In dieser Folge der Serie „Der Ersehnte“ setzt Christopher Kramp die Betrachtung der Geschichte vom barmherzigen Samariter fort. Er beleuchtet, wie Priester und Leviten, obwohl sie das Gesetz kannten, dem verwundeten Mann nicht halfen, weil ihre theoretische Kenntnis nicht in praktische Nächstenliebe mündete. Der Sprecher betont die überraschende Rolle des Samariters, dessen tiefes Erbarmen ihn dazu bewegt, Zeit, Ressourcen und persönliche Pläne zu opfern, und zeigt, wie dies die wahre göttliche Liebe widerspiegelt, die Jesus lehrte.
Der Ersehnte: 233. „Ein Samariter aber“
Christopher Kramp · Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus ·Themen: Bibel, Bibelstudium, JesusPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Der Ersehnte
„Der Ersehnte“ wird das Leben und Wirken von Jesus Christus detailliert und chronologisch beleuchten. Die verschiedenen Evangeliumsberichte werden in ein harmonisches Ganzes zusammengefügt und die vielen alttestamentlichen Wurzeln und Bezüge aufgezeigt. Über allem steht der Wunsch, unseren Herrn und Erlöser in Seinem alltäglichen Leben besser kennen zu lernen. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/der-ersehnte/ entnommen.
Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:
Weitere Aufnahmen
Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus
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Transkript
[0:33] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar „Der Ersehnte“. Schön, dass ihr wieder dabei seid hier auf www.julmedia.de. Wir wollen weiter studieren im Leben und Wirken von unserem Freund, Schöpfer und Erlöser Jesus Christus. Wir sind gerade mittendrin in der Geschichte, in der Jesus die Geschichte vom barmherzigen Samariter erzählt in Lukas Kapitel 10. Und bevor wir dort weitermachen und uns gleich noch mal erinnern, was wir im letzten Mal gelernt haben, möchten wir Gott einladen, dass er auch heute durch die Worte, die wir lesen werden, zu uns spricht und wir erkennen, was diese Geschichte, diese Lehre von Jesus, mir und dir, lieber Freund, liebe Freundin, was sie uns zu sagen hat und wie wir sie durch Gottes Kraft, durch seinen Heiligen Geist, auch im Leben tatsächlich erleben können. Wollen wir gemeinsam beten? Wenn es dir möglich ist, dann lade ich dich auch ein, dazu niederzuknien.
[1:41] Lieber Vater im Himmel, danke, dass du uns dein Wort gegeben hast und danke, dass wir in den Evangelien so viel Interessantes und Tiefgehendes und Bewegendes über Jesus lernen dürfen. Wir möchten dich bitten, dass du jetzt unser Lehrer bist und dass das Studium uns begeistert, es uns auch persönlich herausfordert, vor allem aber, dass es uns tröstet und stärkt, dass es uns noch näher zu dir bringt und dass wir Schritte an deiner Hand machen dürfen. Herr, sprich du jetzt zu uns mit deinem mächtigen, unveränderlichen Wort. Im Namen Jesu beten wir. Amen.
[2:30] Wir sind in Lukas Kapitel 10. Wir haben ab Vers 25 das letzte Mal die Geschichte betrachtet, als ein Jurist – die Schlachter übersetzt: ein Gesetzesgelehrter – zu Jesus kommt und eine entscheidende Frage stellt. Er fragt: „Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?“ Jesus macht etwas sehr Interessantes und fragt den Juristen zurück, was er denn im Gesetz dazu finden kann, was denn das Gesetz, die fünf Bücher Mose, zu dieser Frage sagen. Und der Jurist gibt eine absolut korrekte Antwort. Er zitiert 5. Mose Kapitel 6 und dort Vers 5 sowie 3. Mose 19 Vers 18, wo es darum geht, einmal Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit aller Kraft und mit dem ganzen Denken zu lieben und den Nächsten wie sich selbst. Und Jesus beglückwünscht ihn zu dieser Antwort, sagt, dass diese Antwort richtig ist, und dann sagt er etwas sehr Wichtiges. Er sagt: „Tue dies, so wirst du leben.“ Das Entscheidende ist nicht, dass wir wissen, was Gottes Wort über die Erlösung sagt oder dass wir wissen, wo es steht, sondern dass wir das, was Gottes Wort sagt, auch in seiner Kraft tun.
[4:00] Der Jurist merkt, dass hier genau das Problem liegt, und er stellt jetzt eine Frage, mit der er andeuten möchte, dass es ja gar nicht so einfach sei, das jetzt immer im Detail im Alltag in die Praxis umzusetzen. Man wisse ja mitunter gar nicht, wer jetzt genau der Nächste sei. Es gab – und das haben wir gesehen – große Diskussionen, wer innerhalb des Volkes Gottes überhaupt zu einem Nächsten gehören würde, wen ein Jude dann wirklich zu seinen Nächsten zählen sollte. Dass die Samariter oder die Heiden dazu zählen könnten, das hatte man völlig ausgeblendet.
[4:42] Und Jesus geht auf diese Frage ein, indem er eine Geschichte erzählt, eine Geschichte, die er sich nicht ausgedacht hat, sondern die sich tatsächlich so gerade erst zugetragen hatte. Wir haben gehört, dass einige der Beteiligten hier sogar dann in seiner Zuhörerschaft gewesen waren. Wir haben gesehen, dass in dieser Geschichte ein Mann von Jerusalem nach Jericho hinabging auf einem gefährlichen Weg, der teilweise durch die Wüste Juda führte. Steil geht es dort bergab, viele Hunderte Meter Höhenunterschied sind zu überwinden, und dort war es üblich, dass Räuber immer wieder Menschen überfielen. So auch hier: Sie schlugen ihn, ließen ihn halbtot liegen und raubten ihn aus. Und dann kommt ein Priester diese Straße hinab, und als er ihn sah, haben wir gesehen, ging er auf der anderen Seite weiter, ohne ihm zu helfen.
