In dieser Predigt aus der Serie „CSH 2023 Q3 – Der Brief an die Epheser“ spricht Mirjam Giebfried über das Thema der horizontalen Sühnung. Sie beleuchtet, wie das Kreuz Jesu Christi die Gemeinde und die Beziehungen zwischen Menschen verändert hat. Dabei wird die Bedeutung der Vergebung sowohl im Verhältnis zu Gott als auch untereinander thematisiert, und es wird erklärt, wie Gottes Vergebungsbereitschaft uns als Vorbild dienen kann.
CSH 2023 Q3 – Der Brief an die Epheser: 5. Horizontale Sühnung: Das Kreuz und die Gemeinde
Mirjam Giebfried · CSH 2023 Q3 - Der Brief an die Epheser ·Themen: 1. Korinther, Bibelstudium, Epheser, Gemeinde, Jakobus, Jeremia, RömerWeitere Aufnahmen
Serie: CSH 2023 Q3 - Der Brief an die Epheser
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Transkript
[0:34] Hallo und herzlich willkommen zu unserer Kreis-
[0:40] Wir beschäftigen uns weiterhin mit dem Epheserbrief und in den letzten Wochen
[0:42] haben wir schon ein bisschen gesehen, was Ephesus für eine Gemeinde war, was auch Paulus als
[0:51] sie für Paulus bedeutet hat. Heute wollen
[0:54] wir uns insbesondere mit Epheser 2 beschäftigen. Ich kann euch gleich vorab
[0:59] sagen, dass ich dieses Mal nicht
[1:01] chronologisch vorgehen werde. Studiert gerne wieder jeden Tag
[1:11] die Lektion und beantwortet die Fragen. Lest die Verse, aber es gibt zwei Themen,
[1:16] die ich heute vertiefen möchte, und zwar
[1:18] geht es zum einen um die Versöhnung mit Gott und zum anderen auch um die
[1:24] Versöhnung mit unseren Mitmenschen, was
[1:26] wir aus Epheser 2 dafür lernen können.
[1:31] Bevor wir das angehen, lasst uns gemeinsam beten.
[1:41] Unser Vater im Himmel, ich danke dir für den Brief an die Epheser, den wir in
[1:44] Händen halten dürfen. Danke, dass er uns
[1:46] überliefert worden ist. Danke, Herr, dass
[1:49] du Paulus so ein Herz für die Mission
[1:51] und für seine Geschwister gegeben hast.
[1:56] Herr, wir wollen von dir lernen und wenn
[2:01] wir jetzt dein Wort betrachten, dann
[2:04] richte unseren Blick auf Jesus,
[2:09] dass wir besser kennen, wie du bist. Herr,
[2:12] lass das auch an uns abwerfen,
[2:15] dass wir deine Charaktereigenschaften übernehmen können, dass wir auch
[2:17] vergebungsbereit sind, so wie du es bist.
[2:21] Ja, wir brauchen dich, wir brauchen deinen
[2:23] Geist, und ich bitte dich jetzt um deine
[2:25] besondere Leitung.
[2:28] Vater, lass uns verändert werden, denn das
[2:32] ist dein Plan für uns,
[2:35] und lass uns dich noch mehr lieb haben,
[2:37] denn diese Liebe, die du uns erwiesen
[2:40] hast, die brauchen wir. Danke dir dafür.
[2:43] Amen.
[2:46] Amen. Lasst uns gemeinsam Epheser 2
[2:49] aufschlagen und dort gehen wir zum
[2:51] Merkvers, die Verse 13 und 14, bzw. wir
[2:55] wollen die Verse 13 bis 16 lesen.
[2:58] Epheser 2, Verse 13 bis 16.
[3:11] "Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr,
[3:14] die einst fern wart, nahe gebracht worden durch das Blut des Christus. Denn er ist
[3:17] unser Friede, der aus beiden eins gemacht
[3:20] hat und die Scheidewand des Zaunes
[3:23] abgebrochen hat, indem er in seinem
[3:26] Fleisch die Feindschaft, das Gesetz der
[3:28] Gebote in Satzungen hinwegtat, um die
[3:32] beiden in sich selbst zu einem neuen
[3:35] Menschen zu schaffen und Frieden zu
[3:37] stiften." Mal kurz bis dahin.
[3:39] Paulus gebraucht hier sehr viele Bilder,
[3:42] die auch ein bisschen kompliziert
[3:45] miteinander zu kombinieren sind.
[3:48] Und wenn wir das lesen, dann hört sich
[3:51] das zurecht ein bisschen holprig an und
[3:54] zurecht stellen sich uns Fragen. Zum
[3:57] Beispiel: Gut, wer uns auf Friede ist das?
[4:00] Das kann man aus dem Kontext entnehmen, das
[4:02] ist und Jesus Christus. Aber wenn es
[4:05] hier heißt, dass er aus beiden eins
[4:09] gemacht hat, dann fragen wir uns
[4:11] natürlich auch,
[4:12] wer meint er? Wer meint Paulus, wen meint
[4:16] Paulus mit beiden?
[4:19] Dann redet hier von einer Scheidewand,
[4:24] dem Zaun.
[4:26] Was meint er wohl damit?
[4:30] Er spricht auch von Feindschaft und auch
[4:33] wenn wir das Wort Feindschaft hören, dann
[4:35] merken wir, es muss wohl zwei Parteien
[4:38] geben und das muss irgendwie eine
[4:40] Uneinigkeit geben.
[4:45] Dann klingt das schon wieder etwas verständlicher, wenn es heißt: "Indem er in
[4:49] seinem Fleisch die Feindschaft, das
[4:51] Gesetz der Gebote in Satzungen hinweg-
[4:53] hat."
[4:55] Und dann redet er wieder von diesen zwei.
[4:59] Das wollen wir heute ein bisschen
[5:02] genauer betrachten und auflösen.
[5:06] Und dann heißt es weiter: "Und um die
[5:08] beiden in einem Leid mit Gott zu
[5:10] versöhnen durch das Kreuz, nachdem er
[5:13] durch dasselbe die Feindschaft getötet
[5:15] hatte.
[5:17] Und er kam und verkündigte Frieden euch
[5:20] den Fernen und den Nahen, denn durch ihn
[5:23] haben wir beide den Zutritt zu dem Vater
[5:26] in einem Geist."
[5:28] Also, es gibt zwei und nein, und es gibt
[5:31] wieder zwei Gruppen von Menschen.
[5:38] Feindschaft zwischen wem? Was hat es mit
[5:41] diesem Zaun auf sich und wer sind diese
[5:43] beiden?
[5:45] Aber jetzt lasst uns noch ein bisschen
[5:53] vorher in Epheser 1, Verse 7 und 8. Diese
[5:55] Verse waren ebenso in der Lektion
[5:59] angegeben. Da heißt es: "In ihm geht
[6:00] es auch wieder um Jesus." Haben wir die
[6:02] Erlösung durch sein Blut, die Vergebung
[6:04] der Übertretungen nach dem Reichtum
[6:07] seiner Gnade, die er uns überströmend
[6:10] wiederfahren ließ in aller Weisheit und
[6:13] Einsicht."
