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In dieser Episode der Christ Study Hour beleuchtet Mirjam Giebfried das Thema „Mission an meinen Nächsten“ und erklärt, warum die Liebe zu Gott die Grundlage für die Nächstenliebe ist. Anhand biblischer Beispiele aus Lukas 10 und Matthäus 22 zeigt sie, wie Jesus im Dialog auf die Bedürfnisse seiner Gesprächspartner einging. Ein bewegendes Zeugnis aus dem Genozid in Ruanda verdeutlicht, dass Gott selbst in extremsten Situationen Gelegenheiten für Mission schafft und uns lehrt, die Umstände ihm zu überlassen.


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Serie: CSH 2023 Q4 -Gottes Mission - Meine Mission

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Transkript

[0:34] Hallo und ein herzliches Willkommen zu unserer Christ Study Hour! Wir sind in der siebten Lektion angekommen, immer noch bei diesem tollen Überthema "Gottes Mission – Meine Mission", und heute wollen wir uns mit dem Thema "Mission an meinen Nachbarn" beschäftigen. Ich werde gleich noch ein paar Worte dazu sagen, aber bevor wir anfangen, lasst uns gemeinsam um den Heiligen Geist bitten.

[1:00] Unser Vater im Himmel, wenn wir dieses Thema angehen, dann haben wir vielleicht viel dazu zu sagen oder vielleicht denken wir, na ja, das ist doch grundlegend. Aber Herr, du möchtest auch heute unsere Herzen aufs Neue berühren und uns aufzeigen, wo wir vielleicht in der Vergangenheit Fehler gemacht haben und wie du es in Zukunft mit uns handhaben möchtest. Herr, schenke uns deinen Geist, dass du zu uns sprichst, dass du uns berührst und gib uns auch die Kraft und den Glauben, das auszuführen, was du uns gesagt hast. Im Namen Jesu, Amen.

[1:51] Ich habe schon kurz erwähnt, wir haben dieses Thema "Mission an meinen Nachbarn". Und aus meiner Sicht ist das nicht ganz so trefflich übersetzt, muss ich sagen, denn im Englischen heißt es wahrscheinlich statt "Nachbar" "neighbor", und dieses Wort kann eigentlich in dem Fall noch besser mit "meinem Nächsten" übersetzt werden. Denn Nachbarn haben alle von uns, entweder über einem, unter einem, neben einem hat man Nachbarn, und auch das sind Nächste. Aber dieser Begriff "mein Nächster", der geht noch weit darüber hinaus, würde ich behaupten. Und in diesem Sinne wollen wir das Thema heute auch angehen.

[2:35] Ich lade euch ein, gleich mit mir den Merkvers aufzuschlagen. In Lukas 10 befinden wir uns da, und wir werden uns heute noch mehr damit beschäftigen, mit dieser ganzen Geschichte in Lukas 10, Vers 27. Da heißt es: "Er aber antwortete und sprach..." Und "er" ist nicht Jesus, sondern das ist derjenige, mit dem Jesus spricht: ein Gesetzesgelehrter, der zu Jesus gekommen ist und gesagt hat: "Meister, was muss ich tun, um ewiges Leben zu haben?" Es ist eine profunde Frage, und vielleicht würden wir uns wünschen, dass mehr, dass ja auch überhaupt vielleicht Menschen auf uns zukommen und mal diese Frage stellen: "Was ist zu tun, dass ich ewig leben kann?" Es setzt ja voraus, dass man überhaupt schon an das ewige Leben glaubt. Aber das ist eine Frage, die über das, was gerade geschieht, hinausgeht. Und diese Frage wird Jesus gestellt. Wir lesen aber in dem Kontext in Vers 25: "Und hier ein Gesetzesgelehrter trat auf, versuchte ihn und sprach..." Also, dass die Intention dahinter wohl nicht ganz so aufrichtig war. Nun gut, lesen wir den Vers 27.

[4:07] Er aber antwortete und sprach: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken und deinen Nächsten wie dich selbst." Wir haben schon vor einiger Zeit, als wir 5. Mose studiert haben, diese gefunden. Und diese Verse sind scheinbar auch die Antwort auf die Frage, die der Gesetzeslehrer vorher selbst gestellt hat.

[4:48] Nun, warum wird diese Formulierung hier gewählt? Schauen wir mal in 5. Mose 6, Vers 5, wo wir genau den Wortlaut auch haben. Da heißt es in Vers 4 noch: "Höre, Israel! Der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft." Warum steht hier nicht einfach "von ganzem Herzen"? Das ist doch etwas, was uns eher vertraut ist. Wir haben ja, gut, wir haben nicht mal das Wort "ganzherzig" so in unserem sprachlichen Gebrauch, sondern eher das Wort "halbherzig". Und einen halbherzigen Menschen würden wir als jemanden beschreiben, der nicht so ganz bei der Sache ist, der vielleicht viele verschiedene Dinge macht oder einfach auch nicht so viel Freude, nicht so viel Lust in eine Sache hineinsteckt. Das wäre jemand Halbherziges. Jemand Halbseliges kennen wir schon gar nicht mehr, und erst recht gibt es niemanden, der halbkräftig oder mit halbem Gemüt etwas macht. Warum sagt Gott dann nicht in 5. Mose 6, Vers 5, einfach: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst"? Gut, dieser zweite Satz, der kommt auch noch aus einer anderen Stelle, im 3. Mose. Aber warum sagt Gott nicht, warum belässt Gott es nicht einfach dabei? Ich glaube, er will hier etwas dick und fett unterstreichen. Er will nicht nur sagen: "Liebe mich", sondern "liebe mich mit allem, was du kannst, von ganzem Herzen." Aber nicht mal das ganze Herz reicht aus, sondern auch noch die ganze Seele möchte ich von dir haben, und ich möchte all deine Kraft haben, alles, was du bist.

