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Manuskript: CSH_2012_Q2_Folge13.pdf

In dieser Lektion der Cannstatt Study Hour blickt Christopher Kramp auf das Thema Evangelisation und Zeugnisgeben zurück. Er erklärt anhand biblischer Beispiele, wie das Reich Gottes wächst und wie wichtig ein fortwährender Dienst ist. Dabei werden die Gleichnisse vom Senfkorn und dem großen Baum beleuchtet, um die Kraft des Wachstums und die Ausbreitung des Reiches Gottes zu verdeutlichen. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Gespräch Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen, das als Musterbeispiel für persönliche Begegnungen und das Erkennen tiefster menschlicher Bedürfnisse dient.

In dieser Lektion der Cannstatt Study Hour blickt Christopher Kramp auf das Thema Evangelisation und Zeugnisgeben zurück. Er beleuchtet die Bedeutung eines fortwährenden Dienstes und vergleicht das Reich Gottes mit einem wachsenden Senfkorn, das trotz kleinem Anfang zu etwas Großem heranwächst. Anhand des Beispiels von Jesus und der Samariterin am Brunnen werden praktische Schritte für das Zeugnisgeben aufgezeigt, wie das Eingehen auf menschliche Bedürfnisse und das Überwinden von Vorurteilen und Traditionen.


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Serie: Cannstatt Study Hour 2012 Q2: Evangelisation und Zeugnisgeben

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Transkript

[1:00] Hallo und herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour, zu unserer letzten Folge in diesem Quartal, wo wir uns drei Monate lang mit dem Thema Evangelisation und Zeugnisgeben beschäftigt haben. Wenn man so an den Schluss kommt, dann ist man ein klein wenig wehmütig, nicht wahr? Wir bereiten uns vor auf das Bibelgespräch am 30. Juni, aber die gute Nachricht kommt gleich auf den Fuße, denn wir werden natürlich das nächste Quartal auch hier gemeinsam bestreiten. Wir werden uns in den nächsten drei Monaten dann sehr intensiv mit zwei Briefen des Neuen Testaments befassen, nämlich mit dem ersten und dem zweiten Brief an die Thessalonicher. Und da werden wir auch wieder Vers für Vers hindurchgehen, ähnlich wie wir das im letzten Jahr mit dem Galaterbrief gemacht haben. Und da kann ich euch schon versprechen, dass wir dann, ich freue mich jetzt schon darauf, und ihr solltet die Gelegenheit nutzen, gleich von Anfang an dann dabei zu sein, dieses Studium über die Thessalonicher gemeinsam mit uns hier zu machen und diesen Vers-für-Vers-Kommentar dann zu erleben.

[2:10] Jetzt aber wollen wir noch einmal einen letzten Blick hineinwerfen in das Thema der Mission, Evangelisation und Zeugnisgeben. Und natürlich soll, auch wenn heute das Thema im Quartal mit unserem Lektionsheft abgeschlossen ist, das nicht dazu führen, dass wir jetzt nicht mehr über Missionen nachdenken. Und deswegen heißt das Thema auch so passend: Ein fortwährender Dienst. Wir wollen, auch wenn dieses Quartal beendet ist, auch wenn wir uns im nächsten Quartal dann mit neuen Themen beschäftigen, weiter diese Prinzipien anwenden, die wir in den letzten drei Monaten gelernt haben. Und so wollen wir noch einmal einige Dinge zusammenfassen und darauf achten, wie wir diese Prinzipien in unseren Gemeindealltag, in unser Glaubensleben für die Zukunft hinein verpflanzen können, sodass sie immer weiter gehen. Denn Gott möchte Mission nicht als ein Ereignis oder als einen Prozess sehen, sondern Gott möchte, dass Mission ein Zyklus ist, der immer wieder sich wiederholt und immer weiter geht und, wie gesagt, einen fortwährenden Dienst darstellt.

[3:12] Unser Merkvers der findet sich diese Woche in Lukas 13, Lukas 13 und dort Vers 18 und 19. Jesus sagt hier: „Wem ist das Reich Gottes gleich und womit soll ich es vergleichen?“ Nun, diese Frage hat Jesus öfter gestellt, nicht nur zwei Verse weiter, wo es genauso heißt: „Und wiederum sprach er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen?“ Man hat fast den Eindruck, dass Jesus immer mal Schwierigkeiten hat, dieses Unglaubliche, dieses Unfassbare des Wortes Gottes, des Reiches Gottes so mit Gleichnissen darzustellen, dass wir es greifen können. Das ist manchmal besonders, wenn man sich fragt, ja, wie soll ich es eigentlich nur vergleichen? Wie kann ich es euch darstellen? Und dann aber findet er natürlich wunderbare Gleichnisse, wunderbare Illustrationen, die uns Prinzipien verdeutlichen, anhand deren wir das Reich Gottes verstehen können. Und er sagt hier weiter, in Vers 19: „Es gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm, in seinen Garten warf, und es wuchs und wurde zu einem großen Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen.“ Das heißt, das Reich Gottes, und das wird hier sehr deutlich, ist angelegt auf Wachstum. Es mag vielleicht mit so wenig beginnen, aber kann sich so sehr ausbreiten, so wie ein kleines Samenkorn zu so einem großen Baum werden kann und dann auch eine Herberge sein kann für andere, nämlich für die Vögel des Himmels. Gott möchte uns lehren, dass, auch wenn wir mit nur wenig beginnen und vielleicht in einem sehr engen oder begrenzten Radius für ihn wirken können, dass im Reich Gottes diese Kraft ist, sich stark auszubreiten und weiterhin sichtbar zu werden. Das ist sozusagen, wie die Kraft des Baumes bereits im Samenkorn drin ist, so ist auch die Kraft zur Ausbreitung, zur Expansion in diesem kleinen Senfkorn des Reiches Gottes enthalten.

