Christopher Kramp setzt sein chronologisches Studium über das Leben Jesu fort und beleuchtet dessen letzte Reise nach Jerusalem. Er erklärt, warum Jesus nicht den direkten Weg wählte, sondern durch Perea reiste, um seine Botschaft zu verbreiten und zu wiederholen. Ein zentraler Punkt ist die Begegnung Jesu mit einem Mann, der ihm bedingungslos folgen wollte, was Kramp mit den Versprechen der Israeliten am Sinai vergleicht. Dabei betont er, dass wahre Erlösung auf Gottes Verheißungen und nicht auf menschlichen Versprechen basiert.
Der Ersehnte: 227. „jenseits des Jordans“
Christopher Kramp · Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus ·Themen: Bibel, Bibelstudium, JesusPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Der Ersehnte
„Der Ersehnte“ wird das Leben und Wirken von Jesus Christus detailliert und chronologisch beleuchten. Die verschiedenen Evangeliumsberichte werden in ein harmonisches Ganzes zusammengefügt und die vielen alttestamentlichen Wurzeln und Bezüge aufgezeigt. Über allem steht der Wunsch, unseren Herrn und Erlöser in Seinem alltäglichen Leben besser kennen zu lernen. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/der-ersehnte/ entnommen.
Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:
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Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus
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Transkript
[0:33] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar „Der Ersehnte“. Schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt auf www.julmedia.de und dass wir heute weiter studieren können im Leben und Wirken von Jesus Christus. Ich freue mich sehr auf die heutige Folge. Wird eine spannende und herausfordernde und eine, die uns alle persönlich besonders betrifft. Und ich möchte euch einladen, bevor wir die Bibel aufschlagen und Jesus und seine Aussagen näher betrachten wollen, dass wir, wo es möglich ist, dass wir gemeinsam niederknien, ihr liebe Freunde am Bildschirm, und Gott einladen, unser Studium zu segnen.
[1:10] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen von ganzem Herzen, dass wir das Evangelium haben, dass wir die Kraft deines Wortes immer wieder aufs Neue erleben dürfen. Schenke uns jetzt Freude im Studium, Begeisterung für dein Wort, aber vor allem, dass auch dein Heiliger Geist zu uns persönlich spricht, dass wir nicht nur interessante Dinge entdecken, sondern erleben, wie du ganz persönlich zu uns sprichst, dass wir deine Meinung über uns verstehen und erkennen, was du für uns vorgesehen hast, was du für uns vorhast. Herr, wir möchten unser Leben in deine Hand legen und dich bitten, dass du uns jetzt führst und danken dir dafür im Namen Jesu. Amen.
[1:57] Schlagt mit mir auf Lukas Kapitel 9. Das letzte Mal haben wir gesehen, dass Jesus seine letzte Reise begonnen hat. Er hatte sein Angesicht nach Jerusalem gerichtet. Wir haben gesehen, dass das noch einige Monate in Anspruch nehmen würde. Wir sind ungefähr im Spätherbst des Jahres 30. Wir haben gesehen, dass Jesus jetzt ganz anders als in den Jahren zuvor, ganz öffentlich und mit aller Ankündigung gereist ist, um deutlich zu machen, wohin er geht, damit alle Augen, alle Aufmerksamkeit auf seinen Kreuzestod gerichtet sind. Wir haben gesehen, wie er – das beim letzten Mal haben wir gesehen – wie auf dieser Reise durch die Gegend der Samariter kam in ein Dorf der Samariter, und ihm dort eine Bleibe verwehrt worden ist. Und wie die beiden Donnersöhne, Johannes und Jakobus, voller Zorn und Übereifer für ihren Herrn gefragt haben, ob sie nicht wie Elia Feuer vom Himmel fallen lassen dürfen, um diese Samariter zu vernichten. Und Jesus hat sie ernstlich getadelt. Wir haben gesehen, dass sie die Geschichte von Elia völlig falsch verstanden und angewandt haben. Es war eine völlig andere Situation. Jesus hat ihnen deutlich gemacht, dass er ja gerade nicht gekommen sei, um Menschen zu richten und zu verderben – das hat er ja schon auch dem Nikodemus in Johannes 3 gesagt –, sondern um sie zu retten. Und diese Grundhaltung hatte es noch nicht in das Herz der Jünger geschafft.
[3:46] Wir wollen heute weiterlesen, zunächst einmal in Lukas Kapitel 9, Vers 57. Das heißt hier: „Es geschah aber, als sie ihre Reise fortsetzten.“ Es geht also weiter, wir sind auch auf dieser letzten Reise. Und auch wenn ich in den nächsten Wochen und Monaten nicht jedes Mal bei jeder Geschichte sage „steht auf diese Reise“, müssen wir das jetzt gedanklich immer mitdenken: Es ist diese letzte Reise in die Hauptstadt. Aber bevor wir hier weiterlesen, was jetzt passiert, wollen wir noch kurz in zwei anderen Evangelien etwas genauer erfahren, wohin jetzt die Reise ging. Denn es war nicht der direkte Weg nach Jerusalem, wie wir gleich sehen werden. In Markus Kapitel 10, Vers 1 gibt es so einen interessanten Hinweis.
