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In dieser fünften Lektion der „Christ Study Hour“ taucht Christopher Kramp tief in Johannes Kapitel 4 ein, um das Zeugnis der Samariterin am Jakobsbrunnen zu beleuchten. Er zieht Parallelen zu Nikodemus und zeigt auf, wie Jesus soziale und religiöse Barrieren überwindet, um jedem Menschen das „lebendige Wasser“ anzubieten. Die Episode betont Jesu weises Vorgehen, Vertrauen aufzubauen und die tiefsten spirituellen Bedürfnisse anzusprechen, selbst bei jenen, die von der Gesellschaft verachtet werden.


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Serie: Christ Study Hour 2024 Q4: Jesus im Johannesevanhelium

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Transkript

[0:35] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Ein herzliches Willkommen gilt wie immer unseren Zuschauern auch auf dem Sender Das Wort. Wir sind mittendrin im Studium des Johannesevangeliums, oder ich muss besser sagen, im Studium von Jesus im Johannesevangelium. Wir gehen in diesen Studienlektionen verschiedene Themen durch, die Jesus erhöhen, die verschiedene Aspekte des Wirkens und des Wesens von Jesus beleuchten. Heute geht es in Lektion 5 um das Zeugnis der Samariter. Wir haben schon das letzte Mal über Zeugnisse gesprochen von Menschen, die Jesus begegnet sind, vor allem seine Jünger in Johannes 1. Wir haben auch etwas über Johannes 3 über Nikodemus gesprochen. Wir werden ein bisschen heute auch Parallelen ziehen zwischen Johannes 3 und Johannes 4. Wir bereiten uns vor mit diesem Thema, mit der Folge 5, auf das Bibelgespräch am 2. November. Bevor wir in das Thema heute einsteigen, wir werden uns die ersten 42 Verse von Johannes 4 anschauen, also die große, bekannte und auch beliebte und wirklich bemerkenswerte Geschichte von Jesus und der Frau am Jakobsbrunnen. Bevor wir damit beginnen, wollen wir Gott einladen, dass er unser Denken erleuchtet und uns Liebe zu seinem Wort schenkt, Liebe zu Jesus und Liebe zu unseren Mitmenschen.

[2:20] Wir beten gemeinsam: Lieber Vater im Himmel, wir stehen jetzt vor der Gelegenheit, dein Wort zu öffnen und darüber nachzudenken und das zu lesen und zu studieren. Und Herr, vielleicht haben wir diese Geschichte schon oft gelesen und oft darüber etwas gehört und vielleicht meinen wir auch schon alles gesehen und gehört zu haben. Aber Herr, du hast noch einen Ozean voller Weisheit und Wahrheit, die alleine dieser Geschichte verborgen sind und ja, dort anwesend sind, die wir vielleicht noch überhaupt gar nicht gesehen haben, nicht damit rechnen. Herr, wir möchten dich bitten, dass aus diesem unfassbaren Schatz der Weisheit, der in Jesus verborgen ist, wir auch heute die Perlen, die Goldstücke erhalten, die wir heute brauchen, die wir jetzt brauchen, die uns heute weiterhelfen. Dass du uns das zeigst, was du möchtest, dass wir heute verstehen. Ich möchte dich bitten, dass du unser Lehrer bist, dass du uns in die Schönheiten, die Tiefen des Charakters Jesu mitnimmst, dass wir ihn lieben lernen und durch das Anschauen gerettet und verwandelt werden. Herr, lass das keine gewöhnliche Bibelstunde sein, sondern eine Gelegenheit, mit dir in deinem ewigen Wort zusammenzutreffen. Herr, du hast dort Dinge hineingelegt, die unser Herz und unser Leben, unser Denken völlig verwandeln können. Wir wollen unser Herz öffnen, damit du das jetzt tun kannst. Im Namen Jesu, Amen.

[4:17] Wir beginnen in Johannes Kapitel 4 und dort in Vers 1: „Als nun der Herr erfuhr, dass die Pharisäer gehört hatten, dass Jesus mehr Jünger mache und taufte als Johannes, obwohl Jesus nicht selbst taufte, sondern seine Jünger, da verließ er Judäa und zog wieder nach Galiläa.“

[4:42] Der ungeheure Erfolg von Jesus ist bekannt geworden in Judäa. Er tauft, und seine Bewegung wird immer mächtiger, so sehr, dass, wie wir vorher lesen können am Ende von Johannes 3, sogar ein Streit entsteht zwischen den Jüngern von Jesus und den Jüngern von Johannes. Die Jünger von Johannes sind regelrecht neidisch, weil immer mehr Menschen nicht mehr zu Johannes dem Täufer, sondern zu Jesus kommen. Die Bewegung nimmt an Fahrt auf. Jesus selbst hat nicht getauft. Er hätte natürlich alles Recht gehabt, also wenn irgendjemand das Recht gehabt hätte, also wenn es irgendjemand gibt, anders gesagt, der prädestiniert, der die perfekte Lösung ist für einen Taufpastor, dann wäre es Jesus. Aber Jesus hat schon gewusst, warum er niemanden selbst tauft. Zu leicht hätte es Streit gegeben unter den Getauften, weil einige gedacht hätten, dass sie vielleicht mehr wert sind, weil sie von Jesus direkt getauft worden sind als andere. Wir erinnern uns an 1. Korinther 1, wo es einen Streit gibt zwischen den Gläubigen, wer jetzt dem Apollos angehört, wer dem Paulus angehört, wer dem Kephas, das heißt den Petrus, angehört. Und Paulus sagt: „Ich bin froh, dass ich so gut wie niemand getauft habe.“ Ähm, das hätte noch mehr Streit ausgelöst.

[6:02] Jesus verzichtet auf sein Recht, um Neid und Streit zu vermeiden. Nicht nur das, er verlässt Judäa und zieht wieder nach Galiläa. Er möchte vermeiden, dass die Pharisäer einen Keil zwischen seine Jünger und die Jünger des Johannes treiben. Er weiß, der Satan versucht mit allen nur erdenklichen Methoden, die Bewegung zu schwächen und aufzuhalten. Und Jesus, der Größere, zieht sich zuerst zurück. Es ist Johannes, der gesagt hat: „Ich muss abnehmen, er muss zunehmen.“ Aber noch bevor Johannes das Konfliktpotenzial richtig einschätzen konnte, hatte Jesus sofort gesehen, was in Gefahr ist, und hat sich als Erster zurückgezogen.

[6:59] Was können wir nicht alles von ihm lernen? Wir werden sehen, dieses Motiv wird auch noch in der folgenden Geschichte jetzt wieder auftauchen: Jesus, der Größere, verzichtet auf sein Recht. Vers 4: „Er musste aber durch Samaria reisen.“

[7:14] Das zwischen Judäa und Galiläa ist. Ich denke, viele von uns sind vertraut mit der Geschichte der Samariter, die ein Volk sind, ein Mischvolk, entstanden, nachdem die Assyrer das Nordreich Israel hatten, die Bevölkerungen in alle Lande verstreut hatten durch Deportation, dann Menschen aus anderen Gegenden, z.B. aus Babylonien, dorthin gebracht haben und die verbliebenen Israeliten sich mit diesen Neuankömmlingen vermischt haben. Eine Religion hatten, die der jüdischen nicht unähnlich war. Man glaubte auch an die fünf Bücher Mose. Bis heute gibt es noch einige wenige Hunderte Samariter, die dort auf dem Berg Garizim auch immer noch ihren heiligen Ort haben, an dem sie ihre Gottesdienste auch feiern und bis heute halten sie an den fünf Büchern Mose fest und an den Dingen, die dort geschrieben sind. Es war eine Religion, in der sich auch einige heidnische Dinge hineingemischt hatten, eine Religion und ein Volk, auf das die Judäer mit Verachtung hinabschauten.