[6:18] Wir werden heute recht viel über Vergebung reden, denn es geht ja um Sühne.
[6:21] Es geht darum, dass Schuld, Sünde
[6:25] gesündigt wird, vergeben wird.
[6:28] Horizontal zwischen den Menschen, aber
[6:30] auch vertikal,
[6:32] wenn es um unsere Beziehung zu Gott geht.
[6:36] Und hier heißt es von der Vergebung, dass
[6:41] wir sie durch die Gnade Gottes, aber
[6:43] insbesondere durch das Blut Jesu erlangt
[6:48] haben.
[6:49] Da geht es also um die Vergebung, die wir
[6:54] von Gott bekommen haben. Und dazu passt
[6:57] auch Epheser 4, Vers 32.
[7:04] "Seid aber gegeneinander freundlich und
[7:06] barmherzig und vergebt einander,
[7:09] gleich wie auch Gott euch vergeben hat
[7:13] in Christus." Also durch Jesus hat uns
[7:16] Gott der Vater vergeben. Aber das Gebot,
[7:19] das hier steht, ist ja nicht ohne. Das heißt:
[7:22] "Vergebt einander, gleich wie auch Gott
[7:25] euch vergeben hat in Christus." Das heißt,
[7:29] die Vergebung Gottes sollte uns ein
[7:33] Vorbild sein.
[7:34] Wir sollen genauso anderen einander
[7:37] vergeben, so wie Gott uns vergeben hat.
[7:41] Und das ist der Maßstab sehr hoch angesetzt.
[7:49] Aber die Frage, die wir jetzt auch gleich
[7:51] vertiefen wollen, ist: Wie hat uns denn
[7:54] Gott vergeben? Denn wir werden hier auch
[7:58] nicht nur einmal aufgerufen, so wie Gott
[8:00] zu vergeben, sondern auch in Kolosser 1,
[8:10] Vers 14. Da heißt es: "In dem wir die Erlösung
[8:12] haben durch sein Blut, die Vergebung der
[8:14] Sünden."
[8:17] Das zeigt auch noch mal, dass es durch Jesu Blut ist. Aber
[8:21] das können wir ja nicht tun. Also wir
[8:23] können nicht anderen durch Jesu Blut
[8:25] vergeben. Oder etwa doch?
[8:34] Kolosser 3, Vers 13 war der Vers,
[8:39] wo Paulus das sagt: "Er tragt einander
[8:42] und vergebt einander, wenn einer gegen den
[8:44] anderen zu klagen hat, gleich wie
[8:48] Christus euch vergeben hat, so auch ihr."
[8:51] Also hier betonte es noch einmal und
[8:55] wie auch in Epheser 4, Vers 32, dass wir
[9:01] wie Jesus vergeben sollen.
[9:04] Also, wir können hier so Blut in Anspruch
[9:06] nehmen und von Gott Vergebung erlangen.
[9:09] Aber wie genau sieht das aus?
[9:13] Wie vergibt Gott?
[9:17] Lasst uns dazu erst einmal Psalm 86, Vers
[9:19] 5 aufschlagen.
[9:23] Das ist die Voraussetzung dafür, anderen
[9:25] zu vergeben.
[9:25] Psalm 86, Vers 5:
[9:33] "Denn du, Herr, bist gut und vergibst gern
[9:36] und du bist reich an Gnade für alle, die
[9:41] dich anrufen."
[9:41] Das erfährst, zeigt uns: Vergebungsbereitschaft ist eine
[9:42] Charaktereigenschaft Gottes.
[9:45] Das ist nicht so, dass wenn wir sündigen
[9:48] und Gott um Vergebung bitten, Gott
[9:50] hingeht und sich überlegt,
[9:58] hat er oder sie wirklich meine Vergebung
[10:02] jetzt verdient, soll ich sie ihm geben?
[10:05] Sondern Gott ist so vergebungsbereit,
[10:08] dass er selbst darauf wartet, dass wir zu
[10:09] ihm kommen und sagen: "Herr, es tut mir
[10:12] leid, bitte vergib mir."
[10:15] Und David hat diese Erfahrung gemacht.
[10:18] David darf sagen: "Du, Herr, bist gut und
[10:23] vergibst gerne."
[10:23] Auch wir brauchen diese Eigenschaft, dass
[10:25] wir anderen gerne vergeben, dass wenn
[10:28] jemand zu uns kommt und sagt: "Das tut mir
[10:31] leid, kannst du mir vergeben?", dass wir
[10:34] willig sind und dass es uns sogar Freude
[10:35] macht.
[10:38] 1. Johannes 1, Vers 9.
[10:42] Ein Vers, den wir oft im Gebet in
[10:53] Anspruch nehmen.
[10:53] "Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so
[10:56] ist er treu und gerecht, dass er uns die
[10:59] Sünden vergibt und uns reinigt von aller
[11:01] Ungerechtigkeit."
[11:06] Hier heißt es, dass Gott treu ist
[11:08] und dass er uns von unseren Sünden
[11:10] reinigt.
[11:12] Also,
[11:16] Gott hat nicht nur eine Zeit lang in der
[11:17] Geschichte Sünden vergeben und
[11:20] irgendwann hatte damit aufgehört, sondern
[11:24] er tut es beständig weiter. Und trotzdem
[11:35] wenn Menschen am Ende verloren gehen,
[11:38] könnte ja meinen: Ja, aber irgendwann hat
[11:40] doch Gottes Vergebungsbereitschaft doch
[11:42] ein Ende? Das ist dann beim letzten
[11:44] Gericht, oder?
[11:46] Aber wenn Menschen am Ende verloren gehen,
[11:51] dann nicht, weil Gott ihnen nicht vergeben
[11:56] hätte.
[11:56] Wenn Menschen am Ende verloren gehen,
[12:00] dann deswegen, weil sie Gottes Vergebung
[12:10] nicht angenommen haben.
[12:10] Kommen wir zu Paulus. Paulus, der ja jetzt
[12:13] den Ephesern einen Brief schreibt und sie
[12:16] auffordert, vergebungsbereit zu sein.
[12:20] Paulus hatte ein bewegtes Leben, wie wir
[12:23] sicherlich wissen. Er hatte erst die
[12:26] Christen verfolgt und jetzt macht er
[12:28] selbst Menschen zu Christen.
[12:32] Und bei seiner Berufung
[12:34] hat Jesus ihm einen Auftrag gegeben,
[12:38] der ist ganz spezifisch. Und ich glaube,
[12:40] das ist auch ein Grund, warum Paulus so
[12:43] gerne von Vergebung spricht.
[12:46] Apostelgeschichte 26, Vers 18 könnt ihr
[12:48] mit mir zusammen aufschlagen.
