[0:05] [Musik] [Applaus]
[0:35] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.julmedia.de. Wie immer gilt ein herzliches Willkommen auch allen Zuschauern auf dem Sender Das Wort. Wir sind mittendrin in einer neuen CSH-Serie, in der es um Jesus geht, und zwar Jesus im Johannesevangelium. Wir haben letzte Woche damit begonnen, einige Geschichten uns anzuschauen unter der Überschrift „Zeichen, die den Weg weisen“. Heute soll es um weitere Zeichenhandlungen Jesu gehen, die im Johannesevangelium besonders hervorgehoben sind und die einen besonderen, einen besonders wichtigen Aspekt von Jesus beleuchten. Es geht um Zeichen der Göttlichkeit Jesu, Zeichen, die zeigen, dass Jesus nicht nur ein Mensch war, sondern dass er auch Gott ist. Wir bereiten uns damit vor auf das Bibelgespräch am 12. Oktober und wollen einige Geschichten heute wiederum aus dem Johannesevangelium herausgreifen und beim Anschauen dieser Geschichten uns diese Leitfrage stellen: Was lernen wir über Jesus? Wie wird Jesus dargestellt? Und was bedeutet Jesus für dich und für mich? Und damit wir beim Lesen der Bibel nicht einfach nur Gedanken durchdenken, sondern dass wirklich Jesus mir und dir persönlich offenbar wird, dazu brauchen wir den Heiligen Geist, denn dazu ist der Heilige Geist gegeben worden. Und wir möchten Gott einladen, dass er jetzt durch sein Wort zu uns spricht und dass wir Jesus besser verstehen können und erkennen, was er für uns tut. Wollen wir gemeinsam zum Anfang deswegen beten?
[2:36] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von ganzem Herzen Danke sagen, dass du uns lieb hast, dass du für uns da bist. Wir möchten dir Danke sagen, dass dein Wort uns zeigt, wie Jesus ist. Und Herr, wir möchten dich um Vergebung bitten, dass wir so oft gleichgültig sind, so oft oberflächlich nur dein Wort lesen, ohne uns wirklich Zeit zu nehmen und darüber nachzudenken. Herr, wir möchten uns heute hier entscheiden, uns Zeit zu nehmen. Ich möchte mich entscheiden, und ich denke, jeder, der das Video anschaut, auch, dass wir dich erkennen, Herr Jesus, in deinem Wort, dass wir sehen, wie du bist und was du für uns sein möchtest und was du für uns tust. Wir möchten dich bitten, dass du mit deinem Heiligen Geist zu unseren Herzen sprichst und dass wir in unserer Beziehung zu dir, unserer Freundschaft zu dir, wachsen, gestärkt werden, herausgefordert werden, dass du uns mit deinem Heiligen Geist erfüllst. Herr, das bitten wir dich, weil nur du es uns geben kannst. Wir wollen uns auf dich verlassen, auf dich vertrauen und danken dir dafür. Amen.
[3:53] Dass Jesus nicht nur ein Mensch gewesen ist und ist, das macht das Johannesevangelium gleich von Anfang an deutlich. Es heißt ja schon im allerersten Satz des Johannesevangeliums: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Wir werden in einer anderen Lektion ausführlicher über diesen Anfang des Johannesevangeliums sprechen, deswegen müssen wir hier nicht in die Details gehen. Aber da wir wissen, dass dieses Wort Jesus Christus ist, wie aus Vers 14 deutlich wird: „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ Weil wir wissen hier aus Vers 14, dass das Wort Jesus ist, ist die Aussage in Vers 1 so eindeutig: Jesus war im Anfang schon da, und er war bei Gott, und er selbst war und ist Gott.
[5:12] Drei Geschichten wollen wir betrachten, die uns in besonderer Weise auch die Göttlichkeit Jesu nahebringen. In Johannes Kapitel 6 und dort ab Vers 1 lesen wir: „Danach fuhr Jesus über den See von Galiläa, das ist der See Genezareth bei Tiberias.“ Die Zeit wird uns in Vers 4 angegeben: „Es war aber das Passahfest, das Fest der Juden.“ Da wir in Johannes 2 bereits ein Passahfest haben ab Vers 13, das Passah im Jahre 28, und in Johannes 5, wie wir schon das letzte Mal gesehen haben ab Vers 1, ein weiteres Passah, nämlich das Passah im Jahre 29, so sind wir hier in Johannes 6 bereits im Jahre 30, ein Jahr vor der Kreuzigung. Jesus sucht hier einen ruhigen Rückzugsort. Seine Jünger sind gerade von der ersten Missionsreise, der ersten eigenen, eigenständigen Missionsreise, zurückgekehrt. Jesus möchte mit ihnen das auswerten, wie aus Markus 6, Vers 30 bis 32, hervorgeht. Matthäus 14, Vers 12 bis 13, ergänzt auch, dass Jesus gerade die Nachricht auch vom Tod von Johannes dem Täufer erfahren hat und auch mit dieser Überfahrt an eine andere Stelle des See Genezareth darauf reagiert hat.
[6:47] Wir lesen weiter in Vers 2: „Und es folgte ihm eine große Volksmenge nach, weil sie seine Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.“ Die Menge folgt Jesus wegen der Wunderheilungen. Wir haben das letzte Mal schon darüber gesprochen, dass in Johannes 2 schon deutlich wird, dass die Menschen Jesus glaubten, weil sie seine Zeichen sahen, die er tat, wie Johannes 2, Vers 23, sagt. Nikodemus hatte gesagt, dass Jesus ein Lehrer ist, der von Gott gekommen ist, denn so sagte er: „Niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn, dass Gott mit ihm ist.“ Und in Johannes 4 und dort Vers 48 haben wir die Worte von Jesus letztes Mal betrachtet, als Jesus zu dem königlichen Beamten sagte: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.“ Jesus hatte da auch die Erfahrung bei den Samaritern vor Augen, die, ohne dass eine Wunderhandlung geschehen war, trotzdem geglaubt haben, allein aufgrund der Worte von Jesus.
[7:55] Die Menschen folgen also Jesus, weil sie Zeichen gesehen haben. Jesus trifft dann diese Menschen dort und er hat keine lange Auszeit mit seinen Jüngern, die er sich eigentlich vorgenommen hatte. Matthäus 14, Vers 14, zeigt, dass er Mitleid hat mit den Menschen, die dort so orientierungslos mit solch einer Hoffnung auf gute Worte und Wunderheilungen zu ihm gekommen sind. Vers 3: „Jesus aber ging auf den Berg und saß dort mit seinen Jüngern.“ Trotzdem nimmt er sich eine kurze Zeit, auch wenn sie nur kurz ist, eine spezielle Zeit für seine Jünger. Die brauchen auch seinen Rat. Und dann trifft er auf die Menge.
[8:43] Vers 5: „Da nun Jesus die Augen erhob und sah, dass eine große Volksmenge zu ihm kam, sprach er zu Philippus: „Wo kaufen wir Brot, damit diese essen können?“ Das sagte er aber, um ihn auf die Probe zu stellen, denn er selbst wusste wohl, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: „Für 200 Denare Brot reicht nicht aus für sie, dass jeder von ihnen auch nur ein wenig bekommt.““ Die Menge ist den ganzen Tag bei Jesus, der Tag geht vorbei und es wird deutlich, dass dort an dem Ort, wo sie sind, in der Einöde, nicht genügend Essen für sie besorgt werden kann. Und Jesus fragt den Philippus, um ihn zu testen.
