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In dieser Folge der Christ Study Hour widmet sich David Thiel dem komplexen Problem des Bösen und Leides. Anhand biblischer Texte aus Hiob und Psalm 73 beleuchtet er die menschliche Frage nach Gottes Gerechtigkeit angesichts des Leidens der Gläubigen und des Wohlergehens der Gottlosen. Thiel betont die begrenzte menschliche Perspektive im Vergleich zu Gottes allwissendem Plan und verweist auf die ewige Herrlichkeit, die alle irdischen Bedrängnisse übertrifft, sowie die Bedeutung des freien Willens für die Existenz des Bösen.


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Serie: Christ Study Hour 2025 Q1: Gottes Liebe und Gerechtigkeit

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Transkript

[0:35] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour. Ich heiße David und ich freue mich heute mit euch in die Bibel zu tauchen. Heute sprechen wir über ein Thema, das es wirklich in sich hat, ein Thema, das schon einigen Theologen und Philosophen den Kopf zerbrochen hat. Nicht nur gläubige Menschen, sondern auch säkulare Menschen denken darüber nach und philosophieren über dieses Thema. Nicht nur in der akademischen Welt wird darüber philosophiert und diskutiert, sondern auch im praktischen Alltag, denn jeder Mensch ist davon betroffen, und ich glaube, ich kenne keinen Menschen, der sich nicht mit diesem Thema schon konfrontiert sah. Ich spreche über das Problem des Bösen bzw. des Leides.

[1:28] Bevor wir anfangen, möchte ich ein Gebet sprechen und Gott in unsere Mitte einladen, dass er dieses Studium segnet und uns Erkenntnis schenkt. Lasst uns beten.

[1:39] Lieber Gott, hab Dank, dass du uns die Bibel gegeben hast, dass du dich uns offenbart hast durch dein Wort und dass wir so viele Dinge von dir lernen können, auch wenn es um dieses Thema geht, was wirklich sehr kompliziert und sehr sensibel ist. Wir wollen dich bitten um Weisheit und um deinen Geist, und ich möchte dich auch darum bitten, dass du mir die richtigen Worte in den Mund legst. Hab Dank dafür, lieber Gott. Amen.

[2:16] Ich möchte mit einem Zitat von Ellen White einsteigen. Es ist zu finden im Buch „Vom Schatten zum Licht“ auf Seite 448. Dort schreibt sie: „Der Ursprung der Sünde und der Grund ihrer Existenz werfen Fragen auf, die viele Menschen in große Verlegenheit bringen. Sie sehen die Auswirkungen des Bösen mit seinen schrecklichen Folgen, das Leid und die Zerstörung in der Welt, und sie fragen sich, weshalb all dies unter der Herrschaft eines Gottes bestehen kann, dessen Weisheit, Macht und Liebe doch unendlich sind. Dafür finden sie keine Erklärung; es bleibt ein Geheimnis.“

[3:03] Und wenn wir in die Welt schauen, dann sehen wir Hungersnöte, Kriege, Krankheiten, Armut und Ungerechtigkeit. Das Leid ist nicht zu leugnen. Nur die Frage ist, die sich viele Menschen stellen: Wo steckt Gott in all dem?

[3:23] Wir möchten in die Bibel schauen, und auch die Bibel spricht über dieses Thema an zahlreichen Stellen. Ich möchte mit zwei Bibelversen anfangen. Lasst uns gemeinsam Jeremia Kapitel 12 Vers 1 lesen. Jeremia Kapitel 12 Vers 1.

[3:45] Dort heißt es: „Oh Herr, du bleibst im Recht, wenn ich mit dir rechte. Dennoch will ich über deine Rechtsentscheide mit dir reden. Warum ist der Weg der Gottlosen so erfolgreich und bleiben alle, die treulos handeln, unangefochten?“

[4:03] Und ein Kapitel weiter in Jeremia Kapitel 13 Vers 22 heißt es: „Und wenn du dann in deinem Herzen sprichst: Warum ist mir das zugestoßen? Wegen der Größe deiner Sünde wurden dir deine Säume aufgedeckt und deine Fersen mit Gewalt entblößt.“

[4:26] Also, der eine Vers sagt uns, der Autor stellt die Frage: Wie kann es sein, dass es den Gottlosen so gut geht und diejenigen, die treu sind, nicht?

[4:47] Und in einem Kapitel weiter wird diese Frage wieder aufgeworfen: Warum geht es mir schlecht? Und dann lautet die Antwort: Wegen deiner Sünde, wegen der Größe deiner Sünde.

