[0:00] Hallo und herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Ein herzliches Willkommen gilt auch allen Zuschauern auf Amazing Discoveries zur 13. und letzten Folge unserer Serie: „Was ihr den Geringsten getan habt“. Wir haben drei Monate lang uns genauer angeschaut, was die Bibel zum Thema soziale Arbeit und Mission für die Allergeringsten zu sagen hat, über den Dienst, den wir alle als Nachfolger Jesu an unseren Mitmenschen tun sollen, als Reaktion auf die Liebe, die Gott zu uns hat. Und wir wollen heute in diesem letzten Thema uns damit noch einmal beschäftigen, welche Rolle die Gemeinde dabei spielt.
[1:07] Das Thema ist: „Eine Gemeinschaft von Dienern“. Und wir wollen uns damit vorbereiten auf das Bibelgespräch am 28. September. Und bevor wir die Bibeltexte dazu uns anschauen, studieren und Schlussfolgerungen daraus ziehen wollen, möchten wir Gott einladen, dass er durch seinen Heiligen Geist unsere Gedanken auf die Wahrheiten lenkt, die wir persönlich heute ganz besonders verstehen müssen. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir herzlich Dank sagen, dass du uns dienst und dass du so viel für uns tust, obwohl wir so gering sind. Und Herr, wenn wir den Geringsten dienen, dann ist das nur ein ganz, ganz schwacher Abglanz von dem, was du für uns tust. Und wir möchten dich bitten, dass, wenn wir jetzt noch einmal mit diesem Thema beschäftigen, dass du durch deinen Heiligen Geist zu uns sprichst, dass wir gestärkt werden, ermutigt werden, die Gemeinde als einen Ort zu gestalten, wo Menschen dich kennenlernen können und wo ihnen geholfen wird. Wir möchten dich bitten, dass jeder Einzelne von uns versteht, welche Aufgabe, welchen Auftrag er hat und dass wir durch gemeinsames Wirken der Welt des Evangeliums zeigen können. Das alles bitten wir im Namen Jesu. Amen.
[2:25] Was ist eigentlich die Gemeinde? Ein Gebäude, eine Gruppe von Menschen, die sich regelmäßig trifft, die vielleicht eine gewisse Satzung sich gegeben hat und nach gewissen Strukturen funktioniert. In der Bibel werden uns einige interessante Bilder mitgeteilt, mit denen Gott uns zeigen möchte, wie er sich die Gemeinde eigentlich vorstellt. Wenn wir uns jetzt am Anfang einige dieser Bilder in der Bibel anschauen und darüber nachdenken, lohnt es sich, Gedanken zu machen, ob meine eigene Ortsgemeinde, in der ich Glied bin, diesen Bildern entspricht und was ich persönlich dazu beitragen kann, dass wir uns mehr diesem Ideal annähern.
[3:05] Fangen wir an in Römer Kapitel 12 und dort Vers 1. Nachdem Paulus sehr lang und ausführlich und mit großer theologischer Schärfe das Evangelium erklärt hat, also das, was Gott für uns Menschen tut, in den ersten elf Kapiteln, kommt jetzt ab Kapitel 12 darauf zu sprechen, was die Reaktion der Gläubigen sein sollte. Und gleich im ersten Vers wird so ein Bild verwendet, was die Gläubigen eigentlich als Reaktion auf das Evangelium tun sollten. Vers 1: „Ich ermahne euch nun, ihr Brüder, angesichts der Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber darbringt als ein lebendiges, heiliges, gottwohlgefälliges Opfer, das sei euer vernünftiger Gottesdienst.“
[3:57] Die Gemeinde, die Brüder, wie sie hier genannt werden, sollen durch ihr Leben ein Opfer sein. Vielleicht denken wir nicht automatisch daran beim Wort Gemeinde, dass die Gemeinde ein Opfer sein soll. Wir beziehen diesen Vers vielleicht eher so auf unser persönliches Leben, und das ist auch ganz wahr, denn auch die Gemeinde besteht nur aus Einzelpersonen. Aber auch im Zusammenkommen all dieser einzelnen Gläubigen steht dieser Opfergedanke im Raum, dass wir uns als ein heiliges, gottwohlgefälliges, lebendiges Opfer präsentieren, denn wir kommen ja auch als Gemeinde zum Gottesdienst zusammen. Manchmal wird viel über die Form oder die Uhrzeit oder die Details des Gottesdienstes gestritten. Die Frage an diesem Vers hier, die sich entzünden könnte, ist: Ist meine Gemeinde ein Opfer? Opfern wir als ganze Gemeinde etwas für das Werk Gottes? Finden wir ein angenehmes, gottwohlgefälliges, heiliges Opfer, das als Reaktion auf das, was Gott für uns getan hat, aufgrund seiner Gnade, sich Gott ganz hingibt? Mit anderen Worten: Gibt sich meine Gemeinde Gott ganz hin?
[5:12] In 1. Korinther 12 und dort Vers 12 finden wir ein anderes Bild. 1. Korinther 12 und dort Vers 12: „Denn gleich wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des einen Leibes, aber obwohl es viele sind, als Leib eins sind, so auch der Christus.“
[5:38] Die Gemeinde ist nicht nur ein Opfer, das sich zur Ehre Gottes bringt, sondern die Gemeinde ist auch ein Körper mit verschiedenen Körperteilen, das wird jetzt dann in 1. Korinther 12 noch etwas genauer ausgeführt. Die verschiedenen Körperteile, die verschiedenen Organe haben verschiedene Funktionen. Einige sind groß, andere sind klein, andere sind gut sichtbar, andere sind völlig verborgen. Manche sind besonders wichtig, aber alle haben ihre besondere Aufgabe und keiner kann die Aufgabe des anderen so ohne Weiteres übernehmen. Und erst im Zusammenspiel aller Organe, aller Körperteile, findet sich quasi der ganze Mensch. Um das auf die Gemeinde zu übertragen: Nur wenn alle Glieder der Gemeinde die jeweils ihnen von Gott anvertraute Aufgabe übernehmen, sei es eine von außen sichtbare oder eher unsichtbare, eine große oder kleine, erst dann kann die Gemeinde wirklich auch diese Gemeinschaft von Dienern sein.
