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Sola Veritas – Die Wahre Chronik der Reformation

500 Jahre ist die Reformation alt: wird sie fortgeführt oder begraben? Wie verhalten sich Luthers Erben und was wird aus seinen (Wieder)entdeckungen? All das sind wichtige Fragen. Doch beantworten kann sie nur, wer das Reformationsgeschehen selbst gründlich kennt. „Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation“ bietet weitaus mehr als die üblichen bekannten Zusammenfassungen und Anekdoten. Ausgehend vom Jahre 1482 wird alles chronologisch erzählt, was weltgeschichlich und biographisch (sowohl bezüglich Luther als auch vieler anderer, zum Teil sehr unbekannter Reformatoren) wichtig war. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Spätmittelalters, erleben sie das zaghafte Aufblühen von Wissenschaft und Kultur, verfolgen sie die Debatten um philosophische und theologische Streitfragen und entdecken sie Schritt für Schritt mit Luther und seinen Mitkämpfern befreiende biblische Wahrheiten. So wird Kirchengeschichte lebensnah und endlich gut verständlich…. Neue Folgen wöchentlich, bzw. wenn es die Zeit erlaubt. Ein Programm von www.joelmediatv.de

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Folge von Sola Veritas tauchen wir in die Jahre 1491 bis 1493 ein, das Zeitalter der Entdeckungen. Wir beleuchten bedeutende Ereignisse wie die Belagerung Granadas und das Ende der Reconquista in Spanien, die Geburt von wichtigen Persönlichkeiten wie Ignatius von Loyola und die Anfänge von Martin Luthers Schulzeit. Außerdem erfahren wir von den frühen Missionen im Kongo, der Entdeckung von Silber im Erzgebirge und den komplexen politischen Verwicklungen in Europa. Die Episode wirft auch einen Blick auf die tragische Verfolgung von Juden in Spanien und die Geburt von Erasmus von Rotterdam.


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Serie: Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation

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Transkript

[0:37] Herzlich willkommen zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation. Schön, dass Sie wieder eingeschaltet haben auf joelmedia.de zu unserer Serie über die Geschichte der Reformation. Auch heute wollen wir Jahr für Jahr chronologisch voranschreiten und sehen, was in der Weltgeschichte und im Leben von Martin Luther und vielen anderen Reformatoren passiert ist. Und wie wir das schon zur Gewohnheit haben wollen, wollen wir mit einem Gebet diesen Teil auch beginnen. Dazu lade ich Sie, liebe Zuschauer, ganz herzlich ein.

[1:09] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir jetzt zu dir kommen können und lernen können aus der Geschichte. Bitte sei du mit deinem Heiligen Geist gegenwärtig und gib uns die Erkenntnis, wie sehr du die Geschichte lenkst und wir daraus schlussfolgern können, wie sehr du auch unser Leben lenkst. Leid ist all das bieten wir im teuren Namen Jesu. Amen.

[1:47] Teil 4: 1491 bis 1493 – Zeitalter der Entdeckungen. Im Jahre 1491 wurde am 14. Februar Johannes Lehning in Butzbach, nördlich von Frankfurt, geboren. Auch er wird einmal eine Rolle spielen in dieser Reformationsgeschichte. Im April war es dann soweit: Der finale Angriff auf das immer weiter geschrumpfte Emirat von Granada sollte beginnen. Die spanischen Könige von Aragon und Kastilien hatten Stück für Stück in den letzten ungefähr zehn Jahren dieses letzte verbleibende Emirat, den letzten, die letzte Festung der muslimischen Bewohner Iberiens, also der Halbinsel Spaniens, siegt und verkleinert. Und jetzt blieb nur noch ein kleines Stück dieses Emirats um die Stadt Granada übrig. Am 11. April begann die Belagerung ebendieser Hauptstadt Granada.

[3:01] Von dem bekam man in Mansfeld natürlich relativ wenig mit. Hans Luther, der fleißige und arme Bergbauer, Vater von Martin Luther, war ein äußerst angesehener Bürger, obwohl er sehr arm war und die Familie wirklich zu knabbern hatte, dass sie über die Runden kam. War die Aufrichtigkeit und die Rechtschaffenheit von Hans Luther weit bekannt. Das führte dazu, dass er in jenem Jahr zu einem der vier Männer in Mansfeld wurde, oder in diesem Jahr als einer der vier Männer bekannt ist. Als Vierter Mann war man der Vorsteher sozusagen eines gewissen Stadtteils, eines Dorf-Teils, eines Viertels, und in dieser Funktion sollte also die Belange von bestimmt einigen hundert Bewohnern gegenüber dem Rat der Stadt vertreten. Was also zeigt, dass man ihm Vertrauen entgegenbrachte, diesem doch sehr strengen, aber sehr gläubigen und aufrichtigen Vater von Martin Luther.

[4:02] Der wurde eingeschult am 12. März 1491 oder 1490, je nachdem, mit welchem Geburtsdatum man arbeitet von Luther. Er war 17 Jahre alt und er ging dann in Mansfeld in die dortige Elementarschule. Die wurden damals Lateinschulen genannt, weil man von Anfang an den Kindern Latein beibrachte. Latein war die Sprache überhaupt für die Wissenschaft, für die Theologie. Das Latein damals war natürlich längst nicht mehr so brillant wie das klassische Latein, das noch 2000, 500 Jahre vorher gesprochen und geschrieben hatte und das man erst langsam wieder entdeckte durch den Humanismus. Aber das Latein war trotzdem eine Sprache, in der man auch in der spätmittelalterlichen kirchlichen Fassung doch recht präzise ausdrücken konnte. Und so sollte das von Anfang an den Kindern ein Gebäude werden. Schon der Unterrichtsbeginn war Latein gehalten. Man sang ein geistliches Lied, ein Kirchenlied, zum Beispiel "Komm, Heiliger Geist".

