Veröffentlicht am
1.043 Klicks

Manuskript zur Sendung >>> CSH 5 2. Quartal 2020 Sola Scriptura

In dieser Cannstatt Study Hour-Lektion wird das Prinzip „Sola Scriptura“ – allein die Schrift – beleuchtet. Es wird erklärt, wie die Bibel als alleinige Autorität und Norm für den christlichen Glauben verstanden wird, und wie sie sich von menschlichen Traditionen unterscheidet. Die Bedeutung von Demut, die klare Botschaft der Schrift und die Notwendigkeit des Heiligen Geistes für das Verständnis werden hervorgestellt. Abschließend wird die Rolle von Ellen Whites Schriften im Lichte von „Sola Scriptura“ diskutiert, wobei betont wird, dass sie als Hilfestellung zum tieferen Bibelverständnis dienen, aber niemals die Bibel ersetzen.


Weitere Aufnahmen

Serie: Cannstatt Study Hour 2020 Q2: Wie legen wir die Bibel aus?

  • 0:0
  • 0:0
  • 0:0

Transkript

[0:00] Ein herzliches Willkommen zu CSH Nummer 6 in diesem Quartal mit dem Titel Sola Scriptura. Damit wollen wir uns heute beschäftigen. Wir wollen uns Fragen stellen, wie, woher kommt dieser Grundsatz Sola Scriptura, allein die Schrift? Was bedeutet Sola Scriptura für unser Glaubensleben, ganz praktisch und ganz persönlich? Und wie können wir diesem Grundsatz treu bleiben? Diese Kernfragen möchten wir heute beantworten. Und bevor wir das tun, möchte ich gern mit euch beten.

[0:56] Lieber Gott im Himmel, du hast uns dein Wort gegeben, das so kostbar ist, dass wir es gar nicht begreifen können, was für ein Schatz wir in unseren Händen halten. Herr, ich möchte dich bitten, dass du uns durch diese CSH leitest und führst, dass du uns Verständnis schenkst, uns dein Wort aufschließt durch deinen Heiligen Geist, und dafür danke ich dir. Amen.

[1:22] Es war vor über 500 Jahren, dass ein gewisser Mönch Martin Luther die Bibel auf der Wartburg übersetzte. Sola Scriptura war ein Slogan, der sehr von ihm geprägt wurde. Und es war sein Verdienst, unter anderem sein Verdienst, dass dieser Slogan, dieses Motto Sola Scriptura, die Bibel als einzige Quelle und Norm des christlichen Glaubens wurde. Aber die Idee war nicht neu. Die Reformatoren stellten diesen Grundsatz in den Mittelpunkt ihrer Lehre.

[2:04] Die Betonung der Heiligen Schrift als alleinige Autorität war und ist auch eine Abgrenzung zur römisch-katholischen Kirche gewesen, und das ist sie auch heute noch. Im Mittelalter war es üblich, dass die Heilige Schrift durch die Brille der Kirchenväter und durch Konzilsbeschlüsse gelesen wurde. Die sogenannte Tradition formte theologische Aussagen selbstverständlich mit. Luthers Ansinnen jedoch war es, den Menschen zu vermitteln, dass jeder selbst die Bibel verstehen könne. Und so übersetzte er sie, wie auch die anderen Reformatoren in anderen Ländern sie in ihre Sprachen übersetzten, so übersetzt er die Bibel ins Deutsche.

[2:48] Die katholische Kirche reagierte auf die Lehren und Forderungen der Reformationsbewegung auf dem Konzil von Trient 1545 bis 1563. Dort wurde statuiert, die göttliche Wahrheit sei nicht allein in der Schrift, sondern in der Verbindung von Schrift und Tradition zu finden, wurde damals festgelegt. Nur so könne die rechte Auslegung mit Hilfe des Heiligen Geistes gesichert werden. Zudem sei ja die Kirche älter als die Bibel.

[3:26] Wenn wir jedoch als Post-Reformationschristen uns heutzutage Gedanken über das Wort Gottes machen, müssen wir sagen: Die Bibel ist die höchste Autorität für unser Leben und auch für unsere Lehre. Sie allein ist der Maßstab für unsere Theologie. Sie ist die unerschöpfliche Quelle göttlicher Weisheit, die es zu ergründen gilt. Und sie ist ein Wegweiser für Gläubige.

[3:59] Wie sollten wir uns als Menschen gegenüber dem Wort Gottes verhalten? Wie sollten wir mit dem Wort Gottes umgehen, wenn uns bewusst ist, dass wir es hier mit dem inspirierten Wort des großen und einzigartigen Schöpfers des Universums zu tun haben? Diese Fragen wollen wir uns stellen und Antworten suchen.

[4:23] Eine Antwort finden wir in 1. Korinther 3, Vers 18 bis 19, wo es heißt: „Niemand betrüge sich selbst. Wenn jemand unter euch sich für weise hält in dieser Weltzeit, so werde er töricht, damit er weise werde. Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit vor Gott.“ Wir müssen uns bewusst sein, dass wir nicht weise genug sind, um die Bibel zu verstehen. Wir brauchen Gottes Hilfe, damit er uns sein Wort aufschließt und sein Heiliger Geist uns in alle Wahrheit führt.

[5:02] Aber neben dem brauchen wir auch eine gewisse Demut vor dem Wort Gottes. Im gleichen Kapitel heißt es ein paar Verse weiter: „So rühme sich nun niemand irgendwelcher Menschen, denn alles gehört euch, es sei Paulus oder Apollos oder Kephas oder die Welt, das Leben oder der Tod, das Gegenwärtige oder das Zukünftige, alles gehört euch. Ihr aber gehört Christus an, Christus aber gehört Gott an.“

[5:39] Die Bibel ist ein großartiges Werk und Menschen durften daran mitwirken, Gottes Gedanken, Gottes Worte aufzuschreiben. Aber was Paulus hier schreibt, ist ein sehr wichtiger Grundsatz. Es geht hier nicht um Menschen und es geht nicht um das menschliche Wort, sondern es geht um Gottes Wort. Und wir sollten nicht einem Paulus, einem Apollos oder einem Kephas anhängen, sondern wir sollten der Bibel anhängen.

[6:08] Paulus möchte das hier ganz deutlich machen, dass es nicht darum geht, Menschen nachzulaufen. Wir sollten Jesus nachlaufen. Und wenn wir das auf heute übertragen, ich weiß nicht, wie es euch geht, vielleicht habt ihr einen Lieblingsprediger, einen Lieblingsevangelisten, irgendwo auf der Welt, von dem ihr jede Online-Predigt anschaut, oder einen Sprecher, dem ihr überall hinterher reist. Wir sollten nicht Menschen nachlaufen, auch wenn diese Menschen ganz treu das Wort Gottes verkündigen. Seid dankbar dafür, aber lauft der Bibel mehr nach als Menschen.

