In dieser Predigt spricht Gerhard Padderatz über das Thema „Leben als Mission“ und wie jeder Einzelne als Zeuge Jesu Christi dienen kann. Er betont, dass wir unweigerlich Zeugen sind, ob wir es wollen oder nicht, und ermutigt dazu, aktiv und bewusst Zeugnis abzulegen. Anhand von persönlichen Erlebnissen und biblischen Beispielen zeigt er auf, wie wichtig es ist, sich unter die Menschen zu mischen, ihre Bedürfnisse zu erkennen und ihnen mit Mitgefühl und Liebe zu begegnen. Die Predigt unterstreicht die Bedeutung der richtigen Einstellung, des Vertrauens auf Gottes Führung und der Nutzung alltäglicher Gelegenheiten, um die Botschaft Jesu weiterzugeben.
ASI Tagung Bogenhofen 2014: 6. Leben als Mission
Gerhard Padderatz · ASI Tagung BogenhofenWeitere Aufnahmen
Serie: ASI Tagung Bogenhofen
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Transkript
[0:00] Liebe Gemeinde, liebe Gäste, liebe Teilnehmer der ASI-Tagung, ich freue mich, dass ich hier bei euch sein kann. Es ist immer wieder eine Freude, in Bogenhofen zu sein. Und ich muss dem Beleuchtungsmeister ein besonderes Kompliment machen. Ich weiß nicht, ob es euch aufgefallen ist, gerade als wir das Lied sangen: „Auf, denn die Nacht wird kommen“, ging das Licht an und der Raum erstrahlte. Habt ihr es gemerkt? Ist das nicht genau, worum es geht? Draußen in der Welt wird es dunkel und in der Gemeinde haben wir das Licht, und dieses Licht haben wir das Vorrecht, hinauszutragen in die dunkle Welt. Sehr schön, also wer immer das Licht angeknipst hat, ich weiß nicht, ob es beabsichtigt war, aber das war ein Meisterstück. Vielen Dank.
[1:10] „Leben als Mission“ ist das Thema unserer heutigen Predigt. Und das ist auch in leicht abgewandelter Form das Thema unserer ASI-Tagung. Vor vielen Jahren gab es in Norddeutschland eine Adventistin, die wohnte in einem Wohnblock mit mehreren Parteien. Und jeden Sabbatmorgen nahm sie ihre Einkaufstasche und steckte ihre Bibel und ihre Lektion rein und ging zum Gottesdienst. Und eines Tages sagte sie ganz stolz zu dem Prediger: „Weißt du, ich lebe jetzt schon 20 Jahre in diesem Wohnblock und noch niemand hat herausgefunden, dass ich Siebentagsadventistin bin.“ Kennt ihr solche Leute? Ich will keine Hände sehen, ob jemand von euch auch dazu… nein, du hast die Hand nicht deshalb gehoben. Also, das ist genau das Gegenteil von unserem Thema.
[2:30] Jesus hat gesagt: „Ihr werdet meine Zeugen sein.“ Ob wir es wollen oder nicht, ob wir es wissen oder nicht, ob wir es bewusst tun oder nicht, ist nicht das Thema. Wir werden die Zeugen Jesu sein. Also, vor zwei Jahren etwa bekamen meine Frau und ich eine Einladung zu Nachbarn. Die wollten uns näher kennenlernen, sie wollten uns zu einem kleinen Essen einladen. Und meine Frau hat mich dann versucht, ein wenig vorzubereiten. Aber red nicht so viel über unseren Glauben, sie geniert sich noch ein bisschen. Sie weiß vor allem, dass wenn es ums Essen geht, dass ich dazu neige zu sagen: „Wollen wir nicht vorm Essen beten?“ Und wenn die Leute das nicht gewohnt sind, ja, dann ist das manchmal eine peinliche Situation. Und wir kamen hin und wir setzten uns und der Tisch war gedeckt und die Dame des Hauses sagte: „Sie als Adventisten beten doch auch immer vor dem Essen, wollen wir zusammen beten?“ Die wussten genau, wer wir sind. Ich weiß nicht, woher sie es wussten, aber bevor wir auch nur den Mund aufmachen konnten, wussten diese Leute, dass wir Adventisten sind. Wir sind Zeugen Jesu, ob wir es wollen oder nicht. Die Menschen wissen viel mehr über uns, als wir denken. Für manche ist das ein schwieriges Thema. Oft ist es Angst und Scham, das uns davon abhält, den Mund aufzumachen und unseren Glauben zu bezeugen.
[4:34] Ich möchte mit euch zwei Verse aus der Apostelgeschichte lesen. Sie stehen in Apostelgeschichte 4. Zunächst Vers 13. Da heißt es: „Als sie aber die Freimütigkeit von Petrus und Johannes sahen und erfuhren, dass sie ungelehrte Leute und Laien seien, verwunderten sie sich und sie erkannten, dass sie mit Jesus gewesen waren.“ Ist das nicht die Geschichte von uns, den meisten von uns? Gut, wir sind vielleicht nicht ungelehrte Leute, aber wir sind keine ausgebildeten Theologen, wir sind keine Berufsprediger, die meisten von uns nicht. Und dennoch haben wir das Vorrecht, Zeugnis zu geben. Wie heißt es hier? „Und sie erkannten, dass sie mit Jesus gewesen waren.“ Das ist der entscheidende Punkt. Erkennen die Menschen in unserem Umfeld, wo immer wir sind, dass wir mit Jesus gewesen sind oder vielleicht immer noch mit Jesus sind? Und weiter denn in Vers 20: „Wir wissen, dass der Hohe Rat die Stadtväter Petrus und Johannes zum Schweigen bringen wollten.“ Und in Vers 20 heißt es: „Sie antworteten: Da sagten sie: Denn es ist uns unmöglich, nicht von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“ Wir können nicht schweigen, wir können es nicht für uns behalten. Es quält geradezu über. Wir müssen davon reden. Aber wichtig ist, was wir gesehen und gehört haben. Haben wir etwas gesehen, haben wir etwas gehört? Wenn es so ist, schweigt nicht.
