Christopher Kramp beleuchtet in dieser Folge von „Offenbarung Vers für Vers“ die tiefere Bedeutung von Offenbarung 3:20d, wo Jesus ein gemeinsames Mahl anbietet. Er erklärt die antike Praxis des „Deipnon“ als zentrale Hauptmahlzeit und Gemeinschaftsereignis. Der Vortrag zeigt auf, wie Jesus dieses Konzept aufgreift und es im christlichen Abendmahl in ein Symbol für Einheit, Demut und das Gedenken an sein Opfer verwandelt, im Gegensatz zu den hierarchischen Festen der damaligen Zeit.
Offenbarung 3:20d
Christopher Kramp · Offenbarung Vers für Vers ·Themen: Bibel, Bibelstudium, Endzeit, Gemeinde, Offenbarung, Prophetie, Zeichen der ZeitPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Offenbarung Vers für Vers
Jede Woche geht Christopher Kramp mikroskopisch durch einen Vers des Buches der Offenbarung aus der Bibel. Dies sind Aufnahmen einer Live-Produktion von Joel Media Ministry e.V. Die entsprechende Videoserie findet sich auf https://www.joelmedia.de/serien/offenbarung/.
Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:
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Serie: Offenbarung Vers für Vers
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Transkript
[0:47] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Offenbarungsseminar hier auf www.joelmedia.de. Schön, dass ihr wieder dabei seid und wir heute einen weiteren Aspekt der so interessanten, so intensiven und für uns so aktuell und wichtigen Botschaft von Jesus an die Gemeinde an Laodizea studieren können. Wir wollen heute über das Essen sprechen, das gemeinsame Essen, das Mahl, das Jesus mit dir und mir halten möchte. Wir haben das letzte Mal gesehen, dass er in unser Herz hineinkommen möchte, dass er nicht nur einfach draußen vor der Tür stehen bleiben möchte, dass es ihm nicht ausreicht, wenn wir seine Stimme hören, sondern dass wir mit ihm leben. Und was das konkret bedeutet, dem wollen wir heute weiter nachgehen. Bevor wir irgendetwas weiter darüber sagen und denken, wollen wir in besonderer Weise Jesus einladen, unser Lehrer zu sein. Und ich möchte dich einladen, dass wir mit einem Gebet starten und, wo es möglich ist, dazu niederknien.
[2:00] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von ganzem Herzen Dank sagen, dass du in deinem Wort zu uns redest, dass du in allen Schwierigkeiten, die wir so erleben, immer für uns da bist. Danke, dass wir die Bibel haben, danke, dass wir die Prophetie haben, die Botschaft an Laodizea. Und wir möchten dich bitten, dass du jetzt in den kommenden Minuten durch deinen Heiligen Geist zu mir und zu uns, zu jedem von uns, sprichst. Wir möchten dich bitten, dass dein Wort all seine Kraft entfaltet und dass wir erleben, wie schön es ist, mit dir Gemeinschaft zu haben. Das bitten wir im Namen Jesu, der jetzt unser Lehrer sein soll und jetzt für uns eintritt. In seinem Namen und aufgrund seiner Gerechtigkeit und seiner Liebe beten wir dies. Amen.
[3:03] Offenbarung Kapitel 3, Vers 20. Jesus sagt uns: "Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, so werde ich zu ihm hineingehen und das Mahl mit ihm essen und er mit mir." Wir haben das letzte Mal gesehen, sowohl Gott der Vater als auch Jesus Christus möchten durch den Heiligen Geist in unserem Herzen wohnen, Wohnung machen. Und wenn wir die Tür öffnen, die Tür unseres Herzens weit, dann kommen sie gerne hinein. Jesus sagt uns, was passiert, wenn wir realisieren, dass er an meiner Herzenstür klopft, wenn wir seine Stimme, die zu uns redet, hören und die Tür öffnen. Was dann passiert? Jesus kommt nicht, um uns dann zu vertreiben. Er will uns nicht aus der Wohnung jagen. Er will mit uns Gemeinschaft haben. "Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, so werde ich zu ihm hineingehen und das Mahl mit ihm essen und er mit mir." Eine ganz typische, ein typischer Stil von Johannes, dies reziprok auszudrücken: Jesus isst mit mir und ich esse mit ihm. Das finden wir bei den Schriften des Johannes immer wieder. Worum geht es, wenn Jesus sagt, er möchte das Mahl mit ihm essen? Das griechische Wort *deipneo* meint besonders das Essen der Hauptmahlzeit. Es gab auch in der Antike...