[7:01] Wir sollten uns mehr Gedanken darüber machen, was es bedeutet, Gott zu lieben. Und ich kann euch gleich sagen, heute geht es nicht komplett chronologisch vor sich, denn es gibt manches, was an anderer Stelle noch besser zu sagen wäre. Und dazu zählt auch der Matthäus 22. Lasst uns schon mal zu dem Matthäus 22 gehen, wo wir ja fast genauso diese Begebenheit finden, dass es um dieses Gebot in 5. Mose 6 geht. In Matthäus 22 und dort die Verse 35 bis 38: "Und einer von ihnen, ein Gesetzesgelehrter, stellte ihm eine Frage, um ihn zu versuchen, und sprach: 'Meister, welches ist das größte Gebot?'" Hier geht es jetzt nicht um das ewige Leben, sondern um das größte Gebot. "Und Jesus sprach zu ihm: 'Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken.' Das ist das erste und größte Gebot. Und das zweite ist ihm vergleichbar: 'Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.' An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten." Hier wird eine, ja, zum einen vielleicht eine Rangordnung aufgezeigt, obwohl es dann heißt, sie beiden sind auch gleich. Aber vielleicht ist es auch eher eine Reihenfolge.

[8:51] Und ich glaube, das mit der Reihenfolge ist ganz wichtig, weil manchmal strengen wir uns so an, um die negativen Gedanken von dem anstrengenden Nachbarn, der schon wieder irgendwie etwas zu beanstanden hat, abzulegen. Oder manchmal fällt es uns so schwer, unseren unzufriedenen Ehepartner zufriedenzustellen. Es gibt Zeiten, in denen der Kollege so viel zu nörgeln hat, oder aber auch, in denen wir an unserem Kollegen so viel zu nörgeln haben, dass wir uns wirklich fragen: Also, dieses Gebot mit dem "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst", in dem Fall zieht das nicht. Aber Gott ist nicht nur einer, der einfach nur sagt: "Schieb diese Gedanken weg, die sollst du ablegen, so sollst du nicht denken", sondern Gott sagt: "Lass uns das Problem an der Wurzel packen." Und dieses Problem liegt häufig darin, dass wir Gott gar nicht so von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit all unserer Kraft, von ganzem Gemüt, mit unserem ganzen Denken lieben. Jesus will hier dick und fett unterstreichen: Du sollst Gott lieben.

[10:20] Und dann, ich habe das auch selbst schon erfahren: Es gibt Personen, da konnte ich machen, was ich wollte, und irgendwie war die Beziehung doch nicht so toll. Oder es gibt Personen, die konnten machen, was sie wollten, und irgendwie habe ich trotzdem immer wieder Anschluss an sie gefunden. Aber Gott hat eine Botschaft an uns. Gott sagt: "Arbeite an meiner Beziehung zu dir" – oder "an deiner Beziehung zu mir", so rum. "Arbeite an deiner Beziehung zu mir, und ich arbeite an deiner Beziehung zu ihm oder zu ihr." Da liegt ein entscheidender Unterschied. Wir sollen nicht versuchen, immer nur dann besonders freundlich zu sein, wenn jemand halt eher mürrisch uns gegenüber ist. Ja, das ist auch gut und richtig so, aber darin soll nicht unser Fokus und unsere Anstrengung liegen. Unser Fokus darf darin liegen, dass wir zu Gott gehen und sagen: "Herr, die Beziehung, die ist nicht so im Reinen, aber du kannst sie reinmachen. Herr, lass mich für ihn oder für sie beten, lass mich noch näher zu dir kommen, lass mich so ihm gegenüber reagieren, wie du es möchtest." Und ich glaube, Gott wird auch unsere Beziehungen reparieren, wenn sie nicht so im Reinen sind.

[11:52] Lasst uns noch mal zu Lukas 10 zurückkommen. Wir hatten das schon gesagt, hier haben wir einen, der Jesus versuchen möchte, der also etwas Schlechtes im Schilde führt. Und die Frage ist, wie wird Jesus darauf antworten? Wir wollen jetzt hier etwas von Jesus, dem besten Missionar aller Zeiten, lernen. In – oh, ich bin in Johannes – in Lukas 10 ab Vers 25.

[12:25] Wird Jesus diese Frage gestellt, und Jesus sagt in Vers 26: "Was steht im Gesetz geschrieben? Wie liest du?" Für jeden von uns, der irgendwie eine Missionsgelegenheit hat – also damit meine ich, wenn du jemanden triffst, der Gott nicht so gut kennt, und du möchtest ihm jetzt das Evangelium nahebringen –, dann gibt es folgende Prinzipien für uns. Erstens: Jesus verweist auf die Bibel. Das heißt, begib dich nicht auf fremdes Terrain.

[13:08] Wir stehen manchmal in der Gefahr, dass wir etwas Geistliches in einem Gespräch, ähm, ja, behandeln wollen, und dann begeben wir uns aber auf eine politische Ebene, oder plötzlich befinden wir uns auf einer wissenschaftlichen Ebene, oder es wird psychologisch, philosophisch, und dann sind wir nicht mehr auf unserem Gebiet und auch vor allem nicht so auf Gottes Gebiet. Vielleicht kennt ihr das. Also, ich bin da jetzt nicht so gut bewandert, aber ich habe das gehört: Beim Tennis gibt es manche Spieler, die können sehr gut auf dem Sand oder andere auf dem Hartplatz sehr gut spielen, und je nachdem, wie die Bodenbeschaffenheit ist, ist das dann für sie ein Vor- und Nachteil. Wir dürfen in der Mission dort bleiben, wo es nicht für uns, sondern für Gott zum Vorteil ist, und das ist, wenn wir geistliche Gespräche auch auf der geistlichen Ebene weiterführen.