[4:34] In Markus Kapitel 10 und dort Vers 1 heißt es: „Und er brach auf von dort und kam durch das Land jenseits des Jordan in das Gebiet von Judäa.“ Also, er brach von dort auf, das ist das Gebiet von Galiläa. Ja, da ist er ja das letzte Mal dann gewesen bis zu seiner Kreuzigung, dann nie wieder erst einmal in den nächsten Monaten in Galiläa gewesen ist. Aufgebrochen. Lukas zeigt uns, er ist noch, hat dieses Samariterdorf ist da durchgegangen und dann geht er aber hier erst einmal mit dem Endziel Judäa und Jerusalem erst einmal in das Gebiet, wie es hier heißt, jenseits des Jordan. Also, wenn wir uns das auf einer Karte so ein bisschen vorstellen: Der See Genezareth ist, und hier ist der, na ja, hier ist der Jordan, und dann ist hier das Tote Meer. Dann haben wir hier Galiläa und dann haben wir hier Samaria, dann haben wir hier Judäa. Das natürlich jetzt sehr schematisch, und eine Karte in der Bibel kann das besser zeigen, nur dass wir das mal kurz vor Augen haben. Und dann haben wir hier die berühmte Dekapolis mit den griechischen Städten, die er auch schon öfter besucht hat, vor allem den See Genezareth immer wieder gequert hat. Und dann haben wir hier in dieser Gegend, ungefähr so, haben wir das jenseits des Jordan. Also, hier fließt der Jordan lang, jenseits des Jordan, das sogenannte Pera, Perea. Perea heißt dieses Gebiet. Heißt Perea, das kommt von „pera“ griechisch, das Jenseitige. Also, da das ja sozusagen die Hauptgegenden waren, die man so hatte als Jude, Judäa und Galiläa, und dazwischen halt Samaria, wo man dann halt durch musste, war das Jenseits, jenseits des Jordan, deswegen das jenseitige Perea.
[6:30] Und dieses Gebiet spielt in den Evangelien eine interessante Rolle. Es ist das Gebiet, sagt uns Johannes 10, Vers 40, wo Johannes der Täufer am Anfang gewirkt hat. Er hat hier vor allem auch getauft. Er ist hier auch in diesem Gebiet in der Burg Machaerus – das haben wir damals mal angeschaut – auch gefangen genommen worden, gefangen gesetzt worden und auch dann geköpft worden. Es war also, dadurch, dass hier das Wirken des Johannes des Täufers am Anfang gewesen ist, durchaus eine Gegend, in der der Evangeliumssame durchaus auch schon weit ausgestreut gewesen ist. Jesus hatte bisher aber hier kaum gewirkt, jedenfalls wenn wir die Evangelien so erstmal als Quellen auswerten. Wir wissen natürlich nicht, was er auch in Zwischenzeiten gemacht haben, wo jetzt wir keinen Bericht haben. Aber da sieht es doch so aus, dass er einen Großteil seines ersten ganzen Jahres, von früher 28 bis früher 29, in Judäa verbracht hat. Und dann ein nächstes Jahr in Galiläa. Ja, also nach seiner Taufe sind das erst einige Monate, wo er noch kaum richtig öffentlich auftritt, dann ein ganzes Jahr in Judäa, dann ein ganzes Jahr in Galiläa. Zwischendurch gab es natürlich auch mal wieder teilweise jedenfalls in Judäa auch Reisen nach Galiläa, teilweise auch in die Dekapolis. Und dann ein halbes Jahr, wo er sich zurückgezogen hat, das haben wir in den letzten vielen Folgen studiert, wo er zum Teil auch ins Ausland gegangen ist, Richtung Tyrus. Und jetzt beginnt eine Phase seines Dienstes für das letzte halbe Jahr, die sich vor allem auf das Gebiet von Perea konzentriert und da einen besonderen Schwerpunkt hat, ab dem Spätherbst 30. Indem er also hier von Galiläa so ein bisschen durch das Gebiet der Samariter durch Perea geht, wird also deutlich, dass er so eine Art Rundgang macht. Er versucht also, er geht nicht den direktesten Weg nach Jerusalem, sondern er versucht noch möglichst viel Gebiet dabei zu durchstreifen, möglichst viele Menschen noch zu erreichen. Das ist auch Teil dieser Idee. Es geht also darum, möglichst viel Aufmerksamkeit auf diese letzte Reise zu lenken.
[8:46] Interessant heißt es hier in Markus 10, Vers 1: „Und wieder kamen die Volksmengen zu ihm, und er lehrte sie wieder, wie er es gewohnt war.“ Jesus war es gewohnt zu lehren. Aber nicht nur das, in Matthäus 19 im Parallelbericht, und dort Vers 1 und 2, Matthäus 19, Vers 1 und 2, lesen wir: „Und es geschah, als Jesus diese Worte beendet hatte, verließ er Galiläa“ – das also, was wir gesehen haben in Lukas 9, Vers 51, wo er also dann Galiläa letztendlich verlässt, um nach Jerusalem zu reisen – „er verließ Judäa und kam in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordan.“ Also, das Gebiet hier jenseits des Jordan ist diese Gegend. Politisch gehörte die zu Galiläa, die waren miteinander hier verknüpft. In beiden Gebieten herrschte Herodes Antipas, das ist also der Sohn von Herodes dem Großen, der Herodes Antipas, der bekanntermaßen zur Zeit von Jesus und Johannes dem Täufer dann hier regierte. Johannes den Täufer hat er auch umbringen lassen. Und es heißt hier in Vers 2: „Und das Volk, die große Volksmenge, folgte ihm nach, und er heilte sie dort.“ Also, das, was wir in Galiläa gesehen haben, immer und immer wieder, dass dort viele Menschen nachgefolgt sind und er viel geheilt hat und gelehrt hat, genau dasselbe finden wir jetzt auch in Perea. Jesus geht an einen anderen Ort, eine andere Gegend, und macht dort genau dasselbe. Wir haben das in Galiläa gesehen, wir haben das in der Dekapolis gesehen und können das jetzt hier auch in Perea sehen.
