In dieser Christ Study Hour beleuchtet Mirjam Giebfried die Mission an den Bedürftigen, inspiriert durch Matthäus 25. Sie betont, dass wahre Mission von Herzen kommt und ohne Hintergedanken geschehen sollte, wie es die „Schafe“ im Gleichnis Jesu tun. Anhand von biblischen Beispielen wie Abraham und der Heilung des Gelähmten von Kapernaum wird die Bedeutung von Freundschaft und Gebet in der Mission hervorgehoben. Die Botschaft ermutigt dazu, Menschen, die von der Gesellschaft oft übersehen oder verurteilt werden, als Freunde zu begegnen und sie zu Jesus zu führen.
CSH 2023 Q4 – Gottes Mission – Meine Mission: 8. Mission an den Bedürftigen
Mirjam Giebfried · CSH 2023 Q4 -Gottes Mission - Meine Mission ·Themen: 3. Mose, 5. Mose, Bibel, Bibelstudium, Johannes, Lukas, MatthäusWeitere Aufnahmen
Serie: CSH 2023 Q4 -Gottes Mission - Meine Mission
-
0:0
-
0:0
-
0:0
Transkript
[0:03] Hallo und herzlich willkommen zu unserer Christ Study Hour. Diese Woche soll es um die Bedürftigen gehen. Und wie ihr jetzt schon unschwer erkennen könnt, haben wir ein bisschen ein anderes Setting dieses Mal. Wir haben uns entschieden, bevor wir diese Woche gar keine Christ Study Hour haben dürfen, wollen wir es lieber hier, jetzt in der Adventgemeinde Stuttgart, aufzeichnen.
[0:35] Und bevor wir in das Thema, das ja unserem großen Unterthema „Gottes Mission, meine Mission“ untersteht, bevor wir darin eintauchen, lasst uns auch jetzt wieder um den Heiligen Geist bitten. Unser Vater im Himmel, danke, dass wir auch diese Woche eine Christ Study Hour haben dürfen. Danke, Herr, dass wir dein Wort, die Bibel, lebendiges Wort haben dürfen. Und Herr, wenn wir jetzt darin gemeinsam lesen wollen, dann bitte ich dich um deinen Heiligen Geist. Herr, wir wollen aber nicht nur Hörer des Wortes sein, sondern auch Täter. Und so bitte ich dich, dass du uns die Augen öffnest, dass du uns zeigst, wo und wie wir Mission machen können, dass du uns die Menschen aufs Herz legst. Denn du hast uns als wertvoll erachtet, und das wollen wir auch anderen weitergeben. Ja, es gibt so viele Menschen um uns herum, die in Not sind. Und ich bitte dich, dass du uns klar aufzeigst, welche Bedürfnisse da sind und wie wir diese Menschen zu dir führen können, dass du ihre Bedürfnisse stillen kannst. Danke, Herr, dass du schon darauf wartest. Danke, Herr, dass wir auch persönlich zu dir kommen dürfen. Amen.
[2:10] Der Merkvers diese Woche steht in Matthäus 25. Und Matthäus 25 ist kein unbekanntes Kapitel, zumindest nicht für eifrige Bibelstudenten. Und auch gerade für diejenigen, die sich mit der heutigen Zeit beschäftigen, ist das ein interessantes Kapitel. Es folgt direkt auf Matthäus 24. Und in Matthäus 24 finden wir Jesu Endzeitrede. Er sagt voraus, was in der Welt geschehen wird, und er sagt auch, wie wir uns dann, wenn die Ereignisse eintreffen, verhalten dürfen. Und man könnte sagen, Matthäus 25 ist noch eine Vertiefung dessen.