[14:19] Ähm, also lass dein Gespräch nicht irgendwie politisch werden oder sonst etwas, sondern verweise wie Jesus auf die Bibel. Das Zweite ist, was wir lernen: Ähm, wir hatten schon gesagt, der Gesetzesgelehrte kommt mit falscher Motivation, und trotzdem dürfen wir uns eines zum Merksatz machen: Baue auf gutes Fundament. Es mag sein, dass du jemanden triffst, der völlig verkehrte Ansichten hat oder der auch eine falsche Motivation mit sich bringt. Und gerade auch von den Gesetzesgelehrten, von den Schriftgelehrten und Pharisäern wissen wir ja, dass sie sehr viele Vorschriften hatten, die eigentlich nicht in Gottes Sinne waren. Aber Jesus geht gar nicht darauf ein. Jesus sagt nicht: "Ja, du solltest erstmal deine Sabbatmeile und was ihr sonst noch alles habt wegräumen, und dann kannst du wirklich sehen, was Gott die ganze Zeit dir in seinem Wort schon sagen möchte", sondern Jesus sagt: "Was steht in dem Gesetz, an das ich mich halte und an das du dich auch halten solltest?" In Klammern geschrieben: "Du berufst dich doch auf die Tora, auf unter anderem das fünfte Buch Mose. Was steht denn da?" Und dann baut Jesus auf das, was schon Gutes in, ja, in der Glaubenslehre dieses Gesetzesgelehrten vorhanden ist. Baue auf Gutes.

[16:07] Dann das Nächste ist auch, was wir schon aus diesem kurzen Vers 26 herausziehen können: Jesus stellt ihm Fragen. Und das ist etwas ganz, ganz, ganz Wichtiges in der Mission. Denn wir haben oft so ein Bild von Missionaren, die vielleicht auch in fremde Länder gehen und dann Mission machen, und dann sieht das halt so aus, dass sie die Wahrheit mitbringen und anderen bringen, die sie noch nicht haben. Das ist doch ganz klar. Aber Mission ist keine Einbahnstraße. Mission ist nicht so, dass ich mit dem, was ich vorbereitet habe, jetzt zum Beispiel hier bei unserer Christ Study den anderen das bringe, sondern ich muss mich erstmal fragen: Was, also wie, was braucht der andere? Das zum einen kommen wir gleich noch mal als Extra Punkt dazu. Aber ich darf auch mit dem anderen in einem Dialog stehen. Also, wenn ihr jetzt irgendwie auch so denkt: "Ach, das ist doch eine Einbahnstraße, die die Mirjam hier gerade fährt", dann schreibt gerne was in die Kommentare rein, und ich werde versuchen, das auch, ja, auch darauf einzugehen. Ist nämlich keine Einbahnstraße. Ich habe das auch öfters erlebt, wenn wir, oder zumindest mehrmals, wenn wir in die Stadt gegangen sind und Umfragen gemacht haben. Das ist ja auch so: Man geht zu den Menschen hin und fragt sie: "Darf ich Ihnen ein paar Fragen stellen?" Und dann hört man, was sie zu sagen haben. Aber hier ist der Dialog ein bisschen in die andere Richtung verlaufen, dass dann die Befragten zu mir gesagt haben: "Ja, und was denken Sie darüber? Wie würden Sie den Fragen antworten?" Ich weiß, Stopp mal, ich bin doch diejenige, die die Umfrage macht. Aber mittlerweile finde ich, es gibt fast keine bessere Gelegenheit, als Ihnen dann mitzuteilen, was die Wahrheit ist und was ich glaube, weil sie mich ja nach meiner Meinung gefragt haben. Und mittlerweile komme ich ihrem Wunsch gerne nach. Also, wir dürfen mit den Menschen in einem Dialog stehen, nicht einfach nur alles ihnen so straight predigen.

[18:40] Das andere hatte ich jetzt schon kurz anklingen lassen: Schenke auch deinem Gegenüber, was er gerade braucht. Es ist uns dessen vielleicht manchmal nicht so bewusst, wenn wir die Bibel lesen und dann denken wir, na ja, es ist doch, also es liegt doch auf der Hand, dass Jesus so reagiert hat. Oder aber Jesus hätte eigentlich noch ganz viele andere Möglichkeiten gehabt, auf die Frage des Gesetzesgelehrten zu reagieren. Schaut mal kurz mit mir in Johannes 17, Vers 3, weil die Frage war ja: "Meister, was muss ich tun, um ewiges Leben zu bekommen?" Und Jesus hätte auch reagieren können mit genau den Worten aus Johannes 17, Vers 3. Hätte er sagen können: "Das ist das ewige Leben, dass sie dich, also dass sie Gott den Vater, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen." Das hat Jesus aber nicht gesagt. Jesus hätte auch anders reagieren können, wie in Johannes 5, Vers 20. Denn auch da steht, wie ewiges Leben zu bekommen ist. Da heißt es: "Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns Verständnis gegeben hat, damit wir den Wahrhaftigen erkennen. Und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben." Jesus hätte genauso gut sagen können: "Ich bin das ewige Leben, du musst zu mir kommen." Das hat er nicht getan, nicht bei dem Gesetzesgelehrten. Er hätte auch die gleiche Antwort geben können wie bei dem reichen Jüngling. Das finden wir in Matthäus 19. Schauen wir kurz in Matthäus 19 und dort ab Vers 16. Der fragt, der reiche Jüngling: "Guter Meister, was soll ich Gutes tun, um das ewige Leben zu erlangen?" Und Jesus sagt dann zu ihm: "Ähm, du sollst ehren deinen Vater und deine Mutter und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." Also, er verweist wieder auf das Gesetz, aber in dem Fall stellt er keine Rückfrage. Jesus reagiert hier ein bisschen anders, obwohl es inhaltlich ja doch alles so dasselbe ist.