[6:36] Fehlt dem Körper einiges an Körperteilen, dann ist er eingeschränkt und ist behindert sozusagen. Die Gemeinde behindert sich oder wird behindert, wenn Glieder ihre Arbeit einstellen, wenn sie nicht aktiv mit den anderen Teilen des Körpers, mit anderen Gliedern des Körpers in Verbindung stehen und zusammenarbeiten. Wir können uns also auch die Frage stellen: Was ist meine Beziehung zur Gemeinde? In welcher Position bin ich? Welche Gaben und Fähigkeiten sind in meiner Ortsgemeinde vertreten durch mich und würden fehlen, wenn ich mich in der Gemeinde nicht einbringe oder fehlen gerade, weil ich es gerade eben nicht tue? Und dieses Bild ist sehr schön, weil es zeigt, dass egal wie unterschiedlich auch wir sein mögen, unseren Persönlichkeiten, unseren Erfahrungen, in der Länge unseres Lebens mit Jesus bisher, können wir doch alle einen wertvollen und wichtigen Beitrag für den Dienst an anderen beitragen.
[7:35] Schauen wir mal in 2. Korinther und dort Kapitel 5. Paulus hat einiges in dieser Hinsicht an die Korinther geschrieben. In 2. Korinther, Kapitel 5 und dort ab Vers 18, Vers 18 bis 20: „Das alles aber kommt von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Jesus Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat, weil nämlich Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, indem er ihnen ihre Sünden nicht anrechnete und das Wort der Versöhnung in uns legte. So sind wir nun Botschafter für Christus, und zwar so, dass Gott selbst durch uns ermahnt. So bitten wir nun stellvertretend für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott.“
[8:21] Die Gemeinde ist doch eine Botschaft sozusagen, in der Botschafter arbeiten. Wir alle als Gläubige sind Botschafter für Gott. Eine Gruppe von Botschaftern, die eine besondere Botschaft hat, die eine besondere Mitteilung, eine Nachricht, eine gute Nachricht, die allen Menschen gebracht werden soll, nämlich, dass Gott sich gerne versöhnen möchte mit uns, er möchte uns Frieden anbieten, er möchte uns erlösen, er möchte unsere Schuld und unsere Sünde wegnehmen. Und er hat uns als Gläubige beauftragt, anderen Menschen davon zu erzählen. Das heißt, wenn wir den Geringsten dienen, wenn wir überhaupt unseren Mitmenschen dienen wollen, sollten wir niemals vergessen, dass wir immer auch Botschafter sind. Das heißt, eine bestimmte Botschaft inhaltlicher Art, biblischer, geistlicher Art verkündigen müssen. Wenn die Gemeinde nur sozial aktiv ist, aber diese Botschaft vernachlässigt, ist sie nicht die Gemeinde, die Gott sich eigentlich wünscht.
[9:22] Botschafter zu sein, ist eine Ehre. Da kommen bestimmte Privilegien und auch Rechte und auch Pflichten mit, die da einhergehen. Als Botschafter repräsentiert man das Land, für das man arbeitet. Und so repräsentieren wir auch in unserem Leben, mit dem, was wir sagen und tun, das Evangelium und natürlich Jesus selbst, der das Evangelium ist und der uns gesandt hat, um diese Botschaft weiterzugeben. Wir können uns also auch fragen: Sind wir als Gemeinde nicht nur ganz als Opfer hingegeben? Sind wir als Gemeinde ein funktionierender Organismus, wo jeder seine Aufgabe hat? Die Frage ist auch: Sind wir als Gemeinde eine Gruppe von Menschen, bei denen jeder sieht, dass wir diese eine Botschaft haben, dass Menschen, wenn sie uns hören, den Eindruck haben, sie sollten sich mit Gott versöhnen?
[10:12] Noch ein Bild finden wir in 2. Korinther Kapitel 2, ein paar Kapitel weiter vorher, wo Paulus im Zuge einer römischen Allegorie jetzt von einem Triumphzug spricht. In 2. Korinther 2 und dort Vers 14 heißt es: „Gott aber sei Dank, der uns allezeit in Christus triumphieren lässt und den Geruch seiner Erkenntnis durch uns an jedem Ort offenbar macht.“
[10:44] Wenn römische Imperatoren oder römische Feldherren siegreich in der Schlacht gewesen sind und ihre eigenen Truppen sie zum Imperator ausgerufen haben, zum Feldherrn, zum Sieger, dann hatten sie unter bestimmten Voraussetzungen – da gab es ein festgelegtes Protokoll und auch gewisse Bedingungen – das Anrecht, einen Triumphzug in Rom durchzuführen. Das war in späterer Zeit, vor allem in der klassischen Zeit, vor allem dann den Kaisern vorbehalten gewesen. Und bei diesem Triumphzug wurden die Gefangenen vorgeführt und es wurden natürlich die Beute vorgeführt und das ganze Volk sah die siegreiche Armee. Normalerweise durften eigentlich römische Soldaten nicht unter Waffen die Stadt betreten, das war die einzige Ausnahme. Es war ein großes Fest und es sollte zeigen, wie groß der Sieg gewesen ist, der hier errungen worden ist. Einen Triumphzug gab es niemals bei kleinen Gefechten, sondern nur bei großen Kriegen, bei gerechten Kriegen und auch nur, wenn der Feldherr das Ganze aus eigener Kraft, aus eigenen Mitteln, sozusagen nicht im Auftrag eines anderen getan hat.
[11:55] Das ist der interessante Punkt, auch wenn man darüber nachdenkt, dass hier der Triumphzug des Christus gemeint ist, der einen großen Sieg errungen hat am Kreuz von Golgatha, aus eigenem Antrieb, durch seinen eigenen Willen sozusagen, weil er uns retten wollte und auch einen gerechten Krieg geführt hat, nämlich gegen den Satan. Und bei diesen Triumphzügen ist oft Weihrauch auch benutzt worden und auf diesen Weihrauch bezieht sich jetzt der Paulus, der mit diesen Gegebenheiten gut vertraut war als römischer Bürger, wenn er sagt in Vers 15 und 16: „Denn wir sind für Gott ein Wohlgeruch des Christus unter denen, die gerettet werden und unter denen, die verloren gehen. Den einen ein Geruch des Todes zum Tode, das sind die Verlorenen, den anderen aber ein Geruch des Lebens zum Leben. Und wer ist hier zu tüchtig?“
[12:48] Was Paulus hier sagt, ist sehr interessant. Paulus wusste, dass bei einem Triumphzug, dass der Weihrauch benutzt wurde und Rauch und Wohlgeruch verbreitete. Die Soldaten, die auf der Seite des Imperators standen, für die war dieser Weihrauch, dieser Wohlgeruch ein Zeichen des Sieges, eine Bestätigung, dass ihr Kaiser oder ihr Feldherr gewonnen hatte. Die Soldaten, die gefangen genommen worden waren, der feindlichen Armee, die jetzt hier präsentiert worden sind, die wussten, dieser Wohlgeruch ist ein definitives Anzeichen, wir sind in Rom, wir sind beim Triumphzug, wir werden bald umgebracht werden.