[10:27] Es heißt hier im Leben Jesu, ein wesentlicher Teil der letzten Monate von dem Dienst von Christus wurden in Perea verbracht. Also, genau dort, der Provinz, die auf der anderen Seite des Jordan war, von Judäa aus gesehen. Hier kamen die Mengen ihm hinterher, so wie in seinem frühen Dienst in Galiläa. Und jetzt wichtig: Vieles von dem, was er vorher gelehrt hatte, wurde hier wiederholt. Also, Jesus hat jetzt hier in der neuen Gegend vieles von dem wieder gepredigt und wieder gesagt, was er schon in Galiläa gesagt hatte. Und das ist interessant, weil wir jetzt sozusagen auch in Lukas wieder viele Dinge finden werden, die wir schon aus Matthäus oder Markus hier aus Galiläa kennen. Und wenn man diese chronologischen und geografischen Rahmenbedingungen nicht beachtet, sondern, wie es leider oft geschieht, einfach die Verse so ein bisschen liest und man dann vergleicht und denkt, ach, das ist so ähnlich, dann hat man den Eindruck, dass das irgendwie alles durcheinander geraten ist. Aber es sind dann nicht dieselben Ereignisse, sondern verschiedene. Jesus hat dieselbe Predigt mehrmals gehalten. Und jeder, der selbst predigt und Vorträge hält, weiß, dass man das natürlich immer wieder auch dieselben Vorträge hält. Also, als Evangelist halte ich immer und immer wieder Daniel 2, egal wo ich hinkomme. Und deswegen muss man sich nicht verwundern, dass auch bestimmte Gleichnisse, bestimmte Aussagen von Jesus immer wieder auftauchen, weil er in ähnlichen Situationen dasselbe gelehrt hat. Er hat nicht jedes Mal völlig neue Dinge erfunden. Und das ist eine gute Erklärung dafür, warum wir dann in Lukas so viele Dinge wiederfinden, obwohl die zu einer späteren Zeit stattfinden, wie die, die wir innerlich schon in Galiläa gesehen haben.
[12:12] Mit dem im Hinterkopf wollen wir jetzt zu Lukas 9 gehen und uns anschauen, was dort passiert ist. Eine gute Grundlage, um das jetzt gleich besser einordnen zu können. Lukas 9 und dort Vers 57: „Es geschah aber, als sie ihre Reise fortsetzten, da sprach einer auf dem Weg zu ihm: Herr, ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst.“ Was für ein Wunsch: Jesus nachfolgen, wohin du auch gehst! Wohin er auch geht. Ist das nicht auch dein Wunsch? Mich erinnert das an Offenbarung, Offenbarung 14. Da heißt es von den Gläubigen in der Endzeit, Offenbarung Vers 4: „Diese sind es, die sich mit Frauen nicht befleckt haben. Diese sind es, die dem Lamm nachfolgen, wohin es auch geht.“ Das ist unser Ziel, das ist mein Ziel, ich hoffe, es ist auch dein Ziel. Und vielleicht ist es gerade deswegen interessant, sich auch mit dieser Geschichte hier in Lukas 9 zu beschäftigen, weil hier ist jemand, der möchte das, er möchte Jesus nachfolgen, wohin er auch geht. Und Jesus ist gerade unterwegs, er ist gerade auf einem Weg. Das heißt, er explizit, als sie ihre Reise fortsetzten, da sprach einer auf dem Weg zu ihm. Er sieht, Jesus hat ein Ziel, und dieser Mann sagt: „Ich folge dir, wohin du auch gehst.“ Egal, was das Ziel, der Endpunkt deiner Reise ist, ich will dir folgen. Wir haben gelernt, was der Endpunkt dieser Reise ist: Es ist Jerusalem. Jesus geht nicht nach Jerusalem, um dort ein Fest zu feiern. Er geht dorthin, um das Opfer für die Sünden der Welt zu bringen. Und dieser Mann hat wohl keine Ahnung, was er da eigentlich sagt, als er sagt: „Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.“
[14:11] Kann es sein, dass wir auch oft sagen: „Herr, ich möchte dir folgen, wohin du auch gehst“, und wir wissen gar nicht, was das eigentlich bedeutet? Es war nicht das erste Mal, dass ihm dieser Vorschlag gemacht worden ist. In Matthäus 8 und dort in Vers 19 heißt es: „Und ein Schriftgelehrter trat herzu und sprach zu ihm: Meister, ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst.“ Obwohl die Geschichten so ähnlich sind, sind es doch zwei unterschiedliche. Hier haben wir einen Schriftgelehrten, der, als Jesus gerade dabei ist, mit seinen Jüngern über den See fahren zu wollen, quasi noch vor dem Boot auftaucht und sagt: „Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.“ Hier in Lukas 9 ist Jesus auf der Reise in und in Perea. Es gab also nicht nur einen, der das vorhatte. Ellen White bezieht diese Worte sogar auf Judas, der auch das gesagt hat. Schon damals gab es also immer wieder Menschen, die ihre besondere Hingabe zu Jesus dadurch ausdrücken wollten, dass sie gesagt haben, also ausdrücken wollten, dass sie besonders hingegeben sind, dass sie ihm folgen, wohin er auch gehen mag. Ein Satz, der wahrscheinlich damals nicht seltener vorkam als er heute vorkommt.
[15:41] Ein Satz, den es schon dem Prinzip nach seit vielen Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden, gibt. Ja, seit vielen Jahrtausenden. Einigen Tausend, so viele Tausend gibt’s ja noch nicht. In 2. Mose 19 und dort Vers 8, dort lesen wir von den Israeliten, als Gott sie zum Berg Sinai holt und ihnen sagt, dass er mit ihnen einen Bund schließen möchte. Da sagt es hier, da sagt das Volk in 2. Mose 19, Vers 8: „Da antwortete das ganze Volk miteinander und sprach: Alles, was der Herr gesagt hat, das wollen wir tun.“ Und Mose überbrachte dem Herrn die Antwort des Volkes. „Alles, was der Herr gesagt hat, das wollen wir tun.“ „Wohin du auch gehst, will ich dir folgen.“ „Alles, was du sagst, will ich tun.“ Das sind ehrlich gemeinte Sätze gewesen, und doch haben die Israeliten nicht verstanden, was sie da gesagt haben. Sie haben Gott etwas versprochen, und wir kennen alle die Geschichte: Es dauerte nur wenige Wochen, dann tanzten sie um das goldene Kalb, hatten vergessen, was Gott für sie getan hatte, wollten sich neue Bildnisse machen und Mose für tot erklärt.