[5:18] Interessanterweise gibt uns Matthäus in seinem Parallelbericht noch ein kleines Detail in Matthäus 13, und dort Vers 31 und 32. Matthäus 13, das ist ja das Kapitel mit den sieben Gleichnissen, und eines dieser Gleichnisse ist hier dieses Gleichnis vom Senfkorn. Es heißt in Vers 31: „Ein anderes Gleichnis legte er vor und sprach: Das Reich der Himmel gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm oder auf seinen Acker säte. Dieses ist zwar unter allen Samen das kleinste, wenn es aber wächst, so wird es größer als die Gartengewächse und wird ein Baum, so dass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.“ Also ist hier nicht nur der Gedanke enthalten, dass ein kleines Samenkorn groß wird, nein, der Gedanke geht noch tiefer. Jesus sagt: Das kleinste Samenkorn kann zum größten Gewächs werden. Mit anderen Worten: Derjenige, der am wenigsten weiß, von der Bibel zum Beispiel, kann am meisten erreichen. Die Gemeinde mit den geringsten Ressourcen kann den größten Einfluss haben. Wie wir es auch drehen und wenden, Jesus zeigt, dass Gott in der Lage ist, mit dem kleinsten, dem winzigsten, dem schmalsten, die größten Erfolge zu erzielen, wenn sie nach den Prinzipien des Reiches Gottes arbeiten.

[7:02] Dieses Senfkorn ist das kleinste. Und so scheint es auch, dass die Bemühungen um die Wahrheit, um die biblische Wahrheit, sehr, sehr begrenzend im Vergleich zu den Bemühungen, mit denen Menschen versuchen, den Irrtum in die Welt hinauszubringen. Wenn wir unsere bescheidenen Bemühungen vergleichen, das Evangelium in die Welt zu tragen, mit all den anderen Evangelien, die, wo Wahrheit und Irrtum vermischt sind, die in die Welt hinausposaunt werden, wenn wir das vergleichen mit all den anderen Irrtümern und Verführungen, mit denen die Welt förmlich überflutet wird, dann können wir den Eindruck gewinnen, oder bekommen wir den Eindruck, dass unsere schwachen Bemühungen wie so ein kleines Senfkorn sind. Was bringt es schon, wenn ich mit meinem Nachbarn rede? Was bringt es schon, wenn ich ein paar Bücher in der Einkaufszone verteile? Was bringt es, wenn ich zu einem Vortrag einlade und da sitzen vielleicht fünf oder sechs Leute? Es scheint so, als ob unsere Bemühungen um das Reich Gottes so dieses kleine Samenkorn sind, dass auch im Vergleich zu allen anderen Körnern noch viel kleiner sind. Das Kleinste. Aber auch wenn man vielleicht die kleinste Gemeinde ist, die wenigsten Ressourcen hat, das wenigste Wissen, kann Gott, wenn es im Glauben geschieht, Resultate hervorbringen, die alles andere buchstäblich in den Schatten stellen. Denn das Reich Gottes hat in sich diese Kraft. Und das wollen wir nicht vergessen, wenn wir darüber nachdenken, dass Missionen und Zeugnis geben, ein fortwährender Dienst sind, wenn man weitergeht. Es mag aussehen, als ob es sehr, sehr klein ist, aber Gott verspricht, am Ende wird die Ernte überwältigend sein.

[8:42] Und dass Gottes Reich auf Wachstum angelegt ist, das wissen wir auch aus Markus 4 und dort Vers 26. Wir können es einfach nochmal aufschlagen, um das hier zu sehen. Dort heißt es in Markus 4, Vers 26: „Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch den Samen auf die Erde wirft.“ Und dann in den nächsten Versen, in Vers 27 heißt es: „Und schläft und steht auf, Nacht und Tag, und der Same keimt und geht auf, ohne dass er weiß. Denn die Erde trägt von selbst Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, und dann den vollen Weizen in der Ähre. Wenn aber die Frucht es zulässt, schickt er sogleich die Sichel hin, denn die Ernte ist da.“ Missionen, Evangelisation und Zeugnis geben, sind auf Wachstum angelegt, und nur wenn wir fortwährend dienen, nur wenn wir fortgesetzt arbeiten, nur wenn wir kontinuierlich missionieren, nur dann wird die Ernte reifen. Es ist so wichtig, immer weiter zu machen, sich von Niederschlägen und Niederlagen, sich nicht entmutigen zu lassen. Immer weitermachen, immer weitermachen, immer weitermachen, und sei es auch so klein, weitermachen, fortwährend dienen, und die Frucht wird aufgehen.