[21:27] Lernen wir daraus für die Mission: Es gibt keine Standardantwort. Wir dürfen nicht so darauf reagieren, wenn Menschen am Wort Gottes interessiert sind, dass wir sagen – die Frage habe ich ja schon, also, oder zumindest innerlich denken: "Die Frage habe ich ja schon 20 Mal gehört, und ich weiß genau, was dieser Mensch braucht." Tu das nicht, sondern lass dich lieber vom Heiligen Geist leiten. Das ist auch eine gute Nachricht, weil manchmal denken wir: "Ach, das ist doch ein Profi, und der wüsste genau, was jetzt hier zu sagen wäre." Nein, er wüsste es nicht, hätte er nicht den Heiligen Geist. Es gibt keine Standardantworten in der Mission.

[22:16] Ähm, in der Lektion war jetzt dann noch die Frage, das war am Sonntag noch: "Wie können auch wir darauf achten, jede Gelegenheit zu nutzen, die sich uns bietet, um Zeugnis abzulegen, selbst wenn die Umstände nicht ideal sind?" Und da habe ich vor Kurzem, ähm, die Lebensgeschichte von einem jetzigen Pastor gehört, der zur Zeit von dem Genozid in Ruanda gelebt hat und ihn überlebt hat. Und bei ihm war es so, dass er in eine sehr brenzliche Lage gekommen ist. Also, wenn wir jetzt von schlechten Umständen reden, dann können wir uns gar nicht vorstellen, wie superschlecht bei ihm die Umstände waren, Mission zu machen. Es war nämlich so: Die – er sagt, er nennt sie "Killer", also die, das waren auch keine Soldaten, sondern Menschen einfach, die andere umgebracht haben – die hatten ihn gefangen genommen, und er sollte jetzt ein Grab schaufeln. Sein eigenes Grab sollte er ausschaufeln, bevor die ihn umbringen und darin begraben würden. Und er hat auf dem Weg zu diesem Erdflecken, wo er jetzt schaufeln beginnen sollte, hat er die Gelegenheit genutzt und gefragt: "Du, darf ich, also dem einen Mann, der schon so ein bisschen offen war, darf ich dir, bevor ich sterben werde und du meine Bibel erhalten darfst, dir vorher noch etwas darüber sagen?" Und der Mann – also, es gibt eine Vorgeschichte, der Mann hatte vorher schon die Bibel durchblättert und wollte die unbedingt haben. Der, ähm, obwohl er ein Mörder war, hatte ihn das irgendwie gepackt. Und der hat dann gleich gesagt: "Ja, erzähl mir vorher noch etwas aus der Bibel, bevor ich dich umbringe und du nicht mehr zu mir reden kannst." Ziemlich, ziemlich, ziemlich krasse Situation. Aber was dann passiert ist, war: Es ist ein Streit ausgebrochen. Und wann sind die Umstände schlechter, als wenn man selbst gerade vor dem Tod steht, einen Mörder oder mehrere Mörder vor sich hat, die jetzt gerade Missionsfeld sind, und die fangen auch noch an zu streiten? Man könnte meinen, der braucht es gar nicht mit Frieden und mit Gottes Botschaft anzufangen. Aber der Streit hat dazu geführt – also, der Streit ging darum, es waren dann mehrere, die gesagt haben: "Ja, wir wollen jetzt noch etwas von dir hören", und andere haben gesagt: "Nein, nein, das ist unser Gefangener, lass ihn uns jetzt gleich umbringen, was wollt ihr denn jetzt noch anhören?" Und der Streit hat dazu geführt, dass der Bandenanführer dann kam und es mitbekommen hat. Und dieser Bandenanführer hat gesagt: "Jetzt hört endlich auf zu streiten! Wir machen es so: Ihr setzt euch alle jetzt hin, und wer ihm zuhören möchte, der tut das, und wer ihm nicht zuhören möchte, der hält sich ab sofort die Ohren zu." Das hat dazu geführt, dass sie wirklich auf Wort des Bandenanführers alle da sitzen bleiben mussten, und keiner hat sich die Ohren zugehalten. Also, diese negativen Umstände hat Gott so geführt, dass noch mehr Menschen erreicht werden konnten. Und die Geschichte, um das, ähm, vielleicht auch vorwegzunehmen, ist dann so ausgegangen: Dieser Pastor lebt heute noch. Gott hat sein Leben bewahrt und hat ihm in dieser schwierigen Zeit auch noch Gelegenheiten gegeben, trotz schwieriger Umstände ein Missionar zu sein.

[26:42] Was möchte ich damit sagen? Teilweise sehen für uns die Umstände nicht ideal aus. Vielleicht leben wir jetzt nicht im Genozid, aber vielleicht denken wir: "Na ja, der andere hat mir schon gesagt, er hat überhaupt keine Zeit jetzt zu reden, lass ich es." Oder: "Da habe ich so einen harten Brocken vor mir, den brauche ich mir gar nicht die Zähne auszubeißen, sozusagen, der will nichts von Gott wissen." Aber schau nicht auf die Umstände, überlass die Umstände lieber Gott.