[5:50] An dieser Stelle setzen wir ein und lesen jetzt in Vers 32, Lukas 10 Vers 32. Wir lesen vielleicht noch Vers 31 noch mal, um dort hineinzukommen: „Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog, und als er ihn sah, ging er auf der anderen Seite vorüber. Ebenso wie der Priester, ebenso Vers 32, kam auch ein Levit, der in der Gegend war, sah ihn und ging auf der anderen Seite vorüber.“
[6:19] Nach dem Priester kommt ein Levit. Interessanterweise kennen wir die Leviten vor allem aus dem Alten Testament. Dort kommen sie ständig vor, die Nachfahren Levis, die ja in der Zeit von Mose, in den Mosebüchern, auserwählt worden sind, dann als die Diener des Heiligtums. Aus ihrer Mitte ist dann auch das Priestertum auserwählt worden, die Nachkommen Aarons. Die Leviten hatten die Aufgabe, am Heiligtum zu dienen, zunächst dann der Stiftshütte, später dann an dem gebauten Tempel. Sie waren also in besonderer Weise mit Gottes Werk und der Lehre der Erlösung vertraut, betraut und das Ganze aufrechtzuerhalten, was dort an Symbolen dem Volk Israel über Jahrhunderte immer wieder präsentiert worden ist.
[7:18] Interessanterweise sind die Leviten dann im Neuen Testament so gut wie gar nicht so richtig präsent in den Texten. Bisher haben wir sie nur ein einziges Mal explizit erwähnt gesehen in Johannes 1 und dort Vers 19. Dort heißt es: „Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden von Jerusalem Priester und Leviten sandten, um ihn zu fragen: Wer bist du?“ Das Interessante an dem Text, den wir hier jetzt betrachten in Lukas 10 Vers 32, ist eine bestimmte Nuance, die in den deutschen Übersetzungen gar nicht so präzise meistens herauskommt. Wörtlich kann man nämlich diesen Vers hier in Vers 32 wie folgt übersetzen: „Auf dieselbe Weise aber war auch ein Levit an dem Ort, der, nachdem er kam und sah, auf der anderen Seite weiterging.“ Die griechische Grammatik erlaubt dieses Verständnis, dass der Levit nicht einfach nur irgendwo so da entlang ging, sondern er war in der Gegend, und dann kam er und sah und ging dann auf der anderen Straßenseite weiter.
[8:40] Das impliziert, dass offenbar der Levit nicht einfach nur so ja ganz gleichgültig vorbeigegangen ist, sondern offenbar zum Opfer gegangen ist, es angeschaut hat und dann weitergegangen ist. In gewisser Weise also eine gewisse Steigerung auch gegenüber dem Priester, der, soweit wir das vom Text her sehen können, einfach nur an dem halbtoten Mann dort vorbeiging, ohne genauer hinzuschauen.
[9:17] Ellen White kommentiert das wie folgt: „Der Levit erschien, und er war neugierig zu wissen, was passiert ist. Also stoppte er und schaute auf den Leidenden. Während der Priester kaum ihn eines Blickes gewürdigt hatte, hat dieser Levit hingeschaut. Er war überzeugt von dem, was er tun müsste, aber es war keine angenehme Pflicht. Er wusste, eigentlich müsste er diesem Mann helfen, aber er hatte dazu jetzt gerade keine Lust. Er wünschte, er wäre nicht diesen Weg gekommen.“ Kennst du das auch? Ist es auch schon mal passiert, dass du merkst: „Oh, jetzt müsste ich eigentlich helfen. Ach, hätte ich bloß einen anderen Weg gewählt, hätte ich bloß irgendwie was anders gemacht, dass ich nicht in diese Situation geraten wäre.“ So hat sich dieser Levit gefühlt, so dass er nicht diesen verwundeten Mann gesehen hätte. Er überzeugte sich, dass dieser Fall ihn nicht anging.
[10:19] Beide dieser Männer, der Priester und der Levit, hatten eine heilige Aufgabe, und sie bekannten sich dazu. Sie behaupteten – und ja, das war ihr Bekenntnis –, dass sie die Heilige Schrift erklärten. Sie waren Lehrer des Gesetzes, der Priester sowieso, aber auch die Leviten hatten eine Aufgabe darin, das Wort Gottes im Volk zu verbreiten. Es waren sozusagen Prediger, Verkündiger der Bibel. Sie waren aus der Gruppe Menschen, die speziell dazu auserwählt war, Repräsentanten Gottes für das Volk zu sein. Ein geistlicher Lehrer ist ja nicht einfach nur jemand, der Informationen weitergibt, sondern der durch sein Leben auch den Charakter Gottes dem Volk widerspiegeln soll.
[11:17] In besonderer Weise das Werk, zu dem sie gerufen waren, war dasselbe, das Jesus als sein Werk beschrieben hat, als er gesagt hat: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, den Armen das Evangelium zu predigen. Er hat mich gesandt, die zu heilen, die zerbrochenen Herzen sind, Befreiung den Gebundenen zu predigen und dass den Blinden wieder ihre Sicht, ihr Sehen zurückgegeben wird, um die zu befreien, die verwundet sind.“ Das war die Aufgabe, von der Jesus gesagt hat: „Das ist meine Aufgabe“, aber es war auch die Aufgabe eines jeden, der für Gott gearbeitet hat. Das war ja eine Aufgabe, die in Jesaja 61 beschrieben wird. Jesaja 61 und dort Vers 1: „Der Geist des Herrn, des Herrschers, ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden. Er hat mich gesandt, zu verbinden, die zerbrochenen Herzen sind, den Gefangenen Befreiung zu verkünden und Öffnung des Kerkers den Gebundenen.“
[12:24] Diesen Text kannten sie beide. Sie wussten, dass Gottes Geist dazu befehigen möchte. Dort, wo Gottes Geist ist, da werden zerbrochene Herzen verbunden, dort werden Gefangene befreit, dort werden die getröstet, die trauern. Sie kannten die Texte. Sie wussten, dass in 2. Mose 23 folgendes steht. In 2. Mose 23 dort steht in Vers 4 und 5: „Wenn du das Rind deines Feindes oder seinen Esel antriffst, der sich verlaufen hat, so sollst du ihm denselben auf jeden Fall wiederbringen. Siehst du den Esel deines Feindes unter seiner Last erliegen, könntest du es unterlassen, ihm zu helfen? Du sollst ihm samt jenem, also auch dem Feind, unbedingt aufhelfen.“
[13:22] Wenn man dem Esel des Feindes helfen sollte, dann nicht auch jedem Menschen, der halbtot auf dem Weg liegt? Kein Zweifel, der Priester und der Levit kannten diese Stelle, und wenn man sie gefragt hätte, hätten sie gewusst, wo das steht, und sie hätten auch gesagt, dass das die Wahrheit ist. Sie taten es nur nicht. Da gab es eine riesige Kluft zwischen ihrem theoretischen Wissen über die Bibel und dem, was sie praktisch im Alltag dann taten, wenn es drauf ankam.
