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In dieser Cannstatt Study Hour-Ausgabe widmet sich Andreas Buchholz dem Thema „Barmherzigkeit lieben“. Er beleuchtet die biblische Bedeutung von Barmherzigkeit, beginnend mit Gottes eigenem Charakter und wie dieser sich im Leben von Menschen widerspiegelt. Anhand von biblischen Beispielen wie dem barmherzigen Samariter und den Lehren Jesu wird die praktische Ausübung von Barmherzigkeit als tätige Nächstenliebe erklärt. Die Lektion thematisiert auch die Prioritäten des Reiches Gottes, die Herausforderungen bei Konflikten zwischen staatlichen Gesetzen und göttlichen Prinzipien sowie die Gefahr der Erschöpfung durch Mitgefühl. Abschließend werden die Bedeutung von Großzügigkeit, Frieden stiften und eine Stimme für die Stimmlosen hervorgehoben, stets mit dem Aufruf, Gottes Weisheit zu suchen und Barmherzigkeit nach seinem Vorbild auszuüben.


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Serie: Cannstatt Study Hour 2019 Q3: Was ihr den Geringsten getan habt

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Transkript

[0:00] Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der Cannstatt Study Hour. Wir beschäftigen uns heute mit dem zwölften Thema dieser Studienreihe und es geht um das Thema Barmherzigkeit lieben. Und interessanterweise kommt dieser Text, die Überschrift, in einem Bibeltext vor, den es aber so in der deutschen Übersetzung eigentlich gar nicht unbedingt gibt. Es kommt nämlich aus dem bekannten Text in Micha 6, Vers 8, wo es heißt: "Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: Nämlich Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott." Und dieses mittlere, was dort aufgezählt ist, "Liebe üben", ist der Text eigentlich für unsere Überschrift. Und das kommt daher, dass die englische Übersetzung der Bibel, worauf ja das Manuskript der Bibelbetrachtung eigentlich ursprünglich basiert hat, an dieser Stelle nicht sagt "Liebe üben", sondern "Love Mercy", Barmherzigkeit zu lieben. Und genau damit wollen wir uns heute ein bisschen auseinandersetzen. Wir wollen schauen, was ist Barmherzigkeit? Was sagt die Bibel über Barmherzigkeit? Und es werden einige Dinge aufgezählt. Wir werden sie teilweise durchgehen. Wir werden nicht die Zeit haben, alles aus der Bibelbetrachtung durchzusprechen. Aber ich möchte ein paar Gedankenanstöße geben, sodass wir für das Gespräch vorbereitet sind und wissen, wie wir uns austauschen können über dieses ganz, ganz wichtige Thema. Aber bevor wir in das Thema einsteigen, möchte ich mit euch gemeinsam beten. Vater im Himmel, von Herzen sagen wir dir Dank für die Möglichkeit, dein Wort aufzuschlagen. Und wir danken dir, Herr, dass du uns Dinge offenbaren möchtest, die wichtig sind, weil sie dir wichtig sind. Und so lass uns verstehen, was du uns sagen möchtest durch die Texte, durch dieses Thema der Barmherzigkeit. Wir danken dir für deine Gegenwart und für deine Führung durch deinen Geist. Im Namen Jesu. Amen.

[2:25] Die Bibel spricht an vielen, vielen Stellen von Barmherzigkeit. Und natürlich könnte man sich jetzt alles anschauen, aber wir wollen uns einfach mal ein paar gezielte Texte rausgreifen, die etwas ganz Spezielles über Barmherzigkeit sagen. Und einer der ersten Texte in der Bibel, die darüber sprechen, kommt in 2. Mose 34 vor. Das ist eine Begebenheit, wo Mose gerne Gott begegnen möchte. Er möchte sein Angesicht sehen. Gott sagt, das geht so nicht. Aber dann arrangiert er es so, dass er doch Mose nah sein kann, ihm begegnet und er ruft den Namen des Herrn aus. Er verkündigt seinen Charakter mit Worten. Er spricht, also Gott, über den Charakter Gottes, über seinen eigenen Charakter. Und wenn wir dort einfach mal ganz kurz in diesen Text reinschauen, 2. Mose 34 und dort der Vers 6. "Und der Herr ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: Der Herr, der Herr, der starke Gott, der barmherzig und gnädig ist, langsam zum Zorn und von großer Gnade und Treue." Sprich, Gott stellt sich hier als jemanden vor, der barmherzig ist. Barmherzigkeit ist ein Teil der Liebe. Barmherzigkeit ist ein Teil des Charakters Gottes. Und die ganze Bibel spricht davon, dass es für ihn ein zentraler Bereich ist. Und nicht nur über Gott wird von Barmherzigkeit gesprochen, sondern auch über Menschen. Und da habe ich einfach mal exemplarisch einen Text mir rausgesucht in Psalm 37. In Psalm 37 spricht es an mehreren Versen davon, dass auch Menschen Barmherzigkeit ausüben. Und zwar nehmen wir einfach mal die Verse 21 und 26. Psalm 37, 21 und 26. Vers 21 sagt: "Der Gottlose borgt und zahlt nicht zurück, der Gerechte aber ist barmherzig und gibt." Dann springen wir ein paar Verse weiter in Vers 26. "Er, also der Gerechte, ist allezeit barmherzig und leiht gerne und sein Same wird zum Segen." Sprich, Gott ist barmherzig. Das sagt er selbst von sich. Und im ganzen Geschehen der Bibel kann man natürlich auch erkennen, wie sich das ganz praktisch auswirkt, dass Gott barmherzig ist. Aber die Bibel spricht auch davon, dass Menschen barmherzig sein können. Sprich hier konkret: "Der Gerechte ist allezeit barmherzig." Und so kommen wir da nicht drum herum, dass wir auch genau diese Eigenschaften, Charaktereigenschaften wie Gott haben können, nämlich Barmherzigkeit auszuüben.

