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Der Ersehnte

„Der Ersehnte“ wird das Leben und Wirken von Jesus Christus detailliert und chronologisch beleuchten. Die verschiedenen Evangeliumsberichte werden in ein harmonisches Ganzes zusammengefügt und die vielen alttestamentlichen Wurzeln und Bezüge aufgezeigt. Über allem steht der Wunsch, unseren Herrn und Erlöser in Seinem alltäglichen Leben besser kennen zu lernen. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/der-ersehnte/ entnommen.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Folge von „Der Ersehnte“ beleuchtet Christopher Kramp die Begegnung Jesu mit einem Gesetzesgelehrten aus Lukas 10. Der Jurist fragt Jesus, was er tun muss, um ewiges Leben zu erben. Jesus verweist ihn auf das Gesetz, woraufhin der Gelehrte die beiden größten Gebote – Gott und den Nächsten lieben – korrekt zitiert. Kramp betont, dass Jesus‘ Antwort „Tue dies, so wirst du leben!“ die Notwendigkeit des Handelns hervorhebt, aber auch, dass dies nur in einer lebendigen Beziehung zu Gott möglich ist. Die anschließende Frage des Juristen „Wer ist mein Nächster?“ bereitet den Boden für die berühmte Geschichte vom barmherzigen Samariter.


Weitere Aufnahmen

Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus

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Transkript

[0:34] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar "Der Ersehnte". Schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt hier auf www.joelmedia.de.

[0:42] Nach der Sommerpause geht es weiter mit unserem Studium über das Leben und Wirken von Jesus.

[0:48] Wir möchten unseren Erlöser immer besser kennenlernen. Wir möchten seine Taten sehen, wir möchten seine Worte hören, wir möchten sein Wesen ergründen und durch das Anschauen gerettet und verwandelt werden.

[1:06] Heute wollen wir beginnen mit einer ganz berühmten Geschichte, die einen besonderen Stellenwert hat, denn mit dieser Geschichte hat Jesus die wahre Religion, das wahre Wesen echten Glaubens illustriert: die Geschichte vom barmherzigen Samariter.

[1:26] Bevor wir damit beginnen, wollen wir niederknien. Auch du, lieber Freund, liebe Freundin, wenn es dir möglich ist, lade ich dich dazu ein, und wollen Gott einladen, dass er zu uns jetzt spricht.

[1:41] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen für dein Wort und für die Gelegenheit, es gemeinsam zu studieren. Danke, dass du in deinem Wort zu uns persönlich sprichst. Und Herr, wir bitten dich, dass wir jetzt nicht einfach nur Information aufnehmen, sondern dass wir die Stimme deines Heiligen Geistes zu unserem persönlichen Herzen hören. Das bitte ich dich für mich und für jeden einzelnen, der jetzt mit uns studiert und dieses Video sehen wird. Ich möchte dich bitten, dass du unser Lehrer bist. Das bitten wir im Namen Jesu.

[2:20] Amen. Gehen wir zu Lukas 10 und dort ab Vers 25.

[2:24] Wir haben gesehen in den Versen zuvor, dass Jesus eine weitere Gruppe, eine größere Gruppe von Jüngern, die 70 Jünger, auf eine Missionsreise ausgesandt hatte und dass sie dann zurückgekehrt sind und Jesus erzählt haben von dem, was sie erlebt haben, und Jesus dann ihnen noch eine ganze Reihe von wichtigen Instruktionen mitgegeben hat.

[2:51] Jesus befindet sich ja zu dieser Zeit im Land jenseits des Jordan in Perea und hat dort seinen Dienst getan, wo er auch viele Dinge noch einmal wiederholt hat, die er zuvor zum Beispiel in Galiläa gesagt hat, wie wir schon gelernt haben. Und während er dort in Perea eine Volksmenge unterrichtet über das Evangelium, hören wir, was jetzt hier in Vers 25 passiert. Lukas 10, Vers 25:

[3:19] „Und siehe, ein Gesetzesgelehrter trat auf, versuchte ihn und sprach: ‚Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?‘“

[3:35] Ein Gesetzeslehrer ist eigentlich ein Gesetzeskundiger, ein Jurist sozusagen, ein Experte im mosaischen Gesetz.

[3:45] Also, wir haben hier diesen Juristen, der natürlich jetzt nicht einfach sich mit säkularen Paragraphen beschäftigt, wie das heute Juristen tun, sondern der als ein jüdischer Jurist sich mit den Büchern Mose, wo es ja viele, viele Gesetze, viele Vorschriften gibt, intensiv beschäftigt hat, der ein Experte auf diesem Gebiet gewesen ist.