[10:02] Dieses Bild vom Baum, von diesem großen Baum, das Jesus dort verwendet, in Lukas und in Matthäus 13, wo sich die Vögel einnisten, ist interessanterweise eine Parallele zu einer alttestamentlichen Geschichte. Und diese alttestamentliche Geschichte, die finden wir in Daniel 4. Es ist hier die Geschichte von Nebuchadnezzar, eine sehr interessante Geschichte, der eine weitere Vision hat, nach der in Kapitel 2, und wo er einen Baum sieht. In Daniel 4, Vers 8 und 9 heißt es: „Der Baum war groß und stark, und sein Wipfel reichte bis an den Himmel. Und er war bis ans Ende der ganzen Erde zu sehen. Sein Laub war schön und seine Frucht reichlich, und Nahrung für alle fand sich an ihm. Unter ihm suchten die Tiere das Fell des Schattens, und die Vögel des Himmels wohnten in seinen Zweigen, und von ihm nährte sich alles Fleisch.“ Dieser Baum ist ganz ähnlich zu dem Baum, der beschrieben wird in Lukas 13 und in Matthäus 13. Und jetzt achten wir auf die Erklärung, die Nebuchadnezzar bekommt. Wir haben leider nicht die Zeit, das ganze Kapitel auszulegen. Wir lesen in Vers 19: „Dieser Baum bist du, o König, der du so groß und stark geworden bist, und dessen Majestät so groß ist, dass sie bis zum Himmel reicht, und eine Herrschaft bis ans Ende der Erde.“ Jetzt ist dieser entscheidende Punkt, den wir hier bemerken wollen: Dieser Baum in der Bibel steht für Weltherrschaft, für ein Weltreich. Und wir wissen aus der Prophetie, aus Daniel 2 und aus Daniel 7, dass Babylon das erste Weltreich war, gefolgt von Medopersien, Griechenland, Rom und dann dem päpstlichen Rom.

[11:50] Wenn also Jesus das Reich Gottes als ein kleines Senfkorn darstellt, das aber am Ende, ganz am Ende, zu einem großen Baum wird, dann drückt er damit aus, dass dieses Reich Gottes, das jetzt so spärlich hier und dort verteilt wird, wo man fast den Eindruck hat, wir machen kaum einen Unterschied, wir sind fast nicht wirklich relevant für die Gesellschaft, dass dieses Reich Gottes tatsächlich zu einem Weltreich werden wird. Und das steht nicht im Sendemanuskript, aber Daniel spricht darüber in Daniel 2. In Daniel 2 heißt es im Vers 44: „Aber in den Tagen jener Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das in Ewigkeit nicht untergehen wird, und dieses Reich wird keinem anderen Volk überlassen werden, es wird alle jene Königreiche zermalmen, also die Babylonier, die Medoperse, die Griechen, die Römer und auch das päpstliche Rom und ihnen ein Ende machen. Es selbst aber wird in Ewigkeit bestehen.“ Das Reich Gottes wird am Ende, wenn die Ernte kommt, wenn der Same gereift ist, wenn die Frucht gereift ist, wird es zu einem Weltreich werden. Und wenn Jesus wiederkommt und wenn dann die Erde nach den 1000 Jahren vom Feuer gereinigt wird, dann wird die gesamte Erde erfüllt sein von der Gerechtigkeit Gottes. Gott wird unter seinem Volk wohnen und das müssen wir vor Augen haben.

[13:18] Wir müssen vor Augen haben, dass das Buch, das ich weitergebe in der Straßenbahn, vielleicht nur ein kleines Senfkorn ist. Dass das Traktat, das wir in der Fußgängerzone den Menschen weiterreichen, oder dass das Gespräch mit meinem Arbeitskollegen am Arbeitsplatz, dass das alles nur schmale, kleine, scheinbar nicht besonders signifikante Bemühungen sind, wie ein Senfkorn. Dass aber all das ultimativ dahin führt, dass einmal die gesamte Erde neu geschaffen zum Wohnort Gottes wird. Gott wird unser Gott sein. Er wird bei uns wohnen und wir werden sein Volk sein. Und das Reich Gottes wird die ganze Welt umfassen, wie dieser Baum. Dann wird nicht mehr der Baum von Babylon die Welt regieren, sondern der Baum des Reiches Gottes. Gott wird sein Reich aufrichten und wir müssen verstehen, dass wir jetzt die Senfkörner legen, damit dieser Baum wachsen kann.

[14:20] Und manche verstehen das falsch und sie glauben, das Reich Gottes wird hier jetzt mitten in dieser sündigen Gesellschaft schon endgültig aufgerichtet und das Reich Gottes besteht nur darin, einfach ein Salz zu sein für die Gesellschaft und einfach relevant ihnen Liebe zu zeigen. Und das ist auch alles gut und schön. Aber das Ziel von Evangelisation und Zeugnis geben, auf das der fortwährende Dienst hinweist und hinführt, das Ziel ist, dass Gott ein Weltreich etabliert. Ein Weltreich, in dem er selbst regiert, in dem Jesus regiert. Ein Weltreich, in dem das Gesetz Gottes der Maßstab seiner Regierung ist. Und auf dieses Weltreich wollen wir Menschen vorbereiten. Wir wollen sie vorbereiten, dass sie bereit sind, dort leben zu können und leben zu wollen. Das ist der ganze Sinn von Evangelisation und Zeugnis geben. Nicht einfach nur einen Auftrag ausführen, nicht einfach nur die Begeisterung ein bisschen weitergeben, sondern Menschen vorbereiten, dass dieses Weltreich aus Daniel 2, dieses letzte Weltreich, das nicht vergehen wird, dass es hier tatsächlich seinen Platz haben kann.

