Veröffentlicht am
8 Klicks

Podcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts

Der Ersehnte

„Der Ersehnte“ wird das Leben und Wirken von Jesus Christus detailliert und chronologisch beleuchten. Die verschiedenen Evangeliumsberichte werden in ein harmonisches Ganzes zusammengefügt und die vielen alttestamentlichen Wurzeln und Bezüge aufgezeigt. Über allem steht der Wunsch, unseren Herrn und Erlöser in Seinem alltäglichen Leben besser kennen zu lernen. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/der-ersehnte/ entnommen.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Folge von „Der Ersehnte“ begleitet Christopher Kramp Jesus bei einem spannenden Gastmahl im Haus eines Pharisäers. Erfahre, wie Jesus durch eine bemerkenswerte Heilung am Sabbat die starren Traditionen seiner Zeit herausfordert und welche tiefgreifenden Lehren für unser heutiges Leben darin stecken.


Weitere Aufnahmen

Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus

  • 0:0
  • 0:0
  • 0:0

Transkript

[0:31] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar „Der Ersehnte“ hier auf www.joelmedia.de. Schön, dass ihr wieder dabei seid. Wir möchten weiterhin das Leben und Wirken, die Worte unseres Freundes und Erlösers Jesus Christus studieren. Wir sind immer noch im Lukasevangelium, in Lukas Kapitel 14. Jesus ist bei einem Gastmahl eines Pharisäers eingeladen, und wir werden heute weitersehen, was bei diesem Gastmahl noch passiert ist, was Jesus dort gesagt hat und was wir von ihm lernen können. Bevor wir damit einsteigen, haben wir die gute Gewohnheit, Gott zu bitten, dass er unser Studium segnet. Und wenn es dir möglich ist, dann lade ich dich ein, mit mir gemeinsam kurz niederzuknien.

[1:26] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, dass wir dein Wort haben und dass du durch dein Wort zu uns sprichst. Wir möchten dir danke sagen für die Freude, die du uns schenkst, und für die Kraft, die in deinem Evangelium ist. Herr, wir möchten dich bitten, dass wir uns neu darauf fokussieren können, worum es wirklich geht, dass Dinge, die wir vielleicht schon einmal verstanden haben, uns neu ins Bewusstsein kommen und dass wir dich noch lieber gewinnen als je zuvor. Herr, wir möchten dich bitten, dass du jetzt unser Lehrer bist, und hab Dank dafür. Amen.

[2:05] Wir sind in Lukas Kapitel 14, wie gerade schon erwähnt. In Vers 1 hatten wir gesehen, dass er an einem Sabbat in das Haus eines Obersten der Pharisäer gegangen ist, um dort zu essen. Die Gäste dort haben ihn beobachtet. Sie haben geschaut, ob er irgendwelche Fehler macht. Wir haben gesehen, wie Jesus dort einen Menschen vor sich sah, der, wie man so sagte damals, wassersüchtig war, der also lauter Ödeme hatte. Und Jesus stellt die Frage: „Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen?“ Alle schweigen, und er heilt diesen Mann. Wir haben über dieses Dauerthema Sabbat und Heilung, diesen Dauerkonflikt zwischen Jesus, der zeigen wollte, wozu der Sabbat wirklich da ist, und den menschengemachten Traditionen der Pharisäer ausführlich gesprochen beim letzten Mal. Sie konnten auch diesmal nichts darauf antworten, als er ihnen deutlich gemacht hat, dass sie Tiere besser behandeln als Menschen am Sabbat.

