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In diesem Teil der Serie „Der Ersehnte“ beleuchtet Christopher Kramp die kurze, aber bedeutsame Bibelstelle aus Lukas 2, Vers 52: „Jesus nahm zu an Weisheit und an Alter und an Gnade bei Gott und bei den Menschen.“ Er erklärt, was Weisheit und Gnade bedeuten und wie Jesus in diesen Bereichen wuchs. Die Botschaft ermutigt die Zuhörer, ebenfalls in diesen vier Dimensionen ihres Lebens zu wachsen und eine tiefere Beziehung zu Gott und ihren Mitmenschen zu entwickeln.

In dieser Predigt wird die biblische Darstellung von Jesu Kindheit und Jugend beleuchtet, die von der Bibel weitgehend verschwiegen wird. Christopher Kramp erklärt, wie Jesus an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen zunahm, und zieht Parallelen zu biblischen Figuren wie Samuel. Der Vortrag beleuchtet auch die politischen und religiösen Strömungen der Zeit und wie Jesus sich davon abgrenzte, um die Wahrheit der Schrift zu verkörpern.


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Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus

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Transkript

[5:00] Und ganz interessant, dass also nicht nur was die Kindheit, sondern auch die Jugend von Jesus betrifft,
[5:06] die Bibel sich in großes Schweigen hüllt und ihn sozusagen in Kind sein lässt und in Jugendlicher
[5:14] sein lässt. So ein bisschen auch ist dahinter die Idee verborgen, dass Kinder und Jugendliche auch
[5:20] zunächst einmal Geborgenheit brauchen. Nun, es heißt so, er nahm zu an Weisheit und an Alter.
[5:31] Das ist ja nicht zum ersten Mal erwähnt im Evangelium. Wo fanden wir eine ganz ähnliche
[5:37] Formulierung in diesem Evangelium? Haben wir das schon mal gesehen, diese Formulierung? Das Kind
[5:46] nahm zu an Weisheit und Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. Findet ihr einen anderen Vers im
[5:52] selben Kapitel, der was ganz Ähnliches sagt, so nicht allzu lange her, da wir das gelesen haben?
[6:06] Wer findet den Vers, wo was ganz Ähnliches über ihn gesagt wird? Vers 40, genau. Also wir haben in
[6:14] Vers 40, da heißt es nämlich: "Das Kind aber wuchs und wurde stark im Geist, erfüllt mit Weisheit, und
[6:22] Gottes Gnade war auf ihm." Und dann haben wir Vers 52, und da wird wesentlich dasselbe gesagt, und
[6:29] dazwischen ist diese Episode im Tempel. Im Grunde genommen ist das wie so ein Einschub, um zu sagen,
[6:35] von seiner Geburt bis dann zu seiner Taufe haben wir diese ein und dieselbe Geschichte. Er nahm zu
[6:42] und er nahm zu und er nahm zu, und zwar an Gnade und Weisheit und an Alter, und er wurde stärker und
[6:48] größer. Sein Leben als Kind und Jugendlicher war ein Leben der Zunahme. Das ging nicht bergab.
[6:56] Oftmals ist es ja so, wenn wir uns unsere eigene Kindheit erinnern oder unsere eigene Jugend,
[7:01] das ist mal so eine Achterbahnfahrt gewesen, auf und ab, und manchmal ging es deutlich mehr ab als
[7:07] auf. Aber bei Jesus ging es in all den Jahren, ob er 3, 5, 7, 13, 19, 24 war, es ging immer bergauf.
[7:16] Immer bergauf. Und das erinnert mich an eine Verheißung, die in 5. Mose steht. Schaut mal in
[7:23] 5. Mose, 28, 5. Mose, 28 und dort, Moment, 5. Mose, 28 und dort wäre es 13.
[7:53] "Und der Herr wird dich zum Haupt setzen und nicht zum Schwanz, und es wird mit dir immer nur
[7:59] aufwärts gehen und nicht abwärts." Unter welcher Bedingung? "Wenn du den Geboten des Herrn, deines
[8:11] Gottes gehorchst, die ich dir heute gebiete, dass du sie bewahrst und tust." Also die Bibel sagt,
[8:18] wenn wir Gottes Geboten gehorchen, dann wird unser Leben immer nur aufwärts gehen. Und das
[8:25] Leben von Jesus ging immer nur aufwärts. Er nahm zu und er nahm zu und er nahm zu.
[8:29] Schlussfolgerung? Schlussfolgerung: Jesus gehorchte den Geboten. Nicht wahr? Jesus lebte als Kind und
[8:42] Jugendlicher ein Leben des völligen Gehorsams. Von wem wird was ganz Ähnliches gesagt in der
[8:51] Bibel? Ganz ähnliche Aussage, dass er zunahm im Geist und in der Weisheit. Johannes der Täufer.
[9:00] Und wo? Wo wird das von Johannes dem Täufer gesagt? Schaut mal, selbes Evangelium, Lukas 1,
[9:12] Vers 80. Also der Lukas, der vergleicht immer, der stellt immer den Johannes und den Jesus schön
[9:17] nebeneinander. Da gibt es ganz viele Parallelen, haben wir schon viele herausgearbeitet. In Lukas
[9:22] 1, Vers 80, da heißt es genauso: "Das Kind aber wuchs und wurde stark im Geist, und er war in der
[9:29] Wüste bis zum Tag seines Auftretens vor Israel." Haben sich Jesus und Johannes eigentlich vorher
[9:36] mal getroffen? Nein. Vorher. Also hier haben wir zwei Menschen, Jesus in Nazareth und Johannes,
[9:48] der später der Täufer genannt wird, die beide unabhängig voneinander eine sehr interessante
[9:52] Entwicklung durchmachen. Jesus ist natürlich noch interessanter als Johannes, weil Johannes am Ende
[9:56] doch nur auch ein Mensch war und natürlich auch ein Sünder, aber Jesus tatsächlich sogar der
[10:00] Sündlose war. Aber von beiden wird etwas ganz Ähnliches berichtet: Sie wuchsen im Geist und
[10:05] wurden stark. Interessanterweise gibt es auch im Alten Testament eine Person, von der etwas ganz
[10:13] Ähnliches gesagt wird. Ich weiß nicht, wer von euch die kennt. Im Alten Testament, wo auch ähnlich
[10:20] gesagt wird von einem Kind, dass es im Geist wuchs, sozusagen. Samuel, ganz genau. Schaut mal in 1.
