Diese Folge von „Sola Veritas“ beleuchtet die Jahre 1501 und 1502 und konzentriert sich auf die Anfänge von Martin Luthers Universitätsstudium in Erfurt. Der Vortrag thematisiert die akademische und gesellschaftliche Situation der Zeit, die Struktur des Studiums der sieben freien Künste und die Bedeutung von Aristoteles. Darüber hinaus werden historische Ereignisse wie das Jubeljahr 1501, die Zensur religiöser Drucke und die skandalösen Machenschaften von Papst Alexander VI. thematisiert.
Sola Veritas: 8. An der Universität (1501-1502)
Christopher Kramp · Sola Veritas - Die wahre Chronik der ReformationPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Sola Veritas – Die Wahre Chronik der Reformation
500 Jahre ist die Reformation alt: wird sie fortgeführt oder begraben? Wie verhalten sich Luthers Erben und was wird aus seinen (Wieder)entdeckungen? All das sind wichtige Fragen. Doch beantworten kann sie nur, wer das Reformationsgeschehen selbst gründlich kennt. „Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation“ bietet weitaus mehr als die üblichen bekannten Zusammenfassungen und Anekdoten. Ausgehend vom Jahre 1482 wird alles chronologisch erzählt, was weltgeschichlich und biographisch (sowohl bezüglich Luther als auch vieler anderer, zum Teil sehr unbekannter Reformatoren) wichtig war. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Spätmittelalters, erleben sie das zaghafte Aufblühen von Wissenschaft und Kultur, verfolgen sie die Debatten um philosophische und theologische Streitfragen und entdecken sie Schritt für Schritt mit Luther und seinen Mitkämpfern befreiende biblische Wahrheiten. So wird Kirchengeschichte lebensnah und endlich gut verständlich…. Neue Folgen wöchentlich, bzw. wenn es die Zeit erlaubt. Ein Programm von www.joelmediatv.de
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Serie: Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation
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Transkript
[0:33] Herzlich willkommen zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation. Heute mit der achten Folge unserer Serie über die Geschichte der Reformation. Wir wollen heute zwei weitere Jahre betrachten, das Leben von Martin Luther und andere Reformatoren weiter verfolgen und auch Notiz nehmen von den Ereignissen der Weltgeschichte drumherum. Und nach unserer Gewohnheit wollen wir mit einem Gebet beginnen und dazu lade ich Sie, liebe Zuschauer, ganz herzlich ein.
[1:06] Lieber Vater im Himmel, wir danken dir, dass wir aus der Geschichte lernen dürfen. Wir danken dir, dass wir sehen können, wie du in der Geschichte deine Hand im Spiel hast und alles lenkst und leitest und wie Menschen durch ihre Entscheidung sich für oder gegen dich stellen. Wir möchten dich bitten, dass wir auch in den kommenden Minuten erkennen, wie wir mit dir leben können und wie du die Reformation vorbereitet hast. Sei bei uns und stärke uns durch den Heiligen Geist. Im Namen Jesu. Amen.
[1:54] Teil 8: 1501 und 1502 an der Universität. Das Heilige Jahr 1500 war vorbei und viele Menschen hatten Rom besucht, um den Jubel-Ablass, den Papst Alexander der VI. verkündet hatte, in Empfang zu nehmen. Doch insbesondere die Menschen in England, die Briten, konnten aufgrund der weiten Entfernung nicht wirklich davon profitieren. Und so entschied sich Papst Alexander der VI., das Jahr 1501 zu einem besonderen Jubeljahr in Großbritannien zu machen. Der besondere Ablass wurde also für diese Region noch um ein weiteres Jahr verlängert.
[2:39] Am 2. Februar diesen Jahres wurde Dietrich von Anholt geboren und auch er sollte noch eine Rolle spielen im Wirken Gottes in der Reformation. Aus Rom frisch zurückgekehrt, kam Johannes Aesticampianus, eigentlich Johannes Ruck von Sommerfeld, schon 44 Jahre alt, ein relativ bekannter Humanist, der in Italien herumgereist war und vom Papst Alexander dem VI. höchstpersönlich den Dichterkrone aufgesetzt bekommen hatte. Er war Petrarca Laureatus, der gekrönte Dichter, ein besonders wertgeschätzter Titel für die besten Poeten, der alle paar Jahre mal überhaupt nur vergeben wurde, entweder vom Kaiser oder vom Papst. Er konnte sich also einiges zugute halten auf seine Fähigkeit in der Rhetorik und der Poesie. Der gekrönte Dichter hatte das Recht an allen Universitäten aufgrund seiner Krönung Vorträge über Rhetorik und Poesie zu halten. Und so kam Johannes Aesticampianus in diesem Jahr nach Basel und brachte dort auch neue Schriften aus Italien mit, aus der Antike, die dort wieder entdeckt worden waren. Und er förderte so auch in Basel das genaue Wissen um humanistische Werte. Noch ihn werden wir im Laufe der Zeit immer wieder antreffen, diesen gekrönten Dichter Johannes Aesticampianus.
[4:16] Für Martin Luther begann in diesem Jahr 1501 ein ganz neuer Lebensabschnitt. Er musste das geliebte Eisenach, wo er so zumindest am Ende unbeschwerte Lebensjahre verbracht hatte, verlassen, denn die Schule war jetzt beendet und er sollte studieren. Es hat sich gezeigt, dass er ein wirklich kluges Köpfchen war und dass er eine Perspektive hatte, vielleicht in einer guten Position etwas für die Gesellschaft tun zu können. Sein Vater hatte ihn vorgeschlagen und ihm empfohlen, oder vielleicht sogar die "ius civile" zu studieren.
[4:59] Die Frage war also, wo sollte er die Universität besuchen? Die Wahl fiel auf Erfurt. Hier eine Bild von Erfurt aus der Zeit. Die Stadt war weitaus größer als Eisenach, hatte ungefähr 20.000 Einwohner, war sehr gut befestigt und lag ideal. Das ist auch schon dem jungen Luther aufgefallen. Überall gab es fruchtbare Böden, es wurde Wein angebaut, es wurde auch Färberwaid angebaut, dessen blaue Farbe sehr zum Wohlstand oder zu großen Einnahmen zumindest diente. Um die Stadt herum lagen ungefähr 89 Dörfer. Trotzdem war die Stadt keine freie Reichs-unmittelbare Stadt, sondern gehörte zug um zug. Aufgrund der großen Nähe zu Kurfürst Sachsen gab es aber immer wieder auch Reibereien zwischen Kurmainz und Kurfürst Sachsen, die beide ein Auge auf diese wichtige Stadt geworfen hatten. Aufgrund der verschiedenen Dinge, die es dann immer wieder gab und auch aufgrund anderer in der Mainzer Angelegenheiten, war Erfurt mittlerweile schwer verschuldet.