[5:05] ...natürlich mehr als eine Mahlzeit am Tag. Es gab das Frühstück, es gab die Hauptmahlzeit und das Abendbrot. Interessanterweise war die Hauptmahlzeit allerdings nicht zu Mittag, sondern gegen Abend, gegen Sonnenuntergang. Kann man sich überlegen, wann dann die späte Mahlzeit gewesen ist. Diese Hauptmahlzeit, die so gegen Abend stattfindet, war ein ganz zentrales Element der damaligen Kultur. Wir wollen ein paar Bibelstellen uns erarbeiten, um zu sehen, was da Jesus eigentlich meint, wenn er sagt: "Ich möchte mit dir in deinem Herzen sozusagen, ich möchte mit dir das Mahl halten und du mit mir."
[5:54] In Markus Kapitel 6 und dort Vers 21. In Markus 6, Vers 21 heißt es: "Als aber ein gelegener Tag kam" – wir lesen in einem anderen Evangelium, dass es sein Geburtstag war – "als Herodes seinen großen und obersten und den vornehmsten von Galiläa" – hier, wir lesen es auch hier, Verzeihung, an seinem Geburtstag ein Gastmahl gab. Herodes hat zu seinem Geburtstag kein Brunch gemacht. Er hat die Hauptmahlzeit gegen Abend zu einem großen Fest gemacht und Leute eingeladen. Ein Gastmahl anlässlich des Geburtstages von Herodes. Und wir können uns vorstellen, dass das keine kirchliche Mahlzeit gewesen ist, dass das ein reichhaltiges Fest war. Und wir wissen natürlich, in diesem Fall wurden auch Dinge konsumiert, die nicht gut waren, die das Denken und das Verstehen benebelt haben. Der Alkohol hat dazu geführt, dass am Ende Johannes der Täufer geköpft worden ist. Aber der Punkt, den wir hier mitnehmen wollen, ist: Diese Mahlzeit war ein Festmahl.
[6:59] So auch in zum Beispiel Matthäus 23, da finden wir auch diese Festmahle. Wir werden das später noch darüber mehr sprechen. Wir finden den Gedanken von einem Festmahl zum Geburtstag auch im Alten Testament in 1. Mose 40. Dort natürlich nicht das griechische Wort, aber der Gedanke ist hier derselbe. 1. Mose 40 und dort Vers 20: "Und es geschah am dritten Tag, dem Geburtstag des Pharao, als er für alle seine Knechte ein Mahl veranstaltete, dass er das Haupt des obersten Mundschenken und des obersten Bäckers erhob unter allen seinen Knechten und so weiter." Auch hier haben wir dieses Mahl anlässlich des Geburtstages. Zurück in das Neue Testament, und wir versuchen ein bisschen besser zu verstehen, was es damit alles auf sich haben konnte. Lukas Kapitel 17 und dort Vers 8. Lukas 17, Vers 8: "Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendbrot?" Das ist genau dieses Mahl. Das Abendbrot ist ja nicht die letzte Mahlzeit des Tages, sondern die Hauptmahlzeit am Abend. Also, wenn der Abend beginnt. "Bereite mir das Abendbrot, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe, und danach sollst du essen und trinken." Diese Mahlzeit wird ab und zu das Abendbrot genannt. Lukas 14 und dort Vers 12. Lukas 14, Vers 12: "Er sagte aber auch zu dem, der ihn eingeladen hatte: Wenn du einen Mittags- oder Abendmahl machst" – und gemeint ist hier, und das Wort, das uns jetzt interessiert, *deipneo*, die und die entsprechenden Varianten *deipnon*, die haben mit diesem Abendmahl zu tun, nicht mit dem Mittagsmahl, mit dem Abendmahl. "Er sagte aber auch zu dem, den eingeladen hatte: Wenn du einen Mittags- oder Abendmahl machst, so lade nicht deine Freunde, noch deine Brüder, noch deine Verwandten, noch reiche Nachbarn ein, damit nicht etwa auch sie dich wieder einladen und dir vergolten wird." Man hat allgemein nicht nur bei Geburtstagsfesten zu einem solchen Abendmahl eingeladen.
