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CSH_Manuskript_2024 3rd Nr 1

Diese Einführung startet die CSH 2024 Q3 Spezialserie zum Markusevangelium. Sprecher Christopher Kramp beleuchtet zunächst den Autor Johannes Markus, dessen Lebensweg von einem zögerlichen Missionar zu einem der vier Evangelisten als Zeugnis göttlicher Wiederherstellung dient. Anschließend wird der Fokus auf die ersten 18 Verse des Evangeliums gelegt und die Zielgruppe der Nichtjuden erläutert.


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Serie: CSH 2024 Q3 Spezial – Das Markusevangelium

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Transkript

[0:05] [Musik] [Applaus]

[0:35] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.julmedia.de. Wie immer ein herzliches Willkommen auch allen Zuschauern auf dem Sender Das Wort. Wir beginnen ein neues Thema, ein neues Quartal, und wir haben uns entschieden, wieder eine Spezialserie anzubieten. Es geht nämlich um ein ganz besonderes Buch der Bibel, um eines der Evangelien, mit anderen Worten, ein Buch, das das Leben und Wirken und die Lehre von Jesus Christus im Detail beschreibt. Wir wollen in den nächsten drei Monaten gemeinsam das Markusevangelium studieren. Und unsere CSH Spezialserie versteht sich dabei als ein Angebot, ergänzend zum Lektionsheft tief hineinzutauchen in das Buch, in die einzelnen Abschnitte Vers für Vers, dieses Buch kennenzulernen, verschiedene Fragen, die sich dabei ergeben, auch am Rande zu behandeln, mit dem Ziel, die Freude am Bibelstudium zu wecken und zu vergrößern und vor allem unseren Erlöser, unseren Schöpfer und unseren König Jesus Christus, unseren Freund, besser kennenzulernen.

[2:06] Wir werden uns Schritt für Schritt durch das Markusevangelium in diesem Studium begeben. Das wird meistens ungefähr in Übereinstimmung sein mit den Textabschnitten, die in dem Lektionsheft behandelt werden. Da dort allerdings nicht alle Abschnitte vom Markusevangelium angesprochen werden, sondern nur ausgewählte, wird es nicht immer ganz hundertprozentig deckungsgleich sein. Aber unser Wunsch ist es, dass wir durch diese CSH Spezialserie jedem Hörer und jedem Leser auch des Manuskriptes eine Gelegenheit geben, vertiefend ein Fundament zu legen, um dieses Markusevangelium auch im ganzen Kontext der Bibel mehr schätzen zu können und mehr für sich herauszunehmen, um damit auch in den Gesprächsgruppen ein Segen sein zu können.

[2:59] Wir wollen uns vorbereiten in dieser ersten Folge auf das Bibelgespräch am 6. Juli. Und es geht heute erst einmal um eine Einführung in das Markusevangelium, und wir werden auch etwas sprechen über den Autor Markus. Und dann wollen wir uns die ersten 18 Verse genauer anschauen. Bevor wir das tun, möchten wir Gott einladen, dass er durch seinen Heiligen Geist unser Studium segnet, dass er uns Freude schenkt und Weisheit, das Wort so zu verstehen, wie er es gemeint hat. Lass uns gemeinsam beten.

[3:41] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von ganzem Herzen Dank sagen, dass wir dein Wort haben, dass du es uns geschenkt hast, dass es Kraft hat, dass die Kraft des Evangeliums sich daran offenbart. Herr, wir möchten das Markusevangelium besser kennenlernen, nicht einfach nur, weil wir mehr Information darüber haben möchten, sondern weil wir den, um den es darin geht, nämlich Jesus Christus als unseren Freund und Erretter, immer besser kennenlernen wollen. Wir möchten dich bitten, dass du unser Studium segnest, dass wir echte Bibelstudenten werden, die mit beiden Beinen fest auf dem Fundament deines Wortes stehen, dass wir auch Fragen beantworten können, die andere Menschen an die Bibel stellen und dann auch uns stellen. Aber vor allem, dass wir durch unser Leben offenbaren, was das Evangelium an einem Menschen, der so tief in Sünde gefallen ist wie wir, tun kann. Und Herr, darum bitten wir dich, dass du persönlich zu uns sprichst und dass dein Wort nach deiner Verheißung nicht leer zurückkehren wird, sondern ausführen wird, wozu du es gesandt hast. Wir wollen deine Schüler sein und danken dir, dass du unser Lehrer bist. Erfülle uns mit deinem Heiligen Geist. Amen.

[5:04] Das Markusevangelium. In Markus 1, Vers 1 heißt es: "Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes." Und damit ist ganz klar, worum es in diesem Buch geht. Es geht um Jesus, es geht um Jesus, der der Christus ist, der Messias, der der Sohn Gottes ist. Von Anfang an, das werden wir gleich noch ausführlicher besprechen, betont Markus diesen Punkt: Jesus als der Sohn Gottes. Es geht um die gute Nachricht, denn das ist ja die Bedeutung des Wortes Evangelium.

[5:44] Bevor wir uns mit dem Text selbst befassen, wollen wir uns die Frage stellen, wer eigentlich derjenige ist, der dieses Buch geschrieben hat. Nirgendwo im Markusevangelium nennt sich der Autor persönlich selbst. Doch ist das überwältigende Zeugnis von Anfang an der Kirchengeschichte, dass dieses Evangelium von einem Johannes Markus verfasst worden ist. Wir wollen ihn ein bisschen besser kennenlernen und die biblischen Hinweise über sein Leben zunächst einmal sammeln. Wir fangen an in Apostelgeschichte 12 und dort Vers 12.

[6:24] Das ist das erste Mal, dass er mit Namen in der Bibel erwähnt wird. Apostelgeschichte 12, Vers 12, es heißt über Petrus, nachdem er aus dem Gefängnis vom Engel befreit worden ist: "Und er besann sich und ging zum Haus der Maria, der Mutter des Johannes mit dem Beinamen Markus, wo viele versammelt waren und beteten." Johannes ist natürlich einfach die griechische Schreibung des hebräischen "Johanan". Markus war sein Beiname, und Markus ist ein lateinischer Name, ein römisches Element in seinem Leben. Das erinnert uns vielleicht ein wenig auch an Saulus, der neben seinem hebräischen Namen Schaul, also Saulus, auch den römischen Namen Paulus trug. Und wir wissen aus Apostelgeschichte 2, Vers 28, dass Paulus auch römischer Bürger war. Er war Jude und römischer Bürger. Wir kennen die genauen Familienverhältnisse von Johannes Markus nicht, aber wir sehen hier, dass es hier ein jüdisches, ein hebräisches und ein römisches Element in seinem Leben offensichtlich gegeben hat. Seine Mutter Maria, die hier erwähnt wird, hat eine Gruppe von Christen beherbergt während der Verfolgung, die hier in Apostelgeschichte 12 thematisiert wird, unter Herodes Agrippa dem Ersten. Sie war also offenbar eine treue Gläubige. Sie hat ihr Heim in einer Zeit der Verfolgung für andere Christen geöffnet. Johannes Markus ist also von einer Mutter aufgezogen worden, die offensichtlich hier ein aktives Glied der Gemeinde gewesen ist.

[8:14] In Apostelgeschichte 11, und dort Vers 29 und 30, hören wir, dass es eine Hungersnot in jenen Jahren gab. Es heißt hier: "Da beschlossen die Jünger, dass jeder von ihnen, gemäß seinem Vermögen, den Brüdern, die in Judäa wohnten, eine Hilfeleistung senden sollen. Das taten sie auch und sandten sie an die Ältesten durch die Hand von Barnabas und Saulus." Das sind Gläubige in Antiochia am Orontes gewesen. Die haben durch den Propheten Agabus, das wird in Vers 28 erklärt, erfahren durch Gottes Geist, als der Geist der Weissagung hat es offenbart, dass es eine Hungersnot geben würde, und die trat dann auch ein. Und dann haben die Gläubigen in Antiochia den Saulus und den Barnabas gesandt.

[9:03] Jetzt interessant ist, in der Apostelgeschichte 12 lernen wir Johannes Markus so beiläufig kennen. Und wenn wir dann zu Apostelgeschichte 12, Vers 25 gehen, heißt es hier: "Und Barnabas und Saulus kehrten von Jerusalem zurück, nachdem sie die Hilfeleistung ausgerichtet hatten, und nahmen auch Johannes mit dem Beinamen Markus mit sich." Also bei dieser Reise nach Jerusalem, die Saulus und Barnabas im Namen der Gemeinde Antiochia durchgeführt haben, haben sie dann auf dem Rückweg aus Jerusalem Johannes Markus mitgenommen. Er kommt also nach Antiochia am Orontes, und dort befindet sich eine sehr missionarische Gemeinde. Es war die Gemeinde, in der zuallererst die Nachfolger Jesu Christen genannt worden sind. Das finden wir in Apostelgeschichte 11, Vers 26. Es war die Gemeinde, die zuerst auch unter den nichtjüdischen Griechen wirklich Mission, systematisch Mission, gemacht hat, wodurch diese Gemeinde dann auch sehr gewachsen ist und ein Vorreiter der Weltmission gewesen ist.