[14:04] Das war nicht der einzige Text, den man dazu kennen konnte und den sie mit Sicherheit gekannt haben. 5. Mose Kapitel 10 und dort Vers 17 bis 19. Dort heißt es: „Denn der HERR, euer Gott – 5. Mose 10 Vers 17 bis 19 –, denn der HERR, euer Gott, er ist der Gott der Götter und der Herr der Herren, der große und mächtige und Furcht gebietende Gott, der die Person nicht ansieht und kein Bestechungsgeschenk annimmt, der der Waise und der Witwe Recht schafft und den Fremdling lieb hat, so dass er ihm Speise und Kleidung gibt. Und auch ihr sollt den Fremdling lieben, denn ihr seid ebenfalls Fremdlinge gewesen im Land Ägypten.“ Gott sagt: „Ich liebe den Ausländer, und du sollst dem Ausländer helfen.“
[15:02] Und du sollst den Ausländer lieben. Der Pharisäer – also Verzeihung – der Priester und der Levit, die gingen an dem Mann vorbei, und sie kannten diese Texte, aber sie taten sie nicht. Erinnern wir uns daran, was Jesus dem Juristen gesagt hatte, als der eine richtige Antwort gegeben hatte? Jesus sagte: „Tue dies, so wirst du leben.“ 3. Mose 19 Vers 34: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“, haben wir uns schon angeschaut. 1. Mose 19 Vers 2: Der Gerechte Lot macht folgendes, als er Fremde kommen sieht in Vers 2 und sprach: „Siehe, meine Herren, kehrt ein in das Haus eures Knechtes und bleibt über Nacht und wascht eure Füße, so mögt ihr am Morgen früh aufstehen und euren Weg ziehen.“ Sie sprachen: „Nein, sondern wir wollen im Freien übernachten.“ Und dann heißt es Vers 3: „Aber drangen sie, da kehrten sie bei ihm ein und kamen in sein Haus, und er bereitete ihnen ein Mahl und machte ungesäuerte Brotfladen, und sie aßen.“
[16:08] Wir sehen im Alten Testament immer und immer wieder, wie das Alte Testament klar und deutlich zeigt, dass wir auch dem Fremden helfen sollen, dem, den wir nicht kennen, dass wir sogar für unseren Feind da sein sollen. Das war die klare Lehre des Alten Testamentes. Jesus hat nicht etwas Neues gebracht, er hat nicht die Lehre der bisherigen Bibel verändert. Er hat hier in dieser Geschichte unter anderem, wie auch sonst so oft, deutlich gemacht, dass Gott sich wünscht, dass das, was im Alten Testament steht, auch umgesetzt wird, dass das getan wird.
[16:46] Ellen White sagt, nachdem sie diese Zitate hier, die wir gelesen haben, zitiert hat, auch dazu noch Hiob 31 Vers 32, sagt sie: „Mit all diesen Lektionen waren der Priester und der Levit vertraut, aber sie hatten sie nicht in das praktische Leben umgesetzt. Ausgebildet in der Schule der nationalen Engstirnigkeit, waren sie egoistisch, engstirnig und exklusiv geworden.“ Als sie auf den verwundeten Mann schauten, konnten sie nicht genau sagen, ob er aus ihrer Nation ist oder nicht. Sie hatten also nicht genau eine Möglichkeit, um zu sagen, ob er nicht vielleicht doch ein Samariter sein könnte. Sie dachten, er könnte ein Samariter sein, und sie gingen weiter. Allein die Möglichkeit, dass er kein Jude ist, war für sie ausreichend, damit sie auf keinen Fall einem Samariter helfen, dass sie dann lieber auch es in Kauf nehmen, dass sie sich irren und einen eigenen Landsmann halbtot dort liegen lassen.
[18:04] Das Interessante nun ist, als Jesus dieses Geschehen beschreibt, was passiert ist mit dem Mann und mit dem Priester und dem Leviten, die vorbeigehen, sagt sie dann, dass als Jesus diese Handlung beschrieb vom Priester und vom Leviten, konnte der Jurist nichts sehen, was gegen das stand, was er gelehrt worden war. Er sah das als ganz normal an. Ja, er sagte: „Ja, ja, genauso hätte ich das wahrscheinlich auch gemacht.“ Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende, denn jetzt kommt ein echter Plot Twist, wie man in der Filmsprache sagt. Jetzt verändert sich etwas in der Geschichte, was den Juristen völlig überrascht haben wird, beziehungsweise, wenn er diese Geschichte schon kannte, ihn auf jeden Fall im Herzen getroffen haben wird.
[19:04] In Lukas 10 Vers 33 heißt es: „Ein Samariter aber kam auf seiner Reise in seine Nähe, und als er ihn sah, hatte er Erbarmen.“ Ein Samariter. Wir haben über die Samariter schon einiges gelernt, als wir damals über Johannes 4 gesprochen haben, haben wir festgestellt: Die Samariter sind das Volk, zu dem die Juden eigentlich so gut wie keinerlei Kontakt gepflegt haben. Ein Mischvolk entstanden, als die Assyrer das Nordreich Israel für alle Zeiten besiegt hatten, die Bevölkerung in großen Teilen weggeführt haben in andere Gegenden des Alten Orients und dann dort ebenfalls andere Völkerschaften angesiedelt haben, zum Beispiel aus Babylonien, sodass mit den verbliebenen Rest-Israeliten dort ein Mischvolk entstand, das durchaus Götzendienst auch betrieb, aber das Wissen um einen wahren höchsten Gott nie ganz aufgegeben hat. Eine andere, der alttestamentlichen Religion nicht völlig unähnliche Religion, die aber eben doch nicht all das akzeptierte, was das Alte Testament in seiner Gänze sagte.