[12:52] Apostelgeschichte 26, Vers 18, wo Paulus
[13:07] "um ihnen die Augen zu öffnen, damit sie
[13:10] sich bekehren." Also, der Paulus wird
[13:12] ausgesandt als ein Diener und als ein
[13:14] Zeuge von Jesus.
[13:17] Und dann heißt es: "Um ihnen die Augen zu
[13:19] öffnen, den Heiden und aber auch dem Volk
[13:22] Gottes, damit sie sich bekehren von der
[13:25] Finsternis zum Licht, von der Herrschaft
[13:28] des Satans zu Gott, damit sie Vergebung
[13:31] der Sünden empfangen und ein Erbteil
[13:33] unter denen, die durch den Glauben an
[13:40] mich geheiligt sind."
[13:40] "Um ihnen die Augen zu öffnen, damit sie
[13:43] sich bekehren von der Finsternis zum
[13:45] Licht und von der Herrschaft des Satans
[13:47] zu Gott."
[13:50] Also, es gibt mehrere Abschnitte oder
[13:55] mehrere Bereiche von Paulus' Auftrag.
[13:58] Und zwar sollte er den Menschen die
[13:59] Augen öffnen.
[14:02] Das sollte ihnen die Wahrheit zeigen,
[14:05] denjenigen, die irgendwie verblendet
[14:08] waren, die vielleicht auch noch nicht
[14:11] viel wussten, denen sollte er die Augen
[14:13] öffnen.
[14:16] Er sollte Menschen zur Bekehrung führen,
[14:21] von der Finsternis zum Licht, vom
[14:24] Schatten zum Licht.
[14:26] Und es sollte sie von der Herrschaft des
[14:29] Satans befreien und zu Gott bringen.
[14:32] Und dann würde Gott seinen Teil tun und
[14:34] Gott würde ihnen Vergebung schenken
[14:39] und er würde ihnen auch ein
[14:42] Erbteil sichern unter denen, die
[14:44] geheiligt sind." Heißt es also, ich
[14:48] verstehe das so, dass es hier darum geht:
[14:52] Gott möchte ihnen das ewige Erbe, ein
[15:02] Platz in der Ewigkeit zu sichern.
[15:02] Und die Frage ist: Was ist deine Berufung?
[15:05] Hier steht nicht ein ganzes Kapitel voll
[15:06] von:
[15:08] "Das solltest du tun" und hier habe ich
[15:13] noch den Ratschlag, sondern es sind diese
[15:17] vier, fünf Sachen, die Gott konkret dem
[15:20] Paulus zu sagen hatte. Und Paulus musste
[15:22] das große im Kopf haben:
[15:25] Sündenvergebung, das können sie nur bei
[15:29] Gott kriegen. Aber ich kann sie vom
[15:32] Schatten zum Licht bringen, ich kann sie
[15:33] zu Gott führen. Ich kann sie darauf
[15:36] hinweisen, sie brauchen Vergebung.
[15:38] Und dann kann ich sie auch darauf
[15:39] hinweisen, dass die Vergebung
[15:42] untereinander brauchen, als es sich auch
[15:44] ja.
[15:44] Ja, gegenseitig die Schuld erlassen soll.
[15:51] Eine Berufung bewirkt immer etwas, wenn
[15:53] man sie annimmt. Weil Paulus hat es
[15:57] bewirkt, dass er den Epheserbrief und auch
[16:02] die anderen Briefe geschrieben hat, die
[16:04] dann als
[16:07] sozusagen Nacharbeit seiner
[16:13] Missionsreisen gedient haben.
[16:13] Und ich kann mir gut vorstellen, dass
[16:15] Paulus damals, wenn einem Menschen
[16:18] gesehen hat, ihn angeschaut hat,
[16:20] dass er gesagt hat:
[16:23] "Was ist das für eine Dunkelheit, die
[16:25] diesen Menschen umgibt?
[16:25] Wie kann ich ihn zum Licht führen?"
[16:33] Ich kann mir auch vorstellen, dass Paulus
[16:36] sich manchmal gedacht hat:
[16:41] "Also, es ist so verblendet, wie die
[16:42] Athener zum Beispiel
[16:47] in ihrer Vorstellung sind und mit diesen
[16:49] ganzen heidnischen Einflüssen,
[16:53] wie kann ich ihnen die Augen öffnen, dass
[17:02] sie das Evangelium erkennen?"
[17:02] Das ist etwas, was wir im Alltag, aber
[17:04] auch im Gemeindeleben mit uns
[17:06] herumtragen sollten. Eine Berufung, wie
[17:08] Gott uns gegeben hat, dass wir die
[17:10] Menschen mit anderen Augen sehen können,
[17:12] dass wir
[17:16] merken, wir sind nicht einfach nur so da,
[17:18] um zu tun und zu lassen, was unsere
[17:20] Gewohnheit entspricht, sondern wir sind
[17:23] da, um der Berufung Gottes für uns zu
[17:31] folgen.
[17:31] Jetzt zurück zu Gottes Vergebung uns
[17:36] gegenüber.
[17:36] Wie ist das,
[17:40] wenn Gott doch Sünde vergibt?
[17:40] Ist man dann ganz schuldlos und heilig?
[17:57] In 2. Mose 34 finden wir eine Stelle,
[18:00] die sich damit befasst und
[18:02] uns auch in die Tiefe bringt. 2. Mose
[18:07] 34, Verse 6 und 7.
[18:16] "Und der Herr ging vor seinem Angesicht
[18:19] vorüber und rief: Der Herr, der Herr, der
[18:22] starke Gott, der barmherzig und gnädig
[18:26] ist, langsam zum Zorn und von großer
[18:28] Gnade und Treue,
[18:30] der tausendfache Gnade bewahrt und Schuld,
[18:34] Übertretung und Sünde vergibt, aber
[18:37] keineswegs ungestraft lässt, sondern die
[18:39] Schuld der Väter heimsucht an Kindern
[18:42] und Kindeskindern bis in das dritte und
[18:46] vierte Glied." Ja, was jetzt? Ist Gott
[18:49] barmherzig und gnädig und vergibt die
[18:52] Schuld oder sucht sie heim? Lässt er es
[18:54] keineswegs ungestraft? Hier kommt beides
[18:57] im selben Abschnitt vor und
[18:59] es hat auch noch Gott persönlich gesagt.
[19:15] Schlag mit mir auf Psalm 99, Vers 8,
[19:17] denn wir befinden uns ja hier in der
[19:20] Geschichte Israels. Ja, es geht nicht um
[19:22] Mose's persönliche Schuld, sondern es
[19:25] geht darum, was das Volk Israel getan
[19:28] hatte und wie Gott jetzt mit ihrer Sünde
[19:29] umgeht.
[19:29] Psalm 99, Vers 8:
[19:38] "Herr, unser Gott, du hast sie erhört.