[5:00] Und wir sehen hier eine Diskrepanz, vor allem, weil das im selben Buch und so nah beieinander steht. Auf der einen Seite haben wir die Beobachtung, dass es scheinbar egal ist, ob man Gott treu ist, weil es den Gottlosen wirklich gut geht. Und auf der anderen Seite wird als Ursache für das Leid die eigene Sünde genannt. Und da stellt sich die Frage: Ja, welche Ursache hat das Leid? Letztendlich ist das alles nur Willkür?

[5:30] Und wenn es in der Bibel ein Buch gibt, das sich ganz besonders mit dem Thema Leid auseinandersetzt, dann ist es das Buch Hiob. Und da wollen wir auch reinschauen heute.

[5:41] Und Hiob ist jemand, der hat Leid wirklich erfahren. Wir lesen die Geschichte von Hiob: Er war ein sehr rechtschaffener Mann, er war ein reicher Mann, und dann auf einmal verliert er alles. Er verliert sein Reichtum, seine Viehherden, seine Kinder. Und dann ist das nicht genug, dann hat er einen Aussatz am ganzen Körper. Alles tut weh, wie er sich bewegt. Er findet keine Ruhe, er findet keinen Schlaf. Er sehnt sich nach dem Tod, weil sein alltägliches Leben so, ja, so qualvoll aussieht.

[6:16] Es geht ja nicht nur darum, dass Hiob den Verlust seiner Kinder und seines Reichtums und seiner Herden all das betrauert und darüber frustriert ist, sondern auch, dass er jeden Tag merkt, wie er leidet, wie ihn dieser Aussatz fertig macht, wie jeder Tag die reinste Qual ist und er sich einfach nach dem Tod sehnt. Und er versteht einfach nicht, warum ihn dieses Leid getroffen hat.

[6:44] Und dann gehen wir jetzt an fast an das Ende des Buches Hiob, wo sich dann schließlich Gott selbst zu Wort meldet. Und ich lese mit euch gemeinsam Hiob Kapitel 38, Verse 1 bis 11.

[7:25] Dort antwortete der Herr dem Hiob aus dem Gewittersturm und sprach: „Wer verfinstert da den Ratschluss mit Worten ohne Erkenntnis? Gürte doch deine Lenden wie ein Mann! Ich will dich fragen, und du sollst mich belehren. Wo warst du, als ich den Grund der Erde legte? Sprich es aus, wenn du Bescheid weißt. Wer hat ihre Maße bestimmt? Weißt du das? Oder wer hat die Messschnur über sie ausgespannt? Worin wurden ihre Grundpfeiler eingesenkt, und wer hat ihren Eckstein gelegt, als die Morgensterne miteinander jauchzten und alle Söhne Gottes jubelten? Wer hat das Meer mit Schleusen verschlossen, als es hervorbrach, heraustrat wie aus dem Mutterschoß, als ich es in Wolken kleidete und Wolkendunkel zu seinen Windeln machte, als ich ihm seine Grenze zog und Riegel und Tore einsetzte und sprach: ‚Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter; hier soll sich der Stolz deiner Wellen legen!‘ Hast du, solange du lebst, jemals den Sonnenaufgang angeordnet und dem Morgenrot seinen Platz angewiesen?“

[8:39] Also, wir sehen hier, dass Gott Hiob in die Schranken weist. Er zeigt ihm seinen Platz. Er fragt Hiob: Weißt du eigentlich, mit wem du hier gerade redest? Gott ist der Schöpfer, und er zeigt Hiob, dass er so viel größer ist als Hiob selbst. Er ist der Schöpfer, er ist der Erhalter der Natur. Er ist derjenige, der den Sonnenaufgang jeden Morgen anordnet. Er ist derjenige, der alles an seinen Platz legt. Er ist derjenige, der von Ewigkeit her gewesen ist.

[9:14] Und Hiob ist im Vergleich zu Gott einfach in einem anderen Größenverhältnis.

[9:28] Dadurch, dass Gott der Schöpfer ist, derjenige, der von Ewigkeit her da gewesen ist, dadurch, dass Gott derjenige ist, der allwissend ist, hat er einen anderen Blick auf die Dinge. Er kennt den größeren Zusammenhang aller Dinge, von denen Hiob nichts weiß.

[9:48] Der Mensch kann von dem, was Gott weiß, von der Komplexität Gottes, vielleicht nur ansatzweise Bruchstücke erfassen.

[10:00] Gott hat andere Gedanken als der Mensch, und das lesen wir zum Beispiel in Jesaja Kapitel 55 Vers 9.

