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Sola Veritas – Die Wahre Chronik der Reformation

500 Jahre ist die Reformation alt: wird sie fortgeführt oder begraben? Wie verhalten sich Luthers Erben und was wird aus seinen (Wieder)entdeckungen? All das sind wichtige Fragen. Doch beantworten kann sie nur, wer das Reformationsgeschehen selbst gründlich kennt. „Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation“ bietet weitaus mehr als die üblichen bekannten Zusammenfassungen und Anekdoten. Ausgehend vom Jahre 1482 wird alles chronologisch erzählt, was weltgeschichlich und biographisch (sowohl bezüglich Luther als auch vieler anderer, zum Teil sehr unbekannter Reformatoren) wichtig war. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Spätmittelalters, erleben sie das zaghafte Aufblühen von Wissenschaft und Kultur, verfolgen sie die Debatten um philosophische und theologische Streitfragen und entdecken sie Schritt für Schritt mit Luther und seinen Mitkämpfern befreiende biblische Wahrheiten. So wird Kirchengeschichte lebensnah und endlich gut verständlich…. Neue Folgen wöchentlich, bzw. wenn es die Zeit erlaubt. Ein Programm von www.joelmediatv.de

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Folge von Sola Veritas, der wahren Chronik der Reformation, beleuchtet Christopher Kramp die Monate April bis Juni 1519. Im Fokus steht die wachsende Bedeutung von Ulrich Zwingli in Zürich, wo seine Predigten eine breite Anziehungskraft entfalten, aber auch auf erste Widerstände stoßen. Parallel dazu wird die Rolle von Luthers Schriften in der Schweiz thematisiert und die erste Begegnung zwischen Zwingli und Luthers Ideen. Außerdem wird die Auseinandersetzung mit dem Ablassprediger Isenbart in Zürich und Luthers Reaktion auf die Forderung nach seiner Auslieferung beleuchtet.


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Serie: Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation

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Transkript

[0:37] Herzlich willkommen zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation, hier auf www.joelmedia.de. Schön, dass Sie wieder eingeschaltet haben. Wir wollen weiter die Geschichte der Reformation betrachten, das Leben der Reformatoren studieren und heute in der 30. Folge im Jahre 1519 weitermachen. Bevor wir beginnen, wollen wir, einer guten Gewohnheit folgend, mit einem Gebet starten.

[1:02] Lieber Vater im Himmel, wir danken dir für die Gelegenheit aus der Geschichte lernen zu dürfen und bitten dich jetzt, dass du durch deinen Heiligen Geist uns die Lektionen, die wir ganz persönlich praktisch für uns anwenden können, auf unser Glaubensleben schenkst. Mögest du durch den Heiligen Geist in unserem Leben Erweckung und Reformation schenken. Bitte hilf, dass wir uns das Gute der Reformatoren zum Vorbild nehmen und aus ihren Beispielen und ihren Siegen und Niederlagen lernen können. Das alles bitten wir im kostbaren und teuren Namen Jesu. Amen.

[1:39] Teil 30: April bis Juni 1519 – Der Weg nach Leipzig. Ulrich Zwingli hatte gigantischen Erfolg in Zürich. Seit Beginn des Jahres war er dort als Prediger am Grossmünster angestellt und die Menschen kamen in Massen, um seinen Worten, seiner Auslegung des Evangeliums zu lauschen. In der ganzen Stadt herrschte die allergrößte Bewunderung für diesen, für seine mächtigen Prediger der evangelischen Wahrheit. Ein Zeitgenosse berichtet über ihn: Auf der Kanzel verschonte er niemanden, weder Papst, Kaiser, Könige, herzige Fürsten, Herren noch die Eidgenossen selbst. All seine Stärke und all seine Herzensfreude war in Gott und entsprechend ermahnte er die gesamte Stadt Zürich, ihm allein zu vertrauen. So etwas hatte die Stadt noch nie erlebt.

[2:47] Und parallel und unabhängig von Luther in Wittenberg, entsteht hier ein ganz heller, ganz Ort, in dem das Evangelium sich rasant ausbreitete. Das, was in der Apostelgeschichte über die Urchristenheit geschrieben ist, lässt sich auch mit mancher Berechtigung auf Zürich dieser Zeit anwenden. Dort heißt es in Kapitel 6, Vers 7: „Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger mehrte sich sehr.“ Nun, es ist eigentlich nie so, dass das Wort Gottes mit Vollmacht sich ausbreitet über einen langen Zeitraum, ohne ungestört sein zu können. Und so gab es auch im Dienst von Zwingli nach den ersten Wochen und Monaten die ersten Misstöne und Disharmonien. Viele erkannten, nachdem so die erste Begeisterung verflogen war, dass die Predigten von Zwingli auf eine weitreichende Reformation hin zielten. Und man war zwar gerne begeistert, aber nicht unbedingt immer bereit, auch wirklich echte Veränderung im Leben vorzunehmen. Und das ist vielleicht eine ganz interessante Parallele auch in unser Leben, wo man schnell begeistert ist durch das Wort Gottes, aber dann doch zögert, wenn es ernst wird mit der Umsetzung.

[4:08] Und so begann sich ganz zaghaft zunächst Widerstand zu regen gegen diesen neuen Starprediger. Es waren insbesondere die männlichen, die gegen Zwingli kämpften, aber auch die Kanoniker beschwerten sich. Und wir hatten ja in einer anderen Folge schon gesehen, dass es schon vor seiner Anstellung durchaus Widerstand gegen ihn gegeben hatte, und das kam jetzt wieder hoch. Ein besonderer Kritikpunkt erscheint aus heutiger Sicht etwas merkwürdig: Man nahm großen Anstoß daran, dass Zwingli Musiker war und auch gerne noch Musik spielte. Er hatte immer wieder geistliche Lieder komponiert oder auch einfach Instrumentalmusik für seine Gemeinde gemacht. Und gerade das wurde als besonders anstößig empfunden. Nicht eines geistlichen! Die Musiker waren damals eher so in der unteren sozialen Schicht angesiedelt, Anspiel Leute, die halt für die Unterhaltung der Menschen da waren. Das hat man nicht wirklich in Einklang gebracht mit den Aufgaben und der Würde eines Geistlichen. Aber Zwingli war natürlich in der Bibel versiert genug, um zu zeigen, dass so eine Idee eigentlich nicht in der Bibel gegründet ist. Er verwies zum Beispiel auf die Geschichte von König David. Das heißt es in 1. Samuel 16, Vers 23: „Wenn nun der böse Geist von Gott über Saul kam, so nahm David die Harfe und spielte mit seiner Hand, und Saul fand Erleichterung und es wurde ihm wohl und der böse Geist wich von ihm.“ Und so hat Zwingli deutlich gemacht, was David tun durfte, ohne dass man ihn dafür kritisiert hat. Das werde ich doch auch tun können. Und wenn der geistliche David mit Musik Gottes Willen getan hat, warum sollte das heute anders sein?

[6:05] Zwingli hat in dieser Zeit einen Grundsatz formuliert, der auch für uns noch von großer Wichtigkeit ist, es wert ist, nachgeahmt zu werden. Er war sich bewusst, wenn er Menschen für Jesus gewinnen will, dann sind die Menschen noch keine Heiligen, sind meistens noch nicht einmal bekehrt. Sie sind eigentlich in der Sünde tief verstrickt. Und das bedeutet, dass auch nicht alle sofort immer gleich das Evangelium gerne annehmen. Und wenn sie es eben nicht annehmen, eigentlich dagegen ankämpfen. Und so formulierte er folgenden interessanten Satz: „Wenn wir wünschen, die Gottlosen es für Christus zu gewinnen, müssen wir unsere Augen gegen viele Dinge schließen.“ Mit anderen Worten: Wer an der vordersten Front der Seelengewinnung kämpft, wer sich um andere Menschen bemüht, sie zu Jesus zu bringen, er wird damit rechnen müssen, dass er auch viel Anfeindungen erlebt und dass ihm viel Widerstand entgegenschlägt. Und das sollte man mit einkalkulieren und sich nicht davon aus dem Konzept bringen lassen.