[9:29] Jesus bringt mich, und ich bin mir sicher auch dich, bringt uns alle in Situationen, die für uns selbst zu schwierig sind, in denen wir mit menschlicher Perspektive keinen Ausweg sehen, damit wir selbst erkennen, welche Art von Glauben wir haben. Jesus weiß ganz genau, was er tun wird und was er tun will, aber gibt nicht immer alle Details bereits lange im Vorhinein preis. 200 Denare sind kein Pappenstiel. Vergleichbar wären heute ungefähr 20.000 € und das ist gar nicht so unrealistisch, wenn man sich überlegt, dass dort 5.000 Männer anwesend sind, plus Frauen, plus Kinder. Das können gut und gerne 15.000 Menschen und mehr gewesen sein. Einen solchen Betrag haben die Jünger sicher nicht dabei und könnten ihn überhaupt gar nicht aufbringen. Für die Jünger wird, für Philippus wird deutlich, und auch die anderen Jünger haben ja dieselbe Einstellung, wie auch die Parallelberichte in den Evangelien zeigen. Es wird deutlich, dass sie hier an einer Stelle sind, an der sie menschlich nicht weiterkommen.
[10:45] Vers 8 und 9: „Da sprach einer von seinen Jüngern, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, zu ihm: „Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele?““ Jesus hatte die Jünger aufgefordert, erst einmal nachzuschauen, was sie vor Ort haben, was vor Ort vorhanden ist. Markus 6, Vers 38, zeigt uns das. Und das ist, was Jesus immer tut: Er bittet uns zu schauen, was wir schon haben, nicht auf das zu sehen, was wir nicht haben, nicht auf die Probleme so sehr zu sehen, sondern auf das, was schon da ist.
[11:24] Menschlich gesehen sind die fünf Brote und zwei Fische deutlich offensichtlich zu wenig, aber nicht in den Händen von Jesus. Wenn du vor Schwierigkeiten stehst, wenn du in Situationen stehst, in denen du nicht genau weißt, wie es weitergehen soll, dann bittet dich Jesus auch: Schau einmal, was du hast. Und offensichtlich ist das zu wenig für die Situation, aber wenn du das, was du hast, in die Hand von Jesus legst, in den Händen von Jesus ist es niemals zu wenig.
[12:04] Jesus bittet die Jünger, ihm das Wenige zu geben, was sie haben. Das finden wir in Matthäus 14, Vers 18. Wir können das kurz hier ergänzend lesen: Matthäus 14, Vers 18: „Da sprach er: Bringt sie mir her!“ Er bittet auch dich und mich, dass das bisschen, was wir haben, was offensichtlich nicht ausreicht zur Bewältigung unserer Probleme, die kleinen Gaben, die wir haben, die kleinen Dinge, die wir mit beitragen können für die Arbeit in der Gemeinde, das bisschen Zeit, dass wir investieren können, das bisschen Geld, was wir haben, um jemanden zu unterstützen, was alles offensichtlich nicht ausreicht für das, was Gott eigentlich tun möchte, lass es uns Jesus geben von ganzem Herzen. Und in seiner Hand kann Gott mit diesen kleinen Dingen große Dinge vollbringen.
[13:10] Vers 10: „Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich setzen! Es war nämlich viel Gras an dem Ort.“ „Da setzten sich die Männer, es waren etwa 5.000.“ Jesus beauftragt die Jünger, die Menge in kleinere Gruppen zu setzen. Das geht auch aus Markus 6, Vers 38 und 39, hervor. Diese Gruppen sollen etwa 50 bis 100 Mann stark sein, eine Größe, die ungefähr einer heutigen Gemeinde entspricht. Statt diese riesige Volksmenge vor sich zu haben, soll sie strukturiert sein, sodass die Jünger ihnen jetzt besser dann auch das Essen austeilen können. Wenn also wir von einer Gruppe ausgehen, die vielleicht 15.000, vielleicht sogar 20.000 Personen groß gewesen ist – vielleicht gab es ja sicherlich mehr Kinder als erwachsene Männer dort –, dann würde das bedeuten, dass man mehrere hundert Gruppen organisiert hat. Und so den Jüngern dürften vielleicht auch mehr Apostel, mehr Personen gezählt haben als nur die zwölf Apostel, wenn wir daran denken, dass später, ein Tag später, in Johannes 6, Vers 66, steht, dass von den Jüngern viele dann Jesus am nächsten Tag verlassen haben.
[14:32] Vers 11: „Und Jesus nahm die Brote, sagte Dank und teilte sie den Jüngern aus; die Jünger aber denen, die sich gesetzt hatten, ebenso auch von den Fischen, so viel sie wollten.“ Jesus dankt für das, was er hat. Er dankt für die fünf Brote, er dankt für die zwei Fische. Vor ihm 5.000 Männer, wir wissen nicht, wie viel Frauen, wir wissen nicht, wie viel Kinder, aber das sind Tausende Menschen. Der hat fünf Brote und zwei Fische und der sagt nicht: „Herr, warum ist das so wenig?“ Er sagt nicht: „Herr, das wird sowieso nicht reichen.“ Er sagt: „Danke schön!“ Das möchte ich von ihm heute lernen: Danke zu sagen, danke für die Gelegenheit, danke für das, was schon da ist, danke, was Gott mir schon gegeben hat. Danke zu sagen und es ihm wieder in die Hände zu geben. Jesus dankt für das, was er hat und dann gibt er das Brot nicht direkt aus, sondern er bindet seine Jünger ein. Er hätte ja auch selbst einfach von Gruppe zu Gruppe geben können, damit alle sehen, dass es von ihm kommt, aber er bindet seine Jünger ein, denn die Jünger sollen genau später das tun. Sie sollen als Leiter der Gemeinde allen Geschwistern in der Gemeinde das Wort austeilen, das Wort, das von Jesus kommt. Jesus möchte zu jedem von uns eine persönliche Beziehung haben. Wir alle dürfen und sollen direkt aus der Bibel uns ernähren und doch hat Jesus auch eine Gemeindestruktur gegeben. Die Volksmenge sollte organisiert werden, sie sollte strukturiert werden in einzelne Gruppen, 50 bis 100 Leuten, und dann sollten die Jünger das Brot, das von Jesus kommt, austeilen. Wir werden gleich noch sehen, dass dieses Brot ein Symbol für das Wort Gottes, ja, für Jesus Christus selbst, ist. Wenn Jesus das Essen austeilt, wenn Jesus uns ernährt, dann ist das Essen nicht abgezählt. Selbst von den Fischen gibt es so viel, wie die Menschen haben wollten. Gottes Gnade ist ohne Limit, sie geht nicht zur Neige. Wenn Gott gibt, dann schöpft er aus dem Vollen.
[17:05] Vers 12 und 13: „Und als sie gesättigt waren, sprach er zu seinen Jüngern: „Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts verdirbt!“ Da sammelten sie und füllten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die denen übrig geblieben waren, welche gegessen hatten.“ Jesus lässt nichts nutzlos verderben. Jesus lässt nichts links liegen. Er möchte, dass alles, was er uns gibt, auch seinen Zweck erfüllt. Gottes reiche Segnungen sollten niemals links liegen gelassen werden, niemals gleichgültig betrachtet werden. Alles, was Gott uns schenkt, ist ein Segen und den wollen wir in Anspruch nehmen von ganzem Herzen.
[17:55] Als nun die Leute das Zeichen sahen, das Jesus getan hatte, sprachen sie: „Das ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll!“ „Da nun Jesus erkannte, dass sie kommen würden, um ihn mit Gewalt zum König zu machen, zog er sich wiederum auf den Berg zurück, er allein.“ Die Menge erkennt, dass Jesus hier außergewöhnlich gehandelt hat. Sie erkennt, dass das übernatürlich gewesen ist. Fünf Brote und zwei Fische machen 5.000 Männer plus viele Frauen, plus Kinder satt und es bleibt sogar noch ziemlich viel übrig. Als sie hier sagen: „Das ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll“, meinen sie eine Erfüllung aus 5. Mose Kapitel 18. 5. Mose 18 und dort ab Vers 15: „Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, erwecken aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern; auf ihn sollst du hören.“ Vers 18: „Ich will ihnen einen Propheten wie du es bist aus der Mitte ihrer Brüder erwecken und meine Worte in seinen Mund legen, der soll alles zu ihnen reden, was ich ihm gebieten werde.“ Das Entscheidende an diesem Propheten ist eigentlich nach der Verheißung, nach der Prophezeiung in 5. Mose 18, dass er die Worte Gottes weitergeben wird, ein Prophet wie Mose. Halten wir das im Hinterkopf. Die Leute sind begeistert und sagen: „Das ist der Prophet, das ist der, der wie Mose ist, er gibt uns das Brot.“
[19:50] Aber sie haben eine falsche Vorstellung von diesem Propheten. Vers 15 zeigt: „Da nun Jesus erkannte, dass sie kommen würden, um ihn mit Gewalt zum König zu machen, zog er sich wiederum auf den Berg zurück, er allein.“ Sie wollen Jesus und seine wunderwirkende Kraft instrumentalisieren für ihre eigene politische Agenda. Sie waren gelehrt worden, dass der Messias kommen würde, um die Römer aus dem Land zu vertreiben. Der Feind, den sie besiegen wollten, waren nicht ihre eigene Sünde, nicht ihr eigener Stolz, sondern die Fremdherrschaft der Römer.