[2:56] Wenn wir uns das gesamte Kapitel 25 mal anschauen, dann sehen wir, da gibt es einige Gleichnisse. Ich lese einfach mal so die Überschriften in meiner Bibel vor. Vielleicht heißt es bei euch etwas anders. Bei mir heißt es zuerst das Gleichnis von den zehn Jungfrauen, dann haben wir das Gleichnis von den anvertrauten Talenten, dann haben wir das Gericht über die Heidenvölker. Und auch das ist ein Gleichnis, denn da redet Jesus davon, dass er die Schafe von den Böcken trennen wird. Und in genau diesem Kontext finden wir den Merkvers in Matthäus 25, Vers 40. Dort steht: „Und der König wird ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“
[3:57] Das Interessante ist, in all diesen Gleichnissen, ob wir jetzt das Gleichnis von den zehn Jungfrauen haben oder das Gleichnis von den anvertrauten Talenten, da sehen wir zwei Gruppen von Menschen. Wir sehen die Personengruppe, die treu ist, die nach Gottes Wort handelt, und wir sehen diejenigen, die eher ihre eigenen Ideen haben und dementsprechend dann aber auch von Gott zur Rechenschaft gezogen werden. Und auch hier haben wir die Böcke und die Schafe. Und ich lade euch ein, gerne das ganze Gleichnis zu lesen. Aus Zeitgründen wollen wir das heute nicht tun.
[4:44] Aber man kann vereinfacht sagen, die Schafe sind diejenigen, die tun, die von Herzen tun, was Gott gefällt. Das sind diejenigen, die dann sagen, wenn Jesus – oder Jesus sagt zuerst zu ihnen, dass sie sich um ihn gekümmert haben. Und dann antworten sie ihm: „Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dich gespeist, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremdling gesehen und haben dich beherbergt, oder ohne Kleidung und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich krank gesehen oder im Gefängnis und sind zu dir gekommen?“ Und der König wird ihnen antworten und sagen: „Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Und da sind wir bei dem Merkvers.
[5:44] Also, das sind Menschen, die, ohne sich dessen bewusst zu sein, Gutes getan haben. Das zeigt uns ganz einfach, dass es Menschen sind, die es von Herzen getan haben, nicht weil man sie dazu gezwungen hat, nicht weil man sie dazu aufgefordert hat oder weil es irgendwo auf ihrer To-do-Liste stand, sondern sie haben es nicht mal richtig bemerkt. Das lässt auf ihren Charakter schließen, dass es Menschen sind, die schon ein von Gott verändertes Herz haben. Und das bringt mich zu der Frage: Wie steht es so?
[6:29] Man sagt ja ganz bekanntlich: „An der Frucht erkennt man einen Baum.“ Und auch hier trifft das zu. Das sind Menschen, die haben gute Taten getan, weil sie gute Menschen waren. Setzt voraus, dass Gott sie verändert hat, dass Gott an ihrem Charakter geschliffen hat. Und auch wir dürfen darum beten, dass Gott uns jeden Tag so verändert, dass wir gerne gute Taten tun können, von Herzen und vielleicht sogar auch ohne es zu merken. Es sind Menschen, die auch gar keine Hintergedanken hegen. Und das ist heute etwas, was wir unterstreichen wollen, denn wenn wir Mission machen, dann geht es auch darum – wir haben jetzt vor einigen Wochen das Thema gehabt: Motivation oder Gründe, Mission zu tun. Und ich habe gehört, dass in manchen Sabbatschulklassen da so ein bisschen Uneinigkeit aufkam, wie angebracht dieses Thema überhaupt ist, weil sie gesagt haben, wir sollten doch eigentlich von uns heraus Mission machen können. Wir sollten von uns heraus schon Motivation mitbringen. Ja, dem kann man dann auch nur zustimmen. Mission ist nichts, was mit irgendwelchen vorsätzlichen Hintergedanken geschehen sollte.
[8:02] Es ist, dass wir einfach nicht mehr anders können, weil Gott durch uns wirkt. Es gibt auch diese Einstellung in der Gemeinde, und obwohl keiner von uns zu den Böcken gehören möchte, kann es doch passieren, dass wir Mission machen. Vielleicht habt ihr das auch schon manchmal gehört, dass jemand kommt und sagt: „Jetzt haben wir so viele Flyer bestellt, oder jetzt sind wir so oft von Tür zu Tür gegangen, aber was bringt das?“ Vielleicht gibt es manche, die sagen: „Wir haben so viel Zeit in diese eine Person investiert, und sie will doch nicht ihr Leben verändern.“ Aber welchen Grund haben wir, dass wir sagen könnten, wir dürfen irgendetwas Sichtbares erwarten? Jesus ist auch nicht hingegangen und hat gesagt: „Ich will nur diese Welt retten, wenn sie es auch mit sich machen lassen“, sondern er war bereit zu investieren. Und das ist ja auch dieses Bild von dem Samenstreuen. Man weiß nicht, wann er aufgeht, was Paulus dann später auch wieder aufgreift.