[7:06] Zwingli war ein äußerst fleißiger Pastor. Er hat sich übrigens auch an sämtliche Bevölkerungsschichten gewandt. Man hatte ihm ja vor allem angeraten, sich um die Reichen zu kümmern, aber das hat er so nicht umgesetzt, sondern hat sich mit allen Bevölkerungsschichten abgegeben. Das hat dazu geführt, dass viele der Edlen und der Hochangesehenen in der Stadt Zürich sich vermehrt auch mit der einfachen Landbevölkerung beschäftigt haben und dass sie auch einen gewissen Ausgleich und eine Annäherung der verschiedenen sozialen Schichten in Zürich gesehen wurde. Wie gesagt, rief äußerst fleißig. Er begann den Tag bei Tagesanbruch mit Lesen und Schreiben und Übersetzen. Er hat in dieser Zeit insbesondere Hebräisch studiert, und das ging so ungefähr bis 10 Uhr morgens. Dann hat er zum ersten Mal gegessen, hat dann Besucher empfangen, die Rat gesucht haben. Danach hat er sich mit seinen Freunden auf einem Spaziergang gemacht, um verschiedene Glieder der Kirche zu besuchen, als Seelsorger für sie da zu sein.

[8:13] Gegen 14 Uhr war dann wieder zu Hause. So der regelmäßige Tagesablauf. Hat dann weiter studiert, hat dann irgendwann später nochmal ein zweites Mal gegessen, dann ein kurzer Spaziergang zur Erholung wegen. Und dann hat er Briefe geschrieben, dies oft bis Mitternacht. Und dabei hat er grundsätzlich, und das ist auch ganz interessant, immer im Stehen gearbeitet.

[8:35] In dieser Zeit bekam er dann unverhofft Hilfe und eine interessante Episode, die zeigt, wie sehr jetzt Gott hier auch am Wirken war, die verschiedenen Reformatoren zusammenzubringen. An der Tür von Zwingli stand ein junger Mann namens Luki an, der im Auftrag von Beatus Rhenanus aus Basel gekommen war. Rhenanus war ein alter Freund von Zwingli gewesen und Rhenanus hatte jetzt diese Idee, dass der besagte junge Luki an Bücher in der Schweiz verbreiten könnte, nämlich die Bücher von Luther. Folgender Mitteilung war dem Luki an mitgegeben von Beatus Rhenanus: „Erforsche, ob dieser Mann genügend Besonnenheit und Fähigkeit besitzt. Wenn ja, was ihm die Werke Luthers von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, ja von Haus zu Haus, auf die Schweizer bringen und besonders seine Auslegung des Vaterunsers, geschrieben für die Laien. Je bekannter sie sind, desto mehr Käufer werden sich finden.“ Also Beatus Rhenanus hat diese Idee, dass er die Bücher von Luther unters Volk bringen, insbesondere die Bücher, hier ist als Beispiel das Vaterunser, gegeben die Auslegung davon, die für Laien geschrieben worden sind. Rhenanus verstand, dass selbst die besten Prediger lokal begrenzt sind und dass die Bücher Schichten erreichen können, die durch keinen Prediger in den Kirchen so erreicht werden können.

[10:07] Und interessant ist hier, dass Zwingli aufgefordert wird, diese Sache zu unterstützen, wenn es um die Verbreitung von Luthers Schriften geht. Wieder gesehen haben wir, hat Zwingli und Luther das Evangelium unabhängig voneinander entdeckt. Und doch so zu einem frühen Zeitpunkt gibt es hier die ersten Berührungspunkte dieser beiden Bewegungen, die deutlich machen, es geht ja eigentlich um dasselbe Evangelium, hat denselben, dasselbe Ziel. Und wenn der Beatus Rhenanus dem Ende schreibt: „Je bekannter sie sind, desto mehr Käufer werden sich finden“, ist das eigentlich implizit eine Bitte an Zwingli, doch bitte Werbung zu machen für die Schriften von Luther. Und dieser Zug war natürlich nicht nur gut für Luther, sondern auch gut für Zwingli, weil durch diese Bücher auch die Predigten und die Gedanken von Zwingli eine Verbreitung fanden, eine Akzeptanz fanden in der breiten Bevölkerung, die mit alleinigen Predigten so nicht möglich gewesen wäre.

[11:05] Wir sehen hier also, wie die Predigt und auch die Literatur gemeinsam Hand in Hand für die Verbreitung des reformatorischen Gedankengutes notwendig waren. Und auch das, denke ich, eine wichtige Lehre für uns in unserer Zeit.

[11:21] Dann gab es die Nachricht, dass der berüchtigte Ablassprediger Isenbart auf dem Weg nach Zürich war. Als sie Zwingli noch in Einsiedeln war, hatte er schon dort gegen jenen Isenbart gepredigt, der ähnlich wie Tetzel in Deutschland den Ablass für den Peterskirchenbau verkündete. Und so nahm sich Zwingli vor, bereits präventiv in Zürich gegen den Ablass und gegen Isenbart zu predigen. Das hat Isenbart auch geahnt und entsprechend sich vorher geäußert, dass er schon vermuten wir, dass zehn Leben das ganze verdirbt. Als dann Isenbart vor die Stadttore von Zürich kam, sollte er zunächst einmal nicht einmal hineingelassen werden. Er hat dann mit einem Trick doch den Eintritt sich verschafft. Er behauptete, etwas ganz wichtiges, formales, administratives in Zürich tun zu müssen. Es stellte sich allerdings sehr bald heraus, dass das Einzige, was er dabei im Sinn hatte, die Predigt seines Ablasses war. Und so wurde er schnell der Stadt verwiesen, ohne einen einzigen Ablass in Zürich verkauft zu haben. Das sicherlich ein großer Erfolg für Zwingli und seine Predigt insgesamt war.

[12:34] Das Thema des Ablasses ist allerdings in der Schweiz eher ein Randthema und nicht so heiß diskutiert wie im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, zu müssen in den deutschen Gebieten. Und das lag unter anderem auch daran, dass die Bischöfe in der Schweiz keine so starke politische Macht hatten und der Papst deswegen auf die Beschlüsse in der Schweiz nur beschränkt Einfluss hatte, viel weniger als in Deutschland. Kurz nach dieser Episode, als Isenbart wieder Richtung Italien gereist hatte, enorm viele Schätze mitgenommen. Er war ohne Schätze nach in die Schweiz gekommen war, mit viel Geld zurückgekehrt. Und dort verliert sich dann so ein bisschen seine Spur in der Geschichte.

[13:15] Kommen wir zurück. Anfang April erhielt er die Antwort von Kathan. Der Kurs hat er am 7. Dezember an Kathan geschrieben, so ein bisschen die Sachlage aus Sicht des Kurfürsten beschrieben. Und Kathan fordert jetzt eine Mutter erfährt diese Antwort, kann fordert die Auslieferung Luthers. Das ist etwas irritierend, weil ja in den Verhandlungen mit Karl von Mittels inzwischen ja ganz andere Dinge besprochen worden waren. Und so entscheidet sich Luther einfach, diese scheinbar überholte Schreiben von Kathan zu verachten und zu ignorieren.

[13:54] Am 15. April finden wir diesbezüglich einen Brief an Spalatin. Dort heißt es: „Übrigens habe ich beschlossen, diese ganz groben kalvinistischen Ungereimtheiten zu verachten, da mir unser Wenzeslaus aus Nürnberg schreibt, dass sie sowohl vom gemeinen Volk als auch von den Vornehmsten verlacht werden.“ Also Luther wähnt sich hier auch mit starkem Rückenwind von Seiten der Bevölkerung. Er bezieht sich hier auf die auf die große Reichstadt Nürnberg. Getan wird dort nicht ernst genommen. Und so entscheidet sich Luther auch: Ich werde einfach das jetzt ignorieren.

[14:26] Am selben 5. April schrieb Luther auch einen Brief an Johann Eck und er mahnt ihn, doch bitte die schriftliche Einwilligung an den Herzog zu sehen. Wir sind in uns die Disputation in Leipzig ist in Planung und Eck und Karlstadt sind dort die offiziellen Kontrahenten. Eck hat in seinen Thesen gegen Karlstadt eigentlich Luther angegriffen, nämlich Dinge attackiert, die Karlstadt so nie gesagt hat, unter Nutzer. Und deswegen hat der Nutzer gebeten, sich auch verteidigen zu dürfen. Es war im Prinzip einverstanden gewesen, aber hatte das nicht schriftlich formuliert. Und genau darauf hatte ja der Herzog Georg bestanden, der ja diese ganze Diskussion überhaupt erst einmal möglich gemacht hatte.