[19:41] Du warst ihnen ein vergebender Gott, doch
[19:44] auch ein Rächer ihrer Missetat." Also
[19:45] beides.
[19:48] Es geht hier tatsächlich um das Volk
[19:51] Israel in der Geschichte, denn vorher ist
[19:54] von der Wolkensäule die Rede und in Vers
[19:56] 6 von Mose und Aaron.
[20:00] Und der Verfasser sagt, dass Gott sie
[20:04] erhört hat und ihnen ein vergebener Gott
[20:09] war, aber auch, dass Gott ein Rächer ihrer
[20:15] Missetat war.
[20:15] Lasst uns
[20:20] diesen Abschnitt genauer anschauen. Lasst
[20:22] uns ein bisschen hineinzoomen, wie sich
[20:24] das zugetragen hat.
[20:33] 4. Mose 14, Verse 17 bis 23.
[20:40] Hier haben wir auch wieder Mose und
[20:45] Mose spricht mit Gott und er
[20:47] ja,
[20:50] er steht so mit Gott in einem
[20:59] Gespräch und möchte ihn jetzt überzeugen.
[20:59] 4. Mose 14, Vers 17: "So lasst nun die
[21:01] Macht des Herrn groß werden, wie du
[21:04] gesprochen und verheißen hast. Der Herr
[21:07] ist langsam zum Zorn und groß an Gnade,
[21:09] er vergibt Schuld und Übertretungen,
[21:12] obgleich keineswegs ungestraft lässt,
[21:14] sondern die Schuld der Väter heimsucht
[21:15] an Kindern bis in das dritte und
[21:17] vierte Glied." Das ist, was wir eben
[21:19] gelesen haben. Mose zitiert Gott. Er
[21:21] nimmt ihn selbst beim Wort und sagt: Das
[21:23] hast du doch gesagt.
[21:25] "Vergib nun die Schuld dieses Volkes nach
[21:28] deiner großen Gnade, wie du auch diesen
[21:30] Volk verziehen hast, von Ägypten an bis
[21:33] hierher."
[21:36] Jetzt kommt sein wunderschöner Fest.
[21:39] In Vers 20 sagt Gott: Das sprach, oder ja,
[21:45] Gott.
[21:47] Gott: "Ich habe vergeben nach deinem Wort."
[21:54] Gott hat vergeben,
[21:57] aber nur, weil Mose ihn darum gebeten
[22:00] hatte. Ich einfach, weil Gott gesagt hat:
[22:02] "Auch ich drücke ein Auge zu und noch
[22:03] eins und noch eins, und ich lass dich so
[22:05] weitermachen."
[22:06] Sondern Gott hat ja schon
[22:09] angekreidet, was nicht stimmt. Und Mose
[22:10] bittet ihn jetzt um Vergebung, und Gott
[22:12] schenkt sie.
[22:16] Aber so wahr ich lebe, jetzt spricht Gott,
[22:20] aber auch im Ernst: So wahr ich lebe und
[22:22] die ganze Erde mit der Herrlichkeit des
[22:25] Herrn erfüllt werden soll,
[22:28] keiner der Männer, die meine Herrlichkeit
[22:31] und meine Zeichen gesehen haben, die ich
[22:33] in Ägypten und in der Wüste getan habe,
[22:35] und die mich nun schon zehnmal versucht
[22:38] und meine Stimme nicht gehorcht haben,
[22:41] keiner soll das Land sehen, dass ich
[22:44] ihren Vätern zugesprochen habe. Ja, keiner
[22:49] soll es sehen, der mich verachtet hat."
[22:49] Und auch hier fragen wir uns wieder: Ja, hat er ihn jetzt
[22:51] nicht vergeben?
[22:54] Wenn Gott doch vergeben hätte, dann
[22:56] müsste doch eigentlich folgenlos bleiben,
[22:59] was die Israeliten getan haben, oder
[23:01] nicht?
[23:02] Nicht. Es heißt doch an anderer Stelle, dass
[23:05] Gott der Sünden nicht mehr gedenken
[23:07] möchte.
[23:17] Psalm 78, Verse 38 und 39 bringt uns da
[23:24] etwas weiter.
[23:24] Psalm 78, Verse 38 und 39. Das ist auch ein
[23:26] Psalm, der von der Geschichte Israels
[23:29] handelt. Und wir merken, davon war in der
[23:30] Lektion nicht die Rede, aber ich glaube,
[23:32] wenn wir das betrachten, dann können wir
[23:37] besser Gottes Vergebung kennenlernen.
[23:37] Psalm 78, Verse 38 und 39:
[23:42] "Gott aber war barmherzig und vergab die
[23:46] Schuld
[23:47] und jetzt kommt es, wie es sich geäußert
[23:49] hat: und verdeckte sie nicht.
[23:53] Und oftmals wehrte er seinen Zorn ab
[23:56] und er weckte nicht seinen ganzen Grimm,
[23:59] denn er dachte daran, dass sie Fleisch
[24:01] sind, ein Hauch, der dahin fährt und nicht
[24:04] wiederkehrt."
[24:11] Also, Gott hätte das Volk Israel sofort
[24:14] auf der Stelle vertilgen können. Die
[24:16] Schuld war groß genug. Es wäre
[24:20] gerecht gewesen vor dem
[24:22] himmlischen Gericht,
[24:26] dass Gott gesagt hätte: Ich mache ein
[24:28] Ende mit ihnen.
[24:31] Aber er hat es nicht getan.
[24:33] Dass die
[24:37] Menschen erst
[24:40] gegen Ende der 40 Jahre umgekommen sind,
[24:43] hat eigentlich nur Gottes Gnade bewiesen,
[24:46] denn er hat ihnen immer und immer und
[24:49] immer wieder eine neue Chance gegeben. Er
[24:52] hat sich so lange ertragen und
[24:55] er hat geschaut, gibt es da einen, der mir
[24:58] treu nachfolgt? Er hat Kaleb gefunden, er
[25:00] hat Josua gefunden, und sie hat ins
[25:07] Land gebracht.
[25:07] Also, dadurch, dass Gott barmherzig war
[25:09] und vergeben hat, hat es nicht vertilgt.
[25:12] Das können wir festhalten. Und dann heißt
[25:14] es hier noch: "Und oftmals wehrte er seinen
[25:16] Zorn ab." Und ich finde die Beschreibung,
[25:19] die jetzt von Gott in Psalm 78 kommt,
[25:22] die ist fast wie die Beschreibung eines
[25:24] Menschen.