[4:07] Dieser Jurist kennt sich also aus mit dem Gesetz, das ist seine Spezialität. Es handelt sich nicht also um einen Pharisäer oder einen Schriftgelehrten im allgemeinen Sinne, sondern einen, der sich ganz besonders mit den Gesetzen beschäftigt hat.

[4:25] Bisher waren solche Gesetzeslehrer nur einmal in den Evangelien aufgetaucht, und zwar in Lukas 7, Vers 30, heißt es: „Die Pharisäer aber und die Gesetzesgelehrten – das sind diese Juristen hier – verwarfen den Ratschluss Gottes sich selbst zum Schaden, indem sie sich nicht von ihm, das heißt von Johannes dem Täufer, taufen ließen.“

[4:50] Wir sehen also, dass auch die Juristen in Judäa, ähnlich wie auch die Theologen, wie die Pharisäer, wie die Sadduzäer, die dann die meisten Sitze im Sanhedrin gehabt haben – die Pharisäer waren ja mehr so die Volks-, also eine Bewegung, die mehr im Volk verankert war, auch wenn die Pharisäer natürlich das gemeine Volk wieder sehr verachtet haben –, wir sehen also, dass nicht nur diese uns aus den Evangelien besser bekannten Gruppen die Botschaft Gottes verworfen hatten, sondern auch die Juristen, die Gesetzeslehrer.

[5:28] Und einer von diesen Juristen kommt jetzt hier zu Jesus.

[5:33] Es heißt, er versuchte ihn. Und das erinnert uns natürlich an die Versuchung Jesu in der Wüste. Das Wort „versuchen“ kann aber auch einfach bedeuten – also wörtlich bedeutet es eigentlich „auszuprobieren“, jemanden mal auf die Probe stellen, zu sehen, was wird er wohl darauf antworten. Wir müssen also nicht unbedingt davon ausgehen, dass dieser Jurist jetzt Jesus zu Fall bringen wollte, sondern dass er testen wollte, was Jesus wohl zu dieser Frage sagt. Er selbst war ja als ein Jurist, als jemand, der sich im Gesetz auskannte, durchaus in der Lage zu wissen, was die Bibel zu diesem Thema, das ihn hier umtreibt, zu sagen hat.

[6:28] Er sprach „Meister“ – eigentlich müsste man besser übersetzen „Lehrer“. Und dann fragt er diese berühmte Frage:

[6:33] „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?“ Wir kennen die Frage, sie wird später noch einmal gestellt, aber dazu kommen wir dann in einer späteren Folge. Auch der reiche Jüngling, das wird uns auch dann hier noch beschäftigen, hat dann diese Frage so gestellt, wörtlich: „Was tuend werde ich ewiges Leben erben? Was muss ich tun, damit auf jeden Fall dabei sein werde im Reich Gottes?“

[7:10] Dieser Jurist kam nicht einfach von alleine, und es wird gesagt im Leben Jesu, dass die Priester und die Rabbis gedacht hatten, dass sie Christus so verwickeln könnten, indem sie den Gesetzeskundigen mit dieser Frage schickten. Sie haben ihn also diese Frage stellen lassen. Da gab es also Leute im Hintergrund, die sich den Fall Jesu gewünscht haben, die gewünscht haben, dass er irgendwie sich jetzt verheddert und man ihm etwas nachweisen kann.

[7:46] Der Jurist selbst allerdings hatte durchaus ein, in gewisser Weise, ein offenes Herz.

[7:55] Es sagt, er war mit der Position und den Werken der Pharisäer nicht zufrieden. Er hatte die Schrift studiert und mit einem Verlangen, ihre wirkliche, echte Bedeutung zu erfahren. Also hier war jemand, der nicht einfach nur Formalismus lebte, sondern der sich eigentlich für das Wahre interessierte, der tatsächlich selbst die Bibel studiert hatte, der unzufrieden war mit seinem Status Quo. Und lieber Freund, liebe Freundin, wenn du unzufrieden bist mit deinem Status Quo, dann kann Jesus dir helfen.