[6:07] In Erfurt hat Luther übrigens eine kleine Münze kennengelernt. In Erfurt wurde ein sogenannter "kleiner Scherf" ausgegeben, eine kleine Silbermünze. Und Luther hat später dann, viele Jahre später, dieses Wort "Scherf" benutzt, um das kleine Scherflein in der Bibel zu übersetzen, diesen kleinen Taler, den die alte Frau, die Witwe im Tempel von Jerusalem gibt. Das kam also aus dieser Erfurter Zeit.
[6:34] In Erfurt, das also eine der größeren Städte Deutschlands war, nicht ganz so groß wie Magdeburg oder Nürnberg, aber doch zu den größeren Städten gehörte. Auch in Erfurt gab es viele Kirchen, ein reiches geistliches Leben. Allein hier gab es vier Stiftskirchen, 21 Pfarrkirchen, 11 Klosterkirchen. Die großen Bettelorden, das heißt die Dominikaner, die Franziskaner und auch die Augustiner-Eremiten, haben alle große Klöster. Außerdem hatten die Benediktiner ein großes Kloster auf dem Petersberg. 800 klösterliche bzw. kirchliche Personen waren ständig präsent.
[7:13] Luther war besonders beeindruckt von den Kartäusern, die manchmal im besten Alter bereits auf den Stock gebeugt, bleich daherkamen und eine besonders morbide Frömmigkeit an den Tag legten. Dem jungen Luther hat das sehr beeindruckt, wie er auch schon vorher in Magdeburg und Eisenach.
[7:38] Die Universität, in die sich Luther jetzt einschreiben wollte, war eine der berühmtesten in ganz Deutschland. 1392 war sie gegründet worden, die fünftälteste auf deutschem Boden und städtisch organisiert war sie, das heißt an die Stadt direkt gebunden. Jedes Jahr kamen etwa 230 neue Studenten nach Erfurt.
[8:09] Der ausgezeichnete Ruf lag vor allem an der glorreichen Vergangenheit. Einige Jahrzehnte zuvor, zum Beispiel beim Konzil in Basel, waren es insbesondere die Erfurter Theologen, die dort für großen Ruhm gesorgt hatten. Erfurt galt früher als eine der vielleicht besten Universitäten überhaupt. Man stand ganz in der Tradition der altehrwürdigen Prager Universität. Mittlerweile hatten allerdings andere Universitäten sie nicht nur eingeholt, sondern zum Teil auch, was den Standard der Lehre und der Forschung angeht, überholt. Nur weil man sich dessen in Erfurt nicht wirklich bewusst war. Luther selbst glaubte, als er dort studierte, er hätte die beste Universität überhaupt ausgesucht und alle anderen wären der Universität in Erfurt nicht ebenbürtig.
[9:02] Die Universität war noch vollkommen im Bann des mittelalterlichen Scholastik. Denken Sie, dass wir jetzt in den nächsten Folgen noch mehr lernen werden. Der Humanismus hatte nur ganz zaghaft erste Begegnungen hier mit der akademischen Welt in Erfurt.
[9:20] Luther musste sich natürlich immer polieren und dazu musste er zum Rektor, der war in 1501 ganz frisch neu gewählt. Sein Name war Jodokus Trautvetter. Der kam auch aus Eisenach und bei ihm artikulierte sich Martin Luther mit genau dieser Matrikel hier: "Martinus Luther ex Mansfeld".
[9:46] Luther musste natürlich auch eine Gebühr bezahlen. Ein Drittel Gulden wurden gefordert. Er ist dann nach Prüfung als wohlhabend eingestuft worden. Das lag daran, dass sein Vater nach anfänglicher, schwerer Armut, über die wir gesprochen haben, es mittlerweile doch zu einem ganz ansehnlichen Vermögen gebracht hatte im Bergbau dort in Mansfeld und er sich jetzt leisten konnte, seinen Sohn selbst finanziell zu unterstützen, so dass Luther kein weiteres Anrecht auf andere Unterstützung hatte.
[10:21] Das Semester begann mit einem feierlichen Gottesdienst hier im Erfurter Dom und dann begann auch schon bald das Studentenleben und über das gibt es einiges zu sagen. Zunächst einmal haben die Studenten nicht einfach irgendwo gewohnt, sondern in größeren Wohnzusammenkünften, hier zum Beispiel in einer "Bursa", so nannte man das. In welcher Bursa Luther gewohnt hat, ist nicht 100%ig klar. Als größter Favorit gilt die Georgenburse aufgrund bestimmter geografischer Quellen. Es gibt aber auch Hinweise auf eine andere, die sogenannte Himmelspforte.
[11:04] Wie dem auch sei, das Leben dort war stark reglementiert. Man durfte dort nur Latein sprechen und man musste fleißig arbeiten. Selbst die Kleiderordnung war vorgeschrieben und konnten nicht beliebig variiert werden. In der Bursa musste man entweder den Rock oder den Talar mit einer kleinen Kappe tragen. Wer das nicht einhielt und meinte, modische Abweichungen vornehmen zu müssen, wurde tatsächlich bestraft.
[11:41] Außerdem war es unerlaubt, sich hier ohne Erlaubnis zu entfernen. Man durfte keine Beziehung zum anderen Geschlecht unterhalten, obwohl gemäßigtes Biertrinken durchaus okay war. Alkoholgelage waren auch verboten. Unehrenhafte Spiele war ebenso untersagt wie das Herumwandern auf den Straßen während der Vorlesungszeit.
[12:08] Der Tagesablauf war äußerst streng. Um vier Uhr morgens, ja, tatsächlich um vier Uhr morgens musste man aufstehen. Um 6 Uhr begannen dann bereits die Übungen für die Universität und danach die Vorlesungen. Die erste Mahlzeit gab es dann um 10 Uhr, das sogenannte "Prandium". Dann gab es weitere Vorlesungen bis 17 Uhr und um 20 Uhr musste man wieder schlafen gehen.
[12:35] Fleißig sollte, wie gesagt, gearbeitet werden, obwohl auch berichtet wird, dass einer seiner Mitstudenten dort in der Bursa ein richtiger Faulpelz war und oft ermahnt werden musste und es am Ende immer noch in der lateinischen Grammatik nicht weit gebracht hatte. Also bestimmte Dinge ändern sich auch in über 500 Jahren nicht.