[5:29] Und trotzdem, wenn wir vielleicht mal ins Neue Testament reingehen, was ist beispielsweise vielleicht die erste Bibelstelle, die den meisten Menschen einfällt, wenn es um das Thema Barmherzigkeit geht? Es ist die Geschichte vom barmherzigen Samariter, oder? Genau diese Geschichte hat schon viele, viele Menschen bewegt, hat sie umdenken lassen, hat sie inspiriert, hat sie zurechtgewiesen, hat sie aufgerüttelt, was es doch heißt, Barmherzigkeit zu üben. Und der Text lässt sich finden in Lukas Kapitel 10 und dort die Verse 25 bis 37. Wir wollen jetzt aufgrund der Zeit nicht alles gemeinsam lesen, aber wir tun gut daran, es immer wieder aufzufrischen, tiefer zu graben, vielleicht aufs Neue zu verstehen, tiefer einzusteigen. Aber ich möchte trotzdem einen Vers, und zwar den letzten Vers, ganz kurz an der Stelle auch lesen. Und dort heißt es in Lukas Kapitel 10 Vers 37: "Er, Jesus, sprach: Also derjenige, mit dem Jesus sprach, der, welcher die Barmherzigkeit an ihm geübt hatte, ist der, der der Nächste war." Wir erinnern uns an den Inhalt der Geschichte. Und da sprach Jesus zu ihm: "So gehe hin und handle du ebenso." Sprich, Jesu Aufruf an diesen konkreten Mann, der ein Nachfolger Gottes sein möchte, und Jesus muss ihm aber noch ein bisschen erklären, wie das Ganze funktioniert. Zu ihm erging der Aufruf: "Übe du Barmherzigkeit aus, genauso wie dieser Samariter in der Geschichte auch Barmherzigkeit ausgeübt hat." Sprich, das ist die Art, wie wir Barmherzigkeit erstmal ein kleines Stückchen definieren können. Das heißt, Barmherzigkeit ist praktische, tätige Nächstenliebe zu haben. Nicht einfach nur ein Mitgefühl, ein Mitleid mit dem anderen zu haben, sondern Barmherzigkeit auszuüben. Da ist eine Aktivität mit verbunden. Sie umfasst auch das Mitleid und das Mitgefühl, aber es geht darüber hinaus und es wird aktiv und tut etwas, um der Not abzuhelfen, um sich der Not anzunehmen, um es zu lindern. Und in der Geschichte des barmherzigen Samariters ging das ja ganz konkret, dass er die Wunden versorgt hat, ihn in eine Herberge gebracht hat, aber nicht nur da stehen geblieben ist, sondern auch gesagt hat: "Hier an den Wirt, ich gebe dir noch Geld, damit du dich weiter kümmerst, damit wirklich für alle Bedürfnisse gesorgt ist." Und das ist es, was Barmherzigkeit letzten Endes ausmacht.

[8:13] Jetzt gibt es aber verschiedene Aspekte, die die Lektion diese Woche dann auch noch anspricht an den einzelnen Tagen. Und wir werden uns Stück für Stück diese Dinge anschauen und versuchen trotzdem, diesen roten Faden da draußen nicht zu verlieren. Das Erste, was hier angesprochen wird am Sonntag, ist von der Überschrift "Prioritäten des Reiches Gottes". Und es spricht dort an, dass da ein gewisser Konflikt entstehen kann zwischen welcher Autorität muss man am meisten gehorchen. Und so haben wir beispielsweise ja auch den Apostel Paulus, der im Römerbrief beschreibt, dass die Obrigkeit, also der Staat, das Staatswesen von Gott eingesetzt ist, um bestimmte Aufgaben auszuführen. Und sie haben Autorität von Gott bekommen. Und jetzt geht es hier halt einfach um diesen Punkt, dass trotz dessen Gott diese Autorität auch wirklich gegeben hat, damit sie ausgeübt wird, dass es trotzdem manchmal zu Konflikten kommen kann. Welche Autorität muss man am meisten gehorchen? Und Petrus sagt an einer Stelle: "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen." Solange da kein Konflikt ist, sollte man sich der Obrigkeit unterordnen, weil sie von Gott eingesetzt ist. Aber immer dann, wenn es zu einem Konflikt kommt, ist Gott die höhere Autorität und man muss sich in allererster Linie nach ihm richten. Ein Beispiel ist in der Lektion angesprochen, und zwar das Thema der Sklavenhaltung, der Sklaverei, wie es das auch noch im 19. Jahrhundert in den USA gegeben hatte. In den Südstaaten, auf den Plantagen und so weiter, dort wurden immer noch Sklaven gehalten und eingesetzt für die Arbeit. Und wenn dann beispielsweise ein Sklave weggelaufen ist, dann hat der Staat gefordert, die Sklaven zurückzuschicken. Wenn man mitgekriegt hat: "Oho, das ist ein entlaufener Sklave, muss man ihn ausliefern, man muss ihn den Autoritäten geben, damit er wieder an seine ursprüngliche Stelle zurückkommt, zu seinem Besitzer." Und genau da kam halt jetzt das Problem rein und Ellen White beschreibt das so ganz klar und direkt an der Stelle: "Ein Mensch kann niemals Besitztum eines anderen Menschen sein." Und deswegen ist es nicht nur nicht unsere Pflicht, sondern es ist auch nicht mal unser Recht, dann der Obrigkeit Gehör zu schenken und zu gehorchen, weil das einfach gegen Gottes Prinzipien ist. Und an dieser Stelle schreibt das Reich Gottes mit seinen Prinzipien vor, was zu tun ist, nämlich in diesem konkreten Fall dann der Obrigkeit ungehorsam zu sein, damit man gottgehorsam sein kann. Weil die Barmherzigkeit gegenüber dem entlaufenden Sklaven beispielsweise hat Vorrang vor den Gesetzen des Landes, die gegen Gottes Willen streiten und nicht im Einklang damit sind.

[11:28] Es gibt natürlich auch noch andere Beispiele. Das bezieht sich ja jetzt auf die USA im 19. Jahrhundert. Aber wenn wir beispielsweise ins 20. Jahrhundert reinschauen in Deutschland, haben wir eine vergleichbare Situation vielleicht gehabt. Also natürlich andere Bedingungen, andere Rahmenbedingungen, aber dennoch in dem Punkt, wie man sich zu verhalten hat, eine ähnliche Situation. Da ging es dann nämlich zum Beispiel darum, dass die Nationalsozialisten alle Juden vernichten wollten, sie aus der Gesellschaft herausnehmen wollten, um sie in Konzentrationslager zu bringen. Und manche Menschen haben dann halt Juden bei sich zu Hause versteckt unter Einsatz ihres eigenen Lebens, unter Einsatz dessen, dass sie auch selber in Gefahr kommen konnten dadurch, wenn sie dabei erwischt wurden, wie das passiert. Aber es gab halt nicht nur Christen, aber auch Christen, die gesagt haben: "Nein, ich muss Barmherzigkeit zeigen gegenüber meinen Mitmenschen. Ich kann doch nicht einfach jemanden ans Messer ausliefern. Ich kann doch nicht einfach nur, weil der Staat irgendwelche willkürlichen Regeln aufstellt, mich dem beugen, auch wenn das gegen mein Gewissen geht, gegen Gottes Willen geht." Und so haben wir ein Beispiel auch hier in Deutschland gehabt, vor nicht allzu langer Zeit. Was wären jetzt Beispiele direkt in unserer heutigen Zeit? Und ich habe mir versucht, etwas zu überlegen und mir sind auch ein paar Beispiele eingefallen. Aber was denkst du, was sind aus deiner Perspektive heute Probleme, wo vielleicht ein Konflikt besteht zwischen dem, was Gottes Wille ist und dem, was Gesetze des Landes oder darüber hinaus, was so üblich ist auf der Welt, dass da irgendwas im Konflikt steht? Wo sind da die Bereiche, wo wir uns mehr nach Gott zu richten haben, als nach dem, was wir nach dem Gesetz her vielleicht tun sollten?