[16:54] Wie oft habe ich schon Gott etwas versprochen? Hast du auch schon Gott Dinge versprochen, gesagt: „Ich will es von ganzem Herzen tun. Du wirst sehen, wie ich dir jetzt nachfolge. Du wirst sehen, wie ich hier genau jetzt alles einhalte.“ In Hebräer 8 und dort Vers 6 wird von dem alten und dem neuen Bund gesprochen. Und in Hebräer 8, Vers 6 heißt es: „Nun aber hat er einen“ – also Jesus – „einen umso erhabeneren Dienst“ – also einen erhabenen Heiligtumsdienst, den himmlischen im Vergleich zum irdischen – „erlangt, als er auch der Mittler eines besseren Bundes ist, nämlich des neuen Bundes, der aufgrund von besseren Verheißungen festgesetzt wurde.“ Die Bibel sagt, es gibt ein himmlisches Heiligtum, ein irdisches Heiligtum. Es gibt einen neuen Bund und einen alten Bund. Und es gibt bessere Verheißungen und Verheißungen, die nicht so gut sind. Das heißt nicht, dass die Verheißungen schlecht sind. Sie sind nur schlecht, äh, sie sind vielleicht gut und gut gemeint, aber nicht das Beste. Sie sind nicht so gut wie die besseren Verheißungen. Gott zu versprechen: „Herr, ich will dir folgen“, ist ein gutes Versprechen. Gott zu sagen: „Ich will halten, was du sagst“, ist ein gutes Versprechen. Aber beides ist nicht gut genug. Die Geschichte der Israeliten zeigt das ganz deutlich, denn unsere Versprechen sind wie Treibsand. Erfahrung zeigt, wir halten sie nicht ein. Wenn unsere Erlösung auf unseren Versprechungen basieren würde, wären wir alle verloren. Oder hast du alle deine Versprechen Gott gegenüber gehalten? Wenn unsere Erlösung darauf basiert, dass wir Gott etwas versprechen und es einhalten, sind wir alle für immer verloren. Aber die Erlösung basiert nicht auf unseren Versprechungen. Sie basiert ja nicht auf dem irdischen Heiligtumsdienst und nicht auf dem alten Bund. Sie basiert auf dem, was Jesus durch sein Blut im himmlischen Heiligtum für alle Menschen tut. Sie basiert auf dem neuen Bund. Sie basiert auf nicht unseren Verheißungen, sondern auf Gottes Verheißung. Wir werden erlöst, nicht weil wir Gott etwas versprochen haben, sondern weil Gott etwas versprochen hat. Und der Gerechte wird leben, weil er Gottes Versprechen glaubt.
[19:52] Vers 58 gibt Jesus dieselbe Antwort, die er auch in Matthäus 8 auf denselben Vorschlag gegeben. Und da sehen wir genau dieses Prinzip: In ähnlichen Situationen hat Jesus auch dasselbe gesagt. Er hat nicht immer wieder sich Sachen neu ausgedacht, neu formuliert. Er hat in vergleichbaren Situationen auch vergleichbare Ratschläge gegeben. Und das zeigt uns, dass die Ratschläge Jesu, auch wenn sie auf eine Person – wenn jede Person als Individuum wahrgenommen hat – trotzdem Ratschläge auch von einer Person auf den nächsten übertragen werden können. Jesus selbst hat Ratschläge an den Schriftgelehrten übertragen, auch auf den Fall dieses Mannes, der hier auf dem Weg von Perea dasselbe gesagt hat. Oder Ratschlag ist vielleicht gar nicht richtig gesagt, sondern die Worte, die er hier gesagt hat, Vers 58: „Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, die Vögel des Himmels haben Nester“ – also wörtlich steht ja eigentlich Lagerstätten, Wohnorte, denn wie ich lernen durfte, haben ja Vögel Nester nur in der Brutzeit – „aber der Sohn des Menschen hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ Und die Formulierung ist interessant, denn „Sohn des Menschen“ erinnert uns natürlich sofort an Daniel 7. Das haben wir schon öfter angeschaut. Hier in Daniel 7 wird von dem Sohn des Menschen gesprochen in Vers 13 und 14: „Ich sah in den Nachtgesichten, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels, gleich einem Sohn des Menschen. Und er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn gebracht. Und ihm wurde Herrschaft, Ehre und Königtum verliehen, und alle Völker, Stämme und Sprachen dienten ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht, und sein Königtum wird nie zugrunde gehen.“ Der Sohn des Menschen ist der König der Könige, der über alle Völker, Nationen, Stämme und Sprachen herrschen wird. Und als Jesus als der Sohn des Menschen nach Jerusalem geht, da wird nicht nur dieser Mann gedacht haben: „Jetzt beginnt sein irdisches, politisches Königreich.“ Aber Jesus möchte ihm deutlich machen, dass er eine ganz andere Mission dort in Jerusalem zu erfüllen hat. Er sagt: „Der Sohn des Menschen hat nicht mal eine eigene Wohnung.“ Der zukünftige Weltherrscher ist im Grunde genommen obdachlos.
[22:18] Jesus kam ja nach Johannes 1, Vers 11 in sein Eigentum. Es gehörte ihm alles. Aber er nahm sich nicht einfach alles, was ihm gehörte. Er akzeptierte es, dass viele ihn nicht aufnahmen. Er hat die Samariter gefragt, ob er vielleicht dort schlafen konnte, und als sie nein gesagt haben, ist er weitergezogen, obwohl er die Samariter geschaffen hätte und obwohl er natürlich die Macht gehabt hätte, Feuer vom Himmel fallen zu lassen. Aber dazu war er nicht gekommen. Er lebte als Obdachloser und hatte nur deswegen Nacht für Nacht ein Obdach, weil Freunde ihn immer wieder einluden. Ellen White sagt das ganz deutlich: Er hatte in dieser Welt kein...