[10:25] Wir wissen aus Kolosser 4 und dort Vers 10, dass Johannes Markus auf irgendeine Art und Weise mit dem Barnabas verwandt gewesen ist. In Kolosser 4, Vers 10 heißt es: "Es grüßt euch Aristarchus, mein Mitgefangener, und Markus, der Vetter des Barnabas. Ihr habt seinetwegen Anordnung erhalten: Wenn er zu euch kommt, so nehmt ihn auf." Das Griechische lässt nicht genau zu sagen, was der exakte Verwandtschaftsgrad gewesen ist, aber wir wissen, Johannes Markus war irgendwie mit Barnabas verwandt, der offensichtlich wahrscheinlich ihn vorgeschlagen hat, das wird auch durch die späteren Ereignisse ziemlich wahrscheinlich, ihn mit nach Antiochia am Orontes zu nehmen.

[11:06] In Apostelgeschichte 13, ab Vers 1, sehen wir dann, wie der Heilige Geist in dieser Gemeinde in Antiochia die Gemeinde dazu bewegt, die ersten Auslandsmissionare tatsächlich auszusenden. Geführt vom Heiligen Geist, beginnt dort sozusagen die Mission, und Johannes Markus ist mit dabei. Es heißt hier in Vers 4 und 5: "Diese nun", das sind vor allem natürlich Barnabas, der offensichtlich der Leiter dieser ersten Mission gewesen ist, und Saulus, der ebenfalls vom Heiligen Geist dazu bestimmt worden ist, in Vers 2, nachdem ihnen dann die Hände aufgelegt worden sind oder Gebet und Fasten in Vers 3, werden sie ausgesandt. "Diese nun, ausgesandt vom Heiligen Geist, zogen hinab nach Seleukia und fuhren von dort mit dem Schiff nach Zypern. Und als sie in Salamis angekommen waren, verkündigten sie das Wort Gottes in den Synagogen der Juden. Sie hatten aber auch Johannes als Diener." Er hat also am eigenen Leib die allerersten Schritte der Mission der Gemeinde erlebt, und zwar auf Zypern. Zypern war zumindestens die Heimat von Barnabas.

[12:21] Interessanterweise dann aber in Vers 13 lesen wir, dass als sie von Zypern dann nach Kleinasien per Schiff übergesetzt sind, hier Paulus und seine Gefährten aber fuhren von Paphos ab und kamen nach Perge in Pamphylien. Das in Kleinasien. "Johannes, also Johannes Markus, trennte sich jedoch von ihnen und kehrte nach Jerusalem zurück." Er hat die Missionare auf der ersten Missionsreise im Stich gelassen und ist nach Jerusalem zurückgekehrt.

[12:51] Als dann etwas später, nach dem Ende der ersten Missionsreise, Saulus und Barnabas auch nach Jerusalem kommen, in Apostelgeschichte 15, zu dem berühmten Apostelkonzil, wo die Frage debattiert worden ist, was genau jetzt die Heidenchristen alles auch halten sollen und in welchem Verhältnis sie, also sozusagen Judenchristen und Heidenchristen, stehen und was die Kernwahrheiten sind, die auch ein Heide in seinem praktischen Lebensziel umsetzen muss. Als das diskutiert wurde, es ging vor allem um die Frage, müssen Heidenchristen beschnitten werden? Das war die letztendliche Frage. Und das Apostelkonzil hat unter Studium der Heiligen Schrift und Führung des Heiligen Geistes gesehen, dass das nicht notwendig ist.

[13:39] Als das dann vorbei war, haben sich Saulus und Barnabas entschlossen, erneut aufzubrechen in die Mission. Und wir lesen in Vers 36 und 37 von Apostelgeschichte 15: "Nach etlichen Tagen aber sprach Paulus zu Barnabas: Lasst uns wieder umkehren und in all den Städten, in denen wir das Wort des Herrn verkündigt haben, nach unseren Brüdern sehen, wie es um sie steht. Barnabas aber riet dazu, den Johannes, der Markus genannt wird, mitzunehmen." Also wieder, hier ist es ganz deutlich, auch Barnabas, der die Initiative ergreift, um Johannes Markus zu involvieren. Paulus dagegen ist dagegen. In Vers 38 heißt es: "Paulus jedoch hielt es für richtig, dass der, welcher in Pamphylien von ihnen weggegangen war und nicht mit ihnen zu dem Werk gekommen war", also er hat offensichtlich sich vor der Missionsarbeit, die durchaus auch sehr gefährlich war, die wir in den Berichten der ersten Missionsreise lesen können – Saulus ist ja dort auch, Paulus ist ja da gesteinigt worden auch und wäre beinahe gestorben –, dass er sich davor gefürchtet hat und dann aus Angst zurückgegangen ist. Und Paulus riet also dazu, dass er nicht mitgenommen werden sollte. Und dadurch entsteht jetzt tatsächlich ein Streit. Vers 39: "Deshalb entstand eine heftige Auseinandersetzung, sodass sie sich voneinander trennten. Und Barnabas nahm Markus zu sich und fuhr mit dem Schiff nach Zypern."

[15:07] Das heißt, dass Barnabas unbedingt Johannes Markus in die Mission involvieren wollte. Und als er die Wahl hatte, entweder mit Paulus zusammen wieder zu arbeiten oder Johannes Markus eine zweite Chance zu geben, hat er sich entschieden, lieber Johannes Markus eine zweite Chance zu geben, auch wenn das bedeutete, dass er nicht mehr gemeinsam mit dem fraglos Hochbegabten Paulus zusammengearbeitet hat. Das ist eine interessante Entscheidung, die er hier quasi in die Ausbildung und Stärkung der nächsten Generationen getroffen hat, auch wenn das vielleicht auf den ersten Blick unvernünftig erscheinen mag, auf Paulus zu verzichten. Es hat sich das am Ende sehr ausgezahlt. Er segelt erneut mit Johannes Markus nach Zypern, wo Barnabas herkommt. Und das wäre jetzt natürlich Spekulation, aber da Johannes Markus mit Barnabas verwandt gewesen ist, ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch Johannes Markus irgendwo dort in Zypern gewisse familiäre Wurzeln gehabt hat.

[16:10] Wir springen ein bisschen in der Zeit und kommen zum Brief an Philemon, den Paulus dann später schreibt. Und dort finden wir jetzt eine interessante Information. Im Brief an Philemon heißt es in Vers 24, Vers 23 und 24: "Es grüßen dich Epaphras, mein Mitgefangener in Christus Jesus, Markus, Aristarchus, Demas, Lukas, meine Mitarbeiter." Mittlerweile ist Johannes Markus ein Mitarbeiter des in Rom gefangenen Paulus. Seit dem Streit zum Beginn der zweiten Missionsreise sind ungefähr zehn Jahre vergangen, und Paulus hat offensichtlich seine Meinung geändert. Nicht nur ist er dort gegenwärtig, sondern Paulus gebraucht ihn auch als Boten. Denn in dem Brief an die Kolosser, der zeitgleich geschrieben worden ist und auch abgesandt worden ist, heißt es in Kolosser 4, Vers 10: "Es grüßt euch Aristarchus, mein Mitgefangener, und Markus, der Vetter des Barnabas. Ihr habt seinetwegen Anordnung erhalten: Wenn er zu euch kommt, so nehmt ihn auf." Markus war mittlerweile ein Bote für den Apostel Paulus.

[17:39] Aber nicht nur Paulus hat gute Dienste von Johannes Markus gehabt, sondern auch Petrus hat eng mit ihm zusammengearbeitet. In 1. Petrus Kapitel 5 und dort Vers 13 lesen wir: "Es grüßt euch die Mitauserwählte in Babylon und Markus, mein Sohn." Für Petrus war Johannes Markus wie ein Sohn. Er hat also offensichtlich eine enge Zusammenarbeit mit ihm gepflegt, vergleichbar mit Paulus und Titus und Paulus und Timotheus, der ja auch, wo Paulus auch Titus und Timotheus jeweils seinen Sohn im Glauben nennt.