[15:09] So bleibt also, Leute, ein bisschen in der Schwebe und wie sehr das Tischtuch zerschnitten ist zwischen den beiden, wird auch deutlich, wenn man das Briefende liest und den Schlussgruß, den Luther an Eck schreibt. Sie heißt es: „Es gibt daher Mühe, dass ich deinen Brief so bald wie möglich erhalten, durch den ich eine völlige Antwort erlange, denn die Einwilligung der Universität habe ich schriftlich.“ Und jetzt kommt's: „Gehabt ich wohl und werde endlich einmal aus einem Sophisten ein Theologe.“

[15:44] Am 7. April war der Dominikanerprofessor und Inquisitor Jakob Hochstraten aus Köln ein Schreiben gegen Reuchlin. In dieser Schrift gegen Reuchlin stand auch ein Vorwort, und in dem Vorwort nimmt er Bezug auf die Luther-Sache und dort sagt er, man müsse gegen Luther einschreiten, weil der den Papst attackiert. Das ist natürlich eine Reaktion auf diese umstrittene These von Luther bezüglich des Papstes. Und Hochstraten schreibt, Luther hätte dem Papst de facto Häresie vorgeworfen.

[16:19] Luther nimmt dazu dann etwas später Stellung und sagt: „Na ja, nur weil ich sage, dass der Papst von der Schrift abweicht, habe ich ja den Papst und nicht zum Häretiker gemacht.“ Es gibt nämlich, und das ist ein sehr wichtiger Grundsatz, den Luther hier betont, einen Unterschied zwischen Irrtum und Häresie. Ein Mensch kann ja irren, aber deswegen ist das nicht notwendigerweise gleich ein Häretiker. Sondern der Irrtum ist erst dann Häresie, wenn der Irrtum als glaubensnotwendig betont wird. Also er macht diesen Unterschied und sagt: „Na ja, erst wenn eine Irrlehre als heilig bezeichnet wird, dann wird es eine echte Häresie.“ Und Luther sagt ganz deutlich, er hätte den päpstlichen Notaren keine Häresie, sondern lediglich Irrtum unterstellt. Und deswegen sei Hochstraten „nein, Brudermörder und ein unwissender Esel.“ Ja, das ist typisch Luther in seinen Formulierungen. Und dass der Hochstraten in seinem Buch dann dem eigentlichen Hauptteil dann auch den Reuchlin verurteilt und verdammt, das ist natürlich dann nicht sehr verwundert.

[17:18] Wert so Luther die ganze Debatte um Reuchlin und dessen Verteidigung der jüdischen Schriften war ja immer noch nicht ausgestanden. Am 13. April kam dann die erste Lieferung der neuen Drucke der laufenden zweiten Vorlesung von Luther an die Öffentlichkeit. Und die wollen natürlich mit großer, großem Interesse gekauft und gelesen werden. Die Psalmen lagen Luther jetzt zeitlebens sehr am Herzen und hat dort immer wieder auch viel Kraft und Trost gefunden. Und die Menschen waren begierig, wie Luther jetzt die Psalmen auch unter dem Eindruck der ganzen Diskussion und der ganzen anbeginnenden Reformation auslegen würde.

[18:07] Ebenfalls am 13. April hat Luther dann die erweiterten Thesen von Eck in den Händen gehalten und sieht dann noch einmal studiert. Er hat zu der Zeit auch erfahren, dass man in Leipzig gegen ihn, gegen Luther, Stimmung macht. Die Universität Leipzig möchte eigentlich gar nicht, dass es zur Disputation kommt. Und Luther befürchtet, dass aufgrund dieser negativen Stimmung in der Stadt gegen ihn, er möglicherweise von der Disputation ausgeschlossen werden. Das ist so in diesen Wochen und Monaten so die ganz große Angst von Luther, dass er möglicherweise gar nicht nach Leipzig vorgeladen wird, gar nicht dabei sein darf, wenn diese große Disputation stattfindet.

[18:47] Am 14. April schreibt dann Erasmus, der berühmte Humanist, für Friedrich den Dritten. Und in diesem Schreiben nimmt er allerdings keine Stellung zur Theologie von Luther. Wie wir schon gesehen haben und immer wieder sehen werden, ist Erasmus sehr, sehr vorsichtig, sehr politisch und steckt seinen Kopf nicht weit aus dem Fenster hinaus. Er sagt, dass er einige Stellen in der Gesamtausgabe von Froben aus Basel gelesen habe, aber kann sich keine Meinung bilden. Aber er hat den Eindruck, Luther sei eine Person von Integrität. Und das allein schon wird in Wittenberg als ein großes Lob aufgefasst. Der große Erasmus sagt, Luther hätte Integrität.

[19:37] Luther wendet sich mit der Bitte auch an den Kurfürsten mit der Bitte um eine neue Karte als männlich. Sind das so die Dinge, die ihn natürlich auch beschäftigen? Und er begründet das auch mit seiner, mit seiner, ist doch so bekannten und beliebten Psalmen-Vorlesung.

[19:55] Am 22. April gibt es dann noch einen Brief von Erasmus, diesmal an Melanchthon. Wir erinnern uns, Anfang des Jahres hatte Melanchthon an Erasmus geschrieben und ganz kleinmütig bekannt, dass er ihn kritisiert hatte. Es tue ihm sehr leid. Oder entsprechend hart reagiert auch Erasmus, der das gar nicht verstehen kann, dass man ihn jetzt hier kritisiert hat. Und er mahnt Melanchthon: „Die Gelehrten sollten doch Einigkeit demonstrieren.“ Er lobt aber auch den Melanchthon für dessen sehr gute Antrittsrede. Er sagt: „Dann Luther habe er nicht gelesen, und die Meinungen über Luther gehen halt auseinander.“ Er versucht, das eher neutral sich zu positionieren. Aber er geht auf die eine Bitte ein, die Luther ihm ja geschrieben hatte, nämlich den Melanchthon zu bitten, sich doch nicht zu sehr zu verausgaben. Denn das ist die allgemeine Sorge auch der in Wittenberg sind, dass der Melanchthon aufgrund seiner schwachen Konstitution und seines jungen Alters vielleicht ja sich überarbeitet und dann für die gute Sache verloren geht.

[21:03] Am 24. April um die Zeit herum gibt es dann die ersten richtig scharfen Auseinandersetzungen im magdeburgischen Winterburg. Dort ist der Rats-Prediger Franz Günther, ein großer Anhänger von Luther, der erste, der so außerhalb von Wittenberg so ganz klar und kompromisslos die lutherische Predigt, die lutherische Lehre predigt. Und das führt natürlich zum enormen Konflikt mit den dort ansässigen Franziskanern, die Augustiner aus Wittenberg unterstützen den Günther. Und Luthers Thesen sind einige Zeit lang hier sehr deutlich und stark vorgetragen worden. Trotzdem muss Günther aufgrund des Konflikts erst einmal dann pausieren. Und ein Antrag Magister kommt, und das ist der Thomas Müntzer, so ist zumindest nach den Quellen, das zu vermuten.

[21:56] Und gerade in der Osterzeit jetzt gibt es erneut einen enormen Krieg von den Kanzeln der beiden Parteien. Und das ist das erste Mal, dass sozusagen diese neue Lehre von Luther jetzt eine echte Krise in einer Ortsgemeinde, in einer lokalen Stadt auslöst.

[22:13] Luther hat im April dann die Arbeiten zu seinem Galaterkommentar abgeschlossen gehabt. Melanchthon hat ihn dabei unterstützt, hat vor allem Väterzitate gesammelt und auch Korrektur gelesen und in seinen Beiträgen immer wieder auch die Gemeinsamkeiten mit Erasmus von Rotterdam hervorgehoben. Das war ihm zu dem Zeitpunkt noch sehr wichtig. Vielleicht schon war eigentlich noch mehr Humanist als Reformator zu dem Zeitpunkt, und er wollte unbedingt das Werk, das so ein bisschen in das Licht von Erasmus rücken.