[20:38] Was für ein toller Anführer wäre doch Jesus! Er könnte mit Sicherheit eine Armee auch in der Wüste versorgen. Man müsste keine große Logistik planen. Jesus könnte mit Kleinigkeiten Tausende Soldaten satt machen. Wenn sie sich verletzen würden in der Schlacht, könnte er sie alle wieder heilen. Jesus wäre doch der perfekte General, der beste König, den man sich vorstellen konnte für so ein Vorhaben. Nur das Problem an dem ganzen Denken war, ist er vollkommen falsch. Jesus war nicht auf die Welt gekommen, um Römer zu besiegen. Er war auf die Welt gekommen, um einen viel schlimmeren Feind ein für allemal endgültig zu besiegen, nämlich den Teufel und die Sünde am Kreuz von Golgatha, den Tod durch seine Auferstehung. Und dass jeder diesen Sieg in seinem Leben in Anspruch nehmen kann.
[21:35] Als Jesus erkannte, dass seine wunderwirkende Kraft, dass sein Dienst instrumentalisiert werden sollte für eine rein menschlich-politische Agenda, hat Jesus etwas Bemerkenswertes gemacht: Er hat sich zurückgezogen. Lieber Freund, liebe Freundin, wenn wir Jesus, seinen Namen, seine Botschaft, sein Werk instrumentalisieren für unsere eigenen weltlichen, politischen Agenden, dann zieht sich Jesus von uns zurück. Jesus hat diese Bewegung ganz deutlich, mit aller Deutlichkeit, unterbunden. Er hat die Jünger dann genötigt – die Jünger waren nämlich durchaus sehr angetan von dem Gedanken, Jesus hier an Ort und Stelle zum König zu krönen – er hat sie genötigt mit einer Deutlichkeit, die sie vorher nie so von ihm gehört haben, sofort diesen Ort zu verlassen, sofort ins Boot zu steigen und über den See zu fahren, weg von diesem Tumult, weil dieser Tumult nicht geistlich war. Es war eine Begeisterung für Jesus, die nicht geistlich war.
[22:53] Nicht überall, wo im Namen Jesu gefeiert wird und wo Jesus gelobt wird und wo man hoch preist, ist wirklich Gottes Geist gegenwärtig. Auch heute erleben wir, dass Menschen Jesus und sein Werk instrumentalisieren wollen für ihre eigene politische Agenda, nicht nur, aber auch ganz besonders in der US-amerikanischen Politik. Jesus zieht sich davon zurück, wenn wir eine weltliche Agenda haben, wenn wir eine fleischliche Agenda haben, weil wir uns zum Beispiel mit weltlicher Musik gut fühlen und diese Musik jetzt genießen wollen und einfach Jesus und seine Worte dafür instrumentalisieren, indem wir sie einfach drunterlegen und dann das Gefühl haben, das ist eine ganz tolle Sache, dann zieht sich Jesus zurück.
[23:57] Wir dürfen Jesus und seine Botschaft nicht instrumentalisieren, da macht Jesus nicht mit.
[24:08] Wir springen in der Geschichte zu Vers 26. Am nächsten Tag treffen die Menschen, die ihn bei der Speisung der 5.000 so begeistert zum König machen wollten, wieder in Kapernaum. Wir lesen in Vers 26: „Jesus antwortete ihnen und sprach: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht deshalb, weil ihr Zeichen gesehen, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.““ Hier sehen wir, dass offensichtlich mit dem Zeichen mehr gemeint ist als die physische Wunderhandlung. Jesus hatte mit dieser Zeichenhandlung etwas Tieferes im Sinn gehabt. Er wollte auf Evangeliumswahrheiten hinweisen, aber die Menschen waren zwar begeistert gewesen, aber vor allem, weil sie satt geworden waren. Das physische Brot, das hat es ihnen angetan und Jesus sagt: „Deswegen kommt ihr wieder zu mir.“ Jesus erkennt die Motive, mit denen wir zu ihm kommen. Er sieht die innersten Beweggründe. Nicht alle Menschen, die zu Jesus kommen, wollen wirklich ewiges Leben und eine geistliche Erneuerung. Die Begeisterung über das Essen war größer als die über die tiefen geistlichen Wahrheiten, die Jesus ihnen vermitteln wollte. Und so sagt Jesus nicht nur ihnen, sondern auch dir und mir heute hier in Vers 27: „Wirkt nicht für die Speise, die vergänglich ist, sondern für die Speise, die bis ins ewige Leben bleibt, die der Sohn des Menschen euch geben wird; denn diesen hat Gott, der Vater, bestätigt.“ Wörtlich steht dort: „Er hat ihn versiegelt.“ Wie steht es mit meiner Priorität, mit deiner Priorität? Ist das Geistliche, das ewige Leben, das, was Jesus uns als Botschaft weitergeben will, ist das unsere Priorität? Wirken wir für die geistliche Speise oder nur für das Vergängliche und Irdische?
[26:32] Unser erstes Ziel im Leben für mich...
[26:32] Unser erstes Ziel im Leben für mich und für dich muss es sein, dass wir uns für das interessieren, was Jesus uns geben will. Und ich möchte mich neu dafür entscheiden, dass das, was Jesus mir geben möchte, meine Priorität ist im Leben.
[26:47] Und dann fragen sie in Vers 28: „Was sollen wir tun, um die Werke Gottes zu wirken?“ Jesus hatte ja in Vers 27 gesagt: „Wirkt nicht für die Speise, die vergänglich ist, sondern für die Speise, die bis ins ewige Leben bleibt.“ Also, wirkt für die wahre geistliche Speise. Und jetzt fragen sie: „Was sollen wir dann also tun, um dafür zu wirken, um die Werke Gottes zu wirken?“
[27:11] Vers 29: Jesus antwortete und sprach zu ihnen: „Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“ Jesus erklärt, was sein Anliegen ist, erklärt, was das Ziel ist seiner gesamten Mission, was Gott in uns bewirken möchte: echten, wahren, rettenden Glauben, wie in Johannes 3 Vers 16 beschrieben ist.
[27:37] Wir haben das das letzte Mal schon kurz angeschaut, aber das mag hier an der Zeit sein, das noch einmal kurz anzuschauen und zu wiederholen. Johannes 3 Vers 16: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“
[27:57] Und wir haben gesehen, dieses „so“ bezieht sich auf Vers 14 und 15: „So wie die Schlange in der Wüste erhöht worden ist, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“
[28:10] Gott möchte, dass du und ich ewig leben. Das ist sein größtes Ziel. Und deswegen hat er eine Priorität, einen Punkt auf seiner Agenda ganz oben, dass wir echten Glauben haben, denn wenn wir echten Glauben haben, dann werden wir ewiges Leben haben.
[28:25] Die Speise, die wir brauchen, ist die, die dazu führt, dass wir Glauben haben. Wir müssen uns mit dem beschäftigen, was unseren Glauben fördert, was unseren Glauben stärkt, was unseren Glauben festmacht.