[23:01] deutlich. Er hatte in dieser Welt kein eigenes Zuhause, sondern nur das, was die Freundlichkeit seiner Freunde ihm gaben. Und doch war es der Himmel, in seiner Gegenwart zu sein. Interessanterweise haben wir damals, glaube ich, auch uns das angeschaut, als in Matthäus 8 der Schriftgelehrte genau dasselbe sagt. Dann sehen wir, wie dann, als Jesus ihm gesprochen hat und in das Boot steigt und auf dem See Genezareth dort diesen Sturm erleben. Dann hat dieser Jesus, der kein Zuhause hat auf dieser Welt, keinen Ort, wo er seinen Kopf hinlegen kann, sagt er doch einen solchen Frieden, dass er inmitten des Sturmes schlafen kann mit seinem Kopf auf einem Kissen. Dann ist sogar mitten im Sturm für ihn Zuhause. Dann ist überall Zuhause, weil Gott bei ihm ist. Wir können von Jesus lernen. Wir müssen von Jesus lernen. Jesus wollte diesem Mann deutlich machen:
[24:03] Das Reich Gottes ist vielleicht anders, als du wahrscheinlich denkst. Jesus hätte das Recht gehabt, sich all diese Dinge zu nehmen, hätte das Recht gehabt, in Prunk und Herrlichkeit nach Jerusalem zu gehen. Er hat darauf verzichtet, obwohl er ein Recht darauf hatte. In 2. Korinther 8 Vers 9 lesen wir, warum er das tat. 2. Korinther Kapitel 8 und dort Vers 9: „Denn ihr kennt ja die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass er, obwohl er reich war, um eurer Willen arm wurde, damit ihr durch seine Armut reich würdet.“ Jesus hat auf Dinge verzichtet, damit wir reichen Glauben haben können. Und der reiche Glaube, das ist das, was Jesus uns in Laodizea auch anbietet, was wir jetzt in den nächsten Wochen im Offenbarungsseminar ja dann studieren werden: das Angebot Jesu, dass wir Gold kaufen, das im Feuer geläutert ist, damit wir reich werden. Und die Frage, die ich mir stellen möchte, und die ich dir stellen möchte, ist eine ernste Frage, eine Frage, die auch für mich persönlich unangenehm ist, aber die wichtig ist, weil Jesus sie uns stellt: Sind wir bereit, auf Dinge zu verzichten, die uns vielleicht Freude machen, die nicht verboten sind, aber sind wir bereit, auf sie zu verzichten, damit andere geistlich reich werden? Ich habe in meinem Leben erlebt, dass man einen großen Segen erlebt, wenn man auf Dinge verzichtet, die nicht verboten sind, die durchaus erlaubt sind, aber man auf sie verzichtet, damit man für andere ein Segen sein kann. Fällt mir nicht immer leicht. Ich habe erlebt, dass Gott das in besonderer Weise segnet. Manchmal denken wir vielleicht, wir sind tolle Christen, weil wir auf die Dinge endgültig mal jetzt verzichten, die sowieso verboten sind. Aber das ist der Anfang des Weges. Wenn wir mit Gottes Hilfe all das überwinden, was verboten ist und es nicht mehr tun und nicht mehr bei uns haben, dann sind wir da. Da gibt's immer noch Schritte zu gehen. Jesus sagt: Mein Weg geht noch weiter. Mein Weg besteht auch darin, auf Dinge zu verzichten, um andere zu segnen.
[26:11] Eine zweite Geschichte, ein Vers danach in Lukas 9 Vers 59: „Er sagte aber zu einem anderen: Folge mir nach! Das ist das.“ Der sprach: „Herr, erlaube mir zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben.“ Diese Formulierung „Folge mir nach!“ ist die typische Formulierung, die wir von Jesus kennen. Immer und immer wieder haben wir sie gesehen, wie er seine Jünger gerufen hat und gesagt hat: „Folge mir nach!“ In Johannes 1, als er zum Beispiel den Philippus gerufen hat, in Johannes 1 und dort in Vers 43: „Am folgenden Tag wollte Jesus nach Galiläa reisen. Er findet Philippus und spricht zu ihm: „Folge mir nach!“ Als er den Matthäus – Verzeihung – Matthäus auch von der Zollstätte gerufen hat, hat er gesagt: „Folge mir nach!“ Als er Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas gerufen hat, hat er gesagt: „Folge mir nach!“ Und diese Person bringt jetzt einen interessanten Gedanken rein. Sie sagt: „Erlaube mir erst etwas anderes zu tun. Erlaube mir, hinzugehen und meinen Vater zu begraben.“ Nun, was genau ist der Punkt? Hier geht es nicht darum, dass der Vater tatsächlich gestorben ist und erst noch etwas Zeit ins Land gehen muss, bis man ihn begraben kann. Es geht nicht um eine tatsächliche Trauerfeier. Denn wenn der Vater wirklich gerade gestorben wäre, hätte der Sohn die Pflicht gehabt, ihn entsprechend schnell zu begraben, da in dem Klima die Verwesung rasch eintritt. Was schlägt er vor? Er schlägt vor, zu warten, bis der Vater gestorben ist, weil dann, wenn der Vater tot ist, bekommt er sein Erbe, ist finanziell abgesichert, und so denkt er, kann er sich es dann leisten, Jesus zu folgen und vielleicht nicht mehr Zeit zu arbeiten. Wir alle kennen die Geschichte vom verlorenen Sohn, der schon bei Lebzeiten des Vaters sein Erbe fordert und damit nach dem Denken der damaligen Zeit und Kultur im Grunde genommen so handelt, als ob sein Vater lebend schon tot wäre.