[22:44] Schauen wir ganz kurz, was so die Hauptpunkte sind, die Leute hier in

[22:46] Hauptpunkte sind die Leute hier in seinem Kommentar auf Macht. Das Ganze ist natürlich geschrieben oder dem Eindruck seines Konfliktes mit Rom, dass er der Galaterbrief auch ganz geeignet, wenn der Paulus dort den Petrus zurechtweist wegen falschem Verhalten. Und so sagt Luther dann in einer seiner Kernthesen: Das Evangelium und die Gebote Christi über den Papst und seine Privilegien stehen. Also eine sehr deutliche Position, die er hier einnimmt.

[23:17] Er macht aber auch klar, dass er nicht eigentlich gegen die römische Kirche kämpft, sondern lehnt sich gegen die römische Kurie, das heißt, gegen die Leiter der Kirche. Das allerdings keine neue Kirche aufmachen möchte, sondern eigentlich nur der Kirche helfen will.

[23:36] Er fordert dann ganz klassisch und typisch, dass das Wort Gottes gepredigt werden soll und nicht einfach nur Liturgie und Kirchenrecht, sondern die Bibel muss wieder in das Zentrum der Predigt gerückt werden. Und deswegen predigt er hier natürlich auch gegen die Scholastik, die er ja schon seit Jahren zu einem Erzfeind erklärt hat.

[23:56] Er wendet sich deswegen auch gegen die Heilsungewissheiten. Die klassische Lehre konnte man sich ja nie ganz sicher sein, ob man erlöst ist oder nicht, weil es immer so ein bisschen auch von den eigenen Werken abhängt, von denen man nie wusste, ob sie angenehm sind vor Gott. Und gegen diesen Irrtum, der ja selbst so viel gekostet hat, so viel Nerven und so viel Verzweiflung, so viele Tränen, dagegen wendet er sich sehr deutlich.

[24:20] Und das schaffen der Galaterbrief ist natürlich mit seiner klaren Betonung der Rechtfertigung allein durch den Glauben hier auch sehr geeignet, diesen Punkt wirklich wirkmächtig deutlich zu machen. Luther definiert, wie schon bekannt, auch hier Gerechtigkeit nicht als die richtende Vergeltung, sondern Gerechtigkeit hängt so sehr mit dem Glauben zusammen, dass im Grunde die Gerechtigkeit fast schon der Glaube ist, wie auch im Römerbrief deutlich wird.

[24:47] Die Gerechtigkeit kommt allein durch den Glauben. Es ist die Gerechtigkeit Gottes, die dem Sünder angerechnet wird, weil er an Gott glaubt. Und dann macht er auch deutlich, entgegen scholastischer Lehre, dass der Gläubige nicht gleich sofort plötzlich unwiederbringlich erlöst und heilig ist, sondern dass das Leben des Glaubenden ein Prozess ist und dass dort Anfechtung ist, aber dass man wachsen kann in der Gnade.

[25:16] Auch das wird ausgeführt. Und dann sagt er interessanterweise auch, dass unter den Christen eine absolute Gleichheit herrscht und dass Kleriker, das heißt Priester oder Bischöfe, keinen Vorteil haben in der Lösungsfrage, auch wenn sie geweiht sind. Das war ja das Verständnis der Kirche über viele Jahrhunderte gewesen, dass durch die Ordination, durch die Weihe, die Kleriker einen anderen Stand bilden und deswegen auch bezüglich der Lösung bevorzugt sind.

[25:41] Und wird er sagt, das ist Unsinn. Das stimmt nicht. Er geht auch noch einmal auf die Ablässe und die Beichtauflagen und vergleicht sie jetzt eher derbe und sehr drastisch mit den ägyptischen Plagen. Und ebenfalls sehr drastisch klingt es, wenn er sagt, dass die kirchlichen Hirten oder die Päpste Herolde des Antichristen sind und zwar, weil sie unbedingt herrschen wollen.

[26:09] Diese Herrschsucht macht sie verdächtig. Menschliche Tradition, wie zum Beispiel das Zölibat, auch dieses Thema greift er auf. Solche Traditionen führen Menschen ins Verderben. Das Zölibat war ja für die katholische Kirche sehr wichtig theologisch, weil durch das Zölibat der Kleriker von den Laien abgehoben wird. Der Kleriker hat einen Vorteil, aber das wird quasi dadurch erkauft, dass er ein Leben führt, dass ein Laie so nicht leben möchte oder nicht leben kann.

[26:39] Denn man nämlich ohne er lebt. Und Luther sagt, diese Tradition, die dem Wort Gottes widerspricht, führt Menschen erst richtig in die Sünde. Natürlich zahlreiche Missstände, die damalige Zeit auch ganz plastisch illustrieren. Und Luther macht dann abschließend deutlich, dass die Kirche ja eigentlich mitgetragen will. Er will der Kirche helfen, die Lasten tragen.

[27:01] Und deswegen entschuldigt er sich sogar für die Kritik, die er geübt hat. Es soll ja konstruktive Kritik sein, keine vernichtende. Das ist sehr entscheidend für das Verständnis Luthers, was die Kirche betrifft, dass man das hier richtig einordnet. Er will auch, wenn er deutlich wird, er will der Kirche helfen und nicht die Kirche zerstören.

[27:24] Luther ist in der Zeit auch sehr traurig, weil sich Staupitz seit Monaten nicht gemeldet hat. Er glaubt, sein alter Mentor, dem er so viel zu verdanken hat, auch theologisch und auch beruflich, er glaubt, sein alter Mentor habe sich, habe ihn vollkommen vergessen, weil er sich so distanziert verhält.

[27:43] Die neue Vaterunser-Auslegung liegt dann vor. Das ist ja die Lukianer in der Schweiz verbreitet im Auftrag von Beatus Rhenanus, mit Wissen und Förderung von Zwingli. In diesem Vaterunser, dieser Auslegung, macht Luther deutlich, dass es nicht die formalen Gebete sind, die heruntergeleitet werden, sondern dass es das Gebet aus dem Herzen ist, das wirklich allein vor Gott zählt.

[28:09] Und schon am Anfang macht er deutlich: Es heißt "Vater unser", nicht ohne Grund. Das Gebet richtet sich an einen Vater und nicht an den Richter, wie es die mittelalterliche Theologie so immer herausgestellt hat, was den Luther jahrelang so sehr beängstigt hat.

[28:26] Es geht also um den Charakter Gottes. Haben die Tatsache, dass wir Gott bitten, offenbart unser Elend, offenbart unseren oder kommt auch diese alte Vorstellung der Demutstheologie, dass der Mensch seine eigenen Hilflosigkeit und Bedürftigkeit sich ja daran denken soll, wieder zum Vorschein.

[28:44] Und die ganze Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben, die filtert jetzt der Maßstab der Bibelauslegung ist, wird auch hier zum Grundmuster für die gesamte Auslegung des Vaterunser.

[28:56] Ende April liegt die Einwilligung von Eck, dass Luther bei der Diskussion zugelassen wird, noch immer nicht vor. Und Luther wird richtig ungeduldig. Er wendet sich an den Herzog Georg, und der sagt im Wesentlichen: Ja, ich würde ihn schon gern dabei haben, aber wir müssen auf die Formalien bestehen. Persönlich, also hätte Herzog Georg gar nichts dagegen, aber diese Formalie ist nicht erbracht. Und so hängt Luther in der Luft.

[29:27] Ebenfalls Ende April veröffentlicht dann Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt, seine Gegenthesen gegen Eck. Dies ist interessant, weil er deutlich macht, anders als Luther, ist er nicht gegen Papst und gegen Kirche. Er bekennt sich ausdrücklich zum Gehorsam gegenüber dem Papst. Für Karlstadt geht es allein um die Frage der Rechtfertigung und die Autorität der Bibel, wie wir ja schon seit 141 Thesen das offenbart hat. Aber die ganze Papstdebatte, da möchte er nichts mit zu tun haben.

[29:56] Karlstadt äußert auch Zweifel an der Disputationsweise von Eck, weil der nämlich gerne die sogenannte italienische Weise bevorzugt, wo man durch reine Rhetorik den anderen unterbuttern kann, um recht zu behalten. Und deswegen fordert Karlstadt, dass nicht die italienische Disputationsweise genommen wird, sondern dass man auch alles dann schriftlich protokollieren wird.

