheusale und sie drohen mit seiner zügigen Verurteilung." Luther hat bereits Warnung bekommen, nicht nach Heidelberg zu reisen, denn im Jahre 1518 war es wieder soweit. Alle drei Jahre fand die Zusammenkunft aller reformierten Augustiner-Eremiten-Klöster zusammen, das die sogenannte Reformkongregation. Dieses Jahr sollte das in Heidelberg stattfinden und Freunde hatten ihm bereits geraten, nicht zu dieser Zusammenkunft in Heidelberg zu reisen, weil man ein Attentat auf ihn befürchtete, wegen des Ablassstreits.

[29:35] Luther schreibt aber an Lang, dass er darauf nicht viel gibt und dass er gewillt ist, trotzdem nach Heidelberg zu reisen, um dort wie alle drei Jahre an dieser Zusammenkunft aller reformierten Augustiner-Eremiten teilzunehmen. Außerdem schreibt er, dass Friedrich II. sich wohl doch einigermaßen bemerkbar hinter Luther gestellt hat oder hinter Luther und auch Karlstadt, der aufgrund seiner Thesen zu Augustinus und zum Evangelium ebenfalls schon im Fokus stand. Friedrich schätzte diese Professoren, er glaubte nicht zu Unrecht, dass sie für hohe Standards auch in der Lehre standen und wollte sie unbedingt in Wittenberg halten.

[30:15] Er hat bereits zu diesem frühen Zeitpunkt deutlich gemacht, dass er eine Hinrichtung in Rom nicht zulassen werde. Das heißt, so früh bereits stand dieser Gedanke zumindestens mal im Raum. Und der ganze Streit war von Anfang an also auch politisch aufgeladen. Friedrich II. war, wenn auch indirekt, von Anfang an mit involviert.

[30:38] Kurioserweise hatte gleichzeitig Friedrich inhaltlich noch nicht so viel von Luther's Lehre wohl verstanden oder angenommen, zumindestens denn in diesem März 1518 hat er sich von Rom ein neues Privileg für Ablässe gewähren lassen. Und auch in Rom hat man noch nichts Besonderes daran gesehen, dem Kurfürsten von Sachsen, der ja zuständig war für Luther, so einen besonderen Ablass zu gewähren. Man hat also Luther zwar wahrgenommen, aber nicht als großes, ernstzunehmendes Problem gesehen.

[31:10] In dieser Zeit im März 1518 hat auch Spalatin dann neue Vollmachten vom Kurfürsten erhalten und ist sein Beichtvater, sein Beichtiger gewesen, was ihn zu einem der engsten Vertrauten vom Kurfürsten gemacht hat. Eine Verbindung, die ganz entscheidend war, weil Spalatin gleichzeitig einen engen Draht zu Luther hatte.

[31:36] In der zweiten Hälfte des März erhielt Luther dann Besuch vom Abt von Lenne. Der wurde gesandt vom Brandenburger Bischof. Und der Bischof in Brandenburg hatte sich die Erklärung zu den 95 Thesen durchgelesen und hatte jetzt einen Rat an Luther, den er durch den Abt von Lenne an Martin Luther weitgab. Der Rat war folgender: "Halte erst einmal still, bitte, veröffentliche nichts weiter in dieser Sache mit dem Ablass und warte, bis die Ärgernisse, das heißt, bis der Aufruhr sich gelegt hat."

[32:15] Ja, abwarten, erst einmal stillhalten. Das war der Rat vom Brandenburger Bischof und Luther war sehr beeindruckt von diesem Rat und war bereit zu gehorchen. Er hatte allerdings zu diesem Zeitpunkt, als diese Nachricht kam, bereits eine kurze Predigt drucken lassen. Und das war jenes besagte kleine deutsche Büchlein, das er schon angekündigt hatte gegenüber Christoph Schel. Diese kurze Predigt hier in einem Originaldruck: "Sermon vom Ablass und der Gnade". Und das ist das erste Mal, dass Luther sich jetzt in deutscher Sprache über den Ablass auslässt.

