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Sola Veritas – Die Wahre Chronik der Reformation

500 Jahre ist die Reformation alt: wird sie fortgeführt oder begraben? Wie verhalten sich Luthers Erben und was wird aus seinen (Wieder)entdeckungen? All das sind wichtige Fragen. Doch beantworten kann sie nur, wer das Reformationsgeschehen selbst gründlich kennt. „Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation“ bietet weitaus mehr als die üblichen bekannten Zusammenfassungen und Anekdoten. Ausgehend vom Jahre 1482 wird alles chronologisch erzählt, was weltgeschichlich und biographisch (sowohl bezüglich Luther als auch vieler anderer, zum Teil sehr unbekannter Reformatoren) wichtig war. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Spätmittelalters, erleben sie das zaghafte Aufblühen von Wissenschaft und Kultur, verfolgen sie die Debatten um philosophische und theologische Streitfragen und entdecken sie Schritt für Schritt mit Luther und seinen Mitkämpfern befreiende biblische Wahrheiten. So wird Kirchengeschichte lebensnah und endlich gut verständlich…. Neue Folgen wöchentlich, bzw. wenn es die Zeit erlaubt. Ein Programm von www.joelmediatv.de

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Folge von Sola Veritas werden die Jahre 1503 und 1504 beleuchtet, eine Zeit bedeutender Entwicklungen in Wissenschaft, Politik und Religion. Die Gründung der Universität Wittenberg, die Auseinandersetzungen um die Philosophie des Aristoteles und die Wahl neuer Päpste sind zentrale Themen. Gleichzeitig werden die Anfänge der Kolonialisierung und die politischen Konflikte in Europa thematisiert.


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Serie: Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation

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Transkript

[0:36] Herzlich willkommen zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation. Schön, dass Sie wieder eingeschaltet haben, auch bei Joelmedia TV, damit wir gemeinsam in dieser neuen Folge zwei weitere Jahre uns anschauen können in dieser Geschichte der Reformation. Bevor wir beginnen, wollen wir nach guter Gewohnheit ein Gebet sprechen und dazu lade ich Sie, liebe Zuschauer, ganz herzlich ein.

[1:01] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir zurückblicken dürfen und aus der Geschichte lernen können. Dann möchte ich bitten, dass, wenn wir jetzt uns Zeit nehmen, die Jahre 1503 bis 1504 zu betrachten, dass du uns Lektionen gibst, die wir lernen können und dass wir dein Handeln in der Geschichte und in der Reformation erkennen und daraus für uns Kraft und Stärke und Trost gewinnen können. Sei du bei uns und sehne uns durch deinen Heiligen Geist. Amen.

[1:54] Das Jahr 1503 sei nun den Betrieb der neuen Wittenberger Universität ganz neu aufblühen. Normalerweise musste eine Universität vom Papst bestätigt werden, allerdings dauerte so etwas eine ganze Zeit. Und so bekam die neu gegründete Wittenberger Universität eine übergangsweise Bestätigung von einem päpstlichen Legaten, von Raimund Parodie. Der war in Deutschland relativ bekannt, hat es schon im Jahre 1500 denen die Jubel Applus verkündigt. Und so konnte der Betrieb erst einmal weitergehen und man wartete dann, bis der Papst höchstpersönlich ganz offiziell diese neue Universität dann auch bestätigen würde.

[2:41] Am zweiten Februar legte einer der ersten Studenten in Wittenberg seine Magisterprüfungen in den freien Künsten ab. Es war Georg Burkhardt Spanner, 19 Jahre, der hier als einer der ersten Magister in Wittenberg wurde. Er verließ danach allerdings die Universität und ging dann nach Erfurt an die berühmte große Universität, wo ja auch Martin Luther war. Er wollte dort jetzt Jura und auch Theologie studieren.

[3:14] Luther war mittlerweile ja im Magisterstudiengang schwer beschäftigt, weiter mit der Philosophie. Eines der großen Themen war weiterhin Aristoteles. Zum Beispiel wurde die Topic von Aristoteles unterrichtet. Das war eines der Bücher, in denen es vor allem um die praktische Anwendung der Logik ging, wie man die verschiedenen Gesetzmäßigkeiten der logischen Schlüssel in einer Diskussion, in einer Disputation anwenden müsste. Und das war jetzt sehr wichtig für die Studenten, denn das akademische Leben bestand ja im Wesentlichen aus Disputation. Man stellte Thesen auf, z.B. die Professoren, und über diese Thesen musste dann diskutiert werden. Man musste disputieren, musste diese Thesen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen und miteinander in die Diskussion eintreten. Und an diesem Buch Topic von Aristoteles wurde das genauestens gelernt.

[4:16] Außerdem hier haben wir noch ein Manuskript, ein Originalmanuskript von Aristoteles hier. Außerdem gab es auch Naturphilosophie. Einige Schriften von Aristoteles, wie z.B. über den Himmel, über Werden und Vergehen, über die Meteore, über Sinn und Gedächtnis oder auch über den Traum. All das hat Luther verschlungen, studiert. Wie viel er von all dem behalten hat, ist nicht immer genau festzustellen, aber das war Gegenstand des Studiums. Aristoteles war, wie schon im ersten Studienabschnitt, das Zentrum, um das sich alles drehte. Die gesamte Wissensvermittlung basierte im Wesentlichen auf seinem System.