[9:07] Es war tatsächlich so, dass in der Antike sehr unüblich war, dass man alleine gegessen hat. Also das, was wir heute vielleicht oft erleben: Man hat sich irgendwo vielleicht was gekauft oder man hat sich zu Hause etwas gemacht und man sitzt da alleine so für sich und isst sein Essen. Das war in der Antike extrem unüblich. Man hat immer in Gemeinschaft gegessen. Man hat Leute eingeladen, man wurde eingeladen zum Abendmahl. Und das meint erstmal noch gar nicht sozusagen das Abendmahl im christlichen Sinne, das ist allgemein die Hauptmahlzeit des Tages, zu der man Gäste einlädt. Diese Idee, dass man zum Gastmahl Gäste einlädt, die ist auch die Grundlage des Gleichnisses, dass wir ebenfalls hier in Lukas 14 finden, das Gleichnis vom großen Gastmahl in Vers 16. "Er aber sprach zu ihm: Ein Mensch machte ein großes Mahl und lud viele dazu ein." Damit man wird also eingeladen zu diesem Fest. Vers 17: "Und er sandte seinen Knecht zur Stunde des Mahles, um den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist schon alles bereit." Da werden also Gäste eingeladen, sie werden dann auch aufgefordert zu kommen. Vers 24: "Denn ich sage euch, dass keiner jener Männer, die eingeladen waren, mein Mahl schmecken wird." Da gibt es in diesem Gleichnis natürlich dann den Punkt, dass Leute eingeladen gewesen sind, aber nie gekommen sind und deswegen auch nicht von dem Abendmahl essen können, von diesem großen Festmahl. Das heißt, wir haben immer wieder diese Idee: Dieses Mahl isst man nicht alleine, man lädt Leute dazu ein.
[10:39] *Deipnon* ist bei den Griechen, wie schon erwähnt, die Hauptmahlzeit. Das schreibt man jetzt in lateinischen Buchstaben so: *deipnon*. Die Hauptmahlzeit. Sie wird, wie gesagt, zwischen Frühstück und Abendbrot bei Sonnenuntergang gegessen. Interessant ist, dass auch – also, wie gesagt, dass das alleinige Essen unüblich gewesen ist, immer sozusagen mit einer Gemeinschaft verbunden gewesen.
[11:24] Interessant ist, dass bei solchen Mahlen man sehr darauf geachtet hat, welchen sozialen Status die einzelnen Mitglieder der Gesellschaft, dieser Mahlsgesellschaft, gehabt haben. Man hat die Leute, die sozusagen sozial höher standen, die die besseren, reicheren, ja, höher gestellten Personen waren, die hat man mit besonderen Plätzen bedacht. Und das ist der Hintergrund für Verse wie Matthäus 23 und dort Vers 6, wo es heißt über die Pharisäer und Schriftgelehrten: "Sie lieben den obersten Platz bei den Mahlzeiten und die ersten Sitze in den Synagogen." Die Schriftgelehrten, die Pharisäer haben sehr darauf geachtet, dass sie einen hohen sozialen Rang gehabt haben. Das hat sich ausgedrückt, dass wenn sie zu solchen Gastmahlen eingeladen worden sind, sie immer den besten Platz haben wollten. Halten wir das also fest. In dem säkularen – oder säkularen nicht, aber in dem allgemeinen Bild von so einem *deipnon* war es so, dass die Gäste nicht alle gleich behandelt worden sind. Was können wir noch über dieses *deipnon* sagen? Es wurde in der Antike nicht nur für das Abendmahl an sich, wo man also einfach abends zusammenkam, benutzt, sondern auch für religiöse Opfermahle. Da gab es bestimmte religiöse Kulte, Rituale, die ein gemeinsames Essen involvierten.