[20:21] Für die Juden waren die Samariter die Abgefallenen, die die Religion nicht richtig verstanden haben. Man hatte mit ihnen keinen Kontakt. Wir haben aber schon in Johannes 4 gesehen, dass Jesus sich von solchen Schranken nicht beeindrucken ließ. Es war eine Samariterin, der er als erstes – oder der er sagen konnte, nicht als erstes, aber der er sagen konnte – dass er der Messias ist. Wir haben auch gesehen, dass die Samariter nicht immer freundlich zu Jesus gewesen sind. In Lukas 9 und dort Vers 52 und 53 haben wir gesehen, wie die Samariter an dieser Stelle Jesus abgelehnt haben und ihn nicht aufgenommen haben. Wir haben auch gesehen, wie Jesus in Johannes 8 Vers 48 als Samariter beschimpft worden ist. Das war ein Schimpfwort.
[21:21] Aber das Besondere an dieser Stelle ist: Hier kommt dieser Samariter. Allein die Nennung des Namens, als Jesus den Namen ausgesprochen hat, wird es den meisten Zuschauern und Zuhörern so einen Stich gegeben haben. „Ein Samariter aber“, dann sagt Jesus etwas ganz Bemerkenswertes. Er sagt: „Dieser Samariter sah ihn, und er hatte Erbarmen.“
[21:44] Dieses Wort „Erbarmen“ ist so interessant, denn es kommt relativ häufig im Neuen Testament vor, und wenn es vorkommt, als eine Eigenschaft von Jesus. Jesus hat Erbarmen mit den Menschen. Einmal kommt es vor in Lukas 15, da hat der Vater des verlorenen Sohnes Erbarmen, aber auch das ist natürlich ein Bild für Gott, Vater des verlorenen Sohnes. Und einmal kommt es in Markus 9,22 als eine Aufforderung an Jesus, also: „Hab Erbarmen!“ Das heißt, in allen Stellen im Neuen Testament, wo dieses Wort vorkommt, geht es sonst immer um eine Eigenschaft von Jesus, die entweder im Einzelfall eingefordert oder vielmehr von Jesus auch gezeigt wird. Eine Eigenschaft Gottes dem Sünder, dem Armen, dem Verlorenen gegenüber, eine göttliche Eigenschaft dargestellt durch einen Samariter.
[23:13] Der Samariter hat Erbarmen. Er wird zur Illustration der göttlichen Liebe, und dieses Erbarmen führt dazu, dass er Dinge tut. Echte göttliche Liebe ist immer wirksam, sie wirkt, sie tut etwas. Vers 34: „Und er ging zu ihm hin, verband ihm die Wunden und goss Öl und Wein darauf, hob ihn auf sein eigenes Tier, führte ihn in eine Herberge und pflegte ihn.“
[23:47] Er sieht ihn, er hat Erbarmen, und aufgrund des Erbarmens – das Erbarmen ist die Grundlage von allem, was er tut. Er tut diese Dinge nicht, weil er dadurch etwas abhaken will. Er tut es nicht, weil er sich dadurch etwas verdienen will. Er weiß ja nicht, ob dieser Mann ihn jemals zurückbezahlen könnte. Er hat Erbarmen, und weil er Erbarmen hat, geht er erstens zu ihm, dann sieht er seine Wunden, und er verbindet seine Wunden, und er gießt Öl und Wein darauf.
[24:18] Interessanterweise wissen wir aus der Geschichte, dass die Römer in der Regel bei Wunden auch Wein und Traubensaft verwendet haben. Das ist die antiseptische Wirkung wegen der Phenole, die dort zu finden sind, dann im Wein. Das spielt die entscheidende Rolle. Dieser Samariter investiert etwas. Diesen Wein, dieses Öl hat er ja bei sich, weil er damit etwas anderes vorgehabt hat, aber er benutzt es jetzt, um diesem armen Menschen zu helfen.
[24:54] Er tut auch nicht nur das Nötigste, sondern nachdem er ihn verbunden hat und die Wunden gereinigt und sozusagen, ja, soweit es erstmal getan, ihm geholfen hat diesbezüglich, nimmt er ihn auf sein eigenes Tier und führt ihn in eine Herberge, und dort gibt er ihn nicht einfach ab, sondern er bleibt bei ihm die ganze Nacht. Er pflegt ihn. Er investiert nicht nur ein bisschen Öl und Wein, er investiert richtig Zeit. Er hat ja auch etwas vorgehabt, er hat ja auch einen Plan sich gemacht, aber er weicht von seinem eigenen Plan ab, weil ein anderer seine Hilfe braucht.
[25:42] Er hat den Geist des Gesetzes verstanden. Wir haben gerade schon 2. Mose 23 gelesen, Vers 4 und 5: „Wenn ein Esel deines Feindes unter seiner Last niederliegt, hilf ihm auf.“ Wie viel mehr ein Mensch, der krank, der zerschlagen, der halbtot dort am Weg liegt?
[26:06] Für den Samariter war es vollkommen egal, ob dieser halbtote Mann ein Samariter oder ein Jude ist. Jesus hatte genau diese Art von Liebe gelehrt, als er in Matthäus 5 folgendes gesagt hatte. Genau das hat er gemeint in seiner Lehre in Matthäus Kapitel 5 in der Bergpredigt Vers 43 bis 45: „Ihr habt gehört – und auch der Jurist hat das so gehört –, das gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.“
[26:35] Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Das stand so niemals in der Bibel. Das war einfach die menschliche Tradition, die mittlerweile auch an den theologischen Institutionen gelehrt worden ist. Hüten wir uns vor menschlichen Traditionen, die dem menschlichen Geist vielleicht ganz plausibel erscheinen, die aber im Widerspruch zu dem offenbarten Wort Gottes stehen.
[27:00] Vers 44: Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, segnet die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen und bittet für die, welche euch beleidigen und verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel seid, denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte.
[27:18] Wer war ein Kind Gottes in dieser Geschichte? Der Priester, der die Bibel ausgezeichnet kannte? Der Levit, der fleißig in der Gemeinde, im Heiligtum mithalf? Oder der Samariter, der zwar vieles theologisch nicht richtig verstand, aber das Herz Gottes umsetzte in seinem praktischen Leben?
