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Sola Veritas – Die Wahre Chronik der Reformation

500 Jahre ist die Reformation alt: wird sie fortgeführt oder begraben? Wie verhalten sich Luthers Erben und was wird aus seinen (Wieder)entdeckungen? All das sind wichtige Fragen. Doch beantworten kann sie nur, wer das Reformationsgeschehen selbst gründlich kennt. „Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation“ bietet weitaus mehr als die üblichen bekannten Zusammenfassungen und Anekdoten. Ausgehend vom Jahre 1482 wird alles chronologisch erzählt, was weltgeschichlich und biographisch (sowohl bezüglich Luther als auch vieler anderer, zum Teil sehr unbekannter Reformatoren) wichtig war. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Spätmittelalters, erleben sie das zaghafte Aufblühen von Wissenschaft und Kultur, verfolgen sie die Debatten um philosophische und theologische Streitfragen und entdecken sie Schritt für Schritt mit Luther und seinen Mitkämpfern befreiende biblische Wahrheiten. So wird Kirchengeschichte lebensnah und endlich gut verständlich…. Neue Folgen wöchentlich, bzw. wenn es die Zeit erlaubt. Ein Programm von www.joelmediatv.de

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Folge von „Sola Veritas“ taucht Christopher Kramp in die Ereignisse zwischen April und Juni 1518 ein, die als die „Heidelberger Jugend“ Luthers bekannt sind. Er beleuchtet Luthers Reise nach Heidelberg für die Zusammenkunft der Augustinereremiten, die Reaktionen auf seine 95 Thesen und die bedeutende Heidelberger Disputation. Im Mittelpunkt stehen dabei Luthers 40 Thesen, die tiefgreifende theologische Fragen zur Gerechtigkeit, zum freien Willen und zur Natur der göttlichen Liebe aufwerfen und die bis heute relevant sind.


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Serie: Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation

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Transkript

[0:37] Herzlich willkommen zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation, hier auf www.joelmedia.de mit einer weiteren Folge. Wer die Geschichte Martin Luthers und das Fortschreiten der Reformation gemeinsam studieren will, heute wollen wir uns einen interessanten Abschnitt dieser Reformationsgeschichte anschauen. Und bevor wir beginnen, möchte ich uns einladen für ein kurzes Anfangsgebet. Vater im Himmel, wir danken dir, dass die Reformation stattgefunden hat und dass du Männer und Frauen bewegt hast, um das Evangelium nicht nur zu entdecken, sondern auch zu verkündigen. Und wir möchten dich bitten, dass wir inspiriert werden, dass wir begeistert werden, beeindruckt werden durch ihren Mut, dass wir aus ihren Niederlagen lernen und von ihren Siegen das Vertrauen schöpfen können, dass du dein Werk voranbringst. Sei jetzt bei uns mit deinem Heiligen Geist nach deiner Verheißung im Namen Jesu. Amen.

[1:40] Teil 25: April bis Juni 1518. Die Heidelberger Jugend. Martin Luther war in vielerlei Munde. Die Reformation hat er ja gerade so richtig begonnen, nicht nur im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, sondern schon international begann man über die Ideen und die reformatorischen Gedanken des Martin Luthers zu diskutieren. Die 95 Thesen, die ja eigentlich recht privat für eine Disputation an die Kirchentüren zu Wittenberg genagelt hatte, hatten sich ohne sein Wissen und ohne sein Zutun ja fast so ein bisschen gegen seinen Willen wie ein Lauffeuer verbreitet.

[2:37] Anfang April stand Martin Luther vor einer größeren Reise, die in der letzten Folge angedeutet wurde. Es sollte eben im April, das alle drei Jahre stattfindende Kapitel, die Zusammenkunft aller reformierten, also aller obersten Augustinereremitenklöster stattfinden und zwar dieses Jahr in Heidelberg. Und obwohl man Luther gewarnt hatte aufgrund der momentan spannungsgeladenen Situation nach Heidelberg zu reisen, hat er sich entschlossen, er wolle seinen Pflichten nachkommen und dort teilen. Deswegen stand der Anfang April in engem Kontakt mit Staupitz, um sicherzustellen, dass hier auch der Kurfürst hinter ihm stand. Der versah den Luther sogar mit einem Absicherungsschreiben, das ihm sozusagen eine sichere Reise nach Heidelberg und dann auch wieder zurück garantieren sollte. Friedrich der Dritte hatte ein großes Interesse, dass dem Luther nichts auf dem Weg passiert, nicht zuletzt deswegen, weil er auch Geld bezahlt hatte für die Doktorpromotion seines mittlerweile recht berühmten Professors. Und deswegen hat er sich auch noch mal insbesondere an Staupitz gewandt und dem schriftlich mitteilen lassen, dass er dafür sorgen soll, dass dem Luther nichts passiert. Staupitz war zwar der Vikar, das heißt, er der Oberste aller reformierten Augustinerklöster und hatte dementsprechend auch die Verantwortung für Luther. Der solle auch irgendwo aufgehalten werden, sondern nach dem Kapitel in Heidelberg so schnell wie möglich nach Wittenberg zurückkommen.

[4:29] Ebenfalls Anfang April bekam Luther auch Nachricht vom Bischof von Brandenburg. Der hatte ihn ja einige Wochen zuvor geraten, mit der Veröffentlichung der Erklärungen zu den 95 Thesen, die er mittlerweile verfasst hatte, weil niemand da die Diskussion, die Disputation angenommen hatte, mit dieser Veröffentlichung noch zu warten. Jetzt Anfang April sagte der oder schrieb der Bischof dem Luther: Du kannst jetzt diese Veröffentlichung vornehmen und die Erklärungen der breiten Öffentlichkeit präsentieren. Er hat also, wie gesagt, hier auch auf den Rat erfahrener Kirchenadministratoren gehört. Dieses Vorhaben musste dann allerdings noch etwas verschoben werden, weil jetzt die Reise nach Heidelberg anstand.

[5:20] Anfang April hatte Luther auch in der Passionszeit um Ostern herum eine Predigt gehalten, die jetzt sehr deutlich sein neues Evangeliumsverständnis ausgedrückt hat. Er hat dort gepredigt in Wittenberg, dass wir zu Jesus fliehen sollen, denn er hat alle unsere Schuld auf sich genommen und er kann alle unsere Schuld zunichte machen, so wie es die Bibel ausdrückt, so wie es Jesus selbst ausdrückte: Matthäus 11, Vers 28: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Der Prediger Martin Luther, der schon seit vielen Jahren in Wittenberg bekannt dafür war für seine guten biblischen Predigten, hat die Menschen eingeladen, ihre ganze Hoffnung allein auf den Erlöser Jesus Christus zu setzen, ihm zu glauben, denn er wird mit jedem Sündenproblem fertig. Eine so wichtige Botschaft, die heute an Aktualität absolut nichts verloren hat.

[6:31] Dann begann am 9. April die Reise nach Heidelberg. Luther hätte die Gelegenheit gehabt, auch mit dem Wagen, mit der Kutsche zu reisen, aber er wollte lieber zu Fuß gehen. Und so führte ihn sein Weg über Weißenfels erst einmal nach Judenbach, das ist im südlichen Thüringen, im fränkisch geprägten Teil von Thüringen. Und dort in Judenbach erfuhr er durch den dort anwesenden kurfürstlichen Rat Finger, dass sogar der Kaiser selbst, Maximilian der Erste, von den Thesen gehört hatte und sie in Russland fand und sich für Luther und seine Anliegen wohl zu interessieren schien. Und das hat natürlich sicherlich den Luther recht überrascht, dass der hohe Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation sich für seine Thesen interessiert.