[10:27] Samuel 2, Vers 26. 1. Samuel 2 und dort Vers 26. Das ist jetzt hier ein Vers, der sehr deutlich auf
[10:42] den Vers zurückweist, den wir gerade studiert haben. Lukas 2, Vers 52. 1. Samuel 2 und dort
[10:53] Vers 26. Dort heißt es: "Aber der Knabe Samuel nahm immer mehr zu an, an Alter und an Gunst. Und jetzt
[11:06] schaut mal, wie es weitergeht. Wie geht der Satz zu Ende? Sowohl bei dem Herrn als auch bei den
[11:13] Menschen." Seht ihr, dass das eine tolle Parallele ist zu Lukas? Da hatten wir genau in Lukas 2
[11:19] genau dasselbe. In Lukas 2 hatten wir gelesen: "Er nahm zu an Weisheit und Alter und Gnade bei
[11:30] Gott und den Menschen." Also die Formulierung, die Lukas hier in Vers 52 über den heranwachsenden
[11:37] Jesus wählt, ist dieselbe Formulierung, die im Alten Testament sich auf Samuel bezieht.
[11:43] Interessant, dass Samuel als Kind und als Jugendlicher ein Typus war auf Jesus. Sehr,
[11:53] sehr interessant. Jetzt schauen wir uns mal ein paar andere Texte an, die uns erklären,
[12:01] wie das möglich ist, dass er bei Gott und den Menschen an Gnade zunahm. Schaut mal mit mir in
[12:09] Sprüche 3 und dort Vers 3 und 4. Sprüche 3 und dort Vers 3 und 4. Sprüche 3, Vers 3 und 4.
[12:40] Da heißt es: "Mein Sohn, mein Sohn, das stimmt. Sprüche 3, Vers 3 und 4.
[12:46] Gnade und Wahrheit werden dich nicht verlassen. Binde sie um deinen Hals, schreibe sie auf die
[12:55] Tafel deines Herzens. So wirst du Gunst und Wohlgefallen erlangen, Achtung, in den Augen
[13:03] Gottes und der Menschen." Also wir haben ja diese Formulierung: "Gunst gewinnen in den Augen Gottes
[13:10] und der Menschen." Wir haben das bei Jesus, wir haben das bei Samuel, und jetzt lesen wir hier
[13:14] in den Sprüchen, was die Bedingung dafür ist. Wann geschieht das? Was führt dazu,
[13:23] dass man Gunst gewinnt bei Gott und den Menschen? Genau, wenn das Gesetz im Herzen ist,
[13:36] auf der Tafel des Herzens, wenn das Wort Gottes tatsächlich eingraviert ist in das Denken. Wie
[13:45] nennt man denn das, wenn das Gesetz Gottes im Herzen ist? Was ist denn der theologische Begriff
[13:49] dafür oder der biblische Begriff? Das Gesetz im Herzen zu haben. Bekehrung, ja, also Bekehrung ist
[13:58] der erste Schritt dahin. Man hat bei der Bekehrung ja nicht gleich sofort das ganze Gesetz im Herzen,
[14:02] aber Gehorsam, ja, das stimmt, aber es gibt viele Menschen, die haben auch einen äußerlichen
[14:07] Gehorsam, ohne dass es im Herzen ist. Liebe ist sehr richtig, also Liebe hat mit Herz und Gesetz
[14:13] zu tun, ganz wunderbar, aber es gibt einen ganz besonderen Begriff aus zwei Worten zusammengesetzt.
[14:18] Das ist kein alter Begriff, sondern das ist ein, der neue Bund, genau, denn das ist der neue Bund.
[14:24] Nicht wahr, dass ich mein Gesetz in ihre Herzen schreiben möchte und ihren Sinn schreiben möchte.
[14:28] Das heißt, Jesus lebte im neuen Bund, logisch. Das heißt, Jesus hat den neuen, der neue Bund ist
[14:37] nicht erst entstanden, als Jesus gestorben ist oder als er das Abendmahl eingesetzt hat oder als
[14:42] er auferstanden ist, nein, er lebte schon längst im neuen Bund, weil ihr wisst ja, alter neuer Bund
[14:46] ist nicht altes neues Testament, sondern der alte Bund ist, was nochmal? Das stimmt, das stimmt schon,
[14:57] also der neue Bund ist das Gesetz im Herzen. Was ist der alte Bund? Auf Steintafeln. Ist der alte
[15:04] Bund schlecht? Der alte Bund ist gut, er ist noch nicht gut genug, das ist das Problem, denn die zehn
[15:11] Gebote sind ja nicht schlecht auf Steintafeln, oder? Ist ganz wunderbar, nur das Problem, das Gesetz
[15:16] auf Steintafeln nützt mir nichts, es sei denn, es kommt auch in mein Herz. Genau. Und die meisten
[15:24] Israeliten waren mit dem alten Bund zufrieden. Gesetz auf Steintafeln, ein Hohepriester, der
[15:29] für uns vermittelt und die Schlachtopfer und die Sündopfer für ihre Sünden. Aber im neuen Bund,
[15:34] das Gesetz im Herzen, wir haben direkten Zugang zu Gott und Jesus unser Mittler. Ganz genau.
[15:46] Ganz genau, das Gesetz im Herzen. Und die Bibel sagt uns, wenn wir das erleben, dann werden wir
[15:53] Gunst gewinnen, nicht nur bei Gott, sondern auch bei den Menschen. Manchmal ist es ja so, dass wir es
[15:59] für eine ganz große christliche Tugend halten, wenn wir mit allen Feind sind, wenn wir so verfolgt
[16:05] wie möglich sind. Ja, aber in der Bibel wird ganz deutlich, ein gläubiger Mensch wird auch Gunst haben
[16:11] bei den Menschen. Er wird auch Feinde haben, er wird auch verfolgt werden, er wird auch Anfechtung
[16:16] haben. Aber Menschen, die generell offen sind, die das Evangelium nicht wissentlich ablehnen,
[16:22] werden immer Hochachtung haben vor einem gläubigen Menschen. Wir lesen das bei Hiob, wir sehen das
[16:27] bei Daniel zum Beispiel und bei vielen anderen und bei Jesus auch. Ganz genau. Schaut mal in Römer,
[16:42] Römer 14, Römer 14, Vers 18. Römer 14, Vers 18, da wird das gleiche Thema jetzt aus der
[17:09] neutestamentlichen Perspektive aufgegriffen. "Wer darin Christus dient, der ist Gott wohlgefällig
[17:18] und auch von den Menschen geschätzt." Selbe Idee wie in Sprüche, oder? Jetzt, es heißt, was ist die Bedingung?