[6:49] Im gleichen Buch, 1. Korinther, Kapitel 4, schreibt Paulus: „So soll man uns betrachten als Diener des Christus und Haushalter der Geheimnisse Gottes. Im Übrigen wird von einem Haushalter nur verlangt, dass er treu erfunden wird.“ Wir sollen im Umgang mit Gottes Wort und als Verkündiger treue Diener und Haushalter sein.

[7:16] Nun, was bedeutet das ganz praktisch für uns? Das bedeutet, dass ich ein aufrichtiger Bibelstudent bin. Ich erhebe meine Meinung nicht über Gottes Wort und ich betrachte das Wort Gottes als unverfälschte Wahrheit. Ich suche in der Bibel nicht nach Beweisen für meine Theorien und meine Ideen, sondern ich lasse mich von ihr belehren und korrigieren, wenn es nötig ist. Ich verwende das Wort Gottes so, wie es Jesus auch tut, nämlich zum Wohl anderer und zur Rettung von Seelen.

[7:53] Wir wollen uns zu diesem Punkt noch ein paar weitere Bibelfersen anschauen. Schaut mit mir in Römer 12, Vers 3. Dort heißt es: „Denn ich sage, Kraft der Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass er nicht höher von sich denke, als sich zu denken gebührt, sondern dass er auf Bescheidenheit bedacht sei, wie Gott jedem Einzelnen das Maß des Glaubens zugeteilt hat.“ Wir als Menschen, wir sind kleine Würmer in den Augen des Universums. Wir sind so ein kleiner Planet und wir als Menschen, die diesen kleinen Planet bevölkern, was sind wir? Wir sind so ein kleiner Planet im Gegensatz zum großen Gott des Universums. Und Paulus sagt hier: Denkt nicht so hoch von euch. Es gibt noch so viel Höheres und so viel, was viel mehr Weisheit hat als ihr.

[8:49] Einen anderen Vers finden wir in Galater 6, Vers 3: „Denn wenn jemand meint, etwas zu sein, da er doch nichts ist, so betrügt er sich selbst.“ Der gleiche Gedanke in andere Worte verpackt.

[8:59] In Philipper 2, Vers 3 finden wir: „Tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst.“ Dieser Grundsatz gilt für uns Menschen untereinander und er gilt auch für das Wort Gottes, dass wir das Wort Gottes höher einstufen als unsere eigenen Ideen und Gedanken, die wir vielleicht manchmal so entwickeln und haben. Und ich glaube, es ist ein gesunder Glaube und ein gesundes Christenleben, wenn wir uns von der Bibel korrigieren lassen. Es tut manchmal weh und manchmal hängen wir manchen Ideen ganz schön nach und hinterher, aber trotzdem sollten wir sie als letztendliche Autorität anerkennen.

[9:49] Letzter Vers zu diesem Thema steht in 2. Korinther 4, Vers 5: „Denn wir verkündigen nicht uns selbst, sondern Christus Jesus, dass er der Herr ist, und selbst aber als eure Knechte um Jesu willen.“

[10:05] Paulus hat sich hier in den Dienst Gottes gestellt. Er betrachtete sich als treuen Knecht und Diener und er war ein sehr nützliches Instrument in der Hand Gottes, eben weil er sich der Bibel so unterstellt hat und weil das Wort so eine große Bedeutung hatte für ihn. Es gab auch eine Zeit in seinem Leben, in der er das Wort Gottes anders betrachtet hat. Er war ein sehr gelehrter Mann, er hat die Bibel wahrscheinlich zum ganz großen Teil auswendig gekonnt und trotzdem hatte sie kaum Auswirkungen auf sein Leben, auf sein Verhalten, auf seine Liebe zu anderen Menschen, vor allem zu Nichtjuden. Aber als er sich von der Bibel hat korrigieren lassen, hat sich all das geändert.

[11:01] Paulus hatte einen großen Respekt vor der Heiligen Schrift und wenn es um ihre Auslegung geht, ging es Paulus darum, dass wir uns nicht auf Menschenwort verlassen, sondern auf die Schrift. Luther sagte einmal zu diesem Thema: „Die Schrift allein ist der wahre Herr und Meister aller Schriften und Lehre auf Erden.“ Luther macht hier klar, dass die Bibel über allen Büchern steht. Es gibt viele Bücher auf der Welt, es gibt viele kluge Bücher auf der Welt, aber keines enthält so tiefe Wahrheiten, so viel Weisheit und solch eine Autorität wie die Heilige Schrift, die Gott hat aufschreiben lassen.

[11:43] In 1. Korinther 4, Vers 6 schreibt Paulus: „Dass aber, meine Brüder, habe ich auf mich und Apollos bezogen, um euretwillen, damit ihr an uns lernt, in eurem Denken nicht über das hinaus zu gehen, was geschrieben steht, damit ihr euch nicht für den einen auf Kosten des anderen aufbläht.“ Was möchte Paulus hier deutlich machen? Paulus möchte den Gläubigen deutlich machen: Ich habe vielleicht das mehr in meiner Predigt betont und Apollos hat vielleicht das mehr in seiner Predigt betont. Das heißt aber nicht, dass die Bibel auf der einen oder anderen Seite eine Schlagseite hätte, sondern es ergänzt sich. Und ihr kennt das bestimmt aus eurem eigenen Leben, wenn ihr verschiedene Predigten hört, die Predigten ergänzen sich und so ergänzen sich auch die Sichtweisen verschiedener Menschen. Nicht nur heutzutage, sondern auch damals war das so.

[12:45] Die Bibel ist ein Buch, was aus vielen Büchern besteht und diese Bücher ergänzen sich. Das können wir an vielen wunderbaren Beispielen sehen. Paulus hatte kein Interesse daran, ein Guru zu sein, dem andere ohne selbst zu denken nachfolgten.

[13:12] Eine ähnliche Situation gab es ja schon einmal mit den Jüngern von Johannes dem Täufer und Jesus. Die Jünger waren damals auch im Zwiespalt, wer denn nun mehr Recht hätte oder wie man denn nun nachfolgen sollte. Doch darum ging es nicht. Gott möchte, dass wir unser Verständnis der Bibel nicht von Menschen abhängig machen, und sei es auch der begabteste Prediger der Welt.

[13:43] Denn sich auf Menschen zu verlassen ist nie gesund. Menschen können fehlen und fallen und dann ist die Frage, ob du dem angehimmelten Prediger in seine Irrlehren folgst oder die Bibel konsultierst, sie erforscht und dir selbst eine Meinung bildest.