[7:27] Weiter ging dann die Reise immer südwestlich, bis er am 15. April in Coburg ankam und dort Schreiber dann anstatt ihn, dass er mittlerweile bereut hat, die Reise zu Fuß zu unternehmen. Er schrieb: „Ich bereue meine Sünde, zu Fuß gegangen zu sein, aber dann schreibt er danach: Da ich aber bereue, brauche ich für diese Sünde keinen Ablass.“ Und da sieht man so ein bisschen auch den Humor des Luthers, der immer wieder auch durchkommt.

[8:00] Drei Tage später, nachdem er dann weiter gereist kam, er in Würzburg an und hat dort einige wenige Nächte im Augustinereremitenkloster oder müssen es eine Nacht im Augustinereremitenkloster zugebracht. Er hat dort auch einen Begleitbrief noch erhalten von einem Bischof. Und dort in Würzburg traf er auch alte Bekannte, seine Ordenskollegen aus Erfurt, Lang und auch Usinger, seinen ehemaligen Lehrer in der Erfurter Universität in Philosophie, den er dann in der Zwischenzeit in das Augustinerkloster auch geführt hatte. Und die hatten einen Wagen und nahmen jetzt auf dem letzten Teilstück im Wagen mit, so dass er am 21. oder 22. April Heidelberg erreichte.

[8:50] Und dort wurde Luther zusammen mit Staupitz und auch dem Lang, seinem guten Freund aus Erfurt, empfangen und zwar von keinem geringeren als vom Pfalzgrafen selbst. Pfalzgraf Ludwig der Fünfte war in seiner Funktion einer der sieben Kurfürsten der Kurpfalz. Und Kurpfalz war zu dem Zeitpunkt aufgrund der gegebenheiten des Landshuter Erbfolgekriegs noch unter der Reichsacht. Aber der Kurfürst war natürlich eine sehr bedeutende Persönlichkeit und er hat dann Luther und Staupitz und Lang eingeladen und ihnen das Schloss und auch die Reliquien, die Verteidigungsanlagen, all das gezeigt, was es so in Heidelberg aus Sicht des Kurfürsten, des Pfalzgrafen zu sehen gab.

[9:53] Am 25. April begann dann das eigentlich die eigentliche Veranstaltung, diese Zusammenkunft aller reformierten Augustinerklöster in Heidelberg. Und bei der Gelegenheit wurde Staupitz wiedergewählt als der Weg, als der Oberste über alle reformierten Augustinerklöster. Auch Luther war ja seit drei Jahren zu mindestens ein Distriktvikar, das heißt, er mit bestimmten Bezirken, bestimmte Strikte, vorne ungefähr zehn Klöstern die Oberaufsicht gehabt. Aber in dieser Rolle ist Luther nicht wiedergewählt worden, sondern abgelöst worden. Und sein Freund Lang in Erfurt hat diese Rolle bekommen. Das bedeutete für Luther, dass er ein wenig von administrativen Aufgaben befreit war. Das war sicherlich auch nicht unwichtig, dann im Laufe der Reformationsgeschichte dort etwas mehr Freiheit zu haben.

[10:45] Interessanterweise stand das Thema Ablass überhaupt wohl gar nicht auf der Tagesordnung und es wird zumindest in den uns überlieferten Quellen und Berichten mit keinem einzigen Wort erwähnt. Ein Freund von Luther, der Kaspar Gürtel, mit seinen 47 Jahren, wurde zum Obersten und zum Vorsteher, zum Prior des Konvents in Eisleben gewählt. Also Leute, die auch zu Luther hielten und theologisch auf seiner Seite standen, hatten also nach wie vor keinerlei Probleme gewählt zu werden.

[11:23] Unter den Absolventen, den reformierten Augustinereremiten, einen Tag später, am 26. April, kam es dann zu der berühmten Heidelberger Disputation im Vorlesungssaal des Augustinerklosters. Das steht heute nicht mehr, aber an dem Platz ist heute noch eine Gedenktafel zu sehen, wo diese öffentliche Disputation stattfand. Zu dieser öffentlichen Disputation gab es Thesen, die diskutiert werden sollten. Diese Thesen hatte niemand anders verfasst als Luther selbst. Nicht 95, sondern 40 neue Thesen: Die Thesen von Heidelberg. Er selbst hat sie nicht verteidigt, sondern ein gewisser Leonhard Beyer. Aber Luther hat sich als Vorsitzender der Disputation immer wieder natürlich gegen den Gang der Diskussion eingeschaltet.

[12:23] Dieses 40 Thesen hatten zwölf Thesen über die Philosophie, die dient wieder um die Frage mit Aristoteles und dem Evangelium. Und dann 28 Thesen über die Theologie, und die hatten es in sich. Vor allem die letzten. Wir wollen der Vollständigkeit halber sie kurz hier einmal erwähnen. Und man muss sich vorstellen, da waren also all die Theologen von Heidelberg dabei. Viele von denen waren nicht so besonders bedeutend in ihrer theologischen Ausbildung oder ihrer theologischen Wirkungskraft. Und für sie war diese Theologie von Luther vollkommen fremd. Hier die Thesen, die Luther diskutiert, 13: „Das Gesetz, die heikelste Lehre des Lebens, kann den Menschen nicht zur Gerechtigkeit bringen. Es ist vielmehr ein Hindernis auf dem Weg dazu. Noch viel weniger bringen Menschenwerke das fertig und würden sie gleich mit Hilfe der natürlichen Eingebung, wie man sagt, immer von neuem wiederholt.“ Also weder die zehn Gebote wie das Gesetz Gottes, noch die menschlichen Werke können einen Menschen von alleine zur Gerechtigkeit bringen.

[13:27] 15 und 16: „Die Werke der Menschen, wenn sie auch noch so sehr die Augen fallen und gut zu sein scheinen, müssen doch als Todsünden gelten.“ Also das, was wir als gute Werke bezeichnen, sind ohne Jesus Christus doch nur Sünden und die zum Tod führen. Vers 16: „Die Werke Gottes, wenn sie gleich nicht in die Augen fallen und schlecht zu sein scheinen, sind in Wahrheit doch unsterblich verdienstlich.“ Als sieht man, wie diese Thesen aufeinander bezogen sind und Kontraste bilden.

[13:54] 17: „Nicht in dem Sinne sind die Werke des Menschen Todsünden, sie reden von denen, die als gut erscheinen, dass sie verbrechen, während...“ 18: „Nicht in dem Sinne sind die Werke Gottes verdienstlich, wir reden von denen, die durch einen Menschen getan werden, dass sie nicht immer zugleich auch Sünde wären.“ Also Gott wirkt im Menschen, aber trotzdem, da der Mensch sie dann tut, das, was Gott in dem wirkt, ist es immer auch schwach und wie wird er sagt, Sünde.

[14:21] 19: „Die Werke der Gerechten wären Todsünden, würden sie nicht in Form einer Gottesfurcht vor den Gerichten als Todsünden gefürchtet.“ 20: „Noch viel mehr sind die Werke der Menschen tot, wenn sie ohne Furcht in unverfälschter und böser Selbstsicherheit getan werden.“ 21: „Zu erklären, dass die Werke ohne Christus seien, aber keine Todsünde, scheint mir eine gefährliche Preisgabe der Gottesfurcht.“ Also die Idee war die, die Skola sie haben gesagt, na ja, wenn wir ohne Christus leben, dann sind es zwei tote Werke, aber weil wir ja doch etwas Gutes tun, haben sind wir deswegen nicht automatisch dem Tode verfallen im Sinne, dass wir trotzdem begangen werden können. Und er sagt, das ist ein großer Unfug.

[15:04] 22: „Es ist wahrlich schwer zu verstehen, wie denn solch ein Werk tot sein soll und dennoch keine schädliche Codes.“ 23: „Der Vermessenheit kann man nur da entgehen und da wahre Hoffnung und die Hoffnung kann allein da sein, wo man bei einem jeglichen Werk Furcht hat vor dem Gericht der Verdammnis.“ Also wird er sagt, wenn man wirklich ein gläubiges Leben leben will, dann sollte man bei allem, was man tut, bedenken, es wird ein Gericht geben, und nur dann wird man nicht vermessen sein.