[17:26] Nach dem Vers? Christus dient, aber worin? Was sagt der Vers? Was ist die Bedingung? Wer darin Christus dient,
[17:46] wer darin Christus dient. Welche Frage muss man stellen, wenn dort steht: "Wer darin Christus dient"?
[17:53] Der ist vor Gott wohlgefällig und auch von den Menschen geschätzt. Welche Frage muss man stellen,
[18:00] wenn der Satz beginnt, oder der Vers beginnt mit: "Wer darin Christus dient"? In was? Worin? Genau.
[18:09] Und wo ist die Antwort? In welchem Vers finden wir wohl die Antwort? Davor. Was sagt Vers 17? "Denn das,
[18:18] wie geht es weiter? Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern was? Gerechtigkeit, Friede und
[18:30] Freude im Heiligen Geist." Das heißt, es geht also um das Reich Gottes und das Reich Gottes ist nicht
[18:40] Essen und Trinken. Warum ist das Reich Gottes nicht Essen und Trinken? Wird doch schön, oder? Erlösung
[18:46] durch Soja. Warum ist das Reich Gottes nicht Essen und Trinken? Warum kann Essen und Trinken
[18:54] nicht das Reich Gottes definieren? Naja, hoffentlich ja nicht mehr. Nein, Quatsch. Also, hat Gott bestimmte
[19:15] Maßstäbe fürs Essen und Trinken, ja oder nein? Ja. Also, warum definiert das nicht das Reich Gottes?
[19:20] Es gibt doch bestimmte Maßstäbe. Zum Beispiel gibt es biblische Maßstäbe, was wir essen und was wir
[19:26] nicht essen sollten. Und dann gibt es zusätzliche Ratschläge, inspirierte Ratschläge, was noch
[19:29] besser für uns wäre. Warum kann all das nicht das Reich Gottes definieren? Ja, ganz genau. Es
[19:42] erlöst uns nicht. Niemand. Es gibt ganz viele Menschen, denkt scharf nach, es gibt ganz viele
[19:48] Menschen, die halten all das und haben vom Reich Gottes gar keine Ahnung. Viele Menschen sind vegan,
[19:56] enthalten sich all der Dinge, die die Bibel sagt, man sollte sich enthalten vielleicht sogar. Und
[20:01] man kann also ganz, ganz vollständig den biblischen Gesundheitsmaßstäben entsprechen und vom Reich
[20:08] Gottes entfernt sein, wie die Sonne vom Mond. Das heißt, Essen und Trinken können das Reich
[20:14] Gottes nicht definieren. Also, nach diesem Vers, was ist jetzt das Reich Gottes? Welche drei Elemente
[20:20] gehören dazu? Gerechtigkeit, nicht, ja, das stimmt alles, aber bitte was im Vers steht? Gerechtigkeit,
[20:27] Friede und Freude im Heiligen Geist. Und dann heißt es: "Wer darin Christus dient", also wer in
[20:45] Gerechtigkeit dient, wer in Frieden dient und wer in Freude im Heiligen Geist dient, der ist was?
[20:52] Der ist Gott wohlgefällig und bei den Menschen geschätzt. Und da wir genau das bei Jesus finden,
[21:01] stellen wir fest, dass Jesus als jugendlicher und junger Mann offensichtlich in Gerechtigkeit
[21:08] gedient haben muss. Er muss im Frieden gedient haben und er muss mit Freude gedient haben. Also
[21:15] nicht, wie mancher, der sagt, na ja, meine Eltern haben es mir gesagt, jetzt muss ich das tun, und
[21:20] er hat es mit Freude gemacht und zwar eine Freude, die vom Heiligen Geist kam. Mit anderen Worten,
[21:25] wenn Jesus dann später in seinem Dienst immer vom Reich Gottes gesprochen hat, hat er doch gemacht,
[21:33] oder? Er hat immer gesagt, das Reich Gottes ist gleich einem Senfkorn, ist gleich einem Sauerteig,
[21:37] ist gleich zehn Jungfrauen. Wenn er vom Reich Gottes mit 30 gesprochen hat, dann hat er von
[21:43] etwas gepredigt, was er vorher 18 Jahre lang praktiziert hat. Er hat nicht einfach nur die
[21:49] Bibel gelesen und gesagt: "Oh, das Reich Gottes ist ja anders, als die Theologen es sagen, ich predige
[21:53] mal darüber." Er hat es 18 Jahre lang erfolgreich praktiziert und dann hat er darüber gesprochen. Und
[22:03] das war einer der Gründe, warum seine Predigt so überzeugend war, weil er wusste, wovon er sprach.
[22:08] Er hat nicht einfach nur was weitergegeben, was er selbst irgendwie aufgeschnappt hat. Er hat das
[22:14] Reich Gottes in seinem Leben praktiziert. Er sprach aus Erfahrung. 18 Jahre Reichgottes-Erfahrung.
[22:22] Seit dem Moment, wo er erst mal verstanden hat, was seine Mission ist, hat er gedient. Stellt
[22:28] euch vor, er hat mit zwölf Jahren erkannt, dass er der Messias ist, auf den alle warten. Dann hat
[22:33] er 18 Jahre lang gedient. Welchen Beruf hat er ergriffen? Zimmermann. Jetzt sagt uns die Bibel
[22:43] nicht explizit, warum er ausgerechnet diesen Beruf ergriffen hat, aber könnt ihr euch vorstellen, wie
[22:48] Jesus als Zimmermann gearbeitet hat? Wie stellt ihr euch das vor? Was wird ihn so gekennzeichnet haben?
[22:53] Qualität. Also bei ihm hat jeder Stuhl, weiß nicht, ob es damals schon Stühle gab oder Tische oder was auch immer,
[23:01] was immer er hergestellt hat, es hat alles gepasst. Jesus war in seinem Dienst für die Menschen,
[23:11] in seinem Dienst im Alltag, genauso fehlerfrei, irrtumslos, sündlos, genauso, wie soll ich sagen,
[23:20] akkurat, wie dann später auch als Prediger und als Mensch in seinem Leben.