[18:18] Aber auch Paulus hat den Wert von Johannes Markus am Ende seines Lebens sehr deutlich erkannt. Denn in 2. Timotheus Kapitel 4, das sind mit die letzten Worte, die Paulus überhaupt zu Papyrus gebracht hat, bevor er dann gestorben ist, umgebracht worden ist unter Nero, dort heißt es hier in 2. Timotheus 4, Vers 11: "Nur Lukas ist bei mir. Nimm Markus zu dir und bringe ihn mit, denn er ist mir sehr nützlich zum Dienst." Paulus wollte am Ende seines Lebens unbedingt noch mal seinen geliebten Mitarbeiter Timotheus sehen, und eine der Personen, die er auch noch unbedingt sehen wollte, war Johannes Markus, weil er erkannt hat, das, was er am Anfang aufgrund des ersten Versagens von Johannes Markus nicht für möglich gehalten hatte. Paulus hatte sich in Johannes Markus getäuscht, und jetzt am Ende seines Lebens erkennt er, was für einen wertvollen Dienst Johannes Markus geleistet hat für die Gemeinde.

[19:15] Und bemerkenswerterweise ist es gerade dieser Johannes Markus, der am Anfang Angst hatte in der Mission, der den Paulus für nicht geeignet hielt, überhaupt die Missionsarbeit in fremden Ländern voranzubringen. Es ist dieser Johannes Markus, der jetzt eines der vier Evangelien schreibt, der vom Heiligen Geist dazu befähigt und ausgewählt wird. Was für ein wunderbares Zeugnis, wie Gott Menschen gebrauchen kann, die früher versagt haben, die vielleicht mit Eifer versucht haben, etwas für Gott zu tun und dann gescheitert sind, sich haben überwältigen lassen und denen man vielleicht nicht mehr viel, denen von einigen nicht mehr viel zugetraut wird. Gott kann sie an die Hand nehmen, er kann uns verändern, und er kann, obwohl wir gescheitert sind, versagt haben, andere in der Gemeinde enttäuscht haben durch unser Verhalten, kann er uns doch noch gebrauchen für große Aufgaben, die viel größer sind, als wir uns das jemals vorgestellt hätten. Johannes Markus hat sicherlich in jungen Jahren nicht damit gerechnet, dass er einmal einer der vier Evangelisten sein wird. Was für eine Botschaft der Wiederherstellung, was für eine Botschaft des Evangeliums schon allein in der Geschichte des Verfassers, bevor wir überhaupt richtig das Markusevangelium studiert haben.

[20:42] In der frühen Kirchengeschichte ist, wie angedeutet, bereits Johannes Markus immer als Verfasser des Evangeliums genannt worden. Eusebius schreibt in der Kirchengeschichte in Buch drei, Verzeihung, Kapitel 39, und er zitiert dort Papias von Hierapolis, relativ nahe noch an den Aposteln gewesen, also viel früher als Eusebius, wie folgt: Zitat: "Markus war der Dolmetscher des Petrus und schrieb sorgfältig auf, was er im Gedächtnis behalten hatte." Und wir finden diese Idee mehrmals in der frühen Kirche, dass Johannes Markus von Petrus viele Geschichten gehört hat und das Predigtmaterial von Petrus auch entsprechend zu Papier gebracht hat.

[21:32] Wir wissen aus Markus 7, Vers 34, dass Johannes Markus sehr gut Aramäisch sprechen konnte. Das widerlegt die These von einigen, dass es sich bei dem Verfasser um einen Griechen gehandelt hat, der jetzt Aramäisch nicht hätte sprechen können. Auf der anderen Seite ist sein Griechisch allerdings auch ziemlich frei von so semitischen Einflüssen, wie man es sonst bei einigen anderen der Neutestamentlichen Schreibern hat, was dafür spricht, dass er auch das Griechisch sehr gut kannte. Das könnte also auch für einen römisch-hellenistischen Hintergrund sprechen. Und das alles, diese beiden Beobachtungen zusammen, sprechen wiederum dafür, wie schon am Anfang angedeutet, dass er wie Saulus Paulus oder auch Timotheus, von dem wir in Apostelgeschichte 16, Vers 1 erfahren, dass er ein jüdisches und ein griechisch-römisches Elternteil hatte, dass auch Johannes Markus möglicherweise in einem Elternhaus groß geworden ist, wo sowohl jüdischer als auch griechisch-römischer Einfluss vorhanden war, und er deswegen diesen Doppelnamen auch hatte, der sowohl das jüdische als auch das römische Element hervorgebracht und unterstrichen hat. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, aber das ist Spekulation, das können wir nicht belegen, einer der Gründe, die Barnabas bewogen hat, ihn von Anfang an auch in der Auslandsmission einzusetzen, weil er gesehen hat, dass Johannes Markus auch aufgrund seiner Kenntnis des römischen Lebens und der Kultur dort auch und Qualitäten und ein Potenzial hat, das in der Mission gut eingesetzt werden kann.

[23:11] Eins ist sicher: Das Markusevangelium richtet sich an Menschen, die das Leben in Palästina, in Judäa, nicht kannten, nicht aus eigener Anschauung zumindestens. Das sieht man immer wieder im Markusevangelium. Wir werden dann von Zeit zu Zeit, wenn wir in den entsprechenden Kapiteln sind, auch darauf hinweisen. Man sieht, wie in Markus 12, Vers 42, ähm, die jüdischen Münzen erklärt. Äh, wir in Markus 7, Vers 3 und 4, zum Beispiel, bestimmte Gewohnheiten der Juden erklärt, des Waschens. Das hätte ein Matthäus in seinem Evangelium nie erklärt, weil Matthäus ganz offensichtlich an Menschen schrieb, die das Alte Testament gut kannten und die das Leben in Judäa aus eigenem Erleben gut kannten. In Markus 14, Vers 12, berichtet, erklärt der Johannes Markus das Passafest und was damit zusammenhängt. Das sind also Dinge, die zeigen, dass seine Leser mit den jüdischen Gegebenheiten nicht unbedingt direkt vertraut waren. Dazu kommt, dass er in seinem Griechischen manchmal Wörter verwendet, die eigentlich gar nicht Griechisch sind, sondern Latein. Er schreibt sie dann zwar in griechischer Sprache auf, aber es sind lateinische Worte, die sozusagen eingegriechisiert sind, wenn man das so sagen darf, graecisiert sind, wäre das richtige Wort. Zum Beispiel "Spekulator" in Markus 6, Vers 27, oder "Centurio" in Markus 15, Vers 39. Das alles führt zu der Beobachtung, dass Johannes Markus sein Evangelium ganz sicher für Nichtjuden geschrieben hat und es möglicherweise...

[24:50] möglicherweise insbesondere für römische Leser geschrieben hat, die auch aus der lateinischen Kultur kamen. Das ist jedenfalls eine sehr nachvollziehbare Schlussfolgerung, die man daraus ziehen kann.

[25:09] Gehen wir jetzt gemeinsam zum Markus-Evangelium und schauen uns die ersten Verse einmal genauer an in Markus Kapitel 1 und dort Vers 1.

[25:23] Aber bevor wir vielleicht dahingehen, noch ganz kurz dazu, wie dieses Buch genannt ist. Es trägt den Titel „Evangelium nach Markus“.

[25:35] Manchmal liest man, dass der originale Titel nur gewesen sei „nach Markus“, also ohne das Wort „Evangelium“. Weil in den sehr alten Handschriften, Kodex Sinaiticus und Kodex Vaticanus, nur „nach Markus“ steht. Bei allen Evangelien steht da nur „nach Matthäus“, „nach Markus“, „nach Lukas“ und „nach Johannes“.

[25:54] Das ist allerdings – die Schlussfolgerung ist ein Trugschluss aus meiner Sicht, weil diese Überschriften in den genannten Kodizes ohnehin nicht original sind, sondern später zugefügt worden sind.

[26:06] Und wir haben zum Teil frühere oder gleich alte Manuskripte, zum Beispiel im Fall vom Markus-Evangelium den Kodex Washingtonianus, wo ebenfalls aus dem 4./5. Jahrhundert steht: „Evangelium nach Markus“. Im Fall des Johannes-Evangeliums gibt es sogar Papyrusfragmente, die früher sind und auch wo ganz deutlich steht: „Evangelium nach Markus“.

[26:29] Also, das nur am Rande erwähnt: Das Buch hieß also schon in frühster Zeit „Evangelium nach Markus“.

[26:38] Fangen wir an und beginnen wir ganz vorne in Vers 1: „Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.“

[26:47] Von allen Einleitungen in den Evangelien ist das die kürzeste, nur ein Satz.