[28:39] Dafür müssen wir uns interessieren: alles das, was den Glauben stärkt, was dazu führt, dass wir diesen rettenden Glauben haben, der zum ewigen Leben wird. Alles, was das fördert, das ist die geistliche Speise. Dafür sollen wir wirken, das soll die Priorität sein.
[28:55] Gott hat ein Ziel, dass du und ich diesen Glauben haben. Er wünscht sich, dass wir genau das tun, was damals die Israeliten in der Wüste tun sollten: wegzuschauen von den Schlangen unseres Lebens, wegzuschauen von den Schwierigkeiten, auch wenn sie da sind – und das fällt mir manchmal so schwer und dir wahrscheinlich auch –, dass wir die Schwierigkeiten sehen, dass wir die Probleme sehen, dass wir wünschen, sie wären einfach nicht da, dass man sie vielleicht austreten kann, aber dass wir wegschauen und hinschauen auf Jesus, der dort am Kreuz das Problem schon gelöst hat.
[29:28] Das möchte ich heute neu für mich in Anspruch nehmen, neu verstehen, neu denken, neu glauben. Denn jedes Mal, wenn wir uns damit beschäftigen, jedes Mal, wenn wir diesen Gedanken wiederholen und vertiefen, dann wächst unser Glaube.
[29:46] Und so wirken wir das Werk Gottes, denn er möchte diesen Glauben in uns wachsen sehen, er möchte diesen Glauben in uns stärken, der Glaube, der durch die Liebe wirksam ist, wie uns dann der Paulus im Galaterbrief sagt.
[30:15] Dort Vers 30, da sprachen sie zu ihm: „Was tust du denn für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was wirkst du?“
[30:26] „Unsere Väter haben das Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht: Brot aus dem Himmel gab er ihnen zu essen.“
[30:33] Was für eine krasse Sache! Diese Menschen haben gerade am Tag zuvor die Speisung der 5000 erlebt und fragen ernsthaft Jesus: „Was tust du denn für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben?“ Als ob die Speisung der 5000 noch kein ausreichender Grund wäre, Jesus zu glauben.
[30:56] Ohne geistliche Einstellung haben die Menschen die Bedeutung der Speisung der 5000 gar nicht erkannt. Sie waren zwar begeistert und wollten Jesus instrumentalisieren für ihr weltliches Anliegen, aber das zeigt am Ende und am nächsten Tag wird deutlich, dass eben das Weltliche in ihrem Denken dominiert und nicht das Geistliche.
[31:15] Sie haben zwar das Geistliche versucht aufzupfropfen auf ihre menschliche, politische Agenda, aber als plötzlich Jesus ihnen unangenehme Wahrheiten deutlich machen möchte, ist das Geistliche verflogen und sie sehen nur das Weltliche.
[31:38] Wenn wir keinen Glauben haben, werden wir immer wieder um Zeichen und Wunder bitten, ohne aus ihnen zu lernen.
[31:45] Die Israeliten in der Wüste sind ein gutes Beispiel. Kaum jemand hat so viele Wunder in ständiger Reihenfolge, also immer wieder, immer wieder Wunder erlebt und ist am Ende trotzdem – und am Ende sind sie trotzdem aus Unglauben in der Wüste gestorben.
[32:03] Und das zeigt uns, dass unser Glaube nicht auf den physischen Aspekten der Wunder basieren kann. Es gab Menschen, die haben diese Wunder erlebt, waren von den Wundern begeistert und haben trotzdem hier keinen Glauben gehabt.
[32:15] Sie sagen: „Wir glauben dir noch nicht, weil du musst noch ein anderes Zeichen tun.“
[32:21] Kennst du das aus deinem Leben, dass man etwas Tolles von Gott geschenkt bekommt und dann plötzlich wieder sagt: „Aber jetzt möchte ich erstmal ein Zeichen von Gott haben und dann möchte ich erstmal ein Zeichen von Gott haben, damit ich ihm vertrauen kann.“ Und dann, wenn wir schon so viel erlebt haben, sagen wir vielleicht wieder: „Und jetzt möchte ich wieder ein Zeichen haben, ob ich Gott wirklich vertrauen kann.“
[32:37] Warum brauchen wir immer Zeichen, immer Wunder, immer irgendwelche außergewöhnlichen, übernatürlichen Dinge, damit wir Gott vertrauen, obwohl wir schon längst gesehen haben, dass er für uns wirkt?
[32:52] Sie vergleichen jetzt Jesus mit Mose. Mose hatte ja auch Brot gegeben. Und die Argumentation ist jetzt sehr, sehr bemerkenswert. Sie sagen: „Na ja, Mose hat uns das Manna in der Wüste gegeben, und wir alle wissen, das waren ungefähr fast 40 Jahre lang, und zwar sechs Tage die Woche, und zwar nicht für 5000 Menschen, sondern für 600.000 waffenfähige Männer plus Frauen plus Kinder, eine viel größere Menge und ein viel größerer Zeitraum.“
[33:24] Mit anderen Worten, sie sagen: „Schau mal, Mose hat uns jahrelang jeden Tag Brot für jeden Tag gegeben, und das für zwei Millionen Menschen oder wie viel es auch mal gewesen sind. Und du hast für 5000 Männer, vielleicht waren es 15.000, 20.000 Menschen, an einem Abend Brot gegeben.“
[33:46] Und hier sehen wir das ungeistliche Denken, das nur quantitativ vergleicht.
[33:54] Sie hatten ja am Tag zuvor gesagt, dass er der Prophet ist, der kommen soll aus 5. Mose 18. Und der Prophet sollte ja sein wie Mose, das stand ja in 5. Mose 18. Nur stand in 5. Mose 18, dass er die Worte Gottes sagen soll.
[34:10] Deswegen auch interessant, weil dann später – wir haben heute nicht die Zeit, das schauen wir uns heute nicht an, hier wird ein andermal dran kommen – das gesamte Johannes 6 Kapitel ja davon auch spricht, dass Jesus dann Worte sagt, die sehr kontrovers diskutiert werden und viele ihn dann verlassen.
[34:24] Und als Jesus die Zwölf fragt, ob sie ihn auch verlassen wollen in Vers 67, da sprach Jesus zu den Zwölfen: „Wollt ihr nicht auch weggehen?“
[34:35] Vers 68, da antwortet ihm Simon Petrus: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens.“
[34:42] Petrus und die anderen Jünger, die meisten zumindestens von ihnen, haben besser verstanden, was 5. Mose 18 meinte, auch wenn sie schon noch längst nicht dort waren, wo Jesus sie in ihr Verständnis haben wollte.
[35:01] Diese Volksmenge vergleicht also Jesus mit Mose, aber vergleicht auf einer falschen Ebene. Es vergleicht auf einer rein äußerlich, quantitativen Ebene, die ein weltliches, menschliches Denken offenbart.
[35:14] Und Jesus rückt jetzt ihre Perspektive zurecht. In Vers 32 antwortet er ihnen: „Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot aus dem Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot aus dem Himmel.“
[35:31] Es war nicht Moses Verdienst, dass das Manna in der Wüste fiel. Es war Gott, der auch jetzt immer noch für sie wirkt.