[13:53] Und es geht aber nicht nur darum, dass es diese hohen Autoritäten gibt, nämlich Gott und den Staat, der ja auch von Gott eingesetzt ist, die im Widerspruch stehen können, die im Konflikt stehen können, sondern sowas wie Sklavenhaltung oder Judenvernichtung haben wir ja so in unserer Zeit, in unserer direkten Umgebung, zumindest ich in meiner direkten Umgebung nicht. Und dennoch gibt es das gleiche Prinzip auch eine Ebene tiefer. Und zwar wäre es zum Beispiel einfach die Autorität bei mir persönlich im eigenen Leben. Ist Gott da auch in allen Bereichen die Autorität? Richte ich mich wirklich nach ihm oder setze ich doch meinen Verstand ein, der ja auch von Gott gegeben ist? Aber steht vielleicht Gottes Wille gegen meinen Verstand? Steht auch Gottes Wille vielleicht manchmal gegen meine Pläne, Ziele, meine Einstellung, meine Überzeugung? Beuge ich mich da auch immer nach dem, was ich als Gottes Willen erkenne?

[14:59] Und so haben wir durchaus viele Bereiche auch in unserem direkten persönlichen Leben, wo sich das ganz praktisch abspielt. Was hat die höhere Priorität? Was gibt das Reich Gottes mir persönlich vor, wie ich ihn hier und jetzt zu entscheiden und zu handeln habe?

[15:19] Lass uns einfach mal zwei Bibeltexte dazu noch aufschlagen. Sie stehen in der Bergpredigt in Matthäus Kapitel 6. Sie weisen uns da auf einen Aspekt hin. Die Lektion bespricht den ganzen Abschnitt aus Matthäus Kapitel 6, aber wir haben jetzt nicht die Zeit alles zu lesen, deswegen greife ich einfach mal zwei Verse raus und das ist einmal der Vers 25. Matthäus Kapitel 6, der Vers 25. Dort heißt es: "Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung?" Und ja, wir sind verantwortlich dafür. Gott hat uns Auftrag gegeben, dass wir auch für unseren Lebensunterhalt zu sorgen haben, dass wir für unsere Familien sorgen. Das gehört alles dazu zum Leben und das ist von Gott so gewollt. Und dennoch kann auch da schon einfach die Problematik reinkommen, dass wir es manchmal vielleicht als wichtiger erachten, dass wir für diese guten, natürlichen, alltäglichen Dinge des Lebens zu sorgen haben, als vielleicht Gottes Willen zu tun, vielleicht Barmherzigkeit auszuüben. Ja, wenn wir vielleicht noch mal weiterschauen, den Vers 33 noch dazu lesen, dann heißt es dort: "Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles hinzugefügt werden." All das, was Gott ja weiß, was wir brauchen, wird er garantieren, dass wir es haben werden. Im Psalm steht: "Ich habe den Gerechten nie um Brot betteln sehen." Gott kümmert sich um seine Kinder. Gott kümmert sich um diejenigen, die zuerst nach dem Reich Gottes trachten, die sich für andere Menschen einsetzen, die selbstlos leben.

[17:32] Ich habe einfach mal ein paar Dinge mir überlegt, was es halt heißt, ganz praktisch Nächstenliebe auszuüben. Aber bevor wir vielleicht darauf kommen, habe ich einfach mal ein kleines Zitat mitgebracht, das findet sich in einem Buch bei Ellen White, das es nicht auf Deutsch gibt. Aber es ist ein Zitat, was mich jeden Tag auf die Art und Weise beschäftigt, weil ich es als Hintergrund für mein Handy gemacht habe. Ein Zitat, an das ich mich gerne jeden Tag erinnern möchte, weil es nämlich ein Motto, ein Ziel vorgibt. Und ich habe es einfach mal übersetzt und auf Deutsch heißt es so. Ihr findet das Zitat, wie gesagt, im Manuskript. Könnt ihr euch einfach runterladen dort. "Ein kurzer Tag ist dir gegeben. Arbeite während seiner Zeit, der Zeit dieses Tages für den Meister, als ob es dein letzter auf Erden wäre. Lege alle deine Pläne vor Gott, damit sie ausgeführt oder aufgegeben werden, wie es seine Vorsehung andeuten wird. Akzeptiere seine Pläne anstelle deiner eigenen, auch wenn die Annahme die Aufgabe liebgewonnener Projekte erfordert."

[18:59] Und warum ist mir dieses Zitat so wichtig geworden? Warum möchte ich mich regelmäßig daran erinnern? Wisst ihr, ich mag es, wenn ich einen Tagesplan habe. Ich mag es, mir Dinge vorzunehmen. Und wenn ich dann am Ende des Tages die Ziele erreicht habe, wenn ich die Projekte, die ich mir vorgenommen habe, abschließen konnte, dann freut mich das einfach. Strukturierten Tagesablauf, Ziele vorgeben, Ziele erreichen, der Tag war ein guter Tag. Und dann komme ich manchmal in die Bredouille, weil ich habe mir bestimmte Dinge vorgenommen, aber dann kommt ein Telefonat, dann kommt eine Person zu Besuch, dann gibt es etwas, was dazwischenkommt, wo ich gefragt werde: "Kannst du mir kurz helfen?" Und ich bin immer regelmäßig herausgefordert, da abzuwägen und zu schauen: Ist das jetzt Gottes Wille? Ist es nicht Gottes Wille? Aber ich glaube viel häufiger, als ich es mir vielleicht manchmal sogar vorstellen mag, ist es Gottes Wille, dass ich mein Leben für andere einsetze, dass ich helfe, dass ich ganz praktisch dort mit anpacken kann, wo andere Menschen Not haben, wo Leid ist, wo irgendwas Unterstützung benötigt. Und das kommt aber in Konflikt mit dem Plan, den ich mir für den Tag eigentlich vorgenommen habe. Wie reagiere ich darauf? Wenn ich darin halt erkennen kann, dass es Gottes Wille ist, wenn ich ja, ich möchte ja mein Leben dafür einsetzen, Gott zu dienen und indem ich Menschen diene, anderen Menschen diene, diene ich ja Gott. Und wenn ich mir das vornehme, dann heißt es hier in diesem Zitat: "Seine Vorsehung wird dir zeigen." Und natürlich, wir können auch immer Gott um Rat bitten, um Rat bitten und er wird uns Antworten geben: Ist es von dir? Ist es nicht von dir? Soll ich mich drum kümmern? Soll ich mich nicht drum kümmern? Aber auch wenn es manchmal einfach diese Dinge sind, wo ich weiß, es ist Gottes Wille, dass ich da helfe, dann habe ich trotzdem manchmal die Herausforderung zu sagen: Okay, ich lasse all das ruhen, was ich ja mir eigentlich vorgenommen habe, was ja eigentlich auch nicht schlecht war. Ich habe es auch als Gottes Willen verstanden, aber jetzt kommt etwas dazwischen, dann konzentriere ich mich da drauf, wenn Gott es mir vorlegt. Aber das ist ein Kampf und ich denke, auch du wirst hin und wieder in dieser Problematik stecken. Bin ich bereit, bei Herzlichkeit auszuüben, auch wenn ich mich nicht lange darauf eingestellt habe?