[7:01] Ich meine, die mich kennen, die wissen, dass ich mir gewisse Dinge angewöhnt habe, um das Glaubensgespräch zu eröffnen. Also ich habe euch schon mal davon erzählt, dass ich gerne… also in Amerika fragt man ja immer gerne: „Wie geht es dir? How are you?“ Und dann sage ich immer: „Ach, es geht mir besser, als ich es verdiene.“ Ja, wenn sich die Leute wundern, haben wir dann die Gelegenheit zu sagen: „Wenn Gott mich so behandeln würde, wie ich es verdiene, würde es mir nicht so gut gehen, wie es mir geht. Es ist aus Barmherzigkeit, dass es mir gut geht.“ Inzwischen lebe ich ja im Grüß-Gott-Land in Bayern und jeder sagt zu mir: „Grüß Gott!“ Und ich habe mir jetzt gerade so überlegt, ich möchte darauf antworten: „So etwa werde ich gerne tun, wenn ich das nächste Mal mit Ihnen rede. Ja, grüß Gott, gerne, wenn ich ihn das nächste Mal sehe, rede ich mit ihm, sage ich ihm das. Oder sagen Sie mir noch bitte Ihren Namen, damit ich weiß, von wem ich ihn grüßen soll.“ Ja, ich meine, so viele Menschen sagen „Grüß Gott“ und sie meinen es gar nicht und wissen gar nicht, was sie da sagen. Und vielleicht ist das ein Anknüpfungspunkt.
[8:36] Also, wenn wir über dieses Thema sprechen: „Leben als Mission, Leben als Zeugnis“, dann müssen wir uns zunächst einmal anhören, was Ellen White dazu gesagt hat. Ihr kennt das vielleicht. Sie sagt: „Die einzige Methode, die wirklich funktioniert, ist die Methode Jesu.“ Er mischte sich unter die Menschen und wollte ihr Wohl. Ja, als ASI sagen wir: „Christus auf dem Marktplatz des Lebens bezeugen.“ Er mischte sich unter die Menschen. Ich meine, das machen wir jeden Tag oder fast jeden Tag, wenn wir einkaufen gehen, wenn wir in der U-Bahn sind, wenn wir irgendwo sind, wo viele Menschen sind, da mischen wir uns unter das Volk. Aber das reicht nicht. Und wollte ihr Wohl. Er mischte sich unter das Volk und er wollte ihr Wohl. Er hat sich nicht die Werte der Gesellschaft aufdrängen lassen, sondern er hat eine Absicht gehabt. Er wollte das Wohl.
[9:45] Also, ich habe mal Multi-Level-Marketing gemacht. Weiß jemand, was das ist? Strukturvertrieb, Schneeballsystem, ja, man hat ein Produkt und man sucht Mitarbeiter, die das auch mit vertreiben, verkaufen und bringt ihnen bei, wie sie neue Mitarbeiter rekrutieren und ihr kennt das, nicht? Ja, und das geht so weiter und bei jedem Verkauf bekommt immer derjenige in dieser Pyramide, der da drüber ist, immer einen bestimmten Prozentsatz des Umsatzes ab. Und wenn man es richtig macht und eine richtig große Organisation hat und viele Leute in dieser Struktur hat, dann kann man richtig gut Geld verdienen. Also, vor vielen Jahren habe ich das mal gemacht. Und das ging auch recht gut. Also, irgendwann gehörte ich zu den besseren Verkäufern und ich wurde eingeladen zu einer großen Tagung nach Phoenix, Arizona, in den Vereinigten Staaten. Ich verwechsel das immer noch. Und da war ich, das war wie so eine Art Generalkonferenz und da waren ein paar Tausend Menschen mit strahlenden Gesichtern, voller Begeisterung und die gingen nach vorne und haben Zeugnis gegeben davon, wie sie es geschafft haben, noch mehr Leute in ihre Organisation zu bekommen und wie viel Geld sie jetzt verdienten. Und ich saß da und zum ersten Mal hat es mich so richtig getroffen und ich habe gesagt: „Oh oh, wo bist du hier, was machst du hier eigentlich?“ Das ist ja wie auf der Generalkonferenz. Und mir wurde in dem Moment bewusst, dass das eine Kopie der Missionsmethode Jesu war, was da passierte. Und mir wurde bewusst: Ich kann nur das eine oder das andere. Entweder erfolgreich sein in der Rekrutierung von Mitarbeitern, damit ich noch mehr Geld verdiene, oder ich kann meine Kontakte, die ich täglich mache, dafür nutzen, um mit ihnen über Jesus zu sprechen und über die Adventbotschaft. Und in dem Moment habe ich mich entschlossen, das war das letzte Mal und ich bin von Phoenix, Arizona nach Hause gefahren und habe keinen Strukturvertrieb mehr gemacht. Ich möchte niemandem das Leben schwer machen oder das Herz schwer machen, der so etwas macht heute. Vielleicht können andere das anders, kriegen beides hin, herzlichen Glückwunsch, wäre toll. Ich konnte es nicht.
[12:33] Also weiter: Er mischte sich unter die Menschen und wollte ihr Wohl, nicht ihr Geld, nicht ihre Mitarbeit, ihr Wohl. Er zeigte Mitgefühl. Wir wissen, wie das geht. Habt ihr das auch schon mal erlebt? Ihr trefft jemanden auf der Straße, der freut sich, euch zu sehen und er fängt an zu reden und erzählt und erzählt und erzählt und das dauert eine halbe Stunde, vielleicht eine ganze Stunde und ihr habt kein einziges Wort gesagt und dann sagt er: „Ach, das tut immer so gut, sich mit Ihnen zu unterhalten.“ Habt ihr das schon mal erlebt? Das ist Mitgefühl. Wenn wir dabei bleiben, wenn wir still sind und zuhören. Er zeigte Mitgefühl, er diente ihren Bedürfnissen. Okay, viele Menschen haben auch wirtschaftliche Bedürfnisse, aber die meisten Menschen haben emotionale Bedürfnisse, sie sehnen sich nach Annahme, nach Anerkennung, nach Liebe. Er diente ihren Bedürfnissen und gewann ihr Vertrauen. Es ist viel wichtiger, dass wir Freunde sind, als dass wir Freunde gewinnen. Versteht ihr den Unterschied? Es ist wichtiger, dass wir Freunde sind, so gewinnen wir Vertrauen und dann lud er sie ein, ihm zu folgen.
[14:15] Es ist wichtig, diese Reihenfolge. Und das Volk mischen. Ich weiß, es ist eine Herausforderung für Menschen, die so im irdischen Kanaan leben, in einer Schulgemeinde, wo die Freunde praktisch nur Adventisten sind. Es ist toll. Ich habe das auch genossen, als Missionar in Afrika auf einem Campus im Busch mit lauter netten Leuten zusammen zu sein. Aber das, was Jesus hier empfiehlt, ist, dass wir uns und das Volk mischen, dass wir mit Menschen zusammen sind, die ihn noch nicht kennen, um sie mit ihm bekannt zu machen.