[5:12] Und trotzdem ging es in diesen Schulen nicht immer besonders friedlich zu, oder so, wie man es mit dem Heiligen Geist in Verbindung bringen würde. Die Kinder wurden oft geschlagen. Es gab ein ausgesprochenes Leistungsdenken. Der schlechteste Schüler bekam stets einen hölzernen Esel umgehängt, und wer nicht wirklich antworten konnte, der wurde oftmals regelrecht geprügelt. Die strenge hat vor allem dem sensiblen Martin sehr zugesetzt. Zunächst einmal mussten die Kinder natürlich das ABC lernen. Dazu gab es dann eine Fibel, man nannte sie deswegen auch die "Fibelisten". Und als man dann lesen konnte, so weit kam die Grammatik dran. Und da gab es dann ein Lehrbuch hier, das sogenannte "Ars Minor" von Elias Donatus. Deswegen nannte man dann die Kinder in jeder Klassenstufe oder in jedem Level die "Donatus-Tests". Und die mussten dann die Fälle, die Deklination, die Konjugation, all das lernen. Und wer Latein gehabt hat, der kann sich einen Spaß machen und hier auf diesem Video, bei dieser eingeblendeten Folie jetzt an auf Stopp drücken und sich das alles mal durchlesen. Das war ein einfaches Frage-Antwort-Prinzip, und das wurde den Kindern regelrecht eingebläut. Die mussten das auswendig lernen, ob sie es verstanden oder nicht.

[6:40] Dem Luther ist dann etwas ziemlich Dramatisches passiert. Er wurde als kleines, kleiner Schüler zu diesen Dingen befragt, bevor er sie gelernt hat im Unterricht. Und weil er nicht antworten konnte, weil er nicht konjugieren und deklinieren konnte, ist er mit 15 Schlägen bestraft worden. Und das hat den sensiblen Martin ganz schön mitgenommen, weil er natürlich zu Recht empfand: Das ist vollkommen ungerecht, jemanden zu bestrafen, weil er etwas nicht kann, was er noch nicht gelernt hat. Aber das war die Zeit.

[7:11] Es war den Schülern bei Strafe verboten, Deutsch zu sprechen. Es gab nur wenige Ausnahmen, wo dann der Lehrer mal bestimmte, besonders komplizierte Sachverhalte auf Deutsch erklärte. Aber normalerweise sollte Latein gesprochen werden. Und es gab ein regelrechtes Bespitzelungssystem, so dass ein Schüler, der sogenannte "Wolf", darauf achtete, dass seine Mitschüler bei aller Latein sprachen. Und er führte den sogenannten "Wolfszettel". Wenn er dann bemerkte, dass ein Mitschüler Deutsch redete, notierte er das und brachte dem Lehrer die Kunden. Und entsprechend gab es dann die Bestrafungen.

[7:51] Und Luther musste natürlich das Spiel hat darüber hat etwas später einiges geschrieben über diese schreckliche Schulzeit. Hier ein Originalzitat von ihm: "Da wir ihnen gemacht hat, sind über den Cavalli bus und temporale bus, da wird doch nichts, denn leider nichts als ein Luther deutsche Wichtiges gelernt haben, durch so viel Stolpern, Zittern, Angst und Jammer." Er hat bemerkt, dass er die überharte Strenge der Lehrer eigentlich sogar das Gegenteil bewirkt hat von dem, was man wollte. Man hat oftmals Dinge überhaupt gar nicht erst verstanden, wenn man so viel Angst hatte vor den Lehrern.

[8:33] Das Lesebuch in seiner Schulzeit zu müssen in den unteren Klassen war die das Thema "Moralia" von Dionysius Cato. Das waren so einfachste Sätzchen, so Sprüche, Sinnsprüche, Weisheiten. "Der Publica der betet zu Gott" oder "Parentes ama, liebe die Eltern" oder "Vitium fuge, halte dich vom Marktplatz fern". So einfachste Dinge, an denen dann die Schüler die ersten Kenntnisse der lateinischen Sprache üben sollen.

[9:03] Und den Kindern wurden auch natürlich verschiedene religiöse Dinge beigebracht. Kirche und Staat miteinander verknüpft. So lernte man zum Beispiel auch das Vaterunser auswendig, das "Pater Noster". Das in der lateinischen Fassung nicht ganz übereinstimmt mit dem Original, vor allem, wenn es um das Brot geht, das übernatürliche Brot oder das "super substantialem". Wir sehen, "Täglich" heißt aber eigentlich nur das tägliche Brot, ist, wie es im Deutschen heißt.

[9:34] Matthäus 6: "Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern, und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen." Das waren so einige der frühen religiösen Eindrücke, die Martin Luther in der Schule empfing.

[10:04] Es gab auch Schulgottesdienste, während deren die Liturgie eingeübt von ihnen ist, ihre Sponsoren und die verschiedenen Zeremonien der römischen Kirche. Luther hat dadurch, der Martin Luther, dadurch als Kind schon viele Glaubensinhalte kennengelernt, ohne dass er sie theologisch erklärt bekommen hat, sondern einfach durch die Gottesdienstpraxis. Und das war so diese ganz typische, weit verbreitete Volksfrömmigkeit, die das einfach so aufgenommen hat und durch das Gebet und durch das Singen und das pulsierende im Gottesdienst diese bruchstückhaften Ideen der Theologie, denen aufgenommen haben.

[10:45] Nun weiter im Jahr 1491. Am 3. Mai verzeichnet die katholische Missionare, die zuvor in den Kongo gereist und eine erste spektakuläre, ersten spektakulären Erfolg, der König von Kongo in Kourou und Zinga lässt sich taufen, mitsamt des Hofstaates. Und auch seine Frau besteht auf eine katholische Taufe. Er nennt sich jetzt in zu Ehren des portugiesischen Königs Georg V. der Erste. Und es kommt zu einem recht fruchtbaren kulturellen Austausch zwischen den Kongolesen und den Portugiesen, die dort auch reihenweise Rohstoffe und auch Sklaven dann zum Teil mit nach Portugal bringen.

[11:28] Am 31. Mai 1491 wird in La Jolla im Königreich Kastilien in Spanien an der Küste bei einer Gelegenheit ein Mann, ein Kind geboren, Diego López de la Jolla, später bekannt als Ignatius von Loyola. Im Jahre 1499 geboren.

[11:48] Im Herbst des Jahres 1490, am 28. Oktober, fand man im Erzgebirge Silber am Schreckenberg, und das löst den sogenannten "Großen Werkgeschrei" aus, fast so ein bisschen wie einen Goldrausch in späteren Zeiten. Und in Massen kamen Menschen, bevölkerten jetzt das vorher relativ dünn besiedelte Erzgebirge, und der Bergbau hatte absolute Hochkonjunktur, sowie auch ja im Harz, dort, wo Hans Luther tätig war.