[23:41] Also der Punkt, den ich machen möchte, ist der: Jesus hat all diese Dinge schon ausgelebt, lange
[23:47] bevor er im Vollzeitdienst für Gott war. Jesus musste nicht erst Prediger sein, um ein gläubiges
[23:56] Leben zu leben. Man kann als normales Gemeindeglied, das war ja Jesus, er war einfach ein ganz normales
[24:04] Gemeindeglied, hatte keine große Aufgabe, war kein Gemeindeleiter, hat einfach nur seine Arbeit
[24:08] gemacht und ist am Samstag in die Gemeinde gegangen. Als ganz normales Gemeindeglied, ohne besondere
[24:14] Funktion, ohne besonderes Wahlamt, ohne irgendwas, kann man das Beste für Gott geben und dementsprechend
[24:24] ein echtes Licht sein. Er war zwar nicht weltbekannt zu dem Zeitpunkt, aber alle, die ihn kannten,
[24:29] die haben ihn geschätzt. Er nahm zu an Gnade bei Gott und den Menschen, sein einfaches, demütiges,
[24:36] gottgeweihtes Leben, das Ausleben des Reiches Gottes im Alltag, mitten in der Finsternis von
[24:42] Nazareth, diesem kleinen, bösen Dorf, hat dazu geführt, dass das Licht schon mal anfing zu
[24:48] leuchten, mitten im finsteren Galiläa. Nun, jetzt ist es ja so, dass, obwohl wir vom Leben Jesus nicht
[24:57] viel wissen, wir doch ein bisschen wissen, was in diesen 18 Jahren so drumherum geschah. Und ich
[25:03] dachte mir, es wäre doch interessant, mal kurz zusammenzufassen, was der junge Jesus in der
[25:07] Zeitung gelesen hätte, wenn es eine Zeitung gegeben hätte, was so das Gespräch war in all diesen Jahren,
[25:14] was ist so um ihn herum passiert. Wir haben ihn ja zurückgelassen im Jahre 9, als er ungefähr 12
[25:22] Jahre alt war, ungefähr im Jahre 9. Weiß jemand, was noch im Jahre 9 Berühmtes passiert ist? Ein
[25:28] ganz, ganz, ganz, ganz berühmtes Ereignis, damit hat man früher im Geschichtsunterricht mal angefangen.
[25:32] Nein, nein, nein, gar nichts mit der Bibel zu tun, Weltgeschichte im Jahre 9. Herodes war schon
[25:41] vorgestorben, 4 vor Christus. Eine ganz berühmte Schlacht, die uns Deutsche auch, genau, die Schlacht
[25:48] im Teutoburger Wald. Schon mal gehört? Ja, was ist denn da passiert? Die Schlacht im Teutoburger Wald,
[25:58] das war, als die Germanen, als die Germanen sich erfolgreich zur Wehr gesetzt haben gegen die
[26:07] Römer. Die Römer hatten ja bis dahin alles erobert, was nicht niet- und nagelfest war, und hier
[26:11] haben sie ihre größte militärische Niederlage erhalten. Drei Legionen, 20.000 Soldaten sind von
[26:19] den Germanen niedergemacht worden, unter dem Befehl von Varus. Da gibt es den berühmten Ausspruch
[26:24] vom Kaiser: "Varus, gib mir die Legionen wieder!" Das war natürlich ein ziemlicher Schlag für die Römer,
[26:31] und im gleichen Jahr gab es einen neuen Statthalter in Judäa. Nach Koponius kam jetzt Markus, so hieß
[26:45] er, Markus Ambivulus. Markus Ambivulus. Das war der zweite Statthalter in Judäa. Und interessant ist,
[26:57] man hat Münzen von ihm gefunden, und normalerweise hat man auf den Münzen eines Herrschers immer was
[27:03] drauf, das Bild. Und von ihm findet man keine Münzen mit Bildern, sondern nur so mit allgemeinen
[27:11] Symbolen, so Datteln und Feigen und ich weiß nicht was. Und man interpretiert das so, dass er
[27:16] wahrscheinlich sehr sensibel gewesen ist den Juden gegenüber, weil manche Juden das zweite
[27:21] Gebot so interpretiert haben, dass man keine Bildnisse machen darf. Und er wollte keinen Aufstand
[27:25] erregen und hat also versucht, sich anzupassen an die jüdische Kultur. Also eigentlich ein ganz
[27:29] freundlicher Statthalter. Es gab auch keinerlei Aufstände in seiner Zeit, und es blieb relativ
[27:34] ruhig. Und naja, das Ganze ging dann bis ins Jahre 12, und dort ist er dann abgelöst worden und zwar
[27:44] von Annius Rufus. Das war der dritte Statthalter in Judäa. Annius Rufus. Zu dem Zeitpunkt muss Jesus so
[27:57] um die 15 Jahre alt gewesen sein. Ich denke, das wird er schon mal gehört haben: neuer Statthalter
[28:02] in Judäa. Er selbst lebt ja nicht in Judäa, sondern in Galiläa. Und Galiläa war nicht jüdische
[28:07] Provinz, nicht römische Provinz, sondern war halt unter römischer Hoheit, aber da gab es immer noch
[28:13] den König, diesen Herodes Antipas. Und naja, das war auch die Zeit, wo der Tiberius an Macht gewann.
[28:25] Tiberius sollte bald römischer Kaiser werden, und er war mittlerweile Feldherr, auch in Germanien
[28:33] gewesen, und er bekam jetzt schon Regierungsämter übertragen, ist dann auch im Triumph in Rom
[28:40] eingezogen. Und dann im Jahre 14, als Jesus 17 Jahre alt war, da ist Kaiser Augustus gestorben.
[28:53] Das muss Jesus mitbekommen haben. Wenn der Kaiser stirbt, das geht bis in die letzten Winkel der
[29:05] damals bekannten Welt, und die war relativ groß. Die Römer hatten zu diesem Zeitpunkt sogar erste
[29:10] diplomatische Kontakte nach Südindien, also haben sich wirklich in der Welt bekannt gemacht. Und
[29:18] Tiberius wird Kaiser, und es gibt weitere Feldzüge in nach Germanien, aber das hat nicht so wirklich
[29:25] Erfolg. Und es passiert etwas Interessantes in Israel, und zwar im Jahre 15, da muss Jesus um die 18 Jahre
[29:36] alt gewesen sein, da wird der Hohepriester Hannas abgesetzt. Der kommt später auch in den
[29:44] Evangelien vor. Es ist der, der dann bei der Gefangennahme Jesu als allererster ihn verhört.
[29:51] Johannes wird er beschrieben, der Hohepriester Hannas, und der war damals schon mal Hohepriester
[29:56] und ist dann abgesetzt worden. Und an seiner Stelle kam ein gewisser Ismael Ben-Fabi.