[30:24] Derweil steigt die Zahl der Studenten in Wittenberg. Die Studienreform zeigt große Früchte. Wittenberg wird zu einem Magnet für junge Leute, die sich für die Bibel, für die Wahrheit, für das Evangelium interessieren. Und es wimmelt nur so vor Studenten.

[30:40] Anfang Mai sagt er einfach mal, keine Taten, das, was er viele schon insgeheim wussten, dass nämlich die Luther-Sache direkt politisch verknüpft ist mit der immer noch offenen Wahl. Angelegt, das muss ja ein neuer König gewählt werden, seit Kaiser Maximilian jetzt gestorben ist. Und Rom hält sich zurück in der Luther-Sache, weil man auf den Kurfürsten setzt, dass der möglichst von Spanien verhindern möge.

[31:11] Angesichts der traditionellen Kreuzwoche bringt im Luther dann kurz vor Himmelfahrt den sogenannten "Is Simon von dem Gebiet" und von der Prozession in der Kollekte oder von dem Gebet und Prozessionen der Kreuzwoche heraus, wo er über die Bedeutung des Kreuzes spricht. Nicht so sehr als einen äußerlichen, formalen Akt, als eine Tradition, sondern vielmehr die Betrachtung, die innerliche Betrachtung, dass du beim Nachdenken, dass Jesus am Kreuz für mich gestorben ist, das ist das Entscheidende.

[31:40] Und nach ihm bringt es wenig, dass man einer Prozession folgt, sondern vielmehr, dass man sich Gedanken macht persönlich, was bedeutet es für mich, dass Jesus für mich, meine Sünden auf sich genommen hat.

[31:53] Am zweiten Mai wird Justus Jonas in Abwesenheit zum Rektor der Erfurter Universität gewählt. Er kommt kurz danach aus den Löwen zurück, hat er im Auftrag des Kurfürsten Friedrich Erasmus besucht, um dort irgendwie ein Kontakt zu Luther herzustellen.

[32:12] Als er zurückkommt und davon erfährt, dass er jetzt Verantwortung hat, wird er beginnt er sofort die Erfurter Universität humanistisch umzuformen. Und die Zeitgenossen werden das als gigantischen Erfolg. Es hat allerdings nicht lange erst einmal gehalten.

[32:31] Am dritten Mai kommt im Miltitz mit Karlstadt zusammen, der in Koblenz war und Wittenberg. Sitzt versucht jetzt noch mal aktiv zu werden. Er glaubt nach wie vor, dass die ganze Sache positiv ausgehen könnte. Und er hält eine Zustimmung von Karlstadt, dass man doch die Luther-Sache vor dem deutschen Erzbischof von Trier, vor Richard Greiffenklau, entsprechend verhandeln könnte.

[32:58] Und so fordert er jetzt Luther auf: Komm nach Koblenz, und da werden wir das Verfahren machen. Keine Taten, wird alles ignorieren, was du geschrieben hast. Und ansonsten hätten wir als Alternative noch ein Gericht mit dem Bischof von Freising oder vier anderen Bischöfen.

[33:15] Und so vermittelt Karl von Miltitz jetzt den Eindruck, dass Eck im Grunde genommen schon seine Richter über an den Erzbischof übertragen hat. Das stimmt allerdings auch nicht ganz so richtig. Der Karl von Miltitz überzieht ja wieder ein bisschen und ist da etwas zu euphorisch und optimistisch.

[33:35] Auch Spalat unter Kurfürst erhalten ähnliche Briefe. Zwei Tage später, am 5. Mai, sendet Karl dann den Miltitz nach Chur Sachsen, damit Friedrich der Dritte jetzt endlich seine Tugendrose bekommen kann. Und währenddessen soll es eine Besprechung geben, damit der Kurfürst sich mit Kraut treffen kann wegen der Wahl. Das sollte Miltitz jetzt arrangieren.

[34:04] Am 15. Mai, ebenfalls sendet der Lektor der Jüterboger Franziskaner, Bernhard Appel, einen Brief an den Bischof von Brandenburg und sagt: Hier in Jüterbog, hier brennt die Hütte, auf Deutsch gesagt. Hier droht eine Kirchenspaltung wegen der Lehre Luthers. Das erste Mal, dass hier diese Lehre an einer Kirche ist, eine richtige Spaltung hervorruft und enormen Konflikt.

[34:32] Setzt am 9. Mai stirbt dann der alte Lehrer von Luther, Jodocus Trautvetter, den er in aristotelischer Logik gehabt hat. Luther hat das sehr bedauert, hat er diese ganze spätere Entwicklung von Luther nicht nachvollziehen können und sich von ihm losgesagt.

[34:50] Am zehnten schreibt dann der besagte Erzbischof von Trier, der Kurfürst, an den anderen Kurfürsten Friedrich den Weisen und sagt: Luther kann jetzt kommen, wir können das Verhör bei mir machen. Und er verspricht ein mildes Verfahren und ein freies Geleit für Luther.

[35:06] Doch schon am nächsten Tag schreibt Miltitz: Jetzt Luther soll doch lieber in Wittenberg bleiben. So der Brief an Friedrich den Dritten. Das heißt, hier ist man sich selbst nicht ganz einig und die Briefe sind sehr widersprüchlich. Es ist ein bisschen chaotisch dieses ganze Verfahren momentan. Und so ist erstmal unklar, wie es weitergehen soll.

[35:32] Im Mai haben wir ein interessantes Zeugnis von Melanchthon, der zu diesem Zeitpunkt seine eigene Meinung konturiert. Wer so die größten Gelehrten sind, derzeit über allem sieht er natürlich Erasmus von Rotterdam, die Zierde aller Zeitalter, wie er sie nennt. Und danach, als zweiter Stelle, sieht er Capito und Ökolampad. Nur mit etwas Abstand kommen dann Karlstadt und Luther.

[36:01] Sich selbst sieht der junge Melanchthon noch weiter hinten. Für ihn ist nach wie vor eigentlich der Humanismus noch maßgeblich, allerdings beginnt das schon langsam durch die viele Beschäftigung mit Luther auf dessen mehr theologisch-evangelische Sicht überzuschwenken.

[36:19] Im Mai bietet sich in Wittenberg ein neuer Drucker an aus Leipzig. Sein Name ist Melchior Lotter, der Jüngere. Und er besitzt gutes Material, gute Typen aus der Basler Druckerei, wo er die Gesamtausgabe von Luther gedruckt worden war.

[36:37] Entsprechend bringt beginnt er jetzt seinen den Druck von dem Galaterbrief bei besagtem Melchior Lotter zunächst einmal erst in Leipzig. Und dann bringt er auch seine Ehepredigt heraus, die wir ja am Januar gehalten hat. Und dort in der letzten Folge hatten wir schon die Punkte dort etwas angesprochen.

[36:57] Der Grund, warum wir sie jetzt veröffentlicht, ist, dass jemand anderes sie unautorisiert veröffentlicht hatte. Und das zwingt den Lotter jetzt, die offizielle Predigt auch öffentlich zu machen. Es ist ja immer wieder auch vorgekommen, dass wohlmeinende Anhänger unautorisierte Mitschriften in den Druck gegeben haben.

[37:15] Am 15. Mai schreibt dann Luther an die Franziskaner in Jüterbog. Und er ist sehr deutlich und sehr forsch. Er kritisiert sie, weil sie mit übler Nachrede hantieren und er fordert den Widerruf ihrer Anzeige. Und sagt auch: Hey, in den letzten drei Jahren hat kein gebildeter Theologe, ganz wichtig, kein gebildeter Theologe des Irrtums überführt.

[37:41] Gleichzeitig sieht Luther auch, dass einige seiner Anhänger in Jüterbog ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen sein mögen. Und er musste ein bisschen einige Aussagen balancieren und ins rechte Licht rücken.

[37:55] Mitte Mai bringt dann Luther seine Gegenthesen gegen Eck heraus. Er hat noch eine weitere These hinzugefügt. Da geht es um die Willensfreiheit. Die darf nicht so verstanden werden, als ob sie an die Stelle Christi steht. Mit anderen Worten, nur durch Jesus und durch seine Gnade haben wir überhaupt einen freien Willen.

[38:15] Aber diese Gegenthesen haben es auch an anderer Stelle in sich, denn vor allem bezüglich des Papstes wird er noch einmal deutlicher. Er formuliert jetzt richtig steil.