[8:33] Er hatte ein lebendiges Interesse an dieser Sache und hatte in Aufrichtigkeit gefragt: „Was soll ich tun?“ Man hatte ihn zwar vorgeschickt, aber er selbst wollte es wirklich wissen. Er hatte wirklich den Eindruck, er müsste noch mehr dazulernen. Vers 26: Und er, also Jesus, sprach zu ihm:

[8:54] „Was steht im Gesetz geschrieben? Wie liest du?“

[9:00] Die Antwort von Jesus ist sehr interessant. Er verweist ihn nämlich zurück auf sein Spezialgebiet, nämlich auf das Gesetz. Wörtlich heißt es im Griechischen: „In dem Gesetz, was ist geschrieben?“ Da wird also das Gesetz ganz besonders betont. Jesus hat in seiner Antwort ganz deutlich gemacht, dass das Gesetz Gottes die Antwort enthält auf die Frage:

[9:28] „Was muss ich tun, um ewiges Leben zu haben?“ Das, was Jesus hier tut, ist eine praktische Anwendung eines bekannten Bibelverses. In Jesaja 8, Vers 20 wird uns gesagt:

[9:47] „Zum Gesetz und zum Zeugnis! Wenn sie nicht so sprechen, gibt es kein Morgenrot.“

[9:59] Jede Frage, die unser ewiges Leben betrifft, jede Frage, die unseren persönlichen Glauben berührt, unsere Beziehung zu Gott beeinflusst, jede dieser Fragen müssen wir beantworten mit einem „So steht es geschrieben“, „So hat Gott gesprochen“, „So spricht der Herr“ muss die Grundlage sein für alles, was wir glauben und für alles, was wir tun.

[10:23] Jesus fragt ihn: „Wie steht es im Gesetz?“ Jesus sagt nicht: „Ich denke persönlich so, ich habe erlebt, ich könnte mir vorstellen, dass...“ Er sagt: „Wie liest du im Gesetz? Was steht geschrieben?“ Jesus hat ja auch dem Satan gegenüber gesagt: „Es steht geschrieben.“

[10:43] Die Frage, wie wir ewiges Leben haben können, müssen wir nicht mühsam uns aus den Fingern saugen. Wir müssen sie nicht erraten, sondern die Antwort steht klar und deutlich für jeden, der möchte, in der Bibel offenbart.

[11:06] Jesus hat keine Diskussion angefangen, er hat keine Kontroverse begonnen. Er hat den Fragenden zurückgefragt: „Wie liest du? Was hast du selbst bisher entdeckt?“

[11:20] Jesus wurde noch immer von den Juden angeklagt, die Gebote, das Gesetz, das am Sinai gegeben worden war, irgendwie gering zu schätzen. Das war immer noch so der Vorwurf, der im Raum stand. Aber er hat die Frage der Erlösung direkt auf das Gesetz bezogen, hat deutlich gemacht, dass er das Gesetz in keinster Weise abgeschafft oder auch nur modifiziert hat.

[11:52] Vers 27. Gehen wir zurück zu Lukas 10 und dort Vers 27.

[11:55] Er aber antwortete und sprach, also der Jurist: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken.“

[12:12] Das kommt aus 5. Mose 6, Vers 5, Teil des berühmten Schma Jisrael, des Glaubensbekenntnisses des alten Israel.

[12:23] Wenn wir das kurz nachlesen in 5. Mose Kapitel 6 und dort Vers 5, dann finden wir diese Worte hier.

[12:32] In 5. Mose 6, ab Vers 4, heißt es: „Höre, Israel!“ Das ist Schma Jisrael. „Höre, Israel! Der Herr ist unser Gott, der Herr allein! Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft.“

[12:45] Später hat Jesus einmal deutlich gemacht, dass dies das größte Gebot in der Bibel, im Alten Testament, also der Bibel seiner Zeit, ist.

[12:57] Wenn wir das vergleichen, stellen wir fest, dass der Jurist sogar das noch ein bisschen erweitert. In 5. Mose steht: „Mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft.“ In Lukas 10,27 lesen wir: „Mit deinem ganzen Herzen, mit deiner Seele, mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken.“ Also das Ganze sozusagen noch ein bisschen erweitert.

[13:20] Und der Punkt ist natürlich ganz richtig: Auch mit unserem ganzen Denken sollen wir Gott lieben. Und dann kombiniert der Jurist diese Antwort. Er nimmt diesen einen Vers und nimmt noch einen anderen dazu, nämlich in 3. Mose 19, Vers 18.