[9:34] Lasst uns einmal zu Sonntag gehen. Am Sonntag, da ging es dann schon um Freundschaft. Und da können wir zu einem gehen, der in sehr früher Zeit Freund genannt worden ist. Warum ist Freundschaft in der Mission so wichtig? Das war etwas später. Muss ich kurz hier schauen, wo wir dieses wunderbare Zitat hatten. Es heißt: „Allein die Vorgehensweise Christi wird den wahren Erfolg garantieren.“ Ich finde es so schön, wie es eigentlich im Deutschen übersetzt worden ist, dass Christi Vorgehensweise uns Erfolg garantiert. Das heißt, wir probieren es nicht einfach aus, sondern wir können uns darauf verlassen. „Der Heiland begab sich unter die als einer, der Gutes für sie wünschte.“ Und wenn wir an unsere Freunde denken, dann sind unsere Freunde doch Menschen, die uns gut gesonnen sind. Dann sind Freunde Menschen, denen wir vertrauen, Menschen, denen auch wir Gutes wünschen und die uns wichtig sind.
[11:02] Und einer wurde ein Freund Gottes genannt. Das sind wir bei Abraham. Wenn wir in 1. Mose schauen – es müsste, ich habe mir das jetzt nicht aufgeschrieben, aber so bei 1. Mose 12, da geht schon die Geschichte mit Abraham los. Und Abraham, er wird der Freund Gottes genannt. Was hat ihn ausgezeichnet? Abraham war einer, der sehr eng mit Gott in Kontakt stand, einer, der sich immer dann, wenn er die Wahl hatte zwischen etwas Gutem und etwas Schlechtem, sich auf Gottes Seite geschlagen hat und sich für das Gute entschieden hat. Er hat an Gott gehangen, und zwar nicht wie ein Lot zum Beispiel, der so ein bisschen zerrissen war zwischen: „Soll ich Gott gehorchen, aber ich habe doch hier mein Haus und meine Familie.“ Und das hat ihn so hin- und hergerissen. Sondern Abraham war entschieden für Gott, obwohl es auch in seiner Geschichte so manchen Einbruch gibt. Und damit war er ein Gegenbeispiel zu den Menschen, die wir in Jakobus 4 finden.
[12:29] Schlagt mal mit mir auf Jakobus 4. In Jakobus 4 und dort die Verse 1 bis 6. Da schreibt der Jakobus: „Woher kommen die Kämpfe und die Streitigkeiten unter euch? Kommen sie nicht von den Lüsten, die in euren Gliedern streiten? Ihr seid begehrlich und habt es nicht. Ihr mordet und neidet und könnt es doch nicht erlangen. Ihr streitet und kämpft, doch ihr habt es nicht, weil ihr nicht bittet. Ihr bittet und bekommt es nicht, weil ihr in böser Absicht bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.“ Also hier haben wir Menschen, die haben eine böse Absicht, und diese böse Absicht, die führt sie zu bösen Taten. „Ihr Ehebrecher und Ehebrecherinnen, wisst ihr nicht, dass die Freundschaft mit der Welt Feindschaft gegen Gott ist?“
[13:33] Vorhin hatte ich das gesagt, dass es zwei Gruppen von Menschen gibt in Matthäus 25. Und wenn wir über Freundschaft nachdenken, dann finden wir genauso wieder diese zwei Gruppen. Hier ist nicht von der Freundschaft mit Gott die Rede, sondern von der Freundschaft mit der Welt, die bezweckt, dass man Feind gegen Gott ist. Und Gott möge uns helfen, dass wir so wie Abraham sind, mit der Welt gewissermaßen Feind, aber mit Gott Freund.
[14:12] Hier heißt es dann noch weiter in Jakobus 4: „Wer also ein Freund der Welt sein will, der macht sich zum Feind Gottes.“ „Oder meint ihr, die Schrift redet umsonst? Ein eifersüchtiges Verlangen hat der Geist, der in uns wohnt.“ Umso reicher aber die, die er gibt. Darum spricht er: „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.“ Und dieser Vers 6 ist auch noch wichtig für uns, denn in anderer Übersetzung heißt das, also das sind die Demütigen sind nicht nur die, die von Herzen demütig sind, sondern vielleicht auch die Geringen. Da finden wir uns bei dem Titel unserer Lektionswoche, dass es diejenigen sind, die vielleicht benachteiligt wirken, die nicht so angesehen sind, vielleicht auch diejenigen, die sich selbst so schlecht fühlen, dass sie sich gar nicht so gerne unter andere Menschen trauen.