[8:24] Vers 5: „Da kommt er in eine Stadt Samarias, genannt Sychar. Meistens wird vermutet, dass es sich hierbei um das alttestamentliche Sichem handeln könnte, dem heutigen Nablus, oder das dort benachbarte Dorf Askar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Josef gab. Hier in dieser Gegend war Abraham, so lernen wir in 1. Mose 12, Vers 6, zum ersten Mal. Hatte er seinen ersten Aufenthaltsort in Kanaan. Und auch als Jakob aus Paddan-Aram dann später zurückkam, in 1. Mose 33, hat er dort ein Grundstück gekauft, und er hat dann auch, so sagt es 1. Mose 48, seinem Sohn Josef in Ägypten einen Bergrücken geschenkt, den er im Krieg erworben hat. Und hier zwischen den Bergen Ebal und Garizim liegt diese Gegend. Ebal und Garizim sind bekannt aus 5. Mose 27 und 28, die beiden Berge, auf denen der Segen und der Fluch verkündigt worden ist. Es war aber dort Jakobsbrunnen.“

[9:37] Weil nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich so an den Brunnen. Es war um die sechste Stunde. Jesus war ein Mensch wie du und ich. Er war gewandert, es war Mittag, er war müde und setzte sich. Aber die Müdigkeit ist für Jesus kein Grund, eine Gelegenheit zu verpassen. Hätte ja sagen können: „Ich bin k.o., beim nächsten Mal spreche ich jemanden an.“ Jesus war müde und erschöpft, aber die Erschöpfung war für ihn kein Grund, nicht von Jesus, von also von Gott dem Vater in seinem Fall zu erzählen. Er möchte gerne trinken, aber er hat kein Seil und kein Gefäß. Er hat zwar das Wasser erfunden, er hat das Wasser erschaffen, aber nun sitzt er an dem Brunnen und kommt selbst nicht an das Wasser heran, das er gemacht hat. Er wartet, dass jemand kommt, um ihm Wasser zu geben. Es ist die sechste Stunde, das heißt zwischen 11 Uhr und 12 Uhr mittags.

[10:43] Vers 7: „Da kommt eine Frau aus Samaria, um Wasser zu schöpfen.“ Jesus spricht zu ihr: „Gib mir zu trinken.“ In Johannes 3, da kommt der Nikodemus, ein Mann. Hier in Johannes 4 kommt eine Frau. In Johannes 3 ist der Name bekannt, es ist Nikodemus. In Johannes 4 wissen wir nicht, wie diese Frau hieß. Nikodemus in Johannes 3 ist ein Jude, diese Frau ist eine Samariterin. Nikodemus hatte die höchste Position, die man im Judentum haben konnte, er war Mitglied des Sanhedrin. Diese Frau ist selbst unter den verachteten Samaritern noch eine der verachtetsten, denn wie wir noch lernen werden, ist ihr Leben weit ab von dem, was man auch in den fünf Büchern Mose lesen konnte. Sie geht mittags zum Brunnen, offensichtlich will sie von niemandem gesehen werden. Nikodemus kommt in der Nacht, diese Frau trifft Jesus mitten am Tag, am Mittag. Nikodemus kommt zu Jesus und spricht ihn an, diese Frau hätte Jesus niemals angesprochen, sie wird angesprochen. Allein diese beiden Geschichten nebeneinander zeigen uns, wie weit das Spektrum für Jesus ist. Jeder Mensch, ob in höchster oder in niedrigster Position, ob Mann oder Frau, ob bekannt oder ungekannt, egal ob des Nachts oder des Tags, egal ob wir aktiv zu Jesus kommen oder ihn aktiv nie gesucht hätten, Jesus hat an jedem Menschen ein Interesse. Allein Johannes 3 und Johannes 4 nebeneinander gelegt, machen das absolut deutlich. Jesus möchte jeden Menschen retten.

[12:36] Jesus bittet um Wasser, und es erinnert uns an 1. Mose 24, Vers 7, wo Elieser, der Knecht von Abraham, Rebekka um Wasser bittet, und 1. Könige 17, Vers 10, wo der Prophet Elia die Witwe von Sarepta um Wasser bittet. Dreimal werden in der Bibel Frauen um Wasser gebeten, und jedes Mal sind das ganz erstaunliche und ganz besondere und wichtige Geschichten.

[13:02] Vers 8: „Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, um Speise zu kaufen.“ Denn die Rabbiner erlaubten es, dass man notwendige Einkäufe auch bei den Samaritern machen durfte. Allerdings waren Gefälligkeiten oder freundliche Gesten absolut undenkbar.

[13:30] Jesus weiß, wenn er eine Freundlichkeit anbietet, dann würde sie das brüsk ablehnen. Also Jesus weiß, dass wenn er ihr was anbietet, dann wird er nicht durchdringen. Also dreht er den Spieß um. Er bittet um einen einfachen Dienst, statt zu sagen gleich: „Ich habe etwas für dich“, sagt: „Könntest du mir helfen?“ Und schafft damit auf eine ganz simple Weise Vertrauen. Solch eine Bitte kann man im Orient nicht abschlagen. Wasser wurde das Zitat „Geschenk Gottes“ genannt. Ein Araber würde in der Wüste sogar Umwege machen, um eine solche Bitte zu erfüllen. Jesus eröffnet das Gespräch als jemand, der Hilfe braucht, obwohl sie es ist, die seine Hilfe braucht. Er zeigt, dass er ihr vertraut, und indem er als Jude dieser samaritischen Frau zeigt: „Ich vertraue dir“, erzeugt er Vertrauen. Nur Vertrauen erzeugt Vertrauen. Wenn wir wollen, dass Menschen Vertrauen zur Adventbotschaft, zum Evangelium bekommen, müssen wir auch etwas Vertrauen in sie hinein investieren.

[14:53] Und all das, obwohl Jesus wusste, dass diese Frau in offener Sünde lebte. Wir werden ja gleich noch sehen, dass Jesus genau wusste, was ihre Lebensumstände sind, und trotzdem hat er sie freundlich behandelt, trotzdem hat er sie um einen Gefallen gebeten, hat ihr gezeigt: „Ich vertraue dir“, obwohl wir vielleicht sagen würden, oder viele, garantiert alle anderen Juden wahrscheinlich, oder wahrscheinlich so gut wie alle gedacht hätten, sie ist des Vertrauens nicht würdig. Gibt Jesus ihr diesen Vertrauensvorschuss. So ist Jesus.