[12:19] Am 7. November, Verzeihung, kam es zu einem Friedensvertrag zwischen Maximilian dem Ersten, dem Erzherzog von Österreich, und Ladislaus dem Zweiten, der als König von Böhmen und Ungarn ja jetzt regierte. Maximilian hatte, nachdem Wien wieder zurückerobert worden war vor den Ungarn, versucht einen Gegenangriff zu starten und war in ungarisches Gebiet eingefallen, konnte allerdings sich dort nicht behaupten, muss sich zurückziehen. Und so kam es zum Friedensvertrag. Und in diesem Friedensvertrag wurde festgehalten, dass die Österreicher den Ladislaus als König von Böhmen und Ungarn akzeptieren und auch garantieren, dass allerdings, sollte er keinen männlichen Nachfolger haben, dass er bricht an die Habsburger übergehen würde. Und das sollte sich noch als folgenschwere Vereinbarung erweisen.

[13:16] Am 11. November wurde in der damals recht bekannten und wichtigen Reichsstadt Schlettstadt im Elsass, die damals auch eine Hochburg des aufkommenden Humanismus war, Martin Putze geboren. Und dann ebenfalls im November kam es zu einer wirklichen desaströsen Aktion in Spanien. Etliche spanische Juden, einige von ihnen bereits zwangsweise bekehrt, übergetreten zum Christentum, wurden angeklagt, angeblich Monate zuvor ein christliches Baby am Karfreitag gekreuzigt zu haben. Es gab dafür keine Beweise, man hatte keinen Leichnam, man hatte keine Augenzeugen. Es basierte auf äußerst fragwürdigen Indizien. Dieser Prozess, der geführt worden ist, aber man befand dann zwei Juden für Hauptschuldig, die unter Qual und Tortur und Folterung ausgesagt hatten und sich gegenseitig beschuldigt hatten, in der Hoffnung, dadurch frei zu kommen, was man ihnen in der Inquisition versprochen hatte. Aber das war nur eine Falle, die die Inquisition gelegt hatte. Und so wurden dann am 16. November insgesamt neun Juden hingerichtet. Das bildete den Auftakt für eine beispiellose Judenverfolgung in Spanien, die dramatisch gewesen ist.

[14:47] Der Volkszorn wurde aufgewiegelt gegen die Juden, und das sollte noch weitreichende Konsequenzen haben. Thomas de Torquemada, der Großinquisitor für Spanien, der die spanische Inquisition leitete, nutzte diese Gelegenheit und ging jetzt mit Härte gegen Juden vor, vor allem auch gegen Christen, die ihren ehemaligen jüdischen Glauben immer noch geheim praktizierten.

[15:16] Am 25. November wurde in Uhingen in der Grafschaft Württemberg, Martin Class geboren. Und auch er, eine jemand, der später in der Reformationsgeschichte von Bedeutung sein wird. Und dann am 25. November war es soweit: Die spanischen Medien hatten den Belagerungsring so eng gezogen, dass die Muslime in Granada keine Chance mehr hatten, auszuhungern. Drohten und Mohammed der Zwölfte, der Emir von Granada, auch von den Spaniern Abu Abdeal genannt, übergab dann oder unterzeichnete die Übergabeurkunde, den Vertrag von Granada.

[15:56] Dort sagte man den Muslimen zu, dass sie in Granada bleiben könnten, in ihrem Gebiet, das ja auch von spanischer Seite Al-Andalus genannt war, und dass man niemanden zwingen würde, zum christlichen Glauben überzutreten. Und dass einige der Würdenträger auch in geringem Maße seine Herrschaft hier und dort ein lokal im Umfang erhalten dürften. Unter diesen Umständen oder diesen Bedingungen war der Emir bereit, die letzte Festung der Muslime in Westeuropa aufzugeben.

[16:26] Hier haben wir eine Kopie des Vertrages, der Weltgeschichte gemacht hat, durch diesen Umstand. Und schlechte Nachrichten gab es für Maximilian den Ersten. Er war ja verwitwet, nachdem der Herzog von Burgund, Karl der Erste, voll, gestorben war nach einem Reitunfall. Er hatte dann eine zweite Frau geheiratet, per Handschlag. Das war eine relativ gängiger Brauch, bei dem man nicht gegenwärtig war, sondern einen Stellvertreter geschickt hat. Und er hatte an die Briten geheiratet, eine Jugendliche noch, und die war noch gar nicht vollzogen worden, als er hörte, dass der französische König Karl der Achte, selbst noch relativ jung, genau diese Bretagne jetzt angriff und seine juristisch schon angehörte Frau Anne für sich beanspruchte, die quasi raubte und selbst heiratete. Das war deswegen auch problematisch, weil Karl der Achte eigentlich die Tochter von Maximilian heiraten sollte. Also ein ziemliches Durcheinander. Und für Karl stellt sich das so dar, dass er einfach Diana heiratete und den deutschen König Maximilian vor vollendete Tatsachen stellte. Löst du eine mögliche diplomatische Krise aus zwischen diesen Nationen.

[17:55] Ebenfalls aus dem Jahr 1490 stammt einer der berühmtesten Karten von Mitteleuropa, die sogenannte Cusanus-Karte. Hier kann man sich ein Bild davon machen, wie die Zeitgenossen Mitteleuropa war. In jener Zeit ebenfalls in diesem Jahr, auch wenn das Geburtsdatum nicht genau bekannt ist, wurde Peter Becker geboren in Köslin und Johann Lachmann in der freien Reichsstadt Heilbronn.

[18:25] Von Girolamo Savonarola ist zu berichten, dass er jetzt, nachdem er sich wieder in Florenz festgesetzt hatte, seit 1490, nachdem er zuvor ein paar Jahre auf Wanderschaft gewesen war, an anderen Orten, er jetzt 1491 zum Prior, das heißt zum Obersten des Dominikanerkonvents in Florenz wurde. Damit über war ihm jetzt die Leitung der theologischen Ausbildung übertragen, und er konnte wirklich effektive Reformen, die er vorher gepredigt hatte, anfangen durchzusetzen. Sein Einfluss wuchs und wuchs mit jedem Jahr.