[26:53] Und das zeigt schon einen gewissen Grundzug des Markus-Evangeliums, das ja auch insgesamt das kürzeste Evangelium ist und vom ganzen Stil sehr praktisch und ja, fast pragmatisch herüberkommt.

[27:08] Der Vers zeigt, dass dieses Buch ein Evangelium ist, wie schon gesagt.

[27:13] Interessant ist, wenn man das vergleicht mit Matthäus 1 Vers 1.

[27:17] Es ist immer wieder die Frage gestellt worden: Was war denn zuerst da, das Matthäus-Evangelium oder das Markus-Evangelium?

[27:23] Dass das Johannes-Evangelium das letzte Evangelium ist, ist fraglos sicher.

[27:27] Es ist auch gut wahrscheinlich, dass Lukas das dritte Evangelium ist. Er bezieht sich ja schon auf bestehende Evangelien. Es gibt zwar wenige Leute, die glauben, Lukas wäre das erste, aber das ist relativ unwahrscheinlich aus meiner Sicht.

[27:41] Und wir wollen insbesondere Markus dann immer ein bisschen auch mit Matthäus vergleichen und ein bisschen dieser Frage nachspüren.

[27:48] Es gibt dazu keine inspirierte, klare Aussage, auf die wir uns jetzt sozusagen festlegen könnten, aber wir wollen ein bisschen drüber nachspüren, wie diese Evangelien vielleicht auch miteinander zusammenhängen.

[28:03] Wenn wir das mit Matthäus 1 Vers 1 vergleichen, dann lesen wir hier in Matthäus 1 Vers 1: „Geschlechtsregister Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.“

[28:15] Das ist sehr interessant, dass Matthäus hier betont, dass Jesus der Sohn Davids, der Sohn Abrahams ist und sozusagen damit auch auf die alttestamentlichen Verheißungen abzielt.

[28:34] Während Markus komplementär dazu die Göttlichkeit Jesu in den Fokus rückt: „Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.“ Von Anfang an, so sieht es aus, möchte Markus insbesondere auch die Göttlichkeit von Jesus betonen.

[28:53] Übrigens, beide Gedanken, dass Jesus sowohl der Sohn Davids als auch der Sohn Gottes ist, die werden ja dann von Paulus in Römer 1 Vers 1 bis 4 zusammengefasst. Und das kann man dann dort ganz deutlich sehen, wie die Auferstehung von den Toten die Gottessohnschaft Jesu bestätigt, beweist.

[29:17] Und natürlich wissen wir aus Hebräer 1 Vers 4 bis 10, dass Gott der Vater selbst seinen Sohn Gott nennt.

[29:24] Es geht also darum, dass in Matthäus 1 Vers 1 die Menschlichkeit Jesu hier am Anfang betont wird und in Markus auch seine Göttlichkeit.

[29:38] Das Wort „Evangelium“ ist übersetzt „die gute Nachricht“.

[29:41] Der Name Jesus heißt wörtlich: „Der Herr rettet.“

[29:45] Christus ist der Gesalbte, auf den die Juden so lange gewartet hatten.

[29:50] Von Anfang an macht also Markus deutlich: Jesus ist der Christus, er ist der Messias, der Gesalbte.

[30:01] Wir lesen weiter in Markus 1 Vers 2 und 3: „Wie geschrieben steht in den Propheten: Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg vor dir bereiten wird. Die Stimme eines Rufenden ertönt in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Pfade eben!“

[30:23] Das ist eine besondere Stelle, denn es ist die tatsächlich einzige Stelle im gesamten Markus-Evangelium, wo Markus selbst das Alte Testament zitiert.

[30:37] Anders als Matthäus, der ständig, weil er eine Vertrautheit seiner Leser mit dem Alten Testament voraussetzen kann, der ständig zitiert, macht das Markus nur hier.

[30:47] Vielleicht hat sich einer gewundert, der nicht die Schlachter hat, weil hier steht: „Wie geschrieben steht in den Propheten.“

[30:54] Andere Übersetzungen nehmen meistens dann die Variante „in dem Propheten Jesaja“.

[30:58] Diese Textvariante „in dem Propheten Jesaja“ ist zwar in frühen Handschriften bezeugt, hat aber einen entscheidenden Nachteil: dass nämlich die Zitate, die jetzt kommen, nicht nur aus Jesaja stammen.

[31:10] Vermutlich könnte es sich bei dieser Variante um einen Versuch handeln eines frühen Kopisten, die Zitate genauer zu bestimmen. Und da an einer ähnlichen Stelle in Matthäus 3 Vers 1 bis 6 nur Jesaja zitiert wird, ist es vielleicht zu dieser Ungenauigkeit bei einigen Manuskripten gekommen.

[31:28] Die Schlachter-Version „in den Propheten“ ist nicht nur die Version, die man im Textus Receptus findet, im Mehrheitstext, sondern auch in einigen wirklich wichtigen frühen Handschriften, zum Beispiel im alten Kodex Washingtonianus.

[31:48] Das Zitat hier in Vers 2 ist sehr bemerkenswert. Es stammt aus Maleachi 3 Vers 1.

[31:56] Der erste Anfang ist im Griechischen aber auch identisch mit 2. Mose 23 Vers 20.

[32:03] In Maleachi Kapitel 3 Vers 1 da heißt es wie folgt: Maleachi 3 Vers 1: „Siehe, ich sende meinen Boten, der vor mir her den Weg bereiten soll.“ Und in 2. Mose 23 Vers 20, was, wie gesagt, im Griechischen identisch formuliert ist, heißt es: „Siehe, ich sende einen Engel, also einen Boten, vor dir her, damit er dich behüte auf dem Weg und dich an den Ort bringe, den ich bereitet habe.“

[32:52] Außerdem verändert dieses Zitat den zweiten Teil aus Maleachi.

[32:59] Statt „er wird einen Weg vor mir bereiten“ heißt es jetzt: „Er wird deinen Weg vor dir bereiten.“

[33:06] In Maleachi 3 Vers 1 ist das Zitat ein Zitat von Gott selbst. Gott selbst sagt dort, also der Name Gottes steht im Hebräischen.

[33:19] Und das bedeutet: Aus dem „mir“ in Maleachi 3 Vers 1 ist ein „dir“ in Markus 1 Vers 2 geworden. Das „mir“ in Maleachi 3 Vers 1 bezieht sich auf Gott mit dem Namen Gottes.

[33:32] Indem Markus das jetzt interpretierend auf Jesus wendet, wird deutlich: Jesus ist Gott.

[33:40] Und damit sehen wir, dass im ersten Vers Markus sagt: „Das Evangelium von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.“

[33:51] Im zweiten Vers zitiert er einen alttestamentlichen Text und formuliert ihn so um, dass der Leser zum Schluss kommen muss: Jesus ist derjenige, der in Maleachi 3 Vers 1 gemeint ist, nämlich der Herr Gott.

[34:14] Damit enthält dieser Vers bereits den ersten Beleg für die Göttlichkeit Jesu.

[34:18] Wir werden sehen, dass das ein durchlaufendes Thema für Johannes Markus gewesen ist.

[34:26] Diese sprachliche Anlehnung an 2. Mose 23 ist auch deswegen interessant, weil Jesus damit in Verbindung gebracht wird auch mit Mose, der ja ein Typus auf den Erlöser Jesus Christus ist.

[34:40] Der entscheidende Punkt ist jetzt – oder der interessante Punkt ist –, dass in 2. Mose 23 Jesus selbst der Bote ist, der vor Mose in der Wolken- und Feuersäule herzieht.

[34:53] Jetzt ist es aber Jesus, dem der Weg bereitet wird.

[34:56] Erst hat Jesus den Weg bereitet für Mose, jetzt wird Jesus der Weg bereitet.

[35:05] Diese besondere Auslegung von Maleachi 3, wie wir sie hier finden bei Johannes Markus, hat Markus nicht erfunden, sondern das Zitat steht schon wörtlich so in Matthäus Kapitel 11 Vers 10.

[35:19] Und dort ist es ein Zitat von Jesus selbst.

[35:22] In Matthäus 11 Vers 10 heißt es von Jesus – denn dieser, also Jesus, sagt das über Johannes den Täufer: „Denn dieser ist es, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.“

[35:36] Und Markus nimmt offensichtlich dieses Zitat, so wie es bei Matthäus als eine Aussage von Jesus überliefert ist, und setzt es an den Anfang des Evangeliums.

[35:44] Hier haben wir einen ersten Hinweis darauf, dass Markus nicht, wie viele moderne Theologen glauben, das Evangelium zuerst geschrieben hat.