[15:27] Vers 9: „Nun spricht die samaritische Frau zu ihm: ‚Wie erbittest du als ein Jude von mir etwas zu trinken, da ich doch eine samaritische Frau bin?‘“ Kommt Erklärung von Johannes: „Denn die Juden haben keinen Umgang mit den Samaritern.“ Die Frau ist überrascht, sie vergisst sogar vor Überraschung, seine Bitte zu erfüllen. Es sieht so aus, dass sie ihm nie das Wasser gegeben hat, aber das war für Jesus auch nicht das eigentliche Thema. Wenn wir wissen wollen, wie groß die Feindseligkeit war, dann müssen wir zu Johannes 8, Vers 48 gehen, wo Jesus als Samariter beschimpft wird, und es heißt: „Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: ‚Sagen wir nicht mit Recht, dass du ein Samariter bist und einen Dämon hast?‘“ Also Samariter war für Juden ungefähr, für die Menschen damals in Judäa, so ungefähr die gleiche Kategorie wie ein Besessener.

[16:23] Sie ist überrascht. „Wie, wie erbittest du?“ Jetzt ist Jesu Gelegenheit. Sie öffnet so ein ganz bisschen ihr Herz. Vers 10: „Jesus antwortete und sprach zu ihr: ‚Wenn du die Gabe Gottes erkennen würdest und wer der ist, der zu dir spricht: „Gib mir zu trinken“, so würdest du ihn bitten, und er gäbe dir lebendiges Wasser.‘“ Was ist diese Gabe Gottes? Johannes 3, Vers 16 sagt: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Er sagt mit: „Wenn du wüsstest, was Gott dir schenken möchte, wenn du wüsstest, was für eine großartige, was für ein großartiges Geschenk Gott dir machen möchte, du würdest es gerne haben wollen.“ Er weckt ihr Wasser.

[17:26] In Jeremia 2 und dort Vers 13, dort lesen wir: „Denn mein Volk hat eine zweifache Sünde begangen: Mich, die Quelle des lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen zu graben, löchrige Zisternen, die kein Wasser halten.“ Jesus ist die Quelle des lebendigen Wassers. Immer wieder wird in der Bibel Wasser als Symbol für die Erlösung genommen. Wir haben einige Texte hier im Sendemanuskript, die ihr euch dann anschauen könnt.

[18:07] Vers 11: „Die Frau spricht zu ihm: ‚Herr, du hast ja keinen Eimer, und der Brunnen ist tief. Woher hast du denn das lebendige Wasser?‘“ Sie hat die Worte nicht verstanden, aber sie hat gespürt, dass Jesus etwas Wichtiges ihr sagen möchte. Das Interesse ist geweckt, aber wie bei Nikodemus, versteht sie die Sache zu buchstäblich. Nikodemus hatte, als Jesus gesagt hatte: „Du musst von Neuem geboren werden“, gefragt: „Wie soll das möglich sein, noch mal in den Mutterleib zurückzukehren?“

[18:37] Immer wieder stellt man fest, dass die Menschen die geistlichen Worte Jesu oft zu buchstäblich, ohne geistlichen Bezug, ausgelegt haben. Sie denkt, Jesus spricht von diesem Brunnen, und er hätte noch irgendwie besseres Wasser. „Wie kommt er denn daran? Lebendiges Wasser, das ist Quellwasser, das beste Wasser, das man haben kann.“

[19:00] Vers 12: „Sie stellt jetzt eine interessante Frage: ‚Bist du größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gab und selbst daraus getrunken hat, samt seinen Söhnen und seinem Vieh?‘“ Was für eine Frage! Jesus hätte antworten können auf diese Frage, als sie fragt: „Bist du größer?“ Stell dir vor, du bist Jesus und diese Frau mit einem, mit einem vorwurfsvollen Unterton stellt diese Frage, wörtlich sogar du, mit emphatischer Betonung: „Du bist größer als unser Vater Jakob?“ Das impliziert schon eine negative Antwort, eine quasi rhetorische Frage. Jesus hätte sich herausgefordert fühlen können und sagen können: „Weißt du was? Jakob hat zu meinen Füßen gesessen und gewinselt und geweint und gesagt, ich soll ihn nicht verlassen, weil ich mit einer Berührung ihn für immer hinkend gemacht habe.“ Hätte sagen können, es wäre die Wahrheit gewesen. Es hätte nur nichts geholfen.

[20:00] Vielleicht lassen wir uns auch in Gesprächen mit Menschen, die nicht unseren Glauben haben, herausfordern, dann zu diskutieren und die Wahrheit auf eine Weise zu sagen, die niemandem hilft, obwohl wir uns dann verteidigt haben und die Wahrheit mal klargestellt haben. Jesus tut das nicht. Wir werden schon gleich sehen, dass er nichts gegen die Wahrheit hat, ganz im Gegenteil, er ist die Wahrheit, und er weiß ganz genau, wann und wie man die Wahrheit zum richtigen Zeitpunkt platziert. Das müssen wir von Jesus lernen, das möchte ich von Jesus lernen. Die schaut mit Stolz, diese Frau, in die Vergangenheit der Väter: „Unser Vater Jakob.“ Übrigens ist diese Frage keine Frage, die nur Samariter stellen konnten. Später in Johannes 8 heißt es von den Pharisäern in Vers 53: „Bist du größer als unser Vater Abraham, der gestorben ist?“ Wir sind immer so stolz auf die Tradition, stolz auf unsere Vorfahren, stolz auf die Geschichte, stolz auf die Vergangenheit. Sie wartete auch auf die Zukunft. Wir wissen später aus Vers 25, sie hat auf den Messias gewartet. Sie hatte nur keinen Blick, dass Gott in ihrem Leben jetzt hier an diesem Mittag, unter der Woche, höchstwahrscheinlich an einem Brunnen, ihr das ewige Leben anbietet. Vielleicht sind wir stolz auf unsere Familiengeschichte, auf unsere nationale Geschichte, auf unsere Kirchengeschichte, was immer wir meinen, Stolz sein zu können. Vielleicht sind wir stolz auf Dinge und glauben vielleicht sogar, dass Gott in der Vergangenheit Großes getan hat. Vielleicht warten wir auch auf Dinge, die Gott in der Zukunft für uns tun möchte, und verpassen, dass Gott am Dienstagmittag, während wir vielleicht abwaschen, unserer Arbeit nachgehen, eine Hausaufgabe machen für Studium, was auch immer, dass Gott mitten im Alltag uns Erlösung anbieten möchte, das Wasser des Lebens, das Quellwasser.

[21:56] Vers 13: „Jesus antwortete und sprach zu ihr: ‚Jeder, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten.‘“ Statt auf die Frage zu antworten: „Bist du größer?“, was zwar ein klares Ja gegeben hätte, aber was nicht geholfen hätte, spricht er ihr fundamentales Problem an: die Sehnsucht nach dauerhafter Erfüllung, die diese Frau hat, ein echtes geistliches und emotionales, psychologisches Problem.