[15:31] 24: „Dann sind die Sünden vor Gott wirklich lässliche Sünden, wenn sie von den Menschen als Todsünden gefürchtet werden.“ Also die Idee ist, diese Idee von lässlichen Sünden und Kürzungen von Todsünden ist eine katholische Idee, der Luther hier noch ganz sauber pflichtet. Lässliche Sünden sind Sünden, über die Gott quasi hinwegsieht, so hat man sich das in der Kirche vorgestellt. Und Todsünden sind die Sünden, die wirklich dann zum Tod führen. Und Luther sagt, nur wenn ein Mensch die diesen als Todsünden fürchtet, dann kann Gott sie auch so hinwegsehen, sie vergeben.

[16:03] 25: „Der freie Wille nach dem Sündenfall ist nur noch eine Bezeichnung und wenn er tut so viel wie möglich, ist er tote Todsünde.“ Hier muss man aber bedenken, dass Luther aus der Perspektive schreibt, ohne Christus. Also der freie Wille kann ohne Christus, obwohl er zwar theoretisch frei ist, nichts Gutes aus sich selbst heraus tun.

[16:22] 26: „Der freie Wille nach dem Sündenfall hat Macht zum Guten nur nach seiner ursprünglichen Bestimmung zum Bösen, aber jederzeit eine tatsächliche, aber auch imstande der Unschuld kann er nicht tatsächlich, sondern nur seine ursprüngliche Bestimmung nach bestehen, geschweige denn, dass er im Guten Fortschritte machen kann.“

[16:38] 28: „Der Mensch, der meint, er wolle dadurch zur Gnade gelangen, dass er tut so viel wie möglich, häuft Sünde auf Sünde, so dass er doppelt schuldig wird.“ Also, wenn Menschen glauben, daher, dass etwas Gutes ist in mir und ich will ja eigentlich gut sein und ich versuche jetzt so viel angeblich Gutes zu tun, dann kommt nur Sünde auf Sünde und Sünde. Wir haben einen freien Willen, aber der war eigentlich gegeben, um vor dem Sündenfall mit Gott kooperieren zu können. Ohne Gott wird der freie Wille immer das Böse wählen. Das ist quasi die Idee, die Luther hier deutlich macht.

[17:18] 29: „Also nach dem Sündenfall natürlich.“ 29: „So reden, heißt nicht dem Menschen Anlass zur Verzweiflung geben, sondern ihn zur Demut rufen, damit er die Gnade Christi suche.“ Also mit diesen Thesen möchte Luther nicht die Menschen verzweifeln lassen, sondern er möchte sie zur Gnade Jesu führen.

[17:36] 30: „Ganz gewiss muss ein Mensch an sich selbst verzweifelt, um für den Empfang der Gnade Christi bereitet zu werden.“ Und das ist natürlich ein gewisser Weise Entspannung zu 29, aber sehr wichtig. Denn nur ein Mensch, der versteht, der an sich verzweifelt ist, er versteht, ich kann aus eigener Kraft wirklich nichts Gutes tun, der wird wirklich die Gnade Jesu wertschätzen.

[17:57] 31: „Der ist es nicht wert, ein Theologe genannt zu werden, der Gottes unsichtbares Wesen durch seine Werke erkennt und versteht. Aber der verdiente ein rechter Theologe genannt zu werden, der das, was von Gottes Wesen sichtbar und der Welt zugewandt ist, als in Leiden und Kreuz sichtbar gemacht begreift.“ Hierzu muss man verstehen, dass Luther in der Zeit seines bis sie sind zwei Gegner ausspielt. Das eine ist die sogenannte Theologie der Herrlichkeit, das was Gottes schöpferische Kraft, dass man in seiner Natur sehen kann. Und dann die Theologie des Kreuzes. Dabei ist wird ja eigentlich nicht gegen die Schöpfung und nicht gegen die Herrlichkeit Gottes. Er will nur sagen, wenn der Theologe das Kreuz nicht im Mittelpunkt hat und sich allein darauf beruft, dass Gott Schöpfer ist und große Dinge getan hat, dann wird das nicht sein Herz verändern. Und deswegen ist die Theologie des Kreuzes so entscheidend. Und wer das Kreuz vernachlässigt und sich nur quasi an den Schöpfergott freut, aber das Wesen der Liebe Gottes im Kreuz nicht kennt, der wird zu falschen theologischen Schlussfolgerungen kommen.

[18:55] 33: „Der Theologe der Herrlichkeit, denn das schlechte gut und das gute schlecht. Der Theologe des Kreuzes nennt die Dinge, wie sie wirklich sind.“ Und das mit der Erklärung kann man das dann, glaube ich, ganz gut verstehen.

[19:05] 34: „Jene Weisheit, die Gottes unsichtbares Wesen und Werk erkennt und schaut, blendet auf, macht blind und verstockt. Und das Gesetz, wirklich Zorn Gottes, es tötet, verflucht, klagt an, richtet und verdammt alles, was nicht in Christus ist.“

[19:21] 36: „Nun ist wohl jene Weisheit nicht an sich schlecht und das Gesetz ist nicht zufrieden, aber der Mensch missbraucht oder die Theologie des Kreuzes das Beste zum Schlimmsten.“ Also hier erklärt Luther weder die Theologie der Herrlichkeit, weder die Schöpfung, noch die Weisheit Gottes, noch sein Gesetz. Nichts von dem ist schlecht an sich, aber ohne das Kreuz oder die Offenbarung der Liebe Gottes wird all das missbraucht und für falsche Theologie verwendet. Und jetzt kommen wir zu den entscheidenden 34 letzten Thesen, die so besonders große Wirkung entfaltet haben.

[19:58] 37: „Nicht der ist gerecht, wer viele Werke tut, sondern wer ohne Werke viel an Christus glaubt. Das Gesetz sagt: Tue das! Und es geschieht niemals. Die Gnade spricht: An den sollst du glauben, wir und alles ist schon getan.“ Was für eine wunderbare These! Das Gesetz sagt: Tue das! Und es geschieht niemals. Die Gnade spricht: An den sollst du glauben, und alles ist schon getan. Und die Idee ist hier, dass das, was das Gesetz fordert, ist getan. Und in den Erklärungen zu diesen Thesen zitiert Luther die Befehle, wie diesen Römer 10, Vers 10: „Mit dem Herzen glaubt man, um gerecht zu werden, und mit dem Herzen bekennt man, um gerettet zu werden.“ Oder Römer 3, 28: „So kommen wir nun zu dem Schluss, dass der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird ohne Werke des Gesetzes.“

[20:45] Die letzten Thesen mit Recht könnte man Christi Werk wirkend im lateinischen „opera“ nennen und dass unsere gewirkt lateinisch „operator“. Und somit sagen, dass dank des wirkenden Werkes das gewirkte Werk Gott gefällt. Die Idee ist also, Luther weiß, wir tun ja Werke, aber wenn unsere Werke Gott gefallen, dann nicht, weil wir sie getan haben, sondern weil Christus in uns wirkt. Und hier sehen wir, dass die Theologie des Luther bei weitem nicht nur die Sündenvergebung beinhaltet, sondern die Tatsache, dass Christus sich nicht nur vergibt, sondern in uns wirkt, so dass dann die Werke Gottes in uns, die wir wirken, weil Christus in uns wirkt, Gott gefallen.