[15:23] Aber hier heißt es: „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ Jesus war schon immer zu seiner Zeit hier, als er als Mensch auf der Erde war, aber auch schon im Alten Testament war Gott ein Freund von denjenigen, die Hilfe brauchen. Vielleicht nur mal ein Beispiel in Jesaja 41, Vers 17: „Die Elenden und Armen suchen Wasser und finden keins, ihre Zunge verdorrt vor Durst.“ Das sind wirklich Elende, das sind wirklich Arme, die nicht einfach nur nicht so viel Geld haben, weil sie es – oder nicht so viel Geld haben, dass sie sich keine schöne Kleidung kaufen können, sondern wenn man gar kein Wasser mehr hat, dann geht’s an die Existenz. Und hier heißt es: „Ich, der Herr, will sie erhören, ich, der Gott Israels, will sie nicht verlassen.“ Gott selbst ist ein Freund von denjenigen, die bedürftig sind.
[16:33] Und wie viel Anlass sollte uns das geben, dass wir auch ihnen als Freunde entgegenkommen? Und es klingt so schön. Man könnte ja meinen: „Ja, Christen sind doch immer freundlich und sind immer großzügig und sind immer hilfsbereit.“ Aber die Realität sieht leider anders aus. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber so leicht würde ich aus eigener Erfahrung sagen, kommen in einem Gedanken auf wie: „Ich habe keine Zeit. Nee, ich kann jetzt mich nicht mit ihm oder ihr abgeben. Der stellt schon wieder so komische Fragen“, oder: „Ach, der will mich doch nur ausnutzen.“ So leicht flüstert Satan uns das ein. Aber wie würden wir die Menschen behandeln, wenn wir in ihnen Freunde sehen würden?
[17:37] Wir haben immer wieder diese Erfahrung gemacht, dass wir – wir haben so ein Obdachlosenprojekt hier in der Nähe der Gemeinde. Und wenn man zu diesen Menschen kommt als Freunde, wenn man sie schon so anspricht: „Hey, wie geht es dir? Wie war deine Woche? Oder ja, was hat sich noch Neues ergeben?“, dann kommt man mit ihnen ins Gespräch, und es öffnen sich die Herzen. So viel anders, als wenn man einfach nur kommen würde und sagen würde: „So, wir haben hier etwas für euch dabei, nehmt euch“, und man würde keine Notiz mehr von ihnen nehmen. Menschen werden auch für das Evangelium ganz anders offen, wenn man ihnen als Freunde begegnet.
[18:28] Und ich weiß nicht, wie es euch geht, im Laufe des Lebens ändert sich ja oft diese Art und Weise, wie man Freunde, Freundschaften schließt. Als Kind legt man auf etwas ganz anderes Wert, vielleicht teilweise darauf, wie tolle Spielsachen der andere hat, als als Erwachsene oder auch noch darüber hinaus. Und wenn wir uns das mal vor Augen führen, dann können wir uns fragen, was macht eigentlich einen wirklich guten Freund aus?
[19:09] Es gibt Freunde, wie wir sie zum Beispiel in Lukas 23, Vers 12 finden. Und das sind keine guten Freundschaften. Lukas 23 und dort Vers 12. Lukas 23, das ist schon am Ende von Jesu Leben. Da heißt es: „An demselben Tag schlossen Pilatus und Herodes Freundschaft miteinander, denn zuvor waren sie einander Feind gewesen.“ Pilatus und Herodes, das schießt uns gleich in den Kopf als diejenigen, die für Jesu Tod verantwortlich waren. Und die beiden haben Freundschaft geschlossen. Vorher waren sie Feinde, aber darüber, dass sie gegen Jesus waren, haben sie Freundschaft geschlossen. Und das zeigt uns auch eine ernüchternde Wahrheit. Es kann sein, dass wenn du freundschaftlich jemandem begegnest, der nicht gut angesehen ist, dass du nicht gerade das Ansehen bei deinen bisherigen Freunden erntest.