[32:54] Und wir können mal ein paar Ausschnitte hier lesen. Das ist original Lutherdeutsch. Zum ersten: "Sollt ihr wissen, dass etliche neue Lehrer als Magister Sententiarum, St. Thomas und ihre Folger geben der Buß drei Teil, nämlich die Reu, die Beicht, die Genugtuung. Und obwohl dieser Unterschied nach ihrer Meinung schwerlich alle oder gar nichts gegründet erfunden wird in der Heiligen Schrift noch in den alten heiligen christlichen Lehrern, doch wollen wir das jetzt so lassen bleiben und nach ihrer Weis reden." Also Luther sagt gleich zum Anfang, diese ganze scholastische Aufteilung der Buße ist eigentlich überhaupt nicht biblisch begründet, aber lassen wir es erstmal so.

[33:38] Und dann kritisiert er sie anhand der Grundlagen der Scholastik. Auch hier z.B. zum Sechsten: "Lass ich ihre Opinion unverworfen auf das Mal. Das sage ich, dass man aus keiner Schrift bewähren kann, dass göttlich Gerechtigkeit etwas Pein oder Genugtuung begehre, oder fordere von dem Sünder, dass allein seine herzliche und wahre Reu, oder Bekehrung mit Vorsatz hinfort das Kreuz Christi zu tragen und die oben genannten Werk zu tun."

[34:06] Also, was Luther sagt, ist: Was Gott wirklich fordert, ist nicht irgendwelche Genugtuung, nicht irgendwelche Pein und Strafe. Was Gott fordert, ist echte Reue, echte Bekehrung und der Vorsatz von nun an mit Gottes Hilfe Gutes zu tun. Und hier weiter: "Denn so spricht er durch Ezechiel: Wann sich der Sünder bekehrt und tut recht, so will ich seiner Sünd nicht mehr gedenken."

[34:28] Item, also hat er selbst alle, die absolviert, Maria Magdalena, den Gichtbrüchigen, die Brüchigen, die Ehebrecherin etc. Und mocht wohl gerne hören, wer das anders bewähren soll. Unangesehen, dass etliche Doktoris so gedacht hat. Also er bezieht sich hier auf diese berühmte Stelle in Ezechiel 18: "Wenn aber der Gottlose umkehrt von allen seinen Sünden, die er begangen hat, und alle meine Satzung bewahrt und Recht und Gerechtigkeit übt, so soll er gewiss leben. Er soll nicht sterben."

[34:54] Zum Siebten: "Das findet man wohl, dass Gott lich noch seiner Gerechtigkeit strafet, aber durch Pein dringt zu der Reu, wie in 89. Psalm Vers 31 bis 34: 'So seine Kinder werden sündigen, will ich mit den Ruten ihre Sünd heimsuchen, aber doch meine Barmherzigkeit nicht von ihnen wenden.' Aber diese Pein steht in niemands Gewalt nachzulassen, dann allein Gottes. Ja, er will sie nicht lassen, sondern verspricht, er will sie auflegen."

[35:18] Also hier sagt Luther: Wenn Gott uns züchtigt, kann niemand durch einen Ablass diese diese diese Strafe, diese diese Erziehung, diese Pein, diese Gewalt nachgeben, nachlassen, ablassen. Sondern wenn Gott möchte, dass es geschieht, dann wird es auch geschehen. Und er möchte nicht, dass es dann abgelassen wird.

[35:40] Also Luther attackiert von mehreren Seiten den Ablass. Hier weiter: "Dann Gott und die heilige Kirche legen niemand mehr auf dann ihm zu tragen möglich ist, als auch St. Paul sagt, dass Gott nicht lässt versucht werden jemand mehr, dann er mag tragen. Und es lautet nicht wenig zu der Christenheit Schmach, dass man ihr Schuld gibt, sie lege auf mehr dann wir tragen können."

[36:02] Also Luther sagt, dieses Argument, na ja, wir brauchen den Ablass, weil wir müssen so viel Genugtuung tun, so viel gute Werke tun, so viel Pein und all diese Dinge leiden, zeitliche Strafen auf uns nehmen, mehr als wir tragen können, deswegen brauchen wir Ablass. Er sagt, das ist vollkommen absurd, denn Gott legt einem niemals mehr auf, als er tragen kann.