[13:05] Es wurde auch benutzt, um sich bei dem Essen über so bestimmte Themen wie Philosophie und Literatur zu unterhalten. Man ist also zusammengekommen, man hat nicht einfach nur geschaufelt, sondern so wie man auch heute vielleicht gemeinsam essen geht und dann die Gelegenheit nutzt, sich über verschiedene Dinge auszutauschen. So hat man bei solch einem *deipnon* sich ausgetauscht über die neuesten literarischen Werke, philosophische Ideen. In der Regel gab es bei den Griechen dann nach dem *deipnon* das *symposion*, wo man dann Wein getrunken hat und dann entsprechend sich weiter auch unterhalten hat. Und es gab bei diesem gemeinschaftlichen Essen immer so auch ein sakrales Element. Zum Beispiel wurde dann vor dem Essen oder Trinken ein Becher für die Götter geopfert oder so. Das hatte immer sozusagen auch einen religiösen Touch, immer eine religiöse Komponente. Auch bei den Juden, die haben natürlich dann keine Trankopfer für die Götter gespendet, sondern da hat man dann ein Gebet gesprochen über den Traubensaft, den man jetzt trinken wollte. Es gab also immer sozusagen so ein heiliges, ein sakrales, ein gottesdienstliches Element in diesen Hauptmahlzeiten. Interessant ist, dass es diese Mahlzeit auch bei Vereinen gab, ja? Also, es gab ja damals in der Antike auch Vereine, die sich so gegründet haben, die ein bestimmtes Ziel verfolgt haben. Und wenn die dann zusammenkamen, alle, die sich jetzt für diese Sache interessierten, dann haben sie ihre Gemeinschaft im Verein, ihre Vereinssitzung sozusagen, durch so eine Hauptmahlzeit ausgedrückt. Das war sozusagen das entscheidende, das Zentrum des Vereinslebens, dass man zu einem gemeinsamen Essen kommt. Ist ja auch heute vielleicht gar nicht so unüblich in manchen Vereinen, die es heute noch gibt.
[15:03] Der Hintergrund, oder wenn man das ein bisschen im Hinterkopf hat, dann ist das interessant, was jetzt die christliche Bedeutung des Abendmahles betrifft. Denn die greift bestimmte Ideen auf und wendet andere komplett ins Gegenteil, wie wir sehen werden. In Lukas 22 und dort Vers 20: "Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird." Es war damals üblich, wie gesagt, dass bei dieser Hauptmahlzeit auch ein religiöses Element eine Rolle spielt. Das war allgemein geläufig. Also, ein Jude wusste, da wird ein Gebet gesprochen über dem Kelch. Heiden haben dann vielleicht sogar den Kelch ausgegossen als eine Libation, als ein Trankopfer für die Götter. Jesus nimmt den Kelch und sagt, und er führt diese Tradition oder diesen Gedanken, er greift den auf und füllt ihn jetzt mit etwas viel Entscheidendem oder mit dem eigentlich Entscheidenden und sagt: Dieser Kelch ist ein Symbol für das Opfer schlechthin, für das einzige wirklich von Sünden reinigende Opfer, was es jemals gegeben hat, nämlich sein Opfer. Während die Heiden dieses *deipnon* mit religiösen Opferfesten verbinden, verbindet Jesus es mit dem einen wahren Opfer. Jesus hat nicht einfach willkürlich eine Zeremonie zusammengestellt, die jetzt irgendwie an die Kreuzigung erinnern soll, sondern er hat das genommen, was damals ein zentrales Element des gemeinschaftlichen gesellschaftlichen Lebens war und hat es mit der Bedeutung gefüllt, die uns daran erinnert, dass das Kreuz Jesu, der neue Bund, das Zentrum unseres Glaubens ist.
[17:12] Johannes 13 und dort ab Vers 2. Johannes 13 und dort Vers 2: "Und während des Mahles, als schon der Teufel dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, ins Herz gegeben hatte, ihn zu verraten. Da Jesus wusste, dass ihm der Vater alles in die Hände gegeben hatte und dass er von Gott ausgegangen war und zu Gott hinging, stand er vom Mahl auf, legte sein Obergewand an, nahm einen Schurz und umgürtete sich." Wir haben gesehen, bei diesen Mahlen ging es immer darum, wie ist der soziale Stand, wer hat den besten Platz, wer sitzt am nächsten bei der Hauptperson? Das waren alles wichtige Gedanken. Wir wissen, dass Johannes sich extra neben Jesus gesetzt hat, um deutlich zu machen, dass er Jesus ganz nah ist. Er wollte ja auch einer, er wollte zu Rechten oder Linken Jesus sitzen dann im Reich Gottes. Er wollte so nahe wie möglich sein. Jesus hat dieses Prinzip, wer den besten Platz hat, ist höher als der andere, völlig auf den Kopf gestellt, indem er die Hauptperson aufsteht und die Füße wäscht, nicht mal mehr einen Platz einnimmt, sondern die Stellung eines Knechtes. Und damit zeigt er, dass er aus Gottes Sicht Gemeinschaft nicht dazu da ist, um zu differenzieren: Du bist wichtiger als der und der ist wichtiger als der. Das Gemeinschaftsmahl soll bei Gott nicht dazu führen, dass die Gesellschaft abgebildet