[14:02] So haben es die Leute auch von Berea gemacht, von denen wir in Apostelgeschichte lesen. In Apostelgeschichte 17, Vers 11 steht: „Diese aber waren edler gesinnt als die in Thessalonich und nahmen das Wort mit aller Bereitwilligkeit auf und sie forschten täglich in der Schrift, ob es sich so verhalte.“ Die Bereer zeichnete eine besondere Fähigkeit aus, aber nicht nur eine. Es ist eigentlich diese edle Gesinnung, von der Paulus hier schreibt, diese Aufrichtigkeit, mit der sie die Bibel studiert haben. Sie wollten wirklich wissen, was die Bibel sagt. Aber nicht nur, dass sie der Sache wirklich auf den Grund gehen wollten, sie hatten auch eine Konstanz in ihrem Bibelstudium. Sie sind daran geblieben, auch wenn sie es nicht sofort gefunden haben. Sie haben täglich darin geforscht, sie wollten es ergründen und sie hatten Durchhaltevermögen.

[15:08] Eine wichtige Fähigkeit, wenn man die Bibel studiert. Und ihr kennt das vielleicht von euch selber, wenn man einen schwierigen Textabschnitt liest, man versteht ihn nicht und man liest Parallelverse und man versucht Ellen-White-Zitate dazu zu finden und trotzdem erschließt sich einem der Text nicht. Da braucht es Geduld und manchmal Jahre, bis man einen Textabschnitt verstehen kann.

[15:32] Was können wir über die Einheit der Bibel sagen? Schauen wir mal in einen Vers, den wiederum Paulus schrieb im 2. Timotheus 3, Vers 16, ein sehr bekannter Vers: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.“ Hier steht ein kleines Wort: „alle“. Und dieses Wort ist von so großer Bedeutung. Wir können nicht die Schrift partiell studieren. Wir können nicht sagen, wir sind die Christen des Alten Testaments oder wir sind die Christen des Neuen Testaments oder ich folge nur Paulus nach.

[16:15] Alle Schrift ist von Gott eingegeben und zur Belehrung. Wir können uns nicht das herauspicken, was uns gefällt, sondern wir müssen die ganze, die Ganzheit der Bibel betrachten. Und die Reformation hat dafür auch einen Slogan gefunden, so wie Sola Scriptura, nannten sie dies Tota Scriptura.

[16:37] Schaut mit mir in 1. Petrus 1, Vers 20. Dort heißt es: „Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, dass keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist.“ Das ist ein sehr schöner Satz, den hier uns der Petrus mitgibt. Er versichert den Gläubigen: Schaut, die Bibel ist zwar von Menschen geschrieben, aber sie ist Gottes Wort und alles, was dort drin steht, das hat Gott bewacht und hat Gott überwacht, dass dort auch nicht irgendetwas hineinkommt, was er nicht gewollt hat.

[17:17] Gott ist der Autor der Bibel und er hat über Jahrtausende seine Hände darüber gehalten, über das, was die Propheten und die Schreiber hineingeschrieben haben. Er hat Manuskripte bewacht, die Jahrtausende lang in Höhlen überlebt haben. Und vielleicht habt ihr schon mal von den sogenannten Qumran-Schriftrollen gehört, die ja in den Felshöhlen im Westjordanland gefunden wurden, Mitte des letzten Jahrhunderts. Und das Interessante damals war, dass diese Schriftrollen, die die alten Prophetenbücher zum Teil enthielten, dass sie bewiesen haben, dass die Bibel, die wir heute haben, exakt das enthält, was damals auf diesen Schriftrollen stand. Und so konnte man vor 80 Jahren endlich wirklich feststellen, dass die Bibel sich nicht verändert hat.

[18:26] Ich möchte mit euch noch einen Vers lesen in Titus 1, Vers 9. Titus ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Und hier heißt es: „Einer, der sich an das zuverlässige Wort hält, wie es der Lehre entspricht, damit er imstande ist, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen, als auch die Widersprechenden zu überführen.“ Dieser Vers möchte dir sagen: Die Bibel ist zuverlässig. Zuverlässigkeit ist eine wichtige Eigenschaft, die wir auch aneinander schätzen. Wenn jemand unzuverlässig ist, dann verlieren wir schnell das Vertrauen in ihn. Und Paulus sichert uns zu, dass die Bibel vertrauenswürdig ist.

[19:10] Außerdem finden wir im Titus-Buch und auch im Timotheus immer wieder diesen Begriff „gesunde Lehre“. Ein ganz interessantes Wort, was Paulus hier ganz oft benutzt, wenn er an seine Diener Titus und Timotheus schreibt. Und ich möchte mit euch ein bisschen über dieses kurze Wort sprechen: gesunde Lehre. Im Griechischen steht an dieser Stelle immer das Wort „hygieia“, das so viel heißt wie heil, gesund oder unversehrt. Die Lehre soll also heil und unversehrt sein und sie ist gesund, so wie die Bibelübersetzer es hier übersetzt haben.

[19:54] Wir finden es auch zum Beispiel in 1. Timotheus 6, Verse 3 bis 5, wo es heißt: „Wenn jemand fremde Lehren verbreitet und nicht die gesunden Worte unseres Herrn Jesus Christus annimmt und die Lehre, die der Gottesfurcht entspricht, so ist er aufgeblasen und versteht doch nichts, sondern krankt an Streitfragen und Wortgefechten, woraus Neid, Zwietracht, Lästerung, böse Verdächtigungen entstehen, unnütze Streitgespräche von Menschen, die eine verdorbene Gesinnung haben und der Wahrheit beraubt sind und meinen, die Gottesfurcht sei ein Mittel zur Bereicherung. Von solchen halte dich fern.“ Diesen Rat gibt Paulus seinem jungen Diener Timotheus, sich von diesen Dingen fernzuhalten, von diesen Menschen, die solche Lehren verkündigen, die keine gesunde Lehre predigen, sondern fremde Lehren.

[20:52] Er stellt hier den Kontrast gegenüber: die gesunde Lehre und im Gegensatz dazu diese fremden Lehren und zählt ihre Konsequenzen auf. Hier spricht er von Streitfragen, Wortgefechten, Neid, Zwietracht, Lästerung, all diese schlechten Dinge. Und er sagt: Aber weil die Bibel so heil, unversehrt, rein und zuverlässig ist, hat sie eine besondere Eigenschaft, und diese Eigenschaft besitzt kein anderes Buch in diesem Maße, denn sie legt sich selbst aus. Das heißt, die Bibel erklärt sich selbst. Und weil die Bibel so einen hohen göttlichen Wert hat, lohnt es sich für sie einzutreten.