[10:16] Jesaja Kapitel 55 Vers 9. Dort heißt es: „So hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind meine Wege als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“

[10:28] Und im Hinblick auf die Hiob-Geschichte macht das absolut Sinn. Hiob wusste überhaupt nichts von der Unterredung zwischen Gott und Satan im Himmel. Er hatte keine Ahnung, warum er das alles erleiden musste. Hätte er sich vielleicht anders verhalten, wenn er von dieser Unterredung von Anfang an gewusst hätte? Vielleicht. Vielleicht auch nicht, wir wissen es nicht. Doch vielleicht hätte Hiob, wenn er das gewusst hätte, sein Leid besser nachvollziehen können.

[11:04] Und genau das ist der Punkt: Manchmal fehlen uns die Informationen, manchmal kennen wir nicht das gesamte Bild. Manchmal gibt es Dinge, die wir nicht wissen, gibt es Dinge, von denen wir keine Ahnung haben. Uns fehlt der Blick hinter die Kulissen. Und wenn uns diese Informationen fehlen, dann fällt es uns schwer, aussagekräftige Erklärungen zu formulieren, warum wir jetzt Leid erleben.

[11:42] Hiob letztendlich kommt zu dem Punkt, wo er einfach nur seinen Platz als unwissenden Menschen anerkennt. Er sagt in Hiob im letzten Kapitel, Kapitel 42, und ich lese die Verse 2 bis 6 von der Übersetzung „Neues Leben Bibel“.

[12:11] „Nun weiß ich, dass du alles kannst. Kein Vorhaben ist für dich undurchführbar. Wer ist es, der Gottes weisen Plan ohne Verstand verdunkelt? Ja, ich habe in Unkenntnis über Dinge geurteilt, die zu wunderbar für mich sind.“

[12:27] Also, Hiob gesteht hier seine Begrenztheit ein.

[12:29] „Ohne mir darüber im Klaren zu sein. Du hast gesagt: ‚Hör zu, ich will reden, ich will dir Fragen stellen, und du sollst sie mir beantworten.‘ Bisher kannte ich dich nur vom Hörensagen, doch jetzt habe ich dich mit eigenen Augen gesehen. Darum widerrufe ich, was ich gesagt habe, und bereue in Staub und Asche.“

[12:53] Wir erinnern uns, bis zuletzt hat Hiob keine Ahnung gehabt von der Unterredung zwischen Gott und Satan. Aber er akzeptiert, dass er die Gründe seines Leides nicht kennt, dass er nicht weiß, warum das geschieht. Aber er vertraut darauf, dass Gott nach wie vor gut ist, dass er die Gründe kennt und dass es valide Gründe dafür gibt, und er vertraut darauf, dass es Gott nach all dem und trotz alldem gut mit ihm meint.

[13:25] Gottes Heilsplan und der Erlösungsplan, all das, das hatte schon von Ewigkeit her Bestand. Und die gesamte Ausführung des Heilsplans, der ja immer noch läuft, das beträgt ja schon mehrere Tausende von Jahren. Das heißt, wir haben hier einen Plan, der schon Tausende von Jahren lang existiert und weiter am Laufen ist. Und der Mensch, mein Leben, dein Leben, das ist nur eine ganz, ganz kleine Zeitspanne, die wir belegen, und demnach können wir die Komplexität des Plans Gottes nicht begreifen, weil wir nur einen ganz kleinen Fetzen dieser Zeit, wenn überhaupt, belegen und somit den vollen Umfang nicht begreifen können.

[14:13] Und vielleicht ist das eine beunruhigende oder eine nicht zufriedenstellende Antwort auf die Frage nach dem Leid. Aber ich glaube, der erste Schritt, um die Frage nach dem Leid beantworten zu können, besteht darin, dass wir eingestehen, dass wir keine pauschale Antwort auf die Frage nach dem Leid geben können.

[14:39] Doch was wir tun können, ist, genauso wie es Hiob tat, darauf zu vertrauen, dass es Gott nach wie vor gut mit uns meint und dass er ein souveräner und guter Gott ist und uns nie im Stich lässt.

[15:00] Menschen wie Hiob könnte man als sogenannte skeptische Theisten bezeichnen. Was ist ein skeptischer Theist? Ein skeptischer Theist ist ein Mensch, der an Gott glaubt, aber der sich darüber im Klaren ist, dass er die Gründe für das Handeln Gottes nicht kennt, und selbst wenn er sie kennen würde, würde er sie vielleicht auch nicht verstehen, weil der Mensch im Hinblick auf Gott einfach in einer anderen Kategorie ist.

[15:31] Das ist nicht wie Gott ist. Der Mensch hat ein begrenztes Wissen, und deswegen mögen ihm manche Gründe nicht bekannt sein.