[35:54] Es gibt ja heute die sogenannte Zwei-Quellen-Theorie. Danach sind die Evangelien so entstanden, dass zuerst Markus da war und dann noch eine rekonstruierte, sogenannte Logienquelle Q. Und dann hatten Matthäus und Lukas sich von diesen beiden Quellen dann die Evangelien zusammengeschrieben.

[36:10] Das halte ich allein schon deswegen für unplausibel, weil Matthäus ja ein Augenzeuge gewesen ist.

[36:19] Und es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Augenzeuge, der einer der zwölf Jünger gewesen ist, beim Abfassen seines Evangeliums sich zwei andere Quellen genommen hat, eine mindestens von jemandem, der gar nicht live dabei gewesen ist, nämlich Johannes Markus, und dann darauf basierend sein Evangelium geschrieben hat.

[36:37] Es gibt verschiedene Theorien, wie man die sehr großen Ähnlichkeiten zwischen den verschiedenen Evangelien erklären kann, also insbesondere Matthäus, Markus und Lukas.

[36:51] Eine sehr plausible Theorie besagt, dass die Jünger viele Texte von Jesus und Geschichten quasi auswendig gelernt haben und sozusagen wie eine lebendige Bibel vor sich, bei sich gehabt haben und dass dann deswegen bei der Niederschrift dieser Geschichten die Ähnlichkeiten so groß sind, weil sie es sozusagen auf einen gemeinsamen, auswendig gelernten Grundstock zurückgeht.

[37:12] Das ist eine sehr plausible Theorie. Eine andere, die wir hier in dieser CSH Spezial so ein bisschen auch beleuchten wollen und gucken wollen, inwiefern sie sich an dem Text beweisen lässt, die eigentlich auch sehr attraktiv ist, diese Theorie, dass nämlich Matthäus zuerst das Evangelium geschrieben hat, nämlich sein Evangelium.

[37:35] Und dass Markus dann eine besonders für Nichtjuden geeignete Fassung davon erstellt hat, eine gekürzte Adaption sozusagen, eine kürzere Fassung des Evangeliums, in der Dinge ausgelassen werden, die für Nichtjuden vielleicht schwer verständlich gewesen sind und die dann in der Mission, zum Beispiel in der römischen Welt, besonderen Dienst leisten sollte.

[38:03] Das würde bedeuten, dass also nicht Matthäus von Markus abhängt, sondern dass Markus möglicherweise aus dem Matthäus-Evangelium sich einiges genommen hat, es gekürzt hat und gleichzeitig aber, wie wir schon gesehen haben, auf den Berichten, die er selbst von Petrus gehört hat, basiert.

[38:22] Deswegen wir sehen können, dass es in Markus sehr viele feine Details oft gibt, die Matthäus nicht hat, die also darauf hindeuten, dass Markus direkten Kontakt zu Augenzeugen hatte, die noch andere Dinge im Gedächtnis hatten, die Matthäus nicht aufgeschrieben hat. Das also vielleicht so ein bisschen so als Grundidee.

[38:42] Und dieser erste – oder dies, diese, dieser Vers 2 in Markus Kapitel 1 ist so ein erster kleiner Hinweis darauf, denn er ist ziemlich sicher ein Zitat aus Matthäus.

[38:56] In Matthäus wird eben nicht verwendet am Anfang des Evangeliums, um dort Johannes den Täufer in seinem Dienst zu beschreiben, sondern später erst, als Jesus über Johannes den Täufer spricht.

[39:08] Und so macht das übrigens später auch Lukas, der sich dann hier offensichtlich auf Matthäus stützt.

[39:14] Markus greift das heraus, weil er daran erkannt hat oder möglicherweise auch von Petrus erfahren hat, dass diese Verwendung von Jesus von Maleachi 3 darauf hinweist, dass Jesus selbst sich als göttlich gesehen hat und verkündigt hat. Dass er das ganz an den Anfang stellt und dann mit einem weiteren Zitat verbindet, das auch bei Matthäus mit dem Dienst von Johannes direkt verbunden ist, nämlich in Vers 3.

[39:41] Markus 1 Vers 3, da heißt es: „Die Stimme eines Rufenden ertönt in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Pfade eben!“ Und das ist fast wörtlich aus Jesaja 40 Vers 3.

[39:57] Interessant ist auch hier: Wenn man das nachliest in Jesaja 40 Vers 3, dann stellt man fest, dass es dort wieder um Gott selbst geht. Jesaja 40 Vers 3: „Die Stimme eines Rufenden ertönt in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn“ – mit Großbuchstaben, also JHWH – „ebnet in der Steppe eine Straße unserem Gott.“

[40:21] Jesaja 40 Vers 3 sagt, dass der Weg für Gott geebnet werden soll.

[40:27] Markus und auch Matthäus, der das in Matthäus 3 ja genauso verwendet, machen deutlich, dass dies sich erfüllt, indem Johannes der Täufer den Weg für Jesus bereitet.

[40:37] Und damit ist ganz deutlich erneut auch im dritten Vers, dass Jesus Gott ist.

[40:41] Also, wenn man das Markus-Evangelium so ein bisschen unter die Lupe nimmt, dann stellt man fest, dass der erste Vers seine Göttlichkeit anspricht, der zweite Vers seine Göttlichkeit anspricht und der dritte Vers seine Göttlichkeit anspricht. Und wir merken schon, das ist kein Zufall.

[41:00] Das Wort, das hier steht: „Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Pfade eben!“ ist ein interessantes Wort, das wir hier einmal rausgreifen wollen, weil es später für das Markus-Evangelium fast wie so ein Leitwort ist: „gerade“.

[41:10] Es ist das griechische Wort *euthys* oder manchmal auch in verschiedenen grammatischen Formen.

[41:19] Es wird meistens in einem übertragenen Sinne verwendet, also hier geht es darum, den Weg gerade zu machen, aber es wird dann meistens im Sinne von „sogleich“ wiedergegeben, also geradewegs, sofort, ohne Umschweife, ohne Umweg, so direkt.

[41:30] Und es ist tatsächlich das Lieblingswort von Markus.

[41:34] Es kommt auch bei Matthäus öfter vor, aber Markus verwendet es – wir werden das nachher zur Genüge sehen – immer und immer wieder: „sogleich, sogleich, sogleich“. Und das hat so ein bisschen den Eindruck, als ob das auch so den die Persönlichkeit von Markus oder vielleicht auch eher sogar von Petrus widerspiegelt: so direkt auf den Punkt, ohne Umschweife, ohne längere Umwege.

[42:00] Interessant ist jetzt hier, dass Markus – und auch das ist ein Hinweis auf die Intention seines Evangeliums – alles auslässt, was Matthäus über die Kindheit und überhaupt auch die Zeit vor der Geburt von Jesus berichtet.

[42:15] Auch Lukas wird ja später ausführlich erzählen, welche Geschichten dort passiert sind.

[42:19] Markus überspringt das alles.

[42:24] Er geht direkt zu der Geschichte von Johannes in der Wüste, Vers 4: „So begann Johannes in der Wüste, taufte und verkündigte eine Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden.“

[42:39] Also, die Wüste sind natürlich die Wüstengegenden in der Nähe des Jordan, in der Wüste von Judäa oder auch dann in Perea. Und er predigt eine Taufe zur Umkehr von der Freilassung, heißt es wörtlich, von der Loslassung von den Sünden.

[42:58] Eine Taufe der Buße wird später dann auch in der Apostelgeschichte immer wieder erwähnt: „Wir sollen Buße tun und dann können wir getauft werden.“

[43:04] Und dass die Taufe tatsächlich mit der Vergebung der Sünden zusammenhängt, ergibt sich ganz deutlich zum Beispiel aus Apostelgeschichte 2 Vers 38, wo dann später Petrus ja selbst in der Predigt zu Pfingsten sagt in der Apostelgeschichte 2 Vers 38: „Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“

[43:33] Dieser Vers hier, so wie er steht in Vers 4, hat kein direktes Vorbild bei Matthäus.

[43:39] Aber wie gesagt, wir haben die Formulierung aus der Apostelgeschichte von Petrus zum Beispiel und von Paulus. Und das heißt, hier haben wir einen Vers, der eben nicht von Matthäus herrührt, sondern der offensichtlich aus dem, was Johannes Markus bei Petrus und bei Paulus gelernt hat, sich ergibt.

[43:58] Vers 5: „Und es ging zu ihm hinaus das ganze Land Judäa und die Bewohner von Jerusalem, und es wurden von ihm alle im Jordan getauft, die ihre Sünden bekannten.“

[44:08] Das ist parallel zu Matthäus 3 Vers 5 und 6.