[19:10] Eine Person, über noch vorstellen wollen, hier ist Jacques Lefèvre d'Étaples, auch bekannt unter dem lateinischen Namen Jacobus Faber Stapulensis, der an der französischen Universität in Paris, an der Sorbonne, Philosophie unterrichtet. Sein Alter ist nicht genau zu ermitteln, die Daten schwanken etwas, aber um 1491 oder nahm eine erste große Bildungsreise nach Italien. Lefèvre war einer der ersten Gelehrten in Frankreich überhaupt, der Altgriechisch gelernt hatte, und er hatte auch vorher Theologie studiert, war Priester gewesen, und er wollte jetzt in Italien sich mehr über den Humanismus noch informieren, diesen Humanismus besser kennenlernen. Und er kam nach Padua, die Republik Venedig, und hat dort große Einflüsse aufgenommen und Impulse mitgenommen. Und Lefèvre wird auch noch von großer Bedeutung sein. Wir halten ihn im Hinterkopf.

[20:04] Kommendes Jahr 1492, ein Jahr, das in mehrerer Hinsicht Weltgeschichte geschrieben hat. Schon am zweiten Januar wurde, wie im Vertrag von Granada vorgesehen, die Stadt Granada übergeben. Der Emir zog mit dem letzten Aufgebot hinaus, und die katholischen Könige von Aragon und das Ziel, die spanischen Könige, übernahmen jetzt diese letzte Bastion der Iberischen Halbinsel, die letzte muslemische Bastion. Damit waren 800 Jahre Islam in Spanien beendet. Die Reconquista, die Wiedereroberung der Iberischen Halbinsel, war zu Ende gekommen.

[20:47] Nur wenige Tage später traf dann Kolumbus die beiden Könige in Córdoba und schlug ihnen jetzt persönlich die Expedition vor, die schon so oft sowohl in Portugal als auch am spanischen Königshof abgelehnt worden war. Und diesmal waren die Könige einverstanden und sie erlaubten ihm diese Expedition, das Unternehmen und sagten ihre Unterstützung zu.

[21:18] Es waren dieselben Könige, die nur kurze Zeit später, am 31. März, eine schreckliche tätig ließen, das sogenannte Alhambra-Edikt. Damit wurden alle Juden in Spanien aufgefordert, das Land binnen 23 Tagen, binnen vier Monaten sogar, wenn vier Monate, zu verlassen. Und damit setzte eine der größten Bewegungen des jüdischen Volkes in der Geschichte fast...

[21:53] Und naja, alle Juden, die sich nicht taufen lassen wollten, wurden damit aus dem Land verwiesen. Das betraf auch Leute wie Isaac ben Juda Braband, von dem wir in der ersten Folge schon hören, der als Berater am Königshof tätig war, als Finanzier und vermutlich auch mit Kolumbus verhandelt hat. Er versuchte, seinen Einfluss und auch sein Geld einzusetzen, um irgendwie hier noch zu verhandeln, aber all das scheiterte. Die Inquisition hatte so einen starken Griff auf diese sogenannten katholischen Könige, dass auch er nichts ausrichten konnte und er sich überlegen musste, wohin er jetzt fliehen sollte.

[22:36] Die spanischen Könige waren also bereit, zum Teil ihre besten Leute aus dem Land zu verweisen, weil sie nicht den richtigen Glauben hatten, ihrer Meinung nach. Tatsächlich mussten Juden ab dieser Zeit sogar ein besonderes äußeres Erkennungsmerkmal tragen, so dass man die Juden sofort erkennen konnte. Und da sieht man schon, wie weit zurück dieser Juden Hass, der später in der deutschen Geschichte gesehen hat, zurückgeht in das Mittelalter. Eine ziemlich traurige und dramatische Geschichte.

[23:04] Am 4. April 1492 wurde Ambrosius Blarer geboren in Konstanz. Sein Vater war Kaufmann und Ratsherr, also kam aus der Oberschicht. Und auch ihn werden wir weiter verfolgen, dieser Serie, genauso wie einen jungen Mann, der 1491 schon in seinen frühen 20ern war, ein Mann, der in den Niederlanden geboren war, der Rase in Rotterdam. Höchstwahrscheinlich deswegen ist auch später sein Name so gewesen. Sein Name war Erasmus. Und im Jahre 1492 wurde er zum Priester geweiht.

[23:40] Seine Geschichte ist interessant. Der war der Sohn eines Priesters aus Gouda in den Niederlanden, ein unehelicher Sohn. Die genauen Verhältnisse seiner Geburt etwas verworren. Wohl hat sein Vater seine Mutter kennengelernt, sie hatten... Der Vater hat ihm, hat seine Freundin geschwängert und bevor sie gerettet haben, was damals eine Schande war, natürlich. Und glaubte dann, hat sich dann von ihr getrennt, ist nach Rom gegangen, hatte gehört, dass sie gestorben sei. Und sein Vater hatte dann den Schritt ins Kloster gegangen, hatte das Zölibat geschworen, um dann herauszufinden, um herauszufinden, dass die vermeintlich tote Freundin doch noch lebte. Und so zog man gemeinsam den Erasmus auf, ohne zu heiraten, weil der Vater seinem Tod treu bleiben wollte. Beide Eltern starben relativ früh, und der junge Erasmus ist dann auf Drängen auch der Verwandten in so ein Kloster gegangen, nicht als Mensch, sondern als Kanoniker.

[24:54] Das war jemand, der auch in einer kirchlichen Institution an der Liturgie teilnahm und dort sozusagen sein Leben verbrachte, ohne ein echter Priester zu sein. Erasmus war den Augustiner Chorherren beigetreten. Das war ein regulärer Canonica, weil sie nach einer Ordensregel tatsächlich lebten, da dieser Regel deswegen "Regula Canonica". Und Erasmus war ein äußerst brillanter junger Mann, dem dieses kirchliche Leben, dieses Ordensleben überhaupt nichts sagte. Er hatte einen äußerst scharfen Humor, ein brillanter Satiriker. Und schon einer seiner Lehrer, als er noch ein Kind war, hatte gesagt: "Dieses Kind wird den höchsten Gipfel der Bildung erreichen." Jetzt war er erstmal zum Priester geweiht und da erstmal keine andere Zukunft als in der Kirche.

[25:47] zukunft als in der Kirche, die vorgeschriebenen Gebete und Lesungen zu feiern. Übrigens war einer seiner Lehrer als Kind auch Agricola gewesen, der Rudolf Agricola, von dem wir hier schon auch in der Serie gesprochen hatten, als dem deutschen Pionier des Humanismus, von dem Erasmus einige wichtige Impulse aufgenommen hatte.