[27:19] Überlass die Umstände lieber Gott und vertraue darauf, dass Gott selbst negative, ungünstige Umstände zu deinen Gunsten wenden kann. Denn wir müssen uns immer dessen bewusst sein: Es ist doch Gottes eigenes Herzensanliegen, dass Menschen gerettet werden. Und warum sollte er dann nicht mit uns zusammenarbeiten in der Mission?

[27:47] Jetzt hatten wir das auch noch mal am Montag. Ich hatte schon gesagt: Bleib bei der Bibel, lass dieses Gespräch auf geistlicher Ebene stattfinden, was auch immer jetzt gerade das Thema ist.

[28:00] Und das sehen wir am Montag, da heißt es Jesu Methode, dass Jesus ein Bibellehrer ist. Er selbst kennt sich gut in der Bibel aus, und auch das sollten wir mitbringen als werdende oder als schon tätige Missionare. Wir sehen auch an anderer Stelle, in Lukas 4 zum Beispiel: Wenn wir durch den Lukas durchgehen, sehen wir an vielen, vielen Stellen, dass Jesus die Bibel gelehrt hat. Lukas 4 bei der Versuchung, in Lukas 4 auch noch im Tempel oder am Sabbat. Und das zieht sich hindurch durch das ganze Buch Lukas, bis auch zu Lukas 24, wo Jesus selbst noch auf dem Weg nach Emmaus die Bibel auslegt.

[28:52] Aber Jesus ist nicht nur ein Bibellehrer gewesen, sondern wie wir das jetzt in Lukas 10 gesehen haben: Er fragt auch nach und lässt die Leute selbst die Bibel studieren. Und das ist auch ein ganz, ganz wichtiges Prinzip, das wir für die Mission lernen dürfen. Ein Prinzip, das einfach schlicht und ergreifend heißt: Bringe deinen Missionskontakt bei, die Bibel zu lesen. Denn viele wissen gar nicht, wo oder wie sie in der Bibel eine Antwort auf ihre Frage finden können. Und wir dürfen zum einen nicht den Fehler machen, dass wir den anderen so völlig alleine lassen und sagen: „Hier, nimm die Bibel, bitteschön, such deine Antwort selber!“ Aber andererseits sollte es auch nicht so sein, dass wir jahrelang anderen Bibelunterricht geben und sie nie damit anfangen, selber zu forschen. Ich glaube, dann ist nämlich auch etwas falsch gelaufen, weil irgendwann, irgendwann zumindest, sollte der Zeitpunkt kommen, an dem sie Jesus persönlich ihre Frage stellen, und Jesus ist dann der allerbeste, der uns die Bibel auslegen kann. Wir sollten andere nicht von uns abhängig machen. Beziehungsweise, ich weiß nicht, auf welchem Stand du bist. Vielleicht hast du auch jetzt neu erst gelernt, die Bibel zu lesen – dann nimm das bitte auch für dich mit und mach dich nicht von anderen abhängig.

[30:34] Ich sage, ich habe das deswegen gesagt, dass wir aber trotzdem den anderen auch nicht so ins kalte Wasser werfen sollen. Denn ich habe das selber so erfahren, als ich noch recht klein war. Ja, ich habe dann schon Lesen so am Anfang gelernt, und damals kann ich mich erinnern, wusste ich auch noch nicht so richtig, wie gehe ich denn davor, was lese ich denn? Und ich habe vor allem immer wieder beobachtet bei den Erwachsenen in der Gemeinde: Die hatten so bunte Stellen in der Bibel, und da war mal hier was unterstrichen, und dann war vielleicht da noch ein Marker mit drin. Dann habe ich mal nachgefragt: „Was sind denn das für Stellen hier?“ Und dann hieß es: „Das sind besonders wichtige Stellen oder das sind besonders schöne Stellen vielleicht auch.“ Dann dachte ich: „Okay, ich will auch in meiner Bibel“ – ich hatte dann gerade eine geschenkt bekommen – „besonders wichtige und besonders schöne Stellen haben.“ Es hat aber dazu geführt, weil ich nicht so richtig wusste, was besonders wichtige oder besonders schöne Stellen sind, dass dann teilweise vielleicht auch mal ein paar Namen im Geschlechtsregister markiert waren, einfach dass etwas bunt war. Ich wusste noch nicht so ganz, was die Bibel auch für mich persönlich bedeutet.

[32:00] Und hier, wir haben – ich geb es zu – wir haben heute viele, viele Prinzipien, die wir für die Mission praktisch lernen können, aber ich glaube, es ist gut so. Nehmt das auch mit: Wenn ihr anderen beibringen möchtet, die Bibel selbst zu studieren, dann tut das, indem ihr ihnen mitgebt, wie die Bibel in eurem persönlichen Leben gewirkt hat. Dann zeigt ihnen die Stellen, die euch besonders wichtig geworden sind. Und klar, im Laufe der Zeit können das für sie auch andere Stellen sein, die für sie wichtig werden, aber gebt ihnen das mit und sagt: „Dieser Vers ist mir in der und der Situation so wichtig geworden.“ Zeigt ihnen, dass die Bibel lebendig ist. Ich muss sagen, die Verse, die mir persönlich am allerwichtigsten geworden sind, das waren immer die Verse, die im Bibelkreis auch die anderen so gefesselt haben, wo sie sagen konnten: „Ja, das muss ich mir mitnehmen, das muss ich mir aufschreiben.“ Zeigt den anderen, wie die Bibel für euch wichtig geworden ist.