[13:26] Was Paulus hier sagen möchte, ist, dass die Gemeinde als Gruppe von Gläubigen ein sicheres Anzeichen ist, sowohl für die Gläubigen als auch für die Ungläubigen, dass Christus Sieger ist. Und das wird für die Gläubigen Leben bedeuten und dieser Fakt wird für die Ungläubigen Tod bedeuten. Das heißt, die Präsenz der Gemeinde spaltet eigentlich die gesamte Welt in zwei Lager. Auch wenn wir nicht immer als Menschen sehen können, wer zu welchem Lager gehört, aber Gott sieht das. Aber die Gemeinde zeigt beiden Lagern eine gewisse Gewissheit, dass Christus Sieger ist. Und die Frage ist auch: Wenn Menschen unsere Gemeinde sehen, können sie deutliche Anzeichen dafür wahrnehmen, dass Christus Sieger ist, oder hören sie nur diese Worte aus unserem Mund wie ein Mantra, ohne dass irgendetwas in unserem Leben in der Gemeinde darauf hindeuten könnte, dass Jesus tatsächlich einen Sieg errungen hat? Wir sind ein Wohlgeruch und zwar für alle. Und dieser Wohlgeruch meint hier weniger sozusagen, dass es einfach nur gut riecht, sondern es meint, dass dieser Wohlgeruch ein Anzeichen ist, dass man sich in einem Triumphzug befindet.
[14:44] Wenn Menschen unsere Gemeinde sehen, haben sie den Eindruck, dass wir einem Sieger nachfolgen, einem, der den größten Kampf aller Zeiten gekämpft hat und mit einer unfassbaren Brillanz gewonnen hat. Haben sie den Eindruck, dass wir dem König der Könige dienen und haben sie den Eindruck, dass deswegen ihr eigenes Leben zu einer Entscheidung gebracht werden muss, dass sie sich entscheiden müssen zwischen Leben und Tod, zwischen Gerechtigkeit und Sünde, zwischen Gott und dem Abfall? Menschen werden durch eine Gemeinde, die nach dem biblischen Vorbild funktioniert, zu einer Entscheidung gebracht. Durch die Präsenz der Gemeinde, durch ihr Handeln, durch ihr Reden, durch so, wie die Glieder der Gemeinde sind. Und in diesem Sinne ist das eigentlich auch ein sehr interessantes Bild.
[15:41] In der Offenbarung finden wir in Kapitel 12 die vielleicht klassische Definition der Gemeinde in der letzten Zeit vor der Wiederkunft. In Offenbarung 12 und dort Vers 17. Offenbarung 12 und dort Vers 17, dort lesen wir: „Und der Drache wurde zornig über die Frau und ging hin, um Krieg zu führen mit den übrigen von ihrem Samen, welche die Gebote Gottes befolgen und das Zeugnis Jesu Christi haben.“
[16:20] Hier haben wir die Gemeinde der Übrigen, wie sie auch genannt sind. Hier sind diejenigen, die an Jesus festhalten und deswegen alle seine zehn Gebote beachten und auch halten und befolgen und das Zeugnis Jesu haben. Wir wissen aus Offenbarung 19, Vers 10, das bezieht sich auf den Geist der Weissagung. Uns wird auch gesagt, dass diese Gemeinde angegriffen wird. Also wir sollten erwarten, dass, wenn es am Ende der Zeit so eine Gemeinde gibt, wie sie gerade in den anderen Versen beschrieben haben, die sich sowohl theologisch definieren lässt über die zehn Gebote, über den Geist der Weissagung, und wir glauben, das hat sich erfüllt im Leben und Wirken von Ellen G. White in der Adventbewegung. Und wenn wir sehen und hoffentlich auch erleben, wie unsere Gemeinde eine Gruppe von Botschaftern ist, wie sie ein Opfer darstellt für Gott angesichts seiner Gnade, wenn wir sehen, wie die Gemeinde auch zusammenwirkt, wie jedes Glied ineinander greift und wenn wir sehen, dass wir als Gemeinde ein Beweis sind für den Triumph von Christus am Kreuz, dann sollten wir erwarten, dass wir auch angegriffen werden. Dann sollten wir erwarten, dass der Satan zuschlägt. Und das kann manchmal sehr schmerzhaft sein. Aber es ist auch ein Anzeichen oder ein Kennzeichen der Gemeinde, dass sie attackiert wird, dass sie nicht einfach nur im ruhigen Fahrwasser vor sich hin dümpelt. Sondern die Gemeinde, die so arbeitet, auch für die Geringsten, die sich für die Mitmenschen einsetzt, wird, wenn sie es im Geiste Jesu tut und mit der Botschaft Jesu verbunden, nicht nur als karitativem Selbstzweck, einfach um ein gutes Gewissen zu haben, sondern wirklich mit dem Bedürfnis, Menschen durch die Hilfe auf den hinzuweisen, der ihnen allein wirklich ganz helfen kann, dann wird der Satan attackieren.
[18:10] Und das wird auch bedeuten, dass in der Gemeinde manches, so wirklich manches schiefläuft, dass Leute in der Gemeinde vielleicht auch sind, die dort gar nicht hingehören sollten oder die sich so daneben benehmen, dass wir uns für sie schämen, oder die vom Glauben abfallen, oder dass es Streit in der Gemeinde gibt und all die Dinge, die wir vielleicht aus unseren lokalen Gemeinden auch kennen. Ein Grund zum Verzweifeln? Ein Grund aufzugeben? Nein.