[21:39] Das redet Paulus auch seinem Diener Timotheus, für die Bibel einzutreten. Wir lesen im gleichen Buch Timotheus 4, Verse 2 bis 4: „Predige das Wort, tritt dafür ein, sei es gelegen oder ungelegen, überführe, tadele, ermahne mit aller Langmut und Belehrung. Denn es wird eine Zeit kommen, da werden sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich selbst nach ihren eigenen Lüsten Lehrer beschaffen, weil sie empfindliche Ohren haben, und sie werden ihre Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Legenden zuwenden.“

[22:19] Der altersweise Paulus gibt dem Timotheus hier sozusagen eine Aussicht. Und wir selber kennen das, wenn wir jung sind und im Werk Gottes arbeiten, dann sind wir voller Tatendrang, dann möchten wir die Welt verändern, dann wollen wir das Wort in die Welt hinaus tragen. Aber Paulus sagte dem Timotheus: Schau, tu das, tritt für das Wort ein, tu alles, was du tun kannst, um es zu verkündigen, aber wisse auch, es gibt Menschen und es gibt Zeiten, in denen das Wort Gottes nicht geschätzt wird.

[22:57] Um für das Wort Gottes einzutreten, braucht man Liebe zur Wahrheit, eine echte tiefe Liebe zu Jesus, der ja die Wahrheit ist und das Wort. Ohne diese tiefe Liebe werden wir die Liebe zur Bibel nicht entdecken können. Und Paulus schreibt genau darüber an die Thessalonicher.

[23:24] In 2. Thessalonicher 2, Vers 10 heißt es: „Und alle Verführungen der Ungerechtigkeit bei denen, die verloren gehen, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, durch die sie hätten errettet werden können.“ Die Liebe zur Wahrheit rettet.

[23:47] Unzählige Menschen wurden in vielen Jahrhunderten der Menschheitsgeschichte aufgrund ihres Glaubens und des Wortes Gottes umgebracht, weil sie daran glaubten, weil sie es besaßen oder weil sie es verbreitet haben. Aber einen Schatz, einen Schatz, den sie alle hatten, konnte ihnen kein Schwert der Welt nehmen, und das war ihr ewiges Leben. Denn die Bibel sagt: Wer die Liebe zur Wahrheit hat, der ist errettet.

[24:20] Ellen White schreibt über diese Wahrheit in einem Brief: „Die zugerechnete Gerechtigkeit Jesu ist ein kostbares Erz, dessen Wert entdeckt werden kann, indem man in den Minen der Wahrheit gräbt.“ Was möchte uns dieses Bild mitteilen? Minen der Wahrheit. Die Wahrheit liegt nicht immer an der Oberfläche. Es ist nicht wie Gold, das wir auf den Straßen finden, oder Edelsteine, die einfach auf dem Weg rumliegen. Die Wahrheit möchte entdeckt werden, ergraben werden. Und so benutzt Ellen White dieses Bild der Minen. Eine Mine ist tief im Berg, tief in der Erde und es ist nicht einfach, so eine Mine zu durchbohren und da hinunter zu kommen. Ich selbst war schon in einigen Minen. Heutzutage kann man ja stillgelegte Minen auch besuchen und man bekommt eine Idee davon, welchen Aufwand die Menschen auch schon vor vielen vielen Jahrzehnten gemacht haben, ohne das moderne Werkzeug, in solche tiefen Gefilde vorzustoßen, was es sie gekostet hat an Gesundheit, an Kraft, dort hinunter zu gelangen, um etwas sehr Kostbares zu finden und hinauf zu befördern. Und genauso verhält es sich mit der Bibel und den Wahrheiten, die darin enthalten sind.

[25:57] Wir sollen nach ihr graben, als wenn wir den kostbarsten Schatz darin erwarten, der uns reich machen wird und der uns retten wird.

[26:12] Die Wahrheit ist ein kostbarer Schatz. Und so lesen wir hier in einem Brief: „Mir wurde gezeigt, dass du und deine Frau und deine Tochter eine Arbeit tun müssen, die praktisch und gründlich ist. Ihr könnt ein Segen füreinander sein, indem ihr gemeinsam nach den Juwelen in der Wahrheit grabt, wie nach kostbaren Schätzen.“ Wahrheit, Bibelwahrheit, die im Denken aufbewahrt wird, ist von höchstem Wert für die geistliche Entwicklung.

[26:46] Ja, Wahrheit, die in unser Denken eindringt, die sich dort abspeichert, hat einen enorm hohen Wert. Und wenn wir die Wahrheit dort hinkriegen, in unser Denken, dann ist etwas sehr Gutes erreicht und die Wahrheit wird uns täglich begleiten.

[27:09] Die Bibel in der Familie oder im Hauskreis oder mit Freunden oder in der Gemeinde zu studieren, ist ein großer Segen und verbindet uns mit Gott und verbindet uns untereinander.

[27:21] Die Bibel ist komplex und einfach zugleich. Sie kann von einem Kind verstanden werden, aber sie beschäftigt auch den gelehrtesten Menschen der Welt sein Leben lang. Deshalb, und ich möchte noch einmal auf dieses Wort von Luther zurückkommen, wo er schreibt: „Die Heilige Schrift ist ein Fluss, in dem ein Elefant schwimmen muss und ein Lamm gehen kann.“ Der Elefant steht hier für den Gelehrten und ein Lamm, ja, das kann ein Kind sein, was vielleicht gerade gelesen, gelernt hat und zum ersten Mal das Bibelwort liest, was langsam anfängt zu verstehen, was Gottes Wort sagt, Grundsätze der Erlösung versteht und versteht, dass Gott für sie gestorben ist. Ich weiß nicht, ob du ein Elefant bist oder ein Lamm, aber Gott hat zugesichert, dass du die Bibel verstehen kannst.

[28:23] Was können wir sagen zur Klarheit der Bibel? In der Lektion waren ja unter diesem Stichwort einige Bibelverse angegeben. Ich möchte sie nicht alle mit euch lesen, ihr könnt das selber tun, aber die Quintessenz all dieser Bibelverse in Matthäus, Markus und Lukas, sie stellen alle einen Satz zusammen. Also Jesus sagt ja eigentlich immer dasselbe: „Ihr habt ihr nicht gelesen?“ Oder wer es liest, der achte darauf. Jesus setzt also voraus, dass Menschen die Bibel verstehen können. Er hat sie so einfach gemacht, dass man es doch verstehen kann.