[33:08] Und dann gibt es noch ein paar andere Sachen, die wir auch ganz, ganz handwerkszeugmäßig anderen mitgeben können. Zum Beispiel, welches Buch der Bibel dir besonders geholfen hat. Ich hätte es nicht gedacht, aber vor Kurzem habe ich mit einer Freundin geredet, und die meinte, dass sie sich auch schwertut, die Bibel zu lesen. Und ich habe ihr dann gesagt: „Du, mir hat dieses Buch damals so geholfen.“ Und sie hat kurze Zeit darauf angefangen, dieses Buch zu lesen. Oder, gib dem anderen einen groben Überblick darüber, wie die Bibel aufgebaut ist, was wo steht. Vielleicht möchte er auch erst noch lernen, wie die Bücher und die Kapitel und Verse aufgeteilt sind, wie das mit den Parallelstellen funktioniert, was Prinzipien der Prophetie sind. All das sind Dinge, die wir anderen mitgeben dürfen, sodass sie selbst lernen können, die Bibel für sich persönlich zu studieren.

[34:23] So, wir haben uns jetzt einige Prinzipien angeschaut, wie wir anderen im Missionsfeld begegnen können. Und trotzdem ist es nicht immer so leicht. Gerade in der Geschichte in Lukas 10 sehen wir ja: Jesus als der gute Missionar hatte aber einen Vorsatz, der eigentlich gar nicht so gerne bekehrt werden wollte. Wie geht man damit um? Der Gesetzesgelehrte, der wusste ja innerlich, was zu tun war. Es ist nicht so, dass er die Wahrheit noch nie gehört hatte und voll offen dafür war, sondern er wollte Jesus einfach nur versuchen. Er brauchte nicht erst den Aha-Effekt, sondern er brauchte Glauben, um das, was er eigentlich schon wusste, in Anspruch zu nehmen. Aber was wir auch sehen, ist: Jesus hat ihm – er hat ihm nicht direkt ins Gesicht gesagt, was sein Problem war. Jesus hat auch nicht angefangen oder zuerst mal zumindest nicht ihm eine lange Predigt gehalten und gesagt, sondern Jesus ist ganz, ganz sanft vorgegangen.

[35:46] Jetzt war in der Lektion noch angegeben Jakobus 2, dort ab Vers 14. Und das wollen wir aufschlagen, weil wir hier das genau dargelegt haben, wie das denn so ist, wenn jemand eigentlich weiß, was zu tun ist, und es doch nicht tut. Jakobus 2 Vers 14: „Was hilft es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, und er hat doch keine Werke? Kann ihn dann dieser Glaube retten? Wenn nun ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und es ihnen an der täglichen Nahrung fehlt, und jemand von euch wird zu ihnen sagen: „Geht hin in Frieden, wärmt und sättigt euch!“, aber ihr würdet ihnen nicht geben, was zur Befriedigung ihrer leiblichen Bedürfnisse erforderlich ist, was würde das helfen? So ist es auch mit dem Glauben: Wenn er keine Werke hat, so ist er an und für sich tot.“

[36:52] Also, wir sehen, das hätte Jesus eigentlich auch zu dem Gesetzesgelehrten sagen können. Hat er aber jetzt nicht aus Besonnenheit, aber das war sein Problem: Er hatte nicht diesen echten, lebendigen Glauben, der auch zu guten Werken führt. Sondern Jesus muss ihm noch sagen: „Tu das, was du schon weißt, und dann wirst du leben.“ Die Frage ist ganz interessant in Vers 14: „Was hilft es? Kann ihn denn dieser Glaube retten?“ Und auch das sehen wir: Es gibt einen angeblichen Glauben und es gibt einen wahren Glauben, und Gott möge uns helfen und uns diesen wahren Glauben schenken. Wir sehen auch in diesen Versen: Predigen ist gut und schön, und seinen Glauben zu bezeugen – also wörtlich zu bezeugen – das ist auch richtig und wichtig. Aber es sollten auch die entsprechenden Werke parallel ablaufen. Wir sollten uns auch um unsere Nächsten kümmern. Wir sollten denen, die keine Kleidung haben, nicht einfach sagen: „Nimm dein Problem wieder mit nach Hause!“, sondern wir sollten uns ihrer Probleme annehmen. Das ist, was Jesus getan hat, wenn er Menschen geheilt hat zum Beispiel, oder auch in der Bibel, wenn Gott Menschen tröstet zum Beispiel. Dann ist er auf ihre Bedürfnisse eingegangen, und auch wir sollten das tun.

[38:25] Und jetzt kommt, wenn wir dann noch weitergehen in Lukas 10, ja, dieses berühmte Gleichnis von dem barmherzigen Samariter.

[38:46] Ja, lass uns gleich zu Lukas 10 gehen, weil das jetzt auch ganz gut passt. In den Versen 77 – nee, Entschuldigung – in den Versen ab Vers 25 dort hatten wir jetzt schon die Vorgeschichte, und ab Vers 30 bis 37, so rum, erzählt jetzt Jesus doch in einiger Länge dieses Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Und damit trifft er genau auf den Punkt, was das Problem von dem Gesetzesgelehrten scheinbar war. Wir kennen dieses Gleichnis ganz gut, und doch lasst mich ein paar Dinge daraus herausgreifen.

[39:33] Also, es läuft so ab, dass hier ein Mann überfallen wird, und man kann davon ausgehen, dass es ein Israelit war. Ja, der war auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho, und er wird von Räubern überfallen, die nehmen alles mit, lassen ihn verwundet liegen, und da liegt er nun. Und jetzt kommt einer vorbei. In Vers 31 heißt es: „Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog, und als er ihn sah, ging er auf der anderen Seite vorüber.“ Ein Priester kommt vorbei, und dann in Vers 32 kommt ein Levit vorbei: „Ebenso kam auch ein Levit, der in der Gegend war, sah ihn und ging auf der anderen Seite vorüber.“ Und was mir hier jetzt neu aufgefallen ist: Im Deutschen heißt es „es traf sich aber“, im Englischen heißt es „zufällig“. Zufällig kam ein Priester vorbei, und der sieht ihn da liegen, und er wendet sich ab und geht weiter. Dann heißt es: „Ebenso kam auch ein Levit, der in der Gegend war.“ Also, es war jetzt nicht so, dass er gesagt hat: „Ich gehe auf die Suche wie beim verlorenen Schaf zum Beispiel, und ich schaue, wie ich helfen kann“, sondern er kommt einfach da vorbei, der ist schon in der Gegend, und jetzt sieht er da diesen verwundeten, ausgeraubten Mann liegen.