[22:29] Vers 14: „Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das bis ins ewige Leben quillt.“ Mit anderen Worten: Du kommst bisher immer und immer wieder zu diesem, zu diesem Brunnen, und du nimmst Wasser, und dann gehst du nach Hause, und dann trinkst, und dann bist du wieder durstig, und dann kommst du zum Brunnen wieder und holst Wasser und trinkst, und dann bist du wieder zu Hause, und irgendwann ist das Wasser aufgebraucht, und du gehst wieder zum Brunnen. Und wie viele von uns leben emotional, geistlich von einem fernen Brunnen, zu dem wir immer hingehen, hinpilgern, uns das Wasser holen, das uns für eine Zeit lang geistlich, emotional stärkt, und dann sind wir wieder leer und gehen wieder dorthin. Jesus sagt: „Ich möchte, dass die Quelle bei dir ist, dass egal, wo du bist, egal was in deinem Leben passiert, egal wo dein Alltag dich gerade hinführt, dass du die Quelle bei dir hast: Jesus Christus, die Quelle des lebendigen Wassers, des ewigen Lebens.“ Lieber Freund, liebe Freundin, dürstet dich? Jesus bietet mir und dir heute an, dass wir die Quelle bei uns haben können, dass wir nicht immer erst woanders hingehen müssen, um wieder zu tanken, aufzufüllen, uns zu erfrischen, dass Jesus bei uns sein möchte, hier, jetzt im Alltag. Das möchte ich in Anspruch nehmen.

[24:20] Vers 15: „Die Frau spricht zu ihm: ‚Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich nicht dürste und nicht hierherkommen muss, um zu schöpfen.‘“ Sie hat genau verstanden, was Jesus sagen möchte, zumindestens mal im Grundsätzlichen. Sie möchte genau das erleben.

[24:45] Und dann möchte Jesus ihr das geben, aber er weiß, es gibt noch eine Hürde. Vielleicht sind wir begeistert und möchten mit Jesus leben und möchten ihn in unserem Leben haben, aber Jesus kennt uns ganz genau, und er weiß, in unserem Herzen können nicht die Quelle und die Sünde nebeneinander sein. Und deswegen, deswegen spricht er jetzt zu ihr. Jesus spricht zu ihr: „Geh hin, rufe deinen Mann und komm her.“ Er verändert an diesem entscheidenden Punkt die Unterhaltung abrupt. Jetzt ist sie offen, und jetzt kann er sie auf ihr Kernproblem...

[25:30] kann er sie auf ihr Kernproblem hinweisen. Wusste Jesus, dass sie keinen Mann hat? Natürlich, Jesus weiß alles. Wir haben schon in Johannes 1 gesehen, wie Jesus die Jünger, die zu ihm kamen, kannte. Er kannte ihre ganze Lebensgeschichte. Er sagte: „Du bist Simon, Jonas' Sohn. Du bist, du bist Kephas heißen.“ Er hatte Nathanael schon gesehen, bevor der zu ihm gekommen war, unter dem Feigenbaum. Jesus wusste ganz genau, aber er behandelt sie so, wie sie sein könnte, nicht so, wie sie ist. Jesus kennt ihre Sünden noch besser als sie selbst, viel besser als alle Dorfbewohner und definitiv sehr viel besser als die Jünger. Und trotzdem behandelt er sie so, wie sie sein könnte. Können wir nicht etwas von Jesus lernen? Können wir nicht anfangen, Menschen so zu behandeln, nicht wie sie sind, sondern wie sie sein könnten?

[26:30] Vielleicht haben wir ja recht mit unserer Anamnese, mit unserer Diagnose, was da schiefläuft im Leben des anderen. Aber es wird ihm nichts helfen, wenn wir wissen, was da schiefläuft, wenn wir nicht die Gnade Jesu auf unseren Lippen haben, auch das Evangelium attraktiv zu machen, damit der andere es ändern kann. Denn ohne das Evangelium wird er es nie ändern können.

[27:08] Vers 17. Die Frau antwortete und sprach: „Ich habe keinen Mann.“ Das ist ja in diesem Detail die Wahrheit gewesen, denn sie hatte keinen rechtmäßigen Mann an diesem Punkt. Aber sie verschweigt natürlich Entscheidendes. Wie oft verschweigen wir Dinge, um besser dazustehen? Wie oft verschönern wir unsere eigene Lebensgeschichte, verschweigen die dunklen Punkte, um eine bessere Fassade aufrechtzuerhalten? Jesus spricht zu ihr: „Du hast Recht gesagt: Ich habe keinen Mann.“ Das finde ich so erstaunlich an Jesus. Er findet noch jetzt etwas Lobenswertes. Er findet etwas, wo er zustimmen kann und sagt: „Ja, in dem Punkt hast du die Wahrheit.“ Ich sage: Wenn wir mit Menschen reden, die falsche theologische Überzeugung haben und die in Sünde leben, was auch immer das Problem sein mag, dürfen wir trotzdem von Jesu Vorbild lernen und Brücken bauen, Vertrauen investieren, freundlich sein, Diskussionsangebote ins Leere laufen lassen und viel mehr verbindlich sein, Gemeinsamkeiten suchen. Das möchte ich noch mehr lernen.

[28:45] Vers 18. Jesus ist freundlich, wie wir es vielleicht in unserem Leben selbst noch nie so erlebt haben zwischen Menschen. Aber Jesus ist unser Vorbild. Seine Freundlichkeit übertrifft alles. Und seine Freundlichkeit und seine Höflichkeit eliminiert auch nicht die Wahrheit. Vers 18. Jesus sagt weiter, nachdem er gesagt hat: „Du hast Recht gesagt: Ich habe keinen Mann. Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Da hast du die Wahrheit gesprochen.“ Das ist kein Sarkasmus, das ist kein Auflaufenlassen. Das ist zeigen: Ich baue eine Brücke, ich stimme zu, wo ich zustimmen kann, aber ich weiß auch die ganze Geschichte. Ich kenne dein ganzes Leben. Jesus kennt uns ganz. Und da erwacht das Gewissen jetzt. Zittert sie, und jetzt weiß sie: Jesus kennt ihr Problem. Sie sehnt sich nach echter Liebe und sucht sie letztlich in der Sünde, weil sie glaubt, dort findet sie die Liebe, nach der sie sucht. Und es ist, als ob sie von einem Brunnen zum nächsten geht und immer wieder dürstet, weil kein Mann letztlich ihr das geben kann, was sie eigentlich sucht.

[30:29] Ihre Sünde ist eigentlich – formulieren wir es so: Sie sündigt, weil sie noch nicht gelernt hat, dass Jesus alle ihre echten Herzensbedürfnisse und Wünsche füllen kann und sie nicht sündigen muss, um irgendetwas zu bekommen, wonach sie sich sehnt. Im Garten Eden war die Frucht vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Sie war schön und sie war auch lecker. Aber niemand musste sündigen, um eine leckere Frucht zu essen. Es war ja alles in Hülle und Fülle da.

[31:12] Vers 19. Die Frau spricht zu ihm: „Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei der Ort, wo man anbeten soll.“ Das Thema ist ihr zu unangenehm. Jesus ist so nah ans Herz gekommen, das wird ihr zu heiß. Sie versucht das Ganze zu umgehen, indem sie jetzt eine theologische Streitfrage in den Ring wirft und sagt: „Jetzt lass uns mal darüber diskutieren.“ Wie oft gibt es theologische Diskussionen auch in unseren Gemeinden, die nichts weiter sind als ein Deckmantel, um von der eigentlichen Sündennot abzulenken? Denn über dieses Thema kann man trefflich diskutieren. Was mich an Jesus wiederum begeistert, ist: Er sagt nicht, was ich vermutlich in dem Moment gesagt hätte: „Lass uns mal beim Thema bleiben, nicht ablenken, jetzt habe ich dich gerade!“ Nein, nein, nein. Jesus versucht nicht, das Evangelium uns aufzudrücken gegen unseren Willen. Er hat gezeigt, dass er ihre Not kennt. Er hat auch das Vertrauen bei ihr langsam wachsen lassen. Also das Vertrauen ist gewachsen, dass er ihr wohl auch helfen könnte. Aber noch ist sie nicht bereit, ihn als Erlöser anzunehmen. Sie weicht aus, und Jesus lässt sie ausweichen und geht diesen Schritt mit. Er lässt sie das Gespräch führen. Er versucht es nicht zu kontrollieren. Wollen wir das von Jesus lernen, dass wir versuchen, nicht Gespräche zu kontrollieren und zu manipulieren, damit Leute dann bei dem rauskommen, was wir wollen, dass rauskommen soll, sondern dass wir ihnen die Gelegenheit geben, selbst nachzudenken und vielleicht auch mal auszuweichen, sie nicht zu drücken, sodass sie dann später das Evangelium aus freier Überzeugung annehmen.