[3:10] Aber das war nicht das einzige, was bei diesem Gastmahl passiert ist. Lukas lässt uns wissen, dass dieses Gastmahl mehrere Ereignisse, mehrere Begebenheiten hatte, von denen wir eine Menge lernen können. Und wir kommen jetzt zu einem zweiten Aspekt dessen, was bei diesem Gastmahl an diesem Sabbat passiert ist. Es heißt in Vers 7: „Er sagte aber zu den Gästen ein Gleichnis.“ Das ist ja die Methode, die Jesus immer wieder angewandt hat, um die Menschen um sich herum zu lehren. Jesus hat geheilt in den ersten Versen, jetzt sehen wir, wie er lehrt. Wir können noch mal in Matthäus 13, Vers 34 lesen. Dort steht: „Dies alles redete Jesus in Gleichnissen zu der Volksmenge, und ohne Gleichnis redete er nicht zu ihnen.“ Jesus hat sich immer wieder Gleichnisse bedient, um ewige Wahrheiten kundzutun. Und das werden wir jetzt hier auch sehen.

[4:09] Jesus sagt ein Gleichnis, und es heißt hier bei Lukas, warum er das tut. Es heißt in Vers 7: „Er sagte aber zu den Gästen ein Gleichnis, da er bemerkte, wie sie sich die ersten Plätze aussuchten, und sprach zu ihnen.“ Wir hatten gesehen in Vers 1: „Und es begab sich, als er am Sabbat in das Haus eines Obersten der Pharisäer ging, um zu speisen, da beobachteten sie ihn.“ Wir haben gesehen, wie die Pharisäer, die dort essen, Jesus genau beobachten, um einen Fehler zu sehen. Aber Jesus, heißt es hier in Vers 7, er bemerkte, wie sie sich die ersten Plätze aussuchten und sprach zu ihnen. Sie haben nach einem Fehler bei Jesus gesucht und nicht gemerkt, wie sie selbst Fehler gemacht haben. Sie wollten einen Fehler bei Jesus finden und haben nicht gemerkt, wie sie selbst ein fundamentales Prinzip alttestamentlicher biblischer Lehre missachtet haben. Sie, die sich als die Ausleger des Alten Testaments selbst empfanden und vorgestellt haben, sie haben ein fundamentales Prinzip der Lehre Gottes völlig auf den Kopf gestellt, und während sie Fehler bei anderen gesucht haben, haben sie es nicht einmal selbst gemerkt. Aber Jesus hat es gemerkt.

[5:35] Die Frage ist: In unserem Leben, suchen wir Fehler bei Gott oder hören wir zu, wenn Gott Fehler bei uns bemerkt? Er bemerkte, wie sie sich die ersten Plätze aussuchten. Die Gäste kamen, und viele von ihnen, vielleicht sogar alle, waren darauf bedacht, einen möglichst hohen Platz zu haben. Denn in der Gesellschaft damals, nicht nur in Israel, auch in Rom und in Griechenland, war die Reihenfolge der Plätze auch ein Indikator dafür, welchen gesellschaftlichen Rang man einnahm. Je besser der Platz, desto höher der soziale Status. Die Gäste suchen den möglichst hohen Rang. Jesus hatte das schon an anderer Stelle deutlich angeprangert bei den Pharisäern in Lukas 11, Vers 43, in diesen „Wehe“-Rufen, die wir damals studiert haben: „Wehe euch Pharisäern, dass ihr den ersten Sitz in den Synagogen und die Begrüßung auf den Märkten liebt.“ Jesus hat ihnen vorgehalten, dass sie danach ausschauten, dass sie von anderen begrüßt werden, dass sie vor anderen als besonders groß dastehen, dass sie den besten Sitz haben, dass sie von anderen gesehen und bemerkt werden. In ihrer Religionsausübung ging es mehr darum, wie andere sehen, was sie tun, als um eine Beziehung zu Gott. Jesus hatte gesagt: „Wehe euch.“ Und obwohl er hier in Kapitel 14 kein „Wehe“ wörtlich ausspricht – zumindest hat Lukas keines erwähnt –, ist keine Frage, dass hier das gleiche geistliche Problem vorliegt, nämlich dass Menschen gerne den ersten Platz haben wollen.