[30:11] Ismael Ben-Fabi wurde neuer Hohepriester. Damals war das so, das Hohepriesteramt war
[30:21] wie so eine politische Angelegenheit. Da gab es dann verschiedene Fraktionen, verschiedene
[30:26] Priesterfamilien, die haben dann darum gestritten, wer dann von ihren Nachfolgern Hohepriester
[30:31] werden konnte. Und der eine König hat dann die Familie unterstützt und der Gouverneur hat die
[30:35] Familie unterstützt. Da gab es so richtige Ränkespiele. Und der Ismael Ben-Fabi, der galt
[30:42] als der schönste Mann von ganz Judäa. Allerdings war er auch derjenige, der am meisten dem Luxus
[30:49] sich hingegeben hat. Da hat man einen Hohepriester gehabt, der seine ganze Zeit verschwendet
[30:53] hat in Schwelgerei und Luxus, und das gab natürlich einen Skandal. Also könnt ihr euch vorstellen,
[30:59] als Jesus so um die 18 Jahre alt war, da war der Generalkonferenzpräsident Judas, sozusagen das
[31:07] Oberhaupt der Kirche, also jemand, der sich einfach nur dem Luxus und der Schwelgerei hingibt und das
[31:18] ganz offen. Also fast so ein Playboy, aber üble Missstände in der Kirche. Das ist ganz interessant,
[31:29] auch wenn man das mal im Hinterkopf behält. Jesus hätte vielleicht sagen können, mit 18,
[31:32] denn mit 18 Jahren ist man so im Alter, wo man denkt, jetzt kann ich selbst entscheiden,
[31:37] ich bin nicht groß genug, jetzt fange ich mal was an. Und er wusste, was seine Aufgabe ist,
[31:42] er wusste auch, wie korrupt die Kirche ist, der er angehört. Und er hätte ja durchaus sagen können:
[31:48] "Ich warte jetzt mal nicht länger, ich starte schon mal was." Oder? Aber er wusste, ich muss noch ein
[31:54] bisschen warten, noch weitere zwölf Jahre und zusehen, obwohl das alles so in negative Tendenzen
[32:02] geht. Fand ich ganz interessant. Der Hannas hatte übrigens fünf Söhne und auch noch einen
[32:10] Schwiegersohn, auf den kommen wir gleich. Und es gibt manche Bibelausleger, das ist nur eine
[32:15] Spekulation, die vermuten, ihr kennt doch in Lukas 16 dieses Gleichnis von dem reichen Mann
[32:20] und dem armen Lazarus. Und der reiche Mann hat auch fünf Söhne. Und da vermutet man, dass der Hannas
[32:30] da so ein bisschen Pate gestanden hat, der alles verschwendet hat, der Hohepriester. Übrigens,
[32:34] aus welcher Sekte kamen die ganzen Hohepriester? Die Juden hatten ja verschiedene Religionsparteien,
[32:43] können wir vielleicht besser sagen. Aus welcher Gruppe kamen die meisten Hohepriester? Die
[32:48] kamen fast alle von den Sadduzäern. Von den Sadduzäern. Jetzt, wer waren die Sadduzäer?
[32:55] Also, wen gab es noch? Es gab die Sadduzäer und es gab die Pharisäer und es gab die Zeloten,
[33:04] sehr gut. Und es gab die Pharisäer, Sadduzäer, Zeloten, dann gab es noch die Essener und dann
[33:13] gab es noch die Therapeuten. Schon mal von denen gehört? Okay, also zunächst mal die Sadduzäer.
[33:18] Die Sadduzäer waren so die, das waren die besonders Gebildeten, die hatten besonders viel
[33:24] auch von diesem hellenistischen griechischen Geist. Sie haben bestimmte biblische Lehren
[33:30] abgelehnt. Wir würden also sagen, das waren quasi die Liberalen, die sich der Welt anpassen. Das
[33:35] waren so die, die mit Rom am ehesten vielleicht noch versucht haben anzubandeln, die mit griechischer
[33:42] Philosophie sich auch beschäftigt haben und die so manche Sachen nicht mehr ernst genommen haben.
[33:46] Die haben nicht an Auferstehung geglaubt, sie haben nicht an Engel geglaubt und vor allem haben
[33:51] sie nur die ersten fünf Bücher Mose als verbindlich anerkannt. Das andere haben sie so gesagt, naja,
[33:55] das ist nicht ganz so inspiriert. In manchen Hinsichten, naja, also die haben verschiedene
[34:03] Lehren hinterlassen, aber die Sadduzäer waren jedenfalls, die haben vieles abgelehnt und waren
[34:07] eher so politisch eingestellt und hatten meistens das Hohepriesteramt inne. Ganz interessant.
[34:14] Jetzt, wer waren die Pharisäer? Die haben natürlich das geglaubt, was die Sadduzäer nicht mehr geglaubt
[34:23] haben, aber was war an denen besonders? Ja, also das waren eher so die Konservativen, würde man
[34:30] sagen, in gewisser Weise. Das waren die, die wollten alles bewahren, aber nicht nur die Bibel,
[34:34] sondern auch noch die Interpretation über die Bibel von den vorhergehenden Generationen. Die
[34:40] Tradition der Ältesten und so waren sie ganz fleißig darin zu sammeln, was hat Rabbi X und
[34:45] Rabbi Y gesagt und was hat er gesagt und das muss alles auswendig gelernt werden und haben tausende
[34:51] Extrargeln und Sonderregeln erfunden. Und sie nannten sich also die Heiligen, die Abgesonderten,
[34:56] ja, die Pharisäer. Damals, heute ist es ja verkehrt.
[35:00] Ein Schimpfwort, also es ist ja "pharisäisch". Aber damals war das etwas ganz, ganz Angesehenes,
[35:05] wenn jemand ein Pharisäer war. Die haben dann sich ganz öffentlich gezeigt als die besonders
[35:10] Heiligen, die Almosen geben. Wer waren die Zeloten? Und nicht vergessen, das sind alles
[35:18] Gruppen, die Jesus kannte, die es auch in seiner Synagoge gegeben hat, hier oder mehr. Und wenn
[35:25] er in Jerusalem kam, jedes Jahr hat er immer wieder Kontakt gehabt mit den Sadduzäern, mit
[35:29] den Pharisäern und mit den Zeloten. Wer waren die Zeloten? Ja, die Zeloten, also die Sadduzäer
[35:38] waren eher so die Liberalen, die Pharisäer so die Konservativen und die Zeloten, das waren die
[35:45] Politischen. Die wollten nicht einfach nur mit Beten und Bibel lesen, die Römer vertreiben,
[35:50] sondern die haben gedacht, wir müssen mal ganz handfeste Argumente bringen, nämlich mit Waffen.