[21:28] Und dann, These 40: Die vielleicht berühmteste der Heidelberger Thesen und die schönste mit Sicherheit. „Die Liebe Gottes findet nicht vor, sondern schafft sich, was sie liebt. Die Liebe des Menschen entsteht nur an dem, was die liebenswert findet.“ Also Luther sagt, ein Mensch liebt nur das, was er liebenswert findet. Also er sieht die Dinge, betrachtet sie und sagt: Das liebe ich, das liebe ich nicht, das ist liebenswert, das ist nicht lebenswert. Und dann liebt der Mensch nur das, was es sich lohnt zu leben aus seiner Sicht. Aber Gottes Liebe ist anders. Gottes Liebe findet nicht etwas vor, das er lieben könnte, sondern er schafft sich das, was er liebt. Mit anderen Worten, er schaut auf die Menschen, sagte, dass ein Mensch, der tut gut, dann könnte ich ihnen ihr Leben, weil er das und das getan hat. Sondern Gottes Liebe schafft sich das, was sie liebt. Das bedeutet, dass ein Mensch ohne jegliche Vorleistung zu Gott kommen kann, weil alles das, was Gott in uns liebenswert findet, er selbst in uns schafft. Was für eine gewaltige These, was für eine wunderbare Botschaft, ein großartiges Evangelium! Und das zeigt, worum es wirklich in der Theologie des Luther geht. Und er zitiert auch hier wieder die Gefährte, zum Beispiel Philipper 5, 1: „Wertet nun Gottes Nachahmer als geliebte Kinder in dem Sinne, dass Gottes Geist die Werke in mir wirken soll.“ Luther machte damit einen gigantischen Eindruck auf die aristotelischen Theologen von Heidelberg.

[23:11] Die aristotelischen Theologen von Heidelberg waren völlig überfordert und kamen überhaupt gar nicht mit. Aber die Jugend, die Studenten, die jungen Magister waren Feuer und Flamme für diese neuen Ideen.

[23:28] Unter anderem zum Beispiel Martin Putze. Ja, damals schon 26. Er war ja ein junger Amerikaner. Wir haben schon einiges über ihn hier und dort gehört. Er war an sich für den Humanismus sehr interessiert und er schrieb jetzt dann Beatus Renatus, seinen Freund, über diese Disputation und sagte, Luther habe auf alle Argumente biblisch beantworten können. Und Martin Putze sagt, das war so, als wäre Paulus da gewesen und gut sei von dem, was an diesem Tag von Luther hört, versteht den oder so, als wäre der quasi der gleichen Meinung wie Erasmus von Rotterdam, nur noch kühner und offener als Erasmus.

[24:08] Seite hat dann Luther auch persönlich besucht und sich ja für Luther interessiert. Auch der Pfalzgraf war dabei gewesen, hat später gesagt, Luther habe sich bei dieser Diskussion sehr geschickt verhalten.

[24:21] Ohne den vielen jungen Akademikern, die Luther begeistern konnte, war zum Beispiel er. Er war knapp 22 Jahre alt. Er hatte erst in Heidelberg Jura begonnen, dann Theologie studiert, war in diesem Jahr 1518 zum Kalorier aus der Theologie geworden, hat dann weiter Jura studiert, weil er sich die Promotion nicht leisten konnte. Und er wurde ein eifriger Verteidiger der Lehre Luthers. Genauso wie Johannes Brenz, der kam aus Württemberg aus Weil der Stadt, war total begeistert von Luther und begann jetzt sogar in eigenen Vorlesungen über das Matthäus-Evangelium die Ideen und Lehren von Luther zu präsentieren. Das wurde ihm allerdings relativ schnell untersagt.

[25:06] Noch einer, der ganz begeistert war von Luther, war der erst 14-jährige Paul Büchel. Den man später als Paul Fabius kennenlernen wird. Er war dabei und eine Reihe von anderen, darunter auch Martin Recht zum Beispiel oder Theobald Billiganus selbst.

[25:31] Melanchthon war sehr angetan und mal aus die Diskussion machte großen Eindruck auf ihn.

[25:39] Am selben Tag, am 26. April, während Luther so einen gigantischen Erfolg hat in Heidelberg, wurde eine Entscheidung in Rom getroffen. Papst Leo der Zehnte suchte einen Legaten, einen Bevollmächtigten, einen Abgesandten für den Augsburger Reichstag, der im Sommer stattfinden würde. Und auf diesem Reichstag sollte dieser Legat für eine Türkensteuer werben. Man wollte Geld haben, um eine Armee auszurüsten, um gegen die Türken vorzugehen. Das war allerdings in Deutschland sehr kritisiert worden, weil ohnehin Rom schon sehr viel Geld aus den Ländern und der ursprüngliche Kardinal Danese, der vorgesehen war als Legat, ließ sich krank schreiben. Und so musste Papst Leo der Zehnte einen neuen Legaten finden. Und er fand ihn in Kardinal Giacomo Gnocchi, besser bekannt als Thomas Cajetan.

[26:39] Der war ein Dominikaner, ein sehr gelehrter Anhänger von Thomas von Aquin und seit 1508, seit zehn Jahren, der Oberste des Dominikanerordens. Er war jemand, der sehr stark die Autorität des Papstes förderte. Er galt als einer der besten Theologen Roms überhaupt. Er war wortkarg, hochmütig, aufbrausend, aber auch maßvoll im Urteil. Eine schillernde Persönlichkeit. Zu dem Zeitpunkt ahnte niemand, dass auch die Luther-Sache auf der Agenda des Reichstags stehen könnte.

[27:21] Anfang Mai, April, Anfang Mai veröffentlichte Tetzel dann 50 neue Thesen, nachdem er sich Anfang des Jahres schon sein Frankfurter Kollege Wimpel 106 Thesen gegen Luther veröffentlicht hatte. Waren diese 49.000 jetzt direkt von Tetzel verfasst. Und hier ging er in die Vollen. Er behauptete, Luther sei in einer Linie zu sehen mit den bekannten Ketzern wie Hus und Wiclif, die auf dem Konstanzer Konzil vor über 100 Jahren verdammt worden waren.

[27:56] Das war natürlich ein schwerer Vorwurf, ein schwerer Angriff, den Luther so nicht gelten lassen können. Zu dem Zeitpunkt hatte er eigentlich mit Ketzer überhaupt gar nichts zu tun, so meinte zumindestens Luther.

[28:11] Tetzel hat den Ablass verteidigt und zwar mit folgender interessanter Begründung. Er sagte, nach Lehre der Scholastiker ist es besser, sich selbst zu lieben als andere zu lieben. Und deswegen ist nach scholastischer Lehre offensichtlich der Ablass der Verein selbst besser als die Nächstenliebe. Und er kündigt an, weitere Thesen verfassen zu wollen, in denen er Luther als den Erzketzer schlechthin herausstellen wollte.

[28:37] Also, da braute sich wirklich was zusammen. In Frankfurt, oder wo der Tetzel zu dem Zeitpunkt als Student eingeschrieben war, während Luther in Heidelberg war, tat sich auch etwas in Wittenberg. Karlstadt, sein Kollege an der Universität, war so enttäuscht über das Verhalten von Johannes Eck, dass wir in der letzten Folge angeschaut haben, als er dann diese Schrift "Obelisci" gegen Luther verfasst hat und das öffentlich geworden war.

[29:10] Karlstadt war so erbost darüber, dass er jetzt ohne das Wissen von Luther selbst Thesen verfasste. Thesen, 380 Thesen, die wir heute nicht... Allein schon über diese 380.000. Karlstadt ebnete im Sommer mit Eck... Karlstadt wollte sie jetzt quasi vorladen und selbst den Kampf in Anführungsstrichen auf sich nehmen.

[29:43] In diesen 83 Thesen kommt ein Hauptthema besonders deutlich hervor, das wir schon in den 151 Thesen Karlstadts 1517 deutlich gemacht worden war, nämlich die Autorität der Heiligen Schrift vor allen anderen Autoritäten.

[30:05] Am ersten Mai machte sich der spanische Entdecker Hernán Cortés aus Richtung Yucatan. Der Auftrag war, in der unbekannten Region neue Gegenden kennenzulernen und natürlich für die spanische Krone neue Gebiete zu erwerben.