[7:29] Das gibt es auch in der Gemeinde. In 3. Johannes 9 finden wir folgende Aussage von Johannes. Er sagt in Vers 9: „Ich habe der Gemeinde geschrieben, aber Diotrephes, der erste sein möchte, nimmt uns nicht an.“ Gibt es heute auch noch unter uns Menschen, die die Ersten sein möchten? Ist es vielleicht in unserem eigenen Herzen? Ist in meinem Herzen vielleicht manchmal der Wunsch: Ich möchte vor den anderen sein, ich möchte Erste sein, ich möchte beobachtet werden, ich möchte gesehen werden, ich möchte anerkannt werden, ich möchte gegrüßt werden? Ich möchte den möglichst hohen Platz haben in der Gemeinde oder wo sonst? Paulus hat auch zu diesem Thema gesprochen, wenn er in Philipper 2, Vers 3 sagt: „Tut nichts“ – er sagt nicht „tut das Meiste“, er sagt „tut nichts“ oder fast nichts – „tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz.“ In allem, was wir tun, in unserem gesamten Leben, sollten Egoismus und Ehrgeiz keine Rolle spielen, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Einer den anderen höher als sich selbst – das ist das Gegenmittel gegen Egoismus.

[9:01] Jesus hat es gemerkt. Er bemerkte, wie es heißt es hier in Vers 7, wie sie sich die ersten Plätze aussuchten und sprach zu ihnen. Und jetzt kommt das Gleichnis, ein sehr bemerkenswertes Gleichnis, wie wir gleich sehen werden in Vers 8: „Wenn du von jemand zur Hochzeit eingeladen bist, so setze dich nicht auf den obersten Platz, damit nicht etwa ein Vornehmerer als du von ihm eingeladen ist. Und nun der, der dich und ihn eingeladen hat, kommt und zu dir sagt: ‚Mache diesem Platz‘, und du dann beschämt den letzten Platz einnehmen musst.“ Jesus spricht von einer Hochzeitseinladung. Sie waren hier gerade nicht bei einer Hochzeit, sie waren bei einem Sabbatfestmahl. Aber ansonsten ist die Beschreibung dessen, was im Gleichnis geschieht und dessen, was Jesus in der Realität bemerkt hat, sehr, sehr ähnlich. Es geht um das Sitzen an Festmählern. Das Gleichnis entspricht der Realität fast vollständig, nur dass der Anlass ein anderer ist, sodass nicht ganz direkt Jesus sagt: „Was ihr hier tut, ist falsch.“ Er wendet es auf eine Hochzeitseinladung an.

[10:19] Jesus wird mit anderen Worten sehr, sehr deutlich. Und das, was Jesus jetzt hier sagt, ist nicht einfach nur ein Knigge, sozusagen ein Ratschlag für besseres Benehmen, sondern was er sagt, ist biblische Theologie, schon im Alten Testament in Sprüche 25, Vers 6 und 7. Dort heißt es: „Rühme dich nicht vor dem König und tritt nicht an den Platz der Großen, denn es ist besser, man sagt zu dir: ‚Komm hier herauf‘, als dass man dich vor einem Fürsten erniedrigt, den deine Augen gesehen haben.“ Das stand schon so im Alten Testament. Es ist besser, wenn man promotet wird, sozusagen auf Neudeutsch, wenn man erhöht wird, als dass man erniedrigt wird, wenn man sich selbst zu hoch einsortiert hat. Die Pharisäer galten als die Ausleger des Alten Testaments, doch das, was das Alte Testament über das Thema sagte, haben sie nicht getan. Jesus hat das bemerkt und er sagt es ihnen. Er sagt ihnen nicht direkt: „Was ihr jetzt hier tut, ist verkehrt.“ Er sagt: „Wenn du zu einem Hochzeitsmahl eingeladen bist, dann achte darauf.“ Und natürlich sollten die Pharisäer darüber nachdenken: Wenn das beim Hochzeitsmahl so getan werden sollte, dann wäre das auch die richtige Art und Weise, sich jetzt so zu verhalten.

