[1:00] Hallo und herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour. Wir freuen uns, dass ihr wieder eingeschaltet habt auf joelmedia.de und wir begrüßen euch auch ganz herzlich, wenn ihr Amazing Discoveries schaut. Seid willkommen zu einer weiteren Folge unserer Serie Erweckung und Reformation. Und wir hoffen sehr, dass unsere Beiträge euch geholfen haben, das Bibelthema der Erweckung und Reformation besser zu verstehen.
[1:37] Wir haben heute die vorletzte Folge und das Thema heute ist überschrieben mit den Worten: Zerbrochene Beziehungen heilen. Wir bereiten uns damit vor auf das Bibelgespräch am 21. September. Und wir wollen in diesem weiteren Aspekt der Reformation betrachten, wie können zerbrochene Beziehungen heilen. Ich weiß nicht, wie es dir geht, liebe Freunde, liebe Freundinnen, ob in deinem Umfeld es dort Menschen gibt, die an zerbrochenen Beziehungen leiden. Vielleicht sind in deinem Leben auch Beziehungen zerbrochen, in deiner Familie vielleicht, in deinem Freundeskreis, vielleicht in der Gemeinde. Und heute studieren, wie Erweckung und Reformation nicht nur unser geistliches Verständnis verändert, sondern auch unser zwischenmenschliches Erleben auf eine ganz neue Stufe stellt und wir tatsächlich Heilung erleben dürfen.
[2:29] Und um das gut zu verstehen, möchten wir den Heiligen Geist einladen, unsere Gedanken zu führen. Deswegen lade ich dich ein zu einem kurzen Gebet. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir jetzt dein Wort studieren können und dass wir durch dein Wort lernen dürfen, wie Beziehungen, die zerbrochen worden sind, aus welchen Gründen auch immer wieder heil werden können. Bitte gib, dass wir verstehen, wie das möglich ist und dass wir es nicht nur verstehen, sondern an uns selbst erleben und in unseren Beziehungen, die wir haben. Und so bitten wir dich, dass du dieses Wunder möglich machst nach deiner Verheißung. Im Namen Jesu. Amen.
[3:04] Die Apostelgeschichte berichtet nicht nur von den großen Glaubensabenteuern der Apostel und all ihren Wundern, sondern sie berichtet auch von Situationen, die wir nur allzu gut kennen, auch aus der Gemeinde. In Apostelgeschichte 13 und dort Vers 13 wird die Begebenheit berichtet, die sich zu Beginn der ersten Missionsreise zugetragen hat. Paulus war unterwegs mit Barnabas und sie sind noch nicht weit gekommen auf ihre erste Missionsreise und sie hatten jemanden mit sich, der den Namen Johannes Markus trug, ein relativ junger Prediger und Evangelist. Und folgendes eignet sich in Apostelgeschichte 13 und dort Vers 13. Paulus und seine Gefährten aber fuhren von Parthos ab und kamen nach Perge in Pamphylien. Johannes trennte sich jedoch von ihnen und kehrte nach Jerusalem zurück.
[4:06] Kaum hatte die Reise begonnen, kaum waren die ersten Schwierigkeiten überwunden und der Weg war klar und es war allen offensichtlich, dass noch viele, viele Schwierigkeiten auf sie warten würden. Dann hat dieser junge Mitarbeiter im Herrn, Johannes Markus, einfach reiß ausgenommen und hat Paulus und Barnabas verlassen. Nun, beide haben sich wahrscheinlich nicht besonders wohl dabei gefühlt, zu sehen, dass eine ihrer jungen Mitarbeiter sie einfach so im Stich lässt. Und dass das noch einige Zeit später für Nachwehen gesorgt hat, das lesen wir zwei Kapitel weiter in Apostelgeschichte 15. Hier wird jetzt eine weitere Missionsreise angedacht und ab Vers 36 lesen wir folgendes. Apostelgeschichte 15, Vers 36. Nach etlichen Tagen aber sprach Paulus zu Barnabas: Lass uns wieder umkehren und in all den Städten, in denen wir das Wort des Herrn verkündigt haben, nach unseren Brüdern sehen, wie es um sie steht. Paulus sagt zu Barnabas: Lass uns noch einmal all diese Städte besuchen, die wir besucht haben, lass uns da dieses Werk vertiefen. Jetzt sagt Barnabas in Vers 37: Barnabas aber riet dazu, den Johannes, der Markus genannt wird, mitzunehmen. Barnabas sagt, also lass uns diesen Johannes, Markus, wieder mitnehmen.
[5:23] Vers 38: Paulus jedoch hielt es für richtig, dass der, welcher in Pamphylien von ihnen weggegangen und nicht mit ihnen zu dem Werk gekommen war, nicht mitgenommen werden sollte. Plötzlich entsteht da eine Auseinandersetzung zwischen Barnabas, der sagt: Komm, lass uns diesen wieder mitnehmen und Paulus, der sagt: Nein. Er hat seine Chance gehabt und er hat ganz deutlich gezeigt, er ist nicht dazu in der Lage, das Werk zu tun, hat uns verlassen in der wichtigen Situation, wir nehmen ihn nicht mit. Und zwischen diesen beiden erfahrenen Arbeitern im Herrn jetzt, zwischen Barnabas und Saulus, der jetzt Paulus heißt, entspinnt sich eine echte Diskussion, die wirklich heftig wird. In Vers 39 heißt es: Deshalb entstand eine heftige Auseinandersetzung, sodass sie sich voneinander trennten. Hier haben wir zwei der bedeutendsten Evangelisten der Urchristenheit, die nicht mehr zusammenarbeiten konnten wegen ihrer unterschiedlichen Auffassung, wie man mit einem jungen Evangelisten umgehen sollte. Ich glaube, es ist eine wichtige Lektion, die wir hier lernen können, denn so oft geschieht so etwas auch in unserer Zeit, in unserer Gemeinde, in unserer Situation, die wir auch einen ähnlichen Auftrag haben, das Evangelium in die ganze Welt zu bringen und durch, naja, Fehler, die geschehen und unterschiedliche Sichtweisen auf die Fehler, kommt es zu Spaltung und zu Trennung. Das heißt hier: Barnabas nahm Markus zu sich und fuhr mit dem Schiff nach Zypern. Paulus aber wählte sich Silas, Vers 40, und zog aus von den Brüdern der Gnade Gottes anbefohlen.