[21:40] Und jetzt kommen wir auf die Beispiele, die ich eben schon angekündigt hatte. Wie ist das, wenn beispielsweise sich Besuch ankündigt? Menschen sind auf der Durchreise, sie schaffen es nicht mehr weiterzufahren, sie wollen kurz vielleicht die Nacht in deinem Haus übernachten, aber du hast nicht aufgeräumt, du hast nichts gebacken, du hast nichts gekocht, es gibt nichts zu essen, du hast nicht eingekauft, es gibt nichts zu trinken. Dir passt es zeitlich nicht, du bist selber in Projekten drin, du musst dich noch um so viele Dinge kümmern. Wie sieht es da aus? Fragst du dich da an der Stelle auch immer: Ist es vielleicht doch Gottes Wille, dass meine eigentlichen Pläne so ein kleines bisschen durcheinandergebracht werden, damit ich Gastfreundschaft üben kann? Gastfreundschaft ist ein Teil beim Herzlichkeit, praktische Hilfe, die jemandem anders zum Segen ist. Nicht nur einfach mitfühlen, sagen: "Oh ja, ich verstehe, dass du müde bist und nicht mehr fahren kannst, aber ich bete für dich und du wirst es schon schaffen." Wenn die Bitte sogar kommt, warum es nicht zum Beispiel als Wille Gottes annehmen, aus seiner Hand nehmen und sagen: "Herr, dann ist es ja trotzdem in deiner Hand und du kannst es immer noch so führen, dass alles funktioniert." Aber manchmal kommen wir vielleicht gar nicht auf den Gedanken, das dann wirklich einfach aus Gottes Hand zu nehmen, oder?

[23:19] Aber es ist nicht nur Gastfreundschaft oder allgemeine Hilfsbereitschaft für was vielleicht im Haushalt gerade anliegt oder in der Gemeinde, wenn es Tätigkeiten zu übernehmen gibt, sondern es hat ja vielleicht auch etwas mit Fürsorge zu tun. Fürsorge für die Kinder, die uns anvertraut sind, der Ehepartner, Gemeindeglieder, überall dort, wo wir von Gott Verantwortung für andere Menschen bekommen haben, dass wir fürsorglich mit ihnen umgehen, dass wir beim Herzlichkeit an jedem Einzelnen von ihnen üben. Das mag unsere eigentlichen Pläne auch durcheinander bringen. Vielleicht nicht nur so kurzfristig, dass mal eine Nacht oder ein Wochenende durcheinander kommt, sondern was ist, wenn ein Mensch aus der Familie pflegebedürftig wird und man die Person nicht nur eine Woche, einen Monat, vielleicht jahrelang pflegen muss? Üben wir beim Herzlichkeit auch voller Freude von Herzen aus, wenn es uns wirklich etwas kostet, wenn es uns wirklich nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig betrifft?

[24:35] Und so könnte man die Liste noch weiterführen, aber ich denke, wir verstehen den Punkt. Wir sind herausgefordert, sowohl bei den Obrigkeiten als auch in unserem ganz praktischen eigenen Leben, immer zu diesem Punkt zu kommen, dass Gott die höchste Priorität hat in dem, was wir zu tun haben, wo wir beim Herzlichkeit auszuüben haben oder nicht. Wir müssen ihn fragen und er wird uns Antworten geben und er wird uns führen. Das hat er verheißen und es ist ja sein Wunsch, dass er uns leitet und lenkt und uns hilft, die Dinge in Angriff zu nehmen, die er uns aufgetragen hat, dass wir sie tun.

[25:18] Kommen wir zum dritten Punkt. Der dritte Punkt hat erstmal eine interessante Überschrift. Es geht um "erschöpft von Mitgefühl" und das klingt erstmal ein bisschen merkwürdig und trotzdem denke ich, leider ist das vielleicht auch jedem von uns nicht ganz, ganz fremd, was damit gemeint ist. Nämlich, wenn man sich so sehr involviert, wenn man so viel mitbekommt von Leid und Not, wo Hilfe notwendig ist, wo man Herzlichkeit angebracht ist, wo man Einsatz zeigen könnte, dann fühlt man sich manchmal in der Situation, dass man vielleicht am Abstumpfen ist. Und man kommt mit der Situation nämlich einfach nicht mehr so ganz zurecht. Man denkt sich: "Das ist zu viel, ich brauche Abstand, Selbstschutz." Was sind die Gründe? Und ich habe mir zwei Gründe herausgesucht, die das hervorrufen, dass man diese Erschöpfung dabei verspürt.