[14:59] Ich möchte noch einmal auf unseren Text, der zum Eingang gelesen wurde, zurückkommen. Apostelgeschichte 1, Vers 8. Wir lesen da manchmal so ein bisschen drüber hinweg. Da heißt es, das sagt Jesus, kurz bevor er in den Himmel auffuhr. Das heißt, das war eine wichtige Botschaft, denn wenn man sich verabschiedet, um auf eine sehr, sehr lange Reise zu gehen, dann überlegt man sich, was man sagt. Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist.“ Das heißt, da wird etwas Neues geschehen, da wird etwas hinzugefügt, was vorher nicht da war. Wer vorher kraftlos war, wer keinen Mut hatte, wer eine schwere Zunge hatte, der bekommt hier etwas zugesagt: Kraft durch den Heiligen Geist. „Und ihr werdet meine Zeugen sein.“ Nicht ihr müsst meine Zeugen sein oder bitte seid meine Zeugen, nein, ihr werdet, ihr könnt gar nicht anders. In Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde. Das schließt Österreich und Deutschland mit ein, soweit ich weiß.
[16:31] Aber dazu brauchen wir die richtige Einstellung. Also, ich muss in diesem Zusammenhang immer an Valentin Schön denken, den Mann aus dem Baltikum, der Deutsch sprach und der relativ früh in seinem Leben nach Südamerika gegangen ist als Missionar und als leitender Mann in der Gemeinde, später war er in der Generalkonferenz. Er sprach immer davon, dass wenn er durch die Straßen ging, sah er Kandidaten für den Himmel. Ist das nicht die richtige Einstellung? Wir sehen einen Menschen und sagen: „Das ist ein Kandidat für den Himmel.“ Okay, das ist sehr idealisierend. Ich weiß, wenn ich auf der Autobahn mit über 200 fahre und da macht jemand einen Parkversuch in der linken… also nicht in Österreich, ja, nicht in Österreich, aber ja. Und da ist jemand im Wege, dann denke ich nicht immer daran: „Das ist auch ein Kandidat für den Himmel.“ Aber es ist, glaube ich, gut, wenn wir öfter daran denken, dass die Menschen, die wir treffen, Kandidaten für den Himmel sind.
[18:44] Vielleicht kennt ihr den Ratschlag eines Kirchenvaters, der zu seinen Jüngern immer gesagt hat: „Okay, und jetzt geht hin und erzählt allen Menschen alles über Jesus, was ihr wisst. Und wenn nötig, tut es mit Worten.“ Eine interessante Botschaft, nicht? Das heißt, wenn unser Leben, das was wir sind, nicht ein Zeugnis Jesu ist, dann ist es vielleicht besser, wenn wir nicht über Jesus sprechen, weil es nämlich ansonsten einen Widerspruch geben könnte. Also, ich muss in diesem Zusammenhang an eine Begebenheit denken, die noch nicht so lange zurückliegt. Wir haben gute Freunde aus Norddeutschland. Sie sind noch nicht so lange unsere Freunde. Sie sind durch den Tod meiner Schwiegermutter und meiner Schwägerin zu guten Freunden geworden. Unser Alter etwa, also so um die 90, nein, nicht ganz, also unser Alter etwa. Aber vom Glauben haben die keine Ahnung. Also, ja, ob Gott existiert, glaube ich nicht. Bibel, was ist das? Altes Buch. Aber es sind liebe, nette Leute. Im letzten Jahr, also so um die Osterzeit, da wollten meine Frau und ich, ach ja, wir wollten eine größere Reise machen und wir suchten jemanden, der das Haus behüten kann in der Zeit und sich um die Katzen kümmert und so. Und da fielen uns unsere Freunde. Wir sind ja jetzt unten, ganz unten im Kreis Garmisch-Partenkirchen, nicht weit von der österreichischen Grenze entfernt, 35 Minuten. Und wir sagten: „Mensch, rufen wir die doch an.“ Also, er ist da unten zur Schule gegangen und wir wissen, dass sie die Gegend mögen. Haben wir gesagt: „Habt ihr Lust zu kommen?“ „Ja, gerne.“ Okay, dann kommt doch ein bisschen früher und bleibt ein bisschen länger, sodass wir vor und nach unserer Reise noch ein bisschen Zeit zusammen verbringen können. „Ja, das wollten sie machen.“ Okay, das Nächste, was ich hörte über meine Frau war: „Ja, die kommen am Sabbat, kommen sie in München an und wir treffen sie dann dort.“ Oh, das ist nicht so gut. Es wird doch eigentlich schöner, wenn die schon am Freitag kommen, dann können die mit zum Gottesdienst gehen. Und meine Frau bremste mich da wieder: „Vielleicht wollen die das ja nicht. Ja, dräng sie doch nicht mit Religion und so.“ Ich sage: „Okay, ich rufe sie mal an und frage sie mal.“ Habe sie angerufen und gesagt: „Habt ihr Lust, vielleicht schon am Freitag zu kommen?“ „Ja, gerne, wir kommen am Freitag.“ Also kamen sie am Freitag. Ich sage: „Komm, wir machen das einfach so, wenn sie hier sind, dann sagen wir, und morgen fahren wir zum Gottesdienst, wenn ihr Lust habt, könnt ihr mitkommen.“ „Ja, ja“, sagte meine Frau, „aber vielleicht wollen sie sich ein Museum in München angucken oder so, das können sie ja machen, wir müssen sie ja nicht bedrängen.“ Ich sage: „Einverstanden.“ Die waren da, ich sagte: „Und morgen fahren wir zum Gottesdienst nach München, habt ihr Lust mitzukommen?“ „Ja, wir kommen gerne mit.“ Also sind wir zusammen nach München in die Tizianstraße gefahren und es war ein schöner Sabbat, der Gottesdienst, und danach waren wir eingeladen bei Freunden. Es war ein wunderschöner Frühlingstag, wir saßen im Garten bei Freunden unter dem blühenden Kirschbaum, um einen langen Tisch, und es waren andere adventistische Freunde da und unsere Gäste, unsere Newcomers. Die haben gesehen, wir haben uns umarmt und wir haben uns gelacht und wir haben gute Gespräche geführt und gutes Essen gehabt, und es war eine so wunderbare, herzliche Gemeinschaft. Ihr wisst ja, das beste Argument, um jemanden vom Sabbat zu überzeugen, ist, jemanden einzuladen, einen Sabbat mit uns zu verbringen, stimmt's? Das bessere Argument gibt es nicht, wenn wir einen richtigen, schönen Sabbat zusammen feiern können. So, und sie waren da und haben also mit offenen Augen und offenen Ohren da gesessen, haben nicht viel gesagt, sind nach Hause gefahren. Okay, wir haben sicher noch so manches gute Gespräch gehabt. Aber dann verging ein Jahr, und in diesem Jahr wollten wir wieder wegfahren für einige Wochen. Wir sagten: „Oh, wir brauchen wieder jemanden, der das Haus bewacht und die Katzen füttert, wollen wir die wieder anrufen?