[20:27] Es kann sein, dass wenn du dich denen zuwendest und wenn du dein Herz aufmachst für die, die in Not sind, dass es andere geben wird, die schlecht über dich reden. Und das ist mit der einfachen Tatsache begründet, dass Satan das nicht gerne sieht. Jesus ist ein Freund der Sünder und der Zöllner gewesen, nicht weil er – das schließen wir von vorneherein aus – nicht weil er mit ihnen mitgemacht hat, sondern weil er für sie da war, für sie ein offenes Ohr hatte, weil er bereit war, ihnen genau in den Anliegen zu helfen, die sie gerade hatten, weil er sie aufgenommen hat, so wie sie waren, ohne ihnen jetzt Vorwürfe für ihr bisheriges Leben zu machen.
[21:20] Wohl das eine Sache ist, zu der kommen wir jetzt auch gleich noch. Und zwar hatten wir das war in Lukas 5 die Geschichte von dem Gelähmten, der geheilt worden ist. Auch das könnt ihr gerne für euch noch mal durchlesen, eine sehr interessante Geschichte, die man oft auch den Kindern gerne erzählt, weil das doch so spektakulär ist, dass in dem Haus so viel Gedränge war, dass die Freunde jetzt aufs Dach steigen mussten, das Dach abgedeckt haben, um ihren gelähmten Freund herunterzulassen, dass er von Jesus geheilt werden konnte. Das waren wahre Freunde.
[22:05] Aber lasst mich mal ein bisschen lesen von dem, was Ellen White dazu kommentiert: „Viele von denen, die Hilfe suchend zu Christus kamen, hatten die Krankheit selber verschuldet. Aber doch wies er sie nicht zurück, sondern heilte sie. Wenn seine Kraft sie durchdrang, wurden sie ihrer Sünden überführt, und viele wurden ebenso wohl von ihrer geistigen Krankheit wie von ihrem körperlichen Leiden geheilt.“ Das zeigt uns, es waren viele Menschen unter diesen Kranken, die zu Jesus gebracht worden sind, die nicht nur körperlich, sondern auch geistig oder geistlich krank waren. Und wenn man zu Jesus kommt, dann hat man sozusagen das Gesamtpaket. Dann macht er – er stellt einen ganz wieder her.
[23:03] Manchmal haben Menschen ein bisschen Angst, noch näher zu Jesus zu kommen, weil sie haben zwar schon gemerkt, es tut ihnen gut, zum Beispiel in Gemeinschaft zu sein, oder sie finden hier Antworten auf ihre Fragen. Aber wenn sie doch jetzt ihr ganzes Leben Jesus übergeben sollen, dann gibt es doch noch Probleme, die dadurch nicht gelöst werden können und an denen sie doch noch erstmal viel arbeiten müssen. Aber da können wir ihnen Hoffnung machen. Wir können ihnen sagen, dass Jesus sich um alles in ihrem Leben kümmert.
[23:46] Also, unter solchen Menschen befand sich jetzt auch der Gelähmte von Kapernaum. Dieser Gichtbrüchige hatte, gleich dem Aussätzigen, alle Hoffnung auf Wiedergenesung verloren. Das war ja auch noch eins, was wir – eine Geschichte, die wir auch noch hatten in der Lektion. „Seine Krankheit war die Folge eines sündhaften Lebens, und seine Leiden wurden durch Gewissensbisse vermehrt. Vergebens hatte er sich an die Pharisäer und Ärzte gewandt, ihn davon zu befreien. Stattdessen erklärten sie ihn für unheilbar, verurteilten ihn als einen Sünder und behaupteten, dass er unter dem Zorn Gottes sterben werde.“ Was für eine schlimme Reaktion! Und das könnt ihr euch merken: So erreicht man keinen Menschen mit dem Evangelium, wenn man wie diese Pharisäer und Ärzte reagiert. Die hatten erklärt, er wäre unheilbar, er wäre ein Sünder, und er müsse unter dem Zorn Gottes sterben. Aber die frohe Botschaft ist, dass Hilfe für jeden da ist. Klar, wir können nicht jedem zusichern, der als Kranker zu uns kommt, dass er auch wirklich gesund wird, aber wir dürfen ihn auf die Vergebung durch Jesus hinweisen.