[5:00] Auch Mathematik stand jetzt weiter im Vordergrund. Dort gab es auch den bekannten antiken Mathematiker Euklid, der gelesen werden musste. Seine Gesetze wurden studiert. Außerdem gab es Arithmetik, dort hat man auch tatsächlich wirklich gerechnet. Planeten standen ebenfalls auf dem Studienplan und auch Musik, wobei wohl dann er sich weitaus mehr für die Musik als für die Planeten interessiert hat.

[5:32] Und naja, die Bedeutung von Aristoteles wird vielleicht sichtbar in diesem doch ganz bekannten Zitat von Johann von Meck von Last, der in Erfurt ein Professor war und der tatsächlich ausgesagt hatte: "Ohne Aristoteles wird niemand ein Doktor der Theologie." Mit anderen Worten, man betrachtete Aristoteles als so entscheidend, dass man keine Wissenschaft und auch schon gar nicht die hochheilige Theologie überhaupt sinnvoll betreiben könnte, ohne nicht vorher die philosophischen Ideen und Kategorien von Aristoteles in sich aufgenommen zu haben. Und so hat natürlich auch Luther, der Theologe werden wollte, sondern Jurist, sich intensiv mit Aristoteles beschäftigen müssen, aber immer wieder versucht, die besten Gedanken für sich selbst aufzunehmen, zu durchdenken und sie sich zu eigen zu machen.

[6:29] Seine Lehrer sind uns mit Namen zum Teil bekannt. Zum einen war das Johannes von Wesel, der zeitweise auch Rektor war. Er kam ebenfalls auch aus Eisenach. Und auf der anderen Seite war das Bartholomäus Arnoldi von Usingen. Beide hatten den Lehrbetrieb wieder auf ein hohes Niveau gebracht in Erfurt. Und beide waren im großen Streit der damaligen philosophischen Welt gemäßigt.

[6:58] Modern werden, das gleich ein bisschen genauer erklären, denn es gab in der damaligen Zeit einen heftigen Streit, eine enorme Auseinandersetzung zwischen den Gelehrten in dem sogenannten Universalienstreit. Es ging um eine grundlegende philosophische Auseinandersetzung, nämlich um die Frage, ob es allgemeine Begriffe tatsächlich existenziell, ontologisch gibt, oder ob sie nur begrifflichkeiten des Verstandes sind. Mit anderen Worten, das ist ein, wenn man ein Pferd sieht, dann kann man dieses Tier benennen als Pferd, weil es existiert. Aber die Frage war, wenn man jetzt verschiedene Tiere, die alle Pferde sind, und dann den Begriff "Pferde" als Allgemeinbegriff verwendet, ist das nur eine verstandesmäßige Kategorie, die man dem, der Mensch sich quasi geschaffen hat, oder gibt es so etwas wie Pferde als eigenständige Kategorie, unabhängig von den einzelnen Tieren? Und diese zugegeben recht theoretische Fragestellung wurde sehr intensiv und sehr heiß diskutiert.

[8:15] Da gab es auf der einen Seite die Realisten, die behaupteten, ja, solche allgemeinen Begriffe haben sozusagen einen Widerhall in der Realität. Die Nominalisten dagegen sagten, nein, diese Allgemeinbegriffe sind nur vom Menschen erdacht, um die einzelnen Dinge, die es gibt, kategorisieren zu können. Aber diese allgemeinen Begriffe haben keine eigenständige, in sich liegende Existenz.

[8:48] In dieser Frage wurde in Erfurt der Nominalismus unterrichtet. Das heißt, man glaubte, dass die allgemeinen Begriffe nur verstandesmäßige Kategorien sind. Und das ging vor allem auf einen mittelalterlichen Philosophen zurück, auf Wilhelm von Ockham, bekannt vor allem für das sogenannte Ockhams Rasiermesser, das allerdings oft missverstanden wird. Ein Philosoph und ein Theologe, der den Nominalismus in einer gemäßigten Form sehr präzise ausformuliert hatte.

[9:27] Luther lernte die gesamte Diskussion der mittelalterlichen Gelehrtenschaft kennen und seine, das heißt Ockhams Antwort darauf als seine Antwort begreifen. Ein zweiter wichtiger Gelehrter, der auch im Mittelpunkt des Unterrichts stand, war der kürzlich verstorbene Johannes von Wesel, von dem Luther später behauptet, dass er einen entscheidenden Einfluss auf ihn hatte in seiner Zeit als er zum Magister studiert.

[9:58] Es gab also verschiedene Richtungen, die Optimisten, zu denen Duns Scotus und Usingen gehörten und somit auch Luther. Es gab dann aber auch die Thomisten, sie beriefen sich auf Thomas von Aquin, jenem berühmten klassischen Kirchenlehrer, dem Doktor der Theologie, der die katholische Lehre ganz intensiv mit dem Gedankengut Aristoteles verbunden hatte, so sehr, dass es fast immer auf Lösbar und Thomas von Aquin war ein Realist.