[36:23] Und dann hier zum 13.: "Es ist ein großer Irrtum, dass jemand meine, er wolle genug tun vor seine Sünden. Doch Gott dieselben alle Zeit umsonst aus unschätzlicher Gnad vorzeiget. Nichts davor begehrend, dann hinfort wohl leben. Die Christenheit fordert wohl etwas, also mag sie und es auch dasselbe nachlassen und nicht schweres oder unerträglich auflegen."

[36:45] Also er sagt, Gott selbst vergibt uns umsonst, da brauchen wir keinen Ablass. Und wenn die Christenheit eine Strafe zusätzlich zu Gott noch, als das heißt, die Kirche noch zusätzlich eine Strafe auflegt, kann sie dir ablassen. Aber das hat nichts mit Gott zu tun. Und dann soll sie auch nichts schweres auflegen, sondern nichts unerträgliches.

[37:10] Und dann kommt jetzt das Schlussfazit: "So sprichst du?" "So würde ich nimmer mehr Ablass lösen." Antwort: "Ich, das habe ich schon oben gesagt, dass mein Wille, Begierde, Bitt und Rat ist, dass niemand Ablass löse." Das klingt noch weitaus radikaler als in den 95 Thesen.

[37:28] Und jetzt kommt dieser unglaublich interessante Satz: "Lass die faulen und schläferigen Christen ablasslosen Gang du für dich." Also Luther sagt, es Ablass, den Ablass schaffen wir nicht ab als Kirche, aber der Ablass ist nur für die eingeschlafenen, für die faulen Christen, nicht für die, die ernsthaft Jesus nachfolgen wollen.

[37:51] Und wenn du ein echter Nachfolger Jesu sein willst, wenn du wirklich Gott liebst, brauchst du keinen Ablass. Ich rate dir, löse keinen. Und wenn andere auch tun, lass dich davon nicht anfechten, sondern steh du selbst vor Gott. Eine radikale, eine biblische Predigt, die natürlich für großes Aufsehen sorgt.

[38:15] Und diese Schrift wird sein erster literarischer Erfolg. Innerhalb der nächsten Jahre wird sie in über 20 Sprachen gedruckt und mehr noch als in den lateinischen Thesen ist es jetzt möglich, dass auch die weniger gebildeten Schichten eine Idee bekommen, was die Bibel eigentlich wirklich zum Thema Buße und Sündenvergebung sagt.

[38:39] Noch einige Details aus dem Frühjahr 1518. Johannes Pfeffinger wird in diesen Monaten Priester mit 24 und Matthäus Alber wird Magister der freien Künste in Tübingen, wo er den hier abgebildeten Melanchthon kennenlernt und dessen Vorlesung besucht über griechische Grammatik und auch über die Komödien des Terenz. Diese Freundschaft wird sich auch noch erhalten.

[39:07] Dann ein großes Ereignis, das für die Reformationsgeschichte nicht ohne Bedeutung ist: Am 27. März appellierte die große, berühmte Pariser Universität, die Sorbonne, gegen das Konkordat von 1516 vom Papst an ein Konzil. Also ein ziemlich dramatischer Vorgang, dass die Universität war nicht einverstanden mit dem Konkordat des Papstes mit dem französischen König und hat dagegen Revision eingelegt. Wo kann man Revision einlegen, wenn der Papst selbst entscheidet? Das war die Frage, die natürlich äußerst brisant war. Und die Universität sagt, wir appellieren an ein Konzil. Und unausgesprochen stand im Raum, dass das Konzil über dem Papst steht. Eine Idee, die ja schon 100 Jahre zuvor in Konstanz formuliert worden war und für einige Jahrzehnte auch in der Kirche praktiziert worden war, bevor das dann im Laufe des 15. Jahrhunderts wieder rückgängig gemacht worden war.