[28:23] Der Jünger möchte erst finanziell abgesichert sein. Wie oft haben wir vielleicht auch gedacht: „Ja, ich helfe dir, Gott. Ich werde mich einbringen, ich werde etwas in deinem Werk tun, wenn ich erst einmal genügend Sicherheiten habe, wenn das alles abgesichert ist. Dann kann ich ja später auch mich einbringen.“ Als ich vor vielen Jahren mein Orchesterdirigierstudium nach vier Jahren – es fehlte noch ein fünftes Jahr für das Diplom – abgebrochen habe, weil Gott mich, für mich immer noch sehr tiefgehenden Erfahrungen, gerufen hat und in sein Werk berufen hat, da haben viele Menschen zu mir gesagt: „Christopher, bist du verrückt? Mach doch wenigstens das eine Jahr zu Ende. Dann hast du einen Abschluss, dann hast du eine Sicherheit, dann hast du eine Rückfalloption. Dann kannst du später immer noch Missionar werden.“ Heute weiß ich, das wäre eine sehr dumme Entscheidung gewesen. Erstens wäre ich vielleicht – hätte mich vielleicht die Musik wieder so gecatcht, dass ich am Ende vielleicht doch nie Missionar geworden wäre. Ich hätte nicht die Möglichkeiten gehabt, direkt nach der Missionsschule als Bibelarbeiter meiner geliebten Gemeinde Stuttgart-Bad Cannstatt damals alles umzusetzen, was ich gelernt hatte. Ich hätte mich nie so entwickeln können, hätte nie die Gelegenheiten so bekommen, wie sie genau zu dem Zeitpunkt so da waren. Gott hatte eine Tür geöffnet. Es war ganz offensichtlich, ganz deutlich. Ich hätte auch heute nie – jetzt in den letzten Jahren – noch Geschichte und Altorientalistik studieren können, weil ich ja schon einen Abschluss gehabt hätte und dann wahrscheinlich niemals das Geld aufgebracht hätte, noch so viel für ein Zweitstudium, das ich hätte bezahlen müssen. Menschlich gesehen sah es in dem Moment so aus, als ob es eine kluge Entscheidung wäre, sich erst absichern zu wollen. Aber Gott hatte, glaube ich – so bin ich fest überzeugt – in meinem Fall genau mich an einen Punkt gebracht, an dem ich mich entscheiden musste, ob ich den sicheren Weg gehen will oder seinen Weg. Und seinen Weg zu gehen hat sich als der absolute Segen erwiesen in jeglicher Hinsicht. Nicht immer sehen wir das gleich. Aber ich kann aus eigener Erfahrung bezeugen: Wenn Gott ruft, dann ruft er immer dann, wenn es für uns am besten ist, auch wenn wir den Eindruck haben, dass es zu Unzeit kommt. Gott weiß ja genau, was unsere Probleme sind. Er weiß genau, wo wir geschliffen werden müssen. Er weiß genau, wo unsere offensichtlichen und auch geheimen oder uns selbst nicht mal bewussten Götzen sind. Er weiß genau, was er wegschneiden muss. Er weiß genau, wann der beste Zeitpunkt ist, uns zu rufen. Wenn Gott dich ruft, warte nicht auf eine gelegenere Zeit. Warte nicht darauf, bis du mehr Geld hast, erst einmal eine sichere Familie gegründet hast, erst einmal einen Abschluss hast, erst einmal dies oder jenes oder solches, bis du in einer vermeintlich besseren Position bist, Gott zu folgen. Die beste Position, Gott zu folgen, hast du immer dann, wenn er dich ruft. Denn er kennt dein Leben, er kennt deine Vergangenheit, er kennt deine Zukunft. Er weiß ganz genau, wann der beste Zeitpunkt ist, dich zu rufen, in was auch immer. Ob das in den Vollzeitdienst ist, ob das zu einer bestimmten Aufgabe, für ein bestimmtes Talent, eine bestimmte Fähigkeit, eine bestimmte Arbeit, eine bestimmte Vision, ein bestimmtes Projekt. Es können tausend Dinge sein, zu denen Gott dich ruft. Aber wenn er dich ruft, habe ich zwei Erfahrungen gemacht: Erstens, Gottes Ruf ist immer eindeutig. Es ist nicht so, dass man lange überlegen muss: War das jetzt Gott oder nicht? Wenn Gott ruft, ist das eindeutig. Man weiß ganz genau: Es war Gott, der mich gerufen hat. Und zweitens: Wenn Gott ruft, ist es immer der richtige Zeitpunkt, ist der beste Zeitpunkt, den es gibt, denn Gott hat ihn ausgesucht. Kein menschlicher Rat, keine noch so menschliche Logik kann den besten Zeitpunkt, den Gott ausgewählt hat, besser machen.
[32:17] Matthäus Kapitel 6 und dort Vers 33. Ein bekannter Vers, den wir alle öfter in unserem Leben durchdenken müssten. Jedenfalls kann ich von mir sprechen. Matthäus Kapitel 6 und dort Vers 33: „Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner – das heißt nach Gottes – Gerechtigkeit, so wird euch dies alles – gemeint sind die Notwendigkeiten des Alltags – hinzugefügt werden.“ Gott möchte, dass wir sein Reich, sein Evangelium, seine Gerechtigkeit als Priorität in unserem Leben haben.
[32:53] Im Alten Testament gibt es die Geschichte vom Volk Gottes, das den Eindruck hat, es sei noch nicht an der Zeit, Gottes Werk zu tun. In Haggai 1 Vers 2 heißt es: „So spricht der HERR der Heerscharen: Dieses Volk sagt: Es ist noch nicht die Zeit gekommen, die Zeit, um das Haus des Herrn zu bauen.“ Sie hatten gute Gründe, wie sie dachten: Der König hat es verboten. Es gab ein offizielles Tempelbaustoppgesetz für sie in Jerusalem. Der ferne König in Persien, der falsche Bardia, hatte das verboten. Aber Gott sah das anders. Gott hat einen Auftrag gegeben, schon durch Kyros, und dieser Auftrag war nur schleppend vorangegangen und irgendwann zum Erliegen geblieben, weil äußere Umstände es zum Erliegen brachten, und das Volk diesen äußeren Umständen sich fügte.