[10:32] Dann gab es noch Duns Scotus und seine Nachfolger, zu machen dieses Christen, die auch Realisten waren, allerdings die gesamte Frage noch mal aus einer anderen Perspektive, etwas subtiler betrachteten. Und zwischen diesen Richtungen mit verschiedenen Unterrichtungen und verschiedenen Perspektiven gab es immer wieder Diskussionen, Streitigkeiten und einen gelehrten Austausch.

[10:54] Luther ist also in seinem Studium schon mit der etwas moderneren Art zu denken, die etwas differenzierter zwischen der aktuellen Realität und dem, was der Mensch sich nur an Verstandesbegriffen zusammen denkt, mit dieser differenzierteren, moderneren Art zu denken konfrontiert worden, hatte sich zu eigen gemacht, war damit sozusagen auf der moderneren Seite der mittelalterlichen philosophischen Diskussion.

[11:29] Ihm war wohl damals nicht bewusst, dass die Bibel zu diesem Thema auch etwas zu sagen hat und zwar: "Habt acht, dass euch niemand beraube durch die Philosophie und leere Trügerei, gemäß der Überlieferung der Menschen, gemäß den Grundsätzen der Welt und nicht Christus gemäß." Hunderte, tausende von brillanten Köpfen verschwendeten im Wesentlichen viel Zeit und Energie, um abstrakte Fragen theoretisch zu beantworten, die niemandem wirklich etwas praktisch halten. Aber das war die Realität und soweit konnte Luther in den jungen Jahren das noch nicht durchdenken.

[12:13] Ebenfalls Anfang 1503 wurde in Spanien der neue Handel mit den Kolonien im Westen monopolisiert und in Sevilla wurde ein Handelshaus eröffnet, das bis heute noch steht. Am elften Februar starb ganz überraschend die britische Königin Elisabeth von York mit 37 Jahren, nachdem wenige Tage zuvor ihre neugeborene Tochter ebenfalls gestorben war.

[12:39] Am 28. April begann dann eine Auseinandersetzung in Süditalien. Schon im Vorfeld hatten die Franzosen und die Spanier sich abgesprochen und Ratschlag, dass man das Königreich Neapel unter sich aufteilen wollte. Gesagt, getan. Es geschah. Spanische Truppen und französische Truppen fanden sich in Süditalien wieder und wollten diese Aufteilung vornehmen. Doch als man sich begegnete, kam es zum Machtkampf um dieses Königreich und beide, sowohl Spanien als auch Frankreich, wollten die volle Kontrolle.

[13:16] So kam es am 28. April zur ersten Schlacht in Cerignola, wie man sich auf der Karte sehen kann, im Osten des Königreichs. Und hier ein Bild nach dieser Schlacht, in der die Spanier mit italienischen Hilfstruppen, also mit Soldaten aus der Gegend selbst, über die Franzosen siegten. Einige Historiker zufolge ist dies die erste Schlacht gewesen, die durch den Einsatz von Feuerwaffen direkt entschieden worden ist.

[13:49] Es war zur Osterzeit, als dem jungen Martin Luther etwas Dramatisches passierte. Er war auf der Heimreise, als er sich mit seinem Degen, den er als Student in der Regel trug, am Bein verletzte. Es war eine schwere Wunde, die er sich zufügte und er musste verarztet werden. Er schreibt später, dass er Hilfe gesucht hat bei Maria, der sogenannten Gottesmutter, von der man glaubt, dass sie im Himmel sich für die Gläubigen einsetzte. In der Nacht ist die Wunde dann noch einmal aufgebrochen und das war eine wirklich dramatische Situation für den angehenden Magister.

[14:25] Rest an längere Zeit ans Bett gefesselt gewesen und hat sich in dieser Zeit ganz besonders der Musik hingegeben, hat viel Laute gespielt und auch komponiert. Er galt sowieso als recht musikalisch und seine Liebe zur Musik hat sich hier noch mal stark intensiviert und das Lautespiel ist ihm dann geblieben.

[14:52] Am ersten Mai wurde Carlo Scoto von Savoyen geboren, als sage und schreibe 23. Kind einer Adelsfamilie dort in Piano. Seine Mutter starb allerdings direkt bei der Geburt und auch er wird noch eine Rolle spielen in der Reformationsgeschichte.

[15:11] Sechs Tage später, am 7. Mai, wurde Johann von Staupitz, der jetzt als Professor in Wittenberg wirkte, bei einer Generalversammlung der Augustinereremiten und zwar der Observanten in Eschwege in den Niederlanden zum neuen Ordens-Oberst der Observanten, das heißt der reformierten Augustinereremiten, gewählt für ganz Sachsen und Thüringen. In dieser Funktion werden wir ihn in den nächsten Jahren immer wieder erleben als den Vorsteher sozusagen all der reformierten, der sogenannten Observanz Augustinereremiten im gesamten Gebiet von Sachsen und Thüringen. Und er begann dann auch gleich mit der Arbeit, wollte ein neues Kloster in Sternberg errichten lassen.