[12:08] Wenn der, der alle eingeladen hat, zu dir sagen muss: „Du sitzt hier zu weit oben, geh wieder zurück“, dann bist du vor allen beschämt. Wer sich übermütig überschätzt, wird beschämt. So sehen wir es auch im Alten Testament, Sprüche 11, Vers 2: „Das heißt, auf Übermut folgt Schande. Bei den Demütigen aber ist Weisheit.“ Wenn wir uns selbst überschätzen, wenn wir uns selbst ins vorderste Licht pressen, dann folgt darauf die Schande. Jesus sagt genau das; was er hier sagt, ist, wie so oft, eine konkrete Präzisierung dessen, was im Alten Testament steht. Es ist weise, demütig zu sein.

[13:02] Wenn wir in der Bibel uns den Stolz anschauen, dann sehen wir den immer wieder im Zusammenhang mit Satan, Hesekiel 28 zum Beispiel. Und dort Vers 17: „Dein Herz hat sich überhoben wegen deiner Schönheit. Du hast deine Weisheit um deines Glanzes willen verderbt.“ Der Luzifer hat sich höher eingeschätzt, als er war, obwohl er schon unfassbar hoch war, obwohl er schon sozusagen unter den Engeln den höchsten Platz hatte, hat ihm das nicht gereicht. Und hier sehen wir, es geht gar nicht so sehr um den Platz, den man hat, als vielmehr um die Einstellung, die man hat, denn Luzifer hatte den höchsten Platz. Wer diese Einstellung des Stolzes hat, dem ist selbst der höchste mögliche Platz nicht genug. Er möchte sogar noch höher. Und das bedeutete für Luzifer: Er wollte sein wie Gott. Jesaja 14 zeigt uns genau das. Jesaja 14, dort heißt es in Vers 13: „Und doch hattest du dir mit deinem Herzen vorgenommen: Ich will zum Himmel emporsteigen und meinen Thron über die Sterne Gottes erhöhen und mich niederlassen auf dem Versammlungsberg im äußersten Norden. Ich will emporfahren auf Wolkenhöhen, dem Allerhöchsten mich gleich machen.“ Er wollte Gott werden. Aber das war unmöglich.

[14:41] Der Stolz kennt keine Grenze. Übermut, Selbstüberschätzung kennt keine Grenze. Sie ist nie zufrieden, diese Selbstüberschätzung. Und deswegen warnt Gott so deutlich davor, denn die Selbsterhöhung, die Selbstüberschätzung, die führt zum Ruin. Der Luzifer, der zu Satan wird, der wird aus dem Himmel herabgestürzt. Vers 12: „Wie bist du vom Himmel herabgefallen, du Glanzstern, Sohn der Morgenröte? Wie bist du zu Boden geschmettert, Überwältiger der Nationen.“ Wir sehen in Daniel 4 den König Nebukadnezar den Zweiten, der sich das große Babylon erbaut hat, neu erbaut, saniert hat und groß gemacht hat, und der, von Gott gewarnt, sich nicht zu überheben, trotzdem sich überhebt und sagt: „Ist es nicht das große Babel, das ich gebaut habe zu meiner Herrlichkeit, zu meinem Ruhm?“ Und darauf folgt der Sturz, sieben Jahre in Geisteskrankheit. Wer den ersten Platz möchte, zeigt damit eine geistliche Krankheit in seinem Hirn, in seinem Herzen. Diese Krankheit muss geheilt werden. Vielleicht bemerken wir diese Krankheit bei uns gar nicht. Vielleicht suchen wir immer die Fehler bei anderen, so wie die Pharisäer, die überlegen: „Wo kann ich sehen, ob jemand was falsch gemacht hat?“, und gar nicht gemerkt haben, dass sie ein fundamentales Prinzip des Evangeliums gar nicht verstanden haben. Ja, dass sie mit ihrem Verhalten nicht Jesus und die Liebe Gottes widerspiegelt haben, sondern die Selbsterhöhung Satans. Vor lauter Fehlersuchen bei anderen haben sie nicht gemerkt, wie ihr eigenes Herz die Prinzipien Satans ausgelebt hat.