[6:53] Paulus und Barnabas, dieses fantastische Team, gespalten über die Frage von Johannes Markus. Und das könnte einen fast ein wenig entmutigen, wenn die Bibel nicht noch mehr dazu zu sagen hätte. Zum Beispiel in Kolosser 4 und dort Vers 10 und 11. Das ist wiederum einige Zeit später und Paulus, der den Kolosserbrief schreibt, schreibt hier gegen Ende folgende Worte. Kolosser 4 und dort Vers 10 und 11. Es grüßt euch Aristarchus, mein Mitgefangener, und Markus, der Vetter des Barnabas. Übrigens, hier bekommt man einen Hinweis, warum der Barnabas wohl etwas milder mit dem Markus umgegangen ist, weil er mit ihm verwandt war. Ihr habt seinetwegen Anordnung erhalten, wenn er zu euch kommt, so nehmt ihn auf.
[7:46] Jetzt finden wir Paulus, denselben Paulus, der noch einige Jahre vorher gesagt hat: Mit diesem Markus arbeite ich nicht zusammen. Seine Methode und seine Arbeitsweise, sein Charakter sind nicht geeignet für das Werk Gottes. Jetzt empfiehlt er den Kolossern: Nehmt den Markus auf. Warum? Vers 11. Und Jesus, der Justus genannt wird, die aus der Beschneidung sind, diese allein sind meine Mitarbeiter für das Reich Gottes, die mir zum Trost geworden sind. Was für eine interessante Aussage. Paulus, der Jahre vorher nicht geglaubt hat, dass Johannes Markus irgendeinen Nutzen haben könnte auf dieser Reise, schreibt einige Jahre später, dass Johannes Markus zu den ganz wenigen Mitarbeitern im Werk Gottes zählt, die ihm wirklich geholfen haben, die wirklich zu seinem Trost geworden sind. Ist es nicht ermutigend zu sehen, dass erstens junge Mitarbeiter, junge Evangelisten, junge Leute, die etwas im Werk Gottes tun und vielleicht am Anfang schwere Fehler machen, trotzdem noch zu fähigen Mitarbeitern werden können und dass auch ältere Erfahrene in ihrer Einschätzung sich irren können und sich durch den Geist Gottes auch korrigieren lassen dürfen. So wie Paulus das ganz demütig hier tut.
[8:53] Noch deutlicher wird er dann im 2. Timotheusbrief, einem seiner letzten Briefe überhaupt, wo er an einen anderen jungen Evangelisten an Timotheus folgendes schreibt. 2. Timotheus 4, Vers 11. Dort heißt es: Nur Lukas ist bei mir. Nimm Markus zu dir und bringe ihn mit, denn er ist mir sehr nützlich zum Dienst. Mittlerweile ist Markus einer der wichtigsten Mitarbeiter von Paulus geworden. Ich weiß nicht, wie es dir geht. Vielleicht bist du einer von den jungen Menschen, die in der Vergangenheit grobe Schnitzer begangen haben und die deswegen kaum noch Vertrauen in der Gemeinde genießen. Vielleicht gehörst du zu denen, die Verantwortung haben und die kritisch auf diejenigen schauen, die solche Fehler begangen haben. Aber wir können sehen in der Apostelgeschichte und dann in den Briefen des Paulus, dass die zerbrochene Beziehung zwischen zwei Mitarbeitern im Werk Gottes nicht nur geheilt ist, sondern eine echte Symbiose eingegangen ist, eine echte Vertiefung erlebt hat, sodass tatsächlich Paulus und Johannes Markus in einer besonderen Art und Weise zusammenarbeiten konnten. Und ist nicht interessant, dass eben dieser Johannes Markus, den Paulus zunächst einmal nicht mal geeignet für eine Missionsreise hielt, später einer der vier Evangelisten geworden ist. Wir können uns als Menschen täuschen in der Fähigkeit und dem Potenzial von anderen. Und niemand, selbst ein Paulus, ist so unfehlbar, dass er abschließend beurteilen kann, welcher Mensch welche Aufgabe zufriedenstellend erfüllen kann. Und ich denke, es ist ein Vorrecht zu wissen, dass wir uns an dieser Stelle selbst korrigieren dürfen, dass ich mich korrigieren darf und dass du dich lieber Freund, liebe Freundin korrigieren kannst und darfst in deiner Einschätzung von anderen im Werk Gottes.
[10:39] Und damit sind wir genau bei diesem Thema, dass Beziehungen, die zerbrochen worden sind, wieder heil werden können. Eine andere Begebenheit, die auch mit dem Paulus zu tun hat, die findet sich in dem kleinen, manchmal etwas unterbelichteten Philemonbrief, den wir uns jetzt hier kurz zur Gemüte führen wollen. Im Philemonbrief beschreibt Paulus nicht so sehr große theologische Wahrheiten wie in den meisten seiner anderen Briefe, sondern der Philemonbrief ist eigentlich ein recht persönlicher Brief. Kurz und bündig gehalten geht es darum, dass ein Sklave seinem Herrn, dem Philemon, entlaufen ist. Und Paulus kennt sowohl den Philemon als auch dessen Sklaven und er hat den Sklaven getroffen. Jetzt schreibt er diesen Brief mit der Bitte, dass Philemon diesen Sklaven wieder freundlich aufnimmt, dass diese Beziehung, die zerbrochen ist, wieder heilen kann. Und aus den Zeilen, die der Paulus schreibt, können wir einiges lernen, wie auch wir vielleicht als dritte Person in einem Konflikt zwischen zwei anderen uns hilfreich einbringen können.