[18:41] Die Bibel zeigt uns in 2. Mose 32 ein wirklich beeindruckendes Beispiel, wie man mit katastrophalen Umständen in der Gemeinde im Sinne Jesu umgeht. In 2. Mose 32 wird berichtet von dem goldenen Kalb, das die Israeliten hatten machen lassen, weil sie nicht mehr glaubten so richtig, dass Mose jemals wiederkommen würde. Und die Geschichte ist ja relativ gut bekannt. Wir nehmen sie in Vers 7 auf und schauen mal, wie hier Mose sich zu der Gemeinde stellt, die ihn gerade quasi für tot erklärt hat und die so alles über den Haufen wirft, was er ihnen versucht hat, bis dahin beizubringen. Vers 7: „Da sprach der Herr zu Mose: Geh, steige hinab, denn dein Volk, das du aus dem Land Ägypten heraufgeführt hast, hat Verderben angerichtet.“
[19:33] Interessant, wie Gott sich hier verbal von der Gemeinde distanziert. Gott sagt: Okay, das ist deine Gemeinde. Du hast sie aus Ägypten herausgeführt. Und in Vers 8 heißt es: „Sie sind schnell abgewichen von dem Weg, den ich ihnen geboten habe. Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht und haben es angebetet und ihnen geopfert und gesagt: Das sind eure Götter, Israel, die dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt haben.“ Es war noch nicht lange her, dass die Israeliten gesagt haben: Alles, was der Herr tut, wollen wir tun. Sie hatten die Stimme Gottes am Sinai gehört. Sie hatten den Berg beben sehen, das Feuer und den Rauch gesehen, die Schofhörner gehört. Sie hatten die Stimme Gottes persönlich gehört, die zehn Gebote. Jesus hatte zu ihnen hörbar gesprochen und sie hatten gesagt: Wir wollen das alles tun. Sie wollten zwar nicht mehr weiter hören, aber sie wollten zumindest das tun, was dort aufgeschrieben worden war. Aber nur nach kurzer Zeit waren sie völlig abgewichen.
[20:26] Es ist manchmal erstaunlich, wie schnell Menschen vom Glauben abfallen können. Es ist erstaunlich, wie schnell wir vergessen können, was wir mit Gott erlebt haben, real. Und Gott sagt hier: Mose, schau mal, dein Volk ist so schnell abgewichen. Man hätte doch denken können, dass es wenigstens ein bisschen anhält, oder? Alles durcheinander geraten. Großer Abfall. Vers 9: „Und der Herr sprach zu Mose: Ich habe dieses Volk beobachtet, und siehe, es ist ein haltstarkes Volk.“
[21:08] Was ein interessanter Vers. Gott sagt: Ich habe es beobachtet. Nun, das heißt nicht, dass Gott erst lange sich überlegen musste. Er wusste natürlich ganz genau, was im Herzen des Volkes ist. Aber es soll ausdrücken: Gott will damit sagen, was ich dir sage, ist jetzt nicht einfach eine Emotion, wo ich sage, ich bin gerade enttäuscht und deswegen bin ich über. Gott sagt: Ich kenne dieses Volk die ganze Zeit schon, seit wir aus Ägypten, schon davor. Es hat immer wieder nicht geglaubt, hat gemurrt, hat geklagt. Es ist haltstark, es ist rebellisch. Gott sagt: Nach eingehender Prüfung sage ich über dieses Volk, dass es rebellisch und widerspenstig ist.
[21:49] Jetzt, was soll man machen, wenn man einer Gemeinde angehört, von der Gott sagt, ich möchte eigentlich damit kaum was zu tun haben? Die sind abgewichen von meinen Geboten, sie haben alles übertreten und nach genauer Prüfung sage ich, Gott, sie sind Rebellen. Was würden wir tun? Das Weite suchen, oder? Denn wenn Gott nach eingehender Prüfung Israel als rebellisch einschätzt, dann ist da nichts mehr zu holen. So könnte man denken. Aber Gott testet Mose und Vers 10 ist ein Schlüsselvers: „So lass mich nun, damit mein Zorn gegen sie entbrennt und ich sie verzehre. Dich aber will ich zu einem großen Volk machen.“
[22:28] Ellen White sagt, dass manch einer in diesem Vers eigentlich bezüglich Israel nur noch Verdammnis hätte sehen können. Da heißt es: Ich will sie verzehren, mein Zorn will gegen sie entbrennen. Das klingt nicht nach guter Botschaft, aber sie sagt, Mose sah in diesen Worten Hoffnung, wo niemand sonst sie sonst gesehen hätte. Er hatte nämlich gehört: Lass mich nun. Das ist sehr merkwürdig. Warum sagt Gott zu Mose: Lass mich? Ist er nicht der Schöpfer des Universums? Hat er nicht das Feuer gerade zu den Israeliten gesprochen? Kann er nicht mit einem Fingerschnipsen das ganze Volk ausradieren? Warum fragt er Mose um Erlaubnis?
[23:10] Das Ganze erinnert vielleicht nicht zufällig an eine ähnliche Geschichte in 1. Mose 32, in der Jakob bekanntermaßen am Jabok eine ganze Nacht kämpft mit einem Mann, den er für einen Kanaaniter hält, der ihn wahrscheinlich ans Leben will. In der äußersten Notsituation seines Lebens, er kann nicht zurück, weil sein Verwandter Laban ihn weggeschickt hat. Er kann nicht vorwärts, weil sein Bruder Esau auf ihn wartet und wahrscheinlich ihn umbringen möchte. Und jetzt kämpft er um sein Leben in der Mitte der Nacht und niemand scheint ihm beizustehen. Und er kämpft und kämpft und kämpft und kämpft. Und als es morgen wird, wird er durch diesen Gegner, durch eine Handberührung am Hüftgelenk, schmerzhaft verletzt. Und es dämmert ihm. Das ist kein Kanaaniter, mit dem ich hier kämpfe. Das ist nicht irgendein Mensch, sondern das ist Gott. Er hat mit Gott gekämpft. Und er fällt ihm zu Füßen und hält ihn fest. Und es ist der Jesus, der hier mit ihm gekämpft hat. Und er sagt in Vers 27: „Und der Mann sprach: Lass mich gehen, denn die Morgenröte bricht an.“ Dasselbe. Gott sagt zum Menschen: Lass mich. Er fragt um Erlaubnis.