[15:24] Wollen wir noch einmal, gleichsam wie eine Zusammenfassung, uns in Johannes 4 einige der entscheidenden Schritte anschauen, wie ich Zeugnis geben kann. Und natürlich wollen wir dabei unseren Meisterevangelisten und Meisterbibelarbeiter Jesus studieren. Niemand konnte so Menschenherzen gewinnen wie Jesus. Und wir wollen gemeinsam einige Schritte hier anschauen in dem berühmten Kapitel Johannes 4, wo Jesus diese Frau trifft. Eines der besten Beispiele für 1 zu 1 Missionen, für das Gespräch auf der Straße, am Arbeitsplatz oder im Treppenaufgang. Wo immer wir uns befinden, diese Methoden, die wir hier finden, sind immer relevant. Schauen wir gemeinsam ab Vers 7. Es heißt hier: „Da kommt eine Frau aus Samaria, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken.“ Also Jesus begegnet einer Frau dort, wo sie ist. Und er beginnt das Gespräch, er beginnt es offensiv. Er sagt nicht: „Naja, warte mal, ob die Frau mich anspricht, dann würde ich dir vielleicht was über meinen Glauben sagen.“ Nein, er beginnt offensiv. Und das ist eine erste Hürde für manche von uns, ein Gespräch offensiv zu beginnen. Wir müssen auf die Leute hinzugehen. Die Leute werden in allerwenigsten Fällen zu uns kommen und uns fragen, was wir glauben. Und Jesus beginnt das Gespräch nicht, indem er sagt: „Ich möchte mit Ihnen über Gott sprechen.“ Er beginnt das Gespräch mit einem scheinbar nicht geistlichen Ansatz, aber der direkt mit der Lebenssituation der Frau zu tun hat. Er fragt sie: „Kann ich etwas zu trinken haben?“ Ein alltägliches Thema, naheliegend und so geeignet, sofort jetzt eine Konversation in Gang zu setzen.

[17:08] Nun, die Frau hat durchaus ihre Vorurteile, schauen wir in Vers 9. „Nun spricht die samaritische Frau zu ihm: Wie bittest du als ein Jude von mir etwas zu trinken, da ich doch eine samaritische Frau bin? Die Juden haben keinen Umgang mit den Samaritern.“ Und das ist etwas, was uns oftmals entgegenspringt, dieses Misstrauen, dieses Vorurteil. „Möchtest du mich bekehren? Warum sprichst du mit mir? Lass mich doch einfach in Ruhe hier in meiner S-Bahn sitzen.“ Wann immer wir Menschen ansprechen, kann das passieren, dass Leute so eine Barriere haben, aus den unterschiedlichsten Gründen. Und deswegen ist es interessant, Jesus zu studieren, weil auch Jesus mit diesen Dingen zu tun hat und Jesus diese Dinge überwunden hat. Und wir wollen sehen, wie er es überwunden hat. Und wir sehen das, wie er in Vers 10 dieses Vorurteil überwindet, indem er jetzt von dem Profanen, von dem Alltäglichen, ganz sachtlich hinüberwechselt in das Geistliche und dabei ein Angebot macht. Schauen wir uns das in Vers 10 an. Er sagt: „Wenn du die Gabe Gottes erkennen würdest und wer der ist, der zu dir spricht, gib mir zu trinken, so würdest du ihn bitten und er gebe dir lebendiges Wasser.“ Er kreiert so ein bisschen Neugier. Er sagt: „Wenn du wüsstest, wer hier mit dir spricht, du würdest das und das machen. Du glaubst gar nicht, wer hier mit dir spricht. Es ist so ein interessantes Angebot, was ich dir anzubieten habe.“ Und dabei lenkt er das Gespräch sozusagen vom buchstäblichen Wasser zum geistlichen Wasser.

[18:32] Nun, die Frau hat das nicht gleich ganz begriffen. Das können wir daran sehen, dass sie in Vers 11 fragt: „Herr, du hast ja keinen Eimer und der Brunnen ist tief. Woher hast du denn das lebendige Wasser?“ Und so werden auch Menschen, wenn wir mit ihnen versuchen, über geistliche Dinge zu reden, das oftmals nicht gleich verstehen. Gerade diese Übergangsphase vom alltäglichen zum geistlichen, da Menschen oftmals kein wirklich geistliches Unterscheidungsvermögen haben, begreifen sie das nicht gleich. Aber Jesus kann damit umgehen und Jesus findet den Weg. Aber er hat noch ein Hindernis, was er hier umgehen muss, und zwar in Vers 12. Dort fragt die Frau noch dazu: „Bist du größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben hat und selbst daraus getrunken hat, samt seinen Söhnen und seinem Vieh?“ Nicht nur hat die Frau noch nicht ganz begriffen, worauf Jesus eigentlich hinaus will, nein, sie nimmt einen Schritt zurück, geht auf ihre angestammte Position der Tradition. Und das ist etwas, was viele Menschen tun, wenn sie mit neuen Ideen und neuen Konzepten konfrontiert werden. Sie sagen: „Das ist ja schön und gut, aber meine Kirche sagt, oder meine Weltanschauung hat mich Folgendes gelehrt, oder ich bin so groß geworden, oder wir machen das so, oder ich habe das so und so studiert, und das ist jetzt meine Meinung.“ Menschen sind relativ zögerlich, wenn es darum geht, neue Ideen, neue Konzepte anzunehmen, insbesondere dann, wenn sie eine starke, traditionelle Meinung haben. Und Jesus war also nicht nur mit Vorurteilen konfrontiert, Jesus war auch damit konfrontiert, dass die Menschen, die er erreichen wollte, dass sie in Tradition gebunden waren und der Meinung war, dass ihre persönliche Tradition, in der sie groß geworden sind, dann die beste war. Sie fragt ja: „Bist du größer als unser Vater Jakob?“ Und das ist natürlich selbstverständlich immer der Fall, dass Menschen, die an Tradition festhalten, der Meinung sind, dass ihre Tradition die beste ist. Und auch wir, wenn wir mit Menschen über Jesus reden, werden auf diese Dinge stoßen. Wir werden darauf stoßen, dass Menschen Vorteile haben und dass Menschen an Tradition gebunden sind, so wie sie aufgewachsen sind, so wie sie gelehrt worden sind, so wie es ihnen beigebracht worden ist.