wird, sondern es soll etwas entstehen, was im Reich Gottes zählt, nämlich Einheit und gegenseitige Liebe, Demut und Unterordnung. Das Abendmahl greift die antike Idee auf und verändert sie völlig, so dass aus dem, was damals in jedem Verein praktiziert wurde, plötzlich ein Bild für das Reich Gottes wird. Das Reich Gottes ist ein anderes Abendmahl als die antiken Abendmahle und als die jüdischen Abendmahle, wo es um Rang und Einfluss geht. Das göttliche Abendmahl ist eins, wo alle gleich sind, wo Gott selbst dient. Und es ist nicht von ungefähr, dass Jesus hier mit seinen Jüngern Gemeinschaft hat. Er gründet sozusagen nicht in einem juristischen Sinne, aber in einem theologischen, es ist der eigentliche Verein sozusagen. Während Menschen damals und heute sich in Vereinen organisieren, um vielleicht das zu tun oder jenes zu tun oder dieses Anliegen zu haben, für dieses Thema zu kämpfen, dieses Hobby zu pflegen, zeigt Jesus, wofür es sich wirklich lohnt, eine Gemeinschaft zu bilden: für das Evangelium, für die Botschaft der Liebe Gottes, für die Vergebung, für die Gemeinschaft mit Jesus. Dafür lohnt es sich zusammenzukommen und gemeinsam zu essen. Ich glaube, es gehört zu diesen Dingen, die in allen Kulturen gleich sind. Wenn man gemeinsam miteinander isst, dann ist das ein Ausdruck von Verbundenheit. Ganz egal, ob man irgendwo in Afrika sitzt und in der Wüste oder in der Steppe mit Menschen, die dort leben, ein Mahl hält, oder ob man bei einem Geschäftsessen sitzt und mit Leuten, mit denen man jetzt geschäftlich zusammenarbeiten möchte, isst. Egal, wo man ist, egal, wo man zusammen ist, entsteht Gemeinschaft. Jesus sagt: "Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, so werde ich zu ihm hineingehen und werde mit ihm das Mahl halten."
[21:05] Er wird mit uns das Abendmahl halten, nicht im Sinne einer Zeremonie, die wir einfach alle paar Monate durchführen, sondern in diesem eigentlichen Sinne, wie sie in der Antike verstanden ist, als damals ja ein durchaus tägliches Ereignis, tägliche Hauptmahlzeit, wo die Gespräche stattfinden, wo man sich austauscht, wo man Gemeinschaft erlebt, aber auf eine Art und Weise, die Gottes Willen entspricht, im christlichen Abendmahl, wo alle gleich sind. Johannes 21 und dort Vers 20. Johannes 21, Vers 20: "Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger folgen, den Jesus liebte, der sich auch beim Abendmahl an seine Brust gelehnt und gefragt hatte: Herr, wer ist der dich verrät?" Johannes war ganz nahe bei Jesus beim Abendmahl. Damals war es so, dass die Menschen ja eigentlich nicht saßen, sondern gemütlich auf Couchen lagen, und zwar so in Etagen sozusagen. Ja, man lag so quasi über – also, einer lag hier und dann der nächste darüber und dann noch mal darüber, sodass jemand tatsächlich mit seinem Kopf sich hier an die Brust anlehnen konnte. So, ja, sag mal, wer ist es? Das ist ein Ausdruck auch von Nähe, von Verbundenheit. Jesus sagt: "Ich möchte das Mahl mit dir halten und du mit mir."
[22:41] 1. Korinther 11 und dort Vers 25. 1. Korinther 11, Vers 25. Wie eng für die ersten Christen das christliche Abendmahl noch eigentlich so ein *deipnon*, so ein Gemeinschaftsmahl war, das wird hier deutlich in den Exzessen, die es gab, in den Übertreibungen. 1. Korinther 11, Vers – wir lesen schon ab Vers 20: "Wenn ihr nun am selben Ort zusammenkommt, so geschieht das doch nicht, um das Mahl des Herrn zu essen. Denn jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg, so dass der eine hungrig, der andere betrunken ist. Habt ihr denn keine Häuser, wo ihr essen und trinken könnt? Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und beschämt die, welche nichts haben?" Da gab es also Menschen, die das noch – also, die Idee mit dem *deipnon* war noch so stark, dass einige übertrieben haben und tatsächlich beim gemeinschaftlichen christlichen Abendmahl sich den Bauch vollgeschlagen haben, was natürlich nicht Sinn und Zweck der Sache war. Aber diese Idee von dem Gemeinschaftsmahl noch stärker vielleicht vorhanden gewesen, als das heute bei uns vielleicht manchmal so der Fall ist. Vers 25: "Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahl, indem er sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut. Dies tut, so oft ihr ihn trinkt, zu meinem Gedächtnis." Jesus wollte, dass das gemeinschaftliche, tägliche Abendmahl eine Gelegenheit ist, bei der man an den Tod Jesu denkt. Er verband die eine der wichtigsten, zentralen Elemente des Alltages, die Hauptmahlzeit in Gemeinschaft mit dem Gedenken an seinen Tod, um deutlich zu machen, wie stark das Kreuz Jesu und sein Blut für uns im Alltag verankert sein sollen.