[38:27] Er sagt zum Beispiel: Der Papst herrschte auch übrigens nicht in den Kirchen des Orients, in den Ostkirchen. Und beschränkt damit noch einmal diese weltweite Autorität des Papstes.

[38:39] Er geht sogar so weit, dass er eine These von Jan Hus aufgreift, die in Konstanz verdammt worden war. Hatte nämlich gesagt, dass der Papst seine Macht dem Kaiser verdankt. Das hatte das Konzil in Konstanz 100 Jahre zuvor, wie gesagt, verworfen. Aber Luther sagt, diese These stimmt.

[38:56] Denn es gibt Historiker, das bestätigt, und es gibt sogar eine Inschrift am Lateran, also in der Hauptkirche des römischen Papstes, untersteht genau das. Und er sagt dann auch hier: Er fürchtet weder Papst noch Puppen. Also da deutet sich schon verdeutlich der Konflikt an.

[39:21] Karlstadt ist damit überhaupt nicht einverstanden, weil er, wie gesagt, gegen den Papst gar nicht vorgehen möchte. Und er versucht dann über Spalat ihn irgendwie auf Luther einzureken.

[39:36] Dagegen sagt er: Naja, der Karlstadt, er ist einfach nur ängstlich. Der hat Angst um seine Kunden. Aber auch andere Freunde haben zu dem Zeitpunkt das Gefühl, Luther geht möglicherweise zu weit.

[39:46] Ammsdorf, sein guter Freund, hat auch schon versucht, irgendwie ihn zu mäßigen und sagen: Sei nicht so steil gegenüber dem Papst. Aber Luther sagt: Ich werde mich nicht einschüchtern lassen.

[39:57] Zumindestens, wenn es um das Evangelium geht, um die Lehre von der Gnade, da ist er mittlerweile ganz felsenfest gegründet durch sein Bibelstudium.

[40:09] Am 17. lehnt Luther dann den bereits überholten Vorschlag von Miltitz ab. Ein Verhör in Gegenwart von Eck kommt für ihn sowieso gar nicht in Frage, weil der ihn in Augsburg, so sagt Luther, vom katholischen Glauben habe abbringen wollen.

[40:27] Außerdem müsste man jetzt erst einmal die strittigen Punkte schriftlich fixieren. So hatte man das ja mit Miltitz in Altenburg vereinbart. Außerdem kann man ja nicht die anstehende Disputation in Leipzig ignorieren. Es geht um die Ehre der Universität.

[40:43] Und außerdem ist auch der Erzbischof von Trier in die Wahl eingebunden, denn die Kurfürsten müssen jetzt einen König bestimmen. Von daher sagen wir: Erstmal dieses Angebot treffen, dieses Verhör vor dem Erzbischof von Trier ab.

[41:03] Am 30. finden wir einen interessanten Brief von Luther an Martin Glaser, der war der Prior der Augustiner in Ramsau. Und das heißt es hier: "Ich lese jetzt über den Psalter von Neuem, und die Lehranstalt blüht außerordentlich. Die Stadt ist voll von Studenten. Rom ist heißt zu meinem Verderben, und ich bin kalt zu ihrer Verschrottung. Man sagt mir, dass ein Papieren Martin in Campus Jahre öffentlicher Brand verflucht und dem Tode geweiht worden sei. Ich erwarte ihre..."

[41:43] Luther schreibt: Ich habe gehört, in Rom hat man eine Nachbildung von Martin Luther genommen aus Papier und hat sie dort verdammt und verbrannt. Und das zeigt ja ungefähr, was dem Luther passiert wäre, wenn er tatsächlich nach Rom gereist wäre. Er ahnt schon, worauf das Ganze hinausläuft.

[42:03] Jeweils am 30. Mai erhält Luther dann tatsächlich einen Brief auch selbst von Erasmus. Und der beschwert sich bei Luther, und zwar über die Gesamtausgabe, die Froben in Basel besorgt hatte, die er für so viel Verbreitung des Evangeliums gesorgt hat.

[42:24] Erasmus sagt: Diese Ausgabe hat für eine Katastrophe gesorgt, nämlich die ganzen katholischen Gelehrten in Löwen an der Universität verdächtigen jetzt die Humanisten und damit natürlich auch ihn, Erasmus. Man hat Erasmus als einen Assistenten und einen Parteigänger von Luther bezeichnet. Und die Humanisten sind jetzt unter Verdacht, die Theologie zu beschädigen.

[42:51] Und das stört den Erasmus natürlich ganz gewaltig, dass es da negative Konsequenzen zu spüren hat aufgrund des Wirkens Luthers. Und so rät er zu Luther: Die ganze Sache auf einer rein akademischen, rein gelehrten Basis zu behandeln und das bloß nicht unter das Volk zu bringen.

[43:12] Also das ist die Denkweise von Erasmus. Der sieht in der ganzen Sache eine theologisch-akademische Diskussion, und die sollen die Gelehrten unter sich ausfechten. Aber es gibt keinen Grund für Erasmus, das Ganze öffentlich oder dem Volk auszubreiten.

[43:26] Das sieht natürlich Luther als Seelsorger und Prediger völlig anders. Erasmus weiß, dass es unter den Bischöfen auch in England einige gibt, die sehr hoch von Luther denken. Und deswegen sage ich jetzt: Maßvoll.

[43:41] Es ist wichtig, sagt er, jetzt maßvoll vorzugehen. Also er reiht sich ganz offen in diese Reihe von Leuten ein, die den Luther zur Mäßigung aufrufen. Und Luther solle bloß nicht den Papst angreifen, sondern nur diejenigen, die päpstliche Macht missbrauchen.

[43:56] Erasmus sagt dann ganz interessant: Er möchte eine Reformation und keine Revolution. Ein sehr wichtiger und guter Satz. Es scheint aber so, dass Erasmus das Ganze etwas sehr zurückhaltend interpretiert hat in seiner eigenen Umsetzung.

[44:11] Ermahnt haben und auch das ist denke ich ein sehr guter Rat, der Mann zum Vorgehen im Geiste Christi. Zorn, Hass und er sucht können am Ende ein Selbstverderben und das natürlich ein wichtiger Tadel auch, der auch den Luther nicht ganz, wurde da auch nicht ganz unschuldig an der Sache ist.

[44:33] Er lobt dann natürlich auch noch die neue erste Lieferung der Psalmvorlesung. Erwähnt allerdings natürlich unter keinen Umständen, dass er selbst, Erasmus, dafür verantwortlich ist, dass Froben in Basel aufgehört hat, Luthers Werke zu drucken.

[44:45] Basel aufgehört hat, Luthers Werke zu drucken.

[44:47] Luther ist immer noch unsicher, ob er zur Disposition zugelassen wird und veröffentlicht deswegen jetzt einfach aus Verzweiflung eine Schrift, um seine umstrittene Papstthese zu erklären.

[45:01] Und darin entfaltet er einen sehr einfachen, aber tatsächlich revolutionären Gedanken. Er sagt, das Papsttum muss man anerkennen, aber lediglich als weltliche Obrigkeit, als menschliche Obrigkeit, die keinerlei Anspruch auf Unfehlbarkeit hat. Er sagt, sogar möglicherweise ist das Papsttum eine Strafe Gottes und deswegen darf man sich dem nicht entziehen.

[45:29] Und dann geht er an die beiden Stellen, die so maßgeblich sind für das Selbstverständnis des Papsttums: Matthäus 16 und Johannes 21. Die beiden klassischen Stellen, mit denen das Papsttum seit Jahrhunderten seine Herrschaft begründet hat. Also einmal hier in Matthäus 16, Vers 18 und 19, wo es heißt: „Und ich sage dir auch, du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Todesreichs sollen sie nicht überwältigen. Und ich will dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben. Und was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.“

[46:03] Und Luther zeigt, warum exoterisch, dass nicht eine Herrschaft des Papstes legitimiert. Und genauso mit der anderen Stelle, Johannes 21, 15 bis 17, wo es heißt: „Und das dritte Mal fragt er ihn: Simon, Sohn des Jonas, hast du mich lieb? Da wurde Petrus traurig, dass er das dritte Mal fragte: Hast du mich lieb? Und sprach zu ihm: Herr, du weißt aller Dinge, du weißt, dass ich dich liebhabe. Jesus spricht zu ihm: Weide meine Schafe.“

[46:23] Luther macht ein ausführliches Bibelstudium und zeigt, beide Stellen begründen nicht, dass der Bischof von Rom die Oberherrschaft über die ganze Kirche haben soll. Das ist eine Fehlinterpretation, die seit Jahrhunderten so gepredigt wird. Und Luther entzieht sich dagegen und zeigt mit klarer Bibelauslegung, dass es sich hier um einen Irrtum handelt. Und das soll noch weitreichende Folgen haben.