[40:05] In jenen Monaten war Zwingli weiter in Einsiedeln, dort als Leutepriester angestellt. Er hat mehr und mehr eine Abscheu bekommen gegen all die Wallfahrten. Einsiedeln war ja ein ganz berühmter Wallfahrtsort. Die Leute kamen da und haben wie Rituale getan. Und Zwingli hat mehr und mehr gesehen, mehr noch als er das in Glarus bemerkt hatte, wie sehr dieses ganze System oberflächlich, ja unbiblisch war.

[40:43] Und immer stärker hat der jetzt 34-jährige Zwingli gegen diese kirchlichen Missbräuche in Einsiedeln gepredigt. Diese volksfremde Frömmigkeit, die sich nicht nach der Bibel richtete, sondern nach alten Traditionen, die war ihm mehr und mehr ein Dorn im Auge. Und ohne dass es so mit einem Paukenschlag begann wie bei Luther, hat er mehr und mehr gegen diesen Missbrauch gepredigt.

[41:11] Ansonsten hat er dort in Einsiedeln viel studiert, hat sein Griechisch perfektioniert, hat auch mit dem Hebräischstudium begonnen. Seine Büchersammlung hat schon bald über 300 Werke ausgemacht, was damals ziemlich gigantisch war. Mit vielen Gelehrten stand er im Briefkontakt und hat sich vor allem besonders von Erasmus prägen lassen. Zwingli war mittlerweile auch ein überzeugter Pazifist, noch seine Erfahrung im Krieg. Und gerade der Humanismus von Erasmus hat es ihm angetan gehabt.

[41:43] Und diese beiden Faktoren, dieses Studieren und dass sie immer weiter hineindenken in die originalen Quellen, noch in das Neue Testament, dass er aufgrund von Erasmus' Arbeit ja jetzt studieren konnte auf Griechisch, als auch die Beobachtung der Missbräuche in der Kirche, das hat jetzt sehr in Zwingli gearbeitet und immer weiter geformt.

[42:05] Am 28. März hielt Luther eine Predigt, die zu deinen bedeutendsten überhaupt gehört in der ganzen Reformationsgeschichte. Der Sermon, die Predigt von der doppelten Gerechtigkeit. Hier lesen wir zum ersten Mal ohne Wenn und Aber die spätere protestantische Theologie in Reinform formuliert. Spätestens jetzt, spätestens jetzt muss das Turmerlebnis, von dem wir in der letzten Folge gesprochen haben, stattgefunden haben. Und wir wollen kurz einen Einblick bekommen in diese Idee der doppelten Gerechtigkeit.

[42:41] Luther predigt, dass es zwei Arten von Gerechtigkeit gibt. Die eine, die ist außerhalb von uns. Es ist die Gerechtigkeit, mit der Christus gerecht ist. Also so die Gerechtigkeit Christi, im Sinne, dass Christus gerecht ist. Und diese Gerechtigkeit rechtfertigt uns, wenn wir an Jesus glauben. Luther verweist auf 1. Korinther 1, Vers 30: "Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht worden ist zur Weisheit, zur Gerechtigkeit." Christus ist unsere Gerechtigkeit. Er verweist auf Johannes 14, Vers 6: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich." Jesus ist die Hoffnung allein.

[43:30] Und dann sagt Luther, dass diese diese erste Gerechtigkeit sowohl bei der Taufe eingeflößt wird oder vermittelt wird, infundiert wird, und auch wenn ein Mensch Buße tut. Und dann verwendet er ein sehr schönes Bild. Er verwendet das Bild von Braut und Bräutigam. Er sagt, so wie die Braut sehr wohl sagen kann, dass das, was dem Bräutigam gehört, auch ihr gehört, weil sie ja jetzt eins sind, so kann der Gläubige, der mit Christus verbunden ist, die Gerechtigkeit, die Christus gehört, für sich in Anspruch nehmen.

[44:09] Und er verweist auf Epheser 5, wo die Ehe zum Vorbild genommen wird für das Verhältnis zwischen Christus und der Gemeinde. Deshalb wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen und die zwei werden ein Fleisch sein. Dieses Geheimnis ist groß. Ich aber deute es auf Christus und auf die Gemeinde. Dieses Bild ist ein ganz, ganz kraftvolles Bild in dieser Predigt. Wenn wir Jesus angehören, sind wir mit ihm verheiratet und dann gehört uns das, was ihm gehört, nämlich seine Gerechtigkeit. Und die ist groß und kostbar.