[16:07] Columbus war derweil weiter auf seiner Reise im Westen und sichtete am 10. Mai 1503 erstmals die heute so genannten Cayman Islands, die er damals Las Tortugas nach den Schildkröten benannte, die er dort vorfand.

[16:26] Am 13. eroberten die Spanier die Hauptstadt des Königreichs Neapel, die Stadt Neapel selbst, und hatten damit einen entscheidenden Vorteil jetzt gegenüber den Franzosen, die ja auch Neapel sich unter den Nagel reißen wollten.

[16:41] Johann Staupitz ist dann noch mehr gefordert gewesen, kurze Zeit später, nachdem er wie gesagt zum Obersten aller reformierten Augustinereremiten in Sachsen und Thüringen gewählt worden war, wurde er auch noch zum Prior des Augustinereremitenkonvents in München gewählt und blieb allerdings gleichzeitig Professor in Wittenberg. Musste jetzt also viel reisen und war schwer beschäftigt. Sein Plan, ein eigenes Kloster in Wittenberg zu errichten, nahm jetzt konkrete Gestalt an. Ihm wurde ein Grundstück zugewiesen in Wittenberg, auf dem jetzt ein neues Klostergebäude errichtet werden sollte, einfach und simpel und doch funktionsfähig.

[17:28] Am 7. Juli schrieb Columbus einen Brief an die spanischen Monarchen und in diesem Brief bringt er unter anderem etwas zum Ausdruck, was interessant ist. Er war dort gestrandet und hatte in Jamaika gestrandet und hatte gehofft, dass er Hilfe bekommt von der Kolonie Hispaniola. Das verzögerte sich allerdings, weil auch Columbus nicht jeder gut zu sprechen war. Und so schrieb er diesen Brief an den spanischen König und unter verschiedenen Dingen, die er dort erwähnt, sticht folgende Aussage heraus: Er sagt hier: "Nach meinen Berechnungen bleiben bis zum Ende der Welt nur noch 150 Jahre." Christoph Columbus war jemand, der sich für die biblische Prophetie interessierte und der glaubte aufgrund seines Studiums, dass nur noch etwa 150 Jahre bis zum Ende der Welt bleiben würden.

[18:29] Am 18. August starb dann der gefürchtete Papst Alexander der VI. mit 72 Jahren. Die zeitgenössischen Berichte behaupten, dass sein Körper so schnell aufgequollen sein soll, er sich schwarz gefärbt haben soll und dass der Körper eine übelriechende Flüssigkeit gesondert haben soll. Viele glaubten, der Satan selbst hätte ihn geholt. Andere glaubten, dass er eventuell vergiftet worden sei. Es hielt sich sogar lange die interessante Geschichte, dass er durch ein Versehen vergiftet worden sein soll, durch ein Gift, das er eigentlich einem anderen Kardinal zugedacht hatte. Wiederum andere glauben, er sei einfach an Malaria gestorben. Jedenfalls war er so verhasst, dass man ihm nicht einmal ein Grabmal zubilligen wollte.

[19:23] Damit war jetzt natürlich die Frage: Wer wird neuer Papst? Die verschiedenen einflussreichen Familien in Rom, wie die Orsini, die Colonna, die Borgia, verließen alle Rom, entschlossen sich bis zum Konklave zu warten und dann die Entscheidung zu akzeptieren. Im Konklave selbst, das ja jetzt immer in der Sixtinischen Kapelle stattfand, wurde dann am 22. September ein Übergangskandidat gewählt. Sein Name war Francesco Todeschini Piccolomini. Er nannte sich Papst Pius der III. War 64 Jahre alt und er war schon recht krank. Er litt an der Gicht. Frankreich hatte gehofft, einen französischen Papst haben zu können, aber das scheiterte unter anderem am Einfluss Mailands. Und so wurde dieser Übergangs-Kompromiss-Papst inthronisiert.

[20:24] Ein neuer Student kam nach Wittenberg im Wintersemester, das heißt im Herbst 1503, und das war Wenzeslaus Link, der ja in Magdeburg Freund von Luther geworden war, dann in Leipzig studiert hatte, das Studium abgebrochen hatte, dann Mönch geworden war und jetzt hatte er von dieser neuen Universität in Wittenberg gehört, nahm dort das Studium auf. Er war ja Augustinereremit und da ein Augustinereremit, nämlich Johann Staupitz, dort Professor war, hat sicherlich das Ganze noch gefördert.

[20:59] Nur wenige Tage im Prinzip nach seiner Wahl war Papst Pius der III. bereits ab dem 13. Oktober an das Bett gefesselt. Die Gicht war zu stark gewesen, dass fünf Tage später er bereits starb, am 18. Oktober. Er war tatsächlich nur 26 Tage Papst gewesen.