[13:40] Dort heißt es: „Du sollst nicht Rache üben noch Groll behalten gegen die Kinder deines Volkes, sondern du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr.“

[13:49] Also, er kombiniert diese beiden berühmten Verse, die deswegen uns so gut bekannt sind, weil Jesus später das ganz wichtig, später kurz vor seiner Kreuzigung, Monate später, als er gefragt worden ist am Dienstag vor seiner Kreuzigung, was denn das größte Gebot sei, er genau auf dieses Gebot verwiesen hat und dann gesagt hat: „Und dieses ist ihm gleich. An diesen beiden Gesetzen, diesen beiden Geboten, hängen das Gesetz und die Propheten.“

[14:21] Jesus hat dann später deutlich gemacht, dass das tatsächlich die beiden Prinzipien sind, die beiden Gebote, die das gesamte Alte Testament hindurch, ja, das verbindende, die Grundlage sind von allem und dass das sozusagen die entscheidenden Gedanken sind, die wir in der Bibel lesen können: Gott von ganzem Herzen lieben und den Nächsten wie sich selbst.

[14:44] Das Interessante nun ist, dass, als Jesus das dann später gesagt hat, er nicht etwas Neues gesagt, etwas, was völlig unerhört gewesen ist, sondern dieser Jurist wusste schon, dass diese beiden Worte, diese beiden Verse, zueinander gehören, dass man sie zusammennehmen muss und dass sie zusammen eigentlich den Weg zum Leben weisen.

[15:06] Jemand, der von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Denken, mit allem, was er ist und hat, Gott liebt und sich auch nicht über seinen Nächsten erhebt, sondern seinen Nächsten so behandelt, wie er selbst behandelt werden möchte, wie Jesus in der Bergpredigt ausgedrückt hat – wer den Nächsten so liebt wie sich selbst, der lebt so, wie Gott es sich wünscht, der lebt so, wie das Reich Gottes in der Bibel beschrieben ist.

[15:30] Diese Kombination war also den Theologen bekannt. Sie wussten, sie kannten also die Wahrheit, interessanterweise. Sie kannten die richtigen Bibelstellen und konnten sie sogar miteinander richtig kombinieren.

[15:49] White sagt: „In seiner Antwort bezüglich der Anforderungen des Gesetzes hat dieser Mann die ganze Masse an zeremoniellen und rituellen Vorschriften übersprungen. Für diese hat er keinen besonderen Wert in Anspruch genommen, sondern er präsentierte die zwei großen Prinzipien, an denen das ganze Gesetz und die Propheten hängen.“

[16:22] Und jetzt kommt Jesu Antwort.

[16:26] Die Tatsache, dass er genau das hier gesagt hat, war natürlich für Jesus jetzt auch allgemein ein großer Vorteil, denn das bedeutete, dass Jesus auch in der Wahrnehmung der Menschen, wenn er dann diese Dinge sagte, ja, letztlich nichts anderes sagte, als was auch schon angesehene Juristen selbst gesagt hatten. Es war also niemand konnte also sagen, wenn Jesus später gesagt hat, diese Gesetze sind der Weg sozusagen zum ewigen Leben, sie beschreiben, wie Gott sich wünscht, dass wir leben sollen, besser gesagt, konnte niemand sagen, dass Jesus etwas Neues erfunden hat, sondern er hat nur das gesagt, was eigentlich auch schon die kundigsten Experten seiner Zeit herausgefunden hatten.

[17:16] Entsprechend bestätigt Jesus diese Worte jetzt in Lukas 10 und dort Vers 28. Er sagt, er sprach zu ihm: „Du hast recht geantwortet.“

[17:27] Und jetzt kommt ein entscheidender Satz: „Tue dies, so wirst du leben!“

[17:35] Er sagt zu ihm: „Du hast richtig geantwortet.“ Die Antwort ist richtig, aber das Wissen um die richtige Antwort ist noch nicht das ewige Leben. Kein Mensch wird ewig leben, weil er weiß, was zum ewigen Leben führt. Kein Mensch wird ewig leben, weil er weiß, wo es steht, sondern ein Mensch wird ewig leben, wenn er das hier tut.