[16:36] Wer sich auf den höchsten Platz setzt, aus eigenem Gutdünken, der wird tief fallen. Jesus sagt in Vers 9: „Und nun, der dich und ihn eingeladen hat, kommt und zu dir sagt: ‚Mache diesem Platz‘, und du dann beschämt den letzten Platz einnehmen musst – vom Obersten zum Letzten.“ Luzifer, der am Thron Gottes stand, wird zum Abschaum aller werden, wenn nach den 1000 Jahren deutlich wird, dass für seine Rebellion nicht der geringste Grund bestand. Wer sich selbst erhöht, fällt sehr tief. Jesus warnt sehr deutlich, denn diese Warnung gilt auch für die Pharisäer seiner Generation. In ihrer Selbstüberschätzung würden sie geistlich massiv fallen und die Hoffnung der Zeitalter letztlich ablehnen.

[17:39] Vers 10: „Sondern wenn du eingeladen bist, so geh hin und setze dich auf den letzten Platz, damit der, welcher dich eingeladen hat, wenn er kommt, zu dir spricht: ‚Freund, rücke hinauf!‘ Dann wirst du Ehre haben vor denen, die mit dir zu Tisch sitzen. Wer sich selbst gering einschätzt, der wird zu Ehren kommen.“ Wir sehen dieses fundamentale Prinzip im großen Kampf. Wir sehen dort Jesus in Philipper Kapitel 2 ab Vers 5. Wir sehen dort seine Gesinnung. Jesus sagt das nicht nur als guten Rat, sondern Jesus lebt genau das. Er ist hier bei einem Gastmahl eingeladen. Und wenn Jesus sein Recht als Gottes Sohn, als künftiger König der Könige in Anspruch genommen hätte, er hätte am allerersten Platz sitzen müssen bei diesem Festmahl. Er hätte mit Legionen von Engeln einziehen können, aber Jesus kam nicht zu diesem Festmahl, um sich selbst zu erhöhen. Er kam nicht auf diese Erde, um sich selbst zu erhöhen. Er kam auf diese Erde für uns.

[19:11] Wir lesen in Philipper 2 ab Vers 5 in dem Zusammenhang, wo wir vorhin gelesen haben, dass wir nichts aus Selbstsucht, aus nichtigem Ehrgeiz tun sollen. Da heißt es in Vers 5: „Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war, der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen.“ In Bezug auf das gesamte Universum, auf all die Wesen, die dort existieren, hat er wirklich den letzten Platz eingenommen. Er wurde ein Mensch. Er wurde unter den Menschen ein armer Mensch, verheiratet aus einem Kaff in Galiläa, das zudem auch noch moralisch völlig verworfen war und einen schlechten Ruf hatte. Und dann hat er sogar noch alle Sünden auf sich genommen. Er hat wirklich den letzten Platz eingenommen, den allerletzten. Freiwillig. „Sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen. Und in seiner äußeren Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum Tod am Kreuz.“ Er hat den letzten Platz für sich genommen, und die Bibel sagt uns, was er dafür erhält. Vers 9: „Darum“, weil er so denkt, weil das seine Gesinnung ist, das Prinzip, nachdem er lebt, „darum hat ihn Gott auch über alle Maßen erhöht und ihm einen Namen verliehen, der über alle Namen ist.“ Er hat sich an den letzten Platz gesetzt und er wird am ersten Platz sitzen, „damit in dem Namen Jesu sich alle Knie derer beugen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes des Vaters.“ Er wird Ehre haben vor dem gesamten Universum. Jesus, der sich auf den letzten Platz gesetzt hat, wird auf dem ersten sitzen als König der Könige, Herr der Herren, wie Offenbarung 19 uns sagt.