“ „Ja, das machen wir.“ Angerufen, meine Frau im Vorfeld, aber vorsichtig, ja. Ich sagte: „Vielleicht kommen die auch wieder mit zur Gemeinde und so, ja, aber wenn sie nicht wollen, bedrängen sie nicht, bedrängen sie nicht.“ Meine Frau ist sehr auf Etikette ausgelegt und sie möchte wirklich niemandem zur Last fallen. So, ich rufe sie an, oder nein, meine Frau ruft sie an: „Hättet ihr Lust wieder zu kommen?“ „Ja, aber wir möchten gerne auch mit zur Gemeinde kommen.“ Meine Frau verstand die Welt nicht mehr. Die wollten mit zur Gemeinde kommen. Gott, Glaube, Bibel, kein Thema, aber zur Gemeinde wollten sie kommen. Okay, und es spielte sich etwa das Gleiche wieder ab. Wieder ein wunderschöner Frühlingstag, es war eine gute Predigt, nach dem Gottesdienst zu den Freunden, zu denselben Freunden, es waren wieder die gleichen Freunde da und noch ein paar neue dazu, und wir hatten eine so herzliche Gemeinschaft und dann sind wir nach Hause gegangen und dann saßen wir im Wohnzimmer am späten Nachmittag oder am Abend und ich merkte, wie unserem Freund, dem Wolfgang, etwas durch den Kopf ging, etwas bewegte. Er saß da und dann platzte es aus ihm heraus und er sagte: „Wie kann ich Adventist werden?“ Also, das hat mir so gut gefallen. Sowas haben wir bei uns nicht, so gute Freunde gibt es bei uns nicht. Also, wir haben ja auch viele Freunde, aber das ist einfach einmalig. Und was muss ich tun, um Adventist zu werden? Ich sagte: „Naja, an Gott glauben würde helfen, stimmt das? Ja, und die Bibel ein bisschen zu studieren und zu kennen würde auch helfen.“ Aber warum erzähle ich die Geschichte? Wir sind ein Zeugnis. Keiner von uns war sich dessen bewusst, dass er jetzt hier Adventbotschaft verkündigt. Keiner von uns war sich dessen bewusst, dass er jetzt daran arbeiten muss, jemanden ins Reich Gottes zu bringen. Wir waren einfach Christusnachfolger und diese Atmosphäre alleine hat diesen Mann schon dazu gebracht, dass er sagt: „Dazu möchte ich auch gehören, was muss ich tun?“
[25:33] Übrigens, noch einen kleinen Nachsatz dazu. Zu der Zeit arbeitete ich gerade an dem Artikel über den Noah-Film für InfoVero. Ihr wisst ja, die erste adventistische Zeitschrift, die über den Zeitschriftenhandel in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertrieben wird. Ich dachte mir, da wird gerade der Noah-Film in der Nachbarschaft gezeigt, eigentlich müsste ich den Film gesehen haben, damit ich nicht wie ein Blinder über die Farbe schreibe. Also, ich wollte so einen Kasten machen und ein paar Bildunterschriften, jemand anders hatte den Artikel geschrieben, aber ich wollte ein bisschen Substanz noch haben. Und ich hörte, dass in der nächsten Ortschaft, also 20 Minuten entfernt, der Film gezeigt wurde. Das war am Ostermontag. Und so sagte ich so in die Runde zu meiner Frau und zu unseren Freunden, ich sage: „Am Montag würde ich mir ganz gerne den Noah-Film angucken, hat jemand Lust mitzukommen?“ „Ja, da kommen wir alle mit.“ Und dann war es meine Frau, die sagte: „Ja, aber wenn wir das tun, dann sollten wir uns vorher mal genau angucken, was in der Bibel über Noah und die Sintflut geschrieben steht, damit wir vergleichen können, wie gut das ist.“ Ich sage: „Prima Idee.“ Und dann haben wir uns hingesetzt und hatten eine Bibelstunde über Noah und seine Welt und über die Sintflut und die Arche und den Regenbogen und über all das, was das bedeutet und die Gerechtigkeit Gottes. War eine wunderbare Bibelstunde. Dann sind wir ins Auto gestiegen und sind nach Weilheim gefahren, also südlich von München, und haben uns den Film angesehen. Der Film, wer den noch nicht gesehen hat, ihr könnt euch das sparen, der ist absoluter Schrott. Das ist ein so schlechter Film. Und als wir rauskamen, am Ende auch diese wirklich armselige Entschuldigung für einen Regenbogen, das war so, als wenn da Atomstrahlung von der Sonne ausgeht, das war wirklich nichts. Und meine Frau war ganz erregt und sie sagte: „Man kann sicherlich gewisse Freiheiten in so einen Film mit einbauen, aber die Botschaft muss am Ende noch stimmen. Die Botschaft darf nicht verfälscht werden. Hier, Noah, ein religiöser Fanatiker, blutrünstig, und Gott sieht schlechter als die gefallenen Engel, also das geht ja nun überhaupt nicht.“ Und während wir noch so erregt über den Film diskutierten und wieder nach Hause fuhren, sahen wir vor uns auf der Straße, genau vor uns auf der Straße, nicht links oder rechts der Straße, sondern genau vor uns, den tollsten Regenbogen, den wir je gesehen hatten. Also, zunächst war das nur so eine kleine abgebrochene Säule, aber so klare Farben. Wir fuhren direkt darauf zu und als wir näher kamen, da entwickelte sich aus dieser Säule ein riesiger Regenbogen. Keiner von uns hatte je einen solch deutlichen, klaren und wunderschönen Regenbogen gesehen. Und meine Frau und ich waren sprachlos. Kann es sein, dass der allmächtige Gott des Himmels unsere kleine Bibelstunde und unser kleines Gespräch über diesen schlechten Film Noah mitgehört hat und jetzt uns ein Zeichen gab, um uns zu sagen: „Guck mal, jetzt zeige ich euch mal, was ein richtiger Regenbogen ist.“ Ja, und ich wollte nur noch mal bestätigen, das stimmt alles. Und dieser Bund, den ich mit den Menschen geschlossen habe, der ist immer noch gültig.
[29:46] Also, meine Frau und ich, gut, unsere Freunde haben das vielleicht nicht ganz so wahrgenommen. Die waren erstaunt und so weiter, aber meine Frau und ich haben gesehen, wenn wir bereit sind, den Mund aufzumachen, wenn wir bereit sind, Zeugnis zu geben, dann ist Gott schon lange bereit, seinen Teil zu tun, damit unser Zeugnis eine Kraft hat, eine Überzeugungskraft hat. Und das haben wir überdeutlich erlebt. Und ich freue mich immer darüber, wenn ich sehe, wie behutsam Gott meine Frau und auch mich Schritt für Schritt voranführt.