[25:27] Das zeigt uns,
[25:30] also das ist ja, das zeigt uns, dass wir
[25:32] uns hier wieder ein Vorbild an Gott
[25:34] nehmen können, denn auch wir können
[25:37] unseren Zorn abwenden, oder nicht? Ich
[25:40] habe jetzt erst vor kurzem ein Zitat von
[25:41] Ellen White
[25:46] gelesen, wo sie schreibt, dass wir nur
[25:49] wollen müssen, wir können auch unsere
[25:51] Nerven beruhigen, auch wenn wir gestresst
[25:52] sind, auch wenn wir aufgebracht sind,
[25:56] dadurch, dass wir einen starken Willen
[25:59] haben und dass wir ja uns dafür
[26:02] entscheiden, wir wollen jetzt nicht
[26:06] unsere negativen Gefühlen freien
[26:08] Lauf lassen. Und das ist auch, was wir
[26:12] genau hier finden in Vers 38. Gott
[26:15] wendet seinen Zorn ab und er erweckt nicht
[26:19] seinen ganzen Grimm.
[26:19] Merkt euch das.
[26:21] Lass uns hier einen Punkt machen.
[26:23] Gott erweckte nicht seinen ganzen Grimm.
[26:27] Das heißt, da wäre noch mehr da gewesen,
[26:31] wie er hätte reagieren können. Da wären
[26:35] noch mehr
[26:37] noch mehr
[26:38] negative Gefühle im Sinn von, dass er traurig gewesen wäre, dass der
[26:44] wütend gewesen wäre, dass er
[26:47] verletzt gewesen wäre, wären noch mehr
[26:50] Gefühle da gewesen, aber er hat sie nicht
[26:55] am Volk Israel ausgelassen.
[27:02] Wenn du eine schlechte Erfahrung mit
[27:05] jemandem gemacht hast, und ich sag jetzt
[27:08] gar nicht, ich will da nicht den Himmel
[27:11] rosa malen und sagen: Ach, wir müssen
[27:13] einfach immer alles schlucken und alles
[27:15] über uns ergehen lassen und wir sind
[27:18] immer im Unrecht. So ist es nicht. Es gibt
[27:21] Situationen, wo andere uns wirklich
[27:24] schlimmes Unrecht zufügen.
[27:27] Aber wenn du so etwas erlebt hast,
[27:30] dann nimm dir ein Beispiel an Gott und
[27:33] lass nicht diese ganzen negativen
[27:35] Gefühle wachsen.
[27:38] Lass sie vor allem nicht an anderen
[27:44] Menschen raus.
[27:44] Weil Gefühle können sehr viel kaputt
[27:51] machen.
[27:51] Es heißt hier dann auch:
[27:53] "Denn er dachte daran, dass sie Fleisch
[27:56] sind, ein Hauch, der dahin fährt und nicht
[27:58] wiederkehrt."
[27:58] Und das klingt ein bisschen seltsam.
[28:01] Gott denkt daran, dass sie Fleisch sind,
[28:05] dass sie sterblich sind, dass sie es
[28:09] klingt hier jetzt nicht besonders
[28:11] wertschätzend, wie der Mensch beschrieben
[28:13] worden ist. Aber es hat seinen Grund. Ich
[28:16] meine,
[28:17] es sei mir ehrlich, da könnte auch stehen:
[28:20] "Denn er dachte daran, dass sie seine
[28:22] geliebten Kinder sind." Und das ganze
[28:25] würde ein bisschen schöner aussehen. Aber
[28:27] nein, hier steht: "Er dachte daran, dass sie
[28:30] Fleisch sind."
[28:32] Und ich habe hier einen Querverweis zu
[28:35] Johannes 3, Vers 6 gelesen, den fand ich
[28:38] interessant.
[28:45] Tatsächlich steht in Johannes 3, Vers 6:
[28:48] "Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist
[28:50] Fleisch und was aus dem Geist geboren
[28:54] ist, das ist Geist." Zu wem sagt Jesus das?
[28:57] Wir wissen, in Johannes 3 ist doch das
[29:01] Kapitel, wo Jesus mit Nikodemus redet.
[29:03] Und er will gerade dem Nikodemus klar
[29:06] machen: Nikodemus, es gibt fleischliches
[29:09] und es gibt geistliches. Und das muss ich
[29:11] immer so bleiben, dass wenn ein Mensch
[29:14] fleischlich ist, dass er nicht
[29:15] auch geistlich werden könnte. Im
[29:19] Gegenteil, man muss neugeboren werden.
[29:21] Das war die Metapher, die
[29:24] Nikodemus nicht verstanden hatte.
[29:27] Und dann kann aus einem fleischlichen
[29:30] Menschen ein geistlicher Mensch werden.
[29:33] Jetzt, was bedeutet das für unseren Vers
[29:36] in Psalm 78?
[29:41] Gott denkt daran, dass die Menschen sich
[29:47] noch verändern können.
[29:47] Und eigentlich, wenn man sich das große
[29:49] Ganze anschaut,
[29:53] waren die 40 Jahre in der Wüste,
[29:57] die ganze Wanderung, was eine
[29:59] Erziehung von Gott.
[29:59] Gott wollte, dass die Israeliten sich
[30:01] verändern. Er wollte nicht einfach ihnen
[30:03] nur ein Land geben, wo sie im Überfluss
[30:05] und im Frieden leben können, sondern er
[30:07] wollte, dass sie ihren Charakter zum
[30:09] Guten verändern.
[30:11] Und manche haben das gedacht, getan. Viele
[30:15] haben sich aber auch dagegen gewehrt und
[30:18] da konnte Gott nicht viel gegen machen.
[30:21] Aber wenn Gott jetzt daran denkt, dass
[30:24] sie Fleisch sind und noch geistlich
[30:27] sie Fleisch sind und noch geistlich werden können, sich noch verändern können.
[30:33] Wenn ein anderer dich belogen hat, wenn dir jemand etwas weggenommen hat, und das kann auch zum Beispiel ein begehrenswerter Arbeitsplatz sein. Das kann zum Beispiel auch Zeit sein, die jemand dir geklaut hat, in dem Sinne, dass er dich einfach in Anspruch genommen hat, obwohl du die Zeit eigentlich woanders gebraucht hättest. Es kann sein, dass jemand dich um Geld betrogen hat. Es kann sein, dass jemand deinen Ruf geschändet hat. Es gibt so viele Möglichkeiten, wie andere uns Unrecht tun können.
[31:29] Aber Gott sagt oder Gott macht uns vor: Schau darauf, dass das ein Mensch ist, der noch verändert werden kann durch die Gnade Gottes. Wenn ich glaube, das hilft uns auch so ein bisschen gnädiger mit unserem Nächsten umzugehen.
[31:50] Dann im Psalm 103, wenn wir schon in den Psalmen sind, da heißt es auch: Wenn Gott uns vergibt, dann vergibt er uns nicht nur so ein bisschen und nicht nur viel, sondern in Psalm 103 steht in Vers 3: „Der dir alle deine Sünden vergibt und halt alle deine Gebrechen.“ Vorher heißt es noch: „Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ In anderer Übersetzung: „Vergessen nicht all das, was er dir Gutes getan hat.“ Also David möchte ich hier aufmerksam machen: Gott ist eine, wenn er etwas tut, dann tut er etwas Großes, nicht einfach nur so tröpfchenweise, dass es einen Segen gibt, dass es eine Vergebung gibt. Nein, Gott möchte, dass alles bereinigt ist.