[25:16] Ganz anders war es jetzt dann mit den Freunden, die wirkliche Freunde für den Gichtbrüchigen waren. Die versuchten, sich immer wieder durch die Menge zu drängen. Und als es vergeblich war, ist Folgendes passiert. Ellen White schreibt: „Der Kranke blickte in unaussprechlicher Qual um sich.“ Also, er hat jetzt um sich geschaut und geschaut: „Was, was kann ich jetzt noch machen? Wer kann mir helfen?“ „Wie konnte er die Hoffnung aufgeben, wenn die langersehnte Hilfe so nahe war? Er war ja schon fast bei Jesus, aber jetzt waren da so viele Menschen da.“ „Auf seine Bitten trugen ihn seine Freunde auf das Dach des Hauses, und indem sie dasselbe aufbrachen, ließen sie ihn zu den Füßen Jesu nieder.“ Sie haben ihn zu Jesus gebracht.
[26:16] Und vielleicht kannst du – vielleicht kannst du nicht deinen Bruder oder deine Ehefrau oder deinen Kollegen oder ob es irgendwelche Vorgesetzten sind, ob es die Eltern sind, ob es die Nachbarn sind, ob es der Straßenbahnführer ist – vielleicht kannst du sie nicht zu Jesus führen, vielleicht kannst du sie nicht in die Gemeinde reinzerren, aber auch wir können Menschen zu den Füßen Jesu bringen, indem wir für sie beten. Und das gilt nicht nur für die Menschen, die uns nahestehen, sondern das gilt vor allen Dingen für Menschen, die bedürftig sind, weil wir dürfen nicht vergessen, dieser Gichtbrüchige, der war ja eben von anderen als ein Sünder angesehen. Das war nicht so, dass man gerne mit dem aufgetaucht ist und gesagt hat: „Hey, wir sind seine Freunde.“
[27:19] hat. Hey, wir sind seine Freunde, dürfen wir uns vorstellen? Sondern das war eigentlich ein verachteter Mensch, aber sie haben ihn zu den Füßen Jesu niedergelegt. Und die Geschichte, ihr könnt das auch gerne in dem Leben Jesu nachlesen. Die ist sehr schön und sehr kraftvoll. Zeigt uns aber auch noch etwas Zusätzliches. Und zwar es war ja nicht so, dass die Freunde gesagt haben: „Du bist gelähmt, jetzt hab dich mal nicht so, komm, lass uns einfach so tun, als ob das nicht so wäre.“ Sie wussten von seiner Krankheit, sie haben seine Krankheit gesehen, und sie haben ihn da nicht stehen gelassen. Ein Extrem ist, dass wir andere kritisieren für den Zustand, in dem sie gerade sind, weil es ein sündiger Zustand ist. Ein anderes Extrem ist, dass wir ähm sie da gar nicht rausholen wollen. Und lass mich das jetzt noch genauer auf unser Thema übertragen. Es gibt auch manche, die zum Beispiel sagen: „Ja, die – ich nehme jetzt einfach mal wieder die Obdachlosen. Die Obdachlosen, das müssten sie doch gar nicht. Wir sind in einem Sozialstaat. Ähm, was machen die da?“ Oder wenn jemand drogenabhängig geworden ist: „Wie konnte er so weit kommen?“ Oder aber wenn jemand – ja, wir haben, wir kommen dann auch noch zu diesem Thema oder werden es streifen – mit den Immigranten: „Was machen die hier?“ Es gibt verschiedene Haltungen dazu, obwohl dann auch die Frage ist, wie wie christlich manche sind. Aber das wäre diese Art zu kritisieren. Das andere wäre zu sagen: „Es kümmert mich nicht, was mit dir ist, schau selber nach dir.“ So haben die Freunde auch nicht reagiert. Sie haben die Fehler und die Sünde und die Krankheit in dem Fall ernst genommen, aber nicht um darauf zu bohren, sondern um dem anderen zur Umkehr zu helfen.