[26:10] Am 17. April 1492 schloss Columbus einen Vertrag mit den Königen von Spanien, die sogenannte Kapitulation von Santa Fé. Will mich auf dem Bild sehen können? Und da nahm er sich einige Rechte heraus, die alle bestätigt wurden, nämlich, dass wenn er Land entdecken würde, dass er sich Admiral des Ozeans nennen dürfte, was gleich eine Erhebung in den Adelsstand bedeutete. Er dürfte den Titel Vizekönig und auch Generalgouverneur tragen und dürfte sich dann doch nennen und verschiedene andere Rechte, wie zum Beispiel, dass er der oberste Richter über alle Streitigkeiten in den neu entdeckten Ländern sein dürfe. Und das haben die Könige alles unterschrieben.

[26:52] Am 25. Juli starb dann der Papst Innozenz VIII., der diesem infamen Kreuzzug gegen die Waldenser geführt hatte, von dem wir letztes Mal gehört haben. Und das Spannende an dieser Sache war, dass sein Todesdatum exakt wohl vorhergesagt worden ist von Girolamo Savonarola im kleinen Kreis. Als das bekannt wurde, begannen die Leute zu glauben, dass es sich bei Savonarola um einen echten Propheten handelte und er bekam jetzt einen immensen Zulauf und war weit über die Grenzen von Florenz, das er ohnehin recht bekannt war, und weltberühmt ein bekannter Mann und Prediger.

[27:37] Am 31. Juli lief dann das Ultimatum für die taufunwilligen Juden Spaniens ab und viele von ihnen gingen nach Portugal, andere in das Osmanische Reich oder in andere Länder Europas. Der osmanische Sultan Bayezid II. sah die Gelegenheit und bot an, viele Juden mit Schiffen in sein Reich, ins Osmanische Reich, bringen zu lassen, vor allem nach Thessaloniki und nach Izmir. Und er soll gesagt haben, dass die spanischen Könige sehr töricht seien, wenn sie ihre besten Bürger aus dem Land vertreiben, um sie in die Hände des ärgsten Feindes zu geben.

[28:13] Auch Aravane musste fliehen oder ging zunächst einmal in das Königreich Neapel, wo er dort als Berater des Königs tätig wurde. Am 3. August war es dann soweit: Christopher Colombo oder Christoph Kolumbus, besser bekannt unter diesem Namen, begann mit drei Schiffen seine Reise gen Westen im Dienste der Krone von Kastilien. Hier die Karte, die er verwendet. Und das dauert natürlich einige Tage und Wochen, erstmal jetzt über diesen Atlantischen Ozean zu segeln.

[28:52] Währenddessen trafen sich die Kardinäle in Rom in der Sixtinischen Kapelle. War das erste Konklave, das in dieser Kapelle stattfand, und es waren zwei Kardinäle, die großen Einfluss ausübten und die zwei gewaltige Aktionen gegeneinander führten. Der erste war Giuliano della Rovere, wäre 48 Jahre alt und Neffe des vorhergehenden Papstes, nämlich von Sixtus IV., der auch die Sixtinische Kapelle erbaut hatte. Und er wurde von einigen der mächtigsten Nationen der damaligen Zeit unterstützt: von Venedig, Florenz, Neapel und vor allem auch von Frankreich. Er war ja bereits in der Regierungszeit des letzten Papstes Innozenz VIII. der eigentliche Strippenzieher hinter den Kulissen.

[29:38] Wahl des neuen Papstes. Ein recht glücklicher und schwacher Papst war und er war eigentlich prädestiniert, jetzt die Rolle des Papstes zu übernehmen. Auf der anderen Seite, die Gegner wurden angeführt von Ascanio Sforza, der war Bruder des Herzogs von Mailand. War allerdings zu jung, um selbst Papst zu werden. Außerdem war seine Nähe zum herzoglichen, zum Mailänder Herzog, etwas problematisch. Und so kam man auf eine interessante Idee: Er wollte zwar formal auf den Papsttitel verzichten, aber quasi Papst im Hintergrund werden und jemand anderes sollte quasi ein Marionettenpapst führen werden. Und zwar derjenige, der bereits als Reichskanzler fungiert hatte. Sein Name war Rodrigo Borgia.

[30:28] So sagt es hier Giovanni Lorenzo der Humanist, der Vizekanzler oder Ascanio haben den Weltkreis untereinander aufgeteilt und zwar wie folgt: Der Vizekanzler soll Papst werden, Ascanio, aber über Papst Rodrigo Borgia oder auch Russland, soll de Bahia, wir eigentlich mit katalanischem Namen hieß, weil er aus Spanien kam, wurde dann tatsächlich nach Zahlung immense Gelder und Bestechungssummen Papst. Tatsächlich wird berichtet, dass allein die Familie Sforza vier Esel Ladungen mit Gold bekam, die am hellichten Tag völlig ungeniert in die Burg des Herzogs Sforza hinein gebracht wurden.

[31:17] Es war allgemein bekannt, dass Roger, der als einer der reichsten Europäer überhaupt Geld, weil er gleich 30 Bistümer unter sich hatte und all die Freunde kassierte. Das ist diese Wahl eindeutig gekauft hatte. Er wählte den Titel Alexander VI. in Anlehnung an Alexander den Großen und entsprechend waren seine Ambitionen. Mit ihm ging das Papsttum, was die Moral angeht, vielleicht auf ein Allzeittief.

[31:50] Bei seiner Krönung gab es folgenden Text: Und das ist keine Erfindung, sondern geschichtlich verbirgt. Rom hat groß einen Caesar gemacht, nun hebt Alexander kühn es zum Gipfel empor. Mensch, jeder dieser ein Gott. Er wurde bei seiner Krönung tatsächlich als Gott bezeichnet, und das, obwohl er schon als Prälat als ein äußerst unmoralischer Geistlicher galt, der das auch noch ganz offen zur Schau stellte, wie viele Renaissance-Geistliche seinerzeit, die kein Problem hatten, sich hier mit der Geliebten ganz öffentlich zu zeigen und sogar das auch bei Alexander.

[32:28] Und naja, diese Worte erinnern natürlich an die Warnung von Paulus über den Mann der Sünde, da kommen würde. Ein zweiter Thessalonicher 2, Vers 4, wo es heißt: Er ist der Widersacher, der sich erhebt über alles, was Gott oder Heiligtum heißt, so dass er sich in den Tempel Gottes setzt und vorgibt, er sei Gott. Das Papsttum war hier wirklich auf dem tiefsten Stand seiner Geschichte herabgesunken.