[11:45] In Philemon 1 lesen wir: Paulus, ein Gefangener Christi Jesu, und Timotheus, der Bruder an Philemon, unseren geliebten Mitarbeiter. Zunächst einmal tut sich Paulus hier als ein Mitarbeiter Gottes einführen, als einer, der den Philemon liebt und schätzt. Er sagt: Du bist unser geliebter Mitarbeiter. Und in Vers 8 und 9 macht dann Paulus etwas sehr Interessantes, nachdem er einige Worte an Philemon schreibt. Lesen wir folgendes in Vers 8. Die Worte, die er wählt, sind nicht ohne Bedacht. Denn er schreibt dir zugunsten eines Sklaven, der weggelaufen ist. Und er sagt: Ich könnte dir, Philemon, in voller Freiheit etwas gebieten, aber stattdessen möchte ich, dass du weißt, dass ich auch ein Gefangener bin. Ein Gefangener Jesu. Er stellt sich also, obwohl er mit Worten dem Philemon sehr freundlich begegnet, stellt er sich trotzdem auf die Stufe von diesem Sklaven und macht deutlich, dass er etwas gemeinsam hat mit diesem Sklaven. Sie sind beide Gefangene.
[13:10] So sagt es dann in Vers 9: So will ich doch um der Liebe willen. Paulus verzichtet auf das Recht, dass er hätte, einfach etwas zu entscheiden. Um der Liebe willen versucht er, die beiden wieder zusammenzubringen. In Vers 10 lesen wir dann: Ich bitte dich für mein Kind, dass ich in meinen Fesseln gezeugt habe, Onesimus. Onesimus heißt interessanterweise übersetzt: nützlich oder der Nützliche. Und wenn wir Vers 11 weiterlesen, dann sehen wir auch, dass Paulus das Wortspiel daraus macht. Er sagt dann über den Onesimus: Der dir einst unnütz war, jetzt aber dir und mir nützlich ist, ich sende ihn hiermit zurück. Auch hierin finden wir eine ganz interessante geistliche Lehre. Paulus sagt, bevor Onesimus mein Kind wurde, also bevor er ein Christ wurde, Paulus beschreibt die Menschen, die er zu Christus geführt hat, als seine Kinder, war Onesimus unnützlich. Aber durch die Begegnung mit Christus wurde er nicht nur nützlich seinem Herrn, sondern auch dem Apostel Paulus. Lieber Freund, lieber Freundin, vielleicht denkst du, dass dein Leben unnütz ist, dass du nicht wirklich etwas tun kannst. Vielleicht fragst du dich, warum du auf der Welt bist. Paulus macht uns deutlich: In Christus hat jedes Leben seinen Sinn, in Christus wird jedes Leben nützlich. Und selbst wenn wir ein weggelaufener Sklave sind, in Christus wird unser Leben nützlich.
[14:48] In Vers 12 lesen wir dann: Du aber nimm ihn auf wie mein eigenes Herz. Und daran sehen wir, dass Paulus nicht einfach nur die Beziehung oberflächlich kitten wollte, er wollte nicht nur die offensichtliche Auseinandersetzung vermeiden, er wollte nicht nur von außen alles wieder in Ordnung bringen, er wollte, dass dort eine echte Herzensvereinigung stattfindet. Was so immer vorgefallen ist, der Philemonbrief bringt nicht allzu viele Details darüber, was so immer den Onesimus veranlasst hat, den Philemon zu verlassen. Paulus sagt: Nimm ihn wie mein eigenes Herz auf. Gott möchte nicht, dass wir einfach nur Einheit spielen oder Harmonie vorgaukeln, sondern dass wir tatsächlich mit unserem ganzen Herzen echte Einheit haben in der Gemeinde. Könnte sein, dass es Menschen gibt in deiner Gemeinde, die weggelaufen sind sozusagen, die nichts mehr mit dir zu tun haben wollen und vielleicht sogar du ganz im Recht bist. Aber der Philemonbrief lehrt uns, diejenigen wieder aufzunehmen, um die hier gebeten wird.
[16:03] In Vers 14 heißt es: Aber ohne deine Zustimmung wollte ich nichts tun, damit deine Wohltat nicht gleichsam erzwungen, sondern freiwillig sei. Gott zwingt uns nicht zur Einheit, sondern er ermutigt uns zu einer wirklichen freiwilligen Herzensversöhnung und die ist so notwendig. Gott möchte nicht, dass wir einfach nur stillschweigend die Fehler unter den Teppich kehren, sondern er möchte, dass wir wirklich uns versöhnen, dass die zerbrochenen Beziehungen wieder heilen. Auch das ist ja Reformation. Da muss etwas wiederhergestellt werden, was ursprünglich mal gut gewesen ist. Und dazu braucht es die Zustimmung beider Parteien. Bist du von deiner Seite bereit, mit jedem Menschen in Frieden und Harmonie zu leben? Oder gibt es da Menschen, von denen du sagst: Also diesen Menschen könnte ich nicht vergeben und ich bin so froh, dass er nicht zu mir kommt und Vergebung bittet. Bist du wirklich bereit, jedem Menschen, egal was er dir angetan hat, zu vergeben? Das ist das, was Paulus hier anspricht. Gott möchte keine erzwungene, er möchte eine freiwillige Zustimmung, eine freiwillige Versöhnung.