[30:33] Anfang Mai sind dann diese 50 Thesen von Tetzel gegen Luther in Wittenberg angekommen und wurden dort mit Verwunderung gelesen. Tetzel hatte offensichtlich sich sogar in dem Stil an den 95 Thesen orientiert und er vertrat eine radikale Papsttheorie. Nach Tetzels Auffassung konnte der Papst gar nicht irren und hatte alle Gewalt. Und jede Abweichung von Rom sei eine absolute Häresie. Und da, um dem Ganzen noch eins draufzusetzen, behauptete Tetzel, wer die Häresie duldet und nicht dagegen einschreitet, der macht sich ebenfalls schuldig. Und das war natürlich ziemlich unverhohlen ein Angriff auf den Kurfürsten Friedrich den Dritten selbst. Tetzel hat damit ganz bewusst gezündelt und einen Autoritätenkonflikt heraufbeschworen. Und er bot an, über diese 50 Thesen in Frankfurt oder zu diskutieren.

[31:31] In der ersten Maihälfte reiste dann wieder Luther wieder Richtung Wittenberg. Auf dem Weg hat er versucht, seinen alten Freund Usingen, den alten Lehrer, für sich zu gewinnen. Und der war schon sehr verwundert und erstaunt, aber nicht wirklich überzeugt. Und Luther ahnte schon, dass in Erfurt seine Theologie wohl nicht sich durchsetzen würde.

[31:55] Am 8. Mai war dann auf dem Rückweg tatsächlich auch in Erfurt und er wollte unbedingt seinen alten Philosophielehrer Trautvetter sprechen. Zunächst kam es nur zu einem schriftlichen Austausch, dann noch zu einem Gespräch. Wetter war ein echter aristotelischer Logiker an der Universität. Und Luther wollte ihm jetzt deutlich machen, wenn ich jetzt gegen Aristoteles spinne, dann hat das biblische Gründe. Und wenn ich diese klassische Logik verlasse, dann einfach, weil das Wort mich dazu treibt. Und er wollte Trautvetter überzeugen, aber das funktionierte überhaupt gar nicht.

[32:36] Und Trautvetter war dann ziemlich abweisend. Hat gesagt, dann bist du kein Logiker. Hat ihm fast ein bisschen den wissenschaftlichen Standard abgesprochen. Und Luther hat ihm deutlich gemacht, dass im Grunde genommen die ganz große Mehrheit aller Theologen in Wittenberg auf seiner Seite stehen und dass viele Bürger, viele Geistliche in der Stadt Wittenberg überzeugt hatten, dass sie nie zuvor das Evangelium von Christus so gehört hatten. Luther wollte also deutlich machen, diese Theologie, die ich entdecke in der Bibel, die bringt wirklich echte gute geistliche Frucht. Aber das stieß bei seinem alten Philosophieprofessor auf taube Ohren.

[33:14] Luther hat im Umgang mit Tetzel keine Polemik walten lassen, wie die dann später mit einigen Gegnern. Er wusste, was er dem Doktor Tetzel zu verdanken hatte. Und Luther wusste jetzt, die Kirche muss reformiert werden. Aber diese Kirche kann nur reformiert werden, auch die Universitäten reformiert werden. Deswegen wollte er unter anderem den Doktor Tetzel gewinnen. Aber das war dann ja zum Scheitern verurteilt. Er glaubte, Luther sei letztendlich ein Ignorant und war nicht bereit, die Argumentation von Luther nachzuvollziehen.

[33:48] Am 15. Mai kamen dann Luther wohlbehalten in Wittenberg wieder an. Und jetzt begann die Reformation so richtig Fahrt aufzunehmen. Er hatte jetzt gesehen, was seine Thesen ausgelöst haben, seine Theologie bewirken kann. Er hat gesehen, dass die jungen Leute begeistert sind. Und jetzt begann er eine Tatkraft zu entfalten, die die Reformation so richtig in Schwung brachte.

[34:14] Schon einen Tag später predigte er in Wittenberg über ein neues, kirchliches, brisantes Thema, nämlich über die Handhabung des Amtes. Und er hat das kritisiert, wie das Amt durch viele kirchliche Beamte gehandhabt wurde. Und er wollte auch über dieses Thema öffentlich diskutieren. Wieder war es der Bischof von Brandenburg, der gesagt hat: "Halt, Stopp, nicht so schnell, das Wetter warten." Und auch die Freunde raten ihm jetzt, nicht alles zu übereilen.

[34:45] Aber das Thema kam trotzdem an die Öffentlichkeit, weil einige Zuhörer seine Predigt, seine krassesten Aussagen schriftlich festhielten, dann noch verzerrten und im grellen Licht sozusagen als Thesen in die Öffentlichkeit brachten. Und sofort war ein neues, eine neue Front eröffnet, ein neuer Konflikt da. Und er war sich dessen bewusst, aber er wollte jetzt für die Wahrheit kämpfen. Er erkannte, wer für die Wahrheit ist, der wird in Konflikt kommen.

[35:17] Am 19. sandte Luther dann seine Antwort an die. Antwortschrift hatte er mit "Asterisk" überschrieben, als Anspielung auf die Obelisken, die ja ein Zeichen für zweifelhafte Stellen waren. Die Asterisk waren biblisch kritische Zeichen für die richtigen Stellen, für die guten Stellen, das Sternchen. Und sowie die Schrift "Obelisci" angekommen war, so sandte er die Antwort wieder zurück und zwar über Wenzeslaus Link.

[35:51] Er schrieb auch einen Begleitbrief, "Hand in Hand des Ärgers", dem wir kurz jetzt die zeigen, wie verbittert Leute eigentlich waren, aber war, dass sein Freund mit ihm die Freundschaft, die gerade erst begonnen hatte, vor etwas über einem Jahr, so ihn hintergangen hatte und öffentlich gegen ihn beschimpft hatte. Das schreibt er hier: "Es sind mir zu mir etliche Mobilisten gekommen, in welchem du versucht hast, meine Thesen über den Ablass zu vernichten, und ist ein Zeugnis für seine treue Freundschaft, durch welche aus freien Stücken angetragen hast, ja, der evangelischen Liebe, durch welche uns geboten wird, den Bruder zu ermahnen, ehe wir ihn anklagen." Also nicht wird die Satire, wird sie die Bitterkeit hier ein bisschen.

[36:28] "Wie konnte ich, ein völliger Mensch, glauben oder vermuten, dass du rücklings gegen mich handeln wollen wirst, da du doch so schmeichelnd gegen den Bruder gewesen bist? Und auch du hast die Schrift erfüllt und zitierte das Wort aus Psalm 28,3: 'Das mich nicht weggebracht werden mit den Gottlosen, mit den Übeltätern, die friedlich reden mit ihrem Nächsten und doch Böses im Sinn haben.'"

[36:50] Schreibt hier: "Du hast jetzt die freie Wahl. Wenn du willst, bewahre ich dir meine Zuneigung und werde ein Angriff fröhlich herunterschlucken. Jedoch weißt du, wie ich sehe, von der Theologie wenig mehr als leere Hülsen von Meinung der Scholastiker. Was du gegen mich ausrichten wirst, sollst du dann erkennen, wenn du beginnst, dem Frieden, Krieg und der Liebe blindes Wüten vorzuziehen." Also Luther droht ihm, wenn du weitermachst, dann sollst du mich kennenlernen.

[37:14] "Der Herr aber verleihe dir und mir eine gute Gesinnung und lasse es uns beiden wohlergehen." Hier sieht man, dass zu dem frühen Zeitpunkt die Sache nicht gleich auseinander gebrochen ist. Es hätte die Chance bestanden zur friedlichen Einigung. Nicht, lege für meine Person, trotz der erlittenen Kränkung, die Waffen nieder. Nicht aus Furcht vor dir, sondern vor Gott. Danach werde ich keine Schuld auf mich geladen, wenn ich gezwungen sein sollte, mich öffentlich zu verteidigen."