[32:56] Am 24. August desselben Jahres wurde Bartholomäus Riesenberg in Miesen geboren und Michael Syrus ab 7. September als Sohn eines Bäckers in Döbeln im Herzogtum Sachsen und Georg Röhrer in Deggendorf am 1. Oktober. Also alles Männer, die noch eine Rolle spielen werden.

[33:20] Und dann am 12. Oktober war es soweit. Nach langer Reise, die bei einer kurz zuvor abgebrochen wäre, weil die Mannschaft schon Leute und Angst hatte, dass man vielleicht doch noch über den Rand hinunterfallen könnte, weil man sich nicht sicher war, ob die Welt wirklich eine Kugel ist, erreichte Christoph Kolumbus am 12. Oktober Land. Wo Anarchie, nannte man das damals. Heute nennen wir diese Inselgruppe die Bahamas. Und er glaubte natürlich Ostasien erreicht zu haben. Und Ostasien galt damals als Name war Indien. Deswegen benannte er die Ureinwohner einfach als Indianer und glaubte, er hätte hier Ostasien erreicht.

[34:09] Tatsächlich war er der Entdecker des neuen Kontinents, zumindestens für das christliche Abendland. Es ist mittlerweile heute erwiesen, dass die Wikinger schon viele Jahrhunderte vorher dort gewesen sein müssen. Und von diesen ersten Inseln, die San Salvador nannten, ging er dann weiter und entdeckte, dass die große Insel, die wir heute Kuba nennen. Und hier sahen seine Männer zum ersten Mal Tabak und rauchende Ureinwohner. Bis dahin war das vollkommen unbekannt in Europa gewesen.

[34:42] Und das hätte man eigentlich auch unbekannt sein lassen können. Und so wurde Kuba entdeckt. Und naja, am 7. November kam es zu einem Zwischenfall in Deutschland, der sogenannte Meteorit von Ensisheim sorgte für eine Sensation. Hier eine zeitgenössische Grafik dieses Gesteinsbrockens, der buchstäblich vom Himmel fiel und einen kleinen Krater hinterließ.

[35:11] Das neu erworbene Granada sollte jetzt durch die spanischen Könige missioniert werden. Es wurde ein neues Erzbistum geschaffen, das Erzbistum Granada. Und als erster Erzbischof wurde Hernando de Talavera eingesetzt. Der war 64 Jahre alt und ein Mann von Prinzipien. Er wollte nicht, dass die Moslems mit Gewalt zum Christentum übertreten, sondern er wollte tatsächlich mit guter Lehre überzeugen. Er ließ ein Lehrbuch eigens dafür anfertigen und ermutigte sogar katholische Geistliche, Arabisch zu lernen, um den Moslems eine Brücke bauen zu können. Aber das stieß zum Teil auf großen Widerstand innerhalb der kirchlichen Kreise und er hatte Probleme, diesen Kurs dann so fahren zu können.

[36:04] Am 5. Dezember ging dann die Reise von Columbus weiter. Er erreichte die Insel Hispaniola, die ja ebenfalls dort entdeckte. Und dann am 25. Dezember, 20 Tage später, erlitt sein Flaggschiff, die Santa Maria, Schiffbruch dort vor der Insel. Ein Teil der Besatzung blieb auf der Insel zurück. Man nannte den Ort La Navidad, weil es zu Weihnachten gewesen war. Und der Rest segelte dann weiter.

[36:39] Ebenfalls interessant im Jahre 1492: Die Tatsache, dass Friedrich III., Kurfürst von Sachsen, als erster sächsischer Herrscher begann, Münzen zu prägen, die seinen sein eigenes Antlitz, sein Gesicht, sein Porträt auf diesen Münzen hatten. Auch Ausdruck eines gewissen Selbstbewusstseins, dass dieser junge Kurfürst hier an den Tag legte.

[37:06] Eine Kuriosität stellt auch der erste Globus dar, der 1492 konstruiert wurde von Martin Behaim. Freilich da noch ohne die Kenntnis des gerade neu entdeckten Kontinentes. Und er nannte ihn den sogenannten Erdapfel. Also diese Idee, dass die Erde eine Kugel hat, hatte sich schon hier und dort durchgesetzt, auch wenn natürlich die Proportionen auf dieser Karte an manchen Stellen noch ziemlich daneben waren.

[37:35] Und noch eine kleine Kuriosität aus dem Jahre 1492: Nicht nur wurde Amerika entdeckt, sondern auch die Kehrwoche eingeführt. In Stuttgart, hier der Landesherr aus Württemberg gab an folgende Satzungen: Damit die Stadt rein erhalten wird, soll jeder seinen Mist alle Wochen hinaus führen. Die Kehrwoche datiert ebenfalls aus jenem schicksalsträchtigen Jahr 1492.

[37:59] Ebenfalls in diesem Jahr geboren sind Wilhelm Lesen aus den acht Städten in Hessen und Jörg Jacob aus Bonaduz aus der Schweiz im Kanton Graubünden. Und das sei jetzt hier besonders vermerkt: Angela von Stauff, eine Frau, die eine große Rolle der Reformation spielen wird, auf der Burg Ehrenfels. Ihr Vater war ein Reichsfreiherr, sie kam also aus höherem Stande. Und wir werden auch sie weiter verfolgen.

[38:30] Berthold Halle wurde in Aldingen in der Grafschaft Württemberg ebenfalls geboren. Und wie schon angedeutet, nach der korrekten Prophezeiung über das Todesdatum des Papstes Innozenz VIII. war der Ruhm von Savonarola nicht mehr aufzuhalten. Viele glaubten, er sei kein Prophet. Und er beschrieb, dass er Träume gehabt habe, in denen Rom verwüstet worden sei.

[38:54] Seine Prophezeiungen und seine Predigten gegen die Missstände in der Kirche wurden immer drastischer und feuriger. Er predigte mittlerweile ganz offen eine Theokratie unter Jesus anstelle des Gruppenkirchenregimes.