[24:43] Und Jakob merkt, er kann Gott besiegen. Nicht durch Macht, nicht durch Weisheit, nicht durch Intelligenz, sondern durch Hilflosigkeit. Wenn er aufgibt, gegen Gott zu kämpfen, wenn er sich festhält an Gott, dann kann er Gott, in Anführungsstrichen, besiegen. Denn das ist jetzt genau der ganze Punkt in der Geschichte, wenn Gott später sagt: Du hast mit Menschen Gott gekämpft, du hast gewonnen, du bist Überwinder. Jakob sagt: Ich lasse dich nicht, es sei denn, du segnest mich. Sein Leben lang hatte er selbst den Segen sich nehmen wollen. Er war für den Segen, aber er hat es aus eigener Kraft machen wollen. Er wusste viel, aber hat auch nur Fluch erlebt. Und in diesem Moment hat er verstanden: Ich muss aufgeben. Ich muss mein Leben ganz in die Hände dieses Erlösers geben. Er muss mich segnen. Und er sagt: Wenn du das nicht tust, lasse ich dich nicht. Er hat Jesus besiegt durch seine Hilflosigkeit und hat echte Bekehrung erlebt. Aus Jakob wird Israel, der Kämpfer Gottes. Ein Sieger, weil Jesus Sieger ist. Denn Israel ist letztlich in der Bibel eigentlich der Name für Jesus. Und deswegen fragt dann ja auch Jesus ihn später: Warum fragst du mich nach meinem Namen? Ich habe dir in Anführungsstrichen, in Klammern, ich habe dir meinen Namen gerade gegeben. Du bist Israel. Du bist jetzt nach meinem Namen genannt.
[26:33] Um das Ganze auf 2. Mose zurück zu übertragen: Mose, wie Jakob, sieht, dass dieses „Lass mich nun“ ihn herausfordert, eine Entscheidung zu treffen. Gott macht sich in gewisser Weise hier von Mose abhängig. Und Gott öffnet ihm diese Tür der Hoffnung und Mose ergreift sie im Glauben. Und er sagt in Vers 11: „Mose aber besänftigte das Angesicht des Herrn, seines Gottes, und sprach: Ach Herr, warum will dein Zorn gegen dein Volk entbrennen, dass du mit so großer Kraft und starker Hand aus dem Land Ägypten geführt hast?“
[27:12] Gott hat ihn ja getestet, hat gesagt: Das ist das Volk, das du geführt hast aus Ägypten. Und Mose sagt: Nein, nein, nein, ich war es nicht. Du hast es geführt. Du hast uns erlöst. Es waren deine Wunder. Es waren nicht meine Kraft, nicht meine Stärke. Es ist nicht mein Volk, es ist dein Volk. Wenn Menschen in unserer Gemeinde durchdrehen, wenn sie den größten Unsinn machen, wenn sie theologisch oder lebensstilmäßig oder charakterlich völlig abdrehen, dann lass uns daran erinnern, dass Gott sie erlöst hat, für sie gestorben ist, dass Gott sie bis dahin geführt hat, dass sie in die Gemeinde gekommen sind und dass es Gottes Werk in ihrem Leben war, dass sie überhaupt Gott kennengelernt haben. Es ist nicht unsere Gemeinde, es ist Gottes Gemeinde und er ist für jeden Einzelnen gestorben.
[27:58] Vers 12: „Warum sollen die Ägypter sagen: Zum Unheil hat er sie herausgeführt, um sie im Gebirge umzubringen und von der Erde zu vertilgen? Wende dich ab von der Glut deines Zorns und lass dich des Unheils, das du über dein Volk bringen willst, gereuen.“ Als Gott dem Mose sagt: Ich habe dieses Volk beobachtet, ich habe es lange studiert und ich weiß, sie sind rebellisch und sie sind schnell abgewichen und ich werde es jetzt vertilgen. Dich aber werde ich zu einer neuen kleinen Gruppe machen, die nach deinem Namen genannt wird. Wie viele von uns hätten gesagt: Ja, ja, wir haben schon was vorbereitet, wir haben schon unsere kleine Gruppe hier und die trennt sich jetzt von der großen, weiten Adventbewegung und wir sind jetzt unsere kleine treue Gruppe, die Treuen der Treuen der Treuen. Die Gemeinde ist abgefallen. Wie viele von uns hätten da wahrscheinlich zugeschlagen?
[28:45] Aber Mose schlägt nicht zu. Mose will keine Splittergruppe Israels, die vielleicht noch nach seinem eigenen Namen benannt ist. Er will diese israelitische Bewegung, die Gott sichtbar durch Wunder und Zeichen auf Grundlage prophetischer Weissagung aus Ägypten geführt hat. Er will, dass diese Bewegung das Ziel erreicht, weil sonst die Heiden spotten werden. Geht es dir nur darum, dass du in den Himmel kommst, egal ob in der großen Gemeinde oder irgendeiner Splittergruppe? Oder geht es dir darum, dass diese Bewegung, die Gott so offensichtlich von Anfang an geführt hat, auch wirklich ihr Ziel erreicht, weil ansonsten die Heiden spotten würden?
[29:34] Sind wir bewusst, dass der Name Gottes auch auf dem Spiel steht, wenn wir einfach alle, die vielleicht die Gemeinde verlassen würden, sagen: Ach, na ja, das geht alles, wir bringen uns nicht mal ein, das ist alles verkirchlicht und alles so schlecht, nicht wahr? Man kann die ganze Liste von Dingen aufzählen, die einem missfallen. Ist uns bewusst, dass, wenn wir die Gemeinde aufgeben, Gottes Ruf ein bisschen auf dem Spiel steht, denn er hat sich für diese Gemeinde so stark eingesetzt, er hat sie aufgrund prophetischer Weissagung auf Bank 10, Daniel 12 herausgerufen aus Babylon und ihr eine Botschaft gegeben und diese Gemeinde muss ans Ziel kommen. Mose wollte, dass die Gemeinde ans Ziel kommt. Wir sollten es genauso wollen wie Mose.
[30:14] Und es heißt dann weiter in Vers 13: „Gedenke an deine Knechte Abram, Isaak und Israel, denen du bei dir selbst geschworen und zu denen du gesagt hast: Ich will euren Samen mehren wie die Sterne am Himmel, und dieses ganze Land, das ich versprochen habe, eurem Samen zu geben, sollen sie ewiglich besitzen.“ Da lenkt der Herr vom Unheil, das er seinem Volk anzutun gedroht hatte. In der Bibel lernen wir, dass, wenn es Gott reut, dann ändert er nicht plötzlich seine Meinung, sagt: Ach so, jetzt doch. Nein, wenn Gott es reut, dann nimmt er einen anderen Plan, mehrere Optionen, und jetzt aufgrund der Entscheidung von Menschen ändert er den, wählt eine andere Option. Ähnlich wie bei der Sintflut, da hat es auch Gott gereut, er wollte eigentlich Plan A gewesen, dass die Menschen immer auf dieser Erde bleiben, so wie sie gewesen ist, aber jetzt muss Plan B her, es muss eine Sintflut kommen.