[37:40] Aber das sind gut gemeinte Worte. In den "Asterisk" selbst geht es zum Teil auch sehr polemisch zu. Und schon dort wird deutlich, dass Luther und Eck im Grunde genommen völlig verschiedenen Stellen sind, oft aneinander vorbeireden. Fast ein bisschen... Und alles das, was Eck als selbstverständlich betrachtet, die Scholastiker und was die Kirche alles so lehrt, ist für Luther schon längst nicht mehr so selbstverständlich.

[38:07] Und in einer zentralen Aussage sagt er hier in diesen "Asterisk": "Es sei Christus mit mir und sein Wort, und ich werde nicht fürchten, was die ganze Welt mir auch tun machen." Dass man für Luther nicht nur leere Worte, wie der Gang der Geschichte zeigen wird.

[38:21] Am 19. Mai wurde erstmals Tizians "Mariä Himmelfahrt" aufgestellt, ein Meisterwerk der Renaissance-Malerei. Und das ist doch relativ bald erkannt worden.

[38:34] Am 22. hat dann Luther auch seine Erklärung zu den 95 Thesen handschriftlich an den brandenburgischen Bischof geschickt und in einem Begleitbrief so einen Abriss gegeben, was bisher in diesem Ablassstreit so alles passiert ist. Der war ja schon über ein halbes Jahr alt. Und Luther gibt einen Überblick, wie das bisher so vonstatten geht. Da Karlstadt seine 380 Thesen ohne das Wissen von Luther veröffentlicht hat, gegen Eck ist aus diesem Konflikt mit Eckart seine hat Dreiecksgeschichte geworden. Eck hat Luther angegriffen, Luther war traurig darüber. Aber bevor Luther Eck zu antworten konnte, hatte jetzt schon Karlstadt mit also auf reagiert und ihn mit Thesen angegriffen, sodass selbst wenn es zu einer Einigung zwischen Eck und Luther gekommen wäre, der Konflikt mit Karlstadt weiterbestehen würde.

[39:31] Und deswegen versucht Luther jetzt darauf hinzuwirken, nicht nur die Freundschaft mit Eck vielleicht doch noch zu retten, sondern auch, dass nach dem jetzt Karlstadt öffentlich gegen Eck geschrieben hat, dieser hoffentlich mäßigend und nicht zu scharf gegen Karlstadt zurückschießen würde, damit dieser Streit nicht weiter eskaliert.

[39:53] Ende Mai und 30. Mai hat dann Luther diese Resolutionen auch an Staub. Insgesamt, der solle sie an den Papst weiterleiten. Noch einmal berichtet Luther hier in einem Begleitbrief, wie seit 1515 Seiten im Stapel so intensiv mit ihm auch die Evangelien besprochen hat, er sich entwickelt hat und wie das Ganze zum Ablassstreit gekommen ist.

[40:18] Und Luther war sich jetzt bewusst, dass einige Dominikaner ihn wohl beim Papst denunziert hatten. Und er schreibt jetzt direkt an den Papst und bekundet sein Vertrauen, dass der Papst, Christus gemäß, das Ganze beurteilen wird. Er erwähnt dem Papst, dass an der Universität er großen Rückhalt hat, dass der Kurfürst hinter ihm steht. Aber und ist jetzt sehr interessant, Luther und er stellt sich dem Urteil des Papstes da, ein gutes Gewissen hat und der Leitung der Kirche vertraut. Er macht aber auch deutlich, dass er auch nicht widerrufen kann, weil er sich ja korrekt verhalten hat.

[41:09] Die Hauptgedanken eben diesen Resolutionen, diesen Erklärungen zu den 50 Thesen, lassen sich kurz zusammenfassen wie folgt: Luther sagt, er kümmert sich gar nicht mehr um den Ablass. Das ist, er hat sich zwischenzeitlich weiterentwickelt in dieser Frage und für ihn ist der Ablass völlig nichtig. Dann sagt er weiter, dass das Fegefeuer zwar die Angst vor dem Gericht, aber diese Zahl ist eine Vorstellung, dass dann die Toten nach dem Tod noch nie bestraft werden, das verwirft er. Und geht es nicht so ganz radikal wie die Böhmen in der Frage, aber doch schon auf ihrer Spur.

[41:45] Dann sagt er in diesen Resolutionen, dass die Theologen der Kirche nicht helfen, wie das letzte Konzil im Lateran, das ja gerade erst im letzten Jahr zu Ende gegangen war, bewiesen hat. Und er sagt, dass, obwohl er der festen Überzeugung ist, dass Leo der Zehnte selbst ein aufrichtiger und guter Papst ist, die Päpste zuvor, also gerade Alexander der Sechste zum Beispiel oder auch einige der anderen, echte Tyrannen waren und es in Rom allgemein so zugeht. Und damit ist jetzt nicht das Papsttum an sich allein gemeint, sondern die Zustände in Rom. In Rom geht es zu wie im Babylon der Offenbarung. Hier zum ersten Mal diese gedankliche Zusammenführung der Stadt Rom und ihre Vorgänger in kirchlichen Kreisen dort mit dem Begriff aus der Offenbarung.

[42:31] Dort dieses, allerdings eher noch als Beschreibung der Missstände in der Stadt sozusagen. Und deswegen schreibt Luther, das muss noch erwähnt. Er schreibt auch, dass der Schlüssel, dass der Papst keine Schlüsselgewalt über das Fegefeuer hat. Der Papst kann nicht in Dinge eingreifen und Ablass oder zusätzliche Strafen auferlegen, in denen nur Gott etwas bewirken kann.

[42:59] Und dann sagt Luther auch in diesen Resolutionen, dass es eine weltweite Reformation braucht. Bis dahin muss Kritik erlaubt sein. Interessant ist hier die Perspektive. Luther sieht sich gar nicht als denjenigen, der die weltweite Reformation bringt. Er ergibt, er sieht sich nur als jemand, der ein bisschen was kritisiert, bis dann irgendwann die Reformation kommen wird. Er ahnte zu dem Zeitpunkt nicht, dass trotz all dem, was passiert ist, dass er der Hauptträger dieser weltweiten Reformation ist. Kam ihm noch gar nicht in den Sinn. Erst hatte ich nur als derjenige, der berechtigte Fragen stellte, angesichts bestimmter Missstände.

[43:36] Und so wird deutlich, dass er sich selbst seit Beginn des Ablassstreits noch einmal theologisch weiterentwickelt hat. Diese innere Reformation ist jetzt absolut geschehen. Erst jetzt auch theologisch sich auf biblischem Grund.

[43:49] Im Sommersemester hat Luther dann auch noch einmal 50 neue Thesen verfasst, wir hier nur kurz erwähnen, ohne sie im einzelnen anzuschauen. Mit diesen 50 Thesen ging es wiederum nicht um den Ablass, sondern es ging um die Buße. Hier zeigte sich erneut, wie präzise er mittlerweile das Evangelium verstanden hatte. Die Vergebung kommt durch das Vertrauen auf das Wort Jesu, nicht die Leistung des Betreuenden, nicht die Worte, sondern das Wort Jesu gibt Vergebung. Und dem muss man glauben. Dieses Evangelium war jetzt sehr deutlich in ihm entfaltet. Und er hat an der Universität immer wieder darüber diskutieren lassen und das Ganze verbreitet.

[44:41] Anfang Juni hat Luther dann noch ein Herzensanliegen verwirklicht. Er hatte noch einmal die Theologie des "Tauler" herausgebracht. Ein deutsch-Theologie oder vielmehr das, was er für Paul hielt. Heute wissen wir, dass vermutlich ist ein anonymer Autor war aus dem 14. Jahrhundert, der immer wieder auch in die Ecke des Mystizismus gestellt wird, der allerdings hier in dieser Schrift sich eigentlich gegen die mystische Erfahrung wendet. Und was ihm gefallen hat, ist die Tatsache, dass es eine sehr praktische Werk war. Also ohne großen scholastischen, akademischen Ballast, sondern eine sehr praktische Darstellung wesentliche Evangeliumsinhalte. Und das auf Deutsch.