[44:13] Markus lässt hier noch die umliegenden Gebiete aus, die von Matthäus erwähnt werden, also zum Beispiel das Gebiet Perea.

[44:23] Man kann sich die Frage stellen, warum Markus mit der Taufe des Johannes beginnt.

[44:27] Offensichtlich ist die Bewegung von Johannes dem Täufer auch über die Landesgrenzen von Judäa bekannt gewesen.

[44:35] Wenn man später in der Apostelgeschichte liest, dann stellt man fest, dass die Missionare auch im Ausland die Bewegung des Johannes des Täufers als bekannt voraussetzen. Das heißt, das muss auch über die Grenzen von Judäa bekannt gewesen sein.

[44:53] Sie wird nie extra erklärt, und das könnte ein Hinweis darauf sein, dass also für die nichtjüdischen Leser von Johannes Markus gerade diese Bewegung von Johannes dem Täufer ein guter Anknüpfungspunkt gewesen ist und zu sagen: „Damit fangen wir jetzt mal an, das kennen die Leser schon und entwickeln dadurch davon das Evangelium aus.“

[45:17] Vers 6: „Johannes aber war bekleidet mit Kamelhaaren und trug einen ledernen Gürtel um seine Lenden, und er aß Heuschrecken und wilden Honig.“

[45:26] Auch das parallel zu Matthäus 3 Vers 4 mit fast keinen Differenzen.

[45:33] Hier wird der Vers danach erwähnt, bei Matthäus steht er am Anfang, und das liegt wahrscheinlich daran, dass Markus tatsächlich mit der Bewegung beginnen will, die so bekannt gewesen ist, und dann erzählt diesen Teil später, den Matthäus zuerst erwähnt.

[45:49] Das Aussehen von Johannes dem Täufer ist natürlich eine unmissverständliche Anspielung auf Elia.

[45:54] 2. Könige 1 Vers 8 hat ja eine ganz ähnliche Beschreibung von dem Propheten Elia.

[46:01] Jesus hat später auch Bezug genommen auf die Kleidung von Johannes in Matthäus 11 Vers 18.

[46:07] Und Propheten waren nach Sacharja 13 Vers 4 allgemein bekannt für ihre einfache Kleidung.

[46:16] Vielleicht ein Wort zu dem Wort „Heuschrecken“.

[46:19] Das Wort heißt *Akris* und meint tatsächlich Heuschrecke.

[46:21] Nach 3. Mose 11 Vers 22 sind auch bestimmte Heuschreckenarten nach der Bibel essbar.

[46:29] Allerdings gibt es seit der frühsten Christenheit die Tradition, dass es gar keine echten Heuschrecken hier gewesen sind.

[46:40] Heuschrecken haben nun auch einen sehr geringen Nährwert, und auch wenn man dazu noch Honig nimmt, kann man jetzt nicht längere Zeit davon leben.

[46:48] Deswegen gibt es schon seit frühester Zeit die Idee, es handle sich eigentlich um die Karopschoten, die man – wo man auch von dem sogenannten Johannesbrotbaum spricht.

[46:58] Diese Karopschoten sind in der Gegend dort sehr weit verbreitet, und sie galten als das Essen der Ärmsten.

[47:06] Es gab ein Sprichwort der Rabbis, das besagte: „Wenn ein Mann Karob essen muss, dann bereut er.“ Und das ist natürlich interessant, weil die Botschaft von Johannes dem Täufer mit Buße zusammenhing.

[47:19] Einige Kirchenväter bestehen darauf, dass die sogenannten Heuschrecken hier, die Johannes gegessen hat, vegetarisch waren.

[47:25] Also, Chrysostomus sagt das, wenn er sagt: „*akridas on*“, also Pflanzenheuschrecken.

[47:31] Oder Isidor von Pelusium schreibt 425: „Nur Ungebildete glauben, es wären Tiere gewesen.“

[47:37] Und da der Nährwert von Heuschrecken sehr gering ist und wir wissen aus Lukas 1 Vers 80, dass Johannes der Täufer nicht nur für ein paar Tage, sondern für einen längeren Zeitraum in der Wüste gewesen ist, kommt eigentlich nur eine Ernährung durch Karob in Frage.

[47:52] Und möglicherweise liegt hier ein ganz simples Phänomen vor, das man auch heute noch beobachten kann.

[47:58] Auch wir haben manchmal Speisen, ja, Dinge, die gegessen werden, die wir mit bestimmten Bezeichnungen verwenden, die nach dem äußeren Aussehen gehen.

[48:07] Zum Beispiel gibt es in manchen Gegenden Deutschlands das Gebäck, das nennt man „Schweineohren“.

[48:12] Ja, kann man zum Bäcker gehen und Schweineohren kaufen.

[48:15] Das sind aber keine Schweineohren von einem lebenden Schwein, sondern es sieht nur aus wie Schweineohren. Jemand, der das nicht kennt...

[48:21] Schweineohren. Jemand, der das nicht kennt, der könnte vielleicht denken: Moment mal, der isst Schweineohren. Nein, es ist nur ein Gebäck. Genauso gibt es in dem ehemaligen Jugoslawien das Gericht die "zerrissenen Hosen". Und auch dort geht ja niemand davon aus, dass man dort tatsächlich echte zerrissene Hosen isst, sondern das ist einfach nach so ein bisschen angelehnt, wie es halt aussieht, benannt worden. Und so ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Karobschote, die ja in ihrer Form, wenn man sich das anschaut, wie eine Heuschrecke aussieht, tatsächlich genauso wie wir das Gebäck "Schweineohr" nennen, oder die in Jugoslawien dieses Gericht "zerrissene Hose" genannt wird, dass man die Karobschote einfach "Heuschrecke" genannt hat und tatsächlich auch das Wort für Heuschrecke dann verwendet hat, aber wusste, gemeint sind diese in Anführungsstrichen Heuschrecken. Und im Text des Neuen Testamentes konnte man noch keine Anführungsstriche setzen, und das hat dann möglicherweise zu der Verwirrung geführt.

[49:11] Lesen wir weiter in Markus 1, Vers 7 und 8: "Und er verkündigte und sprach: Es kommt einer nach mir, der stärker ist als ich, und ich bin nicht würdig, ihm gebückt seinen Schuhriemen zu lösen." Auch das ist parallel zu Matthäus 3, Vers 11. Im Griechischen ist es nicht "ein Stärkerer", sondern "der Stärkere". Es kommt "der Stärkere". Das ist direkt am Anfang. "Der Stärkere" steht im Griechischen im Anfang und wird damit besonders betont.

[49:48] Interessant ist, dass wenn man das jetzt vergleicht – da müssen wir jetzt nicht im Detail drauf eingehen, aber wenn man diesen Bericht hier mit Matthäus vergleicht und mit Lukas, stellt man fest, dass Matthäus und Lukas hier ähnlicher sind als Markus. Und das ist auch ein Argument gegen die These, dass Markus das erste Evangelium sei. Das würde nämlich bedeuten, dass Matthäus und Lukas beide die gleichen Änderungen in Anführungsstrichen vorgenommen haben und beide auch zu denselben Varianten gekommen sind. Auch das ist also eher unwahrscheinlich. Deswegen bleiben wir erstmal hier bei dieser Arbeitshypothese, dass Matthäus das erste Evangelium gewesen ist und Markus eine bewusste, von den lebendigen Berichten des Petrus noch zusätzlich informierte Kürzung und Adaption dieses Evangeliums für die Heiden gewesen ist.

[50:38] Interessanterweise ist der Abschnitt über Johannes den Täufer auch sehr viel kürzer als bei Matthäus. Man kann also richtig sehen, wenn man Matthäus liest und dann Markus liest, wie Johannes Markus diesen Bericht ziemlich zusammengekürzt hat. Alles, was in Matthäus an Tadel berichtet wird, wie Johannes der Täufer die Pharisäer und Schriftgelehrten getadelt hat, das bleibt bei Markus ganz ausgespart, weil es hier offensichtlich für seine Zwecke nicht entscheidend gewesen ist.

[51:03] Das heißt ja in Vers 7, äh, Schuh, also die Schuhriemen zu lösen. Matthäus 3, Vers 11 hat noch "Schuhe zu tragen". Ähm, welches davon ist richtig? Ich gehe davon aus, dass Johannes der Täufer diese Predigt immer wieder gehalten hat, nicht nur einmal, und mal so, mal so das formuliert hat. Jeder, der selbst öfter predigt, weiß, dass man dieselbe Predigt immer mal wieder hält und dabei aber bestimmte Illustrationen leicht abwandelt oder die Formulierung ändert. Also, da gibt es keinen Widerspruch, sondern nur ein Beweis dafür, dass diese Predigt öfter gehalten worden ist von Johannes dem Täufer. Johannes Markus kannte ja Petrus, der unter den Zuhörern gewesen ist und der wahrscheinlich von Petrus dann diese Variante gehört hat.