[17:59] „Tue dies, und du wirst leben!“ Lieber Freund, liebe Freundin, es ist ein großer Unterschied, ob wir die Wahrheit kennen, ob wir sogar wissen, wo die Bibelverse für die gegenwärtige Wahrheit stehen, oder ob wir so leben, wie es in den Bibelversen steht. Das ist ein himmelweiter Unterschied. Dieser Jurist kannte die Wahrheit, er wusste, wo sie steht, er konnte sie sogar schnell kombiniert als Antwort geben. Aber Jesus sagt: „Tue das, dann wirst du leben.“ Er hat ja gefragt: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?“

[18:33] Jesus sagt: „Lies in der Bibel und tu, was du liest.“

[18:48] In 3. Mose 18 steht genau dieser Gedanke. Gott hatte schon im Alten Testament gesagt, in 3. Mose 18 und dort Vers 5:

[18:56] „Darum sollt ihr meine Satzungen und meine Rechtsbestimmungen halten, denn der Mensch, der sie tut, wird durch sie leben. Ich bin der Herr.“

[19:08] Gott hat ganz deutlich gesagt: Das ist keine Theorie, das ist nicht etwas, was man ins Gehirn einfach nur hineinnimmt, um es dann irgendwie auswendig zu lernen. Diese Gebote, diese Gedanken, diese Worte sind zum Leben gedacht, sie sollen ausgelebt werden.

[19:26] Immer wieder kommt das in der Bibel vor, zum Beispiel in Nehemia 9, Vers 29.

[19:32] Jesus hat also etwas gesagt, was dem Gesetzesgelehrten sehr bekannt vorgekommen sein dürfte. Nehemia 9, Verzeihung, und dort Vers 29.

[19:42] Dort heißt es: „Und du ließest ihnen bezeugen, dass sie zu deinem Gesetz zurückkehren sollten. Aber sie waren übermütig und folgten deinen Geboten nicht, sondern sündigten gegen deine Bestimmungen, durch die der Mensch leben wird, wenn er sie tut. Und sie entzogen dir widerspenstig ihre Schulter und waren halsstarrig und folgten nicht.“

[20:08] „Der Mensch wird leben, wenn er sie tut.“ So auch in Hezekiel 20, und da greifen wir jetzt nur einen Vers raus.

[20:14] Das kommt mehrmals in dem Kapitel vor. In Hezekiel 20, Vers 11, da sagt Gott: „Und ich gab ihnen – also Vers 10 – so führe ich sie, Verzeihung, so führte ich sie denn aus dem Land Ägypten heraus und brachte sie in die Wüste. Und ich gab ihnen meine Satzungen und verkündete ihnen meine Rechtsbestimmungen, durch die der Mensch lebt, wenn er sie tut.“

[20:35] Die Bedingung ist immer: Man muss diese Dinge auch tun, man muss sie ausleben.

[20:49] Jesus präsentierte das Gesetz als eine göttliche Einheit. Es ging nicht um ein einzelnes Gebot, dass man jetzt halten muss, wenn man das hält, dann hat man auf jeden Fall ewiges Leben, oder wenn man diese Harmonie einhält, dann hat man genau ewiges Leben, oder wenn man jetzt auf diese eine Sache besonders achtet, dann hat man auf jeden Fall ewiges Leben, sondern Jesus zeigt, indem er sagt, diese beiden Prinzipien, die das gesamte Gesetz durchdringen, die müssen wir tun, und dadurch wird das gesamte Gesetz, das gesamte Wort Gottes, wichtig.

[21:18] Er präsentierte das Gesetz als eine göttliche Einheit.

[21:24] Und in dieser Lektion lehrte er, dass es nicht möglich ist, eine Vorschrift zu halten.

[21:32] Das ist, was wir gerne haben möchten. Wir lesen die Bibel und sagen: „Okay, was davon ist jetzt wirklich wichtig? Was muss ich davon tun? Könnten wir vielleicht, was muss ich jetzt genau tun, damit ich ewiges Leben habe?“ Aber Jesus sagt: „Tu dies hier: Liebe Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und deinen Nächsten wie dich selbst.“

[21:51] Jesus, dadurch, dass das die Grundlage des gesamten Gesetzes ist, dadurch, dass das das Fundament für das gesamte Gesetz und die Propheten ist, alles speist sich daraus. Wenn ich das hier tue, dann tue ich letztlich automatisch alles, was das Gesetz und die Propheten sagt.

[22:27] Man kann also nicht eine Vorschrift herausnehmen und eine andere brechen, denn dasselbe Prinzip, sagt sie, findet sich in allen.

[22:40] Das Schicksal des Menschen wird entschieden durch sein Gehorsam dem gesamten Gesetz.