[20:38] Schauen wir gemeinsam, wie Jesus darauf antwortet. Vers 13 und 14. Jesus geht nicht direkt auf das Vorurteil ein. Er spricht mit keiner Silbe an, dass ja, eigentlich gibt es hier eine Trennung zwischen Juden und Samaritern. Er geht auf diesen Punkt überhaupt nicht ein. Er fängt auch nicht an, die Tradition, in der die Frau groß geworden ist, zu hinterfragen. Er hätte ja fragen können: „Nun, meinst du nicht, dass Jesaja genauso groß war wie Jakob?“ Das hätte man tun können. Man hätte die Tradition ein bisschen versuchen können zu hinterfragen und da ein bisschen dran zu rütteln. Aber Jesus hat einen ganz anderen Ansatz. Als er konfrontiert wird mit Vorurteilen und als er konfrontiert wird mit Traditionen und etwas, womit wir uns sehr gut identifizieren können, denn wir erleben das Gleiche in Evangelisation und Zeugnisgeben, da hat Jesus einen dritten Ansatz gehabt, einen dritten Weg. Er hat erkannt, was das eigentliche tiefe Bedürfnis der Person selbst ist und hat genau darauf Bezug genommen. Nun, wir kennen die Geschichte, wir wissen, diese Frau hatte eine ganze Reihe von Männern gehabt. Das heißt, ihre persönliche Erfahrung war davon geprägt, dass sie sich einem Mann hingegeben hat, der sie vielleicht entweder verlassen hat oder es ging in die Brüche oder was auch immer und sie dann wieder ja, in ein emotionales Loch gefallen ist, dann sich wieder hingegeben hat und wieder in ein Loch gefallen ist und wieder hingegeben hat. Das heißt, wonach sie sich gesehnt hat, tief in ihrem Herzen, was ein Bedürfnis für sie war, was sie bisher noch nie erlebt habe, war Stabilität. Endlich mal etwas haben, was nicht gleich wieder aufhört. Das war ihr tiefes inneres Bedürfnis, auch wenn sie das vielleicht selbst so realisiert hat, aber danach hat sie sich gesehnt. Nicht immer diese Erfahrung von Glück, Trauer, Glück, Trauer, sondern ein beständiges Glück. Und Jesus wusste das, Jesus erkannte das und deswegen sagte zu ihr in Vers 13 und 14: „Jesus antwortete und sprach zu ihr: Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten. Er wird trinken und dann wird er irgendwann wieder Bedürfnis haben, er wird, dieses Wasser wird nicht ihn stabil satt halten, aber, wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das bis ins ewige Leben quillt.“

[23:14] Diese Frau hat nach Liebe gesucht, von einem Mann zum nächsten und ist immer enttäuscht worden und Jesus spielt jetzt so ein bisschen darauf an, dass er sagt, wenn du hier von diesem Wasser trinkst, dann wird das nicht auf Dauer sein, du wirst wieder enttäuscht sein und irgendwann wirst du wieder durstig. Aber von dem Wasser, das ich dir geben werde, wirst du niemals enttäuscht. Du wirst danach nie wieder durstig sein, wenn du von diesem Wasser trinkst. Dieses Wasser verleiht dir Stabilität, genau das, wonach du dich sehnst, das ewige Leben, das Leben mit Gott. Es ist die Antwort auf das tiefste Bedürfnis in deinem Herzen. Und liebe Freunde, wenn wir Menschen erreichen wollen, müssen wir verstehen, was ihr tiefstes Bedürfnis ist, wonach sie sich sehnen. Wenn wir das verstehen, dann können wir ihnen helfen, dann können wir ihnen Jesus so erklären und so zeigen, dass es sie packt.

[24:10] Diese Frau war gepackt, sie war begeistert. Woher wissen wir das? Wir wissen das daher, dass in Vers 15 plötzlich geistliches Interesse hervorspringt aus ihren Augen sozusagen. Sie sagt: „Die Frau spricht zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich nicht dürste und nicht hierher kommen muss, um zu schöpfen.“ Sie sehnt sich nach diesem Angebot, das Jesus ihr macht, auch wenn sie vielleicht das nicht bis ins Letzte versteht, um was es wirklich geht. Sie sehnt sich danach, sie weiß, Jesus hat etwas anzubieten, was sie selbst nicht haben kann. Alles, was sie mit ihrer eigenen Kraft hervorholen kann, wird sie immer wieder enttäuschen, wird sie immer wieder durstig zurücklassen. Aber Jesus kann ihr etwas geben, was keine eigene Kraft kann. Und genau so ist es mit dem Evangelium. Wann immer wir aus eigener Kraft versuchen, unsere Probleme zu lösen, werden wir enttäuscht sein. Aber Jesus kann uns dauerhaft die Probleme lösen.

[25:10] Und dann hat Jesus jetzt eine heikle Aufgabe. Jesus hat es geschafft, ein geistliches Interesse zu erwecken. Das war der erste wichtige Schritt. Trotz der Vorurteile, trotz der engen Traditionsverwurzelungen dieser Frau, hat es geschafft, ein geistliches Interesse zu erwecken und hat es geschafft, sie an den Punkt zu bringen, dass sie tatsächlich sich danach sehnt, was Jesus anzubieten hat. Aber jetzt kommt der nächste Schritt. Damit sie wirklich versteht, was Jesus für sie tun kann, muss sie verstehen, dass sie wirklich Hilfe braucht, dass ihr bisheriges Leben so vor Gott nicht bestehen kann, dass sie eine Sünderin ist und dass Sünde zum Tod wird. Sie muss etwas verstehen von der Sündhaftigkeit der Sünde. Ihr Herz muss gebrochen werden. Und Jesus sucht einen sehr taktvollen, liebevollen Weg, damit sie selbst versteht, dass ihr bisheriges Leben nicht so weitergelebt werden kann, wenn sie dieses Angebot Jesu, das ewige Leben, dieses lebendige Wasser zu sich nehmen möchte.