[12:59] Das geistliche Leben wurde ziemlich stark gefördert und ernst genommen. Die Studenten wurden angehalten, den kompletten Fall, das komplette Buch der Psalmen in 15 Tagen jeweils durchzulesen. Was also, wer weiß, dass die Psalmen 150 an der Zahl sind, einen Schnitt von 10 Psalmen pro Tag macht. Außerdem gab es vor den Mahlzeiten zu Tisch immer eine kleine typische Lektion. Niemand sah seinen Bibelabschnitt und den Kommentar von Nikolaus von Lyra. Das war ein bekannter, lieber Kommentator, der zu bestimmten ausgewählten Bibeltexten Kommentare geschrieben hat. Und so las man diese ausgewählten Texte. So ein bisschen wie ein anderes Buch kann man sich das vorstellen, ein Text und dann die Auslegung von Nikolaus von Lyra, der für seine Zeit gar nicht so schlecht in seiner Auslegung war, die oft allegorische und ja, sehr abgehobene Auslegung der Theologen er ablehnte und er eine wörtliche, praktische Auslegung präsentierte, etwas, das den Martin Luther durchaus mit geprägt haben wird.
[14:12] Und so war das Leben im Studentenwohnheim, sozusagen in der Bursa, ein Leben, das man eigentlich noch merkte, dass es mal aus dem klösterlichen Umfeld hervorgegangen war, dass das Wissen war ja lange in den Klöstern unterrichtet worden und jetzt auch, wo die Universitäten daran waren, diese Ursprünge immer noch greift. Eine Art und Weise, wie der Tag strukturiert war.
[14:39] Übrigens, genau in der Zeit, als Luther sein Studium beginnt, ist in Venedig zum ersten Mal nicht nur ein Buch gedruckt worden, sondern Noten gedruckt worden. Der Venezianer Petrucci erfand den Druck polyphoner Musik. Also da mussten sozusagen verschiedene Schichten die Notenlinien und an den Ohren und der Texte gedruckt werden, und das sollte natürlich ebenfalls von großer Bedeutung sein für die Zukunft.
[15:06] Das waren 15. Mai wurde der erste Druck erschien mit einigen Messen. Am 24. Mai begann dann offiziell die Vorlesungszeit für Luther. Der Beginn der Vorlesung war an diesem Tag und der angehende Jurastudent konnte natürlich für die nächsten Jahre erstmal nicht Jura studieren, denn alle, die sich an einer Universität eingeschrieben, mussten zunächst einmal eine Art Grundstudium absolvieren, die sogenannten sieben freien Künste. Deswegen so genannt, weil das die Wissensgebiete waren, die jeder freie Mann, jeder freie Mensch zur damaligen Zeit beherrschen sollte. Die sogenannte "Septem Artes Liberales". Und nur wer diese erfolgreich studiert hatte, konnte dann wählen zwischen den eigentlichen großen Studiengängen Jura, Theologie oder Medizin.
[15:57] Tatsächlich war in Erfurt gerade der Bereich, die Fakultät der sieben freien Künste besonders berühmt. Rektoren wurden immer aus diesem Bereich ausgewählt. Von den anderen drei Fakultäten war Jura am angesehensten in Erfurt. Vielleicht war das auch ein Grund, warum Luther, der Jura studieren wollte, sich für Erfurt entschieden hatte. Aber auch die Theologen konnten sich sehen lassen und hatten einiges zu bieten.
[16:22] So begann also das Studium für Luther mit diesen sieben freien Künsten. Man hat die im Mittelalter auch so grafisch dargestellt. Sie alle kreisen um die Philosophie, die kein eigenständiges Lehrfach war, aber sozusagen alle diese sieben freien Künste durchdrungen hat. Das waren quasi sieben verschiedene Bereiche, die alle mit Philosophie oder mit dem, was man im Mittelalter Philosophie verstand, zu tun hatten.
[16:55] Und das besser, genauer verstehen zu können, war ein Blick darauf werfen. Diese sieben Künste wurden unterteilt in drei und vier. Das Trivium, der drei Wirkte, das war die Grammatik. Da ging es also um die lateinische Sprache, sie korrekt zu verstehen, der Rhetorik, also wie man eine Rede aufbaut, sowohl in großen als auch in den verschiedenen Redeformen, aber auch die Poesie mit drin. Und dann besonders wichtig, die Dialektik bzw. die Logik, also das logische Denken, die Schlüssel von bestimmten Prämissen auf einen Schluss zu kommen. Das wurde trainiert.
[17:29] Dazu kam dann das Quadrivium, der vier Wege. Und das waren dann, während die anderen drei quasi sprachlich waren, das waren dann die mathematischen, sozusagen Wissenschaften. Die Arithmetik, da wurde zum Teil sogar manchmal auch gerechnet. Ansonsten ging es viel um Zahlentheorie, auch die Geometrie, dann die Musik und die Astronomie, wobei dort sowohl die Astrologie als auch die Astronomie unterrichtet wurden.
[18:00] Für Luther bedeutet das ganz konkret, dass zunächst einmal das Trivium, die ersten drei im Vordergrund standen. Er musste sich in der Rhetorik, Brückenmitte, Christian und Alexander noch mal auseinandersetzen. Das war eigentlich Stoff auch aus der Schule. Bis heute macht man auch üblich ist, wird am Anfang der Universität gewisser Schulstoff nochmal wiederholt. Man wollte sicherstellen, dass alle die Grammatik und die Rhetorik richtig verstehen.
[18:26] Das müsste eigentlich hier Grammatik heißen, nicht Rhetorik. Und hier haben wir den "Christie" hat eine mittelalterliche Ausgabe dieses Werkes. Und dann der große Schwerpunkt am Anfang des Studiums war die Logik. Die Studenten sollten lernen, wirklich formal logisch zu denken. Dazu gab es einige Bücher, die man studieren musste.
[18:54] Zunächst einmal von Petrus Hispanus, einem spanischen Gelehrten, der in die Welt der Logik einführte und dessen Traktate quasi das mittelalterliche Standardwerk für die Logik war. Dann der Aristoteles-Kommentar von Porphyrios, für das war ein antiker Philosoph aus der Spätantike, der übrigens auch sehr scharf gegen das Christentum geschossen hat und auch das Buch "De interpretatione" auseinandergenommen hatte und der ihn in seiner Einführung den Aristoteles sozusagen erklärt.
[19:33] Und dann kam der Aristoteles selbst dran. Von Aristoteles gab es verschiedene Schriften über Logik, die im Laufe der Zeit zusammengefasst worden waren in dem sogenannten "Organon". Und einige dieser Schriften wurden jetzt ganz besonders im Studium studiert, oder "Analytica priora" und "Analytica posteriora" und auch die "Topica".