[30:03] Ein guter Freund, der leugnet nicht, was an deinem Leben nicht passt. Ein guter Freund spricht mit dir darüber oder zeigt es dir, aber nicht mit der Intention, um dich zu kränken, sondern weil er dich dadurch näher zu Jesus bringen möchte. Und was sie noch getan haben an zweiter Stelle ist: Sie haben den Freund bis dahin gebracht. Das ist auch, was wir bei Jesus sehen. Er hat nicht einfach die Menschen gelassen, sondern er hat ihnen dazu verholfen, gesund zu werden. Kann für uns bedeuten, dass wir jemanden in unserem Umkreis haben, der Geldsorgen hat, zum Beispiel, oder der, der keine Arbeit hat, so, so in die Richtung. Und das kann für uns bedeuten, dass wir vielleicht auch mal mit ihm auf die Ämter gehen müssen, dass wir uns mal Zeit nehmen müssen, dass wir uns mal mit seinem Fall auseinandersetzen sollten. Denn auch dann – denn das ist ein Zeichen davon, dass wir wahre Freunde für ihn sind.
[31:18] Jetzt, wo sehen wir überhaupt Bedürfnisse heutzutage? Ähm, sind es nur die materiellen Bedürfnisse? Oder dann könnten wir ja sagen: „Ach, die Lektion, die ist diese Woche vielleicht nicht so für uns in Deutschland geeignet. Vielleicht ist das etwas, ja, weltweit, was die in Afrika, in Afrika mehr brauchen.“ Ähm, wir haben vielleicht hier vor unserer Haustür nicht so viel materielle Bedürfnisse, aber es sind Menschen trotzdem da. Die sind vielleicht einsam. Es sind Menschen, die sehnen sich nach der Wahrheit. Auch das ist ein Bedürfnis, und ich glaube, eins, dass wir als Gläubige, als Bibelstudenten, am besten stillen sollten. Es gibt Menschen, die sehnen sich danach, verstanden zu werden. Es gibt Menschen, die sehnen sich danach, Antworten auf verzweifelnde Fragen in ihrem Leben zu finden. Und dann sollten wir da sein. Diese Bedürfnisse können wir an sich nicht so sehr stillen, aber was wir tun können, ist: Wir bringen sie zu demjenigen, der sie stillen kann. Im Bild gesprochen wäre das so, wie wenn wir jemanden sehen, und wir hatten auch an einem Tag das Thema Verletzungen. Wenn wir jemanden sehen, der verletzt ist, aber wir können die Wunde nicht schließen, dann bringen wir ihn eben zum Arzt. Das können wir auf allen möglichen Ebenen tun, dass wir Menschen, denen wir persönlich nicht helfen können, dass wir sie zu Jesus bringen. Jetzt sind wir nicht ganz chronologisch vorgegangen, was die einzelnen Tage betrifft.
[33:16] Aber am Donnerstag den Vers wollen wir uns noch anschauen. Haben wir eine Aussage von Jesus, die wieder einen Freund beinhaltet. Und da heißt es in Johannes 15, Vers 13: „Größere Liebe hat niemand als die, dass einer sein Leben lässt für seine Freunde.“ Das bringt uns persönlich zu der Frage: „Wie viel bin ich bereit für andere zu geben, wenn ich Bedürftige als meine Freunde annehme? Wie viel bereit bin ich dann bereit für sie zu geben? Geht es nur so weit? Und dann zeigt sich auch wieder, welche Motivation dahinter steckt. Geht es nur so weit, dass ich sagen kann: „Ich komme ein paar Mal und geb dir etwas Brot und Wasser, und dann solltest du aber schon schauen, dass du selbst auf die Beine kommst. Und wehe, du gibst mir kein Danke zurück!“ Das ist jetzt ein bisschen übertrieben, aber manchmal erwarten wir etwas zurück, ohne dass wir schon bereit waren, bis ans Ende für jemand anderes zu gehen. Jesus hat das uns vorgemacht. Jesus hat uns gezeigt, was es bedeutet, wahre Liebe auszuüben. Und das heißt letztendlich ist die Frage nicht: „Will ich ein guter Missionar sein?“ Die Frage ist auch nicht: „Habe ich verstanden, was Mission ist?“ Die Frage ist auch nicht: „Habe ich etwas für Bedürftige übrig?“, sondern die Frage ist: „Habe ich wirklich Liebe zu Gott und zu meinem Nächsten?“ Und wenn das in meinem Herzen ist, dann können wir gar nicht anders, dann werden wir mit Menschen zusammenkommen und auch tolle Erfahrungen machen.