[35:54] Die Zeloten waren so eine Art Widerstandsbewegung, die haben gesagt, Religion ist nur dann gut,
[36:00] wenn auch in der politischen Revolte sich das zeigt. Also die haben Aufstand gefördert,
[36:06] das waren quasi so etwas wie Terroristen. Da gab es einen militanten Arm, die hatten so einen,
[36:12] wie heute auch Parteien haben, die etwas noch weiter rechts sind, weiter links sind,
[36:17] so einen rechten Parteiflügel und einen linken Parteiflügel. Die besonders Militanten oder
[36:22] den Zeloten, das waren die sogenannten Sikarier. Und die hießen Sikarier, das kommt von dem
[36:28] griechischen Wort Dolch. Das waren die Dolchmänner, dafür bekannt, dass sie immer mal wieder jemanden
[36:35] erdolcht haben. Und das waren also wirklich die Terroristen, das waren die Terroristen des
[36:40] Judentums. Wenn immer da ein römischer Hauptmann, vielleicht unbewacht, des Nachts die Straße gegangen
[36:46] ist, dann konnte man darauf warten, dass irgend so ein Sikarier hinter dem Busch lauerte mit seinem
[36:51] Dolch und dann den Römer erdolcht hat. Und dann hatten sie wieder jemanden ermordet. Das galt so
[36:57] quasi als Befreiung des Volkes, damit endlich der Messias kommen kann. Also wenn Jesus im Tempel mit
[37:05] 18, 19, 20, 21 da mit Leuten diskutiert hat, dann hat er wahrscheinlich mit Leuten diskutiert,
[37:10] die gesagt haben: "Ach, das Buch Daniel, das ist gar nicht so inspiriert, das können wir auch nicht
[37:16] glauben hier." Dann mit Leuten diskutiert, die gesagt haben: "Wir müssen alles halten, ganz genau,
[37:19] und zwar nicht nur, was die Bibel sagt, sondern auch noch, was hier Rabbi X gesagt hat." Und dann
[37:24] hat er wieder mit anderen Leuten Kontakt gehabt, die gesagt haben: "Jesus, wenn du wirklich was für
[37:28] dein Volk tun willst, kauf dir ein Dolch und lass uns jetzt mit Gewalt die Römer vertreiben." Also
[37:35] das waren die Sadduzäer, die Pharisäer, die Zeloten. Und dann gab es die Essener. Die Essener,
[37:43] die waren eine Gruppe, die sich auch für die Heiligkeit eingesetzt hat und zwar so heilig,
[37:49] dass sie gesagt haben: "Israel, Judäa ist so sehr abgefallen, wir können nicht mehr bei ihnen bleiben,
[37:59] wir müssen uns von Judäa distanzieren. Die Gemeinde ist Babylon, sozusagen." Das haben sie gesagt,
[38:06] die Gemeinde ist Babylon, und wir müssen jetzt in unsere eigenen heiligen Höhlen uns verkriechen
[38:13] und dort warten, bis der Messias kommt. Also ich weiß gar nicht, ob Jesus überhaupt so
[38:18] großen Kontakt mit ihnen gehabt hat, weil sie nämlich gar nicht mehr da waren, als Jesus dann
[38:21] groß wurde. Sie saßen dort in Qumran zum Beispiel, beim Toten Meer, in den Höhlen und haben dort ganz
[38:29] still gelebt, haben wohl auch, soweit ich weiß, keine Eheschließung gehabt und naja, jedenfalls
[38:40] haben sie sich sehr für Literatur eingesetzt, haben die ganzen biblischen Schriftrollen
[38:46] abgeschrieben und man konnte also immer wieder von ihnen gute Bücher bekommen. Ich finde das
[38:51] ganz interessant, weil irgendwie gibt es all diese Gruppen heute auch noch. Also so prinzipiell,
[38:56] da gibt es diese Gedankengänge und das war alles das Spektrum, was Jesus vorfand, als er in der
[39:03] Gemeinde aufwuchs. Die Liberalen, die Konservativen, dann der Gewaltbereite, die politisch aktiv waren
[39:09] und dann so ganz Extremisten, die eigentlich von der Gemeinde sich distanziert haben. Und die Szene,
[39:16] die kommen in der Bibel deswegen auch nicht vor, weil sie, wie gesagt, sich distanziert haben.
[39:23] Alle anderen kommen vor, aber die haben sich quasi selbst ins Aus buxiert. Und dann gab es
[39:28] noch die Therapeuten. Das sind vielleicht die Unbekanntesten. Das waren Juden in Ägypten.
[39:36] Die haben jetzt, das waren keine medizinischen Missionare, wie man vielleicht denken könnte.
[39:40] Die Therapeuten, das waren im Prinzip Mystiker. Die haben also, das waren im Prinzip sowas wie
[39:46] jüdische Mönche, die haben alle einzeln gelebt, durften nicht heiraten und haben sehr asketisch
[39:52] gelebt, auf alles Fleisch verzichtet, waren strikter Vegetarier, interessanterweise. Aber
[39:59] bei ihnen, das nahm schon also wirklich extreme Züge an und viele sagen, dass die spätere
[40:05] Mönchsbewegung im frühen Mittelalter zurückgeht auf diese Ideen von den Therapeuten. Die haben
[40:12] also griechische Philosophie dann hineingenommen und naja, ziemlich mystisch war das Ganze. Und
[40:20] es gab eine ganze Bandbreite an Glaubensüberzeugungen. Wenn man dann jetzt noch die nimmt,
[40:25] die gar nicht Juden waren, wie zum Beispiel die Samariter, die auch nur an die fünf Bücher
[40:28] Mose geglaubt haben und dann ihre eigene Tradition und dann natürlich manche Heiden,
[40:33] die Proselyten waren, die dann zum Judentum übergetreten waren. Also es gab zur Zeit von
[40:39] Jesu eine große Unterschiedlichkeit in der Gemeinde, was es alles gab. Es gab nicht die
[40:44] eine jüdische Religionsauffassung. Es war sehr zersplittert. Das ist interessant, weil Jesus
[40:51] hätte in dem Alter ja sich durchaus einer der Gruppen anschließen können. Er hätte sagen können:
[40:54] "Ich werde ein Zelot oder ich werde ein Essener. Ich kann das nicht mehr sehen,
[41:00] diese ganzen Umstände hier mit den Hohepriestern." Oder er hätte sagen können:
[41:03] "Als kommender Messias muss ich mich politisch richtig einfädeln. Ich müsste ein Sadduzäer
[41:08] werden." Er hat sich von all dem zurückgehalten. Sich weder auf die Seite von den einen noch
[41:14] der anderen gestellt, sondern was war seine Position? Er steht geschrieben.