[41:13] Warum betone ich das? Die Gelegenheiten und die zufälligen Ereignisse werden zeigen, was in uns steckt. Mission ist nicht so, dass wir sagen: „Oh, ich gehe jetzt in die Missionsprüfung, und dann wird sich zeigen, ob ich mich bewährt gemacht habe.“ Wir haben viele Situationen im Leben, wo wir wissen: „Jetzt kommt es gerade drauf an, und was ich sonst mache, ist nicht so wichtig.“ Aber in der Mission geht es darum, wie hat Gott schon die ganze Zeit über an uns gewirkt, und dann, wenn sich die Gelegenheit ergibt, wird sich zeigen, was in uns drinsteckt. So war es nämlich mit dem Samariter: In dem war sehr viel Gutes gesteckt in dieser Geschichte, denn in Vers 33 lesen wir: „Ein Samariter aber kam auf seiner Reise in seine Nähe. Auch er war zufällig gekommen, und als er ihn sah, hatte er Erbarmen.“ Da ist schon etwas Gutes in dem Samariter drin, was jetzt hier auf diese Situation reagiert. „Und er ging zu ihm hin, verband ihm die Wunden und goss Öl und Wein darauf. Hob ihn auf sein eigenes Tier, führte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Und am anderen Tag, als er fortzog, gab er dem Wirt zwei Denare und sprach zu ihm: „Verpflege ihn, und was du mehr aufwendest, will ich dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.“

[42:47] Der Samariter war bereit, ohne es vorher gewusst zu haben, ohne Vorwarnung, kommt in diese Situation, und der war bereit, sein Proviant oder sein Gepäck zumindest für den verwundeten, fremden Mann zu geben. Er geht von sich aus auf ihn zu, er geht – also er macht keinen Bogen um ihn. Sondern, und da heißt es auch nicht, dass der verwundete Mann geschrien hat oder so, sondern er geht aus eigenen Stücken, weil er das Leid und die Not sieht, auf ihn zu. Er nimmt sich die Zeit, den Verletzten zu versorgen. Vielleicht war das zu der damaligen Zeit nicht so, aber wie oft passiert es heute, dass wir so im Trubel sind, im Stress sind, und vielleicht sehen wir noch den anderen, was er braucht, aber wir sagen so schnell: „Jetzt, jetzt gerade geht’s gar nicht!“ Dieser Mann nimmt sich Zeit und kümmert sich um den Verletzten.

[44:01] Dann wendet er auch sein eigenes Geld auf, um ihn zu versorgen. Es kann auch sein, dass wir in der Mission dahin kommen, dass unser Geld gefordert wird, dass andere in Not sind, und weil wir sie unterstützen wollen oder weil wir für sie da sein wollen, müssen wir auch etwas Materielles aufwenden. Zeit, Materielles und auch unser Hab und Gut, oder was wir vielleicht gerade noch brauchen würden. Er hatte das Öl ja nicht dabei, um jetzt irgendwie immer barmherziger Samariter zu spielen. In der Geschichte ist es nicht so, sondern es war zufällig gewesen, dass er den Verwundeten getroffen hat. Und was wir noch von dem barmherzigen Samariter lernen können, ist, dass er auch bereit war, sich in Zukunft, auch wenn er die extra Meile mitgehen müsste, sich um diesen Mann zu kümmern. Und hier sehen wir auch eine ganz starke Parallele zur Mission, weil Mission ist nicht wie eine Aktion, die man gerade mal macht, und dann kann man sagen: „Okay, jetzt habe ich aber Feierabend, und jetzt ist es abgeschlossen, das ist jetzt gut so.“ Sondern wir sollten auch bereit sein in der Mission: Wenn der, dem ich heute geholfen habe, morgen wiederkommt, dann sollte ich auch bereit sein, morgen wieder etwas für ihn zu tun. Und wenn er übermorgen wiederkommt, dann sollte ich auch übermorgen diese gleiche Bereitschaft und Hilfsbereitschaft aufwenden.

[45:46] In Vers 37 heißt es dann so schön: Jesus sprach – nein, nicht Jesus, sondern Jesus hat diese Frage gestellt: „Welcher von diesen drei ist deiner Meinung nach der Nächste dessen gewesen, der unter die Räuber gefallen ist?“ Und jetzt antwortet der Gesetzesgelehrte: „Der ist der Nächste gewesen, welcher die Barmherzigkeit an ihm geübt hat.“ Da sprach Jesus zu ihm: „So geh du hin und handle ebenso.“ Der, der Barmherzigkeit an ihm geübt hat. Er hat Barmherzigkeit geübt, nicht weil er anderes verdient hat. Wir müssen uns im Hinterkopf behalten: Die Samariter und die Juden, die waren ja sehr zerstritten, und die Juden, die haben auf die Samariter herabgeschaut. Das wäre jetzt eigentlich für den Samariter eine Gelegenheit gewesen zu sagen: „Geschieht dir recht, ganze Zeit unterdrückst du uns!“ Nein, er hatte Barmherzigkeit, nicht weil der andere es verdient hätte. Er hatte Barmherzigkeit, nicht weil der andere es wieder gutmachen könnte – wusste nicht, kann der mir etwa was wiedergeben? Er hatte Barmherzigkeit auch nicht, weil es ihm selbst irgendetwas gebracht hätte, sondern er hatte Barmherzigkeit, weil sein Handeln einfach einem Herzen voller Liebe entsprang.