[34:01] Wann ist die beste Zeit für Gott zu arbeiten? Später, später, wenn der Spätregen ausgegossen ist, wenn die Endzeitereignisse kommen, wenn wir dann plötzlich alles sehen, was wir jetzt im Glauben annehmen müssen? Dann haben wir, wenn wir denken, dass wir dann mit Vollmacht Gott dienen werden, dann haben wir die Nachfolge nicht begriffen. Nachfolge bedeutet dann zu gehen, wenn Gott ruft, nicht wenn wir denken: „Jetzt ist die Zeit gekommen.“ Gott hat uns nie aufgefordert, selbst zu bestimmen, wann der beste Zeitpunkt wäre, für ihn zu arbeiten. Er hat uns aufgefordert zu folgen: „Folge mir!“
[34:49] Diese Geschichte hat ihre Parallele in Matthäus 8. Damals kam ein anderer Jünger, das heißt, ein anderer seiner Jünger sprach zu ihm: „Herr, erlaube mir zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben.“ Selbe Geschichte. Offensichtlich hat es auch das öfter gegeben, dass Menschen den Gedanken hatten: „Später folge ich Jesus nach.“ Und wenn es das heute so oft gibt, warum soll es das früher nicht auch oft gegeben haben? Die beiden Geschichten sind doch unterschiedlich. In Matthäus 8 ist es ein Jünger, der also zeitlich begrenzt, zumindestens immer wieder bei Jesus gewesen, von ihm gelernt hat, ihm auch bestimmten Punkten nachfolgte oder also bestimmten zeitlichen Rahmen nachfolgte, aber noch sich erst absichern wollte. Und hier in Lukas 9 haben wir jemanden, den Jesus beruft. Es ist auch nicht notwendigerweise so, dass in Lukas 9 die beiden Geschichten direkt aufeinander folgen, wie sie in Matthäus 8 sind. Vielleicht sind sie zu verschiedenen Tagen, verschiedenen Zeiten irgendwo da in diesem Weg nach Peräa durch Peräa passiert. Und Lukas hat sie dann vielleicht sogar in bewusster Analogie – das kann man natürlich jetzt nicht mehr genau nachrekonstruieren – zu Matthäus 8 auch so zusammengestellt, um deutlich zu machen: Das, was in Galiläa passiert ist, genau die gleichen Dinge gab’s ja auch. Es gab auch Menschen, die Jesus von ganzem Herzen nachfolgen wollten, aber nicht verstanden, wo er eigentlich hin wollte und nicht verstanden haben, was seine Mission ist. Und es gab auch Menschen, die ihm folgen wollten, aber sich absichern wollten. Das, was es in Galiläa gab, gab es in Peräa auch. Und das soll uns zeigen: Das sind keine Einzelfälle, sondern es ist das, was es auch heute noch.
[36:32] Lukas 9 Vers 60: „Jesus aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!“ Dasselbe Problem, wieder dieselbe Antwort. Eine interessante Antwort, denn wir haben hier in einem Vers ein Wort, das so einmal geistlich und einmal buchstäblich ausgelegt werden muss. Also, diese manchmal genannte Regel, dass in einem symbolischen Kontext alles symbolisch ausgelegt werden muss und im Gegensatz – die passt nicht immer. Dies ist eigentlich keine gute Regel, die man auf alles anwenden kann. Hier ist ganz deutlich: Die geistlich Toten sollen ihre buchstäblich Toten begraben. Das heißt, wer wartet, bis er ein Erbe bekommt, um Gott nachfolgen zu können, der ist geistlich tot. Der ist so wie in Offenbarung 3 Vers 1. In Offenbarung 3 Vers 1 finden wir Christen in der Gemeinde Sardes. Und es heißt: „Und dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Das sagt der, welcher die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne hat: Ich kenne deine Werke, du hast den Namen, dass du lebst, und bist doch tot.“ Zeit haben wir heute nicht, um über die Gemeinde Sardes zu sprechen, aber ihr könnt im Offenbarungsseminar dort die entsprechenden Folgen anschauen, wie das die Zeit um 1798 und danach ist, wo Christen und kurz davor, also in diesem Ende der 1260 Jahre und dann danach, wo Christen, Protestanten, zwar sich Protestanten nannten, aber die Grundprinzipien des Protestantismus, nämlich hinauszugehen und das Evangelium weiterzutragen und dafür auch Risiko einzugehen, so gut wie völlig vergessen hatten, geistlich tot. Jesus sagt hier interessanterweise: „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!“ Dieser Nachsatz findet sich so in Matthäus 8 nicht. Wir sehen ja also auch, dass hier noch ein neuer Aspekt hinzugekommen ist. Was deutlich wird, ist: Man kann das Reich Gottes nicht verkündigen, wenn man vorher die eigene Absicherung als Priorität hat. Denn beim Reich Gottes geht es ja darum: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes!“ Das kann niemand predigen, der zuerst nach der weltlichen Absicherung trachtet. Was hier auch deutlich wird: Wer Jesus nachfolgt, erhält den Auftrag, das Reich Gottes, das Evangelium, das ewige Evangelium zu predigen. Wenn wir uns immer erst absichern wollen, wenn wir immer zuerst genügend Geld haben wollen, genügend Mitarbeiter, wenn alles erst organisiert werden muss, wenn wir immer erst alles sicher haben wollen, bevor wir als Einzelne oder auch als Gemeinde im Glauben vorangehen, dann werden wir nie verkündigen, wie Gott es möchte. Ja, wir wollen nicht unüberlegt sein, wir wollen nicht einfach uns in riesige Stürze, die völlig unnötig sind. Wir wollen Gottes Namen nicht beschmutzen durch Gedankenlosigkeit. Wir wollen die Kosten überschlagen. Aber die Kosten überschlagen, ob man den Turm bauen kann, bedeutet ja, ob man bereit ist, auch dann vorwärts zu gehen, wenn man noch nicht alles bereit hat, aber Gott sagt: „Geh voran!“ Ist man bereit dazu? Das bedeutet es, die Kosten zu überschlagen. Es bedeutet es, dass man sich im Klaren wird, dass man von Gott immer abhängig ist. Man wird nie den Punkt erreichen, wo man in diesem großen Kampf zwischen Gott und Satan, zwischen Licht und Finsternis, den Punkt erreicht, wo man alles aus eigener Sicherheit herausarbeiten kann. Das wird nie kommen. 2. Timotheus 2 Vers 3 und 4: Ein Soldat hat nicht noch ein Nebengeschäft. Das heißt, dass alles, was wir tun, egal ob wir jetzt Vollzeit für Gott arbeiten oder eine säkulare Arbeit haben, soll immer für das Reich Gottes sein. Wir können Gott in allem, was wir tun, dienen. Gott braucht nicht nur Nachfolge in den klassischen Vollzeitdienst. Er braucht Mechaniker und Bürokaufleute. Er braucht Menschen, die in dieser Welt das Wort Gottes durch Wort und Leben verkündigen, aber eben von ganzem Herzen und nicht noch nebenbei Interessen haben, die mit dem Reich Gottes nicht vereinbar sind.