[19:55] Hier einige dieser Bücher nochmal zu sehen, von Petrus Hispanus, die "Summa Logicae", alles, das heißt die Summe der Logik. Und hier ein Original-Manuskript von Porphyrios und eine kommentierte Fassung der "Analytica" von Aristoteles. Der galt tatsächlich als das Maß aller Dinge, wenn es um logisches Denken ging. Man wollte, dass die Studenten sogar formal logisch argumentieren können wie Aristoteles.
[20:32] Und das sollten sie also jetzt in den ersten Semestern lernen. Und dann in der Rhetorik wurde auch Eberhard von Béthune gelesen, ein flämischer Gelehrter, der übrigens sehr scharf auch gegen die Waldenser sich geäußert hatte, einige Jahrhunderte zuvor, 1200 herum. Und sein Werk "Labor Intus" hat auch einiges über die Poesie den Studenten beigebracht.
[20:59] Das also der Stoff, mit dem Luther sich auseinandersetzen musste. Dieses logische Denken, die Verfeinerung des Ausdrucks und der Grammatik und der Sprache. Außerdem hat er einige Vorlesungen gehabt zu Physik und auch Psychologie, und auch das wurde gelehrt anhand von Aristoteles. Man darf dabei nicht vergessen, dass die Physik damals eine ganz andere war als heute und selbst die physikalischen Gesetze von Newton waren damals noch nicht bekannt. Das war alles sehr antik noch, was dort an der Universität unterrichtet wurde.
[21:33] Und man sieht allein schon in dieser kleinen Zusammenstellung, welche enorme Bedeutung Aristoteles hatte. Man nennt ihn auch einfach schlicht den Philosophen. Luthers also als 18-Jähriger quasi hineingetaucht in die Welt von Aristoteles. Man hat ihn gepriesen, diesen Philosophen, als den größten philosophischen Denker überhaupt.
[21:55] Ein bisschen Astronomie war auch noch dabei im Unterricht, aber vor allem von der Astrologie hat Luther nicht viel gehalten, weil er ja, wie gesagt, nicht einmal wusste, genau wann er geboren worden ist und er deswegen lässt sich nicht einsehen konnte, warum bestimmte Konstellationen bei der Geburt einen Einfluss auf das Leben hatten.
[22:21] Am 1. Juni entschied dann Papst Alexander der VI., die Zensur religiöser Drucke, die ja schon der Erzbischof von Mainz vor einigen Jahren ausgesprochen hatte, jetzt zu erweitern. Diese Zensur galt jetzt grundsätzlich für Kurköln, Kurmainz, Kurfürst, für eine geistliche Gebiete. Es galt, die Hand darauf zu haben, was an religiösen Werken an das Volk weitergegeben werden sollte. Man ahnte schon, dass dieser Buchdruck die Autorität der Kirche untergraben sollte, und der Papst versuchte das mit diesem Dekret zu unterbinden.
[23:06] Am 13. Juni wurde Basel offiziell zwölfter Ort der Schweizer Eidgenossenschaft, nachdem man schon im Schwabenkrieg zuvor sich den Schweizern angeschlossen hatte. Und im Sommer des Jahres 1501 tobte ein schweres Hochwasser in Mitteleuropa, in einigen Gebieten eines der schwersten, das überhaupt seit Menschengedenken dort aufgezeichnet worden ist, und das hatte für schwere, schwere Not gesorgt und auch Hungersnot zum Teil dann verursacht, durch den Ausfall von Ernten und so weiter.
[23:44] Am 19. August wurde auch Schaffhausen, die Stadt am Rhein, in die Eidgenossenschaft aufgenommen. Johannes Aesticampianus, der besagte gekrönte Dichter, wurde dann im Herbst in Mainz Professor für Moralphilosophie und Rhetorik und brachte dort auch in das geistliche Territorium von Kurmainz ganz neue humanistische Töne mit.
[24:19] Ein besonders schönes Kapitel der Papstgeschichte ist verbunden mit dem 31. Oktober 1501. In der Literatur ist dieses Ereignis als das sogenannte "Kastanienbankett" bekannt und steht eigentlich nur stellvertretend für die vielen unerhörten Frevel. Dahinter verbirgt sich eine Orgie, die im Beisein von Alexander dem VI. und seiner Söhne und Familie stattfand, bei der man 50 Prostituierte hatte, die dort ohne Kleidung Kastanien aufsammeln sollten, inmitten von Leuchtern. Und infolgedessen entwickelte sich tatsächlich ein Turnier, bei der gewettet werden konnte, welcher Mann am meisten den Geschlechtsakt mit diesen Kurtisanen ausführen konnte. Und vieles davon ist zum Teil auch nur mündlich überliefert, zum Teil auch schriftlich festgelegt. Und ein Beispiel dafür, wie tief der Ruf im Kirchenstaat gesunken war.
[25:28] Am 14. November wurde dann auch die jüngste spanische Königstochter verheiratet und zwar mit dem Thronfolger Englands, Arthur Tudor, dem Prinzen von Wales. Beide waren 14 Jahre alt. Sie waren bereits vorher versprochen worden und hatten auch schon per Stellvertreter geheiratet, wie das also, müssen es formal gar nicht, wie das er damals zum Teil üblich war. Aber jetzt mit 14 wurden sie tatsächlich zusammengebracht und auch tatsächlich.
[25:51] zusammengebracht und auch tatsächlich verheiratet und sie verbrachten auch eine Hochzeitsnacht zusammen. Und da ist bereits ein entscheidendes Ereignis in der Reformationsgeschichte. Wenn wir das jetzt hier 1501 nicht wahrnehmen, wenn wir gleich mal auf diese Folge noch mehr zu sprechen haben, jedenfalls fragten sich dann die Eltern, ob es wirklich gut sei, diese 14-Jährigen schon zusammen leben zu lassen. Man entschied sich, ja, sie sollten an den Walliser Grenze daran ihren eigenen Hof unterhalten, was sie dann auch taten.
[26:27] Ein Reich, das in dieser Zeit weder zu neuer Stärke gewinnen sollte, war das Reich der Mamelucken, das in ganz Ägypten bis nach Libyen hin und auch in Arabien herrschte, auch ganz Palästina vereinte und unter anderem auch die heiligen Stätten des Islam, Medina und Mekka, beherrschte. Die Mamelucken waren eigentlich Muslime kaukasischer Abstammung, so die Tschetschenen zum Beispiel, die dort in dieses Gebiet gebracht worden, jetzt ein Reich aufgebaut hatten und nach längeren inneren Zwistigkeiten wurde ein neuer König gefunden, der es zu alter Stärke zurückbrachte. Anaschaaf kann so, der zweitgenannte Allegorie, 60 Jahre alt war er und er sollte dieses Reich jetzt führen.