[22:51] Liebe, allerhöchste Liebe zu Gott und unparteiische Liebe zu Menschen sind die Prinzipien, die in unserem Leben sich zeigen sollen, die dort zur Wirkung, zur Geltung kommen sollen.

[23:09] Wir können kein ewiges Leben haben, wenn wir Gott nicht von ganzem Herzen lieben und wenn wir nicht andere Menschen genauso lieben wie uns selbst. Und das zeigt Jesus hier und macht deutlich, dass das etwas ist, was wir tatsächlich tun müssen.

[23:36] Nun lesen wir in Lukas 10, was der Mann darauf sagt. Vielleicht sollten wir noch kurz, bevor wir das lesen, eine Sache ganz klarstellen.

[23:44] Nichts von dem hier kann ein Mensch aus eigener Kraft tun, und das ist ja die ganze Grundlage dessen, was Paulus später dann in den Briefen auch noch einmal sehr deutlich macht.

[23:57] Wenn man versucht, ohne Jesus all diese Gesetze zu halten, dann tut man etwas Unmögliches. Man versucht etwas Unmögliches, man wird es nicht schaffen. Aber sie sind auch nie dafür gegeben worden, diese Gesetze, diese Prinzipien sind ja gar nicht dazu da, sie ohne Jesus zu halten.

[24:15] Man kann ja nicht aus eigener Kraft ohne Gott, Gott von ganzem Herzen lieben, das ist unmöglich. Sondern weil man mit Gott ist, liebt man ihn auch von ganzem Herzen. Deswegen setzt dieses Gebot, Gott von ganzem Herzen zu lieben, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt, das setzt eine Beziehung, eine lebendige Beziehung zu ihm voraus. Und eine echte, lebendige Beziehung zu Gott wird dazu führen und wird das beinhalten, oder wird das, ja, wird das hervorbringen.

[24:51] Lukas 10, Vers 29: „Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: ‚Und wer ist mein Nächster?‘“

[25:04] Der Vers impliziert ein getroffenes Gewissen. Der Jurist kannte die Antwort, er wusste, wo sie steht, aber die Worte von Jesus: „Tue das, und du wirst leben!“, haben ihn getroffen. Denn er wusste, solch eine überragende Liebe zu Gott, die alles andere in den Schatten stellt, die hat er nicht. Und er hat auch nicht wirklich jeden Menschen so geliebt wie sich selbst.

[25:35] So stellt er die Frage: „Und wer ist mein Nächster?“ Offensichtlich war vor allem dieser Teil, der ihn besonders Sorgen bereitet hat. Er hat wohl ganz besonders gemerkt, dass er als ein Gesetzesgelehrter, der natürlich wie alle anderen einen zum Teil krassen Hass auf die Römer gehabt hat, dass er hier ein Problem hatte.

[26:04] Diese Frage: „Wer ist mein Nächster?“ war eine Frage, die bei den Juden immer wieder diskutiert worden war. Eigentlich war ihnen vollkommen klar: Römer, die zählen nicht darunter. Heiden zählen nicht darunter, vor allem nicht die Samariter. Also, vor allem die, die also Heiden und Samariter, die sind auf jeden Fall keine Nächsten, weil die sind ja Feinde.

[26:28] Wir wissen aus der Bergpredigt, dass...

[26:30] Wir wissen aus der Bergpredigt, dass damals die Menschen wirklich glaubten und lehrten, und da wird auch jemand, so ein Jurist wie er, eine Rolle gespielt haben, der lehrte, dass man die Feinde hassen sollte. Fünfte in Matthäus 5, Vers 43 heißt es: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.“ Das heißt, der Gesetzesgelehrte hatte diese Einstellung, die damals allgemeine theologische, allgemeine Meinung gewesen ist. Auf jeden Fall zählen die Römer nicht darunter, auf jeden Fall zählen die Samariter nicht darunter. Heiden im Allgemeinen können nicht darunter zählen. Die Frage ist jetzt aber, wer zählt darunter? Sind jetzt alle Juden meine Nächsten, oder gibt es da auch einige, die vielleicht zu unrein sind? Wenn ein Priester, ein Rabbi, ein Ältester, der durch die Straßen geht, ist dann jeder sein Nachbar, sein Nächster? Gerade die, die unrein sind, die Dinge getan haben, die sündig sind, wenn man mit ihnen in Kontakt kommt, dann muss man sich so lange wieder entsündigen und reinigen. Und kann man jetzt wirklich jeden als einen Nächsten bezeichnen?