[33:06] Das, was sie sagt, ist ja schon ein weitreichendes Zugeständnis. Sie sagt ja: „Ich sehe, dass du ein Prophet bist.“ Für einen Samariter war das schon absolut erstaunlich, denn für die Samariter gab es keine anderen Propheten außer Mose. Alle anderen – Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Daniel – hielt man alle für falsche Propheten, für abgefallene Juden, die nicht die Wahrheit hochgehalten haben. Es gab diese Idee, dass nur die Samariter, die Samaritaner, die die Wahrheit, die alte Wahrheit hochhalten, weil während alle anderen abgefallen sind, ein neues Heiligtum irgendwo anders gebaut haben und die ganzen Propheten falsche Propheten sind. Indem sie ihn als einen Propheten anerkennt, hat sie schon einen richtig großen Schritt getan. Und warum erkennt sie ihn als Propheten an? Jesus hat doch gar keine Zukunftsweissagung gegeben, hat keine apokalyptische Prophetie gegeben, was in der Zukunft passieren wird. Aber die Tatsache, dass er ihr Leben kennt, war für sie Beweis genug, dass er ein Prophet ist. Für alle, die sich dafür mehr interessieren: Es lohnt sich, darüber mal nachzudenken, inwiefern das auch ein interessanter Hinweis ist auf den prophetischen Dienst von Ellen G. White, die zwar auch einige Prophezeiungen gegeben hat, aber vor allem immer wieder von Gott gezeigt bekommen hat, was im Leben von Menschen schiefläuft, und ihnen dann Briefe geschrieben hat, wie sie mit Jesu Hilfe überwinden können. Und hier sehen wir das, was in 1. Korinther 14, Vers 24 und 25 steht: Die Gabe der Prophetie, die biblische, führt zur Bekehrung von Menschen. So auch hier.

[34:51] Vers 20: „Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei der Ort, wo man anbeten soll.“ Darüber lässt sich in „wunderbaren“ Anführungsstrichen diskutieren. Denn jetzt kann man drüber diskutieren, welche Authentizität die verschiedenen biblischen Bücher haben. Man kann über das Gottesbild diskutieren, über die Frage, wann die jüdische Religion entstanden ist. Man kann darüber diskutieren, dass ja der Altar Abrahams zuerst in Sichem stand. Man kann über den Einfluss der Assyrer und der Babylonier auf die Samaritaner diskutieren. Man kann das geschichtlich aufarbeiten. Man kann die Bedeutung von Anbetung und so weiter, die Bedeutung von 5. Mose 12 diskutieren, Vers 5 bis 11, wo es heißt, dass Gott den Anbetungsort auswählt. Man kann über die verschiedenen Textvarianten reden. Denn im samaritanischen Pentateuch, den fünf Büchern Mose der Samaritaner, heißt es, dass sie dort anbeten sollen an dem Ort, den Gott auserwählt hat. Und das bezogen sie auf den Berg Garizim, weil sie dachten, dass dort Abraham den Isaak geopfert hat, wo es ja heißt: „An dem Ort, den ich erwählen werde“ in 1. Mose 22. Es hätte also Stoff für Diskussionen ohne Ende gegeben.

[36:01] Der Berg Garizim, das war der Berg des Segens bei der Landnahme. Jerusalem wurde erst 400 Jahre später Anbetungsort, und die Samaritaner haben immer behauptet, dass die Juden damit einen Abfall produziert haben. Sie selbst nannten sich die Schamerim, die Bewahrer. Sie waren, so dachten sie, die Bewahrer des Originals. Sie hatten eine eigene Geschichtsversion. Sie dachten, die Stiftshütte wäre auf dem Berg Garizim gewesen, und Eli hätte dann ein falsches, ein zweites Heiligtum in Silo gebaut. Eine Art Verschwörungstheorie, wenn man so möchte.

[36:36] Es gibt übrigens heute noch einen samaritanischen Hohenpriester auf dem Berg Garizim. Seit dem Jahre 2013 ist das Abed-El der Fünfte, bürgerlich Abed-El ben Aser ben Matzliach. Damals zur Zeit von Jesus war es Jonathan III. So scheint es die Überlieferung deutlich zu machen.

[37:02] Aber Jesus diskutiert nicht. Er gibt wieder eine brillante und wirklich hilfreiche Antwort in Vers 21. Jesus spricht zu ihr: „Frau.“ Übrigens, dieses „Frau“ ist, wie wir schon an anderer Stelle gelernt haben, in 1. Mose 2 ein Idiom gewesen für eine sehr respektvolle Anrede einer wichtigen Frau. Jesus spricht zu seiner Mutter: „Frau.“ Sagt: „Frau, glaube mir, es kommt die Stunde, wo ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.“ Während die Juden und die Samariter sich beide hochmissioniert hatten mit biblischen Argumenten, mit geschichtlichen Argumenten, mit gegenseitigen Verurteilungen, weiß Jesus: Wenn er das lösen möchte, muss er darüber hinausweisen. Und er weist darüber hinaus: Gottes Anbetung kann nicht lokal begrenzt werden. Das steht auch schon im Alten Testament: „Vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang der Sonne soll Gott angebetet werden.“ Man kann ihn weder auf Jerusalem noch auf den Berg Garizim beschränken. Gott möchte eine geistliche Anbetung. Und dann kommt Vers 22. Wiederum wird deutlich die Freundlichkeit, das Taktgefühl, die Genialität der Antworten, die Jesus ja von seinem Vater gelernt hat in seiner Morgenandacht, wie uns Jesaja 50 ja deutlich macht, dass er wie Jünger hören, um dann eine Zunge des Jüngers zu haben, um andere zu trösten. All das tut niemals die Wahrheit beiseitetun, niemals die Wahrheit irgendwie verwässern. Denn er sagt in Vers 22, nachdem er ihren Blick geweitet hat, sie zum neuen Nachdenken gebracht hat, zeigt er ihr auch, was die theologische Wahrheit ist: „Ihr betet an, was ihr nicht kennt. Wir beten an, was wir kennen, denn das Heil kommt aus den Juden.“ Und das ist tatsächlich interessanterweise ein biblischer Beleg, der aus den Büchern kommt, die auch die Samaritaner anerkennen. Und hier zeigt sich, wie taktvoll Jesus mit der Bibel umgeht. Wenn er einfach jetzt Jesaja, Jeremia zitiert hätte, das hätte für sie keinen Wert gehabt. Aber er weist offensichtlich auf 1. Mose 49 hin, ein Buch, das auch sie annimmt. Vers 10: „Es wird das Zepter nicht von Juda weichen, noch der Herrscherstab von seinen Füßen, bis der Schilo kommt, und ihm werden die Völker gehorsam sein.“ Der Erlöser, der Schilo, der Erretter, der Messias, kommt aus dem Stamm Juda. Jesus ist freundlich, taktvoll und er sagt die ganze theologische Wahrheit. Er nimmt Stellung, aber auf eine Art und Weise, dass sie es auch nachvollziehen kann, wenn sie offen ist. Und es ist die