[29:03] Die Bibel ist eindeutig und auch so, dass selbst ungebildete Menschen sie verstehen können. Die Reformatoren haben deutlich gemacht, dass kein Gläubiger als Kleriker werden muss, um das Bibelwort zu verstehen und auslegen zu können. Dass Luther bei seiner Bibelübersetzung dem Volk aufs Maul geschaut hat, wie es so schön heißt, kann man an seiner Übersetzung merken. Und auch nach 500 Jahren können wir sagen, dass die Bibelübersetzung Martin Luthers die deutsche Sprache enorm geprägt hat.

[29:38] In all diesen Fällen ging es ihm nicht darum, dem Volk nach dem Mund zu reden. Es gibt einige gute Beispiele und man kann ein paar davon im Internet finden, wie Luther sich darum gerungen hat, eine gute Übersetzung zu finden. Und da gibt es Übersetzungsstadien von verschiedenen Jahren, in denen er die Bibel noch mal übersetzt hat, manche Stellen noch mal ein bisschen gefeilt hat. Und da sieht man, dass am Anfang manchmal so ein plumpes Wort so ein bisschen die Atmosphäre des Verses stört. Und später hat er es geschliffen und noch verfeinert. Und er wollte dem Volk nach dem Mund reden, aber er wollte auch gutes und genaues Deutsch verwenden. Und ich glaube, das ist ihm gut gelungen. Nicht umsonst lesen viele von uns heute noch die Lutherbibel als ihre Standardversion.

[30:32] Er wollte nicht fremde Sprachformen ungelenk nachbilden. Wer vielleicht von euch Hebräisch oder Griechisch kann, der weiß jetzt, dass das manchmal gar nicht so einfach ist. Sondern Luther wollte den natürlichen Ausdruck benutzen, weil er es den Menschen nahe bringen wollte. Er wollte, dass es jeder verstehen kann. Und er wusste ja, dass die Bevölkerung seiner Zeit in Deutschland lange, lange, jahrhundertelang die Bibel nicht lesen konnte, weil eben die katholische Kirche die Bibeln verboten hat, weil sie das als eine Sache des Klerus angesehen hat. Und er musste es sozusagen auf ein Niveau herunterbrechen, dass der ganz normale Bauer, der Schmied und der Schlachter von nebenan die Bibel auch verstehen konnten.

[31:24] Die Bibel ist klar. Das zeigt uns ein Zitat aus Child Guidance: „Die herrlichen Lehren der Bibelgeschichten und Gleichnisse, die reine einfache Lehre in Gottes heiligem Wort, ist die geistliche Nahrung für dich und deine Kinder.“

[31:42] Wenn wir mit Kindern die Bibel studieren oder Bibelgeschichten, und ich mache das auch, dann verwenden wir oft Kinderbibeln. Und ich selbst bin mit Kinderbibeln groß geworden. Aber ich weiß nicht, ob euch das auch aufgefallen ist: Manchmal runden die Kinderbibeln manche Geschichten ein bisschen ab oder erwähnen manche Aspekte nicht. Und wenn man dann erwachsen ist und diese ganzen sehr bekannten Geschichten, die man meint ja auswendig zu können, in der Bibel nachliest, merkt man diesen Aspekt, der stand aber nicht in meiner Kinderbibel, der fällt mir heute zum ersten Mal auf. Und ich möchte ein Plädoyer dafür sprechen, dass wir neben den Kinderbibeln, die Kinder ganz natürlich brauchen, das ist keine Frage, auch die Kinder auf dem Weg begleiten, das pure Wort Gottes zu lesen. Dass wir mit ihnen mal einen Bibeltext oder eine Bibelgeschichte so lesen, wie sie in der Bibel steht. Das soll sie natürlich nicht ermüden. Es soll in einem guten Maße passieren. Aber ich glaube, es ist gut, wenn die Kinder an das Lesen der Bibeln herangeführt werden und nicht nur ihre Kinderbibeln benutzen.

[32:54] Die Bibel ist geistliche Nahrung für Groß und Klein. Und wie man genau eine Andacht mit Kindern machen kann, darüber hat Ellen White viele, viele gute Dinge geschrieben. Die könnt ihr in Büchern wie Child Guidance, wie führe ich mein Kind, in Bucherziehung und anderen Büchern nachlesen.

[33:15] In Matthäus 11, 25 finden wir das Wort: „Zu jener Zeit begann Jesus und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen geoffenbart hast.“ Das Verstehen der Bibel ist nicht abhängig vom Intellekt. Es ist eine wichtige Botschaft. Das, was jeder Mensch über die Erlösung verstehen muss, ist in klaren und einfachen Worten aufgeschrieben.

[33:48] Viele Dinge hat Gott in Geschichten und Lebensbildern niederschreiben lassen, weil er weiß, dass wir es so besser verstehen. Und wer von uns mag keine Geschichten? Und Jesus hat selber, als er auf der Erde war, in Gleichnissen gesprochen. Er hat versucht, die Menschen dort abzuholen, wo ihr Denken sich gerade aufgehalten hat, bei der Feldarbeit, beim Acker, bei der Natur. Und Jesus hatte eine Sache, die er unbedingt wollte: Er wollte das Denken der Menschen so wenig wie möglich unterbrechen. Sondern das Denken, wo ihr Kopf gerade hing, hat er umgelenkt in geistliche Bahnen. Das war eine unglaubliche Gabe, die er hatte und die er benutzt hat.

[34:41] Ein Beispiel möchte ich euch nennen, was vielleicht nicht vielen von euch bewusst ist. Aber in Matthäus 25 lesen wir von den zehn Jungfrauen, den Törichten und den Klugen. Und vielleicht habt ihr schon mal gehört, warum Jesus gerade in diesem Moment das Bild einer Hochzeit und des Wartens auf einen Bräutigam erwähnt. Ellen White schreibt, dass er es deswegen tat, weil die Jünger, die gerade vor ihm saßen, eine Hochzeitsgesellschaft beobachteten, die auf den Bräutigam wartete. Jesus griff dieses Bild auf und versuchte diese Gedanken, diese Beobachtung, die sie gerade machten, mit geistlichen und himmlischen Dingen zu verbinden. Und wenn Jesus das gemacht hat, dann sollten Prediger, Pastoren, die heute predigen, das auch tun: das Denken der Menschen so wenig wie möglich unterbrechen.

[35:40] Tja, die Bibel hat viele gut zu verstehende Abschnitte. Natürlich gibt es auch schwere Texte und vielleicht fallen euch da sofort welche ein, die ihr schon seit Jahren versucht zu verstehen oder die ihr mal schwer fandet und die ihr irgendwann verstanden habt.