[21:32] „Wer sich selbst geringer schätzt, der wird zu Ehren kommen.“ Die Bibel sagt uns übrigens, dass Jesus es war, der vorgeschlagen hat, Mensch zu werden. Es war Jesus, der vorgeschlagen hat, für die Menschen zu sterben, die Sünden auf sich zu nehmen. Aber die Ehre, die dann nach der Auferstehung ihm beigelegt wurde, die hat er nicht selbst vorgeschlagen. Das heißt in Hebräer Kapitel 5 und dort Vers 4: „Und keiner nimmt sich selbst diese Ehre“ – es geht um die Ehre des Hohenpriesters – „sondern der empfängt sie, welcher von Gott berufen wird, gleich wie Aaron. So hat auch der Christus sich nicht selbst die Würde beigelegt, ein Hohepriester zu werden, sondern der, welcher zu ihm sprach: ‚Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.‘“ Jesus hat sich freiwillig auf den letzten Platz gesetzt. Er hat vorgeschlagen: „Ich werde Mensch.“ Er hat vorgeschlagen: „Ich werde die Sünden der Menschen tragen.“ Gott der Vater hat gesagt: „Aber dann wirst du auf dem ersten Platz sitzen. Du wirst Hohepriester, du wirst Repräsentant der gesamten Menschheit. Du wirst König wie Melchisedek, ein priesterlicher König, und dann als König der Könige über ein Weltreich für alle Ewigkeit herrschen.“ Jesus sitzt dann auf dem ersten Platz. Er wird erhöht. Aber Satan, der sich unbedingt auf den ersten Platz setzen wollte, wurde abgestoßen und wird auf dem letzten Platz sitzen.

[23:05] Wir sehen dieses Prinzip im Leben der Menschen in der Bibel. Nur ein Beispiel soll uns hier das vor Augen führen: 1. Samuel 15, Vers 17. Und Samuel sprach: „Ist es nicht so: Als du klein warst in deinen Augen, wurdest du das Haupt der Stämme Israels? Und der Herr salbte dich zum König über Israel.“ Es gab einen Zeitpunkt im Leben von Saul, da hielt er sich für wenig, hielt er sich für gering, hielt er sich für jemand, der den unteren Platz haben sollte. Und in einer solchen Haltung konnte Gott ihn zum König machen. Aber es kam der Zeitpunkt, da hat sich das geändert. Es kam der Zeitpunkt, wo die Menschen sangen, dass David mehr erschlagen hat als Saul, und Saul fürchtete, dass jemand über ihm sitzen könnte, sozusagen. Er wollte lieber den David töten, als zu akzeptieren, dass der mehr Ehre bekommt als er selbst.

[24:09] Wie anders war Johannes? Johannes der Täufer, der eine solche Bewegung auslöste, wie man sie seit Jahrzehnten und Jahrhunderten nicht gesehen hatte. Eine prophetische Bewegung, eine, die die Menschen in Scharen zu ihm trieb. Eine Bewegung, der sich auch Pharisäer und Sadduzäer angeschlossen hätten, wenn Johannes zu den Waffen gegriffen hätte. Er war populär, er war beliebt, er war enorm einflussreich. Und irgendwann merkt er, und seine Jünger merken, dass sein Einfluss abnimmt und jemand mehr Einfluss bekommt als er: Jesus Christus. Und statt wie Saul sich zu ärgern, dass jemand mehr geschätzt wird als er selbst, sagt Johannes bemerkenswerte Worte, die deutlich machen: Er sucht nicht den ersten Platz, ihm reicht der letzte Platz. Johannes 3, Vers 30: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ Wie schwer fällt uns das? Uns zu freuen, wenn jemand mehr Aufmerksamkeit bekommt als wir, weil dadurch Gottes Werk vorangetrieben wird, anzuerkennen, dass es nicht um uns geht, sondern um Gott, und dass wir andere höher achten als uns selbst. Johannes hat sich selbst gerne nach hinten gesetzt, und obwohl er in diesem Leben keinen Lohn mehr bekommen hat, sondern nur einen Märtyrertod, hat er doch schon auf dieser Erde den Ruhm erhalten, dass Jesus Christus selbst ihn den größten aller Propheten genannt hat, bis zu dem Zeitpunkt – also abgesehen von Jesus natürlich. Er hat Jesus den Vorrang gelassen, und Jesus hat ihn geehrt. Wenn wir in unserem Leben Jesus den Vorrang lassen, wenn wir uns hinten anstellen und Jesus machen lassen, wird Jesus uns ehren.