[24:51] Das Ganze hat natürlich einen starken alttestamentlichen Hintergrund. 1. Mose 18. Wir lesen die Verse heute nicht aus Zeitgründen, aber ihr kennt, denke ich, die Geschichte. Abraham lädt drei, wie es scheint, fremde Menschen ein. Erst später stellt sich heraus, es sind gar keine Menschen. Zwei sind Engel, einer ist der Sohn Gottes. Diese Gastfreundschaft: "Kommt zu mir herein", die ist die Grundlage dessen, was wir später in der Bibel über Gastfreundschaft erfahren. Diese Gastfreundschaft impliziert die Fußwaschung und sie impliziert ein Gastmahl. Vers 4: "Man soll ein wenig Wasser bringen und wascht eure Füße und lasst euch nieder unter dem Baum. So will ich einen Bissen Brot bringen, dass ihr euer Herz stärkt. Danach mögt ihr weiterziehen, denn darum seid ihr bei eurem Knecht vorbeigekommen." Sie sprachen: "Tu, wie du..."
[25:44] vorbeigekommen. Sie sprachen: „Tu, wie du gesagt hast.“ Und dann bereitet Abraham ihm dieses Gastmahl. Das heißt dann Vers 8: „Und er trug Butter und Milch auf und von dem Kalb, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor. Und er stand bei ihnen unter dem Baum, und sie aßen.“ Gastfreundschaft, gemeinsames Essen. 1. Mose 21 und dort Vers 8: Als Isaak entwöhnt wird, heißt es: „Und das Kind wuchs heran und wurde entwöhnt, und Abraham machte ein großes Mahl an dem Tag, als Isaak entwöhnt wurde.“ Ein Fest! Leute werden eingeladen. In 1. Mose 26, als Isaak und Abimelech einen Bund miteinander schließen. Schauen wir uns das mal an. 1. Mose 26 und dort in Vers 30, da heißt es: „Da bereitete er ihnen ein Mahl, und sie aßen und tranken.“ Jesus sagt beim Abendmahl: „Das ist das Blut des neuen Bundes.“ So wie dieser Bund hier zwischen Abraham und Abimelech durch ein gemeinsames Essen bestätigt wird, so wird der neue Bund zwischen Jesus und mir, zwischen Jesus und uns bestätigt durch das gemeinsame Abendmahl. 1. Mose 29 und dort Vers 22: „Der lud Laban alle Leute des Ortes ein und machte ein Mahl.“ Der Anlass ist diesmal eine Hochzeit. Und auch wir sind eingeladen zum Hochzeitsmahl des Lammes. 2. Mose, dazu gleich noch mehr. 2. Mose 18 und dort Vers 12: „Und Jetro, Moses' Schwiegervater, nahm Brandopfer und Schlachtopfer, um Gott zu opfern. Da kamen Aaron und alle Ältesten von Israel, um mit Moses Schwiegervater ein Mahl zu halten vor dem Angesicht Gottes.“ Auch dort haben wir die Idee, die Verbindung von Opfer und gemeinsamem Essen.
[27:54] Diese Verbindung zieht sich durch die gesamte Bibel bis zum christlichen Abendmahl, wo wir an das eine wahre, von Sünden befreiende Opfer denken. Wenn Jesus zu uns hineinkommen möchte in unser Herz, dann ist es ein Freudenfest, dann ist das ein Anlass zu jubeln, dann ist es ein Anlass auch Freunde einzuladen. Dann ist das etwas, das den Bund zwischen uns und Jesus stärkt, und dann ist das immer dazu da, uns daran zu erinnern, dass Jesus für uns gestorben ist.