[15:41] Ich möchte jetzt mit euch zu einem weiteren Bibeltext gehen. Lesen wir gemeinsam Psalm Kapitel 73. Und ich lese die ersten Verse.

[16:05] Ein Psalm Asafs. „Nur gut ist Gott gegen Israel, gegen die, welche reinen Herzens sind. Ich aber fast wäre ich gestrauchelt mit meinen Füßen, vielleicht hätte ich einen Fehltritt getan, denn ich beneidete die Übermütigen, als ich das Wohlergehen der Gottlosen sah. Denn sie leiden keine Qual bis zu ihrem Tod, und ihr Leib ist wohlgenährt. Sie leben nicht in der Not der Sterblichen und sind nicht geplagt wie andere Menschen. Darum ist Hochmut ihr Halsschmuck, und Gewalt ist das Gewand, das sie umhüllt. Ihr Gesicht strotzt von Fett, sie bilden sich sehr viel ein. Sie höhnen und reden boshaft von Bedrückung, hochfahrend reden sie. Sie reden, als käme es vom Himmel, was sie sagen muss gelten auf Erden. Darum wendet sich auch sein Volk ihnen zu, und es wird von ihnen viel Wasser aufgesogen. Und sie sagen: ‚Wie sollte Gott es wissen? Hat denn der Höchste Kenntnis davon?‘ Sieh, das sind die Gottlosen, denen es immer gut geht und sie werden reich.“

[17:20] Also, der Psalmist schreibt hier in diesen ersten Versen von den Gottlosen, und er beschreibt, wie die Gottlosen ein üppiges Leben führen, wie sie wohlgenährt sind, also es geht ihnen wirtschaftlich gut. Sie sind gesund, sie haben keine Not, die sie besorgt.

[17:41] Und dann reden sie stolz über ihren Übermut, über ihre Arroganz, und tragen es wie einen Halsschmuck, wie ein Gewand. Sie brüsten sich mit ihrer Gottlosigkeit, mit ihren Schandtaten. Und der Psalmist ist frustriert, weil er den Eindruck hat, das Volk beneidet und bewundert diese Menschen, obwohl sie nichts für Gott übrig haben, obwohl Gott diesen Menschen gleichgültig ist.

[18:17] Und wenn wir weiterlesen in den Versen 13 und 14, dann lesen wir: „Ganz umsonst habe ich mein Herz rein erhalten, meine Hände in Unschuld gewaschen. Denn ich bin doch den ganzen Tag geplagt worden, und meine Züchtigung war jeden Morgen da.“

[18:35] Also, der Psalmist, der ringt mit sich selbst, der hat Zweifel an seiner eigenen Treue Gott gegenüber, an seinem eigenen Glauben, weil er sagt: „Was nützt mir denn meine Treue zu Gott, wenn ich sehe, dass es den gottlosen Menschen viel, viel besser geht als mir?“

[18:53] Wir erinnern uns an die ersten Verse, die wir in dieser Betrachtung schon angeschaut haben: Den Gottlosen geht es viel besser als mir. Habe ich umsonst mein Herz rein gehalten? Habe ich umsonst Gott die Treue erwiesen? War ich umsonst treu? Ist das nur eine Verschwendung meiner Zeit und meiner Aufwendungen?

[19:17] Und vielleicht mag der ein oder andere genau das denken, denn wenn wir in die Gesellschaft schauen, dann sehen wir, dass es wirklich Personenkulte gibt um Menschen wie Schauspieler, wie Promis, wie Sänger, wie Fußballer oder Milliardäre oder auch Politiker. Und wir sehen diese Menschen, wenn man sie genauer betrachtet, sieht man den Lebenswandel dieser Menschen, und es dreht sich nur um sie. Man sieht, dass diese Menschen nicht wirklich eine Gottesfurcht in ihrem Leben haben.

[19:51] Vielleicht der eine oder andere Schauspieler oder Sänger, der geht sogar so weit und verspottet Gott und beleidigt Gott und Jesus in seinen Liedern, in seinen Filmen und in seinen Kunstwerken. Und wir fragen uns: Wie kann das sein? Diese Menschen, die verdienen so viel Geld, die sind so hübsch, so erfolgreich, die haben alles, was sie brauchen, und jeder der Menschen bewundert diese Menschen, obwohl Gott ihnen ganz egal ist. Wie kann das sein? Wir als Christen, wir als Adventisten, wie kann das sein, dass wir nicht so sind, dass es uns nicht so gut geht wie den anderen? Glauben wir denn umsonst an Gott? Halten wir umsonst Gott die Treue?