[35:40] Er sagt nicht: „Gott hat euch gegeben“, sondern: „Gott gibt euch das wahre Brot aus dem Himmel.“
[35:50] Vers 33: „Denn das Brot Gottes ist derjenige, der aus dem Himmel herabkommt und der Welt Leben gibt.“
[35:55] Das Manna hatte kein Leben dauerhaft bewirken können, denn wir lesen in Vers 58: „Dies ist das Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist. Es ist nicht wie das Manna, das eure Väter gegessen haben und sind gestorben. Wer dieses Brot – und er meint sich selbst, Jesus – wer dieses Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.“
[36:25] Vers 34, da sprachen sie zu ihm: „Herr, gib uns allezeit dieses Brot!“
[36:27] Jesus ist immer in der Lage gewesen, das Angebot Gottes so attraktiv wie möglich darzustellen. Die Frau am Jakobsbrunnen sagt: „Ich möchte gern, gib mir dieses Wasser!“ Wie sie sagt in Johannes 4 und dort Vers 15: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich nicht dürste und nicht hierher kommen muss, um zu schöpfen.“
[36:45] Die Menschen sagen: „Herr, gib uns allezeit dieses Brot!“ Diese Betonung auf „allezeit“ ist interessant. Wir möchten beständig davon essen. Die Frau am Jakobsbrunnen hatte ja gesagt: „Ich möchte auch diese Quelle in mir haben, dass ich nicht zum Brunnen gehen muss.“
[37:02] Wir Menschen sehnen uns nach einer beständigen Lösung für unsere Probleme. Wir sehnen uns nach ewigem Leben, nach einem beständigen Frieden im Herzen und einer beständigen Nähe zu Gott.
[37:17] Was ist das Brot, das uns dieses Leben schenkt? Was ist das Brot, das uns diesen tiefen Frieden schenkt, die Erlösung? Was ist das Brot, dass wir allezeit essen können und dadurch nahe bei Gott sind?
[37:32] Jesus sagt in Vers 35: „Ich bin das Brot des Lebens.“ Jesus ist die Antwort. „Wer zu mir kommt“, sagt er, „den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird niemals dürsten.“
[37:47] Da haben wir wieder die Verbindung zu Johannes 4, wo Jesus gesagt hatte, das Wasser, das er uns geben wird, in uns zu einer Quelle des Wassers wird, das bis ins ewige Leben quillt.
[38:01] Jesus, das wahre Brot, er stillt den Hunger und den Durst nicht nur der Seele von anderen Menschen, sondern auch von deiner Seele und von meiner Seele.
[38:11] Hast du Hunger? Hast du Durst? Jesus ist die Antwort. Und wenn du über Jesus nachdenkst und wenn du Jesus uneingeschränkt in dein Leben hineinlässt, das weiß ich aus eigener Erfahrung, dann wird er den Hunger und den Durst deiner Seele stillen. Das tut er, das tut er wirklich.
[38:32] Vers 36: „Aber ich habe es euch gesagt, dass ihr mich gesehen habt und doch nicht glaubt.“
[38:38] Es ist möglich, Jesus zu sehen, ihn anzufassen, seine Worte zu hören und doch nicht zu glauben. Glaube ist immer eine Entscheidung.
[38:45] Man kann über Jesus reden und trotzdem weltlich gesinnt sein und ihn nur instrumentalisieren wollen, aber ihn nicht in sein Leben aufnehmen, sich nicht von ihm abhängig machen, so wie unser Leben abhängig ist vom Essen, das wir essen, ohne das wir sterben würden.
[39:06] Machst du dein Leben abhängig von Jesus? Ist dir bewusst, dass ohne ihn du geistlich tot bist? Nimmst du dir jeden Tag Zeit, dich buchstäblich sozusagen, also tatsächlich von ihm und seinem Wort zu ernähren, dass du gestärkt wirst durch das, was Jesus dir sagt und für dich tut?
[39:31] Jesus weiß, ob wir echten Glauben haben, und er wünscht sich, dass jeder von uns, dass du und ich, dass wir echten, tiefen, rettenden Glauben haben.
[39:44] Wir springen zu Johannes Kapitel 9, die berühmte Geschichte von der Heilung eines Blindgeborenen.
[39:53] Wir sind ungefähr ein halbes Jahr später, kurz nach dem Laubhüttenfest im Herbst des Jahres 30. Jesus ist auch nach dem Laubhüttenfest noch für einen kurzen Zeitraum in Jerusalem.
[40:05] Wir lesen ab Vers 1: „Und als er vorbeiging, sah er einen Menschen, der blind war von Geburt an. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, so dass dieser blind geboren ist? Er oder seine Eltern?“
[40:18] Das Denken der Juden kreiste um diesen einfachen, scheinbaren Zusammenhang, dass wenn jemand sündigt, er als Strafe krank wird. Und die Frage für die Jünger entstand jetzt: Wie ist es jetzt bei jemandem, der schon seit seiner Geburt krank ist? Ist das dann die Sünde der Eltern gewesen?
[40:39] Jesus wird mit einer komplexen theologischen Frage konfrontiert, die eben aus einer falschen Grundannahme heraus entstand.
[40:48] Was macht Jesus? Vers 3: Jesus antwortete: „Weder dieser hat gesündigt, noch seine Eltern, sondern an ihm sollten die Werke Gottes offenbar werden.“
[41:00] Jesus überrascht die Jünger mit einer Antwort, die eine völlig neue Perspektive öffnet. Und wenn wir zu Jesus kommen mit unseren Fragen, auch wenn sie überhaupt erst entstanden sind, weil wir falsche theologische Ideen haben, falsche Konzepte, die uns eingetrichtert worden sind, die wir mal hier gehört haben, dort aufgeschnappt haben, mit denen wir geprägt worden sind – wenn wir mit unseren Fragen zu Jesus kommen, dann stößt er uns nicht weg, sondern er eröffnet uns neue Perspektiven, die unser begrenztes, manchmal auch falsches theologisches Denken herausfordern und verändern können, wenn wir es annehmen.
[41:35] Jesus ist gerne bereit, uns neue Perspektiven auf komplexe Fragen zu geben, mit denen wir uns beschäftigen. Er ist bereit, uns falsche Fundamente wegzunehmen, damit wir die Dinge in ihrem richtigen Licht sehen können.
[41:50] Vers 4: „Ich muss die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist. Es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.“
[42:00] Jesus hat sich vorgenommen, die Zeit, die er hat, zu nutzen. Er wollte die Zeit auskaufen, um Gottes Werk zu vollbringen. Und ist er nicht daran uns auch ein wirklich wunderbares Vorbild?
[42:12] Nutzen wir die Zeit, die Gott uns gegeben hat. Wir wissen, es wird eine Zeit geben, in der wir nicht mehr wirken können. Jesus wusste, er hat nur noch ungefähr ein halbes Jahr bis zur Kreuzigung. Er wollte die Zeit nutzen, die er hat.
[42:27] Wir wissen nicht, wie viel Zeit wir noch haben, aber wir wissen, die Zeit ist kurz. Kaufen wir die Zeit aus, wirken wir, solange man noch wirken kann. Wirken wir die Werke Gottes, die er vorbereitet hat, damit wir in ihnen wandeln.
[42:38] Vers 5: „Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“
[42:43] Das ist eine interessante Verbindung zu Kapitel 8 Vers 12. Wir haben heute hier nicht die Zeit, die vielen Verbindungen zwischen Johannes 8 und 9 aufzuzeigen. Wir haben das mal in unserer Serie „Der Ersehnte“ ausführlicher dargestellt, das kann man dort nachhören und nachschauen.
[43:00] Aber in Johannes 8 Vers 12 hatte Jesus auch gesagt: „Nun redete Jesus wieder zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben.“
[43:11] Damals ging es um die – also das war ja kurz zuvor um die Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Es ging um den Umgang mit Sünde. Und die Frage hier steht ja auch im Raum von den Jüngern: „Wer hat gesündigt?“
[43:34] Jesus hatte gesagt, dass an diesem Blindgeborenen die Herrlichkeit Gottes, die Werke Gottes, offenbar werden sollen. An ihm soll gezeigt werden, wie Gott wirkt. Wir haben schon gesehen in Kapitel 6, dass das Werk Gottes ist, dass wir Glauben haben, Glauben an Jesus.
[43:52] Also schauen wir uns an, wie Jesus jetzt durch seine Zeichenhandlung, durch seine Heilung, die eine tiefe Bedeutung hat, uns das Evangelium und den Glauben illustriert.