[28:29] In der Bibel lässt sich diese Idee von dem gemeinsamen Essen nie wirklich von dem Opfer trennen. 1. Könige 3 und dort Vers 15: „Und als Salomo erwachte – siehe, da war es ein Traum. Als er nun nach Jerusalem trat, er vor die Bundeslade des Herrn und opferte Brandopfer und Friedensopfer und veranstaltete ein Mahl für alle seine Knechte.“ Dieselbe Idee: die Opfer und das Mahl. Noch ein berühmtes Gastmahl in Ester 5 und dort Vers 4. Und wir lesen hier nur ein paar wenige Verse aus Zeitgründen. In Ester 5 und dort Vers 4, da finden wir das berühmte Gastmahl der Ester. Das heißt hier in Ester 5 und dort Vers 4: „Ester sprach: ‚Wenn es dem König gefällt, so komme der König heute mit Haman zu dem Mahl, das ich ihm zubereitet habe.‘“ Und wir alle kennen die Geschichte. Bei diesem Mahl findet zwei Male statt. Beim zweiten wird Haman entlarvt, und das Volk Gottes kann gerettet werden.
[29:56] Noch ein großes, ein tolles, ein großes Beispiel für dieses ganze Thema: Lukas 5 und dort Vers 29. Lukas 5 Vers 29: „Und Levi bereitete ihm ein großes Mahl in seinem Haus, und es saß eine große Schar von Zöllnern und anderen, die es mit ihnen hielten bei Tisch.“ Wir sehen, wenn immer so ein Mahl gehalten wird, dann möchte man Leute einladen, man möchte es nicht alleine für sich haben. Lieber Freund, liebe Freundin, der wichtigste Gast in unserem Leben ist Jesus. Wenn Jesus dabei ist, dann können wir auch noch andere dazu einladen. Die Idee ist: Wenn Jesus mit uns das Mahl halten will, dann wird das wahrscheinlich nicht nur Jesus und ich sein. Wenn andere dazu eingeladen werden, ich werde anderen davon erzählen, dass Jesus in meinem Leben ist und sie auch einladen, diese wunderbare Erfahrung zu machen. Das Mahl ist immer, hat immer etwas mit Gemeinschaft zu tun.
[30:56] Ich möchte schließen mit der wahrscheinlich wichtigsten Frage. Ich weiß nicht, ob du schon mal Gäste eingeladen hast, ganz bestimmt. Und wenn man sie einlädt zum Essen, dann stellt man sich vorher eine – also ich nicht so oft, weil ich nicht bei uns zu Hause nicht das Essen mache –, aber dann stellt sich derjenige, das Essen macht – meine Frau macht so wunderbares Essen, die kann es viel besser als ich –, dann stellt sich die Frage: Was machen wir? Was sollen wir zubereiten? Was isst denn unser Gast? Was essen unsere Gäste gerne? Was isst denn Jesus gerne, wenn wir ihm ein Festmahl bereiten, wenn wir ihn einladen in unser Herz? Was isst er denn gerne? Johannes Kapitel 4 und dort Vers 31: „Inzwischen aber baten ihn die Jünger und sprachen: ‚Rabbi, iss!‘ Er aber sprach zu ihnen: ‚Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt.‘ Sprachen die Jünger zueinander: ‚Hat ihm denn jemand zu essen gebracht?‘ Jesus spricht zu ihnen: ‚Meine Speise ist die, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe.‘ Jesus' Lieblingsspeise ist, dass er Gottes Willen tun kann und Gottes Wille ist deine und meine Rettung. Gottes Wille ist deine und meine Erlösung, deine und meine Heiligung, dein und mein Gehorsam. Das ist Gottes Wille. Wann immer Jesus das bewirken kann, wann immer er seine Kraft und Macht und Weisheit dazu einsetzen kann, dass wir erlöst werden, dass wir Vergebung bekommen, dass wir gereinigt werden, dass wir gehorsam gemacht werden, dass wir geheiligt werden, dann ist Jesus, dann ist das für ein Festmahl! Lieber Freund, liebe Freundin, wenn wir unsere Herzenstür aufmachen und mit Jesus das Festmahl halten wollen, dann sollten wir ihm das vorsetzen. Wir sollten ihm die Gelegenheit geben, dass er uns verändern kann, dass er Gottes Werk in uns tun kann.
[32:52] Das ist seine Lieblingsmahlzeit. Wenn wir ihn in unserem Herzen einladen, damit er dort essen kann, dann laden wir ihn ein, dass er Gottes Willen in unserem Herzen tun kann. Was steht auf der Menükarte deines Herzens? Steht dort auch, dass Jesus dort seinen Gottes Willen in deinem Herzen tun darf?