[51:56] Was Markus noch weglässt in Vers 8, ist das, was wir bei Matthäus finden, wenn es heißt: "Ich habe euch mit Wasser getauft, aber er wird euch mit Heiligem Geist und Feuer taufen." Dieses Feuer lässt Markus weg. Vielleicht wäre das für die nichtjüdischen Leser schwer verständlich gewesen, weil der Hintergrund im Alten Testament fehlt, wo das Feuer eine ganz große, entscheidende Bedeutung hat.

[52:17] Lesen wir weiter, Vers 9 bis 11: "Und es geschah in jenen Tagen, dass Jesus von Nazareth in Galiläa kam und sich von Johannes im Jordan taufen ließ. Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er den Himmel zerrissen und den Geist wie eine Taube auf ihn herabsteigen. Und eine Stimme ertönte aus dem Himmel: Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe."

[52:43] Ähm, das ist sehr parallel zu Matthäus 3, Vers 13 bis 17, aber etwas gekürzt. Vor allem der Dialog zwischen Johannes und Jesus ist weggefallen, weil der auf Daniel 9 – ich weiß nicht warum, aber der spielt auf Daniel 9, Vers 24 an und ist einmal eine Erfüllung der Prophetie, die die Leser von Markus vermutlich gar nicht gekannt haben.

[53:02] Markus fügt noch ein, dass Jesus aus Nazareth kam, weil Matthäus das schon früher in seinem Bericht erwähnt hat, was aber bei Markus nicht vorgekommen war. Deswegen muss er das hier noch erwähnen, den Heimatort von Jesus, äh, beschreiben.

[53:15] Und dann sagt er natürlich hier: "Sogleich, als er aus dem Wasser stieg." Das heißt doch, dass Jesus in tiefem Wasser getauft worden ist. Die Formulierung "er sah den Himmel zerrissen" ist sehr viel drastischer als bei Matthäus und bei Lukas. Das Wort "schizo", das kennen wir auch von Schizophrenie, wenn jemand eine zerrissene Persönlichkeit sozusagen hat. Das Wort "zerreißen", dieses Wort "schizo", kommt auch noch in Markus 15, Vers 38 vor, wo nämlich der Tempelvorhang in der Mitte durchgerissen wird.

[53:51] Also, am Anfang des Dienstes von Jesus zerreißt der Himmel, am Ende des Dienstes von Jesus zerreißt der Vorhang im Tempel. Und in beiden Fällen geht es darum, dass jetzt eine nähere, direktere Beziehung zwischen Gott und Mensch möglich ist. Jesu Menschwerdung ermöglicht eine direkte Kommunikation des Menschen mit Gott dem Vater, was bis dahin nicht möglich gewesen war. Bis dahin war alle Kommunikation nur mit Jesus möglich gewesen. Und jetzt, indem Jesus Mensch wird und mit dem Vater kommuniziert, können alle Menschen in Jesus auch mit dem Vater kommunizieren. Jesu Tod ermöglicht dann die vollständige Versöhnung des Menschen mit Gott.

[54:35] Erinnert auch ein bisschen diese Stelle an Jesaja 64, wo Jesaja sagt, dass er sich wünscht, dass Gott den Himmel zerreißen möge, um große Taten zu vollbringen, herabzufahren und für Israel da zu sein.

[54:47] In Vers 11 müsste man besser übersetzen – die Schlachter ist ja nicht gut übersetzt: "Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen." So ist es dann auch in Lukas 3, Vers 22. Auch hier sehen wir wieder die Bestätigung der Göttlichkeit Jesu. Er ist der Sohn Gottes. Gott der Vater bestätigt das, so wie wir schon in Vers 1 gesehen haben, dass Jesus der Sohn Gottes ist.

[55:13] In Matthäus 3 haben wir eine leicht abweichende Formulierung, denn dort heißt es: "Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe." Matthäus bringt also den Fokus auf das, was die umstehenden Menschen verstanden haben, während Markus und Lukas beleuchten, was Gott Jesus direkt gesagt hat.

[55:33] Wenn wir durch den Glauben mit Jesus verbunden sind, lieber Freund, liebe Freunde, gelten diese Worte auch für uns. Dann können wir im Glauben annehmen, dass auch wir geliebte Kinder sind, an denen Gott Wohlgefallen hat, weil wir in Jesus sind.

[55:50] Lesen wir Vers 12 und 13: "Und sogleich treibt ihn der Geist in die Wüste hinaus. Und er war 40 Tage dort in der Wüste und wurde von dem Satan versucht und er war bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm." Dieser Bericht der Versuchung Jesu ist ebenfalls sehr stark gekürzt. Wir sehen ja also, wie Johannes die Sachen zusammenfasst, immer wieder. Wir sehen das bei der Taufe, wir sehen das bei dem Bericht über Johannes den Täufer, jetzt hier bei der Versuchung. Es sind nur zwei Verse übrig geblieben. Die Formulierung "er hat ihn hinausgetrieben" ist sehr stark, stärker als in Matthäus 4, Vers 1. Und wir werden das noch sehen, das nächste Mal, wenn wir dann Markus 1, Vers 43 lesen. Es bedeutet, jemanden direkt und mit Nachdruck an einen bestimmten Ort zu schicken.

[56:38] Markus berichtet nicht, wie im Einzelnen die Versuchungen vonstatten gingen. Das haben wir bei Matthäus, das haben wir bei Lukas. Er ergänzt allerdings – und das ist so ein Beispiel, wie Markus oft kürzt, kompakt zusammenfasst, aber dann doch immer interessante Details bringt, die, so ist mein persönlicher Eindruck, immer wieder wohl auch auf die Berichte von Petrus zurückgehen. Er sagt, das waren dort wilde Tiere. Er war bei, also Jesus war bei den wilden Tieren. Und wenn man sich fragt, welche wilden Tiere das gewesen sind, dann dürften das arabische Leoparden, Streifenhyänen gewesen sein, dazu auch Wölfe, Schakale und Füchse, die alle dort in jener Zeit in der Wüste Judäa lebten.

[57:18] Die Engel dienten ihm. Das haben wir dann Matthäus 4, Vers 11, am Ende der Versuchung Jesu, als Satan ihn verlassen hat.

[57:28] Wir lesen weiter in Vers 14 und 15: "Nachdem aber Johannes gefangen genommen worden war, kam Jesus nach Galiläa und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist nahe. Tut Buße und glaubt an das Evangelium."

[57:43] Markus macht jetzt genau dasselbe, was Matthäus auch tut. Nach der Geschichte der Versuchung im Herbst des Jahres 27 springt er in das Frühjahr 29. Also fast anderthalb Jahre werden übersprungen, die dann nur später von Johannes noch ausgefüllt werden in Johannes 1 bis 5.

[58:10] Wenn wir den Parallelbericht bei Matthäus anschauen, ist er wiederum sehr viel länger, Matthäus 4, Vers 12 bis 17. Hier stark gekürzt. Weggelassen ist vor allem das Wegziehen aus Nazareth, was dann in Lukas 4 begründet wird mit der Ablehnung dort, und das Niederlassen in Kapernaum. Ähm, was auch weggelassen wird, ist die der Bezug auf die Erfüllung der Prophezeiung aus Jesaja, die in Matthäus beschrieben wird. Dafür ergänzt Markus, der also wieder deutlich kürzt, jetzt ein paar Details, die wieder interessant sind, die die Botschaft von Jesus noch detailreicher darstellen, als es bei Matthäus oder Lukas der Fall.

[58:45] Schauen wir uns das ganz kurz an. In – Verzeihung – in Markus 1, Vers 14, da heißt es ja, dass er das Evangelium vom Reich Gottes gepredigt hat. Wir wissen aus Psalm 97, Vers 1, dass es eine gute Nachricht ist, dass Gott als König herrscht. In Jesaja 52, Vers 7 wird die Botschaft – da spricht es von einer Botschaft der Freudenboten, die eine gute Botschaft predigen, dass Gott als König regiert. In der gesamten Bibel wird die Botschaft, dass Gott König ist, als die gute Nachricht bezeichnet.