[27:16] Ebenso im Jahr 1501 entschied sich Maximilian der Erste, die humanistische Bildung zu fördern, indem in Wien an der Universität ein neues Kolleg gegründet wurde, das Humanistenkolleg für die Dichter und Mathematiker, also die Wissenschaften, die nicht so direkt an die Theologie und Philosophie gebunden waren. Und das sollte jetzt gefördert werden. Maximilian, der, obwohl er selbst noch als der letzte Ritter galt und sehr dem mittelalterlichen Denken verpflichtet war, sah die Notwendigkeit, diese moderne, sich ankündigende Wissenschaft zu fördern.
[27:50] Einer der frühen Humanisten auch der deutschen Geschichte ist Jakob Wimpfeling gewesen, der verfasste in jenem Jahr seine Germania, eine Geschichtsschreibung, die vielleicht die erste Geschichtsschreibung der deutschen Nation ist, sozusagen. Er wollte in dieser Geschichte, die er verfasste, beweisen, dass die Deutschen den Franzosen und Italienern, was ihre historischen Hintergrund betrifft, nicht nachstehen. Dabei übertrieb er war ganz gewaltig zum Teil den Quellen. Und das waren noch die Anfänge der deutschen Geschichtsschreibung.
[28:30] Ebenfalls in diesem Jahr wurde Matthäus Katzenberger geboren auf der Burg Kratzenberg, die zu Wangen gehörte. Und ein weiterer wichtiger junger Mann, der auch später immer wieder von Bedeutung sein wird, war Wolfgang Köppl oder Köpfe, der sich selbst Capito nannte, sind mit lateinischen Namen. Und er hatte in Ingolstadt studiert, 23 Jahre alt war er und erwarb seinen Baccalaureus in den freien Künsten, just in jenem Jahr. Er war aus dem Elsass und hatte einen Schmiedemeister zum Vater, hatte dann in Pforzheim die Lateinschule besucht und hatte sich jetzt irgendwann hervorgetan als ein wirklich kluger Kopf.
[29:21] Der Wald studierte Zwingli immer noch in Wien und fand dort einen Freund oder mehrere Freunde gehabt, die ihm besonders wichtig waren, mit denen er engen Kontakt hatte. Einer von denen war ein Schweizer mit Namen Joachim von Watt, ebenfalls 16 Jahre alt, der sich Fabian nannte, nach der Sitte der Humanisten, sich einen lateinischen oder griechischen Namen zu geben. Und dort in Wien war übrigens ein wichtiger Romanist, Konrad Celtis, tätig, der auch dafür gesorgt hatte, dass Maximilian gerade in Wien den Humanismus stark gefördert hatte.
[30:04] War die Hand von Watt ja aus St. Gallen gewesen, hatte dort die Lateinschule besucht. Andere zukünftige Reformatoren waren ebenfalls im jugendlichen Alter. Nikolaus Decius ging mit 16 an die Universität in Leipzig, begann dort sein Studium, genauso auch wie Georg Held. Dasselbe wurde abgebrochen von Wenzeslaus Link, der Freund von Lothar, den er in Magdeburg kennengelernt hatte, der sich in Leipzig eigentlich um hatte, brach sein Studium ab, auch das gab es damals natürlich ohne einen Grad erworben zu haben. Und er wurde August China mich, was genau die Gründe gewesen sind, ist nicht ganz klar.
[30:50] Jedenfalls zog er dann nach Waldheim, wo in das Kloster der Augustiner-Eremiten einging.
[30:53] Das Jahr 1502. Mutter studierte fleißig den Aristoteles jeden Tag aufs Neue, hatte ungefähr drei Vorlesungen pro Tag zuzüglich der Übungen gesehen. Haben gegen der Tage früher los, trotzdem war er sehr darauf bedacht, viel Zeit auch für Gott zu verwenden und regelmäßig zu beten. Ging oft in die Kirche und statt all das, was er auch so gelehrt hatte schon in Eisenach und Magdeburg bei den verschiedenen Gelegenheiten, wo er in Kontakt auch mit dem klösterlichen Leben gekommen war. Er war ja sehr fromm erzogen worden, auch sein Vater war ja ein wirklich gläubiger Mann gewesen, hat sich viel für ihn gebetet und er wusste um die Bedeutung des Gebetes.
[31:49] Wenn er sich also wieder bevor sich halt so in die Gedankenkonstrukte von Aristoteles und die machen etwas trockene Logik hinein vertiefte, nahm er sich Zeit zum Beten, so wie es in der Bibel steht im Psalm 54, "Herr, in der Frühe wirst du meine Stimme hören, in der Frühe werde ich dir zu Gebet sein und Ausschau halten." Hat selbst einmal gesagt, dieses berühmte Zitat: "Gut gebetet ist halb studiert." Und so merkte er, dass wenn er Zeit für Gott investierte, wenn er betete und den Psalter las, wie das vorgeschrieben war, dann konnte er sich auch Dinge gut merken.
[32:31] Er stellte fest, dass er ein gutes Gedächtnis hatte und er so Stück für Stück auf dem Wissen immer mehr aufbauen konnte, dass er schon erworben hat und dass sie immer weiter jetzt vertieft.
[32:48] Am 13. Januar wurde Anton Lauterbach geboren in Stolpen im Bistum Mainz. Und am 24. Januar begann auch ein weiterer, später Reformator sein Studium. Sein Name war Johannes Bugenhagen. Der war ja in Pommern geboren, in Wollin und hatte dort auch die Schule besucht. Über seine Jugend weiß man fast nichts, aber er schrieb sich dann hier am 24. Januar in die Universität in Greifswald ein, eine der ältesten Universitäten auch in Deutschland überhaupt und damals auch eine recht bedeutende.
[33:24] Was war eigentlich aus Johannes Reuchlin geworden? 47 Jahre alt war er mittlerweile schon, eine Größe der modernen Wissenschaft in Deutschland. Wurde er jetzt zu einem von drei obersten Richtern im Schwäbischen Bund. Er hat eine enorme Verantwortung, eine wichtige Position, die eben viel politische Kompetenz verschaffte auch und die Zeugnisse hinterlassen hat, zeigen, dass er sehr stolz darauf sein hat sich als eine der Triumvirate, der drei Männer, in Anlehnung an die Triumvirate im antiken Rom, die jetzt in Schwaben das Sagen hat, ein Bundesrichter im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Und gab dann später auch zu Protokoll, dass er aufgrund seiner Richtertätigkeit viel Unheil von Schwaben abwehren konnte.