[44:01] In Vers 6 heißt es: „Als er dies gesagt hatte, spie er auf die Erde und machte einen Brei mit dem Speichel und strich den Brei auf die Augen des Blinden und sprach zu ihm: Geh hin, wasche dich im Teich Siloah – das heißt übersetzt: der Gesandte. Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.“
[44:19] Schon zweimal vorher, in Markus 7 Vers 33 und 8 Vers 23, hatte Jesus Speichel verwendet. In beiden Geschichten ging es darum, einmal bei der Heilung eines Tauben, der dann auch schlecht sprechen konnte, weil er taub war, und bei der Heilung eines Blinden, der dann beim ersten Mal noch nicht ganz geheilt war, sondern nur verschwommen gesehen hat.
[44:42] Bei beiden Geschichten ging es darum, durch die symbolische Handlung die Jünger auf etwas vorzubereiten. Das waren beides Heilungen, die speziell für die Jünger so durchgeführt worden sind. Die Volksmenge war dort weggeschickt worden, weil die Jünger vorbereitet werden sollten auf etwas, womit sie nicht rechneten, nämlich die Ankündigung des Leidens und Sterbens von Jesus.
[45:05] Speichel ist ja auch ein Symbol für Schande. Jesus wollte ihnen deutlich machen: Sie, die sie auf die königliche Ehre und Herrlichkeit des Messias in Jerusalem warteten, würden konfrontiert werden mit Schande und Schmach. Jesus würde als Verbrecher getötet werden.
[45:25] Aber dann heißt es hier in Vers 7, dass er sich waschen sollte, und zwar im Teich Siloah. Das Waschen ist ja in der Bibel ein Symbol für die Taufe. Und Siloah heißt wörtlich „der Gesandte“.
[45:36] Wer ist denn der Gesandte? Wer ist der, den Gott gesandt hat? Das Johannesevangelium sagt es immer und immer wieder: Es ist Jesus, der von Gott gesandt worden ist.
[45:50] Und den Jesus, den Gott der Vater in die Welt gebracht hat. Es heißt in Johannes 7 Vers 29, zum Beispiel Vers 28, Verzeihung, Johannes 7 Vers 28: „Da rief Jesus, während er im Tempel lehrte, und sprach: Ja, ihr kennt mich und wisst, woher ich bin, und doch bin ich nicht von mir selbst gekommen, sondern der ist wahrhaftig, der mich gesandt hat, den ihr nicht kennt. Ich aber kenne ihn, weil ich von ihm bin, und er hat mich gesandt.“
[46:20] Der Gesandte, der Siloah, ist Jesus. Und wer so – so wie der Blinde zu dem Teich Siloah kommen sollte und sich waschen sollte und dadurch gesund und heil wurde –, so wird jeder Mensch, der zu Jesus kommt, seine Sünden abwaschen lässt, sich taufen lässt, heil und gesund.
[46:42] Für die Jünger war ja in ihrem Kopf das Blindsein des Mannes irgendwie mit Sünde verbunden. Und so konnte sein Blindsein als ein Symbol für die geistliche Blindheit der Sünde benutzt werden.
[46:57] Wenn wir zu Jesus kommen, der für uns gestorben ist, der Schande und Schmach erlebt hat, der Speichel – dann werden wir bei Jesus, durch Jesus, in Jesus gereinigt und geheilt.
[47:24] Vers 8: „Die Nachbarn nun und die ihn zuvor als Blinden gesehen hatten, sprachen: Ist das nicht der, welcher dasaß und bettelte?“
[47:29] „Etliche sagten: Er ist es. Andere aber: Er sieht ihm ähnlich. Er selbst sagte: Ich bin’s.“
[47:36] Da sprachen sie zu ihm: „Wie sind deine Augen geöffnet worden?“
[47:39] Die Heilung sorgt für Aufsehen.
[47:41] Vers 11: „Er antwortete und sprach: Ein Mensch, der Jesus heißt, machte einen Brei und bestrich meine Augen und sprach zu mir: Geh hin zum Teich Siloah und wasche dich. Als ich aber hinging und mich wusch, wurde ich sehend.“
[47:57] Da sprachen sie zu ihm: „Wo ist er?“ Er antwortete: „Ich weiß es nicht.“
[48:01] Dieser Geheilte weiß nur wenig über Jesus. In Vers 17, als die Pharisäer dann fragen: „Was sagst du von ihm, weil er dir die Augen geöffnet hat?“, sagt er: „Er sprach, aber er ist ein Prophet.“
[48:11] Er hat kein vollständiges Bild von der gesamten theologischen Bedeutung von Jesus.
[48:15] theologischen Bedeutung von Jesus. Er kennt ihn gerade mal so beim Namen, er hat diese eine Erfahrung mit ihm gemacht. Er weiß nicht mal zu diesem Zeitpunkt, wo Jesus jetzt ist, aber er hat ein mächtiges Zeugnis: Jesus hat ihn geheilt. Vielleicht wissen wir längst nicht alles, was man über Jesus wissen könnte, aber wir haben eine Erfahrung mit Jesus gemacht und diese Erfahrung ist entscheidend. Und das Interessante ist: Dieser Geheilte, obwohl er so wenig von Jesus weiß, bleibt bei seiner Erfahrung, bei seinem Zeugnis.
[48:51] Vers 13 sehen wir, wie die Pharisäer ihm, dem Jesus, jetzt Sabbatbruch vorwerfen. Da führten sie ihn, der einst blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat, als Jesus den Teig machte und ihm die Augen öffnete. Nun fragten ihn auch die Pharisäer wieder, wie er sehend geworden war. Und er sprach zu ihnen: „Einen Brei hatte er auf meine Augen gelegt, und ich wusch mich und bin nun sehend.“ Da sprachen etliche von den Pharisäern: „Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält.“ Andere sprachen: „Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun?“ Und es entstand eine Spaltung unter ihnen, wie schon in Johannes 5. In Johannes 5 haben die Pharisäer die Heilung am Sabbat als einen Bruch des Sabbats interpretiert. Sie machen damit ihre eigenen menschlichen Vorschriften zum Maßstab. Und wie oft geschieht das auch bei uns, dass wir eigene menschliche Regeln aufstellen, an denen wir dann andere messen? Aber sie konnten die Macht von Jesus nicht einfach ignorieren. Viele der Pharisäer können die ablehnende Argumentation ihrer Kollegen gar nicht richtig verstehen, weil sie sich fragen: „Wie könnte ein sündiger Mensch von Gott so gebraucht werden? Das ist doch gar nicht möglich!“
[50:12] Vers 18: Nun glaubten die Juden nicht von ihm, dass er blind gewesen und sehend geworden war, bis sie die Eltern des Sehendgewordenen gerufen hatten. Und sie fragten sie und sprachen: „Ist das euer Sohn, von dem ihr sagt, dass er blind geboren ist? Wieso ist er denn jetzt sehend?“ Die Eltern antworteten ihnen und sprachen: „Wir wissen, dass dieser unser Sohn ist und dass er blind geboren ist. Wieso er aber jetzt sieht, das wissen wir nicht, und wer ihm die Augen geöffnet hat, wissen wir auch nicht. Er ist alt genug, fragt ihn selbst, er soll selbst für sich reden.“ Das sagten seine Eltern deshalb, weil sie die Juden fürchteten. Denn die Juden waren schon übereingekommen, dass, wenn einer ihn als den Christus anerkennen würde, dieser aus der Synagoge ausgeschlossen werden sollte. Darum sprachen seine Eltern: „Er ist alt genug, fragt ihn selbst.“ Das Wunder wird also in Zweifel gezogen. Man möchte es nicht für wahr haben, dass Jesus wirklich so etwas getan hat. Aber die Eltern bestätigen: „Ja, es ist unser Kind, und ja, er ist wirklich blind geboren.“ An dieser Tatsache gibt es nichts zu rütteln. Aber als sie die Gelegenheit bekommen, auch zu bekennen, wer ihn heil gemacht hat, da knicken sie ein, da trauen sie sich nicht. Denn die Obersten üben mittlerweile einen Druck aus, um die Menschen einzuschüchtern. Sie drohen damit, jemand aus der Gemeinde auszuschließen, wenn er sich zu Jesus bekennt. Und unter dem Druck der Obersten sind die Eltern nicht bereit anzuerkennen, dass Jesus ihren Sohn geheilt hat. Ihr ganzes Leben lang hätten sie sich wahrscheinlich so etwas gewünscht, dass ihr blindgeborenes Kind einmal sehen kann. Das war wahrscheinlich der größte Wunsch ihres Herzens, und Jesus hat diesen Wunsch erfüllt. Sie waren mit Sicherheit zu tiefster Freude und zu tiefst dankbar, und doch haben sie sich dann nicht getraut, zu Jesus zu stehen, weil sie Angst vor Menschen gehabt haben.