[59:25] Und hier in Vers 15 werden jetzt etwas mehr Details genannt, als sie sonst bei Matthäus und Lukas vorkommen. Er sagt nämlich explizit in Vers 15, dass Jesus gesagt hat: "Die Zeit ist erfüllt." Und das bezieht sich natürlich direkt auf Daniel 9, Vers 25. 483 Jahre nach dem Erlass des Artaxerxes des Ersten im Jahre 457 vor Christus sollte der Gesalbte auftreten. Und im Herbst 27 war das dann auch genau geschehen. Und dadurch, dass Johannes Markus auch so viel gekürzt hat, ist der Zusammenhang zwischen der Taufe und der Erfüllung "die Zeit ist erfüllt" hier besonders dicht, weil diese Verse sehr eng beieinander stehen. Es ist besonders stark betont. Also, damit wird deutlich, dass Jesus seine Evangeliumsverkündigung auf der Erfüllung der biblischen Prophetie aufgebaut hat.

[1:00:21] Und warum ist es für uns wichtig? Weil wir auch eine Evangeliumsbotschaft haben an die ganze Welt, die auf der erfüllten Prophetie basiert. Offenbarung 14, Vers 6 und 7: "Und ich sah einen anderen Engel inmitten des Himmels fliegen, der hatte ein ewiges Evangelium – das Evangelium vom Reich, wie Matthäus 24, Vers 14 sagt – zu verkündigen denen, die auf der Erde wohnen, und zwar jeder Nation und jedem Volksstamm und jeder Sprache und jedem Volk. Der sprach mit lauter Stimme: Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre, denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen." Das ist 1844 dieselbe Prophezeiung, nur weiter in der Zeitgeschichte, die sich auch in Jesus erfüllt hat, nämlich Daniel 9 und Daniel 8 zusammengenommen, die 2300 Abend und Morgen mit den verschiedenen Unterpunkten, die in Daniel 9 dann beschrieben werden. Es ist eine dieselbe Prophezeiung, und die Erfüllung eines Teilabschnittes davon ist die Grundlage der Evangeliumsverkündigung von Jesus. Die Erfüllung der gesamten Prophezeiung ist die Grundlage der Verkündigung in unserer Zeit.

[1:01:27] Das Markusevangelium ist also unglaublich aktuell.

[1:01:33] Was meint die Bibel, wenn sie von dem Reich Gottes spricht? Sie kennt das Reich der Gnade und das Reich der sichtbaren Herrlichkeit. Offenbarung 12, Vers 1 zeigt uns, dass das Kreuz von Jesus das Reich der Gnade juristisch unumstößlich etabliert hat. Ab dann thront Jesus im Himmel auf dem Thron der Gnade, zu dem wir freimütig kommen können, wie Hebräer 4, Vers 16 sagt. Deswegen sagt Jesus: "Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen." Die Kreuzigung, Auferstehung und sein Dienst im himmlischen Heiligtum waren jetzt ganz nahe.

[1:02:09] Und warum wusste er, dass es nah ist? Er predigte die Nähe dieses Ereignisses basierend auf der Prophetie Daniel 9, Vers 25 hatte sich präzise erfüllt. Und weil es sich präzis erfüllt hatte, lenkt das den Blick auf die baldige Erfüllung von Daniel 9, Vers 27, nämlich dass der Bund befestigt wird, der neue Bund für immer und ewig geschlossen wird durch das Blut Jesu, dass die Schlacht- und Speisopfer abschafft und uns vergibt, uns zu einer direkten Beziehung zu Gott verhilft und das Gesetz in unser Herz schreiben lässt. So sollen auch wir das ewige Evangelium verkündigen mit dem Verweis auf die erfüllten Prophezeiungen, z.B. 1844. Sollen wir die baldige Wiederkunft und damit den Beginn des Reiches Gottes in Herrlichkeit, so wie es in Daniel 7, Vers 13 und 14 angekündigt wird, verkündigen.

[1:03:11] Wenn man sich die Botschaft von Jesus anschaut, stellt man fest, auch dass sie im Wesentlichen der Botschaft von Johannes entsprach. War die gleiche Botschaft. Jesus hat die Botschaft seiner Gemeinde gepredigt. Das, was Johannes gepredigt hat, das hat auch er gepredigt.

[1:03:26] Das Wort, das hier steht: "Tut Buße", bedeutet eine Sinnesänderung, nicht eine äußerliche religiöse Übung, sondern ein neues Denken, das auf Gott gerichtet ist. Und seine Aufforderung ist: "Glaubt an das Evangelium." Das ist etwas, was Markus speziell erwähnt, das wir so bei Matthäus nicht finden, und das zeigt die Bedeutung des Glaubens. Denn die Bibel sagt: "Der Gerechte wird aus Glauben leben." Paulus sagt in Römer 1, Vers 16 und 17, dass das Evangelium Gottes Kraft ist, jeden zu retten, der ihm glaubt.

[1:04:00] Zum Ende wollen wir noch kurz die Verse 16 bis 18 lesen, denn das sind die ersten Verse, die im Vergleich zu Matthäus nicht wirklich wesentlich gekürzt sind, sondern ungefähr genauso lang sind und ungefähr den gleichen Inhalt haben. Dort heißt es: "Als er aber am See von Galiläa entlang ging, sah er Simon und dessen Bruder Andreas. Die warfen das Netz aus im See, denn sie waren Fischer. Und Jesus sprach zu ihnen: Folgt mir nach, und ich will euch zu Menschenfischern machen. Da verließen sie sogleich ihre Netze und folgten ihm nach."

[1:04:40] Wörtlich heißt das eigentlich in Vers 17: "Hierher, mir nach, und ich werde machen, dass ihr Menschenfischer werdet." Dies ist der Aufruf an seine Jünger. Wir erfahren ja später von Johannes, dass diese Jünger schon vorher immer wieder mit Jesus auch unterwegs gewesen sind, in den Vollzeitdienst. Diese Jünger waren eine Zeit lang mit Jesus unterwegs gewesen, aber jetzt sollen sie ihm – also Vollzeit – folgen. Und es ist nicht ohne Zufall, dass in Vers 18 steht: "Da verließen sie sogleich ihre Netze und folgten ihm nach."

[1:05:22] Lieber Freund, liebe Freundin, möchtest du Jesus auch nachfolgen? Möchtest du seinem Ruf folgen? Möchtest du, wenn er ruft, sogleich folgen?

[1:05:35] Wir haben gesehen, was Gott für Menschen tun kann. Er kann aus einem Versager wie Markus einen Evangelisten machen. Wir haben gesehen, wie Gott den Markus befähigt hat, die Evangeliumsbotschaft so zu präsentieren, dass auch Nichtjuden, die die Bibel nicht gut kannten, trotzdem sie gut verstehen können. Wir haben gesehen, wie das Evangelium von Markus besonders betont, wie sehr Jesus das Evangelium auf der Prophetie basierend gepredigt hat, als Parallele zu uns in dieser Zeit. Ich glaube, wir können alle sehen, dass das Markusevangelium uns unglaublich viel zu sagen hat. Es ist das Evangelium, das zeigen soll, dass Jesus wirklich Gott ist, und das Evangelium, das die gute Botschaft des Lebens und des Wirkens Jesu insbesondere denen vermitteln möchte, die von der Bibel noch nicht so viel wissen. Wir können uns glücklich schätzen, in den nächsten Wochen dieses Evangelium genauer studieren zu können. Wir werden uns dann immer ungefähr gleich große Abschnitte auswählen und sie Vers für Vers, Abschnitt für Abschnitt, Geschichte für Geschichte studieren und zu erkennen, was die besondere Botschaft dieses Markusevangeliums für uns ist.

[1:06:54] Möchtest du heute dem Ruf Jesu folgen und ihm nachfolgen, wohin er dich auch führt?

[1:07:01] Wenn das deine Entscheidung ist, dann lass uns noch gemeinsam mit einem Gebet abschließen. Lieber Vater im Himmel, danke, dass du uns das Markusevangelium geschenkt hast und danke, dass du in diesem Evangelium zu uns sprichst. Danke, dass wir durch den Vergleich von Bibelversen, von biblischen Büchern, die Feinheiten der Botschaft immer besser verstehen können, die besondere Kraft, die du hineingelegt hast, erleben können, wenn wir auch tatsächlich es in unser Herz aufnehmen. Und Herr, heute möchten wir dir folgen, uns heute neu dafür entscheiden, dass du unser König bist und danken dir, dass du uns vorangehst und dass du uns durch deinen Heiligen Geist befähigen wirst, dein Wort auch zu tun. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.

[1:07:50] Damit verabschieden wir uns für heute und sehen uns nächste Woche wieder, wenn wir dann die nächsten Verse in Markus 1 ausführlicher studieren werden. Bis dann wünsche ich euch Gottes reichen Segen und viel Freude im Studium des Wortes Gottes. Amen.


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