[26:37] Und das erste, was ich mir überlegt habe, ist, dass wir denken, dass es unser Mitgefühl ist, dass es unsere Barmherzigkeit ist, unsere Liebe ist, die wir dort weiterzugeben haben. Weil wir stellen uns manchmal so bildlich vor, dass wir einen Tank voller Barmherzigkeit haben und dann gebe ich hier Barmherzigkeit und dort Barmherzigkeit und da setze ich mich ein, hier bin ich selbstlos und dann: "Tank ist leer." Ich gebe ja nur, ich gebe ja nur, jetzt brauche ich doch was zurück, oder? Und ich denke, es ist einfach ein Trugschluss. Oder spätestens dann, wenn wir ja an dieses Erlebnis von einem leeren Tank kommen, dann müssten wir doch spätestens dann verstehen, dass wir es versucht haben aus eigener Kraft zu tun. Wir versuchen irgendwo mit den Mitteln, die wir halt haben, Dinge zu regeln und dann kommen wir an den Boden und wissen einfach nicht mehr weiter. Dabei steht die ganze Zeit und Gott verheißt das immer wieder: Der Herr neben uns. Jesus ist mit uns und er beschreibt sich als die Quelle aller Kraft, die Quelle aller Liebe, die Quelle aller Barmherzigkeit und er ist direkt bei uns. Wir können im Gebet mit ihm kommunizieren, wir können zum Gnadenthron kommen, um rechtzeitige Hilfe zu bekommen, dass wir sie von Gott nehmen, damit wir nicht diese Leere fühlen müssen, sondern dass wir immer einen Vorrat haben, dass wir Barmherzigkeit und Liebe nehmen und sie ausüben, dass wir einfach das weitergeben, was wir von Gott bekommen haben. Und wenn Gott sagt, er ist eine unerschöpfliche Quelle der Weisheit und der Liebe, wie sollten wir, wenn wir Zugriff darauf haben, wenn wir Zugang zu ihm haben, wie sollten wir denn austrocknen? Es ist nicht möglich. Aber wenn ich merke, dass ich irgendwo leergebrannt bin, dann weiß ich, dass ich versucht habe, einfach aus eigener Kraft zu handeln und das muss zum Scheitern verurteilt sein. Und Gott sagt deswegen: "Schöpft aus mir, ich bin die Quelle des Lebens. Wenn ihr aus mir trinkt, wenn ihr das, was ihr von mir nehmt, einfach weitergebt, dann könnt ihr niemals leer kommen." Natürlich, und das ist auch eine heilige Pflicht, dass wir uns ja nicht überarbeiten dürfen in dem Sinne. Der Körper braucht Ruhephasen, ja, aber indem wir uns immer auf Gott ausrichten und von ihm schöpfen, kann diese Kraft in dem Sinne niemals ausgehen.

[29:15] Der zweite Grund, warum wir manchmal diese Art von Erschöpfung dort verspüren und nicht wissen, genau wie es weitergeht, ist, weil wir manchmal versuchen, über unser Maß hinaus etwas zu tun, über unser Maß hinaus Barmherzigkeit auszuüben. Was meine ich jetzt mit "über unser Maß hinaus"? Es kommt uns manchmal so vor, als müssten wir die ganze Welt auf unseren Schultern tragen. Wir müssen uns um alles kümmern. Es prasselt so viel auf uns ein und wir wissen nicht, wie wir damit umgehen sollen. Und die Frage ist: Hat Gott uns diese Aufgabe gegeben, die ganze Welt auf den Schultern zu tragen? Barmherzigkeit für alle Menschen auf diesem Planeten am besten noch parallel und gleichzeitig auszuüben? Und die Antwort ist nein. Es ist nicht unsere Aufgabe, alles zu tragen. Wir können nicht allen Menschen am besten gleichzeitig helfen. Es geht nicht. Und Gott fordert das von uns auch nicht. Es ist nicht unsere Verantwortung, das, was nur Gott kann, die Welt auf seinen Schultern zu tragen, dass wir versuchen, das zu tun. Aber wir hören vielleicht in den Nachrichten jeden Tag von Not und Elend und Leid und Katastrophen und unser Mitleid ist erregt und wir wollen irgendwo helfen. Wir wollen Barmherzigkeit ausüben, aber wir können nicht gleichzeitig für alle guten Zwecke spenden. Wir können auch nicht unsere Zeit gleichermaßen für alles, was an Nöten und was Barmherzigkeit erfordert, aufwenden. Aber Gott verlangt das ja auch nicht. Aber wir haben manchmal das Gefühl. Und auch, ja, gibt es auch in der Gemeinde. Wir hören auch dort immer wieder von Herausforderungen und wo man vielleicht auch sich missionarisch überall engagieren könnte. Und es ist ja gut. Gott wünscht sich auch, dass wir uns einsetzen. Aber was ist das richtige Maß? Was ist das, was Gott von mir persönlich, von uns als lokale Ortsgemeinde, von wem auch immer wirklich verlangt? Es gibt ein Maß und Gott möchte uns dieses Maß zeigen, so dass wir nicht unter dieses Maß kommen, aber auch nicht über dieses Maß hinaus.

[31:43] Und ganz praktisch heißt das beispielsweise, wenn es dich zum Beispiel belastet, die ganze Zeit in den Nachrichten von Katastrophen und so weiter zu hören. Vielleicht wäre es an der Zeit, die Nachrichten auszuschalten, sie nicht tagtäglich zu verfolgen. Ja, es ist sicherlich nicht verkehrt, zu wissen, was in der Welt passiert, damit man auch weiß, was andere Menschen bewegt. Aber manchmal ist es so, dass so oder so, wenn irgendetwas Wichtiges passiert, dass durch Gespräche man sowieso auf diese Themen kommt. Und so praktiziere ich das meistens, dass ich nicht jeden Tag die Tagesschau schaue und Nachrichten lese und alles Mögliche, sondern manchmal, wenn ich dann hingewiesen werde auf etwas, dass ich dann vielleicht etwas mehr recherchiere und herausfinde, worum es bei der Sache dann geht. Aber wenn ich permanent nur überhäuft werde von negativen Nachrichten, dann kann es durchaus sein, dass wir abstumpfen oder dass wir uns halt erschöpft fühlen und uns dann zurückziehen vom Herzlichkeit im Allgemeinen. Das Wichtige ist, dass wir unseren Blick nur auf eine Sache gerichtet haben.

[33:10] Schlagt mit mir mal ganz kurz, bevor wir diesen Gedanken dann konkreter machen, Matthäus Kapitel 24 auf. Matthäus Kapitel 24, Teil der Endzeitrede Jesu. Dort heißt es in Vers 12: "Und weil die Gesetzlosigkeit überhand nimmt, wird die Liebe in vielen erkalten." Gesetzlosigkeit sehen wir ja überall auf der Welt. Ungerechtigkeit ruft Leid hervor und all diese Dinge. Und wenn man das immer nur konsumiert und konsumiert und sieht und sich darauf fokussiert, dann kann man nicht anders als abzustumpfen oder sich zurückzuziehen, die Liebe erkalten zu lassen. Aber ich möchte nicht, dass meine Liebe erkaltet, also die Liebe, die ich ausübe, sondern ich möchte den beständigen Nachschub von Gott haben, dass ich Liebe ausüben kann, weil ich weiß, was dadurch für ein Segen entstehen kann. Die Liebe sollte nicht erkalten. Aber wenn wir die ganze Zeit Ungerechtigkeit sehen, dann kommen wir nicht anders drum hin. Deswegen schlagt mit mir einen anderen Text auf in Lukas Kapitel 6. Lukas Kapitel 6 und dort der Vers 36. Dort heißt es: "Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist." Sprich, was sollte unser Maßstab sein? Die Ungerechtigkeit der Welt, dass wir auch Liebe erkalten lassen und ungerecht sind? Nein. Wir sollten unseren Blick auf Gott gerichtet haben, sodass wir sehen, wie er barmherzig umgeht, sodass es unser Herz erweicht, sodass wir uns davon inspirieren lassen, dass wir ihn nachahmen wollen. Barmherzigkeit ausüben, wie Gott Barmherzigkeit ausübt. Das ist unser Maßstab. Das ist der Aufruf, den wir auch vorhin schon in der Geschichte des barmherzigen Samariters von Jesus direkt gehört haben. Was nicht nur der Person damals ging, zu der Jesus es geredet hat, sondern es geht für jeden Nachfolger Jesu, dass wir diese Barmherzigkeit so ausführen sollen, wie Gott sie ausführt.