[46:44] Aber auch in dieser Schrift formulierte er nicht die radikalsten Gedanken, die er dem Sparerteam schon privat angedeutet hat, wo jetzt schon mit dem Gedanken gespielt hat, dass das Papsttum per se der Antichrist, der Prophet sein könnte.

[47:00] Am ersten Juni schreibt Erasmus an Justus Jonas und rät ihm, sich der Theologie ganz zuzuwenden. Justus Jonas war ja eigentlich Jurist und Jonas ist dem nicht abgeneigt. Er begreift sich selbst immer mehr als Theologe, und das soll noch eine wichtige Weichenstellung werden, weil auch Diskussionen das dann in die Reformation noch eingreifen werden.

[47:20] Am zweiten Juni sagt dann auch Friedrich der Dritte, seine die angedachte das angedachte Verhör von Luther ab mit dem simplen Hinweis, dass er jetzt die Königswahl sei und man andere Dinge zu tun habe und sich erstmal darauf konzentrieren wollen.

[47:38] Am 6. Juni weiß Luther immer noch nicht, ob er zugelassen wird zur Disputation, und er wird wirklich ungeduldig. Ungeduldig ist auch Friedrich der Dritte, der am 8. Juni sich bei Kaiser Maximilian beschwert, dass ihm immer noch nicht die Tugendrose übermittelt worden sei. Oft jedoch schon so lange sehnlichst wartet. Also das ist ganz interessant, wie wichtig ihm das offensichtlich gewesen ist, dieses Symbol zu erhalten, das er ausdrücken sollte, dass er besonders treue sich um die katholische Kirche verdient gemacht hat.

[48:14] Dann wird im Juni deutlich, dass es wohl keine Mehrheit für Franz den Ersten, den König von Frankreich, als neuen König des römisch-deutschen Reiches geben wird. Wenn Franz nicht gewählt werden kann, scheint es so, dass der einzige noch denkbare Kandidat Karl von Spanien ist. Und das will der Papst ja unbedingt verhindern, und er hat eine kühne Idee.

[48:38] Der päpstliche Nuntius drängt nun Friedrich den Dritten, den Kurfürsten von Sachsen, selbst zur Kandidatur, und ihm werden gute Chancen eingeräumt. Er war ja schon, und Maximilian, der Reichsverweser, also der Stellvertreter für den Fall, dass Maximilian verhindert war, und Friedrich der Dritte hätte ich hier jetzt König und dann potenziell sogar Kaiser werden können. Aber er lehnt ab.

[49:08] Diese Entscheidung gilt schon den Zeitgenossen und dann auch der Nachwelt als sehr weise, weswegen er von dem Zeitpunkt an dann auch Friedrich der Weise genannt worden ist. Ebenfalls im Juni kamen die Augustiner-Eremiten alle gemeinsam in Venedig zusammen zum Ordenskapitel. Der General der Augustiner-Eremiten, Gabriel Wengler, wollte dort mit Staupitz verhandeln über die Luther-Sache, aber Staupitz kam gar nicht erst nach Venedig.

[49:39] Am 22. Juni traf dann in Leipzig ein zur geplanten Disputation. Einen Tag später gab es eine Fronleichnamsprozession, dann der Sieg. Beteiligt hat und noch einen Tag später kam es dann zum Einzug der Wittenberger in Leipzig durch das Grimmaische Tor, das hier in einer späteren 400 später entstandenen Zeichnung dargestellt ist.

[50:05] Die Wittenberger kamen mit mehreren Wagen und großem Anhang. Im ersten Wagen fuhr Karlstadt und eine ganze Ladung von Büchern war bei ihm. Im zweiten Wagen waren dann Luther und Melanchthon und auch der Rektor der Wittenberger Universität, der Herzog Barnim von Pommern. Außerdem sind auch Amsdorf und anderen der Delegation, auch Agricola, der junge Student von Luther, der sein persönlicher Sekretär ist, oder hier an wird in Leipzig sein Sekretär sein wird.

[50:37] Der ganze Zug wird bewaffnet von 200 bewacht von 200 bewaffneten Studenten. Beim Einzug der Wittenberger stürzt der erste Wagen mit Karlstadt und wegen eines gebrochenen Rades und er verletzt sich gleich bei dieser Gelegenheit.

[50:56] Sobald die Wittenberger in Leipzig ankommen, lässt der Bischof von Meißen an einer Leipziger Tür ein Verbot der Disputation anschlagen. Hatte bis zu diesem Tag gibt es starke Kräfte in Leipzig, die dagegen sind, dass diese Disputation überhaupt stattfindet. Er hatte vorher einen Briefwechsel gehabt mit dem Herzog Georg von Sachsen, aber der Herzog, der beugt sich nicht. Er hat das durchgedrückt, auch bei der Universität und lässt sich auch vom Bischof nicht einschüchtern. Er lässt das Verbot entfernen, den Boden sogar einsperren.

[51:33] Und so geht das Ganze dann seinen geplanten Gang. An den ersten Tagen machen die Studenten die Wittenberger Studenten unrühmlich auf sich aufmerksam, zum Teil durch Randale, die sie dort in Leipzig ausüben. Erst jetzt, nachdem Luther persönlich angekommen ist, bemüßigt sich Eck doch seine schriftliche Einwilligung zu geben, dass Luther auch teilnehmen kann und sie dem Herzog zu geben. Das heißt, Luther musste erst persönlich nach Leipzig kommen, um dann auch zu wissen, dass er offiziell teilnehmen kann.

[52:09] Von offizieller Seite wird der Eck sehr viel mehr willkommen geheißen und mit Geschenken bedacht. Aber es kommt auch zu einer Gelegenheit, wo Herzog Georg alle drei zu einem gemeinsamen Essen einlädt. Dabei ist er besonders dem Luther gegenüber sehr kritisch, stellt Fragen und sagt ganz pragmatisch: Deine Papstkritik, die ist nicht wichtig, unnütz, das brauchen wir nicht. Nur die Dominikaner, die behandeln wird er bereits wie einen echten Ketzer.

[52:40] Am 26. Juni haben dann Karlstadt und Eck die Rahmenbedingungen der Disputation ausgehandelt. Eck versucht dann tatsächlich noch einmal das italienische Disputationsmodell durchzusetzen, wo es kein Protokoll gibt und man hinterher nie genau sagen kann, was eigentlich gesagt worden ist, weil er dann mit seiner rhetorischen Fähigkeit im Vorteil wäre. Aber Karlstadt besteht darauf, dass man sich an die Abmachung, die man gemacht hat, auch hält. Vier Notare sollen protokollieren.

[53:07] Und auch der Rektor der Thomasschule, Johannes Graumann, genannt Polyander, erreicht doch einen Teilerfolg. Er verhandelt nämlich, dass die Protokolle erst veröffentlicht werden dürfen, wenn es eine richterliche Entscheidung über den Gewinner gegeben hat. Und diese Instanz, diese Entscheidung liegt bei der Universität von Erfurt.

[53:35] Direkt vor der Disputation, am 27. Juni, am Montag, kommen dann auch noch Eck und Luther zusammen. Auch sie handeln noch einmal die Rahmenbedingungen aus. Dabei wird festgelegt, dass die Tatsache, dass Luther sich an ein Konzil gewandt hat, nicht debattiert werden soll. Auch soll in seine Akten nicht der päpstliche Stuhl vorgelegt werden. Und er wünscht sich als Entscheidungsinstanz Erfurt oder Paris. Und dann macht er diesen Punkt, dass er auch möchte, dass die Nicht-Theologen als Richter mit einbezogen werden, weil die meisten Theologen parteiisch sein. Und das wird dann auch wäre der Disputation noch mal diskutiert. Und weil dem nicht gleich entsprochen wird, hätte Luther beinahe noch seine Zeilen, aber jetzt noch abgesagt. Aber mit Mühe lässt er sich überreden, weil ansonsten der Eindruck entstanden wäre, dass er überhaupt gar keinen Richter mehr akzeptiert.