[44:42] Wie hier in 2. Petrus 1, Vers 14: "Durch welche uns die überaus großen und kostbaren Verheißungen gegeben hat." Oder dann verweist er immer wieder, dass Christus für uns gelebt hat, für uns gestorben ist. "Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben. Er ist für uns gekommen."

[45:01] Das nur einige Verse, die in der Predigt vorkommen. Es ist noch mehr, die aus Zeitgründen gar nicht alle anschauen können. Oder hier in Römer 8, Vers 32: "Er, der sogar seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken?" Oder in Lukas 22, Vers 19, wo Jesus beim Abendmahl sagt: "Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Das tut zu meinem Gedächtnis."

[45:24] Also Luther hat diesen Punkt betont: Was Jesus getan hat, das ist für uns, das ist für mich. Diese erste Gerechtigkeit, die wird durch den Glauben meine Gerechtigkeit. Er selbst, Jesus, ist dann mein. Und da verweist er natürlich auf den Vers, dem das alles geöffnet hat: Römer 1, Vers 17: "Denn es wird daran geoffenbart die Gerechtigkeit Gottes aus Glauben zum Glauben."

[45:52] Das ist diese erste Gerechtigkeit, die Gerechtigkeit Christi. Wie geschrieben steht: "Der Gerechte wird aus Glauben leben." Weil Christus gerecht ist und er das alles für mich getan hat, all sein Gehorsam, all seine eine Gerechtigkeit, die er ohne Zweifel hat, die ist für mich. Und wenn ich ihm das glaube, gehört sie mir. Die Gerechtigkeit Gottes ist meine Gerechtigkeit, weil er es für mich getan hat.

[46:24] Und diese Gerechtigkeit ist unendlich. Sie schluckt die gesamte Sünde, sagt er, denn in Christus ist keine Sünde. Und diese Gerechtigkeit ist dann die Basis, das Fundament, die Quelle aller eigenen, tatsächlichen, gerechten Taten. Das heißt, hier weiter: "Bei dir, oh Herr, habe ich Zuflucht gefunden. Lass mich niemals zu Schanden werden. Errette mich durch deine Gerechtigkeit."

[46:51] Und Luther formuliert in der Predigt: "Es ist nämlich nicht errette mich durch meine Gerechtigkeit, sondern errette mich durch deine Gerechtigkeit." Die Gerechtigkeit Christi, die Gerechtigkeit Gottes, die außerhalb von mir ist und mir im Glauben angerechnet wird, die rettet mich.

[47:08] Und er sagt auch, diese diese erste Gerechtigkeit ist nicht einmal einfach übermittelt, sondern sie wird fortschreitend eingeflößt, infundiert. Und sie annulliert den Schaden, der durch Adams Sünde entstanden ist. Und sie wächst sogar mit dem Maß des Glaubens. Also je mehr wir glauben, desto mehr kann diese diese erste Gerechtigkeit, die Gerechtigkeit Christi, uns verändern und uns ja, und für uns wirken.

[47:35] Und dann gibt es die zweite Art.

[47:39] wirken und dann gibt es die zweite Art der Gerechtigkeit und das sind die gerechten Taten der Gläubigen. Und diese gerechten Taten der Gläubigen sind allerdings nicht unabhängig von der ersten Gerechtigkeit, sondern wirken mit ihr zusammen. Sie sind viel mehr die Antwort auf das beständige Wirken der ersten Gerechtigkeit. Er zitiert z.B. Galater 5: "Die bei Christus angehören, die haben das Fleisch gekreuzigt, samt den Leidenschaften und Lüsten." Da gehört also etwas dazu, Bezug das eigene Leben. Wenn man Christus angehört, muss etwas aufgegeben werden. Oder hier in Titus 2, Vers 12: "Sie nimmt uns in Zucht, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in der jetzigen Weltzeit." Die Gnade erzieht uns, sie sorgt dafür, dass wir leben, dass wir das Leben, dass wir Begierden verleugnen, dass wir besonnen sind, gerecht sind, gottesfürchtig leben. Galater 5, Vers 22: "Diese zweite Gerechtigkeit ist im Grunde genommen die Frucht der ersten Gerechtigkeit, die Frucht des Geistes, aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung." Und Luther sagt interessanterweise, dass diese zweite Gerechtigkeit die erste Gerechtigkeit vervollständigt. Sie kreuzigt das Fleisch.