[35:30] Ich habe es zwar schon einmal angesprochen, aber ich finde es immer gut, wenn wir trotzdem die Texte aufschlagen. Jakobus Kapitel 1 und der Vers 5 ist ein ganz, ganz wichtiger Vers, den wir uns nicht nur merken sollten, sondern auch ganz groß auf die Vorhauten unseres Herzens schreiben sollten. Jakobus 1 Vers 5 sagt: "Wenn es aber jemanden unter euch an Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen gern und ohne Vorwurf gibt. So wird sie ihm gegeben werden." Was heißt das nun in Bezug auf Erschöpfung? Ich habe es schon angesprochen, aber wir sollten diesen Bibelfers beim Wort nehmen und sagen: "Herr, ich weiß nicht, was mein Maß an Barmherzigkeit ist. Ich weiß nicht, was dein Wille ist, was ich persönlich tun kann, was unsere Familie tun kann, was unsere Gemeinde tun kann. Was sind die Aufgaben, wo wir uns hier lokal vor Ort engagieren können? Aber vielleicht, wo können wir uns auch darüber hinaus? Was ist dein Wille, dass wir auch in Übersee mithelfen oder im Gebet für Menschen eintreten oder Geld spenden oder was es auch wirklich ist, dass wir hinreisen, uns engagieren? Herr, uns fehlt die Weisheit. Zeig du uns, was wir tun können, was wir tun sollen." Und wenn Gott uns diese Frage dann beantwortet, dann können wir sicher sein, dass er nicht über unser Maß hinausgehen wird. Er wird uns herausfordernde Dinge auferlegen und vorlegen und sagen: "Das ist deine Aufgabe." Aber es wird nichts etwas sein, wo wir an Erschöpfung dann leiden müssen, wo wir abstumpfen und uns zurückziehen müssten, sondern mit Gott zusammen wissen wir, was unsere Aufgabe ist. Nicht darunter, aber auch nicht darüber.

[37:36] Dann spricht die Betrachtung noch einen anderen Punkt an, der auch eng mit Barmherzigkeit verknüpft ist, ein Teil der Barmherzigkeit darstellt. Und das ist das Thema Großzügigkeit. Und die Bibel spricht an vielen Stellen davon. Vor allem der Apostel Paulus hebt es sehr, sehr stark hervor, wie großzügig Gott ist, dass er sich nicht nur, wenn wir ihn um etwas bitten, dass er ganz genau schaut, dass er nicht zu viel uns gibt, sondern er gibt in überreichem Maße. Er ist jemand, der nicht zurückhält, sondern der gerne und freiwillig und ohne Vorwurf gibt, so wie der bei der Weisheit, wie wir es in Jakobus gelesen hatten. In 2. Korinther, Kapitel 9, der Vers 7, drückt im Bereich der Großzügigkeit etwas ganz Besonderes aus. 2. Korinther, Kapitel 9 und der Vers 7. Dort heißt es am Ende, und das ist uns am geläufigsten: "Denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb." Und dann steht davor auch noch, dass wir nicht widerwillig oder gezwungenermaßen irgendwie etwas tun sollten, etwas geben sollten, großzügig sein sollten, weil es halt erwartet wird, sondern dass wir geben sollen mit frohem Herzen, aus vollem Herzen. Dass es uns Freude bereitet, dass wir Spaß daran haben zu geben und nicht nur gerade so unser Maß erfüllen, sondern aus tiefstem Herzen nicht zurückhalten, weil Gott genau diese Eigenschaften in sich verkörpert. Und es ist ja immer sein Ziel, dass wir ihn widerspiegeln. Nicht, dass da irgendetwas Egoistisches dran ist, sondern so zu sein bedeutet Leben. Und Gott wünscht sich für uns, dass wir dieses Leben der Fülle leben können, ein Leben der Großzügigkeit. Und dann kann es halt sein, dass wir ja ein bisschen gehemmt sind, alles zu geben. Aber die Bibel ruft uns ganz klar auf, nicht egoistisch zu sein, sondern wirklich mit unserem ganzen Herzen das zu tun, weiterzugeben, zu helfen, Barmherzigkeit zu üben, großzügig zu sein in diesen Dingen.

[40:23] Und 1. Korinther Kapitel 13, wir kennen ja alle das hohe Lied der Liebe. Dort heißt es in Vers 5: "Die Liebe ist nicht unanständig und die Liebe sucht nicht das ihre." Und wenn wir dieses als Prinzip mitnehmen, dass es nicht um uns geht bei der Sache, dass mir ja sowieso nichts gehört. Mein Leben, mein Besitz, meine Energie, meine Kraft, alles habe ich ja von Gott bekommen. Wie könnte ich es zurückhalten, wenn ich es zum Segen für andere einsetzen kann? Aber wir denken manchmal, wir müssen uns doch, wenn ich alles gebe, dann wie kann ich mich da selber schützen? Aber die Bibel sagt ja ganz klar: "Wer sein Leben versucht zu retten, der wird es verlieren. Wer das Leben aber gibt um seinetwill, wer es einsetzt für Gott, indem er es für andere Menschen einsetzt, der wird es gewinnen, der wird es finden, der wird das Leben als wahres Leben erst erleben können."