[52:06] Lieber Freund, liebe Freundin, wenn wir uns freuen über das, was Jesus getan hat, aber dann unsere Furcht vor Menschen größer ist als unsere Furcht Gottes, wenn wir einfach nur dazugehören wollen und deswegen lieber die Wahrheit verwässern, nur damit wir nicht von Menschen ausgeschlossen werden, dann sind wir nicht gut vorbereitet auf die Endzeit. Denn in der Endzeit wird es darum gehen, zu unserer Erfahrung mit Jesus Christus zu stehen, auch wenn der Druck von außen so groß wird, dass wir das Gefühl haben, dass, wenn wir zu Jesus Christus und unserer Erfahrung mit ihm stehen, dass wir von allen menschlichen ähm ja Bindungen ausgeschlossen werden. Offenbarung 13 beschreibt das ganz deutlich: Wir werden dann nicht mehr kaufen noch verkaufen können. Wir werden am Ende sogar mit dem Tod bedroht.
[53:11] Wie hat sich nun der Geheilte selbst zu Jesus gestellt? Vers 24: Da riefen sie zum zweiten Mal den Menschen, der blind gewesen war, und sprachen zu ihm: „Gib Gott die Ehre!“ An sich erstmal eine gute Aufforderung, wir denken an die erste Engelsbotschaft. Aber jetzt wird es ganz dramatisch schlimm: „Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.“ Nun, woher meinen sie das zu wissen? Weil Jesus nach ihren eigenen Vorschriften und Regeln – ihre, also ihre eigenen Regeln und Vorschriften – gebrochen hat. Es gibt in dem ganzen Alten Testament nirgendswo ein Gebot, das sagt: „Du darfst am Sabbat nicht einen Menschen heilen.“ Ganz im Gegenteil, der Sabbat ist ja für den Menschen gemacht. Indem sie also Jesus als einen Sünder bezeichnen, sagen sie, dass er ein Gebot übertreten hat. Das Gebot, das er übertreten hat, ist aber ein Gebot, das sie selbst gemacht haben. Im Grunde genommen spielen sie hier, ohne es vielleicht ganz durchdacht zu haben, selbst Gott. Sie stellen ihre eigenen Regeln auf und bezeichnen dann jemand, der ihre eigenen Regeln bricht, als Sünder.
[54:34] Möge Gott uns davor behüten, dass wir das tun, dass wir eigene Testfragen aufstellen, eigene Regeln aufstellen, an denen wir andere Menschen messen. Gemessen werden sollen Menschen immer nur am Wort Gottes und an dem klaren: „Es steht geschrieben, so spricht der Herr.“ Sie wollen ihn als Sünder abstempeln, ihn, der niemals auch nur eine Sünde begangen hat. Aber der Geheilte lässt sich auf gar keine Diskussion ein. Da antwortete jener und sprach: „Ob er ein Sünder ist, das weiß ich nicht. Eines weiß ich: dass ich blind war und jetzt sehend bin.“ Er kennt Jesus ja kaum. Er kann nicht über sein ganzes Leben reden. Er hat Jesus gerade zum ersten Mal kennengelernt. Alles, was er hat, ist die Erfahrung mit Jesus, das, was Jesus für ihn getan hat, was Jesus ihm gesagt hat. Und daran hält er fest. Er lässt sich nicht verwirren von Dingen, die er mit seinem begrenzten Wissenstand jetzt nicht erklären kann.
[55:29] Und das ist eine Haltung, die wir auch brauchen. Es werden immer Menschen geben, die theologisch, intellektuell uns überlegen sind, die uns vielleicht verwirren können mit Dingen, die wir mit unserem begrenzten Wissen gar nicht beantworten können. Aber wir können immer festhalten an dem, was Jesus für mich persönlich getan hat, was er mir gesagt hat und was ich erlebt habe durch seine Kraft, durch sein Evangelium.
[55:52] Vers 26: Sie sprachen aber wiederum zu ihm: „Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er Augen geöffnet?“ Er antwortete ihnen: „Ich habe es euch schon gesagt, und ihr habt nicht darauf gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt auch ihr seine Jünger werden?“ Sie beschimpften ihn nun und sprachen: „Du bist sein Jünger, wir aber sind Moses Jünger. Wir wissen, dass Gott zu Mose geredet hat. Von diesem aber wissen wir nicht, woher er ist.“ Sie beschimpfen den Geheilten, weil dieser nicht klein beigibt. Sie haben versucht, ihn zu, ja, zu überzeugen. Sie haben versucht, ihn mit Druck gefügig zu machen. Jetzt beschimpfen sie ihn. Und da sehen wir, zu welchen Dingen Menschen fähig sind, die Jesus ablehnen und das Evangelium unterdrücken wollen.
[56:46] Vers 30: Da antwortete der Mensch und sprach zu ihnen: „Das ist doch verwunderlich, dass ihr nicht wisst, woher er ist, und er hat doch meine Augen geöffnet! Wir wissen aber, dass Gott nicht auf Sünder hört, sondern wenn jemand gottesfürchtig ist und seinen Willen tut, den hört er. Von Ewigkeit her hat man nicht gehört, dass jemand einem Blindgeborenen die Augen geöffnet hat. Wenn dieser nicht von Gott wäre, so könnte er nichts tun.“ Der Geheilte kommt zu dem Schluss: Es ist nicht anders zu erklären, Jesus kommt von Gott.
[57:21] Vers 34: Sie antworteten und sprachen zu ihm: „Du bist ganz in Sünden geboren und willst uns lehren?“ Dieser Mann, so heißt es in Johannes 9 Vers 1, war blind von Geburt an. Er war in Blindheit geboren und war heil geworden als Blindgeborener. Und jetzt beschimpfen ihn die Pharisäer als jemand, der in Sünden geboren ist. Da sehen wir, wie in diesem Kapitel diese Blindheit immer wieder mit der Sünde so in interessante Verbindung gebracht wird. Statt sich mit ihm zu freuen, dass er geheilt ist, statt zu erkennen, dass die Heilung dieses Blindgeborenen zeigen soll, wie durch Jesus all das geheilt werden kann, was an Sünde in unserem Leben sich befindet, ächten sie ihn jetzt und sagen: „Du bist ganz in Sünden geboren, du willst uns lehren?“ Offensichtlich sehen sie sich als weitaus besser an. Sie sehen sich nicht als ein solcher Sünder an wie er. Und sie stießen ihn hinaus. Sie haben ihn aus der Gemeinde ausgeschlossen, weil er an seiner Erfahrung mit Jesus, der schönsten Erfahrung seines Lebens, endlich sehen zu können, daran festgehalten hat und Jesus dafür dankbar war. Dieser Mann wollte nicht einfach nur das nehmen, sondern wollte auch zu dem stehen, der es ihm gegeben hat.
[59:04] Jesus, das zeigt die Geschichte, hat ihn dann nicht alleine gelassen. Zeit reicht heute nicht, das zu lesen, aber ihr könnt das auch zu Hause noch zu Ende lesen ab Vers 35. Jesus hat ihn dann noch einmal aufgesucht und ihn gestärkt und ermutigt und hat ihm deutlich gemacht, dass er für ihn da ist.