[41:19] Ganz genau, er wollte der Wahrheit, er wollte der Bibel wieder ans Licht verhelfen. Es ist
[41:28] ganz interessant, das so im Hinterkopf zu behalten, wenn wir dann die Evangelien durchgehen.
[41:32] Naja, in dem Zusammenhang im Jahre 15 kommt auch noch ein neuer Statthalter. Sein Name ist
[41:44] Valerius Gratus. Der wird Statthalter von Judäa, Samaria und Idumäa. Kurze Zeit später haben die
[41:59] Römer dann aufgegeben, Germanien zu erobern. Die Germanen waren einfach zu stark für sie und haben
[42:05] dann einfach die Grenze dort am Rhein gelassen. Im Jahre 17, als Jesus ungefähr 20 war, gab es
[42:11] ein großes Erdbeben in Kleinasien. Mehrere Städte sind zerstört worden und der Kaiser Tiberius hat
[42:17] diese ganzen Städte aus seiner Privatkasse wieder aufbauen lassen. Da bekommt man eine Idee, wie reich
[42:23] er war. Er hat also sein Portemonnaie aufgemacht, Geld rausgegeben und dann konnte man Städte wieder
[42:28] aufbauen. Im selben Jahr, im Jahr 17, ist was passiert, was auf jeden Fall auch Jesus beschäftigt
[42:38] haben müsste. Im Jahre 17 hat der Herodes Antipas, der Tetrarch von Galiläa, eine Stadt bauen lassen,
[42:47] und zwar die Stadt Tiberias, 30 Kilometer östlich von Nazareth, in Ehren von, zu welchen Ehren, wen
[42:58] wollte er damit ehren? Den Tiberius. Und er baut diese große, moderne griechische Stadt mit allem,
[43:05] was eine griechisch-römische Stadt braucht, nämlich eine Rennbahn, ein Theater, ein Forum,
[43:10] Paläste, also das ganze Entertainment, die ganze Unterhaltungsindustrie Roms war jetzt auch vor der
[43:19] Tür von Jesus. Interessanterweise ist die Stadt aufgebaut worden auf einem römischen Friedhof,
[43:28] einem jüdischen Friedhof. Das heißt, eigentlich war die Stadt unrein und deswegen haben viele Juden
[43:35] die Stadt erst mal gemieden, weil sie gesagt haben, da darf man nicht rein, weil die ist auf einem
[43:38] Friedhof zum Teil gebaut worden. Und dann im Jahre 18, als Jesus um die 21 war, da gibt es einen neuen
[43:49] Hohepriester, der Valerius Gratus. Er nennt einen gewissen Kaiphas zum Hohepriester. Schon mal was
[43:57] zu dem gehört? Der Kaiphas war ein Schwiegersohn von dem Hannas. Er hatte die Tochter von Hannas
[44:04] geheiratet und deswegen wird später auch Hannas immer noch als Hohepriester erwähnt, weil man
[44:09] konnte Hohepriester im biblischen Sinne ja nur auf Lebenszeit sein. Das heißt, wenn der Hannas
[44:13] abgesetzt worden ist, da kam ein neuer, dann galt der Hannas immer noch als Hohepriester, auch wenn
[44:17] er nicht mehr im Amt war. Deswegen findet man in der Bibel öfter mal die Hohepriester, obwohl es
[44:22] ja biblisch gesehen nur einen gibt. Dann waren es die Abgesetzten und der gerade oft im Amt sich
[44:27] befinde. Und hier, als Jesus 21 ist, wird Kaiphas Hohepriester. Und wie gesagt, es gab immer wieder
[44:38] bei diesen Neubesetzungen des Hohepriesterlichen Amtes starke Auseinandersetzungen. Es wird davon
[44:44] berichtet, dass dort viel Geld geflossen ist. Es gab Bestechungen, es gab zum Teil auch Mord und
[44:50] Totschlag, um dann Rivalen aus dem Weg zu bringen. Und wie gesagt, auf den 21-Jährigen muss das ganz
[44:55] schön stark gewirkt haben. Die ganze Korruption, die ganzen Ränkespiele in der Kirche. Stellt euch
[45:04] vor, ihr seid 21 und ihr wisst, ihr seid der Messias. Ihr seid auf einer Mission, die Gott
[45:09] euch gegeben hat. Und ihr seht all diese Missstände, diese furchtbaren, katastrophalen Missstände in
[45:15] der Kirche. Ich glaube, wir alle hätten wahrscheinlich uns wirklich überlegt, nicht vielleicht schon mal
[45:19] anzufangen, oder? Und doch wusste er, ich muss noch acht, neun Jahre warten, weil er kannte die
[45:30] Prophezei. Die Prophezei zu kennen, hat Jesus davor bewahrt, voreilig sich ins Gefecht zu stürzen. Seine
[45:40] Zeit kam und er würde auch seinen Konflikt mit Kaiphas haben, ohne Frage. Aber zu früh wäre das
[45:46] Ganze schlecht ausgegangen. Er kannte die Prophezei und interessanterweise war es die Prophezei, die ihn
[45:51] davor bewahrt hat, voreilig zu sein. Heute erlebt man es ja manchmal, dass manche Menschen die
[45:57] Prophezei zum Vorwand nehmen für voreilige Schritte. Dass man sagt, das und jenes und jetzt müssen wir ganz schnell und ganz radikal und sofort. Aber die
[46:07] Prophezei hat dazu geführt, dass Jesus trotz aller Missstände ruhig geblieben ist und wusste: Meine
[46:15] Zeit kommt. Das finde ich an dem Punkt sehr wichtig. Und dann im Jahre 19 wird Tiberias die neue Hauptstadt von Galiläa.