[41:23] Und dann spricht 1. Korinther 13 auch noch über einen Aspekt, den wir an der Stelle auch nicht vernachlässigen dürfen. Wenn wir dort nämlich beispielsweise den Vers 3 schauen, dort heißt es in 1. Korinther 13 Vers 3: "Und wenn ich all mein Habe austeilte und meinen Leib hingebe, damit ich verbrannt würde, aber keine Liebe hätte, so nützt es mir wie viel? Nichts." Sprich, Gott ruft uns auf großzügig zu sein, weil er großzügig ist. Und hier wird etwas beschrieben, was an Großzügigkeit nicht zu überbieten ist, nämlich alles Habe herzugeben, all meinen Besitz wegzugeben, meinen Leib hinzugeben. Jesus sagt: "Größere Liebe hat niemand als der, der sein Leben lässt für seine Freunde." Der Superlativ, der Superlative, die größte Großzügigkeit, die man sich vorstellen kann, allen Besitz und das gesamte Leben einsetzen. Und was sagt es da, wenn die Motivation der Liebe für diese Taten fehlt? Wie viel ist es in den Augen Gottes wert? Nichts. Null. Absolut sinnloses Tun. Und da kommen wir in eine Problematik rein, wo wir sehen können, dass Taten der Barmherzigkeit, die sich Gott wünscht, nach außen hin von uns Menschen gesehen werden können und sagen: "Was für eine Großzügigkeit, was für eine Barmherzigkeit, gibt all sein Habe dahin, gibt sein Leben und stirbt für seine Freunde." Aber hat es immer die richtige Motivation? Habe ich immer die richtige Motivation für all das, was ich tue? Und ich denke, deswegen ist es so wichtig, dass wir uns regelmäßig prüfen. Und das ist eine gute Angewohnheit, eine gute Praxis, wenn wir das als Aufgabe für jeden Tag in unsere Andachtszeit mit hineinnehmen. Jeden Tag zu schauen, auf den vergangenen Tag schauen. Wie habe ich gelebt? Was habe ich getan? Was waren Werke der Barmherzigkeit? Was waren Werke der Liebe, die vielleicht vor anderen Menschen ein gutes Ansehen gebracht haben? Aber was war meine Motivation dahinter? War es gut oder war es vielleicht doch mit Egoismus gespickt, doch befleckt in Gottes Augen? Herr, zeig mir, wo ich da noch etwas zu ändern habe. Zeig mir, wo ich noch versucht habe, es aus eigener Kraft zu tun, für mich selber zu tun, aus egoistischen Motiven. Und das klingt jetzt so hart, aber eine Tat, die nicht aus Liebe kommt, ist vergebene Mühe.

[44:46] Und manchmal sind wir in unserem Leben dann doch an diesen Punkten, wo wir sehen, beispielsweise du hast keine Lust, hast kein Interesse, vielleicht einer anderen Person zu helfen, aber sie bittet dich drum und dann sagst du halt: "Ja gut, dann mache ich das halt. Okay." Und wir führen die gleiche Tätigkeit aus, die in den Augen Gottes gut sein könnte, aber unser Herz ist nicht dabei. Wir führen es nicht aus, weil wir der anderen Person helfen wollen, weil es ein Kind Gottes ist, sondern wir tun es einfach nur um des Friedens willen oder welche Motivation wir auch immer hinter solchen Taten verbergen könnten. Aber lasst uns uns gegenseitig anspornen und ermutigen dazu, dass wir nicht nur gute Werke tun, sondern dass auch jedes Werk mit einer guten Motivation ist. Nämlich es gibt nur die eine gute Motivation, die Motivation der Liebe, die Motivation, dass wir etwas zur Ehre Gottes tun wollen, für ihn. Wir dienen ihm, indem wir die Dinge und Tätigkeiten ausführen, die anderen Menschen zum Segen sind.

[45:56] Dann spricht die Lektion über Frieden zu stiften. Da ist es beispielsweise in Matthäus Kapitel 5, auch wieder in der Bergpredigt, Vers 9: "Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen." Wenn wir in die Welt hineinschauen, dann gibt es so viel Unfrieden, Unruhe, Leid und Elend. Und wir sind aufgerufen, Frieden zu stiften. Natürlich ist die Frage, was heißt das jetzt ganz konkret? Und ich denke, die Quintessenz der Sache ist ja nicht, dass wir hingehen und etwas tun, wofür wir vielleicht den Friedensnobelpreis oder irgendetwas bekommen. Sondern es sind ja viel mehr, das Leben besteht aus diesen vielen, vielen kleinen Elementen, wo wir dazu beitragen können. Und ich denke, das Erste, was uns wichtig sein muss, ist, dass wir selbst nicht Teil des Problems sind, Unfrieden zu stiften, Unfrieden zu haben in der Familie, in der Gemeinde, in der Gesellschaft, sondern dass wir beitragen, Frieden zu stiften. Genau das Gegenteil von dem, was wir die ganze Zeit vorfinden. Und so ruft uns Gott an verschiedenen Stellen auf, dass wir uns dafür einsetzen, einen Unterschied zu machen durch das, was wir tun. Und ich denke, der Apostel Paulus gibt uns da einen sehr, sehr guten Ratschlag in Römer Kapitel 12. Römer Kapitel 12 und dort der Vers 21. Und dort heißt es: "Wir kennen ihn alle, aber lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute." Und wie leicht ist es, mit dem Strom mitzuschwimmen? Wie leicht ist es, sich nach anderen Menschen zu richten? Da kommt jemand und meckert dich an, sagt unfreundliche Worte. Wie leicht ist es da, mit den gleichen Maßnahmen zurückzureden, sprechen, schreien, was auch immer? Wie leicht ist es, genauso zu sein, in diesem Unfrieden zu bleiben? Aber es erfordert Mut, es erfordert Kraft, es erfordert Ausdauer, es erfordert Weisheit, durch das Gute das Böse zu überwinden. Aber das ist die einzige Möglichkeit. Und genau das, denke ich, ist in diesem Abschnitt angesprochen. Wir sind aufgerufen, einen Unterschied zu machen, wo es uns möglich ist. Gott gibt uns bestimmte Aufgaben, die wir erledigen können, in seiner Kraft, in seiner Weisheit, zu seiner Zeit, aber dass wir trotzdem uns aktiv dafür einsetzen, dass wir nicht mit dem Strom mitschwimmen, sondern dass wir nicht nur reagieren, sondern dass wir agieren, dass wir auch ganz konkret schauen, wo kann man sich einsetzen, wo kann man etwas Gutes bewirken? Frieden, Harmonie, was es auch immer für Dinge ist. Natürlich, auch davon spricht die Lektion, es wird immer bis ans Ende der Zeit Unfrieden auf der Erde geben. Wir werden nicht alles verändern können, aber lasst es uns zumindest versuchen, wenn Gott uns das aufträgt, dass wir es wirklich mit all unserem Einsatz tun, damit wir, wenn es auch nur Kleinigkeiten sind, dennoch für ihn etwas erreichen, für Gott etwas erreichen, für sein Reich.