[17:22] Vers 18 lesen wir, und das ist sehr interessant, wie Paulus sich einsetzt. Paulus hat nicht einfach nur einen guten Rat, einen brüderlichen Rat, den er jetzt einfach mal weitergibt und sagt: Du, aus meiner Erfahrung rate ich dir, mach das mal so. Sondern Paulus ist wirklich hinter dieser Sache. Er tut alles in seiner Macht, um diese Versöhnung herbeizuführen. Er sagt sogar in Vers 18: Wenn er dir aber Schaden zugefügt hat oder etwas schuldig ist, so stelle das mir in Rechnung. Vers 19: Ich, Paulus, schreibe es eigenhändig. Wir wissen, der Paulus hat ein Problem mit den Augen gehabt. Die meisten seiner Briefe hat er diktiert. Es gibt nur wenig Briefe, nur wenige Abschnitte, die er selbst geschrieben hat. Und wenn das der Fall ist, dann meistens macht er das deutlich, weil es ihm so wichtig war. Ein anderes Beispiel ist der Galaterbrief. Als seine geliebten Kinder, die er gezeugt hat, die Galaterchristen, plötzlich sich haben abwenden lassen von Irrlehrern und er war so verzweifelt, er schreibt mit eigener Hand. Hier schreibt er mit eigener Hand für diesen Sklaven, Onesimus. Und er hat nicht nur warme Worte, er ist bereit dafür, sogar mit seinem Gut, mit seinem Einkommen gerade zu stehen. Er investiert nicht nur guten Ratschlag, er investiert etwas, er investiert Zeit und Energie. Er ist bereit, sogar finanziell zu investieren, um diese Beziehung wieder zu heilen.
[18:48] Was bist du bereit? Was bin ich bereit? Zu investieren, damit die Beziehung von Bruder X mit Schwester Y wieder ins Reine kommt. Manchmal sehen wir, dass da Probleme sind in der Gemeinde. Wir sind vielleicht nicht selbst betroffen, aber wir sehen, dass es da Fraktion A oder Fraktion B gibt. Wir sehen, dass dort bestimmte Menschen niemals miteinander reden oder vielleicht sogar sich gegenseitig bekämpfen. Aber wir haben so das Gefühl, solange es uns nicht betrifft, halten wir uns da schön fein raus. Das war nicht die Einschulung des Paulus. Paulus hat auch als Unbeteiligter sich eingesetzt für die Versöhnung von anderen. Und er war bereit, nicht nur Zeit zu investieren und Papier, sondern, wenn nötig, sogar etwas von seinem eigenen Geld. Was bist du bereit zu investieren? Was sind wir bereit zu investieren, um wirklich echte, von Herzen kommende Einheit in unseren Gemeinden zu haben? Wäre es nicht an der Zeit, aufzuhören, immer von Einheit zu reden und stattdessen so wieder Paulus in Einzelgesprächen eins zu eins mit Menschen zu ringen und zu kämpfen, dass sie ihren Argwohnen, ihren unbegründeten Hass, ihren Stolz, was auch immer aufgeben und den Bruder, die Schwester wieder ins Herz schließen können. Diese Arbeit eins zu eins, die wirklich zu einer echten Herzensreformation führt. Ich glaube, das ist die Arbeit, die wir mehr tun sollten. In unseren Gemeinden, in unseren Hauskreisen, in unserer Nachbarschaft, wo auch immer. So wie Paulus den Philemon bittet und mit ihm ringt, bis diese Beziehung geheilt ist, so können auch wir mit unseren Mitgeschwistern ringen in Liebe. Nicht herrschsüchtig, wie der Paulus hier ganz deutlich macht. Er sagt: Ich hätte das Recht dazu, aber stattdessen möchte ich ja, dass du ihn liebgefällst. Und deswegen begibt er sich auf diese Ebene und schreibt diesen inspirierten Brief.
[20:50] Warum entsteht überhaupt Streit und Reiberei in der Gemeinde? Wir schauen es uns einmal an in dem ersten Korintherbrief. Die Korinther waren bekannt dafür, dass in ihren Reihen, kurz nach der Gemeindegründung, es zu einigen erheblichen Spaltungen kam. Und die Bibel macht ganz deutlich, es gibt verschiedene Ursachen der Spaltungen. Manche Spaltungen lassen sich nicht vermeiden. Die Bibel macht deutlich, es gibt Spaltungen, die entstehen, damit die Gerechten offenbar werden. Insbesondere dann, wenn Spaltungen durch Irrlehrerinnen kommen, durch Irrlehrer usw., wo es keinen Kompromiss gibt. Aber es gibt auch Spaltungen, die sind unnötig, weil sie einfach nur durch menschliches Denken entstehen. Und eine solche Spaltung finden wir in 1. Korinther 1 beschrieben und dort ab Vers 11.
[21:42] In 1. Korinther 1 ab Vers 11 lesen wir, wie Paulus an die Korinther schreibt: Mir ist nämlich meine Brüder durch die Leute der Chloe bekannt geworden, dass Streitigkeiten unter euch sind. Jetzt erklärt er, was er meint. Ich rede aber davon, dass jeder von euch sagt: Das war ein Problem, das nicht nur einige hatten, sondern die gesamte Gemeinde in Korinth war von diesen Krebs der Spaltung befallen. Das heißt, dass jeder von euch sagt: Ich gehöre zu Paulus, ich aber zu Apollos, ich aber zu Kephas, ich aber zu Christus. Da gab es also Spaltung und Teilung und jeder von ihnen berief sich auf einen Mitarbeiter Gottes, der wirklich eine gute Arbeit gemacht hat. Das waren keine Splittergruppen oder Irrlehrer, sondern es war ein rein menschliches Denken. Der eine mochte Paulus lieber als Apollos, der nächste Kephas als Christus. Und Paulus versucht in diesen Unsinn auszutreiben. In Vers 13: Ist Christus denn zerteilt? Ist etwa Paulus vor euch gekreuzigt worden oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft?