[30:59] Interessant ist, dass Mose sich so sehr für ein Volk einsetzt, das so weit im Abfall ist. Übrigens, als Mose vom Berg kommt, hat er zum Teil sehr harsche Worte, zumindest sehr deutliche. Er entschuldigt die Sünde nicht, er nennt sie beim Namen, anders als Aaron, der versucht hat, irgendwie zu entschuldigen und zu relativieren und irgendwie alle einzubinden. Der distanziert sich dann vom Volk, als er damit konfrontiert wird. Manchmal sind es nicht diejenigen, die besonders nett und freundlich wirken und alles irgendwie tolerieren wollen in der Gemeinde, die wirklich für die Gemeinde kämpfen, sondern diejenigen, die alleine vor Gott ringen und weinen und beten, die dann aber auch deutliche und klare Worte gegen die Sünde sagen. Das sind diejenigen, die wirklich für die Gemeinde kämpfen.
[31:51] Bist du jemand, der für die Gemeinde kämpft? Bist du jemand, der mit Gott für die Gemeinde ringt? Hast du schon einmal geweint für deine Ortsgemeinde im stillen Kämmerlein? Hast du schon einmal gebetet für die einzelnen Geschwister, von denen du weißt, dass sie sich vielleicht nicht so verhalten oder nicht das tun oder nicht glauben, wie Gott es sich wünscht? Betest du für sie? Kämpfst du für sie im Gebet, so wie Mose tat? Dann werden wir eine Gemeinschaft von Dienern sein, wenn wir diese Gesinnung von Mose haben, denn es ist die Gesinnung Jesu.
[32:32] Schauen wir in 5. Mose und dort Kapitel 9, Vers 27. Mose hatte sich auf die Verheißung Gottes berufen. Er erinnert Gott, in Anführungsstrichen, was Gott verheißen hatte und dass nicht letztendlich der momentane Ist-Zustand ausschlaggebend ist, sondern die Verheißung Gottes. Mose weiß auch, wenn Gott allein nach dem urteilen würde, was man vor Augen sieht oder was gerade Ist-Zustand der Gemeinde ist, dann sähe es düster aus, aber er weiß, trotz des Ist-Zustandes der Gemeinde gibt es Verheißungen, die Gott gesagt hat, die fest bestehen, die in Christus ihr Ja und Amen finden und auf die beruft er sich. Manchmal ist es wichtiger als den exakten Ist-Zustand der Gemeinde in allen Details zu kennen, sich die Verheißungen Gottes vor Augen zu führen für diese Gemeinde, die er gegeben hat vor Generationen schon.
[33:35] In 5. Mose 9, Vers 27 heißt es: „Gedenke an deine Knechte Abram, Isaak und Jakob; sieh nicht die Hartnäckigkeit dieses Volkes an und seine Gottlosigkeit und seine Sünde.“ So wie Jesus sich vor den Sünder geschmissen hat und gesagt hat: Lieber Vater, schau nicht seine Sünde an, ich nehme sie auf mich. Mose war damals bereit, sein ewiges Leben aufs Spiel zu setzen. Er war bereit, es einzutauschen sozusagen, damit das Volk noch eine Chance bekommen hat. Und Gott konnte natürlich auf diesen Vorschlag nicht eingehen, denn Moses Leben wäre nicht genug gewesen. Aber Gott ist insofern auf diesen Vorschlag eingegangen, als Gott tatsächlich natürlich dem Volk eine zweite Chance gegeben hat, aber nicht, weil Mose sein ewiges Leben aufs Spiel gesetzt hat, sondern weil Gott selbst, weil Jesus Mensch geworden ist und genau das getan hat.
[34:23] Als Mose mit Gott ringt, da lässt Gott ihn ein bisschen kämpfen im Gebet, bis Mose die Position in seinem Herzen hat, die Gott selbst hat, damit Mose versteht, das müsste eigentlich geschehen, aber Gott sagt: Aber das kannst du nicht. Du kannst dein ewiges Leben nicht für sie geben. Aber schau, das, was du dir wünschst, dass das Volk eine zweite Chance bekommt, das passiert tatsächlich. Rate mal, warum? Nicht, weil du dein ewiges Leben aufs Spiel setzt, nicht, weil du ein Opfer bringst, sondern weil ich ein Opfer bringe. Mose offenbart die Gesinnung, die Christus hat.
[35:06] Christus kam, um den Geringen zu dienen, er kam, um den Sündern zu helfen, er kam, um die Verlorenen zu suchen. Wenn du Christ bist, hast du eine Aufgabe: die Verlorenen außerhalb und innerhalb der Gemeinde zu suchen, für sie da zu sein, für sie zu beten und sie zu Jesus zu führen. Und dann wirst du kaum Zeit haben, alle ihre Fehler zu katalogisieren. Bist du ein Diener für die Geringeren?
[35:38] In 1. Petrus 2 und dort Vers 12, da heißt es: „Und führt einen guten Wandel unter den Heiden, damit sie, da, wo sie euch als Übeltäter verleumden, doch aufgrund der guten Werke, die sie gesehen haben, Gott preisen am Tag der Untersuchung.“ Petrus sagt uns hier, dass Menschen, die nicht an Gott glauben, unsere Werke sehr genau beurteilen. Unser Leben mit Christus ist ein Zeugnis, selbst dann, wenn sie schlecht über uns reden. Und wenn wir als Gemeinde aktiv sind in der Nachbarschaft, in der Gesellschaft, für andere Menschen, dann werden wir es erleben, dass nicht alle gut von uns reden. Manche halten uns für die größten Spinner, für eine Sekte, für hinterweltlerisch, was weiß ich. Und sie reden schlecht über uns, aber sehen doch irgendetwas, was sie sonst nirgendwo sehen. So sollte es zumindest sein.
[37:05] Und die Frage ist jetzt: Reden die Menschen nur schlecht über uns, oder reden sie schlecht über uns und sehen doch diesen Charakter Jesu in uns? Das ist die Frage, die wir uns stellen müssen. Sind wir mit Jesus wirklich verbunden, dass, wenn wir in die Welt hinausgehen, auch unsere Feinde insgeheim zugeben müssen, dass diese Nachfolger Jesu ein besonderes, auf irgendeine Art und Weise attraktives Leben führen?