[27:54] Er verbindet die Wunden, und das ist eine Eigenschaft, die Gott selbst hat. In Psalm 147 und dort Vers 3 lesen wir Vers 2 und 3: Der Herr baut Jerusalem, die Zerstreuten Israels wird er sammeln. Er heilt die zerbrochenen Herzens sind und verbindet ihre Wunden.
[28:22] Das ist genau das, was wir bei dem Messias in Jesaja 61 gesehen haben, auf dem der Geist des Herrn ruht, damit er den Armen das Evangelium predigt und die Wunden verbindet, die zerbrochenen Herzen heilt.
[28:39] Dieser Samariter repräsentiert Gottes Charakter.
[28:47] Lesen wir weiter, was er tut in der Geschichte, was er tatsächlich getan hat. Diesen Samariter gab es ja wirklich. Es ist nicht eine Märchenfigur, die Jesus erfindet, um sozusagen ein Ideal zu zeigen. Es gab einen solchen Menschen, der trotz des Hasses, den die Juden auf ihn hatten, diesem Menschen so hilft, obwohl er nicht einmal weiß, ob es ein Jude oder ein Samariter ist.
[29:12] Vers 35: Und am anderen Tag, als er fortzog, gab er dem Wirt zwei Denare und sprach zu ihm: Verpflege ihn, und was du mehr aufwendest, will ich dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.
[29:25] In einer heutigen Relation sind das ungefähr 200 Euro, die er dem Wirt hier mitgibt, und er verspricht auch für alle weiteren Pflegekosten aufzukommen.
[29:39] Interessant ist die Betonung im Griechischen. Er sagt: „Ich werde dir den Rest bezahlen“, als ob er verhindern möchte, dass der Wirt vielleicht dann, wenn die 200 Euro, die zwei Denare, aufgebraucht sind, anfängt, von dem immer noch kranken Patienten dort vielleicht Geld zu fordern, damit die laufenden Kosten bezahlt werden. Er sagt: „Nein, nein, mach das nicht. Ich werde zurückkommen, und wenn du noch mehr aufwendest, wenn diese 200 Euro nicht reichen, dann werde ich für den Rest aufkommen.“
[30:08] Er verbürgt sich. Er ist die Sicherheit für den Patienten.
[30:23] Ellen White sagt: Der Samariter hat sich nicht gefragt, ob dieser Fremde ein Jude oder ein Heide ist. Wenn er ein Jude sei, wusste der Samariter ganz genau, dass, wenn ihre Umstände umgekehrt wären, dieser Mann in sein Gesicht spucken und ihm mit Verachtung begegnen, an ihm vorbeigehen würde.
[30:46] Aber obwohl er das wusste, hat er nicht gezögert, diesen Mann zu helfen. Er hat nicht einmal darüber nachgedacht, dass er selbst in Gefahr geriet, Gewalt zu erleben, indem er sich hier jetzt länger aufhielt. War ja ein gefährlicher Ort. Nirgendwo steht, dass die Räuber verschwunden waren. Sie hätten ja wiederkommen können.
[31:10] Es war ausreichend für ihn, dass dort ein bedürftiger und leidender Mensch war. Er nahm sein eigenes Gewand von seinem Körper, um ihn zu bedecken. Das Öl und der Wein, die er für seine eigene Reise mitgenommen hatte, benutzte er, um den verwundeten Mann zu heilen und ihn auch zu erfrischen.
[31:38] Daraus würde ich jetzt schlussfolgern, dass es hier durchaus um Traubensaft ging.
[31:47] Er hob ihn auf sein eigenes Tier und ging dann langsam mit gemäßigtem, gemessenem Schritt, sodass der Fremde nicht noch extra leiden muss. Wenn man so einen Verwundeten auf einem Maultier oder einem Esel dann transportiert, kann man nicht das schnellste Tempo gehen. Man muss langsam gehen, damit nicht noch die Erschütterung an sich ja schon nicht ganz ohne ist. Mit anderen Worten, er konnte nicht einfach schnell helfen, er musste sich wirklich Zeit nehmen.
[32:23] Er brachte ihn zu einer Herberge und sorgte durch die gesamte Nacht für ihn und passte mit Zartgefühl auf ihn. Er hat ihn nicht einfach nur abgegeben und dann selbst schlafen gegangen. Er hat die ganze Nacht für ihn gesorgt, seine Wunden versorgt.
[32:41] Am Morgen, als es dem kranken Mann schon besser ging, hat der Samariter gewagt, jetzt seinen eigenen Weg weiterzugehen. Aber bevor er das tat, hat er ihn in die Fürsorge des Herbergswirtes gegeben.
[33:00] Die Kosten bezahlt und noch etwas zurückgelassen zugunsten des Patienten, und selbst damit noch nicht zufrieden, hat er dafür gesorgt, dass, wenn noch mehr gebraucht wird, er das bezahlen würde.
[33:18] Das ist der Samariter gewesen. Und jetzt in Vers 36 kommt die Frage von Jesus, nachdem er diese Geschichte erzählt hat, an den Juristen.
[33:32] Er sagt in Vers 36: „Welcher von diesen dreien – Priester, der Levit und der Samariter – welcher von diesen dreien ist deiner Meinung nach nun der Nächste gewesen, der unter die Räuber gefallen ist?“
[33:51] Jesus lässt den Juristen selbst die Schlussfolgerung ziehen. Er präsentiert nur die Fakten, aber er zwingt ihm die Schlussfolgerung nicht auf. Man soll selbst verstehen und erkennen, was die Wahrheit ist.
[34:09] Und wiederum gibt der Jurist eine richtige Antwort. Er sagt in Vers 37: „Er sprach: Der, welcher die Barmherzigkeit an ihm geübt hat.“
[34:22] Und hier sehen wir, wie schwer es ihm fällt, denn er bringt es nicht über das Herz, auch nur das Wort Samariter auszusprechen. Dieser Gedanke, dass ein Samariter etwas richtiger und der Bibel entsprechender gemacht hat als ein Priester und ein Levit, das ist ihm so unangenehm. Er bringt es nicht über die Lippen zu sagen, dass ein Samariter hier richtig gehandelt hat. Und so sagt er nur: „Der, welcher die Barmherzigkeit an ihm geübt hat.“
[34:57] Wie tief war das Vorurteil, wie tief war der Hass auf diese Fremden, dass selbst das überzeugende Wort Jesu, das Wort Gottes, das sogar letztlich zu einer Überzeugung der Wahrheit geführt hat, er bei all dem trotzdem dieses Vorurteil nicht ganz aufgegeben hat.