[20:30] Und das ist eine Frage, die berechtigt ist und die jeden von uns natürlich auch herausfordert. Aber lasst uns weiterlesen in dem Psalm ab Vers 16.

[20:49] „So sann ich nach, um dies zu verstehen, aber es war vergebliche Mühe in meinen Augen, bis ich in das Heiligtum Gottes ging und auf ihr Ende achtgab. Fürwahr, du stellst sie auf schlüpfrigen Boden, du lässt sie fallen, dass sie in Trümmer sinken. Wie sind sie so plötzlich verwüstet worden? Sie sind untergegangen und haben ein Ende mit Schrecken genommen. Wie man einen Traum nach dem Erwachen verschmäht, so wirst du, oh Herr, wenn du dich aufmachst, ihr Bild verschmähen. Als mein Herz verbittert war und ich in meine Nieren das Stechen fühlte, da war ich törig und verstand nichts. Ich verhielt mich wie ein Vieh gegen dich, und dennoch bleibe ich stets bei dir. Du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich danach in Herrlichkeit auf. Wen habe ich im Himmel außer dir? Und neben dir begehre ich nichts auf Erden. Wenn mir auch Leib und Seele vergehen, so bleibt doch Gott ewiglich meines Herzens Fels und mein Teil. Dann siehe, die fern von dir sind, gehen ins Verderben. Du vertilgst alle, die dir hurerisch die Treue brechen. Mir aber ist die Nähe Gottes köstlich. Ich habe Gott, den Herrn, zu meiner Zuflucht gemacht, um alle deine Werke zu verkünden.“

[22:29] Also, der Gang in Gottes Heiligtum bringt eine neue Perspektive ins Spiel. Der Psalmist fängt an zu verstehen, dass das jetzige Leben keine Bedeutung hat, denn der Psalmist schaut auf das Ende des Lebens und stellt dann die Frage: Was ist das Wesentliche?

[22:54] Wie schaut das Ende deines Lebens aus? Oder in diesem Fall das Leben derjenigen, die hier gottlos handeln? Wenn du mit deinem Leben so weitermachst, wenn sich unser Leben dem Ende neigt, dann wird uns bewusst, dass nur noch der Tod auf uns wartet. Und dem Tod sind wir alle gleich.

[23:17] Der Milliardär mit seinem vielen Geld wird dieses Geld nicht mit ins Grab nehmen können. Das attraktive und erfolgreiche Model wird von ihrer Schönheit nichts haben, wenn sie im Grab liegt. Und der talentierte und berühmte Fußballer, der wird von seinen Titeln und seinen Trophäen nichts haben, wenn er im Grab liegt. Im Tod werden wir alle, egal wer wir waren, ob wir reich oder arm waren, berühmt oder unbekannt, wir werden alle wieder zu Staub werden.

[23:51] Wenn wir aber Gott haben, und so beschreibt es der Psalmist auch am Ende des Psalms, so bedeuten uns die Reichtümer nichts, der Ruhm, der Applaus, die Titel, die Trophäen, all das ist unbedeutend, denn wir haben bereits alles.

[24:14] Der Psalmist schreibt in Vers 26: „Wenn mir auch Leib und Seele vergehen, so bleibt doch Gott ewiglich meines Herzens Fels und mein Teil.“ Und das ist unbezahlbar.

[24:34] Ich denke, wir sollten uns diese Erkenntnis als Christen immer wieder verdeutlichen, und es ist klar, dass jeder von uns seine eigenen Päckchen zu tragen hat und dass jeder Leid erfährt in dieser Welt und dass wir uns oft die Frage stellen, wo der Sinn in all dem liegt, gerade wenn wir diejenigen sehen, denen Gott egal ist, die gottlos handeln, die ein gottloses Leben führen. Und dann stellen wir uns die Frage: Ja, was ist der Sinn unserer Treue zu Gott, wenn es uns so schlecht geht?

[25:03] Und ich möchte mit euch diese Frage beantworten mit einem Bibelvers, mit 2. Korinther 4, Vers 17.

[25:18] „Denn unsere Bedrängnis, die schnell vorübergehend und leicht ist, verschafft uns eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit.“

[25:26] Unsere jetzige Bedrängnis bedeutet nichts im Vergleich zu der ewig bestehenden Herrlichkeit, die auf uns wartet.

[25:41] Egal, was wir durchmachen, es kommt etwas, das vor uns liegt, auf das wir uns freuen dürfen, das all das, was wir jetzt erleben und durchmachen, in den Schatten stellt und erträglicher macht.