[22:55] Könnte es sein, dass auch wir manchmal genau in diesem Problem leiden, dass da mehrere Gruppen sind, mehrere Menschen, die alle in die gleiche Richtung arbeiten, aber dass diese bekannten Verkündiger so alle ihren gewissen Fanclub haben und diese Fanclubs sich gegenseitig ein bisschen distanziert betrachten. Der eine mag halt Paulus lieber als Kephas, der nächste hält Apollos für den besten Verkündiger. Aber wenn das die Ursache von Streit ist, dann sind wir wirklich sehr, sehr töricht. Und das Problem besteht darin, dass die Korinther zu sehr auf ihre menschlichen Lehrer geschaut haben und geglaubt haben, sie müssten die Jünger von Paulus werden oder die Jünger von Apollos oder die Jünger von Kephas oder von irgendeinem Prediger oder Pastor oder Evangelisten unserer heutigen Zeit. Du kannst da einsetzen, wen du vielleicht im Kopf hast. Es gibt ja einige, die heute recht berühmt geworden sind und die so ihren Anhängerkreis haben.
[24:02] In 1. Korinther 3 und 1. Korinther 5 geht Paulus dann weiter auf dieses Problem ein. 1. Korinther 3 und 1. Korinther 5, er sagt und er bringt das Problem an die Wurzel, er sagt: Wer ist denn Paulus und wer Apollos? Was sind sie anderes als Diener, durch die ihr gläubig geworden seid? Und zwar wie es der Herr jedem gegeben hat. Egal ob Paulus oder Apollos oder wer auch immer, irgendeine Rolle im Werk Gottes spielt, keiner von ihnen hat jemals das Recht oder sollte so empor gehoben werden, dass dadurch Spaltung entsteht. Einer der Hauptgründe für Spaltung und Reiberei in der Gemeinde ist die ungerechtfertigte Erhöhung von Menschen und menschlichem Talent, das Gott gegeben hat und nicht der Mensch selbst hat. Er sagt es dann weiter in Vers 6: Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber hat das Gedeihen gegeben. Vers 7: So ist also weder der etwas, welcher pflanzt, noch der, welcher begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt. Vers 8: Der aber, welcher pflanzt und der, welcher begießt, sind eins. Jeder aber wird seinen eigenen Lohn empfangen, entsprechend seiner eigenen Arbeit. Und dann sagt er in Vers 9: Denn wir sind Gottes Mitarbeiter, ihr aber seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.
[25:17] Statt auf Menschen zu schauen und dann Gruppen zu bilden, die sich gegenseitig bekämpfen, sollten wir auf Christus schauen, denn wenn alle auf Christus schauen, dann ist da echte Einheit. Dieses Übel, Menschen zu sehr zu erheben, ist nicht nur schädlich für die Gemeinde, es kann auch schädlich werden für die Sprecher, für die Evangelisten, die so erhoben worden sind. Und wenn du einen Evangelisten oder einen Prediger zu Fall bringen willst, dann lobe ihn ganz oft und sag ihm, dass er ganz toll predigen kann. Dann bist du ein Instrument Satans. Und genau das sollten wir nicht tun. Wir sollten verstehen, dass Paulus und Apollos und Kephas und Thomas und Jakobus und wie sie alle damals hießen und vielleicht auch heute heißen, dass sie alles nur Mitarbeiter sind und dass der Einzige, der das Gedeihen gibt, Gott ist. Deswegen müssen unsere Augen auf Gott gerichtet sein und wenn unsere Augen wirklich auf Christus gerichtet sind, dann hören zumindest diese Art von Spaltung auf.
[26:32] In 1. Korinther 12 sehen wir dann, dass dieser eine Geist, dieser Heilige Geist, der der ganzen Gemeinde gegeben ist, verschiedene Funktionen, verschiedene Gaben gibt. In 1. Korinther 12 und dort Vers 4 bis 6 heißt es: Es bestehen aber Unterschiede in den Gnadengaben, doch es ist derselbe Geist. Auch gibt es unterschiedliche Dienste, doch es ist derselbe Herr. Und auch die Kraftwirkungen sind unterschiedlich, doch es ist derselbe Gott, der alles in allen wirkt. Daraus können wir zwei Dinge lernen. Erstens, der eine Gott gibt verschiedene Gaben und verschiedene Dienste, die miteinander kombiniert werden sollten. Wir lernen aber auch daraus, dass jeder echte Dienst und jede echte Gnadengabe alle von demselben Gott kommen, nach demselben Prinzip funktionieren und vom selben Heiligen Geist inspiriert sind. Das heißt, sie widersprechen sich niemals. Heutzutage wird manchmal eine Einheit in der Vielfalt propagiert, die ganz anders ist, wo widersprechende Dinge nebeneinander gestellt werden. Aber die Einheit in der Vielfalt, die hier besteht, sind alles Dinge, die alle ohne Widerspruch, ohne Gegensatz aus demselben Geist kommen, vom selben Gott kommen, vom selben Herrn, die alle nach den selben Gesetzmäßigkeiten funktionieren. Ja, es gibt verschiedene Gaben, es gibt verschiedene Talente, es gibt verschiedene Dienste, aber alle funktionieren in völliger Einheit und sind alle schriftkonform, denn wir kommen von einem demselben Geist, der auch die Bibel inspiriert hat. Jede sogenannte Gnadengabe, jeder sogenannte Dienst, jeder sogenannte Talent, das in der Gemeinde eingesetzt wird, das nicht mit der Bibel konform geht, kommt auch nicht vom Heiligen Geist und ist deswegen auch nicht Teil am Leib Jesu.