[34:24] Am 14. Februar ging der Befehl in Spanien durch die beiden Könige Isabella die Erste und Ferdinand den Zweiten, dass alle Muslime in Granada, entgegen den vormals getroffenen Abmachungen, alle Muslime entweder konvertiert werden müssten oder das Land verlassen müssten. Sowohl an sich die Juden, jetzt auch die Muslime, entweder zwangsweise konvertiert oder aus dem Land vertrieben. Dass man damit den Vertrag von Granada gebrochen hatte, schien niemanden groß zu stören. Begründete es einfach mit den Aufständen in Granada durch die Muslime, die allerdings ja dadurch zustande gekommen waren, weil man schon vorher mit solchen Zwangs-Taufen lokal begonnen hatte.
[35:04] Einen Tag später, am 15. Februar, erhielt Nikolaus von Amsdorf 18jährig den ersten Abschluss, das Bakkalaureat an der Universität in Leipzig.
[35:17] Wieder die spanischen Könige, sie wurden am 26. Februar 1502 von Christoforo Colombo, von Christoph Kolumbus, angefleht, dass er sie noch, dass sie ihn noch einmal auf eine Entdeckungsreise schicken sollten. Die vierte Reise hat er geplant und er hatte die Erlaubnis, nachdem er von der dritten in Ketten zurückgekehrt war, dann befreit worden war aufgrund des Volkszorns, die den Admiral des Ozeans, nicht nur im Boden, die Erlaubnis gewährten, noch einmal in die Neue Welt reisen zu dürfen, oder das, was er bis dahin immer noch als Ostindien empfand.
[35:55] Die Katastrophe kam am zweiten April. Die gerade frisch vermählten Prinzen, Prinz und Prinzessin, erlebten die Tragödie schlechthin. Arthur starb. Die Krankheit lässt sich nicht mehr genau identifizieren. Er war nur wenige Monate mit ihr verheiratet gewesen und damit war der Thronfolge tot. Zum Glück gab es noch einen jüngeren Bruder, nämlich Henry, Heinrich, der war vier Jahre jünger und es wurde jetzt beschlossen, dass er die Katharina heiraten sollte.
[36:38] Und schon zu diesem Zeitpunkt erkannte man eine mögliche Problematik. Man glaubte, das ist biblisch verboten sei, dass ein Bruder dieselbe Frau habe, die Blöße der Frau aufdecken seines Bruders. Die große Frage, die jetzt schon begann, Köpfen zu rumoren, später für die Reformationsgeschichte sorgen sollte, war: Hatte Arthur, der 14-jährige Prinz von Wales, die Ehe mit Katharina wirklich körperlich vollzogen oder nicht? Und da haben sie einfach im Bett miteinander gelegen, nicht gewusst, was sie tun sollen.
[37:12] Über diese Frage ist später viel diskutiert worden. Sie hat später war es wieder ein direkter Auslöser, auch mit ein äußerlicher Auslöser für die Reformation in England. Und deswegen ist es wichtig, diesen Gedanken hier mal kurz festzuhalten, dass man schon jetzt erkannte, man konnte nicht mehr genau feststellen. Es gab Aussagen, die darauf hindeuteten, dass die Ehe vollzogen worden war, aber keinen eindeutigen.
[37:39] 25. April wurde Georg Maier in der Reichsstadt Nürnberg geboren. Und dann Mitte Mai brach Columbus, mittlerweile 51 Jahre alt, zu seiner vierten Reise auf. Währenddessen war der Papstsohn Cesare Borgia immer noch ein gefürchteter Renaissancefürst, der im Juni 1502 das Herzogtum Benevent eroberte. Er kannte keine Gnade. Er war ein reiner Gewaltmensch, dessen Leidenschaften nicht zu zügeln waren und jeder Mann fürchtete sich vor ihm, inklusive der Papst selbst.
[38:15] Am 6. Juli gewährte dann Maximilian der Erste ein weiteres Privileg in Bezug auf die akademische Landschaft im Heiligen Römischen Reich. Eine neue Universität sollte gegründet werden und dieser 6. Juli ist deswegen für die Reformationsgeschichte so bedeutsam, weil diese Universität in Wittenberg sein sollte. Der Kurfürst Friedrich der Dritte hat er lange darauf hingewirkt, hat er seit Jahren diesen Plan im Kopf, seitdem ja durch die Teilung Sachsens die Universität Leipzig nicht mehr in seinem Gebiet war, sondern im Herzogtum Sachsen. Und hat sich überlegt, in Wittenberg, in dieser Hauptstadt von Sachsen, war eine neue Universität, eine Volluniversität, wo man alles studieren konnte, was damals so möglich war, zu gründen. Und Maximilian der Erste gewährte dieses Recht mit dieser Urkunde, die wir hier abgebildet sehen, die dieses Privileg für eine Volluniversität präsentiert. Hier sehen wir diese diese dieses Privileg.
[39:30] Am 30. Juli betrat dann Columbus die Insel nahe an der Küste von Honduras und begann auf der Karte sehen kann, an der Küste Mittelamerikas entlang zu segeln, was er jetzt für Spanien entdeckte, so dass er dann am 14. August zum ersten Mal bei Kap Honduras das amerikanische Festland betrat. Bis dahin hatte er nur karibische Inseln betreten und das war natürlich geografisch alles nicht ganz so klar. Aber erst jetzt, 52, hat er zum ersten Mal den eigentlichen amerikanischen Kontinent betreten.
[40:11] Leonardo da Vinci war für zwei, mittlerweile 50 Jahre alt und er bekam eine neue Position. Der Papstsohn Cesare Borgia machte ihn zum Chefingenieur der päpstlichen Truppen des Kirchenstaates und er wünschte mir ein brillanter Erfinder und so dachte man sich, dass man die besten Kräfte für die Armee des Papstes einsetzen sollte.
[40:40] Am 24. August kündigte dann Friedrich der Dritte, mittlerweile auch schon etwas älter geworden, ganz froh, die Eröffnung der neuen Wittenberger Universität in Kürze an.
[40:58] Derweil bereitete sich Martin Luther auf die erste große Prüfung vor. Drei Semester hatte er studiert und drei Semester musste man studieren, um die frühesten, den frühestmöglichen Abschluss, den ersten akademischen Grad, Zeichen, den Baccalaureus, und das versucht er, wie gesagt, zum frühstmöglichen Zeitpunkt Ende September. War die Prüfung, hatte sich intensiv darauf vorbereitet und er bestand sie, allerdings noch nicht mit großer Bravour. Er war von 47 Kandidaten der dreißigste, also eigentlich zu dem Zeitpunkt noch eher so gesundes Mittelmaß.
[41:39] Aufgrund dieser bestandenen Prüfung war jetzt Baccalaureus und hatte jetzt nicht nur das Recht, eine besondere Kleidung zu tragen, sondern auch die Verpflichtung. So war das damals an der mittelalterlichen Universität. Anfänger, das heißt Leute im ersten Semester, studieren bereits in Grammatik, Rhetorik und auch in den Eingangs-Themen der Logik zu unterrichten, während er selbst weiter studieren sollte, jetzt mit dem Ziel, einen Magister, den Magister der freien Künste, damit ist diese Fakultät abzuschließen.