[25:59] Ein letzter Punkt, den ich mit euch ansprechen möchte, ist die sogenannte Free Will Defense, also die Erklärung der Existenz des Bösen anhand der Existenz des freien Willens.

[26:12] Und es ist so: Wenn wir ganz an den Anfang gehen zur Schöpfung, da haben wir Gott, der Adam und Eva schafft mit einem freien Willen. Es sind Wesen mit einem freien Willen. Das sehen wir daran, dass Gott ihnen die Entscheidung lässt, vom Baum der Erkenntnis zu essen.

[26:31] Schauen wir uns das ganz kurz an in 1. Mose Kapitel 2, Verse 16 und 17. Ich lese: „Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: ‚Von jedem Baum des Gartens darfst du nach Belieben essen, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen, denn an dem Tag, da du davon isst, wirst du sterben.‘“

[26:57] essen, denn an dem Tag, da du davon isst, musst du gewisslich sterben." Also wir sehen, wir haben hier eine klare Warnung: "Ihr dürft von allen Bäumen essen, aber von diesem Baum sollt ihr nicht essen." Und wenn wir glauben, dass Gott die Liebe ist, wie es uns Johannes 4 sagt, dann müssen wir auch ein paar Folgeschlussfolgerungen jetzt durchdenken. Was bedeutet Liebe? Liebe bedeutet, dass ich die Möglichkeit gebe, dass diese Liebe nicht erwidert werden kann. Alles andere wäre Zwang. Gott hat somit Menschen geschaffen, die auch in der Lage sind, die Liebe Gottes nicht zu erwidern. Er hat keine Roboter geschaffen, die gar keine andere Wahl haben, als Gott zu lieben, die quasi dazu programmiert sind, Gott zu gehorchen. Das wäre keine Liebe, sondern es wäre reiner Automatismus. Und dadurch, dass wir sehen, dass Adam und Eva von der Frucht gegessen haben, also diesen freien Willen eben missbraucht haben und Gott nicht gehorcht haben, da anhand dieser Tatsache können wir sehen, dass freier Wille da ist, dass Gott die Liebe ist, dass er den Menschen die Entscheidungsfreiheit gibt. Und die Bibel spricht auch an anderen Stellen, an mehreren Stellen sogar, aber ich habe jetzt nur zwei Stellen, die ich euch vorstellen möchte. An zwei weiteren Bibelstellen sehen wir auch ganz deutlich, dass der Mensch einen freien Willen hat. Die erste Stelle, die ich mit euch lesen möchte, befindet sich in Josua Kapitel 24. Josua Kapitel 24 und dort die Verse 14 und 15.

[29:11] „So fürchtet nun den Herrn und dient ihm aufrichtig und in Wahrheit, und tut die Götter von euch hinweg, denen eure Väter jenseits des Stromes und in Ägypten gedient haben, und dient dem Herrn. Wenn es euch aber nicht gefällt, dem Herrn zu dienen, so erwählt euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stromes gedient haben, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen." Also wir sehen hier ganz deutlich, dass die Israeliten schon mehrmals andere Götter angebetet haben und sie jetzt vor eine Entscheidung gestellt werden: entweder die heidnischen Götter anzubeten oder eben den einzig wahren Gott.

[30:04] Eine andere Bibelstelle ist in Psalm Kapitel 81 zu finden, Psalm Kapitel 81 und dort die Verse 12 bis 15.

[30:21] „Aber mein Volk hat meiner Stimme nicht gehorcht, und Israel war mir nicht zu Willen. Da gab ich sie hin in die Verstocktheit ihres Herzens, dass sie wandelten nach ihrem eigenen Rat. Oh, dass doch mein Volk mir Gehorsam wäre und Israel in meinen Wegen wandelte! Wie bald wollte ich ihre Feinde demütigen und meine Hand wenden gegen ihre Widersacher!" Auch hier sehen wir: Israel hat seinen eigenen Willen.

[31:00] Gott bedauert wirklich, dass das Volk ihm nicht gehorchen möchte. Wir sehen hier, er bedauert es, aber er zwingt sie nicht. Sie gehen ihren eigenen Weg nach ihrem eigenen Rat.

[31:14] Und C.S. Lewis, ein bekannter christlicher Autor, hat ein Zitat geschrieben, hat ein Zitat, was ich euch nicht vorenthalten möchte. Das finden wir in seinem Buch "Pardon, ich bin Christ" auf Seite 53.