[35:22] Das sollte uns zeigen, wie tief Vorurteile in uns sitzen und dass wir sehr vorsichtig sein sollten, wenn es um Vorurteile geht, weil sie sich so tief in uns hineinfressen können, dass wir selbst trotz der Worte Jesu an ihnen festhalten.
[35:56] Dann kommt der Aufruf. Jesus sagt wieder das, was er auch schon am Anfang der Geschichte gesagt hatte, als der Jurist eine richtige Antwort gegeben hatte. Wir erinnern uns, der Jurist hatte eine richtige Antwort gegeben, und Jesus hatte gesagt: „Tue dies, so wirst du leben.“
[36:13] Jetzt gibt der Jurist nach der Geschichte wieder eine richtige Antwort. Er identifiziert den Samariter, auch wenn er ihn nicht beim Namen nennt, als denjenigen, der tatsächlich so gehandelt hat, wie man eigentlich nach der Bibel, nach dem Alten Testament, handeln sollte. Und dann sagt Jesus: „Da sprach Jesus zu ihm: So geh du hin und handle ebenso! Tue dies, und du wirst leben.“
[36:37] Was für ein bemerkenswerter Aufruf! Jesus macht den Samariter zum Vorbild für einen jüdischen Juristen.
[36:51] Unglaublich! Der jüdische Jurist soll sich ein Vorbild nehmen. Er soll das Handeln eines Samariters imitieren.
[37:03] Und wiederum zeigt sich hier: Es geht nicht darum zu wissen, wer Recht hat. Es geht nicht darum zu wissen, wo es steht. Es geht darum, das zu tun, was Gottes Wort uns sagt, denn jeder kann es tun. Man muss nicht ein Jude sein, ein Mitglied des Volkes Gottes, um das hier zu tun, wie uns der Samariter zeigt.
[37:29] Jeder kann Gottes Wort tun, wenn er möchte. Und natürlich wird ein Mensch, der Gottes Wort folgt und umsetzt, von Gott auch so geführt werden, auch zu seinem Willen.
[37:47] Jesus wollte mit dieser Geschichte nicht sagen, dass wir durch eigenes Tun unsere Erlösung bewirken können. Das ist ganz klar. Der Samariter tut hier nicht einfach aus eigener Kraft etwas, um sich bei Gott verdient zu machen, sondern die Liebe Gottes, auch wenn er die Theologie des Alten Testamentes bei weitem nicht so versteht wie die Juden, weil er viele Bücher gar nicht anerkennt, die Liebe Gottes hat sein Herz so gewärmt, dass er das tut, was auch Jesus tun würde in diesem Moment.
[38:27] Es geht also darum, dass wir unsere geistliche Erkenntnis auch tatsächlich umsetzen. Das ist der Punkt dieser Geschichte. Was nützt uns die Wahrheit, wenn sie im Leben nicht sichtbar wird, wenn wir nicht tun, was wir wissen, was uns Gott gezeigt hat? Und natürlich können wir es nur tun durch Gottes Kraft, denn wir sehen an der Geschichte des Samariters, dass in allem, was er tut, Jesus eigentlich durch ihn wirkt. Es ist das Wirken des Heiligen Geistes. Es sind Gottes Werke, die Gott zuvorbereitet hat, in denen der Samariter hier wandelt, so wie es in Epheser 2, Vers 10 steht.
[39:04] Dort lesen wir nämlich in Epheser 2, Vers 10: „Denn wir sind seine Schöpfung, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvorbereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.“ Gute Werke, die Gott zuvorbereitet hat, die Gott geschaffen hat. Und wir sehen hier in der Geschichte bei diesem Samariter – und das ist, wie gesagt, keine ausgedachte Geschichte, eine reale Geschichte – ein Samariter hatte einen so engen Draht zu Gott, dass er das tat, was Gott für ihn vorbereitet hatte, das, was Gott selbst gerne tun möchte.
[39:43] Mit anderen Worten, der Samariter stellt in gewisser Weise durch sein Handeln Jesus dar. Er reflektiert den Charakter Gottes.
[39:58] Was war passiert? Ein Mann war verletzt worden. Auch wir sind von Satan ausgeraubt und verletzt, halbtot geschlagen. Wir sind aufgrund der Angriffe Satans in unserem Leben, den erfolgreichen Angriffen, die er durchgeführt hat, wir haben verloren, was Gott uns geschenkt hat und sind hilflos und erbärmlich, nackt, bloß.
[40:35] Und vielleicht geht es auch dir so, dass du schlimme Wunden in deinem Leben erhalten hast und von religiösen Menschen enttäuscht worden bist, die an dir vorbeigegangen sind, die gesehen haben, dass es dir schlecht geht, die gesehen haben, dass man mit dir Zeit verbringen müsste, die dir hätten helfen können, aber die keine Lust haben, die klug reden konnten in der Gemeinde und die Bibeltexte kannten, aber wenn es darum ging, dir zu helfen, sich aus dem Staub gemacht haben.
[41:17] Aber lieber Freund, liebe Freundin, Jesus ist anders. Jesus hat Mitleid mit mir und mit dir.
[41:31] Denn wir haben ja gesehen, dieses Erbarmen ist im Neuen Testament bis auf diese Stelle immer eine Eigenschaft von Jesus bzw. von Gott dem Vater (oder von Gott allgemein, wenn wir die Geschichte vom verlorenen Sohn erstmal allgemein auch auf Gott den Ganzen beziehen).
[41:47] Jesus hat Mitleid mit uns. Er hat Mitleid mit dir und mit mir. Und weil er Mitleid hat, kam er in diese Welt. Er hat sich nicht darum gesorgt, dass es selbst für ihn gefährlich wird, denn es wurde für ihn gefährlich, indem er Mensch wurde, war er selbst in der Gefahr, sein ewiges Leben zu verlieren. Er war selbst in der Gefahr, von Satan verletzt zu werden, so dass er dann selbst verloren gehen könnte. Er hat diese Gefahr auf sich genommen.
[42:19] Er nimmt die Gefahr auf sich. Er kommt zu uns. Er kommt zu mir. Er wartet nicht, bis ich meine Wunden selbst im Griff habe, dass ich zu ihm gehen kann. Jesus kommt zu mir.