[27:42] So gab es endlose Diskussionen unter den Juristen und unter den Theologen: Wo ist jetzt genau die Grenze? Wer ist noch mein Nächster und wer nicht? Und das steht jetzt hier im Hintergrund. Er ist getroffen in seinem Herzen, weiß er eigentlich, dass er diese Gebote nicht erfüllt, aber er möchte das nicht nach außen zeigen. Er versucht sich zu rechtfertigen, so als ob er sagen möchte: Ja, ich habe jetzt vielleicht ein schlechtes Gewissen. Du tust jetzt so den Eindruck erwecken, als ob ich nicht das alles halte, aber es ist ja auch schwierig, das alles zu halten. Wer ist denn überhaupt mein Nächster? Woher kann ich denn jetzt wissen? Wie oft geschieht das, dass, wenn das Wort Gottes unser Herz trifft, wir plötzlich anfangen, Schwierigkeiten zu erfinden und sagen: Das kann man ja letztendlich gar nicht so wirklich halten. Woher soll ich jetzt genau wissen? Und dann fangen wir an, so Situationen zu konstruieren, um irgendwie den Gehorsam ad absurdum zu führen. Aber all das ist nur das Bellen eines getroffenen Gewissens.

[28:43] Wieder hat sich Jesus geweigert, in diese Diskussion jetzt einzusteigen. Er hat nicht die Heuchelei dieses Mannes getadelt. Dieser Mann hätte ja wissen können, was die Antwort ist. Woher? Ganz interessant: Im selben Kapitel, 3. Mose 19, in demselben Kapitel, in dem steht: „Du sollst deinen Nächsten lieben“, steht auch folgender Satz: 3. Mose 19, Vers 34. Das ist dasselbe Kapitel. Gut, damals gab es die Kapiteleinteilung noch nicht, aber es ist 16 Verse weiter. Dort steht: „Der Fremdling, der sich bei euch aufhält, soll euch gelten, als wäre er bei euch geboren, und du sollst ihn lieben wie dich selbst.“ Hier heißt es: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Hier heißt es: „Du sollst den Fremdling, den Ausländer, lieben wie dich selbst.“

[29:58] Die Frage ist also gar nicht schwer zu beantworten. Jeder Ausländer, der unter uns lebt, ist ein Nächster. Das geht schon direkt aus dem Gesetz hervor. Und als ein Gesetzeskundiger hat er den Text nicht nur gelesen, der kannte den wahrscheinlich auswendig. Und wenn er in der Lage gewesen ist, eine solch korrekte theologische Verbindung zwischen 3. Mose 19 und 5. Mose 6 herzustellen, dann war es nicht schwer für ihn, die Verbindung zwischen 3. Mose 19, Vers 18 und 3. Mose 19, Vers 34 herzustellen, zumal da dieselben Worte verwendet werden: „Du sollst ihn lieben wie dich selbst.“

[30:37] Eigentlich musste er gar nicht drüber diskutieren, ob jetzt ein jüdischer Bauer noch sein Nächster ist oder nur ein Rabbi. Jeder Römer im Land war sein Nächster, jeder Samariter war sein Nächster, jeder Grieche, der dort umherging und Waren verkaufte – jeder war sein Nächster nach dem Gesetz selbst.

[31:01] Indem er also das alles in Frage stellte, indem er behauptete, es wäre so, indem er suggerierte, es wäre schwer diesem Gebot zu folgen, weil: Wer ist denn eigentlich mein Nächster? Hat er die klare Aussage der Bibel beiseitegetan. Aber Jesus hat ihn nicht einfach dafür getadelt. Jesus hat nicht einfach diejenigen verurteilt, die darauf warteten, ihn in seinen Worten fangen zu können. Jesus hat nicht gesagt: „Wieso kannst du das nicht wissen?“ Jesus hat eine Geschichte erzählt.