[47:14] Und da möchte ich noch mal kurz, bevor wir schließen, mit euch zu dem Mittwoch zurückkommen. Dann hatten wir jetzt ein bisschen übersprungen. Am Mittwoch steht dieses wunderbare Zitat aus „Bilder vom Reich Gottes“, Seite 35: „Nach dem Grundsatz der Liebe regiert Gott Himmel und Erde. In ihr soll auch das Wesen des Christen seinen festen Grund haben. Nur sie kann ihm Standhaftigkeit geben und die Fähigkeit, Schwierigkeiten zu überwinden und Versuchungen zu widerstehen.“ Wir brauchen also die Liebe Gottes, die er uns gegeben hat und die wir anderen weitergeben können.

[48:06] Und weil wir der Zeit halber das jetzt nicht mehr alles lesen wollen – ihr könnt das gerne zu Hause tun – können wir doch sehen: In Galater 5 da wird so ein Gegensatz zwischen dem Geist und dem Fleisch gezogen. Was können wir daraus mitnehmen für die Mission?

[48:30] Wenn wir anderen Menschen begegnen, die Gott nicht so gut kennen, dann sollten wir es mit dem Heiligen Geist tun. Mission ist nicht so, dass wir – wir hatten jetzt zwar einige so, ja, Tipps, Ratschläge, wie wir anderen begegnen können – aber das nicht, weil wir das alles angewendet haben, können wir in der Mission erfolgreich sein, sondern nur dann, wenn der Heilige Geist in und durch uns wirkt. Und was bewirkt der Heilige Geist? Galater 5 Vers 22: „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe.“ Wenn wir jetzt davon sprechen, dass wir unseren Nächsten lieben sollen, dass wir erst Gott lieben sollen und dann auch andere Menschen, dann ist es nichts, was wir selbst tun können.

[49:21] Johannes 4, da war Vers 20, aber wir dürfen den Vers 19 nicht außer Acht lassen. In Johannes 4 Vers 19 und 20 heißt es: „Wir lieben ihn, weil er uns zuerst geliebt hat. Wenn jemand sagt: ‚Ich liebe Gott‘ und hasst doch seinen Bruder, so ist der ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann der Gott lieben, den er nicht sieht?“ Also, es heißt hier: Wenn wir unseren Bruder, unseren Nächsten nicht lieben können, dann ist das ein Symptom dessen, dass es uns an Liebe zu Gott mangelt. Und wie können wir diese Liebe zu Gott bekommen? Indem wir Vers 19 beachten: „Weil er uns zuerst geliebt hat.“ Hast du Gottes Liebe wirklich erfahren? Hast du dich diesen Sonnenstrahlen der Liebe Gottes ausgesetzt? Denn dann kannst du auch hingehen und ein guter Missionar sein. Dann kannst du diese Liebe weitergeben, die vielleicht nicht darauf beruht, dass dein Gegenüber genauso freundlich ist, sondern dann kannst du auch für deine Feinde beten, dann kannst du auch dich um diejenigen bemühen, die dir selber vielleicht etwas Schlechtes getan haben oder die du nicht ganz so gerne magst.

[51:02] Die eine Challenge diese Woche ist, für jemanden zu beten, der ganz anders ist als du. Und ich muss selbst sagen, es gibt Menschen, die sind sowas von anders als ich, dass ich sie nicht richtig verstehen kann und leichter dabei bin, ihnen auch schlechte Motive zu unterstellen. Aber Gott sagt: „Bete für solche Menschen! Bete für die, die du nicht unbedingt besonders magst, denn ich liebe dich, und du sollst auch deinen Nächsten lieben.“ Lasst uns das beherzigen, lasst uns Gott darum bitten, dass er uns seine Liebe schenkt und dass wir für unsere Nächsten da sein können. Weil, wenn er uns verändert – und wir haben auch gesehen, dass Gott wirklich unseren Charakter verändern muss, dass wir auch bei Gelegenheiten richtig handeln – wenn er das tut, dann können wir gar nicht anders, als freundlich und liebevoll und zuvorkommend und respektvoll zu anderen zu sein. Und gerade auf unsere Nachbarn oder unsere Nächsten, mit denen wir im Alltag zu tun haben, wird das einen Eindruck machen, und lasst uns darum...

[52:21] machen und lasst uns darum beten. Unser Vater im Himmel, danke für das Thema, das wir diese Woche angehen durften. Herr, wir können aus uns heraus nicht unsere Nächsten lieben. Wir können auch nicht diese Weisheit an den Tag legen, die Jesus uns als Beispiel gegeben hat, wenn sie nicht von dir kommt und wenn die Liebe nicht von dir kommt. Bewirke in unseren Herzen, Vater, dass wir für unsere Nächsten da sein wollen, dass wir auch um ihr Heil bemüht sind. Denn du bist es, der das in uns bewirkt. Du bist derjenige, der Menschen als sein Missionsfeld sieht. Und lass uns dann nur schwache Werkzeuge in deiner Hand sein, durch die Mächtiges passieren kann, weil du derjenige bist, der es bewirkst. Herr, wir sagen dir Danke für all deine Lektionen und danke, dass du uns selbst den Glauben schenken wirst, nach deinem Wort zu leben.

[53:53] Amen.


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