[40:00] Vers 23: „Aber die Stunde kommt und ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden; denn der Vater sucht solche Anbeter.“ Jesus macht damit deutlich: Für die Juden reicht es nicht, wenn sie theologisch korrekt am richtigen Ort, am richtigen Tag im richtigen Tempel ein Opfer bringen. Das alleine wird niemanden retten. Es ist zwar richtig, aber wenn nicht der Geist dabei ist, ist alles umsonst. Das war genau das Thema, was Jesus auch dem Nikodemus deutlich machen wollte, der sich ja rühmte, alles richtig zu tun. Die gesamte Bibel von 1. Mose bis 2. Chronik – also Altes Testament ist es ja damals anders angeordnet gewesen, die Bücher – die gesamte alttestamentliche Überlieferung, das all das zu halten und korrekt einzuhalten und richtig zu glauben. Jesus macht deutlich: „Wenn du nicht durch Wasser und Geist geboren wirst, neugeboren wirst, kannst du das Reich Gottes nicht sehen.“

[41:00] Die wahren Anbeter sind weder Samaritaner noch orthodoxe Juden, die zwar vielleicht richtig liegen, aber die nicht in Wahrheit und Geist anbeten. Die wahren Anbeter sind wiedergeboren, so wie in Johannes 3 beschrieben. Vers 24: „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ In Johannes 3 hatte Jesus dem Nikodemus gesagt: „Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist.“ Eine menschliche Anstrengung, menschliche Pflichterfüllung wird niemals, menschliches Studium und menschliche Erkenntnis werden niemals das treffen, was Gott sich wünscht. Wir brauchen den Heiligen Geist für die Erlösung, für die Anbetung. Im Grunde genommen hält Jesus dieselbe Predigt zweimal. Einmal formuliert so, dass ein Mitglied des Hohen Rates, ein Jude mit Namen Nikodemus, sie verstehen kann. Einmal umformuliert sozusagen für eine verachtete Samariterin mitten am Brunnen. Dieselbe Botschaft, dieselbe theologische Grundidee, dieselbe Wahrheit: Wir brauchen den Heiligen Geist, brauchen eine Wiedergeburt. Und in dieser Wiedergeburt im Geist, in der Wahrheit, wenn wir so anbeten, dann gefällt es Gott, denn er sucht solche Anbeter, wie Vers 23 sagt.

[42:44] Es ist der Geist Gottes, der von Sünde überführt, der Geist Gottes, der uns in alle Wahrheit leitet. Das ist die wahre Anbetung. Das sagt schon Psalm 51, Vers 19: „Ein zerbrochenes Herz.“ Wenn wir mit unseren Sünden zu Jesus kommen und glauben, dass er sie abwaschen kann, das ist die wahre Anbetung. Und das ist, was er ihr jetzt anbietet. Und in ihr wächst diese Frage: Kann er der Messias sein? Sie sagt in Vers 25: „Die Frau spricht zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, welcher Christus – also die griechische Übersetzung von Messias – genannt wird. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen.“ Die Samaritaner nannten ihn „der Bekehrer“ oder „der Zurückkehrende“. Und sie hatten einige Stellen, auf die sie verweisen konnten: 5. Mose 18, zum Beispiel Vers 15, der Prophet, der kommen sollte; 4. Mose 24, der Stern aus Jakob; 1. Mose 49, wie schon gelesen, der Schilo; 1. Mose 3, Vers 15, derjenige, der der Schlange den Kopf zertritt. Interessanterweise hatten sie die ganzen prophetischen Stellen aus Jeremia und Jesaja nicht, wo dann auch der Messias als ein König dargestellt wird. Und so hatten die Samaritaner gar nicht dieses Bild von dem Messias als einem König, was in diesem Fall vielleicht ihnen sogar geholfen hat. Denn die meisten Juden dachten jetzt bei diesem König an einen weltlichen König, an einen politischen König. Diese Barriere war bei den Samaritanern gar nicht vorhanden. Sie erwarteten einfach einen Lehrer, der zwar das Königtum wiederherstellt, aber vor allem die Anbetung auf Berg Garizim.

[44:37] Im Griechischen ist das emphatisch, wenn dieser Lehrer kommen wird. Sie bezieht sich offensichtlich auf 5. Mose 18, Vers 15 bis 18, eine Prophezeiung, die sie gut kannte als Samariterin, auch wenn sie mit ihrem Leben nicht so lebte, wie die fünf Bücher Mose es eigentlich sagten. 5. Mose 18, ab Vers 15, dort sagt Mose – oder ja, Mose sagt: „Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, erwecken aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern. Auf ihn sollst du hören.“ Und dann sagt Gott durch Mose, Vers 18: „Ich will ihnen einen Propheten, wie du es bist, aus der Mitte ihrer Brüder erwecken und meine Worte in seinen Mund legen. Der soll alles zu ihnen reden, was ich ihm gebieten werde.“

[45:29] Vers 26. Jesus spricht zu ihr: „Ich bin's, der mit dir redet.“ Die Antwort könnte nicht einfacher, sie könnte nicht direkter sein. Er weiß, diese Frau ist offen, diese Frau ist begeistert von dem, was sie von ihm gelernt hat, und sie sehnt sich nach diesem Wasser des Lebens. Und er sagt: „Ich bin der Messias, ich bin dein Erlöser.“ Gegenüber den Juden konnte er diese Wahrheit nicht so offen sagen. Selbst später, noch viel später, muss er den Jüngern sagen, als sie dann ihm erneut bekennen: „Wir glauben, dass du der Messias bist.“ Er sagt in Matthäus 16, Vers 20: „Sagt es niemandem, dass ich der Messias bin.“ Er wusste, wie falsch das Denken der Juden oft an diesem Punkt war. Er wusste, wie viel Missverständnis das erzeugen würde. Aber diese Frau würde die Wahrheit richtig verwenden, und deswegen konnte er sie offenbaren.

[46:20] Gott kann uns dann Wahrheit offenbaren. Das ist die praktische Anwendung, die wir ziehen können: Wenn er weiß, dass wir sie auch richtig anwenden, deswegen offenbart er sie, weil er weiß, dass wir sie richtig anwenden werden.