[31:43] Es gibt eine schöne Aussage von Ellen White, die sagt: „Der Weg, um die Finsternis zu vertreiben, ist, das Licht zuzulassen. Der beste Weg, um mit Irrtum umzugehen, ist, die Wahrheit zu präsentieren. Es ist die Offenbarung der Liebe Gottes, die die Verdorbenheit und die Sünde des Herzens, das im Ich zentriert ist, offenbar macht.“

[32:15] Der Mann hat ja durchaus seine aufrichtige Frage, und Jesus wollte ihm den Weg zum Leben zeigen. Er selbst ist der Weg des Lebens, und er möchte ihm jetzt zeigen, was das hier bedeutet, und erzählt ihm eine Geschichte, die wir hier in Lukas 10 jetzt finden, ab Vers 30. Da erwiderte Jesus und sprach: „Es ging ein Mensch von Jerusalem nach Jericho hinab und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und liefen davon und ließen den halbtot liegen, so wie er war.“

[32:51] Diese Geschichte ist nicht ausgedacht, es ist eigentlich kein Gleichnis, wie es oft in den Überschriften zum Ausdruck kommt. Es ist eine reale Geschichte, die tatsächlich vor Kurzem so passiert gewesen ist. Ellen White sagt sogar, dass einige der Beteiligten, die an dem Mann vorbeigegangen sind, dann in der Zuhörerschaft waren. Sie wussten, dass das so passiert ist.

[33:24] Die Strecke von Jerusalem nach Jericho ist ungefähr 36 km zu Fuß und ein Höhenunterschied von ungefähr 800 m. Jericho liegt unten im Jordantal, über -250, also unter Normalnull, also über 1000 m, die es da hinabgeht. Eine ziemlich gefährliche Reise, denn ein Teil dieses Weges ist in der Wüste Judäa, und dort ist es heiß, dort gibt es kaum Wasser. Ein sehr viel begangener Weg, weil man kommt von Jericho dann hier nach Jerusalem. Gerade zu den Festen ist das ein Weg, der oft begangen wird und der deswegen gerade auch für Räuber eine gute Gelegenheit darstellte. Man konnte sich hier in den Klüften der Wüste Judäa schnell verstecken, man konnte schnell entkommen, keiner konnte einem dann hinterherkommen. Es war also ein sehr gefährlicher Weg, und als Jesus diese Geschichte erzählte, wussten alle, was dieser Mann durchgemacht hatte, als er von Jerusalem hinabgegangen war nach Jericho und dort von Räubern überfallen worden war. Er wäre dort wahrscheinlich gestorben, wenn ihm niemand geholfen hätte.

[34:35] Und dann lesen wir in Vers 31: „Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog, und als er ihn sah, ging er auf der anderen Seite vorüber.“ Damals war die Straße von Jerusalem nach Jericho an manchen Stellen wahrscheinlich nicht mal besonders breit. Man konnte also nicht so weit an der anderen Straßenseite gehen, dass man ihn nicht sehen konnte. Man musste vielleicht tatsächlich fast noch um ihn herumgehen.

[35:03] Was geht in einen Menschen vor, der einen anderen Menschen leiden sieht und ihm nicht helfen möchte? Gibt es Menschen, die du siehst, die körperlich, emotional, seelisch, geistlich leiden, die ausgeraubt sind, die gefallen sind, die hilflos daliegen, die nicht weiterwissen, die Dinge verloren haben, die ihnen wichtig sind? Seien es finanzielle Güter, sei es Frieden im Herzen. Und kannst du einfach vorbeigehen?

[35:41] Jesus illustriert mit dieser Geschichte das Wesen unseres Herzens und das Wesen des wahren Evangeliums. Das nächste Mal werden wir anschauen, wie diese Geschichte weitergeht. Wir werden sehen, wie Jesus durch diese Geschichte diesem Juristen, der durchaus aufrichtig war, aber gefangen war in seiner eigenen egoistischen Weltanschauung, die Wahrheit erklärt hat, so dass auch du und ich diese Wahrheit erkennen können.

[36:09] Wollen wir noch gemeinsam mit einem Gebet enden? Lass uns das bedenken. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass du durch dein Wort zu uns gesprochen hast. Herr, wir brauchen deine Wahrheit, vor allem brauchen wir deinen Heiligen Geist, denn wir wollen deine Wahrheit nicht einfach nur verstehen und annehmen, wir wollen sie ausleben. Herr, es ist oft so einfach, zu wissen, wo ein Bibeltext steht und zu wissen, was die richtige Antwort ist. Aber für uns alleine, ohne deine Hilfe, ist es unmöglich, es auch zu tun. Und du hast auch nie verlangt, dass wir es alleine tun, denn es ist ein Bund. Und Herr, wir möchten dich heute bitten, dass du uns hilfst, dass wir dich von ganzem Herzen lieben und jeden anderen Menschen so lieben wie uns selbst. Wirke das in unserem Herzen, dass wir es tatsächlich tun und mit dir zusammen im Alltag leben. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.


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