[46:26] Die alte Hauptstadt, Sepphoris, war nur acht Kilometer von Nazareth entfernt. Jetzt war also der ganze
[46:36] Hofstaat ein bisschen weiter entfernt von Nazareth. Sepphoris hieß die alte Hauptstadt. Relativ
[46:44] unbekannt heute. Tiberias hat sich ja dann später durchgesetzt. Und dann im Jahre 21, da hat sich der
[46:53] Kaiser Tiberius von Rom verabschiedet. Der hatte keine Lust mehr so richtig auf Rom. War zwar Kaiser noch, aber er
[47:00] wollte sich lieber zur Ruhe setzen als amtierender Kaiser und zwar in Capri. Ich war bei Capri, die Sonne untergegangen.
[47:07] Und als im Jahre 23 sogar sein Sohn gestorben ist, sagt man, hat Tiberius keine Lust mehr aufs
[47:15] Regieren gehabt. Hat sich nur noch dort auf seinem Alterssitz den allerschlimmsten Sünden hingegeben.
[47:22] Hat nur noch Luxus und Schwelgerei und Dinge, die man hier besser nicht öffentlich nennt, getan.
[47:26] Und das war natürlich auch etwas, was dem römischen Reich sehr zu schaffen gemacht hat, dass der Kaiser
[47:31] irgendwie, der sitzt da in seinem Feriendomizil und überlässt das Reich sich selbst.
[47:38] Und hat natürlich auch nicht gerade zur Verbesserung der Lage beigetragen, sich gedient.
[47:46] Naja, und dann interessanterweise, wenn man die Weltgeschichte anschaut, die nächsten Jahre passiert
[47:54] fast nichts von irgendeiner Bedeutung. Fast so, als ob sowohl der Himmel als auch der Gegenspieler
[48:01] den Atem anhalten. Die Prophezei nähert sich dem Ende. Der Messias wird auftreten. Man findet in
[48:07] Jahren 24, 25, 23, man findet kaum irgendwelche nennenswerten Ereignisse, weder in Judäa noch
[48:15] im Rest der Welt. Es ist fast wie so die Ruhe vor dem Sturm. Kein neuer Kaiser. Tiberius, der hat noch
[48:22] lange regiert, halt da in Capri. Und dann im Jahre 26 sind es zwei Dinge, die man auf jeden Fall noch
[48:33] erwähnen sollte. Nämlich eine Sache, die man erwähnen sollte. Es gibt einen neuen Statthalter in Judäa.
[48:44] Und der Valerius Gratus, der verschwindet. Und wisst ihr, wer jetzt gekommen ist? Genau, ein Mann namens Pontius Pilatus.
[48:57] Gerade rechtzeitig sozusagen. Die Prophezei würde sich bald erfüllen. Und zu dem Zeitpunkt war Jesus so um die 29 Jahre.
[49:05] Und da wusste er schon, wahrscheinlich wird das derjenige sein, wenn der nicht gleich wieder abgelöst wird,
[49:11] mit dem ich in Konflikt geraten werde. Denn wenn ich getauft werde, werde ich noch dreieinhalb Jahre haben.
[49:17] Das wusste Jesus. Wahrscheinlich bei dieser Nachricht, dass Pontius Pilatus dort hingesetzt worden ist,
[49:27] hat er vielleicht da schon für ihn gebetet. Naja, damit, dass man als kleiner Überblick über das,
[49:36] was so passiert ist zur Zeit, als Jesus aufwuchs, als er zunahm an Gnade und Weisheit vor den Menschen.
[49:45] Im neuen Jahr werden wir uns dann beginnen, mit dem eigentlichen Dienst von Jesus zu beschäftigen.
[49:55] Also all das, was passiert ist, von der Taufe des Johannes an bis hin, natürlich bis zu seiner Auferstehung.
[50:01] Und wir werden genau an diesem Punkt anknüpfen, wenn dann der öffentliche Dienst von Jesus zeigt,
[50:09] was er an all diesen 18 Jahren gelernt hat. Vergiss nicht, er hat 18 Jahre lang im Reich Gottes gelebt,
[50:15] hat in 18 Jahren lang Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist praktiziert, als Zimmermann.
[50:23] Und ich glaube, egal wo uns Gott hingestellt hat, wenn es der kleinste Ort ist, die demütigste Aufgabe,
[50:31] die unscheinbarste Situation, wir können genauso wie Jesus im Geist wachsen, zunehmen an Gnade und Weisheit.
[50:39] Wir können vor den Menschen und vor Gott wohlgefällig sein. Wir können das Gesetz im Herzen haben und alles, was wir tun.
[50:47] Und sei es, dass wir abwaschen oder unser Zimmer sauber machen oder einen Tisch herstellen wie Jesus.
[50:53] Was immer wir tun, wir können es so tun, dass es zur Ehre Gottes ist, dass gesagt werden kann:
[50:59] "Es war Gott wohlgefällig und vor den Menschen." Und darin ist Jesus ein echtes Vorbild.
[51:06] Wer von uns möchte sagen, wir wollen Jesus in allem, auch in dem unscheinbarsten Detail des Lebens, Gott die Ehre geben?
[51:14] Dann lasst uns doch gemeinsam in die Knie zum Gebet.
[51:27] Lieber Vater im Himmel, hab du herzlichen Dank für dieses eine kleine Wort in Lukas 2, 52,
[51:36] dass Jesus zunahm an Gnade und Weisheit vor den Menschen und vor dir.
[51:41] Hab Dank, dass wir sehen dürfen, dass er in jeder Lebensphase mit dir verbunden gewesen ist.
[51:47] Und dass wir auch in jeder Lebensphase mit dir verbunden sein können.
[51:50] Wir brauchen noch so viel mehr an Gnade und Weisheit und Stärke.
[51:53] Wir möchten dich bitten, dass wenn wir auf dich schauen, dass wir auch zunehmen können,
[51:57] dass unser Leben bergauf geht, dass wir geistlich zunehmen und nicht abnehmen.
[52:01] Dass wir näher zu dir gezogen werden und jeden Tag noch mehr deine Liebe und deinen Charakter offenbaren.
[52:07] Auch in unserem Alltag, wenn es scheinbar niemand mitbekommt.
[52:10] Als Jesus damals dort gedient hat, hat es auch scheinbar so gut wie niemand mitbekommen.
[52:14] Und doch reden wir heute noch davon.
[52:16] So möchten wir dich bitten, dass auch unser Leben so ein Vorbild sein kann für das Reich Gottes in unserem Herzen.
[52:22] Schreib du dein Gesetz in unser Herz und sei du bei uns. Im Namen Jesu. Amen.
[52:37] Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!


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