[26:22] Jesus sagt zu ihr, Vers 17: „Geh hin, rufe deinen Mann und komm her.“ Jesus wusste, dass das das Problem war. Aber auf diese Art und Weise hat sie die Gelegenheit, nachzudenken. Indem Jesus ihr das Original, den originalen Plan Gottes zeigt, wird umso deutlicher, wie weit sie vom originalen Plan Gottes abgewichen ist. Und wann immer wir zu Jesus kommen, wird er uns auch zeigen, was sein originaler Plan gewesen ist. Wir werden unsere Missetaten, unsere Fehler in ihrem wahren Licht sehen. Wir werden erst wirklich erkennen, was wir versäumt haben. Und Gott macht das, indem er uns zeigt, was sein ursprünglicher Plan war, was das Ideal für uns ist. Und das wird natürlich ausgedrückt in den Zehn Geboten. Gott zeigt uns, was hätte sein können und wir erkennen, wie weit wir vom Maßstab abgeirrt sind. Und durch das Gesetz, sagt uns die Bibel, kommt Erkenntnis der Sünde. Denn die Bibel sagt ja in 1. Johannes 3,4, dass Sünde die Übertretung des Gesetzes ist. Also muss Gott uns zeigen, was das Original war, was sein Plan war, wie es hätte sein sollen, damit wir erkennen, wie sündhaftig. Die Sünde des Paulus spricht auch darüber, dass er sagt, dass er nur durch das Gesetz erkannte, wie sündhaftig er eigentlich war.

[27:56] Gottes Plan war es gewesen, dass Mann und Frau zusammenbleiben für immer, dass sie heiraten und dass ein Mann eine Frau haben sollte. Und Jesus, indem er diese Formulierung wählt, zeigt außerdem, dass er ein Vertrauen daran hat, dass Menschen eigentlich natürlich dem Original folgen wollen. Er sagt nicht: „Naja, du wirst ja sowieso nicht nur einen Mann gehabt haben, sondern er…“ Und obwohl es vielleicht eine sehr schmerzhafte Erfahrung für die Frau ist, gleichzeitig eine sehr heilsame, denn es zeigt, dass Jesus immer davon ausgeht, dass wir eigentlich das Gute wollen. Er möchte, er kommt zu uns mit Hoffnung, mit Vertrauen und möchte dadurch Vertrauen und Hoffnung in uns erwecken.

[28:52] Es heißt weiter, in Vers 17, die Frau antwortete und sprach: „Ich habe keinen Mann.“ Nun, hier sehen wir, wie schwierig es ist, die eigene Sünde zuzugeben. Wir sehen, wie schwierig es ist, selbst dann, wenn Jesus uns deutlich gezeigt hat, was eigentlich unser Fehler ist. Wir sehen, wie einfach uns der Weg erscheint, irgendwie das geringer zu halten, den Schaden, als es eigentlich ist. Wir möchten so gern unsere Sünde so klein wie möglich reden. Aber Jesus sieht tiefer ins Herz. Und auch wir, wenn wir Menschen Jesus nahe bringen, müssen sie zu dem Punkt bringen, dass sie wirklich erkennen, was in ihrem Leben passiert ist. Dass Menschen ehrlich mit sich sind und sich nicht selbst betrügen. Niemand hat etwas davon, wenn er begeistert ist von Jesus, aber seine eigenen Sünden verbirgt und nicht zu Jesus bringt. Er wird dann vielleicht ein Glied in der Gemeinde sein, aber ist dann kein bekehrter Mensch. Und wir müssen Menschen zu einer echten Herzensbekehrung führen. Dass sie gebrochen, zerbrochen, am Felsen Christus zerschellt sind, damit sie geheilt werden können. Dass das Ich, dieses so starke Ding im Herzen, gebrochen wird.

[30:22] Es heißt dort in Vers 17, Jesus spricht zu ihr: „Du hast recht gesagt. Ich habe keinen Mann.“ Jesus tadelt sie nicht. Er sagt nicht: „Nein, nein, nein. Das war eine Lüge.“ Er bestätigt das, was man bestätigen kann. Er sagt: „Ja, du hast recht gehabt.“ Aber er führt sie weiter zu dem Punkt, den sie vermeiden wollte. Aber Jesus tadelt sie nicht, sondern er bestätigt das, was er bestätigen konnte. „Du hast ja recht mit dem, was du sagst.“ Und manchmal machen wir den Fehler, dass jemand vielleicht nur die Hälfte der Wahrheit sagt und die andere Hälfte verschweigt. Aber statt, dass wir ihn zumindest einmal bestätigen, dem, was er richtig gesagt hat, wir ihn einfach gleich zunichte machen und sagen: „Ja, das war falsch, was du gesagt hast.“ Wenn immer es möglich, sollten wir bestätigen, was der andere gesagt hat. Und Jesus hat all dem zugestimmt, dem er zustimmen konnte. So stimmte er dieser Tatsache zu: „Du hast recht, du hast keinen Mann.“ Aber liebe Frau, lass uns noch ein bisschen tiefer schauen. Denn die Wahrheit ist: Deine fünf Männer hattest du und den, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Und das ist schmerzhaft, aber es ist notwendig. Jesus führt in Liebe die Person zum Spiegel und sagt: „Das bist du!“ Und das bist du! Und es ist nicht einfach, einem Menschen deutlich zu machen, dass sein Leben, so wie es bisher verlaufen ist, nicht nach dem Willen Gottes gewesen ist, aber es ist notwendig. Es bringt nichts davon, es bringt nichts, wenn wir einfach den Menschen nur sagen: „Jesus, ein so toller Gott, möchtest du ja auch mit in Gottesdienst kommen und anbeten?“ Wenn ein Mensch nicht wirklich zerbrochen ist, am Felsen Jesus Christus, wozu dann Evangelisation und Zeugnis geben? Menschen sollen sich bekehren.