[48:55] Also Luther hat nie geglaubt, dass die erste Gerechtigkeit alleine alles ist, was zum christlichen Leben und zur Erlösung dazu gehört, sondern die zweite gehört dazu als Folge, als Frucht, basierend auf der unendlichen ersten Gerechtigkeit Christi. Diese zweite Gerechtigkeit kreuzigt das Fleisch und liebt den Nächsten, erfüllt also das Gebot Gottes, dass wir den Nächsten lieben sollen wie uns selbst. Und er verweist da auf 2. Korinther 3, Vers 18: "Wir aber alle, indem wir mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen, wie in einem Spiegel, werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, nämlich vom Geist des Herrn." Das heißt, wir werden verändert. Die Gerechtigkeit Gottes ist nicht einfach nur etwas, das das Vergangene abtut, sondern das Leben verändert. Und hier in Römer 6, Vers 19b: "Denn so wie einst eure Glieder in den Dienst der Unreinheit und der Gesetzlosigkeit gestellt habt zur Gesetzlosigkeit, so stellt jetzt eure Glieder in den Dienst der Gerechtigkeit zur Heiligung." Also Luther macht sehr deutlich: Ein Mensch, der Christus glaubt, der durch den Glauben gerechtfertigt ist, der wird ein anderes Leben leben. Diese zweite Gerechtigkeit, die die praktischen Taten des Gläubigen, die praktische Gerechtigkeit, wird die Folge sein.

[50:11] Und dann verwendet er noch einmal dieses unglaublich schöne Bild von Bräutigam und Braut und sagt folgendes, und das glaube ich, kann uns heute noch sehr tief treffen: Er sagt, die erste Gerechtigkeit, das ist der Bräutigam, der sagt: "Ich bin dein, was ich habe, all meine Gerechtigkeit ist für dich." Und die zweite Gerechtigkeit ist die Antwort der Braut, der Gläubigen, die zu ihrem Bräutigam Christus sagen: "Und ich bin dein." Christus sagt: "Ich habe alles für dich gegeben." Der Gläubige sagt: "Aus Dankbarkeit, aus Liebe will ich alles für dich geben." Und dann sagt Luther: "Und dann ist die Ehe vollzogen, die geistliche Ehe." Das Licht des Evangeliums, das Rechtfertigung und Heiligung, die den ganzen Plan der Erlösung so wunderbar ausdrückt.

[51:07] Hier brach sich eben von nun an, wir sind Luthers Schriften und Predigten getrennt von diesen tiefen Wahrheiten des Evangeliums, von denen wir bis heute profitieren. "Mein Geliebter ist mein und ich bin sein." Luther hat diesen Vers verwendet in der Predigt, um die Beziehung zwischen Jesus und dem Gläubigen deutlich zu machen, um das Problem der Gerechtigkeit aus dem Glauben zu illustrieren, mit dem er so lange gerungen hat, bis er verstand: Es geht darum, wenn ich verstehe, wie sehr Gott mich geliebt hat und ich ihn zurückliebe, dann ist er mein und ich bin sein. Und dann ist es genau das, was Gott sich wünscht.