[39:14] Auch in diesem Jahr wohl unterwegs sind die Zahlen in, besuchte Rom, Venedig, Florenz und setzten sich dort auch vor allem intensiv mit Aristoteles, dem alten griechischen Philosophen, auseinander, der in der Theologie auch seinerzeit eine große Rolle spielte. Wer mehr noch zu sagen hat in den kommenden Folgen, aber der auch von den Humanisten neu entdeckt wurde, nämlich losgelöst von dem von seiner Verbindung zur kirchlichen Lehre. Und der Louvre hat hier wichtige Impulse aufgenommen, die später zu diskutieren gilt.

[39:46] Kommendes Jahr 1493. Am 6. Januar wurde Olaf Petry, geborene Feren, Schweden in Europa. Und am 16. Januar begann dann Columbus seine Rückreise nach Europa. Dauerte einige Wochen, bis er dann am 4. März 1493 Lissabon erreichte und die Kunde sich jetzt in Windeseile in Europa verbreitete, dass dort diese abenteuerliche, spektakuläre Aktion des Columbus tatsächlich Erfolg gehabt habe.

[40:26] Und am 15. März, also sonder Wochen später, erreichte er dann anderthalb Wochen später, erreichte er dann den spanischen Hafen Carlos de la Frontera. Und dort, wo er aufgebrochen, dort kehrt er wieder zurück. Er schrieb einen Brief an die spanischen Könige, an Ferdinand von Aragon und Isabella von Kastilien und berichtete davon, dass er jetzt Gold liefern könnte, so viel sie bräuchten, und des Sklaven, so viel sie nachfragten. Und er würde gern eine neue Expedition starten, um das dann mitzubringen.

[41:00] Und die Könige waren ganz begeistert. Diesmal bekam man nicht drei, sondern 17 Schiffe und 1500 Leute für diese neue Expedition, die noch in diesem Jahr losgehen sollte. Diese Neuigkeiten, die jetzt den Kontinent überraschen: Ein Weg nach Indien ist gefunden, so glaubte man. Neue Gebiete Richtung Westen, die entdeckt worden sind.

[41:29] Das sorgt jetzt natürlich auch für die Frage: Wem sie gehören? Und der Papst selbst, Papst Alexander VI., ließ jetzt in zwei Bullen vom dritten und vierten Mai diese Frage klären. In der ersten Bulle, am 3. Mai, die wahrscheinlich aber zurückdatiert ist, hat er sämtliche Gebiete, die Kolumbus entdeckt hatte, der spanischen Krone übergeben und die spanische Krone auch mit der Missionierung dieser Gebiete beauftragt.

[41:59] Gleichzeitig, weil er natürlich wusste, dass die Portugiesen neidisch sein könnten, weil die auch eine große Seefahrernation waren und sie natürlich vermutlich etwas geärgert haben, dass sie dem Columbus nicht geglaubt hatten. So hat er den Portugiesen auch weitere Privilegien für Afrika gegeben, wo die Portugiesen in den letzten Jahren ja relativ viel entdeckt hatten.

[42:19] Am einen Tag später, am 4. Mai, in der berühmten Bulle Inter Caetera, teilte dann Alexander VI. einfach die Welt auf anhand einer Linie, die er jetzt zog auf der Landkarte. Und alles westlich davon würde Spanien gehören und östlich davon Portugal.

[42:38] Das war natürlich deswegen auch wichtig, weil es schon zuvor Verträge gegeben hatte, die auch von Päpsten bestätigt worden waren, die zum Teil noch etwas andere Regelungen vorgesehen hatten, wo es vor allem im Norden und Süden ging. Und jetzt sollte deutlich werden, dass es in bestimmten Längengraden, alles was westlich, der spanischen Krone gehört. Und das hat natürlich weitreichendste Folgen für die kommende Geschichte.

[42:59] Spanien stand in dieser Zeit als die Weltmacht überhaupt dann mit einem ungeheuren Potenzial, das man jetzt ausspielen konnte. Ebenfalls aufgeteilt wurde noch einmal die Frage von Burgund, wie wir das ja schon in der ersten Folge mal besprochen hatten. Dem Maximilian wurden noch einige Gebiete zurückgegeben von Karl VIII., nachdem es ja auch diese Krise gegeben hatte. Und damit verschob sich jetzt die Grenze des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation so weit nach Westen, wie ihn niemals zuvor.

[43:43] Am 5. Juni wurde Jobst Koch in Nordhausen geboren. Sein Vater war Zunftmeister und damit auch ein Mitglied der Oberschicht in jeder Stadt. Und am 8. Juni musste sich der alte Kaiser Friedrich, der schon 77 Jahre alt war, jetzt einer Operation unterziehen. Sein linkes Bein war krank geworden, es hat angefangen zu faulen und ein ganzes Teil war schon abgefallen und man musste das Bein amputieren.

[44:19] Und wenn man mag sich das gar nicht richtig vorstellen, aber die Wahrheit ist, man hat ihm das linke Bein amputiert, ohne ihn zu betäuben, bei vollem Bewusstsein. Und es gibt sogar ein Bild davon. Und wer starke Nerven hat, der darf sich anschauen. Man sieht den König hier auf seinem Thron mit Kohle und viele Männer und Menschen, die ihn festhalten, vermutlich nicht nur unterstützen, wirklich festhalten. Und dann sieht man dort zwei mit einer Säge, die sägen buchstäblich ihm das linke Bein unten ab.

[44:59] Das war der Stand der Medizin 1493. Und die Operation verlief sogar erfolgreich, wenn man das so sagen darf. Aber tragisch war es trotzdem. Auf jeden Fall am 25. Juni hob der Papst Alexander noch einmal eine Bulle hinterher, mit dem spezifischen Auftrag an die spanischen Könige, die neu entdeckten Gebiete dort von Kolumbus zu missionieren.

[45:33] Und dann einige Monate nach der Operation starb dann Friedrich der Kaiser doch an den Folgen dieser Amputation. Und sein Sohn Maximilian, der schon gewählter König war, wurde jetzt Alleinherrscher, römisch-deutscher König und Erzherzog über Österreich in alleiniger Verantwortung.

[46:00] Am 9. September kam es zu einer folgenreichen Schlacht in Kroatien. Kroatien gehörte damals zu Ungarn in Personalunion und die Osmanen waren weit vorgerückt in kroatisches Gebiet. Es kam zur Schlacht auf dem Krbava-Feld in der Nähe der österreichischen Grenze. Hier ein zeitgenössisches Bild. Die Osmanen siegten. Die kroatische Armee, die fast ihren gesamten Adel in der Reiterei verlor und dadurch weitreichende Kroatiens jetzt an die Osmanen abgetreten werden mussten, hatte weitreichende Konsequenzen für Kroatien.