[26:30] Und Jesus wünschte sich, dass die Pharisäer diese Erfahrung machen. Welche großen Dinge hätte Gott tun können durch das jüdische Volk im ersten Jahrhundert nach Christus, wenn die Pharisäer, die Sadduzäer, die Schriftgelehrten, die Gesetzesgelehrten, wenn die dieses Prinzip verstanden hätten, wenn sie nicht eifersüchtig auf Jesus gewesen wären, wenn sie nicht den ersten Platz gesucht hätten, wenn sie bereit gewesen wären, niedrig zu sein, wenn sie gedacht hätten wie Johannes? Das Evangelium hätte mit Vollmacht die Welt erreichen können.

[27:09] Sprüche 15, Vers 33: „Die Furcht des Herrn ist die Schule der Weisheit, und der Ehre geht Demut voraus.“ Ohne Demut keine Ehre. Und so formuliert Jesus hier am Ende dieser Begebenheit eine ganz fundamentale Wahrheit, ein Prinzip, das wir immer wieder in der Bibel finden können. Er sagt in Lukas 14, Vers 11: „Denn jeder“ – das ist kein Prinzip, das ab und zu zutrifft und dann wieder nicht, sondern es ist allgemeingültig, immer so, es wird immer so sein – „denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.“ Wir sehen das in der Bibel an vielen Stellen. Lukas 1, Vers 51, der Lobpreis der Maria, der Text des sogenannten Magnificat. Vers 51: „Er tut Mächtiges mit seinem Arm. Er zerstreut, die hochmütig sind in der Gesinnung ihres Herzens. Vers 52: Er stößt die Mächtigen von ihrem Thron und erhöht die Niedrigen. 53: Hungrige sättigt er mit Gütern und Reiche schickt er leer fort.“ Immer wieder finden wir dieses Prinzip auch schon im Alten Testament in den Psalmen. Psalm 18, Vers 28: „Du rettest das elende Volk und erniedrigst die stolzen Augen.“ Wer elend ist, wird von Gott errettet. Wer stolz ist, wird erniedrigt. Psalm 138, Vers 6: „Denn der Herr ist erhaben und sieht auf den Niedrigen, und den Hochmütigen erkennt er von Ferne.“ In den Sprüchen, Sprüche 18, Vers 12: „Vor dem Zusammenbruch wird das Herz des Menschen hochmütig, aber vor der Ehre kommt die Demut.“ Dieses Prinzip findet sich immer und immer wieder. Und Jesus bemerkt, dass die Ausleger des Alten Testaments in ihrem Leben dieses Prinzip nicht umsetzen. Was nützt es, wenn man weiß, wo es steht, wenn man es vielleicht sogar hebräisch auswendig sagen kann, aber es im Leben nicht umsetzt? Was nützt es, wenn man weiß, dass Stolz schlecht ist und Demut gut, aber im Leben dann, wenn man zum Essen eingeladen ist, im Alltag sich die Demut nicht zeigt und der Stolz sich stattdessen präsentiert? Was nützt es, wenn man es weiß, wenn man es anderen erklärt, aber im Leben es nicht sichtbar wird? Jesus hat bemerkt, dass die Ausleger der Bibel die Botschaft der Bibel am Essenstisch nicht ausleben. Und die Frage ist: Leben wir am Essenstisch, leben wir im Alltag die Prinzipien des Evangeliums tatsächlich aus?