[30:28] Wisst ihr, als normale Gemeindeglieder, in Anführungsstrichen, haben wir Chancen, die ein Berufsprediger nicht hat. Ist euch das klar? Wer von euch weiß, wer Bernd Kappler ist? Okay, es gibt einige. Bernd Kappler und seine Familie, das sind engagierte Adventisten aus Thüringen. Und nachdem die Mauer gefallen war, haben sich Vater und Sohn Kappler gesagt: „So, wir werden jetzt in unserem kleinen Ort eine Evangelisation durchführen.“ Und sie haben einen Saal gemietet. Und dann haben sie einen der größten Evangelisten aus Amerika eingeladen, den die Gemeinde zu bieten hat. Und sie haben die Werbetrommel gerührt und Einladungen verschickt und sie haben nichts unversucht gelassen, um auch den letzten Stuhl in diesem Saal zu füllen, den sie gemietet hatten. Und wisst ihr, wie viele Gäste kamen? Nicht ein einziger. Da war eine Handvoll Adventisten und das war es. Und Vater und Sohn Kappler waren geknickt, waren sowas von enttäuscht.
[31:58] Einige Zeit später entschloss sich Bernd Kappler, der Sohn, mit Robert Falkenberg, Scherhim zu machen, nach Kenia zu reisen und dort Adventbotschaft zu verkündigen, eine Evangelisation durchzuführen. Und zum ersten Mal hat Bernd auf der Kanzel gestanden, also jetzt vor fremden Leuten und gesprochen und gepredigt und verkündigt. Und am Ende gab es Taufen und er war so richtig voll begeistert. Und er kam wieder nach Hause und hat gesagt: „So, und jetzt werde ich wieder eine Evangelisation machen und diesmal werde ich selbst sprechen, denn jetzt weiß ich ja, wie das geht.“ Und wieder hat er einen Saal gemietet, den gleichen Saal, gleiche Anzahl von Stühlen, wieder die Werbetrommel gerührt. Was meint ihr, wie viele Leute kamen? Der Saal war gerammelt voll und die Kapplers verstanden die Welt nicht mehr. Und hinterher ging der Bernd hin zu einem seiner Nachbarn, die da waren und sagte: „Ihr seid komische Leute. Wir laden einen der berühmtesten Evangelisten ein, einen klasse Mann aus Amerika und keiner von euch kommt. Und jetzt bin ich hier, einer von euch und ihr kommt alle. Warum?“ „Ja“, sagte der Nachbar, der andere, „das war ja ein Profi, der musste das sagen, was er gesagt hat, weil er das gelernt hat und weil er dafür bezahlt wird. Aber du, dich kennen wir. Wir kennen dich von klein auf an und das hat uns interessiert, was du zu sagen hast.“
[33:58] Versteht ihr, welche Chance wir als normale Gemeindeglieder haben? Unsere Chancen, unsere Glaubwürdigkeit ist größer in unserem Umfeld, wo Gott uns hingestellt hat, als die eines Predigers, der von außen kommt, mag seine Botschaft noch so gut sein, weil wir eine Beziehung haben zu diesen Menschen.
[34:32] Manche werden sagen: „Ich kann das nicht. Ich habe keine Erfahrungen mit Gott. Wie soll ich das jetzt überhaupt anfangen?“ Ich kann euch dazu nur eins sagen: Es gibt ein Gebet. Ich sage immer, das ist das gefährlichste Gebet der Welt. Kennt ihr das gefährlichste Gebet der Welt? Es ist deshalb so gefährlich, weil ihr sicher sein könnt, dass Gott es erhört, ob ihr es so gemeint habt oder nicht. Er wird es erhören. Das Gebet lautet: Probiert das mal zu Hause aus. Wenn ihr morgens aufsteht und Andacht macht, dann betet mal: „Lieber Gott, gib mir heute die Gelegenheit, wenigstens einem Menschen deine Liebe zu zeigen.“ Wird Gott das Gebet erhören? Aber wir können uns sicher sein, er wird dieses Gebet erhören. Er wird uns mindestens eine Gelegenheit geben, die Liebe Gottes zu zeigen.
[35:33] Darum geht es doch. Ich kenne einen Mann, ich arbeite mit ihm zusammen in bestimmten Bereichen. Der ist kein Adventist. Der ist Unternehmensberater. Der ist spezialisiert auf Insolvenzberatung, Zwangsversteigerung, Grundbuchrecht. Das ist sein Thema. Wenn er irgendwo gerufen wird, dann ist meist schon das Kind oder die Kuh in den Brunnen gefallen. Dann sitzen da Leute, das sind meist so mittelständische und kleinere Unternehmer, größere Handwerksbetriebe, dann sitzen die da und ja, sie wissen, dass eine Woche später oder so ihr Haus versteigert wird oder ihr ganzes Unternehmen und sie dann nichts mehr haben und die sind deprimiert und sind niedergeschlagen. Dieser Mann, dieser Unternehmensberater hat eine Art an sich, die hat mich immer begeistert. Wenn er irgendwo auftritt, er verstrahlt, er strömt einen Optimismus aus, das ist unglaublich. Immer wenn er kommt, hat man den Eindruck: „Jetzt wird alles gut.“ Ja, als wenn jemand, wenn der Tag dunkel wird, die Lichter anknipst. Das kann der. Und ich habe so manches Mal gedacht: „Mann, was wäre das für ein Adventist und was können wir von dem Mann lernen?“ Ist es nicht so, dass wir als diejenigen, die Freunde Gottes sind, im dunklen Alltag unserer Mitmenschen das Licht anknipsen sollten, den gebrochenen Halm wieder aufrichten, ihn wieder Mut machen? Ja, das ist doch das, was Ellen White über Jesus gesagt hat. Er diente ihren Bedürfnissen, er zeigte Mitgefühl, er wollte ihr Wohl.
[37:34] Nun dürfen wir allerdings eines nicht vergessen. Als Adventgemeinde haben wir einen Auftrag von Gott bekommen, der noch über dieses normale christliche Zeugnis hinausgeht. Wir haben eine Botschaft anvertraut bekommen, die dreifache Engelsbotschaft, die letzte Gnaden- und Gerichtsbotschaft. Das heißt, wir müssen noch einen Schritt weiter gehen. Wir haben das Vorrecht, eine inhaltvolle Botschaft weiterzureiten. Also, ihr wisst, mein Hobby, ich weiß nicht, ob sich das despektierlich anhört, aber mein Hobby in Anführungsstrichen ist, über die Rebellion des Luzifers zu sprechen und Gottes Reaktion darauf. Ja, es gibt wohl kaum einen Menschen, der mehr als 30 Minuten in meiner Gegenwart ist und der sich nicht die Geschichte der Rebellion des Luzifers anhören muss und Gottes Reaktion darauf. Warum? Es gibt nichts, was uns besser helfen könnte, das große Bild zu zeigen und den wahren Charakter Gottes zu zeigen. Wie er Respekt hat für unsere freien Entscheidungen. Wie er nicht den Hammer benutzt, um die Probleme zu lösen, sondern intelligent mit Liebe die Probleme des Universums löst. Ich wollte, jeder Adventist würde das beherrschen.