[32:18] Und Jesus hat zum richtigen Zeitpunkt, an der richtigen Stelle, als das geistliche Interesse da war, als der Wunsch da war, Jesus zu folgen, sich nicht gescheut, liebevoll, taktvoll, indem er so viel wie möglich zugestimmt hat, doch die Nadel an den richtigen Punkt zu setzen. Das Wort Gottes ist ein zweischneidiges Schwert, es durchdringt die Seele und das Mark und Bein. Lesen wir weiter in Vers 19. „Die Frau spricht zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.“ Sie versucht natürlich jetzt ein bisschen abzulenken, indem sie jetzt das Gespräch von diesem direkten, persönlichen Problem, das sie hat, von der Sünde, hinweg lenkt auf eine theologische Streitfrage, über die man wunderbar debattieren kann, nämlich in Vers 20: „Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet und ihr sagt, Jerusalem sei der Ort, wo man anbeten soll.“ An dem Punkt, wo sie merkt, dass jetzt eine Entscheidung fällen muss, wo Jesus ihr ins Herz schaut, versucht sie wieder, sich zurückzuziehen auf eine „Wir sind hier, ihr seid dort“ Debatte. „Wir glauben das, ihr glaubt das, jetzt lasst uns mal die Argumente checken.“ Und das machen wir sehr gerne. Und das machen auch Menschen gerne, die überzeugt sind, dass sie eigentlich eine Entscheidung für Jesus fällen wollen. Sie wollen anfangen, dann Argumente auszuchecken und sagen: „Okay, ja, aber der sagt das und der sagt das und jetzt lasst uns mal darüber diskutieren, eine Debatte haben.“ Oftmals, nicht immer, es gibt auch Leute, die wirklich ernsthaft sich mal für die Wahrheit interessieren, das alles wissen wollen, aber oftmals sind dieses, naja, ich habe gehört hier und auf der Internetseite habe ich gelesen und kann darüber nochmal sprechen, also ich weiß nicht so genau. Oftmals sind das nur Ausreden dafür, dass ein Mensch eigentlich tief in seinem Herzen getroffen ist und diese Entscheidung, die eigentlich fällen muss, ein bisschen hinausschieben möchte.

[34:06] Und schauen wir interessanterweise, was Jesus macht. Jesus geht auch darauf ein. Und es ist so interessant zu sehen, wie er diese theologische Streitfrage behandelt. Statt sich jetzt, wie von der Frau unbewusst vorgeschlagen, auf seine Seite zu ziehen und zu sagen: „Okay, ihr seid auf der Seite, ich bin auf der Seite, jetzt lasst uns kämpfen, theologisch“, schafft er es, diese theologische Frage zu beantworten, richtig zu beantworten, ohne Kompromisse und trotzdem nicht in einen Grabenkampf zu gelangen, sondern die Frau weiterhin auf seiner Linie, seiner Gedankenlinie zu halten, um sie dahin zu führen, dass sie eine persönliche Entscheidung für ihn fällt. Was macht er? Er sagt in Vers 21: „Frau, glaube mir, es kommt die Stunde, wo ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.“ Er überrascht sie mit einer tiefen Erkenntnis, die sie noch niemals gehört hat, weder auf der Seite noch auf der Seite. Statt einfach nur zu sagen: „Ihr seid falsch, ich bin richtig“, sagt er: „Weißt du was, eigentlich ist es noch ein ganz bisschen ganz anders. Hast du schon mal gehört, dass eigentlich die Zeit kommt, wo man weder auf dem Berg noch auf dem Berg anbeten wird?“ Und das hat automatisch wieder ihr Interesse gefangen genommen. Sie hat jetzt vielleicht erwartet, dass er einfach nur seine Position verteidigt oder vielleicht noch schlimmer, ihre Position verteidigt macht. Aber Jesus lässt sich nicht einfach auf ein Streitgespräch ein, sondern Jesus nimmt das Streitgespräch und führt es auf eine ganz neue Ebene, auf ein ganz neues Level, an einen ganz neuen Punkt. Er offenbart ihr etwas, was sie noch niemals gehört hat, was selbst diejenigen, die im Recht waren, die Juden, ihr niemals gesagt hatten. Er führt sie in eine ganz tiefe geistliche Erkenntnis hinein und oftmals ist das die Antwort auf festgefahrene theologische Debatten. Oftmals engagieren wir uns in theologischen Debatten, wo man Argumente kennt und dann werden sie aufgezählt nach dem Motto: „Wenn du ein Argument mehr hast als ich, habe ich gewonnen.“ Aber Jesu Antwort auf diese Frage zeigt uns, dass die effektivste Art und Weise theologische Streitfragen zu klären ist, neue biblische Erkenntnisse, die tiefer geht, darzulegen, damit man den größeren Sinn der ganzen Sache versteht. Jesus zeigt, dass Anbetung eben nicht eine Frage ist, an welchem Ort angebetet wird, obwohl das eine Frage auch war, sondern er möchte sie zu dem eigentlichen tiefen geistlichen Punkt, der im großen Kampf, in der Gesamtschau der Bibel die eigentliche Rolle spielt, er möchte sehen, dass sie das versteht und begreift.