[32:51] Und wie oft machen wir Menschen das, dass wir uns zwar mit jemandem versöhnen, aber nur stückweise? Oder dass wir vergebungsbereit sind, aber nur zu dieser Person und zu dieser Person und naja, da muss ich noch mal überlegen, ob das wirklich angebracht ist. Nein, Gott macht da keine – ist da nicht parteiisch.
[33:22] Jetzt, ich hatte das vorhin schon angesprochen in Jeremia 31, dass das Kapitel, wo Gott auch von seiner großen Liebe spricht. Und da heißt es explizit in Vers 34: „Und es wird keiner mehr seinen Nächsten und keiner mehr seinen Bruder lehren und sagen: Er kenne den Herrn! Denn sie werden mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen, spricht der Herr; denn ich werde ihre Missetat vergeben und an ihre Sünden nicht mehr gedenken.“
[34:02] Es kann sein und es mag sein, dass unser Vergehen noch Folgen hat, schlimme Folgen, und die müssen wir auch manchmal ausbaden. Aber wichtig ist doch: Was hat Gott vor Augen? Was was denkt Gott über uns? Wie schaut der auf uns, wenn er uns anschaut? Und hier steht, dass er nicht mehr die Sünden denken wird. Nicht, weil Gott vergesslich ist, sondern weil Gott uns anschaut, als ob wir es nie getan hätten.
[34:39] Und dazu braucht es Glauben, dass anzunehmen. Weil ich kenne mich selber vielleicht, ich halte anderen vor, was vielleicht jahrelang zurückliegt, oder wo ich eigentlich schon gedacht habe: Ach, das musst du ihr oder ihm vergeben. Und dann kommt es doch irgendwie wieder hoch. Aber Gott ist anders.
[35:02] Gott ist eine, der trägt unsere Sünde und dann ist sie weg. Das heißt ja auch in Micha, dass es sie in die Tiefen, ins tiefste ja, ins tiefste Meer hineinwerfen möchte. Das heißt, die ist weg, da kommt man nicht mehr ran.
[35:30] Dann haben wir in Matthäus 18 das Gleichnis, wo Gott auch vergibt, wo der Herr da ist und dem anderen seine ganze Schuld erlässt. Und dieses Gleichnis, wie ich werde jetzt nicht näher darauf eingehen, aber lasst es gerne zu Hause. Das zeigt uns auch wieder: Wir dürfen uns vor Augen halten, wie Gott uns vergibt und dementsprechend dem anderen vergeben.
[36:00] Jetzt kommen wir zu 1. Johannes 2, 1. Johannes 2, Verse 8 bis 12. Und ich hatte von mit euch diesen Text gelesen von Paulus' Berufung, wo es eben heißt, er möchte den Menschen die Augen öffnen, er möchte sie zu Gott führen. Und bei Gott würden sie Vergebung erlangen. Und ich glaube, wenn Paulus diese Verse in dem Johannesbrief gelesen hätte, dann hätte es ihm sein Herz erwärmt. Dann hätte er bestimmt an seine Berufung denken müssen.
[36:39] Denn Johannes gebraucht hier genau diese gleichen Bilder auch von Dunkelheit und Licht. Hast du Johannes 2, Verse 8 bis 12: „Und doch schreibe ich euch ein neues Gebot, was wahr ist in ihm und in euch; denn die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon. Wer sagt, dass er im Licht ist und doch seinen Bruder hasst, der ist noch immer in der Finsternis. Wer sein Bruder liebt, der bleibt im Licht und nichts Anstößiges ist in ihm. Wer aber seinen Bruder hasst, der ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wohin er geht, weil die Finsternis seine Augen verblendet hat.“
[37:34] „Ich schreibe euch, ihr Kinder, weil euch die Sünden vergeben sind um seines Namens willen.“
[37:43] Also hier geht es um Sündenvergebung, wieder vertikal und horizontal. Uns sind Sünden vergeben. Ich hoffe, dass diese Worte von Johannes auch auf uns zutreffen. Aber er spricht dann eben auch davon, dass wir Nächstenliebe haben sollten. Denn wer sagt, dass er im Licht ist und doch seinen Bruder hasst, der ist noch immer in der Finsternis, also noch nicht wirklich zum Licht durchgedrungen.
[38:22] In Vers 8 ab.
[38:34] Also Johannes gibt hier ein Gebot. Und welches Gebot ist das, wovon Johannes spricht? Wir finden es später in Vers 15, wo er die Aufforderung ausspricht: „Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist.“
[38:49] Sein Gebot ist also nicht die Welt zu lieben. Sein Gebot wird aber auch davon umschlossen, dass sie eben auf die Nächstenliebe eingeht.
[39:04] Und diese Verbindung entsteht dadurch, dass oft das grundlegende Übel bei Streit, bei Eifersucht, bei Bitterkeit, bei Verärgerung – unsere Liebe zur Welt ist. Hast du dir das schon mal vor Augen geführt, dass egal, du kannst es anwenden auf einen Streit, in dem du gerade steckst. Ich hoffe nicht, dass es so ist, aber es mag sein. Oder du kannst es darauf anwenden, dass du vielleicht einen Menschen leidest, weil er dir verlangen weh getan hat.
[39:47] Und hast du dir dann schon einmal gedacht, dass es eventuell an deine Liebe zur Welt liegen könnte, dass da doch noch so ein bisschen etwas – ja, man spricht auch davon fleischliches oder etwas umgekehrtes in deinem Herzen ist, was sich da regt? Ich glaube, es ist ganz gut, dass Gott uns das auch dann vor Augen führt, dass wir uns selbst hinterfragen und prüfen können.
[40:16] Dann sagen wir mal ehrlich: Wir hegen Konkurrenzgedanken, weil wir mehr Geld haben wollen als andere. Wir sind eifersüchtig, weil jemand anderes könnte ja als schöner oder attraktiver als wir angesehen werden. Wir ärgern uns über das ungerechte Verhalten von anderen, weil es vielleicht an unserem Stolz kratzt. Und manchmal können und wollen wir anderen nicht vergeben, weil wir an seiner Schuld festhalten wollen. Der ist mir etwas schuldig.
[40:57] Letztendlich, ja, ist es auf diese Liebe zur Welt oder zu uns selbst zurückzuführen, denn wir erhöhen uns selbst damit, wenn wir mit anderen im Streit sind.
[41:11] Lass mich euch ein Beispiel geben: Wenn ich mit einer Freundin einkaufen gehe und angenommen, sie hat kein Geld dabei. Ich stehe an der Kasse und ich bezahle für sie. Dann kann ihre Reaktion darauf sein, dass ein andermal, wenn wir wieder zusammen einkaufen gehen: „Heute bezahle ich für dich.“ Und menschlich gesehen würden wir dann sagen: „Jetzt sind wir quitt. Jetzt ist Ausgleich da. Jetzt hat keiner mehr dem anderen etwas schuldig.“
[41:51] Faktisch aber entsteht dieser Ausgleich dadurch, dass sie mir zuerst etwas schuldig war und ich ihr danach etwas schuldig war. Ich hoffe, ihr könnt dem soweit folgen.