[35:35] Ich habe das mal eine Zeit lang erlebt. Da kamen – das war gerade zu der Zeit, als die großen Flüchtlingswellen in die, ja, nach Deutschland geströmt sind. Und da waren auch, da war ein Flüchtling, der hat seinen Freund mitgebracht in die Gemeinde. So haben wir einen Kontakt bekommen. Und dann gab es einen Bruder in der Gemeinde, der hat sich sehr gut um sie gekümmert. Der ist wirklich mit ihnen aufs Amt gegangen, der hat für sie etwas besorgt, wenn sie was gebraucht haben. Wir haben dann auch in der Gemeinde, ja, gut, gerade beim Gottesdienst, dann alles so übersetzt. Und dadurch ist eine Freundschaft gewachsen, dass der Freund, der eigentlich gar kein Adventist war, sogar mit in die Gemeinde gekommen ist. Und ich erinnere, ich erinnere mich noch, da muss ich mit einem Schmunzeln daran denken: Er hat sogar beim Potluck eine Colaflasche mitgebracht. So, so dankbar war er dann doch irgendwas zurückgeben zu wollen. Aber Freundschaft bedeutet auch, dass man bereit ist, noch einen Schritt und noch einen nächsten Schritt weiterzugehen. Und das hat in seiner Geschichte auch beinhaltet, ähm, dass ich eines Morgens die Nachricht bekommen habe: „Du, mir geht es gerade ganz schlecht.“ Ähm, sein, sein Aufenthaltstitel wurde hier nicht verlängert, weil er in einem anderen Land zuerst angekommen war in Europa. Und so ist in der Nacht die Polizei gekommen, hat ihn geweckt, und er ist ganz verzweifelt aus dem Land gebracht worden. Und ich kann mich noch erinnern, wie er damals schrieb: „Ich bin doch kein Verbrecher!“ War völlig verzweifelt. Aber selbst in so einem Moment können wir Christen da sein, und wir können diesen Menschen in Not dann sagen: „Bete, du hast einen Heiland, der dir hilft.“ Wir können für sie da sein, indem wir auch mit ihnen reden, indem wir auch sie mit uns reden lassen. Und das Wichtigste ist trotzdem, dass wir ihnen sagen: „Es gibt einen Heiland, es gibt auch Erlösung für dich.“ Ich glaube, das ist die größte Not. Lass mich das noch zum Schluss sagen.
[38:23] Einmal hat jemand gesagt: „Gott hat uns immer das gegeben, was wir gebraucht haben. Und Gott wusste, dass unsere größte Not nicht Geld war, sonst hätte er uns einen Bankfachmann gegeben. Gott wusste, dass unsere größte Not nicht Arbeit war, sonst hätte er uns einen Wirtschaftler gegeben. Gott wusste, dass unsere größte Not nicht die Gesundheit ist, sonst hätte er uns einen Arzt gegeben, einen Mediziner. Gott wusste, dass unsere größte Not auch keine wissenschaftliche Erkenntnis ist, sonst hätte er uns einen Wissenschaftler gegeben.“ Aber dann sagte diese Person: „Gott wusste, was unsere größte Not ist. Unsere größte Not ist Erlösung oder Vergebung. Und Gott hat uns einen Erlöser gegeben. Und genau das ist, was wir Menschen in Not weitergeben dürfen.“ Lasst uns zum Schluss noch gemeinsam beten.
[39:30] Unser Vater im Himmel, danke, dass du derjenige bist, der all unsere Nöte stillt. Vater, wir haben auch Bedürftige um uns herum, und ich bitte dich, dass du uns die Augen dafür öffnest, dass du uns die Bedürfnisse von unseren Mitmenschen sehen lässt. Herr, darum bitten wir Dich. Lass dein Wort in uns bleiben und uns so verändern, dass wir es nicht vorsätzlich tun, dass wir anderen helfen, nicht aus eigener Kraft heraus, sondern weil du es in uns bewirkst. Und wir wollen auch einmal auf der Seite von diesen Schafen vor dir stehen. Danke, Herr, dass du das für uns durch uns möglich machen willst. Danke, Herr, dass du dich um die Notleidenden um uns herum kümmerst und uns dazu benutzt, dass sie von dir Hilfe bekommen können.
Lizenz
Copyright ©2023 Joel Media Ministry e.V.Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.