[37:29] Philipper 2, Vers 15 bringt den Gedanken auch ganz ähnlich zum Ausdruck. Dort heißt es in Philipper Kapitel 2 und dort Vers 15: „Damit ihr unstreflich und lauter seid, untadelige Kinder Gottes inmitten eines verkehrten und verfälschten Geschlechts, unter welchem ihr leuchtet als Lichter der Welt.“
[37:58] Paulus ermutigt uns hier, so wie Petrus, dass wir inmitten einer moralischen Finsternis ein Licht sein können. Und zwar durch unsere Unstreflichkeit, unser lauteres Wesen, unsere Untadeligkeit. Wir sollen echte Kinder Gottes sein, uns nicht nur so nennen, sondern solche sein. Nicht einfach nur von frommen Worten reden, sondern tatsächlich ein untadeliges Leben leben. Das ist der Wunsch von Paulus an die Philipper. Das waren konkrete Menschen, das war keine theologische Illusion. Und inmitten dieser Welt, in der alles verdreht und verkehrt ist, alle moralischen Werte durcheinander geraten sind, sollen sie leuchten als die Lichter der Welt. Und damit reflektiert er so ein bisschen die Gedanken von Jesus in der Bergpredigt in Matthäus Kapitel 5 und dort Vers 14 bis 16.
[38:55] Matthäus Kapitel 5, Vers 14 bis 16: „Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berg liegt, nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, so leuchtet es allen, die im Haus sind. So soll euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“
[39:21] Was Jesus sich wünscht, ist, dass wir so leben, dass wir in Menschen unser Leben sehen, die Existenz Gottes und die Güte und Liebe Gottes offensichtlich werden und zwar im buchstäblichen Sinne offensichtlich. Wenn wir als Gemeinde betrachtet und beobachtet werden in dem, was wir tun, in dem, was wir sagen, wie wir miteinander umgehen, wird für Menschen außerhalb der Gemeinde sichtbar, dass es Gott geben muss und dass er voller Liebe ist. Preisen die Menschen Gott, weil es die Gemeinde gibt? Dafür ist sie da und ihr Wirken, ihr Tun soll genau das auslösen. Sie soll sichtbar sein, wie eine Stadt auf dem Berg, nicht verborgen im Hinterhof, wo niemand sie wahrnimmt, sondern so, dass Menschen merken: Da ist etwas völlig anders.
[40:23] Und ihr Leben, das können wir niemals aus eigener Kraft durch Programme und irgendwelche Anstrengungen so erzeugen. Aber es wird der Fall sein, wenn jeder Einzelne von uns bedingungslos Jesus nachfolgt. Wenn wir jeden Tag unser Leben Jesus in die Hände geben, wenn wir jeden Tag ihn bitten, uns mit seinem Heiligen Geist zu erfüllen, wenn wir jeden Tag in seinem Wort lesen und ihn fragen: Herr, was soll ich heute verstehen? Leite du mich durch den Tag. Dann werden wir näher zu Jesus wachsen, näher zusammenkommen und unser Leben wird eine Attraktivität ausstrahlen, Weltmenschen dazu führen wird, zu glauben, dass es Gott gibt und ihn suchen werden.
[41:06] In Epheser 2 und dort Vers 19 finden wir noch ein interessantes, schönes Bild über die Gemeinde, das eigentlich zu einem der schönsten überhaupt in der Bibel zählt. In Epheser 2 und dort Vers 19, dort heißt es: Epheser 2, Vers 19: „So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge ohne Bürgerrecht und Gäste, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“
[41:35] Dieses Wort Hausgenossen kann auch übersetzt werden eigentlich mit Familienmitgliedern, Familienangehöriger. Die Gemeinde als eine echte Familie. Und wie wichtig ist es gerade bei diesem Bild, dass wir auch tatsächliche, gesunde, echte Familien haben, damit auch unser Bild von der Gemeinde nicht durch schlimme Familienverhältnisse wieder getrübt wird. Unsere Gemeinde sollte eine echte, wirklich warmherzige und von der Liebe Gottes durchdrungene Familie sein, in der man sich wohlfühlt, in der man aufgehoben ist, in der man auch über seine Kämpfe, Sorgen und Nöte erzählen darf, in der man sprechen darf, in der man sich mitteilen kann, in der füreinander gebetet wird und in der man sich füreinander, wo man füreinander da ist, sich gegenseitig stärkt und stützt.
[42:25] Was dieser Vers aussagen möchte, ist, dass wer mit Jesus lebt, ist Teil einer Familie. Er ist nicht mehr fremd, er ist nicht mehr ausgestoßen, er ist nicht mehr nur Gast, er ist Familienmitglied. Ist deine Ortsgemeinde eine Familie? Bist du Teil dieser Familie und bist du ein Familienmitglied für andere?
[42:53] In Hebräer 10 finden wir den letzten Abschnitt, mit dem wir dieses kleine Studium und damit unsere ganze Serie beenden wollen. Hebräer 10 und dort ab Vers 23. Das sind wichtige Worte, ihr Lieben. Lasst uns diese Worte mit Bedacht lesen und Gott bitten, dass er sie wirklich in unser Herz einschreibt, weil was hier steht, ist von großer, großer, großer Bedeutung. Vers 23: „Lasst uns festhalten am Bekenntnis der Hoffnung, ohne zu wanken, denn er ist treu, der die Verheißung gegeben hat.“
[43:34] Paulus ruft uns zu: Entscheidend ist nicht, wie viel du weißt, wie viel du gemacht hast, was du alles erlebt hast, sondern entscheidend ist, dass du festhältst. Wichtig ist nicht, was wir alle schon erreicht haben im christlichen Leben, sondern wichtig ist, dass wir dabei bleiben, denn die Bibel sagt uns: Wer ausharrt bis ans Ende, wird gerettet werden. Wie viele haben enorm viel mit Gott erlebt, um am Ende doch ihn zu verlassen. Das entscheidende Kriterium aller Rettung, das entscheidende Kriterium aller Heiligung ist, dass wir schlicht und ergreifend bei Jesus bleiben, dass egal was kommt, wir nicht gehen, wir bleiben, festhalten, jeden Tag aufs Neue. Denn wer bei ihm bleibt, der kann gerettet werden. Wer geht, dem nützt es nichts, was alles er vorher gewusst hat, alles gehört hat, getan hat, gemacht hat. Wer geht, der trennt sich von Jesus. Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis, lasst uns heute die Entscheidung treffen, auch heute und morgen und am nächsten Tag bei Jesus zu bleiben.