[59:26] Wir kommen am Ende noch ganz kurz zu einer Begebenheit, die wie kaum eine andere die Macht Jesu zeigt. Wir lesen nicht die gesamte Geschichte, sondern nur den entscheidenden letzten Schluss in Johannes Kapitel 11, als Lazarus bereits am vierten Tag tot ist.
[59:44] Wir lesen in Vers 38: Jesus nun – wir sind jetzt kurz vor der Kreuzigung, wenige Tage vorher, ein knappes halbes Jahr nach der Geschichte mit dem Blindgeborenen – Vers 38: Jesus nun, indem er wieder bei sich selbst seufzte, kam zum Grab. Es war aber eine Höhle, und ein Stein lag darauf. Jesus ist betrübt über die Tatsache, dass Menschen nicht sehen wollten, nicht oder nicht gesehen haben, nicht realisierten, wie sehr er ihnen helfen kann. Und auch heute ist Jesus, glaube ich, betrübt und seufzt ganz oft, weil wir gar nicht sehen und wahrnehmen, wie sehr er uns helfen kann und möchte.
[1:00:25] Vers 41 – Vers 40, Verzeihung – Vers 40: Jesus spricht zu ihr: „Habe ich dir nicht gesagt, wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?“ Marthe versucht tatsächlich, Jesus noch aufzuhalten, obwohl der gerade ihren Bruder aufwecken möchte. Warum? Weil sie nur aus menschlicher Perspektive auf die Situation schaut. Sie sieht nur die Umstände. Sie kann von A nach B denken. Sie weiß, am vierten Tag ist der Verwesungsprozess auf jeden Fall schon, hat er eingesetzt. Das wird kein schöner Anblick, das wird kein schöner Geruch. Aus menschlicher Perspektive ist es sicherlich keine gute Idee, jetzt den Stein wegzurollen. Aber das ist unser Problem, dass wir die Dinge immer nur aus der menschlichen Perspektive sehen, obwohl Jesus gegenwärtig ist und wir sogar wissen, dass er gegenwärtig ist. Trauen wir ihm zu, dass er Dinge tun kann, die wir nicht verstehen können?
[1:01:22] Jesus erinnert sie freundlich an das, was er ihr schon gesagt hat. Wenn wir plötzlich nur aus menschlicher Perspektive denken, wenn wir vielleicht sogar versuchen, fast noch Gott aufzuhalten, dann ist Jesus nicht beleidigt. Er erinnert uns freundlich an das, was er uns schon gesagt hat. Er erinnert uns daran, dass er uns aufgefordert hat, Glauben zu haben. Durch den Glauben können wir die Herrlichkeit Gottes sehen. Johannes schreibt später: „Und wir sahen seine Herrlichkeit, die Herrlichkeit eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“
[1:02:13] Vers 41: Da hoben sie den Stein weg, wo der Verstorbene lag. Jesus aber hob die Augen empor und sprach: „Vater, ich danke dir.“ Wir erinnern uns an Jesus bei der Speisung der 5000, als er das Brot brach und dankte, noch bevor es sich vermehrte. „Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.“ Jesus dankt vor der Auferstehung des Lazarus für die Auferstehung des Lazarus. Das ist echter, tiefer Glaube. Jesus hat auf das Wort seines Vaters vertraut, selbst wenn es darum ging, dass Tote auferstehen sollten.
[1:03:05] Und dann lesen wir in Vers 42: „Ich aber weiß, dass du mich allezeit erhörst; doch um der umstehenden Menschen willen habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.“ Jesus sagt hier, dass seine Worte er deswegen sagt, also er redet diese Worte, weil er weiß, dass er beobachtet wird, und er möchte, dass seine eigenen Worte im Gebet, seine Dankesworte, dazu führen, dass die Menschen an ihn glauben. Das, was Jesus sagt, das sagt er, damit wir es hören und in diesen Worten unseren Erlöser sehen und in diesen Worten den erkennen, der uns retten kann. Diese Worte sollen uns zum Glauben führen. Es sind die Worte, die die Basis des Glaubens sind. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht.“ Deswegen sagt Paulus: „Der Gerechte lebt aus Glauben.“
[1:04:22] Vers 43: Und als er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: „Lazarus, komm heraus!“ Jesus ruft den toten Lazarus. Und wir erinnern uns vielleicht an dieser Stelle an Römer 4 Vers 17, wo es heißt – wie geschrieben steht in Römer 4 Vers 17: „Ich habe – wie geschrieben steht – ich habe dich zum Vater vieler Völker gemacht vor Gott, dem er glaubte, der die Toten lebendig macht und der ruft, was nicht ist, als wäre es da.“ Es ist Gott, der die Toten lebendig macht. Es ist Gott, der der ruft, was nicht ist, als wäre es da. Es ist Gott, der ruft: „Lazarus, komm heraus!“ Lazarus ist tot, der Verwesungsprozess hat angefangen, er ist nicht mehr. Aber Gott ruft dem, der nicht ist, als wäre er da. Und das ist eine gute Nachricht für uns, denn Gott ruft auch uns, wenn wir geistlich in Sünden tot sind, wenn da nichts mehr ist, ruft er uns und sagt: „Komm, sei wieder lebendig!“ Jesus hat die Macht, von den Toten aufzuerwecken, sowohl physisch als auch geistlich. Und in Vers 44 sehen wir: Diese Worte haben Kraft.
[1:05:39] Und der Verstorbene kam heraus, an Händen und Füßen mit Grabtüchern umwickelt, und sein Angesicht mit einem Schweißtuch umhüllt. Jesus spricht zu ihnen: „Bindet ihn los und lasst ihn gehen!“ Jesus hat den toten Lazarus auferweckt. Hier erfüllt sich, was er selbst in Johannes 5 Vers 25 angekündigt hatte: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Die Stunde kommt und ist schon da, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie hören werden, werden leben.“ Dieses größte Wunder zeigte eindeutig, dass Jesus Herr des Lebens und des Todes ist. Er ist Herr über Leben und Tod. In Johannes 11 Vers 25 sagt Jesus – Jesus spricht zu ihr: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ In Jesus haben wir unseren Schöpfer, unseren Erlöser, unseren König, denjenigen, der uns ewiges Leben schenkt und wenn wir gestorben sind, uns vom Tod wieder auferwecken kann durch sein Wort.
[1:06:58] Ist sein Wort, sein göttliches Wort, heute die Grundlage deines Glaubens? Möchtest du Jesus in seiner Göttlichkeit als deinen Herrn und Erlöser annehmen? Möchtest du ihm vertrauen und dankbar sein, dass er das Wenige, was du ihm gibst, über alle Maßen vermehren kann? Dass er der Gesalbte ist, in dem du dich waschen kannst von allem, was, seit du existierst, dich belastet hat, und dass du die Hoffnung hast auf ewiges Leben mit ihm? Ist dein Wunsch, ihm zu folgen?
[1:07:41] Dann lass uns auch gemeinsam beten: Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass du auch heute durch dein Wort zu uns gesprochen hast, dass wir Jesus besser verstehen können, dass wir so viele Dinge lernen durften und durch das Anschauen gerettet und verwandelt werden. Herr, wir bitten dich von unserem ganzen Herzen, dass Jesus unser Herz erleuchtet, verwandelt und dass er darin wohnt. Er soll unser König sein, ihm wollen wir dienen. Und dafür danken wir dir von ganzem Herzen im Namen Jesu. Amen.
[1:08:23] Nächste Woche werden wir uns dann mit weiteren interessanten Themen beschäftigen. Wir werden an den Anfang des Johannesevangeliums gehen, diese ersten fundamental wichtigen Sätze dort genauer studieren und auch die Themen durch das Johannesevangelium verfolgen, was dort angesprochen wird. Wir wünschen uns, dass ihr dann, wenn ihr möchtet, wieder dabei seid. Bis dahin wünschen wir euch natürlich Gottes reichen Segen und Freude, wenn ihr in der Bibel Jesus kennenlernt. Gott mit euch. Amen.