[45:20] Und Luther wollte also zeigen, man muss nicht nur Theologie kann man nicht nur auf Latein und Hebräisch, Altgriechisch machen, sondern auch auf Deutsch. Das waren nicht so selbstverständlich. Und das eigentlich so sind seine Hauptbegeisterung, die praktische Anwendbarkeit dieser theologischen Gedanken hier und die Tatsache, dass Deutschland, das ist veröffentlicht, das ist ja verbreitet werden kann.

[45:46] Und wir finden hier Anfang Juni, am 4. Juni, auch einen Brief an den Palatin, wo er sagt: "Johann Tetzel hat wieder meinen deutschen Simon gleichfalls sein deutsches Buch herausgegeben, einen trefflichen Zeugen und herrlich seiner Unwissenheit, dem ich nicht hinzufügen werde, damit von allen erkannt werde, wie es beschaffen sei, nicht wie er selbst sein Büchlein ansehen will." Bezug genommen auf dieses deutsche Buch, das Luther herausgebracht hatte, was in der letzten Folge angeschaut haben, über den Ablass. Und Tetzel hatte darauf reagiert. Und das ist jetzt hier Luthers Kommentar dazu.

[46:20] Das hat ihn sehr beschäftigt, wie man auch an einem anderen Brief vom selben...

[46:22] Auch an einem anderen Brief vom selben Tag, den Johann Tetzel am vierten Juni schreibt, gibt es wieder einen deutschen Simon. Hat jener Tetzel eine seiner Possen herausgegeben, gegen den auch ich wiederum ein fast zu richten, Gott gebe, das ist kein Krieg, leih ich mir. Er hat dann tatsächlich eine weitere ein weiteres Traktat, ein Büchlein herausgegeben. Er nannte es "Die Freiheit des Simons", päpstlichen Ablass und Gnade belangen. Mit andern Worten, eine Verteidigung gegen die Widerlegung durch Setzer. Also, äh, Luther hat einen Brief an ein Buch geschrieben, über den Ablass-Netz und hat das angegriffen und jetzt verteidigt er sehr zeigt, dass es die Freiheit davon.

[47:08] Und hier ist Luther zum ersten Mal so richtig polemisch und direkt. Und wir wollen hier nur einige Zitate rausgreifen, aber die Lästerer, und das mit Äpfel gemeint, unter anderem suchen nur, dass sie durch viele Doktoren Namen ihren falschen Predigten glauben machen, ob sie auch die Schrift darüber sollten zu reißen. Und wenn einer nicht mehr in der Schrift verstünde, denn dieser Lästerer stünde es ihm gar ehrlich an, dass er sich enthielte, seine Leistung zu schreiben und vor das Evangelium recht lernte oder hier auch, dass er mich nur allein übel handelte und einen Ketzer-Trilling übel räder und nach aller Lust seiner Unlust nennen wollte ich gern haben und ihnen immer feind werden, ja freundlich führen würden. Das ist aber in keinem Weg zu leiden, also zu dulden, dass er die Schrift unseren Trost nicht anders handelt, denn wie die Sau einen Habersack. Das wollen wir sehen. Also, er sagt, wenn er mich nur angreifen würde, würde ich sagen, kein Problem. Aber dass er die Bibel so missbraucht und so falsch ausgelegt, da muss man gegen angehen.

[48:07] Hier geht es weiter zum anderen den Spruch St. Gregor. Der erklärlich sagt von der Buße, die Christus gelehrt hat, die eine Arznei ist wieder die Sünde. Also, wer vorhin ist ungleich gewesen, sein und Käufern gestohlen hat, der sein und somit das er, dass seine gehe die göttlichen Gebote durch Gregor im angezeigt, sagt er, mit den Haaren, dass ihm die Schwarten krachen zu der Buße, die der Papst ablegen kann. Also, sagt der Test, der macht Gottes Gebote zunichte.

[48:37] Und hier haben wir noch eins. Und der heilige Vater Papst hat wohl voller Gewalt nicht, wie die schädlichen Schmeißer sagen, alle Dinge zu tun, was die Menschen noch ist zur Seligkeit, denn mit den Worten wäre Christus ausgeschlossen, sondern hat Gewalt, entbinden alle Sünden, die gebeichtet werden, aber nicht Gewalt in Gottes Gericht und Rat zu fallen. Darum er auch nicht mag ablegen, so sie Gott oder göttliche Gerechtigkeit auflegt. Also, die IDs, der Papst hat seine, sondern seine Gewalt aber nur in einem begrenzten Rahmen und kann darüber hinaus nichts bewirken.

[49:07] Darum irren und trügen alle, die so sagen, dass durch Ablass oder Werke der Genugtuung von Gott aufgesetzt abgelegt werden und wollen der Kirche Gewalt mit Gottes Gewalt vermischen oder dicht uns täglich neue Wörter, Klaus, Extensa, Klaus, Autorität ist Klaus, Minister Fidesz, so lange, bis sie uns alle Beutel und Kasten leer machen und danach die Hölle aufschließen und den Himmel zuschließen. Also, hier sieht man weder Luther wirklich polemisch zuspitzen konnte und dass das natürlich beim Volk sehr gut ankamen.

[49:40] Diese subtilen Verleger haben aus Aristoteles Distinktion, Distinktion, dennoch so viel erlernen, dass sie es dafür halten, dass ein Almosen oder gut Werk getan dem Nächsten sei, nicht ordentlich sich selbst geliebt und nicht sein Selbst-Seligkeit zum ersten gesucht, sondern soll vorhin Ablass lösen und als so sich sein Selbst am ersten der Ba X. So der der Luther bis bezieht sich hier auf diese Aussage von Tetzel, das ist wichtiger, sei sich selbst zu lieben als den Nächsten zu lieben. Das mit der Ablass besser sei als Almosenprodukte.

[50:10] Erkennt, das kommt von Aristoteles, denn Aristoteles hat tatsächlich so etwas gelernt, gelehrt, denn er war in Heidelberg. Und hier zeigt sich, wie sehr die Aristoteles-Kritik von Luther das eigentlich Fundament des Konfliktes ist. Und dann sagt er hier noch weiter: Wenn Christus nicht wahrer Gott wäre, halte ich, hätte ich längst solch und Theologen lassen die Erde verschlingen.

[50:33] Und dann auch hier zum dritten, ist das eine falsche Liebe, die sich am ersten in sich selbst sucht, denn St. Gregorius spricht, das göttliche Liebe gegen sich selbst nicht bestehen kann, sondern sie muss sich ausstrecken zu einem anderen. Also, Luther hat das Wesen der Liebe verstanden und dasselbe lieben macht rein, wie auch St. Jakobus sagt, dass die Liebe bedecke eine Sünde. Und dass ich mir sage, sind einmal der Apostel sagt, dass die zugelassenen Dinge nicht förderlich sind zur Seligkeit, sondern was geboten ist, so folge, dass der sicher ist, der, dass Ablass gar nichts achtet und der unsicher ist, der, dass Ablass groß achtet.

[51:07] Denn dieser mag rechtlich in demselben irren, jener kann nicht irren, denn je weiter von dem zugelassenen und näher den Geboten, hier sicher wesens, denn Gehorsam, denn Gehorsam ist gewiss feiert ist gefährlich. Was er sagt, es, wenn wir den Ablass missachten und ignorieren, sind wir auf der sicheren Bau. Wenn wir den Ablass aber sehr achten und wenn wir den dem Ablass viel Bedeutung zumessen, dann sind wir auf gefährlichem Weg.