[42:08] Jetzt ist es aber bei Jesus anders, und das ist, was unser Leben verändert. Das ist auch, was unseren Umgang miteinander verändert.
[42:21] Bei Jesus ist es anders. In Jesaja 53, Vers 5 lesen wir: „Doch er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“
[42:46] Jesus ist uns nichts, absolut nichts schuldig. Aber wir sind ihm eigentlich alles schuldig.
[42:59] Ich meine das insofern: Wenn wir das Gesetz übertreten, dann bezahlt Jesus die Strafe. Wenn wir, ja, wenn wir aber auch anderen die Schuld erlassen, dann ist trotzdem Jesus derjenige, der dafür aufkommt.
[43:21] Es ist ungefähr so, als ob Jesus sagen würde: „Du hast zwar noch nie etwas für mich bezahlt, aber ich finanziere dir dein ganzes Leben.“ Wenn du irgendwie mit jemand anderem im unreinen bist, wenn jemand dir etwas schuldet, dann kannst du es mir übergeben, ich bezahle es.
[43:43] Das heißt, müssen wir also irgendetwas einbüßen, wenn wir anderen Schuld erlassen, wenn wir anderen vergeben? Es muss ja nicht immer etwas Materielles sein.
[43:56] Wir müssen nichts, wirklich nichts einbüßen, denn Gott kommt für alles auf.
[44:06] Ich möchte noch ein paar Anmerkungen machen zu dem, was sonst in der Lektion stattfindet. Und zwar muss man eine Sache deutlich stellen. An dem einen Tag hieß es – ganz kurz würde ich das aufgeschrieben. Naja, es ging darum, dass wir alle gemeinsam Gott anbeten und dass die Liebe zu Christus ja eigentlich alle Schranken innerhalb der Adventgemeinde, aber auch darüber hinaus niederbrechen müsste.
[44:43] Und hier möchte ich mich von dem anscheinend distanzieren, dass man da in eine gemeinschaftliche ökumenische Richtung gehen könnte.
[44:59] Und zwar deswegen, weil wir Vergebung, weil wir Nächstenliebe von Gott persönlich lernen müssen und nicht einfach so selbst schaffen können, indem wir sagen: „Ach, kommt, Friede, Freude, Eierkuchen, wir gehören alle zusammen.“
[45:22] Wir hatten jetzt eben schon gesehen, dass Gott uns wahre Vergebung schenken möchte, nicht durch dieses Augen zu drücken, sondern dadurch, dass Gott die Schuld auf Jesus legt. Aber das da können wir die Vergebung nur in Anspruch nehmen, wenn wir wirklich zu Jesus auch kommen.
[45:47] Und ich habe teilweise das Gefühl, dass man sich so selbst einen Jesus bastelt und einfach Dinge, die nicht stimmen, unter den Tisch fallen lässt.
[46:05] In 1. Thessalonicher 4, Vers 9 heißt es: „Über die brüderliche Liebe aber braucht man euch nicht zu schreiben; denn ihr seid selbst von Gott gelehrt, einander zu lieben.“
[46:26] Das ist also, das umfasst auch, dass wir von Gott lernen müssen, einander zu leben. Wir müssen von Gott lernen, einander zu vergeben und nicht einfach das aus eigenen Stücken zu tun.
[46:41] Luther hat einmal die Aussage getätigt – also man schreibt sie ihm zumindest zu: „Friede, wenn möglich, aber die Wahrheit um jeden Preis.“ Und wenn Jesus die Wahrheit ist, dann können wir auch mit der Wahrheit Frieden haben.
[46:56] Wenn der Jesus, wie wir ihn in der Bibel finden, nicht dabei ist, dann kann man einen Frieden nur – eine scheinbar erzeugen, aber da ist keine wirkliche Einheit.
[47:17] Das wird deutlicher, wenn wir noch mal zur Epheser 2 zurückkehren. In Epheser 2, Verse 14 und 15 – dieser Vers 14 und 15, das war ja auch Teil, was das Ausgangstextes da ist. Ja, die Rede von dieser Scheidewand, von dem Zaun und von der Feindschaft. Und Feindschaft impliziert, dass es ja zwei Parteien und auch einen gewissen Krieg gibt.
[47:54] Jetzt heißt es dann da noch, um die zwei, also diese zwei Parteien, die uneins waren, zu vereinen. Und dazu habe ich etwas sehr Schönes gefunden. Im Alten Testament gibt es ein Bild, wo auch zwei Parteien vereint werden, wo es eine Diskrepanz gibt zwischen zwei Gruppen, und die sollen jetzt eins werden.
[48:28] Aber es ist jetzt also, ja, wie wir kennen den großen Kampf. Hier sind zwei Parteien, die kommen sicherlich niemals überein, denn das Böse hat mit dem Guten nichts gemein. Aber es gibt zwei Gruppen, und die schauen wir uns jetzt an in Hesekiel 37, die Gott für einen möchte, wo genau dieser Wortlaut auch vorkommt.
[49:02] Ist ja für die Elvision mit den Toten gefallen bekannt, aber es geht auch weiter. Und zwar lesen wir in den Vers 19 und 20. Ich lese ab Vers 18: „Wenn dann die Kinder deines Volkes zu dir sagen: Willst du uns nicht erklären, was du damit meinst? Also mit mit den der Handlung, die jetzt hier sehe ich hier bildhaft tut, so gib ihnen zur Antwort: So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will den Holzstab Josef, das ist er hatte zwei Holzstäbe nehmen, der in der Hand Ephraims und der Stämme Israels, seine mitverbundenen ist, und ich will ihn zu dem Holzstab Judas hinzufügen, und sie sollen zu einem einzigen Holzstab werden in meiner Hand.“
[50:01] Vielleicht gibt es jetzt erstmal ein Fragezeichen in eurem Kopf. Ist, warum soll Israel oder Josef und Juda ein Holzstab werden? Warum gerade diese zwei? Das sind zwei Stämme Israels. Oder ist das nicht das Gleiche?
[50:22] Wir hatten heute schon öfters den Psalm 78, und ich schätze diesen Psalm sehr. Dieser gibt uns auch hier die Antwort, denn im Psalm 78, Vers 9, 68 und 69 – das Fest 67 und 68 – „Und er verwarf das Zelt Josefs und der wählte nicht den Stamm Ephraim, sondern er erwähnte dem Stamm Juda den Berg Zion, den er liebt.“
[51:00] Also von hatten wir schon darüber gesprochen, es geht um die Geschichte Israels, es geht darum, dass das Volk Israel sich immer, immer wieder gegen Gott aufgelehnt hatte und das Konsequenz davon. Gott hat gesagt, er wird jetzt nicht den Stamm Ephraim, sondern den Stamm Juda – Stamm Juda, voraus Jesus dann später auch hervorgeht.