[42:18] Diese intensive Vorbereitung auf die Prüfung hat ihn offensichtlich stärker mitgenommen, als er das geglaubt hat. Dieses viele Studieren hat seinen Körper sehr geschwächt. Die Bibel sagt im Prediger 12, Vers 12: "Und über diese hinaus, lass dich warnen, mein Sohn, des vielen Bücher machen kein Ende und viel Studieren ermüdet den Leib." Luther wurde krank, er wurde sehr krank, so krank, dass Martin tatsächlich glaubte, dass er sterben müssen. Als er auf dem Bett lag und bereits darüber sprach, dass er jetzt nicht mehr sein wird und darüber traurig war, dass er mit all diesen Hoffnungen das Studium gegangen war, dass er werden wollte und dass aus allen Hoffnungen nichts werden würde.
[43:03] Da besuchte ihn ein alter Priester, der ihn wohl kannte, den er mit folgenden Worten tröstete. Hier zitiert: "Mein lieber Baccalaureus, fasse Mut, du wirst nicht an dieser Krankheit sterben. Unser Gott wird dich noch zu einem Mann machen, der wiederum viele trösten wird." Der alte Priester da, wohl kaum eine Idee davon, was er da eigentlich sagt, in welchem Umfange, dass sich das noch bewahrheiten würde. Er hatte einen jungen Studenten getröstet und dabei unbewusst große Wahrheit ausgesprochen. Gott hat natürlich ein Auge auf Martin Luther gehabt und er wurde wieder gesund und konnte sich jetzt den weiterführenden Studien in den freien Künsten widmen, von dem wir in der nächsten Folge mehr erfahren werden.
[43:57] Kolumbus entdeckte dann am 5. Oktober ein Land, das ihm sehr reich zu sein schien. Das lag daran, dass die Ureinwohner ihm Goldstücke brachten und so nannte er erst die reiche Küste und das Castello des Goldes, Costa Rica, Castello de Oro. Daraus wurde dann später natürlich Costa Rica.
[44:18] Am 15. Oktober desselben Jahres wurde Nikolaus in Methler geboren in Hof. Und am 18. Oktober war es soweit. Die Universität in Wittenberg wurde offiziell gegründet. Der erste Rektor war ein Leibarzt von Friedrich dem Dritten, vom Kurfürsten, einem Mediziner, der allerdings auf einem anderen Wissensgebiet sehr viel zu bieten hat, auch eine Theologie. Sein Name war Martin Pollich. Er wurde allerdings auch Männerstadt genannt, aufgrund seiner Herkunft aus Mellrichstadt. Er hatte in Leipzig Medizin gelehrt und er war jemand, der ein Klassiker war, natürlich, aber auch dem Humanismus durchaus aufgeschlossen war.
[45:10] Er hat Theologie dann in Wittenberg zunächst einmal unterrichtet. Er war eine kontroverse Figur in der Medizin, weil er nämlich sich nicht zufrieden gegeben hatte mit der Erklärung, dass bei der Syphilis einfach nur beten und Gottvertrauen hilft und nichts anderes. Er wollte die Ursachen erforschen und war mit einigen anderen mittelalterlichen Medizinern darüber in Konflikt geraten, die glaubten, dass das Erforschen moderner Medizin ein Eingriff in die Schöpfung sei. Er wurde also direkt und dieser neuen Universität stand also für eine gewisse geöffnete Geisteshaltung, für etwas fortschrittlichen Geist.
[45:51] So auch der neue Dekan der theologischen Fakultät, nämlich Johann von Staupitz, der war schon relativ bekannt als jemand, der in Tübingen großes geleistet hatte. Friedrich wollte den besten der Besten haben. Das sprach sich schnell herum, dass in dieser neuen Universität sie eigentlich keine große Tradition hatte. Man zwar nicht auf Tradition setzen konnte, aber den besten Professoren bekommen konnte.
[46:12] Johann von Staupitz wurde Dekan und er brachte den Geist der Tübinger Universität mit sich, konnte dort auch einige Professoren noch gewinnen, die er mitbrachte. Gleich und im großen Ganzen orientierte sich auch die ganze Prüfungsordnung an Tübingen.
[46:32] Stopp, jetzt überlegt er sich dann, dass er als Augustiner-Eremit am besten dort in Wittenberg auch ein Kloster dann gründen sollte für Augustiner-Eremiten und erfand schon bald Mönche, die bereit waren, von Anfang an.
[46:45] Und dieses Kloster sollte dann bald gegründet werden. Friedrich der Dritte lockte übrigens Studenten mit interessanten Mitteln. Er versprach, die Studiengebühren für die ersten drei Studienjahre zu erlassen. Außerdem stellt in Aussicht, dass Studenten an seiner Universität rechtlich dem Adel gleichgestellt werden.
[47:11] Die Universität wurde Leucorea genannt, weißer Berg, eine Annäherung an das Wittenberg. Und viele Studenten hörten jetzt davon und waren begeistert, hier in dieser neuen Universität, bei diesen hochbekannten Professoren studieren zu können, unter diesen äußerst günstigen Bedingungen.
[47:32] Unter ihnen waren auch Nikolaus von Amsdorf, der Leipzig verließ, um jetzt in Wittenberg weiter zu studieren, war 18 Jahre alt. Und auch Georg Burkhardt genannt Isenpalatin, entschied hier in Wittenberg weiter zu studieren und dort vor allem Geschichte und Griechisch zu seinem Studium machte.
[47:58] Am 19. November sandte der italienische Privatkantine heimlich eine Weltkarte an das Herzogtum Ferrara. Die erste Weltkarte, auf der man die neu entdeckten Gebiete der neuen Welt im Westen andeutungsweise erkennen kann. Man natürlich nicht den Umfang dessen, was man dort entdeckt hatte, aber es ist das erste Zeichen, dass wir haben, von dem Bewusstsein, dass es dort neue Länder gibt, die man entdeckt hatte.
[48:26] Cesare Borgia machte weiter mit seinen Gewalttätigkeiten von sich reden. Am 31. Dezember veranstaltete eine Versöhnungsfeier mit vier Feinden, der auf der Versöhnungsfeier entweder sofort hinrichten ließ oder gefangen setzte, wie es um sie dann einige Wochen später umzubringen. Das war die Art und Weise, wie Cesare Borgia mit anderen Menschen umgehen.