[51:29] Es ist besser, gehorsam zu sein, als sich große Freiheit und natürlich zu nehmen. Dass also die interessante Idee von Luther hier. Und dann hier noch zum Ende. Am letzten, so eher müde wurden die Schrift zu machen, oder vielleicht nicht mehr gewusst, geht das Wetter über mich und bin da ein Erzketzer, Cats, Abtrünniger, Frevler, Übelräder. Dazu antworte ich, Gott gebe mir und ihr seine Gnade. War da sehr schlagfertig.

[51:59] Und allerletztes Zitate, dass er mehr Arbeit zum Stock, Kerker, Wasser und Feuer bedeutet, also droht mit diesen Dingen, kann ich armer Bruder nicht weigern, die wohl auch ich, wir wohl auch für ihn selbst wäre mein Trat, er erhöhte sich mit Bescheidenheit zum Regenwasser, also dem Wein und zum Feuer, das aus den gebratenen Gänsen raucht, des Ablass gewohnt. Also, unter sagt, okay, der Tetzel, der droht mehr mit mit Feuer und Wasser und will mich töten. Und ich sage, schätze, ich rate dir, trinkt weniger Wein und isst nicht so viel gebratene Gänse.

[52:32] Das ist also, da haben wir den Luther jetzt, wie man ihn von später kennt, zum ersten Mal so richtig in Hochform, was seine polemischen Stil angeht. Anfang Juni sind dann auch die Resolutionen druckfertig und trotzdem verzögert sich der Druck, weil es Probleme mit der Druckerei in Wittenberg gibt. Zu der Zeit wird zum ersten Mal jetzt der Prozess gegen Luther, oder wird der Prozess gegen Luther formal eröffnet in Rom. Albrecht hatte geklagt, Albrecht von Brandenburg im Dezember schon und möglicherweise waren noch andere Parteien beteiligt. Das weiß man heute nicht mehr so genau.

[53:12] Aber Anfang Juni wird der Prozess formal gegen Luther eröffnet. Der päpstliche Fiskal Marius die Posco ist Ankläger, beantragt den Prozess und beauftragt mit dem Gutachten wird ein Dominikaner, ein Hof-Theologe des Papstes. Sein Name war Silvester Mazzolini, genannt Prierius. Er war schon relativ alt.

[53:35] Und was man dem Luther vorwirft, ist der Verdacht auf der sie die Ring-Schätzung der kirchlichen Gewalt und Unerbittlichkeit gegen das päpstliche Schlüsselamt. Er soll sich innerhalb von 60 Tagen, also in zwei Monaten, in Rom verantworten.

[53:55] Der Elias nun wollte zeigen, wie brillant ist und hat das Gutachten, das psychologische Gutachten ihn sage und schreibe drei Tagen verfasst und entsprechend schlampig und oberflächlich ist es gewesen. So oberflächlich, dass man selbst in Rom etwas etwas ungehalten war über diese diese doch sehr oberflächliche Arbeit.

[54:15] In seinem Gutachten stellt der Prierius vier Prinzipien auf. Erstens, der Papst ist Haupt und Zentrum der Kirche, seine Aussagen zu Glaube und Sitte sind unfehlbar. Zweitens, die Lehren Roms sind und für wahre Glaubensregeln und autorisieren sogar die Schriften, wurden die Bibel ist autoritative gültig, weil der Papst sie autorisiert hat. Wer dem nicht glaubte, ist ein Ketzer automatisch.

[54:39] Dann darauf folgen drittens, Rom kann Festsetzung, also bestimmte Verordnungen machen über das Glauben und den Leben, wie zum Beispiel den Ablass. Und viertens, wer über diese Lehren schlecht denkt, ist Ketzer. Und damit war die Sache im Prinzip schon im Vorwort klar, dieses Gutachtens. Luther ist Ketzer und dementsprechend hat sich der Prierius gar nicht die Mühe gemacht, theologisch die Thesen irgendwie aufzuarbeiten.

[55:04] Zum Teil hat er selbst die die lächerlichsten Dinge noch versucht zu verteidigen und offensichtlich Luther ist ein Ding überhaupt gar nicht verstanden. Und in drei Tagen dieses Gutachten verfasst. Albrecht, der in Rom geklagt hatte, wandte sich auch nach Leipzig. Die haben sich aber geweigert an der Universität eine Stellung zu beziehen, sondern sie verwiesen einfach auf den Papst. Der soll sich darum kümmern, denn es geht um ihn.

[55:33] Außerdem empfiehlt man eine Provinzial-Synode mit verschiedenen Bischöfen und Universitäten. Am 8. Juni hat er besagte Wandel war das amerikanische Festland erreicht, in der Nähe des heutigen Tabasco, im heutigen Mexiko. Und dort hat der Maya-Fürsten ist ihnen begegnet, hat Geschenke ausgetauscht und hat dann in der weiteren Folge den berühmten Real war entdeckt, der nach ihm benannt worden ist.

[56:00] Mitte Juni hat der Christoph Scholl in Nürnberg versucht, die angeschlagene Freundschaft zwischen Luther und Eck doch noch zu retten. Der versucht zu vermitteln und Luther King auf diesen Versuch ein. Er war zwar der Meinung, dass es auf ihn hätte zukommen müssen, aber er sagt, okay, steuerlich, ich will man das meinige touren und lasst uns versuchen zusammenzukommen.

[56:20] Und so bittet Luther den Eck Mitte Juni schriftlich: Bitte nicht zu scharf formulieren, wenn du jetzt auf Karlstadt antwortest, lasst uns Streit vermeiden. Lasst uns dafür sorgen, dass es nicht eskaliert. Und das war sein Ansinnen.

[56:34] Am 17. Juni hat Ruanda Real war zum ersten Mal ein neues Land entdeckt, bei San Juan de, setzt er als erster Europäer seinen Fuß auf das Gebiet der Azteken. Und das war natürlich eine geschichtsträchtige und schicksalshafte Geschichte.

[56:59] Zum Schluss, während all dessen vor sich, gegen studierte Ulrich Zwingli weiter in Einsiedeln und der predigte, er predigte mit immer größerem Eifer gegen die Wallfahrten und die Missstände in der Kirche. Zwischenzeit war auch in der Schweiz ein Ablassprediger, ähnlich wie Tetzel, unterwegs. Sein Name war Bernhard den Samson.

[57:23] Wir müssen nicht viel von ihm. Er verschwindet kurz danach wieder aus der Geschichte. Wir wissen, er bei Franziskaner oder zog durch die Schweiz, ebenfalls im Auftrag des Papstes, um Gelder zu sammeln und den Ablass zu predigen. Als Zwingli darauf aufmerksam wurde, predigte er auch ganz spezifisch gegen diese Aktivitäten von Bernhard den Samson.

[57:45] Und so, so wächst Zwingli unmerklich ja auch in diese Rolle eines Reformators hinein, der sich den Missständen seiner Zeit und auch gerade diese Ablass-Problematik widmet, obwohl er zu dem Zeitpunkt längst nicht so bekannt und ja, in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird wie Luther.

[58:04] Zwingli wandte sich sogar an die Bischöfe von Sitten und von Konstanz und forderte eine Verbesserung der Zustände in der Kirche. Zwingli, der im Schatten von Luther dort in Einsiedeln, soll zum Reformator heranreifen. Ist das Studium der Bibel, ist das Studium der wesentlichen theologischen Lektüre sich weiterbildet und immer mehr so ein Gefühl dafür bekommt, was eigentlich geschehen müsste in der Christenheit.

[58:36] In der nächsten Folge werden wir sehen, wie die Sache mit Luther weiter gegangen ist. Dann wird es heißen: Der Augsburger Reichstag, Juli bis September 1518. Bis dahin wünschen wir Ihnen Gottes reichen Segen und freuen uns, wenn wir uns hier das erste Mal wiedersehen auf Juli der TV, wenn es heißt Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation.


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