[31:33] „Weil der freie Wille, obschon er das Böse ermöglicht, auch das Einzige ist, was Liebe und Güte und Freude überhaupt möglich werden lässt. Welchen Sinn hätte eine Welt von Robotern, von Wesen, die wie Maschinen funktionieren? Das Glück, dass Gott seinen höheren Geschöpfen zugedacht hat, sollte darin bestehen, dass sie freiwillig und ohne Zwang in einem Rausch von Liebe und Wonne mit ihm und miteinander vereint sein können. Aber dafür mussten sie frei sein."

[32:09] Es gibt ja heutzutage künstliche Intelligenz, und es gibt auch das Projekt, einen künstlichen Lover zu haben. Im Internet zum Beispiel kann man sich aussuchen, welche Augenfarbe oder welche Stimme oder welche Kopfform, welche Haarfarbe dein Partner hat. Und egal, was du dir wünschst, der Partner wird genau nach deinen Wünschen und Vorlieben für dich kreiert.

[32:35] Und die Frage ist: Würde euch solch ein Partner gefallen, wenn ihr wüsstet, dass der Partner eigentlich nur dazu programmiert wurde, euch zu lieben? Ich glaube, was Liebe so besonders macht, ist die Möglichkeit, dass man sich auch nicht für die Liebe entscheiden kann. Liebe ist eine Entscheidung und auch das Dulden, dass man sich dagegen entscheidet.

[33:07] Und ich möchte euch auch ein Zitat von Ellen White geben, das wir in dem Buch "Sieg der Liebe" auf Seite 14 finden.

[33:16] Dort lesen wir: „Wegen dieser falschen Auffassung über Gott wurde es auf der Erde finster. Damit die düsteren Schatten dem Licht weichen und die Welt zu Gott zurückgeführt werden konnte, musste Satans betrügerische Macht gebrochen werden. Dies aber konnte nicht durch Gewalt geschehen. Gewaltanwendung steht in deutlichem Gegensatz zu den Grundsätzen der Herrschaft Gottes, denn bei ihm gilt nur das Dienen aus Liebe. Liebe kann weder erzwungen noch durch Macht oder Autorität befohlen werden. Nur durch Liebe kann Liebe auch geweckt werden. Gott kennen heißt, ihn zu lieben. Sein Charakter musste im Vergleich zu jenem Satans offenbar werden."

[34:07] Also wir sehen, Gottes Liebe schafft die Möglichkeit, diese Liebe nicht zu erwidern, sich dagegen zu entscheiden, seinen Willen zu missachten. Und das wiederum hat eben dazu geführt, dass durch den Sündenfall, durch die Missachtung des Willens Gottes aus freiem Willen die Sünde in die Welt gekommen ist. Und das hat Leid und Böses verursacht. Und vieles Leid, was wir heute erfahren, ist darauf zurückzuführen, dass der Mensch den Willen Gottes missachtet hat und seinen eigenen Weg verfolgt hat.

[34:38] Aber dadurch, dass Gott, weil er den Menschen achtet und den Willen des Menschen achtet, aus diesem Grund respektiert Gott das und lässt das zu. Aber es ist offenkundig ein Dilemma.

[35:01] Ein letztes Beispiel: Stellt euch vor, es gäbe da einen Menschen, und der ist eigentlich ein Terrorist, ja? Der hat eine Organisation gegründet, eine terroristische Organisation, und der hat sich in seinem Kopf eine menschenfeindliche Ideologie überlegt. Und der will jetzt sich daran machen, seine Ideologie, seine Ideen auch auszuführen. Der hat seine terroristische Organisation gegründet und will jetzt eine bestimmte Gruppe von Leuten eben vernichten.

[35:34] Und das ist, was freier Wille wirklich bedeutet. Wenn dieser Mensch diesen Willen hat und Gott intervenieren würde, dann würde er somit die Freiheit dieses Menschen beschneiden. Das bedeutet nicht, dass Gott davon begeistert ist, was der Mensch macht, aber er respektiert den Willen des Menschen. Und das zeigt uns, dass Gott den Menschen so hoch achtet, dass er bereit ist, die Entscheidungen des Menschen zu respektieren, obwohl er weiß, dass sie schlecht sind. Gott wird das nie gutheißen, aber dennoch akzeptiert er den Willen der Menschen. Genauso, wenn sich ein Mensch gegen Gott entscheidet. Und wir sehen in der Bibel, dass Gott alles dafür getan hat, dass die Menschen gerettet werden. Aber wenn sich ein Mensch trotz alldem nicht für Gott entscheiden möchte, auch wenn es ihm wehtut, respektiert Gott das.

[36:39] Ich möchte schließen mit einem oder besser gesagt zwei Bibeltexten. Ähm, lesen wir gemeinsam Römer Kapitel 8, Vers 18.