[54:23] Und so soll Herzog Georg jetzt entscheiden. Dann beginnt die Leipziger Disputation mit großem Zeremoniell. Viele Freunde aus Luther sind in der Johann-Lange-Stark-Anus aus Zwickau, Thomas Müntzer ist da, der sächsische Rat Hans von Planitz im Auftrag des Kurfürsten, der Rat Johann Rühl aus Mansfeld. Ein sogar aus Böhmen kommen Leute, um dabei zu sein. Auch der Herzog Georg ist teilweise persönlich zugegen. Der Bücher von Brandenburg hat ein Vertreter, den Art von Linien gesandt. Viele privaten Kleriker, männliche, die ganzen Professoren aus Leipzig, eine illustre Gruppe, die jetzt dieser Diskussion beiwohnen will. Nur die Dominikaner neben nicht teilen. Das hat Luther sehr bedauert, weil er gerade sie ihn besonders bekämpfen.

[55:08] Wetzel konnte auch nicht zahlen, weil er bereits todkrank ist, was wir da aber dann erst im Nachhinein erfährt. Der Jurist Simon Pistorius eröffnet das Ganze durch eine Begrüßung. Dann gibt es einen Gottesdienst in der Thomaskirche in Leipzig, wo der Thomaskantor eine extra neu komponierte, 12-stimmige Messe zu diesem Anlass aufführt. Sein Name ist Georg Rau. Und die Thomaner führen diese Messe jetzt anlässlich der Disputation auf.

[55:41] Danach geht es zur Pleißenburg in großen Prozessionen. Dort soll nämlich in der Hofstube die Disputation stattfinden. In der Universität gibt es keinen ausreichend großen Saal für alle Menschenmengen. Die Sicherheit wird besorgt durch 76 Bürger, die bewaffnet sind, die sozusagen ein Security bilden. Zwei Katheder stehen im Raum sich gegenüber und jeweils um die den Katheder gruppieren sich dann die Anhänger der Diskutanten. Man sagt dann, die Leipziger Theologen sitzen zwar weg, aber schlafen öfter auch mal einen ein.

[56:16] Eine Einleitung wird durch einen Leipziger Christen und Humanisten mit Namen Petrus Mosellanus ausgesprochen, der sich zuvor mit dem Herzog Georg abgesprochen und er bittet um eine vernünftige, eine besonnene, eine demütige Disputation. Weise und nennt Erasmus von Rotterdam als ein nachahmenswertes Vorbild. Georg ist erstaunt, dass man Theologen überhaupt erst zu einer demütigen Disputation ermahnen muss. Aber erst noch zeigen wird, war das nicht ganz ohne Grund.

[56:46] Und dann beginnt die Disputation zwischen Eck und Karlstadt und es geht zunächst um den freien Willen. Eck wandelt hier mehr, wechselt mehrmals seine Position. Bei Karlstadt kann das leider nicht ausgenutzt werden. Gerade auch, wenn es um die primären und sekundären Gründe des guten Handelns geht, ist Karlstadt im Grunde genommen eigentlich etwas zu schwach.

[57:13] Und während also in Leipzig jetzt diskutiert und debattiert wird, passiert gleichzeitig in Frankfurt etwas Weltentscheidendes. Am 28. Juni wird in Frankfurt Karl von Spanien zum neuen Kaiser gewählt. Karl der Fünfte, 19 Jahre ist er alt. Für ihn hat seine, wenn auch entfernte deutsche Abstammung gesprochen. Das ist propagandistisch aufgebläht worden. Er ist ja schon König über das große Spanien, das ja auch Sitzung in der neuen Welt hat, das eigentlich eine Weltmacht ist. Zudem auch Sizilien gehört und Süditalien und die Lombardei und die Niederlande und jetzt auch noch das Heilige Römische Reich. Er ist eigentlich der Herrscher eines Weltreiches.

[57:51] Er hat 852.000 Kunden dafür bezahlt. Das Geld hatte er selbst nicht und hat das meiste von den Vorgang geliehen, die jetzt natürlich großen Einfluss und Privilegien bekommen. Gleichzeitig haben die die verschiedenen Stände des Reiches gleich von Anfang an dem Karl Dinge abgetrotzt und Zugeständnisse, die Außenpolitik imap gefordert. Aber das Ganze bringt auch Verluste. Eine entscheidende Wende, weil Rom das Ziel nicht erreicht hat, Karl den Fünften zu verhindern.

[58:27] Und jetzt ist es auch egal, sozusagen. Jetzt muss man mit dem Leben. Jetzt braucht man den Kurfürsten Friedrich den Dritten, den friedlichen Weisen, nicht mehr. Muss keine Rücksicht darauf nehmen. Man muss sie nicht mehr politisch hofieren und man kann jetzt wieder mit voller Wucht sich der Luther-Sache annehmen. Und deswegen wird die ab diesem Tag jetzt wieder so brisant.

[58:47] Am 29. Juni gibt es eine kurze Pause, eine Tagespause bei der Leipziger Disputation. Und der Herzog Barnim von Pommern wünscht sich, dass doch ein Luther predigen könnte. Und das sieht man zwar nicht gern, aber kann es auch nicht verhindern. Weil die Schloßkirche nicht klein genug, nicht groß genug ist, wird auch diese Predigt im Disputationssaal ausgetragen und nicht wahrscheinlich nicht nur zufällig gibt es an diesem Tag einen besonderen Evangeliumstext.

[59:12] Ist ja damals so gewesen, dass in der Kirche für jeden Tag, für jede von ihnen Tag, bestimmt der Predigttext vorgesehen ist, über den die Prediger zu predigen haben. Und ausgerechnet an diesem Tag zu dieser Gelegenheit ist der Predigttext Matthäus 16, wo es heißt: „Als aber Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi gekommen war, fragt er seine Jünger und sprach: Für wen halten die Leute mich, den Sohn des Menschen? Die sprachen: Etliche für Johannes den Täufer, andere für Elia, wieder andere für Jeremia oder einen der Propheten. Er spricht zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Sohn des Jona; denn Fleisch und Blut hatte das dir nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Todes sollen sie nicht überwältigen.“

[1:00:12] Und dann heißt es hier weiter: „Und ich will dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben. Und was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.“ Das ist der Text, über den zu predigen ist. Und das ist eine Steilvorlage für Luther, der jetzt hier die Predigt hält und die Gelegenheit hat, seine gesamte Sicht des Papsttums und der Kirche, die er gewonnen hat, jetzt zu präsentieren, ohne dass man ihm den Vorwurf machen müsste, er hätte dieses Thema jetzt bewusst ausgewählt.

[1:00:41] Und so kann er zeigen, dass der Fels, auf den die Gemeinde gebaut ist, nicht Petrus ist und auch nicht ein Nachfolger von Pius, sondern Christus selbst die Gemeinde auf Christus gebaut. Und der Papst ist nicht über den anderen Bischöfen. All das führt er biblisch sehr deutlich aus.

[1:01:03] Diese Schlüsselgewalt ist nicht an Petrus gegeben, sondern allen Jüngern, wenn man die entsprechenden Parallelstellen dazu nimmt. Und so kann er seine Sicht der Kirche, die natürlich revolutionär ist, vortragen. Und Johannes Eck hört das und ist natürlich total entsetzt und sagt: Das ist eine böhmische Predigt. Er erzielt also eine direkte Verbindung zu der so verhassten, wäre sie der Hussiten, was Luther selbst natürlich so nie unterschrieben hatte. Zu dem Zeitpunkt, aber für Eck ist das klar, hier ist eine weitere Grenze überschritten.

[1:01:36] Am 30. Juni geht die Disputation zwischen Karlstadt und Eck weiter. Wer die gewonnen hat und wie das Ganze ausgehen, werden wir das nächste Mal sehen. Dann wird es heißen: Wer hat gewonnen?

[1:01:51] Juli bis September 1519. Bis dahin wünschen wir Ihnen Gottes reichen Segen und hoffen, dass Sie das nächste Mal wieder einschalten, wenn es heißt: Sola Veritas – die wahre Chronik der Reformation.


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