[46:42] Am 25. September begann dann Columbus diese zweite, viel größer ausgestattete Reise, die entdeckten Gebiete wieder zu besuchen, von Cádiz aus. Und einen Tag später erließ der Papst seine vierte Bulle, die noch einmal die anderen drei Bullen zusammenfasste und die neuen Besitzansprüche in der neu entdeckten Welt regeln sollte.

[47:07] Nach einigen Wochen des Reisens kam Columbus dann wieder dort in der Karibik an, etwas südlicher als beim ersten Mal. Er entdeckt dort unter anderem Dominica oder auch Guadeloupe am dritten und vierten November. Dort lernt die Europäer auch zum ersten Mal die Ananasfrucht kennen. Und bei einigen dieser Entdeckungen gab es dann auch erste Zusammenstöße gewaltsamer Natur mit den Ureinwohnern, z.B. auf Santa Cruz.

[47:44] Und naja, am 23. Dezember, einen Tag vor Weihnachten, veröffentlichte Hartmann Schedel seine berühmte Weltchronik, die noch einmal hier den mittlerweile überholten Stand der Wissenschaft auf der Karte zeigt, was die Kartographie der Welt betrifft. Am 27. Dezember wurde Johann Pfeffinger geboren in Wasserburg am Inn. Und all diese Personen werden noch ihre Rolle spielen in der sich entwickelnden Geschichte der Reformation.

[48:15] In Schlettstadt, wie gesagt, einer bekannten und damals berühmten humanistischen Stadt im Elsass, kam es dann zu einem kleinen Aufstand. 1493, 110 Verschwörer aus der Kosten, aus dem Stand der Bauern kamen zusammen und sie wählten sich als Symbol einen den Bundschuh. Und sie traten gegen soziale Ausbeutung auf. Und dieser Aufstand wurde dann zu einer Keimzelle von immer wieder neu entstehenden Bauernaufständen, die wir noch sehen werden.

[48:53] 1493 malt ein junger Maler dieses Selbstbildnis von sich, erst auf der Wanderschaft. Und sein Name ist Albrecht Dürer. Ebenfalls im Jahr 1493, mit unbekanntem Datum, wird Peter Schade in Bruck an der Mosel geboren und Simon Green in Veringendorf hier auf der schwäbischen Alb.

[49:17] Und Erasmus erlebt einen wichtigen Punkt in seinem Leben. Ein Jahr, nachdem er zum Priester geweiht worden ist, darf er das Kloster zumindest erstmals zeitweise verlassen. Der Bischof von Cambrai sucht einen Mitarbeiter, der gut in Lateinisch und einen ausgebildeten, gebildeten Mann ist. Und Erasmus bekommt den Job.

[49:41] Er bekommt dann einen Dispens, eine Erlaubnis für eine gewisse Zeit, seiner geistlichen Tätigkeit nicht nachgehen zu müssen als Kanoniker. Und für ihn bedeutet das einen Befreiungsschlag. Er muss nicht diese diesem religiösen, diesem Motto gene sind Zeremonien eingeengt leben, sondern kann das tun, was er am liebsten tut, nämlich wissenschaftlich arbeiten, denken und beraten. Und das ist ein erster Schritt auf seiner Karriereleiter, die wir verfolgen wollen.

[50:11] Den nächsten Teil dieser Serie. Die letzte Geschichte für heute stammt von Friedrich III., der in jenem Jahr 1493 eine längere Reise unternahm und zwar in das sogenannte Heilige Land, nach Palästina. Das war zu jener Zeit fast so ein bisschen ein Sport. Die Adligen machten Tourismus dort in dem Land der Bibel.

[50:36] Und auch Friedrich III. ließ sich das nicht nehmen und ist dort in Jerusalem auf dem Berg Zion zum Ritter geschlagen worden. Das war damals relativ üblich, viele haben das machen lassen. Er wurde dann Mitglied des Ritterordens vom Heiligen Grab von Jerusalem.

[50:58] Und dort aus diesem Heiligen Land nahm er etliche Reliquien mit, unter anderem auf der Rückreise auf der Insel Rhodos. Da erwarb er den angeblichen Daumen der Heiligen Anna, die Heilige Anna, das war die vermeintliche Mutter von Maria, die dann Jesus...

[51:15] Mutter von der Maria, die dann Jesus geboren hat, und diese Reise hat in ihm wirklich diesen Wunsch geweckt, Reliquien zu sammeln. Er war ein richtiger, eine richtige Sammelleidenschaft ist das geworden und die Erwerbungen von 1493 bildeten den Grundstock und auch ein wichtiges Ereignis, das sich später in der Evolutionsgeschichte mit einfügen wird.

[51:45] Eine Sache hat Friedrich umgetrieben. Obwohl er so ein wirklich starker Anhänger der Kirche war und täglich in die Messe ging und Reliquien gesammelt hat, war er trotzdem auch an dem Humanismus interessiert. Er wollte den bestmöglichen akademischen Standard auch in seinem Territorium haben.

[52:07] Das Problem war nur, es gab keine Universität im Kurfürstentum Sachsen. Es gab zwar eine sächsische Universität in Leipzig schon seit etlichen Jahrzehnten, aber die gehörte ja jetzt seit der Leipziger Teilung, seitdem Sachsen als Kurfürstentum an das Herzogtum geteilt war, in das Herzogtum und war nicht mehr unter seiner Ägide.

[52:29] Und so überlegt er sich eine neue Universität zu gründen. Diese Pläne datieren zurück auf 1493. Die Frage war, wo? Und seine Idee war in dem kleinen Dorf, das gleichzeitig die Hauptstadt seines wichtigen Reiches war, nämlich in Wittenberg eine Universität zu gründen.

[52:47] Und dieser Gedanke allein schon ist der Reformationsgeschichte pur. Was daraus geworden ist, sehen wir dann in der nächsten Folge. Dann heißt es: Feuer und Briefe 1494 bis 1496. Bis dahin wünschen wir Ihnen, liebe Zuschauer, Gottes Segen und hoffen, dass Sie uns treu bleiben und in der nächsten Woche wieder einschalten, wenn es heißt: Sola Veritas – die wahre Chronik der Reformation.


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