[49:49] Und auch zum letzten Punkt, der in der Lektion angesprochen ist, eine Stimme für die, die keine Stimme haben, könnte man sich noch viel, viel länger darüber Gedanken machen. Die Zeit ist aber schon vorangeschritten und deswegen möchte ich auch diesen Punkt einfach nur kurz ansprechen und auch dort einfach nochmal darauf verweisen, wie wichtig es ist, um Gottes Weisheit zu bitten. Das, was wir in Jakobus 1, Vers 5 gelesen hatten. Gott, um Weisheit zu bitten: "Herr, wo sind vielleicht Menschen übersehen worden, wo sind Menschen überhört worden? Wer hat vielleicht keine Stimme? Wer hat vielleicht keine Position, wo er gesehen wird mit seiner Not? Für wen können wir uns einsetzen, auch wenn wir vielleicht selber noch gar nicht uns dessen bewusst sind, dass dort eine Not ist? Wo können wir Barmherzigkeit ausüben, wo du es wünschst, aber wo wir es noch nicht wissen? Herr, gib uns diese Weisheit. Lass uns auch für diese Leute eintreten, auch vor der Obrigkeit, vor dem Staat, vor denjenigen, die etwas an der Situation ändern können. Lass uns eine Stimme sein für diejenigen, die es nicht selber tun können. Zeig uns das, Herr." Und ich denke, es ist wieder ein ganz, ganz wichtiger Punkt. Was können wir tun? Was sollen wir tun? Nicht weniger und nicht mehr, und dafür brauchen wir diese Weisheit von Gott. Und er hat ja gesagt, er will uns diese Weisheit geben. Er macht keinen Vorwurf, er gibt sie uns gerne, aber wir müssen darum bitten. Deswegen lasst uns vor Gott treten und all diese Fragen ihm stellen, damit wir wissen, was unser Auftrag ist.

[51:24] Und wir haben es ja schon angesprochen, ich komme langsam zum Schluss, dass Barmherzigkeit ausüben uns durchaus etwas kosten kann, dass es Einsatz erfordert, dass es auch unsere finanziellen oder anderen Mittel, die wir zur Verfügung haben, kosten kann. Aber wenn es nicht unsere sind, dann können wir es ja viel leichter und mit viel mehr Freude noch weitergeben. Aber man kann nicht verschweigen, dass es anstrengend sein kann, dass es wirklich herausfordernd sein kann, dass es unangenehm sein kann. Aber deswegen wollte ich auch am Ende einfach nochmal auf Verheißungen zu sprechen kommen, die Gott mit dem Auftrag, Barmherzigkeit auszuüben, mitgibt.

[52:14] Ein Beispiel steht in Sprüche Kapitel 11, dort der Vers 17. Sprüche 11, Vers 17 sagt: "Ein barmherziger Mensch tut seiner eigenen Seele Gutes, ein Grausamer aber schneidet sich ins eigene Fleisch." Ein barmherziger Mensch tut seiner eigenen Seele etwas Gutes. Wir haben es ja vorhin auch schon angesprochen, wer sein eigenes Leben versucht zu bereichern, zu gewinnen, es festzuhalten, dem wird es nicht gelingen. Wer aber selbstlos sein Leben dahin gibt, wer es für andere einsetzt, wer Barmherzigkeit übt, der tut sich selbst das Beste. Er tut sich etwas Gutes an. Er ermöglicht wahres Leben. Und so kommt mit dem Auftrag die Verheißung, dass wir froh sein können und glücklich sein können und diesen Frieden haben können im Herzen, den nur Gott geben kann, wenn wir uns auf seine Seite stellen, wenn wir uns ausschließlich nach ihm richten, wenn wir ihm vertrauen, dass das, was er uns gibt, nämlich die Verantwortung, wo wir Barmherzigkeit üben können, dass es uns dann gut gehen wird. Und wenn wir großzügig sind, haben wir auch die Verheißung, auch in den Sprüchen steht es dort: "Ich habe den, ja, ich habe den Gottesfürchtigen nie um Brot betteln sehen." Gott kümmert sich, Gott versorgt uns. Auch in der Bergpredigt haben wir es ja gelesen. Das Leben ist mehr als nur sich um das Alltägliche zu kümmern, sondern lasst unsere Priorität sein, uns für andere einsetzen.

[53:54] Und da gibt es auch diese beiden Ebenen. Auf der einen Seite, dass wir uns natürlich von menschlichem Leid, von physischer Not ansprechen lassen, anrühren lassen, dass wir Mitgefühl haben, Mitgefühl zeigen. Aber, und da konnte ich aufgrund der Zeit heute auch nicht viel mehr darauf eingehen, aber überlegt auch nochmal ganz besonders diesen Punkt: Wie gehen wir darauf ein, wenn wir geistliche Not sehen, wenn wir geistlich ausgeraubte Menschen sehen, wenn sie verprügelt auf der Straße liegen, wenn sie nicht wissen, dass es einen liebenden Gott gibt, wenn sie nicht wissen, was Gott ihnen anbieten möchte, wenn sie nicht wissen, dass überhaupt ewiges Leben existiert, dass es ein Reich Gottes gibt, in dem es Frieden und Freude in Fülle gibt für jeden Menschen, der es annimmt? Wie gehen wir mit diesen um? Haben wir auch auf dieser Ebene Barmherzigkeit? Und das mag sich anders äußern. Wenn es physische Nöte sind, dann sehen wir, wie vielleicht der Körper geschunden ist oder unterernährt oder Wunden da sind und so. Aber wie ist es auf geistlicher Ebene? Sind wir auch dort barmherzig? Fragen wir auch dort danach, Herr, was kann ich den Menschen tun, die vielleicht aus Gottferne heraus sich so verhalten, dass man eigentlich keinen Umgang mit ihnen pflegen möchte. Aber Herr, wo kann ich Barmherzigkeit auch an ihnen üben? Wo kann ich ihnen zeigen, Herr, wie du wirklich bist, indem ich barmherzig ihnen gegenüber bin? Zeig mir, Herr, was ich tun kann.

[55:37] Und ich denke, das ist das wichtigste Gebet, was wir aus dieser Lektion mitnehmen können. Herr, rühre mein Herz an. Lass mich dich anschauen und von dir lernen. Ich möchte so barmherzig sein, wie du auch barmherzig bist. Zeig mir aber ganz konkret, Herr, dass ich nicht überlastet bin, dass ich mich nicht ausgebrannt fühlen muss. Zeig mir ganz konkret, Herr, was kann und was soll ich tun? Lass mich die Kraft von dir dafür holen und lass es mich dann ausführen mit Freude, mit Großzügigkeit, mit Barmherzigkeit, genauso, wie du es auch tun würdest. Gott segne uns dabei. Amen.


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