[28:17] In Vers 12 lesen wir: Denn gleich wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des einen Leibes aber, obwohl es viele sind, als Leib eins sind, so auch der Christus. Auch hier können wir dieses Prinzip wieder anwenden: Der Körper hat verschiedene Körperteile, die alle ihre wichtige Funktion haben, aber doch sind alle Organe, alle Körperteile verbunden mit dem Gehirn und sie alle funktionieren nach den selben Naturgesetzen und sie alle werden von den selben Stoffen ernährt. Das heißt übertragen: Es gibt verschiedene Talente, verschiedene Gaben, aber doch sind alle wahren Gnadengaben, alle wahren Geisteswirkungen, alle wahren Dienste in der Gemeinde, alle unterstellt unter dem einen Kopf Christus. Die funktionieren alle nach den selben Gesetzmäßigkeiten, nämlich nach den zehn Geboten und sind alle in Übereinstimmung mit dem selben Wort Gottes. Und übrigens, diese verschiedenen Gnadengaben und diese verschiedenen Dienste, die Fähigkeiten, die Gott jedem Einzelnen gibt zum Zusammenwirken, von denen heißt es in Vers 7: Jedem wird aber das offensichtliche Wirken des Geistes zum allgemeinen Nutzen verliehen.
[29:33] Warum hat also einer die Gabe der Geistesunterscheidung? Warum hat einer die Gabe der Fremdsprachen? Warum hat einer die Gabe der Übersetzung? Warum hat einer die Gabe des Gesundheitsdienstes und der Heilung? Alles das, was wir in der Gemeinde tun, sollte einem anderen nutzen. Wenn es nicht nützlich ist, ist es keine Geistesgabe. Wenn es nicht anderen hilft, ist es vielleicht nur meine eigene Selbstdarstellung. Daran erkennt man wahre Geistesgaben, dass sie mit der Bibel Übereinstimmung sind und dass sie anderen tatsächlich geistlich nützen. So wie der Onesimus ja nützlich wurde in Christus.
[30:26] Eines der größten Hindernisse dazu ist, dass wir so oft glauben, dass die Talente dazu da sind, um uns selbst ins rechte Licht zu rücken. Und es ist ganz egal, ob man Gemeindeleiter ist oder Heimatmissionsleiter oder was für eine Gabe man noch hat, ob man die Dekoration macht in der Gemeinde oder was es auch immer ist. Die Gefahr besteht, auf sich selbst zu schauen und sich selbst in den Vordergrund zu rücken und zu glauben, dass es an einem selbst liegt, dass das Werk in der Gemeinde vorangeht.
[30:56] In 2. Korinther 10 lesen wir, in 2. Korinther 10 und dort Vers 12, wie Paulus sagt: Denn wir wagen es nicht, uns denen zuzurechnen oder gleichzustellen, die sich selbst empfehlen. Sie aber sind unverständlich, indem sie sich an sich selbst messen und sich mit sich selbst vergleichen. Wenn du am Gottesdienst oder auch in anderen Gemeindeveranstaltungen vergleichst, wie andere deinen Job machen und dann dich selbst mit ihnen vergleichst, dann sagt die Bibel, dann sind wir unverständlich. Wahrscheinlich ist es auch schon passiert, dass du überlegt hast, wie andere deinen Dienst wahrnehmen, ob die anderen das gut finden. Vielleicht möchtest du auch gerne gesehen werden, während du diesen Dienst vollführst. Du bist frustriert, entmutigt, wenn du nicht die Anerkennung bekommst, die du brauchst. Aber das ist nicht so, wie Gottes Gemeinde funktioniert. Ja, wir sollen uns vergleichen, aber nicht mit uns selbst, untereinander, sondern mit Jesus.
[32:07] Und wenn ich mich mit Jesus vergleiche, wenn du dich mit Jesus vergleichst, dann gibt es keinen Grund zum Ruhm, oder? Keinen Grund zur Selbsterhöhung und zum Murren, dass wir nicht genügend Anerkennung bekommen, sondern es gibt allen Grund, dann demütig zu werden und zu sagen: Es gibt noch etwas zu tun in meinem Leben. Und wenn wir verstehen, dass es noch etwas zu tun gibt in unserem Leben, dann können wir auch besser denjenigen annehmen, bei dem wir offensichtlich sehen, dass auch bei ihnen noch etwas zu tun ist. So oft sehen wir ja die Schwächen und Fehler des anderen und unsere eigenen Schwächen und Fehler nehmen wir so kaum wahr. Aber echte Versöhnung, echtes Zusammengehen der Beziehung ist nur dann möglich, wenn wir uns selbst eingestehen, dass wir Veränderung brauchen.
[32:59] In Römer 5 lesen wir folgendes. Römer 5 und dort Vers 8 und 10. Dort lesen wir etwas über Gottes Versöhnungsbereitschaft. Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Vers 10: Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, wie viel mehr werden wir als Versöhnte gerettet werden durch sein Leben?
[33:29] Vielleicht gibt es da jemanden, an den du jetzt gerade denken musst, mit dem du nicht versöhnt bist, wo eine Beziehung zerbrochen ist und du denkst dir in deinem Herzen: Ich müsste, also diese Person muss zuerst zu mir kommen. Wenn ich überlege, was die alles mir angetan hat und wie schlecht sie sich verhalten hat, ich gehe keinen Schritt auf sie zu, sie hat zu kommen. Liebe Freunde, liebe Freundinnen, dann denken wir nicht so wie Gott denkt. Gott hätte allen Grund gehabt so zu denken, denn die einzige Beziehung, die zerbrochen ist in diesem Universum, wo wirklich nur eine Seite Schuld hatte, das ist die Beziehung zwischen dir und Gott. Alle zwischenmenschlichen Beziehungen, die zerbrechen, in aller Wahrscheinlichkeit sind meistens, zumindest anteilig, beide irgendwie ein wenig Schuld. Aber in der Beziehung zwischen Gott und dir lag die Schuld allein auf mir und auf dir, nicht auf Gott. Und trotzdem sagt Gott nicht: Ich warte, bis der Mensch den ersten Schritt auf mich zu geht. Denn Gott weiß, dann wäre die Beziehung niemals zu retten gewesen. Er ging den ersten Schritt. Er hat investiert. Echte Vergebungsbereitschaft geht den ersten Schritt.