[36:00] Ellen White schreibt darüber im fünften Band der Testimonies, Seite 740: „All die väterliche Liebe, die von Generation zu Generation durch den Kanal menschlicher Herzen vom Himmel hinabgekommen ist, all die Quellen der Zärtlichkeit, welche die Seelen von Menschen geöffnet haben, sind nur eine kleine Rille zum grenzenlosen Ozean, wenn man sie mit der unendlichen, unerschöpflichen Liebe Gottes vergleicht.“ Es ist ein so schönes Bild, was sie hier malt. Unsere Liebe ist nur eine kleine Rille, die zu einem riesigen Ozean fließt, der für Gottes Liebe steht.

[36:38] Wir lesen weiter: „Zungen können es nicht beschreiben, Stifte es nicht niederschreiben. Du musst darüber jeden Tag deines Lebens nachsinnen. Du kannst die Schriften eifrig erforschen, um sie zu verstehen. Du kannst jede Kraft und Fähigkeit, die Gott dir gegeben hat, entwickeln in der Bemühung, die Liebe und Hingabe des himmlischen Vaters zu erfassen. Und doch gibt es eine Unendlichkeit dahinter. Du kannst es für Zeitalter studieren und doch wirst du nie ihre Breite, Länge, ihre Höhe und Tiefe begreifen.“ Diese Liebe Gottes, die den Sohn für eine sterbende Welt gab, die Ewigkeit selbst, wird es nie ergründen. Ihr wisst vielleicht, dass wenn wir eines Tages mit Gott auf der neuen Erde leben werden, dass wir in alle Ewigkeit über das Opfer, was Jesus getan hat, nachdenken werden. Und dass wir an keinem Tag, der in der Ewigkeit liegt, sagen werden: Jetzt haben wir es vollständig verstanden. Nicht mal die Engel tun es. Sondern wir haben in alle Ewigkeit damit zu tun, diese Liebe zu ergründen, diesen Ozean, wie sie schreibt, zu überqueren, zu durchschwimmen. Und das ist ein so schönes Bild, dass die Liebe unseres Gottes einfach unendlich ist.

[38:00] Die Bibel legt sich selbst aus. Ein wichtiges Prinzip. Nicht nur für uns Adventisten. Es gibt auch andere Christen, die dieses Prinzip verfolgen. Aber es ist ein sehr wichtiges. Und wir wollen uns ein Bibelvers dafür anschauen, der wirklich par excellence davon spricht, nämlich in Lukas 24, dort Vers 27: „Und er begann bei Mose und bei allen Propheten und legte ihnen allen Schriften aus, was sich auf ihn bezieht.“ Er spricht hier von Jesus, der mit den Emmausjüngern auf dem Weg ist. Und sie erkennen ihn ja nicht. Sie haben noch nicht verstanden, dass es Jesus ist, mit dem sie da zusammenlaufen. Und er erklärt ihnen in der, die ganze Bibel hindurch, den ganzen Spaziergang lang, erklärt er ihnen: Ja, bei Mose seht ihr diesen Text. Und da ist der Messias drin zu erkennen, die Propheten. Und da ist der Messias drin zu erkennen.

[38:50] Und später heißt es im gleichen Kapitel: „Er aber sagte ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch geredet habe, als ich noch bei euch war, dass alles erfüllt werden muss, was im Gesetz Moses und in den Propheten und den Psalmen von mir geschrieben steht.“ Da öffnete er ihnen das Verständnis, damit sie die Schriften verstanden.

[39:14] Es ist kein Zufall, dass Jesus hier gerade die drei Typen der Heiligen Schrift erwähnt, die im Alten Testament sozusagen verankert sind. Es sind hier diese drei Bestandteile: die Thora, die für das Gesetz steht, die Nevi'im, damit sind die Propheten gemeint, und die Ketuvim, das sind die Schriften, wie zum Beispiel die Psalmen. Und er benutzt und sagt: Aus diesen drei Teilen, alle drei Teile der Bibel, die Thora, die Nevi'im und die Ketuvim, aus allen zeigt er Texte, die sich auf ihn beziehen, die vom Messias sprechen. Und wendet hier das Prinzip Tota Scriptura an und zeigt sozusagen den Emmausjüngern, wie und wo genau sich alles erfüllt hat. Ich stelle mir vor, wie er ihnen zum Beispiel 1. Mose 3, Vers 15 erklärt hat, oder 1. Mose 22, die Opferung von Isaak, und wie diese Geschichte auf den kommenden Messias hinweisen sollte. Wer ihn aus den Propheten, vielleicht von Jesaja 53 erzählt hat und sie hat sehen lassen, wie sehr detailliert es sich in der Kreuzigung erfüllt hat, oder auch wie er ihn vielleicht Psalm 22 ausgelegt hat und dort Vers 16, 17 und 19, wo geschrieben steht, dass Jesus, dass die Kleider geteilt werden, dass er Galle zu trinken bekommt und all diese Details, die David da im Psalm schon niedergeschrieben hat, Jahrhunderte bevor Jesus überhaupt gelebt hat.

[40:55] Und in Vers 45 von Lukas 24 finden wir diesen Schlüssel: Jesus benutzt sowas wie einen Schlüssel, um ihnen das Wort aufzuschließen, und das ist der Heilige Geist. Und dieser Schlüssel, den haben nicht nur die Emmausjünger gebraucht, sondern den brauchst auch du und den brauche auch ich jeden Tag, um die Bibel zu verstehen.

[41:21] Im Psalm 119, Vers 18 heißt es, dass Gott uns die Augen öffnet für sein Wort. Und Paulus spricht im zweiten Korinther 3 von einer Decke, die hinweggenommen werden muss, damit man das Wort Gottes verstehen kann. Um die Bibel zu verstehen, brauche ich Gott, brauche ich den Heiligen Geist. Aber Gott braucht auch etwas von mir. Er braucht ein unbedingtes Vertrauen zu seinem Wort. Wir nennen das Glaube.

[41:53] Und ich möchte mit euch ein Zitat aus dem Buch Erziehung lesen, wo es heißt, Seite 199: „Die Bibel legt sich selbst aus. Deshalb sollten Schriftstellen miteinander verglichen werden. Wer sich mit der Bibel befasst, muss lernen, Gottes Wort als Ganzes zu erfassen und die Beziehung der einzelnen Abschnitte zueinander zu erkennen. Er sollte alles Nötige über das zentrale Thema der Heiligen Schrift erfahren: Gottes ursprüngliche Absicht mit der Welt, das Drama des großen Kampfes zwischen Licht und Finsternis und den Erlösungsplan.“

[42:23] Es ist ein toller Abschnitt, den wir hier haben. Sie bestätigt sozusagen diese Auslegungsprinzipien, Texte miteinander zu vergleichen, nebeneinander zu legen, systematisch die Bibel zu studieren, altes, neues Testament, wie verknüpft sie miteinander sind. Und sie nennt hier die großen Schwerpunkte: den großen Kampf, Gottes Plan mit der Welt und den Erlösungsplan als Säulen des Glaubens, den wir brauchen.