[46:35] Die Frau beginnt zu glauben, sie nimmt die Worte an. Der Heilige Geist hat sie darauf vorbereitet. Das Licht scheint in der Finsternis. Sie ist eine neue Kreatur. Vers 27: „Unterdessen kamen seine Jünger und verwunderten sich, dass er mit einer Frau redete.“ In Vers 9 wunderte sich die Frau, jetzt wundern sich die Jünger. Eigentlich durften Rabbis öffentlich nicht mal mit ihrer eigenen Frau reden. Jesus durchbricht auch hier menschengemachte Schranken, die das Evangelium aufhalten. Vers 28: „Nun ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen und lief in die Stadt und sprach zu den Leuten: Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe! Ob dieser nicht der Christus ist?“ Sie war gekommen, um Wasser zu holen. Sie wollte ihm Wasser geben. Sie hat weder selbst Wasser geholt, noch hat sie ihm Wasser gegeben, aber sie hat das Wasser des Lebens bekommen. Das war das Entscheidende, worum es ging. Sie ist mit tiefer Freude erfüllt. Sie hat Jesus getroffen, und sie hat Jesus angenommen, und das macht sie zum Missionar. Wir haben in Johannes 1 gesehen, dass Andreas – und als Andreas einen Tag mit Jesus verbrachte – er sofort noch am selben Tag seinen Bruder Simon holen musste, um auch ihn zu Jesus zu bringen. Wer Jesus trifft, muss von Jesus erzählen. So beeindruckend, so lebensverändernd ist diese Begegnung.

[48:11] Ihr Zeugnis ist sehr interessant: „Dieser Mensch kennt mein ganzes Leben!“ Für sie war das das Kriterium des Messias. Sie hatte ja in 5. Mose 18 gehört: „Einen Propheten wie mich wird euch der HERR schicken.“ Und dort in 5. Mose 18 geht es um das Gesetz. Und er hatte deutlich gemacht, dass er von ihrem Gesetzesbruch wusste. Er kannte ihr Leben, und er wusste auch, dass sie so unglücklich war, weil sie mit dem Gesetz im Konflikt war, weil sie in Sünde gelebt hatte. Und jetzt hat sie Jesus als ihren Erlöser angenommen, und jetzt erzählt sie anderen davon. Die Leute sind berührt. Die Frau sieht so anders aus, sie ist plötzlich glücklich. Sie will vorher wollte sie anderen aus dem Weg gehen offensichtlich. Jetzt will sie anderen begegnen, um Jesus weiter zu – ähm ja – zu empfehlen, um Menschen zu Jesus zu bringen. Vers 30: „Da gingen sie aus der Stadt hinaus und kamen zu ihm.“ Dieses eine kurze Zeugnis mit wenig theologischen, tiefen Punkten vielleicht, aber eine kraftvolle Erfahrung mit Jesus führt dazu, dass viele Menschen zu Jesus kommen. Sie stellt sogar eher diese als Frage dar, ob dieser nicht der Christus ist. Sie ist vorsichtig in ihrer Formulierung, aber überzeugend in ihrer Erfahrung. Jesus hat ihr Leben verändert, und Menschen wollen das selbst sehen. Scharenweise kommen die Samaritaner, um diesen Messias zu finden.

[49:55] Vers 31: „Inzwischen aber kamen die Jünger und sprachen: Rabbi, iss!“ Während die Menschen aus der Stadt kommen, um Jesus zu sehen, haben die Jünger nichts anderes im Sinn als Essen. Wie leicht können wir das gewaltige verpassen, was Gott in unserem Leben tun möchte, weil wir auf das vermeintlich Notwendige – Essen, Trinken, Schlafen, Anziehen – uns allein konzentrieren? „Rabbi, iss!“ Vers 32: „Er aber sprach zu ihnen: Ich“

[50:25] ist Vers 32. Er aber sprach zu ihnen: „Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt.“ Es gab jemanden, der sich einmal geweigert hat, das ihm vorgesetzte Essen zu essen. Das war Elieser in 1. Mose 24, Vers 33. Er sagt: „Ich habe eine Mission, und bevor diese Mission nicht erfüllt ist, werde ich nicht essen.“ Eine Mission ist wichtiger als das Mahl. Damals ging es auch um eine Frau am Brunnen. Damals ging es um die Braut für Isaak. Jetzt geht es um eine Braut für Jesus.

[51:01] Jesus ernährt sich davon, Gottes Willen zu tun. Er sagte, in Vers 33 heißt es: „Da sprachen die Jünger zueinander: Hat ihm denn jemand zu essen gebracht?“ Wieder haben wir das Phänomen, dass der geistliche Gehalt seiner Worte, die geistliche Bedeutung, nicht verstanden wird. Aber Jesus erklärt es jetzt. Vers 34: Jesus spricht zu ihnen: „Meine Speise ist die, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat und sein Werk vollbringe.“

[51:31] Die geistliche Speise ist nicht nur allein das Kennen des Wortes Gottes und das Studieren des Wortes Gottes, sondern das Tun des Wortes Gottes, die Mission Gottes zu erfüllen. Das ist die geistliche Speise, und dieser Vers ist auch der Schlüssel für die oft diskutierte Passage in Apostelgeschichte 10, wo ein anderer zur selben Zeit, um die sechste Stunde, mittags hungrig ist und vom Himmel ihm etwas zu essen gegeben wird. Da geht es nicht darum, dass plötzlich reine Tiere unreine Tiere rein werden. Es geht darum, dass die Mission, die Gott gegeben hat, weitergehen soll, als der Petrus sich das vorstellen kann. Es geht um eine geistliche Speise, nämlich das zu tun, was Gott möchte.

[52:19] Und bis dahin dachten selbst die Jünger nach Pfingsten immer noch: Gott möchte nur die Juden erreichen. Und dann fängt es langsam an zu dämmern bei Petrus, dass Gott tatsächlich die Heiden erreichen möchte. Jesus wollte ihm diese Lehre, dass Gott auch die Nichtjuden erreichen möchte, hier schon deutlich machen. Da kommt eine ganze Stadt von Samaritanern an, und das ist Gottes Wille, dass sie das Evangelium erfahren.

[52:47] Jesus möchte das Werk Gottes nicht nur anfangen, er möchte es nicht nur ein Stück weit vorantreiben, er möchte es vollenden. Lieber Freund, liebe Freundin, wollen wir Gottes Werk vollenden, oder wollen wir im Hamsterrad sitzen und immer mal ein bisschen arbeiten oder sonst uns irgendwie wieder beschweren, warum andere nicht arbeiten? Wollen wir es vollenden? Denken wir wieder an das Ziel: Jesus kommt wieder. Menschen müssen Jesus hören, Menschen müssen Jesus kennenlernen, sie müssen das Evangelium hören. Wir müssen uns wieder auf das Ziel konzentrieren und dürfen keine andere Sache darüber stellen.

[53:20] Jesus hat ja auch gerne gegessen oder hatte gerne gegessen und getrunken, das ist ja keine Frage. Aber es gibt wichtigere Dinge als Essen und Trinken: die Erlösung von Menschen. Vers 35 sagt: „Ihr sagt nicht: Es sind noch vier Monate, dann kommt die Ernte? Siehe, ich sage euch: Hebt eure Augen auf und seht die Felder an, die sind schon weiß zur Ernte.“

[53:41] Entgegen allen Vorstellungen und vielen Kinderbibeln spielt diese Geschichte nicht im Hochsommer. Die Ernte beginnt ungefähr im April, ja, März, April, April, Mai, je nachdem, was da genau geerntet wird, aber das ist die Erntezeit. Ungefähr der erste Monat, das sind ja dann die ersten Erstlingsfrüchte, die gebracht wird in der Mitte des ersten Monats. Vier Monate vorher ist Winter, ungefähr Dezember. Die Geschichte spielt im Dezember, und das ist für die biblische Chronologie der Evangelien total interessant, weil das beweist, dass dann die nächste Geschichte in oder die das nächste Kapitel in Johannes 5 wieder ein Passah sein muss, auch wenn da nur „Fest der Juden“ steht, weil alle anderen Feste dann ja schon im siebten Monat vorbei sind. Und das zeigt, das ist ein folgender Beweis dafür, dass Jesus vier Passahfeste erlebt hat und deswegen dreieinhalb Jahre sein Dienst gewesen ist. Deswegen betone ich das kurz hier an dieser Stelle als Fußnote.