[33:19] Das ist das Festmahl. Wir haben gesehen, das Festmahl ist immer verbunden mit dem Opfer. Und Jesus selbst hat gesagt: „Dies ist mein Brot, mein Leib. Dies ist mein Blut, das des neuen Bundes zur Vergebung der Sünden.“ Es ist das Blut Jesu, es ist sein Kreuzestod, der uns reinigt, der uns verändert, der uns vergibt, der uns auch heiligt und Gehorsam bewirkt.
[33:47] Wenn wir mit Jesus über seinen Tod für uns nachdenken, dann kann er Gottes Willen für unser Leben tun. Das ist das Festmahl, die tägliche Mahlzeit, die tägliche Hauptmahlzeit. Es sollte unser tägliches Hauptanliegen sein, dass Jesus in unserem Herzen Gottes Willen tun kann, und wir sollten davon anderen erzählen – eine gemeinschaftliche Erfahrung. Wir enden in Offenbarung Kapitel 19. Offenbarung 19 und dort Vers 7: „Lasst uns fröhlich sein und jubeln und ihm die Ehre geben, denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereit gemacht. Und es wurde gegeben, sich in feine Leinwand zu kleiden, rein und glänzend, denn die feine Leinwand ist die Gerechtigkeit der Heiligen.“ Wir haben drüber gesprochen über das Kleid der Gerechtigkeit, das Laodizea erhalten darf. Vers 9: „Und er sprach zu mir: ‚Schreibe: Glückselig sind, welche zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind.‘ Und er sprach zu mir: ‚Dies sind die wahrhaftigen Worte Gottes.‘ Lieber Freund, du und ich, wir sind eingeladen, bei Gott im Himmel das Hochzeitsmahl zu essen. Ist im Gegensatz Jesus auch eingeladen in unserem Herzen, dass er mit uns das Mahl hier in unserem Leben halten darf?
[35:33] Möchtest du ab heute das Nachdenken und Leben mit Jesus zu deiner Hauptmahlzeit machen? Jeden Tag. Das ist, was Jesus sich wünscht. Lasst uns daraus leben, so wie Jesus daraus gelebt hat: den Willen Gottes zu tun. Denn wenn wir mit Jesus gemeinschaftlich essen, dann essen wir auch das, was er gegessen hat. Dann werden wir nicht nur Jesus erlauben, seinen Gottes Willen unserem Leben zu tun, wir werden mit ihm zusammen kooperieren, wir werden ebenfalls diese Speise essen: das Wort Gottes, das uns hilft, Gottes Willen zu tun und zu vollbringen. Und lieber Freund, liebe Freundin, in dieser Hinsicht können wir jeden Tag ein Festmahl haben. Und das Abendmahl, das wir dann feiern von Zeit zu Zeit in der Gemeinde, ist nur ein besonderer Höhepunkt in einer Reihe von ganz vielen Abendmahlen, die wir Tag für Tag feiern, weil Jesus in uns wirken darf und wir mit ihm kooperieren, und wir ein Festmahl haben über all die Verheißungen und die wunderbaren Dinge, die Gott tun möchte, die uns stärken: Gemeinschaft mit Gott. Magst du es gern, mit Freunden zu gehen? Genau das wünscht sich Jesus mit dir: gemeinsam zusammen Gottes Wort und Gottes Willen in Freundschaft zu essen, gemeinsam Zeit zu verbringen. Möchtest du Jesus heute einladen? Ich möchte das tun von ganzem Herzen. Ich möchte ihn einladen, mit ihm in meinem Leben, dass wir gemeinsam das Mahl halten Tag für Tag. Ist doch dein Wunsch? Dann lass uns gemeinsam beten.
[37:40] Lieber Vater im Himmel, danke, dass du durch dein Wort zu uns gesprochen hast. Danke, dass du uns gezeigt hast, wie groß dein Wunsch ist, dass wir gemeinsam das Mahl halten. Herr, gib, dass wir verstehen, was das bedeutet, Tag für Tag dir das Essen anzubieten, Herr Jesus, was dir am meisten Freude macht, nämlich dass du in unserem Herzen wirken darfst. Wir möchten mit dir kooperieren. Herr, hilf uns, dass wir jeden Tag diese Erfahrung machen, dass wir mit dir zusammen echte Freundschaft pflegen. Herr, komm du in mein Herz und unser Herz Tag für Tag.
[38:31] Und lass uns das essen, was auch du am liebsten isst: den Willen Gottes. Hab Dank dafür. Amen.
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