[44:46] Und die Grundlage dieses Festhaltens ist nicht unsere Muskelkraft, ist nicht unsere Willenskraft, sondern die Grundlage ist die Verheißung Gottes, er ist treu. Wenn wir ihm glauben, wenn wir ihm vertrauen, können wir festhalten. Solange wir ihm vertrauen, können wir festhalten. Wenn wir aufhören, ihm zu vertrauen, werden wir unser Hand loslassen. Vertraust du Jesus in den Bereichen deines Lebens, wo du vielleicht bisher auch immer nur dich selbst bestimmt hast? Wir müssen Jesus in allem vertrauen, dann werden wir auch festhalten. Wenn wir ihm nicht vertrauen, sondern unser Leben selbst in die Hand nehmen wollen und selbst bestimmen wollen, werden wir früher oder später auch loslassen. Lasst uns festhalten.
[45:31] Fest 24: „Und lasst uns aufeinander Acht geben, damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken.“ Paulus sagt: Es ist wichtig, dass wir aufeinander achten in der Gemeinde. Wir sind nicht nur Einzelpersonen, die alle zufällig in dieselbe Richtung laufen, die sich nicht in die Quere kommen müssen. Nein, wir sind Gläubige, Familienangehörige, die füreinander da sind, die auch darauf achten sollen, wie geht es meinem Bruder, meiner Schwester geistlich. Nicht, um dann die Gelegenheit zu haben zur heiligen Lästerung, um die Gelegenheit zu haben, aus echter Liebe zum Nächsten ihm zu helfen. Nicht darüber zu erzählen mit Dritten, sondern dem Geringsten zu dienen, auch in der Gemeinde. Lasst uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken.
[46:17] Ermutigst du andere in deiner Ortsgemeinde zu guten Werken? Ermutigst du sie zu echter Liebe? Wenn jemand schlecht redet über dich oder über andere, ermutigst du ihn zu echter Nächstenliebe? Bist du selbst ein Vorbild? Bist du ein aktiver Teil der Gemeinde, der diese Dinge fördert? Es reicht nicht, nur in der Sabbatschule davon zu reden. Ermahnen wir uns dazu, spornen wir uns an, ermutigen wir uns.
[46:57] Vers 25: „indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen, wie es einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen und das umso mehr, als ihr den Tag herannahen seht.“ All das, was wir besprochen haben, kann die Gemeinde überhaupt nur sein und werden, wenn jeder einzelne Gläubige sich dafür einsetzt, wenn er sich einbringt. Wenn wir die Gemeinde verlassen, aus welchen Gründen auch immer, aus theologischen Gründen, aus emotionalen Gründen, weil wir enttäuscht und verbittert sind. Wann immer wir die Gemeinde verlassen, können wir für diese ganze biblische Idee nichts mehr beitragen. Aber ich möchte in meiner Ortsgemeinde und auch für die weltweite Gemeinde ein aktives Glied am Leib sein.
[47:40] Wie steht es mit dir? Möchtest du dich auch einbringen? Dann lasst uns uns gegenseitig motivieren und ermutigen, unsere Gemeinden vor Ort aktiv zu unterstützen. Und vielleicht sagst du aber: Bei mir ist tote Hose in der Gemeinde, nichts los, keine Mission, keine Jugend, keine theologischen Schwierigkeiten. Dann denk daran, dass vermutlich bei allen Schwierigkeiten deine Gemeindeglieder immer noch mehr von Gott wissen und möglicherweise näher zu Gott sind, als viele der Weltmenschen, denen du sowieso helfen möchtest. Wenn du also ihnen helfen kannst und für sie da bist und die Armen nicht anschreist und ihre Sünden nicht alle katalogisiert, sondern einfach ihnen hilfst, aus christlicher Nächstenliebe heraus, weil du sie zu Jesus führen möchtest, warum kannst du das dann nicht auch mit deinen Geschwistern in der Gemeinde machen? Warum kannst du sie nicht auch so behandeln, voller Liebe und Fürsorge?
[48:43] Lasst uns lernen, in der Gemeinde und außerhalb der Gemeinde Diener zu sein, die das Ziel haben, dass Menschen näher zu Gott kommen, dass sie erfüllt werden mit dem Heiligen Geist, dass ihre Sünden vergeben werden können, dass sie versöhnt werden und dass sie wachsen können in der Heiligung und dass die Gemeinde immer mehr zu dem wird, was Gott sich wünscht. Ein starkes Licht, das einmal die ganze Erde erleuchten wird mit der Herrlichkeit des Charakters Jesu, wie er sich im Wirken zum Beispiel von Mose gezeigt hat. Lasst uns auf Jesus schauen. Lasst uns so wie Jesus für die Geringsten da sein und lasst uns jeden, in und außerhalb der Gemeinde, so lieben, wie Jesus mich und dich persönlich geliebt hat. Ist das dein Wunsch? Möchtest du dich in die Ortsgemeinde einbringen, damit das Licht des Evangeliums in deiner Gegend hell leuchtet? Gott segne deine Entscheidung.
[49:49] Im nächsten Quartal werden wir zwei Bücher studieren, auf die ich mich schon sehr freue. Wir werden eine Spezialserie haben, wo wir in leichter Abwandlung von den gedruckten Lektionen chronologisch, systematisch die Bücher Esra und Nehemia nacheinander studieren werden, mit allen geschichtlichen Hintergründen und mit allen Dingen, die auch dann für die Prophetie, für das Buch Daniel wichtig sein werden. Ihr solltet euch darauf freuen und wir werden gemeinsam diese beiden oft vernachlässigten Bücher sehr gründlich anschauen, sehr viel lernen und sehen, wie diese Bücher über den Aufbau des Werkes und die Vollendung des Werkes voller Instruktionen sind für unsere Gemeinde und für die Mission, die wir heute haben. Lasst euch das nicht entgehen, studiert mit uns gemeinsam euch durch diese Bücher hindurch. Ihr werdet einen großen Segen davon empfangen. Bis dahin, wir wünschen euch Gottes Segen und sehen uns nächste Woche hier dann für den allerersten Teil zum Buch Esra. Gott sei mit euch. Amen.