[34:47] Bist du, lieber Freund, liebe Freundin, bereit, den ersten Schritt zu gehen auf denjenigen, der dir übel mitgespielt hat? Bist du bereit? Ich möchte mich heute entscheiden, neu bereit zu sein, den ersten Schritt zu gehen. Und vielleicht gibt es tatsächlich jemanden, der dir in den Sinn kommt, wo du sagst: Ja, ich muss mit dieser Person den ersten Schritt gehen. Ich muss auf sie zugehen. Dann zögere nicht, nutze die nächstbeste Gelegenheit und tu das und du wirst sehen, dass Gott Reformation schenkt. Und wenn die andere Person sich vielleicht weigert, dann schenkt es doch auf jeden Fall dir Reformation in deinem Denken.
[35:23] Und dazu gehört auch, dass wir nicht die bösesten und schlimmsten Motive dem anderen unterstellen. Ganz oft ist es ja so, dass wir nicht nur einiges über den anderen wissen, sondern zusätzlich auch noch Dinge ihm unterstellen, von denen wir ganz natürlich ausgehen, dass sie dort wahrscheinlich in seinem Denken vorhanden sind. Aber wie anders ist das Beispiel von Jesus in Lukas 23 und dort Vers 33 und 34. Wir sehen hier Jesus bei seiner Kreuzigung. Und es braucht kein prophetisches Wissen, um ahnen zu können, dass im Herzen dieser Kriegsknechte wirklich böse Gedanken gewesen sind, unheilige Gedanken. Und trotzdem sagt Jesus in Lukas 23, Vers 33 und 34: Und als er in den Ort kam, den man Schädelstätte nennt, kreuzigten sie dort ihn und die Übeltäter, den einen zur rechten, den anderen zur linken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Kannst du so über diejenigen reden, die dir übel mitspielen? Sie wissen nicht, was sie tun, vergib ihnen, Vater. Vergib ihnen, Vater.
[36:34] Kannst du dem anderen gute Motive unterstellen oder zumindest Unwissenheit? Als Gott nach dem Sündenfall zu Adam kommt in 1. Mose 3, da lesen wir, wie er Worte wählt, die förmlich suggerieren: Adam, ich gehe nicht davon aus, dass du das getan hast. In Vers 11: Das sprach er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du etwa von dem Baum gegessen, von dem ich dir geboten habe, du solltest nicht davon essen? Gott zeigt in seiner Handlungsweise immer wieder, dass er immer von den Besten ausgeht, von den edelsten Motiven. Und er ist dann dadurch natürlich wirklich enttäuscht, weil es anders ist. Ganz anders als wir, die wir oftmals den Menschen sogar schlechtere Motive unterstellen, als sie wirklich haben. Wir sollten uns hier ganz deutlich ein Bild, ein Beispiel von Gott nehmen.
[37:34] Versöhnung, das ist unsere Botschaft. Paulus macht uns darauf aufmerksam in 2. Korinther 5, oder Vers 20. 2. Korinther 5, Vers 20: So sind wir nun Botschafter für Christus, und zwar so, dass Gott selbst durch uns ermahnt. So bitten wir nun stellvertretend für Christus. Ja, in einem gewissen Sinne sind wir Stellvertreter Christi. In welchem Sinne? Lasst euch versöhnen mit Gott. Ja, unsere Botschaft ist die 3. Engelsbotschaft. Es ist die letzte Botschaft an eine sterbende Welt. Aber sie besteht nicht darin, einfach Informationen vor die Tür zu werfen und zu sagen: Nimm das. Sondern es ist eine innige Bitte, so wie Paulus mit Philemon ringt und bittet: Lass dich versöhnen. Ich glaube, diese Geschichte von Paulus, der mit Philemon spricht, ist doch ein Bild für den Fürsprachedienst Jesu, der ringt, dass die Beziehung zwischen Gott und Mensch wiederhergestellt wird. Und wenn wir Versöhnung predigen, dann ist es Gott, der durch uns ermahnt. Denn ich glaube, fast jeder Mensch, mit dem wir sprechen, der hat einen Menschen, mit dem er nicht versöhnt ist. Möchtest du, dass Jesus durch dich spricht, dann predige die Botschaft der Versöhnung, der echten Versöhnung, nicht des faulen Kompromisses, sondern der echten biblischen Versöhnung.
[39:06] Denn Sünde trennt von Gott, aber Jesus ist für uns zur Sünde geworden. In Vers 21 heißt es: Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht. Jesus hat die Trennung erlebt, damit wir wieder Gemeinschaft erleben dürfen, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden.
[39:24] Was also tun, wenn du jetzt weißt, da gibt es ein Problem? Ich will mit einem Menschen nicht versöhnt. Lass Epheser 4, Vers 26 dein Motto sein. Dort heißt es in Epheser 4, Vers 26: Zürnt ihr, so sündigt nicht. Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn. Wenn du das heute anschaust und dir heute diese Person vorstellst, und es irgendeine Möglichkeit gibt über Internet, Telefon oder was auch immer, nutze die Gelegenheit und versöhne dich mit dieser Person.