[42:55] Ja, die Bibel harmoniert miteinander. Und ich möchte mit euch zwei Folien anschauen, die vielleicht der ein oder andere von euch schon einmal gesehen hat. Hier haben wir eine Folie, die voller Striche ist und jeder Strich steht für ein Bibelbuch. Ihr seht, der ganz lange, der wird der Psalm 119 sein. Und alle 66 Bücher von circa 40 Autoren, die auf drei Kontinenten geschrieben wurden, in einer Zeitspanne von 1600 Jahren, die harmonieren unglaublich. Und ihr habt diese Striche hier unten und überall, wo es eine Beziehung zueinander gibt, wo ein Text sich mit einem anderen verknüpft und von der gleichen Sache redet und sich ergänzt und sich selbst auslegt, da gibt es so einen Bogen drüber. Und ihr seht, wie harmonisch die Bibel miteinander ist, wie sehr sich die Bücher aufeinander überziehen, dass das, was ganz am Ende steht, auch das mit dem zu tun hat, was ganz am Anfang stand und auch mittendrin, und wie schön alles miteinander verknüpft ist.

[44:03] Und das zeigt uns, dass die Bibel ein Buch ist, was unerschöpflich ist. Wir können unser ganzes Leben lang studieren und haben doch nicht alles entdeckt. Und wir können sogar die ganze Ewigkeit, die Erlösungsgeschichte verstehen wollen, und wir werden es nie ganz ergründen, aber jeden Tag ein Stückchen mehr davon verstehen, durch Gottes Gnade.

[44:25] Sola Scriptura und Ellen White. Damit möchte ich zum Schluss kommen und mir mit euch ein paar Gedanken darüber machen, wie wir den Slogan Sola Scriptura, allein die Schrift, mit dem Schriftwerk von Ellen White in Verbindung und in Harmonie miteinander bringen können. Ich weiß nicht, ob ihr in eurem Glaubensleben schon mal mit den Schriften von Ellen White gehadert habt. Vielleicht gab es eine Zeit, wo du gesagt hast: Ich kann diese Bücher nicht verstehen, ich will sie auch nicht lesen, weiß gar nicht genau, warum es sie überhaupt gibt. Wie auch immer du sie entdeckt hast, ob du adventistisch groß geworden bist und von Kindheit an über ihre Bücher gehört hast und darüber geredet wurde in deiner Familie, in deiner Gemeinde und du vielleicht doch nicht wusstest, warum es sie jetzt unbedingt gibt und was sie für dich für eine Relevanz haben, oder ob du erst später Adventist wurdest und diese Bücher entdeckt hast und dich mit dem Thema auseinandersetzen musstest, dass es da eine moderne Prophetin gibt, die durchaus Relevanz hat für deinen neuen Glauben. Wie auch immer deine Erfahrung mit Ellen White ist oder war, ich würde sagen, du brauchst eine Erfahrung mit ihren Schriften und ihren Büchern.

[45:51] Und ich habe für alle, die da vielleicht noch ein bisschen Probleme haben, in das Sendemanuskript ganz am Ende auf der letzten Seite einen Anhang, nämlich einen Prophetentest. Da sind ein paar Bibelfersen, mit denen ihr durch die Bibel schauen könnt, woran ihr einen echten Propheten erkennen könnt. Ich würde euch ermutigen, wer das noch nicht gemacht hat oder vielleicht da einige Fragen hat, sich das mal durchzuarbeiten. Und was ich gemacht habe, ihr macht sozusagen eine eigene Bibelstunde, die ihr euch in eure Bibel hineinschreibt. Ihr fangt mit dem ersten Vers an und dort schreibt ihr den nächsten Vers hin, dann schlagt den nächsten Vers auf, dort schreibt euch die nächste Textstelle rein und so habt ihr sozusagen einen Fahrplan durch so eine Bibelstunde, wenn ihr mal in die Gelegenheit kommt, diese Frage jemandem zu beantworten, der eine Bibelstunde zu dem Thema braucht.

[46:47] Ja, Ellen White kann man als Adventist nicht einfach ignorieren, als wären ihre Bücher nicht existent. Man würde sich dadurch einer unglaublich schönen und wichtigen Erfahrung berauben. Meine eigene Erfahrung mit ihren Büchern liegt schon eine Weile zurück, aber ich bin auch nicht als Adventistin aufgewachsen. Ich kam in meiner Oberstufe in der Schule mit der Adventgemeinde in Kontakt und ich habe ab und zu die Gottesdienste besucht und da wurde immer von einer Ellen White geredet und meistens von einem großen Kampf zitiert. Und für mich war das natürlich, ich habe manchmal gedacht: Wovon reden sie eigentlich? Und ich habe mir dann die Frage gestellt: Ja, kann man dieses Buch denn auch lesen oder wird daraus nur zitiert? Und dann habe ich bei jemandem im Bücherregal dieses Buch entdeckt, „Der große Kampf“ und habe gefragt, ob ich es mir ausleihen darf und das durfte ich und dann habe ich dieses Buch gelesen. Und wie gesagt, ich war damals in der Schule und ich habe beim Frühstück noch vor der Schule morgens ein paar Seiten gelesen. Als ich in der Schule saß, in jeder Pause, als es klingelte, habe ich wieder das Buch gelesen. Und wenn die Pausenglocke wieder zur Stunde läutete, habe ich das Buch wieder zugemacht. Und als ich zu Hause war und Mittag gegessen habe nach der Schule, habe ich wieder weiter gelesen und abends vorm Schlafen gehen habe ich wieder gelesen. Und so ging das einige Tage, bis ich dieses Buch durch hatte. Es hat mich unglaublich bewegt, was da drin stand. Und es war eines der wichtigsten Bücher in dieser Zeit, die mich zum Glauben geführt haben, neben der Bibel.

[48:38] Und es gab auch einige Bücher, die ich angefangen habe zu lesen, ganz am Anfang meines Glaubenslebens. Und ich habe sie nicht sofort verstanden. Ich habe sie wieder beiseite gelegt. Eines davon war „Das Leben Jesu“. Und dem sagt jetzt vielleicht: „Das Leben Jesu“, das ist ja nun wirklich nicht schwer zu verstehen. Aber ich hatte damals noch nicht so sehr den Jesus in mein Herz geschlossen, dass ich dieses Buch verstehen konnte. Und ich habe es erst zwei Jahre später verstanden. Und manchmal ist es so, dass nicht jeder zu Anfang den großen Kampf lesen mag und verstehen kann. Und ein anderer braucht erst Schritte zu Jesus und später den großen Kampf. Und so dürfen wir flexibel damit sein und darauf reagieren. Wenn ihr Menschen kennt, denen es so geht, dass ihr ihnen das richtige Buch gebt, darüber betet. Oder wenn es vielleicht euch selbst so geht und ihr vielleicht dieses Video anschaut und sagt: Ich habe Ellen White noch nie gelesen, betet darum, mit welchem Buch du anfangen sollst. Und dann fang an zu lesen. Unvoreingenommen und offen. Und dann prüfe das Wort, was sie schreibt, anhand der Bibel.