[42:39] Ja, wir sagen, wir müssen zu Jesus kommen. Das stimmt in gewisser Weise, wenn es darum geht, dass wir eine Entscheidung für ihn fällen wollen. Aber wir sollten zuerst einmal realisieren, dass zuerst einmal Jesus zu uns kommt. Er wirkt zuerst an uns, der Geist Gottes wirkt an uns, als wir es noch gar nicht bemerkt haben. Jede Entscheidung, die wir fällen, ist nur eine Reaktion darauf, dass er zuerst an unsere Herzenstür geklopft hat. Er kommt an mein Herz, er bittet: „Lass mich hinein!“
[43:03] Und obwohl der verlorene Sohn zum Vater zurückgekehrt ist, sagt uns Ellen White, dass das letztlich die Liebe Gottes auch nur nicht in vollem Umfang beschreiben kann, denn Gottes Liebe zieht uns zu sich.
[43:20] „Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Gnade, aus lauter Erbarmen“, sagt Jeremia 31, Vers 3. Weil Gott dich mag und weil er mich mag und weil er Erbarmen, Mitleid mit dir hat, möchte er dir helfen. Jesus kommt zu dir. Er kommt zu
[43:53] Wunden. Er verbindet sie, so wie es das Werk des Messias in Jesaja 61 ist. Er gießt Öl und Traubensaft darauf.
[44:03] Öl ist in der Bibel ein Symbol für den Heiligen Geist, der die Gerechtigkeit Christi in unser Leben bringt.
[44:15] Der Traubensaft ist in der Bibel in Matthäus 26 und dort Vers 28. Dort heißt es: „Denn das ist mein Blut.“ Als Jesus den Kelch mit dem Traubensaft beim Abendmahl seinen Jüngern gibt, sagt er: „Denn das ist mein Blut, das des neuen Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“
[44:39] Das Öl steht für den Heiligen Geist, der Traubensaft für das Blut des neuen Bundes.
[44:46] Was immer deine Wunde ist, Jesus ist dafür gestorben, und er reinigt und heilt unsere Wunden mit dem Blut des Lammes, dem Traubensaft und mit dem Öl des Heiligen Geistes.
[45:08] Und er bekleidet uns mit seinem Kleid der Gerechtigkeit, so wie der Samariter sein eigenes Gewand abnimmt und diesen halbtoten Mann bekleidet.
[45:19] Und er trägt uns, so wie der Samariter diesen Mann auf seinen Esel genommen hat und ihn dann getragen. Und er geht so schnell, wie wir können. Jesus rennt nicht durch das Leben uns vorneweg, und wir müssen irgendwie hinterher, sondern er weiß, in welchem Tempo er mit uns gehen kann, damit wir nicht ständig neu uns verletzen. Und er bleibt an unserer Seite. Er sorgt für uns.
[45:59] Er hat sich Zeit genommen für dich und für mich. Und dann in diesem Bild ist der – oder in dieser Geschichte ist der Samariter dann irgendwann nicht mehr da, aber er verspricht, wiederzukommen.
[46:09] Und Jesus hat auch versprochen, dass er wiederkommen wird.
[46:23] Jesus bezahlt alles für uns. Der Wirt muss sich nicht sorgen machen, dass irgendwie da zu wenig Geld ist. Lieber Freund, liebe Freundin, Jesus hat am Kreuz alles für uns bezahlt. Es gibt nichts, was wir noch hinzufügen können an Bezahlung, nicht, was wir verdienen können. Jesus bezahlt alles, weil er dich und mich so sehr liebt, weil er Erbarmen mit uns hat.
[46:48] Die Geschichte vom barmherzigen Samariter illustriert den Erlösungsplan. Und wenn wir den Erlösungsplan verstanden haben, werden wir diesen Erlösungsplan in unserem Leben reflektieren. Wir werden auch so handeln. Wir werden in den Werken, die Gott an uns getan hat, auch wandeln. Wir werden ebenfalls Mitleid haben mit anderen Menschen und ihnen durch unser Leben, durch unser Handeln, zeigen, wie Gott ist.
[47:13] Denn was nützt es, wenn man ein Priester und Levit ist und theoretisch sagt, wie Gott ist, aber die Menschen sehen es nicht, dann halten sie alles für eine Lüge und erfunden. Aber wenn wir wie ein Samariter im Leben zeigen, wie Gott ist, dann werden Menschen Gott richtig kennenlernen und lieben lernen und ihm folgen.
[47:39] Ellen White sagt: „Somit ist die Frage, wer ist mein Nächster, für immer beantwortet. Christus hat gezeigt, dass unser Nächster nicht nur denjenigen meint, der von meiner Kirche ist oder von dem Glauben, zu dem ich gehöre. Dieser Begriff hat nicht einen Bezug zu einer gewissen Rasse oder einer Farbe oder einer bestimmten sozialen Klasse.“
[48:07] „Unser Nächster ist jede Person, die unsere Hilfe braucht. Unser Nächster ist jede Seele, die verwundet und geschlagen ist durch den Feind. Unser Nächster ist jeder, der das Eigentum Gottes ist.“
[48:23] Du kannst niemals sagen: „Das ist mein Nächster und das ist jemand anderes.“ Jeder Mensch ist mein Nächster. Und wenn die Bibel sagt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, dann gibt es keinen Menschen auf dieser Erde, bei dem du berechtigt bist zu sagen: „Den liebe ich nicht so sehr wie mich. Bei dem Menschen kann ich mich mehr lieben als ihn.“ Nein!
[48:49] Und vielleicht merkst du jetzt, wie herausfordernd das ist und wie sehr wir dort zu lernen haben, wie sehr wir uns wieder auf Jesus besinnen müssen, weil Jesus hatte diese Einstellung. Jesus ist für jeden Menschen gestorben. Es gab keinen Menschen, für den er das nicht getan hätte.
[49:11] Für Jesus war jeder der Nächste.
[49:17] Lass uns diesen Satz „deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ nicht einfach nur daher sagen und dann schon im nächsten Satz sagen: „Ja, deswegen muss ich erstmal mich selbst lieben.“ Das ist Unfug.