[40:00] In Vers 29 heißt es: Kein schlechtes Wort soll aus eurem Mund kommen, sondern was Gutes, Erbauung, Versöhnung. In Vers 29 heißt es: Kein schlechtes Wort soll aus eurem Mund kommen, sondern was Gutes, Erbauung, wo es nötig ist, damit es den Hörern Gnade bringe. Was ist der Effekt unserer Worte, die wir so tagtäglich sagen, auch in der Gemeinde? Welche Tendenz haben deine Worte? Tendieren die dazu, etwas aufzubauen oder etwas niederzureißen? Manchmal reißen wir nieder und sind vielleicht dabei theologisch sogar richtig. Aber wie viel schöner wäre es, wenn wir theologisch vollkommen richtig sind und gleichzeitig aufbauen, gleichzeitig Versöhnung erringen.
[40:55] Was also tun, wenn Sünde geschieht in der Gemeinde? Damit wollen wir es schließen in Matthäus Kapitel 18. Da gibt es meistens zwei Positionen, die eingenommen werden. Die eine ist: Der Sünder muss ausgeschlossen werden und er wird behandelt wie ein Verbrecher. Viele sind dadurch aus der Gemeinde getrieben worden und wollen von Christus nichts mehr wissen. Die andere Position ist die, dass man sagt: Ist ja alles nicht so schlimm, Jesus hat uns trotzdem lieb, ich bin auch nicht besser als du, also lassen wir alles so, wie es ist. Das ist eine todesgefährliche Position. Denn wenn Sünde in der Gemeinde gelassen wird, ein wenig Sauerteig durchsäugt den ganzen Teig, dann wird früher oder später die ganze Gemeinde lahmgelegt und letztendlich unfähig gemacht. Das Einzige, was wir tun können, wir können dem Rat von Matthäus folgen.
[41:51] Matthäus 18:15 heißt es: Wenn aber dein Bruder an dir gesündigt hat, so geh hin und weise ihn zurecht unter vier Augen. Weise nicht deinen Nächsten über die Sünde deines Bruders hin, sondern weise deinen Bruder direkt zurecht. Hörte auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Das ist das Ziel. Das Ziel ist nicht die Sünde publik zu machen, das Ziel ist den Bruder, die Schwester zu gewinnen. Ist das dein Motiv, wenn es darum geht, mit Sünden in der Gemeinde umzugehen? Oder geht es nur darum, Recht zu haben? Ist es dein Motiv, den Bruder, die Schwester zu gewinnen? Es ist auf jeden Fall das Motiv von Jesus.
[42:37] Und dann heißt es in Vers 16, 17. Und es ist sehr wichtig, dass wir das nicht außen vor lassen: Hört aber nicht, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit jede Sache auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen beruht. Hört aber auf diese nicht, so sage es der Gemeinde. Hört aber auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide oder ein Söldner. Die Bibel lehrt, einem Sünder, der seine Sünde nicht lassen will, dieser Sünder muss aus der Gemeinde ausgeschlossen werden. Dann führt kein Weg vorbei. Aber warum? Hat Jesus damit im Sinn, dass wir dann mit dieser Person keinen Kontakt mehr haben? Nein, Jesus sagt, er sei dir wie ein Heide oder wie ein Söldner. Das heißt, wir sollen mit dieser Person reden und sprechen, wir sollen sie behandeln wie einen Heiden oder wie einen Söldner. Und die Frage ist: Jesus, unser Vorbild, wie hat er mit Heiden und mit Söldnern gesprochen und Umgang gehabt?
[43:32] Schauen wir in Matthäus 9, und dort Vers 11. Dort heißt es: Und als die Pharisäer es sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst euer Meister mit den Söldnern und Sündern? Jesus hat mit den Söldnern und Sündern gegessen, er hat sie geliebt, er hat sie wieder gewinnen wollen. Was soll unsere Einstellung also sein zu demjenigen, der vielleicht sogar wegen seiner Sünde, die er nicht aufgeben wollte, ausgeschlossen werden musste aus der Gemeinde? Er soll ein Sein werden, Heide oder ein Söldner. Wir sollen mit ihm Gemeinschaft haben, um ihn wieder zu gewinnen.
[44:05] Also was ist Jesu Ratschlag, wenn Sünder in der Gemeinde ist? Sprich mit der Person alleine, um sie zu gewinnen. Wenn das nicht funktioniert, nimm zwei oder drei mit, um sie zu gewinnen, diese Person. Wenn das nicht funktioniert, sag es der ganzen Gemeinde, damit vielleicht die ganze Gemeinde diese Person gewinnt. Und wenn das nicht funktioniert, dann muss er ausgeschlossen werden, damit er gewonnen werden kann.
[44:34] Lieber Freund, liebe Freundin, möchtest du ein Seelengewinner sein, nicht nur von draußen nach drinnen, sondern auch innerhalb der Gemeinde? Möchtest du zerbrochene Beziehungen heilen? Und vielleicht sogar in deinem eigenen Leben die Beziehungen in Ordnung bringen, die jetzt noch nicht geheilt sind? Gott gebe uns, dass wir diese Reformation ebenfalls erleben. Denn was nützt eine Gemeinde, an der theologisch alles reformiert ist, aber die Geschwister nicht miteinander reden? Wir brauchen eine echte Reformation im Kopf und im Herzen, die sich sichtbar in der ganzen Gemeinde ausdrückt. So lade ich dich ein, diese Reformation auch in deinem Leben zu erleben.
[45:14] Nächste Woche wollen wir den letzten Aspekt der Reformation betrachten, das große Finale unserer Serie Erweckung und Reformation, wenn es darum geht, was ist unser Auftrag? Und wie kann dieser Auftrag erfüllt werden? Und das dürft ihr unter keinen Umständen verpassen. Schaltet wieder ein und seid herzlich willkommen dann. Bis dahin wünschen wir euch Gottes Segen beim Studium seines Wortes und bei der Erfahrung einer Wahrheit. Amen.