[51:50] Luther hat dann am 31. März noch einen Brief verfasst, bei dem nicht ganz sicher ist, an wen, vermutlich an Staupitz, aber es ist nicht ganz eindeutig. Und hier beschreibt er, dass er schon seit längerem kritisiert wird, stark kritisiert wird, und zwar nicht nur wegen dem Ablass. Sondern in diesem Brief spricht er gar nicht von dem Ablass, sondern von anderen Dingen, wie wir jetzt hier kurz noch sehen werden. Er schreibt: "Erstlich habe ich die feste Überzeugung, dass mein Name bei vielen stinkend sei, denn solches legen mir die guten Leute schon lange auf, nicht erst seit kurzem, dass ich die Rosenkränze, die Kronen und ja auch andere Gebete verdamme. So ist es auch Paulus wiederfahren. Ich bin freilich der Theologie Taulers gefolgt und des Büchlein." Also Luther sagt schon seit längerer Zeit kritisieren mich Leute, weil ich so diese diese Rosengrenze, diese diese diese Volksfrömmigkeit, diese Rituale und Traditionen nicht so predige und und wohl verdamme. Und er sagt: "So wie sie den Paulus verlumdet haben, so verlumden sie auch mich. Aber dann sagt er: Ich bin der Theologie Taulers gefolgt." Wir haben ja gesehen, dass er 1516 diese deutsche Theologie von Tauler rausbrachte, an der er so das praktische und das persönliche, das das Ja-Sagen, das das das pure Evangelium geschätzt hat. Und das Büchlein, und das Büchlein, das bezieht sich auf die Schrift von Staupitz selbst über die Liebe Gottes.

[53:13] Und dann sagt er hier: "Ich lehre, dass die Menschen nicht auf irgendetwas anderes vertrauen sollen als allein auf Jesum Christum, nicht auf ihre Gebete und Verdienste oder auf ihre Werke, weil wir nicht durch unser Laufen, sondern durch Gottes Erbarmenseligkeit werden." Römer 9: "Aber um guter oder übler Nachrede willen habe ich nicht angefangen, werde auch darum nicht ablassen." Also Luther sagt: Ich habe nicht angefangen, weil ich hoffte, mit meinen Thesen oder überhaupt mit meinem Wirken als Theologieprofessor irgendwie einen Ruhm zu haben. Und deswegen stört es mich auch nicht, wenn die Leute jetzt schlecht von mir reden. Dieselben Leute bringen Hass auf mich wegen der scholastischen Lehrer, denn weil ich den selben die Kirchenlehrer, also die frühen Kirchenväter und die Bibel vorziehe, so sind sie fast unsinnig vor hitzigem Eifer. Das Thema war viel tiefergehend als nur der Ablass. Luther, der vor schon in 97 Thesen gegen die scholastische Predigt hat, gegen Aristoteles sich eingesetzt. Und die Tatsache, dass er mit Karlstadt eng verbunden war, obwohl Karlstadt gegen Ablasskritik war, zeigt, das Problem lag tiefer. Und auch seine Kritiker wussten, hier geht's nicht nur um den Ablass, hier geht es um ein grundlegendes Herangehen an die Autoritäten der Kirche.

[54:22] Und dann sagt Luther: "Ich lese die Scholastik, also hat sie nicht einfach abgetan, aber er sagt, ich lese sie mit gutem Urteil, nicht wie sie das, heißt die Kritiker zu tun pflegen, mit verschlossenen Augen. Ich verwerfe nicht alle ihre Sachen, aber ich billige auch nicht alles." Luther sagt: Ich möchte doch einfach nur für mich selbst entscheiden dürfen, was ich von den scholastischen Autoritäten glaube und was nicht. Und mein Maßstab sind nicht die Scholastiker, sondern die Bibel." Und er zitiert dann diesen berühmten Vers: "Prüft alles, das Gute behaltet." Die Prinzipien der Reformation beginnen sich hier herauszuschälen und immer fester im Denken von Luther sich zu formen. In der nächsten Folge werden wir sehen, wie diese Auseinandersetzung sich weiter entwickeln wird in diesem so ereignisreichen Jahr 1518. Dann werden wir den April bis Juni betrachten und das Thema wird heißen: "Die Heidelberger Jugend." Bis dahin wünschen wir Gottes Segen und die Erfahrung der doppelten Gerechtigkeit, so wie Luther sie erkannte, selbst erlebte und anderen predigte. Gott mit ihnen bis zum nächsten Mal.
[55:38] Mal. [Musik]


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