[21:22] Und so kam das Konklave schneller wieder zusammen, als man es sich gedacht hatte. Einer der großen Favoriten jetzt war Giuliano della Rovere, der Neffe des ehemaligen Papstes Sixtus IV., der einer der Strippenzieher im päpstlichen Rom war. Er wollte Papst werden und verabredete sich dazu mit dem berüchtigten moralischen Monster, dem Sohn des kurz zuvor verstorbenen Alexander VI. Cesare sollte die gesamten spanischen Kardinäle für della Rovere gewinnen und sollte dafür seine durch Krieg erworbene Herrschaft, zum Beispiel in der Romagna, und sein Amt als päpstlicher Heerführer behalten dürfen. Mit diesem Pakt ging man ins Konklave.

[22:11] Und tatsächlich wurde dann am ersten November Giuliano della Rovere mit 37 von 38 Stimmen Papst. Das Konklave nur einen Tag gedauert. Rovere hatte ganze Arbeit geleistet. Auch die Spanier hatten für ihn gestimmt, für den Giuliano. Und er nannte sich jetzt Julius der II. Julius, das was durch eine Abwandlung von seinem eigenen Namen in Giuliano, sollte wohl aber auch an Julius Cäsar erinnern.

[22:46] Julius der II. wurde später auch der Krieg genannt. Er war ein äußerst militärisch denkender Mann, der jetzt den Kirchenstaat wie ein reines Fürstentum verwalten sollte. Er gedachte aber nicht im Traum daran, sein Versprechen an Cesare Borgia auch einzuhalten, sondern ließ ihn umgehend gefangen setzen, was der natürlich dann schwer bedauert hat, dass er diesem Papst seine Unterstützung angeboten hatte.

[23:17] Am 29. Dezember gab es noch eine große Schlacht zwischen den Spaniern und Franzosen in Neapel. Die Spanier siegten hier erneut mit italienischen Söldnern in der Schlacht am Piano und vertrieben damit die Franzosen ganz aus Neapel.

[23:38] Weitere wichtige Ereignisse aus dem Jahre 1503, die nicht genau datiert sind, aber sie trotzdem einen wichtigen Einfluss auf das Gesamtgeschehen hatten. Die spanische Königin Isabella erließ ein System, mit dem jetzt die neu gewonnenen, frisch entdeckten Kolonien im Westen wirtschaftlich erschlossen werden sollten. Man hat ja das Handelshaus in Sevilla gegründet, das sogenannte Encomienda-System. Den sogenannten Anvertrauten, den Kommandanten, wurden große Gebiete gegeben. Sie wurden belohnt mit großen Gebieten und alle Ureinwohner, die in diesem jeweiligen Gebiet zu finden waren, waren zur Zwangsarbeit verpflichtet. Diejenigen, die also diese Gebiete anvertraut bekamen, hatten sich im Gegenzug dazu zu verpflichten, die Ureinwohner zu missionieren. Und diese Anvertrauenslehen waren nicht erblich. Es begann damit die systematische Ausbeutung der Ureinwohner und auch der Ressourcen und Rohstoffe dort in Mittelamerika.

[24:50] Sansibar wurde im selben Jahr portugiesische Kolonie. Die Portugiesen hatten ja durch den Seeweg nach Indien vor allem auch ein Auge auf Ostafrika und auf den Indischen Ozean geworfen. Und Gregor Reisch ließ in diesem Jahr eines der einflussreichsten Werke der mittelalterlichen Philosophiegeschichte, "Tractatus de Margarita Philosophica", kann, die damals als eine Art Enzyklopädie das gesamte wissenschaftliche und philosophische Wissen des Spätmittelalters darstellte. Zwölf Bände war sie dick und insbesondere für die sieben freien Künste wurde dieses Werk zum absoluten Standardwerk. Hier war alles zusammengefasst, was man im Mittelalter so als Wissen zusammengetragen hatte.

[25:40] Ein bekanntes Bild aus jener Zeit ist auch dieses sehr realistisch gemalte Bild von Albrecht Dürer, das Rasenstück. In den Künsten entwickelte man sich innerhalb von wenigen Jahren sehr rasant voran.

[25:57] Ebenfalls geboren 1503 wurde John Fane, Westerham südlich von London in England. Auch er später ein Vertreter in der Reformationsgeschichte.

[26:08] Der erste, der in der neuen Universität in Wittenberg zum Doktor promoviert worden ist, war der Rektor selbst, Martin Pollich oder Männerstadt genannt. Er wurde zum Doktor der Theologie. Es war die allererste Doktorpromotion in Wittenberg im Jahre 1503.

[26:33] Die Portugiesen begannen ähnlich wie die Spanier im Westen, jetzt im Osten mit der Kolonialisierung der indischen Gebiete, die man dort getroffen hatte oder gefunden hatte. Und als die ersten Missionare dort aufkreuzten, stellten sie erstaunt fest, dass an der Westküste Indiens viele Christen gab, die offensichtlich seit Jahrhunderten den christlichen Glauben dort bewahrten. Und es ist ganz interessant, wenn man diese Begegnung in den Geschichtsbüchern nachvollzieht. Es heißt hier in einem Werk: "Sie, die Portugiesen, waren angenehm überrascht, bis zu 100 christliche Kirchen an der Küste Malabars zu finden. Aber als sie ihre Reihen hat und die Einfachheit ihres Gottesdienstes kennenlernten, waren sie beleidigt."