[49:43] Ellen White selbst hat sich immer als kleines Licht bezeichnet, das auf das große Licht hinweist, womit sie die Bibel meinte. Ihre Schriften sind kein Ersatz und keine Abkürzung für das Bibellesen, das möchte ich ganz deutlich sagen. Aber sie ist eine wichtige Hilfestellung zu einem tieferen Bibelverständnis. Und ihre Schriften sind sozusagen wie eine Brücke, die uns zu einem neuen Ufer führt, zu einem tieferen Verständnis von Gottes Wort. Ihre Schriften schenken tiefe Einblicke in die Welt der Bibel und die Geschichten und erhellen so manchen schwierigen Text.

[50:20] Und sie selbst hat interessanterweise über ihre Zeugnisse, die ja ein ganz spezieller Teil ihres Schrifttums sind, sie sind nämlich vor allem für die Gemeinde geschrieben, nicht für Mission gedacht, hat sie geschrieben im zweiten Band ihrer Zeugnisse: „Ihr kennt die Heilige Schrift nicht. Wenn ihr Gottes Wort mit dem Wunsch studiert hättet, dem biblischen Maßstäben zu entsprechen und christliche Vollkommenheit zu erlangen, hättet ihr die Zeugnisse nicht benötigt.“ Es gibt ganz verschiedene Bücher, die sie geschrieben hat. Es gibt Bücher, mit denen wir im Glaubensleben beginnen können, wie Schritte zu Jesus. Und es gibt Bücher wie die Zeugnisse, die wirklich dazu da sind, wenn wir im Glauben angekommen sind und gefestigt sind und vielleicht noch den ein oder anderen Makel haben, dass wir diese Bücher uns zu Herzen nehmen. Es sind wichtige Bücher, aber auch bei Ellen White gilt der Slogan Tota Scriptura, dass wir nämlich all ihr Schrifttum betrachten und vor allem auch die Dinge im Kontext lesen und nicht einen Satz herausgreifen, den wir dann manchmal als Hammer benutzen, um jemanden zu ermahnen, sondern dass wir eingebettet in den Kontext ihre Schriften verwenden.

[51:43] Wer von euch kennt das nicht? Man sitzt in der Sabbatschule und jemand sagt: Schwester White sagt dies und Schwester White sagt das. Ein ganz interessantes Zitat dazu habe ich auch erst diese Woche im Zuge dieser Lektion herausgefunden, steht in Selected Messages Band 3, wo sie sagt: „Wiederholt nicht, was ich gesagt habe, mit den Worten: Schwester White sagt dies oder Schwester White sagt das. Findet heraus, was der Herr, der Gott Israels sagt, und dann tut, was er befiehlt.“ Also, ich musste ehrlich gesagt ein bisschen schmunzeln, als ich diesen Satz gelesen habe, weil ich mich sehr entlarvt gefühlt habe. Und ich glaube auch euch begegnet dieser Satz häufig, wenn ihr in euren Gemeinden sitzt. Aber sie hat gesagt, wir sollen sie nicht so zitieren, wir sollen nicht sagen: Schwester White sagt dies oder Schwester White sagt das.

[52:36] Nun, wie können wir damit umgehen? Wie hat sie das gemeint? Das heißt natürlich nicht, dass wir sie nicht zitieren dürfen, das gewiss nicht. Aber unsere Glaube und unsere Zuversicht sollte sich aus der Bibel speisen. Ellen Whites Schriften sind eine umfassende Quelle von Weisheit und unerschöpflich, und jeder sollte sie lieb gewinnen. Aber vielleicht wäre es eine Anregung für euch, euch die Zitate von ihr in die Bibel hineinzuschreiben und zwar mit Referenz.

[53:01] Und ich möchte euch ein Beispiel zeigen, wie ich das mache seit Jahren. Seit mittlerweile zehn Jahren mache ich das so, dass ich in meine Bibel Zitate hineinschreibe von ihr und die Referenz dazu. Und das sieht dann ungefähr so aus. Ich habe euch mal ein Foto von einer meiner Bibelseiten gemacht. Ihr seht da den Text von 2. Timotheus und dann seht ihr unten mit Bleistift aus dem Wirken der Apostel ein langes Zitat und auch oben über dem Text drüber nochmal etwas mit Bleistift und auch an der Seite manchmal noch, wenn die Sachen nicht hinpassen, dann muss man sich halt ein bisschen Platz suchen. Aber ganz oft ist es mir schon so gegangen, dann sitze ich in einer Predigt, sitze ich in einer Sabbatschule, dieser Abschnitt wird durchgenommen oder ein anderer, und ich habe mir dazu irgendwas aufgeschrieben, was Ellen White sagt, was eine Zusatzinformation ist sozusagen, was nicht so aus dem Bibeltext gleich herauskommt, und ich konnte dann sagen: Ellen White schreibt in Buch sowieso, Seite sowieso das und das. Und es ist ein enormer Gewinn, wenn wir das in unseren Bibeln aufschreiben, wenn wir sozusagen unsere eigene Studienbibel erstellen. Ich habe das als besonders gewinnbringend empfunden. Und vielleicht ist das eine Anregung für euch. Denn ihr wisst ja, das größte Buch, was Ellen White je geschrieben hat, heißt „Ellen White hat gesagt“. Und damit wir dieses Buch nicht verlegen müssen, wäre es gut, wenn wir die Referenzen uns auch aufschreiben.

[54:40] In diesem Sinne möchte ich euch ermuntern, täglich die Bibel zu lesen, täglich in Gottes Wort zu forschen und Weisheit zu bekommen und auch jeden Tag ein bisschen vom Schrifttum von Ellen White zu lesen. Und ihr werdet merken, dass ihr nach kurzer Zeit ein umfassenderes Verständnis bekommt und ungeahnte Schätze aus Gottes Wort heben könnt. Das wünsche ich euch für euer Glaubensleben, für die nächste Woche, für die nächsten Tage und wünsche euch Gottes Segen bei der Sabbatschullektion, die ihr vielleicht per Zoom machen werdet oder im Familienkreis. Gottes Segen dabei und bis zum nächsten Mal.


Lizenz

Copyright ©2020 Joel Media Ministry e.V.
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.