[39:05] Es gibt aber auch so ganz kleine Dinge. Also, ich habe neuerdings den Begriff „praktizierte Freundlichkeit“ gelernt. So kleine Dinge, die uns helfen, mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Also, ich habe viele Jahre in einem Hochhaus gewohnt und da musste ich immer vom Kellergeschoss, wo die Garage war, in den 13. Stock. Das hieß nicht 13. Stock, die Leute mögen ja nicht 13. Das hieß PH, Penthouse. Und da bin ich also viel mit dem Fahrstuhl gefahren. Ihr wisst ja, dass Leute, die viel mit dem Fahrstuhl fahren, besser wissen, wie ihre Schuhspitzen aussehen als andere. Warum? Weil man mit Leuten zusammen ist, denen man sonst nicht so nahe kommt und man ist verlegen und man guckt auf die Schuhspitzen oder man guckt an die Decke oder man guckt auf die digitale Welt. Oder man guckt an die Decke oder man guckt auf die Digitalanzeige. Kennt ihr das? Okay, ihr habt alle Einfamilienhäuser und ihr wohnt in der Landschaft. Aber wenn ihr mit dem Fahrstuhl fahrt, dann wisst ihr, was ich meine. Und ich hasse das. Man ist sich näher, als man möchte. Unsere amerikanischen Freunde haben ja noch mehr Bedürfnis, Abstand zu halten. Wir sind es ja durch die U-Bahn und durch die Miethäuser gewohnt, dass wir andere noch dichter an uns ranlassen. Aber trotzdem, es ist eine beklemmende Situation. Und ich habe mir angewöhnt, dieses Eis zu brechen durch dumme Sprüche. Also, einfach so. Ich steige ein und ich sehe, da hat jemand einen Wasserkasten in der Hand. „Oh, wann steigt denn die Party? Ich habe gar nicht gehört, wann ich da sein soll.“ Oder irgend sowas. „Wow, ihre Frisur gefällt mir aber gut. Ob ich die auch tragen könnte?“ „Es ist ein so schöner Tag heute. Waren Sie schon draußen?“ Versteht ihr, was ich meine? Und ich kann euch eins versichern: Die Leute sind dankbar dafür, dass man das Eis bricht. Also, sofort bricht es aus ihnen heraus und sofort ist man drin in einer Unterhaltung. Und das nächste Mal, wenn ich im Fahrstuhl dieselbe Person sehe, können wir schon über etwas andere Dinge sprechen. Praktizierte Freundlichkeit. Oder wenn man irgendwo spazieren geht und sagt: „Wow, ist das ihr Baby?“ Versteht ihr? Nein. Man sollte dann nicht den Hund angucken, wenn man das sagt. Man sollte dann auch das Baby meinen. Aber ich glaube, ihr versteht, was ich meine. Wenn wir einfach so ein bisschen, das kann man üben, zugänglich sind. Etwas das Eis brechen. Wenn ich rausgehe, ich war jetzt in einem Naturreservat in Michigan mit der Kamera unterwegs. Da sehe ich andere Naturfreunde, die mit der Kamera rumlaufen. Sofort hat man ein gemeinsames Thema. Man freut sich über das Schöne, was man sieht und man redet miteinander. Und das ist der Einstieg, die Möglichkeit für mehr.
[42:44] Ich kann euch eines sagen: Wenn wir am Morgen aufstehen und in unserer Andacht sagen: „Lieber Gott, hilf mir heute, dass ich Zeugnis geben kann. Hilf mir, dass ich einem Menschen begegne, dem ich deine Liebe mitteilen kann. Hilf mir, dass ich vielleicht auch dein Zeuge sein kann.“ Gott erhört diese Gebete. Und wisst ihr, ich habe immer ein Problem, und das ist Zeit. Ich will nicht damit angeben, aber ich habe über viele Jahre eine 80-Stunden-Woche gearbeitet. Und Zeit ist das Wenigste, was ich habe, das Kostbarste. Und Gott weiß das. Und das Schöne ist, Gott ist ein exzellenter Manager. Er versteht es auf eine wunderbare Art und Weise, mir Zeugnismöglichkeiten zu geben, am Wegesrand, im Rahmen meiner normalen Tätigkeit. Ich denke z.B. daran, die letzten Jahre, bevor ich von Amerika wieder nach Europa zurückkam, habe ich in einem Mietshaus gewohnt. Ein Mietshaus. Das ist nicht ein Katzenhaus. Einige glauben, das ist ein Katzenhaus, wo man zur Miete wohnt. Ich wohnte dort schon mehrere Monate und hatte noch nie meine Nachbarn kennengelernt. Eines Tages kam ich nach Hause und während ich den Schlüssel im Schloss umdrehte, sah ich nach links und da war eine junge Frau, die das Gleiche bei ihrer Tür tat. Sie sagte: „Sie müssen mein Nachbar sein.“ Ich sagte: „Ja, so lernen wir uns auch mal kennen.“ Sie stellte sich vor und sie sagte, dass sie und ihr Mann gerade arbeitslos seien. Sie versuchte, die Familie über Wasser zu halten. Sie hatte zwei Kinder. Es ging ihnen nicht gut. Ich dachte: „Wie kann ich ihnen helfen?“ Dann kam mir der rettende Gedanke: „Würden sie auch bei mir putzen?“ Meine Wohnung könnte das auch mal wieder gebrauchen. „Mit Sicherheit.“ Sie sagte: „Ja, gerne.“ Ein bisschen später kam sie und machte sauber. Sie putzte den Tisch. Dann sah sie ein Buch mit meinem Namen drauf. Sie sagte: „Ach, Gerhard, du schreibst Bücher. Worüber geht es in dem Buch?“ Das war „Allmächtig, ohnmächtig, gerecht.“ Ich fragte: „Worum geht es in dem Buch?“ Sie sagte: „Es geht um Gott und sein Handeln mit uns Menschen. Es geht um den Erlösungsplan. Es geht darum, wie wir erlöst werden.“ Sie sagte: „Ach, weißt du, wie man erlöst wird? Kannst du mir das erklären, wie man erlöst wird?“ Ich dachte: „Lieber Gott, einfacher kannst du es mir wirklich nicht machen. Du schickst mir die Leute jetzt schon ins Haus, die darum bitten, dass ich ihnen erkläre, wie man erlöst wird. Die darum betteln, dass ich ihnen Bibelstunden gebe.