[30:28] Sprüche 29, Vers 23: „Der Hochmut des Menschen erniedrigt ihn, aber ein Demütiger erlangt Ehre.“ Hier sehen wir: Man kann nicht hochmütig sein, ohne am Ende Erniedrigung zu erleben. Es ist der Hochmut selbst, der erniedrigt. Der Wunsch, sich selbst zu erhöhen, bringt einen hinab, und der Wunsch, sich selbst aufzuopfern für andere, erhöht einen. Selbst Nichtchristen haben für die Menschen den meisten Respekt, die sich aufopfern für andere. Und diejenigen werden am meisten verachtet, die immer nur sich selbst sehen. Dieses Prinzip ist so offensichtlich, es ist so klar, es ist so tief, es spricht uns im Herzen so klar an, dass eigentlich jeder Mensch zustimmen muss, dass das wahr ist. Nicht nur im Alten Testament wird dieses Prinzip deutlich, auch im Neuen finden wir später auch in den Briefen des Neuen Testaments Jakobus 4, Vers 6: „Umso reicher aber ist die Gnade, die er gibt. Darum spricht er: Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.“ Natürlich hier aus dem Alten Testament zitiert, aber auch auf die Zeit des Neuen Testaments angewandt. 1. Petrus 5, Vers 5: „Ebenso ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter. Ihr sollt euch gegenseitig unterordnen und mit Demut bekleiden, denn Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.“ Demut zeigt sich nicht nur in unserer Haltung vor Gott, sondern in unserer Haltung zu anderen Menschen. Petrus macht es ganz deutlich: Wenn ihr demütig seid, dann ordnet euch einander unter. Lasst den anderen höher sitzen. Gebt ihm einen besseren Platz. Setzt euch nach hinten, und Gott wird euch erhöhen.

[32:34] Ich möchte in meinem Leben neu lernen, dass ich mich nicht selbst erhöhe, sondern dass ich andere höher einschätze als mich selbst, Gott von ganzem Herzen liebe, damit er zunimmt und ich abnehme. Und ich weiß, dass, wenn wir uns selbst zurücknehmen, Gott uns nicht vergisst, sondern für uns da ist. Ist auch dein Wunsch heute, dieses Prinzip von Lukas 14 in deinem Herzen ganz fest hineinschreiben zu lassen? Vers 11: „Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.“ Wollen wir lernen, im Alltag nicht Satan zu folgen mit seiner Selbsterhöhung auf Kosten von anderen, sondern Jesus Christus? Dass seine Gesinnung, wie Philipper sagt, unsere Gesinnung wird, dass wir zugunsten anderer auf unser Recht verzichten, uns unterordnen, uns selbst aufopfern für andere, und Gott wird uns erhöhen. Er wird uns den ersten Platz geben. Wir brauchen uns darum nicht zu kümmern. Er hat es versprochen. Er wird uns erhöhen, wenn wir bereit sind, uns selbst zu erniedrigen. Wenn wir seine Gesinnung haben, dann wird er uns von ganzem Herzen und von ganzer Seele segnen. Das ist dein Wunsch? Dann lass uns gemeinsam noch für ein Gebet niederknien.

[34:20] Lieber Vater im Himmel, du weißt, wie oft in unserem Herzen, auch wenn wir es vielleicht nicht aussprechen, wir uns höher einschätzen als andere. Wie oft wir gedanklich einen möglichst hohen Platz einnehmen wollen beim Festmahl, damit andere staunen, wie hoch wir sitzen. Herr, ich möchte dich persönlich für mich um Vergebung bitten, dass mir das schon oft passiert ist. Ich möchte dich bitten für jeden von uns, dass wir von deinem Geist erfüllt werden, deine Gesinnung in unserem Herzen tragen und den anderen höher einschätzen als uns selbst. Herr, hab Dank, dass du damals das so deutlich gesagt hast. Hab Dank, dass du das in dem Leben der Menschen damals bemerkt hast. Und Herr, sprich auch zu uns, wenn du es in unserem Leben bemerkst. Warne uns und führe uns und zeig uns den Weg, den wir gehen sollen, in deinen Fußstapfen. Das bitten wir in deinem Namen, Herr Jesus. Amen.


Lizenz

Copyright ©2026 Joel Media Ministry e.V.
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.