[27:23] kannten, waren sie beleidigt. "Diese Kirchen gehören dem Papst", sagten die Portugiesen.

[27:27] "Wer ist der Papst?", fragten die Einwohner. "Wir haben nie von ihm gehört." Diese Christen beriefen sich in ihrer Herkunft auf den Apostel Thomas, der wohl offensichtlich im ersten Jahrhundert bis nach Indien vorgestoßen war und dort Gemeinden gegründet hatte. Sie hatten von der gesamten Entwicklung der westlichen Kirche nichts mitbekommen und viele Traditionen der katholischen Kirche waren ihnen vollkommen unbekannt. Bei dem Papsttum wollten sie sich unter keinen Umständen unterwerfen.

[28:06] Und so war nach dieser ersten interessanten Begegnung sofort der Konflikt vorprogrammiert. Denn die Kirche realisiert jetzt, dass es tatsächlich noch Christen gab in verschiedenen Teilen der Welt, die den eigentlichen, ursprünglichen, reinen christlichen Glauben bewahrt hatten, als das vom Papsttum geschehen war.

[28:30] Ebenfalls 1503 ließ Erasmus von Rotterdam eines seiner ersten großen Werke drucken: das sogenannte "Kleine Handbüchlein für christliche Ritter". Und in diesem Buch beschreibt er, wie man als Christ praktisch den guten Kampf des Glaubens kämpft. Er wurde gebeten von einer christlichen Frau, deren Mann nicht wirklich Interesse am Glauben hatte, und sie hoffte durch dieses Buch, den Mann gewinnen zu können für ein überzeugtes Leben als Christ. Und Erasmus hat in diesem Buch versucht, nicht besonders theologisch zu argumentieren, sondern sehr praktisch zu zeigen, wie man als Christ mit Versuchung fertig wird, wie man als Christ in den Kämpfen des Alltags ein überzeugtes Leben als Gläubiger lebt. Und es ist ein bisschen umständlich geschrieben, aber doch recht interessant zu lesen.

[29:41] Entweder 1503 oder 1504 kam Konrad Mut, der sich auch Mutlos nannte, noch so ein bekannter Humanist der damaligen Zeit, nach Gotha, ganz in die Nähe von Erfurt, und wurde dort Kanoniker. Er hatte den italienischen Humanismus in Bologna kennengelernt und jetzt auch in Deutschland verbreitet. Nach Erasmus und Ruhleben war er der drittbekannteste Humanist in Deutschland. Viele Schüler sammelten sich auch, Martin war sehr von ihm angetan. Und so bekam die Universität Erfurt selbst einen neuen Einfluss von Seiten des Humanismus. Dieser Einfluss ist wohl auch an Martin Luther nicht ganz vorbeigegangen, auch wenn er kein waschechter Humanist war. Aber ihm sind diese neuen Strömungen, die mehr auf die Wissenschaft und mehr auf die menschlichen Wissenschaften und die Kunst und das Altertum sich bezog, ihm ist das gut bekannt gewesen, wie wir auch noch sehen werden.

[30:43] Ebenfalls 1503 kam Isidor von Sevilla nach Venedig, wo er dort weitere Kommentare verfasste, unter anderem zum Messias. Er hatte geglaubt, dass der Messias 1503 kommen würde und hatte seine Hoffnung auf die 1335 Prophezeiungen aus Daniel 12 gegründet. Das tat natürlich nicht ein, weil die Fans schon lange zuvor gekommen waren. Aber er griff auf weitere Kommentare zurück und wandte sich immer mehr gegen die rationalistischen Tendenzen, die auch zu dieser Zeit schon aufkamen, und wollte die Bibel wirklich buchstäblich auslegen.

[31:30] Ein letzter, letzter Gedanke zu 1503: Johann Gramann begann mit 16 sein Studium in Leipzig. Kommen wir zum Jahr 1504. Am 1. Januar wurde Kaspar Cauziger geboren in Leipzig im Herzogtum Sachsen, und zwar als Sohn eines jüdischen Kaufmanns, der aus Böhmen dort nach Leipzig gekommen war. Und auch von ihm wird mehr zu sagen sein, genauso wie von Johannes Pistorius, der im Januar 1504 geboren wurde in Nidda in der Landgrafschaft Hessen.

[32:10] Cesare Borgia, der ja jetzt in Ungnade gefallen war beim Papst, schloss ein Abkommen mit dem neuen Papst Julius dem Zweiten, und er sollte unter Arrest gestellt werden in der italienischen Stadt Ostia, und damit war er einverstanden.

[32:27] Am 14. Februar wurde Philipp Gallitzin in Münster geboren, im Engadin. Und am 29. April war es derselbe Cesare Borgia, der sich erneut an das Abkommen dann nicht hielt und nach Neapel floh. Dort wurde er von den Spaniern zunächst aufgenommen und das freie Handel. Doch sowohl der spanische König als auch der Papst drückten durch, dass er doch verhaftet worden ist und auch gefoltert worden ist, und er dann nach Spanien gesandt worden ist, wo er eingekerkert wurde, und zwar in dieser Burg. Und das war natürlich ein schwerer Schlag für ihn, der bis dahin immer von Sieg zu Sieg gegangen war.