“ So ist Gott. Wenn ihr wenig Zeit habt, ihr wisst ja, wenn ihr etwas erledigt haben wollt, geht nicht zu dem, der viel Zeit hat, sondern geht zu dem, der keine Zeit hat. Warum? Der kriegt sowieso nichts gebacken und der andere weiß, wie er sich organisiert und Prioritäten setzt. Das ist ein Prinzip des Managements übrigens. Das kann ich dir erklären. Das müssten wir mal mit der Bibel so systematisch angehen. Sie sagte: „Ja, das würde ich gerne machen. Wann können wir anfangen?“ Nun wollte ich das nicht zu einer Zweisamkeit machen. Was meinst du? Würde dein Mann, der Wayne, das auch interessieren? Können wir das zusammen machen? „Ja, ich glaube schon. Ich spreche mal mit ihm.“ Er ging dann wieder rüber und rief dann etwas später an und sagte: „Der Wayne möchte nicht. Aber ich möchte das gerne wissen.“ Oh, was machst du jetzt? Dann hat Gott mir einen rettenden Gedanken gegeben. Ich sagte: „Weißt du was? Ich würde euch beide gerne zum Essen einladen. Frag doch mal den Wayne, ob er Lust hat, dass wir morgen oder übermorgen mal zusammen essen gehen.“ Sie fragte ihn, rief etwas später wieder an und sagte: „Ja, zum Essen gehen hätte er Lust.“ Ich sagte: „Prima.“ Also, ich habe dann ein Restaurant ausgewählt, das so anderthalb Stunden entfernt lag. Ich habe mir gesagt, also anderthalb Stunden hin, anderthalb Stunden zurück, anderthalb Stunden essen sind viereinhalb Stunden. Da hat man ein wenig Gelegenheit, warm zu werden und Eis zu brechen. Ist doch so. Naja, abgesehen davon fährt man in Amerika ja sowieso eher etwas längere Strecken. Und so sind wir losgefahren. Und dann habe ich Wayne gesagt, Wayne, der saß neben mir, ich muss dich mal was fragen, dich als Amerikaner. Wie kommt das, dass ausgerechnet in den Bundesstaaten, in denen es die meisten Christen gibt, die meisten Menschen hingerichtet werden? Ich schreibe gerade ein Buch darüber. Und dann haben wir darüber geredet und dann hat er mir seine Theorie erzählt und dann habe ich meine Theorie erzählt und habe gesagt: „Ich glaube, das hängt mit dem Höhlenglauben zusammen. Ja, ich glaube, wenn ich einen Gott verehre, der Menschen unendlich lange foltert, dann färbt das ab. Dann werde ich auch irgendwann so wie der Gott, den ich bewundere. Ich glaube, damit hat das zu tun. In der Bibel gibt es keine ewigen Höllenqualen.“ Und wir sind weitergefahren und wir haben schön gegessen im Yachthafen von Detroit und sind wieder nach Hause gefahren. Und dann, kurz bevor ich sie absetzte, sagte ich zu Julie: „Und morgen kommst du zur Bibelstunde, Julie?“ „Ja, 15 Uhr.“ „Und Wayne, kommst du auch mit?“ „Ja, ich komme auch mit.“ Und ich sage: „Habt ihr denn ein besonderes Thema, das euch interessiert?“ Ich sage: „Gut, aber bevor wir über die Hölle sprechen, müssen wir noch über zwei andere Themen sprechen. Und ich komme dann aber dahin zurück.“ Und wir haben dann zusammen Bibelstunden gehabt, eine wunderbare Zeit. Und ich habe wieder einmal erlebt, welche Kraft im Wort Gottes ist und wie der Heilige Geist hilft, Herzen zu erreichen.
[50:23] Wisst ihr, spätestens wenn unsere Freunde, unsere Nachbarn, unsere Arbeitskollegen eine Krise im Leben haben, tauen sie auf und interessieren sich dafür, was wir glauben und was wir zu bieten haben, nämlich den Weg, den unmittelbaren, den direkten Weg zu Gott. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass wir als Adventisten den Sabbat haben und dass wir anders essen und trinken. Denn das sind drei Berührungspunkte, wo wir Farbe bekennen müssen. Wo wir die Gelegenheit haben, Zeugnis zu geben, zu erklären, warum wir das tun. Und bumms sind wir mitten im Gespräch. Also, ich mache es immer gerne so, wenn ich Leute zum Essen einlade, aus der Nachbarschaft oder sonst woher, dass ich vor dem Essen sage, vorher hat man sich ja ein bisschen unterhalten, man ist warm geworden und dann sagt: „Wissen Sie, wir beten vor dem Essen. Haben Sie was dagegen, wenn wir zusammen beten?“ Und dann bete ich natürlich nicht nur für das Essen, sondern ich bete auch für das Essen. Und dann frage ich meine neuen Freunde vor dem Altar Gottes. Und ich sage: „Und lieber Gott, bitte hilf auch der Frau sowieso oder ihrer Tochter, die das Problem hat oder die vor dieser Prüfung steht.“ Und dann Amen. Und wenn man dann die Augen wieder aufmacht, das ganze Gespräch bei dem Besuch ist definiert. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, Zeugnis zu geben.
[52:26] Ach ja, also euer Gemeindeältester hat einen schweren Fehler gemacht. Er hat, als ich gestern gefragt habe, wie viel Zeit habe ich, hat er gesagt: „Das ist eine gute Frage, aber ich weiß nicht, wie viel Zeit du willst.“ Also, manchmal, vielleicht kennt ihr das, wenn man so mit jemandem spricht, manchmal stehen wir vor der Entscheidung. Wollen wir uns in Einigkeit oder wollen wir unserem Gegenüber etwas zum Nachdenken geben, um ihn voranzubringen, um ihn aus der Reserve zu locken. Und ich glaube, dass uns der Heilige Geist dabei helfen kann, die richtige Balance zu finden zwischen diesen beiden Elementen.