[48:50] Weitere Ereignisse aus diesem Jahr noch kurz notiert: Georg L. mittlerweile 17, wurde ebenfalls Baccalaureus der freien Künste, wie auch Luther, nur dass er in Leipzig geboren wurde. In jenem Jahr unter anderem auch Johannes Keßler in St. Gallen und Francesco Stella in Cittadella in der Republik Venedig. Alle von ihnen werden auch ihre Rolle spielen in der Reformationsgeschichte.
[49:17] Spannend war es auch in Italien. Der in vier Tagen in Spanien, wo der Erzbischof von Toledo, Goncalo de la Prima, die Idee bekam, warum man bei lauter Humanismus nicht vielleicht auch die Bibel in der Ursprache veröffentlichen sollten. Und er stellte einige Wissenschaftler zusammen, die jetzt daran arbeiten sollten, das griechische Neue Testament herauszubringen.
[49:40] Dazu mussten Manuskripte gesucht werden. Gleichzeitig sollten Übersetzungen in verschiedenen Sprachen mitgeliefert werden in dieser Ausgabe, die auf viele Jahre angesetzt war, dieses Projekt und das 1502 begann.
[49:54] Ansonsten war in Spanien auch, wie auch im Heiligen Römischen Reich, die Freiheit nicht sehr gefördert durch die Kirche. Auch hier wurde die Zensur eingeführt.
[50:06] Vasco da Gama unternahm übrigens mir ebenfalls eine neue Reise nach Indien, die zweite, die er unternahm, die vierte Indienreise der Portugiesen insgesamt. Er entdeckte dort unter anderem die Seychellen, die Admiral-Insel nannte, und er legte auf Stützpunkte in Ostafrika an. Als in Indien ankam, stellte er fest, dass sowohl die Araber, die bisher den Gewürzhandel dominierten, als auch die Inder nicht besonders begeistert waren von der Vorstellung, dass jetzt die Portugiesen hier Handel treiben würden. Es kam zu einer Seeschlacht, bei der die vielen arabischen und indischen Boote durch die
[50:41] arabischen und indischen Boote durch die gewaltigen Portugiesen vernichtet wurden. Portugal setzte sich mit Härte an der indischen Küste fest und begann dort den Handel.
[50:54] Währenddessen lernte Kolumbus auf seiner Reise auf der anderen Seite der Welt den Kakao kennen. Bei den Maya und Amerigo Vespucci, einem anderen Reisenden jener Zeit, der ebenfalls die neue Welt bereiste, machte dort interessante Beobachtungen. In Briefen nach Europa zurück schrieb sein Reisebericht "Mundus Novus", wo es äußerst interessant zu lesen ist. Er berichtete von all den Tieren, von denen man in Europa keine Ahnung hatte, dass es solche Tiere geben könnte. Er berichtete auch von den Eigenschaften, von den Lebensgewohnheiten der Ureinwohner, berichtete von ihrem Kannibalismus, berichtete von dem Menschenfleisch, das er dort gesehen hat, und über die Verwunderung der Ureinwohner, dass die Europäer kein Menschenfleisch aßen. Er berichtet auch von dem Sexualverhalten, das dort praktiziert wurde, dass die Ehe an sich im Grunde genommen gar nicht richtig als solche bekannt oder praktiziert wurde.
[51:58] Das erste Teil gehen sicherlich aber den Schuss Sensationsgier. Berichtet er jetzt dem europäischen Publikum, was in dieser neuen, exotischen Welt für seltsame Menschen lebten.
[52:12] Noch eine kleine Teil. Albrecht Dürer malte seinen Feldhasen, eines der berühmtesten Studien dieses brillanten Malers, der einen äußerst realistischen Stil pflegte und entwickelte.
[52:29] Politisch ging es auch hoch her im römischen Reich. Die Bauern begannen wieder zu murren, vor allem in der Gegend um Bruchsal. Nachdem schon Jahre zuvor es so eine kleine Grundschulbewegung gegeben hatte, brachte diese Idee wieder auf, oder die Führung eines gewissen J os Fritz. 30 Jahre alt, ungefähr. Er versammelte eine ganze Reihe von Bauern, ungefähr 7000 hat er zusammen geworben innerhalb eines halben Jahres. Und man hatte verschiedene Forderungen, zum Beispiel die Abschaffung der Leibeigenschaft, die Verteilung der Kirchengüter an das Volk und die Tatsache, dass man nur noch den Kaiser und Papst als Herren haben wollte, niemand anderen sonst.
[53:10] Allerdings wurde diese Bewegung verraten, bevor sie richtig ausbrechen konnte. Fritz konnte fliehen, aber einige Bauern wurden gefasst und zum Teil empfindlich bestraft. Zehn Bauern wurden als Abschreckung geköpft, gevierteilt und auf den Landstraßen aufgehängt. Man versuchte mit drastischen Strafen, das im Keim zu ersticken. Aber es rumort in der einfachen Bevölkerung und auch dieses Zusammenbrechen, bevor sich die ausbrechen dieses Aufstandes hat dazu nicht geführt, dass dieses Rumoren aufhörte.
[53:52] Zum Schluss noch ein letztes zu Zwingli. Der verließ im Jahre 52 dann Wien, die Universität dort und ging zurück in die alte Heimat, in das Toggenburg, zu den Kurfürsten dort in Wildhaus, wo er wohl geboren worden war, wo seine Familie immer noch lebte, in dieser traumhaften, schönen Landschaft und kam zurück in sein Geburts-haus, wo auch seine Brüder gewesen sind. Und die Frage war, sollte er jetzt einfach hier bleiben, mit dem bereits Erreichten zufrieden sein und ein einfaches, friedliches Leben inmitten der Schweizer Idylle leben?
[54:36] Aber dem jungen Ulrich Zwingli war das nicht genug. Er hatte zu viel gekostet von dem Geist des Lernens, von der Universität, von dem akademischen Wissen, dass du danach mehr und das konnte hier in dieser bäuerlichen Umgebung im Toggenburg nicht finden. Und so entschied er sich, noch weiter zu studieren, seine Studien fortzusetzen und er ging nach Basel, wo er ja schon eine Zeitlang früher die Lateinschule besucht hatte. Und dort unterrichtete er jetzt als Lehrer an einer Lateinschule, oder in der Martin-Schule und konnte weiter sein Studium dadurch finanzieren. Er war jetzt unabhängig von seinen Eltern und stand auf eigenen Füßen.
[55:20] In der nächsten Folge werden wir sehen, wie sowohl Zwinglis als auch Luthers Studium weiter ging. Die Folge wird dann heißen: "Reich der Philosophen 1503 und 1504". Bis dahin wünschen wir Ihnen Gottes reichen Segen und freuen uns, wenn Sie nächste Woche wieder einschalten, wie auf joelmedia.de, wenn es dann heißt: "Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation".
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