[33:26] Luther hat eben das Sommersemester sich weiter auch mit klassischen Autoren beschäftigt, das unter anderem auch Ovid, Vergil, Plautus, auch Cicero und Livius. Er hat sich also mit diesem Trend des Humanismus sehr deutlich auseinandergesetzt. Unter anderem hörte er im Sommersemester auch eine Vorlesung über eine neue Komödie von Reuchlin. Der hatte das Werk "Sergius" geschrieben, in der es ein bisschen auch die spätmittelalterlichen Missstände aufs Korn genommen worden waren. Die Vorlesung hielt ein gewisser Hieronymus Emser, der später noch im Leben von Luther eine Rolle spielen würde.

[34:09] Solche Vorlesungen waren freiwillig, weil sie sozusagen nicht zum Kern der sieben freien Künste gehörten. Aber nur einnahmen gehen an solchen freien Vorlesungen teil. Er hat offensichtlich das Studium nicht nur als eine Notwendigkeit begriffen, sondern wollte so viel wie möglich von den verschiedenen Angeboten mitnehmen. Er hat sich immer wieder Mühe gemacht, von diesen klassischen Autoren die besten Gedanken, die größten Weisheiten zu eigen zu machen, sie zu durchdenken und auf ihre praktische Anwendbarkeit zu überprüfen. Und da gab es natürlich manches, was wirklich das Denken und das ja, das Denken anregen konnte und den Sinn beschäftigen konnte.

[34:51] Am 24. Juni wurde dann Johannes Mathesius in Rochlitz geboren, als Sohn eines Ratsherrn in Sachsen. Am 6. Juli Christoph Blasius in der freien Reichsstadt Straßburg. Und am 18. Juli in der Grafschaft Baden, in Bremgarten, Heinrich Bullinger als uneheliches Kind eines Pfarrers. Das kam natürlich immer wieder vor.

[35:21] Eine dramatische Entscheidung fällte Johannes Bugenhagen, 18-jährig, eben Sommer 1504. Er hatte ja seit über zwei Jahren in Greifswald studiert und ohne einen Abschluss in der Tasche zu haben, brach er sein Studium ab. Er hatte natürlich einiges an Grundlagen mitgenommen aus den freien Künsten, aber er wollte nicht weiter studieren und setzte diesem Studium erst einmal ein Ende.

[35:50] Am 12. September kam es zu einer der größeren Schlachten in Deutschland. Jener Zeit tobte gerade ein interner Krieg, der sogenannte Landshuter Erbfolgekrieg. Bayern waren verschiedene Teilgebiete aufgeteilt, unter anderem Bayern-Freising und Bayern-München und auch Bayern-Landshut. Und als dort die Erbfolge des Erbes nicht ganz geregelt war, stellten sich plötzlich verschiedene Territorien im gesamten Reich gegeneinander, um dort in diesem Einfluss zu kämpfen. Unter anderem auch Böhmen und auch Frankreich waren involviert. Am 12. September kam es dann zu dieser Schlacht bei Wenzbach, wo die Böhmen gegen die Kaiser-Truppen verloren. Der Krieg zog sich dann noch ein bisschen weiterhin mit verschiedenen Schlachten und Gefechten.

[36:46] Im November 1504 erreichte dann Columbus Spanien. Seine vierte Reise war zu Ende. Er hatte lange Zeit auf Jamaika als Schiffbrüchiger ausharren müssen, bis dann endlich ihm geholfen worden war. Jetzt hatte er vier Reisen hinter sich und war in Spanien sicher angekommen.

[37:06] Noch im selben Monat starb dann die Königin von Kastilien, die spanische Königin Isabella die Erste, die mit so wichtigen Entscheidungen ihrer Zeit wirklich den Stempel aufgedrückt hatte. Unter anderem war ja sie mit ihrem Mann dafür verantwortlich, dass die Iberische Halbinsel ganz von den Muslimen befreit worden waren. Sie war eine der mächtigsten Personen der Welt. Die Spanier hatten durch die neuen Kolonien enormen Reichtum jetzt potenziell in ihrem Besitz. Aber sie starb mit 55 Jahren und ihre Tochter Johanna von Kastilien trat dann das Erbe an, die ja mit Philipp dem Schönen aus dem Hause Habsburg verheiratet war, so dass jetzt tatsächlich auch das Haus Habsburg, das schon den römisch-deutschen König stellte, auch seine Bande in Spanien hatte.

[38:05] Am 6. Dezember wurde Daniel Gräser in Weilburg geboren, auch er einer der Reformationsgeschichte Geschichte eine Rolle spielen wird. Und das Kloster der Augustiner-Eremiten in Wittenberg wurde jetzt begonnen zu bauen. Dieser Bau war, wie gesagt, sehr schlicht und ohne großen Prunk. Staupitz hat sich sehr dafür eingesetzt, dass es schnell vorangeht, so dass dieses Kloster sehr bald funktionieren konnte. Schon von Anfang an gab es gleich 13 Mönche in diesem neuen Kloster in Wittenberg.