[54:50] Aber der Punkt von Jesus ist: Ihr denkt an das Essen. Schaut mal, ihr denkt, die Ernte ist erst in vier Monaten. Schaut mal auf die Felder, seht ihr nicht die Ernte? Da sind Menschen, die Jesus kennenlernen wollen. Vers 36: „Und wer erntet, der empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, damit sich der Sämann und der Schnitter miteinander freuen. Denn hier ist der Spruch wahr: Der eine sät, der andere erntet. Ich habe euch ausgesandt zu ernten, woran ihr nicht gearbeitet habt. Andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit getreten.“

[55:27] Das hat sich zu Pfingsten erfüllt. Zu Pfingsten haben die Jünger geerntet, eine mächtige Ernte, aber das meiste davon haben sie nicht gesät. Das hat Jesus gesät, das hat Johannes der Täufer gesät, das hat der Heilige Geist durch viele verschiedene Wege, von denen wir oft nichts wissen, gesät. Die Jünger durften mitarbeiten, und so sagt es auch später Paulus: „Der eine sät, der nächste begießt, Gott gibt das Wachstum.“ Wir arbeiten alle zusammen.

[56:02] Vers 39: „Aus jener Stadt aber glaubten viele Samariter an ihn um des Wortes der Frau willen, die bezeugte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.“ Ein Zeugnis für Jesus von einer Frau, die nicht dachte, dass sich an diesem Tag ihr Leben auf den Kopf stellen wird. Aber Jesus begegnet uns, und egal wie dreckig wir uns fühlen, egal wie sehr wir uns in theologischen Diskussionen festgebissen haben – das kann uns passieren, das passiert mir auch. Egal wie unzufrieden wir vielleicht mit dem Leben sind, Jesus begegnet uns, wenn nötig, mitten am Brunnen.

[56:50] Und Jesus bietet mir und dir das Wasser des Lebens an, das in uns eine Quelle sein wird, eine Quelle, die bis ins ewige Leben sprudelt, quillt. Und man spürt richtig, wie diese Quelle aus ihr herausquillt. Sie erzählt von Jesus, und sie möchte, dass andere Jesus kennenlernen und ihm folgen.

[57:20] In dieser Stadt waren vorher die Jünger Jesu gewesen. Sie kannten Jesus, sie kannten die Wahrheit, sie waren unterwegs. Niemand von diesen Jüngern hatte überhaupt auf dem Schirm gehabt, hier jemanden für Jesus gewinnen zu können. Diese verachtete Frau war eine bessere Missionarin als alle Jünger Jesu zusammen. Jesus hatte kein äußerliches Wunder getan, niemanden geheilt, und doch war sein Erfolg noch größer als in Judäa.

[57:53] Vers 40: „Als nun die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben, und er blieb zwei Tage dort.“ Sie laden ihn ins eigene Leben ein, sie wollen ihn nicht gleich weiterziehen lassen. Wir denken an Jakob, der gesagt hat: „Ich lasse dich nicht, es sei denn, du segnest mich.“ Die Samariter sind die echten Israeliten, sie wollen Jesus nicht gehen lassen.

[58:14] Vers 41: „Und noch viel mehr Leute glaubten um seines Wortes willen, nicht mehr nur um des Wortes der Frau willen.“ Vers 42: „Und zu der Frau sprachen sie: Nun glauben wir nicht mehr um deiner Rede willen, wir haben selbst gehört und erkannt, dass dieser wahrhaftig der Retter der Welt, der Christus ist.“

[58:37] Im ersten Moment waren sie begeistert vom Zeugnis der Frau, und deswegen hat es seinen wichtigen Platz. Das Zeugnis bringt andere zu Jesus, aber auf Dauer können wir nicht aus dem Zeugnis anderer leben. Auf Dauer sind es nicht die Worte eines Predigers, eines Evangelisten, einer Bibelarbeiterin, einer Hauskreisleiterin. Am Ende sind es immer die Worte von Jesus, die unseren Glauben vertiefen, begründen und festigen.

[59:02] Jesus hatte kein Wunder getan. Hier lebten Leute aus dem Wort, aus jedem Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht. Während zuvor und danach in den Geschichten – wir haben es schon angesprochen in Kapitel 2 und 3 und dann auch später in Kapitel 4 bei dem königlichen Beamten – es immer um die Zeichen geht, die die Juden fordern, wie später auch 1. Korinther sagt. Diese Samariter fordern keine Zeichen, sie hören Jesus, und das reicht ihnen, denn sie wissen: Er kennt ihr Leben und er weiß, was sie brauchen.

[59:34] Und das, was später Petrus gesagt hat, das hätten auch die Samariter sagen können: „Wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ Jesus ist der Retter der Welt, das, was Johannes 3, Vers 16 sagt: „Denn so auf diese Weise“ – wir nennen uns Vers 14 und 15, die Schlange in der Wüste – „denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, der auf ihn schaut, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“

[1:00:03] Hier hat eine Frau auf Jesus geschaut, und als sie gesehen hat, dass das rettet, als sie gesehen hat, dass plötzlich ihre tiefsten emotionalen, psychologischen, geistlichen Probleme, Nöte, Bedürfnisse gestillt worden sind, hat sie anderen gesagt: „Kommt, schaut!“ Und die anderen waren erst begeistert von ihrem Zeugnis, aber dann haben sie alle selbst geschaut und sind gerettet worden.

[1:00:25] Lieber Freund, liebe Freundin, möchtest du heute auf Jesus schauen? Möchtest du ihm von Herzen glauben? Möchtest du deine eigene persönliche Erfahrung mit ihm machen und anderen davon erzählen? Möchtest du von Jesus lernen? Wenn du anderen erzählst, möchtest du lernen, wie man mit Taktgefühl Diskussionen vermeidet und die Liebe Gottes weitergibt, sodass Menschen Herzen sich verändern? Ist das dein Wunsch? Es ist auf jeden Fall mein Wunsch. Ich hoffe, deiner auch. Lass uns noch gemeinsam beten, wenn es dein Wunsch auch ist, dafür.

[1:01:09] Lieber Vater im Himmel, danke, dass du heute durch die Geschichte in Johannes 4 zu uns gesprochen hast, dass du unsere Herzen bewegt hast. Und Herr, wir möchten dich bitten, dass wir heute genau das erleben dürfen, was die Frau erlebt hat, dass das Wasser des Lebens in unserem Herzen quillt. Wir möchten dich bitten, dass du uns segnest und möchten dich bitten, dass du durch deinen Heiligen Geist zu uns sprichst, unser Leben führst und leitest. Und hab Dank dafür. Amen.

[1:01:52] Nächste Woche werden wir weiter studieren und dann ein neues Thema im Johannesevangelium uns anschauen. Bis dann wünsche ich euch Gottes reichen Segen und viel Freude im Studium seines Wortes. Amen.


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