[37:00] „Denn ich bin überzeugt, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll."

[37:13] Egal, was du gerade erlebst, ich kenne dein Leid nicht, ich weiß nicht, was du gerade durchmachst, aber es kann schrecklich sein für dich. Ich weiß nicht, wo du dich gerade in deinem Leben befindest, aber ich kann mir vorstellen, dass du gerade Leid erlebst in deinem Leben und du dich fragst: Wie geht es weiter?

[37:32] Vielleicht bezweifelst du auch gerade, dass Gott dich sieht. Aber die Bibel sagt uns: Egal, was wir auf dieser Erde erleben, es kommt etwas, das all das in den Schatten stellen wird. Es kommt etwas, worauf es sich lohnt, drauf zu hoffen. Wir dürfen uns darauf freuen. Wenn wir in die Offenbarung schauen, dann sehen wir, dass Gott daran arbeitet, langfristig daran arbeitet, eine Welt zu schaffen für dich und für mich, wo wir dort wohnen können, wo es kein Leid, kein Schmerz, keine Trauer, kein Tod, keine Krankheit, keine Ungerechtigkeit und keine Armut mehr gibt.

[38:14] Lass uns gemeinsam Offenbarung Kapitel 21 lesen. Offenbarung Kapitel 21. Es befindet sich fast am Ende der Bibel, nicht nur am Ende des Buches der Offenbarung. Und dort wird die Stadt, das neue Jerusalem geschildert. Offenbarung Kapitel 21. Ich lese von Vers 3 bis 5.

[38:46] „Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen, und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und Gott wird selbst, Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott."

[39:05] Es wird eine Zeit kommen, wo Gott direkt bei uns ist. Gott, die Quelle des Lebens, Gott, der Erhalter der Schöpfung und unser Beschützer, unser Behüter, unser Heiler, unser Arzt. Gott hat so viele Namen, und er wird in unserer Mitte sein.

[39:19] Und Vers 4 folgt und sagt: „Und er wird abwischen, Gott wird abwischen, alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen. Und der, der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er sprach zu mir: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss."

[39:49] Wir dürfen darauf vertrauen, dass eines Tages, spätestens wenn unsere Lebenszeit abgelaufen ist, wir uns auf eine neue Heimat freuen dürfen, auf eine Heimat, in der wir nicht mehr durch die Sünde von Gott getrennt sind. Gott wird das Leid beseitigen, Gott wird uns heilen. Er wird alle unsere Tränen abwischen. Er kennt ganz genau, was du empfindest. Er weiß ganz genau, was du fühlst, und es ist ihm nicht egal. Und ich möchte es noch mal hervorheben und betonen: Gott arbeitet daran, einen Zustand zu schaffen, wo alles wieder gut wird. Und dieser Zustand wird ewig Bestand haben.

[40:38] Ich möchte mit einem Gebet schließen. Lasst uns beten.

[40:44] Lieber Gott, du weißt, dass wir Menschen oft mit der Frage des Leides verzweifeln. Wir können unser Leid oft nicht erklären und wissen nicht, warum wir so etwas durchmachen, so etwas erleben müssen.

[40:58] Lieber Gott, ich will dich darum bitten, dass du uns die Kraft schenkst, das Leid auszuhalten, und dass du uns auch das Vertrauen schenkst, dass wir wissen dürfen, dass du da bist, dass du in dem Leid unsere Hand hältst und nicht loslässt, und dass du immer noch der gute Gott bist, der es gut mit uns meinst. Und lass uns ja den Mut nicht verlieren in der Trauer, in dem Schmerz, in dem Leid, dass wir durchmachen, und dass wir vor allem auch nicht die Hoffnung verlieren, dass wir eines Tages in dieser Stadt sein werden, dass wir wissen dürfen, egal, was wir jetzt durchmachen, dass du uns eines Tages in dieser Stadt empfangen wirst, wo wir keinen Schmerz und kein Leid mehr erleben werden.

[41:46] Vater, wir wollen fest daran glauben, und wir wollen dich bitten, dass du uns diese Zusicherung immer wieder ins Gedächtnis und in Erinnerung rufst. Hab Dank für all das, was du für uns getan hast, und hilf uns auch, dass wir unseren Glauben an dich nicht verlieren, wenn wir dem Leid ausgesetzt sind. Hab Dank für alles. Amen.

[42:12] Ich bedanke mich bei euch, dass ihr zugeschaut habt und hoffe, dass ihr durch diese Betrachtung gesegnet wurdet, und ich wünsche euch alles Gute und bis zum nächsten Mal. Ciao.


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