[36:44] Und dann, und das wollen wir auch festhalten, ist Jesus aber trotzdem sehr deutlich in seiner Dogmatik. Er sagt in Vers 21: „Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen.“ Und das Heil kommt aus den Juden. Jesus scheut sich nicht zum richtigen Zeitpunkt, in den richtigen Worten, mit dem richtigen Ton auch zu sagen: „Wir haben die Wahrheit.“ Das mag vielleicht etwas exklusiv klingen. Manch einer scheut sich davor, aber Jesus hat es getan! Jesus hat, nachdem er die Streitfrage entschärft hat, sich nicht gescheut, trotzdem klar zu bekennen: „Wir haben mehr Wahrheit als ihr. Hier ist die Wahrheit.“ Und ich glaube, wenn wir effektiv Menschen zu Jesus führen wollen, dann müssen wir diese Techniken kennen, die Jesus angewandt hat. Aber wir müssen auch die Bereitschaft haben, so wie Jesus, im entscheidenden Moment in Liebe und Demut dazu zu stehen, dass wir die Wahrheit haben. Denn wenn wir nicht die Wahrheit haben, warum sollten wir Menschen zu uns bringen? Wenn wir im Irrtum sind, in unserer Theologie, dann braucht Gott Missionare, um uns zu retten. Deswegen lasst uns niemals Kompromisse machen, wenn es darum geht, was wir glauben und warum wir es glauben. Nicht gleich am Anfang alles sagen, nicht gleich am Anfang jemanden mit der Holzhammer-Methode breitschlagen, aber zum richtigen Zeitpunkt müssen wir auch dazu stehen, was wir glauben. Und zwar auch dann, wenn es vielleicht unangenehm sein sollte. Jesus hat das getan.

[38:32] Und weil Jesus das getan hat, konnte Gott ihn auch weiter daran segnen, in seinem Bemühen diese Frau zu gewinnen. Und das macht Jesus in Vers 23, indem er wiederum die Konversation auf ein neues Level bringt. Er sagt in Vers 23: „Aber die Stunde kommt und ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden. Denn der Vater sucht solche Anbeter.“ Jesus bringt sie wieder auf das neue Level und zeigt ihr, dass eine tiefere Wahrheit da ist, die sie noch nie gehört hat und ihr jetzt helfen soll, diese Entscheidung für Jesus zu treffen. Und dann heißt es in Vers 24: „Gott ist Geist. Und die, die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ Und das ist jetzt sehr, sehr, sehr, sehr interessant. Sie sagt es in Vers 25: „Ich weiß, dass der Messias kommt, welcher Christus genannt wird. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen.“ Und hier sieht Jesus jetzt die offene Gelegenheit. Sie hat eine Hoffnung auf den Messias. Sie hat diese prophetische Hoffnung. Und Jesus weiß, wenn er sich jetzt offenbart, dann wird sie ihn annehmen. Und deswegen tut er es in Vers 26. Er sagt: „Ich bin's, der mit dir rede.“

[39:40] Diese Frau kommt plötzlich. Nachdem sie vorher nur glaubte, sie muss ihre Tradition oder ihre theologischen Punkte, kommt sie plötzlich, erkennt sie, kommt sie plötzlich an den Punkt, dass sie erkennt, dass sie eine direkte Begegnung mit Jesus, mit dem Messias hat. Wenn Menschen plötzlich verstehen, dass das, was sich hier in unseren Bibelstunden, die wir geben, in den Evangelisationen, die wir halten, in den Gesprächen und den Büchern, die wir weitergeben, wenn sie erkennen, dass sie plötzlich das gefunden haben, was sie suchen, das ist der entscheidende Moment. Dann treffen sie Jesus. Die Menschen suchen so vieles. Sie suchen die Wahrheit. Sie suchen ein glückliches Leben. Sie suchen den Weg, den sie gehen sollen für die Zukunft. Und wenn sie plötzlich in den Bibelstunden, die sie bekommen, in den Büchern, die sie lesen, in den Predigten, die sie hören, wenn sie plötzlich sehen, wie ihr Leben sein kann, wenn sie sehen, welchen Weg in der Zukunft sie gehen können, wenn sie sehen, was die Wahrheit ist, dann werden sie sagen: „Das ist genau das, worauf ich immer gewartet habe.“ So wie die Frau plötzlich erkennt, dass der, auf den sie immer gewartet hat, der Messias direkt vor ihr ist. Und das verändert alles. Wenn wir die Menschen dazu bringen können, dass sie sehen, dass dieses Wort, diese Botschaft ihre eigentlichen Fragen beantwortet und dass das tiefe Sehnen der Seele und das Sehnen des Herzens ist, dann werden sie eine Entscheidung für Christus treffen.

[41:14] Und die direkte Folge daraus, der direkte Impuls in Vers 28 ist: „Nun ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen und lief in die Stadt und sprach zu den Leuten: Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe, ob dieser nicht der Christus ist.“ Sie weiß so gut wie gar nichts. Sie versteht nur wenige, wenige Dinge, aber trotz ihres zweifelhaften Charakters ist, wird aus dieser schüchternen Frau, die sich mit vielen Barrikaden eingegelt hat, plötzlich eine furchtlose Missionarin, weil sie durch effektives Zeugnis geben und durch effektive Evangelisation Jesus gefunden hat und eine Entscheidung gefällt hat für diesen Messias, weil sie persönlich ihren Heiland getroffen hat. Und dadurch kann sich alles reproduzieren. Möchtest du mit mir sprechen? Ja.


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