[52:26] Einige kennen meine Geschichten schon und ich bitte um Nachsicht, weil, saß ich wieder mal in einem Flieger von Detroit nach Frankfurt und ich stellte fest, dass der Mann neben mir ein Manager der Autoindustrie war. Das kommt häufig vor, wenn man von Detroit nach Frankfurt fliegt. Und ich stellte fest, dass der Mann neben mir ein Manager der Autoindustrie war. Und ich freute mich richtig und ich sagte: „Mensch, das ist wunderbar, einen Glaubensbruder kennenzulernen.“ Er war katholisch. „Ich sagte, dann glauben Sie auch an die Bibel.“ „Ja, ich glaube an die Bibel.“ „Ja, das glaube ich auch.“ „Und dann glauben Sie auch, dass Gott am siebten Tag geruht hat?“ „Ja, das glaube ich auch.“ „Ich sagte übrigens, welches ist der siebte Tag?“ „Naja, der Sonntag“, sagte er. „Ich sagte, wirklich?“ Er guckte mich etwas erstaunt an mit Falten auf der Stirn. Ihr wisst ja, wer viele Falten hat, aber ich hatte keine Faltmöglichkeiten. Er guckte mich an und sagte: „Wieso?“ „Naja“, sagte ich, „warum heißt der Mittwoch Mittwoch?“ „Ja“, sagt er, „weil er in der Mitte der Woche liegt.“ „Ich sagte, genau.“ Und dann hielt ich meine zehn Finger hoch und er machte das Gleiche. Also, das muss ein lustiges Bild vor dessen gewesen sein. Zwei erwachsene Männer, haben die keinen Taschenrechner? Also, wir saßen beide da mit sieben Fingern in der Luft und er fing an zu zählen. Und er zählte nochmal. Und die Faltenbildung wurde noch stärker. Und dann brach es aus ihm heraus und er sagte: „Der Samstag ist der siebte Tag.“ Und ich sagte: „Ja, sehen Sie, ich meine, die ganze Christenheit, wir feiern den falschen Tag eigentlich.“ Der war völlig von der Rolle. Der war sowas von sprachlos. Der saß da mit offenem Mund. Und dann sagte er: „Naja gut, also Sie als Katholik haben ja kein Problem damit, denn Sie sagen ja, dass der Papst das Recht hatte, den siebten Tag in den ersten Tag der Woche umzuändern. Aber wir Protestanten haben doch das Problem.“ „Nein, nein, nein“, sagt er. „Gott hat nicht mehr zu sagen, der Papst hat nicht mehr zu sagen als Gott.“ „Wenn das so in der Bibel steht, ich sage, haben Sie eine Bibel zu Hause und einen Katechismus?“ „Ja“, sagt er, „habe ich beide.“ „Vergleichen Sie mal die zehn Gebote.“ „Das werde ich aber tun“, sagt er. „Wenn der Papst das Recht hat, wenn der Papst das Recht hat, wenn der Papst das Recht verändern würde“, so im Flüsterton sagt er, „das steht sogar in der Bibel. Ich sage, gucken Sie mal nach.“ Ich habe ihn Daniel 7 Vers 25 genannt. Ich hätte mich die ganze Zeit auch nur in Einigkeit wiegen können. Aber er hat mir damit geholfen. So habe ich ihn auf einen Weg gesetzt. Und jetzt kann ich es für den Heiligen Geist leichter machen, ihn weiterzuführen, diesen Mann. Ein Juwel. Ich hoffe, ich sehe ihn wieder in den Parkanlagen des himmlischen Jerusalem.
[57:29] Um noch mal auf das Thema Zeit zurückzukommen. Also, jetzt nicht die Zeit dieser Predigt, sondern die Zeit des Heiligen Geistes. Wir haben diesen Text viele Male gelesen, aber ich möchte, dass wir den noch mal lesen. Matthäus 6. Da sagt Jesus in Vers 31 bis 33: „Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Oder was werden wir trinken? Oder womit werden wir uns kleiden? Oder wie sollen wir unser Geld verdienen? Denn nach allen diesen Dingen trachten die Heiden. Aber euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles benötigt. Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes.“ Zeugnis geben steht an erster Stelle. „Und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden.“ Macht euch keine Sorgen. Ich sorge dafür, dass ihr genug zu essen und anzuziehen habt. Kümmert euch darum, dass ihr Zeugnis gebt, dass ihr Mission lebt.
[58:44] Als ich vor elf Jahren auf einer ASI-Tagung war, und einige von euch kennen diese Geschichte, da gab es eine kleine Gruppe, da gab es 40 ASI-Mitglieder in Deutschland und der damalige ASI-Vorsitzende wollte aus Altersgründen zurücktreten und es lag der Antrag vor, war auf der Tagesordnung, dass wir ASI-Deutschland auflösen. Und in dieser Situation wurde ich gefragt, ob ich eventuell bereit sei, mich der Wahl zu stellen. Und meine Rechenmaschine im Kopf, nicht, dass ich besonders gut bin im Kopfrechnen, aber irgendwie fing da was an zu rattern und ich habe gesagt: „Wenn ich jetzt auch noch so ein wichtiges Ehrenamt übernehme, kann ich dann für mein kleines Unternehmen noch genügend Lokomotive sein, um das Geld reinzuholen? Ist das nicht verantwortungslos? Kann ich mir das leisten? Habe ich die Zeit?“ Und ich habe mich dann vielleicht so 51 zu 49 entschieden: „Okay, ich mache das, es gibt ja niemanden anderes, möge Gott mir helfen.“ Okay, ich wurde dann gewählt. Und ich habe gesagt: „Okay, ich habe mich gewählt.“ Danach hatten wir eine Pause und dann bin ich rausgegangen und habe mein Handy wieder angestellt. Und siehe da, es war eine Nachricht, genau in dem Moment in meine Mailbox gegangen, in der ich mich entschieden hatte: „Jawohl, ich mache es.“ Und diese Nachricht war von einem Klienten, einem großen finnischen Konzern, für den ich in der Vergangenheit immer wieder Aufträge abgewickelt hatte. Und die Stimme sagte: „Herr Dr. Paderatz, bitte rufen Sie mich an, kommen Sie vorbei, wir möchten Ihnen zwei neue Aufträge geben.“ Ein Auftrag sind immer mehrere Zehntausend, also es ging um richtig Geld. Und ich sagte: „Danke, lieber Gott, ich habe verstanden.“ Ich war mir sicher, ich war mir deshalb sicher, weil ich später ähnliche Erfahrungen noch gemacht habe, für die wir jetzt keine Zeit haben. Ich war mir sicher, und diese Botschaft lautete, laut und deutlich und klar: Mach dir keine Sorgen um dein Einkommen, kümmere dich um die Dinge, die wesentlich sind, verkünde die frohe Botschaft, gib Zeugnis, sorge dafür, dass Menschen ins Reich Gottes kommen, dass sie Christus kennenlernen. Und das hat so immer weiter funktioniert. Okay, ich bin dadurch nicht reich geworden, aber ich konnte immer meine Rechnungen bezahlen, weil Gott dafür gesorgt hat. Wenn wir zuerst nach dem Reich Gottes trachten, dann werden uns alle anderen Dinge zufallen.
[1:02:24] Leben als Mission, es geht nicht anders. Ich bin nicht reich geworden, es geht nicht anders. Ich bin weit davon entfernt, ein Vorbild zu sein. Ich habe so viele Schwächen, über die ich lieber nicht sprechen werde. Aber als Nachfolger Christi haben wir alle die gleichen Chancen, wenn wir Jesus kennen, wenn wir die Adventbotschaft verstanden und angenommen haben, in den Kreisen, in denen wir leben, also auf dem Marktplatz des Lebens Christus zu bezeugen. Das ist keine Aufgabe, das ist ein Vorrecht. Amen.
[1:03:30] Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!
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