[40:54] Die Geschichte ist deswegen hier so interessant, weil sie einen interessanten Kontrast bildet zu dem, was wir in Matthäus 4 Vers 19 bis 22 finden. Dort haben wir die Berufung von Jakobus und Andreas und Petrus und Johannes. Da heißt es: „Und er spricht zu ihnen: Folgt mir nach, und ich will euch zu Menschenfischern machen!“ Da verließen sie sogleich die Netze und folgten ihm nach. Sie verließen das, woran ihr Lebensunterhalt hing. Und dann heißt es weiter noch – das ist interessant: „Und als sie von dort weitergingen, sah er in einem Schiff zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und dessen Bruder Johannes, mit ihrem Vater Zebedäus, ihre Netze flicken; und er berief sie.“ Und dann heißt es: „Da verließen sie sogleich das Schiff und ihren Vater und folgten nach.“ Sie haben ihren Vater noch bei Lebzeiten verlassen, nicht im Sinne, dass sie ihn nicht mehr mochten, aber sie haben ihn verlassen in dem Sinne, dass sie nicht erst auf das Erbe gewartet haben. Ich weiß nicht, wie groß das Erbe von Zebedäus gewesen wäre, ob da was Großes bei rumgekommen wäre, aber es hätte vielleicht ein Erbe gegeben. Johannes und Jakobus haben nicht so lange gewartet. Sie haben Jesus nachgefolgt, als der Vater noch lebte. Und dieser Kontrast ist so interessant, weil wir sehen, dass es Menschen gibt, die bereit sind, Jesus ganz zu folgen. Menschen, die eigentlich Jesus folgen würden, wenn es denn irgendwie sicherer wäre. Schon damals. Hier in Lukas 9 haben wir noch eine
[42:19] dritte Geschichte, die wir aber das nächste Mal anschauen wollen und damit dann auch in Lukas 10 überleiten werden. Eine dritte Geschichte, die ganz ähnlich diesen Gedanken aufgreift und uns dann helfen wird, noch einmal die Brücke zu schlagen, auch zu dem, was wir heute angeschaut haben. Was wir heute mitnehmen wollen, ist, dass Nachfolge etwas ist, das uns ganz nahe kommt. Möchtest du heute darüber nachdenken, ob du dir bewusst bist, dass, wenn du Jesus nachfolgst, es nicht nur darum geht, Dinge aufzugeben, die ohnehin verboten sind, sondern wenn du ihm nachfolgen willst, wohin er auch geht, du bereit bist, auch auf Dinge zu verzichten, die vielleicht ein Recht wären zu besitzen, aber du bereit bist, sie aufzugeben zugunsten von anderen, in der Gesinnung, die Jesus in dieser Zeit nach Jerusalem gebracht hat, um für andere ein Opfer zu bringen. Und bist du bereit, auch Jesus dann zu folgen, wenn sein Ruf scheinbar nach menschlichem Ermessen zu Unzeit kommt, wenn menschlich gesehen deine Pläne durcheinandergeraten? Bist du bereit, ihm zu folgen? Ich möchte neu lernen, ihm dann zu folgen, wenn er mich ruft, zu was auch immer. Und nicht auf meinen Versprechungen den Glauben aufbauen, sondern auf seinen Versprechen. Nicht ihm versprechen, ihm zu folgen, wohin er auch geht, sondern mich im Glauben an ihn klammern, dass ich aus seinen Versprechungen lebe und dadurch tatsächlich ihm folge, wohin er auch geht. Das ist auch dein Wunsch. Möge Gott deine Entscheidung segnen. Wollen wir noch gemeinsam zum Abschluss beten? Lass uns dazu in Gebet gehen. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass du in deinem Wort zu uns gesprochen hast, dass wir es verstehen dürfen und dass du jeden Einzelnen von uns zu einer ganz bestimmten Sache, die du für uns geplant hast, berufst. Und Herr, lass uns auf deine Stimme hören, wenn dein Ruf uns erreicht und lass uns.
[44:31] Und lass uns lernen, dir in jeder Hinsicht nachzufolgen bis ans Ende und nicht auf unseren Versprechungen zu basieren und zu vertrauen, sondern auf deine Versprechung, das, was du versprochen hast. Du hast versprochen, dass du uns einpflanzen willst mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele, dass du das Beste für uns möchtest. Darauf wollen wir vertrauen heute hier. Dank dafür. Amen.
[45:01] Nächste Woche sehen wir uns wieder. Dann geht es weiter mit dem Ende von Lukas 9, der dritten Geschichte, die in dieser Hinsicht berichtet wird. Und wir werden dann in Lukas 10 eintauchen und versuchen, das alles besser zu verstehen, was auf dieser Reise in und durch Peräa passiert ist, um Jesus besser kennenzulernen.
[45:17] Bis dahin wünsche ich euch Gottes reichen Segen und viel Freude in dem Studium seines Wortes und mit ihm, der dich und mich in seinem Geist beruft. Amen.
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