[38:44] Johann Staupitz war es auch, der die Reformbewegung innerhalb des Augustiner-Eremiten-Ordens klar strukturieren wollte und stärken wollte. Die verschiedenen Vertreter dieser sogenannten Reformkongregationen trafen sich in Nürnberg und man gab sich dort eine einheitliche Regel. Die Augustiner-Eremiten hatten ja grundsätzlich eine Mönchsregel, die von Augustinus herrührte, an die sich aber die meisten Augustiner nicht mehr so wirklich hielten.

[39:16] Mein Name ist mit den Gebeten und mit den verschiedenen Pflichten nicht ganz besonders ernst und auch mit dem mit der Verpflichtung, abend zu sein, das wurde unterhöhlt und nicht so wirklich umgesetzt. Und zahlreiche Augustiner-Eremiten-Klöster wollten das anders machen. Sie wollten wir jetzt zurück zu den Wurzeln, zurück zu dem eigentlichen Daseins-Sinn. Sie wollten die Regel des Augustinus genau beachten, Observanz leben sozusagen. Und diese verschiedenen Klöster wurden jetzt unter Staupitz immer stärker vereint. Er versuchte sie auch, was die gemeinsame Praxis betraf, auf eine Linie zu bringen.

[40:00] Und das geschah, wie gesagt, 1504 in Nürnberg. Im Dezember entschloss sich dann der junge Martin Luther, sich zur Magisterprüfung anzumelden. Er hatte fleißig studiert, hatte sich mit der Philosophie von Aristoteles in all den verschiedenen Ausformungen auseinandergesetzt, hatte die klassischen Autoren auch gelesen. Man musste zwar Magisterprüfung mindestens 22 Jahre alt sein. Das könnte ein Argument also für das Geburtsjahr 1482 sein. Ansonsten hat man das vielleicht auch nicht allzu genau genommen mit diesen Regelungen. Die Prüfung sollte dann Anfang 1505 sein. Davon werden wir in der nächsten Folge dann natürlich berichten.

[40:48] Johannes Bugenhagen, der sein Studium abgebrochen hatte in Greifswald, ging nach Treptow an der Rega und wurde dort Lehrer an der Stadtschule, sehr bald auch Rektor. Unterrichtete dort Latein und begann dort quasi als Laie aus eigenem Interesse die Bibel zu studieren, was ihn wirklich tief beeindruckte und in seinem Herzen auch veränderte.

[41:19] Für die fünfjährige Katharina von Bora war das Jahr 1504 ein einschneidendes Erlebnis. Ihr Vater gab sie in das Augustiner-Chorfrauenstift in Brehna zur Erziehung. Sie musste also so jung ihre Familie verlassen und wurde jetzt von diesen geistlichen Personen erzogen und wuchs dort auf.

[41:50] Noch ein paar kleine letzte Details: Wolfgang Capito, eigentlich ja Wolfgang Köpfe, wurde mit 26 Student an der Universität in Heidelberg. Und Wenzeslaus Link, der ehemalige Freund von Martin Luther, erwartete dann doch seinen ersten Grad nach Wasser in Leipzig nicht geglückt war, in Wittenberg. Er wurde Bacc. jur. mit 21 an dieser neuen Universität.

[42:17] Ganz am Schluss noch ein Blick nach Basel, wo Ulrich Zwingli weiter sich im Studium befand, wo er ebenfalls mit dem Ziel eines Magisterabschlusses studierte und bereits gleichzeitig an einer Lateinschule unterrichtete. Ähnlich wie Luther hat er sich sehr intensiv mit den philosophischen Klassikern auseinandergesetzt, hat sich hinein vertieft in all das, was die spätmittelalterlichen Universitäten bieten konnte. Aber von Zeit zu Zeit hatte er auch einfach nur Lust auf Musik. Er war äußerst musikalisch begabt, wie wir schon anderen Folgen gesehen hatten. Das war ja der Grund gewesen, warum die Dominikaner ihn beinahe ins Kloster gelockt hätten. Und er beherrscht eine ganze Reihe von Instrumenten, mit denen er sich oft erholte von den ermüdenden, von der müden Lektüre von Aristoteles und all den anderen großen Klassikern. Und immer dann, wenn er Musik spielte, erinnerte ihn das natürlich ein bisschen auch an die Heimat dort im Toggenburg in der Schweiz, wo er aufgewachsen war.

[43:22] So verbrachte er also die Zeit in Basel, und wie sein Studium weiter ging und auch vor allem das natürlich von Martin Luther, das werden wir in der nächsten Folge erfahren. Dann werden wir uns mit einem Schlüsseljahr der Reformationsgeschichte auseinandersetzen. Das Thema wird dann heißen: "Die Krise 1505". Bis dann wünschen wir den Gottes reichen Segen und hoffen, dass Sie das nächste Mal wieder einschalten, wenn es heißt: Sola Veritas – die wahre Chronik der Reformation.


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