[51:34] Es gab hier eine Stamm, der sich von Gott abgewandt hat, der nicht Gottes Plan gefolgt ist. Und jetzt, wenn wir das zusammennehmen mit Hesekiel 37, dann sehen wir, dass Gott versöhnen möchte. Und zwar diejenigen, die vorher gegen ihn waren, die möchte er jetzt mit denen, die für ihn sind, versöhnen. Das heißt, eigentlich soll nicht unbedingt, nicht so sehr eine Versöhnung zwischen den, ja, zwischen den zwei Stämmen stattfinden, sondern es sollte eine Versöhnung zwischen Israel und Gott sein.
[52:18] Ah, genau, hier, hier hatte ich es aufgeschrieben: Welche Spannungen unter Siebenten-Tags-Adventisten oder unter Mitgliedern der größeren christlichen Gemeinschaften müssen überwunden werden? Warum sollte unsere gemeinsame Liebe zu Christus ausreichen, um diese Spannungen zu überwinden? Dieser Kontroverse Abschnitt könnte uns etwas in die falsche Richtung führen, wenn wir eben denken, es ist nur eine Versöhnung auf menschlicher Ebene, so wie zwischen zwei Stämmen Israel und Juda. Aber es geht eigentlich um mehr.
[52:54] Römer 8, Vers 7: „Weil nämlich das Trachten des Fleisches Feindschaft gegen Gott ist; denn er, denn es unterwirft sich dem Gesetz Gottes nicht und kann es auch nicht.“
[53:13] Also wann sind Menschen mit Gott unfesselnd in Feindschaft? Wenn sie fleischlich sind.
[53:36] Ihr Ehebrecher und ihr Ehebrecherin, wisst ihr nicht, dass die Freundschaft mit der Welt Feindschaft gegen Gott ist? Weltlich zu sein, umgekehrt zu sein, das ist Feindschaft gegen Gott. Und diese Feindschaft möchte Gott überwinden.
[53:52] Aber wie tut er das? Indem Gott selbst weltlich wird? Nein, nein.
[53:57] Zurück zu 37. Denn hier sagt Gott nicht nur, dass er das jetzt neu machen möchte, sondern Gott hat auch schon einen Plan, wie das ganze aussehen soll.
[54:11] 37, Vers 21 bis 23: „Und sage zu ihm: So spricht Gott der Herr: Siehe, ich werde die Kinder Israels aus den halben Völkern zurückholen und unter diese gekommen sind und sie von rings umher sammeln und sie in ihr Land führen.“
[54:34] Wo gemerkt, es sind trotzdem die Kinder Israels. Also, wenn man das geistlich sieht. Naja, vielleicht lasse ich das kurz weg. Es sind letztendlich auch, wenn sie als Heiden galten, die die Menschen, die sich zur Zeit von Paulus bekehrt haben, dann waren es doch Gottes Kinder in anderen Völkern. Ja.
[54:58] Und ich werde sie im Land auf den Bergen Israels zu einem einzigen Volk machen. Sie sollen alle nur einen einzigen König haben. Sie sollen auch künftig nicht mehr zwei Völker bilden, noch in zwei Reiche zerteilt werden. Und sie sollen sich auch künftig nicht mehr verunreinigen mit ihren Götzen und mit ihren Scheiß und durch allerlei Übertretungen. Und ich will ihnen aus allen ihren Wohnorten, in denen sie gesündigt haben, heraushelfen und will sie reinigen. Sie werden mein Volk sein und ich werde ihr Gott sein.“
[55:38] Das ist Gottes Intention. Nicht, dass wir einfach auf dem Papier jetzt gut miteinander klarkommen, sondern Gottes Intention ist, dass Menschen, die vorher ihre waren, die vorher fern wie es in dem Bergfest hieß, fern von Gott waren, zu seinem Volk gesammelt werden.
[56:05] Gott möchte nicht einfach nur ja, selbst gebaute Mauern aus Traditionen oder so niederreißen, sondern Gott möchte auch zur Wahrheit führen, zu dem wahren Gott, dass er ihr Gott sein kann und das ein Volk sein wird. In dem Sinne, dass sie die gleiche Anbetung haben, dass sie die gleiche Wahrheit vertreten und auch nicht unabhängig vom Gesetz. Er hat das gemerkt, er will sie von den Übertretungen auch heilen.
[56:47] Wir können hier zum Schluss kommen. Ich hoffe, dass zwei Dinge klar geworden sind: Wie Gott uns vergibt. Gott vergibt uns, weil er vergebungsbereit ist. Gott vergibt uns so, dass er das Alte nicht mehr gedenken möchte. Aber gleichzeitig hat er einen Plan für uns, wie es in Zukunft weitergehen soll.
[57:16] Gott vergibt uns nicht, weil er einfach etwas ungeschehen sein lässt, sondern Gott vergibt uns, indem er unsere Schuld selbst auf sich nimmt.
[57:24] Ich hoffe auch, dass wir jetzt gelernt haben, wie wir anderen vergeben können. Und wie wir aber auch nicht uns mit anderen versöhnen sollen, in dem Sinne, dass wir ja, so eine oberflächliche Versöhnung haben und versuchen, mit anderen zusammenzukommen, da wo es nicht sein soll.
[57:49] Wahre Vergebung und wahre Versöhnung bekommen wir dann, wenn wir an uns an Gott festhalten, wenn wir fragen, was sein Weg ist, wenn wir uns ihn zum Vorbild nehmen wollen.
[58:04] Wollen wir das tun? Da lasst uns jetzt nach gemeinsam beten.
[58:11] Unser Vater im Himmel, wir brauchen Versöhnung und ich bitte dich, dass du uns vor Augen führst, dort wo wir noch nicht mit dir versöhnt sind, oder wo wir auch noch nicht mit anderen versöhnt sind, dass wir das vor dir bekennen können und von dir Heilung empfangen können.
[58:33] Vater, bitte, lasst uns diese wahre, gehaltene Beziehung zu dir haben. Lass uns mit Menschen in wahren, gehaltenen Beziehungen leben. Lass uns mit ihnen versöhnt sein, nicht was Kompromiss zur Wahrheit, sondern weil wir über alles gekommen sind in der Wahrheit.
[59:03] Vater, hilf uns auch mit denen umzugehen, bei denen der Weg länger ist, wo wir viel Geduld haben müssen, so ähnlich wie du Geduld haben musstest mit dem Volk Israel. Aber lasst uns auch daraus lernen, dass wir nicht gegen dich rebellieren, sondern willig mit dir im Frieden leben, denn du bist der Frieden. Und dafür danken wir dir. Amen.
[59:27] Dir Amen. [Musik]
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