[49:25] Der ganze Punkt in der Geschichte ist gerade nicht zu sagen: „Jetzt muss ich erstmal mich selbst lieben und um mich selbst kümmern, damit ich vielleicht irgendwann später auch jemandem Liebe geben kann.“ Nein, nein, nein! Die Liebe, die der Samariter dem Verwundeten dort gab, war nicht Liebe, die er sich erst einmal selbst erarbeitet hatte, die er sich erstmal selbst angeeignet hatte, indem er erstmal für sich selbst gesorgt hatte. Es war die Liebe Gottes, die durch ihn hindurchschien.
[49:52] Wenn du anderen helfen willst, musst du nicht erst dich selbst lieben. Du musst Gottes Liebe in deinem Leben haben. Du musst von Gott geliebt sein, Gottes Liebe erfahren haben. Du musst dich nicht lange um dich selbst drehen. Du musst dich um Gott drehen, weil Gott sich um dich dreht, kannst du dich um Gott drehen und dann auch um andere.
[50:14] Und so ist es selbstlose Liebe, die dort weitergegeben wird. Lass dich nicht täuschen, lass dir von niemandem einreden, dass wir zuerst uns selbst lieben müssen, bevor wir andere lieben sollen. Der Punkt ist genau das Gegenteil. Wir sollen andere so lieben wie uns selbst. Der Fokus ist eben gerade nicht auf uns, der Fokus ist auf andere, weil Gott seinen Fokus auf mich hat, soll ich ihn lieben von ganzem Herzen und den Nächsten, das heißt jeden Menschen, wie mich selbst.
[50:45] Selbst von den Kindern Gottes wird das Tun erwartet und nicht nur das bloße Sagen. Wie sagt Johannes 2, Vers 6? Lesen wir das kurz in Johannes Kapitel 2 und dort Vers 6. Es heißt dort: „Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der ist verpflichtet, auch selbst so zu wandeln, wie jener gewandelt ist.“
[51:24] Sie sagt: „Sünde ist das größte aller Übel, und es ist unsere Aufgabe, dem Sünder zu helfen und Mitleid mit ihm zu haben.“
[51:33] Es gibt viele, die sich irren und die ihre Schande und ihre Dummheit auch spüren. Sie sind hungrig nach Worten der Ermutigung. Sie schauen auf ihre Fehler und Irrtümer, bis sie fast zur Verzweiflung getrieben werden.
[51:52] Diese Seelen dürfen wir nicht vernachlässigen. Wenn wir Christen sind, werden wir nicht auf der anderen Straßenseite weitergehen und uns so weit wie möglich von denen fernhalten, die am meisten unsere Hilfe benötigen.
[52:04] Wenn wir Menschen in Verzweiflung sehen, sei es durch Anfechtung oder sei es durch Sünde, sollen wir niemals sagen: „Das geht mich nichts an.“
[52:23] „Durch Gebet und Glauben, weise, presse die Macht des Satans zurück. Sprich Worte des Glaubens und der Ermutigung und des Mutes, die wie heilender Balsam auf den zerschlagenen und Verwundeten wirken werden.“
[52:40] Viele, viele sind ohnmächtig geworden, sind entmutigt geworden im großen Kampf des Lebens.
[52:55] Wenn nur ein Wort von freundlicher Worte sie gestärkt hätte, um zu überwinden.
[53:06] Niemals sollten wir eine leidende Seele an ihr vorbeigehen, ohne zu versuchen, ihr zu helfen, etwas von dem Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet worden sind.
[53:19] Ein letzter Satz von ihr: „Denn der Geist, den wir gegenüber unseren Geschwistern offenbaren, erklärt, wie unser Geist gegenüber Gott sich verhält.“
[53:37] Wir können in der Gemeinde sagen,
[53:37] verhält. Wir können in der Gemeinde sagen, was wir wollen. Es ist der Geist, mit dem wir unseren Geschwistern begegnen, der offen erklärt, wie wir in Wirklichkeit gegenüber Gott uns verhalten.
[53:55] Die Liebe Gottes im Herzen ist die einzige Quelle der Liebe zu unserem Nächsten. Wir können den Nächsten nur lieben, wenn wir Gottes Liebe im Herzen haben. Und deswegen wiederhole ich meinen Aufruf: Höre nicht darauf, wenn jemand sagt, du musst dich selbst lieben, um andere lieben zu können. Nein, du musst wissen, dass Gott dich liebt, damit du andere lieben kannst. Nur dann kannst du diese Liebe weitergeben, wenn du sie kennst. Denn du willst nicht deine Liebe zu dir selbst weitergeben. Du willst die Liebe, die Gott zu dir hat, weitergeben.
[54:38] Ist das dein Wunsch? Möchtest du Jesus dankbar sein für das, was er für dich tut? Möchtest du es neu in den Fokus nehmen? Möchtest du neu darüber nachdenken, was Jesus alles für dich tut und dann, weil diese Liebe dein Herz erfüllt, auch für andere da sein? Ganz egal, welche Hautfarbe sie haben, ganz egal, welche Sprache sie sprechen, ganz egal, welcher Kultur sie angehören. Möchtest du in jedem Menschen deinen Nächsten sehen? Diese Verse nicht nur zitieren, sondern sie tatsächlich im Alltag umsetzen? Ich möchte diese Entscheidung fällen. Du auch?
[55:13] Dann wollen wir noch gemeinsam zum Abschluss beten. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass du durch dein Wort zu uns gesprochen hast. Herr, danke, dass du uns gezeigt hast, dass jeder unser Nächster ist. Und Herr, wahrscheinlich – nicht wahrscheinlich, es ist so – der Grund, warum wir so oft nicht unserem Nächsten helfen, ist letztlich tatsächlich der, dass wir deine Liebe nicht richtig verstehen, dass wir so oft nur theoretisch davon reden, ohne sie selbst erlebt zu haben. Herr, wir möchten heute unseren Blick von uns zu dir hinwenden, darüber nachdenken, wie du uns geliebt hast und immer noch liebst und was du alles für uns tust, Herr Jesus. Und das weitergeben. Wir wollen das tun, was wir lesen, durch deine Kraft, deine Werke wirken, weil du sie vorher bereitet hast schon und wir in ihnen wandeln dürfen, so wie du uns gesagt hast, du sollst in uns wirken. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.
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